Jakob Lorber

Das Weltbild des Geistes

Geistige Anatomie des Menschen Der Kosmos in geistiger Schau Licht und Ton - geistige Elemente Das innere Wesen der Naturordnung

Die Buchreihe

»Das Weltbild des Geistes«

dient der Verbreitung der Neuoffenbarungswerke Jakob Lorbers in einer die bisherige Herausgabe ergänzenden Form. Wenngleich nur die Kenntnis des Gesamtschrifttums dieses begnadeten Mystikers des 19. Jahrhunderts zum profunden Verständnis seiner Gott, Weltall und Menschheit umfassenden Geistlehre Jesu Christi hinzuleiten vermag, liegt dennoch in weiten Kreisen das Bedürfnis vor, bestimmte Teilgebiete dieses Geistesgutes in gedrängterer Form studieren zu können. Dies bezieht sich insbesondere auf solche Darstellungen, die Lorber durch das innere Wort über die geistigen Grundlagen der Natur, das verborgene Wesen des Universums, sowie über den Menschen als Bindeglied von der Naturwelt zur göttlichen Geistessphäre empfing.

Vielen Wahrheitssuchern der Gegenwart ist — bedingt durch den gewaltigen Umfang des Lorberwerkes — die völlige Durcharbeitung seines gesamten Schrifttums unmöglich geworden. Der Verlag hat sich daher mit der neuen Buchreihe "Das Weltbild des Geistes" die Aufgabe gestellt, jedem einzelnen Bande ein bestimmtes Thema zugrunde zu legen, dessen Erläuterungen sich oftmals in verschiedenen Lorber-büchern verteilt vorfinden und hier erstmalig zu einem geschlossenen Ganzen zusammengefaßt erscheinen.

Mit Ausnahme eines einführenden Kurzkommentars und ev. Hinweisen des Herausgebers folgen diese Bände genau dem Texte des Originals. Dabei wurde jedoch versucht — ohne dem geistigen Sinn im geringsten Abbruch zu tun — eine der heutigen Zeit entsprechendere Lesart des zuweilen veralteten Sprachstils Lorbers zu erzielen. Damit wird einer Forderung Rechnung getragen, den einmaligen Geistesschatz des Neuoffenbarungswerkes auch dem modernen Leser in der Denkweise und Sprache unserer Zeit neu zu erschließen.

Viele neue Erkenntnisse hat die Menschheit seit dem schriftlichen Wirken Lorbers (1840-1864) durch den Siegeszug einer Naturwissenschaft gewonnen, deren materialistisches Weltbild nun langsam zu wanken beginnt. Möge das ewige Weltbild des Geistes, wie es uns das inspirierte Schrifttum Lorbers vermittelt, den wahren Wesenskern allen errungenen Menschenwissens so leuchtend offenbaren, daß im kommenden Zeitalter Religion und Wissenschaft — Baum des Lebens und Baum der Erkenntnis — wieder vereint zu den beiden Zeugen der göttlichen Liebe und Schöpfungsweisheit heranwachsen!

Der Herausgeber

Geistige Anatomie des Menschen

Vorwort

Zahlreich sind die noch ungeklärten oder nur wenig erforschten Geheimnisse auf dem Gebiete der Anatomie, jener Wissenschaft, welche die Basis der gesamten Medizin bildet. Zwar vermochten Forschergeist und technischer Fortschritt viel Verborgenes an den Tag zu bringen, doch wird sich auch künftig so manches einer Betrachtungsmethode entziehen, deren Hauptfundamente die beiden Säulen anatomischer Erkenntnismöglichkeiten darstellen: die Sezierung von Körperorganen und die begrenzten Gegebenheiten der Röntgen-Durchleuchtung.

Stößt das Röntgenbild durch die verschiedene Dichte der Körpermaterie auf nicht zu beseitigende Widerstände gegen die Strahlendurchlässigkeit, so bietet die Sezierung von Leichen wieder ein anderes Hindernis bei der letzten Ergründung von Organfunktionen. Denn wenn das Leben (geistig gesprochen: die Seele) den stofflichen Körper verläßt, verliert sich damit bei manchem Organ sofort auch das formgebende Prinzip. Das einst sinnvoll gegliederte Teilstück der Physis wird deformiert oder gar zu formloser Masse, die kaum mehr treffende Rückschlüsse auf die Art ihres lebendigen Wirkens zuläßt.

Gewiß schuf die moderne Wissenschaft auch praktische physikalisch-chemische Vorbedingungen, um bei manchen Körperorganen auch nachtodlich eine Art vegetativen Lebens eine Zeitlang aufrechtzuhalten. Dabei wären jedoch die zur

Erreichung weiterer anatomischer Ergebnisse erforderlichen Methoden derart subtiler Natur, daß selbst die heutige Mikroskopie nicht ausreicht, diese atomaren Teile des Mikrokosmos Mensch in ihren tätigen Zusammenhängen sichtbar zu erfassen. Wenn schon die Ursache der Bindung von Atomen zu Molekularverbänden ein ungelöstes Geheimnis bleibt (und bleiben wird, solange man nicht die Formkraft der geistig-seelischen Kräfte ins Kalkül zieht), — wie könnte man dann mit rein materiellen Methoden samt ihren Apparaturen erwarten, solcherart in die Mysterien des Lebens einzudringen!

Hier bleibt der Mensch stets auf die innere Schauungsgabe, auf die Sehkraft seines geistigen Auges angewiesen. Es ist kein Zufall, daß gerade die kontemplative Betrachtungsweise des Ostens uns in zahlreichen, vor allem altindischen Schriften eine Anatomie des feinstofflichen Menschenleibs überliefert hat: jenes Ätherkörpers, der das vegetative Leben des physischen Daseins regelt und dessen Strahlorgane (indisch Chakras) das Bindeglied zwischen dem primären Seelenleben des Menschen und dem von ihm miterregten Körperleben bilden. Die Ablehnung dieser Tatsachen durch die westliche Schulmedizin ist der Grund, warum diese im Prinzip kaum mehr über das bisher Erreichte hinauszugelangen vermag.

Höher noch als diese seelische Innenschau stehen jene seltenen Kundgaben des Geistes, die dem Erdenmenschen zuweilen durch das inspirative "innere Wort" vermittelt werden. Der bisher bedeutendste Träger dieser göttlichen Gabe war der Mystiker Jakob Lorber. In seinen Schriften finden sich mehrfach bedeutende Hinweise auf das Wunderwerk des menschlichen Körpers mit der Vielfalt seiner kunstreichen Organe und deren Bestimmung im Gesamtver-bande des Zellenstaates. Grundlage dieser Eröffnungen ist die Lehre von der Drei-Einheit des Menschen: seinem innersten Geiste als dem leitenden Gottesfunken, seiner seelischen Wesenheit als der leben- und gestaltvermittelnden Kraftwelt, und seiner fein- und grobstofflichen Körperlichkeit als der Trägerin von Idee und Kraft.

In diesem Sinne drückt ein jedes Körperorgan eine stofflich gestaltgewordene geistige Schöpfungsidee aus, die — vom Kraftstrom der Seele durchwirkt — solange organisches Leben zeigt, bis sich das Kraftpotential der Seele wieder aus dem Stoff zurückzieht. Man sagt dann, das Leben sei aus dem Körper entflohen. Es wirkt nunmehr allein im Seelenleib weiter, während das irdisch-stoffliche Kleid zerfällt und in die undifferenzierte Elementarmaterie zurückkehrt, aus der es durch Geistwillen und Seelenkraft einst gebildet wurde.

Nachfolgender kleiner Auszug aus verschiedenen Werken Lorbers will einen Überblick vermitteln, wie einige Organgeheimnisse im Blickfelde geistiger Schauung ihre höchst sinnvolle Deutung erfahren. Diese Darlegungen mögen gleichzeitig den Lesern Anregung bieten, nach dem Gesamtschatze jener Neuoffenbarungen zu greifen, deren jede einen besonderen Baustein zum künftigen Weltbilde des Geistes darstellt.

Der Herausgeber.

Das Herz als Lebensträger

Vorbemerkung: Nachstehende, dem "Größen Evangelium Johannis" entnommene Darstellung des wichtigsten Teils unseres Herzorgans zeigt dessen Bedeutung für das körperliche und geistige Leben des Menschen auf. Die sonderheitliche Erwähnung eines bestimmten Herz-Nervenfasers als dem speziellen Träger des Lebens wird durch die moderne Anatomie und Biologie voll bestätigt. So wies z.B. der Wiener Arzt Dr. K. Wilfinger in der Zeitschrift "Das Wort" darauf hin, daß die Wissenschaft eine einzige Herzstelle kennt, deren Verletzung den unfehlbaren Tod herbeiführt. Sie wird bezeichnenderweise das "Ultimum moriens", d.h. "das Letzte, das stirbt" genannt.

Dagegen blieb der Psychologie bisher unbekannt, daß das Herz jenes Organ ist, das die Verbindung der Physis zur Psyche herstellt, wodurch sich das Seelenleben des Menschen auch mit seinem geistigen Leben zu verbinden vermag. Lorber bestätigt damit sogar älteste indische Lehren, wonach das geistseelische Herzorgan des Menschen (Anahata-Chakra) mit dem entsprechenden Nervenkomplex (Plexus cardiacus) in innigster Wechselwirkung steht. — D.Hgb.

(Aus GEJ05.114.2 ff und GEJ08.56 ff):

(Jesus sprach): ... "Der Leibesorganismus des Menschen hat nahe in der Mitte des Herzens seinen Lebensnerv: ein winziges Klümpchen, von dem aus der ganze andere Leib belebt wird. Die Teile dieses einen Herzensnervklümpchens besitzen die Einrichtung, den Lebensäther aus dem Blute und der eingeatmeten Luft derart an sich zu ziehen, daß sie zunächst selbst überaus lebenstätig bleiben und sodann diese Regsamkeit dem gesamten Organismus mitteilen, wodurch der ganze Leib auf geeignetem Wege belebt wird. Die geringste Verletzung dieses Teils des Herzens, in dem sich der genannte Hauptlebensnerv befindet, zieht den augenblicklichen Tod nach sich.

Der für den Menschen so lebenswichtige kleine Nerv liegt nicht gerade im Zentrum des Herzens, sondern mehr auf dessen linker Seite. Zwar befindet sich in der Herzmitte auch ein sehr großer Lebenskomplex, aber er ist nicht der Hauptlebenssitz, sondern bildet nur eine Werkstätte zur Aufnahme und Bewahrung des Lebensnährstoffs aus dem Blute und der Luft. Von da nimmt ihn erst der Hauptlebensnerv auf und befruchtet ihn als eine zum Leben taugliche Substanz, d.h. zum einstweiligen Mitnaturleben der Seele, die ohne diesen Nerv mit dem Organismus des Leibes überhaupt nicht in Verbindung treten könnte.

Dieser Hauptlebensnerv an der linken Herzseite ist ein höchst unansehnliches, überaus kleines Wärzchen, ähnlich einem kleinsten Gefühlswärzchen am untersten Ballen der kleinen Zehe des linken, und einem entsprechenden des rechten Fußes. (Diese Gefühlswärzchen, nur durch die äußere Haut bedeckt, sind die Hauptgefühlsleiter des ganzen Fußes. Wer daher die kleinen Zehen einbüßt, pflegt um vieles schwerer zu gehen, als wenn er die anderen Zehen verloren hätte.)"

Weiter befinden sich im Herzen zwei überaus kleine Kämmerlein, die den beiden großen Blutkammern (rechter und linker Herzkammer) entsprechen. Für das Menschenauge sind diese beiden Kämmerlein kaum als kleinste Punkte sichtbar. Und dennoch bedingen sie durch ihre Einrichtung allein das Leben des Herzens und damit auch das ganze Leben des Leibes in seinen zahllosen Teilen und Organen. Das erste und wichtigste Kämmerlein entspricht dem, was des Geistes und seines Lebens ist. Wir wollen es daher das wahre oder bejahende (positive) nennen. Das zweite, gewisserart minder wichtige — obschon zum natürlichen Leibesleben unumgänglich notwendig — wollen wir das der Materie entsprechende, daher das verneinende (negative) benennen. Denn dasselbe hat für sich kein eigenes Leben, sondern ist nur ein Aufnahmegefäß für das Leben, welches es mit jedem Herzschlag wie von neuem aus dem positiven Kämmerlein aufnimmt und dann durch das Blut dem ganzen Leibe mitteilt.

Aus diesem Bilde läßt sich leicht entnehmen, wie das Herz in seinem Lebensgrunde beschaffen ist und sein muß, um dem irdischen Leibe als Lebensgrundlage zu dienen. Daß darüber hinaus das Herz noch eine sehr weitläufige und überaus kunstvolle organisch-mechanische Einrichtung zur Fortführung des in ihm entwichenen Lebens besitzt, ist ohne weitere Erklärung begreiflich. Denn wo etwas weitergeleitet werden soll, müssen hierfür auch wohlgebahnte Wege und Mittel bestehen.

Das bejahende Lebenskämmerlein im Herzen ist — was seine Leibesteile betrifft — wohl das unansehnlichste Partikelchen des ganzen Leibes. Es wird von den Menschen, denen es doch das Leben schafft und gibt, gar nicht erkannt und bleibt daher unbeachtet. Und doch muß ein jeder Mensch, der sich selbst und Gott wahrhaft erkennen will, geistig in dieses unscheinbare Herzenskämmerlein durch Demut und Fügsamkeit eingehen und das aus ihm empfangene Leben geistig wieder zurückgeben. Tut ein Mensch solches, so erweitert er das Lebenskämmerlein und erleuchtet es durch und durch. Damit wird das ganze Herz und vom Herzen aus der ganze Mensch geistig neubelebt und erkennt Gott in sich. Denn er vermag nun zu erschauen, wie das Leben in diesem Herzkämmerlein aus Gott einfließt und sich hier sammelnd zu einem freien, selbständigen Leben ausbildet. In diesem Kämmerlein wirkt somit der eigentliche Geist aus Gott. Geht die Menschenseele durch Demut und Liebe in dieses Kämmerlein zur ewigen Gottesliebe ein, so erreicht sie die Wiedergeburt der Seele im Geiste aus Gott, was den Menschen erst zum Ebenbilde des Schöpfers macht." —

Bau und Funktion des menschlichen Gehirns

Vorbemerkung: Nachstehende Beschreibung ist dem "Großen Evangelium Johannis", Bd. IV, entnommen. Mit diesem Werke empfing Lorber durch das innere Wort die Darstellung vom Leben und Wirken Jesu Christi während seiner drei Lehramtsjahre. Die geistige Vollkommenheit des Gottessohnes befähigte ihn, durch einen Willensakt auch seinen Jüngern zeitweilig die innere Sehergabe zu eröffnen, um seinen Belehrungen folgen zu können. Diese Tatsache möge von den Lesern besonders beachtet werden, um für die folgende Gehirnlehre samt dem vorgeführten Gehirnmodell das nötige Verständnis aufzubringen.

(Der Herr:) ... Vor Mir auf dem Tische lagen vier schneeweiße Kiesel. Zwei waren größer und zwei kleiner, entsprechend dem großen Vorderhauptgehirn für die Bilder des Lichtes und dem kleinen Hinterhauptgehirn für die Zeichen der Töne. Ich rührte die Steine an, da wurden sie durchsichtig wie Bergkristall. Darauf hauchte Ich sie an, und sie teilten sich in Millionen vierflächiger Pyramidchen, jedes bestehend aus drei Seiten oder Außenflächen und der Unterfläche. Die zwei zu Meiner Rechten aufgestellten Steine stellten das Gehirn in rechter Ordnung, die zu Meiner Linken ein Gehirn verkehrter Ordnung dar, wie sie durch falsche Erziehung und andere nachträglich böse Einflüsse gewöhnlich unter den Menschen herrscht. Hier gab es nicht lauter reine Pyramiden, sondern neben diesen wenigen waren allerlei andere Formen, Figuren und Typen zu sehen, und das umso genauer, als Ich durch einen Anhauch diese Gehirnnachbildungen um das Zehnfache vergrößert hatte.

Nun sagte Ich : "Sehet, hier zur Rechten besteht das große Vorderhauptgehirn aus lauter höchst regelmäßigen Pyramiden, ebenso das kleine Hinterhauptgehirn, nur sind letztere um das Dreifache kleiner, jedoch zur Aufnahme von Luftvibrationszahlen (Tonschwingungen) noch übergroß genug für die Betrachtung der Seele. Beschauet nun die beiden Haufen zu Meiner Linken! Da gibt es sehr verschiedene Formen und diese passen nirgends gut zusammen. Bald ist da, bald dort ein Hohlraum und gibt Anlaß zu allerlei falschen Abspiegelungen, wie ihr das später tatsächlich wahrnehmen werdet. Betrachtet nun einmal die Formen! Ich werde nun durch einen wiederholten Anhauch die Gehirntäfelchen in Kammern absondern und sie in jeder Kammer — sowie die Kammern selbst und auch das Vorderhaupt mit dem Hinterhaupte — polarisch verbinden, um dadurch die Gehirntäfelchen (Pyramiden) aufnahmefähig für Bilder und Zeichen zu machen."

Cyrenius (ein römischer Statthalter in Gesellschaft Jesu) rief da staunend: "Nun geht mir ein Licht auf! Die Urägypter, die zuerst ihre Schulhäuser in Gestalt von Pyramiden erbauten, waren sicher noch urvollkommene Seelenmenschen, die voll inneren Lichtes auch den organischen Bau ihres Leibes beschauen konnten. Ihnen werden diese Pyramidalformen, als die wichtigsten für das Erkennen des Menschen, sicher auch wahrnehmbar gewesen sein, weshalb sie danach auch diese Form bei der Erbauung ihrer großartigen Schulungsstätten gewählt haben. Sie werden auch einer jeden Pyramide innen im größten Maßstabe jene Einrichtung gegeben haben, wie sie in ihrer Schau eine Gehirntafelpyramide eingerichtet fanden. Darum hat eine solche ägyptische Pyramide eine Menge von Gängen und Gemächern, mit denen sich heute auch der vernünftigste Mensch nicht mehr auskennen kann!"

Darauf erwiderte Ich: "Vollkommen richtig! So war es, und die Ägypter haben auch die Flächen ihrer Pyramiden besonders von innen mit allerlei Zeichen, Schriften und Bildern (Hieroglyphen! D.Hg.) bemalen lassen, die in ihrer Entsprechung alles Mögliche anzeigten, was ein Mensch dieser Erde in seinem Fleische durchzumachen und zu erkämpfen hat bis zur Selbsterkenntnis, und wie wahre Liebe der Mittelpunkt alles Lebens ist.

Nun aber hauche Ich unsere vier Gehirnhaufen noch einmal an, und du wirst dann auch etwas Ähnliches wie die zwei und zwei Obelisken (Spitzsäulen) vor den ägyptischen Pyramiden erschauen. Zwar waren diese Spitzsäulen zu einem anderen Zweck bestimmt als die je zwei und zwei Säulchen vor jeder Fläche der Gehirn-Pyramidentäfelchen: sie sollten bloß anzeigen, daß in den Pyramiden die Weisheit zu suchen sei, wozu freilich nur ein reiner Mensch zugelassen wurde. Die zwei Spitzen vor unseren Gehirnpyramiden, deren jede gemäß ihrer Talelflächen acht besitzt, sind hingegen Schreibstifte besonderer Art. Mit ihnen werden — mittels der

Vibration der dazu vorhandenen Gehimnerven, die mit den Seh- und Gehörnerven in kunstvoller organisch-mechanischer Verbindung stehen — die Täfelchen entweder nach einer gewissen Ordnung beschrieben oder mit noch anderen, entsprechenden geistigen Lichtbildern bezeichnet.

Wir wollen nun die Schreibstifte mit einer Lymphe füllen und unsere Betrachtungen zuerst bei dem ordentlichen Gehirn beginnen. Ich will, daß diese Gehirntäfelchen wie von einem ordentlichen Gemüte ausgehend sowohl von Seite des Gesichtes wie auch des Gehörs richtig überzeichnet werden! Was bemerkten nun die aufmerksamen Beobachter? Sie sahen, wie sich aus den kleinen Spitzen rötliche und bläuliche Sternchen über die Gehirntäfelchen ergossen, und zwar in solcher Ordnung, daß ein scharfes Auge darin allerlei wundersame Bildlein zu entdecken begann. Ich bewirkte dazu freilich auch, daß die Augen der Zuseher eine stark vergrößernde Kraft erhielten, weil sonst die Beobachter von diesen kleinen Lichtzeichenbildern und Formen nicht viel ausgenommen haben würden. Da sie aber nun die Gehirntäfelchen ums Tausendfache vergrößert erblickten, so vermochten sie schon recht vieles zu entdecken. Ich fragte Cyrenius, was er nun sähe, und er antwortete:

(Cyrenius:) "Herr, Wunder über Wunder! Aus den sehr beweglichen Vorpyramiden-Obelisken, deren viele Organe kreuz- und querweise verlaufen, strömen fortwährend eine Menge Sternlein von lichtrötlicher und lichtbläulicher Farbe. Die beiden Spitzen, gleichsam Fühlhörner vor jeder Pyramidenfläche, fahren funkensprühend unablässig auf der ihnen entgegenstehenden Fläche umher und bestreuen sie mit diesen Sternen. Man sollte meinen, es könnte durch dieses scheinbar sinnlos zufällige Herumfahren auf der Dreikanttafel nichts als ein Gekrizel herauskommen. Aber dennoch ersteht wie von selbst allerlei ordentliches Bilderwerk und ist gar lieblich anzusehen! Nun merke ich, wie die beiden Säulchen ganz ruhig werden, sobald eine Fläche voll angezeichnet ist. Es ist kaum glaublich, daß diese tausendmal tausend Zeichen und Bilder in so kurzer Zeit von den zwei lebendigen Stiften auf die Tafel eingezeichnet werden können. Obwohl wir die Fläche in Mannesgröße erschauen, sind die Formen zwar noch klein, stehen aber in vollendetet Reinheit da! Warum aber sind im Hinterhaupte auf den dem Vorderhaupt ganz ähnlichen Täfelchen keine Bildchen zu entdecken? Ich sehe darauf nichts als Linien, Punkte und hakenförmiges Zeichenwerk, aus dem ich nicht klug werden kann, was es bedeutet."

Sage Ich: "Das sind Zeichen der Töne und des Wortes. Sie stehen jedoch nicht für sich allein da, sondern stehen stets mit einer Fläche eines Vorderhaupt-Gehirntäfelchens in einer polaren Verbindung. Damit wird der Ton oder Begriff, wie er auf den Hinterhaupts-Täfelchen mittels Zeichen aufgetragen erscheint, im selben Moment gewöhnlich auch auf die unten liegende Fläche einer Vorderhaupts-Pyramide als ein entsprechendes Bild aufgezeichnet und so der Seele zur leichteren Erkennung dargestellt, Dazu müssen eine Menge von Nervenfäden von jeder Gehirnpyramide des Hinterhauptes zur entsprechenden Pyramide des Vorderhauptes führen, ansonst sich niemand von einem vernommenen Begriffe oder von einer mit Worten beschriebenen Gegend oder Handlung eine klare Vorstellung machen könnte.

Unartikulierte Töne, aber auch Musik werden dorthin nicht übertragen, weshalb sich auch kein Mensch unter einem Ton, einer Harmonie oder Melodie irgendeine Sache vorstellen kann. Denn es werden solche Töne nicht auf Gehirntafeln des Vorderhauptes aufgezeichnet, sondern bleiben allein auf einer entsprechenden Pyramidenfläche des Hinterhauptes als Linien, Punkte oder Häkchen haften. Dafür aber gehen von den mit puren Tönen angezeichneten Pyramidenflächen des Hinterhauptes Nerven durch das Rückgratmark zu den Magengrubennerven (Ganglien des Sonnengeflechts! D.Hg.) und von da rum Herzen. Und dies ist der Grund, warum reine Musik hauptsächlich nur auf das Gemüt wirkt und es fühlend ergreift. Aber vom Gemüte (Herzen) aufsteigend, können solche Töne dennoch durch das Licht der Liebe als Sternlein durch die zwei Obelisken auf die Gehirntäfelchen in Formen gezeichnet werden. Sie sind dann nicht selten der Seele wahre Wegweiser in die Lebenswelt des Geistes, daher lernet und lehret reine Musik, denn diese ist der Seele sehr behilflich zur vollen Einigung mit ihrem Geist. Eine unreine und zotige Musik aber bewirkt gerade das Gegenteil.

Du hast nun erfahren, wie selbst die Töne auf einem Umwege dennoch etwas für die Seele Beschaubares werden, zwar nicht als Sachbilder, wohl aber als höhergeistige Formen und Zeichen, wie man ähnliche auf den alten Denkmälern Ägyptens antrifft.

Dies alles kommt jedoch nur bei einem wohlgeordneten und unverdorbenen Gehirn vor durch die rechte Vorbildung aus dem Gemüte, wobei die Gehirnpyramiden zuerst durch das Licht der Liebe mit allerlei geistigen und seelischen Formen beschrieben werden."

Verbindung der Sinnesorgane mit dem Gehirn

"Nach dieser Vorarbeit müssen wir zum Verständnis der ganzen Sache noch darauf einige Blicke richten, wie endlich die Seele auch die Bilder aus der materiellen Welt denselben Gehirntäfelchen einprägen läßt. Ich will nun, daß auch die durch das Auge kommenden Bilder dortselbst eingezeichnet erscheinen! Was erblickt ihr nun?

Betrachtet jetzt die besonders vor zwei Flächen angebrachten Schreib-Obelisken, sie auf einmal ganz dunkel geworden sind. Es scheint, als wären sie mit einem sehr dunklen Safte angefüllt worden. Sehet, schon sind wir alle samt unserer ganzen Umgebung genauest Zug um Zug auf den Flächen eingezeichnet, aber nicht einseitig und tot, sondern allseitig und wie lebendig. Jede unserer Bewegungen wird hier ein-wie abertausendmale wiedergegeben, und dennoch bleibt eine frühere oder auch tausend frühere Stellungen in den inneren Gemächern der Pyramide aufgezeichnet. Sie sind dort dem Auge der Seele gleichfort ersichtlich, weil sie immer vom geistig-seelischen Lichte erhellt werden. So wird das bewirkt, was man zum Teil 'Gedächtnis' nennt (denken = dinghaft gestalten!

D.Hg.) und zum Teil 'Erinnerung', da es innerhalb der Gehirnpyramiden haftet. Auf dem Wege der vielfältigsten Reflexion vervielfachen sich aber solche 'Eindrücke' (wörtlich zu nehmen! D.Hg.) so, daß man einen und denselben Gegenstand unzählige Male in sich tragen kann.

Daher kommt es, daß ein jeder Mensch in seiner Seele und noch unaussprechbar mehr in seinem Geiste die ganze Schöpfung vom größten bis zum kleinsten ihrer Teile in sich trägt, weil er selber ja daraus genommen ist."

Alle Zeichnungen aus der Sphäre der äußeren Naturwelt erscheinen zwar für sich als dunkle Bilder. Aber die hinter ihnen stehenden Lichtbilder aus der Sphäre des Geistes erhellen diese Naturbilder, so daß sie die Seele in ihrem innersten Gefüge wohl durchschauen und begreifen kann. (Ursache der menschlichen Vernunft und Logik! D.Hg.)

Überdies steht besonders das Vorderhirn mit den Geruchsund Geschmacksnerven in steter Verbindung, wie das Hinterhaupt mit den allgemeinen Gefühlsnerven. Auch diese hinterlassen auf eigens dazu bestimmten Gehirntäfelchen gewisse Merkmale, aus denen die Seele sofort und leicht wiedererkennt, wie z.B. eine Blume riecht oder eine Speise schmeckt. Denn es ist die Einrichtung so getroffen, daß jedes Geruchs- oder Geschmackstäfelchen durch sehr reizbare Nerven in enger Verbindung mit einem oder dem anderen Sachtäfelchen steht. Sobald nun ein bekannter Geruch die Geruchsnerven in Bewegung setzt, so stellt sich dies sogleich auf einer der erwähnten Pyramidentafeln dar, die dem Geruche zugeordnet ist. Von dieser aus wird sogleich die entsprechende Sachtafel angeregt (bildhafte Vorstellung des Geruchsgegenstands. D.Hg.), wodurch die Seele schnell und leicht erfährt, womit sie dabei zu tun hat. Das gleiche gilt auch von den Vorgängen des Geschmacks.

Ebenso repräsentiert sich der Seele auch ein Vorgang des allgemeinen Gefühls durch das Hinterhaupt, wodurch die Sache, die das Gefühl erregte, in ihrer Form und Beschaffenheit dargestellt wird. Dies alles aber erfolgt nur richtig bei einem höchst wohlgeordneten Gehirn. Bei verdorbenen Gehirnen werden wir kaum entfernte Ähnlichkeiten dazu finden. Ihr könnt bei diesem zweiten (ungeordneten) Gehirnmodell in seinem Tafelgefüge und in der Unregelmäßigkeit der Haupt- und Nebenkammern statt der reinen Pyramiden allerlei stereometrische Figuren bemerken, darunter auch Scheiben, Kugeln, Sphäroide und sonstige breiartige Klumpen. Auch sind die beiden Obelisken vor den Flächen zumeist kaum ersichtlich, und wenn sichtbar, sind sie wie verkümmert und von ungleicher Größe und Stärke. Ein solches Gehirn kommt oftmals schon so zerrüttet aus dem Mutterleibe. Wie kann es dann der Seele dienlich sein?"

Das unverdorbene und verdorbene Gehirn

"Seht dieses rechte, urgeordnete Gehirn an! Welche Klarheit in seinen Gebilden. Alles ist Licht, und alle Formen sind in ihrer äußeren Umfassung wie in ihrem organischen Bau in höchster Klarheit ausgebildet zu sehen. Welch klare Begriffe und Vorstellungen muß da eine Seele von allen Dingen und Verhältnissen bekommen! Wie weise und in jeder Hinsicht lebenskräftig steht ein solcher Mensch da!

Nun aber haben wir ein verdorbenes Gehirn vor uns und werden sehen, wie es durch eine nachträgliche verkehrte Erziehung noch mehr entartet. Seht dieses wahre Chaos von einem Gehirn! Nirgends ein geordneter Zusammenhang, nur hie und da ein verkrüppeltes Gehirn-Pyramidchen. Alles gleicht eher einem Schotterhaufen als einem geordneten Organ. Eine solche Gestalt erhält manches Gehirn schon im Mutterleibe (durch Fehlbildungen der Seele! D.Hg.). Ja, wenn man es beim Kinde noch so beließe und würde zehn Jahre hindurch mit einer sorgfältigen Gemütsbildung beginnen! Wo aber wird einer solchen noch gedacht? Die Weltklugen haben zwar in mancher Hinsicht, d.h. auf einen Punkt hingezielt, meist einen scharfen, aber selbstsüchtigen Verstand. Der Grund dieser Schärfe liegt darin, weil sich die Pyramiden-Gehirntäfelchen bei jedem Menschen wenigstens in der Mitte des Gehirns teil- und zeilenweise erhalten. Daher vermag der Weltverstand mitunter für rein irdische Zwecke sogar etwas Besonderes hervorzubringen. Aber alles Innere, Tiefergeistige bleibt solchen Menschen dennoch fremd.

Und seht, das alles liegt in der Grundverdorbenheit eines Gehirns schon im Mutterleib und nachfolgend in der noch schlechteren Erziehung des Herzens und Gemüts. Würde wenigstens nach der Geburt eine rechte Erziehung in genanntem Sinne eintreten, so könnte dadurch das vorgeburtlich verdorbene Gehirn zum größten Teil wieder in Ordnung gebracht werden. Solche Menschen könnten in der Folge zu so mancher Helle und Lebenskraft gelangen und durch die Kräfte der wahren Herzensgüte würde sich nach Jahren das Verlorene wieder ganz ersetzen lassen.

Von einem Menschen mit verdorbenem, finsterem Gehirn dringt kein — die entsprechenden geistigen Formen in sich tragender — Lichtstrahl aus dem stofflich-materiellen Gehirn in sein geistig-seelisches Gehirn über, daher bleiben auch die gänzlich verkümmerten Gehirntäfelchen der Seele in sich finster und leer. Dränge selbst des Geistes Licht auf diese Täfelchen, so würde das der Seele ebenso wenig nützen, als wenn jemand ein Licht in ein völlig leeres, allein mit Kalk übertünchtes Gemach stellte. Wenn aber des Geistes Auge in die Gehirntäfelchen der Seele blickt und sie sind leer, dann läßt er auch kein Licht mehr hineindringen und die Seele bleibt weiterhin finster. Dann werden wohl Gewaltmittel zur tätigen Belebung ihres Gemütes von neuem nötig sein, daß sich auf ihrem Grund und Boden rechte Wege zu ordnen anfangen.

Nun will Ich euch zeigen, welche Wirkung es hat, wenn einem solchen verdorbenen kindlichen Gehirn die ersten Weltbegriffe eingeprägt werden. Ihr werdet jetzt bemerken, wie die Obelisken vor irgendeiner der zerstreut liegenden Pyramiden plump und träge beginnen, auf einer Tafel von einer Sache ein sehr dürftiges Bild mit einer ganz dunklen Substanz aufzutragen. Die Folge dieser Schmierzeichen ist, daß sich die Seele solch eines Kindes in dem vorgesagten oder vorgezeigten Sachbegriff lange nicht zurechtfinden kann, bis es sich erst nach hunderten Malen eine noch dunkle Vorstellung zu bilden vermag. Der Grund davon liegt in der Unreife der wenigen an sich noch ganz ordentlichen Gehirntäfelchen. Die vor ihnen angebrachten Zeichenstifte, selbst noch schwach und ungeübt, werden — ohne seelische Übung und ohne Besitz der rechten Substanz — mit Gewalt genötigt, auf die rohen und noch unpräparierten Pyramidalflächen zu zeichnen. Daher verrinnt das Bild immer wieder von neuem und muß oft zahllose Male nachgezeichnet werden, um auf der unreifen Tafel haften zu bleiben. Die Seele erschaut dann nur die matten äußersten Umrisse, und von ihrem Eindringen in einen Sachbegriff ist nur schwer die Rede. Durch das vielfache Nötigen werden dann die brauchbaren Gehirntäfelchen mit schwarzer Lymphe übersudelt, und auch die geistige Gotteslehre wird gleich dem Einmaleins in das Gehirn eingekeilt, ohne der Bildung des Herzens und Gemütes dienen zu können.

Weil nun durch keine regere Gemütsbewegung geistiges Licht vom Herzen zum Gehirn aufsteigt, so muß sich die Seele statt aufs Beschauen auf das Befühlen ihrer finsteren, stereotypen Gehirntafelbilder verlegen. Indem sich aber eine solche verkümmerte Seele nur durch das Betasten jener Tafeln ihr Wissen verschafft, so leugnet sie auch in irdischen

Dasein alle Begriffe des Geistes und hält nur für reelle Wahrheit, was sie mit ihren groben Erdensinnen betasten (begreifen! D.Hg.) kann. Jene Gebilde eines verdorbenen Gehirns, die zumeist keine pyramidale Bildung haben, taugen für nichts. Sie erzeugen in der Seele nur das Gefühl eines trostlosen Nichterkennens. Es ist darum mit solchen Menschen ein jedes Gespräch über höhere und überirdische Dinge vergeblich, denn wenn sie schon natürliche Dinge schwer begreifen (keine "Einsicht!" D.Hg.), wie sollen sie geistige oder himmlische Wahrheiten verstehen, da ihrer Seele das innere Licht mangelt?"

Gehirn und Seele

Wer bei einem Kinde anstatt des Gemütes zuerst den Verstand einer gewissen Bildung unterzieht, bringt die Entwicklung seines Gehirns in Unordnung. Ist das Gehirn noch nicht zu zwei Drittel reif ausgebildet und wird damit belastet, Worte, Bilder, Zahlen und Zeichen in Unmenge auf die noch sehr weichen und noch wässerigen Gehirntäfelchen entsprechend aufzunehmen, dann werden diese Pyramidenflächen einerseits zu sehr verhärtet, zum anderen aber durch die Anstrengungen des Gedächtnisses gänzlich verbildet. Das ganze Gehirn wird dabei schon lange vorher mit allerlei Eindrücken überkleistert und für die Aufnahme der subtilen Zeichen ganz unempfänglich gemacht, welche vom Gemüte aufsteigend sich den empfänglichen Gehirntäfelchen einprägen sollen. Wird später der Seele vom Gemüte aus irgendeine höhergeistige Wahrheit vorgetragen, so hat selbe keinen Haft und die Seele kann sie nicht "fassen".

Zudem hat die Seele stets eine Menge materiell-grober Weltbilder wie einen dichten Wald vor sich und vermag durch diese die endlos vielen zarten Zeichen (des Gemütes) nur ganz schwach erschauen. Erspäht sie auf Augenblicke solche ganz leise im Gehirn aufgetragene Dunstbilder, die aus dem Herzen emporgestiegen sind, so erscheinen ihr diese als ein Zerrbild, weil die groben Materiebilder (Sinneseindrücke. D.Hg.) vor das geistige Bild zu stehen kommen und es zum Teil verdecken oder gar zerstören. Der Weg über das Gehirn ist zwecks Beschauung durch die Seele die einmal gestellte Lebensordnung. Beim Mechanismus des Menschenleibes besteht eine strenge mathematische Ordnung, wonach alles auf seinem Platze nicht um ein Haar verrückbar steht und ohne gänzliche Veränderung des gesamten Organismus nichts abgeändert werden kann. So ist es auch beim Organismus der Seele, der doch um vieles zarter und geistiger ist als jener des Leibes. Sie kann nur sehen und hören durch das Gehirn des stofflichen Körpers (während des irdischen Lebens! D.Hg.). Die anderen Eindrücke, die jedoch stumpf und unerklärbar sind, kann die Seele freilich auch mit anderen Nerven wahrnehmen, doch müssen diese gleichfalls mit den Gehirnnerven in ununterbrochener Verbindung stehen, da sonst der Gaumen keine Geschmacksfähigkeit und die Nase kein Riechvermögen besäße.

Solange die Seele den Erdenleib bewohnt, bleibt das Gehirn ihr Hauptsehorgan. Ist dieses recht gebildet, dann wird die Seele auch die dem Gehirn vom Gemüte aus eingeprägten Lebensbilder genau erschauen und wird danach denken, schließen und handeln. Wo bei einem anderen Wahrnehmen der Seele während ihres Leibeslebens (z.B. durch die Magengrube, Sonnengeflecht. D.Hg.) das Gehirn des Hauptes nicht mitbeteiligt ist, bleibt der Seele keine Erinnerung, sondern höchstens eine dumpfe Ahnung. Was aber bei der inneren Beschauung des Gehirns durch die Seele entsprechend im seelischen Gehirn haften bleibt, das kann nur der Geist in ihr betrachten und erkennen. Ein verbildetes Leibesgehirn nützt der Seele für ihr inneres Schauen gar nichts. Wenn aber das Gehirn nach der richtigen Ordnung vom Herzen aus gebildet wird, werden sich die geistigen Lebensbilder den Gehirntäfelchen eher einprägen als die materiellen Bilder. Und weil geistige Bilder ein Licht sind, so werden die darauffolgenden außenweltlichen Eindrücke durchleuchtet und damit in allen ihren Teilen der wahren Weisheit nach faßlich (Prinzip der "Erleuchtung!" D.Hg.)

Nachwort: Swedenborg lehrt ebenso wie Lorber, daß alle materiellen Dinge und Erscheinungen Abbilder sind von geistigen Ideen, d.h. von Urbildern als Schöpfungen einer göttlich-geistigen Welt. Die obige Seelen-Gehirn-Lehre bestätigt mit ihrer Eröffnung von der Doppelprägung des Gehirns durch Geistimpulse (Lichtbilder aus dem Herzen) und durch äußere Sinneseindrücke (materielle Bilder) die Wichtigkeit einer richtigen Gehirnentwicklung für die seelische Struktur eines jeden Menschen. Eine geistige und physische Anatomie, die jede bisherige wissenschaftliche Forschung weit in den Schatten stellt! D.Hgb.

Bau und Funktion der Eingeweide

Vorbemerkung: Nachstehende Ausführungen wurden

auszugsweise dem Werke Lorbers "Erde und Mond" (Abschnitt "Die natürliche Erde") entnommen. Sie dienten dort zur entsprechungsweisen Erläuterung der analogen Funktionen des Erdkörpers, der als kosmisches Stoffwesen den gleichen Lebensgesetzen wie der natürliche Menschenkörper unterliegt. Einige der im folgenden geschilderten Organgeheimnisse gewisser Eingeweideteile werden hier aus dem Blickfelde geistiger Schau erhellt und müssen als eine hervorragende Bereicherung der bisher wissenschaftlich erworbenen Anatomieergebnisse gewertet werden. — D.Hgb.

Bau der Milz und Bereitung des Blutes

Wer ein kleines Stück einer lebendigen Tier- oder Menschenmilz betrachten könnte, würde eine Menge kleiner Kämmerchen entdecken, die zumeist viereckig und kubischen Inhalts sind, zuweilen aber auch dreieckige Pyramiden bilden. Diese Kämmerchen, seltener eiförmig rund, sind an den Ecken durch kleine organische Zylinder verbunden; die Wände jedoch sind frei, weshalb sich eine Milz weich und locker anfühlt. Zwischen den aneinandergereihten Kämmerchen ziehen eine Menge Blutgefäße durch, die — bald eng, bald weit — sich dem Auge so darstellen wie der Faden einer Spinne, wenn sie ihn mit ihren grauweißen Klebperlen besetzt. Dergleichen Blutgefäße sind über die Länge und Breite der Milz in überaus großer Zahl verteilt. Sie beginnen in einem einzigen Gefäß, das mit dem Magen in Verbindung steht und endigen wieder in einem Hauptgefäß, das direkte Verbindung zum Herzen besitzt.

Zugleich ist das ganze Milzgewebe von einer zarten Haut umfaßt, durch welche die Kämmerchen und schnurartigen Blutgefäße wie dunkelrote Wärzchen hervorschimmern. Da die Milz ein äußerst zartes Gewebe ist, so ist sie überdies noch von einem Fettgewebe umgeben, damit sie wegen ihrer stets reibenden Tätigkeit gut gesichert erscheint. Freilich weist die Milz in totem Zustande eine stark veränderte Form auf, weshalb ihre Untersuchung keinerlei Schlüsse auf ihre Tätigkeit zuläßt. (Auch das Röntgenbild versagt hier! D.Hg.)

Die direkte Verbindung der Milz mit Magen und Herz ist darin begründet, daß sie die vom Magen ins Blut übergehenden Säfte in sich aufnimmt, in eigentliches Blut verwandelt und dann an das Herz weiterleitet. Bei vollblütigen Menschen kann es daher leicht geschehen, daß die zu überfüllte Milz nicht alles Blut an das Herz absetzen kann und das angehäufte Blut in den Magen zurücktritt, von wo es erbrochen wird. Das häufig vorkommende Blutbrechen stammt daher meistens von der Milz und nur selten von der Lunge her. — Wenn der eiweißartige Saft aus dem Magen in die Milz übertritt, bleibt er in den perlschnurartigen Blutadern periodenweise haften und rückt mit jedem Pulsschlage nur um eine Perle weiter, womit gleichzeitig eine Reibung der Milzkammern erzeugt wird. Dadurch füllen sich die Kämmerchen mit elektrischem Feuer, das sich gegen die Magengegend hin als positiv und gegen die Herzseite hin als negativ darstellt. Daher sind auch die Kämmerchen gegen den Magen zu viel scharfkantiger, während sie sich in der Gegend zum Herzen mehr ins Eiförmige verlieren.

Durch dieses elektrische Feuer werden die Kämmerchen der Milz bald ausgedehnt, bald zusammengedrückt. Und da sie an den Kanten sowohl untereinander als auch mit jedem solchen Blutgefäßkügelchen durch kleine Zylinder in Verbindung stehen, geraten die Säfte in den Blutgefäßen stets mehr in eine gewisse Gärung. Dieser Vorgang scheidet den in ihnen noch zu stark überwiegenden Kohlenstoff aus, der teils an die Galle, teils an das Fettgewebe abgeliefert wird. Zugleich entstehen durch diese Gärung immer neue Bläschen, die unter der Herrschaft der negativen Elektrizität zusammenschrumpfen und dann eine linsenförmige Gestalt annehmen. Als solche werden sie zur Hälfte mit jener Elektrizität angefüllt, erhalten dadurch eine safrangelbe Färbung und treten schon als richtiges Blut in die Herzkammer ein.

Das Blut ist nicht eine kontinuierliche Flüssigkeit, sondern ein kleinlinsenförmiger Brei, der mit seinen glatten und schlüpfrigen Linsen die negative Elektrizität in den ganzen Körper verteilt. Diese Art von Elektrizität erwärmt den gesamten Leibesorganismus. Wo die Blutlinsen durch sehr enge Gefäße getrieben werden, zerplatzen sie, wodurch die Hülse flüssig wird und in die sogenannten lymphatischen Säfte übergeht, während der frei werdende elektrische Stoff als ein eisenhaltiger Äther zur Belebung des Nervensystems verbraucht wird.

Leber und Niere im Menschenkörper

Wie die Milz ist auch die Leber als eines der wichtigsten Eingeweidestücke zu betrachten. Die Leber ist im tierischen und menschlichen Körper der Absonderungsapparat für Giftstoffe, die sich neben den belebenden Nährstoffen in jeder Nahrung vorfinden. Jeder Mensch, alle Tiere (Warmblüter) würden nach eingenommener Speise leiblich getötet, besäße ihr Körper nicht ein Organ, das alle giftigen Substanzen, hauptsächlich Kohlensäure und Blausäure gierig an sich zöge und zum Teil durch den Harngang ableitete. Diese Tätigkeit vollführt die Leber. Ihr Bau ist der Milz ähnlich, was die innere Konstruktion betrifft, der Form nach herrscht jedoch größere Ähnlichkeit mit der Lunge. Die Leber besteht demnach ebenfalls aus einer Menge aneinandergereihter

Kämmerchen, die wie bei der Milz, nur etwas enger miteinander verbunden sind. Daneben durchkreuzen die Leber hauptsächlich vier verschiedene Gefäßröhren als gleichförmig fortlaufende Organe, die gegenseitig mit noch kleineren Durchgangsgefäßen verbunden sind.

Ein Teil dieser Gefäße entspringt im Herzen und führt reichlich Blut in dieses Eingeweidestück, damit es hier mit dem nötigen Grad von Kohlenstoff und einer kleinen Dosis Blausäure gesättigt wird. Erst dann ist das Blut tauglich, die Verdauung in den entsprechenden Organgefäßen zu bewirken und weiter hinaus auch die äußere Haut zu bilden. Zum inneren Gebrauch ist danach das Blut nicht mehr verwendbar, daher sind Leberkrankheiten hauptsächlich an der Außenhaut leicht kenntlich (Gelbsucht! D.Hg.) — Eine zweite Gattung der durchlaufenden Gefäße geht vom Magen aus in die Leber. Diese nimmt alle wässerigen Substanzen auf, in denen Blausäure — sehr verdünnt abgeleitet — durch die kleinen Verbindungsgefäße der Leber an das Blut abgegeben wird. Der größere Teil der giftigen Blausäure aber wird aus der Leber durch die Nieren zur Harnblase geführt, die selben als unnützen Stoff gänzlich aus dem Leibe befördert.

Eine dritte Gattung der Gefäße geht wieder vom Magen aus und verbindet insbesondere dessen Schleimhäute mit der Gallenblase in der Leber. Durch diese Kanäle wird der schleimige Kohlen- oder Gallenstoff der Speisen im Magen abgesondert und zum größten Teil in der Gallenblase aufbewahrt. Dies zu dem Zweck, falls zu wenig dieses Verdauungsstoffs durch die aufgenommene Nahrung im Magen entwickelt würde, daß die Leber sodann wieder etwas von ihrem Vorrat an den Magen zurückliefert. Denn alle Verdauung besteht in einer Art Gärung, deren einige Nährstoffe fähiger sind als andere, —

Eine vierte Gefäßgattung sind die kleinen Windadern, die von der Lunge ausgehend die Leber in verschiedenen Krümmungen durchziehen. Durch diese wird die Gallenblase zum Teil gebildet und in fortwährend gleichmäßiger Spannung erhalten. Zugleich wird durch jene Gefäße stets eine bestimmte Menge atmosphärischer Luft und damit soviel Sauerstoff der Galle zugeführt, daß ihre Stoffinhalte nicht zu gären beginnen und dadurch jene bösartigen Erscheinungen im Leibe erzeugen, aus denen hauptsächlich Entzün-dungskrankeiten wie Rheumatismus, Gicht u.dgl. zum Vorschein kommen. Es ist daher für den Menschen sehr schädlich, sich an solchen Orten aufzuhalten, wo er statt der belebenden reinatmosphärischen Luft nur Stickluft ohne genügenden Sauerstoff einatmet.

Die Aktion und Reaktion dieser vier Gefäßgattungen wird wie bei der Milz durch das elektrische Fluidum bewirkt, das in den vorerwähnten Kammern durch ihre reibende Bewegung entsteht. Zuerst aber wird das elektrische Feuer in der Leber hauptsächlich durch jenes der Milz angeregt.

Die dreifache Funktion der Niere

Im menschlichen und tierischen Organismus ist die Niere in dreifacher Hinsicht ein sehr beachtenswertes Lebenswerkzeug. Sie hat drei wesentliche und überaus wichtige Bestimmungen, ohne die das animalische Leben nicht bestehen könnte, eine Fortpflanzung undenkbar wäre und kein Lebewesen in ein physisch-fröhliches Wohlbehagen gelangen könnte. Eine gewisse Heiterkeit kommt aus den Nieren, weshalb dieses Organ mehrfach in der Hl. Schrift besonders erwähnt wird.

Zuerst hat die Niere die Bestimmung, das aus der Leber abgeführte und für den Lebensorganismus untaugliche Wasser aufzunehmen. Der völlig unnütze Teil dieses Wassers wird in die Harnblase weiterbefördert, während ein noch zum Leben dienender Teil absorbiert und zum eigentlichen materiellen Stoff des befruchtenden Samens umgebildet wird. Freilich wird der Same auch noch vom Blute aufgenommen und in ganz eigene Gefäße geleitet, woselbst er dann als positiv-polare Kraft durch die gleiche negative Kraft der Hoden zur Zeugung tauglich gemacht wird. Dieses ist die zweite Bestimmung der Niere.

Die dritte, noch wichtigere Verrichtung besteht darin, daß die Niere durch kleine, mehr verborgen liegende Gefäße mit Herz, Lunge, Magen, Milz und Leber in inniger Verbindung steht und daher — geistig betrachtet — der Seele zeitweilig gewisserart zu einem bei der Zeugung notwendigen Tätigkeitsfelde dient. Und eben darum erzeugt die Niere im natürlichen Leben ein gewisses heiteres Wohlbehagen, das zwar nicht diesem Organ selbst, sondern der Seele- und dem in ihr tätigen Geiste zuzuschreiben ist. Dieses-Freudegefühl aber wird physisch in der Niere bereitet, deren Polsterform sich entsprechungsweise wie ein weicher Sitz für die Seele ausnimmt. Auch bei dem sogenannten Somnambulismus (heute Trancezustand genannt. D.Hg.) tritt das Seelenbewußtsein zumeist in dieses Eingeweide, das durch die Gangliennerven mit der Magengrube in innigem Kontakte steht, durch welche Gegend (Sonnengeflecht. D.Hg.) dann die Seele wahrnimmt und sich auch mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen vermag.

Der Bau der Niere hat gleichfalls bedeutende Ähnlichkeit mit dem der Milz und Leber, wogegen sie sich durch die polsterartige Abteilung von jenen wesentlich unterscheidet. Zu beiden Seiten der Niere findet man gewisse wamsartige Säcke, die durch merkliche Eindrückungen und durch ein weißes Zellgewebe voneinander geschieden sind. Sie hängen nur mit der Mittellinie als ein Ganzes zusammen. Dieselbe ist ebenfalls ein weißes Zellgewebe, durch das sich die Hauptwasserkanäle ziehen und den edlen Samenstoff in die Wämse abliefern, den sie aus dem von der Leber kommenden Wasser absorbieren. Mittels der in den Wämsen erzeugten Elektrizität wird dieser Saft reifer gemacht und als subtile Flüssigkeit von den zarten Blutgefäßen der Niere aufgenommen. Mit dem Blute vereinigt, wird die Samensubstanz dem Herzen zugeleitet, von wo sie dann durch eigene Gefäße in die für sie bestimmten Vorratskammern übertritt. Hier empfängt der Samenstoff für seine brauchbare Bestimmung von den Hoden fortwährend Nahrung und gewinnt damit die für die Zeugung nötige Tauglichkeit.

Vom Werden des Menschenkörpers

Vorbemerkung: In dem an Erläuterung großer Lebensgeheimnisse so reichen Gr. Evang. Johannis finden sich auch einige Kapitel (Band IV), die dem Erschaffungsvorgang organischer Wesen gewidmet sind. Wenn auch die physiologischen Tatsachen der Zeugung, Schwangerschaft und Geburt von der Wissenschaft hinreichend erforscht sind, so muß doch die Erkenntnis der dabei wirksamen geistig-seelischen Ursachen stets der offenbarenden inneren Schauung vorbehalten bleiben. Von diesen primären übersinnlichen Vorgängen bei Schaffung organischer Tier- und Menschenkörper mit ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden sei hier — den genannten Lehrgesprächen folgend — auszugsweise berichtet. — D.Hgb.

(Der HERR:) Was ihr da durch eure seelische Schaukraft wie eine Unzahl feuriger Schlangen in pfeilschneller Bewegung erblickt, ist der eigentliche Nährstoff alles organischen Lebens, ein Salz der Luft und des Meeres, den die Naturweisen einst 'Sauerstoff' benennen werden. Dieser Stoff ist ursprünglich die eigentliche Seelensubstanz und entspricht als solche den Gedanken, bevor sie noch zu einer formbildenden Idee zusammengefaßt werden. Findet ihr aber einmal eine hinreichende Menge dieses seelischen Lebensstoffs irgendwo zusammengedrückt, so wird sich auch bald daraus eine belebte Form herausbilden. Ziehen sich solche Feuerschlangen zu Hunderten und Tausenden auf einen Klumpen zusammen, so beginnt dieser heftig zu leuchten. Dies ist das Zeichen des Sich-Ergreifens jener Lebensfeuerschlangen, und damit ist auch schon eine Idee unter irgendeiner (feinstofflichen) Form fertig, die sich weiterhin zu einem Geschöpfe ausbildet. Ihr fragt nun, wer da wohl diese Lebensgeister zu irgendeiner lebensregsamen Form modelliert? Dies soll euch nach Meinem Willen RAPHAEL beantworten ..."

(Raphael erläutert:) "1. Der Stoff, aus dem alles entstand was die Unendlichkeit umfaßt, sind die puren Gedanken Gottes. Wir urgeschaffenen, allein durch den Willen des allmächtigen Geistes Gottes hervorgerufenen Urengel (die 'Elohim' der Schöpfungsgeschichte, die 'Erzengel' der christlichen Lehre! D.Hg.) zuerst, — alle Dinge und Wesen aber dann durch uns, die wir die ersten Aufnahmegefäße für Gottes Gedanken und

Ideen waren und sind. Wir fassen die aus Gott kommenden Lebensgedanken, die sich euch in Gestalt feuriger Langzungen darstellen, zusammen und bilden nach der Gottesordnung in uns Formen und Wesen. Und wenn ihr nach dem materiellen Stoff zur Bildung dieser Wesen fragt: Diese schlangenartigen Feuerzungen sind die geistig-seelischen Bausteine, aus denen alles Materiell-Wesenhafte geschaffen wird. (Stofflicher Verdichtungsprozeß, Übertritt vom Energiezustand in den des Stoffes, D.Hg.)

Fügen sich nach dem Willen des Geistes solche feurige Langzungen (also die Seelenform des Sauerstoffs. D.Hg.) zu einem hellstrahlenden Feuerball zusammen, so drängen sich die Feuer-Zungen aneinander und streben alle dem Mittelpunkte zu. Denn hier ist das Zentrum der ausgereiftesten Gedanken, die der künftigen Form innewohnen, und die gewisserart den reichsten Nährstoff für das Wirken der Langzungen bilden. Ihr wundert euch zwar über meine, aus dem ersten Uranfang eines Wesens abgeleitete Erklärung. Wendet ihr aber eure Blicke zur Außennatur der Dinge, so werdet ihr bald dasselbe leicht wiederfinden:

Betrachtet z.B. den Eierstock einer Henne. Einige Eiklümpchen werden noch klein sein wie Erbsen, andere schon wie kleine Apfel. Innerhalb einer leichten Umhäutung findet sich nichts vor als ein formloser Dotterstoff. Nun wird dieser Zentralstoff aber stets mehr ausgenährt und setzt um sich das klare Eiweiß an. Nach einiger Zeit wird aus dem Eiklar das Gröbste ausgeschieden und setzt sich als feste Schale um das Ei, als Schutz gegen das Erdrücktwerden bei der Ausgeburt. Nun beginnt die Henne das Ei zu bebrüten. Welche Veränderungen gehen da vor! Im Dotter fängt es an sich zu regen und zu ordnen, denn die rechten Formgedanken (feurige Langzungen!) verbinden sich und ziehen die ihnen nächstverwandten an sich. Im Verlaufe dieses immer weiter sich ausdehnenden Vorgangs werdet ihr bald Herz, Kopf, Augen, Eingeweide und Füße wie Flügel des werdenden Küchleins entdecken. Die so geordneten Gedanken (Teilideen) ziehen dann stets mehr ihr Gleichartiges aus dem Stoffe an sich und bilden alle Organe lebenstüchtig aus.

Ist so der Leib ausgebildet, nimmt der in den ganzen Organismus übergegangene Lebensgedanke, der eigentlich die Seele ist, bald wahr, daß er sich noch in einem Kerker befindet. Er fängt sich deshalb stärker zu regen an, durchbricht den Körper (Geburtsvorgang) und tritt noch matt in die große Welt hinaus. Hier beginnt er äußere Weltnahrung zu sich zu nehmen und der Wachstumsvorgang nimmt seinen weiteren Verlauf. Wir sehen nun eine ausgebildete, fruchtbare Henne vor uns; ein organisches Lebewesen, das nun wiederum das Vermögen besitzt, aus den Naturreichen die ihm entsprechenden Seelen-Spezifikalteile als Nahrung aufzunehmen: die geistigen zur weiteren Ausbildung ihrer Lebensseele und die gröberen (das Stoffliche der Nahrung) nicht nur zur Erhaltung des Organismus, sondern auch zur Neuschaffung gleichartiger Wesen.

Die Art des Geschlechtes rührt von dem jedesmaligen Mehr oder Weniger der ursprünglichen Schwere, d.h. Gediegenheit und Kraft des lebendigen Seelengrundgedankens her. Ist dieser schon vom Ursprung an so völlig gediegen, daß er schon in sich selbst eine Idee (geistige Zusammenfassung von Gedanken. D.Hg.) bildet, so wird dessen Ausbildung zu einer männlichen Gestalt führen. Ist aber das Primitive des Grundlebensgedankens noch auf einer leichteren (erst der

Entwicklung bedürftigen) Stufe stehend, so wird die Ausbildung sich in eine weibliche Gestalt hinüberziehen.

(Die Parallele 'dieses Tierbeispiels mit dem menschlichen Körper, der gleichfalls diesen Gesetzen der Naturreiche unterworfen ist, bedarf hier keines weiteren Hinweises. D.Hgb.)

Zeugungs- und Entwicklungsvorgang beim Tiere und Menschen

Durch die Begattung der Tiere erfolgt nur eine Erregung zu geordneter Tätigkeit des im Ei schon vorhandenen SeelenGrundlebensgedankens, ohne die dieser in seiner trägen Ruhe verbliebe, Tierseelenklümpchen (siehe die Feuerzungen D.Hg.) sammeln sich in bestimmter Zahl und Ordnung in jedem Mutterleibe. Hier beim Tiere erregen sie zuerst das Weiblein, dieses erregt sodann das Männlein zur Befruchtung (Brunstvorgang), nicht aber, als legte es einen neuen Samen in die Mutter, sondern nur zur tätigen Erweckung des im Mutterleibe schon vorhandenen Lebensklümpchens (Ei). Dies geschieht, indem des Männleins Same — aus mehr freien und ungebundenen Lebensgeistern bestehend — die gebundenen Lebensgeister im Eiklümpchen der Mutter in eine Art Revolution versetzt. Ohne diesen Zwang würden selbe in Trägheit verharren und sich nimmer zur Formung und Organisierung eines Wesens ergreifen. Des Männleins Samengeister geben jenen im Weiblein keine Ruhe, welchem Anreize sich die Mutterlebensgeister kräftig zu widersetzen versuchen, da sie wie erwähnt der Ruhe zugeneigt sind und sich ohne Zwang nicht zu einer anhaltenden geordneten Tätigkeit (Zellteilung, Organbildung! D.Hg.) bereit finden.

Ohne äußere Erregung würde ein Mutterlebensklumpen in seiner Ruhe stets mehr einschrumpfen, da sich seine Teile stets mehr nach dem Zentrum (Sitz des Gedankens! D.Hg.) zusammenzögen, dieses ganz aussaugten und am Ende mit demselben ganz verkümmern müßte. (Wesen jedes Schrumpfungsvorgangs! D.Hg.) Nun aber treten männliche, nur für die Bewegung gleichfort erregte Urlebensgeister hinzu und bestreichen die weiblich trägen Klumpen. (Zusammentreffen von Sperma und Ovum. D.Hg.) Und schon beginnen sich die kleineren, weiblichen Lebensgeister zu rühren und bemühen sich, diese Angreifer los zu werden. Allein diese weichen nimmer, und die Erregung der weiblichen Lebensgeister greift immer tiefer bis zu ihrem Hauptlebenszentrum. Endlich beginnt sich auch dieses zu rühren, und — da die ihre Mitte umlagernden weiblichen Langfeuerzungen durch starke Regsamkeit gleichsam wie hungrig wurden — sind sie genötigt, vom Lichte der männlichen Feuerzungen Nahrung zu nehmen. Auf diese Weise erhält dann auch der zentrale Hauptlebensgedanken-Geist durch sie einen männlichen Antrieb. Durch diese Tätigkeit genötigt, erhalten die Umlage-rer von innen heraus eine Anregung, sich mehr und mehr zu ordnen, wie zu einer Art gut organisiertem Bollwerke.

Die nun gut erhellten kräftigeren Lebensgeister gegen das Zentrum hin erkennen (seelisch) ihren Sinn und dessen Ordnung und scharen sich nach der Ordnung ihrer Verwandtschaft. Daraus entstehen dann organische Verbindungen und das Äußere geht in eine Form über, die stets mehr und mehr dem zu schaffenden Wesen ähnlich ist. (Embryonalentwicklung! D. Hg.)

Wenngleich nun bei der Zeugung und Werdung eines Menschen viel dem Tiere Ähnliches vor sich geht, so ist aber der Grund davon dennoch höchst verschieden. Es hat zwar die Frau auch schon einen Naturstoff in sich. Wenn aber die Zeugung geschieht, wird zwar auch ein Lebensklümpchen erregt und befruchtet, aber dieses wird wie eine Beere von einer Traube abgerissen und an die rechte Stelle seiner künftigen Entwicklung gebracht. Dort tritt nun eine schon fertige Seele hinzu und pflegt eine Zeitlang diese Lebensbeere, bis der Stoff darin so weit gediehen ist, daß die sich stets mehr zusammenziehende Seele in den sehr flüssig-lockeren Embryo eindringen kann. Zu dieser Verrichtung benötigt die Seele etwa zwei Monate. Hat sie sich des Embryos ganz bemächtigt, dann wird das Kind fühlbar lebendig und wächst im Verlaufe der Reifungszeit schnell zur ordnungsmäßigen Größe heran.

Solange die Nerven des Fleschkindes nicht völlig ausgebildet und tätig sind, arbeitet die Seele mit Selbstbewußtsein eifrig fort und richtet den Leib nach ihren Bedürfnissen ein. (Mißbildungen haben ihre Ursache stets in einer gewissen Seelenträgheit beim Bau des Menschenleibes. D.Hg.) — Sind einmal die Nerven alle ausgebildet und wird der sich stets mehr entwickelnde Geist ordnungsgemäß tätig, dann begibt sich die Seele mehr und mehr zur Ruhe und schläft endlich in der Gegend der Nieren ganz ein. (Vgl. dazu das Kapitel über die Niere! D.Hg.) Sie verliert nun ihr Selbstbewußtsein und vegetiert nur ohne jede Erinnerung an ihren früheren Naturzustand. Erst einige Monate nach der Geburt beginnt sie immer mehr zu erwachen, was aus der Abnahme der Schlafsucht eines Säuglings gut wahrgenommen werden kann. Bis die Seele jedoch zu einigem Bewußtsein gelangt, bedarf es einer längeren Zeit. Wenn ein Kind der Sprache mächtig wird, dann erst tritt auch ein klareres Bewußtsein in die

Seele, jedoch ohne jede Rückerinnerung, indem eine solche für ihre willensfreie Höherbildung durchaus hinderlich wäre.

Die Seele, nun ganz im Stoffe des Fleisches eingeschlossen, erkennt zunächst nichts, als was ihr durch die Sinne des Leibes an Eindrücken vermittelt wird. Denn sie vermag in sich darum nichts zu erkennen, weil sie durch die Materie des Körpers derart verfinstert ist, daß sie zumeist gar nicht weiß, wie sie für sich auch ohne das stoffliche Kleid bestehend ist. Lange Zeit hindurch fühlt sie sich mit dem Fleischesleib ganz identisch, und es bedarf einer langen Entwicklung, eine verkörperte Seele so weit zu bringen, daß sie ein Selbstbewußtsein empfindet und sich als etwas Eigenes zu betrachten fähig ist. Erst wenn der Geist in der Seele sich zu regen beginnt, wird es nach und nach lichter im Seelenbewußtsein, das sodann beginnt, sich genauer zu erkennen und in sich ganz verborgene Dinge zu entdecken. Wenn aber der Geist und sein mächtiges Licht in der Seele zur vollen Tat gelangt, dann kehrt auch alle Rückerinnerung wieder in die Seele ein und sie überblickt ihre gesamte Entwicklung aus den Naturreichen in einer verklärten inneren Anschauung. Damit fällt aller Trug und alle Täuschung und es verbleibt nur die hellste Wahrheit des ewigen Geistes.

Auge und Sehprozeß

Vorbemerkung: Die nachstehenden Auszüge sind den Werken Lorbers "Das große Evangelium Johannis", "Die natürliche Sonne", "Erde und Mond", "Die Fliege" und den "Naturzeugnissen", sowie ergänzenden Schriften des Mystikers Gottfried Mayerhofer ("Lebens- und Schöpfungsgeheimnisse", empfangen 1870-75) entnommen.

Zum Verständnis des bewußten Sehvorgangs ist die Kenntnis vom Wesen des Lichtes als einer geistigen Erregung des Äthers von größter Bedeutung, weshalb in einem späteren Bande nähere Ausführungen hierüber folgen. Wie in allen Organgeheimnissen ist auch beim Akte des Sehens der seelische Impuls die lebendige Triebfeder, ohne die das Auge eine tote Kamera wäre und nur den starren Gesetzen der Optik unterworfen bliebe. — D.Hgb.

Das Licht der Sonne liefert durch seine produktive Kraft und Einwirkung auf die zugehörigen Weltkörper den sprechendsten Beweis, daß es der Hervorbringer alles natürlichen Lebens ist. Wenn die Sonne als die Hauptlichtspenderin der Erde untergegangen ist, begeben sich nach und nach auch die Naturgeister der Atmosphäre zur Ruhe, d.h. sie beenden ihr durch das Licht erregtes Vibrieren innerhalb ihrer feinstofflichen Hüllen. Daher merkt das materielle Auge ihr Dasein nicht mehr, und für den Menschen wird es lichtlose, finstere Nacht. Wenn aber an irgendeinem Punkte ein großer Verband dieser Äthergeister aufs neue in vibrierende Bewegung gerät, so wird es an jenem Punkte für das Auge wieder hell. Dies ist bei Sonnenaufgang der Fall, wobei die freien Naturlebensgeister durch die Ätherlichtbewegung zur Tätigkeit erregt werden. Je heftiger vibrierend eine solche naturgeistige Sphäre tätig ist, desto mehr ergreift ihre Erregung auch die weiteste Umgebung und verkehrt deren träge Ruhe zu einem ähnlichen Streben.

Sobald ein Lichtstrahl mit seiner Bewegung einen Gegenstand berührt, fangen dessen Stoffteilchen oft billionenmal in der Sekunde mitzuvibrieren an. Durch diese Schwingungen aber scheiden die Stoffe gewisse Lichtpartikel aus, die sich dann auf der Oberfläche rückstrahlend dem Beobachter als

Farben zeigen. Dazu tritt noch die Reaktion, die in den Elementen des Auges selbst vor sich geht, und zwar durch die erneute Brechung der reflektierten Farben in der Regenbogenhaut und anderen Teilen der Sehorgane. "Sehen" heißt also nichts anderes, als einen jeden Gegenstand in jener Farbe zu bemerken, die er — als seinem Wesen nicht eigen — zurückwirft, während er alle anderen Haupt- und Mischfarben aufsaugt, da sie zu seinem Bestande notwendig sind. So ist Schwarz keine Farbe, weil der Gegenstand alle Lichtelemente aufgenommen hat. Auch Weiß ist darum keine Farbe, da ein dem Auge erscheinender Gegenstand gänzlich der Fähigkeit einer Farbenaufsaugung entbehrt und alle einfallenden Lichtstrahlen zurückwirft, ohne selbe zu seinem Bedarf zu zersetzen. So ist die Wirkung des Lichtstrahls der große Faktor alles Lebens und vermittelt diese Tatsache durch das Auge der menschlichen Seele.

Wenn ein Lichtstrahl aus fernsten Sternen ins Auge fällt, so würde er dennoch nicht bemerkt, wäre das Auge selbst nicht sonnenhafter Natur! Schon in den Feuchtigkeiten des Augapfels ruht eine Lichtwelt, die dem vom ganzen Universum eingestrahlten Lichte homogen (gleichgeartet) ist und damit im Menschen den nämlichen Prozeß hervorruft, den das Licht in der ganzen Schöpfung bewirkt. Das Sehorgan ist einer von jenen Vermittlern, die durch die Seele das Sichtbare zum Geistigen und Unsichtbaren erheben. Daher die Wahrheit: "Das Auge ist der Spiegel der Seele". In dem Grade, wie sich im Auge von außen die Weiten der materiellen Welten abspiegeln, leuchtet auch die innere geistige Welt durch das Auge hervor. Das Auge als Aufnahmeorgan der Eindrücke von außen ist negativ-aufnehmend, aber als Spiegel der Seele, als Ausdruck des Inneren, positiv-rückstrahlend. Was der Mensch unbewußt durch Sternen- und Sonnenlicht empfängt, strahlt wieder vergeistigt aus dem kleinen Sehorgan hervor, denn materielles Licht erweckt wieder geistiges Licht.

Im menschlichen Auge sind Stoffe und Elemente im Pigment, in der Netzhaut und in den Flüssigkeiten der Kristallinse, wie auch in der Regenbogen- und Hornhaut zusammengestellt, die alle sonnenartiger Natur sind, also nur ätherische Lichtstoffe in sich tragen. Aber diese Elemente unterliegen im Auge noch ganz anderen geistigen Prozessen, die eine vergeistigende Verwandlung hervorrufen. Eben darum vermag auch die Seele durch das Auge Kunde von dem zu geben, was in ihrer Welt vorgeht. Innerste Regungen des geistigen Lebens können sich im Auge abzeichnen, ohne weder seine Stoffe, noch seine äußere sichtbare Form zu verändern. Solche durch den Seelenspiegel kundgegebenen Zustände sind zwar unmeßbar, können aber von einem anderen Menschen (durch Übertragung des geistigen Lichtfluidums. D.Hg.) genau erfühlt werden: ein Beweis für jenen Faktor des Lichtes, der seine ursprüngliche geistige Potenz darstellt.

Wenn bei starker Begeisterung für Höheres, Nichtmaterielles dieser Drang der Seele noch anwächst, so ereignet es sich nicht selten, daß der gewöhnliche, physische Sehprozeß aufgehoben wird und ein anderer dafür eintritt. Dann offenbaren sich dem Menschen die feineren Sphären einer Geisterwelt, an deren Dasein er vielleicht niemals vorher geglaubt hätte. Beim Übertritt der Seele vom Diesseits in das Jenseits nimmt der Mensch von seinem ganzen Körperorganismus, somit auch vom Auge nur dessen geistigen Bestandteil mit hinüber, womit er dann den Grund und die Ursache, nicht aber nur die Wirkung des Geistes im Stoffe wahrzunehmen vermag.

Vom Bau des Auges

Das Auge ist das Organ zur bewußten Aufnahme des Lichtes, das damit der Seele mittels der Gehirneindrücke zur Beschauung der Außenwelt dient. Da nur Gleiches das Gleiche anziehen und verwerten kann, ist das Auge aus allen Elementen zusammengesetzt, die im Lichte vorherrschen. Unmöglich würde der Mensch aus der Fülle des Lichtes das Bild der Sonne getrennt und bei weitem stärker leuchtend als das ganze andere Lichtfirmament wahrnehmen, wäre nicht das Auge dafür besonders eingerichtet. Es ist jedoch so beschaffen, daß alles Licht nur die Hauptkonturstrahlen durch die kleine Öffnung der Pupille auf die höchst reizbare Netzhaut und von dort auf den Sehnerven gelangen läßt. Durch diese Einrichtung werden alle nur einfach erregten Lichtausflüsse (Diffusionsstrahlen! D.Hg.) ausgeschieden. Nur die Hauptkonturstrahlen die durch eine gewisse Rückwirkung sich in einem bestimmten Winkel durchschneidenden Linien — gelangen gebrochen zum Sehnerven, durch den das Bild sodann mittels geeigneter Organe in entsprechender Weise den Gehirntäfelchen eingeprägt wird. (Vgl. Kapitel Gehirnlehre! D.Hg.) Wäre das Auge nicht so eingerichtet, könnte der Mensch keine Sonne für sich als Einzelbild erschauen und alles wäre ein gleichförmiges Lichtmeer.

Das Auge des Menschen entspricht vollkommen einer Hülsenglobe (Sternensystem im Universum) mit ihrer im Mittelpunkte wirkenden Urzentralsonne. Daher befindet sich in der Mitte des Auges die Kristallpupille, die (besonders bei manchen Tieren) ein wahrnehmbares Eigenlicht besitzt. Zum anderen empfängt die Pupille das Licht der Außendinge wie eine Sonne das Licht der anderen Gestirne. Durch die Kristallinse nehmen die Innenwände des Auges sogleich alle

Strahlen auf und reflektieren sie, unterstützt durch das Eigenlicht der Linse, wieder in die Ferne zurück. Es ist wichtig zu wissen, daß der Mensch die Gegenstände nicht selber sieht, sondern nur deren entsprechende Abbilder. Dies geschieht, indem selbe von der schwarzen rückwärtigen Spiegelhaut aufgenommen und sogleich nach der Aufnahme wieder vollkommen erleuchtet nach außen geworfen werden, wo man dann erst die Dinge an jener Stelle erblickt, wo sie sich in ihrer natürlichen Wirklichkeit befinden.

Was die Wahrnehmung der Gestirne außerhalb des Erdkörpers betrifft, so erblickt der Mensch nur deren Abbildung auf dem großen Erdauge. Dieses wird gebildet von dem Luftkreise der Erde mit all seinen verschieden dichten Ätherarten. Es gleicht einem linsenförmig-runden durchsichtigen Körper, der wie ein Brennglas wirkend die Lichtstrahlen aus dem Weltall verdichtet und in verjüngtem Maßstabe auf die Erdoberfläche und damit auch in das menschliche Auge dringen läßt. (Vgl. dazu Bd."Erde und Mond"! D.Hg.) Ohne dieses Erdauge würde der Mensch keine Kleinbilder der Gestirne aufnehmen können.

Würde das Auge die Gegenstände selbst schauen, so müßte es alle Dinge in ihrer natürlichen Größe erblicken. Daß aber alles durch die hülsenglobenartige Beschaffenheit des Auges nur in höchst verkleinertem Maße wahrgenommen wird, beweist die Tatsache, daß sich sogar die kleinsten Materieteilchen durch ein Mikroskop außerordentlich vergrößern lassen. Dieser Vorgang ist nichts anderes als eine stete Annäherung des geschauten Gegenstands, bzw. dessen Lichtabbildes an die wirkliche Größe des Gegenstandes selbst. So bekunden gerade die früher unsichtbaren Teilchen (Mikroben, Infusorien u.dgl.! D.Hg.) die Wahrheit, daß das freie Auge unmöglich die Dinge selbst erblickt, sondern nur ihre auf vorgeschilderte Art verkleinerten Abbilder.

Das Auge ist ferner so gebaut, daß der Lichtstrahl mit der enormen Schnelligkeit seines Eintritts in das Auge diesem nicht schadet und überdies der Seele Zeit läßt, die ihr vermittelten Bilder zur geistigen Vorstellung des Gesehenen zu verarbeiten. Die Seele steht durch das Gehirn und den Sehnerv mit dem Auge in steter Verbindung. Da nun die geistigen Funktionen der Seele über die Materie der Gehirnmasse erst einen bestimmten Prozeß durchmachen müssen, der langsamer als das Licht vor sich geht, so besitzt das Auge Vorrichtungen, um den schnellen Lichtstrahl entsprechend zu verlangsamen. Dazu dienen die verschiedenen Feuchtigkeiten, die das Innere des Auges bilden und erfüllen und gewisserart als vermittelnde Zersetzer dienen. Auch das Blut darf im Vordringen zum Gehirn nicht mit derselben Kraft und Hast eindringen wie in die anderen Organe, sondern muß seinen Lauf verlangsamen, damit die Vermittlung zwischen Geist und Materie in allen Gehirnpartien entsprechend erfolgen kann. Daher findet man, daß die große Schlagader, sobald sie sich gegen den Kopf wendet, dort nicht gerade verläuft, sondern erst in Windungen das Gehirn erreicht. Damit wird der Andrang des Blutes abgeschwächt und der Seele Zeit gelassen, aus dem durch die Materie Empfangenen Geistiges zu bilden. (Vgl. die Bewußtseinstrübung als Schwindelgefühl bei Blutüberfüllung des Gehirns! D.Hg.) Das Gleiche gilt auch für den Organismus des Ohres, wo auch dort die Schallschwingungen verkürzt und modifiziert werden, um sich über die Seele zu geistigen Eindrücken umgestalten zu können.

Die Durchdringung der Lichtstrahlen mit jenen Substanzen, die sich im menschlichen Auge befinden und dem Lichte verwandt sind, d.h. Magnetismus und Elektrizität im Phosphor enthalten, würde zu obigem Resultat allein nicht genügen. Es ist daher vorgesehen, daß der Lichtstrahl nicht als unaufgelöstes reinweißes Element in das Auge tritt, indem seinen Flüssigkeitsstoffen noch Substanzen beigefügt sind, die den Strahl zerteilen helfen. Dadurch ist die Fähigkeit gegeben, Farben wahrzunehmen (Stäbchen und Zäpfchen des Auges! D.Hg.) Damit im kleinen Auge die Fülle der Lichtstrahlen aller Gegenstände, sich wieder zerstreuend, ein verjüngtes Bild der erblickten Dinge erzeugt, ist hinter die Pupille des Auges die Kristallinse gestellt. Diese nimmt die Strahlen auf, konzentriert sie und läßt sie sodann im Pigment der Netzhaut wieder auseinandergehen, um auf dem spiegelgleichen schwarzsamtenen Grunde das getreue Abbild wieder hervorzurufen.

Die Theorie, daß beim Sehvorgang sich auf der Nervenhaut das Bild verkehrt spiegelt und sich dann durch Reflexion aus dem Auginneren wieder umkehrt, beruht auf einem großen Irrtum. Zwar hat die Optik mit einem Glase, dessen Schliff der Kristallinse nachgebildet ist, d.h. auf beiden Seiten konvex (erhaben), das Resultat einer Bildumkehr erzielt. Glas jedoch ist leblos und seine Brechung der Lichtstrahlen ist deshalb eine andere als im Organ des Auges. Denn dieses ist voll des geistigen und materiellen Lebens, wobei die Seele dortselbst mit dem Sehprozeß auf eine ganz andere Art zu Werke geht, als es die Wissenschaft der Optik vermutet. Wie könnte auch der ganze Sehvorgang nur auf die mathematischen Linien eines Kreises beschränkt sein, wo doch sicher auch das Auge eines Pferdes oder einer Ziege, deren Pupille bekanntlich ein längliches Viereck bildet, ein richtiges

Sehbild hervorruft! Oder wie gänzlich anders geartet ist z.B. das Auge einer Fliege. Diese besitzt ein Augenpaar, das nahezu den siebenten Teil ihres ganzen Wesens ausmacht. Ein jedes Auge für sich besteht wieder aus mehreren tausend kleineren Augen, die — wie die Zellen eines Bienenstocks aneinandergereiht und ein jedes kegelförmig zugespitzt — alle auf einen gemeinsamen Sehpunkt zusammenlaufen. (Facettenform. Vgl. die Leuchtkraft eines geschliffenen Diamanten! D.Hg.) Sie bilden damit ein unbeschreiblich starkes Mikroskop, womit die Fliege sogar atomisch kleinste Tierchen zu erblicken vermag.

Selbst die materielle Betrachtung aller Teile des Menschenauges vermag die Zweckmäßigkeit seiner Einrichtung nicht zu erforschen. Bei den meisten Entdeckungen haben die Menschen stets vom Leblosen auf das Belebte geschlossen und dadurch viele wissenschaftliche Irrtümer verbreitet, wodurch immer wieder unerklärliche Widersprüche zum Vorschein gelangen. So auch beim Zerschneiden von Leichen als Mittel zum Studium des tierischen oder menschlichen Körpers: die Uhr ist stillgestanden und die lebendige Antriebskraft ist entwichen! Beim Menschen löst sich mit dem Leibestode das seelische Lebensprinzip vom materiellen Körper, das mit den beiden großen Lebensfaktoren der Schöpfung — Elektrizität und Magnetismus — allein jedes Naturleben zu erhalten vermag. So ist im zerschnittenen Leichnam bestenfalls jene Zerstörung als Wirkung festzustellen, welche die Unregelmäßigkeit des Ein- und Ausströmens dieser beiden Hauptelemente bewirkte. (Organentartungen, Krankheit, D.Hg.) Aber der eigentliche Lebensfaktor ist entwichen und mit ihm jede Möglichkeit, den Grund des Lebens und sein Warum zu entziffern.

So liegen auch im Sehorgan des Menschen tiefe Geheimnisse verborgen. Wenn er mit seinem Auge, dieser kleinen Sonne in seinem Leibe den gestirnten Himmel betrachtet, dann wird sein Auge selbst zu einem kleinen Universum, in dem sich Milliarden von Sonnen abbildlich widerspiegeln. Eine unendliche Schöpfung trägt sodann das Auge des Menschen in sich. Und das Strahlen und Widerstrahlen der zahllosen Sonnen im sonnenverwandten Auge bewirkt in der Seele eine Ahnung des Wunders, wie das Größte im Kleinsten sich wiederfindet und als das erkennt, was es in sich selbst wesenhaft ist.

(Nachwort: Aus dem Umstande, daß das Auge durch die Seele mit allen anderen Körperorganen substantielle Verbindung besitzt, geht auch die Richtigkeit einer wohlverstandenen Augendiagnostik hervor. Denn es spiegeln sich in der Iris des Auges in subtilster Form mannigfache Funktionsstörungen des gesamten Körpers ab, deren Zeichenerforschung die Grundlage des erwähnten Heilkundezweiges bilden. D.Hgb.)

Psychische Wirkung der Narkose

Mit diesem Thema beschäftigt sich ein Kapitel von Lorbers "Himmelsgaben", Bd. II. Da zu dessen Verständnis jedoch die Erläuterung des Begriffes "Nervengeist" — dem eigentlichen Lebensfluidum des Leibes — notwendig ist, wurden den nachstehenden Ausführungen über das Wesen der Narkose einige Abschnitte über Ernährungsvorgänge vorangestellt. (Entnommen dem Gr. Ev. Joh., Bd. X.) — D.Hgb.

Alles, was vom Magen zur Ernährung des Leibes aufgenommen wird, ist nicht so tot, wie es den Anschein hat. Denn jede Nahrung besteht aus drei Teilen: einem grobmateriellen, einem ätherischen und einem substantiellen Teil. Der materielle Teil der Speise ist jener, der sichtbar und fühlbar ist, und sich in Mund und Nase durch seinen Geschmack und Geruch den Sinnen kundgibt. Wenn Speise und Trank in den Magen gelangen, so werden sie dort gewisserart zum zweiten Male verkocht. Es entwickeln sich dabei zwei Hauptbestandteile, von denen der grobstoffliche durch das Blut zur Ernährung des Leibes, seiner Glieder, Eingeweide und Muskeln überall dorthin geleitet wird, wo die Körperzellen einer Stärkung bedürfen.

Der feinstoffliche Bestandteil der Nahrung wird erst im unteren Magen, der in zwölf Fächer abgeteilt ist, ausgeschieden. (Gemeint ist wohl der Zwölffingerdarm mit der Bauchspeicheldrüse. D.Hg.) Hier wird auf dem Wege eines eigenen Gärungsprozesses der ätherische Stoff der eingenommenen Nahrung aus den stofflichen Zellhülsen ausgesondert und dient zur Belebung der Nerven, weshalb man ihn den "Nervengeist" nennen kann.

Das ganz außerordentlich Fein-Ätherische aber, das die eigentliche Substanz jeder Materie darstellt, wird (nach dem Vergärungsprozeß) durch die Milz auf einem besonderen Wege in das Herz geleitet und geht von da aus völlig geläutert in die Seele des Menschen über. Somit zieht auch die Seele von jeder aufgenommenen Nahrung das ihr Verwandte an sich und wird dadurch in allen ihren, dem stofflichen Leibe ganz ähnlichen Einzelteilen genährt und gestärkt. (Daher der Einfluß der Ernährungsweise auch auf die seelischen Qualitäten des Menschen! D.Hg.)

Haben die Speisen einmal das Wichtige an den Leib, an seine Nerven und an die Seele abgegeben, so wird das eigentliche Unlautere der aufgenommenen Belebungsmaterie durch die zwei natürlichen Gänge aus dem Körper geschafft. Ist aber ein Mensch zum Schwelger geworden und genießt unmäßig Nahrung, sowohl Speisen wie Getränke, so kann das Aufgenommene im ordentlichen Verdauungsvorgang nicht mehr verarbeitet und abgesondert werden. Es gehen dadurch noch viele unausgeschiedene Leibes-, Nerven- und Seelenbelebungsteile in die Gedärme und andernteils über Leber, Milz und Nieren in die Harnblase über, woselbst sie abermals Nachgärungen bewirken, aus denen sich allmählich für Leib und Seele allerlei Krankheiten entwickeln. Mit den vielen tausend Leckerbissen, womit die Menschen heute ihren Magen füllen, nimmt eine große Anzahl solch ungegorener Substanzen (an anderer Stelle Naturgeister genannt, weil alles Substantielle der Nahrung geistig ist! D.Hg.) oft den ganzen menschlichen Leib in Besitz. Diese geraten sodann miteinander in einen ständigen Kampf, den der Mensch nur dadurch eine Zeitlang zu beschwichtigen vermag, daß er zu bekannten Heilkräutern und -wurzeln seine Zuflucht nimmt und mit deren Hilfe die Neigung der inneren Seelensubstanz zur Revolution stillt. Aber eine solche Gesundheit ist nie von langer Dauer, und nur, wenn der Mensch wie einst bei einer einfachen und mäßigen Leibesernährung verbliebe, würde er auch wieder bis ins hohe Alter gesund bleiben, wie solches in den Urzeiten der Fall war ...

Soweit diese Heil- und Diätwinke, die auch der geregelten Schaffung des erwähnten Nervengeistes dienen. Dieses ätherische Fluidum, das die Verbindung von Leib und Seele herstellt, spielt auch beim Vorgange der Narkose eine entscheidende Rolle, worüber in "Himmelsgaben", Bd. II, berichtet wird:

Jeder Äther als eine spirituelle spezifische Flüssigkeit von reinster Zartheit (chemisch: Anhydride der Alkohole, Destillationsprodukte, D.Hg.) wirkt auf den Nervengeist betäubend. Ebenso Wein, Bier, Most und ähnliche Flüssigkeiten, weil hier die seelischen Spezifika schon freier und ungebundener sind als im Wasser und anderen ungegorenen Flüssigkeiten. Im reinen Äther sind sie beinahe schon ganz frei und können nur in einem dicht verschlossenen Gefäße festgehalten werden.

Gelangt ein solcher Äther durch das Einatmen mit dem Leibesorganismus, in dem der Nervengeist waltet, in Verbindung, so wird er von letzterem als mit ihm verwandt gierig aufgesogen und zur Sättigung der inneren Nervenkammern verwendet. Werden diese Kammern solcherart auf eine unvorbereitete Weise plötzlich angereichert, so werden sie durch diese Sättigung gleich einer Blase aufgebläht und sind in solchem Zustand keiner Reaktion mehr fähig, weder als Empfindung bei äußeren Verletzungen, noch durch inneres Ergreifen von Seiten des Nervengeistes. (Das Anästhesieprinzip der Narkose! D.Hg.)

Daß aber dadurch auch der Nervengeist selber für den Leib untätig wird, ist begreiflich, indem er sich wegen der momentanen Übersättigung der Nervenkammern außer Verband mit denselben gestellt hat. Dadurch wieder wird die Seele frei, weil sie der Nervengeist in jenem Zustande überfüllter Nervenkammern nicht an diese zu binden vermag. Ist jedoch die Seele (vorübergehend) vom Leibe befreit, so befindet sie sich in der Zeit dieser kurzen Nervenbetäubung bewußtseinsmäßig in jener Sphäre der Geisterwelt, die ihrem menschlichen Herzen oder Gemüt entspricht. Im Betäubungszustande der Narkose weilt also die Seele genau in dem inneren Schauungsgrade, der ihrer eigenen guten oder bösen Beschaffenheit angemessen ist.

Da hier aber Seele und Nervengeist wie beim natürlichen Schlafe sich noch im Vollverbande befinden (nur Seele und Nervenkammern sind getrennt! D.Hg.), vermag die Seele die Formen ihrer Anschauungen in den mit ihr noch verbundenen Nervengeist zu übertragen. So kann sie sich dessen, was sie in der geistigen Seelenwelt sah, recht wohl erinnern, während sie jedoch nicht wahrnimmt, was indessen mit dem Leibe vorgegangen ist. Aus einem rein somnambulen Zustande (heute parapsychologisch "Trance" genannt; d.Hg.), wie auch aus einem tiefen natürlichen Traumleben bringt die Seele darum keine Rückerinnerung in den natürlichen (wachbewußten) Zustand zurück, weil sie da gewöhnlich außer Verband mit dem Nervengeiste steht. Denn dieser bleibt mit den Nerven eng verbunden, die, weil sie sonst keine Sättigung erhielten und geschwächt würden, ohne Nervengeist bald absterben und sich auflösen würden, was dann auch den Tod des Leibes bedeuten würde.

Bei der Äthernarkose jedoch ist eben der Äther das Substitut (der Ersatz) des Nervengeistes, so wie beim natürlichen Schlafe der Magenäther aus den Speisen diese Funktion übernimmt. Hier kann sich der Nervengeist ohne Gefahr einer mangelnden Sättigung der Nervenkammern frei machen. Weil er dabei völlig allein der Seele zu Diensten steht, resultiert daraus eben die Rückerinnerung der Seele von dem, was sie in den Sphären der Geisterwelt schaute. (Anmerkung: Diese Rückerinnerung bezieht sich auf die Aufnahme des Wahrgenommenen in das seelische Gehirn, wobei weit seltener eine Weiterübertragung dieser Eindrücke auf das physische Gehirn und damit ein tagesbewußtes Erinnern an das Traumleben erfolgt. D.Hg.)

Darin liegt sehr leicht begreiflich der grundlegende Unterschied zwischen diesem Äther-Betäubungszustand und dem sogenannten magnetischen Schlaf (Trance, bzw. Hypnose. D.Hg.), in dem die Seele ihren Leib beschauen kann, weil der Nervengeist mit diesem noch verbunden ist, wogegen bei der Narkose beide außer Verband mit dem Leibe stehen.

Zuweilen treten bei manchen Menschen gewisse nachträgliche Wirkungen der Narkose in Gestalt von konvulsivischen Zuständen ein. Sie stellen einen gewissen "Entweichungsdurst" der Seele aus ihren materiellen Fesseln dar, welches Bedürfnis ihr eben durch den Zustand der Narkose eingepflanzt wurde. (Erweckung schlummernder Medialität und Trance-Fähigkeit? D.Hg.) Gegen dieses Übel sind Gebet und Fasten die wirksamsten heilenden Mittel.

Natürliche sind geistige Heilmethoden

Der abschließende Teil dieses Bändchens ist G. Mayerhofers "Lebensgeheimnissen" entnommen und behandelt in kurzer Form das Wesen der gebräuchlichen Heilmethoden, von der offiziellen Schulmedizin über die Naturheilweisen bis zu jenen Heilkräften, deren Wurzeln im göttlich-geistigen Kern des Menschen selbst liegen. Hier finden sich Hinweise auf eine kommende Vergeistigung der Heilkunde, welche die Gesamtheit des Menschen, seine Drei-Einheit Körper, Seele und Geist in ihr Wirken einbeziehen wird. — D.Hgb.

Alles, was besteht, hat den Drang des Bestandes, des Verän-derns, des Auflösens und des Sichvergeistigens. Einem jeden Ding ist in seiner Organisation soviel Lebenskraft verliehen worden, daß die Zerstörungseinflüsse der Außenwelt nicht allzu schnell ihren Zweck erreichen können, sondern daß der Verwandlungs- und Auflösungsprozeß sich nur nach gewissen Entwicklungs- und Altersgesetzen vollziehen soll. Daher wird die Störungs- oder Krankheitsperiode eines jeden Dinges und Geschöpfes immer durch neu hinzukommende Lebenskraft so lange ausgeglichen, bis es in der großen Kettenreihe alles Geschaffenen seinen Zweck erfüllt hat. Das Beschleunigen dieses Prozesses durch künstliche Fehler gegen das angestammte Naturgesetz bedingt die eigentliche Krankheit als sichtbares Zeichen der Mißachtung der allgemeinen Naturordnung.

Der Mensch als letztes Glied der Schöpfung auf dem Erdball, zwar mit freiem Willen begabt, aber durch seine materiellen Leidenschaften gedrängt, wirkt in dieser Hinsicht am meisten ein. Dies nicht nur durch seine verkehrte Lebensweise, sondern auch durch Verheerungen der Erdoberfläche, durch Öffnung ihrer inneren Kräfte u.dgl., so daß sie ihre elementare Natur verändern muß. Indem solches wieder auf ihre Bewohner zurückwirkt, wird deren Veränderungsprozeß mächtiger angetrieben, was die sichtbar hervortretenden Krankheiten bei Pflanzen, Tieren und Menschen augenscheinlich beweisen. Um diese Störungen wieder auszugleichen, bemühten sich die Menschen seit frühesten Zeiten, heilende Mittel und Wege zur Wiedergesundung zu finden.

Die Menschheit der ältesten Zeiten lebte im Einklang mit der Natur, und ihr eigener Organismus unterlag keiner Störung als der gesetzmäßigen, die durch Unbrauchbarkeit der Organe endlich den Leibestod herbeiführte, während bis ins hohe Alter alle anderen schädlichen Einflüsse durch tägliche Ersetzung von Lebenskraft wieder ausgeglichen wurde. Je weiter aber die Menschen vom Urgesetze abwichen, desto weniger halfen ihnen die einfachen, natürlichen Mittel zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit; sie mußten immer kräftigere suchen, weil die einfach wirkenden nicht mehr ausreichten. So sanken die Menschen herab, verkürzten sich ihr Leben und vermehrten durch eigene Schuld ihre Leiden. Damit entstand nach und nach dasjenige, was in früherer Zeit ein jeder naturverbundene Mensch aus sich heraus wußte, nun als eine Wissenschaft einzelner, die sich ganz der Heilkunde widmeten.

Die erste und leichteste Methode der Heilkunst bestand darin, aus den Nahrungsmitteln das Krankheiten Heilende herauszusuchen. Und da die Menschen zumeist durch unmäßigen Genuß materieller Speisen und Getränke erkrankten, so suchte man auf dem Gebiete der Nahrung auch entsprechende Heilmittel. So entstand die "Heilkunst mit der Materie", heute Allopathie genannt. Materielles machte die Menschen krank, Materielles sollte sie wieder gesund machen. Indem die Menschen selbst materiell geworden waren, so korrespondierte bei diesem Zustand jene Heilmethode am besten mit dem Organismus des grobstofflichen Körpers, wobei im allgemeinen durch richtige Erkenntnis des Wesens einzelner Kräuter usw. die Leibesmaterie solange wiederhergestellt wurde, bis sich die Menschen materiell von neuem ruinierten. So ist auch heute diese Heilmethode die am weitesten verbreitete, und sie ist es, die Ärzten und Patienten für den Augenblick (!) am leichtesten hilft. Je mehr aber die Menschheit ins Materielle versank, je komplizierter ihre früher so einfache Lebensweise wurde, desto weniger vermochten die genannten Heilmittel einen durch Unordnung zerrütteten Organismus wieder aufzurichten. Man griff daher zu den Giften, die nun ersetzen müssen, was die sanften balsamischen Kräuter als milde, unschuldige Mittel nicht mehr zu leisten vermögen. Wenn nun bei der allopathischen Ärztebehandlung so viele sterben, und wenn durch eine Krankheitsheilung zehn andere in den Leib des Leidenden hineingetragen werden — Krankheiten, die mit der Zeit wieder hervortreten müssen —, so ist es natürlich, daß die Lebensdauer des Menschengeschlechtes stets mehr abnimmt und die Nachkommenschaft geschwächter Eltern immer kränker wird.

Mitten in diesem materiellen Verfall standen einzelne erleuchtete Männer auf, die eine andere Heilmethode fanden, die nicht auf den körperlichen, sondern auf den seelischen Organismus einwirkt. Durch eine höhere Potenz, die Seelenkraft, soll das Gleichgewicht im Organismus des materiellen Körpers wiederhergestellt werden. Diese "Seelen-Heilkunst" wurde unter dem Namen Homöopathie bekannt und verbreitet. Hier wirkt die Seele zur Heilung gerade mit den nämlichen Mitteln in kleinstem Maße, die im Großen die Krankheit hervorbrachten. Woher diese Wirkung? Weil in Gottes Natur nichts Schädliches an sich ist, sondern nur in der Art und Weise der Gabe, in ihrer Quantität und Qualität der Grund liegt, daß etwas entweder nutzbringend oder schädlich wirkt. Bei den Arzneien der Homöopathie wirkt nicht das Grobstoffliche, sondern nur das Geistige der Materie. Dieses hat viel Verwandtes mit jenen Stoffen, aus denen die Seele des Menschen und auch der Tiere zusammengefügt ist. Und wo bei Krankheiten der eine oder andere Stoff mangelt, da wird homöopathisch (also substantiell! vgl. Ernährungslehre. D.Hg.) das der Seele Fehlende wieder ergänzt, aus deren

Kraft dann auch die Unordnung des Leibes behoben wird. Wären die Materie-Heiler (Allopathen) nur ein wenig aufmerksam, so könnten sie aus den Wirkungen gewisser homöopathischer Mittel leicht entdecken, was bei ihrer grobstofflichen Behandlungsweise gerade für den menschlichen Organismus nicht heilend, sondern schädlich ist! Durch die Homöopathie erhält die Seele ihre Kraft wieder. Sie ergänzt das ihr Fehlende und arbeitet dort seelisch, wo der Allopath materiell seinen Zweck zu erreichen sucht.

Die "Sonnen-Heilkunde", auch Heliopathie genannt, steht der Homöopathie am nächsten. Die Sonnenkur ist eine Art, die gestörten Verhältnisse des menschlichen Organismus mittels des Sonnenlichtes wiederherzustellen, sei es in Materie gebundener Form oder durch direkte Einwirkung des Lichtes auf den Leidenden. (Vgl. dazu die Schrift Lorbers "Die Heilkraft des Sonnenlichtes". D.Hg.) Die Sonne ist der Träger, ihr Licht der Erhalter alles Lebens. Ohne Sonnenlicht und Sonnenwärme bestünde weder die Erde noch ein anderer, unser Zentralgestirn umkreisender Planet. Als Erhalterin des ganzen Systems muß sie daher auch alles besitzen, was zum Weiterbestande desselben nötig ist. Und da Erhalten gleichbedeutend ist mit gesetzmäßiger Ordnung im Ganzen, muß die Sonne auch die Ausgleicherin sein für Mißstände, da alle ihr untergeordneten Weltkörper samt ihren Geschöpfen nur in der Ordnung Gottes als dem höchsten Gesetze fortbestehen können. Die Sonne hat somit die Kraft und Fähigkeit, alle Störungen auszugleichen und bei einem Mangel das Fehlende zu ersetzen.

Darum ist die Sonnenkur eine der einfachsten und wirksamsten, weil sie wie die Homöopathie mit einfachen, geistigen Schöpfungselementen der Seele wiedergibt, was sie durch

Verirrungen eingebüßt hat. Die Tausende von allopathischen Mitteln sind in der Homöopathie (der Anzahl und Stoffmenge nach) bedeutend reduziert, Die Heliopathie vereinfacht sie noch auf weit weniger Mittel, was wieder den Beweis ergibt, daß der ganze große Weltenbau nur auf wenigen Hauptgrundgesetzen beruht. Je mehr der Mensch wieder geistig wird und sich wieder dem Reiche nähert, von wo er wesenhaft ausgegangen ist, desto weniger Mittel braucht er, um seinen gestörten Organismus wieder so herzustellen, daß seine Seele in einem gesunden Körper zum Lob und Dank gegen ihren Schöpfer stets weiter aufwärtssteigen kann.

Nächst der Sonnenheilkunde kommt an Bedeutung die Wasser-Heilkunde oder Hydropathie. Wie die Sonnenkur mit Licht, so will die Heilmethode der Wasserkur mit verdichtetem Lichte oder verdichteter Atmosphäre auf den kranken Körper heilend einwirken, und zwar hauptsächlich über die Körperoberfläche auf die innere Organisation. Was die Sonnenkur mit Weltäther oder Sonnenlicht leistet, das wirkt die Wasserkur mit den Elementen der Erdseele. Denn sie besitzt als Mutter alles auf Erden Geschaffenen im Wasser noch immer jene Schöpfungs- und Gebärungskraft wie einst, wo aus dem Schoße des Wassers das ganze Festland hervorging und noch heute durch diese Mutter erhalten und genährt wird.

Menschen sind Kinder der Erde und darum hat die Erde und alles, was sich auf ihr befindet und sie umgibt, materiellen Einfluß auf das irdische Dasein. Sie vermag auch auf den Menschen einzuwirken, daher die Macht des Wassers auf alle Körperorgane. Indem selbst der Menschenkörper zu drei Viertel dem Wasser angehört, wirkt das geistig Schaffende dieses Elements durch die Haut auf die innere Organisation mächtig ein. Es belebt innerlich und äußerlich, und der Einfluß des Wassers ist geeignet, der Seele ein gesundes Kleid im Erdendasein zu erhalten. Sind bei der Sonnenheilkur schon die Stoffe auf wenige Hilfsmittel zusammengeschmolzen, so steht bei der Wasserkur nur ein einziges da, das in manchen Fällen besonders heilbringend ist (Heilbäder, Thermen), aber selbst im allgemeinen niemals übersehen werden soll. — Die mehr oder minder guten Wirkungen und die Zeitdauer, in der eine der bisher geschilderten Heilmethoden dieses oder jenes Übel zu heilen vermag, sowie die Nachwehen eines Krankheitsfalls sind die einzigen Merkmale, welche Methode der anderen vorzuziehen ist. Gleichzeitig aber gibt der Mensch durch Wahl der Heilweise nach seiner eigenen Überzeugung den Beweis, ob er mehr der Materie oder dem Geiste zuneigt.

Es gibt jedoch noch feinere, höherstehende Heilmethoden bis zu jenen geistigen, wo alles vereint alle Bedingungen erfüllt, die niemals Schaden, sondern immer nur Gutes bewirken können. Eine solche höhere Art der Heilung ist die magnetische, auch als animalischer oder "leiblicher Magnetismus" bekannt.

Ein jedes Ding hat einen bestimmten Bereich, in dem es seine Kraft auch auf andere äußern kann, und das ist sein eigener "Dunstkreis", seine ihn umgebende Atmosphäre (die Strahlungskraft seiner Aura, bei Lorber "Außenlebensäther" genannt. D.Hg.) Mittels dieser Eigenatmosphäre schließt jedes Ding sich selbst ab, ist jedoch gleichzeitig dadurch mit allen anderen Dingen verbunden. Sie ist diejenige Kraft, die auf andere Lebewesen oder auch leblose Dinge ihren Einfluß ausübt. Bei anorganischen Dingen geschieht dies willenlos, bei den organischen aber mehr oder weniger mit Willen, der diesen Einfluß bewußt zu verstärken oder zu vermindern vermag.

Diese Lebensatmosphäre (Aura) hat auch ein jeder Mensch. Durch sie steht er mit den Nebenmenschen und mit der ihn umgebenden Welt in Verbindung; sie als Heilmittel zu gebrauchen, war schon in alten Zeiten bekannt. Und viele gebrauchten oder mißbrauchten jene Kraft, ohne eigentlich zu wissen, was sie damit taten und was sie bewußt damit leisten könnten. Unter dem Namen "animalischer" oder "leiblicher" Magnetismus bedeutet dieses Verfahren, durch Willenskraft die eigene Lebensatmosphäre in andere einströmen zu lassen, nach Belieben mehr oder weniger und entweder heil- oder unheilbringend. Bei dieser Heilmethode haben schon die feinsten, unwägbaren Stoffe der Weltschöpfung begonnen, ihren Einfluß bemerkbar zu machen, unter dem alles lebt und webt und dem sich nichts entziehen kann. Schon ist es geistige Einwirkung feinstmaterieller Stoffe, die — dem einen mangelnd — durch den anderen ihm zugeführt werden. Und doch ist es nicht das letzte Mittel, wie Heilung und Wiederherstellung der Gesundheit bewerkstelligt werden kann.

Denn an diesen animalischen Magnetismus reiht sich eng ein noch feinerer und wirksamerer, der "seelische Magnetismus" an. Es ist dies die Macht der Seele, auf die Seelen anderer einzuwirken, um sie in Stimmungen und Zustände zu versetzen, worin sie dann selbst zum Arzte und Heiler ihrer eigenen Krankheit werden kann. Bei dieser Heilweise ist bereits kein leiblich-materielles Einwirken mehr vorhanden. Hier muß das Höchste und Geistigste, das die Seele besitzt, nämlich ihr innerer Gottesfunke als Kraft auftreten und der Seele des Leidenden die Macht verleihen, ihr Band zu lockern, das sie an ihren Körper bindet. Der Seelenmagnetismus muß dem kranken Seelenorganismus das geistige Auge öffnen, damit die Seele selbst die Schäden erkennt, die ihre Wiederheilung beeinträchtigen. Damit muß sie zum Selbstheiland werden, während bisher nur andere ihre Schäden kurieren mußten.

Bei dieser Heilmethode sind die Schranken geschwunden, die den Menschen an sein Ich, an seine Erdscholle und ihre Produkte knüpfen. Zeit und Raum vereinigen sich da in dem Begriffe der Ewigkeit, die Seele erkennt ihren Geist, ihren Körper, ihre Verbindung mit den geistigen Welten und ihre Stellung zu dem einzigen, ewigen Weltenschöpfer und liebenden Vater. Es ist nicht möglich, daß die Menschen diesen Standpunkt leicht erreichen, weil dazu schon ein hoher Grad von Vergeistigung erforderlich ist. Man muß zuerst selbst als edles Wesen dastehen, bevor man auf den Gebrauch von Kräften Anspruch erheben will, die auch im anderen das Höchste erwecken sollen, so wie es dem Heilenden nicht leicht möglich ist, dahin zu gelangen, ebenso wenig ist es aber auch möglich, dort heilend einzugreifen, wo in einer Seele keine edle Regung einer Erweckung fähig ist.

Heilen ist leicht, wenn der Standpunkt erreicht ist, daß einem Menschen alle Naturelemente zu Gebote stehen. Diese geistige Wiedergeburt ist freilich nicht leicht zu erwerben, daher die Seltenheit solch großer Heiler. Wo sie aber eingetreten ist, da eröffnet sich auch der höchste, der göttliche Magnetismus. Hier waltet die Kraft Gottes durch die Hände des Magnetiseurs, hier kann und wird mit einem Worte und einem Gedanken Heilung gebracht, wenn sie der Magnetisierende mit reinem Herzen und selbstlosen Absichten erbttet, und wenn es im Plane Gottes liegt, die Krankheit eines bestimmten Menschen wirklich zu heilen. Zu dieser letzten, allein großen Heilmethode gehört weit mehr, als so manche glauben, die durch göttlichen Magnetismus zu heilen wünschen. Je mehr Macht einem Menschen über die seelischen und die Naturelemente verliehen ist und je mehr er die geistigen Dinge von den weltlichen zu unterscheiden weiß, desto schwerer wird sein Stand in der irdischen Welt. Je größer die Versuchungen, desto größerer Selbstverleugnung bedarf es, um in den Verhältnissen zu wirken, in die er durch Gott gestellt wird.

Sieben Heilmethoden: Allopathie, Homöopathie, Heliopathie, Hydropathie, leiblicher, seelischer und göttlicher Magnetismus sind Stufen zur höchsten Erkenntnis. So steigt die Wissenschaft, so die Menschheit im Ganzen, wie auch der Einzelmensch für sich von der Materie zum seelischen Bewußtsein, und vom Seelischen zum Geistigen bis zum Ziele, der Einigung mit dem Göttlichen, empor. Dementsprechend wachsen auch die Fähigkeiten und Kräfte im Menschen. Sobald die Seele vergeistigt geworden ist, erweitern sich ihre Eigenschaften und können dann Dinge bewirken, die der gewöhnliche Mensch als Wunder anstaunen wird. Wer aber mit den geistigen Gesetzen der Weltschöpfung vertraut ist, wird begreifen, daß das göttliche Willenswort "Es werde" — freilich noch in gebundenem Zustande — als Kraft in jedes Menschenherz gelegt ist. Um sich jedoch dieser Kraft bewußt zu werden, bedarf es einer großen Reinigung der Seele, damit der Gottesgeist, sich mit dem Menschen vereinigend, als Macht über alles Böse und Kranke unwiderstehlich durch einen solchen Heilbringer zu wirken vermag.

Mit der im vorigen Kapitel erwähnten Heilweise der Heliopa-thie befaßt sich eingehend eine durch Jakob Lorber empfangene geistige Anleitung "Die Heilkraft des Sonnenlichtes". Diese kleine Schrift wurde 1955 vom Lorber-Verlag Bietigheim neu aufgelegt. Zwar spielt die allgemeine Sonnenbestrahlung heute in Schulmedizin und Naturheilkunde eine beachtliche Rolle, die spezifisch-homöopathische Wirkung der geschilderten Sonnenpräparate samt ihrer billigen Herstellung ist jedoch weitesten Kreisen unbekannt und zählt sehr zu Unrecht noch nicht zum Erfahrungsgute der offiziellen Wissenschaft. — D.Hgb.

Aus der Einleitung zu genannter Schrift sei hier auszugsweise wiedergegeben:

Die materiellen Stoffe der nachfolgenden Sonnenheilmethode haben an sich keine Wirkung als die, unter den vorgeschriebenen Verhältnissen die Sonnenstrahlen an sich zu ziehen und sie zu behalten. Haben solche materiellen Mittel diesem Zweck entsprochen und werden in Krankheitsfällen unter Einhaltung der angegebenen Diät und mit rechtem Vertrauen (seelische Heilkomponente! D.Hg.) gebraucht, so werden sie ihre Heilwirkung nicht verfehlen.

In den ältesten Zeiten schon benützten die Menschen, wenn sie irgendein Unbehagen im Leibe verspürten, das Licht und die Wärme der Sonne als das einzige Heilmittel zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit. Sie legten ihre Kranken in die Sonne und entblößten diejenigen Teile des Leibes gänzlich, in denen der Kranke eine Schwäche oder einen Schmerz verspürte — und es wurde in Kürze besser mit ihnen. Darin liegt eine tiefe Wahrheit verborgen. Denn das Licht der

Sonne führt reinere Geister mit sich. (Das Substantielle des Äthers! D.Hg.)

Diese haben die größte Verwandtschaft mit den entsprechenden Teilen der Menschenseele. Wenn nun durch die Einwirkung solcher Lichtgeister der Seele eine Kräftigung zugeführt wird so wird die so gestärkte Seele mit einer in ihrem Leibe entstandenen Schwäche oder Krankheit leicht und bald fertig, da die Gesundheit des Leibes einzig und allein von einer hinreichend kräftigen Seele abhängt.

Wo immer ursprünglich irgendeine Schwäche in den substantiellen Teilen der Seele auftritt und sich die Seele selbst auf einem geordneten Wege keine Stärkung verschaffen kann, wendet sie sich dann an ihren eigenen Nervengeist (vgl. Kapitel Narkose! D.Hg.) und zieht aus ihm das ihr Mangelnde an sich. Dafür entsteht dann — wie in entladenen elektrischen Batterien — zwangsläufig in den Nerven ein Mangel an jenem Lebensfluidum, durch das allein jene in der rechten Spannung erhalten werden. Die Nerven, hierdurch gewisserart hungrig geworden, saugen dann eine noch zu wenig reine Kost aus dem Blute. Wenn solches vor sich geht, entsteht daraus ein unnatürlicher Lebensprozeß in der Natur des Fleisches, woraus alle möglichen Krankheiten je nach der Art und Weise hervorgehen können, wie sie dem einen oder anderen schwachgewordenen Teile der Seele entsprechen.

Da sich in den reineren Sonnenlichtgeistern alle jene seelischen Substanzpartikel, aus denen die Seele sich zusammensetzt, vorfinden, so ist es für die Seele leicht, ihnen gerade jenes Stärkende zu entnehmen, das ihr abging. Damit kann sie nun auch wieder die frühere Ordnung in ihrem Nervengeiste — und durch diesen in den Nerven — wie auch im Blute als die rechte, natürliche Lebensspannung wiederherstellen.

Aus diesem Grunde ist auch in vielfacher Hinsicht ein richtiges homöopathisches Verfahren jedem allopathischen bei weitem vorzuziehen. Denn durch die Homöopathie wird sogleich Geistiges als der Seele verwandt zugeführt, und die Seele selbst wird, wenn sie durch diese feinstofflichen Elemente etwas ihr Abgängiges von außen wieder aufgenommen hat, durch ihre Kräftigung zum Arzt ihres Leibes. Beim allopathischen Verfahren (Heilmethode mit grobstofflichen Medikamenten. D.Hg.) aber wird der Leib gezwungen, zuvor ein Arzt seiner Seele zu werden. Diese kann sodann erst durch Rückwirkung die Herstellung des Leibes einleiten, was doch sicher der ungeeignetste Weg zur Wiedererlangung der vollen Gesundheit ist.

Es ist jedoch wohl zu beachten, daß es eine zweifache Homöopathie gibt: erstens eine spezielle, die in ihren Erfolgen notwendig unsicherer ist, weil ein noch so geschickter Arzt nicht immer sicher erkennen kann, wo und welche Teile in der Seele geschwächt sind. (Begründer dieser modernen Homöopathie war Hahnemann. D.Hg.) — Ein solcher Heiler vermag dann auch nicht das rechte Seelenspezifikum mit Sicherheit in Anwendung zu bringen, denn bei aller Geschicklichkeit des Verstandes ist ihm solches gar nicht oder nur schwer möglich. Ein im Geiste wiedergeborener Arzt vermag dies freilich gar wohl! (Z.B. Paracelsus! D.Hg.)

Aus diesem Grunde ist eben der zweiten Art der Homöopathie, die man zum Unterschied von der speziellen die "allgemeine" nennen kann, das Hauptaugenmerk zu widmen, weil durch letztere kein Arzt bei nur einigermaßen waltender Umsicht fehlen kann. Und diese Art Homöopathie ist dasjenige, was Lorber im Jahre 1851 durch das Diktat des inneren Wortes angekündigt wurde.

Eine Art der Nutzung der Sonnenstrahlen zu Heilzwecken wurde bereits erwähnt, nämlich die direkte Bestrahlung kranker Leibesteile. Sie wäre genügend, wenn die Menschen der heutigen Zeit jene Lebensweise beachten würden, die von den früheren Menschen genau eingehalten wurde. Für die gegenwärtige Lebensweise jedoch, wo der Seele durch allerhand verkünstelte Nahrung eher lebenswichtige Teile entzogen statt gegeben werden und selbst diese fast durchwegs schlecht sind, wäre die Art des Sonnenlichtgebrauchs der Alten zu schwach, um die gewünschten Resultate hervorzurufen. Aus diesem Grunde folgen mehrere Arten der Zubereitung und Verwendung von Sonnenlichtstoffen, wobei auch die dazu erforderliche Diät kundgegeben wird. Wenn diese beim Gebrauche der Sonnenlichtarznei sehr genau beachtet wird, kann damit jede Krankheit, welcher Art und welchen Namens sie auch sei, sicher geheilt werden.

Daß sich der Sonnenlichtstoff mit verschiedenartigen Materien verbindet, beweist augenscheinlich die gesamte Pflanzenvegetation. Insbesondere die Blüten und Früchte sind ein Werk der tätigen Lichtgeister im Sonnenstrahl. Wer irgendwelche bekannten Heilkräuter gebraucht, wird davon stets eine heilsame Wirkung verspüren. Aber kein Kraut ist so beschaffen, daß es den Gesundheitslichtstoff aus den Sonnenstrahlen allgemein aufzunehmen imstande wäre. Jede Pflanze nimmt nur das ihrem Wesen Entsprechende an und kann auch nichts weiteres aufnehmen, in dem ihr Bau gerade für die oder jene Sonnenspezifika eingerichtet ist. (Daher der Unterschied in Farbe, Gestalt, Geruch usw. D.Hg.)

Könnte ein Arzt bei einer kranken Seele genau erforschen, welche ihrer Lebensteile schwach oder mangelnd geworden sind und würde dabei jenes Kräutlein kennen, das diese fehlenden Spezifikalteile enthält, so würde er ziemlich leicht einem kranken Menschen die volle Gesundheit wiederbringen können. Aber da die tiefere Kenntnis des Menschen fast gänzlich unbekannt ist, bleibt das Heilfach mehr ein Raten denn ein Wissen. Hier (bei der Sonnenkur) aber handelt es sich nicht um die Anwendung alter Erfahrungen oder neuer Versuche, sondern gewisserart um ein Arkanum (verborgenes Universalmittel. D.Hg.), das die kranke Menschheit, solange es die Leibesbeschaffenheit gestattet, ebenso wieder neu zu beleben vermag, wie das stets stärker werdende Licht des Frühlings Pflanzen und Tiere neu belebt.

Für ein von manchen "Wunderärzten" erträumtes ewiges Leben des Leibes auf Erden im Verband mit seiner Seele gibt es allerdings kein Arkanum. Aber soweit es aus der göttlichen Ordnung dem Menschen gegeben ist, sein leibliches Leben gesund zu fristen, kann er bei rechter Diät und richtigem Gebrauche des Sonnenarkanums ein möglichst hohes und beschwerdefreies Alter erreichen.

Ein geistiges Nachwort

Im Evangelium Johannis steht geschrieben, alle Dinge seien durch das WORT gemacht — das Wort, das bei und in Gott war und alle Schöpfungsgedanken in sich birgt. Im Hinaustritt in die Schöpfung ist das Wort der universale Formgestalter und der Lebenshauch alles Geschaffenen (ursprachlich Ma = die Form, Abgrenzung, und genetos = der Erzeuger). Und so empfing Jakob Lorber als Abschluß seines Werkes "Erde und Mond" durch das Innere Wort folgendes Diktat:

"Der Magnetismus oder vielmehr das magnetische Fluidum ist nichts anderes als Mein eigener, Meine Gedanken fortdauernd erhaltender und leitender Wille, denn er leitet die ganze Schöpfung und erhält jedem euch sichtbaren Wesen seine Form und ordnungsmäßige Regsamkeit. Auch ihr selbst seid eurem formellen Wesen nach ihm für ewige Zeiten untertan; wäret ihr dies nicht, so wäret ihr ein Nichts gleich den Gedanken, die noch nie gedacht wurden. Aber in euch ist mehr als nur Mein unendlich allwirkender Wille, und dieses Mehr ist, daß ihr Meine Liebesgedanken seid! Daher geht auch Meine Liebe als Mein Grundleben in euch über und bildet euch gleich Mir zu selbständigen Wesen, insofern ihr Meine Liebe aufnehmet.

Ihr wißt, daß zum sogenannten Magnetisieren ein fester Wille und die überzeugende Kraft des Glaubens erforderlich ist, um jemand auf diese Art zu helfen. Seht, da geschieht nichts anderes, als daß der Magnetiseur teils bewußt, teils unbewußt seine Willenskraft mit der Meinigen in Verbindung setzt und sie dann durch sie auf den Leidenden überströmen läßt, wodurch dieser dann gefestigter und gesünder wird.

Meine Willenskraft ist jenes große Band, das alle Weltkörper aneinander bindet und sie alle umschließt und durcheinanderträgt. Sie ist positiv, da sie tätig wirkt, zugleich auch negativ in der eigenen unwandelbaren Selbsterhaltung, welche die ewige Ordnung ist.

So ist Mein solcherart polarisierter Wille zugleich der Grundstoff aller Dinge, wie immer sie beschaffen seien: ob groß oder klein, hart oder weich, schwer oder leicht — sie sind nichts als Meine Weisheitsgedanken und empfangen ihr körperliches Dasein durch die euch erläuterte Polarisation Meines ewigen Willens. So ihr darüber nachdenken wollt, werden euch alle Erscheinungen der Natur- und Menschenwelt sonnenklar werden. Aber alle weltlichen Erklärungen müßt ihr euch aus dem Kopfe schlagen; denn wahrlich sage Ich euch: sie sind der Wahrheit ferner denn ein Schöpfungspol dem anderen!" —

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Der Kosmos in geistiger Schau

Eine geistige Astronomie Vorwort

Wohl kein irdisches Erlebnis vermag den Menschen mehr mit Ehrfurcht vor der Größe des schaffenden Gottesgeistes zu erfüllen als ein Blick in den gestirnten Nachthimmel. Mag auch das Mikroskop zahllose Wunder im Kleinsten offenbaren: das Gefühl der Ewigkeit und Unendlichkeit wird durch den Makrokosmos, das große Weltall am tiefsten erweckt.

Als die Menschheit alter Kulturen noch geistverbunden und natursichtig lebte, da waren Astronomie, die Lehre vom sichtbaren Universum, und Astrologie, das Wissen vom inneren Wesen des Alls noch eng verbunden. Heute ist letztere nurmehr der schwache Abglanz uralten Weistums, und die Sterndeutekunst erlosch, weil die Lehre der Entsprechungen zwischen dem Kosmos und dem Menschen verlorenging. Die Astronomie als Naturwissenschaft aber entwik-kelte sich weiter bis zu jenen Grenzen, die ihr durch die materiellen Hilfsmittel gesetzt sind. Kein Fachgebiet ist mehr auf Theorien und Hypothesen aufgebaut als die Astronomie, weil sie auf ein, einziges Beobachtungsmedium beschränkt bleibt, das ihr vom Außerirdischen Kunde bringt — das Licht. Daher sind es (neben der chemischen Spektralanalyse) allein die optischen Vermessungen, die mit Hilfe der sogenannten Parallaxe (Winkelmessung) Schlüsse auf Größe und Entfernung anderer Weltkörper zulassen. Leider versagt diese trigonometrische Methode auf große Distanzen, weil dabei die Winkel zu klein werden.

Immerhin erweiterten die neuzeitlichen Riesenfernrohre, die Photographie und verfeinerte Meßinstrumente die realen Erkenntnisse der Himmelskunde um ein Vielfaches selbst gegenüber dem vorigen Jahrhundert. Sie schieben die sichtbaren Grenzen des Universums immer weiter hinaus und entdecken ständig neue Nebelgebilde als ferne Nachbarsysteme. Die Zahl der errechneten Lichtjahre dorthin (1 Lichtjahr 10 Billionen Kilometer) erreicht fallweise bereits sechsstellige Werte. Damit aber gelangt diese Wissenschaft zu Zahlendimensionen, welche die durch Jakob Lorber geoffenbarten Größen und Entfernungen bei weitem nicht mehr so unglaublich wie früher erscheinen lassen. Dank der modernen Forschung können bereits wesentliche Detailangaben Lorbers wissenschaftlich bestätigt werden, so z.B. die linsenförmige Gestalt unseres Milchstraßengebiets. Wenn gewisse Schätzungen der Astronomie den Durchmesser der Milchstraße mit 100 000 Lichtjahren und die Zahl ihrer Sonnen etwa mit 50 Milliarden annehmen, so läßt sich zu den bezüglichen Angaben bei Lorber leicht eine Brücke schlagen, um das errechnete und das geistig geschaute Weltbild in harmonischen Einklang zu bringen.

Andererseits entwirft die moderne Astrophysik — hauptsächlich auf den mathematischen Formeln der Einsteins Relativitätstheorie fußend — zweifelhafte Theorien, die von keinerlei geistigen Erwägungen her gestützt werden können. So wird behauptet, das Universum sei endlich und unendlich zugleich, und es biete das Bild einer sich ständig ausdehnenden Blase, deren Sterninhalt voneinander wegzufliehen scheine. Nicht minder wunderlich ist die Feststellung, daß dem gesamten Weltall ein Alter von höchstens 5-7 Milliarden Jahren zuzubilligen sei. Auch führten die Erkenntnisse der Atomkernphysik die Wissenschaft zu der Behauptung, daß alle

Sonnen glühende Weltkörper darstellen, deren Hitze von Millionen Graden sich durch unvorstellbar gewaltige Atomexplosionen erzeuge. Woraus sich dann zwangsläufig der Schluß ergibt, daß derartige Gestirne keines organischen Lebens fähig seien, geschweige denn Menschen als Bewohner tragen könnten.

Dem wissenschaftlich entworfenen Weltbilde der Astronomie steht nun ein geistig geschautes, bzw. auf inspirativem Wege vermitteltes Bild des Weltalls gegenüber. Es sind dies jene Schilderungen in den Neuoffenbarungswerken Lorbers, die vom Universum als dem "großen Schöpfungsmenschen" sprechen und nicht nur seine Gliederung bis ins Detail beschreiben, sondern zugleich den tiefsten Sinn und Zweck des materiellen Weltgebäudes samt seinen geistigen Kräften erläutern. Hier vollzieht sich eine Synthese von Religion und Wissenschaft, deren beider Wurzeln den geistig-göttlichen Bereichen entspringen. Freilich sind Offenbarungen, daß die Materie "gerichtetes und gebundenes Geistiges" ist — hervorgegangen aus einer unstofflichen Urschöpfung durch den Fall, d.h. den Selbstabschluß urgezeugter Geistwesen (das "Luzifer- oder Satanproblem") — naturwissenschaftlich nicht beweisbar. Ebenso wenig ist die Astronomie zuständig für die geistige Lehre, daß die Gesamtheit des Universums einen Menschen bildet, weil der Mensch das Endziel aller Schöpfung ist und als "Ebenbild Gottes" das Maß aller Dinge darstellt. Welch unendliche innere Bereicherung ist es jedoch zu wissen, daß überall dort, wo die irdische Wissenschaft "tote Materie" und "leblose Weltkörper" vermutet, Geist und aufbauendes Leben waltet! Mit dem Erkennen des Weltalls wächst gleichzeitig das "Erkenne dich selbst" des Menschen, und sein Erdenweg — eingebettet in das kosmische Geschehen ... offenbart jenen tiefen Sinn, den so viele suchen und so wenige in sich zu finden wissen.

Aus dem Drang, immer tiefer in die Geheimnisse unseres Planeten einzudringen, schuf die moderne Wissenschaft stets verfeinerte Meßinstrumente, wie Radargeräte, elektronische Echolote u.dgl. Leider aber bedient sich die Forschung dabei auch der explosiven Atomkräfte und begibt sich damit auf gefährliche und unberechenbare Bahnen. Die Entwicklung der Raketentechnik ermöglichte den ersten Vorstoß in den Raum mittels der Erdsatelliten. Die geplanten Weltraumschiffe wollen diesen Ausgriff in unser Planetensystem erweitern. Kein Zweifel, daß dabei viel bisher Unbekanntes auf manchem Gebiete sich der Forschung zu enthüllen vermag. Wie aber könnte der stoffgebundene Mensch trotz dieser Höchstleistungen jemals selber einen Blick tun in die abgründigen Tiefen des Erdinnern oder in die raumfernen Sphären des Äthers? Selbst wenn es ihm gelänge, würde er nicht wieder nur kraftdurchpulsten Stoff erblichen, während ihm die geistige Substanz auf diesem Wege ewig verborgen bleibt?

Es gibt nur einen Weg, hinter den Vorhang der Dinge zu blicken, das ist die Anschauung der Natur mit dem geistigen Auge. Dieses innere Schauungsvermögen ist noch Zukunftsziel einer sich vollendenden Menschheit. Nur wenigen Vorläufern, Propheten und visionären Mystikern war es bisher gegeben, entweder mit entwickelten Geistsinnen das innere Gefüge des Universums selbst zu schauen, oder vom Gottesgeiste belehrt zu schildern, was ihnen die offenbarenden Gaben des inneren Wortes vermittelten.

In reichstem Maße wurde diese Fähigkeit dem Mystiker und Gottesboten Jakob Lorber zuteil. Seine Werke "Die Haushaltung Gottes", "Das große Evangelium Johannis", "Erde und Mond", "Die natürliche Sonne", "Der Saturn" handeln von tiefsten Schöpfungsgeheimnissen des Weltalls, deren Enthüllung noch durch Hinweise in anderen Schriften ergänzt wird. Bei diesen Darstellungen mag wohl nicht nur dem religiös veranlagten Leser, sondern auch dem aufgeschlossenen Wissenschaftler eine Ahnung aufdämmern von den verborgenen Mysterien des Alls, denen die Forschung selbst unseres so entdeckungsfreudigen Atomzeitalters noch völlig unwissend gegenübersteht. Erst wenn Geistlehre und Wissenschaft einander die Hände reichen, wird das Weltbild des Geistes einen neuen Aufstieg der Menschheit schaffen. Dann auch wird der verlorene Friede wieder einkehren auf unserem Heimatplaneten, dessen Höhen und Tiefen voll der Wunder sind.

Zweck dieses Bandes ist, in gedrängter Form das Wesentlichste aus dem umfangreichen Gesamtwerke Lorbers zusammenzufassen, soweit es sich auf das Weltall und seine Teile, auf den großen "Weltenmenschen" und seine kosmischen Organe bezieht. Möge es den Leser zu weiterem Studium anregen und ihn gleichzeitig die Ergebnisse der astronomischen Forschung aus dem Blickfelde des Geistes betrachten lehren! Denn alles Vergängliche, naturhaft Sichtbare ist nur ein Gleichnis für den verborgenen Geist, der in allem Erschaffenen waltet.

Der Herausgeber.

Erde und Mond als kosmische Lebensträger

Die nachstehenden Auszüge aus dem gleichnamigen Werke Jakob Lorbers (empfangen 1846/47) zeigen unseren Planeten samt seinem Trabanten als kosmische Organismen von höchster Zweckmäßigkeit. Ihr komplizierter Bau ist der Ausdruck geistiger Ideen und Kräfte, die als Elemente die Materie aller Naturreiche formen. Die moderne Wissenschaft betrachtet jedoch unseren Weltkörper nur als leblose Materie und plant bereits, durch unterirdische Atomsprengungen in das innere Gefüge unserer Erde einzugreifen.

Goethe aber schrieb einst an Eckermann: "Ich denke mir die Erde mit ihrem Dunstkreise gleichnisweise als ein großes lebendiges Wesen, das im ewigen Ein- und Ausatmen begriffen ist". Er empfand damit das Gleiche, das dem Mystiker Lorber inspirativ geoffenbart wurde. Welche Kluft zwischen dem Weltbilde des Materialismus und dem des Geistes! — Der Herausgeber.

Das Herz der Erde

Das Erdherz ist der Lebensschwerpunkt der Erde, in dessen zahllosen Gemächern jene Kraft erzeugt werden kann, welche die verschiedenartigsten Lebenssäfte der Erde in die weitgedehnten Organe hinauszutreiben vermag, um sie nach Verrichtung ihrer Dienste zur neuen Sättigung wieder an sich zu ziehen. Seine Größe ist mit einer genauen Maßzahl nicht bestimmbar, weil dieses Herz der Erde je nach Notwendigkeit bald erweitert, bald wieder bedeutend verringert wird. Im Durchschnitt aber kann der Raum dieses Schwerpunktes mit etwa hundert deutschen Meilen (= rund 750 km. D.Hgb.) im

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Durchmesser angenommen werden. Er kann sich jedoch bis auf zweihundert Meilen weiter ausdehnen oder bis auf fünfzig Meilen verringern.

Das Herz der Erde ist mehr eine substantielle Kraft, die in einem dazu befähigten festen Organismus sich wirkend bewegt und dadurch auf den ganzen übrigen Erdorganismus seinen Einfluß ausübt. Es kommt allein auf die Qualität der Materie an, daß selbe fest genug gestellt ist, um diese in ihr entwickelten Herzkräfte ohne Schaden für sich selbst wirken zu lassen. Ein Organismus von solch fester Materie vermag den gewaltig wirkenden Kräften des Erdinneren durch Jahrmillionen mühelos standzuhalten. Das in den nördlichen Gegenden der Erde oft vorkommende Metall Platin ist etwas ähnlich der Materie, die als Organ der waltenden Zentralkraft der Erde dient. Ihr müßt euch jedoch das Innere der Erde nicht von der gleichen materiellen Beschaffenheit denken wie jene der Erdoberfläche. Denn diese ist nur eine äußere, gefühllose Haut, während das Innere der Erde sich wie Fleisch und Blut zur Außenhaut als fühlloser Rinde verhält. Daher ist die innere Materie der Erde eine Art Fleisch, Blut und Knochen, welches tierische Bestandmaterial des Erdkörpers aber doch nicht der entsprechenden Materie eines tierischen Körpers gleicht, sondern es ist eben eigentümliches "Erdfleisch, Erdblut und Erdknochen". Im übrigen ist es unmöglich, euch dessen Beschaffenheit in materieller Hinsicht näher zu erklären, da ihr im körperlichen Zustande unmöglich dahin gelangen könntet. Zwar wäre der Maßmittelpunkt der Erde als unverrückbar leicht anzuzeigen, nicht aber so steht es mit dem Schwerpunkt. Dieser verlagert sich bald nach da oder dorthin. Sein Standpunkt kann bedeutenden Veränderungen unterworfen sein. Wohl ist die innere Disposition des Erdkörpers so geartet, daß der Schwerpunkt sowohl auf der nördlichen wie südlichen Hälfte einen wirkenden Platz einnehmen kann, aber an eine Festbannung der wirkenden Substanz ist nicht zu denken. Der Grund der Veränderlichkeit des Lebensschwerpunktes bei Körpern liegt sehr tief. Wäre ein stetes Bestehen der Materie ihr eigentlicher Zweck, so könnte dieser polarische Schwerpunkt so gestellt bleiben, daß jede Materie unverändert weiterbestünde. Denn wo in einem Körper diese Polarität mehr und mehr fixiert ist und mit dessen Maßmittelpunkt beinahe zusammenfällt, desto fester und dauerhafter wird dieser Körper. Allein, zufolge dieser Fixierung ist er zu keiner weiteren Höherentwicklung mehr tüchtig, sondern nur für seinen eigenen, unveränderlichen Fortbestand. Und so würde es sich auf einem diamantenen Erdkörper mit diamantener Pflanzenwelt gewiß hart wohnen und ernten lassen.

Es ist also durchaus unmöglich, das Wo des Erdschwerpunktes fest zu bestimmen. Nur für jetzt und allenfalls das nächste Jahr (geschrieben 1846! D.Hgb.) kann angegeben werden, daß sich der Schwerpunkt gegenwärtig im Raume unter Island, einem Teile von Norwegen, Schweden und Lappland befindet. Trotzdem ist er jedoch so tätig, daß er seine Pulsbewegung bis unter Kamtschatka und südlich bis unter das Mittelländische Meer ausdehnen kann.

Für das materielle Auge würde sich dieser im Erdkörper tätige Schwerpunkt als ein Feuer darstellen, das mit unglaublicher Schnelligkeit die dazu geeigneten Erdorgane durchzuckt und damit die zur Erhaltung des Erdkörpers nötigen Reaktionen in allen Teilen bewirkt. Könntet ihr aber dieses Feuer mit geistigen Augen betrachten, so würdet ihr ein Heer zahlloser geistiger Wesenheiten entdecken, die vom göttlichen Willen zur zweckmäßig bestimmten Tätigkeit angetrieben werden, um endlich selbst höher aufzusteigen und dann in leichtere Materie gekleidet von Stufe zu Stufe in ein vollkommeneres freies Leben überzugehen. (Durchgang der geistigen Lebenspotenzen durch die Naturreiche bis zum Menschen! D.Hgb.) —

Bau der inneren Erde

Ihr wißt, daß das Blut oder die Säfte durch alle Adern und Gefäße weiterrücken im selben Augenblick, wie im Herzen der Puls- oder Triebstoß erfolgt. Dies, obwohl nicht mehrere Triebkräfte vorhanden sind als eben nur eine, die hinreicht für zahllose Gefäße. Ebenso ist dies beim Herzen der Erde der Fall. Durch seinen pulsartigen Treibstoß, der sich von sechs zu sechs Stunden wiederholt, werden die verschiedenartigsten Erhaltungssäfte des Erdinnern in alle Teile des Erdkörpers getrieben und alle Erscheinungen dieses Lebensprozesses hängen von dieser einzigen Triebkraft ab. Flut und Ebbe, aber auch sonstige Erhöhungen der Erdrinde, wie auch die dadurch bedingten Winde haben alle davon ihren Ursprung. Denn das Erdherz vertritt zugleich die Stelle der Lunge im tierischen Körper, woraus erklärbar ist, daß sowohl die regelmäßigen als auch die unregelmäßigen Ausdehnungen und Schrumpfungen des Erdkörpers lediglich diesen Ursprungs sind.

Um den inneren Bau der Erde zu verstehen, muß vorerst darauf verwiesen werden, daß nicht nur die Erde, sondern sogar jedes Gewächs, jede Baumfrucht, jedes Tier und endlich der Mensch selbst sich physisch gewissermaßen in drei Körper gliedert. Betrachten wir einen Baum. Hier ist die Rinde (die sich wieder absondert in die äußere tote und innere lebendige Rinde) der erste Baum. Von ihm ganz verschieden ist der zweite Baum, das eigentliche feste Holz, eine Vereinigung zahlloser Zellröhren, die nebeneinander geordnet fortlaufen. Der dritte oder innerste Raum aber ist der Kern, gewöhnlich eine weitere Röhre, die mit einem schwammigen Zellgewebe erfüllt ist, das die Erdsäfte einsaugt, läuten und dann durch ihre Extensions- und Kompressionskraft (Ausdehnung und Zusammenpressung) in alle Organe des anderen Baumes leitet. Was entdecken wir nun an der Baumfrucht? Das erste ist die Rinde, dann kommt die Schutzschale als zweiter Fruchtteil und dahinter erst der dritte und Hauptteil der Frucht, worin das Herz oder die Keimhülse wirkend rastet.

Ähnlich ist das Tier organisiert. Das erste daran Sichtbare ist die Haut, welche die Gestalt des Tieres umgrenzt. Innerhalb der oft mehrfachen Haut ist das feste Gerippe, mit muskulöser und knorpeliger Fleischmasse aneinander gefestigt gleich der harten Schale einer Nuß oder der Hirnschale des Kopfes. Das ist das zweite, das Knochentier. Innerhalb dessen finden wir die Eingeweide: Lunge, Leber, Milz, Gedärme, Magen usw. und in diesen edleren Teilen das lebenerzeugende Herz selbst. Dies ist das dritte Tier, durch welches die beiden äußeren mittels zahlreicher Organe und Gefäße ihre Nahrung und Belebung erhalten. Das gleiche Verhältnis findet sich auch im Körperbau des Menschen vor. So trägt auch alles organische, mehr oder minder belebte Körperwesen auf der Erdoberfläche den Typus des Erdkörpers selbst.

Auch bei der Erde ist das Äußere gleichsam die tote Rinde, innerhalb welcher sich eine lebendigere, des Gefühls fähige Rinde befindet. Wie aber die Baumrinde doch nicht so völlig tot ist, daß sie nicht manchen Moospflänzchen Nahrung bieten kann, und wie auch die äußere Tierhaut nicht nur die

Haare, sondern manche Schmarotzertierchen ernährt, — so ist auch die äußere Erdrinde nicht völlig tot und vermag einer ganzen Pflanzen- und Tierwelt zusagende Nahrung zu bieten. Innerhalb der äußeren Erdrinde, die bei zwanzig deutsche Meilen, zuweilen auch weniger dick ist, beginnt die zweite Erde. Sie ist der eigentliche festeste Teil des Erdkörpers, zwar nicht überall gleich stark, jedoch allenthalben fest genug, um die äußere Erdrinde mit größter Leichtigkeit zu tragen. Innerhalb dieser Mittelerde befindet sich der eigentliche lebendige Teil des Erdkörpers oder das Eingeweide, in dem sich auch das Herz des Erdkörpers vorfindet. Seine Kraft wirkt durch alle drei Erden, die in kunstvoller Weise miteinander verbunden sind.

Der Hauptschwerpunkt ist in der organischen Materie der eigentlich belebende Wirkungspunkt. Auf jedem Platze in der Materie gibt es jedoch auch kleinere Nebenschwerpunkte. Alle Leitungskanäle sind solche Nebenschwerpunkte, durch welche die ursprüngliche Beschaffenheit der Lebenssäfte eines Körpers in andere Zustände übergehen und damit auch andere Wirkungen hervorrufen. Die Jahresringe eines Baumes, der zwischen ihnen liegende weichere weiße Splint und die vom Zentrum bis zur Rinde verlaufenden Strahlen bezeugen hinreichend die Wirkung der genannten Nebenschwerpunkte. Der gleiche Vorgang findet ebenso im Erdkörper statt, natürlich in den ausgedehntesten Verhältnissen. Je näher beim Erdherzen die Organe liegen, umso größer sind sie, je weiter davon entfernt, desto kleiner, dafür aber bis ins Unendliche verzweigter.

Daraus aber möget ihr begreifen, wie die bekanntgegebenen drei Erden organisch miteinander verbunden sind, wie der Hauptschwerpunkt der Erde durch diese Kanäle bis zur

Oberfläche herauf wirkt und wie beschaffen diese sogenannten Nebenschwerpunkte sind. Mögen die inneren Säfte der Erde in noch so einfacher Substanz in das Erdherz und seine Organe aufgenommen werden, so werden sie von darin tätigen geistigen Intelligenzen dennoch erst nach sorgfältiger Scheidung in die Fortleitungskanäle geleitet, daß nicht ein Tropfen zuviel oder zu wenig von jeder Substanz zu seiner Bestimmung gelangt. Weil es sich aber um Substantielles handelt, ist wenig Stoffartiges dabei und soll niemand etwa auf Kohlen- oder Sauerstoff raten. Denn auch die Seele der Tiere und des Menschen ist Substanz (geistige Kraftenergie. D.Hgb.) und nicht Materie in stofflichem Sinn.

Ernährung und Rotation der Erde

Da die Erde gewisserart ein großer organischer Tierkörper ist, so muß sie zu ihrem Fortbestande auch Nahrung zu sich nehmen. Dazu sind — wie bei jedem Tiere oder selbst bei jeder Pflanze — ein Mund oder auch mehrere Freß- und Saugrüssel erforderlich. Zugleich hat noch ein jeder tierische, wie auch planetarische Körper eine Menge kleiner Saugspitzen auf sich, um den elektrischen und ätherischen Lebensstoff aus der freien Luft in sich einzusaugen. Indem alle Pflanzen- und Tierwesen typische Klein-Abbilder des Erdkörpers darstellen, ist es leicht begreiflich, daß bei diesem all das in der größten Fülle anzutreffen ist. Somit hat die Erde einen ihrem Wesen angemessenen Hauptmund, durch den sie ihre Hauptnahrung aufnimmt. Daneben besitzt sie noch allenthalben eine zahllose Menge größerer und kleinerer Saug- und Freßrüssel, denen zur Ausscheidung wieder ein Hauptentleerungskanal und eine große Anzahl kleinerer Kanäle entsprechen.

Der Nordpol ist des Erdkörpers Hauptnährmund, wie der Südpol dessen Hauptentleerungskanal bildet. Dieser Nähr-mund ist beträchtlich groß: sein Durchmesser am äußersten Rande hat ein Durchschnittsmaß von 20—30 Meilen, verengt sich aber im Inneren bis auf eine Achtelmeile. In dieser Breite verläuft dann der Schlund bis zum Erdmagen in ziemlich gerader Richtung. Die Wände des Schlundes sind sehr uneben und sehen große Strecken hindurch so mit Spitzen besetzt aus, als ob sie mit der Haut eines Riesenigels überzogen wären.

Die eigentliche Gegend des Pols bildet einen großen, trichterartigen Krater, der einen Durchmesser von rund 180 Meilen besitzt und ringsum von schroffsten Eisbergen und Klippen umlagert ist. Dieser Krater ähnelt der Einmündung eines Apfels, dem der Stiel ausgerissen wird. Von der Kratermündung — der eigentlichen Öffnung des Nährmundes — verläuft der erwähnte Nährkanal bis zum Mittelpunkte der Erde.*

*) Anmerkung. d.Hg.: Diese Angaben Lorbers beginnen durch die Nordpol-Unterquerungen von U-Booten der USA eine überraschende Bestätigung zu erfahren. Unterwasser-Aufnahmen und Vermessungen stellten fest, daß der Meeresgrund unter dem Nordpol rund und hohl ist, zur Eisgrenze schroff ansteigt, hingegen zum Pol hin einer kraterähnlichen Tiefe zustrebt!

Der Magen der Erde liegt nahe unter dem Herzen, ziemlich in der Mitte des Erdkörpers. Er ist ein rund zehn Quadratmeilen umfassender Hohlraum, den jedoch allerlei Querstreifen — manche im Durchmesser von 200 Klaftern (= ca. 380 m D.Hgb.) — nach allen Richtungen hin ausdehnen und zum Teil säulenförmig unterstützen. Dieser Magen und seine Querstützen, die das Aussehen von ovalen Streifen, bzw. Säulen haben, bestehen nicht aus fester Masse. Sie gleichen in ihrer Beschaffenheit einem elastischen Gummibeutel, dessen innere Wände gegenseitig mit der gleichen Masse ausgepölzt sind, damit sie nicht durch die von außen wirkenden Schwerkraft übereinander gedrückt werden. Von diesem Magen geht ein schraubenartig gewundener Hauptkanal durch den ganzen Erdkörper und mündet im Südpol aus. Der Kanal ist von gleicher Materie wie der Magen, nur wird er gegen die Ausmündung hin verhältnismäßig fester. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß vom Hauptmagen der Erde und von deren Hauptentleerungskanal zahlreiche Nährkanäle und Gefäße auslaufen.

Worin besteht nun die Hauptnahrung der Erde? In der höchsten Polargegend des Nordens finden sich so manche Erscheinungen, die sonst auf der Erdoberfläche nirgends anzutreffen sind. Zunächst eine sehr kalte Luftregion, die zur Winterszeit eine hohe Verdichtung erfährt. Mit dieser schweren und kalten Luft vereint sich eine stets dichter werdende Dunstmasse, die gegen den Nordpol hin häufig von zahllosen sternschnuppenartigen Lichtbündeln durzischt wird. Weiter trifft man dort um den weiten Polrand herum eine ungeheure dammartige Anhäufung von Schneekristallen und mitunter mehreren Klafter hohen Eisspitzen. Dies alles zieht der magnetische Erdmund als Futter mit großer Kraft in sich und leitet es in den Erdmagen hinab, an dessen Wänden und Querspreizen sich diese Stoffe kristallartig ansetzen.

Ist der Magen gefüllt, so tritt durch die Wärme des Erdherzens eine vibrierende Bewegung der Magenwände ein und die inneren Querspreizen ziehen sich bald enger zusammen, bald dehnen sie sich weiter aus. Dadurch wird diese Kost zerrieben und dabei ein neuer elektrischer Stoff gewonnen, der im Magen die nahrhaften Wasserteile zersetzt und in die zahlreichen Nährkanäle ableitet. Sodann ergreift ein ausgeschiedener negativ-elektrischer Strom die unverdaulichen Überreste und treibt sie mit großer Gewalt durch den schraubenartigen Entleerungskanal fort, wobei diese exkrementarischen Nährteile zufolge der mächtigen Reibung die letzten Reste ihrer erdemährenden Substanz abgeben müssen. Aus diesem Grunde ist der nördliche Teil der Erde viel kompakter als der südliche, da auf letzteren zumeist nur die letzten und minderwertigeren Nahrungsteile entfallen.

Was die Beschaffenheit des Südpols betrifft, so wird er durch ein bergiges Land gebildet, das an mehreren Stellen durch tiefe Gewässer unterbrochen ist. Dieser Pol ist nicht so von schroffen Eis- und Felsbildungen umrahmt wie der Nordpol, sondern gleicht halbzerdrückten Kugelmassen, die teils aus einem gewissen Kalkstein, größtenteils aber aus ewigem Eise bestehen. Die Mitte des Pols bildet ein großer Krater, der von sechs kleineren Nebenkratern umrahmt ist. Die Durchmesser aller Krater ergeben zusammen rund 130 deutsche Meilen und dienen der Ausscheidung des unbrauchbaren Teiles der Erdnahrung in einer luftig-ätherischen Form. — Der Süd-Pol ragt um mehrere Meilen über den Meeresspiegel hinaus.

Er bekommt damit das Aussehen eines hohen, stumpfen Berges und gibt der Erde mehr die Gestalt einer Birne* als die eines Apfels. Zum gesamten Rundverhältnis macht seine Höhe von kaum zwanzig Meilen nicht allzu viel aus, doch muß jeder andere Berg der Erde dagegen wie ein Zwerg erscheinen. Diese Erhöhung geht nicht schroff vor sich, sondern verläuft allmählich.

*Anmerkung. d.Hg.: Auch diese Eröffnung betreffs der Birnenform der Erde bestätigte die Wissenschaft als ein neues Ergebnis der Forschungen des Geophysikalischen Jahrs! Ermöglicht wurde diese Entdeckung durch exakte Meßmethoden eines künstlichen Erdsatelliten der USA mittels seines besonderen Radarsystems.

Durch den Abtrieb der substantiellen Erdexkremente beim Südpol wird auch die Rotation des Erdkörpers um seine Achse bewirkt, indem diese freilich sehr luftartigen Auswurfstoffe in gewundener Richtung hinaus auf den freien Äther stoßen. Hierdurch erhält die Erde einen Rollschwung gleich einer Rakete, die — um ein Rad gewunden — bei Entzündung das Rad in Bewegung setzt, indem die aus einer Rakete entwichene Luft so heftig ist, daß ihr die äußere Luft nicht in gleichschnellem Grade ausweichen kann. Die Folge ist eine Drucksäule, die das Rad, an dem die Rakete befestigt ist, notwendig in Umschwung bringt, — so wie eine Steigrakete eine ähnliche, unter ihr schnell wachsende Luftsäule in die Höhe treibt. Aus diesem Beispiel ist leicht ersichtlich, wie die tägliche Umdrehung der Erde durch ihren eigenen natürlichen Mechanismus hervorgebracht und stets gleichmäßig erhalten wird.

Lunge und Atmung der Erde

Das Atemholen des Erdkörpers erkennt jedermann leicht an den Gestaden des Meeres am regelmäßigen An- und Abschwellen von Ebbe und Flut. Eine solche Erscheinung kann nur von einem inneren Grunde, niemals aber von einem äußeren herrühren. Wenn die Erde die Luft in sich einzieht, dehnt sich die weichere "Bauchgegend“ der Erde, die gewöhnlich vom Meere bedeckt ist, weiter aus, wodurch das über ihr befindliche Wasser steigt und die Ufer überflutet. Stößt die Erdlunge den Atem wieder aus, dann sinkt die Bauchgegend wieder tiefer hinab und das Meerwasser tritt von den Ufern zurück. (Ein Vergleich hierzu: ein in einer

Wanne Badender kann sich überzeugen, daß bei jedem Atemzuge das Wasser etwas ansteigt und beim Ausatmen entsprechend fällt. Was hier im kleinen sichtbar wird, geschieht beim Erdkörper im großen).

Die Erdlunge, die einen kubischen Inhalt von etwa eintausend Kubikmeilen hat, befindet sich zunächst unter der harten und festen Erde und begrenzt eine Fläche von mehr als fünftausend Quadratmeilen. Diese Lunge ist ein großartiges Zellengeflecht, innerhalb dessen sich eine Menge Hohlkammern befinden, die durch kleinere und größere Röhren miteinander verbunden sind. Sie erfüllen zwei Eigenschaften: erstens die Luft in die Kammern zu führen, zum anderen aber können diese Röhren zufolge ihrer Elastizität sich zusammenziehen und ausdehnen. Dieser Vorgang erfolgt durch die stete Verwandlung des positiv-elektrischen in den negativen Pol, welcher Polwechsel lediglich in der seelischen Substanz begründet liegt und ohne welchen keine freie Bewegung in den Körpern denkbar wäre. Diese Umkehrung der Polarität wird — soweit es physisch überhaupt erklärbar ist — dadurch bewirkt, daß jede Seele (also auch die der Erde), sobald sie den Lebensstoff aus der eingeatmeten Luft in ihre Substanz aufgenommen hat, in der Lunge nur die Stickluft (Kohlensäure. D.Hg.) zurückläßt. Und eben dies bewirkt, daß der vormals beim Einatmen positive Pol sogleich in den negativen verwandelt wird, indem er mit der Stickluft in keiner Korrespondenz steht.

Wenn sich nun die erwähnten Röhren ausdehnen, werden die Kammern mehr und mehr zusammengedrängt, wodurch das Ausstoßen der Luft erfolgt. Bei Zusammenziehung der Röhren dehnen sich die Kammern wieder aus und bewerkstelligen damit das Einatmen, wobei der negative Pol wieder positiv wird und eine neue Phase beginnt.

Wie Tier und Mensch durch Mund und Nase atmen, so auch die Erde. Sie zieht durch denselben Hauptmund, der die Nahrung aufnimmt, auch den Atem ein. (Äthersubstanz, d.Hg.) Auf dem halben Wege zweigt von dieser Hauptmündung eine Seitenmündung ab, die in die große Erdlunge führt. Von je sechs zu sechs Stunden atmet die Erde einmal ein und einmal aus. Beim Ausstoßen der Luft aus der Lunge bleibt der Nährschlund wieder geschlossen. So wird die Erde wohl durch die Lunge in obgenannten Perioden fortdauernd genährt, jedoch durch den eigentlichen Nährschlund zum Magen nur von zwölf zu zwölf Stunden. Die Erde nimmt somit die Nahrung in der Zeit zu sich, während der die Lunge die eingesogene Luft chemisch zerlegt und den Lebensstoff zerteilt. Daraus geht hervor, daß die Erde in 24 Stunden zweimal ein- und zweimal ausatmet, dabei aber nur zweimal Nahrung in den Magen aufnimmt.

Die Gestalt der Erdlunge ähnelt noch am meisten der Lunge eines Elefanten, deren Farbe bläulich-grau ist und deren Gestalt nahezu einer großen, hohlen Kokosnuß gleicht. In den entsprechenden Dimensionen läßt sich dadurch die Erdlunge einigermaßen vorstellen, doch nützt eine nähere Beschreibung wenig, weil die Gesamtheit dieses großen Erdwerkzeugs für den Menschen niemals übersichtlich darstellbar ist. Ebenso vergeblich wäre, den elastischen Stoff der Lunge zu detaillieren, wenngleich jede Tierlunge, da von der Erdlunge abstammend, in verfeinertem Maße der Erdlunge ähnelt. Denn woher würden Mensch und Tier alle Aufbaustoffe für ihre Körper nehmen, wären diese nicht schon in der Erde vorgebildet? So muß der Erdkörper von allem, was in ihm vorhanden ist, durch zahllose Organe Teile davon an die Oberfläche aufsteigen lassen. Dieses Ausgelieferte wird zunächst von den Pflanzen, dann von den Tieren aufgenommen und wird in ihnen wieder in das verwandelt, was es ursprünglich im Erdinneren war. Daher muß die Erde alles in sich bergen, was die auf ihr lebenden Wesen stofflich zu ihrem Aufbau benötigen.

Die Milz der Erde

Eines der wichtigsten Eingeweide bei Tier und Mensch ist die Milz als der eigentliche Feuerherd jedes Körpers. Erst das Milzfeuer zersetzt alle zugeführten Nahrungsteile und führt sie durch seine ihm eigene Kraft in die Gefäße, wo sie ins Blut übergehen und als solches erst zum Herzen und weiter zu ihrer vielfachen Bestimmung gelangen. Dieser Feuerherd des Tierkörpers besteht aus einer eigenen, lockeren Masse, die in ihrem kreuz und quer durchflochtenen Zellgewebe voll geeignet ist, in sich das elektromagnetische Feuer durch eine beständige Reibung ihres Zellgewebes zu erzeugen.

Ebenso ist auch in der Erde ein gleiches Organ vorhanden. Diese Erdmilz ist wie beim Tierkörper nahe dem Magen gelegen, steht aber andererseits auch mit dem Erdherzen in nächster organischer Verbindung, weil der Magen von der Milz seine Verdauungswärme und das Herz seine pulsierende Kraft aus diesem Haupteingeweide schöpft.

Welches sind nun die sichtbaren Wirkungen der Erdmilz? Betrachtet zunächst die feuerspeienden Berge der Erde: sie sind freilich nur unbedeutende Ausläufer dieses Hauptfeuerherdes, können jedoch eine Ahnung vermitteln, welche Kräfte dort walten. Dann sehet auf die Menge der siedendheißen Wasserquellen, die ihre Wärme gleichfalls diesem Eingeweide entnehmen, dessen Hauptzentralfeuer durch zahllose Organe die ganze Erde durchdringt und sie in allen Teilen hinreichend erwärmt. Bei tieferem Eindringen ins Erdinnere durch Schächte kann sich jedermann überzeugen, wie mächtig schon hier jener große Erwärmungsapparat wirkt. Dringt nun Wasser in diese Tiefe, so wird es bald in Dämpfe aufgelöst, welche sodann die Erdhaut aufblähen. Als Gase oder Dämpfe dringen sie darauf durch Poren, Klüfte und andere Höhlungen der Erdrinde, erfüllen die Luft und stören deren Gleichgewicht. Dies ist die eigentliche Ursache der Entstehung von Winden und Orkanen. Wenn diese inneren Wasserdämpfe und Gase zufolge Überfüllung einen gewaltsamen Ausweg nehmen, werden dadurch zuweilen kleinere oder größere Erdbeben hervorgerufen, und in der Gegend des Ausbruchs werden nicht selten Wirbelwinde und sogar Feuerorkane zutage gefördert.

Wie geht es nun in der Erdmilzkammer zu? Seht die graubraunen Wände, wie sie in jedem Augenbliche von zahllosen Blitzen durchzuckt werden, wobei die heftigsten Donnergeräusche vernehmbar sind. Seht, wie aus den weiten Kammerkanälen eine gewaltige Flut hereinstürzt, die durch die elektrischen Flammen in stark spannende Dämpfe aufgelöst wird. Mit unmeßbarer Gewalt dringen diese Dämpfe durch andere Kanäle weiter und wieder stürzen neue Fluten in die Kammern. Da ist ein Sieden und Brausen, wie auf der Oberfläche der Erde Ähnliches noch nie vernommen wurde. Seht die gewaltigen Blutgefäße an, die sich in obbeschriebener Gestalt zwischen den Kammerreihen hindurchziehen und sich beim Durchstürzen der Fluten gleich urweltlichen Riesenschlangen bald zusammenziehen, bald ausdehnen, um ihren Inhalt weiterzubefördern! So geschieht hier im Großen ein Gleiches wie in der Tier- und Menschenmilz in kleinem Maßstabe. Daß die Erdsäfte wie beim Tiere vom Magen in die Milz übergehen und als alles ernährendes Erdblut an das Herz abgesetzt werden, braucht kaum näher erläutert zu werden. —

Leber und Niere der Erde

Die Leber ist im tierischen wie im tellurischen Erdkörper der Absonderungsapparat der Giftstoffe, die sich neben dem belebenden Nährstoff in jeder Nahrung vorfinden.

Die Aktion und Reaktion wird wie bei der Milz durch das elektrische Fluidum bewirkt, das in Kammern durch ihre reibende Bewegung entsteht. Zuerst aber wird das elektrische Feuer der Leber hauptsächlich durch jenes der Milz angeregt. Die Leber ist bei Mensch und Tier gleichfalls in Magenhöhe, weil sie zu dessen Funktion am nötigsten ist. Ähnlich ist dieses Eingeweidestück, wenn auch in größtem Maßstabe, in der Erde angebracht, wo es den gleichen Zweck zu erfüllen hat.

Die Erdleber ist ein nicht minder mächtiges Belebungsorgan wie jede tierische Leber, denn aus ihr kommt zunächst alles hervor, was die Erdrinde in sich und auf der Oberfläche trägt. So ist auch das ganze Meerwasser daher abstammend und ist im Grunde nichts anderes als der ausgestoßene Urin des Erdkörpers, der jedoch — durch Verdunstung in Wolken übergehend — durch die Einwirkung des Sonnenlichtes zum Teil wieder in süßes Nährwasser umgewandelt wird.

Auch die Niere ist im tierischen Organismus ein sehr beachtenswertes Lebenswerkzeug, denn sie hat überaus wichtige

Bestimmungen, ohne die das animalische Leben nicht bestehen könnte.

Die Niere hat die Bestimmung, das aus der Leber abgeführte, für den Lebensorganismus untaugliche Wasser aufzunehmen. Der völlig unnütze Teil dieses Wassers wird in die Harnblase weiterbefördert, während der noch zum Leben dienende Teil absorbiert und zum eigentlich materiellen Stoff des befruchtenden Samens umgebildet wird.

Der Bau der Niere hat wieder bedeutende Ähnlichkeit mit dem der Milz und Leber, während sie sich durch die polsterartige Abteilung von jenen wesentlich unterscheidet.

Mannweiblicher Charakter der Erde

Die Zeugungsfähigkeit der Erde ist bedeutend mannigfacher als die von Mensch, Tier oder Pflanze. Denn die Erde ist gewisserart als ein mannweibliches Wesen (Hermaphrodit) zu betrachten und gleicht darin dem ersten Menschen, der ursprünglich (als Geistwesen! D.Hgb.) auch männlichweiblich zugleich war. Das Hauptzeugungsorgan der Erde ist der stark aufgewulstete Südpol. Vermöge dieses Organs ist die Erde weiblich, indem der ganze Südpol negativ gleich dem weiblichen Wesen ist, das sich gegenüber dem positiv-polarischen Mannwesen ebenfalls negativ verhält. Die Erde, von diesem Punkte als Weib betrachtet, ist dann nicht selbst zeugungsfähig, sondern nur zur Aufnahme der Zeugung fähig. Wer zeugt also mit der Erde? Es ist die Sonne durch ihre entgegengesetzte männlichpolarische Kraft.

Ein Hauptkind der Erde, auf diese Weise gezeugt, ist der Mond als das älteste Kind des tellurischen Weibes Erde. Andere Erdkinder sind eine bedeutende Menge unter den

Kometen, die sich in dem weiten Ätherraum hinausgeboren kreisend befinden. Andere Kinder der Erdzeugung sind die zumeist um die Äquinoktien (Zeiten der Tag- und Nachtgleiche) zahllos zum Vorschein kommenden Sternschnuppenschwärme. Daß sie nichts anderes sind als kleinste, von der Erde neu ausgeborene kometähnliche Planetchen, beweist ihr allzeit elliptischer Lauf und ihre runde Gestalt. Sie werden jedoch von der Erde wie die meisten ihrer Zeugungen wieder eingefangen und verspeist, ähnlich der Fabel des Saturnus, der seine Kinder verschlang.

Die Erde besitzt zahllose Ausgeburtskanäle. Der Hauptkanal jedoch befindet sich in der Mitte des Stillen Ozeans (Pazifik) unfern des Äquators, und zwar in der Gegend der Inselgruppe von Tahiti. Von dort aus ward der Mond einst von der Erde geschieden und später noch eine Anzahl bestehender Kometen.

Beschaffenheit der Mittelerde

Es folgt nun ein Überblick über die zweite, feste Erde, damit dann die dritte, äußere Erde mit ihren Erscheinungen begreiflich wird. Das feste Gebilde der (mittleren) zweiten Erde ist überaus kompliziert und umfaßt bei weitem den größten Teil des gesamten Erdkörpers. Wie das feste Holz eines Baumes zugleich seine größte Masse bildet und darin der kunstvollste Mechanismus angebracht ist, so ist das gleiche auch bei der Erde der Fall. Der feste Teil derselben ist gleichsam als eine Schule anzusehen, durch welche die aus der innersten Erde aufsteigenden, erst plump geformten Lebenswesenheiten ihre eigentliche Färbung und Gestaltung erhalten.

Die zweite, feste Erde besteht aus einer ganz eigentümlichen Masse, die fast überall die gleiche ist. Sie ist nur gegen das Innere weniger massiv, nimmt aber gegen das Äußere an Intensität zu, denn wo ungeheure Lasten zu tragen sind, muß die Festigkeit dementsprechend sein. Gegen die Innenseite jedoch, wo die polarischen Kräfte der Erdeingeweide wirken, muß die Dichte geringer sein und dem inneren Druck nachgeben, damit die Eingeweideteile bei ihrem unablässigen Auf- und Abwallen nicht durch eine allzufeste Wandung Schaden leiden. Nach außen hin wird das künstliche Gefüge der zweiten Erde äußerst fest in einem Durchschnitt von nahe 200 Meilen, welche Dicke stark genug ist, um die ganze dritte, äußere Erde samt all ihren Ländereien und Meeren mit größter Leichtigkeit zu tragen.

Was das Material der zweiten Erde betrifft, so findet sich nichts Ähnliches auf der Erdoberfläche vor, da die Bestandteile eines jeden der drei Erdkörper ganz verschiedenartig sind. Die Masse der zweiten Erde ist weder Gestein noch Metall, weder Diamant noch Gold oder Platin, denn solche Stoffe würden dem inneren Feuer der Eingeweide nicht standhalten. Am ähnlichsten ist diese Materie noch dem Asbest, wenn er in fester Masse zusammengepreßt ist. Allein diese Steinwolle ist durch Feuer und Säuren nahezu unzerstörbar, was eben ihren Unterschied gegen den bekannten Asbest bedingt. Existiert auf der Erdoberfläche etwas dieser Masse noch Ähnlicheres, so ist das eine gewisse Gattung Bimssteine, die jedoch nur in der Nähe des Südpols tief im Eise eingebettet anzutreffen ist. Ein Gramm solchen Gesteins wäre allerdings mehr wert als eine zentnerschwere Perle, und zwar wegen seiner enorm glänzenden Farbenpracht und seiner gänzlichen Unzerstörbarkeit. Gegen oben herauf ist die Farbe dieses Erdmaterials mehr weißgrau und würde im

Sonnenlicht wie eine Perle aussehen. Weiter hinab wird sie immer dunkler und nimmt wie eine Goldperlenmuschel die wunderlichsten Färbungen an. Zugleich ist dieser Stoff überaus schwer und muß es auch sein, denn in ihm liegt der Hauptrotationsschwung der Erde.

Was bei den Knochen die sichtbaren Poren sind, das sind bei der zweiten Erde weitausgedehnte, manchmal viele Klafter breite Kanäle, die an verschiedenen Punkten mit mannigfaltigen Schlußklappen versehen sind. Wer immer ein anatomisches Werk oder im Mikroskop eine Holzfaser betrachtet, wird in kleinem Maßstabe völlig ähnliche Anordnungen vorfinden.

Die Säfte, die vom Erdinnern durch die feste Mittelerde heraufgetrieben werden, würden bald ihre ursprüngliche Kraft, die ihrer Wesenheit substantiell beigefügt ist, verlieren. Um dies auf dem langen Wege zu verhindern, kommt ein überaus kunstvoller Mechanismus zu Hilfe: In der Richtung von Norden nach Süden laufen zahllose, überaus feine Mineralfäden, die zumeist rein eisenhaltig sind. Umgekehrt, von Süden nach Norden sind diese Fäden platin-, manchmal auch kupferhaltig. Diese Mineralfäden sind so überaus fein, daß der Faden einer Spinne ums vielfache stärker ist. Sie laufen nicht in geraden Linien fort, sondern gezackt wie der Kamm einer Säge. Dazu noch in manch anderen Windungen, besonders in Gegenden, wo sie an die aufsteigenden Adern und Kanäle streichen, denn dort müssen diese Leitfäden ihre Wirkung besonders entfalten.

Es sind keine Röhrchen, sondern lauter aneinandergereihte verschiedenartige Kristalle, die wie Glieder einer Kette miteinander verbunden sind. Ihre Stellung ist ungefähr so, daß kleine dreikantige Pyramiden mit ihren Spitzen genau auf die Mitte der unteren Fläche jeder nachfolgenden Pyramide zu stehen kommen. Dabei sind die Spitzen der eisenhaltigen Pyramiden gegen Norden gerichtet und die der platin- oder kupferhaltigen gegen Süden. Diese Leitung muß darum so mechanisch geordnet sein, weil jede glatte Leitung das strömende elektromagnetische Fluidum bei einer Länge von nicht selten dreitausend Meilen verlieren würde. Allein, diese Pyramidenleitung würde an sich noch nicht für einen Konduktor solcher Länge dienlich sein, würde sie nicht in einer eigenen Röhre derart fortlaufen, daß durch ihre Masse kein elektrischer Funke durchdringen kann. An gewissen Punkten, besonders in der Gegend der aufsteigenden Kanäle, sind Sammelkammern angebracht, in denen sich dieser fluidale Stoff anhäuft. Ist eine solche Kammer voll geladen, so wirkt sie dann auf die Flüssigkeit im Kanal und verleiht ihm neue Kraft. Diese Sammelkammern sind teils positiv, teils negativ, damit — wenn die Substanz einer aufsteigenden Flüssigkeit durch die positive Elektrizität zu gewaltig erhitzt würde — die negative Elektrizität das Zuviel in sich aufnimmt und in sich verwandelt. Was somit der Pluspol zuviel erwärmt, kühlt der Negativpol wieder ab.

Eine weitere Bestimmung der Leitungsfäden ist es, die vielen Triebpumpen der Kanäle in Bewegung zu setzen. Ohne diese Unterstützung müßte die erste Kraft aus dem Erdherzen bald erlahmen, wenn sie bei jedem Pulsstoße es mit Trillionen Zentnern zu tun hätte, wie sie das Gewicht der ausgestoßenen Erdsäfte aufweist. Die Rückleitungs- oder Wiederaufsaugungsgefäße, welche die zur Erdernährung noch nicht voll zubereiteten Säfte wieder dem Herzen zuführen, sind gleichfalls mit Halteklappen versehen, die sich nur öffnen, wenn sich das Erdherz zusammenzieht. (Vgl. das Venensystem des menschlichen Körpers! d.Hg.) Diese Kanäle sind durchwegs enger als die aufsteigenden und ihre Flüssigkeit ist viel träger. Auch haben die oberwähnten Klappen nur zu bewirken, daß diese Kanäle beim Aufstoß nicht ganz unterbrochen, sondern nur beengt werden.

Rinde und Haut der Erde

Die äußere, dritte Erde stellt gewissermaßen die Rinde oder Haut des Erdkörpers dar. Dieser Teil hat das am wenigsten mechanisch-kunstvolle Bauwerk, doch wird dies durch zahllose andere Bildungsformen ersetzt. Es herrscht hier eine solche Fülle davon, daß kein Menschenverstand begreifen könnte, was und wie alles in der Erdrinde vor sich geht. So kann man die Tätigkeit im Innersten der Erde mit einem einfachen Triebrade vergleichen, durch das jedoch auf der äußersten Erde ungezählte und mannigfachste Wirkungen hervorgebracht werden.

Die äußere Erde ist von der festen Erde nicht etwa durch einen leeren Luftraum oder ein Zwischensein — etwa ein unterirdisches Meer — geschieden. Beide Erden sind so fest und innig miteinander verbunden wie die Rinde mit dem festen Holze eines Baumes. Der zweiten Erde zunächst ruht eine mehrere Meilen dicke fühlende Erdhaut, über die dann erst die eigentliche unfühlbare Haut der Erde (nicht fühlfähi-ge Epidermis) folgt, wo sich die Wirkungen des innerorganischen Lebens erst so recht vertausendfältigen. Hier wird alles in sich und außer sich geformt: es wird der Same frisch gebildet und in sich so dargestellt, wie einst seine entkeimte Außenform werden soll. Oder für den Samen wird hier die Kraft bereitet und nach jener Art geschieden, wie sie tauglich ist zur Belebung des schon vorhandenen Samens für Pflanzen und Tiere.

Zu solcher Vorbereitung gehört eine unendliche Kompliziertheit der organischen Konstruktion dieses Erdteils. Alle Mechanik würde jedoch nichts leisten, würden diese Einrichtungen zur Sonderung und Verteilung der aufsteigenden Säfte und Kräfte nicht durch noch subtilere ergänzt, mittels welcher die Einwirkungen aus dem äußeren Weltraum (wie Licht und kosmische Strahlen. d.Hg.) aufgenommen und ihrer Bestimmung zugeführt werden. Wenn schon eine Pflanze einen kunstvollen Mechanismus zur Verarbeitung aller nötigen Stoffe besitzt, wieviele solch mannigfaltigster Einrichtungen werden da in diesem dritten Erdteil vorhanden sein müssen, wo es sich um die Bildung der gesamten Mineral-, Pflanzen-und Tierwelt handelt.

Was diese Erdhaut betrifft, so ist sie von zahllosen, kreuz und quer laufenden Kanälen durchzogen, zwischen denen eine Menge großer und kleinerer Sammelbehälter für die aus dem Erdinneren aufsteigenden Flüssigkeiten ruhen. Ebenso Behälter, die die rückströmenden Säfte aufnehmen und durch Rücklaufkanäle in das Innerste der Erde zurückleiten. Die meisten dieser Sammelbecken haben eiförmige Gestalt und dienen hauptsächlich dazu, die erwähnten Säfte in eine Art Gärung zu bringen, durch die sie chemisch geschieden und in dem neuen Zustand zu bestimmten Zwecken weitergeleitet werden. Nicht zu verwechseln sind jedoch diese Behälter mit jenen großen unterirdischen Wasserbassins, aus denen schon das trinkbare Wasser auf die Erdoberfläche gelangt. Solche Bassins können an manchen Stellen sogar schon durch Tiefbohrung mit den artesischen Erdbohrern erreicht werden und befinden sich sämtliche schon im nichtfühlenden Teile der Erdrinde, während die oberwähnten Erdsäftebehälter alle noch im fühlenden Teil der Erdhaut ruhen.

Eine andere Beschaffenheit dieser Erdrinde besteht in einer säulenartigen Unterstützung, auf der die gesamte nichtfüh-lende Erdhaut samt ihren Meeren, Seen, Bergen und Ländern basiert. Die Säulen selbst ruhen zunächst auf der festen Erde und ziehen sich von da wie ein Gerippe bis zur Erdoberfläche herauf. Sie sind nicht so fest wie die Steine, sondern haben eine mehr knorpelartige Festigkeit, die mit einem bedeutenden Grade von Elastizität verbunden ist. Dies ist notwendig, da nicht selten zwischen den Teilen der Erdrinde gewaltige Gasbildungen große Hohlräume erzeugen, die die äußere Erdrinde oft bedeutend emporheben und nicht selten auseinandertrennen, wodurch Erdbeben und mächtige Orkane bewirkt werden. Weil nun diese Stützen dehnbar sind, so bleiben diese Wirkungen nur auf örtliche Teile der Erdoberfläche beschränkt.

Die dehnbaren Stützsäulen werden im nichtfühlenden Teil der Erdrinde nach und nach immer fester, wie auch im Tierkörper die festen Knochen in die Knorpel auslaufen und umgekehrt. Diese festen Erdknochen sind auf der Oberfläche der Erde schon hier und da als Urgestein ersichtlich, z.B. als Urkalk, Granit oder Quarz. Je weiter aber diese Gesteinsarten heraufreichen, desto gemengter, unreiner, härter und spröder werden sie. Ihre Ausläufer sind gewöhnlich die hohen Urgebirge, die sich durch Form, Höhe und Masse von allen später entstandenen Gebirgen merklich unterscheiden. Letztere bilden oft gleichsam die Decke über riesigen Wasserbassins, die wieder durch eigene Säulen unterstützt sind.

Noch wäre zu erwähnen, woher das Meer zunächst seine Hauptnahrung erhält. Sie entstammt hauptsächlich den vielen Säftebehältern in der fühlenden Erdhaut, die gewisserart die eigentliche Harnblase der Erde bilden. Sodann erhält das Meer auch von den erwähnten großen Wasserbassins durch die großen Zubringerflüsse einen bedeutenden Zuwachs, der darum äußerst notwendig ist, weil die aus der Erde aufsteigenden Flüssigkeiten zu salzig sind und ohne Beimischung von Süßwasser bald derart verkrustet in feste Masse übergingen, daß lauter hochstrebende Salzberge entstünden. Diese aber würden die Luft mit der Zeit so sehr versäuern, daß darob kein lebendes Wesen bestehen könnte. Zugleich würden diese Berge einen Rückstau des Erdharns bewirken, wodurch die Erde in kurzer Zeit in völligen Brand überginge, abstürbe und dann für kein Lebewesen mehr als Wohnstätte tauglich wäre.

Wesen und Bestandteile der Luft

Für die natürliche Betrachtung des Erdkörpers bleibt noch seine Atmosphäre zu besprechen, die als Luft die Erde bis zu einer Höhe von zehn deutschen Meilen in drei hauptunterschiedlichen Sphären umgibt. Darüber waltet der Äther, der mit seinen Lichtschwingungen schon in die geistigen Sphären hinüberleitet. Zwar bildet das Wasser der Meere und Seen auch eine Art verdichtete Luft, weshalb auch Tiere darin leben können, doch zählt diese Luft noch zum Erdkörper selbst, und zwar zu dessen äußerster Rinde. Zur atmosphärischen Luft jedoch kann nur jener Teil des Wassers gerechnet werden, der sich in Nebeln und Wolken vorfindet, ferner auch das freie Wasserstoffgas in der Luft selbst, das dem Auge nicht sichtbar ist. Darüber hinaus besteht die Atmosphäre in allen ihren Teilen aus einer Unzahl einfacher Luftarten, die den Namen Gase tragen. Die Naturwissenschaft zählt vier Hauptbestanteile der Luft auf, die in einem gewissen Verhältnis gemengt sind: Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff und Stickstoff. Besäße die Luft hingegen nicht noch viele andere Luftarten, die den Naturforschern noch unbekannt sind, so würde es mit dem Wachstum der Pflanzenwelt und der Entstehung von Mineralien überaus schlecht bestellt sein. (Anmk.: Die moderne Chemie hat bereits eine Anzahl dieser Luftarten, wie z.B. Edelgase entdeckt. d.Hg.)

Jede Pflanze saugt aus der atmosphärischen Luft die ihr allein zusagende einfache Luftart in sich ein und scheidet jede andere aus. Wäre das nicht der Fall, so hätte nicht eine jede Pflanze nach ihrer Art eine unterschiedliche Gestalt und ihren eigentümlichen Geruch und Geschmack. Demgemäß muß es so viele Luftarten geben, wie vielfach in der Art ihre Verbraucher vorhanden sind! Wenn aber schon die Pflanzen so viele Grundarten atmosphärischer Luft benötigen, um zu existieren, um wieviel mehr muß da erst der Tiere wegen verschieden Grundstoffartiges vorhanden sein, damit jedes Tier in der Luft den ihm zusagenden Einatmungsstoff findet. Zwar atmet ein jedes Wesen das ganze Luftgehaltsvolumen der Atmosphäre ein, behält in sich jedoch nur dasjenige, was seiner Natur homogen ist. Alles andere stößt es wieder hinaus.

Es hat einst auf der Erde Pflanzen und Tiere gegeben, die heute nicht mehr existieren. Dafür entstanden andere Pflanzen- und Tiergattungen, die damals nicht vorhanden waren. Alle diese Veränderungen rühren daher, daß die früheren Arten die ihnen entsprechende Grundnahrung in der Luft nicht mehr gefunden haben. Eine solche Ursache liegt auch zumeist den nicht selten neu auftauchenden Krankheiten zu Grunde. Diese sind die Folge der Ermangelung eines Grundstoffes der Atemluft, und nur eine Medizin, die den abgängigen Grundstoff in sich enthielte, würde augenblicklich die wirksame Hilfe bringen.

Die oberste Ätherregion

Die dritte Luftregion ruht auf der zweiten ungefähr so auf, wie reines ätherisches Öl auf reinem Wasser schwimmt und ohne sich zu vermengen, dem Wasserspiegel einen doppelt schönen Glanz verleiht. Diese höchste Luftregion ist gleich einem ätherischen Öl und zugleich das ätherische Salz, das die unteren Luftschichten würzt und sie zum Genuß für Menschen, Tiere und Pflanzen tauglich macht. Geruch, Geschmack und Färbung besonders der Blumen und Früchte rühren hauptsächlich von der dritten Luftregion her, denn sie sind rein ätherische Substanzen und können daher nur von dort ihren Ursprung haben, wo sie am nächsten dem Äther sind. Diese spezifikal-ätherischen Substanzen bilden in jener Luftregion ein Fluidum, das sich mit den verschiedenartigen Strahlungen der Sterne in chemischer Verwandtschaft verbindet und zur Erde kommend diejenigen Pflanzen und Tiere substantiell erfüllt, die zu den verschiedenen Lichtgrundstoffen entsprechende innere Verwandtschaft besitzen.

Diese Luftregion ist ganz eigentlich das Auge der Erde, und hätte diese nicht ein allgemeines Sehvermögen, so würde auch keines ihrer Wesen ein solches besitzen. Die Erde schaut beständig den ganzen unendlichen Raum um sich, und dies erzeugt bei allen ihr innewohnenden geistigen Wesen eine allgemeine entsprechende Vorstellung für die Außenwelt. Die Erde als Körper weiß freilich nichts von dem, was sie schaut. Es wäre auch nicht notwendig, der Erde eine eigene selbstbewußte Erkenntnis zu verleihen, weil sie kein für sich selbständiges Einzelwesen ist, sondern ein großer

Verband zahlloser Einzelintelligenzen. Diese geistigen Intelligenzen (Naturgeister der Elemente. d.Hg.) aber sind es, die des großen Erdauges bedürfen, wie auch ein jeder Mensch und jedes Tier ohne dieses kosmische Auge mit seinen Augen nichts sehen würde. Durch das Erdauge schaut der Mensch Sonne, Mond und Sterne, denn er könnte mit seinem kleinen Auge unmöglich die große Sonne überblicken, wenn nicht zuvor das Erdauge ein Kleinbild von ihr aufnehmen und dem menschlichen Auge zuführen würde. So erblickt niemand etwa die Sonne selbst oder irgendwelche Sterne, sondern nur deren Abbilder, wie sie das Erdauge gleich einem reinsten Wasserspiegel glänzend aufnimmt.

Die dritte Luftregion hat außer den vorgenannten Eigenschaften noch eine besondere: sie ist durch irgendeine Störung außerordentlich leicht entzündbar. Besonders leicht entzündet sie sich an jenen Stellen, wo z.B. ein Meteor in ihre Region gerät und sie eine bedeutende Strecke hin durchschneidet. Diese Entzündung ist jedoch kein Verbrennen, sondern ein intensivstes Leuchten. Ein durch diese Luftsphäre fliegender Meteor reißt die Luft gewaltsam auseinander, wodurch infolge der schnellen Bewegung vorübergehend ein Hohlraum entsteht. Dieser bildet nun eine Spiegelfläche, in der sich augenblicklich die Lichtstrahlen zahlloser Sterne wie in einem Zylinderspiegel konzentrieren. Und dieser Strahlenreflex hat von der Erde aus gesehen den Anblick eines Feuers. Diese Erscheinlichkeit der dritten Luftregion kann in den unteren Luftschichten deshalb nicht geschehen, weil darin die Luft zu schwer ist und hinter einem sie durcheilenden Körper zu schnell zusammenfällt. Die sehr leichte Luft der obersten Region jedoch schließt sich nur nach und nach hinter einem Meteor, weshalb hinter einem solchen noch ein langer Lichtstreifen wahrzunehmen ist.

Naturmäßige Beschaffenheit des Mondes

Der Mond ist ein noch festerer Weltkörper als die Erde, aus deren gröbsten Bestandteilen er einst gebildet wurde. Er ist der Erde beigegeben, damit er die von der Erde ausströmende magnetische Kraft auffängt und ihr diese nach Bedarf wieder zuführt. Aus diesem Grunde erfolgt sein Lauf um die Erde nicht in festen Bahnen, sondern ziemlich unregelmäßig, denn er richtet sich stets nach der größeren oder kleineren Quantität des jeweils vorhandenen Erdmagnetismus als dem natürlichen Lebensstoff. Ist ein Planet kleiner als die Erde, so bedarf er keines eigenen Mondes. Seine Stelle vertreten dann sehr hohe Gebirge, wie z.B. bei Merkur, Venus und Mars. wie noch einigen viel kleineren Planeten (Asteroiden. d.Hg.), während bedeutend größere Planeten wieder mit mehreren Monden versehen sein müssen.

Auch auf dem Monde gibt es wie auf der Erde Menschen und zahllose andere Geschöpfe, nur mit dem Unterschiede, daß kein Mond auf der dem Planeten beständig zugekehrten Seite bewohnt ist, sondern immer auf der abgewendeten, entgegengesetzten Seite. Dies darum, weil er auf der der Erde zugekehrten Seite weder mit Luft noch mit Wasser und Feuer nebst allem für das organische Leben Notwendigen ausgestattet ist. Kein Mond darf eine Bewegung um seine eigene Achse besitzen, weil die Anziehungskraft der Erde oder irgendeines Planeten in der Entfernung seines Mondes noch zu mächtig wirkt.

Dieser Weltkörper ist eigentlich nur auf der dem Planeten zugewendeten Seite "Mond", jedoch auf der entgegengesetzten Seite ein ganz fester Erdteil. Was für euch also Mond ist, das ist nicht gefestigt, sondern ähnlich einem erstarrten Schaume des Meeres, dessen festere Teile gleich Bergen hervorragen, dessen weichere Teile aber nischen- und trichterartig gegen das Zentrum des ganzen Weltkörpers eingesunken sind. In einigen dieser Riesenkrater befindet sich noch atmosphärische Luft, die nicht entweichen konnte und euch durch starke Fernrohre beinahe den Anblick von Meeren darbietet (Daher astronomisch Marc = Meere genannt. d.Hg.) Alle Höhenpunkte, wie auch die weniger tiefen Trichter haben durchwegs keine atmosphärische Luft, sondern sind nur vom Äther erfüllt, wie er sich in den freien Räumen zwischen Planeten und Sonnen vorfindet. Diese Seite des Mondes ist daher auch von keinem organischen Lebewesen bewohnt, sondern seine Bewohner sind geistiger Art. Auf der Erde des Mondes (d.h. auf seiner uns abgewandten Seite) existiert eine spärliche Pflanzen- und Tierwelt, wie auch eine zwergähnliche Menschenrasse. Sie haben da mit großer Kälte und Finsternis zu kämpfen, aber auch mit unerträglicher Hitze, denn hier dauert jeder Tag und jede Nacht beinahe volle vierzehn Erdtage. Gegen das Ende der Mondnacht wird es dort kalt wie auf der Erde am Nordpol, und von Mitte bis Ende des Mondtages wird es so heiß, daß es kein lebendes Wesen auf der Oberfläche aushalten könnte, weshalb alle organischen Wesen in unterirdischen Behausungen leben.

Der vollständige, originalgetreue Nachdruck der Lorberschrift "Erde und Mond", 253 Seiten, mit den Teilen "Die natürliche Erde", "Die geistige Erde" und "Der Mond" ist im Lorber-Verlag / Bietigheim erschienen. Der Verlag.

Geheimnisse unseres Planetensystems

Katastrophe im Planetenreich

(Wie eine Warnung für die Menschheit unseres Atomzeitalters kreisen zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter die Teile eines einst geborstenen Großplaneten. Es ist der Schwarm der Asteroiden mit seinen vier Kleinplanetchen Ceres, Pallas, Juno und Vesta und tausende von kleineren Trümmern, die noch heute das Zeugnis einer gewaltigen kosmischen Katastrophe bilden. Daß die dortige Planetenmenschheit einst selbst den Grund dazu gelegt hat, geht aus mehrfachen Eröffnungen im Schrifttum Lorbers hervor. Aus den Werken "Das Große Evangelium", "Bischof Martin", "Unsere natürliche Sonne" und "Naturzeugnisse" folgen einige Auszüge zu diesem Thema. — d.Hg.)

Einst gab es in eurem Planetenreich noch eine große Erde, die von eurer Sonne ihr Licht empfing und eine große Bestimmung hatte. Als Lebenskammer im Herzen des großen Weltenmenschen war zur Zeit der Voradamiten dieser einstige Weltkörper wirkend vorhanden. Der erste gefallene Geist Satana wählte sich ihn aus mit der Verheißung, sich dort zu demütigen und in die Ordnung Gottes zurückzukehren. Darum sollte dieser Stern dereinst ein Stern alles Heils sein. Hier wollte Satana (Luzifer) ganz in sich zurückgezogen wirken, und kein Geschöpf dieses Sterns sollte je von ihm in seiner Sphäre beirrt werden, noch weniger andere Planeten mit ihren Bewohnern. Aber er hielt seine Versprechungen nicht und wirkte dort in seiner ihm zugelassenen Freiheit derart böse, daß kein Leben mehr fortkommen konnte. Er wurde daher in das Feuerzentrum eurer Erde gebannt und die Bestimmung jenes Planeten ist nun eurer Erde verliehen, nämlich der Hauptlebensnerv im Herzen des großen Schöpfungsmenschen zu sein.

Als der Planet noch ganz war und reich an mächtigen Völkern, da verführte der alte Drache ihre Herzen. Und sie entbrannten alle in wütendster Herrschsucht und schworen sich ewigen Krieg und gegenseitige Aufreibung bis auf den letzten Mann. Die Menschen gingen in größten Hochmut und in völlige Gottvergessenheit über. Die überhaupt noch an Gott glaubten, suchten ihn gewisserart vom Throne seiner ewigen Macht zu stürzen. Arge Weltweise sagten, daß Gott im Zentrum ihrer Erde wohne. Man müsse daher Minen treiben, um ihn dort gefangen zu nehmen. Sie gruben demnach tiefste Löcher in das Erdinnere, wobei eine Unzahl von Menschen zugrunde ging. Als zu ihnen Boten der geistigen Welt kamen, um sie zu warnen, wurden sie als Menschen allzeit erwürgt und die Planetenmenschheit besserte sich nicht.

Bei ihren Grabungen stießen die Menschen auf weißglänzende Steine, und wie bei euch Gold und Diamanten, so wurden diese Steine wahre Steine des Anstoßes. Wer keinen weißen Stein besaß, galt bald weniger als ein unverständiges Tier. Daher sammelten die Mächtigeren solche Steine bergweise und ließen den Schwächeren nichts zukommen, um sie desto leichter tyrannisieren zu können. So ging diese Habsucht weiter, bis sich die Hauptinhaber für wahre Götter hielten und sich als solche dem Volke aufdrängten. Da unter diesen Göttern einer der höchste sein wollte, ließ ein jeder so weit wie möglich in den Eingeweiden des Weltkörpers wühlen, um durch den größten Besitz an Steinen seinen Vorrang zu beweisen.

Diese Machthaber mißhandelten das Volk auf die grausamste Weise und ließen es Tag und Nacht im Erdinneren nach den weißen Steinen graben. Andere wieder mußten sich in großen Rotten sammeln, um den Steinbesitz eines anderen Gottes zu verringern. Durch solche Steinkultur blieb nun jede wahre Kultur des Landes im Hintergrunde und die Völker samt ihren Göttern drohten in schrecklichen Hungersnöten umzukommen. Da schufen die vier letzten und mächtigsten Herrscher ein Gesetz, wonach die Völker des einen die anderen fangen, abschlachten und verzehren durften. Dies aber war der Zeitpunkt ihres Endes, denn die Menschen dieses Planeten waren sehr erfinderisch und entdeckten schon vor tausenden von Jahren eine Art Sprengkörper, die alles zerstörten, wenn sie entzündet wurden.

Und sie handelten, wie die Bewohner Hanochs vor der Noahs Sündflut gleichfalls mit manchem Berge taten, indem sie die inneren Wasserschleusen der Erde öffneten und dann in deren hochgestiegenen Fluten umkamen. So führten auch jene Planetenbewohner immer ärgere Kriege und trieben stets größeres Unwesen. Einer unterminierte des anderen Land tief nach allen Richtungen und füllte die Minen mit Haufen solcher Sprengkörper, die nach Entzündung ganze Ländereien zerstörten. Im weiteren Verlauf gruben sie stets tiefere Schächte in das Innere ihrer Erde, die fast ums Zweitausendfache größer war als die eurige.* Endlich gerieten sie doch zu tief, wodurch der Erde innere Kammern, die von Natur aus mit dem Urfeuerstoff erfüllt sind, in den heftigsten Schnellbrand gerieten. Diese innere Feuergewalt trieb dann den ganzen Planeten aus seinen Fugen und brachte ihn nach allen Seiten zum Zerbersten. Und damit hatte diese Erde samt ihren argen Menschen das Ende erreicht. Ihre Bewohner hatten sich zu gewaltig übernommen und es geschah dann, daß über sie ein großes Gericht kam, wie es auch schon einmal eurer Erde um nicht vieles besser erging. Jener Planet wurde jedoch ganz zerstört und zertrümmert und mit ihm alle die maßlos stolz und lasterhaft gewordenen Menschen.

* (Auf diese, den benachbarten Jupiter fast um die Hälfte übertreffende Größe des einstigen Planeten läßt die überaus geringe Summe der Massen aller aufgefundenen Trümmer keinen Schluß zu. Denn die weitaus größere Zahl jener kosmischen Bruchstücke muß inzwischen von der Sonne, bzw. den anderen Planeten eingefangen worden sein. Vermutlich sind die beiden Kleinmonde des Mars, wie auch die auffallend dürftigen Kleinsttrabanten unter den Monden des Uranus und Neptun solche Trümmer, die in den Anziehungsbereich jener Planeten gerieten. d.Hg.)

Bei der gewaltigen Teilung des Planeten fanden viele Millionen dieser Riesenmenschen den Leibestod. Daß diese Katastrophe für jene Menschen ein entsetzliches Weltgericht war, ist ganz sicher, doch trugen sie allein die ganze Schuld daran. Die Bewohner wurden zuvor durch lange Zeit belehrt, ermahnt und gewarnt. Es wurde ihnen gezeigt, was sie zu erwarten hätten, doch hielten sie all dies in ihrer großen Weltklugheit für Hirngespinste jener Seher, die angeblich solche Dinge dem leichtgläubigen Volke erzählten, um dadurch zu Ansehen und Versorgung zu gelangen. Die Großen und Mächtigen verfolgten sie daher mit Feuer und Schwert, ja sie stellten sich am Ende allem Geistigen so ernst entgegen, daß ein jeder, der es wagte, vom Geiste zu sprechen oder zu schreiben, gnadenlos getötet wurde.

Dieser zerstörte Planet schwebte zu Anfang der sechsten Erdbildungsperiode, umkreist von seinen vier Monden, zwischen den Bahnen der Planeten Mars und Jupiter. An Größe kam er letzterem gleich, nur besaß er mehr Festland und auch einen höheren Luftkreis. Ferner hatte er eine stärkere Polneigung und damit auch eine schiefere Bahnlinie um die Sonne. (Anmkg.: Die Astronomie bestätigt, daß die Neigung der heutigen vier Kleinstplaneten zur Ekliptik beträchtlich größer ist als die aller anderen Planeten! D.Hg.)

So stand einst seine Ordnung. Dann aber erfolgte die erwähnte Zertrümmerung, die den Planeten in zahllose kleinere Stücke teilte. Nur die vier Monde blieben als Ganzes erhalten. Da sie aber ihren Zentralkörper verloren hatten, gerieten sie in Unordnung und entfernten sich von einander mehr und mehr, indem sie durch die Berstung des Planeten einen sehr merklichen Stoß erhielten. Die Stücke des Planeten zerteilten sich in dem sehr breiten Raume zwischen Mars- und Jupiterbahn. (!) Eine große Zahl kleinerer Trümmer entfernte sich auch über die angezeigten Bahnen hinaus. Etliche fielen auf den Jupiter, andere auf den Mars, einige sogar auf eure Erde, sowie auf die Venus, den Merkur und in die Sonne.

Sogar die riesenhaft großen Menschen wurden dabei in großer Menge in den freien Himmelsraum geschleudert, wie auch die anderen Kreaturen. Einige verdorrte Leichname schweben noch immer im weiten Ätherraum umher, andere liegen tot und vermodert unter den Trümmern ihrer Häuser, die auf den größeren Planetenbruchteilen noch bestehen blieben. Etliche jener Menschenleichen fielen sogar auf eure Erde, wo sie jedoch schon nach wenigen Jahren vollkommen aufgelöst wurden. Von diesem Fall rührt die noch heute überlieferte heidnische Mythe von Kriege der Giganten gegen die Götter her. So verstarben die ersten Menschen auf den Resten des einst größten Planeten eures Sonnengebiets.

Die Meere des zerstörten Planeten verteilten sich bei der Berstung mit ihren Einwohnern aller Art in größere und kleinere kompakte Massen, von denen einige viele Meilen

Durchmesser besitzen. Sie bergen dabei auch festeres Erdreich in sich und sind noch von mancherlei Tieren bewohnt. Auf den kleinen Trümmern aber waltet kein organisches Leben mehr außer dem der Verwitterung und langsamen Auflösung.

Allein auf den vier Monden leben noch Nachkömmlinge der früheren Geschöpfe, aber nurmehr in einem verkümmerten Zustand. Diese vier kleinen Weltkörper können auch tote Planeten genannt werden, da die Zahl der Lebewesen nur noch gering ist. Die noch vorhandenen Menschen sind ganz besonders naturmäßig geartet und Geistiges ist ihnen nahezu fremd. Die dortige Vegetation ist außerordentlich dürftig. Die kaum drei Spannen großen Menschen haben den Winterschlaf mit den Tieren eurer Erde gemein, der auf diesen vier Weltteilen manchesmal mehr als zwei Erdjahre dauert. Zuweilen auch kürzer, je nachdem sich ein solcher Kleinplanet wegen seines unregelmäßigen Laufs mehr oder minder der Sonne nähert. So blieben nur diese vier Monde als abgerundete kleine Welten zurück, die noch ein kümmerliches höherorganisches Leben tragen.

So spricht der HERR: "Auch die Menschen eurer Erde werden wieder diese schrecklichen Sprengmittel erfinden samt einer Menge anderer Zerstörungswerkzeuge. (Ist bereits Wirklichkeit geworden! D.Hg.) Sie werden damit viel Verheerungen auf Erden anrichten. Daß sie aber nicht damit in zu große Tiefen der Erde gelangen, dafür wird von Mir aus vorgesorgt werden. Es wird darum auf eurer Erde eine solche völlige Zerstörung niemals geschehen können. Aber örtliche Verheerungen und Verwüstungen größter Art werden gewiß vor sich gehen. Und die Menschen werden dabei in große Angst, Schrecken und Trübsal geraten und viele werden verschmachten vor Furcht und banger Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen!"

Ein Blick in den Saturn

(Unter den Planeten unseres Sonnensystems nimmt der Saturn eine besondere Stellung ein, da er als einziger von einem ringförmigen Gebilde umgeben ist. Während die Astronomie über Wesen und Zweck dieses Doppelrings nur Theorien aufzustellen vermag, empfing Jakob Lorber darüber lichtvolle Eröffnungen. Die genaue Beschreibung des Planeten samt seinen Ringen und Monden findet sich in dem Werke "Der Saturn", dem hier auszugsweise die nachstehenden Schilderungen entnommen sind. — D.Hg.)

Der Planet Saturn ist über eintausendmal größer als eure Erde. Zu seinem Umlauf um die Sonne braucht er rund 29 1/2 Jahre. Der Durchmesser seines ganzen Doppelringes beträgt 40 000 geogr. Meilen, die Entfernung von der Oberfläche des inneren Ringes bis zur inneren Fläche des äußeren Ringes 545 geogr. Meilen. Der innere Ring hat in sich noch drei Halbspalten, davon jede 20-30 Meilen groß ist. Diese gehen nicht durch den ganzen zweiten Ring, sondern sind angefüllt mit lauter eiförmigen Kugeln solchen Durchmessers, daß vermöge dieser dazwischen liegenden Kugeln die drei inneren Ringteile nur einen Ring ausmachen. Wo sich aber die Spalten befinden, geht ein freier Raum gleich einer nach innen gebogenen Pyramide sowohl von unten nach oben, wie von oben nach unten den ganzen Ring hindurch. Diese aneinandergereihten Kugeln in jenen drei Spalten haben schon manchen Astronomen auf die irrige Idee gebracht, es wäre dieser Ring zusammengesetzt aus sehr vielen kleinen

Monden. Denn in einem starken Fernrohr gleicht dieser Ring einem Rosenkranz, der auch aus lauter kleinen Kugeln besteht.

Den Planeten Saturn umkreisen sieben, bzw. zehn Monde (drei sind Nebenmonde der Hauptmonde. D.Hg.) von verschiedener Größe und Entfernung. Der erste, nächste und zugleich kleinste Mond hat nur 120 Meilen, der letzte, äußerste

und größte Mond 1120 Meilen im Durchmesser. Er ist rund 361 000 Meilen vom Planeten entfernt. Aus diesen Zahlenangaben könnt ihr schließen, daß dieser Wetkörper dank seiner Größe, verschiedenartigen Konstruktion und seiner zahlreichen Monde keine geringe Bestimmung im Schöpfungsraume innehat.

Die Oberfläche des Planeten besteht zum größten Teil aus Wasser. Es gibt hier kein eigentliches Festland, sondern zumeist unter dem Äquator abgesonderte, bedeutend große Inseln, die freilich an sich umfangreicher sind als eure fünf Kontinente zusammengenommen. Gegen die Pole hin ist der Weltkörper mit ewigem Schnee und Eis bedeckt, das dort schon um 40 Grade früher beginnt als auf der Erde. Daher ist eure sogenannte gemäßigte Zone im Saturn das Reich des Schnees, eure kalte Zone das Reich des ewigen Eises, und eure heiße Zone ist dort die eigentliche gemäßigte Mittelzone, die allein von Menschen bewohnbar ist. In dieser heiteren und milden Zone befinden sich 77 große Eilande, wovon das mittelste größer ist als der Kontinent Amerika. Eine jede Insel ist von der anderen in der Formation und in ihren Produkten bei weitem verschiedener als euer Lappland von den südlichsten Tropenländern.

Trotz der weiten Entfernung von der Sonne erhält der Planet genügend Licht und Wärme. Denn fürs erste hat er in dem Maße, als er die Erde an Größe übertrifft, auch ein ebenso stärkeres Eigenlicht. Sodann umgibt den Planeten eine tausendfach größere Atmosphäre, die beiläufig 100 000 Meilen hinausreicht, während jene eurer Erde nicht einmal 2000 Meilen beträgt. Daher vermag diese große Luftkugel entsprechend viele Sonnenstrahlen aufzunehmen, um sie dann stets konzentrierter auf die Oberfläche zu führen. Darum erblicken die Bewohner des Planeten die Sonne auch um vieles größer als ihr. Die Wärme würde ebendarum am Äquator unerträglich sein, wenn sie nicht durch den Ring derart gemildert würde, daß dieser die am meisten konzentrierten Sonnenstrahlen aufnimmt. Hier werden sie teils selbst verbraucht, teils auch wieder in den Weltraum zurückgestrahlt, wodurch sich der Ring in den Fernrohren glänzender als der Planet selbst darstellt. Der Schatten des Rings aber wirkt höchst wohltätig, indem er die heiße Zone zur gemäßigten macht.

Zufolge dieses Rings ist auf diesem Weltkörper auch niemals Nacht wie bei euch. Denn da ist fortwährend Tag auf der Sonnenseite, während auf der entgegengesetzten Seite — da der Ring von der Sonne auf der inneren Seite beleuchtet wird — stets genügend Licht herrscht, noch dazu verstärkt von den verschiedenartig kreisenden Monden. Zu diesem eigentlichen "Nachttage" kommt noch das Licht der Fixsterne, die wegen der reinen und weitgedehnten Atmosphäre ums zehnfache größer erscheinen und ebensoviel stärkeren Glanz von sich geben als bei euch die Venus im hellsten Abendlichte. Versetzet euch im Geiste in ein Land dieser Mittelzone des Planeten und betrachtet von da aus die großartige Herrlichkeit des gestirnten Himmels. Ihr möget eure Phantasie noch so erhöhen, so könnt ihr euch keinen Begriff machen vom millionsten Teile der Pracht, die da herrscht! Denn hier ist die Nacht heller als bei euch der Tag. Und am Tage selbst vermißt man dort unter dem Schatten des Ringes niemals den Anblick der schönen Sterne. Besonders von den Bergen mit ihrer unermeßlichen Aussicht ist die Wirkung des Sternenlichtes unter dem Ring so mannigfaltig in der Farbenpracht, daß ihr euch nicht die leiseste Vorstellung davon machen könnt.

Wie groß der Planet Saturn einst war, zeigt sein gegenwärtiger Ring, denn die Oberfläche des äußeren Ringes war zuvor die Oberfläche des ganzen Planeten. Einmal jedoch mußte er südlich und nördlich gewisserart abgeschnitten werden, wodurch die beiden großen Kappen gleich zwei riesenhaften Hohlschalen in den weiten Weltraum geschleudert wurden. Und warum? Weil auch dort auf diesen beiden Teilen die arge Schlange (Satana) einige reichlich böse Brut hingesetzt hatte! Nur die Bewohner des heißen Mittelstrichs blieben rein, darum er auch erhalten wurde zu einem immerwährenden Denkzeichen, daß der große Weltenbaumeister auch einen Weltkörper erhalten kann, wenn dieser nicht mehr in seiner ersten planetarischen Vollkommenheit dasteht.

Woher ist nun dieser gegenwärtig viel kleinere Erdkörper des Saturn nach der Katastrophe entstanden? Merket auf, denn ihr werdet nun einen starken Buch nicht nur auf diesen Planeten, sondern auf alle Weltkörper werfen können: Der gegenwärtige Weltkörper im Ringe war auch schon vor der Abkappung vorhanden, wie es auch bei eurer Erde, wenn diese auch abgekappt würde, der gleiche Fall wäre. Denn auch innerhalb der äußeren Erde steckt noch eine kleinere, und darin eine noch kleinere, die mit einander nur entweder durch Luft,

Wasser oder Feuer in Verbindung stehen. Somit ist der jetzige Saturn schon die (innere) Mitte-Kugel, weil der Ring schon zwei darstellt, allda er sich vollkommen unberührend gespalten hat. Wenn diese mittlere Kugel nochmals abgekappt würde, käme auf diese Art wieder ein noch kleinerer Ring unter dem größeren zum Vorschein, innerhalb dessen sich noch einmal ein vollkommen runder Erdkörper ebenso freischwebend befände wie der jetzige im großen Ring.

Die sieben Hauptmonde nehmen einen bedeutenden Einfluß auf den Planeten. So geschieht es in jenen Zeiten, da alle sieben Monde zufolge ihrer ungleich schnellen Bewegung auf derselben Seite des Planeten zu stehen kommen, daß dadurch das Meerwasser zu ungeheuren Fluthöhen emporgehoben wird. Wo nur, wie bei euch, ein kleiner Mond die Erde umkreist, wäre es freilich unklug, Flut und Ebbe dem Monde zuzuschreiben, obgleich er zusätzlich einen unbedeutenden Einfluß dazu ausübt. Die Gezeiten entstehen durch das Atmen der Erde, und der Mondeinfluß beträgt bei sechs Fuß naturgemäßer Steigerung des Meeres kaum ein Zoll als Mithilfe. Bei einem Planeten wie der Saturn gibt jedoch die Anziehungskraft der sieben Monde schon einen bedeutenden Ausschlag von leicht siebzig Klaftern, wenn ihr die Erd-Zolle in dem Verhältnis auf den Saturn übertragt, in dem alles Übrige des Saturn zur Erde steht. Nehmt dazu noch die gewöhnliche Steigerung des dortigen Meerwassers zur Zeit der Flut um sechzig Klafter an, so wäre sogar das innere Flachland auf tausende Meilen weit gefährdet, würde nicht der Ring über dem Meere regulierend wirken. Denn durch seine Anziehung bildet das Meer unter dem Ring bei Flut förmliche Wasserberge, die das allzuweite Eindringen der Flut in das Uferland unterbinden. Sie haben eine große Ähnlichkeit mit den Wasserhosen bei euch, wachsen jedoch dort zu schauerlichen Höhen an. Dabei vollzieht sich ein großartiger Begattungsakt, wobei die atomischen Äthertierchen des Luftraums ins Wasser aufgenommen werden, worin sie sich dann von Klasse zu Klasse reproduzieren. So ist das Wasser des Meeres überall die erste Wohnstätte des Tierreichs.

Es wurde euch anfangs gezeigt, daß der Saturn eigentlich nur zwei Klimazonen besitzt: eine durchaus gemäßigte, in der alle bewohnbaren Länder liegen, deren Breite im ganzen mehr als ein Drittel der Polardistanz einnimmt. Diese Wohngebiete werden nördlich und südlich von ununterbrochenen Meeren umflossen, deren äußerste Teile schon in die Region des ewigen Eises führen.

Nun wollen wir uns dem Ringgebilde des Saturn zuwenden. Der Ring bildet für sich einen vollkommen kompakten, festen Weltkörper, dessen Flächenraum den des eigentlichen Planeten ums Mehrfache übertrifft. Ebenso mehrfach ist auch sein körperlicher Tnha.lt. Dieser Ring hat alle Bestandteile eines Planeten: überaus hohe Berge, große Seen und Flüsse, sind überall umgeben von atmosphärischer Luft. Nur ist das Wasser und die Luft des Ringes viel leichter und feiner als auf dem Planeten. Der Ring besitzt auch eine Achsendrehung um den mit dem Planeten gemeinsamen Mittelpunkt, nur ist die Geschwindigkeit seiner Drehung von der des Planeten verschieden. Wenn der Planet beinahe zweimal um seine Achse rotiert, hat der innere Ring — der eigentlich aus zwei Ringen besteht, die mit lauter elliptischen Sphären miteinander verbunden sind sich kaum einmal um seine Achse gedreht. Der mittlere Ring hat eine noch langsamere Rotation; der äußerste und größte aber braucht zu seiner Umdrehung einen Zeitraum von nahezu sieben Saturntagen.

Wenn ihr den verschiedenen Durchmesser der Ringe betrachtet, so wird euch dieser Unterschied ihrer Umdrehungen leicht klar werden. Hätte z.B. der innere Ring die gleich schnelle Rotation wie der Planet selbst, würde ihn diese Schnelligkeit zufolge der Mittelpunktfliehkraft offenbar zerreißen, usw. So aber ist deren Bewegung auf ein Haar abgewogen, damit von dem Ring kein Teil zufolge der steten Wurfkraft in den Planeten herabstürzen oder in den Weltraum geschleudert werden kann.

Würde der Ring des Saturn nicht beständig einen die Hitze mildernden Schatten bald mehr südlich, bald mehr nördlich gerade auf den Teil des Planeten werfen, wo sich sonst die heiße Zone erzeugen müßte, — so würde gar bald ein ganzes Sonnengebiet erfahren, welcher Art, Kraft und Machtgewalt die Urgrundgeister eben dieses Planeten sind. Durch den Ring aber wird eine immerwährend gleichgemäßigte Zone in den Wohnländern des Planeten erzeugt, was zur Folge hat, daß sich diese Urgrundgeister nicht zu entzünden und somit auch keine Verheerungen in den Weltgebieten anzurichten vermögen. Darum müssen sogar die Saturnmenschen selbst zufolge ihrer geistigen Herkunft vor jeder zu großen Erregung bewahrt werden. Sie müssen immerdar in der höchsten Achtung und dem pünktlichsten Gehorsam vor dem "Großen Geiste" erhalten werden. Darum wird ihnen auch von der Liebe nicht allzu viel gepredigt, sondern nur so viel, daß sie zu höchster Ehrfurcht vor derselben geleitet werden. Aus demselben Grunde ist dort sogar die Gattenliebe und die Zeugung der Kinder so gestaltet, daß dabei das Gemüt des Menschen ja nie in eine heftige Erregung gerät. Alles in allem müssen diese Menschen stets in größter Demut gehalten werden.

Auch die ganze Schöpfung am Saturn vom Pflanzenreich bis zum Menschen ist in riesig große Körper gekleidet. Diese großen Leiber sind den Saturnmenschengeistern deshalb gegeben, daß sie durchaus keinen Materiedruck erleiden sollen, der sie von außen nach innen drücken könnte, um sie zu entzünden. Aus dem gleichen Grunde ist ihnen eine außerordentliche Zartheit der Leiber verliehen, damit der leicht erregbare Geist ja nicht irgendetwas finden soll, das seine Natur bedrücke und ihn damit zur Entzündbarkeit des Geistes errege. Durch die Anziehungskraft des Ringes wird auch das Körpergewicht der Menschen so gemildert, daß diese großen Körper fast ums hundertfache leichter sind als die eurigen im Verhältnis zur Erde. So sind die mehrfachen Zwecke des Ringes so höchstwichtig, daß er nicht nur als ein Reif um einen Planeten, sondern als ein starkes Schutzband über ein ganzes Weltall betrachtet werden muß.

Wenn der Saturnmensch leiblich stirbt, wird er in einen anderen "Kühltiegel" gebracht, und dieser ist der Ring des Planeten. Der erste Ring dient zur Abkühlung der größten (geistigen) Hitze, der zweite zur weiteren Abkühlung und der letzte zur Geschmeidigmachung des Geistes, nach der ein jeder Saturnmensch erst zur Aufnahme der Liebe fähig wird. Wenn die Geister der Saturnmenschen aus ihrem ersten, irdischen Körper treten, stehen sie nicht sogleich als reine Geister da, was schon aus ihrer leichten Wiedererscheinbar-keit vor ihren Hinterbliebenen zu erschauen ist. Denn diese Geister haben bei ihrem Übertritt in den großen Ring auch noch eine Art materiellen Leib, der freilich viel leichter und reiner ist als der frühere stoffliche Körper am Planeten. Und selbst dieser ätherisch reinere Leib wird dann noch reiner und geistiger, in eine je höhere Sphäre des Ringes er übergeht.

Diese Ringbewohner leben, essen und trinken auf den Ringen gerade so wie zuvor auf dem Planeten. Nur sind alle Produkte im selben Verhältnis subtiler und substantieller wie die Menschen selbst, die dahin gelangen. Der Unterschied zwischen dem Planeten und den Ringen besteht nur darin, daß auf dieser zweiten Welt keine Tiere mehr vorkommen, wohl aber genügend Fruchtbäume, die samenlos dem Boden entwachsen wie bei euch die Schwämme. — Die Ringbewohner können sich auf den inneren Wunsch der Planetenmenschen auf kurze Zeit vom Ring auf den Planeten zurückbegeben, und das mit geistiger Schnelligkeit. Da aber die Lebensverhältnisse der Geistmenschen auf dem Ring unvergleichlich herrlicher und angenehmer sind, haben solche Geister niemals Lust, sich länger auf dem Planeten aufzuhalten, als es dem Willen des Großen Geistes gemäß notwendig ist. Sie geraten daher in überaus große Freude, wenn sie wieder in die Sphären des Ringes zurückkehren können.

Zum Abschluß noch einen Blick auf die sieben Monde des Saturn: Diese bilden geistig eine Gradation (Abstufung), wie sie natürlich bei euch nicht sein kann, da die Erde nur einen Mond als Trabanten besitzt. Was die Bewegung dieser Monde betrifft, so haben sie keine Rotation um ihre Achse, sondern kehren stets das gleiche Gesicht ihrem Planeten zu. Aus diesem Grunde ist auch ihre Bewohnbarkeit eine doppelte, nämlich eine geistige und eine naturmäßige. Somit ist jeder Saturnmond auf der von dem Planeten abgekehrten Seite von Menschen und Tieren bewohnt, besitzt Vegetation, Wasser und Luft und hat alles, was zur Unterstützung des natürlichen Lebens notwendig ist.

Die Menschen, die dort naturmäßig leben, sind viel kleiner als jene des Planeten und haben auf den kleineren Monden kaum eure Größe. Auf den größeren äußersten drei Monden übertrifft ihre Statur die der Erdmenschen. Diese Mondmenschen stehen mit den Bewohnern des Planeten in immerwährendem geistigen Verbande. Die Geister derjenigen Saturnmenschen, die sich während ihres natürlichen Lebens nicht fähig gemacht haben, sofort in den Ring zu gelangen, haben vorher gemäß ihrer Beschaffenheit den einen oder anderen Mond, zuweilen auch mehrere durchzumachen, bevor sie in den untersten Ring aufgenommen werden können. In die Monde kommen eigensüchtige und heidnische Geister, die während ihres Erdenlebens den Ring als eine Gottheit angebetet haben.

In einem jeden Mond treten diese Geister zuerst auf der naturmäßigen Seite auf. Durch die Leiber der dort wohnenden Naturmenschen erschauen sie das Naturmäßige, nicht aber den Ring, der ehedem ihr Abgott war. Wenn sie dadurch den Ring gewissermaßen vergessen haben und selbst der Erinnerung ihres Planeten losgeworden sind, dann erst ziehen sie auf die dem Planeten zugewandte Seite; von dort aus erst erschauen sie den Planeten samt dem Ring als nahe einen konkreten Körper. Dadurch, und weil sie auch von anderen höheren Geistern belehrt werden, daß der Ring nicht irgendeine Gottheit oder ein Sitz derselben ist, sondern ein vom Großen Geiste zu dem Zwei erschaffener Weltkörper, daß die Geister der verstorbenen Planetenmenschen dort für ein höheres Leben vorbereitet werden. Danach bekommen sie eine Sehnsucht nach dem Ring und mehr noch nach dem reingeistigen Zustand, worauf sie dann sogleich in den Ring befördert werden.

Für Geister anderer Beschaffenheit würde wohl zur Schulung ein Mond genügen. Für die Saturngeister jedoch, die im großen Geistmenschen (hierüber Näheres in den Schlußkapiteln. D.Hg.) ihren Sitz unter einem Knie haben, genügt solches nicht. Denn die Füße sind die Grundlage des Lebensbereiches, und an den Füßen wiederum die Gelenke. Da nun die Bewohner des geistigen Saturns einen allerwichtigsten Fußteil unter den Knie des großen Schöpfungsmenschen ausmachen, muß bei jedem einzelnen Geiste der Saturnmenschen auf siebenfache Art gesehen werden, welcher der sieben Geister, aus denen jeder einzelne Geist besteht, am gefährlichsten ist. Zu diesem Behufe sind eben sieben Monde da, damit in einem jeden eine andere Art zur Ruhe und entsprechenden Ordnung mit den übrigen sechs Geistern gebracht wird. —

(Das Lorberwerk "Der Saturn" enthält sehr eingehende Schilderungen der dortigen Naturreiche und Menschenwelt, die hier wiederzugeben der Raummangel nicht gestattet. D.Hg.)

Die Wunderwelt des Neptun

(Aus einem von Lorber am 24. 10. 1842 empfangenen Diktat, das die Verhältnisse eines Planeten schildert, der erst vier Jahre später am 23.9.1846 vom Astronomen Laverriers in Paris berechnet und von Galle in Berlin aufgefunden wurde. Ein handgreiflicher Beweis für den geistigen Ursprung dieser Offenbarungen! — D.Hg.)

"Es ist notwendig, nunmehr einem — euch bis jetzt noch unbekannten — Planeten dieses Sonnensystems einen kurzen Besuch abzustatten. Wie heißt denn dieser Planet? Da die Erde von ihm noch nichts weiß, wollen wir ihm hier jenen Namen geben, den er von seinen Bewohnern selbst erhielt. Er heißt dort "Miron", was soviel bedeutet als "Welt der Wunder".

Aus diesem rechten Namen geht schon hervor, was es mit diesem Weltkörper für eine Bedeutung hat, denn der wahre Name eines Dinges ist eben nicht so gleichgültig, wie mancher von euch denken möchte.

Miron ist seiner Größe nach ein Planet, der zwischen Uranus und Saturn ungefähr die Mitte hält. Was seinen Luftkreis betrifft, so ist dieser jedoch größer als der des Jupiter und hat einen Durchmesser von nahezu 100000 Meilen. Da der Planet eine sehr langsame Bewegung besitzt, bedarf er fast fünfhundert Jahre*, um einmal seine Bahn um die Sonne zu vollenden. Miron hat zehn Monde (drei Haupt- und sieben Nebenmonde), die ihn in verschiedener Entfernung umkreisen und durch ihre Stellungen die Nachtzeit des Planeten ziemlich gut erhellen. Die Monde sind von dem Planeten beträchtlich weit entfernt: der erste schon über 60000 Meilen, während der letzte über eine Million Meilen von ihm absteht. ** Nach der Umlaufzeit dieses letzten Mondes, zu der er beinahe dreizehn eurer Erdmonate benötigt, werden dort auch die Jahre gezählt. Denn da wird nicht nach Sonnenjahren gerechnet, weil diese auf dem Planeten keine merklichen Unterschiede hervorbringen. Auch könnten sie zufolge der kürzeren Lebensdauer eines Mironmenschen schwer gezählt werden, da in einem solchen Sonnenjahr wenigstens fünf bis sechs Menschenalter inbegriffen sind.

*) Hier dürfte ein Hörfehler Lorbers vorliegen, denn die Umlaufs— zeit des Neptun beträgt rund 165 Jahre. D.Hg.

**) In neuerer Zeit bestehen bei den Astronomen Zweifel, ob Pluto, der letzte Planet unseres Sonnensystems, ein wirklicher Planet ist oder ein verloren gegangener Mond des Neptun. Die starke Neigung seiner Bahn gegen die anderen Planeten sowie seine Masse und sein Durchmesser gaben dazu Veranlassung. Nun haben der amerikanische Astronom Dr. Kuiper von der Sternwarte Net. Locke in Texas sowie Astronomen am

Lowell-Observatorium festgestellt, daß Pluto sechseinhalb Tage für eine Umdrehung um seine Achse braucht. Das sei für einen echten Planeten viel zu lang. Darum deuten sie ihn als einen Trabanten des Neptun. Die Astronomen glauben zu wissen, daß es nicht das erstemal ist, daß Neptun einen seiner Monde verloren, aber später wieder eingefangen hat.

In diesem Planeten sind ebenso wie im Saturn nur die Äquatorgegenden bewohnt. Seine Polarländer sind von ewigem Schnee und Eis so überdeckt, daß hier an eine Bewohnbarkeit nie zu denken wäre. Würdet ihr euch auf diesem Planeten befinden, so möchtet ihr die Sonne kaum in der Größe eines Talers erblicken. Allein, diese Planetenbewohner sehen sie dessenungeachtet ebenso groß, wie ihr sie von der Erde aus erblickt. Der Grund liegt in der größeren Bildung des Auges, wodurch die Pupille mehr abgeflacht erscheint und daher auch ein größeres Strahlenbündel fassen kann als das irdische Auge des Menschen. Der zweite Grund aber liegt in der für diesen Planeten überaus hochreichenden Luftregion, wodurch auf deren Grenzgebiet noch immer ein bedeutendes Quantum der Sonnenstrahlen aufgenommen wird. Nach dem Gesetz der Strahlenbrechung fallen diese Strahlen stets gedrängter auf die Oberfläche des Planeten, wodurch sie daselbst besonders in den Gegenden des Äquators recht angenehme Temperaturen bewirken.

Da dieser Planet aber auch schon einer anderen Sonne — welche von ihm freilich noch sieben Billionen und neunhunderttausend Meilen absteht — näherkommt als eure Erde und zudem sein Luftkreis so mächtig ist, empfängt er auch von dort einiges Licht und etwas Erwärmung. Auf diese Weise benutzt der Planet Miron auch die Strahlen anderer Sonnen, wodurch auf seinen Polargebieten das übermäßige Anwachsen des Eises verhindert wird. Das Eis besteht dann nur bis zu einer gewissen Höhenregion. Denn wo sich die Strahlen schon wieder von allen Seiten her begegnen, wird die Temperatur der Luft wieder mehr gemildert. Was die polari-schen Verhältnisse des Planeten betrifft, sind diese die gleichen wie auf eurer Erde.

Das bewohnbare Land gleicht einem Gürtel. Es ist sowohl südlich wie nördlich von beinahe unübersteigbaren Gebirgszügen eingeschlossen. Über selbe kann niemand leicht in die Meeresgegenden gelangen, wo es schon beständig ungefähr so kalt ist wie etwa im nördlichen Teile Sibiriens. Das Meer wird dort dauernd vom Treibeise belastet, daher es nicht ratsam wäre, sich mit Hilfe der Schiffahrt auf dasselbe zu wagen. Der über tausend Meilen breite Wohngürtel bildet somit ein eingeschlossenes Tal, das nur von wenigen kleinen Gebirgszügen durchzogen ist.

Da sich der ganze Weltkörper binnen zehn Stunden um seine Achse dreht, was eine Nacht von kaum fünf Stunden Länge ergibt, so ist dieser Gürtel so wohl temperiert wie bei euch mittlerer Sommer. Diese Temperatur unterliegt keinem Wechsel außer dem, welchen manchmal die Winde und die häufigen Mondeswechsel bewirken. Daraus läßt sich schließen, daß die Bewohnbarkeit des Miron trotz seines großen Sonnenabstandes nicht die unangenehmste ist und zur Hervorbringung der Pflanzen- und Tierwelt wohl tauglich erscheint.

Der bewohnbare Boden des Planeten ist im Durchschnitt mehr eben als gebirgig. Die Ebenen werden von Flüssen und Strömen durchfurcht, die sich dann durch irgendeine Gebirgsschlucht unter Toben und Brausen ins Meer ergießen. Sowohl an der nördlichen wie südlichen Gebirgsbegrenzung findet man zahlreiche Vulkane, häufig auch siedendheiße

Quellen und Bäche, wodurch die Temperatur dieses Landes bedeutend erhöht wird. Denn neben der Lufterwärmung wird das Erdreich schon von innen her erwärmt, wodurch es sehr fruchtbar wird und allenthalben die merkwürdigsten Pflanzen und Früchte hervorbringt. Die Flammen der Vulkane zeigen nicht wie auf eurer Erde eine schmutzig-rötliche Färbung, sondern eine lichtgrüne Farbe, was für die Helligkeit und Erwärmung wohltätiger wirkt als die rote Farbstrahlung. Ebenso erblicken die Bewohner dieses Planeten die Sonne selbst in grünlichweißem Licht.

Der Grund liegt in der weitgedehnten atmosphärischen Luftregion und ihrer besonderen Reinheit. Darum erscheinen dort auch entfernte Landteile nicht blau wie bei euch, sondern grün. Dafür aber sind die Blätter der Bäume und Pflanzen, sowie das Gras blau, somit gerade umgekehrt wie auf eurer Erde. Zwar findet sich die blaue Farbe schon im Saturn vorherrschend, jedoch bei weitem nicht so intensiv und lebhaft wie hier. Die grüne Farbe des Lichtäthers ist die kräftigste, darum sie auch auf den der Sonne näherliegenden Erdkörpern fast die gesamte Pflanzenwelt beherrscht. Alle anderen Farben sind weniger intensiv und können daher nur zartere Gegenstände durchdringen. Die blaue Farbe ist die am wenigsten kräftige, daher auch von ihr am wenigsten verzehrt wird und die Luft stets mit ihr angefüllt sein kann. Dies ist der Grund, warum auf eurer Erde entfernte Gegenstände stets blau gefärbt erscheinen.

Auf dem Planeten Miron jedoch ist es hinsichtlich seines großen Sonnenabstands wie auch wegen seiner ausgedehnten Lufthülle gerade der entgegengesetzte Fall. Die grüne Farbe des Lichtes hat bei der weiten Entfernung vom Leuchtkörper Sonne notwendig an Intensität verloren. Auch könnt ihr annehmen, daß auf den ganzen Planeten Miron weniger Sonnenstrahlen fallen als allein auf euren afrikanischen Erdteil. Wenn nun diese wenigen Sonnenstrahlen auf die weitgedehnte Oberfläche der Mironluftregion einfallen, so werden die grünen als die wohltätigsten bald von ihr aufgesaugt. Nur der viel weniger belebende blaue Strahl wird durch die reine Luft hindurchgelassen und erreicht ungeschwächt den Boden. Aus welchem Grunde dann zumeist die Pflanzen mit Ausnahme der Blüten in der schönsten blauen Färbung erscheinen.

Was die vegetative Welt des Miron betrifft, so ist diese für eure Begriffe etwas wahrhaft Wunderbares. So wächst z.B. ein Fruchtbaum bis zur Höhe von etwa hundert Klaftern zwanzig bis dreißig Mironjahre in größter Üppigkeit fort. Dann geht mit dem Baum von einem auf den anderen Tag eine plötzliche Metamorphose (Verwandlung) vor sich, entweder verschwindet er plötzlich aus dem Dasein, und an seiner Stelle entdeckt der Forscher eine Menge neuer Insekten. Oder der Baum wirft seine Äste ab wie bei euch die Blätter und treibt nun ganz andere Äste, aus denen mit der Zeit auch ganz andere Früchte zum Vorschein kommen. Wird der Baum aber zu Insekten, dann leben diese eine Zeitlang an der Stelle des Baumes. Sodann sterben sie ab und aus ihrem verweslichen Moder entwickelt sich eine neue Pflanzengattung, die mit dem vorherigen Baume durchaus keine Verwandtschaft hat.

Solche Metamorphosen hängen dort von verschiedenartigen Konstellationen der Monde ab. Wie aber mit den Bäumen, so ist es auch mit den kleineren Pflanzen derselbe Fall. Das Gesetz solcher Übergänge erstreckt sich sogar auf das Tierreich bis zu den vierfüßigen größeren und größten

Landtieren. Das Reich der Amphibien und Insekten, wie auch die gesamte Vogelwelt ist dem Gesetz der verwandelnden Übergänge unterworfen. Aber nicht etwa wie auf eurer Erde, wo aus derselben Raupe stets derselbe Schmetterling und aus dem gleichen Wurme immer dasselbe Insekt hervorgeht. Auf dem Planeten Miron erfolgt dies alles nach Umstand der Sache und der Zeit. Daher kann dort niemand bestimmen, was hier oder da zum Vorschein kommen wird. So verlegen sich auch die Bewohner dieses Planeten nicht viel auf Naturwissenschaft, was die Vegetation und die untere Tierwelt betrifft, wohl aber stellen sie Beobachtungen an, wo die Natur konsistent (beständig) zu werden beginnt.

(Hier folgen in Lorbers Werk "Unsere natürliche Sonne" ausführliche Darstellungen solcher "Mironwunder", deren Einzelheiten wiederzugeben hier der beschränkte Raum nicht zuläßt. D.Hg.)

Einiges über die Neptun-Menschheit

Die Größe der Mironmenschen ist recht unterschiedlich. So gibt es Menschen, die eine Höhe von vierzig, und solche, die oft kaum eine Höhe von zwanzig Klaftern erreichen. Wollen wir als Mittelklasse einen Mann von 30 Klaftern und ein Weib von 28 Klaftern in Augenschein nehmen:

Der Mann hat ein ernstes, aber nicht abstoßendes Aussehen. Das Haupt ist mit langgelockten Haaren versehen, die von dunkelgrüner Farbe sind. Die Hautfarbe ist weiß, ein wenig ins Lichtgrüne übergehend. Auch die Augen variieren in der grünen Farbe. Der reiche Kinnbart ist gleichfalls blaßgrün, ebenso erscheinen die Fingernägel wie starkes grünes Glas. Die Zähne sind bläulich nach Perlmutterart. Die wohlklingende Stimme ist sehr tief und in einer für eure Ohren so sonoren Stärke, daß ihr sie in einer Entfernung von zwei

Meilen noch wie fernes Donnern vernehmen möchtet. Auch das Weib spricht tief, doch ist ihre Stimme biegsamer als die männliche und klingt für den Planetenmann überaus anziehend. Dies umsomehr, weil dieser Planet gewisserart die Heimat der Tonkunst darstellt, nicht nur wegen der beugsamen weiblichen Stimmen, sondern auch durch mannigfache wohlklingende Musikinstrumente.

Das Weib ist gewöhnlich von ungemeiner Schönheit. Ihr Gesicht drückt eine wunderbare Süße und Anmut aus. Rundung, Weichheit und Zartheit sind die beinahe niemals mangelnden Auszeichnungen ihres Körperbaues. Die Haut ist zart und von blendend weißer Farbe, nur die Wangen gehen etwas ins sanft Grünrötliche über. Die Haare sind schwarzgrün und schillern bei Licht wie eine Pfauenfeder. Die Fingernägel sind lebhaft grün und glänzen wie feinpoliertes Glas. Das Antlitz rechnet nach euren Grundsätzen zu den schönsten Formen: Eine hohe Stirn, ausgeprägte Augenbrauen, große und sehr lebhafte Augen, deren Pupille ein feuervolles Grün mit manchmal rot durchbrechenden Strahlen spielt. Die Nase ist gerade und sanft gerundet. Der Mund ist im rechten Verhältnis, der Hals mittellang und rund, der Nacken ohne Knochenausdruck. Unter der vollen Brust wird das Weib bis an die Hüfte schlank, dann wieder zunehmend bis zu den Schenkelgelenken. Die Füße stehen ebenfalls in rechter Proportion.

Die Kleidung der Menschen ist wie bei euch sehr verschiedenartig. Auch hier tragen Männer und Weiber je nach Land und Sitte verschiedene Röcke, Mäntel, Beinkleider, Schuhe und Hüte. Wollt ihr die besseren europäischen und asiatischen Nationaltrachten freilich in vergrößertem Maßstabe auf die Bewohner dieses Planeten übertragen, so gewinnt ihr eine rechte Vorstellung ihrer Bekleidung.

Auch wohnen diese Menschen so gut wie ihr in Häusern. Ihre Häuser haben niemals mehrere Stockwerke, sondern nur ein Erdgeschoß. Die Dächer sind zugespitzter als bei euch und gleichen darin gotischen Bauwerken. Ein Haus besitzt nie mehr als drei Zimmer, doch ist jedes so groß, daß es leicht eine Gesellschaft von hundert Menschen fassen kann. Das Material der Häuser besteht durchwegs aus behauenen Steinen. Die Fenster sind mit einem elastischen Naturglase versehen und mit Metallrahmen eingefaßt. Die Farbe des Glases ist verschieden, je nachdem es die Natur liefert. Neben den Wohnhäusern gibt es noch eigene Kinderhäuser, sowie wirtschaftliche Gebäude. Noch zu erwähnen wäre, daß die Menschen hier zumeist in Dörfern beisammen wohnen.

Jedes Dorf hat einen gemeinschaftlichen Grund, der groß genug ist, um alle in hinreichender Fülle mit allen Nährfrüch-ten zu versehen. Ein sonderheitliches Besitztum erstreckt sich nur auf solche Flächen, die ein Bewohner für eine gewisse Zeit für die Hervorbringung der Ernte bearbeitet hat. Solche Flecke werden mit dem eigenen Zeichen des Hauses abgesteckt. Nach der Erntezeit fällt er wieder der Allgemeinheit anheim und kann von den Bewohnern eines anderen Hauses übernommen werden. Die Großfrüchte der Bäume aber sind sämtliche Gemeingut des ganzen Dorfes. Auch die Haustiere zählen wieder zum allgemeinen Besitztum, doch ihre Produkte, wie Milch und Wolle werden nur mit der Nachbarschaft geteilt. Mineralische Produkte und Jagdgewinne werden zu gleichen Teilen verteilt, doch müssen zu diesen Arbeiten eine gleiche Anzahl von Arbeitern von jedem Hause beigestellt werden. Erzeugnisse der häuslichen Kunst sind jedem Hause eigentümlich und können nur durch Geschenk oder Tausch an ein anderes Haus übergehen. Dazu gehören hauptsächlich musikalische Instrumente, sowie andere mechanische Produkte nützlicher Art.

Ein eigentlicher Vorstand für ein Dorf besteht nicht, sondern alles beruht auf gegenseitigem Übereinkommen. Dennoch werden die Ältesten des Dorfes, die zugleich Priester und Lehrer sind, in wichtigen Fällen als Ratgeber herangezogen. Haben diese etwas gemeinsam beschlossen, wird eine solche Entscheidung unwiderruflich von der ganzen Gemeinde angenommen. Auch gibt es weder Könige noch sonstige Herrscher. Jedes Dorf in seiner Allgemeinheit ist in allem sein eigener Herr. Daher kennt man hier auch keine Steuern und keine Kriege. Zudem sind die Dörfer meist so weit voneinander getrennt, daß ein jedes Dorf zu seinem Unterhalt ein Landgebiet besitzt, das nicht selten größer ist als euer Kaisertum Osterreich.

Im Zusammenleben der Familien heißt die erste Regel: Achtung auf Achtung, Liebe auf Liebe, Freundschaft auf Freundschaft! Danach richtet sich alles in einem Hause. Der Vater ist das Oberhaupt für den männlichen, die Mutter für den weiblichen Teil der Familie. Diese beiden Pole aber vereinigen sich zu einem Wirkungspunkte, da nur aus der gegenseitigen Achtung die wahre Liebe hervorgehen kann. So achten und lieben demnach auch alle Kinder ihre Eltern und umgekehrt. Dieses Band der Achtung und Liebe drückt sich in einer gegenseitigen überaus herzlichen Freundschaft aus. Alle Teile einer Familie stehen so zusammen, daß da von einem Zank wohl nie die Rede sein kann. Und je mehr Familien in einem Hause beisammen wohnen, desto inniger und gesegneter geht es da zu. Die Menschen sind wahrhaft so verliebt ineinander, daß sie sich eher alles antun ließen, als einander im geringsten nahezutreten.

Aus diesem Grund lieben die Menschen auch die Musik so sehr, weil sie unter allen Künsten ihrem Charakter am meisten entspricht. Die Musik zählt daher zu den Hauptbeschäftigungen eines Hauses. Ihre musikalischen Instrumente haben durchaus keine Ähnlichkeit mit den eurigen, weshalb die Musik dort anders klingt als bei euch. Blas- und Saiteninstrumente sind nirgends anzutreffen. Statt ihrer verwenden sie eine Art Glockeninstrumente, ferner gewisse Scheiben-und Kugelinstrumente. Die Töne der Glocken werden auf doppelte Weise entlockt: entweder durch das Anschlagen mit einem weichen Hammer, oder durch Reiben mit den Fingern, die zuvor in etwas gesalzenes Wasser getaucht werden. Dieses von Männern gespielte Instrument dient hauptsächlich zur Begleitung des harmonischen Gesanges der Weiber. Das Scheibeninstrument ist aus Glas verfertigt. Die Scheiben stecken auf Spindeln, bei deren Drehung der Ton durch das Reiben mit beharzten Fingern erzeugt wird. Der Ton ist durchdringend und wird zur Verstärkung der Harmonie des Glockenspiels gebraucht. Das vorzüglichste Soloinstrument aber ist das Kugelinstrument. Es ist zusammengesetzt aus gewundenen Röhren, die gegen innen zu eine vollkommen runde Gestalt annehmen. Die Pole der Kugel sind trichterförmig offen, die Kugel ruht auf einem offenen Dreifuß, unter dem ein starkes Windgebläse angebracht ist. Der Wind wird durch Ventilklappen in die verschiedenen Röhren verteilt.

Was ihre Religion betrifft, so gibt es nirgends einen zeremoniellen sogenannten Gottesdienst. Ihr ganzes Religionswesen ist die innere Erkenntnis eines Gottes. Sie haben sogar keine Gebete, sondern an deren statt pflegen sie die alleinige innere

Bildung des Geistes. Ihr Leben und Handeln danach ist der einzige Gottesdienst, den sie allezeit begehen. Wenn ihr diese Religionsgrundsätze nur ein wenig in euch beachtet, werdet ihr auch verstehen, daß ein Paulus lehrte: "Betet ohne Unterlaß!", d.h. lebet ständig in der Ordnung Gottes! — Auch die Astronomie der Mironbewohner ist eine Art Gottesdienst. Denn daraus lernen sie die Allmacht, Größe und Ordnung des Schöpfers erkennen. Daß auf dem Felde der Sternkunde hauptsächlich die Monde ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist leicht begreiflich. Denn wegen der großen Entfernung des Miron von der Sonne vermögen die Bewohner von allen der Sonne näherstehenden Planeten höchstens den Uranus zu erblicken. Die Monde dieses etwas außergewöhnlichen Planeten Miron haben die Eigenschaft, daß sein erster Hauptmond selbst zwei weitere Nebenmonde besitzt, die sich um ihn bewegen und gemeinschaftlich ihre Bahn um den Planeten ziehen. Der zweite, höherstehende Mond hat ebenfalls wieder zwei Nebenmonde und ist größer als der erste. Der dritte und entfernteste Mond hat sogar drei Nebenmonde als Trabanten, wodurch er von den beiden anderen Hauptmonden leicht unterschieden werden kann. Durch seinen Umlauf wird die euch schon bekannte Jahreszeit des Planeten berechnet. Damit seien die Eröffnungen beendet, soweit es sich um das Grundsätzliche dieses noch unentdeck-ten Planeten handelt.

Die moderne Wissenschaft betrachtet die Sonne als einen ungeheuren glühenden Gasball, dessen Hitze von Millionen Graden aus unablässig stattfindenden Atomexplosionen resultiert, wobei eine Kernspaltung des Grundelements Wasserstoff vor sich geht. Wie aber kann dieses Weltbild übereinstimmen mit der Tatsache, daß unsere Sonne die Mutter alles natürlichen Lebens auf allen Planeten ist?

Dieser materialistisch-mechanischen Theorie stehen geistige Eröffnungen gänzlich anderer Art gegenüber. In Lorbers Werk "Unsere natürliche Sonne" findet sich eine genaue Darstellung ihrer wahren Beschaffenheit, wobei manches Rätsel gelöst erscheint, das heute für die exakte Naturwissenschaft noch unbekanntes Land bildet. Nachstehend folgen einige gekürzte Auszüge aus wesentlichen Abschnitten des genannten Werkes. — D.Hg.

Der Sonnenkörper

Die Sonne ist im Hinblick auf die umkreisenden Erdkörper wohl ein Fixstern. Für sich aber ist sie nur ein vollkommener Planet, indem sie selbst sich samt allen ihren Trabanten um einen größeren Zentralsonnenkörper, den Stern Sirius bewegt. Zur Vollendung dieser großen Bahn benötigt die Sonne nahezu 28'000 Erdjahre. Als ein vollkommener Planet muß die Sonne sicher alle jene planetarischen Bestandteile in vervollkommnetem Maße in sich fassen, die auf den sie umkreisenden Planeten in sehr verminderten Potenzen zu finden sind. Die Sonne ist somit naturmäßig der vollkommene Inbegriff aller ihrer Weltkinder. Daher kommt in ihr all

das lebendig-vollkommen vor, was immer in einem Planeten, Mond oder Kometen enthalten ist.

So ist z.B. das Erdreich der Sonne nicht steinig und sandig, sondern weich und elastisch wie das Fleisch eines Menschen. Daher ergreifen sich die einer Pflanze zugehörigen Teile ohne Samen schon unmittelbar im Erdreich selbst. Sie sprossen dann in zahllosen nützlichsten Gewächsen empor, deren Schönheit und Güte alles Erdenkliche auf allen anderen Planeten um das Vielfache übertrifft. Das alleinige Samenkorn für alle Vegetation ist dort der menschliche Wille. Daher wächst nur da ein Baum oder eine Pflanze aus dem Erdboden der Sonne, wo ihn ein Sonnenmensch haben will und wie gestaltet er sich das Gewächs in seinem Inneren vorstellt.

Die Sonne als planetarischer Körper besteht eigentlich aus sieben Sonnen, von denen immer eine kleinere in der folgenden größeren ruht wie eine Hohlkugel in der anderen. Nur die innerste als gleichsam das Herz des Sonnenplaneten ist von der Oberfläche bis zum Mittelpunkt kompakt. Zwischen jeder Sonne ist ein freier Zwischenraum von ein- bis dreitausend Meilen. Die Materie des Sonnenkörpers ist, was das Äußere betrifft, ein etwas fester gehaltenes seelisches Organ, in dem zahllose Geister gleichsam in geringer Haft gehalten werden. (Ätherisch-substantieller Feinstoff.)

Die Lichthülle ist der eigentliche atmosphärische Luftkreis um den Sonnenplaneten herum. Er ist nur an der äußersten Oberfläche so stark glänzend; gegen den Sonnenboden zu wird er immer dunkler, sodaß von hier durch diesen Lichtstoffkreis ebenso ungehindert in den freien Weltraum hinausgeblickt werden kann wie von irgendeinem anderen Planeten. Von außen her aber verwehrt die Fülle der Lichtmasse jeden Einblick in den Sonnenkörper. Der strahlende

Lichtglanz der Sonne, wie sie von den Planeten aus erscheint, ist nichts anderes als zuerst eine Aufnahme aller Strahlen von Milliarden anderer Sonnen, die sich auf der überweit gedehnten Sonnenluft-Spiegelfläche jede für sich abspiegeln. Da die Sonne über eine Million mal größer ist als eure Erde und zudem einen ungeheuer großen und reinen Luftätherkreis besitzt, so leuchtet es ein, daß alle noch so ferne stehenden Sonnen dieses Sonnenalls darauf ein bedeutendes Lichtbild hervorrufen müssen. So zwar, daß selbst die Sonnen fernstehender Sonnengebiete, die auf eurer Erde selbst dem scharf bewaffneten Auge nur als ein Nebelfleck erscheinen, dort einen Durchmesser von mehreren Zoll erreichen und so intensiv erstrahlen, daß ihr ein solches Bild nicht eine Sekunde lang mit freiem Auge betrachten könntet.

Ursprung des Lichtes

Es entsteht nun die Frage: "Woher haben dann die anderen Sonnen ihr Licht und was ist die Grundursache dieses Gegenstrahlens?" Entsinnet euch der euch schon bekannten Hülsenglobe (ein vielfaches Milchstraßensystem, dessen Organisation hier in einem späteren Kapitel dargestellt wird. D.Hg.), deren für eure Begriffe unendliche Umfassung aus einer Art ätherischen Wassermasse besteht. Der Mittelpunkt jeder Hülsenglobe ist eine endlos große Zentralsonne, die allein selbstleuchtend ist. Denn sie ist auf all ihren unmeßbar weiten Flächen immerwährend von intensivst leuchtenden Feuerflammen umgeben, die da herrühren von der regen Tätigkeit der Urgeister, welche von hier ausgehen oder rückkehren. Das Leuchten dieser großen Zentralsonne dringt bis zu den vorgenannten Wänden der Hülsenglobe und wird von da zurückgeworfen durch die unendlichen Räume der

Sonnengebiete. Auf diesem Wege wird eine jede Sonne schon zur Hälfte erleuchtet. Wird das Licht dann von den entgegengesetzten Wänden der Hülsenglobe zurückgeworfen, erhellt es die andere Seite der Sonnen, die sich sodann auch noch zahllosfältig gegenseitig beleuchten.

Dennoch besitzt jede einzelne Sonne aus dem Bereiche der ihr innewohnenden Geister ein Eigenlicht, jedoch bei weitem nicht von der intensiven Art, wie ihr das Licht der Sonne erblickt. Dieses zusätzliche Licht bewirkt hauptsächlich eine stete Reinigung der Luftoberfläche des Sonnenkörpers, damit diese desto vollkommener die Ausstrahlungen der anderen Sonnen in sich aufnehmen und weitergeben kann. Aus diesem Grunde bestehen auf jedem Sonnenkörper eine Menge von Vulkanen, besonders in der Gegend des Äquators, welche durch ihre Tätigkeit die Luftatmosphäre zur Aufnahme des Lichtes stets fähig erhalten.

Was ist nun der Grund des Leuchtens einer Flamme, da zuvor von dem Eigenlicht einer Hauptzentralsonne als einem Flammenlicht gesprochen wurde? Ihr wißt, daß Geistiges als absolut betrachtet nicht bestehen kann ohne irgendeine äußere Umfassung als ein Organ, durch das es sich erst zu "äußern" imstande ist. Jede äußere Umfassung aber ist nichts anderes als der göttliche Liebewille, der das Geistige (die Gedanken Gottes) umgibt und ihm irgendeine Ordnung setzt zur Erreichung eines Zweckes, der der Absicht der ewigen Schöpfungsordnung entspricht. Wird nun eine geistige Kraft, verborgen unter der Einhülsung, durch was immer für Umstände angeregt, gerüttelt oder gestoßen, so gerät sie dadurch aus ihrer festgesetzten Ordnung. Sie gerät aus ihrem Gleichgewicht und fühlt sich dadurch beeinträchtigt. Daher sucht sie dann entweder ihre frühere Lage wieder herzustellen (Gesetz der Trägheit!), oder wenn sie zu sehr erregt wurde, sogleich ihr ganzes Organ zu zerreißen (Explosion!) und dadurch in den absoluten Zustand überzugehen.

Nun bedenket, daß der Durchmesser einer Hauptzentralsonne eine Linie bildet, zu deren Durchwanderung selbst das Licht mehr als eine Trillion Erdjahre zu tun hätte. Wenn aber das Volumen dieses Sonnenkörpers für eure Begriffe geradezu unfaßbar ist, wird da nicht auch das Gewicht der Materie einen unbegreiflich schweren Druck gegen den Mittelpunkt ausüben? Bedenket doch einmal auf eurem nichtigen Weltkörper allein die Schwere eines einzelnen Berges. Denkt euch dann erst eure ganze Sonne, die um eine Million mal größer ist als eure Erde und somit auch eine Million mal stärkere Anziehungskraft in sich birgt. Wäre solches nicht der Fall, so vermöchte sie wohl nicht ganze Planetenkörper in Billionen Meilen Entfernung so anzuziehen, daß sie nicht aus ihrem Gebiete entweichen können. Wie aber auf einem Weltkörper die Anziehung, so auch die Schwere. Da nun alle Zentralsonnen, Sonnen, Planeten, Monde und Kometen zusammen kaum den millionsten Teil einer Hauptzentralsonne ausmachen, wie mächtig muß da ihre Anziehungskraft sein und wie ungeheuer stark der Druck gegen ihr Zentrum?

Woraus besteht denn die Materie? Sie ist nichts anderes als eine Gefangenschaft des Geistigen oder der Geister. Wenn aber schon auf dem Erdkörper durch das Zusammenschlagen zweier Steine oft mehrere hart gefangene geistige Potenzen zum Ausbruch kommen (Funkenbildung!), und wenn im Inneren der Erde der mächtige Außendruck heftigste Ausbrüche von Vulkanen und zuweilen alles verwüstende Erdbeben bewirkt, — was geschieht, wenn ihr diese Miniaturverhältnisse eures Planeten auf die Zentralsonne übertragt? Allda würdet ihr erst erschauen, welchen Druck die dort eingeschlossenen Geister zu ertragen haben, und zwar aus dem erbarmenden Grunde, damit sie als materiell Gefangene durch den mächtigen Druck wieder zu neuem Leben und zu neuer Tätigkeit erweckt werden.

Aus diesem Grunde ist dann auch die Zentralsonne überfüllt von den größten feuerspeienden Bergen, von denen der kleinste einen Durchmesser besitzt, daß in seinem Krater mehr als dreißigtausend Millionen eurer Sonne Platz hätten! Nun wisset, daß das Leuchten durch die Vibrationen der geistigen Kraft innerhalb der sie umschließenden Hülse bewirkt wird. Je heftiger eine darin gefangene geistige Potenz durch einen äußeren Druck, Stoß oder Schlag angeregt wird, in desto heftigere Zuckungen geht sie über. Und desto greller und intensiver wird auch die Erscheinlichkeit als Leuchten eines Funkens oder einer Flamme. Wo aber können solche Geister heftiger erregt und gedrückt werden als auf eben dieser Zentralsonne? In solchen Verhältnissen leuchtet dort ein Funke so überaus stark, daß ihn kein menschliches Auge auch nur einen Augenblick ertragen könnte. Wenn sich da ein korngroßer Funke bei euch in tausend Meilen Höhe mit derselben Lichtheftigkeit entwickeln würde wie auf seiner Hauptzentralsonne, so würde seine Ausstrahlung die ganze Erde in einer Sekunde wie einen Wassertropfen auf glühendem Eisen verflüchtigen.

Denkt euch somit die ganze ungeheure Hauptzentralsonne mit solch allerstärksten Lichtflammen überzogen und urteilt danach, wie weit wohl ihre Strahlen als Ausflug freigewordener Geister reichen mögen! Damit könnt ihr ersehen, wie eine solche Sonne gar wohl ein allgemeiner Leuchter in dem großen Sonnenweltengemach einer Hülsenglobe sein kann.

Daraus geht hervor, auf welche Weise dann auch jede kleine Planetarsonne, wie auch jeder Planet für sich ein eigenes Licht entwickeln kann, dessen Eigentümlichkeit und Stärke sich allzeit nach der Größe seines Volumens und seiner Schwerkraft richtet.

Die Entstehung der Sonnenflecken

Es ist öfters zu beobachten, daß die Sonne zumeist auf ihrem Äquator zuweilen einen oder mehrere verschieden große Flecken aufweist, um die sich dem bewaffneten Auge eine wallartige Verbrämung zeigt. Hinter derselben breiten sich dann nach allen Seiten Lichtwellen aus, die von den Astronomen "Fackeln" genannt werden. Die Sonne ist eine Kugel von rund 200 000 Meilen Durchmesser, die sich in ungefähr 29 Tagen um ihre Achse dreht. (Anmkg. Die Astronomie gibt hierfür 25,2 Tage an, doch vermag sie nur die schnellere Rotation des Luftkreises zu messen. D.Hg.) Durch diese Schnelligkeit entsteht am Äquator eine große Wurfkraft, die alle etwas flüchtigeren Teile der inneren Sonnenmaterie unter den Äquator drängen mit dem Bestreben, die oberste Kruste des Sonnenbodens zu durchbrechen, um sich dann mit unglaublicher Heftigkeit von der Sonne in den Weltraum zu entfernen.

Ihr habt anfangs vernommen, daß das Erdreich der Sonne nicht so hart und spröde wie das eurer Erde ist, sondern überall elastisch, besonders im Gebiete des Äquators. Wäre das Erdreich spröde und zerbrechbar, so würden zufolge der enormen Fliehkraft ein Berg und ein Landstück um das andere mit größter Wucht von der Oberfläche der Sonne in den unendlichen Raum geschleudert werden. Da jedoch das Sonnenerdreich zäh und elastisch ist, ist solches nicht möglich, auch wenn die Rotation doppelt so schnell vor sich ginge. Was aber kann dennoch der Fall sein, wenn sich der Drang von innen her auf vorgeschilderte Art auswirkt und hier und da gewaltige Andrängungen und gewisserart Verhärtungen unter der Oberfläche erzeugt? Gleichsam als eine Krankheit der Sonne, denn auch Weltkörper können physisch erkranken. Dadurch können solche verhärtete Knollen auf einem oder dem anderen Punkte durch ihren Drang nach außen, sich dabei entzündend, die Oberfläche durchbrechen, um sich dann mit größter Gewalt näher oder fast endlos weit vom Sonnenkörper zu entfernen.

Das ist die Ursache der darauffolgenden schwarzen Flecken der Sonne. Denn bei dem gewaltigen Durchbruch wird nicht nur die Erdkruste des Sonnenplaneten, sondern auch seine Lichthülle derart auseinandergerissen, daß sie auf einem solchen Punkte nicht fähig ist, das aufgenommene Licht der anderen Weltsonnen aufzunehmen und zu reflektieren. Ebenso wenig vermag sie dann ihr Eigenlicht ausströmen zu lassen, das sich fortwährend am Boden der Sonne entwickelt, solange er nicht auf die beschriebene Weise eine Zeitlang auseinandergerissen wurde. Der um die schwarzen Flecken entstehende Wall ist der jeweilige Aufwurf einer solchen Verhärtung, die nach allen Seiten gleich einer trichterförmigen Mauer aufgeworfen wurde. Daß dieser Wall aber gegen den eigentlichen schwarzen Punkt matt erleuchtet erscheint, hat folgenden Grund: Wenn sich auch über den zerrissenen Teilen keine eigentliche Glanzluft befindet, entwickeln sie selbst durch ihre heftigen Schwingungen etwas Eigenlicht, das dem ursprünglich eigentümlichen Lichte der Sonne gleichkommt. Daraus könnt ihr ersehen, wie gering eure Sonne leuchten würde ohne Beihilfe des allgemeinen Sternenlichtes.

Die sogenannten Fackeln sind Sonnenlichtwellen, die durch das bei einem Durchbruch bewirkte Wogen der atmosphärischen Glanzluft entstehen. Da spiegelt sich eine Lichtwoge in der anderen, wodurch ihr Glanz vielfach potenziert erscheint, während die Wogenfurchen notwendig matter erscheinen. — Infolge seiner Elastizität beginnt sich das Erdreich langsam nach solchen Durchbrüchen wieder zu schließen, wodurch die schwarzen Sonnenflecken verschwinden. So verheilen auch planetarische Wunden ähnlich aufgebrochenen Geschwüren im menschlichen Körper. — Manche dieser Flecken sind von solchem Umfang, daß in ihrem schwarzen Raume leicht dreißig Erden nebeneinander Platz fänden. Bei den größten Sonnenflecken kann man annehmen, daß der kubische Inhalt der hinausgeschleuderten Massen wenigstens tausend Erdkörper groß ist.

Es entsteht damit die Frage. "Wenn das gesamte Volumen der Sonne den millionenfachen Inhalt der Erde beträgt, müßten tausend solcher aufeinanderfolgenden Großflecken doch die Masse der Sonne völlig aufzehren?" Die Antwort darauf lautet: "So wie eine Eiche im Verlaufe von zweihundert Jahren ein Mehrfaches ihres Volumens in Form von Blättern, Zweigen und Früchten abgibt, und dennoch dabei an Umfang und Größe zunimmt, — ebenso ersetzt die Sonne die abgegebenen Massen durch beständige Aufnahme von kosmischer Nahrung aus dem sie umgebenden Äther!"

Geistiger Grund der Sonneneruptionen

Es wurde bereits anfangs erwähnt, daß die Sonne kein vollkommen kompakter Körper ist, sondern daß sie aus sieben inneren Sonnen besteht, zwischen denen jeweils ein hohler Raum von mehreren tausend Meilen sich befindet.

Alle diese Innensonnen sind auch bewohnt. Sind die Bewohner nun leibliche Menschen oder haben sie etwa Ähnlichkeit mit den Naturgeistern der Luft, des Feuers, des Wassers und der Erde? Keines von beiden, sondern diese Bewohner sind Geistermenschen, die mit der Zeit erst ins naturmäßige Leben übergehen können:

entweder auf der Oberfläche der Sonne (als materielle Sonnenmenschen), oder im ungünstigeren Fall in das Außenleben auf den Planeten.

Am besten werden sie mit dem Namen SonnenGrundlichtgeister bezeichnet. Sie sind unter sich selbst erscheinlich wie natürliche Menschen untereinander und können sich dazu aus der dortigen Luft einen Leib bilden, wie und wann sie wollen. Machen sie von diesem Zustand ihrer Selbständigkeit und Freiheit einen rechten Gebrauch, so werden sie nach und nach fester in ihrer ganzen Wesenheit. Sie können dann sogleich auf die Oberfläche der Sonne auf dem Wege der Zeugung und Geburt übergehen. Gebrauchen jedoch die Geister der inneren Sonne diesen intelligenten Freiheitszustand auf eine der göttlichen Ordnung nicht angemessene Weise, so gestalten sie sich auch unordentlich, und ihre Formen sind dann von unaussprechlich verschiedener Art. Sehen sie den günstigen Ausgang der in der Ordnung aufgestiegenen Geister, rotten sich dann die Unordentlichen haufenweise zu Trillionen zusammen. Denn sie wollen sich ebenfalls erheben und mit Gewalt die Oberfläche der Sonne erreichen und mit dieser die absolute Freiheit.

Am grellsten zeigen sich die Unterschiede auf der letzten inneren Sonne, die erste nach der sichtbaren Außensonne. Von der allerinnersten kompakten Sonne, die gewisserart das Herz des ganzen Sonnenkörpers darstellt, strömen diese geistigen Wesen in allerlei Formen bis zur obersten Sonne, so wie das Blut vom Herzen in alle Teile des Leibes übergeht, den Nährstoff absetzt und das Unbrauchbare und Ungeläuter-te wieder zurückführt. So geschieht es beständig, daß die Geister der Widerordnung, wenn sie auch bis zur Oberfläche gedrungen sind, wieder umkehren müssen, und zwar durch die Pole. Auf diese Weise werden sie dann wieder mit dem Herzen der Sonne vereinigt, um nach langen Zeiten einen neuen Aufstieg anzutreten.

Das Aufsteigen durch die inneren Sonnen ist mehr ein geistiges, zum größten Teil unverspürbares Emporsteigen und ist daher mit keinen Eruptionen verbunden. Der gewaltsame Durchbruch von der letzten inneren Sonne auf die Oberfläche äußert sich jedoch stets auf eine überaus gewalttätige Weise. Den Effekt davon habt ihr schon bei Erklärung der Sonnenflecken kennengelernt. Wie solches auf intelligent-geistigem Wege erfolgt, sei hier kurz erörtert: Fühlen sich solche Geisterverbände genügend stark, dringen sie bis an die innere Fläche der äußeren Sonne vor und lavieren da durch ihr Gefühl, wo diese am schwächsten wäre. Haben sie eine solche Stelle gefunden, die zugleich eine Menge Adern und Kanäle aufweist, so dringen sie dorthin ein. Hier beginnen sie sich mehr und mehr intensiv zu entzünden und erglühen damit auch die Fläche, wo sie sich angesetzt haben. Hier verbinden sie sich zudem noch mit den in dieser Materie gebannten Geistern und üben nach und nach eine solche Gewalt aus, daß ihnen am Ende die einige tausend Meilen dicke äußere Sonnenkruste weichen muß, und muß sich endlich auftreiben und durchbrechen lassen. Da diese Geister, durch ihr widerordentliches Bestreben sich verdichtend, gewisserart ein materielles Gewicht erhalten, kommt ihnen dieser Umstand insofern zustatten, indem sie sich damit auch den wuchtigen Umschwung der Sonne um ihre Achse zu Nutzen machen.

Wenn diese ausbrechenden Geister auf gewaltsame Weise die gewünschte Freiheit erlangt haben, schwärmen sie zu Abermillionen hinaus in den unermeßlichen Raum. Dort werden sie gewisserart abgekühlt, womit auch ihr Bestreben ruhiger wird. Nun braucht aber auch ein jeder Geist zu seinem Fortbestande irgendeine Nahrung. Erhält er diese nicht, gerät er endlich in den Zustand einer Bewußtlosigkeit, die einem tiefen Schlafe gleicht. Ein solcher Zustand ist auch die Folge der mit Gewalt errungenen Freiheit jener unordentlichen Sonnengeister. In dieser Lage werden sie bald zur Beute der überall lauernden Anziehungskraft der Planeten, denen sie zur willkommenen Sättigung dienen.

Einen Teil solcher geistiger Ausreißer wird jedoch schon bei ihrem Durchbruch wieder von der Kraft der Sonnengeisterwelt zur Umkehr genötigt und fällt zur Besänftigung und Abkühlung in die großen Sonnenmeere zurück. Ein noch größerer Teil, der sich etwas weiter von der Sonne hinweg wagte, wird von der mächtigen Polarität der Sonne ergriffen und dadurch wieder in den Urzustand, d.h. in das eigentliche Sonnenherz zurückgeführt. Auch die von den Gewässern aufgenommenen Geister machen mit der Zeit eine rückgängige Bewegung, manche aber werden auch zur Bildung der äußeren, materiellen Sonnenoberfläche verwendet.

Diejenigen Geister der inneren Sonne, die schon mehrmals nach erfolglosen Durchbrüchen zurückgeführt wurden, verbinden sich nicht leicht wieder mit jenen, die einen Durchbruch am Äquator unternehmen wollen. Sie suchen auf Seitenwegen gegen die Polargegend zu gelangen, um dort in kleineren Partien ihren Zweck zu erreichen. Die dort befindliehen zahlreichen Vulkane bilden ihren Austrittsort, doch können sie sieh dort kaum so weit von der Sonne entfernen, daß sie die Glanzluft erreichen. Bald hernach werden sie jedoch von der Kraft der Pole wieder eingefangen und aufs neue den inneren Sonnen zugeführt. Es gibt auch noch allerlei andere Geister, die von den Polen der Sonne aufgenommen werden. Diese sind zum Teil Ausbrecher aus der die Sonne umgebenden Planeten, teils aber auch solche aus anderen Sonnen, die bei Eintritt in unser Sonnensystem von der Polarkraft der Sonne ergriffen und angezogen werden.

Nur wenn sich solche Grundlicht-Geisterverbände in irgendeiner weitentfernten Sphäre des Sonnenbereichs vergesellschaften und damit naturmäßig zu Kometen werden, können sie sich zuweilen durch längere Zeit planetarisch bewegen. Kommen sie jedoch auf ihrer Bahn der Sonne zu nahe, werden sie auf jeden Fall von ihr eingefangen und gleichsam verzehrt. Denn was die Sonne einmal mit ihrer polarischen Kraft ergriffen hat, das ist so gut wie eine vollkommene Beute für sie. Denn sie zehrt dann beständig durch ihre Kraft an einem solchen Gaste, schwächt ihn von Jahrtausend zu Jahrtausend und zieht ihn endlich in ihren weiten Feuerschoß. Solches könnt ihr auch an den gegenwärtigen Stellungen der Planeten erkennen, deren heutige Bahnen sich von früheren sehr unterscheiden.

So bahnte vor vielen Millionen Jahren der Planet Merkur an Stelle eurer Erde, der Planet Venus ungefähr an Stelle des gegenwärtigen Mars, und eure Erde an der Stelle des Jupiter. Nun berechnet, um wieviel die Anziehungskraft der Sonne diese Planeten ihr angenähert hat. Ihr könnt daraus leicht ersehen, daß sich die Sonne einmal aller noch freischwebenden Planeten bemächtigen wird, damit auch die hartnäckigsten Geister solcher Weltkörper wieder zu ihrer ordentlichen Lösung oder zur weiteren Erprobung in die Sonne gelangen.

An Stelle solcher von der Sonne vollends aufgenommenen Planeten treten wieder andere ins Leben. Dies könnt ihr schon aus dem Umstande ersehen, daß um eure Sonne allein ein Heer von wenigstens zehntausend Millionen Kometen schwärmt, aus denen dann immer ein oder der andere mehr ausgebildete Komet in den Stand eines Planeten übergehen kann. Es gibt sogar jetzt schon eine Menge gediegener Kometen im weiten Sonnengebiete, die schon zum größten Teil bewohnt sind; wenn auch noch nicht von Menschen, so doch von der Pflanzenwelt und mannigfachen Vortieren. So ist demnach die Weltenordnung für eure Begriffe unendlich, vor Gottes Auge aber bildet der Anfang wie das Ende eine Einheit. Wie aber die Sonne ihre Planeten wieder löse, so können auch Zentralsonnen ihre Nebensonnen lösen, und endlich die Hauptzentralsonne ganze Heere von Sonnengebieten und Sonnen-Allen. An Stelle der aufgelösten werden immer wieder neue gesetzt, sodaß dadurch der Gang in der Ordnung der Dinge ewig nimmer aufhören wird zu schaffen.

So spricht der HERR: "Ich als Gott denke ewig und Meine Gedanken sind die Wesen. In Meiner Unendlichkeit hat auch Unendliches Platz und wird den Raum ewig nimmer erfüllen, wenn auch der beständige Wesenszuwachs noch unaussprechlich größer wäre und zahlloser, als er zufolge der bestehenden Ordnung ist. Denn euer guter, heiliger VATER ist größer, mächtiger und vollkommener, als sich Ihn ein schwacher Erdengeist selbst in seinen feierlich höchsten Momenten je vorzustellen vermag."

Ursache der materiellen Schöpfung

Die Lehre von einem Fall eines Teils der urgeschaffenen Geister ist im Christentum weitaus stärker ausgeprägt als in anderen Religionen. Aber erst in dem Lorber geoffenbarter "Großen Evangelium Johannis" finden sich darüber Belehrungen Jesu Christi, welche Zusammenhänge zwischen diesem Geisterfall und der dadurch bedingten materiellen Schöpfung ursächlich bestehen:

"Als Gott im Voranfang seine reifgewordenen Schöpfungsideen als Geister hinausstellte und sie so mit seiner Kraft erfüllte, daß sie selbständig zu denken und zu wollen begannen, da mußte ihnen gleichzeitig eine Ordnung gezeigt werden, nach der sie handeln sollten. Mit dieser gegebenen Ordnung mußte aber auch der Anreiz zu ihrer Nichteinhaltung in diese ersten Wesen gelegt werden, ansonsten sie von ihrem freien Willen niemals hätten Gebrauch machen können. Erst dieser in sie gelegte Anreiz brachte eine wahre Lebensregung zustande, der zufolge sie zu wählen, zu wollen und zu handeln anfingen. Der Reiz zur Widerordnung hob nun viele der ersten Geister aus der angezeigten Ordnung. Die Folge war, daß sie endlich im stets mächtigeren Widerstreben verhärten mußten (Selbstbezogenheit!) und auf diese Weise den Grund zur materiellen Weltenschöpfung legten.

Alles, was Materie ist, war dereinst Geistiges, das freiwillig aus der göttlichen Ordnung trat und sich in den verkehrten Anreizungen begründete. Materie ist demnach nichts anderes als ein gerichtetes und aus sich selbst verhärtetes Geistiges. Oder deutlicher: sie ist eine gröbste und schwerste Umhäutung (Einhülsung) des geistigen Kerns. Geist selbst kann jedoch trotz noch so fester Umhülsung nie selbst zu vollkommener Materie werden, sondern lebt und besteht in der Materie fort, welcher Art sie auch sei. Ist die Materie (= durch den Willen Gottes festgehaltene Zustände des Äther-Urstoffs) sehr hart, so ist auch das geistige Leben in ihr sehr gebunden und kann sich nicht weiter äußern und entfalten, wenn ihm nicht irgendwie Hilfe von außen gegeben wird.

So kann z.B. im harten Gestein das innewohnende Leben erst dann zu einer Äußerung gelangen, wenn er in einer langen Zeitreihe durch das Einwirken der Elemente stets brüchiger wird. Dann entflieht etwas seines Lebens als Äther in die Luft, ein anderer Teil bildet sich eine neue und leichtere Umhülsung in Form der zarten Schimmel- und Moospflanzen. Indes wird die anfangs zarte Umhülsung durch die Tätigkeit der eingeschlossenen Geister, die mehr und mehr das drückend Materielle zur Seite schaffen, auch wieder härter und gröber. Daher trachtet das geistige Leben stets weiter nach aufwärts und bildet durch alle Naturreiche hindurch immer neue und höhere Lebensformen bis zum menschlichen Leibe, der einen Träger billionenfacher Seelenintelligenzen darstellt.

Alles, was Welt und Materie heißt, ist ein Verkehrtes, der wahren Geistordnung aus Gott Widerstrebendes, weil es ursprünglich als eine Gegenreizung zur Erweckung des freien Willens in der belebten — und als Selbstwesen aus Gott hinausgestellten und geformten — Idee in sie gelegt werden mußte. (Die Dualität oder Polarität alles Geschaffenen!) Und so wurden auch die der Ordnung widerstrebenden Urgeister eingehülst in die Materie zuerst der Hauptzentralsonnen, aus denen endlich alle anderen Sonnen und Weltkörper samt allem Leben auf ihnen hervorgingen.

Solche Urgeister haben sich zuerst abgesondert in große Vereine und stellten sich im unendlichen Raume in menschlich undenkbar großen Entfernungen auf. Eine jede solche Geistvereinigung wollte wegen ihrer Eigenliebe von einer zweiten nichts mehr hören und erfahren. Durch dieses stets wachsende Eingehen in die Selbstsucht, in Hochmut und Herrschsucht schrumpften die zahllos vielen Lebensformen endlich nach dem Gesetze der Schwere (Zusammenziehung aus Ichbezogenheit!) zu einem übergroßen Klumpen zusammen — und die materielle Urzentralsonne einer Hülsenglobe war entstanden. Nun aber gibt es im unendlichen Raum eine Unzahl solcher Welt-Systeme oder Hülsengloben (vgl. die Spiralnebelflecken der Astronomie!), wo überall eine solche Urzentralsonne zahlreichen Weltgebieten zum gemeinsamen Mittelpunkt dient. Solche Ursonnen sind somit die zusammengeschrumpften Urgeistervereine, aus denen in äonenlangen Zeiten alle anderen Sonnenalle, Sonnengebiete, Nebenzentralsonnen, Planetarsonnen, Planeten, Monde und Kometen hervorgegangen sind.

Wie ging das zu? In der Urzentralsonne wurde vielen großen Geistern der Druck ihrer Einhülsung zu mächtig. Sie entzündeten sich daher im Zorn und machten sich vom Urdrucke los, wobei sie beinahe endlos weit von ihrem ersten Vereinsklumpen flohen. Eine Zeitlang schwärmten sie frei und ungebunden im Raume umher und machten Miene, wieder in die reingeistige Ordnung zurückzukehren. Weil sie jedoch des Elements der Eigenliebe nicht ledig werden konnten, fingen sie wieder an, aufs neue zu einem festen Klumpen zusammenzuschrumpfen. Dadurch entstanden die Zentralsonnen zweiter Ordnung in einer jeden dieser Hülsengloben.

In diesen Zentralsonnen zweiten Ranges ergrimmten mit der Zeit die Hauptgeister wieder ob des zunehmenden Druckes, entzündeten sich und machten sich in zahllosen Massen von dem gemeinsamen Klumpen zweiter Ordnung frei. Nach einem Ansatz zum reingeistigen Übergang fanden sie dennoch wieder allzu großes Wohlgefallen an sich. Sie wuchsen dadurch abermals im materiellen Gewichte (Verdichtung der Masse!) und schrumpften nunmehr zu Zentralsonnen dritter Ordnung zusammen. Bald erhob sich hier der gleiche Anstand: Die höheren Geister, geringer an Zahl, wurden von den zahlreicheren untergeordneten Geistern zu mächtig gedrückt, ergrimmten wieder und rissen sich zu vielen Millionen mit größter Gewalt vom gemeinsamen Klumpen los mit dem festen Vorsatz, nun endlich ins völlig reingeistige Leben überzugehen. Undenkbar lange Zeiten schwebten sie als voneinander getrennte Ätherdunstmassen im weiten Schöpfungsraume. Aber in dieser untätigen Freiheit fingen sie mit der Zeit an, eine Nahrung von außen-her als Sättigung zu suchen. Denn die Begierde ist gleich dem Magnetstein, der alles Eisen mit unwiderstehlicher Gewalt an sich zieht.

Was war davon die unvermeidbare Folge? Ihre Wesenheit fing sich wieder sehr zu verdichten an (Ätherzuwachs!) Damit erwachte bald wieder die Eigenliebe und ihr Gefolge, was eine neue Zusammenschrumpfung zu einen Klumpen bewirkte. Freilich war hierzu stets eine Unzahl von Erdenjahren nötig. Aus den letztbeschriebenen Schrumpfungsvorgängen entstanden und entstehen noch die Planetarsonnen, deren eine jene Sonne ist, die unserer Erde leuchtet. Diese Art Sonnen sind zwar in ihrer Wesenheit viel zarter und gesänf-tigter als die Zentral-Sonnen. Allein, sie haben dennoch eine ungeheure Masse von schwerer Materie als Folge der

Eigenliebe ihrer Äonen von Geistern. Den edleren und besseren solcher Geister in diesem Leuchtklumpen wird im Laufe der Zeiten der Druck jener gemeinen Geister, die ganz Materie geworden sind, wieder viel zu schwer und unerträglich. Die Folge davon ist, wie bei den früheren Sonnen, Gewalttätigkeit in Form von eruptiven Ausbrüchen, womit sich die edleren Geister aus deren Verband frei machen. (Geistige Begründung der bekannten Sonnen-Protuberanzen!)

Geistervereine, die sich aus dem Sonnenklumpen losmachten, aber sich trotz besten Vorsätzen von ihrer Eigenliebe nicht ganz befreien konnten, wurden dadurch abermals zusammengeballt. Als dunstige Kometen mit langem Schweif wurden sie materiell ersichtlich. Ein Kometenschweif zeigt den Hunger schon materiell werdender Geister als die Gier nach materieller Sättigung an. Diese Gier zieht aus dem Äther das ihr zusagende Materielle, und so ein Komet irrt dann viele Jahrtausende im großen Ätherraume umher und zieht ständig neue Nahrung an sich. Dadurch aber wird er schwerer und dichter und wird mit der Zeit von jener Sonne, von der er ausging, wieder insoweit angezogen, daß er ordnungsgemäß um sie kreisen muß. Einmal in eine solche Ordnung eingereiht, wird er zu einem Planeten, deren jede Planetarsonne mehrere zu ihrem Bereiche zählt.

Noch einmal ist der mehrfach beschriebene Vorgang von Geisterausbrüchen möglich, wobei sich die von der Erdmaterie zu beengten Geister befreien, jedoch nach dem Gesetze der Eigenliebe aufs neue verhärten und zu Monden (Trabanten von Erden) werden. Vor vielen Millionen von Erdjahren war unsere Erde körperlich noch bedeutend schwerer und ihre eingeschlossenen Geister wurden sehr gedrückt. Da ergrimmten die ärgeren Geister und trennten sich — diesmal sogar mit viel gröbstmaterieller Erdmasse — von ihr und schwärmten viele Jahrtausende hindurch in sehr ungeordneter Bahn um diese Erde.

Da aber all die Teile dennoch bis auf einige Klumpen ganz weich und zur Hälfte flüssig waren und sich die ganze Masse in beständiger Rotation befand, so gestaltete sich selbe endlich zu einer großen Kugel. Ihre Achsenumschwingung war jedoch für ihren kleinen Durchmesser viel zu langsam, um auf ihrer Oberfläche die Flüssigkeit gleichmäßig zu erhalten, weil der Umlauf der Mondkugel um die Erde ein sehr rascher war, demzufolge alles Flüssige stets auf dem der Erde abgekehrten. Teil Aufenthalt nehmen mußte. Dadurch verschob sich der Schwerpunkt dieses Mondklumpens stets mehr nach jener Seite hin, wo sich gleichfort alle Flüssigkeit befand. Als der Klumpen selbst dichter wurde und die mitgenommenen Wogen an den entstandenen hohen Bergwänden zu widerhaltig anbrandeten, mußte die immer langsamer werdende Achsenumdrehung endlich ganz aufhören. Seit diesem Geschehen zeigt der Mond seiner Erde, von der er ausgeworfen wurde, stets nur ein und dieselbe Seite.

Es wurde nun dargelegt, wie die ganze materielle Weltenschöpfung vor sich gegangen ist, bis zu den Monden der Planeten, die fast überall, wo sie bestehen, die gleiche Natur haben und demselben Zwecke dienen. Wie aber ursprünglich aus in sich gefallenen Urgeistern die gesamte materielle Weltschöpfung bis zu den Monden herab vor sich ging, auf die gleiche Weise sind mit der Zeit auf den hart gewordenen Weltkörpern die Berge — als die ersten Riesenpflanzen einer Welt — und danach alle Pflanzen, Tiere und zuletzt der Mensch selbst hervorgegangen. Bessere Geister entwinden sich gewaltsam dem stets zunehmenden Druck der Materie, indem sie ihre eigene Materie kraft ihres Willens auflösen. Sie könnten sogleich in die Ordnung der reinen Geistwelt übergehen, aber der alte Reiz übt noch immer seine alte Gewalt aus. Die Eigenliebe wird stets wieder wach: die Pflanze saugt, das Tier frißt, und des Menschen Seele sucht zumeist gierig materielle Kost und träges Wohlbehagen. Und sie würde wieder zur härtesten Materie, wenn Gott nicht in ihr Herz einen Wächter, ein Fünklein seines Liebegeistes eingepflanzt hätte.

Obgleich der Anreiz zur Widerordnung in den urgeschaffe-nen Geistern zur Willensprobe notwendig war, so war als Folge die sündige (= absondernde!) Werdung des materiellen Weltalls durchaus keine Notwendigkeit! Sie war nur eine aus der göttlichen Ordnung zugelassene Folge dessen, daß so viele Geister dem Reize nicht widerstehen wollten, obschon sie es vermocht hätten, — ebensogut, als es sechsmal so viele Urgeister vermochten, in der ihnen gegebenen Ordnung Gottes zu verbleiben.

Also entstanden die Sonnen und Erden alle für sich, und jedes einzelne auf Sonnen und Erden für sich, aber dennoch auch im allgemeinen Zusammenhang. So entstand auch der Mensch in engstem Sinne für sich und ebenso im allgemeinen. Denn die Schöpfung ist in ihrer Gesamtheit, vom Größten bis zum Kleinsten aller geistigen und materiellen Welten gleich und entspricht völlig einem Menschen, weil der Mensch der eigentliche Grund und das Endziel der ganzen Schöpfung bildet. Da der Mensch dasjenige ist, was Gott durch alle die zahllosen Vorschöpfungen erreichen wollte und auch erreicht hat, so entspricht alles in den Himmeln und auf sämtlichen Weltkörpern in allem und jedem einem Menschen, — wie es auch Moses in seiner Schöpfungsgeschichte bildlich dargestellt hat.

Dieser große Weltenmensch in seinem ganzen Gehalte ist der gefestigte Seelenleib des urgeschaffenen Lichtgeistes, den die Schrift Luzifer, d.h. Lichtträger nennt. Daß aber dieser Geist in lauter feste Hülsengloben* gesondert ist, das ist sein selbstgeschaffenes Gericht. Sein Leben — dadurch in beinahe endlos viele abgeschlossene Teile getrennt — ist als kein Ganzes mehr, sondern als ein höchst geteiltes Leben anzusehen. Denn nur innerhalb jeder Globe ist Leben, außer ihr aber kein anderes als jenes des ewig unwandelbaren Gotteswillens.*

*) Bemerkung Lorbers: "Hülsenglobe" ist die Benennung der Zusammenfassung von Dezillionen mal Dezillionen Sonnen, die als Zentralsonnen erster, zweiter, dritter und vierter Ordnung samt ihren zahllosen Planetarsonnen — wie die unserer Erde ist — sich alle um einen gemeinsamen Mittelpunkt (eine unermeßlich große Hauptmittelsonne) in weitgedehnten Bahnen bewegen. Ungezählte solcher Hülsengloben, die für uns Menschen in undenkbar weiten Entfernungen von einander abstehen und den unendlichen Raum erfüllen, führen den gemeinsamen Namen "der große Weltenmensch".

**) Über die Erlösung (Vergeistigung) des materiellen Weltenmenschen und Wandlung zum Großen Himmelsmenschen siehe Schlußkapitel!

Größe und Gliederung des Universums

Da der große "Welten- oder Schöpfungsmensch" in genauem Entsprechungsverhältnis zu dem Mikrokosmos "Mensch" steht, so ist die Analogie in allen Einzelteilen wie in der Gesamtheit gegeben. Die Glieder, Organe und Funktionen des menschlichen Zellenstaates finden sich daher in jenen größeren und kleineren Weltsystemen wieder, über die Lorber wie folgt schreibt: (So spricht der HERR) ..."Die Sonne ist um eine Million mal größer als diese Erde. Aber schon die nächste Zentralsonne ist mehr denn eine Million größer als diese Planetarsonne und hat mehr Körperinhalt als alle ihr zugehörigen Planetarson-nen samt ihren Erden, Monden und Kometen zusammen, die sich in für euch undenkbar weitgedehnten Kreisen um solch eine Zentralsonne mit größter Schnelligkeit bewegen. Besonders die entferntesten Sonnen benötigen oft Millionen von Erdjahren, um nur einmal ihre Umdrehungsbahn zu durchlaufen.

Nun gibt es noch eine zweite Gattung von Zentralsonnen, um die sich in endlos größeren Bahnen ganze Sonnengebiete mit ihren Zentralsonnen bewegen. Ihre entferntesten Teile benötigen schon ein Äon von Erdjahren, um diese zweite Zentral-Sonne nur einmal zu umkreisen. Eine solche Zentralsonne zweiter Ordnung, um die nun ganze Sonnengebiete mit ihrem Angehör kreisen, wollen wir samt ihren Millionen Sonnengebieten ein Sonnenweltall nennen.

Denkt euch wieder eine ebenso große Anzahl solcher Sonnenweltalle. Diese haben wieder in unmeßbarer Tiefe und Ferne gleichfalls eine gemeinsame Zentralsonne, die als Weltkörper um zehnmillionenmal größer ist als die Sonnenweltalle, die um sie in unermeßlich weiten Kreisen bahnen. Diese Zentralsonne der dritten Gattung wollen wir ein Sonnenall-All nennen.

Solcher Sonnenall-Alle gibt es wieder in einer für euch nicht zählbaren Menge, und alle haben in einer endlosen Tiefe wieder eine ungeheuer große Urzentralsonne, um die sie ohne Störung ihrer speziellen Eigenbewegungen wie ein Körper in einer nur für Engelgeister meßbaren weiten Bahn umkreisen. Ein solches Sonnen- und Weltensystem um eine Urzentral-sonne sei eine Welten-Hülsenglobe genannt, weil sämtliche vorbezeichneten All-alle — nach allen Richtungen um diese Urzentralsonne kreisend — eine unermeßlich große Kugel darstellen. Infolge ihrer fast gedankenschnellen Bewegung und der dadurch bewirkten Wurfkraft bilden sie nach außen hin eine Art Hülse, deren Dichte eurer atmosphärischen Luft gleichkommt und von innen bis außen einen Durchmesser besitzt, der nach den Größenmaßen dieser Erde zu messen mit Millionen von Äonen noch viel zu gering angenommen wäre.

Warum wird nun diese Umhülsung als gemeinsame Umfassung der zahllosen All-Alle gebildet? Jedes in sich Ganze, vom Größten bis zum Kleinsten, muß zur Deckung und zum Schutze seines Inneren eine Umhäutung besitzen. Diese hat weiter den wichtigen Zweck, vom inneren Mechanismus eines belebten Körpers das Reine in sich aufzunehmen und das Unreine — als ein zum organischen Leben Untaugliches

— nach außen abzuleiten, von wo sie dafür geläuterten Lebensnährstoff (Äther!) aufsaugt und dem inneren Körperlebensmechanismus zuleitet.

Fraget aber nicht nach Größe und nach Länge des Durchmessers einer solchen Hülsenglobe! Denn für die menschliche Rechnung dürfte schwerlich je eine Zahl denkbar sein, durch die man — die Entfernung Erde zur Sonne als Einheitsmaß genommen — diese äonenhaften Weiten bestimmen könnte. Solch eine Weltenglobe ist jedoch nur ein einziger Punkt im großen Schöpfungsraume. Denkt euch außerhalb dieser großen Hülse oder äußersten Haut einer vorgenannten Globe, den weiten, endlosen Raum wie völlig leer. Und das so, daß jemand selbst mit schärfstem Auge von der Nachbar-Hülsenglobe nur ein schimmerndes Lichtpünktchen entdek-ken würde. Das gäbe dann ein Maß der Raumweite zwischen zwei gleichgroßen Hülsengloben, die durch die ungeheure Entfernung zu einem kaum mehr bemerkbaren Schimmerpunkte zusammenschmelzen.

Solche Hülsengloben gibt es im unermeßlichen Schöpfungsraume in einer für den Menschenverstand unfaßbaren Anzahl. In ihrer Gesamtumfassung aber stellen sie nach Gottes Ordnung genau einen Menschen mit all seinen Organen dar! Wie groß muß nun jener Schöpfungsmensch sein, wenn schon eine einzige Hülsenglobe (einer menschlichen Zelle entsprechend!) so endlos groß ist, und noch äonenmal größer die Entfernung einer Globe von der anderen! Aber auch dieser universelle Mensch ist in seiner äußersten Umfassung genau wie jede Hülsenglobe mit einer Art ätherischer Haut umgeben. Freilich ist selbe um vieles fester als die einer Hülsenglobe und hat dennoch für das große Ganze denselben Zweck wie die Haut einer einzelnen Globe.

Außerhalb dieses Weltenmenschen reicht nach allen Richtungen der freie Ätherraum ewig fort, den dieser Mensch in einem für euch endlos großen Kreise, durch Meinen Willen getrieben, mit unbegreiflicher Schnelligkeit durchfliegt. Dies eben wegen des Nährstoffes aus dem ewigen Äthermeer, das er gewissermaßen wie ein Fisch durchschwimmt. Da es aber im freien Ätherraume nirgends ein Oben oder Unten gibt, noch die eine oder andere Seite, so steht dieser Mensch gleich gut und fest im Raume wie diese Erde, die Sonne und alle äonenmal Äonen Sonnen in einer Hülsenglobe. Seine handelnde Bestimmung ist es, alle die in ihm enthaltenen großen Gedanken und Ideen Gottes auszureifen für die einstige freie und selbständige Geistlebensentfaltung." — (Aus dem Gr. Evang. Bd. VI) (Noch einmal scheint das Thema vom großen Weltenmenschen und seinen kosmischen Organen im Lorberwerke "Robert Blum" in erweiterter Form auf):

Die vielen Millionen Planetarsonnen, um die sich Planeten wie eure Erde bewegen, machen mit ihrer eigenen Zentralsonne (Z. 1) ein Sonnen gebiet aus. (Z 1 ist nach Lorber der Fixstern Sirius, unser hellster Stern am Himmel. D.Hg.) Jede solche Zentralsonne ist stets so groß, daß sie den Körperinhalt ihrer sie umkreisenden Sonnen samt deren Planeten und Monden manchmal ums hundertfache übertrifft; zuweilen auch ums millionenfache, denn es gibt größere und kleinere Sonnengebiete. Je größer ein Gebiet, umso größer auch seine Zentral-Sonne, um ihre Nebensonnen wegen der entfernteren Bahnen im bestimmten Abstand zu halten. Denn in welchem Verhältnis sich Anzahl und Entfernung der Nebensonnen mehrt, im gleichen muß auch das Volumen einer Zentralsonne ansteigen, um Meister aller sie umbahnenden Planetarson-nen zu bleiben.

Viele Sonnengebiete zusammen haben wieder eine gemeinsame Mittelsonne und -bahnen, von ihr getragen, in unvergleichbar größeren Kreisen um dieselbe. Diese Sonne muß natürlich wieder ums vielfache größer sein als all ihre Sonnengebiete zusammengenommen, deren oft viele tausende um eine solche Zentralsonne (Z. 2) kreisen. Die Gesamtheit solcher Sonnengebiete mit ihrer gemeinsamen Mittelsonne ergeben ein Sonnen-All.

Und wieder haben viele tausende Sonnen-Alle einen zentralen Mittelpunkt: eine Mittelsonne, die im gleichen Verhältnis wieder um das vieltausendfache an Volumen größer ist als alle sie umkreisenden Sonnen-Alle. Solch eine AllMittelsonne (Z. 3) ist das Zentrum eines Sonnenall-Alls, und ihr Licht steigert sich im gleichen Verhältnis wie ihre Größe gegenüber den gesamten Sonnen-Allen ihres Bereiches.

Ihr könnt das Verhältnis ungefähr so annehmen: Ist z.B. eine Planetar-Mittelsonne (Z. 1) so groß, daß ihr Durchmesser eine Billion irdischer Wegmeilen zählt, so beträgt der Durchmesser einer Sonnengebiets-Mittelsonne (Z. 2) schon das millionenfache, also eine volle Trillion irdischer Meilen. Und eine Mittelsonne eines Sonnenall-Alls (Z. 3) wächst dann wieder — je nachdem sie mehr oder weniger SonnenAlle beherrscht — ums millionenfache, ja zuweilen sogar ums billionenfache im entsprechenden Verhältnis an Größe und Licht. Ihr Durchmesser kann dann eine Quatrillion bis Quintillion Meilen Ausdehnung besitzen.

Sonnen dieser Art haben schon ein eigenes Feuerlicht und sind zur Bewohnung für materielle Wesen auf ihren unermeßlichen Oberflächen nicht mehr geeignet. Dafür wohnen desto mehr Feuergeister in ihrem gewaltigen Feuermeer und haben allda ihre Herrschgebiete. Wohl bewohnen auch Körpermenschen eine solche Sonne, jedoch nicht ihre äußerste Oberfläche, sondern eine mehr innere. Denn alle Sonnen bestehen aus mehreren Sonnenkörpern, die sich inwendig in der äußeren Sonne ungefähr so befinden wie der Planet Saturn innerhalb seiner Ringe.

Die Tätigkeit dieser Feuergeister besteht naturmäßig in der Zubereitung allerreinsten Gases in den großen untersonni-schen Behältern, deren es Trillionen gibt. Dieses Gas muß stets in Überfülle vorhanden sein und ergibt entzündet das Eigenlicht solcher Sonnen. Auch auf der Erde bereiten gewisse Geister in den inneren Kammern der feuerspeienden Vulkane brennbares Gas und entzünden es, wenn es in genügender Menge unter Druck steht. Das Gas besteht im

Grunde aus puren einfachen Naturgeistern, die eine solche Läuterung im Brennvorgang durchmachen müssen, ehe sie in eine bestimmte Wesenheit übergehen können.

Der Zentralpunkt einer Hülsenglobe aber ist eine Haupt- und Urzentralsonne (Z. 4), um die sich mehrere Millionen von Sonnenuniversa (= Sonnenall-Allen) bewegen. Bei der euch hier geistig gezeigten Ursonne sind es genau sieben Millionen solcher Universa. Diese Urka genannte Sonne ist um eine Million mal größer als die Gesamtheit jener sieben Millionen Sonnenuniversa. Ihr Durchmesser beträgt bei zwei Oktillio-nen irdischer Wegmeilen. Das Licht in seiner elektromagnetischen Schnelligkeit (je Sekunde zwölftausend Meilen / 300'000 km D.Hg.) hätte eine Trillion Erdjahre zurückzulegen, um von einem Pol dieser Ursonne zum anderen zu gelangen. Und doch ist diese Sonne geradewegs die kleinste unter allen. Eine Dezillion Meilen genügt, um sie — von eurer Erde aus gesehen — bis zum scheinbaren Durchmesser der Venus zusammenzudrücken.

Was ist nun das Tätigkeitsfeld der dortigen, für euch wahrhaft riesigen Feuergeister solch einer Urzentralsonne? Neben der Ausgeburt stets neuer Planetar- und Mittelsonnen reicht ihr Wirkungsgebiet bis an die äußersten Grenzen einer Hülsenglobe. Wie schon gesagt, ist jeder Komplex von Sonnen- und Weltuniversen, die sich in weitesten Kreisen um ihre Ursonnenmitte bewegen, mit einer festen Hülse umfangen, durch die kein materielles Wesen dringen kann. Diese Hülse besteht aus einer eigenen diamantartig-durchsichtigen Materie (ätherisches Wasser. D.Hg.) und ist nach innen höchst spiegelglatt. Alles Licht, das von den zahllos vielen Sonnen ausstrahlt und von keiner Erde oder Sonne reflektiert wird, fängt diese Hülse auf und wirft das Licht wieder in das

Innere der Globe zurück. Da aber die Hülsenumfassung im Verlaufe der Zeit auf ihrer inneren Spiegelfläche dennoch matter und matter werden könnte, so werden eben von jener Urzentralsonne stets solche Lichtbälle von den Feuergeistern mit ungeheurer Macht hinausgeschleudert. Sie gelangen bis zur erwähnten Hülsenfläche und werden dort zur Reinigung der Kristallhülse verwendet. Reiniger sind dort eigens dazu befähigte mächtige Geister, die in größter Zahl vorhanden sind. Denn alles, was da natürlich geschieht in der ganzen Unendlichkeit, erfolgt durch Gottes Geister und große Engel.

Jede Hülsenglobe hat ihren festen Platz im großen Weltenmenschen (wie die Zellen im menschlichen Körper! D.Hg.) Sie rotiert jedoch um ihre Urzentralsonne als ihre eigene Achse, damit ihre Außenhaut sich fortwährend an dem sie allenthalben umgebenden Äther des Raumes reibt. Durch solche Reibung wird die nötige Menge elektrischen Feuers gleich dem Blitze erzeugt, das als Hauptnährstoff für alle Weltkörper einer Hülsenglobe dient.

Die Gesamtheit aller Hülsengloben bildet den großen Weltenmenschen (Makrokosmos), dessen großes Geheimnis ihr noch vernehmen werdet. In jeder Hülsenglobe kreisen Dezillionen mal Dezillionen Sonnen, Planeten, Monde und Kometen. Die Entfernung einer Globe von der anderen beträgt durchschnittlich genommen fast stets eine Million Durchmesser einer Hülsenglobe. Die Bewegung des großen Weltenmenschen ist ein Kreisen im freien Ätherraum. (Um ein verborgenes Zentrum, das dem Willen der Gottheit entspricht. D.Hgb.) Die Schnelligkeit seiner Bewegung in einem unendlich großen Kreise ist so außerordentlich, daß er in einem Augenblick tausend Hülsenglobenweiten weitergerät, dabei aber doch hundert Millionen Sonnenjahre nötig hat, um wieder an der alten Stelle anzugelangen. Und damit ist durch die Macht, Weisheit und Ordnung in Gott gesorgt, daß auch der gesamte Weltenmensch für all seine Nerven und Fibern die nötige Ernährung empfängt. —

Das Zentrum unserer Hülsenglobe

(Unser linsenförmiges Milchstraßensystem stellt trotz seiner riesenhaften Ausdehnung erst einen Baustein einer Hülsen-globe dar. Es muß im Sinne der Gliederung nach Lorber nur als ein Sonnengebiet angesprochen werden. Daher hätte — entgegen der Annahme der Astronomie — Sirius, der hellste Stern am Firmament als die Zentralsonne unserer Milchstraße zu gelten. Alle außerhalb derselben sichtbaren Weltengebilde (Sternenhaufen und Nebel) zählen somit zu unserer Hülsen-globe, da von Nachbargloben kein Licht zu den anderen zu dringen vermag.

Über die Urzentralsonne Regulus, das Zentralgestirn unserer Hülsenglobe, mit seiner alles menschliche Fassungsvermögen übersteigenden Größendimension finden wir bei Lorber nachstehende beachtenswerte Hinweise. D.Hg.)

"Kennt ihr das Sternbild des Löwen mit seinem Hauptstern Regulus? Was ist er eurem Auge? Ein schimmerndes Pünktchen! Und doch ist er dort, wo er im Raume schwebt, ein so großer Sonnenweltkörper, daß ein Blitz über eine Trillion Erdjahre zu tun hätte, um die Strecke von seinem Nord- zum Südpol zu durchqueren.

Sein eigentlicher Name ist URKA (ur = Licht, ka = Kraft. D.Hg.) oder besser noch OURIZA (our = Lichtfeuer, za = Zeugung. D.Hgb.) Regulus ist der Anfang der Schöpfung von äonenmal Äonen Sonnen, die Seele und der Schwerpunkt in einer endlos weit umhülsten Schöpfungsglobe, die aber an sich nur einen Nerv im großen Weltenmenschen bildet. Er ist die Urzentralsonne eurer Hülsenglobe, darin die Erde wie ein kleines Stäubchen ihre Planetarsonne umbahnt. Seine für eure Begriffe unberechenbar weite Entfernung von hier hat ihn zu einem kleinen Punkt, einem glitzernden Fixstern unter Millionen anderen zusammenschrumpfen lassen.

Auf der Urzentralsonne Regulus haben menschliche Wesen schon existiert, ehe die Erde noch ihrer Sonne abgetrennt ward. Aber diese Menschenwesen haben eine andere Lebenszeit als die Erdenmenschheit. Wenn ein solcher Urkamensch nur zehn Urkajahre alt ist, so ist er schon älter als diese ganze Erde. Daraus ist leicht zu entnehmen, daß die Erstgeborenen dieses Riesenweltkörpers noch wohlerhalten bis zu dieser Stunde leben können. Und einige, die jetzt dort geboren werden, werden so lange leben, als diese Erde bestehen wird.

Diese Ursonne ist mehrere Dezillionen von Erdjahren älter als eure Erde, die doch auch schon ein Alter von einigen Quintillionen Jahren besitzt. Aber der göttliche Geist im Menschen vermag sich nicht nur über diese Schöpfungszeiten, sondern auch über alle nahezu unendlich weiten Hülsen-globen, ja sogar über den ganzen großen Weltenmenschen hinauszuschwingen ..."

(Aus dem "Gr. Evang." Bd. IV und VI und "Erde und Mond")

Das Problem der Doppelsterne

(Doppelsterne im astronomischen Sinn sind gewisse eng zusammenstehende Fixsterne, die einander umkreisen und nur im Teleskop als zwei getrennte Sonnen erkennbar sind. Ein Beispiel hierfür ist der Stern Kastor im Sternbild Zwillinge. Manche Doppelsterne werden nur durch ihren Lichtwechsel als solche erkannt, indem periodisch die kleinere Sonne vor die größere tritt. Beispiel: Algol im Sternbild Perseus. — Über diese Doppelsonnen finden sich in Lorbers Gr. Evang. Bd. VI nachstehende Eröffnungen. D.Hgb.)

Es gibt eine eigene Gattung von Sonnen, die in jedem einzelnen Sonnengebiet mehrfach vorkommt. Das sind die sogenannten Doppelsonnen, die jedoch niemals Zentralsonnen, sondern nur etwas seltenere Planetarsonnen darstellen. Eine von beiden ist stets um ein bedeutendes größer als ihre Begleiterin. Beide Sonnen sind voneinander selten mehr als sechzig Millionen Stunden geraden Wegs entfernt. Die kleinere Sonne bahnt um die größere wie ein Planet, jedoch bewegen sich um jede der beiden Sonnen auch eine Anzahl von verschieden großen Planeten.

Auf den kleineren Planeten haben deren Bewohner recht gute Daseinsbedingungen. Denn sie haben dort beinahe niemals eine volle Nacht, noch eine strengere Kälte, und dies besonders bei jenen Planeten, deren Durchgang zwischen den beiden Sonnen erfolgt. Bei den größeren Planeten fällt dieser Vorteil weg, da selbe um beide Sonnen eine große elliptische Bahn beschreiben.

Diese Doppelsonnen haben in jedem Sonnengebiet eine sehr wichtige Bestimmung. Sie sind die natürlichen Ordner der Bewegungen aller einfachen Planetarsonnen und außerdem die Austeiler des bekannten Nährstoffes für ein ganzes Sonnengebiet. Die Ordnung dieser Gestirne ist so gestellt, daß auf je siebenhundert bis tausend Einsonnen eine solche Doppelsonne kommt.

Die Sonderstellung der Erde im Kosmos

(Zum Verständnis dieses Kapitels ist die Kenntnis der alten Entsprechungslehren erforderlich, die in dem Ausspruch der hermetischen Geheimlehre "Wie oben, so unten" ihren Ausdruck finden. Danach ist der Mikrokosmos Mensch ein Ebenbild des makrokosmischen großen Schöpfungsmenschen, und zwischen beiden herrscht eine Analogie in all ihren Organen und Funktionen. In der umfassenden Schöpfungslehre Lorbers wird — natürlich und geistig — oftmals auf diese Wahrheit Bezug genommen, und nur durch jene inspirierten Eröffnungen wird eine Brücke geschlagen zum geistigen Erfassen der großen Bedeutung unseres kleinen Wohnplaneten. D.Hg.)

(Aus den Lehren Jesu im Großen Evangelium):

Seht, wie im kleinen ein jeder Mensch zu seinem leiblich kurzen Probeleben eingerichtet ist, also ist entsprechend auch in großen Umrissen der ganze große Schöpfungsmensch beschaffen. Nun wisset, daß ebendiese Hülsenglobe, in der sich eure Erde mit der Sonne und zahllos vielen anderen Weltkörpern befindet, zur Einrichtung des Herzens im großen Weltenmenschen zählt. Wie aber ist das Herz des leiblichen Erdenmenschen zu seiner Funktion eingerichtet?

Eines jeden Menschen Organismus hat nahe der Herzmitte seinen Lebensnerv: ein kleinstes Klümpchen, von dem aus der ganze Leib belebt wird. Die Teile dieses Herznervklümpchens sind dafür eingerichtet, den Lebensäther aus dem Blut und der Atemluft derart an sich zu ziehen, daß sie selbst überaus lebenstätig bleiben und sodann diese Lebenskraft dem ganzen Organismus mitzuteilen vermögen. Im menschlichen Herzen befinden sich zwei überaus kleine Kämmerlein, die den beiden großen Blutkammern entsprechen. Sie bedingen durch ihre Einrichtung das Leben des Herzens und dadurch des gesamten Leibes. Das erste Kämmerlein ist das positive des Geistes und Lebens; das zweite, negative entspricht der Materie und ist nur ein Aufnahmegefäß für das Leben, das es vom positiven Pol empfängt.

Nun ist eben eure Sonne mit ihren sie umkreisenden Planeten das bejahende (positive) Lebenskämmerlein des großen Weltenmenschen. Und in diesem Kämmerlein bedingt gerade die Erde den eigentlichen geistigen Grundlebensstoff — was wohl nie ein Weltweiser entdecken kann!

Ich selbst bin von Ewigkeit her der Grund alles Lebens und Seins im Herzen der Unendlichkeit. So Ich nach Meiner Liebe, Weisheit und Ordnung beschlossen habe, in dieser Schöpfung das Leiblich-Menschliche anzuziehen, so konnte Ich dies im großen Universalmenschen doch nur auf dem Punkte verwirklichen, der Meinem Urwesen völlig entspricht, im Lebensnerv des großen Weltenherzens.

Es ist zwar nicht gesagt, daß gerade diese Erde den eigentlichen Hauptbejahungspunkt im Schöpfungsmenschen darstellen müßte. Das könnte auch ein anderer, zu dieser Sonne gehöriger Planet sein. Und wirklich war dazu einstmals schon eine andere Erde bestimmt; aber ihre Bewohner haben sich um vieles unwürdiger benommen als nun die Bewohner dieser Erde, und so wurde jener Planet verworfen und verwüstet samt seinen Bewohnern. (Vgl. dazu "Katastrophe im Planetenreich"! D.Hg.) Da aber nun eure Erde seit den Zeiten Adams dazu auserkoren ward und auf ihrem Boden Ich das leibmenschliche Kleid angenommen habe, wird sie als das auch verbleiben bis ans Ende der Zeiten der gerichteten Geister in aller Materie.

Ihr habt vernommen, wie das gewisse unansehnlichste positive Herzkämmerlein das eigentliche Grundlebensprinzip des Menschen darstellt und schon in sich das Licht, die Wahrheit und das Leben ist. Ebenso verhält es sich auch mit den Menschen dieser Erde. Sie sind gegenüber den Menschen anderer Weltkörper höchst unansehnlich, verdeckt, finster, klein und ohnmächtig. Von den Geistern der anderen Welten sind sie wie ungekannt und kennen sich im Grunde selbst nicht. Aber in ihrer verborgenen Lebenstiefe sind sie aus Mir der Grundlebenspunkt des ganzen Großschöpfungsmenschen und können darum allerhöchste Lebensfähigkeiten entwik-keln, die bei den Menschen anderer Erden nur in einem sehr einseitigen und untergeordneten Grade vorkommen. Wie aber der Mensch seine gesamte geistige Ausbildung nur aus dem Leben seines Herzkämmerleins empfängt, in gleicher Weise erhalten die Menschen anderer Welten die ihnen bestimmte Ausbildung auch nur aus dem Herzlebenskämmerlein des großen Schöpfungsmenschen. Denn die anderen Weltkörper mit ihren Menschen, die Hülsengloben mit ihren Sonnenallen und Bewohnern verhalten sich zu dieser Erde und ihrer Menschheit wie die anderen Leibes- und Seelenteile zu dem positiven Herzlebensnerv, von dem alles Grundleben seinen Ausgang nimmt.

Bei all den zahllos vielen Vorschöpfungen, die alle einen Urgroßweltmenschen darstellten, habe Ich Mich nicht auf irgendeinem Weltkörper ins Fleisch gehüllt nach Meinem Willen, sondern verband Mich mit ihren Menschengeschöpfen nur durch reinste Engelsgeister. Allein diese Schöpfungsperiode hat den für euch noch unerkennbaren Vorzug, daß sie in der ganzen ewigen Unendlichkeit die einzige ist, in der Ich als Schöpfer aller Welten die menschliche Fleischnatur vollkommen angezogen habe. Ich habe Mir im ganzen großen Schöpfungsmenschen diese Hülsenglobe, in ihr des Sirius Zentralsonnenallgebiet, und von den zweihundert Millionen ihn umkreisenden Sonnen eben diese eure, und von ihren sie umbahnenden Erdkörpern gerade eure Erde erwählt, um auf ihr selbst Mensch zu werden. Hier nahm Ich für das Hauptlebenszentrum Meines göttlichen Seins das Fleisch der Materie an, um Mich euch, Meinen Kindern, als schau- und fühlbarer VATER zu zeigen und euch selbst aus Meinem Munde und Herzen die wahre göttliche Liebe und Weisheit zu lehren. Hier will Ich für alle künftigen Zeiten und Ewigkeiten Mir völlig ähnliche Kinder erziehen, die zusammen mit Mir dereinst beherrschen die ganze Unendlichkeit." (Das ist der wahre Sinn der Schöpfungsverse Mosis vom Menschen als dem Ebenbilde Gottes und als Krone der Schöpfung. D.Hg.)

Was ist der ”große Weltenmensch ”?

(Zu dem Begriff Hülsenglobe tritt in der Schöpfungslehre Lorbers jener des großen Weltenmenschen, auch Schöpfungsoder Universalmensch genannt. Mit der Eröffnung, daß das materielle Weltall in seiner Gesamtheit die Gestalt eines Menschen besitzt, vollendet sich die geistige Schau des Kosmos. Wohl wird die Astronomie mit ihren beschränkten Möglichkeiten diese Wirklichkeit niemals bestätigen können, doch bekräftigt und erweitert Lorber damit uralte Geistlehren, die von einer Übereinstimmung des Universums als Makrokosmos mit dem Mikrokosmos Mensch sprechen.

Die nachfolgenden Auszüge entstammen verschiedenen Werken Lorbers und sind hier zu einem Ganzen zusammengefügt. Ihnen ist zum ergänzenden Verständnis eine Kundgabe Gottfried Mayerhofers vorangestellt, der im Jahre 1871 gleichfalls durch das Innere Wort ein Diktat über diese Schöpfungsgeheimnisse empfing. — D.Hg.)

"Hier wollen wir das Warum des materiellen Weltenmenschen erörtern, der — mit dichter ätherischer Haut umkleidet

— ein Begrenztes im Unbegrenzten darstellt. Siehe, wie er mit Gedankenschnelle seinen Flug im unermeßlichen Raum um ein ihm selbst unbekanntes Zentrum vollzieht. Siehe, wie er mit all seinen Organen, den ungezählten Hülsengloben aus dem ewigen Uräther alles Lebensfähige aufnimmt und das Verbrauchte dem Äther wieder zurückgibt. Seine Form und Gestalt gleicht der eines Menschen. Warum aber hat er gerade diese Form?

Die menschliche Gestalt als Meine eigene göttliche habe Ich als den Grundtypus in der ganzen Schöpfung aufgestellt. Demgemäß sind auch alle Wesen von der kleinsten Tierwelt bis zum Menschen geschaffen, indem sie stufenweise diese Gestalt nach und nach entwickeln. Alle tragen wenigstens in dem einen oder anderen Teil als Grundidee Anklänge der Grundformen eines menschlichen Körpers an sich. Gemäß ihrer Eigentümlichkeit und Lebensweise rücken sie zu stets vollkommeneren Formen vor, bis als Ende der Entwicklungsstufen der Kulminationspunkt, die menschliche Körperform erreicht ist.

Als Ich die materielle Welt in ihrem ganzen Umfang und Bereich dachte und schuf, da ward ihre fernere Selbständigkeit und Selbsterhaltung bestimmt. Um diese herzustellen, mußte Ich jedem Wesen neben seiner Außenseite eine innere Organisation verleihen, die diese Bedingungen zu erfüllen vermag. Was da im Kleinen geschah, ersiehst du auch im Größten, wo da kreiset der Schöpfungsmensch in Dimensionen, die nur einem hohen Geiste faßbar sind. Auch in ihm pulsiert ein Herz, das alles erhält und seine Lebenskräfte bis in die äußersten Sonnensysteme hinaustreibt. Auch er hat eine Lunge, um die ätherischen Substanzen wie die menschliche Luft in seine eigenen brauchbaren Elemente zu wandeln.

Auch er besitzt alle Organe wie ihr, und in diesen Organen leben ebenfalls Wesen wie in denen eures Leibes, der auch eine Welt für euren Augen unsichtbare Lebewesen ist. Ähnlich wie bei eurem Körper machen im großen Weltenmenschen alle Organe zusammen ein Ganzes aus: überall herrscht die nämliche Ordnung wie im menschlichen Organismus.

Wesen, die im entsprechenden Organ Leber oder Lunge des Weltenmenschen leben, können nicht zu Herz- oder Nierenmenschen geformt werden. Sie sind glücklich in ihrer Existenz und erwarten dort wunschlos ihre Verwandlung, um wie alle geschaffenen Wesen nach Ablegung ihres Leibes in ähnliche Organe des geistigen Großmenschen versetzt zu werden oder schon im Weltenmenschen in edleren Organen ihrer Bestimmung näherzurücken.

Alle Organe des Weltenmenschen vollziehen die gleichen Aufgaben wie jene des menschlichen Körpers. Hier treibt das Herz mit neuen Lebenskräften geschwängertes Blut durch das Adern- und Venensystem. Dort ist das große Sonnensystem, das dem Herzen gleicht, mit eben den Mitteln ausgerüstet, um das aus dem Äther entnommene neue Lebensprinzip allen anderen Teilen des materiellen Weltenmenschen mitzuteilen und so seinen Bestand zu sichern. Die Lungen, andere Sonnen- und Planetensysteme verschiedener Beschaffenheit, empfangen das Verbrauchte des Weltmenschenblutes. Durch die Einatmung des unermeßlichen Äthers verkehren auch sie das Verbrauchte wieder in Lebendiges und stoßen durch Ausatmung das Unnütze in den weiten Ätherraum aus.

Die großen und kleinen Kanäle, die als Adern-, Venen- und Kapillargefäße den menschlichen Körper durchziehen, werden dort durch untergeordnete Systeme und Kometen vertreten. Besonders letztere sind die Licht- und Lebensbringer, die — während sie mit ihrer eigenen Bildung beschäftigt sind — durch ihre langgestreckten Bahnen den Lebensstoff bis zur Außenhaut jeder Hülsenglobe hinaustragen und das Abgelebte entweder selbst verdauen oder zum entsprechenden Organ eines Sonnenalls wieder zurückbefördern. Deswegen sind sie fast frei von der Anziehungskraft, die Planeten zwingt, in kurzen Bahnen um ihre Sonnen zu kreisen. Nichts hält den Kometen auf, seinen Zweck zu vollführen, bis auch er schwerer und dichter wird und seinen Lauf verkürzt. Als umkreisender Planet schließt er sich dann einer Sonne an, wo er eine neue Entwicklungsperiode durchmacht, die ihn zur Lösung höherer Aufgaben befähigt.

Das Gehirn des großen Schöpfungsmenschen erfaßt geistige Strahlungen und gibt sie an die in seinen Organen lebenden Wesen ab, welche sie durch die Nerven als geistige Leiter in die anderen Sonnen-Alle verbreiten. Das Auge blickt hinaus in die Weite der Unendlichkeit, sieht von ferne das Ziel und teilt es dem Weltengehirne mit. Es ist der Vermittler des Äußeren zum Inneren und teilt die Eindrücke durch das Gehirn den im ganzen Organismus lebenden Wesen mit. Im Weltenauge brechen sich die sieben Farben im Licht- und Sehprozeß. Dort in jenen Konstellationen sind diese Farben in ganze Weltsysteme verteilt, die je eine andere Farbe vertreten. Dort im großen Weltenmenschen gibt es Sonnen von den verschiedenen Farben des Regenbogens. Die Menschen selbst sind dort in Farbe entsprechend geformt. Dort sind Wunder in Größe und Intensität, wovon ihr irdischen Geschöpfe keine Ahnung je haben könnt.

Das Weltenohr vernimmt die großen Harmonien der Sphären und ergötzt durch selbe die geistigen Bewohner seines

Organs. Was im Auge durch Licht bewirkt wird, ersetzt in diesem Sonnenkomplex der Ton. Und wie im menschlichen Organismus stets ein Organ in Verbindung mit den anderen steht, so auch im Weltenmenschen, wo ein geistiger Genuß in einem Organ dem anderen fühlend mitgeteilt wird. Im Organe dieses Ohres sind die Harmonien und ihre Gesetze so ausgebreitet und vollkommen, daß eure Art der Musik nicht den mindesten Vergleich damit aushält.

Im Gehirnkomplex mit seinen großen Zentral-Sonnenallen ist alles Licht und Weisheit. Dort sieht und versteht der geistige Bewohner den ganzen Weltenmenschen, kennt dessen Mission und kennt auch Mich als den größten Geist. Wie im menschlichen Gehirn der Phosphor, so ist dort in diesem System alles Licht, so zwar, daß Schatten zu den nicht gekannten Dingen zählen.

Im Herzen, dem Sitz des Lebens, bewegt sich alles und treibt die große Weltmaschinerie. Die schönsten und erhabensten Gefühle der Seligkeit sind dort bleibend. Alles kennt Meine Liebe und weiß, was ihre Aufgaben sind. Besonders der kleine anregende Bewegungsnerv des Weltenherzens ist auch der Ort, wo nicht ferne davon euer kleines Sonnensystem Platz hat.

Alle anderen Organe, selbst die der Ausscheidung und Zeugung, sind dort entsprechungsweise zu denselben Zwek-ken bestimmt wie ihre Funktionen im menschlichen Körper. Die Analogien der Bewohner dieser unermeßlichen Welten sind so verschiedenartig wie ihre Organe selbst; sie euch begreiflich und faßbar zu machen, wäre vergebliche Mühe. Ein unendlicher Gott kann nur Unendliches schaffen; daher verlanget keine Beschreibung von Weltengebieten und ihren Einwohnern, wo keine Beschreibung ausreichen würde, auch nur die Wunder einer kleinsten Welt zu schildern. Solche Einzelheiten können nur mit geistigen Augen erfaßt und mit Geistesgedanken gedacht werden. Solange ihr in der irdischen Hülle lebt, ist diese Verständigung nicht möglich, doch werdet ihr im Jenseits mit der gesteigerten Sehkraft des Geistes einst leichter begreifen. Es genüge euch zu wissen, daß überall, wohin eure Gedanken hinreichen würden, ihr die menschliche Gestalt als einzig allein herrschende Form feststellen könntet. Und bedenket dabei, was ihr selbst in bezug auf den Nervenkomplex des Weltherzens werden sollt: die bewegende allgemeine Triebfeder Meiner ganzen materiellen Schöpfung!

Die Funktionen des großen Weltenmenschen müßt ihr euch jedoch nicht so denken wie die eures Körpers, sondern in analogen Entsprechungen. Dort drücken ganze Sonnensysteme durch ihre Anzahl, Beschaffenheit und Stellung das aus, was ein oder das andere Organ im menschlichen Körper in bezug auf das Ganze zu vollführen hat. So ist z.B. die Milz der elektrische Feuerherd, wo das Blut nach seinem kleinen Kreislauf wieder neu belebt wird. Auch im großen Schöpfungsmenschen ist das entsprechende Sonnenall mit seinen abertausenden Sonnen und Planeten nichts anderes als der zentrale Lebensverteiler an viele andere ihm nahestehende und von ihm abhängige Welten. Diese verteilen dann wieder ihren Überschuß an Kraft und Licht durch millionenweite Lichträume an andere Sonnen und Welten. Deren magnetisch-elektrische Ausstrahlung gibt wieder einen Impuls zu tausenderlei verschiedenen Prozessen und so fort, bis alles seinen Kreislauf vollzogen hat und das Verbrauchte mittels der Ausscheidungsorgane wieder dem Äther zurückgegeben wird.

Dieses ist der Erhaltungsprozeß des großen Weltenmenschen, der durch seine schnelle Bewegung im unendlichen Raum mittels der Reibung die im Acker liegenden Lebenselemente erweckt und sie dann durch Billionen von Aufsaugungsorganen gleich den Poren der menschlichen Haut den inneren Organen übergibt. So lebenerweckend und -gebend flieht der große Schöpfungsmensch im Raume ohne Grenzen Äonen von Zeiträumen fort, bis auch er sich dereinst innerlich und äußerlich abgenützt haben wird und seinem Verfall entgegengeht. Dann wird er gleich dem menschlichen Körper aufgelöst werden in andere Elemente. Andere kosmische Produkte werden sich aus seinen Resten bilden, die zu neuen Schöpfungen hinleiten.

Die Materie, aus der er geschaffen ist, wird sich scheiden lassen müssen: das Geistige darin wird geistige, und das Materielle wird stoffliche Verbindungen eingehen. Jedes für sich wird dann von neuem einen großen Kreis der Entwicklung antreten und wird sich wieder unter der Form eines menschlichen Leibes organisieren. So geht aus dem Ende des jetzigen Weltenmenschen ein anderer hervor, der aus feineren geistigen Elementen zusammengesetzt ist und wieder ein neuer Weltenmensch sein wird. Aber im Zuge der Vergeistigung werden all seine Bewohner und lebenden Wesen stets mehr geistiger Natur sein. Was im Körper des Menschen die in ihm gebundene Seele und der Geist als Leiter des Ganzen waren, das wird im Weltenmenschen der Antrieb sein, der alles materiell Geschaffene seiner Erlösung und alles Geistige zu stets höherer Vergeistigung antreibt.

So geht es fort in unendlichen Zeiträumen, wo Millionen Jahre den kleinsten Zeitabschnitt bilden. Aus all diesem Werden, Bestehen und Vergehen entwickelt sich das in der

Materie Gebundene zu höheren geistigen Stufen. Es verfeinert sich von Potenz zu Potenz, wird reiner, geistiger, göttlicher, bis es in den ums unendliche größeren GeistWeltmenschen überzugehen vermag, wo eine neue Stufenleiter beginnt, die aufwärts führt bis zu Mir und Meinem ewigen Reiche der Himmel." —

Wer ist der Weltenmensch?

(Der HERR): "Nachdem Ich euer geistiges Auge geöffnet habe, erblicket Ihr den großen Schöpfungsmenschen als eine vollkommene Menschengestalt. Die Knie sind etwas vorgebogen, die Hände hängen untätig herab. Das Haupt mit langen Haaren ist wie das eines Trauernden vorwärts geneigt, in die bodenlosen Tiefen des Abgrundes blickend. Die Lenden sind mit einer zerrissen aussehenden Schürze dürftig bedeckt und die ganze Gestalt macht einen wehmütigen Eindruck. Dieses Bild stellt nach Meiner ewigen Ordnung abbildlich das Universum dar. In der euch gezeigten Art ist es von niemanden außer Mir in seiner wahren Wirklichkeit erschaulich.

Die ungeheure Gestalt, die alle Tiefen des endlosen Raumes auszufüllen scheint, besteht aus lauter kleinsten glitzernden Pünktchen, die wie Sandkörner dicht aufeinandergestreut erscheinen. Die Zahl dieser Schimmerpunkte ist offenbar eine unendliche oder doch eine solche, die sich kein geschaffener Geist vorzustellen vermag. In diesem Bilde des großen Weltenmenschen ist jedes dieser glitzernden Pünktchen materiell betrachtet eine ganze Hülsenglobe voll Sonnen und Welten, und doch jede nur kaum ein Nervenwärzchen seines Gesamtwesens.

Von einem äußeren Gesamtleben dieses Großmenschen ist nichts zu entdecken: es erscheint euch nur wie ein Phosphorbild, hingehaucht durch die Allmacht des Schöpfers ans unendliche Firmament. Und wenn sich dieser Mensch in seiner ganzen Größe nur als ein Leben empfindet, besteht er darum wirklich nur aus einem ungeteilten Leben allein? O nein, dieser große Weltenmensch lebt ein gar vielfaches Leben. Denn alle Hülsengloben mit ihren Zentralsonnen und untergeordneten Weltsystemen sind doch Körperteile und Organe, die für sich — ebenso wie ein jeder ihrer Bewohner

— ein abgeschlossenes Leben in sich bergen.

Wer ist nun dieser Schöpfungsmensch im Lichte des Geistes gesehen? Vernehmet alle das große Geheimnis! Jener Mensch in seiner ganzen Gestalt ist das gefestigte Seelenkleid des urgeschaffenen Geistes, den die Schrift LUZIFER, den Lichtträger nennt. Zwar ist sein Geist nach seinem Fall noch immer im Vollbesitze seines Selbstbewußtseins, aber nicht mehr im Besitze seiner Urkraft. Er ist durch die Materie gefangen und gerichtet in all seinen Teilen. Nur ein Weg steht ihm stets frei, der zu Meinem Vaterherzen. Für jeden anderen ist er so gut wie tot und vermag keinen Fuß und keine Hand nur um ein Haar breit weiter wohin zu bewegen.

Das aber, was euch wie glitzernde Sandkörnchen erschien, sind lauter Hülsengloben, in deren jeder Dezillionen mal Dezillionen von Sonnen, und dazu noch ums millionenfache mehr Planeten, Monde und Kometen eingehülst sind. Die Entfernung einer Hülsenglobe von der anderen beträgt durchschnittlich fast stets eine Million Durchmesser einer solchen Globe. Daß sie hier im Bilde dicht aneinandergereiht erscheinen, bewirkt die große Entfernung, aus der ihr die Figur betrachtet. Auch für das irdische Auge gleicht der gestirnte Himmel einer gewölbten Fläche, die mit dicht aneinandergereihten Sterngruppen besät ist, während in der Wirklichkeit oft zwei scheinbar dicht nebeneinander stehende und eigentlich hinter einander befindliche Sterne gut mehrere Trillionen Meilen gegenseitig abstehen können.

Daß aber dieser Geist nun in lauter solche feste Globen gesondert ist, das ist sein eigentliches Gericht. Sein Leben, das dadurch in beinahe endlos viele abgeschlossene Teile getrennt wurde, ist als kein ganzes, sondern als ein höchst geteiltes anzusehen. Denn nur innerhalb jeder Globe ist Leben, außerhalb ihrer aber kein anderes als das Meines ewig unwandelbaren Gotteswillens. Jede Hülsenglobe steht fest und kann ihr Standverhältnis gegen ihre Nachbargloben nicht im geringsten ändern.

Zu allerunterst in der kleinen linken Zehe des Weltenmenschen erseht ihr einen etwas rötlich glitzernden kleinen Punkt. Das ist eben jene Globe, in welcher sich naturmäßig eure Erde innerhalb ihres großen Sonnengebietes befindet. Und nur auf diesen Punkt ist nun das gesamte Geistleben jenes größten urgeschaffenen Geistes gebannt. Will er sich dort demütigen und als der verlorene Sohn wieder zu Mir zurückkehren, so soll sein einstiges Urleben wieder freigegeben werden, und der große Weltenmensch würde dann wieder von freiestem Leben durchweht sein. Will aber dieser Urgeist Meiner Schöpfung in seiner hochmütigen Widerordnung verharren, so mag er darin für ewig verbleiben, oder wenigstens so lange, bis sich die ganze Materie in ein neues Seelen-und Geisterleben wird aufgelöst haben.

Gleich wie ihr als Erdenmenschen werden noch zahllos viele Geister aus dem materiellen Weltenmenschen erlöst hervorgehen, und das so lange, bis alles in ihm Gerichtete und

Gefangene in ein freiestes Geistleben übergegangen sein wird. Wie aber könntet ihr die Zahl der Jahre ermessen, die bis zur Auflösung des gesamten Weltenmenschen vergehen wird! Die Umlaufszeit dieser Sonne um ihre Zentralsonne Sirius beträgt ungefähr 28'000 Erdjahre, was somit ein Sonnenjahr ausmacht. Für die Vielheit solcher schon verflossener Sonnenjahre kennt ihr in eurer Rechnung wohl keine Zahl. Noch weniger würde eine Zahl zu ermitteln sein dafür, wie oft sie ihren großen Kreislauf bis zu ihrer eigenen Auflösung noch zu machen hat: Äonenmal Äonen von Sonnenjahren wären da als beinahe nichts zu betrachten!

Was aber ist das Alter einer Planetarsonne gegen das einer Sonnengebiets-Zentralsonne, die endlos lange früher bestand. Was ist wieder diese Bestanddauer gegen eine SonnenallZentralsonne und deren Dauer gegen ihre nächsthöhere Zentralsonne. Und wie nahezu gar nichts die Dauer selbst dieser Sonne gegenüber jener Urzentralsonne in einer Hülsenglobe, die im Grunde die urerste Mutter aller ihrer Sonnen- und Weltenkinder ist! Wieviele Sonnengebiete sind schon aus ihr hervorgegangen, die schon längst aufgelöst wurden; und wieviele neue sind schon vor urdenklich langen Zeiten an ihre Stelle getreten und werden in fernsten Zeiten noch hervorkommen?

Aber auch diese Urzentralsonne (Urka/Regulus. D.Hg.) wird einst, nachdem alle anderen Sonnen aus ihren endlos langen Zeiträumen ihr Ende finden, aufgelöst werden. Aber noch lange nicht sobald der gesamte große Weltenmensch. Denn wie das Altern und Absterben eines Menschen allmählich vor sich geht, so ist es der gleiche Fall bei dem Schöpfungsmenschen.

Wenn einst eure Erde nach undenklich vielen Jahren wird alle ihre gefangenen Geister hergegeben haben, so wird sie dann selbst im Lichtmeere der Sonne in eine geistige umgewandelt werden. Auch die anderen lichtlosen Planeten, wie Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und noch mehrere andere, die zu eurer Sonne gehören samt den unzähligen Kometen (die späterhin auch Menschenwesen tragende Planeten werden), alle diese werden nach Äonen von Erdenjahren in der Sonne ihre Auflösung finden. So schreitet diese Auflösung von einer Sonne bis zur nächstgrößeren Mittel- und Zentralsonne durch Äonen (dezillionenmal Dezillionen) eurer kleinen Erdenjahre fort, bis endlich alles in der einzigen Urzentralsonne — deren körperliche Größe für eure Begriffe unermeßlich ist — seine Auflösung findet. Wo aber wird diese selbst aus ihrer Materie entbunden? Im Feuer Meines Willens! Aus dieser stufenweisen Auflösung werden dann alle Weltkörper geistig in ihre früheren Ordnungen und Bestimmungen zurücktreten und geistig ewig fortbestehen in all ihrer Pracht, Größe und Wundertätigkeit. Trotz solcher für euch unfaßbar langen Zeitdauer des großen Weltenmenschen wird dereinst sein materielles Dasein beendet sein. Damit wird abermals eine Schöpfungsperiode abgeschlossen, worauf in einem anderen im Raume endlos weit entlegenen Gebiete zu einer neuen Schöpfung geschritten wird."

(Aus "Gr. Evang.", "Robert Blum" und "Die zwölf Stunden")

Die Verwandlung zum geistigen Himmelsmenschen

(Während der große Weltenmensch das Wesen des materiellen Universums verkörpert, in dem die seelischen Potenzen des gefallenen Urgeistes Luzifer (Satana) im Durchgang durch alle Naturreiche eine Läuterung erfahren, — stellt der

Himmelsmensch, zuweilen auch Geistmensch genannt, das Endziel der Schöpfung dar: die Lösung alles in der Materie fixierten Geistes; die Erlösung alles Geschöpflichen, das seelisch von Luzifer abstammend, über den geistig wiedergeborenen Menschen zur Wiedervereinigung mit Gott zurückfindet.

Hier folgt zunächst wieder der zweite Teil der bezüglichen Kundgabe G. Mayerhofers, denen sich Auszüge aus den Werken Jakob Lorbers anschließen. — D.Hgb.)

(Der HERR): ... "Das Streben der in der Materie gebundenen geistigen Macht dauert so lange an, bis alles darin Gefestigte wieder entbunden ist. Wenn sich im großen Weltenmenschen die den menschlichen Organen entsprechenden Weltsysteme ausgelebt haben und alles Lebendige, für Licht und Wärme Aufnahmefähige entflohen ist, bleibt nur das gleichsam zu hartem Stein gewordene übrig. Ist dieser Zustand eingetreten, so wird durch Meinen mächtigen Willen der große Weltenmensch aufgelöst. Es geht daraus wieder — wie der Phönix nach einer alten weltlichen Sage — eine neue und schönere Geistwelt hervor, die alles enthält, was der frühere Weltenmensch besaß: all seine Organe und Funktionen, jedoch feiner und vergeistigter. Ein neues stufenweises Schaffen beginnt. Leben und Wärme strömt wieder in den neu sich lebendig bewußten Weltenmenschen ein. Es beginnt ein neuer Lebenslauf, in dem Tod und Zerstörung nicht mehr als Grundprinzip zur Unterlage einer neuen Schöpfung dienen muß. Nur ein sanfter Übergang von einer Stufe zur anderen kennzeichnet das Vorwärtsschreiten, wo das Materielle aufhört und die geistige Welt ihren Anfang genommen hat.

Dort beginnt das Leben im großen Geistesmenschen, dort bewegt sich der nunmehr vergeistigte Weltenmensch um

Meine im tiefsten Hintergründe leuchtende Zentralsonne, das Herz der ganzen geistigen Welt. Er saugt nun nicht mehr Ätherisches, sondern Geistiges an und vergeistigt so sein Inneres, das sich damit nach und nach in seiner Individualität entsprechende Organe des übergroßen geistigen Weltenmenschen umbildet. Indem dieser ebenfalls sich in den unendlich weiten Räumen fortbewegt, nimmt er aus dem ihn umgebenden feineren geistigen Äther (dem Atem Gottes. D.Hg.) seine eigenen Lebensprinzipien auf und begründet dadurch ein ewiges Fortschreiten, Verwandeln, Neuschaffen und Neubeglücken der auf solchen Welten lebenden Geister.

Im großen Geistesmenschen ist der Lebenszweck aller geschaffenen Geister, die noch Minderfähigen zu leiten; ihre Sphären zu vervollkommnen und ihre Seelen Mir näher und näher zu führen. Und siehe, als Ich die große Geisterwelt mit ihrer unermeßlichen Ausdehnung erschuf, da stellte Ich den größten Geist, geboren aus Mir wie Weisheit aus Liebe, aus Mir hinaus in die weite Schöpfung. Ich übertrug ihm alle Geisterwelten, befähigte ihn zum Wirken und Schaffen und gab ihm den Namen Luzifer oder Satana in der himmlischen Sphärensprache. Allein, seiner ungeheuren Macht sich bewußt, verblendete ihn seine Eigenliebe und er verleitete Millionen von Geisterheeren zum Abfall von Mir, dem Ursprung allen Lebens.

Und so ward dieser Urgeist aus dem ewigen Reiche des Geistmenschen, aus Meinem Himmelreiche verbannt, weil ihm die dort herrschende himmlische Ordnung der Liebe und des Friedens nicht behagte. Weit floh er hinaus in die Unendlichkeit. Damit er aber trotz seines Gegensatzes zu Mir dennoch meinen Schöpfungsplan erfüllen muß, erschuf Ich eine materielle Welt aus seinen und seiner Geister Substanzen. Ich kleidete ihn und die Seinigen in die Schulungsstätte Materie ein, damit er geläutert — wenn nicht als Ganzheit, so doch in kleine Seelenparzellen aufgelöst — wieder zu Mir zurückfinden könne. Sein Geist selbst mit dem, was ihm nach der Materialisierung seiner seelischen Kräfte verblieb, ist nun auf und in eure Erde gebannt als jenem Weltkörper, wo Ich schon vor Äonen Jahren bestimmt hatte, das große Erlösungswerk für alle Menschen und Geister selbst zu vollbringen.

Im großen geistigen Schöpfungsmenschen webt stets fort das tätige Organisieren und Schaffen. Dort leben die Geister ebenfalls in den allen Organen des materiellen Weltenmenschen entsprechenden Himmeln. Jedoch ist dort alles anders wie im ersten Schöpfungsmenschen: Was im selben in Form der Materie ausgedrückt ist, lebt und besteht dort im Geistigen. Dort ist die gröbste Materie Licht, und die feinste reiner Geist. In Meinem Geist-Schöpfungsmenschen ist Liebe und Weisheit die Hauptsubstanz, wie beim Weltenmenschen Licht und Wärme und beim irdischen Menschen Blut und Luft. Die Liebe als Licht, wie das Blut im menschlichen Körper, durchzieht die Adern des geistigen Himmelsmenschen, überall Heil, Segen und Leben verbreitend. Die Weisheit erleuchtet Meine Wunder dem forschenden Geiste. Was Meine höchsten Engel und Geister im großen Himmelsmenschen klar erschauen, das ahnen die Sonnen- und Weltenbewohner des materiellen Weltenmenschen nur und suchen die Forschenden in den geistigen Kräften der Natur.

Im Weltenmenschen sind zahllose Geister und Menschen, die der Erlösung harren. Sie alle gehen dem Verwandlungsprozeß zum Geisterreich entgegen. Im geistigen Himmelsmenschen aber, jenseits der Grenzsteine des Todes, ist Seligkeit und ewiger Austausch alles Geschaffenen. Dort herrscht nur Liebe mit Weisheit gepaart, und dort erleben die vollendeten Geister als Gotteskinder erst jenes Wonneleben, das allen bereitet ist, die nach den Lehren der ewigen Schöpfungsordnung leben und tätig sind. — (Aus "Schöpfungsgeheimnisse")

(Der HERR) Was soll es mit dem materiellen Nährboden, wenn sich alles intelligente Leben einmal aus ihm freigemacht hat? Soll es als gewisserart ausgebrannte Schlacke, aller weiteren Bestimmung bar, etwa wie völlig tot im unendlichen Raume kreisen? Oder könnte es in den Sphären der lebenden und vollendeten Geister etwas sein? Um aber von einer Bestimmung zu reden, muß man doch von einer geistig ewigdauernden reden, da es eine materiell-ewige Bestimmung nimmer irgendwo geben kann. Jede Materie als ein räumlich und zeitlich für sich abgeschlossen Begrenztes ist vergänglich. Hat sie ihrer Bestimmung in einer Entwicklungsperiode entsprochen und hat einem höheren Lebenszweck gedient, und ist dabei als brauchbares Gefäß morsch und löcherig geworden — was sollte dann aus diesem Bimsstein noch weiter werden?

Was aber mit der materiellen Erde einst geschieht, das wird selbst einer Urzentralsonne widerfahren: alle materiellen Weltkörper werden aufgelöst, und aus ihnen werden umgebildet geistige Weltkörper zur Bewohnung freiester seliger Geistwesen. Solche Weltkörper werden jedoch dann nicht auswendig, sondern viel mehr inwendig bewohnt sein in allen, den früheren organisch-materiellen Formen entsprechenden inneren Lebenstempeln. Da werden die Menschen als vollendete Geister erst die innere Beschaffenheit der sie einst tragenden Welten vollkommen kennen lernen und in großer Freude ihre überaus kunstvolle Einrichtung der kleinsten wie größten Organe bewundern.

Natürlich dürft ihr euch die Auflösung des großen Weltenmenschen und seine Wandlung zum geistigen Himmelsmenschen nicht so vorstellen, als würde dies schon in naher Zukunft vor sich gehen. So ihr für jedes Sandkörnlein, soviele die Erde faßt, ein Erdenjahr nähme; so reichte das kaum für den Zeitraum des materiellen Erdbestandes aus. Nicht zu reden von dem unmeßbar längeren Bestande aller Sonnen von eurer Planetarsonne bis zur Ursonne einer Hülsenglobe, die stets noch ganze Heere von Weltkörpern ausgebären. Aber trotz ihrer äonenlangen Weltdauer wird dereinst auch ihre Zeit ablaufen und damit abermals eine Schöpfungsperiode abgeschlossen sein.

Groß ist alles, was ihr nun vernommen und geschaut habt, nur für die noch jungen Bewohner Meines ewigen Reiches. Werden sie aber einmal mit ihrem innersten Leben, das da ist Meine Liebe in ihnen, vertrauter, dann wird ihnen alles, das der gerichteten Materie angehört, ganz klein erscheinen. Das Kleinste aber, das in sich Gottes Kraft und Leben birgt, ist größer als eine ganze tote Unendlichkeit. Und so schauet denn den großen Himmelsmenschen der zweiten Schöpfung!

Ihr seht ihn als einen endlos großen Menschen, von sanftestem, lieblich strahlendem Lichte umflossen. Aus der Gegend des Herzens dringt ein mächtiges Licht hervor, das im Auge ein überaus beseligendes Gefühl hervorruft. Unter dem linken Fuße dieses Himmelsmenschen ist in einer halb liegenden Stellung eine ganz kleine Menschengestalt zu ersehen, die von einem mattrötlichen Schimmer umgeben ist.

Da habt ihr die erste und die zweite Schöpfung in einem Bilde, denn die kleine Gestalt unter dem Fuße stellt den euch bekannten großen Weltenmenschen dar. Der große Lichtmensch aber ist die neue geistige Schöpfung: ein neuer Himmel und eine neue Erde, die sich nicht mehr in der kleinsten Fußzehe befindet, wie dies beim materiellen Schöpfungsmenschen noch der Fall ist, sondern im Herzzentrum dieser neuen Schöpfung. Das mächtige Licht aus der Gegend des Herzens entstammt der neuen Erde, die ein ewiges Wohnhaus Meiner Liebe und all Meiner Kinder bleiben wird.

Wenn ihr diesen übergroßen Geistmenschen voll hellsten Lichtes genauer betrachtet, werdet ihr leicht entdecken, daß auch er aus zahllos vielen herrlichsten Sternen besteht, sein Gewand sowohl als sein ganzer Leib. Von diesen Sternen ist jeder einzelne um unberechenbar vieles größer als der ganze früher gezeigte Weltenmensch mit all seinen Hülsengloben, in denen doch überall Aberdezillionen Sonnen und Welten kreisen. Denn diese Sterne sind Vereine seligster Geistmenschen, deren jeder kleinste tausendfach größer und mächtiger ist als jener erste Mensch, dessen Bild ihr hier im richtigen Verhältnis zu diesem zweiten Himmelsmenschen unter seiner Fußzehe gleich einem gekrümmten Würmchen erseht. Er ist gegen die wirkliche Größe dieses zweiten Menschen kaum das, was da ist ein Sandkorn gegen die Größe des ganzen Hülsenglobenmenschen. Dieser zweite, geistige Himmelsmensch aber stellt im Grunde des Grundes Mich Selbst in Meiner schöpferischen Wirkung dar.

Ihr seht ferner, daß auch die Form dieses Himmelsmenschen notwendig eine Begrenzung haben muß, ansonsten ihr daraus keinen Menschen erschauen könntet. Was aber erseht ihr über diese Form hinaus, die in all ihren Teilen pures Leben ist? Ihr seht Licht und Licht, soweit euer geistiges Auge reicht! Das ist alles Mein Geist, Meine Macht, Meine Liebe! In dieser werden noch zahllose Myriaden solcher Großmenschen geräumigsten Platz finden, denn Mein unendlicher Geist kann nur Unendliches schaffen.

Und wieder zeigt das Bild einen vollendeten Menschengeist in Meinem neuen Reiche und ist hier in einem rechten Verhältnis zum ersten Schöpfungsmenschen dargestellt. Es zeigt das vollkommene Maß eines Menschen (Ebenbildlichkeit zu Gott! D.Hg.), das unendlich erhabener ist als das ganze euch früher gezeigte Universum in Gestalt des verlorenen Sohnes. Denn nicht als Ganzer wird der gefallene Geist Luzifer wieder zurückkehren. Wäre solches möglich gewesen, es hätte niemals eine materielle Schöpfung stattgefunden. In einem jeden einzelnen Menschen, der im Geiste wiedergeboren wird durch das Wort und die Erlösung, kehrt dieser Verlorene zurück ins ewige Vaterhaus. Wahrlich, jeder Menschengeist, der mit Mir eins geworden ist, ist unendlichmal mehr, als der Urgeist Luzifer es jemals war in seiner euch unbegreiflichen Größe!

Kein erschaffener Geist erfaßt die Ganzheit des Himmelsmenschen, gegen dessen Größe sich der erste Schöpfungsmensch so verhält wie der trillionste Teil eines Atoms gegen den ganzen großen Weltenmenschen. Das himmlische All ist so unendlich, daß all die zahllosen Milliarden Hülsengloben des ersten Schöpfungsmenschen im Rohr eines Härchens des himmlischen Geistmenschen genügend Raum hätten, um sich dort frei zu bewegen. Wieviele Einzelleben muß dann dieser Mensch schon in den kleinsten Teilen seiner Organe haben, wieviel erst in seinem Herzen und wieviel in seinem ganzen Leibeswesen! Und dennoch denkt dieser Himmelsmensch nur wie ein für sich allein bestehender Mensch, während doch in ihm Abermilliarden der vollkommensten Engel und Geister abgeschlossen für sich leben und denken wie der ganze Großmensch. In ihm gibt es noch andere Verhältnisse, wonach völlig gleichdenkende und gleichliebende Wesen gewisserart einen Verein bilden, der für sich genommen wieder einen vollkommenen Menschen bildet. Auch dieser kann ebenso für sich denken und fühlen, als wäre er nicht nur ein Teilorgan des großen Himmelsmenschen, sondern ein einzeln für sich dastehender Mensch.

Ja, Ich sage euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere solche Himmel, und jeder ist für sich ein vollkommener Mensch. All diese Himmel bilden zusammengenommen einen Menschen von solcher Unendlichkeit, daß er von niemand gedacht und empfunden werden kann denn allein von Mir. Denn im Grunde ist er Mein Leib selbst, oder Gott in Seiner Unendlichkeit, der da Sein Selbst und Seine All-Einheit auf das allerklarste denkt und fühlt."

(Aus "Gr. Evang.", "Robert Blum" und "Die zwölf Stunden")

Welch ein neues, alles irdische Denken überwältigendes Bild, das diese geistige Schau des Kosmos offenbart! Es wiederholt gebieterisch die alte Forderung Christi an die Menschheit: Metanoite! Lernet umdenken! Oder besser noch: Lernet über den erdverhafteten Verstand hinaus euch mit den Schwingen des Geistes zum Reiche des Ewigen zu erheben! Ein Befreiungsakt, der den Menschen aus der Enge seines stoffgebundenen Wissens in die unendlichen Weiten des göttlichen Schöpfungsgeistes führt, dessen Gestaltungen voll der Herrlichkeiten und Wunder sind.

Wo Astronomie und Physik nur die Leere des toten Weltraums verkünden und sich die Mathematik in blutleeren, abstrakten Definitionen ergeht, da enthüllt sich dem inneren Auge das Universum als ein geistiges Schöpfungsgebilde, dessen Raum bis in die fernsten Fernen kraftdurchpulstes Leben atmet. Ein Kosmorama, dessen Erhabenheit wieder nur das Ewigkeitsbewußtsein im Menschen nachzuempfinden vermag.

Gewiß erwecken schon die Zeit- und Raumdimensionen, die uns die Astronomie mit ihrem Einheitsmaß der Lichtjahre vermittelt, in jedem aufgeschlossenen Sternenfreunde Andacht und Ehrfurcht vor der Größe des Alls und der Harmonie seiner Gestirnbahnen. Auch bringen sie dem Leser die entsprechenden Angaben Jakob Lorbers näher, deren viele damit eine wissenschaftliche Untermauerung erfahren. Aber — trotz ihrer in das Reich des Unmeßbaren greifenden Zahlen stellen sie kaum ein Etwas dar im Blickfelde der geistigen Schau. Wie kann das Unendliche mit endlichen Mitteln begriffen werden?

Vor Gott bildet das Atom wie die Urzentralsonne, das Kleinste wie das Größte eine unteilbare Einheit. Vor Gott sind nicht nur tausend Jahre — wie die Bibel symbolisch lehrt —, sondern Billionen von Lichtjahren nur ein Schöpfungstag, und dieser wieder ein Augenblick der Ewigkeit. Und der große Weltenmensch ist Ihm nur ein Punkt in Gedankenraume Seiner Schöpfungsgebilde. Warum aber wirkt jenes geoffenbarte Weltbild des Geistes mit seinen unfaßbaren Dimensionen nicht vernichtend auf den Menschen, der sich damit doch seiner Verlorenheit inmitten von Weltsystemen ohne Zahl und Grenzen bewußt werden müßte?

Die Antwort liegt im großen Geheimnis des Schöpfungsmenschen selbst, dessen Enthüllung auch den Mikrokosmos Mensch mit einbezieht, ja ihn sogar zum Zentralpunkt des ganzen Schöpfungsplanes macht. Diese geistige Schau des Kosmos wirft erst ein erhellendes Licht auf das dunkle Bibelwort der Genesis, wonach der Mensch nach dem Bilde Gottes erschaffen und zur Krone der Schöpfung ausersehen sei. Und so gibt die gewaltige Lehre vom großen Weltenmenschen und seinem Vollendungsweg durch die Äonen auch unserem vergänglichen Erdenleben erst Sinn und Zielrichtung. Denn es läßt die ganze Größe ahnen, die im Menschen, dieser Liebes-Schöpfungsidee Gottes keimhaft verborgen ruht und sich dereinst in der Glorie seiner Vollendung offenbaren wird.

Noch steht die Erdenmenschheit am Beginn ihrer geistigen Entwicklung, der nur wenige Pioniere vorauseilten. Von Zeitalter zu Zeitalter ändern sich die Werte der Kulturen. Das nunmehr ausklingende Fisch-Zeitalter, an dessen Beginn die Geburt der christlichen Religion stand, brachte noch nicht die

Erfüllung ihres tiefsten Wesenskerns, des Gedankens der Erlösung. Nur der Intellekt entwickelte sich bis zu einem Grade, der ahnen läßt, was der wahre Geist vermag, dessen Abglanz der Intellekt nur schwach widerspiegelt und damit dennoch Leistungen vollbringt, die in Wissenschaft und Technik bereits Höhepunkte darstellen. Aber der Mensch ließ dabei die eigentliche Kraft des Geistes, sein Herz- und Gemütsdenken mehr und mehr verkümmern. So vermag er auch das Geistige im Kosmos nicht mehr zu erkennen. Die Prophetie der Offenbarung Johannis kündete diesen Zustand an mit dem Bilde: "Und der Himmel wich zurück wie eine zusammengefaltete Buchrolle."

So wichen auch die einstigen Gesichte vom inneren Kosmos astro-physikalischen Theorien, die uns statt der lebendigen Schau des Großen Weltenmenschen nur atomexplodierende Sonnen, eisige Weltraumkälte und ein auseinanderfliehendes Universum als letztes Ergebnis menschlicher Forschung einbrachten. Wie anders aber lautet die Stimme des Heiligen Geistes, wenn er als das Innere Wort im Menschen erwacht und zu reden beginnt!

Uralte Geistesschau lehrt, daß die Menschheit im nunmehr anbrechenden Zeitalter des Wassermann dank eines neuen göttlichen Geistimpulses die verlorenen und verschütteten inneren Gemütskräfte wiedererobern wird. Bereichert um die erworbenen Kräfte des Intellekts, wird sie zu einem "Herzensdenken" gelangen, das den "Himmel" (den göttlichen Geist im Menschen) mit der "Erde" (seinem Verstandesdenken) wiederverbinden wird. Glauben und Wissen, Religion und Wissenschaft werden aufs neue die priesterlich-königliche Einheit bilden, die das Signum der geistigen Welten ist.

Die großen kosmischen Offenbarungen eines Jakob Lorber nehmen dieses neue Erwachen schon heute vorweg. Was im vorliegenden Bande davon skizziert werden konnte, bildet nur einen Bruchteil aus dem gesamten Geistesgut des begnadeten Sehers, in dessen Schriften sich Wahrheit und Wirklichkeit die Hände reichen. Möge das hier Vermittelte den Leser anregen, nach den weiteren Schätzen zu greifen und durch die Fülle neuer Erkenntnisse sein Weltbild des Geistes zu weiten und zu vertiefen.

Der Herausgeber.

Licht und Ton - geistige Elemente

Vorwort

Wenn im Band 2/3 dieser Buchreihe ("Der Kosmos in geistiger Schau") das große Schöpfungsthema "Licht" nur kurz gestreift werden konnte, so will nun die nachfolgende Schrift dieses Thema näher beleuchten und seine hohe Bedeutung in der Symphonie des Lebens dem Leser vor Augen führen. Daß in diesem Bande auch die Welt des Tons zu Wort kommt, geht folgerichtig daraus hervor, daß beide Erscheinungsformen des Äthers sind; aber auch darum, weil Sehen und Hören jene überragenden Sinneseindrücke darstellen, auf denen sich das Weltbild des Erdenmenschen aufbaut.

Licht und Ton sind die beiden Kräfte, ohne die sich uns die Welt und ihr darin waltendes Leben nicht offenbaren könnte. In den überaus kunstvollen Organen des Gesichtes und Gehörs formte der Geist die materiellen Mittel, um auf dem Wege der sinnlichen Wahrnehmung Dinge zu erfassen, die letzten Endes reingeistiger Natur sind. Um zu dem Urquell alles Geschehens zu gelangen, muß der Mensch mehr tun, als sich nur mit der Feststellung äußerer Tatsachen begnügen. Er muß sich mit geistigen Organen an das innere Wesen der Schöpfung herantasten und den Wahrnehmungen seiner Umwelt einen metaphysischen Sinn abgewinnen. Aus dem bloßen Sehen muß ein Schauen, aus dem Hören ein Horchen erwachsen. Dann wird der Mensch erst transparent für geistiges Licht, und die Stimme der Stille wird als das innere Wort zu ihm sprechen und ihm künden von der Liebeweisheit eines Schöpfungsplans, in dessen Zentrum ihn Gott selbst gestellt hat.

Noch steht die Menschheit erst am Beginn einer Entwicklung, die zur Entfaltung ihrer latenten göttlichen Kräfte führen wird. Bisher vermochte sie zwar die Verstandeskräfte in erstaunlichem Maße hochzuzüchten, nicht aber die höhere Gabe der Intuition und Inspiration zu erwecken. Ohne die Erleuchtung durch den "heiligen Geist" aber bleibt der Intellekt wie ein blinder Spiegel, der auch bei hellstem Lichte nichts wiederzugeben vermag. So sind auch — aus dem Blickfelde des Geistes gesehen — alle Findungen der materialistischen Naturwissenschaft über das Licht nichts anderes als bloße Theorien, die am Kern der Sache vorbeigehen und sich in Vermutungen erschöpfen. Es ist bezeichnend, daß gerade über das Lichtproblem nicht weniger als drei Haupttheorien einander gegenüber stehen, von denen eine jede jeweils nur einen Teil der exakten Experimentalergebnisse zu begründen vermag, während sie bei anderen Tatsachen versagen.

Die Physik weiß nur zu lehren, daß das Licht reine "Energieform" darstellt und die Ursache der Sichtbarkeit der Körper sei. Über das Wesen des Lichtes wurden bisher folgende Theorien aufgestellt:

a) nach der Emissionstheorie von Newton besteht das Licht aus einem feinsten Stoff, der in winzigen Teilchen (Korpuskeln) von der Lichtquelle ausgeschleudert wird;

b) die Wellentheorie von Huygens lehrt, daß das Licht eine transversale Wellenbewegung (Undulation) eines den ganzen Raum erfüllenden hypothetischen Lichtäthers ist;

c) die elektromagnetische Lichttheorie Maxwells (heute am meisten anerkannt) besagt, daß das Licht durch außerordentlich raschen Wechsel der Größe und Richtung eines elektrischen und magnetischen Feldes im Raume entsteht.

In neuerer Zeit hat es sich gezeigt, daß das Licht (angeblich!) eine merkwürdige Doppelnatur besitze, indem es sich bei bestimmten Erscheinungen wie ein Wellenvorgang verhält, bei anderen hingegen wie ein Strom bewegter, sehr kleiner Teilchen, der sogenannten Lichtquanten. —

In kritischer Weise nimmt zu diesen Widersprüchen Stellung eine Schrift des Naturwissenschaftlers Dr. Wilhelm Martin: "Durch Grundlagenforschung zu neuen Erkenntnissen über das Wesen des Lichtes und zu einer vollkommenen Lösung des Lichtproblem" (Turm-Verlag, Bietigheim/Württemberg) Der Verfasser, der aus geistigen Gründen die richtige Auffassung von der wahren Substanz des Äthers vertritt, gelangte zu folgenden Ergebnissen:

"Das Photon (Lichtkörperchen) ist eine selbständig laufende Mikro-Weltraumrakete, die ihre Laufenergie im Frequenzrhythmus dem Ätherfeld entnimmt." — Diese neue Erkenntnis bringt für alle Lichttatsachen voll verständliche Erklärungen, ohne daß man die wirklichkeitsfremde Annahme eines Übergangs von Korpuskel in Welle zu machen braucht. Ihre Beweiskraft liegt auch darin begründet, daß sie eine Fülle weiterer Erkenntnisse für die Nachbargebiete erschließt, so z.B. auch das Geheimnis des elektrischen Stroms entschleiert. Die neuen Erklärungen sind einfach und übersichtlich und bedeuten für Naturforscher und Studierende eine Fundgrube von neuem Wissen, das zum Ausgangspunkt geistiger Betrachtungen dienen kann.

Was nun Dr. Martin naturwissenschaftlich exakt erarbeitet hat, findet eine Bestätigung und vertiefte Begründung in den grandiosen Neuoffenbarungswerken, die Jakob Lorber durch das innere Wort vermittelt erhielt. Um aber die Größe seiner Schilderungen richtig zu werten, müßte man zuvor den Menschen zurufen: Werfet alle eure materiellen Begriffe von toten Naturkräften und unbeseelten Schöpfungsgebilden weit von euch und schließet euch auf, dem Weltbild des Geistes zu folgen, das in überzeugender Weise einen Einblick gibt in das innere Walten der Natur, wo selbst das kleinste Atom von ewig unzerstörbarem Leben Kunde gibt!

Und so ist auch das Licht nichts anderes als die sinnfälligste Offenbarung vom tätigen Wirken der Äthergeister, die den unendlichen Raum des Weltalls erfüllen und nach dem Willen des Schöpfers die Kontinuität des Lebens im gesamten Universum aufrechterhalten. In ihrem Zusammen- oder Gegeneinanderwirken mit den naturgeistigen Wesenheiten aller Sonnen, Erden und sonstiger Weltkörper schaffen sie die Formen aller Lebensgebilde. Das Licht aber, als Äußerung ihrer Tätigkeit, ist der geistesschnelle Vermittler, der als anregender Faktor überall dort neues Leben erweckt, wo sich die göttlichen Ideen zu gestalten und zu verkörpern trachten.

Das irdisch sichtbare Naturlicht ist nur ein Widerschein, ein Abglanz und Gleichnis für das dahinter waltende geistige Licht, das von Gott seinen ewigen Ausgang nimmt. Immer wieder kommt das Lorberwerk auf diese Ur-sache alles Seins zurück, aus der allein alle realen Tat-sachen der Schöpfung deutbar sind. Jeden, der geistig zu sehen und zu hören versteht, mag wohl dabei das Urwort der biblischen Schöpfungsgeschichte, der Genesis des Mose zu tiefem Nachsinnen anregen: "Und Gott sprach: Es werde Licht! (Jehi our!) Und es ward Licht" ... Wie fest ist doch dieses Wort UR in unserer Muttersprache verankert, wo es stets auf einen tiefsten Grund und ersten Anbeginn hinweist, der allem Folgenden voranging.

Es ist das Geistfeuer Gottes, das das Licht emaniert als die große Offenbarung Seiner Werke. So ist Feuer und Licht wesenseins, und es ist eines der Geheimnisse ursprachlicher Schau, daß das Wort "Phe" Offenbarung und Feuer zugleich bedeutete. In letzterem Sinne bewahren es noch viele alte und neue Sprachen. So z.B. chinesisch "fo", griechisch "phos", französisch "feu" und deutsch "Feuer": das "feu" mit dem Erregungslaut "R" verbunden.

Und wieder ist es nicht von ungefähr, wenn sich im Altgriechischen für den Begriff "Laut, Stimme" das Wort "phon" vorfindet, das mit dem "phos" (Feuerlicht) ebenso wesensverwandt ist wie das Licht mit dem Tone selbst. Beide sind Offenbarungen des Lebens im Äther — ein Bewegungsvorgang, hervorgerufen durch die Vibrationen seiner geistigen Potenzen. Für unsere irdischen Sinne sind Licht und Ton nur durch ihre verschiedenen Schwingungszustände als ein Unterscheidbares wahrnehmbar. Aber schon in den feinstofflichen Sphären bilden beide Erscheinungsformen nach übereinstimmenden Berichten aller echten Seher ein Phänomen, das wie eine Einheit wirkt. Auch auf Erden gibt es Menschen, die Farben gleichzeitig als Töne, und Töne als Farbnuancen zu empfinden vermögen. Dies ist auch der wahre Grund, warum unsere musikalische Tonleiter "chromatisch" (von griech. chromos = Farbe) benannt wurde.

In den Darstellungen Lorbers über die Welt des Tons finden wir eine geistige Begründung dieses merkwürdigen Umstandes. Denn Farben entstehen durch verschiedene Reflexe des

Lichtes, das von Formgebilden zurückgestrahlt wird, und Töne erzeugen durch die Schwingungen ihrer Klangkörper gleichfalls Formen ätherischer Art. Man erinnere sich dabei an die von der Physik nachgewiesenen Tonformen, die sich als die sogenannten "Chladny'schen Klangfiguren" bilden, wenn man eine dünne Metallplatte mit Kolophoniumstaub bestreut und sodann mit einem Geigenbogen anstreicht. Was hier in der zähen Grobmaterie nur unvollkommen erscheinen kann, ist eine schwache Andeutung jenes wundervoll geometrischen Formenreichtums, der in der feinstofflichen Äthersubstanz durch Tonschwingungen — als ein Erzittern der eingeschlossenen Naturgeister — hervorgebracht wird.

Dieser Wille zur Formbildung, angeregt durch die Frequenzen von Licht und Ton, ist somit reingeistiger Natur und ist das Werk der in Materie eingehülsten Intelligenzen. Denn es gibt keine Form, d.h. kein Körpergebilde, das nicht Träger eines ihm innewohnenden Geistesfunkens wäre. Je komplizierter die Form, umso mehr dürfen wir auf das Zusammenwirken ganzer Geisterverbände schließen. Diese sind es, die ihrem zeitlichen Wohnhaus in allen drei Naturreichen — Mineral, Pflanze, Tier, aber auch im Menschenkörper, der alle drei Reiche in sich trägt — die ihm jeweils eigentümlichen physikalischen und chemischen Eigenschaften und Reaktionen verleihen. Darum sprach schon Paracelsus, der große Seherarzt des Mittelalters, vom "Elementarleib" des Menschen, und bei Lorber finden sich ebenfalls zahlreiche Erläuterungen zu diesem Thema.

So wäre der Mensch nicht der Aufnahme des Lichtes fähig, würde sein Auge nicht aus lichtverwandten Geistsubstanzen gebildet sein. Und er wäre nicht stimmbegabt, d.h. des Ausdrucks höchst komplizierter Tongebilde fähig, würde ihn nicht die geistige Organisation seines gesamten Sprechapparats dazu tauglich machen. Nimmt der Mensch mit dem Sehorgan Gegenstände "in sich auf", so setzt er sich dadurch auch mit dem inneren Wesen dieser Dinge in Verbindung, freilich ohne daß es heute noch seinem tagwachen Denken zum Bewußtsein kommt. Und ist nicht der Ton der Sprache das, "was die Musik macht"? Was eine innere Verbindung zum Mitmenschen herstellt und durch die modulierten Tonschwingungen seiner Worte die feinsten Seelenregungen zu übertragen vermag? So bilden Sprache und Musik den offenkundigen Beweis dafür, daß ihre Wurzeln tief in einer Geisteswelt ruhen, deren Wesen dem modernen Menschen so fremd geworden ist, daß er ihr Wirken in sich nicht mehr zu deuten imstande ist. Aber alles Verschüttete ist wieder freizulegen, alles Schlummernde wieder zu erwecken, vollzieht der Erdenmensch die große "Metanoia", die Hinwendung zum "Über-Ich", dem göttlichen Erbteil in seiner Menschenbrust ...

Wenn die Naturwissenschaft unserer Tage schon im kleinsten Baustein der Materie, im Atom eine ungeheure Bewegung als regste Energie pulsierenden Lebens feststellen konnte, so müßte jedem aufgeschlossenen Forscher eines nicht mehr schwerfallen: den nächsten Schritt zu tun und eine Brücke von seinem Denken zu jener Geisteswelt zu schlagen, von der die folgenden Ausführungen ein so beredtes Zeugnis ablegen. Nicht eine Zertrümmerung wissenschaftlicher Erkenntnisse wird die Frucht sein, sondern eine Durchgeistigung des gewonnenen Forschungsgutes und damit eine unermeßliche Bereicherung all derer, die sich dem Lichte des Geistes zu öffnen bereit sind. Möge daher auch dieses Bändchen nicht nur das Weltbild solcher Leser festigen, deren innere Einstellung sich schon lange dem verborgenen Wesen der Dinge zuneigt. Möge es auch andere Sucher der Wahrheit auf den einzigen Weg führen, der sie den Grundton empfinden läßt, der allein dem Menschenleben Harmonie und Frieden zu verleihen vermag!

Der Herausgeber.

Mit dem Thema "Licht" ist auch die spezielle Frage nach Ursprung und Entstehung des Sonnenlichtes als unserer Hauptlichtquelle verbunden. Die diesbezüglichen Darstellungen Lorbers sind hier nur auszugsweise wiedergegeben, da sie bereits in Bd. 2/3 dieser Buchreihe Aufnahme fanden. Ebenso sei zur Theorie des Sehprozesses auf Band 1 der Weltbildreihe verwiesen. Die nachstehenden Ausführungen sind im wesentlichen dem "Großen Evangelium Johannes", den Lorberschriften "Die natürliche Sonne" und "Die Fliege", sowie G. Mayerhofers "Schöpfungsgeheimnissen" entnommen. D.Hg.

Einleitung

"Alles, was immer ihr materiell erblickt und betrachtet, ist im Grunde Reingeistiges. Nur könnt ihr dieses nicht schauen, weil ihr noch nicht in der geistigen Polarität steht. Werdet ihr euch jedoch einmal darin befinden, dann wird sogleich die entgegengesetzte Erscheinung eintreten: Ihr werdet sodann nur Geistiges schauen. Alles Materielle aber werdet ihr euch so hinzudenken müssen, wie jetzt das Geistige zur Materie. Wundert euch darum nicht, wenn ihr im Verlaufe dieser Mitteilungen hie und da auf Punkte trefft, die euch noch nicht allzu klar erscheinen. Dazu müßt ihr erst ganz aus der Materie in den Geist übertreten. Dann werdet ihr erkennen: Das Geistige eines Dinges ist die Wahrheit!

Der reine Geist als Stoff und Element ist ein Feuer und ein Licht, oder in sich Liebe und Weisheit. Doch sollt ihr euch darunter kein materielles Feuer und keine sinnliche Liebe vorstellen, also auch kein Licht wie etwa das der natürlichen Sonne, obwohl zwischen beiden eine Entsprechung (Analo-

gie) besteht. Das Feuer des Geistes ist pures Leben und das Licht des Geistes ist seine Weisheit." (Gr. Ev. Joh.)

Ursprung des Lichtes

Der Mittelpunkt jeder Hülsenglobe (ein Universum aus zahllosen Milchstraßensystemen) ist eine endlos große Urzentralsonne, die allein selbstleuchtend ist. Sie wird auf ihren unmeßbaren Flächen immerwährend von intensivst leuchtenden Feuerflammen umgeben, die von der regen Tätigkeit der Urgeister herrühren, welche von hier ausgehen und wieder dahin zurückkehren. Dennoch besitzt jede einzelne Sonne aus dem Bereiche der ihr innewohnenden Geistwesen ein Eigenlicht, jedoch bei weitem nicht von jener Stärke, wie ihr das Licht der Sonne erblickt. Auf jedem Sonnenkörper gibt es eine Menge von Vulkanen, welche durch ihre Tätigkeit die Luftatmosphäre zur Aufnahme des Lichtes von Milliarden anderer Sonnen stets fähig erhalten. Der strahlende Lichtglanz der Sonne, wie sie von den Planeten aus erscheint, ist nichts anderes als zuerst eine Aufnahme aller Strahlen ebendieser Sonnenwelten, die sich auf der weitgedehnten Sonnenoberfläche jede für sich abspiegeln.

Da zuvor vom Eigenlicht einer Hauptzentralsonne als einem Flammenlicht gesprochen wurde, soll hier der Grund des Leuchtens überhaupt kurz erläutert werden. Wird eine geistige Kraft, verborgen unter ihrer Einhüllung (Körperform) durch Stoß, Druck oder andere Umstände angeregt, so gerät sie dadurch außer ihre festgesetzte Ordnung. Sie sucht sodann ihre frühere Lage wiederherzustellen, oder wenn sie zu sehr erregt wurde, ihr ganzes Organ zu zerreißen, um sich von ihrer Hülle zu befreien. Und eben diese Vibrationen der geistigen Kräfte innerhalb der sie umschließenden Hüllen geben sich dem Auge als mehr oder weniger intensives Leuchten kund.

Wenn nun das Volumen einer Urzentralsonne für eure Begriffe unfaßbar ist, wird da nicht auch das Gewicht ihrer Materie einen unbegreiflich schweren Druck gegen ihren Mittelpunkt ausüben? Aus diesem Grunde ist die Zentralsonne überfüllt von den größten feuerspeienden Vulkanen, von denen der kleinste einen Durchmesser besitzt, daß in seinem Krater mehr als dreißigtausend Millionen eurer Sonne Platz hätten. Denkt euch somit die ganze ungeheure Hauptsonne mit den allerstärksten Lichtflammen überzogen und urteilet danach, wie weit wohl ihre Strahlen als Ausflug freigewordener Geister reichen mögen. Daraus könnt ihr ersehen, wie eine solche Sonne gar wohl ein allgemeiner Leuchter für den ganzen Sonnenweltenbereich einer Hülsenglobe sein kann. Und daraus geht auch hervor, auf welche Weise eine jede kleine Planetarsonne samt ihren Planeten von sich aus ein zusätzliches Eigenlicht entwickeln kann (durch geistige Vibrationen. D.Hg.), dessen Eigenart und Stärke sich allzeit nach der Größe des Weltkörpers und seiner Schwerkraft richtet.

(Umdrehung und Umlauf der Sonne erregen durch Reibung auch die geistigen Potenzen des Äthers, deren Entflammung sich gleichfalls in der reinsten Sonnenatmosphäre widerspiegelt:)

Das, was ihr als Sonnenlicht erblickt, ist das Erstrahlen ihrer atmosphärischen Oberfläche, das auch durch den Umschwung der Sonne um ihre eigene Achse, wie durch ihre schnelle Bewegung um eine weitentfernte Mittelsonne (Sirius) bewirkt wird. Dieser Lichtglanz ist daher in einem sehr erhöhten Maße dasselbe, was das Leuchten des Blitzes darstellt, wobei jedoch auf der Luftoberfläche der Sonne die Entwicklung solcher Blitze millionenfach stärker und ununterbrochen vor sich geht ...

Das Licht, wie es im Raume und in der Zeit in Erscheinung tritt, darf weder als etwas ganz Materielles, noch als etwas nur Reingeistiges betrachtet werden. In seiner beiderseitigen Verbindung ist es als eine Polarität anzusehen, wobei der geistige Teil den positiven und der stoffliche Teil den negativen Pol bildet. Diese Polarität (Gegensätzlichkeit) ist so gestellt, daß das Innere den positiven und das Äußere den negativen Pol ausmacht. Wie aber treten ihre aufeinanderwirkenden Kräfte als Licht in Erscheinung? Wer mit einem gehärteten Eisen über einen Feuerstein streicht, wird der Stelle sogleich eine Menge sprühender Funken entfahren sehen. Diese Funken waren Licht aus dem Eisen, von welchem kleine Teile abgeritzt wurden und sich dadurch entzündeten, da die in den Poren des Eisens eingeschlossenen kleinen Luftteilchen dem Druck nicht ausweichen konnten. Warum aber entzündet sich gepreßte Luft und was ist das Wesen des Leuchtens bei diesem Akte? Die Luft ist der materielle Leib der in ihr eingeschlossenen Naturgeister. Die Physiker würden es zwar lieber hören, wenn hier statt von Geistern von Naturkräften gesprochen würde. Wer aber auf den Grund gehen will, nimmt statt der Eigenschaft das damit behaftete Wesen selbst, und das ist stets der Geist oder in der Vielzahl die Geister.

Da der Geist, wie oben erwähnt, eine positiv-polare Kraft ist, strebt er stetig nach vollster Freiheit. In gebundenem, d.h. von einer Materieform umschlossenen Zustand verhält sich ein Geist nur so lange ruhig, als er von der ihn umgebenden negativ polaren Hülse keine ungewöhnliche Beeinträchtigung erfährt. Erleidet er jedoch von außen her irgendeine Beengung (Druck), so wird der eingehülste Geist sofort aus seiner gewohnten Beschränkung erweckt. Er gibt dann sein Dasein durch ausgedehnte Bewegungen (Vibrationen) kund, was sich durch das bekannte Leuchten eines Objektes zu erkennen gibt.

Ein Beispiel aus der seelischen Sphäre für den Grund des Leuchtens soll die Sache anschaulicher machen: Wenn ein Mensch voller Hochmut und Stolz einen derben, ihn demütigenden Stoß erhält, wird er sofort über die Maßen in Zorn geraten. Er bebt am ganzen Leibe und seine Augen werden glühend, als wäre hinter ihnen ein Feuerherd. Auch vermag ein solches Grimmfieber oft zahllose andere Menschen mitzureißen, wofür Kriege und Revolutionen klares Zeugnis geben. Wer diesen inneren Zustand betrachtet, dem muß auch das naturmäßige Glimmen, Leuchten und Brennen verständlich werden. Denn die in der negativen Polarität eingekerkerten Naturgeister geraten durch Stoß oder Druck ebenfalls in eine Art von zorniger Ergrimmung, die da ist ein Innewerden ihrer Gefangenschaft. Dadurch aber erwacht in ihnen eine große Begierde, sich auszudehnen und von ihrer Einschließung freizumachen.

Indem aber die Umhüllung eines jeden Geistes so beschaffen ist, daß sie bis zu einem gewissen Grade zwar ausdehnbar, jedoch unzerstörbar ist, so dehnt sich der freiheitsuchende Geist darin zwar so weit aus, als es nur möglich ist. Da er jedoch nicht gänzlich durchzubrechen vermag, zieht er sich schnell wieder zurück, versucht jedoch immer wieder, mit erneuter Kraft seine Hülle zu zerreißen. Solche Akte vermag mancher Geist oft vieltausende Male in einer Sekunde zu wiederholen. Die Folge seines wachsenden Zornes ist, daß nahestehende, noch ruhige Geister seiner Umgebung dieses Grimmfieber wahrnehmen, indem sie an ihrer äußeren Hülle zu einem Mitfiebern (Vibrieren) erregt werden. Solches Geschehen kann sich äußerst schnell fortsetzen, da die negativ-polaren Umhüllungen der Geister, aus denen die Luft eigentlich besteht, sehr knapp aneinander liegen.

Eben diese schnellsten Schwingungen jener Geister sind es, die vom Auge der Menschen und Tiere als das wahrgenommen werden, was "Leuchten" genannt wird. Das Auge ist dazu eingerichtet, selbst die allerleisesten solcher Schwingungen aufzunehmen, weil auch das Auge zur Hälfte materiell, zur anderen geistig beschaffen ist. Es hat mit dem Lichte die gleiche Polarität und kann daher alles ihm Verwandte aufnehmen und bewußt empfinden. Wenn auf die beschriebene Weise irgendeine geistige Polarität in sich erbrennt, findet dabei immer ein Akt der Beleuchtung statt als ein Mitergriffensein jener Geister, die sich in der Nachbarschaft befinden. (Kettenreaktion! D.Hg.) Je nach der Größe und Heftigkeit ergreift diese Erregung nähere oder weitere Distanzen und setzt sie zuweilen in einen sehr beträchtlichen Mitfieberzustand, was sich dann in einem umso stärkeren Leuchten kundgibt.

Das Sehen, d.h. Wahrnehmen beleuchteter Gegenstände durch das Auge ist ein durch die materiell feste Form eines Gegenstandes bewirkte Verhinderung der erwähnten Fortpflanzung. (Der Gegenstand steht dem Weiterdringen des Lichtes entgegen!) Oder sie ist die verdoppelte Rückkehr von irgendeinem Objekte, von dem sie einen Gegenstoß (Reflex) erhielt. Was das Licht der Sonne betrifft, so ist es dem Wesen nach mit dem erklärten Leuchten eines Funkens gleichartig.

Nur mit dem Unterschied, daß dieses weiß strahlende Licht dem Erbeben der Liebe fast auf dieselbe Weise entstammt wie das rötliche Brandlicht dem Beben des Zornes. Und weil das Licht der Sonne eine Äußerung der Liebetätigkeit darstellt, ist auch dessen Fortpflanzung eine andere als jene, die der Erregung des Zornes entspringt.

Auf die Frage nach der Herkunft des Lichtes antwortet die Naturwissenschaft. Das Licht entstammt der Sonne, die ein feuriger Glutball (?) ist und die im Verbrennungsprozeß in ihrer Außenatmosphäre Licht und Wärme entwickelt, selbe ihren Planeten und Kometen zustrahlt und damit Leben, Entwicklung und Bestehen aller Naturformen verursacht. Auf die Frage jedoch, was das Licht eigentlich ist und woher seine festgestellten Eigenschaften stammen, gibt es Meinungen verschiedenster Art. Alle diese sind jedoch nur Hypothesen, denen die Gewißheit fehlt, weil eine Untersuchung des wahren Wesens des Sonnenlichtes außerhalb des Bereiches materieller Möglichkeiten liegt. Um wieviel mehr noch die Beurteilung des Lichtes anderer, größerer Sonnen, die — Billionen Meilen entfernt — in ihrer Gesamtheit ihr Licht darleihen, um ihren Glanz auf Millionen von anderen ihnen unterstellten Welten zu verbreiten und damit auch eure kleine Planetarsonne zu erleuchten, die euer natürliches Leben gewährleistet. —

Sonnenlicht — eine geistige Emanation

(Zum tieferen Verständnis dieser, wie der folgenden Ausführungen ist das Studium des Bandes 2/3 "Der Kosmos in geistiger Schau" empfehlenswert. D.Hg.)

Die Sonne für sich ist ein Planet in vollkommenem Zustand und alle Planeten ihres Systems sind nur Trabanten dieses Großplaneten. Das außerordentliche Licht, das die Sonne umgibt, rührt von der Liebefreude der die Sonne durchdringenden und umgebenden Geister her. Es gibt dort — entsprechend den sieben göttlichen Grundeigenschaften — auch sieben verschiedene Geistergattungen, deren Wesen miteinander gemeinschaftlich das weiße Licht dieses Großplaneten bedingt. Auch die Farben des Regenbogens geben euch diese Ordnung zu erkennen. In ihrer inneren Sphäre ist die Sonne ein Sammelplatz der siebenfachen Lichtgeister. Darunter sind solche, die von der Sonne aus zur Prüfung in die Planeten hinaus versetzt werden, und solche, die als vollendet zurückgekehrt sind. Die erst noch zu vollendende Klasse jener Geister bildet des Sonnenkörpers inneren Gehalt, die schon zur Vollendung gediehenen der Sonne äußere Lichtumhüllung.

Eben diese Geister sind es, die durch ihre Liebe und Wonne das strahlende Leuchten der Sonne bedingen. Was die Fortpflanzung dieses Lichtes betrifft, so ist selbe das Werk der noch zu vollendenden Geistwesen, die sich noch immerwährend von der Sonne entfernen müssen. Sie durcheilen den weiten Weltenraum und durchdringen und erregen dabei den Äther, der gleichfalls ein geistiges Wesen darstellt, das sich zu allen Planeten positiv-polar, den Sonnen gegenüber aber negativ-polar verhält. Den Äther selbst bilden äußerst friedliche und reine Geister. Wären sie das nicht, wie schwer hätten es alle Weltkörper auf ihren Wegen um die Sonnen! Durch die Nachgiebigkeit der Äthergeister aber findet an ihrem Dasein nichts irgendein Hindernis in seiner Bewegung. Damit ist auch die ungeheure Geschwindigkeit des Lichtes und die rasche Fortpflanzung des Sonnenleuchtens bis an die Grenzen ihrer Weltenräume erklärt.

Auf die Frage: "Was treibt die noch unvollendeten Sonnengeister der ersten Art hinaus als das uns wahrnehmbare Licht?" sei euch die Antwort gegeben: Es ist der göttliche Wille und die Ordnung der Schöpfung, wonach diese aus der Sonne wandernden Geister zwar eine positiv-polare Sättigung besitzen, jedoch vom Grunde aus für sich noch negativpolarer Natur sind. (Die Ursache liegt in der Urschöpfung und dem Fall der Geister. D.Hg.) Und so können diese atomischen Wesen so lange in der Sonnenmaterie verbleiben, als sie diesen negativen Charakter beibehalten. Nehmen sie jedoch allzu gierig eine Lichtsättigung aus dem positiven Polgebiet der Sonnengeister an — womit sie sich dem Wesen des Lichtes nach dann nur noch wenig von den eigentlich positiv-polaren, vollendeten Sonnengeistern unterscheiden, so werden sie sogleich zur Tätigkeit in die weiten Räume entlassen.

Es sind also die hinausgetriebenen Lichtgeister, die das euren Augen materiell sichtbare Licht der Sonne bilden. Fällt dieses auf einen Weltkörper, so teilt es sich diesem dem positiven Teile nach mit, welcher die noch fortdauernde Liebebebung (Vibration) der vollkommenen Geister ist. Dem negativen Teile nach aber werden, besonders bei Annäherung an einen Weltkörper, diese ausgehenden atomischen Wesen bald ihres positiven Teiles ledig und kehren dann als antipolare Wesen wieder zur Sonne zurück. Das ist der Vorgang, den ihr als Rückstrahlen des auffallenden Lichtes, als Reflexlicht wahrnehmt. Da diese Geistwesen dank ihrer ungeheuren Schnelligkeit sich stets in einer geraden Linie bewegen, wird es erklärlich, warum vom Sonnenlicht beleuchtete Dinge überaus klar zu sehen sind; dies besonders dann, wenn in der atmosphärischen Luft keine Aufregungen (geistige Luftvibrationen) stattfinden.

Daß eine erleuchtete Form in allen ihren Teilen voll wahrgenommen werden kann, rührt wiederum daher, weil jede Materie welcher Form immer ein Konflikt geistiger Potenzen ist.

Stoßen sonach die Lichtträger aus der Sonne an eine Form, so zieht diese je nach ihrem inneren Gehalt die ihrem Wesen zusagenden Teile an sich, während sie das Unbrauchbare wieder nach allen Seiten von sich weggehen läßt. Entsinnt euch, daß alles Materielle im Grunde Geist ist, und daß euch daher nur eine geistige Betrachtung aller Dinge und Naturvorgänge dem innersten Wesen der Schöpfung näherzubringen vermag. — Die schnelle Achsendrehung der Sonne bringt ihre weitgedehnte Atmosphäre zur beständigen Reibung mit dem sie umgebenden Äther, wodurch die Tätigkeit der zahllosen, in der Sonne rastenden Naturgeister stets von neuem erregt wird. Dieses Tätigsein teilt sich dann den im Äther ruhenden Geistern derart mit, daß diese äußerst leicht erregbaren Geister in Blitzesschnelle in gerader Linie miterregt werden, in jedem Augenblick um dieselbe Entfernung weiter bis in eine für euch unermeßliche Ferne.

Durch diese Vibrationen (Schwingungen) der naturgeistigen Atome im großen Schöpfungsraum teilt sich das ursprüngliche Licht der Sonne auch den in ihrem Bereiche bahnenden Planeten und sonstigen Weltkörpern (Monden, Kometen) mit. Es bewirkt in den kleineren Luftkreisen der Planeten eine gleiche Erregung der dortigen Naturgeister. Je tiefer herab, desto heftiger erfolgen ihre Vibrationen, indem diese Geister bis zum Erdboden herab immer kompakter (gediegener) werden. Aus diesem Grunde wird es dann auch in den tiefen Tälern lichter und wärmer als auf den höchsten Bergspitzen, da hier das Licht noch zu wenig kondensiert auftrifft.

Ist die Sonne für irgendeinen Ort der Erde untergegangen, begeben sich die Naturgeister der Luft und Erde nach und nach in den Ruhezustand, d.h. sie beenden das Vibrieren in ihren leichten Materiehülsen, wozu sie am Tag durch die Lichtstrahlen angetrieben wurden. Daher merkt euer fleischliches Auge ihr Sein und ihre Gegenwart nicht, und die fühlbare Folge ist für euch die finstere Nacht. Werden aber an einem Punkte der Erde die Geister durch das wiederkehrende Licht aufs neue erregt und geraten wieder ins Vibrieren, so wird es dort für den Betrachter auch wieder hell. Und wenn unzählige Mengen von Naturgeistern in der weiteren Umgebung mitergriffen werden, so wird es für das Auge im weiten Umkreis immer lichter und lichter.

Von einer je heftiger vibrativ tätigen Naturgeistersphäre die Nachbargeister mitbeeinflußt sind, umso grelleres Leuchten wird sichtbar. Das Licht der Sonne liefert durch seine produktive Kraft in ihrer Einwirkung auf die der Sonne nahestehenden Weltkörper dafür den sprechenden Beweis. Aber nicht nur auf den Planeten werden diese Geister durch das Licht aus ihrer Trägheit erweckt, sondern auch im freien Weltätherraum. Da entstehen durch ein solch gegenseitiges Sichergreifen oftmals Dinge, von denen sich der Menschen Weisheit noch nie etwas träumen ließ.

Sogar die gröbste Materie ist Geist und Seele, nur in gerichtetem (in Formen eingehülstem) Zustand. Solange die in der Materie eingeschlossenen Geister und Naturseelen nicht gestört werden, ruhen sie wie tot und lassen vieles aus sich machen. Werden sie jedoch einmal aus ihrer ordnungsmäßigen Ruhe heftig erweckt, so lassen sie ihre Anwesenheit leicht erkennen. Je nach Stärke ihrer Tätigkeit geben sie sich durch ein entsprechend Leuchten kund, das sich bis zu den heftigsten feurigen Erscheinungen steigern kann.

Betrachtet das starke Leuchten eines Meteors, bewirkt durch den übermäßig schnellen Flug durch die Luft. Er reibt sich mächtig an deren Teilchen und drückt sie gewaltig zusammen, da sie ihm nicht schnell genug ausweichen können. Dadurch entzündet sich die zu stark gepreßte Luft hinter der ganzen Zugstrecke des Meteors und man erblickt hinter ihm stets einen abnehmend glühenden Schweifstreifen der eben dieser Erscheinung entspringt und an sich keine Realität darstellt.

Wie tätig dann erst die Sonnenlichtgeister besonders an der Oberfläche dieses Weltkörpers sind, beweist der Sonne grelles Licht, wie auch die Gewalt der großen Sonneneruptionen, bei denen die Geister ihre Materie oft in Klumpen von mehrfacher Erdgröße in den Weltenraum hinausschleudern.

Im eigentlichen Sonnenkörper sind alle Bedingungen vorhanden, durch welche die stark leuchtende Lichthülle stets neu erzeugt wird. Diese Hülle um die Sonne ist ungefähr das, was bei der Erde die atmosphärische Luft ist. Die Luft aber wird aus dem innersten Lebensprozeß der Erde gebildet. Das Erdinnere ist demnach zuerst voll Luft, und nur das Quantum der Mehrerzeugung sammelt sich um die Erde als ihre Atmosphäre. Damit aber das Innere der Erde gleichfort die Luft erzeugt, muß darin ein immerwährendes Feuer tätig sein, das sich aus der großen Tätigkeit der inneren Geister ergibt. Das inwendigste Feuer entspricht dem Geist. Aus allen dadurch aufgelösten Stoffelementen wird die Luft produziert, die dem entspricht, was Seele genannt wird. (Feinstoffliche Substanz.)

Feuer könnte ohne Luft nicht bestehen, und Luft kann ohne Feuer nicht erzeugt werden. Feuer ist demnach auch Luft, und Luft ist auch ein Feuer. Denn wahrlich, die Flamme ist auch nur Luft, deren Geister sich in heftigster Vibration befinden. Und die Luft ist in sich pur Feuer, aber im Zustande der Ruhe ihrer Geister, daraus sie besteht. Es ist daher leicht begreiflich, daß im Grunde Feuer und Luft eines sind. Bevor aber die Luftgeister nicht bis zu einem gewissen Grade erregt werden, bleibt die Luft immer nur das, als was ihr sie kennt. Es ist somit zwischen der erregten Feuerluft (als schon Feuer) und der eigentlichen, noch ruhigen Luft ein beträchtlicher Unterschied!

Im Feuer selbst ist das Licht, und daher geistig genommen das höchste Wissen und Erkennen (Erleuchtung). In der Luft, wenn sie vom Feuerlichte durchdrungen wird, ist gleichfalls volles Wissen und Erkennen, jedoch in einem geringeren Grade. Wird aber die ruhige Luft durch Miterregung selbst zu Feuer und Licht, so ist auch in ihr allenthalben höchstes Wissen und Erkennen vorhanden. So auch im Menschen: Das innerste Feuer ist der Liebegeist der Seele in seiner Tätigkeit. Und die Luft ist gleich der Seele, die durchaus ein Feuergeist sein kann, wenn sie vom Geiste durchdrungen eins mit ihm wird!

Das gleiche natürliche Verhältnis findet sich auch in der Sonne. In ihrem Innersten waltet ein allerheftigstes Feuer, dessen Lichtstärke jene der Außenatmosphäre ums unaussprechliche übertrifft. Aus diesem Lichte des Inneren entfaltet sich dauernd die reinste Sonnenluft, und diese wird auf der Oberfläche selbst Feuer und Licht. Dies jedoch in einem minderen Grade als das mächtigste Feuerlicht im Großzentrum des Sonnenkörpers. Die äußere Sonnenlichtatmosphäre ist jedoch dem Wesen nach völlig gleich dem genannten Zentralfeuer. Sie bedarf nur derselben höchsten Erregung und wird sodann auch ganz dem inneren Feuer gleichen.

Wenn sich einmal der Sonne Außenlichtatmosphäre entzünden würde in der Kraft des innersten Sonnenfeuers, so würde dessen Macht alle Geister im weiten Schöpfungsraume derart miterregen, daß er augenblicklich zu einem alle Materie urplötzlich auflösenden, unendlichen Feuermeere würde. Freilich ist das Innere der Sonnenmaterie so eingerichtet, daß es diesem Feuer standzuhalten vermag. Die fortwährend darauf strömenden mächtigsten Gewässer geben — infolge des Kreislaufs, wie beim Menschen der des Blutes — dem Feuer andauernd Beschäftigung zur Auflösung der Elemente und zur Bildung der Sonnenluft, sowie daraus wieder zu jener des Wassers. Und so verbleibt alles in der steten, durch Gottes Willen gesetzten Schöpfungsordnung.

Geheimnisse des Lichtstrahls

Eure Wissenschaft hat im Lichte Eigenschaften entdeckt, an die hier einige geistige Eröffnungen angeknüpft werden sollen. Denn ihr sollt damit erkennen, wie alles, was die Gelehrten durch ihre Forschungen finden, wohl wahr ist, doch fehlt ihnen die richtige Beurteilung der Ergebnisse, da sie das Licht nicht als die große Gnadengabe des Schöpfers betrachten wollen.

Die Naturwissenschaft stellte fest: Das Licht besteht aus einem Bündel von Strahlen, wobei jeder Strahl in der Querschnittform eines vierkantigen Sterns stets positiv und negativ elektrische Kanten besitzt. Ferner fand sie, daß sich neben den Leuchtstrahlen noch dunkle oder schwarze Linien zeigen, die wärmestrahlen genannt wurden, weiter haben sie durch das Prisma das Licht in jene sieben Hauptfarben zerlegt, wie sie in ihrer Reihenfolge und Mischung im Regenbogen zu beobachten sind. Eine weitere Feststellung war, daß der Lichtstrahl selbst, wenn er auf chemische Präparate fällt, gewisse Farben erzeugt. Mittels dieser Entdeckung glaubte die Wissenschaft ihre Untersuchungen so weit ausdehnen zu können, um die stofflichen Bestandteile weitentfernter Gestirne zu bestimmen (Spektralanalyse). Alle diese teils wahren, teils irrigen Entdeckungen konnten jedoch die Naturforscher um keinen Schritt weiterbringen in der Erkenntnis des Lichtes.

Licht hat als Haupteigenschaft, daß ihm eine belebende Kraft innewohnt. Im Ätherraume stehen sich zwei polare Kräfte (Anziehung und Abstoßung) gegenüber, die in ihrer Wechselwirkung Licht und Wärme, und aus diesen sodann Leben erwecken. Die Entdeckung von der Vierkantigkeit des Lichtstrahls ist nichts anderes als das Wirken dieser beiden Kräfte. Wo selbe auf feste oder dichtere Objekte einwirken, da setzen sie den Kampf jener beiden Grundkräfte in Aktion, wodurch sie den ganzen Lebensprozeß vom Entstehen bis zum Vergehen oder verwandeln bedingen.

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Die sogenannten dunklen Linien oder Wärmestrahlen sind dichtere Stoffe, die aus dem Ätherraume vom Lichtstrahl bei seinem schnellen Lauf mitgeführt werden. Durch diese hohe Geschwindigkeit sich aneinander reibend, erzeugen diese Stoffpartikel im Lichtstrahl selbst Wärme. Mit Recht können sie daher Wärmestrahlen genannt werden, da gerade sie — je direkter sie auf einen Gegenstand auffallen — durch ihre Wärme auch jene der Körperwelt desto mehr entwickeln. Was aber hauptsächlich dazu beiträgt, ist die Brechung des Lichtstrahls: vorerst in seine drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb, und ferner deren Vermischung zu den sekundären und tertiären Farben, da die Körper die Farben nur teilweise aufsaugen. Die nichtverbrauchten Teilstrahlen (Farben) jedoch werden reflektiert, womit sie sodann dem menschlichen Auge sichtbar und unterscheidbar werden.

Wo ein Lichtstrahl auftritt, erzeugt er Wärme und Leben, und das Wie ist in der Art der Farbenzerteilung begründet. Sobald ein Lichtstrahl mit seiner Lebenskraft ein Objekt berührt, beginnen dessen Stoffteilchen (Moleküle) lebhaft zu vibrieren. So zwar, daß einzelne Teile, billionenmal in einer Sekunde schwingend, diese oder jene Farbe aus sich ausscheiden. Zu dem, was sich dann dem Beobachter als Farbe ihrer Oberfläche zeigt, muß noch die Reaktion eingerechnet werden, die dabei in den Elementen des Auges vor sich geht: durch die neuerliche Brechung der reflektierten Farben in der Regenbogenhaut und den übrigen Teilen der Sehorgane.

"Sehen" heißt somit, jeden Gegenstand in jener Farbe wahrnehmen, die er als nicht sein eigen betrachtend zurückwirft, während er alle anderen Haupt- und Mischfarben aufgesaugt hat, da sie zu seinem Bestehen notwendig sind. Schwarz ist keine Farbe, indem der Gegenstand sämtliche Farben in sich aufgenommen hat. Auch Weiß ist keine Farbe, weil einem weiß erscheinenden Objekte die Fähigkeit der Aufsaugung gänzlich mangelt und er alle einfallenden Lichtstrahlen zurückwirft, ohne selbe zu seinem Bedarf zu zersetzen. Ihr seht aus allem, daß ihr die ganze Farbenpracht der Natur anders beurteilen müßt, als sie dem irdischen Auge erscheint. Dort, wo Ruhe zu walten scheint, bietet sich dem geistigen Auge ein fieberhaftes Regen, das durch das Licht zum Gestalten, Entwickeln und Verwandeln aller Lebensformen drängt. Wie sich in der Unendlichkeit des Äthers alles regt, bedingt durch die beiden Elementarkräfte der Anziehung (Magnetismus) und Abstoßung (Elektrizität) so herrscht auch in der scheinbar toten Materie niemals Ruhe. Angeregt durch den Lichtstrahl als den Faktor alles Lebens, geht dieser Prozeß mit einer Schnelligkeit vor sich, die kein Auge zu bemerken und kein menschlicher Sinn zu erfassen vermag.

Was nun die Vorrichtungen der Wissenschaft betrifft, durch Reaktion der Lichtstrahlen auf chemisch präparierten Stoffen selbst die Elemente entfernter Welten bestimmen zu können, sind eure Gelehrten sehr im Irrtum. Sie könnten diesen leicht erkennen, würden sie aus ihren Versuchen die richtigen Schlüsse ziehen. Denn wenn sich bei allen Experimenten stets das gleiche Resultat ergibt (d.h. nur auf der Erde bekannte Grundstoffe sich in der Spektralanalyse zeigen) —, so liegt der Grund darin, daß eure Forscher die Erdatmosphäre ganz außer acht lassen. Durch diese aber muß ein jeder Lichtstrahl hindurchgehen, ehe er auf die Oberfläche der Erde gelangt.

Im Luftkreis der Erde sind in aufgelöstem Zustand alle Stoffe vorhanden, die sich im Erdkörper festgebunden vorfinden. Dringt nun ein Lichtstrahl aus dem Weltraum in den Dunstkreis der Erde ein, so muß er sich dessen Einfluß teilweise unterziehen. Im weiteren Laufe bringt er sodann zersetzt alle die Stoffe auf den Erdboden mit, aus denen die Luftatmosphäre besteht. Da z.B. auch Eisen in der Atmosphäre in aufgelöstem Zustand vorhanden ist, gelangt der Lichtstrahl schon mit diesem Element belastet auf das chemische Präparat und reagiert natürlich auf dieses eisenhaltig. Aber nicht als ein Lichtstrahl aus einer fernen Welt in reiner Form, sondern als bereits veränderter Faktor, beeinflußt durch den tellurischen Dunstkreis eures eigenen Planeten!

Wäre es möglich, den Lichtstrahl der Sonne oder einer sonstigen Sternenwelt direkt im Ätherraume zu untersuchen, bevor er anderen chemischen Prozessen unterliegt, die beim Durchgang durch die Atmosphäre unvermeidlich sind, dann würdet ihr wesentlich andere, zuweilen aber auch gar keine Resultate erhalten. Diese Region ist jedoch dem Menschen unerreichbar, da ohne den Luftkreis kein Lebewesen existieren kann. (Anmkg.: Vielleicht wäre eine solche Überprüfung durch die künstlichen Erdsatelliten möglich? D.Hg.) — Zwar ruhen im Äther alle Urstoffe der Schöpfung, müssen aber erst durch vielerlei Verwandlungen den Geschöpfen brauchbar und genießbar gemacht werden. Suchet daher nicht mit materiellen Mitteln Dinge zu erforschen, die doch zu keinem anderen Resultat führen als zur Erkenntnis, daß es andere Weltkörper gibt, die zwar Erden und Sonnen wie die eurigen sind, deren Beschaffenheit und Geschöpfe jedoch so weit von euren Formen abweichen, daß selbst eure höchste Phantasie euch der Wahrheit um kein Haarbreit näherbringen kann.

Schon das Lichtmeer der Sonne vermag kein menschliches Auge ungestraft zu betrachten. Wenn ihr nun bedenkt, welche Masse von Licht den endlos größeren Sonnen entströmt, dann könntet ihr ahnen, welche Bewegung, Wärme und welche Lebensäußerungen das Licht dort erschaffen muß und welch unfaßbare Farbenpracht jene Lichtstrahlen hervorrufen. Dann könntet ihr euch einen Begriff machen von der Herrlichkeit der Schöpfung, wo eure Sonne im Vergleich zu anderen nur als ein schwaches Nachtlichtlein vor dem Glanze jener Riesensonnen verschwinden müßte. Und auf solchen Welten leben Wesen, die — obwohl dem menschlichen Typus zugehörig — in Form und Ausdruck eine Schönheit aufweisen, die alle eure unzulänglichen Vorstellungen weit übertrifft.

Warum aber hebt sich das Bild der Sonne und aller Gestirne für euer Auge vom allgemeinen Lichtmeere ab? Wer da einwenden möchte: das Licht muß doch überall gleichartig sein und man könnte unmöglich das Bild der Sonne getrennt und bei weitem stärker leuchtend als das ganze Lichtfirmament erblicken, dem sei gesagt: Dies wäre tatsächlich unfehlbar der Fall, wäre nicht euer Sehorgan besonders dafür eingerichtet. Das Auge aber ist so beschaffen, daß alles Licht und alles Erleuchtete nur die durch Rückwirkung erregtesten Konturstrahlen — als sich in einem gewissen Winkel durchschneidende Linien — durch eine kleine Öffnung auf die höchst reizbare Netzhaut und von da auf den noch reizbareren Sehnerv gelangen läßt. Durch diese Einrichtung werden alle nur einfach erregten Lichtausflüsse ausgeschieden. Nur die Hauptkonturstrahlen gelangen bis zum Sehnerv, durch den das Bild sodann durch geeignete Organe auf die Gehirntäfelchen entsprechend eingeprägt und der Seele zur inneren Beschauung dargestellt wird. Wäre der Bau des Auges ein anderer, so würdet ihr freilich die Sonne nicht einzeln schauen können. Alles wäre dann ein gleichförmiges Lichtmeer gleich dem, das mehrere verzückte Menschen (z.B. Plato! D.Hg.) geistig erschauten, wobei sie nicht einmal ihr eigenes Ich im allgemeinen Lichte als ein gesondertes Wesen zu unterscheiden vermochten.

Vervielfacht die Stärke der Lichtstrahlen aller Urzentralson-nen, die doch ums myriadenfache jene eurer Sonne übertreffen, ins Endlose hin, so werdet ihr mit allem so potenzierten Lichte der Raum- und Zeitsonnen dasselbe Verhältnis finden, wie sich das Ursein Gottes zum geschöpflichen Sein, oder Raum und Zeit zur Unendlichkeit und Ewigkeit verhält. Und da das Gotteslicht vom Lichte der Natur ewig nie erreicht werden kann, so folgt daraus, daß sein reingeistiges Licht, sowie seine nie ermeßbare Liebelebenswärme nur außerhalb eurer menschlichen Begriffe stehen kann. Daß aber dennoch eine lebenswahre Entsprechung zwischen dem Urlichte Gottes und dem geschaffenen Lichte der Sonnen wirkend besteht, kann daraus ersehen werden, daß auch deren Licht ihren Erden belebende Kraft verleiht, wovon sich ein jeder im Frühling leicht überzeugen kann. —

Das luftelektrische Feuer

Nachstehende Ausführungen über das geistige Wesen der Elektrizität sind Lorbers "Großes Evangelium Johannis", sowie Mayerhofers "Schöpfungsgeheimnissen" entnommen. D.Hg.

Das naturgeistige Feuer der Luft war schon den Ägyptern und Griechen wohlbekannt und wurde von ihnen Elektron genannt. (Anmkg. Ursprachlich bedeutet el = Licht, ek = hinaus, ter on = es bewegt. D.Hg.) Es ist das eigentliche Lebenselement der Luft, durch das die ganze Erde samt allem, was sich auf ihr zu Wesen gestaltet, sein natürliches Leben erhält. In der gewissen beharrlichen Ruhe der Luft, des Wassers, der Mineralien, Pflanzen und Tiere wie auch des Menschen entwickelt sich dieses elektrische Feuer nicht, sondern ruht da untätig mit. Verborgen erfüllt es den ganzen endlosen Schöpfungsraum und bildet in seiner völligen Ruhe den Äther, in dem alle Weltkörper schweben. Würden letztere jedoch ohne alle Bewegung verharren, so würden sie bald wie ein Leichnam verwesen und aufgelöst in den Ruhestand des Äthers übergehen. Darum hat die Weisheit und Macht des Schöpfers dafür gesorgt, daß sich die zahllosen Weltkörper im großen Ätherraume in einer vielfachen Bewegung befinden, wodurch sie den Äther (durch Reibung) in hohem Grade erregen und zu steter Tätigkeit nötigen.

Schon aus der Schnelligkeit selbst der Erdbewegung geht hervor, daß auch die um die Erde ruhenden Äthergeister in eine bedeutende Unruhe und daraus in ein Tätigsein versetzt werden. Dadurch wird die Erdatmosphäre dauernd von ihnen durchdrungen und gesättigt, und im weiteren Verlaufe auch der Erdkörper selbst. Zu den beiden Hauptbewegungen der Erde (Rotation und Sonnenumlauf) gesellt sich noch die ungleich raschere Bewegung des Lichtstrahls aus der Sonne, durch welche die Äthergeister des Raumes in großen Massen zur Erde herabgetrieben werden.

Wird die Erdluft besonders im Sommer zu sehr damit gesättigt, so wird es bald schwül, und Menschen, Tiere und Pflanzen fühlen eine Art Ermattung, werden träge und sehnen sich nach untätiger Ruhe. Dieses Gefühl rührt eben von der übergroßen Anwesenheit von Äthergeistern in der Luft und auf der Erde her, weil diese Geister — wenn nicht erregt — den Hang zu einer starren Todesruhe in sich tragen, obwohl sie in sich keineswegs tot sind.

Infolge der erwähnten Anhäufung beginnen diese Äthergeister mehr und mehr einen sie belästigenden Druck zu empfinden und fangen daher an, sich tätig zu regen, um sich jenes Druckes zu entledigen. Dieses Verhalten gibt sich zuerst im

Entstehen von Winden kund, die umso heftiger werden, wenn der übersättigte Erdkörper seine inneren Naturgeister auf die Oberfläche und in die niederen Luftschichten zu treiben beginnt. Aus der Vermengung der oberen und unteren Äthergeister in der Atmosphäre entstehen als sichtbares Zeichen stets dichtere Nebel und Wolken. Deren zunehmende Schwere belästigt die Äthergeister noch mehr, die nun dahin einen Ausweg suchen, wo sie den geringsten Widerstand finden. Und diese Flucht, wobei sie sich mit den dichteren Naturgeistern der Erdluft unwillkürlich vermengen, erzeugt jenen heftigen Sturmwind, dessen Gewalt von der Erregung der Ätherheere Zeugnis gibt.

Wenn sich trotz solcher Flucht diese Äthergeister irgendwo durch Stauung weiter anhäufen, wird dies durch ein stetes Schwärzer- und Dichterwerden der Wolkengebilde merkbar. Wird ihnen der Druck endlich unerträglich, so gehen diese Geister in einer Art Grimmwut aus ihrer ursprünglichen Trägheit urplötzlich in die größte Tätigkeit (Vibration) über. Dies ist dann das zerstörende luftelektrische Feuer des Blitzes, welcher der ihm lästigen Wolke entfährt und alles, was seinem Wege entgegentritt, mit unwiderstehlicher Macht zerstört. Die Erd- und Luftgeister aber werden dabei wie durch gewaltige Stöße (Donner!) derart aneinandergedrängt, daß sie sich notgedrungen ergreifen müssen. Dadurch dichter und materiell schwerer geworden, müssen sie als Regen oder Hagel zur Erde niederfallen.

Werden jedoch die reinen Äthergeister durch die noch ungeläuterten Erdäthergeister allzu sehr gedrückt, steigern sie ihre Tätigkeit bis auf den höchsten Kulminationsgrad. In diesem Falle zerstören sie die Erdäther- und Luftgeister durch ihre allgemeine Feuertätigkeit und es kommt dabei weder Regen noch Hagelfall zum Vorschein. (Wetterleuchten!)

Das luftelektrische Feuer (Elektron) ist demnach nichts anderes als die zuerst durch Druck oder Reibung gestörte Ruhe und daraufhin die erregte Tätigkeit der geistigen Substanz des Äthers. Diese ist als ein zum Teil geistiger und zum Teil natürlicher Licht- und Lebensstoff in der Erdluft wie im ganzen Erdkörper und allem, was er trägt, enthalten. In auffallender Art fangen diese Äthergeister sich erst dann zu äußern an, wenn sie auf obgeschilderte Weise erregt werden. Ist einmal ein bedeutender Teil von ihnen tätig geworden, so werden dadurch auch die ehedem noch ruhenden Geister ihrer Umgebung miterregt.

Schlägt man zwei harte Steine mit Gewalt aneinander, werden sofort eine Menge Funken lebhaft hervorspringen. Und wiederum ist diese Erscheinung ein Zeichen der in und um die Steine tätig gewordenen Äthergeister. Stoßen zwei Winde mit größter Heftigkeit zusammen, werden sich oftmals Feuererscheinungen ähnlich den Blitzen zeigen. Erfolgt dies an hierfür besonders günstigen Punkten der Erde (heiße Zonen), so entzünden sich dabei sämtliche anwesende Äthergeister, und aus einer Windhose gestaltet sich dann eine alles verheerende Feuerwirbelsäule, vor deren Gewalt sogar Felsen erbeben. Solche auf die höchste Weise erregten Naturäthergeister ziehen dann aus weiter Umgebung und aus den Höhen ihresgleichen herbei und richten in einer Erdgegend oft derartige Verwüstungen an, daß ihre Spuren zuweilen Jahrhunderte sichtbar bleiben.

Glatte Flächen, besonders von harten Edelsteinen und Glas sind besonders geeignet, die Äthergeister zur Äußerung ihrer Tätigkeit zu nötigen, sobald man solche Flächen zu reiben beginnt. Das hierdurch erzeugte Feuer (Elektrizität) ist gleichfalls ein Sichkundgeben des Elektrons, wie auch jeder Akt der Verbrennung brennbarer Stoffe. Das Glühen und Schmelzen und sogar mögliche Verdampfen von Metallen und Mineralien geschieht auf demselben Wege, nach den steigenden Graden der Tätigkeit der in ihre Ruhe gestörten Äthergeister. Werden diese andauernd in eine solche Tätigkeit versetzt, wie sie sich in einem Blitze bekundet, dann zerstören sie alle Materie und lösen sie völlig in ihre ursprünglichen Äthergeistelemente auf. Beim Verbrennen von Holz, Öl u.dgl., erreichen sie jedoch niemals jenen höchsten Tätigkeitsgrad, weil sie dabei stets in einen hindernden Kampf mit den gröberen in der Materie gefesselten Naturgeistern treten müssen. Wird aber durch ein starkes Zuströmen von Luft eine immer größere Menge von Äthergeistern gewisserart zur Hilfe herbeigezogen, so erhöht sich die Hitze des Feuers ganz beträchtlich. Dies kann auch die noch starren Naturgeister in den Metallen und Steinen derart in Tätigkeit versetzen, daß nach den Stufen des Erglühens, Schmelzens und Verbrennens sogar ein gänzliches Auflösen der Materie bewirkt werden kann.

Auch das Wasser birgt in großer Menge Äthergeister in sich. Als Stoff besteht es aus überaus kleinen Bläschen, in denen sich die eigentlichen Geister eingeschlossen finden. Da diese runden und glatten Bläschen einander wenig drücken und als leicht verschiebbar stets ausweichen, verhalten sich die Äthergeister im Wasser gewöhnlich völlig ruhend. Wird aber Wasser erwärmt und zum Kochen gebracht, wird es bald unruhig zu quirlen beginnen. Denn durch die Außentätigkeit der Geister des Feuers miterregt, beginnen die ihnen ebenbürtigen Geister des Wassers mit steigender Heftigkeit die Wasserbläschen durcheinander zu treiben und auszudehnen.

Beim Zerplatzen verlassen sodann viele Äthergeister ihr Wohnelement, entweichen und vereinigen sich mit den freieren Äthergeistern entweder in der Erdluft (Verdampfung?), oder sie steigen gar durch die ganze Luftschicht bis zu ihren Urverwandten in die Höhe. Daß sonach das Kochen und Verdunsten des Wassers gleichfalls im Grunde ein elektrischer Akt ist, geht aus Obigem klar hervor. Werden die durch Feuer erregten Geister des Wassers in einem festverschlossenen Gefäß am Entweichen gehindert, so dauert es nicht lange, bis sie ihre Gewalt offenbaren: das Gefäß wird in Stücke zerrissen und die Geister werden sich unter großem Getöse (Explosion!) frei machen und in ihre angestammte Ruhe zurückziehen.

Reine Äthergeister kann nichts so sehr in größte Tätigkeit versetzen, als wenn die unreineren Naturgeister aus dem Erdinneren in großen Massen aufsteigen und sich unter die Luftgeister mengen. Da entsteht sogleich ein mächtiger Kampf, wobei die unreinen Naturgeister stets besiegt, aber dadurch auch gereinigt und für das Leben der Pflanzen und Tiere wohldienlich werden. Über dem Erdboden wehen bei solchen Gelegenheiten stets große Stürme. Erfolgt jedoch ein solches Aufsteigen von Erdgeistern unter dem Meere, werden die Äthergeister des Wassers höchst unruhig und die Folge davon ist gewöhnlich ein Springflutsturm, der mit den größten Schiffen ein arges Spiel treibt. Ist das Meer danach wieder ruhig geworden, so erscheint seine Oberfläche, wie auch Masten und Tauwerk der Schiffe in einen Lichtschimmer getaucht (Eliasfeuer!). Die Ursache davon ist wieder das bekannte Elektron, doch stammt es nunmehr von den geläuterten, ehedem unreinen Naturgeistern der Erde her. Die alten Naturweisen benannten es darum das "Gegenelektron".

Noch wären die Erscheinungen des Winters zu erwähnen, da auch diese von der Tätigkeit, bzw. Ruhe der Äthergeister bedingt sind. Im Winter fallen, besonders im höheren Norden und tieferen Süden, die Sonnenstrahlen schräger auf die Erde ein. Dadurch aber werden die Äthergeister gegen die Pole hin von den schwächeren Strahlen, wie auch durch die geringere Reibung der bis an die Ätherregion hinaufreichenden Luftschicht um vieles weniger als im Mittelgürtel der Erde in ihrer Ruhe gestört. Sie werden damit auch untätiger und wirkungsloser als in der warmen Jahreszeit. Solche Untätigkeit hat zur Folge, daß auch die Luftgeister selbst weniger tätig werden. Sie würden am Ende ohne alle Regung wie erstarrt verweilen, würden nicht die inneren Erdgeister in größeren Massen aufsteigen und sie in ihrer Todesruhe stören. Diese gewisserart ungeladenen Gäste verspüren die in der Luft vorhandenen Äthergeister, und diese beginnen zumeist dorthin zu flüchten, wo weniger Erdgeister austreten, d.i. in der Richtung gegen den Mittelgürtel der Erde.

Bei solchen Gelegenheiten nötigen die flüchtigen Äthergeister auch die ihnen verwandten Luftgeister zur Mitflucht, und es zeigen sich für das Gefühl der Menschen eisigkalte Winde. Denn kalt wird die Luft wegen der viel geringeren Tätigkeit ihrer Geister, denn nur ein erhöhtes Tätigsein erzeugt Wärme. Mehren sich die unreinen Geister in der Erdluft stärker, bilden sich Wolken und Dünste in stets dichteren Mengen, die von den beschriebenen Winden gepreßt und mit fortgetragen werden. Dadurch entsteht wieder ein Kampf, bei dem die ungeläuterten Geister in Form von Schnee auf die Erde geworfen werden, dabei jedoch eine Reinigung erfahren, die der Fruchtbarkeit des Erdbodens zugute kommt.

Wird auch das Eis auf Flüssen, Seen und Meeren durch das Elektron, d.i. die Tätigkeit der Äthergeister erzeugt? Gewiß! Durch zu geringe Tätigkeit und ihren Trieb nach Ruhe (da sie nur von schwächeren Lichtstrahlen erregt werden. D.Hg.) werden sie eng aneinandergerückt, ohne sich dabei tätig zu wehren. Dadurch werden sie im Verein mit den Luftgeistern schwer und drücken auf die Geister des Wassers, die dadurch auch in eine völlige Untätigkeit übergehen; und diese ist eben das, was sich als Wasser in Form des Eises zeigt. Je weniger Tätigkeit demnach die erwähnten Geister entwickeln, desto kälter muß es in den betreffenden Gegenden werden. Darum gefrieren im Winter rasch dahinfließende Ströme und Bäche schwerer als ruhig stehende Gewässer, weil die gewissen Geister in ihnen (durch Reibung) notgedrungen tätiger sind als im stehenden Wasser.

Siehe, Menschen und auch Tiere leiden, wenn sie im Winter untätig sind, stark unter der Kälte. Aber Menschen, die sich regen und körperlich tätig sind, werden selbst in der kalten Jahreszeit keinen Mangel an innerer Naturlebenswärme haben. Auch die seelische Trägheit ist der geistige Tod eines jeden Wesens. Darum ermuntert euch stets zur rechten Tätigkeit, denn nur darin bildet sich das Leben! —

(Gr. Ev. VIII/143 ff.)

Ein inneres Wort über die Elektrizität

"Als im unendlichen Raume sich Meine ersten Ideen zu verwirklichen begannen und Welten auf Welten geschaffen wurden, da herrschte nur das Gesetz der Anziehung und Abstoßung, das sie zur Umdrehung um ihre Achsen und ihre Zentralsonnen zwang. Die eine Kraft wollte alles an sich reißen, die andere alles in die Unendlichkeit hinaustreiben. Aus dem Aufeinanderwirken beider Kräfte, den einzigen Motoren eines jeden Dinges, das geschaffen ist, entstand die drehende Bewegung. Noch jetzt sind diese beiden Urkräfte die Hauptträger alles Lebens und werden es auch ewig bleiben.

Die erste dieser Kräfte ist geistig die Liebe. In der Naturwelt gibt sie sich als der anziehende Magnetismus kund. Die Liebe will alles an sich reißen und sich um keinen Preis mehr davon trennen. Die Folge davon aber wäre ein endliches Erdrücken, ein Tod aus Liebe, aber kein Leben. Um also diesem mächtigen Trieb Meines Ich die rechten Schranken zu setzen, trat die Weisheit hinzu. Diese hindert zwar nicht die Anziehungskraft der Liebe, läßt sie jedoch nur bis zu einem gewissen Grade zu und bedingt dann wieder ein Loslassen und eine Entfernung. In der Naturwelt wirkt diese Eigenschaft als die abstoßende Kraft der Elektrizität. Durch die Wechselwirkung beider Kräfte entstand das erste, was in der Schöpfung notwendig ist, die Bewegung. Bewegung aber ist Leben! So ist jede Lebensregung das Produkt eines Kampfes dieser Grundkräfte, deren Widerstreit das Gesetz alles Werdens, Bestehens, Vergehens und alles Neuaufbauens bedingt.

Wo aber Kampf ist, da ist Reibung. Wo Reibung, da ist eine Erregung der einzelnen Teile, die sich in ihrer Ruhe nicht stören lassen wollen. Dieses Ergrimmen erweckt die Wärme, und wo diese in ihrer höchsten Vibration tätig ist, da entwik-kelt sich das Licht! Ohne Licht kein Leben. Da aber das Licht ein Produkt der Wärme ist, so ist Wärme überall dort, wo Leben waltet. Wo keine Bewegung sich regt, herrscht Kälte oder Tod, d.h. ein Stillstand. Da bleibt ein jedes Ding stehen, wie es ist und hat weder einen Drang zur Veränderung, noch zur Vervollkommnung oder Auflösung.

Aus den ersten zwei primitiven Kräften entwickelten sich demnach zwei weitere Haupteigenschaften: aus Anziehung und Abstoßung — Wärme und Licht. Und diesen beiden entwuchs alles Geschaffene. Die Liebe baut, die Weisheit erhält. Liebe ist gleichbedeutend mit Magnetismus, Weisheit mit Elektrizität. (Ursprachlich ma = Mutter, Form; gene = zeugen. — Elektron siehe oben! D.Hg.)

Wie Meine Gedanken in Blitzesschnelle die Unendlichkeit durcheilen, so strömt die Elektrizität in die Fernen hinaus. Indem sie Gleiches mit Gleichem verbindet, schafft sie Harmonie durch die Anregung schlummernder Kräfte, oder der gebundenen Geister im Weltall zu geordneter Tätigkeit. Elektrizität ist der Träger des Lebens. In ihrer positiven Gestalt bewirkt sie die Erhaltung des Geschaffenen; in ihrem negativen Werte bedingt sie die auflösende Zerstörung und reizt so zu neuem Aufbau an.

Die Elektrizität als latente (gebundene) Wärme ist das Licht. Für ihr geistiges Wirken fehlt euch das Auge, weil die schnelle Wirkung der Elektrizität und des Lichtes in so kurzen Zeiträumen erfolgt, daß sich kein Menschenverstand selbe vorstellen könnte. Würdet ihr sehen, wie bei jedem Experiment, wo Elektrizität wirkt, sich wundervolle Erscheinungen und Prozesse entwickeln, die nur zwei Grundursachen entspringen, — so würdet ihr ahnen, wie aus den kleinsten Atomen des Lichtes und der Wärme die wichtigsten Faktoren zur Erschaffung ganzer Weltsysteme hervorgehen

— als Resultat der Vibrationen, die aus Anziehung und Abstoßung entstehen.

Das mächtige Fluidum der Elektrizität verbreitet durch sein billionen- bis trillionenmaliges Erzittern der kleinsten Atome in einer Sekunde das intensivste Licht und die größte Wärme. Begreifet daher: Wenn Ich als Schöpfer jemand Meine Liebe und Weisheit in ihrer ganzen Macht wollte fühlen lassen, er müßte in einem Augenblick vergehen! Und wenn auch sein Geist als Ewiges dem widerstände, seine Materie aber würde aufgelöst bis in die kleinsten Ur-Atome.

Würdet ihr sehen, wie der elektrische Strom in eurem Blute in einem Moment die augenblickliche Veränderung aller Blutbestandteile bewirkt; wie er alles Abgestorbene in Lebendiges neu verwandelt und das Krankhafte ausscheidet: kein Gedanke reicht hin, um zu begreifen, was da geschieht und wie eines aus dem anderen hervorgeht.

Und muß es nicht so sein? Was wäre die Schöpfung, wenn nicht Kräfte am Werke wären, die Meine Gedanken sogleich mit unbegreiflicher Schnelligkeit in den weitesten Raum trügen, um überall Leben zu schaffen und zu erhalten — in jene Räume, wo Äonen von Lichtweiten nur eine kurze Zeitspanne von einer Sekunde ausdrücken! Und eben die Elektrizität ist es, die als Meine Weisheit alles durchdringt, alles zum Leben und zur Vervollkommnung treibt. Die Elektrizität als Meine wirkende Weisheit in der Naturwelt schreibt dem Materiellen Gesetze vor, dem Geistigen aber gibt sie nur Ratschläge als Anregung. Meine Weisheit ist für die stoffliche Schöpfung Zwang, für die geistige Welt aber ein Wegweiser zu Mir Selbst!

Die Liebe sandte die Weisheit hinaus in alle Fernen, um zu erleuchten und zu erwärmen alles Geschaffene. Sie fordert aber auch, daß der von ihr ausgehende Strahl ihren Willen vollbringe. Und so strömt auch die Elektrizität hinaus in unermeßliche Fernen — auflösend und zerstörend, aber auch neu erweckend und aufbauend. Überall wird durch sie Finsternis in Licht, Kälte in Wärme, Ruhe in Bewegung, Tod in Leben verwandelt. So soll auch Mein Wort in euch alles Finstere in Licht, alles Tote in lebendige Taten umwandeln, damit ihr dereinst geläutert, wie ein Lichtstrahl in Meinen Himmel und vor Mein Angesicht gelangen möget! —

(Empfangen durch G. Mayerhofer)

Licht als kosmischer Schöpfungsfaktor

Auf die Frage: "Was ist Licht?" kann sich eure Wissenschaft nur auf die Feststellung beschränken: "Licht ist eine Emanation (Aussendung), hervorgerufen durch billionenmaliges Vibrieren der kleinsten Atome in einem Augenblick, was sich zuerst durch Wärme und weiterhin als Licht dem Menschen als Resultat offenbart. Jeder Lichtstrahl ist wie ein vierschneidiger Degen geformt, wobei sich stets die eine Kante zur gegenüberliegenden positiv oder negativ elektrisch verhält. Licht durch ein Prisma geleitet, läßt sich zerteilen, d.h. in Farben zerlegen. Im Lichtstrahl sind auch noch dunkle Strahlen eingebettet, die als Wärmestrahlen qualifiziert wurden." — Wie wenig aber wißt ihr darüber zu sagen, was Licht als geistiges Element ist, wie es entsteht, Leben erregt und verbreitet. Nur Einzelne ahnen, daß Licht ein Ausfließen aus dem ewigen göttlichen Ich darstellt und daß Gott als die Liebe und Weisheit der Ursprung aller Wärme und allen Lichtes ist!

Im Universum ist die Sonne eures kleinen Systems selbst ein Sammelpunkt des Lichtes und nimmt als solcher die Strahlen von mehr als einer Milliarde anderer Sonnen auf. Sie läßt dieses Licht in sich intensiv werden und strahlt es dann wieder in dichten Massen aus. Der Sonne entströmen zweierlei Arten von Strahlen. Erstens solche, die sich von jedem Punkte der Sonne nach allen Seiten und unter allen möglichen Winkeln ausbreiten. Zugleich aber geht auch von jedem Punkte der Sonne ein Strahl in paralleler Richtung aus. Dieser Strahl ist gleichsam der Kern der Sonnenstrahlen und führt allein jene Kraft in sich mit, die sich als Wärme äußert. Der Kernstrahl ist der stärkste und zur Ausdehnung fähigste des Sonnenlichts. Die schrägen Strahlen hingegen können einfallen wohin sie wollen, so werden sie stets nur wenig ausdehnende Kraft besitzen, weil die Kernstrahlen mit ihnen niemals eine größere Ausdehnung erhalten vermöge der schiefen Fläche, auf die sie auftreffen. Nur in jenen Gegenden, die gerade unter der Sonne zu stehen kommen, fallen die Strahlen auf diese senkrecht ein und bewirken dadurch die größtmögliche Ausdehnung der Luft, was sich durch große Wärmeentwicklung kundgibt.

Die Haupteigenschaften des Lichtes, die belebende Kraft und die Entwicklung von Wärme sind die Vorbedingungen zur Entwicklung jeglichen Lebens. Wieviel aber muß noch im Lichtstrahle vorhanden sein, soll er den göttlichen Schöpfungsideen dienen! Um seine Kräfte zu wecken, muß er als Träger des göttlichen Willens den unermeßlichen Äther durcheilen. Der ganze, die Unendlichkeit erfüllende Äther ist an sich ein finsterer Raum, in dem die kosmischen Kräfte allein wirken. Er trägt jedoch in sich alle Elemente, die zur Erschaffung und Erhaltung der einzelnen Welten nötig sind. Im kleinsten Äther-Atom liegt diese Urkraft, und zwar gemäß seiner Lage so eingerichtet, daß sie entweder eine anziehende oder abstoßende Wirkung hervorruft. Dadurch genießt der Äther selbst keine Ruhe (ursprachlich aei-ter = ewige

Bewegung! D.Hg.), sondern beide polare Kräfte erhalten in ihm die nötige Bewegung und das eigentliche kosmische Leben. Dieses allein ist geeignet, den bestehenden Welten alles Notwendige zu ihrer Erhaltung zu vermitteln oder das Verbrauchte zu entfernen. Ferner ist das Ätherleben auch imstande, aus den in ihm liegenden Elementarstoffen neue Welten hervorgehen zu lassen. (Die "prima materia" der Alchemie! D.Hg.)

Inmitten dieses großen Ätherraumes schweben ohne Schwere die Welten und Sonnen samt allen Planeten, Monden und Kometen — gegenseitig nur durch die Wechselwirkung von Anziehung und Abstoßung gehalten — in langgestreckten elliptischen oder beinahe kreisförmigen Bahnen. Im Äther selbst herrscht durch diese beiden Urkräfte ewige Bewegung, durch welche die Bahnen aller Gestirne bestimmt werden. Diese Bewegung bedingt eine Reibung, die Reibung erzeugt Wärme, und Wärme endlich das Licht. Mit seinen Kraftäußerungen ruft das Licht als Endfaktor Leben hervor: ein gesetzliches Bestreben, sich zu gestalten, sich zu erhalten und durch Verwandlung letzten Endes alles Geschöpfliche zu vergeistigen. So müssen alle Welten, Sonnen und ihre Satelliten nach ihrem materiellen Zerfall als neue geistige Welten wieder den nämlichen Bildungsprozeß einen Schritt weitergehend durchmachen, den sie als gebundene Materie im Ätherstrom bis zur Sonnengestaltung durchlaufen haben.

Wie aber sind die Anfänge neuer materieller Welten, die noch in zahlloser Menge in dieser Schöpfungsperiode entstehen werden? Wenn sich in den für eure Begriffe unendlich weiten Zwischenräumen die Strahlen zweier Sonnen begegnen, werden solche Lichtstrahlen gleichfalls zum gegenseitigen Aufnahmepunkt. Denn jeder ausgehende Strahl — da in

Raum und Zeit wirkend — ist etwas wenn auch noch so Subtiles, so dennoch Materielles. Treffen sich die Strahlen zweier Sonnen, sind sie als solche natürlich von gleicher Polarität; sie können daher einander niemals anziehen, sondern nur abstoßen. Sind solche Begegnungsstrahlen dazu gezwungen, werden sie damit gewisserart zu "Heimkehrern" und treten den Rückweg zu ihrem Ausgangsort an.

Was geschieht aber, wenn sich die Strahlen mehrerer Sonnen in einem nahe gleichfernen Zwischenraum im Äther begegnen? So zwar, daß sich die Radien von allen denkbaren Seiten treffen. An dieser Stelle bildet sich dann ein sogenannter Strahlenkonflikt (Zusammenprall) weil auch ein Teil der Strahlen die Linien des anderen Teils gerade durchschneidet und sich da begegnet. Diese Kreuzung der Strahlen ist so vorstellbar, als wären mehrere solcher Kreuze derart übereinandergelegt, daß dabei von einem Mittelpunkt eine Menge auslaufender Strahlen ersichtlich würden.

Diese durchlaufenden Strahlen neutralisieren notwendigerweise die Polarität und verhindern damit, daß die anderen sie querenden Strahlen wieder ihren Rückzug antreten, was sie sonst unmittelbar tun müßten. Damit bildet sich nach einiger Zeit eine Art von Lichtknäuel (Strahlenbündel), der bei längerer Strahlenansammlung eine gewisse feindunstige Dichtigkeit annimmt und dadurch schwerer und schwerer wird. Da sich nun auch die Sonnen gleich Planeten um einen anderen Zentralkörper bewegen, kommt es darauf an, welche Sonne auf ihrem Wege solchen Lichtbündeln am nächsten gelangt. Die Folge ist, daß sie dann auf natürliche Weise diesen Lichtknäuel in ihren Bereich zieht und damit gleichsam hörig macht.

Dies ist die eigentliche Entstehungsart aller Kometen, der ersten Lebensformen des kosmischen Lebens. Warum solche Gebilde dennoch selbständig fortbestehen und von der anziehenden Sonne nicht gänzlich aufgezehrt werden, hat seinen Grund in der obenerwähnten Neutralisierung solcher Strahlenbündel. Durch diese Abspannung nehmen die angesammelten Strahlen einen negativ-elektrischen Charakter an und bilden damit der Sonne gegenüber einen polarisch entgegengesetzten Punkt. Naturgesetzlich vermag ein solcher, ihm begegnende positiv-polarische Sonnenstrahlen fortdauernd aufzunehmen, sie gleichfalls zu neutralisieren und als eigene Lichtnahrung einzuverleiben.

Daß ein Komet dies wirklich tut, bezeugt sein oft weitgedehnter Dunstkreis, der sich gewöhnlich auf der der Sonne abgekehrten Seite zu einem langen Kometenschweife ausdehnt. Dieser ist an sich nichts anderes als eine Verzögerung der von der Sonne auslaufenden Strahlen, die durch die negative Polarität in ihrem ursprünglichen Schwung gehemmt werden und durch den Rücktritt ihres Weges zu dem sie anziehenden Körper als eine überaus zarte Dunstmasse sichtbar werden. Dadurch ist der Sonne zwar ein neuer Kostgänger zugewachsen, der gar viele ihrer Strahlen in sich aufnimmt, bis er zu einer planetarischen Dichte heranreift. Hat er jedoch diese einmal erreicht, so gibt er dann — durch seine eigene zentrale Schwere genötigt — der Sonne unbeschadet seiner Wesenheit ihre Strahlengaben zahllosfach zurück. Dies, weil er als Planet nicht nur die Strahlen derjenigen Sonne aufnimmt, in deren Gebiet er sich befindet, sondern auch diejenigen zahlloser Sonnenkörper, die ihn von allen Seiten umgeben. Er saugt auch deren Strahlen in Massen auf und führt sie dann gewisserart seiner Sonnenmutter zu.

Die von der Sonne ausgehenden Lichtatome sind auch der Entstehungsgrund und zugleich die erste Stufe der sogenannten Lichtatom-Tierchen (Mikro-Viren, die nur im Elektronenmikroskop nachweisbar sind. D.Hg.). Somit ist diese Ansammlung solcher Strahlenatome zu einem später sich entwickelnden Planetenknäuel zugleich auch eine Ansammlung ersten tierischen Kleinstlebens, aus dem später das erste primitive Pflanzenleben hervorgeht. Und so ist wieder das Licht der Ursprung alles Lebens im gesamten Weltall. — Ein Komet ist der Beginn eines werdenden Weltkörpers, der sich aus den im endlosen Raume begegnenden Lichtstoffen bildet. Er verdichtet sich im freien Äther stets mehr und beginnt damit, aus der anfänglich geistigen Substanz in die materielle überzugehen. Infolge einer gewissen abstoßend polaren Kraft der Sonne kann ein Komet niemals wieder in diese zurückfallen. Diese Kraft besteht in einem besonders in Sonnennähe sehr heftigen Ausströmen des Lichtes. Daher bewegt sich ein Komet, wenn er als ein noch ganz leichter Körper in die Nähe der Sonne gelangt, beinahe mit der Schnelligkeit des Lichtes weiter. Denn er empfängt da einen neuen heftigen Stoß, der ihn in große Raumestiefen zurückdrängt, worauf er am äußersten Rande seiner Entfernung wieder zur Sonne zurückzufallen beginnt.

In großem Sonnenabstand besitzt ein Komet keinen Schweif, sondern nur einen nebelartigen Dunst um seinen Kern. Erst wenn er in Sonnennähe gelangt, bildet sich sein Schweif durch seine überaus schnelle Fortbewegung. Denn durch selbe kann der höchst leichte Ätherdunst den Raum nicht so behende durchfliegen wie der schwerere Kern samt den ihn nahe umgebenden dichteren Dunstpartikeln. Es ist die gleiche Erscheinung, als wenn man ein glühendes und rauchendes Holz weithin durch die Luft wirft: auch hier zieht der Rauch als leichterer Körper hinter dem Holze einen förmlichen Kometenschweif nach. Für die schnelle Bewegung eines Kometen aber bildet auch der Äther schon einen leichten Widerstand. Auch der Äther ist in Zeit und Raum enthalten und somit ein feinstoffliches Etwas, obgleich seine Urgrundstoffe gegen die dichteren Luftelemente einer Erdenwelt beinahe gewichtslos sind.

Der Äther ist trotz seiner scheinbaren Nichtigkeit durchaus kein Nichts. Denn in ihm sind alle Stoffe und Elemente in einem noch ungebundeneren (gelösten) Zustande enthalten als in der allerreinsten Luft der Atmosphäre. Sie sind da noch mehr freie Kräfte und stehen dem Urfeuer und Urlicht um vieles näher. Dennoch ist der Äther noch lange kein Reingeistiges, sondern hat mehr innere Verwandtschaft mit der Substanz der Seele — insoweit er ein räumliches Medium darstellt, durch das zahllose Urkräfte aus Gott sich begegnen, verbinden und endlich gemeinsam lebendig wirken. Hinter der Substanz des Äthers waltet das nicht sichtbare Geistfeuer als eine ewig tätige Kraft, die — von Gott ausgehend und den unendlichen Raum erfüllend — stetig wirkt und schafft.

Gott selbst ist in seinem Zentrum der ewige Urgeist und erfüllt die aus ihm hervorgehende Unendlichkeit mit seinen großen Schöpfungsgedanken. Von seiner Liebe getragen, werden diese zu einem ihm gleichen Lebensfeuer, durch seine Weisheit zu geordneten Formen und durch seine Willensmacht zu abgesonderten, wie für sich bestehenden Wesen.

Das Gefühl als Liebewärme hat das Bedürfnis nach Wesen-haftem. Je mehr dieses Gefühl mächtig wird, je mehr Flamme und Wärme da in sich erzeugt wird, desto mächtiger wird auch der Flamme Licht. Im Lichte drückt sich das Bedürfnis der Liebe in Formen aus.

Wo ihr Licht, Feuer und Wärme wahrnehmt, da puppen sich Milliarden von Licht-, Feuer- und Wärme-Atomen ein und erzeugen Formen. Die einzelnen so gebildeten Formen ergreifen einander und schließen sich zu einer entsprechend größeren Lebensform zusammen, worin sie sich zu einem Wesen bilden. Dieses erzeugt schon mehr des Feuers, Lichtes und der Wärme, wobei sich wiederum das Bedürfnis nach einer höheren und vollkommeneren Form einstellt. Durch Zerreißen der alten und zu engen Hüllen und Übergang in zweckdienlichere Formen entwickeln sich alle Naturreiche bis zum Menschen hinauf als der höchsten Form der Schöpfung.

Ein Lichtäther-Atom ist nach euren Begriffen ein imponde-rables (unwägbares) Ding. Es ist aber doch ein für sich abgeschlossenes Begrenztes, da es sich ohne Begrenzung wieder im Äthermeer auflösen müßte. Trotz seiner unausd-rückbaren Kleinheit besitzt ein solches Atom dennoch Dimensionen der Breite, Tiefe und Länge wie ein jeder Körper. In jedem Atom ist ein Funke aus Gott eingeschlossen, denn Er hat es erschaffen. Es liegt in ihm ein Trieb des Weiterbildens. Und da ein jedes Atom in Beziehung auf Quantum und Eigenschaft sich vom anderen unterscheiden muß — um alle Elementarstoffe zu bilden, die zur Erschaffung und Erhaltung des Weltalls nötig sind —, so entwickelt sich zwischen den einzelnen Atomen mittels ihrer Dunsthüllen eine stete Verbindung. Hierdurch entstehen aus den Atomen Moleküle, aus diesen Zellen und Kristalle. Es entwickelt sich Wärme, Licht und Leben, was wieder die Bildung größerer Körper beschleunigt.

Nach Bildung der Weltkörper begann sodann das organische Leben als Träger des geistigen Lebens. Und aus dem Geistigen endlich das Streben, dem göttlichen Leben ähnlich zu werden, wodurch der in die kleinsten Atome gelegte Geistfunke nach äonenlanger Wanderung stufenweise wieder dahin zurückkehren muß, von wo er ausgegangen ist.

Erhebet euren Geist und fasset die Größe und Bedeutung selbst der materiellen Welt! Vertiefet euch in den Begriff der Allmacht, die mit den einfachen Mitteln der Anziehung und Abstoßung, mit Wärme und Licht das ganze Weltall erschuf. Und begreift seinen Schöpfer, dessen Liebefeuer auch das Licht und Leben eures Seins bildet!

Das Phänomen der Farben

Was für das Licht im allgemeinen, muß auch für seine Teilerscheinungen, die Farben des Prismas im besonderen gelten: sie sind durchwegs geistiger Natur. Dem Auge erscheinen sie nur als verschiedene Frequenzen des Lichtäthers, dem geistigen Blick hingegen als die sinnfällige Offenbarung göttlicher Grundeigenschaften und ihrer Entsprechungen in der Naturwelt. Auf diesen Umstand weisen zahlreiche Stellen des Lorberwerks hin, von denen einige nachstehend wiedergegeben sind. — D.Hg.

Die Vibrationen des Lichtes gehen von der Geisterwelt aus und strahlen in die materielle Welt herüber. Als Farbenbündel des Regenbogens drücken sich in diesen Lichtschwingungen alle sieben göttlichen Grundeigenschaften entsprechend aus. (Anmkg.: Nach Lorber heißen diese sieben schöpferischen Aspekte Gottes: Liebe, Weisheit, Willensmacht, Ordnung, Ernst, Geduld, Barmherzigkeit.) Nicht unbegründet ist das alte Wissen, daß bestimmten Farben analoge geistige Eigenschaften entsprechen. Es ist eine Ahnung, welche die Seele durchzieht, wenn sie z.B. im rosenfarbenen Lichte den Strahl der Liebe, im grünen den der Hoffnung und im blauen den des Glaubens wähnt, denn in diesen Gefühlen der Menschenseele spiegelt sich das Wirken der göttlichen sieben Urgeister wider.

Allen prismatischen Farben (samt ihren Übergängen) wohnt ein geistiger Sinn inne, denn sie stellen — gemäß den Vibrationen, die sie hervorbringen — Wirkungen der göttlichen Eigenschaften dar. Wie in allem Sichtbaren, so drückt sich auch in den Farben, und hier mehr als in anderen Dingen, Gottes Walten in der Schöpfung aus. Und wenn die Farbe weiß nach alter Lehre als die der Unschuld gilt, so will das nichts anderes sagen, als daß in dem ungebrochenen Lichtstrahl alle göttlichen Eigenschaften vereint sind. Von der Geistwelt bis zu euch ausgehend und als Sternen- und Sonnenlicht wahrnehmbar, soll euch der weiße Strahl mahnen, daß auch ihr all diese Eigenschaften gesammelt in euch tragt. Aber erst in der Berührung mit anderen Wesen können sie teilweise zur Anwendung gelangen, so wie der weiße Lichtstrahl von Millionen fernen Sonnen sich erst beim Auftreffen auf Materielles in seine Farbenstrahlen bricht und dann den Dingen Glanz und Schimmer verleiht..

Weitere geistige Entsprechungen sind z.B.: Morgenrot für die göttliche Liebe. — Rosenrot für die Nächstenliebe. — Weiß für die reine Wahrheit. — Blau für Beständigkeit und Treue.

— Hellblau für Liebetätigkeit aus dem Glauben. — Violett für himmlische Weisheit. — Lichtgelb für sanfte Ruhe. — Saftgrün für den geistig-naturmäßigen Zustand. — Wenn die Lichtstrahlen der Sonne als Träger geistiger Intelligenzen in der Materie auf eine Form stoßen, so nimmt diese, je nachdem sie ihrem inneren Inhalte nach beschaffen ist, sogleich die ihr zusagenden Teile des Lichtes an sich, während sie das für sie Unbrauchbare wieder nach allen Richtungen abstößt (reflektiert). Das Auge ist ein Aufnahmeorgan für die mannigfachen Unterschiede (Farben) des Haupt- und des zurückgeworfenen Lichtes, und diese Lichtunterschiede sind die Bildner der Verschiedenheit aller Dinge, was ihre Form, Farbe und Schattierung betrifft ...

Das weiße ungebrochene Licht ist noch gänzlich reinätherisch. Es ist in sich selbst ein Äther, der noch nichts anderes in sich aufgenommen hat. Ungeachtet dessen enthält er in ungeteilter Weise alles in sich, ähnlich wie das Wasser ein Träger all dessen ist, was die Erde nur immer aufzuweisen hat. Die weiße Farbe entspringt dem reinen Glauben. Wie aber diese Farbe als allerfeinst ätherischer Stoff alle anderen Stoffe oder Farben in sich birgt, so trägt auch der Glaube in feinster geistiger Substanz alles Unendliche des Reiches Gottes und des göttlichen Wesens selbst in sich .

Der grüne Lichtäther ist gewisserart hungrig nach Sättigung, nachdem er alle anderen ätherischen Stoffe verzehrte bis auf den grünen selbst, der darum auch ein ausstrahlender ist. Zufolge seines Hungers bekommt er sodann durch die weiße Farbe des Lichtäthers, der alles in sich enthält, eine vollkommene Sättigung, die sich endlich in einer rötlichen Färbung ausdrückt. Blicket in die Natur: Wie sieht da alles in unreifem Zustande aus? Grün! Aber dieses Grün als eine hungrige Farbsubstanz sättigt sich fortwährend mit dem weißen Lichte der Sonne. Wie spricht sich dann die völlige Sättigung aus, welche das eigentliche Reifsein der Früchte darstellt? Gewöhnlich zumeist in einer mehr oder weniger rötlichen Farbe, oder wenigstens in einer solchen, die der roten Farbe entstammt oder gar in dieselbe übergeht.

Die blaue Farbe ist nichts anderes als eine dunstige Umhüllung der roten Farbe. Daher gehen auf der Erde viele Früchte in ihrem Reifwerden in Blau über. Desgleichen gibt es eine Menge blauer Blumen, deren Farbe sich von der roten ableitet. Wer z.B. eine blaue Frucht, etwa eine Pflaume betrachtet, wird bald gewahr werden, daß die blaue Farbe nur ein äußerer flüchtiger Anhauch ist. Ihr dürft einer solchen blauen Frucht nur den Saft entnehmen, um zu erfahren, daß der Grund von Blau vollkommen die rote Farbe ist. Betrachtet die tiefblaue Kornblume mit einem Mikroskop, so werdet ihr aus den tausenden aneinandergereihten Kristallchen häufig eine vollkommen rote Farbe hervorblitzen sehen. Um diesen Zusammenhang von Blau mit Rot noch besser zu übersehen, überzieht mit einem sehr feinen Glasstaube eine rote Fläche; diese wird euch dann nicht mehr rot, sondern bläulich erscheinen! Noch deutlicher zeigt euch die Morgen-und Abendröte, wie da die blaue Färbung der Luft bei einer gewissen Strahlenbewegung leicht in Rot übergeht.

Gelb ist die vom Leben entfernteste Farbe, denn es ist die Farbe, die der Ruhe entspricht, während das Leben stetes Tätigsein bedeutet. Setzet einen Blumentopf für längere Zeit an einen völlig finsteren Ort und ihr werdet klar ersehen, wie sehr die grüne Farbe in eine weißlich blaßgelbe, also völlig in die Farbe des Todes übergegangen ist. Setzet ihr aber den Blumentopf wieder ans weiße Licht der Sonne, aber nicht zu jäh, so wird er wieder zu grünen beginnen, indem er außerordentlich hungrig nach einer reellen Sättigung geworden ist. Ebenso zeigt im Herbste sich das Verwelken der Blätter durch die gelbe Farbe an. Es ist klar, daß man hier nur die

Farben der belebten Pflanzenwelt, nicht aber die der Mineralien verstehen muß, da im Mineralreich die Farben gefestigt und wie vollkommen gefangen und gerichtet erscheinen.

Die Sättigung zwischen Grün und Weiß spricht sich in der Naturwelt ebenso gut durch die rote Farbe aus, wie die durch den Glauben (weiß) genährte Hoffnung (grün) vollkommen in die Frucht der Liebe (rot) übergeht. Die Hoffnung verzehrt sich beständig und gelangt nie zu einer Kraft, wenn sie nicht eine rechte Nahrung erhält durch den festen Glauben. Jede Art von Verzweiflung hat ihren Grund in einer völlig aufgezehrten Hoffnung. Aus diesem Grunde kommen solche Menschen jenseits zumeist in einer dunkelgrünen Farbe zum Vorschein, die bei entsprechender Hoffnungslosigkeit in eine schimmelgraue oder gar in die vollkommen schwarze Farbe übergeht. Eigentlich ist letztere gar keine Farbe mehr, wie auch kein Licht, sondern ein völliger Mangel an allem.

Wohl strahlt die grüne Farbe ihr Grün aus und verzehrt alles andere des ätherischen Farbentums. Dies aber ist auch das Charakteristische der Hoffnungen. Auch die Hoffnung nimmt alles mit Begierlichkeit auf und malt sich das Gehoffte in den buntesten Farben aus. Wer aber sucht begieriger reellen Trost, also moralische Sättigung einer verhungerten Hoffnung, als ein hoffnungslos gewordener Mensch? Bringet ihn an den Strom des geistigen Lichtes und er wird da in vollen Zügen aufnehmen, was ihm vorerst am meisten mangelt. Daraus ist klar zu ersehen, wie die Hoffnung durch den Glauben stets mehr und mehr gesättigt werden kann. Wird ein Mensch gewahr, daß die Sättigung durch einen wahren Glauben eine vollkommene ist, so wird er heiteren Mutes werden und den Geber mit der Glut seiner Liebe ergreifen. Eben diese Liebe drückt aber schon eine völlige Sättigung aus. Denn in der Liebe ist die Kraft des Glaubens und der Hoffnung schon zu einer realisierten Reifung gediehen

Von allen Farben des Lichtes ist die grüne die intensivste und kräftigste. Daher durchdringt sie in der Natur die gesamte Pflanzenwelt und strahlt aus ihren Zweigen und Blättern hervor. Die blaue Farbe ist die am wenigsten intensive (nur Umhüllung von Rot!), weshalb von ihr auch am wenigsten verzehrt wird. Daher ist die Luft stets von dieser Farbe erfüllt, so daß entfernte Landschaften und Gegenstände stets etwas blaugefärbt erscheinen.

Blau, weiß oder rot gefärbt sind die ersten Anfänge einer jeden Pflanze, ehe sie aus der finsteren Erde emporsteigt. Aber kaum erreicht sie das Licht mit seiner Strahlenbrechung und erregenden Kraft, so beginnt ein anderes Leben. Das fahle Blasse wird gefärbt zu Grün in allen Schattierungen, der Individualität der Pflanze angemessen. Immer ist das Licht der Anreger zu weiterem Wachstum; es bildet sich die Knospe, die Blume, die Frucht. Was die Blätter an Farbenpracht einsaugten und dann nur als grüne Farbe zurückstrahlen, das geben sie nun wieder verfeinert in den verschiedenen Farben der Blume zurück, indem sie hier das Grüne für sich behalten und die anderen Farben ausstrahlen. Neben diesem Farbenspiel ist das Licht noch als Wärmeentwickler der Hauptfaktor, der das Ätherische in den feinen Säften der Gewächse herauszieht und sich euch durch den süßen Saft oder den feinen Geruch der Früchte kundgibt.

Die Farben auf der Erde sind darum noch unvollkommen ausgebildet, weil hier die Strahlen der Sonne noch zu intensiv und daher wenig gesondert auf den Boden einfallen. Färbung ist allzeit eine Folge der Lichtbrechung. Zwar sind auch die Blumen der Erde mit allerlei leuchtenden Farben geschmückt, doch geht ihnen jener lebendige Glanz ab, welcher die Farben in den geistigen Sphären kennzeichnet. Hier nehmen die gleichen Farben einen ganz anderen Charakter an. Ein sanftes Schillern reizt das Auge des Betrachters immer von neuem. Bei der leisesten Wendung treten stets neue Farbennuancen hervor. Auch hier gibt es ein Rot, Grün, Blau, Violett, Gelb usw., wie auch die verschiedensten Übergänge aller Farben. Wer aber kann die Basis setzen für jede Farbe und deren Grundton bestimmen? Wer kann sagen, welches das Grundrot ist innerhalb aller Rotvarianten: Ist das Dunkelrote mehr Grundrot oder das Lichtrote?

Welches Rot ist eigentlich das reinste Rot? Ist es das Blutrot, das Rosenrot, ist es Purpur, Scharlach oder Karmin? Alles trägt den Sammelnamen Rot und sieht einander doch nicht gleich. Solche Unterschiede besitzt nun eine jede Farbe; wo wohl ist der Grund einer jeden? Auf der Erde mag dies wohl niemand bestimmen können. Hier in der geistigen Welt aber erblicken wir wirklich die Grundfarben. Und diese tragen jene Eigenschaft, die man einer reifen Ananasfrucht zuspricht: daß sie jeden Geschmack in sich berge, den man sich bei ihrem Genuß einbilde. So wechseln auch die Farben je nach dem Wunsche des Beschauers.

Und so sehen wir hier Farben, die nicht selten wie aus dem Hintergrunde hervorstrahlen, und sie haben ein so sonderbares Schillern, daß man z.B. im Rot alle seine Arten auf einmal erschaut. Welches Rot man sich am stärksten vorstellt (hängt von der seelischen Beschaffenheit ab! D.Hg.), dasselbe sticht auch im Augenblick am meisten hervor, ohne jedoch das eigentliche Grundfarbenwesen des Rot zugrunde zu richten. Von ähnlichen Farben und solchen Eigenschaften läßt sich in der dichten Materie niemals etwas vorfinden.

Wohl gibt es auch auf der Erde lauter geteilte und gebrochene Farben, aber von einer Grundfarbe, die alle ihre Nuancen in sich faßt, ist nichts wahrzunehmen. Zwar gibt es mannigfache Schillerungen im Wesen jeder Farbe, doch kommt bei jeder Wendung eine ganz andere Farbe zum Vorschein. Hier aber schillern in der Rotfarbe nur alle Arten von Rot gleichzeitig durch, in der grünen alle Nuancen von Grün usw. durch alle Farbabstufungen hindurch. Daneben finden sich in wunderbarer Weise noch ganz neue, fremde Farben, die auf der mageren Erde noch niemals vorgekommen sind. Denn auf der Erde ist alles nur Stückwerk: ein matter, höchst gebrochener Schimmer von der Herrlichkeit der jenseitigen Welten, wo wir alles in Grundüberfülle zu erschauen vermögen! —

Licht — Liebe — Leben

(Eine Kundgabe des Inneren Wortes, empfangen durch Gottfried Mayerhofer.)

"Wie wenig wißt ihr darüber zu sagen, was das Licht in Wahrheit ist! Nur wenige fühlen in sich den Drang, darüber nachzusinnen, was eigentlich ein Lichtstrahl bedeutet, der doch in jeder Sekunde, da er eure Augen trifft, euch von den Wundern der Schöpfung Kunde vermittelt.

Ihr wißt nur, was euch die äußere Wahrnehmung bietet: Licht entsteht durch Schwingungen der Atome, und Farben sind verschiedene Schwingungszustände der Materie, hervorgerufen durch Brechung des Lichtes. Je nach der Zahl dieser Vibrationen werden sie eurem Auge wahrnehmbar oder bleiben euch unsichtbar und können zu einem kleinen Teil nur durch eure Meßinstrumente nachgewiesen werden.

Was aber regt die Materie an zu vibrieren? Was gibt ihr Leben, das sich durch solch heftiges Erzittern offenbart! Seht, hier tritt das Grundprinzip der ganzen Schöpfung in Erscheinung:

Das bewegende Element, das alles durchdringt und in ungeheuren Schwingungen den ganzen unendlichen Ätherraum beben macht, ist Mein Wille! Es ist also durchwegs nichts materiell Bedingtes, sondern rein Geistiges. Nichts Vergängliches, sondern unendliches, ewiges Leben! Dieses Geistesleben Meines Ich gibt sich entsprechend Meiner Liebe als Wärme und entsprechend Meiner Weisheit als Licht zu erkennen. Ohne Meinen allmächtigen Willen würde kein Atom im ganzen All erzittern, kein Wärmestoff entwickelt und kein Lichtstrahl ausgesandt werden.

Und warum geschieht dies alles? Weil das Licht Leben und die Finsternis den Tod bedingt. Undenkbar wäre Leben, wo Dunkel waltet, das mit träger Ruhe gleichbedeutend ist und alles in einem Zustande verharren ließe, der keiner Entwicklung mehr fähig wäre. Ihr habt noch nie begriffen, was wirkliche Finsternis ist. Denn wenn ihr nicht mehr seht, so ist das noch keine wahre Finsternis, sondern nur ein für eure Sehorgane relativer Mangel an Licht. Es gibt doch viele Tiere, die noch sehr gut sehen, wenn es für euch tiefste Nacht ist. Wo also diese Tiere sehen, da muß auch Licht vorhanden sein, nur eben nicht in jenem Maße, nach dem ihr die Begriffe Licht und Finsternis qualifiziert. Dasselbe gilt für die Wärme: Wer von euch kann je bemessen, wo Wärme aufhört, d.h. das Wärme bewirkende Vibrieren der Lichtatome endet? Auch in euren kältesten Polarregionen herrscht noch Wärme, wenngleich ihr diese als Kältegrade feststellt. Absolute Kälte und Finsternis existieren somit nirgends in einer Schöpfung, deren Erschaffer Ich als das Leben selbst bin!

Licht ist geistig gleichbedeutend mit Erkenntnis. Denn wie im Naturlichte ein Erkennen der Gegenstände, ein sehendes Wahrnehmen möglich ist, so entspricht auch Erkenntnis dem Bewußtsein: Ich erkenne mich und kann die mich umgebende Welt beurteilen. Dieses Erkennen, das den Geschöpfen, seien es Geister oder Körperwesen, ihren eigenen moralischen Wert verleiht, kann nur im geistigen Lichte Meines Ich möglich sein, da in der Finsternis weder ein geistiges noch weltliches Erkennen denkbar wäre. Beachtet daher in der Schöpfungsgeschichte der Bibel Mein Wort "Es werde Licht!" in seiner ganzen Bedeutung! Denn ohne die lichte Tageshelle kein materielles Leben, und ohne Geisteshelle kein höheres Leben. Nur im Lichte können die millionenfachen Wunder wahrgenommen werden, die Meine Allmacht bekunden, und nur im Lichte ist ein Schöpfer in seiner Offenbarung als liebender Vater erkennbar.

So war das erste Schöpfungswort der Impuls alles Werdens, der erste Gedanke zu einem geistigen Lichtreich und auch der erste Anfang einer materiellen Weltenschöpfung. Licht, als geistige Entsprechung, die Erkennung alles Wesenden, war notwendig. Und eben dieses Machtwort, das alle Atome erzittern ließ und alle Geister des Äthers in Tätigkeit versetzte und damit Leben und Wärme hervorrief, wirkte auch in den Himmeln. Es zeugte dort die Abkömmlinge, die — sich ihrer selbst bewußt — im Lichte Meine ewige Liebe erkennen sollen. Von Mir ausströmend, durch alle Räume dringend und alles belebend, schuf Mein Licht auch die materielle Welt und kleidete Geister in Materie, um sie daraus wieder unter anderen Verhältnissen zu befreien.

Mein Liebewort "Es werde Licht!" gab den Impuls, daß diese im Stoff eingekleideten Geister sich des Ursprungs erinnerten. Sie verstanden nun, warum sie das Körperkleid anziehen mußten und warum sie wieder nach Befreiung davon streben müssen. So ist durch Licht die Welt erst sichtbar geworden und bildet für das geistige Auge kein materielles Konglomerat von Stoffen, sondern eine große Prüfungsschule. Hier gelangen Geister nach verschiedenen Stufen der Bewußtwer-dung dahin, von wo sie ausgegangen sind: zu Mir, dem Schöpfer, der alles mit gleicher Liebe schuf, erhält und zur Vollkommenheit führen will.

Weltenlicht ist Weltenleben. Licht belebt alle Materie und die darin schlummernden Geister. So ist das Licht, das eine Welt der anderen zusendet, nichts anderes als das freudige Erzittern der Materie, erregt durch die Wärme als Entsprechung der Liebe. Es gibt den eingeschlossenen Geistern Kunde von der Hand dessen, der sie zwar in den Stoff bannen mußte, aber sie auch wieder daraus befreien will. Dieses lichtverbreitende Vibrieren strahlt von der Geisterwelt in die materielle Welt herüber und offenbart sich bis in die entferntesten Sonnen des Alls.

Wenn ein Lichtstrahl aus fernsten Fernen zu euch dringt, so bedenket: Wäre das Auge nicht selbst von Sonnennatur, nie könntet ihr die Sonne wahrnehmen. In euren Augen ruht schon in den verschiedenen Feuchtigkeiten eine Lichtwelt, die — dem vom ganzen Universum euch zugesandten Lichte homogen (artverwandt) — in euch den gleichen Lebensprozeß hervorruft, den das Licht in der ganzen Schöpfung bewirkt. Euer Sehorgan ist einer jener Vermittler, welche die Seele vom materiell Sichtbaren zum geistig Unsichtbaren erheben. Daher das Sprichwort "Das Auge ist der Spiegel der

Seele". Denn wie in eurem Auge sich von außen die Materiewelt abspiegelt, ebenso leuchtet von innen eine geistige Welt daraus hervor. Auch materielles Licht vermag geistiges Licht zu erwecken, denn das Licht zeigt euch die Wunder Meiner Schöpfung, um geistiges Erkennen damit hervorzurufen.

So redet die ganze Natur, so rede Ich zu euch, damit ihr begreift, daß Licht gleichbedeutend mit Erkenntnis ist, entsprechend dem höheren Bewußtsein des Menschen: "Ich bin nicht von dieser Welt, sondern ein Himmelsbürger, nur hierhergestellt, um meine Fähigkeiten zu wecken und zu entwickeln. Ich bin erkoren, ein Kind des Schöpfers zu werden!" — Es werde endlich Licht auch in euren Herzen! Licht ist Wahrheit und Liebe, ist Wärme und Begeisterung für das Göttliche. Dazu soll auch dieses Wort beitragen und euch zeigen, wie selbst in wissenschaftlichen Entdeckungen stets geistiges Licht verborgen liegt. Aber es offenbart sich nur dem, der inmitten materieller und chemischer Prozesse die Notwendigkeit erkennt, damit Geistiges zu erfassen.

Nicht Neugierde soll euch treiben, sondern Wißbegierde nach göttlichen Dingen soll euch beseelen. Je mehr ihr wissend erkennt, desto mehr Licht entfaltet sich in eurem Innern. Und je finsterer es in der Außenwelt wird, umso mehr wird ein jeder der geistigen Leuchte bedürfen! Darum heißt es "Wachet und betet, daß ihr nicht dem Todesschlafe der geistigen Finsternis anheimfallet!" Geistiges Licht wird euch auch die kommenden Ereignisse eines Weltgerichtes weniger schrecklich fühlen lassen, denn das Licht in euch ist Gnadenlicht aus Mir. Es leuchtet desto heller, je mehr sich das Weltlicht verdunkelt. Vertrauet euch daher Meinem Geistlichte an und ihr werdet in Bälde ersehen, daß dieses Licht der Liebe und Gnade euch durch alle Prüfungen leiten wird, die als Finsternis und Schatten dem neuen Tage vorangehen.

So wie das Licht, wenn es als erster Strahl der Morgensonne

So wie das Licht, wenn es als erster Strahl der Morgensonne auf die kalte Erde fällt, alles belebt und erwärmt, setzt auch das geistige Licht alle geistigen Fähigkeiten in Bewegung, um seine Mission zu erfüllen. Sogar die ganze Tierwelt mi wenigen Ausnahmen fühlt den ersten Lichtstrahl und überall regt es sich in und auf der Erde. Alles wendet sich freudig dem wiederkehrenden Lichte entgegen, denn in ihm ist Leben und von ihm hängt alles Leben ab. Selbst in den Polargegenden des Nordens und Südens, wo alles unter dem Einfluß der großen Kälte fast erstarrt, ist das Licht der einzige Zeuge der Natur, während sonst nichts Zeichen von Leben und Wärme gibt.

Überall ist Licht gleichbedeutend mit Erweckung von Leben. Und gerade in der höchsten Atmosphäre, wo jedes animalische Leben unmöglich geworden ist, da ist die Werkstätte der Allmacht, die ewig erneuert, was millionenfach täglich auf Erden verbraucht wird. Im weiten Ätherraum ist es ebenso: Nur das Licht durchkreuzt mit seinem schnellen Fluge die Finsternis. Lichtstrahlen von Milliarden Sonnen und Welten begegnen sich dort. Da gibt ein Strahl dem anderen ab, was er selbst nicht mehr benötigt und was über unermeßliche Weiten hinaus einer anderen Sonne samt ihren Trabanten geistige Nahrung zuführt, damit jedes Einzelne sich im Ganzen erhalte. Der Lichtstrahl allein ist es, der mit seiner positiven und negativen Polarität (Elektrizität) die ganze Schöpfung erhält und ihrem Ziele der Vollendung entgegenführen hilft.

Von all diesem großen Schöpfungsleben gäbe dem Erdenmenschen nichts Kunde, wäre nicht der flüchtige Lichtstrahl, der euer Auge trifft. Wie wenige aber kennen den wahren Wert des Lichtes und seine geistige Entsprechung! Und doch könnte das geistige Licht dem Menschen fruchtbare Lehren geben. Wäre er nur fähig, dieselben aufzunehmen und zu begreifen, so würde er bald wahrnehmen, wie alles Gute, Wahre und Schöne daraus hervorkeimt.

Wie das Licht mit seinen sieben Farben in der sichtbaren Welt wirkt, so belebt auch die Liebe als das Licht Gottes — sich in ihren Eigenschaften dem Menschen tätig zeigend — dessen Lebenswandel und lehrt ihn, den Schöpfer als den liebenden Vater Seiner Kinder zu erkennen. Ist diese geistige Harmonie zur Wirklichkeit geworden, so werde Ich nicht mehr in die unendlichen Räume Mein Wort "Es werde Licht!" ertönen lassen, denn dann wird es überall Licht geworden sein — im Inneren der Herzen, wie auch im Äußeren der materiellen Welt, wo sich dem geistigen Auge beim Suchen nach der Wahrheit und beim Schauen Meiner Werke kein Fleck ohne Licht mehr entgegenstellen wird.

Licht, Leben und Liebe: das wird das Kleeblatt der Dreieinigkeit sein, das euch zu Mir in die geistigen Himmel führen wird. In jenes ewige Reich, wo der Seligkeiten kein Ende ist!

Über das Wesen des Tons findet sich nur im Werke "Der Saturn" eine zusammenhängende Darstellung der geistigen Grundlagen dieser Erscheinung, die gleichfalls der Sphäre des Äthers angehört. Zwar zählt im weiteren Sinne auch die menschliche Sprache zu diesem Gebiet, doch sollen Eröffnungen hierüber erst in einem späteren Bande Aufnahme finden. Der Niederschrift Lorbers wurde hier noch eine durch Gottfried Mayerhofer empfangene Kundgabe über die Musik beigefügt. — D.Hg.

Eines der Mittel, einen Ton zu erzeugen, ist das Anschlagen einer Saite, die über ein gehobeltes hohles Brett gespannt ist. Was ist da wohl die Ursache der tönenden Wirkung? Was bewirkt eigentlich den Ton: die Saite oder das glatte Holzbrett? Weder das Brett noch die Saite allein für sich, sondern beide gemeinschaftlich bringen jene Wirkung hervor. Das gehobelte Brett als ein zusammenhängendes Ganzes hält alle nur denkbaren Formen zur Bildung des Tones in steter Bereitschaft. Die darüber schwingende Saite aber ruft diese Formen je nach ihrer Spannung wohlunterscheidbar hervor. So ist das Brett der Inhalt aller Tonformen, während die Saite darüber fähig ist, dieselben zu erwecken und in die vernehmbare Erscheinlichkeit überzuführen. Damit jedoch solches möglich ist, muß doch zwischen dem Hohlbrett und der Saite eine unleugbare Harmonie obwalten, die aus dem Zusammenwirken zweier polarischer Ursachen entsteht.

Wer dabei auch die Luft als ein Mittel zur Bildung jener Töne betrachten wollte, dem kann gesagt werden, daß bei der

Hervorbringung irgendeiner Wirkung unmöglich je mehr als nur zwei Polaritäten in einen gegenseitig produzierenden Konflikt treten können. Das Medium, hier die Luft, kann niemals als eine Ursache angesehen werden, sondern nur als ein Weg, auf dem diese Wirkung in Erscheinung tritt. Oder sind Äther und Luft zwischen der Sonne und einem Planeten etwa dasjenige, das da bewirkt das Licht? Sind nicht vielmehr auch sie nur der Weg, durch den das Sonnenlicht zu jenen Planeten gelangt, die fähig sind, das sie überkommende Licht aufzunehmen? Auf diese Weise dürfen wir auch die Luft bei der Tonbildung nicht als bewirkende Ursache, sondern nur als ein weiterleitendes Mittel betrachten, durch das die zwischen Brett und Saite gebildeten Tonformen vom Ohre wahrgenommen werden können.

Ihr müßt euch unter "Ton" überhaupt nicht den Klang denken, sondern eine ätherische Form, die durch einen gewissen Grad von Schwingungen irgendeiner glatten und elastischen Fläche entlockt wird. Der Klang an sich ist nur Zeuge, daß hier durch regelmäßige Schwingungen eines vibrierenden Körpers die Formen eines anderen, ihm zu Grund liegenden Körpers entwickelt worden sind. Obschon ihr in der Tonkunst bewandert zu sein glaubt, so seid ihr nahezu in keinem Fache unwissender als eben in der Welt der Töne. Denn davon versteht ihr nicht mehr, als was die Würmer verstehen, die an der toten Rinde eines Baumes nagen. Zwar stellet ihr mehr oder weniger kunstvoll einzelne Töne verschiedener Höhe und Tiefe zusammen und ergötzt euch an dieser Musik. Wer von euch aber hat es sich dabei je einfallen lassen, daß der Ton eine der wunderbarsten Formen ist? Wenn ihr irgendeinen Ton singt oder mit einem Klanginstrument hervorbringt, so wißt ihr den Ton zu benennen und seine Oktave zu bestimmen, ebenso nach der Klangfarbe, durch welches Instrument der Ton bewirkt wurde. Gestehet, ob ihr vom Tone viel mehr wißt, außer daß ihr noch die Qualität des Tons taxiert und sein Verhältnis zu anderen mit dem Ohr bemeßt, ob ihr Zusammenklingen wohl- oder mißtönend ist! Damit aber seid ihr mit dem Ton auch vollkommen fertig, ohne zu ahnen, warum die Töne auf euer Gemüt solch große Wirkungen hervorbringen.

Darum sei hier etwas Weniges über den Ton selbst gesagt. Ihr wißt, daß über das gleiche Brett mehrere Saiten gespannt werden können. Eine jede Saite wird nach dem Grade ihrer Spannung einen Ton von verschiedener Höhe von sich geben

— und das alles auf ein- und demselben Brett! Wenn aber aus diesem Brett alle nur denkbaren Nuancen von Tönen hervorgerufen werden können, so müssen daselbst doch unendlich viele Formen verborgen vorhanden sein, die durch jeden möglichen Grad der Saitenspannung vernehmbar in Erscheinung treten können. Betrachtet ihr das Brett an sich, was findet ihr darauf? Nichts als eine gleichförmige glatte Holzfläche. Und bei den Saiten nichts als einen gleichförmigen elastischen Faden entweder aus Metall oder aus Darm. So bemerkt ihr nichts als zwei platte Einförmigkeiten, aus denen sich kaum etwas herausphilosophieren läßt. Und dennoch liegt darin eine solche Mannigfaltigkeit, daß davon alle Tondichter von Davids Zeiten her noch nicht den milliardsten Teil in ihren Kompositionen aufgegriffen haben, da doch diese äußeren Töne an sich im Hinblick auf den eigentlichen wahren Ton nichts anderes sind, als da ist die tote Rinde eines Baumes gegen dessen inneres, unsichtbares geistiges Leben.

Was also ist demnach der Ton in Wahrheit? Er ist ein Sich-Kundgeben der endlos vielen harmonischen geistigen

Formen, wie diese der Materie innewohnen oder wenigstens (durch den Äther) in diese hineinragen. Demnach ist das resonierende Brett eines Klanginstruments eine unendliche Welt voll geistiger Formen. Und wenn ihr z.B. einen Ton unter dem Namen c oder a angeschlagen habt, so hat sich durch den einfachen Klang nichts weniger als eine ganze Schöpfung mit einer unzählbaren Anzahl von Wesen aller Art für euer Ohr einförmig vernehmbar gemacht. Ihr aber hängt nur an dem, was ihr als Klang wahrnehmt; was aber hinter dem Vernommenen steht, das beachtet ihr nicht. Und wenn euch bei Akkorden oder nacheinander folgenden Melodien auch eine große Ahnung ergreift und euch die geistig lebendigen Formen förmlich am Genick packen, so seid ihr noch blind und nagt nur an der Rinde, ohne bei jedem einfachen Ton zu bedenken, daß eben durch den Ton eines alleinigen Wortes alle Dinge hervorgegangen sind, welche die ganze Unendlichkeit erfüllen!

Damit möget ihr euch einen kleinen Begriff machen, was wirklich ein Ton ist, und wie unterschieden seine große Bedeutung vom einförmigen Klang ist, den ihr Ton nennt. Da wir zuvor von den harmonischen Verhältnissen ausgegangen sind und dargelegt haben, wie zwischen einem glatten Brett und einer gespannten Saite eine stete Harmonie waltet, deren Wirkung im äußeren wahrnehmbar wird, — so soll auch jener Harmonie gedacht werden, die sich zwischen zwei noch so entfernten Weltkörpern vorfindet. (Siehe dazu auch Keplers "Harmonie der Sphären" und Goethes Faust "Prolog im Himmel"! D.Hg.)

Denkt euch die Sonne als das resonierende Brett und die Planeten als die darüber gespannten Saiten. Werden nun diese um das resonierende Brett der Sonne schwebenden planetensaiten durch das von der Sonne ausgehende Licht angeschlagen, so nehmen sie damit alle in der Sonne schon zu Grunde liegenden Formen auf und setzen sie dann in die äußere formelle Erscheinlichkeit um. Dieselbe Ursache, die auf eure Erde einwirkt und auf ihr alle Formen der Naturwelt in Erscheinung treten läßt, bewirkt auch auf den anderen Planeten das gleiche. Nehmt z.B. ein siebenoktaviges und zugleich ein fünfoktaviges Klavier, so wird das mehroktavige sicher noch tiefere und höhere Töne aufweisen als das minderoktavige Instrument. Wenn aber das siebenoktavige Klavier mit seiner Skala da eintritt, wo des fünfoktavigen Instruments tiefster oder höchster Ton liegt, so wird es dennoch, mit demselben gleichtönend, die Tonleiter harmonisch ebenso fortsteigen oder fallen lassen wie das fünf oktavige Klavier. Nur werden natürlich die Töne des größeren Instruments stärker und ausgebildeter klingen als die des kleineren Instruments. Und damit will verstanden sein, daß auch die Formen aller Planeten einer Sonne miteinander in jener gemeinsamen Harmonie stehen, wie sie beim Tone sich aus der harmonischen Polarität zwischen dem Brett und den Saiten ergeben hat.

Was die Formentwicklung der Töne betrifft, so müssen polare Gegensätze vorhanden sein. Diese stoßen sich und wo sie sich berühren, da werden sie im Äther als Formen wahrnehmbar und machen ersichtlich, was sie sind und bedeuten. Es entwickelt zwar jeder Ton für sich schon eine bestimmte Form einfachster Art. Aber diese wird erst dann als Gebilde sichtbar, wenn sie sich gewisserart auf eine vorangehende Form stützen kann. Auf der Erde hat die Musik als eine Folge von Tönen eine starke Formwirkung. Die Zuhörer werden dadurch oft unwillkürlich in ihrem Gemüt in ganz fremde Regionen und Sphären versetzt. Das bewirken die Formen, die durch verschiedene Tonkombinationen in der Seele erzeugt werden und Zustände hervorrufen, die sie geistig in solche Regionen versetzt, die aus jenen aufgetauchten Formen gebildet sind. —

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(Mayerhofer "Über die Musik":) Die Gefühls- oder geistige Sprache, die nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, weil deren Ursprung von der Kreaturwelt unverstanden nur geahnt werden kann, nennt ihr allgemein "Musik". Aber ihr kennt nicht ihre geistige Bedeutung, was sie ist, warum sie da ist und welches ihre eigentliche Grundursache ist.

Wenn eine Seele sich von erhabenen Gefühlen durchströmt den Einflüssen der Natur hingibt, soweit diese durch das Gehörorgan in ihr Inneres dringen, so sind die durch die Schallwellen ans Ohr gelangenden Töne gleichfalls erhabener Art. Sie erwecken dann in dem im Zentrum der Seele wohnenden Geiste eine Sehnsucht nach seiner früheren, eigentlichen Heimat. Die Seele empfindet damit etwas, das einer Art geistiger Lust nahekommt, aber von ihr in Worten, Zeichen, Bildern und Formen nicht dargestellt werden kann. Dieses Zusammenströmen verschiedener Töne, nach Rhythmus, Tiefe und Höhe gegliedert, ist eben das, was ihr unter "Musik" kennt. Es ist ein Vibrieren des Geistes innerhalb seiner kleinen Zelle, ein Erzittern vor Wonne. Hervorgebracht durch die Schwingungen der Luftwellen, die sich gleichfalls angeregt aneinander reiben, entbinden diese Vibrationen die gebundenen harmonischen Geister der in der Luft weilenden Elemente und rufen damit einen oder mehrere Töne hervor. Im Trommelfell des Ohres angelangt, erwecken diese gleichgestimmte Gefühle im Inneren des Geistmenschen, der sodann solche Gefühle auch der Seele und sogar dem Körper mitteilt. Indem diese Töne als ein reingeistiges Produkt wieder nur einem Geiste mitgeteilt und nur von diesem verstanden werden können, ist die Tonsprache der Seele nicht direkt zugänglich. Noch zu wenig mit dem Geiste verbunden, kann selbe deren Bedeutung wohl ahnen, sich jedoch nicht deutlich machen. Deswegen geht die Musik mit ihrer großen Gewalt über das menschliche Herz unverstanden über diese Erde hinweg. Die Erhabenheit fühlt fast ein jeder, aber das Warum weiß keiner!

Ihr habt nun verschiedene Musikinstrumente erfunden, die geeignet sind, das Vibrieren der angeregten Luftwellen aufzufangen oder ähnliche Töne selbst hervorzubringen, d.h. ein ähnliches Erzittern ihrer Bestandteile zu bewirken, indem auch dort sich gebundene gleichgesinnte Geister lösen. Dieses Vermischen mit den freien Geistern der Luft gibt dann jedem Instrument seinen eigenen Klang, wobei in manchen Instrumenten ganz verschiedene Umstände zusammenwirken müssen, um den rechten und bezweckten Ton zu erzeugen.

Da Ich als Schöpfer aller Welten keine tote Natur erschaffen habe, so legte Ich auch in die Organe der schon höher entwickelten und Gefühl empfindenden Tiere Einrichtungen, die das Hervorbringen von Tönen erlauben. Solche Tiere bedienen sich bei ihren dumpf ahnungsvollen Stimmungen dieser Tonsprache, um ihren Gefühlen Ausdruck zu geben. So seht ihr die Singvögel nach ihrer Art Mir Dank bringen, wenn durch die Wärme, oder was gleichbedeutend ist, durch die empfundene Liebe ihr Inneres vor Freude erzittert. Könntet ihr die verschiedenen Loblieder der fliegenden, summenden und zirpenden Welt verstehen, die im Frühling bei neuerwachter Naturtätigkeit und täglich beim Aufgang der Sonne Mir entgegenströmen — wahrlich, ihr euch weise

dünkenden Menschen müßtet euch beschämt zeigen wegen eurer Gottlosigkeit und Hartherzigkeit!

Ihr müßt auch wissen, daß kein von euch erfundenes Instrument anderswo seinen Grund hat als aus der Natur der geschaffenen Wesen selbst. Aufmerksame Beobachter der Tierwelt waren es, die den Musikinstrumenten ähnliche Einrichtungen gaben und sie immerwährend verbesserten, bis daraus eure heute gebräuchlichen Instrumente entstanden. Hauptsächlich bei Blasinstrumenten diente als Norm die menschliche oder tierische Kehle. Im Kehlkopf ist die ganze Vorrichtung bis in die Luftröhre hinein ein System vibrierender Apparate — wie die knorpelartigen Kreise im Kehlkopf selbst, ferner die Stimmritze mit der in sie hineinragenden kleinen vibrierenden Zunge —, die beim Tönen durch das Erzittern der Luftsäule im Inneren der Luftröhre und durch ihre eigenen Schwingungen jene Töne erzeugen, welche die Seele hervorbringen will. Am Gewölbe des Gaumens anprallend, erhält dann der Ton seinen eigentlichen charakteristischen Laut oder Klang.

Was dort die Stimmritze, sind bei den Streichinstrumenten die meist s-förmigen Einschnitte im Holze. Die gewölbten Wände entsprechen dem Gaumen als Resonanzboden usw. So werdet ihr bei genauer Betrachtung eines jeden Toninstruments als erstes Grundprinzip stets das menschliche oder tierische Stimmorgan erkennen. Da aber wie die Größe des Organs auch die Stimme verschieden sein muß, und besonders bei Vögeln der Mund anders, nämlich schnabelförmig gebildet ist, so wird auch dort der Ton wieder so modifiziert, wie er jedem Singvogel eigentümlich ist.

Ein großer Unterschied zur Modulation der Töne ist der, daß bei Mensch und Tier die eingeatmete Luft eine andere als die

ausgehauchte ist. In der einzuatmenden Luft liegen andere Elemente gebunden, die im Körper eingesaugt, verarbeitet und chemisch zersetzt werden. Beim Singen der Vögel z.B. ist der Klang meist aus den Elementen der eingeatmeten und ausgehauchten Luft zusammengesetzt, d.h. aus für Vögel belebenden und abgestorbenen Elementen. Der Ton des Gesanges einer jeden Vogelart ist eben darum verschieden, weil er beim Einatmen zwar die gemeinsame Luft, beim Ausatmen jedoch nur das für ihn Unbrauchbare ausstößt. Dieses Ausgestoßene aber ist bei jedem Tier etwas anderes, ebenso beim Menschen. Damit ist der Schall, welchen diese ausgestoßenen Stoffe in ihrer Vereinigung mit den Luftelementen hervorbringen — neben den verschiedenen Gesangsorganen — auch ein sehr unterschiedlicher.

Seht, es ist noch ein weiterer Grund, der in der Natur auf den Gesang großen Einfluß nimmt. Ihr wißt, daß die meisten Singvögel auf der nördlichen Erdhalbkugel arm an Federn und Farben sind, während auf der südlichen Erdhälfte die Vögel an Farbenpracht ihre nördlichen Mitgeschöpfe bei weitem übertreffen, jedoch an Gesang so dürftig bedacht sind, daß gerade die meist gezierten das häßlichste Geschrei erheben. (Hier dient auch der Pfau als nördliches Beispiel!) Und dieser Umstand hat wiederum in der geistigen Erklärung der Musik seinen tiefen Grund.

Die nördliche Erdhalbkugel mit dem Nordpol ist jener Teil, der aus dem weiten Ätherraum das Geistige für die Erde einsaugt. Der Südpol mit seinem Wulstgebirge ist der Ort, von wo das von der Erde Verbrauchte sich wieder in den Ätherraum ergießt. Nun entspricht der nördliche Teil dem oberen Teil eines menschlichen Körpers, wo Kopf, Herz und Lunge ihren Sitz haben. Andererseits ist die Erde oben männlich-positiv und unten weiblich-negativ, d.h. im Norden ist das Geistige und im Süden das Materielle vorherrschend. So verteilt der Süden seine Lebenskräfte gepaart mit den verbrauchten Kräften des Erdinneren und befördert wohl den äußeren, materiellen Wuchs, während im Norden das Äußere vernachlässigt scheint, wobei jedoch die innere geistige Natur desto mehr gedeiht.

Daher stammt also die große Gesangskunst der Vögel im Norden und die große Farbenpracht derselben im Süden. Hier im Norden herrscht der göttlich eindringende Strahl des großen Geistmenschen, und dort im Süden jener des Weltenmenschen. Hier Weisheit, dort Form! Hier Geist, dort Materie!

Wenn ihr euch nun hinausschwingen wollt, die Sphärenharmonie der einander umkreisenden Welten zu belauschen, so würdet ihr auch dort diese Gegensätze bemerken: Dort im Kopfe und im Herzen Geistespracht und im unteren Teile der Welten Farben- und Formenpracht. Hier Liebesleben, dort Verstandesleben. Und weiter hinauf bis in den geistigen Himmelsmenschen wird der Ton stets verfeinert, stets harmonischer, reiner und klangvoller, indem dortselbst das geistige Leben herrscht und nur noch die Sprache des Gefühls gesprochen und verstanden wird. Dort im großen Geistesmenschen, wo die Musik ihre höchste Reinheit erreicht hat, dort im Zentrum ist dann in Mir als dem Allumfassenden der ewig schöpferische Ton in Meinem Ich personifiziert. Dort vibriert alles, Licht und Äther, Farbe und Ton, und im Wonne-Erzittern steigert sich das geistige Leben bis zu seiner höchsten Potenz. Dort ist nur ein Ton als Grundton, der allem als Basis dient, und dieser Ton bin Ich, euer Schöpfer und Vater!

Welch ein Schritt von der nüchternen Definition der Naturwissenschaft "Licht ist eine Energieform, hervorgerufen durch Veränderung eines elektromagnetischen Kraftfeldes" bis zu jenen geistigen Darlegungen, die uns das Licht als Erreger und Träger alles geschöpflichen Lebens offenbaren! Welches Weltbild, das das Wesen und die Entstehung des Lichtes aus der lebendigen Tätigkeit der Äther- und Naturgeisterwelt hervorgehen läßt; die überall dort wirkt und schafft, wo das irdische Auge nichts als Körpergebilde erblickt, welche nur begrenzende Außenhüllen seelischer Inhalte sind!

So gesehen gewinnt auch die indische Lehre, daß alle Materie nur Maya, d.h. Täuschung und Illusion ihrer Betrachter sei, einen tiefen Wahrheitsgehalt. Ein Weltbild des Geistes kennt keinen toten Stoff, keine unbelebte anorganische Materie, sondern erkennt sogar in jedem Atom den Ausdruck eines lebendig gestaltgewordenen Gedanken Gottes. Diese Weltbetrachtung zeigt weiter, daß auch der Raum mehr ist als eine bloße geometrische Dimension; sie lehrt, daß das All in seiner ganzen Unendlichkeit vom Äther durchflutet wird, der gleichsam der lebendige Hauch der Gottheit ist. Sie legt dar, daß der Äther den Urstoff, die "Prima materia" darstellt, aus dessen Verdichtung sich sämtliche Lebensgebilde formen als die Körperwelt aller Naturreiche. Und sie deutet die Erscheinung des Lichtes als den gewaltigen Offenbarer tätigsten Geistlebens, das alles Gestalthafte beseelt und höherentwik-kelt.

Gewiß ist Licht "eine Energieform" — wie die Wissenschaft behauptet. Was aber ist Energie selbst? Schlicht und einfach

definiert die Physik: "Die Fähigkeit, Arbeit zu leisten". Gehen wir jedoch auf den ursprachlichen Kern dieses Wortes zurück, so ergibt sich aus en = innen, und reg = erregen der gleiche tiefe und letzte Sinn vom Wesen des Lichtes, wie ihn das Schrifttum Lorbers enthüllt: Licht ist das Produkt einer inneren Erregung! Was aber innen ist, das ist Geist! Und so ist den bezüglichen Schilderungen dieses Bandes nichts mehr hinzuzufügen.

Wenn somit das Licht vom Geiste ausströmt (wozu ja auch in der Natur "die Geister" zählen) — so ist es ein Urphänomen der Schöpfung und kann im Grunde nur vom Schöpfer selbst seinen Ausgang nehmen. Hierfür bildet auch das Wort der Genesis "Es werde Licht" den Beweis für jeden, dessen Denken und Fühlen vom inneren Lichte des Geistes erhellt wird. Und es sind die meist unbeachteten Wahrheiten der Sprache, daß sie Geistiges in scheinbare Symbole kleidet, die im metaphysischen Sinn dennoch höchste Wirklichkeit sind. So z.B. wenn sie von "Sonne im Herzen" redet und einem hellen Geist das Attribut "erleuchtet" beilegt.

Es ist ferner das Strahlen des Geistes, das auch die Naturforschung zu stets neuen und höheren Erkenntnissen befähigt. So wie die ganze Menschheit zu Beginn des neuen Zeitalters in einer Wandlung sondergleichen steht, eröffnen sich auch der Wissenschaft von heute immer neue und tiefere Einblicke in die Bausteine der Materie. Was der griechische Philosoph Heraklit mit dem Spruch "Panta rhei" (Alles fließt) aussagte, war das Werk innerer Erleuchtung: ein Blick in das Wesen des Äthers und seiner ewigen Bewegung, die sich uns durch das Licht kundgibt. Schon verwischen sich heute für den Forscher die Grenzen zwischen fester Materie und strahlender Energie — einer Kraftäußerung geistiger Potenzen, deren äußerste Erregung sich im unerträglichen Lichtblitz gezündeter Atombomben nur allzudeutlich ankündet. Es wäre lichtvoller, der Mensch spielte nicht mit diesem Feuer, dessen Licht ebenso wie seine Wärmeentwicklung von der Urkraft entfesselter Naturgeister Zeugnis ablegt.

Und der Ton? Auch er — den wir irdisch nur als Klang oder Schall wahrnehmen — entspringt geistiger Erregung lebendiger Kräfte. Damit ist er dem Lichte verwandt und folgt jenen Gesetzen, die ihm das göttliche WORT, dieser UR-Ton aller Schöpfung vorzeichnet. Was von seiner gestaltgebenden Formbildungskraft durch Lorber geoffenbart wurde, entspricht uralten Geisteslehren. Auch die Macht des Tones kann mißbraucht werden, und die geheime Überlieferung lehrt, daß eine entartete Magie hierdurch den Untergang des Kontinents Atlantis herbeigeführt hat. Hier sei auch an den "Tonmotor" des Amerikaners Keeley erinnert, der um die Wende des vorigen Jahrhunderts durch Erzeugung bestimmter Tonfrequenzen und Dissonanzen ganze Felsen zu Molekülen zertrümmerte — bis er endlich selbst ein Opfer seiner Experimente wurde und dank einer weisen Vorsehung sein Geheimnis mit ins Grab nahm.

Wie aber das Licht des Geistes ewig gleich und hell erstrahlt, so gibt es auch in der Tonsymphonie des Weltalls nur Harmonie und Ordnung wie am ersten Tage. Und wenn die Gestirne ihre Bahnen ziehen, bilden sie in ihrem gegenseitigen Umkreisen nicht auch Formen und Figuren, denen nach Lorber geistige "Töne" zugrundeliegen müssen? Die dichterische Einfühlung eines Goethe ließ ihn für den Beginn seines "Faust" die Worte finden: "Die Sonne tönt nach alter Weise ..." Zweifellos empfand sein Geist dabei die innere Einheit von Licht und Ton, von der eingangs gesprochen wurde.

Beide sind die mächtigen Verkünder einer den Erdensinnen verborgenen Welt, die für den Menschen der gegenwärtigen Entwicklungsstufe zumeist noch unsichtbar und unhörbar bleibt. Sie steht außerhalb von Raum und Zeit und ist dennoch die wahre "Wirklichkeit", weil aus ihr heraus der schöpferische Geist wirkt. Alle Materie, alles Irdische ist nur ein Gleichnis davon. Und dennoch lebt der Mensch selbst als verkörpertes Geistwesen mit jedem Atemzug mitten in jener Welt, in deren Sphären er mit seinen geistseelischen Organen hineinragt. Aber er läßt das innere Licht und den inneren Ton nicht in seine Sinnenwelt dringen. Er hat Augen, ohne zu sehen, und Ohren, die nicht hören ...

Indessen gibt es eine Brüche, um zumindest ahnungsweise eine Welt zu begreifen, die anderen Gesetzen als denen von Raum und Zeit folgt. Es ist die Welt der Träume. Hier beschaut die Seele Bilder voller Licht und Farben, die in uns urständen, und hört Worte und Töne, die nicht von außen an uns herandringen. Diese Traumsphären sind Realitäten: wirklich, aber in einer anderen Bewußtseinsstufe als der unseres Tagesdenkens.

Wenn es in der Einleitung dieses Büchleins hieß: "Um diese Mitteilungen voll zu fassen, müßt ihr erst ganz aus der Materie in den Geist übertreten. Dann werdet ihr erkennen: das Geistige eines Dinges ist die Wahrheit" — so können wir zu diesem Übertritt manches beitragen. Trachten wir, mit reinem Willen zur Wahrheit, mit Liebe und mit Ehrfurcht vor den Schöpfungswundern Gottes an diese naturgeistigen Offenbarungen heranzutreten. Dann werden sie zu einem Licht, das statt totes Wissen lebendiges Weistum erweckt, und zu einem Ton, der im Gemüt eine frohe Resonanz finden wird! Der Herausgeber.

Vorwort

Die Naturordnung zu erforschen, soweit sie sich in den erkannten physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten kundgibt, ist die Aufgabe der exakten Naturwissenschaften. Ebenso ist es das Anliegen der Wissenschaft, in noch unbekannte Gebiete vorzustoßen und durch Experiment und Schlußfolgerung dem Wissensgut der Menschheit stets neue Bausteine hinzuzufügen. Mit immer komplizierteren Instrumenten und scharfsinnigeren Methoden versucht die moderne Forschung, sowohl in die Welt des Kleinsten wie in jene des Größten tiefer einzudringen. Ihr Arbeitsfeld reicht damit vom Atom bis zum Universum, und es hat quantitativ wie qualitativ eine Stufe erreicht, deren Höhe durch Begriffe wie Atomenergetik, Elektronik, Raketentechnik, Weltraumfahrt und dergleichen, genügend charakterisiert erscheint.

In gleichem Maße machen sich alle anderen Zweige der Naturwissenschaft, ja sogar die Geistes- und Kulturwissenschaften die Ergebnisse der letzten Forschung zunutze, um so manche Rätsel zu lösen, die uns der Ablauf des Naturgeschehens und damit auch das Menschenleben darbietet. Allein, selbst den genialsten Erforschungssystemen sind natürliche Grenzen gesetzt, da sie sich immer nur auf die wahrnehmbare Naturwelt richten können und dabei nur Wirkungen festzustellen vermögen, während deren Ursachen nach wie vor verborgen bleiben. Daher gilt auch heute noch das Wort aus Goethes Faust von der Vergeblichkeit, mit irdischen Mitteln dem Sinn der Naturordnung näherzukommen: "Geheimnisvoll am lichten Tag läßt sich Natur des Schleiers nicht

berauben, und was sie dir nicht offenbaren mag, das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben."

Tatsächlich steht auch die heutige Wissenschaft immer dann, wenn ihr große Erfindungen gelingen, vor stets neuen, ungelösten Fragen, sodaß ein Atomphysiker von Weltruf den Ausspruch tat: "Wo immer wir eine Tür aufstoßen, finden wir dahinter zehn neue verschlossene!" Gerade die Mikrowelt des Atoms ist es, die der Forschung die schwierigsten Probleme bietet, wobei sie auf subtilste Vorgänge von solch immaterieller Art stößt, daß sie hierfür den treffenden Ausdruck "Geisterzustände der Materie" geprägt hat.

Wieso treffend? Weil die Wissenschaft damit unbewußt den Urgrund alles äußeren Naturgeschehens nennt: die geistige Energie, die in und hinter den Dingen waltet und planbeseelte Kräfte zur Erreichung eines sinnvollen Ziels in Erscheinung treten läßt. Während die heutige Definition des Begriffs "Energie" einfach lautet: "die Fähigkeit, Arbeit zu leisten", läßt das bezügliche alt-griechische Wort "Energeia" eine weit tiefere Bedeutung erkennen. Denn es stammt vom griech. "en" = innen, und dem Zeitwort "ergein" = erregen. Was aber anderes als Geistwille könnte sogar die (scheinbar) tote Materie, den anorganischen Stoff derart erregen, daß sich uns die Struktur des Atoms als ein gewaltiges Phänomen lebendiger Bewegung offenbart? Was anderes als Geist vermag die unnennbare Zahl von intelligenten Handlungen zu bewirken, die aus den kleinsten Urbausteinen der Materie das ganze Universum in seinem Wunderbau hervorbrachte? Und wo gab und gibt es je Gesetze ohne einen Gesetzgeber?

Hier bildet das naturgeistige Weltbild, wie es uns Jakob Lorber vermitteln durfte, einen unvergleichlichen Schlüssel zum profunden Verständnis des inneren Wesens der Natur-

Ordnung. Was uns die Wissenschaft als wertvolle Ergebnisse ihres Forscherfleißes darbietet, wird hier vom Blickfelde des Geistes her tiefstgründig ausgedeutet und erhellt. Diese Schöpfungslehre stillt in beglückender Weise die uralte Sehnsucht jedes Wahrheitssuchers, der wie Faust den brennenden Wunsch hegt, "daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält". Damit aber wird Wissenschaft wieder zur Religion wie in Zeiten vergangener Geistkulturen, da die Menschheit noch naturverbundener war und zumindest empfindungsmäßig das Walten geistiger Kräfte hinter den Dingen erlebte. Nicht vergeblich jedoch war der Weg intellektueller Entfaltung, den der Mensch seitdem beschritt. Zwar führte er über den Umweg des Materialismus zunächst zu einer Verdunklung dessen, was als Urwissen im Unterbewußtsein jedes Menschen schlummert.. Aber er ließ die Forschung auch zu neuen Problemen gelangen, die geradewegs wieder in die Sphäre des reinen Geistes hinleiten. Und so erleben wir heute die Tatsache, daß eben die größten Entdeckungen der modernen Naturwissenschaft zur Entthronung falscher, früher unantastbarer Lehrsätze führten. So wird es vielleicht gerade die Wissenschaft und nicht die Kirchenlehre sein, die der künftigen Generation den begehrten "Gottesbeweis", d.h. den zweifelsfreien Nachweis eines höchsten, allumfassenden Geistes in der Schöpfung erbringen wird. Dann wird Wissenschaft und Religion eine Synthese bilden, welche die Gemüts- und Vernunftkräfte des Menschen zu einer harmonischen Einheit zusammenfügt.

Der Inhalt dieser kleinen Schrift soll nicht dazu dienen, dem Leser eine lückenlose Darstellung der universalen Schöpfungslehre Lorbers zu vermitteln. Im Hinblick auf die unendliche Vielfalt, in der uns das Leben in tausendfachen Formen und Entwicklungsstufen der Naturwelt entgegentritt, wäre dies in dem kleinen Rahmen ein vergebliches Beginnen. Was angestrebt wird, ist, den tieferschürfenden Leser mit einigen naturgeistigen Grundelementen vertraut zu machen und das Verständnis zu wecken für jene Betrachtungsweise der sinnfälligen Materiewelt, die allein zu einer geistigen Zusammenschau aller Naturgegebenheiten aus zentralem Blickpunkte führt. Hierfür wurden in kleinen Kapiteln Beispiele aus allen drei Naturreichen herangezogen, denen allen jedoch ein Gemeinsames zugrundeliegt: die Idee von der steten Entwicklung des Seelenlebens aller geschöpflichen Wesen bis zu ihrer Vollendung im göttlichen Geiste. Entnommen wurden diese Beispiele zum größten Teil dem gesamten Schrifttum Jakob Lorbers, insbesondere dem "Großen Evangelium", dem Buche "Erde und Mond" sowie einigen anderen Naturzeugnissen. Weitere ergänzende Beiträge lieferten naturgeistige Schilderungen Gottfried Mayerhofers aus seinen Werken "Lebensgeheimnisse" und "Schöpfungsgeheimnisse". Die in die Texte eingefügten, in Klammern gesetzten Stellen erläuternde Hinweise des Herausgebers darstellen.

Da jedoch das tiefere Erfassen aller Zusammenhänge im Naturgeschehen die Kenntnis vom Bestehen einer der Materiewelt vorausgegangenen geistigen Urschöpfung voraussetzt, wurde diesem Band eine darauf bezügliche Einleitung vorangestellt: der Aufsatz "Die geistige Schöpfungsordnung" unseres hochverdienten Mitarbeiters und Lorber-Kommentators Dr. Walter Lutz — seinem Werke "Die Grundfragen des Lebens" gekürzt entnommen — will den Leser in knapper Form mit dem Woher, Wohin und Warum alles Geist- und Seelenlebens vertraut machen.

Möge diese kleine Schrift dazu beitragen, das Weltbild des Geistes neuen Wahrheitssuchern zu erschließen, aber auch die Erkenntnis jener zu vertiefen, deren geistiges Denken bereits am Inhalt der vorangegangenen Bändchen fruchtbare Anregung gefunden hat.

Der Herausgeber.

Wahre Naturerkenntnis

Worte des Herrn:

"Wer die Natur nur äußerlich betrachtet und erforscht, hat mehr Wohlgefallen an den Formen der Materie als an ihrem geistigen Inhalt, den die starren Formen nur wie in einer verborgenen Schrift darstellen. Das wahre Achten der Werke Gottes aber ist ihr Beschauen mit den Augen des Geistes. Nur daraus schöpft die Seele ein wirkliches Verständnis der Dinge, und das erst verleiht dem Menschen Freude, die unvergänglich ist. Wer dann die geistige Welt erfassen will, wird sie zuerst auch nur erschauen durch das Verständnis der Formen in der Naturwelt, und dann stets mehr durch das Erkennen der Tätigkeit und wechselseitigen Verhältnisse aller Formen. Geistiges Schauen ist zunächst nur ein Begreifen der äußeren und inneren Entsprechungsvorgänge, bis es endlich in ein klarstes Erkennen übergeht und dem Sehenden den Beweis liefert, daß seine Seele eins geworden ist mit ihrem ewigen Geiste aus Gott.

Ein wohlbegründetes Verständnis der Natur in all ihren Erscheinungen kann einem reinen Gemüt vorzüglich dazu dienen, zur wahren, einheitlichen Erkenntnis Gottes zu gelangen, ohne die es für den Menschen kein Heil gibt. Wer Gott wahrhaft finden will, muß Ihn auch in der Weisheit seiner Werke erkennen lernen. Wer aber von Gottes Schöpfung falsche Begriffe hat, kann unmöglich zu einer wahren Einsicht gelangen. Und wer Gott nicht der Wahrheit nach erkennt, kann Ihn auch nicht wahrhaft lieben!

Ohne Gewinnen der Wahrheit bleibt es finster in der Seele, die sich dann an die Materie zu hängen beginnt, weil sie des inneren Lichtes ermangelt. Darum ist die Unkenntnis der geistigen Einrichtung der Natur und ihres Schöpfungszwek-kes allzeit die Ursache zur Abgötterei, Scheinglauben und am Ende zur Gottlosigkeit geworden. Alle Entdeckungen der Naturforscher werden so lange das Gepräge der Unvollkommenheit tragen, als sie nicht von solchen Menschen ins Werk gesetzt werden, die die Kräfte der Materie vom wahren Geistesgrunde aus erkennen und dadurch erst zu wirklichen Herren der Natur werden.

Der Mensch kann Gott nur auf dem Wege einer wahren Erkenntnis aller geschaffenen Dinge und ihrer liebeweisen Ordnung geistig schauen und dann über alles lieben. Wer aber Gott liebt, wird auch in seinem Nächsten das Ebenmaß Gottes so achten und lieben wie in sich selbst. Erlangt der Mensch eine rechte Erkenntnis, soll er sich nicht mit dem puren Wissen begnügen, sondern soll dieses in den lebendigen Glauben aufnehmen und nach dem Erkannten leben. Tut er das, so wird ihm die reine Wissenschaft hohen und unvergänglichen Nutzen bereiten.

Es wird der alte Baum der Erkenntnis wieder gesegnet werden, und mit ihm wird der Baum des Lebens wieder zu seiner alten Kraft gelangen. Zu jener Zeit will Ich viele Menschen erwecken für eine neue, gereinigte Wissenschaft. Mit ihr wird sich Meine reinste Lebenslehre leicht vereinen und so den Menschen ein volles Lebenslicht auf Erden geben.

Eines aber merket: Schicket zuerst Mein lebendiges Wort voraus! Lehret die Menschen zuvor, was sie zu tun haben, um des Reichs Gottes teilhaftig zu werden. Habt ihr damit die Herzen der Menschen gewonnen, dann sollt ihr ihnen auch die geistige Ordnung der Naturwelt erläutern, um ihren Verstand auf die Urwahrheit zurückzuführen. Handelt ihr so, dann werdet ihr den besten Erfolg eurer Arbeit ernten."

(Aus Johannes, "Das Große Evangelium")

Die geistige Schöpfungsordnung

Dr. Walter Lutz

Wie und woraus hat Gott die Welt geschaffen, d.h. das unseren Sinnen wahrnehmbare Weltall aufgebaut? Über dieses Geheimnis haben schon viele Menschen zu allen Zeiten nachgedacht. Einige Jahrhunderte vor Christus stellte der Grieche Demokrit die Lehre auf, daß alle Gebilde der Natur aus unzähligen winzigen Stoffteilchen bestehen. Er nannte diese Ur-Grundteilchen "Atome", d.h. Unteilbare, weil er der Ansicht war, daß diese Kleinstbestandteile nicht weiter geteilt werden können. Demokrit stellte sich diese Atome als winzige Kügelchen vor und glaubte, daß zufolge ihrer verschiedenartigen Größe und durch mechanischgesetzmäßige Lagerungen und Verschiebungen nach und nach alle Gebilde der Natur entstanden seien.

Diese Lehre wurde im 18. Jahrhundert auch von den Naturforschern des Abendlands übernommen und bildete die Grundlage der sogenannten materialistischen Welterklärung. Ihre Vertreter lehrten, daß es viele Arten von Atomen geben müsse, die man Elemente nannte. Solche Elementar-Atome (z.B. Sauerstoff, Wasserstoff, Gold, Eisen usw.) würden sich untereinander nach gewissen Naturgesetzen ganz von selbst verbinden, ohne daß es eines Schöpfergottes bedürfe, der die sichtbare Welt schuf und nach einem göttlichen Plan weiterentwickle. Der aus Jena Gelehrte Ernst Häckel vertrat diese Naturlehre am entschiedensten und erklärte, eine göttlichgeistige Grundkraft gebe es nicht und ein der Vernunft entsprechendes planmäßiges Ziel könne in der ganzen

Schöpfung nicht erkannt werden. (Diese materialistische Denkrichtung der Naturwissenschaften findet heute ihren schärfsten Ausdruck in der atheistischen Naturforschung des Sowjetsystems.)

Demgegenüber führten in den letzten Jahrzehnten tiefere Untersuchungen geistig erweckter Wissenschaftler zu ganz anderen Erkenntnissen über Bau und Wesen der materiellen Welt. Sie entdeckten, daß die von Demokrit und der modernen Chemie festgestellten Atome nicht eine gleichförmige, mit "Masse" erfüllte Kugelgestalt aufweisen, sondern daß diese Schöpfungselemente aus noch viel winzigeren Urbe-standteilen wie ein kleines Sonnen- und Planetensystem zusammengesetzt sind. Diese neu entdeckten allerkleinsten Urbestandteile nannte man "Elektronen" oder Kraftfunken. Man fand, daß in der Mitte jedes Atoms mehrere "positive" Kraftfunken (Protonen) vereinigt sind, die mit planmäßiger Ordnungsgewalt eine Anzahl sie umkreisender "negativer" Kraftfunken in planmäßigen Bahnen halten. Alles, was sich unseren Sinnen darbietet, selbst der härteste Stein, das scheinbar tote Metall, löst sich durch die großen Funde der neueren Wissenschaft auf in ein unendlich vielfältiges, geregeltes Durcheinander-weben zahllos vieler Energie- oder Lebensfunken. Einem höheren Willen gehorchend, gestalten sie sich in bestimmten Ordnungen zu all den vielfältigen Wundergebilden der Schöpfung.

Besonders fortgeschrittene Gelehrte fanden darüber hinaus, daß diese kleinsten Lebenskräfte mit einer gewissen Intelligenz (Erkenntniskraft) und mit einem mehr oder minder ausgeprägten Willen ausgestattet sein müssen. Denn sonst wäre nicht zu verstehen, daß sich diese Elemente gegenseitig "lieben oder hassen", anziehen und abstoßen, beherrschen oder Gehorsam leisten, und alle zusammen sich einem höheren, vernunftvollen Ordnungswillen mehr oder weniger fügen. So vertraten Gelehrten wie der Biologe Hans Driesch oder der Botaniker France die Ansicht, daß in allen Schöpfungsgebilden, vom Atom bis zum Menschen, eine geistige Grundkraft als Gestalter und Erhalter walte. Die ganze Natur sei als das Werk geistiger Kräfte zu betrachten, oder besser: sie bestehe überhaupt nur aus geistigen Kräften. (Es ist bezeichnend, daß die letzte Forschung für gewisse Erscheinungen in der Atomwelt bereits den Ausdruck "Geisterzustände der Materie" prägte!)

Was sagt nun das Schrifttum Jakob Lorbers über diese neuzeitlichen Erkenntnisse der Naturwissenschaften aus? Der Leser wird finden, daß Lorber durch die Inspiration des inneren Wortes (d.i. die Stimme des ewig-göttlichen Geistes im Menschen, seines "Höheren Ich") schon vor mehr als hundert fünfzig Jahren alle jene Wahrheiten in schlichten Worten prophetisch enthüllt hat. Wie das innerste Wesen der Gottheit, so ist nach dieser Lehre auch ein jeder der unzählbaren Urlebensfunken (Atome) ein geistiges Etwas. Es ist fähig, zu erkennen, zu wollen und zu wirken und seine gesamten Kräfte in einer Form zu vereinigen. Es vermag von da nach allen Seiten hin gleich dem Ich des Menschen sich auszuwirken — also genau das, was die fortgeschrittensten Forscher der Gegenwart durch exakt wissenschaftliche Beobachtungen feststellen durften.

Diesen hochbedeutsamen Eröffnungen ist zu entnehmen, daß die Urlebensfunken oder Urelemente der Schöpfung als Gedanken in Gott entstehen. Durch seinen weisheitsvollen Schöpferwillen werden sie gleichsam ausgesondert zu einem selbständigen geschöpflichen Dasein, in dem sie als Bausteine für die erhabenen Zwecke des Weltenschöpfers zu dienen haben. Allein, diese Urfunken sind nicht nur tote, mechanisch bewegte "Bausteine", sondern als wesenhafte Gottesgedanken sind sie lebendige Intelligenzen oder Ur-Kleingeister (da eben ihr Innerstes Geist vom Geiste Gottes ist). Als solche sind sie berufen, durch willigen Dienst in der Schöpfungsordnung und durch Verbindung mit anderen Urlebenskeimen immer vollkommener, und endlich dem göttlichen Allgeist an Liebe, Weisheit und Macht immer ähnlicher zu werden.

Wenn manche Forscher von heute auch das Geistige in der Natur besser erkennen als vor Jahren, fehlt ihnen doch noch vollkommen eine klare Vorstellung vom Zusammenhang des Geistigen mit dem Naturmäßig-Stofflichen. Sie vermögen nicht zu erklären, wie durch eine geistige Schöpfungs-Urmacht (Gott) aus geistigen Urelementen (LebensKraftfunken) die sichtbare und greifbare stoffliche Welt (Materie) entstehen konnte. Die Lehren hingegen, die uns in diesen Dingen durch das hochinspirierte Werk Lorbers geboten werden, knüpfen an ältestes Offenbarungswissen an, das allen Völkern in ihrer Kindheit einst zu eigen war und zum Teil noch heute im Glaubensgut vieler Naturvölker der ganzen Erde durchschimmert. Ähnliche geistige Anschauungen hatten nach Feststellung der Religionsgeschichte alle alten Kulturvölker in ihren Urzeiten. Auch die Bibel redet von Erzengeln, Engeln und Geistern und nennt sie die "Diener Gottes", durch welche der Meister die ganze Schöpfung verwalte.

Im Schrifttum Lorbers vernehmen wir: Im Bedürfnis nach liebenden und mittägigen Lebewesen schuf Gott im Anfang unserer Schöpfungsperiode aus seinen zahllosen wesenhaften Gedankenkräften, den "Urelementen" oder "Urlebensfunken" eine Anzahl großer Geistwesen, und zwar nach seiner eigenen göttlichen Urform (Vgl. das biblische "Sich zum Ebenbilde"). Gewisse besonders reich und stark veranlagte Urgeister ("Erzengel", die "Elohim" = Lichter der Genesis des Mose) wurden von ihm mit der Kraft ausgestattet, als gewaltige Machtzentren zahllose andere Lebensfunken aus der Fülle des Schöpfers an sich zu ziehen und damit nach dem Willen Gottes in ihren eigenen Lebenskreisen Legionen von "Untergeistern" ins Dasein zu rufen. Und so belebte sich im Laufe der Aonen der ganze unendliche Raum.

Das Bedürfnis der Gottheit nach mitfühlender und mittätiger Wesenheit konnte jedoch nur in der Schaffung völlig freier, selbständiger und Gott ebenbürtiger Wesen erfüllt werden. Denn im unselbständigen Geschöpf denkt, fühlt, will und handelt ja immer der Urgeist unmittelbar selbst. Dieser hohe Zweck der Geisterschöpfung erforderte aber, daß diese künftigen "Kinder Gottes" nicht auf ein einziges Schöpfungswort hin in gottähnlicher Vollendung der Hand des Schöpfers entsprangen. Nur ein allmähliches Werden, ein stufenweises, durch Mühe und Anstrengung zu erreichendes Reifen der Wesen zur Gottähnlichkeit konnte dem Schöpfer wie den Geschöpfen eine andauernde Seligkeit des Gebens und Nehmens gewähren. Nur die stete Entwicklung vom geistigen Keim bis zur lebendigen Frucht verleiht jene Spannungen und Auslösungen der Lebenstätigkeit, die eine Grundvoraussetzung der wahren Lebenswonne bildet.

Die Urgeister wurden daher von Gott so geschaffen, daß sie ihre volle Selbständigkeit und wahre Gottähnlichkeit erst nach und nach durch liebweise und machtvolle Erziehung unter eigener Bemühung erringen konnten. Und zwar durch freie Annahme des Grundgesetzes des göttlichen Lebensbereiches: "Liebe Gott über alles und deinen Mitbruder wie dich selbst!" Denn nur in dieser heiligen Gottesordnung ist in alle Ewigkeit der Bestand eines einheitlichen Schöpfungsbereiches denkbar. Von Anbeginn herrschte in dieser geistigen Urschöpfung das Gesetz der Willensfreiheit mit der Möglichkeit, Gott zu folgen oder sich ihm zu widersetzen. Daher gab es am Ende jener unnennbar langen Bildungsperiode der Urgeister auch eine große Anzahl solcher, die von dem wohlgezeigten Ordnungswege Gottes abwichen und damit den Weg der verderblichen Widerordnung antraten.

Der erste von ihnen war der größte der urgeschaffenen Geister — "Lichtträger", in der lateinischen Sprache "Luzifer" genannt. In diesem Erstlingsgeist, dem großen Sammelplatz alles Lebens, war alles bis dahin von Gott entströmte wesenhafte Licht (Leben) vereint, damit in ihm die ausgegangene Wesensfülle der Gottheit sich ausreife. Indessen begann dieser Hauptgeist noch lange vor seiner eigenen Vollendung, sich der alles leitenden Ordnung Gottes zu widersetzen. Er verfiel — und mit ihm das ganze Gefolge seiner Untergeister — dem innewohnenden Triebe der Eigenliebe folgend, in die äußerste Selbstherrlichkeit und Selbstsucht. Da aber auf Grundlage einer erbarmungslosen Eigenliebe kein Leben bestehen kann, hatte diese Verkehrung der Lebensordnung für den großen Lichtgeist und seinen Anhang verderbliche Folgen.

Indem sie sich von Gott abkehrten, beraubten sie sich selbst der für alle Wesen von Gott ausgehenden nährenden Lebensströme. Ihre Kräfte schwanden, ihre Wesenheit schrumpfte ein und verdichtete sich, und ihr ganzer Lebensbereich zerfiel todesartig in eine Art Erstarrung. (Daher auch der Name "Satan" = Geist der Verdichtung, Saturierung! M.) — So entstand aus einst lichten Ätherwesen der scheinbar leblose "Weltstoff", der Urnebel der Materie (wie aus unsichtbarem Wasserdampf durch Wärmeverlust sichtbares Nebelgewölk hervorgeht). Es war dies für die Urgeister ein tragisches Gericht, doch der göttliche Wesensbildner verstieß darum seine irrenden Geschöpfe nicht. Seine väterliche Liebe erbarmte sich der Gefallenen, und aus den zahllosen sich weiter verdichtenden Urnebel schuf seine Weisheit und Macht die neue, materielle Weltenschöpfung. Mit Hilfe der zahllosen rein und treu gebliebenen Urgeister entstand damit eine wunderbare Neuordnung zu großen göttlichen Entwicklung und Heilszwecken.

Nach dem Gesetz der Schwere, d.h. der gegenseitigen lebensgierigen Massenanziehung, braucht jeder Geist zu seinem Bestande auch die in anderen Geistern angesammelten Lebenskräfte aus Gott, gleichsam als Nahrung, ohne die er stets schwächer wie in einen bewußtlosen Zustand geraten würde. Wenn sich daher auch die luziferischen Geisterheere zufolge ihrer Selbstherrlichkeit zuerst gegenseitig flohen (vgl. die Ferne der Spiralnebel im Weltenraum!), — so drängte um jener Nährkräfte willen die Eigenliebe jener Geister immer wieder herdenartig zusammen (vgl. die Ballung zu Sonnen und anderen Weltkörpern!) Diese Erscheinung der obbedingten Abstoßung und Wiederanziehung sind geistige Grundeigenschaften aller Lebewesen, die aus den Elementen Luzifers stammen. Die Naturkunde nennt sie Fliehkraft und Gravitation (Schwerkraft). Vom Standpunkt des geistigen Weltbildes aus verstehen sich somit die dem materialistischen Denken völlig rätselhaften Naturkräfte auf einfachste und sinnvollste Weise.

Die Materialisierung Luzifers im Weltall als dem "großen Schöpfungsmenschen" konnte jedoch nicht ein Ruhe- und Endziel im göttlichen Schöpfungsplane sein. Denn in der Materie ist das freie Leben des einst so herrlichen Urgeistes starr gebunden und gebannt. Es ist gleichsam tot und in die Grabkammer des tiefsten Gerichtes gelegt. Unsere Begriffe von Gottes Liebe, Weisheit und Allmacht lassen es jedoch als gewiß erscheinen, daß der Schöpfer des Lebens die von ihm geschaffenen Urwesenheiten trotz ihres Falles zur heilvollen Vollendung führen will und wird. Tatsächlich ist einer der lichtvollsten Grundgedanken der Schöpfungslehre nach Lorber, daß in der ganzen sichtbaren Natur eine wunderbare Auferstehung der Materie zu sehen ist. Diese Lehre von der Rückerlösung der Materie erklärt in überzeugender Weise das ganze, vom Mineralreich bis zum Menschen aufsteigende Naturleben auf unserer Erde, ja in allen Weltkörpern und gibt einen wahren Schlüssel zu den tiefsten Schöpfungsgeheimnissen.

Da die Ursachen der Erstarrung Luzifers das Verlassen der göttlichen Liebeordnung war, kann auch die Auferstehung aus dem Gerichte der Materie nur auf geistigem Wege geschehen: durch die freiwillige Umkehr von der höllischen Widerordnung der Eigenliebe und Selbstsucht zur himmlischen Ordnung der reinen Gottes- und Bruderliebe. Durch Lorber wurde uns geoffenbart: Da das Ur-Ich Luzifers, das Prinzip des Grundbösen, bislang hartnäckig im Gegensatz zu Gott verharrte, mußte der göttliche Vater in der stofflichen Schöpfung die langwierige Erlösung von Luzifers Seele in kleinen und kleinsten Teilchen ins Werk setzen. Das belebende Liebelicht Gottes löst also einen Lebensfunken um den anderen aus der starren Materieumhülsung los, um sie wieder in den reingeistigen Zustand zurückzuführen.

In erst einfachsten, dann immer reicheren Lebensformen unterwirft Gott durch seine treu gebliebenen Geister die neuerweckten luziferischen Urlebensfunken einer sinnvollen Schulung. Durch Erfahrung und Übung im Bau und Gebrauch ihrer materiellen Lebenshüllen führt Gottes Geist sie zur freien Annahme höherer Erkenntnisse und dadurch aus der alten, satanischen Widerordnung in die ewig-göttliche Lebensordnung. Die verheißene "Krone des Lebens" besteht darin, daß den durch Mühe und Selbstüberwindung gereiften Geistwesen nun volle Freiheit, Selbständigkeit und alle Macht wahrer Kinder Gottes gegeben werden kann.

Der fortschreitenden Befreiung und Verselbständigung entsprechend, befindet sich der ganze Inhalt unserer Erde und aller anderen Weltkörper vom Mittelpunkt bis in die höchste Ätherregion in einem abgestuften, härteren oder milderen Gericht. (vgl. den Unterschied der Aggregatzustände und die verschiedene Dichte der Elemente.) Die unterste Seinsform der gefestigten Lebenssubstanz nennt man das (scheinbar tote) Mineralreich. Ihm folgt als zweite Stufe das Pflanzenreich im Wasser und auf der Erde samt den Übergängen ins Tierreich. In diesem Reiche muß die Seelensubstanz am mannigfaltigsten sein, damit die freieren Einzelintelligenzen zu einer stets größeren Einigung gebracht werden können. Darum vereinen sich zahllose Kleintierseelen verschiedener Art und Gattung nach Verlassen der materiellen Form zu einer größeren Tierseele vollkommenerer Art, und das fort bis zu den am höchsten entwickelten Tiergattungen. Als letzte Einigung solcher Tierseelen gehen dann erst Seelengebilde hervor, die bereits zur Mitbildung einer Menschenseele durch die große Summe ihrer Intelligenzbefähigungen tauglich sind.

Der Stufengang der Wesen durch die Naturreiche dient nicht nur zur quantitativen Ansammlung von Intelligenzen, sondern hauptsächlich zur geistigen Läuterung und Veredlung dieser Urelemente des Lebens. Den aus Satan sich lösenden Urfunken ist daher von Gott aus ein reingeistiger Lebensfunke als Sammelpunkt und Leiter beigegeben. Überall — im Atom wie im Weltkörper, im Pflanzen- wie im Tier- und Menschenleib — besteht die Arbeit des Geistfunkens darin, diese gelösten Urlebensfunken je nach ihrer Willensfügigkeit gleichsam in Schulungsklassen zu ordnen. Die belehrbaren Teile schließt der Geist zusammen und leitet sie nach dem Plane der Schöpfung an, ein geeignetes "Wohnhaus", Körper oder Leib genannt, gemeinschaftlich zu erbauen und heilvoll zu gebrauchen. Die noch hartnäckig satanischen Urfunken, die wegen ihrer Selbstsucht noch nicht aus der Materie gelöst werden können, macht der leitende Reingeist zu Bausteinen eben dieses leiblichen Wohnhauses der seelischen Substanzen. Allenthalben nach der Grundregel der Dreigliederung von Geist, Seele und Leib! Die höchste Stufe der materiell-geistigen Entwicklung ist der nach jener Drei-Einheit gestaltete Mensch, der damit an der Schwelle zur reingeistigen Weiterentwicklung angelangt ist.

So beginnt die Erlösung durch die Gemeinschaftsbildung schon beim Atom, das (wie die von der Wissenschaft entdeckte Atomspaltung lehrt) durchaus nicht unteilbar ist, sondern ein ganzes Mikro-Weltsystem im Kleinen darstellt. Um das mit Lebenskraft geladene Ordnungszentrum, den Atomkern, kreist mit unvorstellbarer Geschwindigkeit eine größere oder kleinere Kraftfunkenschar und bildet mit ihrem Mittel- oder Lebenssammlungspunkt bereits eine geordnete Gemeinschaft. Der (nach Lorber aus Gott stammende) geistige Zentralfunke ist offensichtlich wie in den großen

Sonnensystemen die beherrschende Macht, welche die (nach Lorber aus Luzifer stammenden) meist noch wenig willens-fügigen Planetarfunken mit geistiger Kraft in ihren ordnungsmäßigen Bahnen hält. So ist diese einfache Kreisbewegung um den reingeistigen Mittelpunkt das erste, was die mit Luzifer gefallenen Urlebenskeime am Wege der Rückkehr zur Gottesordnung lernen. Die letzte Forschung hat auch ein eigenartiges Überspringen und Vorrücken der negativen Planetarfunken (Elektronen) von den äußersten Kreisen nach dem Inneren bis zur schließlichen Vereinigung mit dem positiven Kern feststellen können. (Das ist die "Schalentheorie" Prof. Heisenbergs und erklärt, warum sich innerhalb des Protons (Atomkerns) auch Elektronen vorfinden, die nicht mehr negativelektrisch, sondern bereits "neutral" geworden sind. Das heißt geistig: sie haben ihren Widerstand aufgegeben und sich dem positiven Machtzentrum eingefügt! M.)

Durch die großen Entdeckungen über den Bau und das Wesen der Atome wurden auch über das Wesen der gesamten Materie ganz neue wissenschaftliche Anschauungen gewonnen. Man erkannte, daß es gar keinen "Stoff" im alten, starr mechanischen Sinne gibt. Denn das scheinbare Stoffatom entpuppte sich als reines Kraftfunkensystem (Welt der Energie), an dem nirgends etwas Stoffliches mehr zu ersehen ist. So stürzt durch die eigenen Entdeckungen der Wissenschaft das früher für so selbstverständlich gehaltene materialistisch-mechanische Weltbild in sich zusammen. Mehr und mehr müssen die Vertreter dieser entgotteten Lehre das wissenschaftliche Feld räumen. Aufgrund scharfsinniger Beobachtungen und Folgerungen gewinnt heute stetig die Anschauung an Boden, daß jene sonderbare atomische Kraftgemeinschaft kein totes, gewissen Naturgesetzen blind gehorchendes mechanisches System ist, sondern — wie

Jakob Lorber bekundet — ein geistig lebendiges Etwas, ein allereinfachstes, aus dem Weltäther hervorgegangenes Tierchen, begabt mit einer gewissen Intelligenz und Willenskraft.

Die neueste Atomforschung glaubt bereits, den Atomen durch ihr Verhalten ein problematisches Wissen zusprechen zu können. So hält z.B. der Züricher Physiker Hermann Weyl das Elektron für ein "lebendiges Agens", ein Etwas, das dem Ich des Menschen entspreche. Es darf daher angenommen werden, daß die heutige und künftige Wissenschaft gerade durch das enge Demutspförtlein der Atomlehre allmählich in das Reich der geistigen Welterklärung vordringen wird.

Geist, Kraft und Stoff

Das Erfassen der in allen Dingen wirkenden Drei-Einheit von Geist, Kraft und Stoff ist der Schlüssel zu jeder tieferen Naturbetrachtung. Die geistige Idee, die lebendige Substanz und die tragende Form bilden vom Atom bis zur Riesensonne das Wesen jedes Schöpfungsgebildes. Gedanken über diese Grundprinzipien bilden den Inhalt nachfolgender Eröffnungen, empfangen durch Jakob Lorber und Gottfried Mayerhofer. — D.Hg.

Um die naturgeistige Ordnung aus dem Fundamente zu verstehen, muß ein jeder Mensch über die Begriffe Seele und Geist ins Reine kommen und beider Wesen gehörig voneinander zu sondern wissen. Die Seele ist das Aufnahmeorgan für die endlos vielen Ideen des göttlichen Urgrundes, aus dem sie wie ein Hauch hervorgegangen ist. Sie ist der Träger der Formen, der Verhältnisse und Handlungen; all diese sind in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt. So ist die ganze

Unendlichkeit erfüllt mit den Ideen der Gottheit, und diese sind auch im verjüngten Maßstab in der kleinsten Monade anzutreffen als Beseelung und Lebendigwerdung einer Schöpfungsidee. Ein gewisses Maß von Idee und Form in ein Wesen zusammengefaßt, bildet eine Seele. Weil die Seele jedoch ein Kompendium einer Menge verschiedenartiger Spezifika, d.h. substantieller Intelligenzpartikel darstellt, kann sie als in Zusammengesetztes auch wieder in ihre Teile getrennt werden. (Anmkg.: Dies erfolgte mit der Seele des Urgeistes Luzifer/Satan, dessen gesamte Seelenpartikel die innere Struktur der materiellen Schöpfung bilden. D.Hg.)

Der Geist ist in sich zwar keine Form, aber ist dasjenige Wesen, das die Formen schafft. Erst wenn selbe geschaffen sind, kann er in ebendiesen Formen nun selbst als Form wirkend auftreten. Das bedeutet: jede Kraft, die sich als solche beurkunden will, muß sich eine Gegenkraft stellen. Erst zufolge dieses Stützpunktes kann die Kraft ihre Wirkung äußern und in Erscheinung treten. Der Geist ist demnach gleich dem Lichte, das in sich zwar ewig Licht bleibt, aber solange nicht bemerkbar auftreten kann, als es keine Dinge gibt, die es erleuchtet. Geist ist das Licht, das sich aus seiner eigenen Wärme von Ewigkeit zu Ewigkeit erzeugt, und da gleicht die Wärme der Liebe und das Licht der Weisheit.

Formen können getrennt oder verbunden, und neue Formen in zahlloser Art gestaltet werden. Das Licht als Geist aber ist untrennbar und durchdringt immerwährend alles, was für Licht aufnahmefähig ist.

Zwischen den Begriffen Materie (als gebundener Stoff) und Seele als Substanz ist ein gewaltiger Unterschied. Jedes Sonnenstäubchen ist noch immer Materie. Substanz aber ist ein seelisches Spezifikum und tritt in der stofflichen Materieform nur als Kraft oder Lebensäußerung in Erscheinung. Was z.B. an einem Magneten ersichtlich ist, das ist Materie. Was hingegen in ihm als Anziehung und Abstoßung wirkt, ist Substanz: eine unsichtbare, die Materie erfüllende Kraft. Ebenso ist das sinnlich Wahrnehmbare an allen elektrischen Apparaturen materieller Stoff; der elektrische Funke aber — obgleich in Raum und Zeit sich kundgebend — ist seelenähnliche Substanz oder Kraft, die in der Materie verborgen ruht. Wird sie jedoch durch Erregung erweckt, äußert sie sich augenblicklich als eine allesdurchdringende Kraft, die immer größerer Steigerung fähig ist.

Ein weiteres Beispiel sind die Zündstoffe. (Pulver, Dynamit und dgl.) Ihre Körnchen verhalten sich ruhig und fallen wie jede andere Materie von der Höhe zur Tiefe. Wird die innewohnende Substanz hingegen durch etwas ihr (geistig) Ähnliches erregt, so reißt sie in Blitzesschnelle ihre Hülle in atomkleine Stücke und tritt dann in die Sphäre ihrer Freiheit. Das Feuer ist dieser Substanz verwandt und bildet daher das erforderliche Erregungsmittel. — Ebenso ist dem Wasser jene substantielle Kraft zu eigen, die durch einen hohen Grad von Wärme erregt wird. Auf ihrem Höhepunkt wird diese Kraft jedes noch so starke Sperrgefäß sprengen und sich dann in ihrer Freiheit ausdehnen. So ist in jeder Materie irgendeine substantielle Seelenkraft vorhanden, und es kommt nur darauf an, wodurch sie erweckt werden kann, um sich wirkend zu offenbaren.

Die Naturforscher haben wohl in der Materie gewisse Grundkräfte entdeckt. Allein, hätten sie als selbst lebende Wesen einen Schritt weiter getan und der alles erfüllenden Lebenskraft den beherrschenden Platz eingeräumt, so hätte ihre Wissenschaft schon lange einen gewaltigen Schritt nach vorwärts getan. Sie hätten nicht notwendig, "tote" Kräfte abzuwägen und zu zergliedern. Denn sie wären mit jener Grundbedingung alles Seins vertraut geworden, aus der sie alle Materie und auch sich selbst im Lichte der Wahrheit erkennen könnten. In welcher Logik kann denn eine wirkende Kraft als tot angesehen werden! Als tot kann eine Sache nur betrachtet werden, solange sie aus irgendeiner Wirkungssphäre verbannt wurde. Wenn aber in und an der Materie wirkende Kräfte entdeckt werden, sind sie lebendig und auch intelligent: denn ohne Intelligenz irgendeiner Art läßt sich ebensowenig eine planmäßige Wirkung denken wie ohne Kraft.

Wo nichts als lauter geordnete Wirkungen erschaut werden, muß es auch ebensoviele Kräfte geben. Und weil deren Wirkungen planmäßige sind, müssen genau so viele Intelligenzen als Kräfte vorhanden sein. Daraus wird begreiflich, daß die Materie aus seelischen Intelligenzen besteht, die von höheren Intelligenzen nach Ordnung und Bedarf zeitweilig festgehalten werden können. Ist aber die Zeit ihrer Fesselung beendet, erwachen die einzelnen Intelligenzen und einen sich als Ursubstanz (Ätherform) wieder in jenem Wesen, in dem sie uranfänglich als Gedanke des Schöpfers gestaltet wurden.

Um zu verbildlichen, was unter naturgeistigen Intelligenzen, d.h. seelischer Substanz zu verstehen ist, betrachtet ein Weizenkorn! Dieses birgt folgende Intelligenz-Spezifika in sich: Zuerst Teilchen der Liebe als den eigentlichen Nährstoff im Samenkorn. Ein zweites Spezifikum ist das spirituelle Substrat, zufolge dessen aus dem Weizen, wie auch anderen Früchten der Alkohol gewonnen werden kann. Eine weitere Intelligenz ist der Kohlenstoff, der beim Verbrennen ersichtlich wird und bei zu großer Menge das Samenkorn schon auf dem Felde brandig und schwarz werden lassen kann. Wieder ein anderes Spezifikum ist der Sauerstoff, vermöge dessen aus Getreidearten (durch Vergärung) ein Bier bereitet werden kann. Ein anderes Spezifikum ist der ätherische Schwefel, der eben die Brennfähigkeit des Samenkorns bewirkt; ebenso der Ölstoff, womit aus dem Korn ein wohlschmeckendes Öl gezogen werden kann. Wieder eine andere Substanz ist der Zucker, der im Samenkorn des Weizens reichlich vertreten ist. Weiteres der gummiartige Schleirnstoff, aus dem das Stärkemehl gewonnen werden kann. Und endlich eine beträchtliche Menge des reinsten und einfachsten Wasserstoffgas-Spezifikums, das dann auch den Hauptbestandteil des hohlen Pflanzenhalms ausmacht, ohne welchen Stoff keine Pflanze in die Höhe wachsen könnte.

Alle diese Elemente sind lebendige Substanz seelischer Art, die von übergeordneten Geistintelligenzen und ihren Kräften zum Aufbau einer Lebensform planmäßig angeleitet werden. Aber auch das Mineralreich, das die Wissenschaft als leblos (anorganisch) bezeichnet, ist von lebendiger Substanz erfüllt, die jedem Gestein und Metall seine ihm eigentümlichen Eigenschaften verleiht.

Die einzelnen Intelligenzen sind immer dieselben, ob in Mineralien, Pflanzen oder Tieren, nur mit dem Unterschied, daß in Metallen und Steinen noch wenige Intelligenzen vereint in Erscheinung treten, während in der Pflanzenwelt und besonders im ausgebildeteren Tierreich eine bei weitem größere Menge wirkend vorhanden ist. Wo das Mineral etwa acht bis zwanzig Intelligenzen zählt, sind es bei mancher Pflanze schon viel Tausende und bei manchem Tier viele Millionen. Die in einer Menschenseele zusammengefaßten Intelligenzen aus allen atomistischen Teilchen der Erde und aus allen Sternen des großen Weltenmenschen (Kosmos) sind beinahe unzählbar zu nennen.

So erscheint die Materie dem Menschenauge wie toter Stoff und ist doch in Wahrheit nur ein zeitliches Gefängnis eingeschlossener Intelligenzen, die als Substanz wieder aufgelöst und neu verbunden werden von einer Lebensform zur anderen zu ihrer Reifung für ein neues, freies Geistleben. —

(Lorber)

Kraft in ihrer Äußerung ist wahrnehmbar an einem Wesen oder Ding, das seinen Platz oder seine Form verändern muß gemäß einer anderen, den Sinnen nicht wahrnehmbaren Ursache. Das Drängen irgendeines Dinges auf ein anderes ist nichts als der letzterem innewohnende Zug, sich den einwirkenden Elementen zu entziehen. Als Gegensatz zur Bewegung ist es der Zug der Ruhe oder Trägheit (Beharrungswille).

Sobald z.B. eine äußere Ursache auf einen Stein einwirkt, um ihn seiner Ruhe zu entreißen, stemmt sich das in ihm eingeschlossene Seelische dagegen. Seine Teile, die bisher bewegungslos hart aneinandergeschlossen ruhten, beginnen in Vibration (Schwingung) zu geraten. Im scheinbar leblosen harten Stein wurde ein Leben erregt, das sich dem Beschauer als Bewegung kundgibt. Das Resultat ist, daß der Stein seinen bisher innegehabten Platz aufgeben oder sogar seine Form verändern muß. Seine Elemente sind nicht mehr so zusammengefestet wie früher; denn die einwirkende Kraft gewann die Oberhand über seinen bisherigen Trägheitszustand. So vermag ein harter Druck oder heftiger Schlag sein inneres Leben derart zu erregen, daß es sein Gefüge auflöst und dessen Bestandteile zu Staub verwandelt.

Der Kraft der Ruhe (Beharrung) steht stets eine andere gegenüber: der Zug, alles materiell Bestehende zu zerstören und daraus wieder Neues zu formen. Diese Kraft äußert sich unter mannigfachen Formen und Richtungen. Aber das die Kraft Bedingende ist eine höhere Potenz (Geist), die als Kraft nur in Erscheinung tritt. Als eigenes Prinzip existiert Kraft überhaupt nicht! Sie ist kein selbständiger Lebensfaktor, sondern immer und überall nur das Produkt aus Ruhe und Bewegung. Durch diese beiden Grundprinzipien besteht das ganze Universum; durch sie wurde die Welt erschaffen, wird sie erhalten und immer wieder in neue Formen verwandelt.

Die Ruhe können wir auch mit "Stoff" bezeichnen, und die auf ihn einwirkende Bewegung ist die Lebenstätigkeit des Geistes, als Anreger der Kraft und Hauptfaktor alles Lebens. Ohne Geist kein Leben, ohne Leben kein Stoff! Kraft kann nur wirken, wo sich ihr ein Gegensatz entgegenstellt. In der Materie mit ihren Teilen ist es die Ruhe (Trägheit), die sich der Bewegung hemmend entgegensetzt und damit als Kraft bemerkbar wird.

Der Begriff "Stoff" als Prinzip ist nicht der Erdmaterie gleichzusetzen. Reiner Stoff ist nur im weiten Ätherraum außerhalb der Luftatmosphäre. Denn dort finden sich sämtliche Bestandteile (als Feinstoff-Atome) vor, die zur Schaffung aller Weltkörper und ihrer Luftkreise nötig sind. Nur dort ist wirklich Stoff, während die Materie schon aus fest zusammengefügten Elementen besteht. Hier ist der Stoff schon so gebunden, daß eine Trennung in seine primitiven Urbestand-teile nicht mehr möglich ist. (Auch nicht durch Atomspaltung! D.Hg.) Nur in dieser engsten Verschmelzung machen sie ein Ganzes aus, das sich jeder künstlichen Scheidung widersetzt. Diese Elemente werden, sobald sie höheren

Lebenspotenzen durch deren Kräfte ausgesetzt sind, zu Veränderungen und Wechsel der Formen gezwungen. Nachdem ihr Sein in der früheren Gestalt aufhörte, treten sie als ein anderes Sein aufs neue wieder in Erscheinung. — Geist, der Urgrund alles Geschaffenen, ist die vom Willen des Schöpfers beseelte, lebendig wirkende Macht, welche die Fähigkeiten in sich trägt, alles aus allem zu machen. Man kann Geist auch das innerste Leben nennen, und diese Potenz ist der Träger und Förderer einer jeden Schöpfungsidee. Alles, was der Geist zu seinem Zweck verwenden will, durchdringt er mit seiner eigenen Kraft, damit sich das Ganze zu einem einheitlichen Bau zusammenfügt und die gefaßte Idee in die Wirklichkeit hinaustritt. Das Erwecken der in der Materie ruhenden geistigen Seelenelemente ist das eigentliche Triebrad der ganzen Schöpfung. Die antreibende Kraft aber ist das, was man den leitenden Geist in jedem Wesen und Ding nennen kann: Geist in allen Abstufungen bis empor zu GOTT, dem einzig Ur-Schaffenden, der alles in sich vereint, was Geist in höchster Instanz sein kann.

Das folgerechte Wirken des Geistes ist als das Naturgesetz erkennbar. Wenn aber etwas zu konsequentem Bestand erschaffen wurde, so kann das schaffende Urprinzip unmöglich dessen Zerstörung, sondern nur seine Vollendung wollen. So muß auch Gott, die schaffende Geistmacht, ein Wohlgefallen an seinem Werke haben (vgl. "Und Gott sah, daß es gut war" 1.Mos.) — Diese Zuneigung ist der Ausdruck der göttlichen Liebe. Mithin ist der Urgeist oder die höchste schaffende Potenz — eben weil Er schöpferischer Geist und wirkendes Leben ist — auch die höchste Liebe. Und diese Liebe ruft den Menschen zu: "Vergeßt nicht euren Ursprung! Ihr seid Meine Geschöpfe als geistige Wesen. Trachtet danach, durch Meinen Geist in euch zu wahren Kindern Meiner Liebe zu werden!" (G. Mayerhofer).

Was ist Materie?

Zum richtigen Verständnis dieses Kapitels wird auf die bezüglichen Ausführungen von Dr. Walter Lutz hingewiesen, die in knappen Worten dieses urgründige Thema zu erläutern suchten. Ein profunderes Erfassen aller Zusammenhänge ist allerdings nur durch das Studium insbesondere des "Großen Evangeliums" Lorbers zu gewinnen. An dieser Stelle können daraus nur einige wesentliche Abschnitte auszugsweise wiedergegeben werden. D.Hg.

Gottes Gedanken und Schöpfungsideen in ihrer nie versiegbaren endlosen Fülle sind die eigentlichen Ursubstanzen und Urstoffe, aus denen alles, was in den geistigen und stofflichen Welten gemacht ist, besteht. Er denkt sie im klarsten Lichte seines Gottesbewußtseins und will, daß sie zur Wirklichkeit werden — und sie sind dann schon, was sie uranfänglich sein müssen. Wenn es Gottes Liebe gefällig ist, seine Gedanken in ein festes und selbständiges Dasein treten zu lassen, bestimmt seine Weisheit seinen Willen zum Gesetz über diese Gedanken und Ideen. Sie werden dadurch Wesen gleichsam wie außerhalb seines Seins und müssen so lange fortbestehen, als Gott sie zweckdienlich waltend erhält.

Alles, was nun Welt und Materie heißt, ist ein Verkehrtes, aus der geistigen Ordnung Getretenes. Dies, weil es ursprünglich als Gegenreiz zur Erweckung des freien Willens der als Selbstwesen von Gott hinausgestellten Ideen in sie gelegt werden mußte. Der schon in die erstgeschaffenen Geister zwecks ihrer Selbständigwerdung eingelegte Anreiz zur Nichteinhaltung der ihnen gegebenen Gottesordnung hob viele dieser Geistwesen aus jener Ordnung. Ihr stets mächtiger werdendes Widerstreben mußte sie am Ende mehr und mehr verhärten (Verdichtungsprozeß durch Selbstsucht und Eigenliebe). Auf diese Weise wurde der Grund zur materiellen Weltschöpfung gelegt. Alle Materie war einst Reingeistiges, das freiwillig aus der Ordnung trat und sich dem Anreiz zur Widerordnung hingab.

Die Materie ist demnach nichts anderes als ein gerichtetes, aus sich selbst verhärtetes Geistiges. Oder deutlicher: sie ist eine grobe, schwerste Umhäutung oder Einhülsung der gefallenen Geister, die darin eine neue Möglichkeit erhalten, nach ihrer Läuterung in den ursprünglichen freien Geisteszustand rückzukehren. Das Hülstum aber (das die Materie als etwas Festes vortäuscht) ist eine von Gott ausgehende Willensfixierung (unabänderliches Kreisen der Atome!), die in und für sich nichts seelisch Intelligentes besitzt. Sie ist nur ein notwendiges Mittel, durch das eine darin eingeschlossene Seelenintelligenz in solcher Isolierung sich mit der Zeit wieder zu einem freien, selbständigen Wesen ausbilden kann.

Gelangt ein derart eingehülstes Seelenpartikelchen zu einer gewissen Selbständigkeitsreife, dann zerreißt es das Hülschen (nicht die Atome, sondern seinen Zellverbund!), vereinigt sich augenblicklich mit anderen schon freigewordenen Seelenpotenzen und schafft sich aus verwandten Elementen der Luft, des Wassers und des Erdreichs sogleich wieder eine neue Umhülsung. (Vgl. Samen- und Eibildung). — Die Materiewelt ist gut zu zwei Drittel Seele, und ein Drittel ist seelenlose Hülle als Träger eines stets gesammelteren und reiferen Seelenlebens. Die Hülsenmaterie, d.i. der gefestigte Wille Gottes als Naturgesetz, ist eine Erlösungsanstalt, in welcher die durch den Fall Satans mitgefallenen Sondergeister auf längerem Wege wieder ihre Freiheit erlangen können.

Alle Materie — vom härtesten Stein bis zum Äther hoch über den Wolken — ist Seelensubstanz in gefestigtem Zustand. Ihre Bestimmung aber ist, wieder ins reingeistige Sein zurückzukehren, wenn sie durch diese Absonderung (Einhül-sung) eine gewisse Selbständigkeit ihres Lebens erreicht hat. Um selbe durch eine stets erhöhte Selbsttätigkeit zu erlangen, muß die Seelensubstanz alle möglichen Lebensstufen durchlaufen (die drei Naturreiche Mineral, Pflanze, Tier). Sie muß sich dabei stets wieder von neuem in einen materiellen Leib einkleiden, aus dem sie dann wieder neue Lebenssubstanz an sich zieht und sich zu eigen macht.

Jede Materie ist teilbar und ihre Teile sind voneinander durch Räume getrennt. Kein Gelehrter kann bestimmen, in welch endlich kleinste Partikel die Materie geteilt werden kann, denn für menschliche Begriffe ist sie nahezu bis in ein unendliches Minimum teilfähig. Ein Teilchen Moschus z.B. wird in kürzester Zeit den ganzen Raum erfüllen, in den es gelegt wird. Und noch nach vielen Jahren wird es weder an Umfang noch an Gewicht merklich verlieren, obgleich sich in jeder Sekunde Millionen Teilchen von dem Stück abgelöst haben. Ist aber alle Materie teilbar, so muß sie notwendig etwas Zusammengesetztes darstellen. Diese endlos kleinen Teilchen sind ursprünglich nichts als eine Gedankenkraft aus Gott. Diese Kraft bekommt Form, und die Form erhält Leben aus dem Leben des Schöpfers, der die neubelebte Form frei von sich gibt. Er gibt ihr dann eine eigene Intelligenz, durch welche die geschaffene Lebensform sich ihrer wie eines selbständigen Wesens bewußt wird. — (Unter "Intelligenz" ist hier das instinktive Reaktionsvermögen zu verstehen, das physikalisch sich als Anziehung oder Abstoßung, chemisch als Affinität = Bindekraft usw. kundgibt. Auch ist der Begriff Bewußtsein nicht mit dem Selbstbewußtsein des Menschen, seinem Ichgefühl zu verwechseln. Daß aber selbst Atome eine Art "Bewußtsein" besitzen, erkannte bereits die exakte Naturwissenschaft aus gewissen Verhaltungsweisen dieser Urelemente der Materie. D.Hg.) — Die gröbste Materie sogar ist Geist, wenn auch als Seele in einem gerichteten, d.h. gefestigten Zustand. Erweckt man die wie tot in ihren Naturformen ruhenden Materiegeister durch Stoß oder Druck, werden sie bald ihre Anwesenheit fühlen lassen. Solange die in die Materie gebannten Naturgeister und Naturseelen nicht (von außen) erregt werden, ruhen sie und lassen vieles aus sich formen. Werden sie jedoch zu sehr aus ihrer Trägheit erweckt, beginnen sie bald ihre Macht zu erweisen. Seht die weichzarte Luft, wie sie als Sturm und Gewitter unter Blitz und Donner zum vernichtenden Element wird! Schlaget Steine heftig aneinander, und die in ihnen gefesselten Geister werden unter feurigen Erscheinungen (Funken) bald ihre Hülle sprengen und sie zu Staub verwandeln. Setzet das gefügsame Wasser unter Druck, so werdet ihr zuerst einen Eisklumpen erzielen. Könntet ihr aber das Eis einem noch viel stärkeren Druck unterziehen, würde es sich plötzlich unter heftigem Getöse in Feuerdampf auflösen und alle seine Hüllen vernichten.

Wer aber wütet da so grimmig? Es sind die in der Materie gebannten Seelenpotenzen, die durch heftiges Vibrieren — oft trillionenmal in der Sekunde — auf ihre gestörte Ruhe antworten. (Ruhe Gesetz der Trägheit). So läßt sich die Anwesenheit der Geister in der Materie leicht erkennen. Denn werden sie zu einer außerordentlichen Tätigkeit genötigt, kann man stets nach dem Grade ihrer Erregung ein

Glimmen oder starkes Leuchten ersehen. Je stärker der Erregungszustand, desto intensiver äußern die Naturgeister ihre Tätigkeit in irgendeiner einschließenden Form der Materie. (Höchste Erregung bildet wohl die Atomsprengung, daher der sonnenhafte Blitz, der dabei zum Vorschein kommt. D.Hg.)

Alle Materie ist ein zeitweiliges Aufnahmegefäß für ein bestimmtes Maß geistigen Lebenselements. Von diesem entwickelt sich stets ein gewisser Teil, macht sich frei und geht in eine höhere Lebensform über. Sind einmal alle in einer Welt niedergelegten Gedanken und Ideen des Schöpfers in ein selbständiges, reingeistiges Leben nach der Ordnung Gottes übergegangen, dann ist ein materieller Weltkörper nichts mehr als eine Hülse, die kein neues, kräftiges Leben mehr tragen und ausreifen kann. Dann wird die leere Hülse aufgelöst und an ihre Stelle tritt eine mit neuen Lebenskeimen erfüllte geistige Erde. Alles in Raum und Zeit altert, wird schwach und vergeht; nur der denkende und schaffende Geist bleibt ewig.

Alles Seelische in der Materie ist gerichtet und gefestet und steht unter dem Mußgesetz der Naturordnung. Nur der Mensch ist ein frei geschaffenes (mit Willensfreiheit ausgestattetes) Geistwesen mit der Fähigkeit, die Widerordnung zu erkennen und freiwillig hinauszuschaffen, was auch in seinen Seelenteilchen noch der Materie und der Welt angehört. Diese ist dabei ein notwendiges Mittel zu jenem Zweck, kann aber nie Selbstzweck sein. Darum wird einst alle Materie aufgelöst werden, wenn sie ihre große Schöpfungsbestimmung erfüllt hat. —

Äther — Träger des Urstoffes

Stoff ist die feinere oder gröbere Hülle, die einen göttlichen Lebensgedanken einschließt und ihn damit als gesonderte Wesenheit selbständig in Erscheinung treten läßt. Das Medium, in das diese Schöpfungsideen gleichsam keimhaft eingebettet sind, ist die Welt des dem Menschenauge unsichtbaren Äthers — eine lebendige Kraftsubstanz, deren stufenweise Verdichtungsprozesse alle Lebensgebilde der Naturwelt hervorrufen und weiterentwickeln. Äther heißt ursprach-lich "ewige Bewegung", und wo Bewegung, da ist auch Leben. Vom Wesen dieses Urstoffträgers handeln die folgenden Darlegungen. D.Hg.

Gott in sich ist ewig und unendlich und aller Raum ist von Ihm erfüllt. Die Unendlichkeit ist voll der ewig neuen Schöpfungsgedanken aus Gott, und diese Gedanken sind der Stoff, aus dem alles, was die Schöpfung faßt, entstand und weiter entsteht.

Der ganze Weltenraum ist von einem unmateriellen, lebendigen Medium durchdrungen, das der Äther genannt wird. In ihm sind die zahllosen Gottesgedanken und Ideen, als Elemente und Baustoffe der Naturwelt, in einem noch ungebundeneren Zustand als in der atmosphärischen Luft, die alles dies gleichfalls in gelöstem Zustande enthält. Sie sind da noch freiere Kräfte (Substanzbildner) und sind da dem Urfeuer und Urlicht noch um vieles verwandter. Die Bestimmung der Ätherkräfte ist es, die Luft der Erde zu nähren, diese dann das Wasser und das Wasser die Erde mit allem, was auf ihr lebt und webt.

(Diese substantiell-seelischen Kräfte sind die vier Elemente der Alten: Äther als geistiges Feuer, Äther als Luftelektrizität, Äther als Magnetismus des Wassers und als chemische Bindekraft der Erde — alle wechselseitig aufeinander einwirkend. D.Hg.)

Äther selbst ist noch lange nicht Reingeistiges, sondern hat mehr innere Ähnlichkeit mit der Substanz der Seele. Dies jedoch nur insoferne, als er ein räumliches Kraftmedium ist, durch das zahllose Urkräfte aus Gott sich begegnen, sich verbinden und endlich gemeinsam wirken. Auch alle drei Wesensreiche der Natur machen trotz ihrer unendlichen Vielfalt ein Ganzes aus und wirken gemeinsam zu einem einzigen Hauptzweck, der Entbindung des in der Materie gebannten Geiste. Dennoch ist der Unterschied aller Naturformen auf Erden leicht merkbar. Im Äther jedoch, wie auch in der Luft ist er dem Menschen nicht erkennbar, obwohl die zahllosen Arten der Ätherkräfte und der von ihnen hervorgebrachten Urstoffe hier noch entschiedener voneinander abgesondert sind als in der sichtbaren Materie.

Wer das Universum mit geistigem Auge betrachtet, wird im unendlichen Ätherraum nichts anderes entdecken als ÄtherAtome, das sind allerfeinste Bestandteile von Stoffen, die dem irdischen Auge niemals bemerkbar sein werden. Diese feinsten Ätherteilchen bergen alle in ihrem Zentrum einen Ableger geistigen Inhalts vom Wesen Gottes, der ihnen dadurch die ewige Fortdauer (Ai-ther!) und den immerwährenden Trieb nach Entwicklung, Erhaltung und Fortschritt einprägt. Ein geistiges Partikel des göttlichen Ich wohnt jedem Atom inne, und dieser Umstand begründet die sogenannte Allwissenheit und Allgegenwart Gottes in allen geschaffenen Dingen und Wesenheiten.

Ein Äther-Atom ist nach irdischen Begriffen ein unkörperliches, unwägbares Ding. Dennoch ist es ein für sich abgeschlossenes Begrenztes, weil es ohne Grenzen (Hülse) sich wieder in ein anderes auflösen müßte. Da im Raume bestehend, hat es trotz seiner kaum faßbaren Kleinheit doch eine Länge, Breite und Tiefe wie jeder andere Körper. In ihm wirkt der Trieb des Weiterbildens als Element des göttlichen Willens. Und da jedes Äther-Atom vom anderen verschieden sein muß, um alle Elementarstoffe darzustellen, die zur Erschaffung der Welten nötig sind, entwickelt sich zwischen ihnen der Zug, sich miteinander zu verbinden, soweit sie Träger ähnlicher oder verwandter Urgedanken sind. (Anziehung, chemischer Affinität). Auf diese Art bilden sich aus Atomen stufenweise immer höhere Lebensformen, vom zarten Lichtdunst der Kometen bis zu den größten Sonnenwelten, vom Infusionstierchen bis zum menschlichen Körper als dem Träger höchsten organischen Lebens.

Die ersten animalischen Lebensformen der Ätherwelt sind die unendlich kleinen Bewohner des Äthers. Sie sind dort ungefähr das, was in der Materie die Atome darstellen: so außerordentlich klein, daß auf einem mikroskopisch winzigen Punkt schon mehrere Trillionen völlig Platz fänden. Diese Tierchen (Lichtatome) entstehen aus dem Zusammenfluß der unzählbaren Lichtstrahlen, die — von allen Sonnen ausgehend — sich im unermeßlichen Raume allenthalben begegnen. Die Gestalt dieser Äthertierchen ist kugelförmig und ihre Nahrung ist die Essenz des Lichtes. Ihre Lebensdauer ist der trillionste Teil einer Sekunde, wonach sie — nach ihrem Ableben sich wieder zu Trillionen einend — eine zweite Klasse zu bilden beginnen und unter dem Ausdruck "Monaden" zu verstehen sind. Auf gleiche Weise wird fast unter gleicher Gestalt eine Klasse nach der anderen mit einem stets potenzierteren Leben gebildet, bis endlich das Leben solcher Wesen eine solche Gediegenheit erreicht hat, daß es schon an der Grenze der obersten Luftregion gegen den Raumäther sich (durch Verdichtung) als ein lichtvoller bläulicher Dunst anzusiedeln beginnt.

So ist auch eine werdende Sonne zuerst nichts als ein purer feinstofflicher Lichtäther oder ein Sichergreifen von zahllos vielen Gedanken und Ideen Gottes. Diese ziehen dann durch den ihnen zugrundeliegenden Gotteswillen das ihnen Gleiche aus dem endlosen Äther fortwährend an sich. Damit aber wird der früher lichtschimmernde Äther schon dichter und bekommt nach und nach den Dichtegrad der reinsten Erdluft. Auch diese verdichtet sich mehr und mehr, und es kommt das Wasser zum Vorschein, aus dessen weiterer Verdichtung Schlamm, Lehm und zuletzt festeres Erdreich bis zum Gestein entsteht.

Die immer fester aneinander gebundenen, ursprünglich geistigen Ursubstanzen und Urstoffe beginnen nun, sich in solch unfreiem Zustand gedrückt zu fühlen und werden sehr tätig, um sich freier zu machen. Dies bewirkt, daß es besonders in den festen Teilen eines solchen Weltkörpers sehr feurig wird (Vulkane, Erdbeben!). Durch diesen Feuereifer der ursprünglich freien Urlebensgeister werden die festeren Teile eines neuen Weltkörpers zerrissen und erst nach vielen solchen Kampfperioden tritt eine ruhigere Ordnung ein, in der die in ihm gefangenen Urgedanken und Urideen Gottes einen anderen Weg nehmen, um sich vom Druck der Materie immer mehr frei zu machen. Da entstehen bald allerlei Pflanzen und Tiere bis endlich zum Menschen hin, in dem zahllos viele Urgedanken erst ihre volle Lösung aus dem Banne der Materie finden. Diese erkennen dann Gott als den Urgrund alles Seins und Lebens und kehren endlich als vollendete, selbständige Geistwesen zu ihm als ihrem Ursprung zurück.

Hinter der Substanz des lebendigen Äthers aber waltet das Geistfeuer — eine ewig wirkende Kraft, die von Gott ausgehend den unendlichen Raum erfüllt und immerwährend schaffend tätig ist. GOTT selbst ist in seinem Zentrum der ewige Urgeist und Urmensch und belebt die Unendlichkeit mit seinen großen Gedanken und Ideen. Von seiner Liebe erfüllt, werden diese zu einem ihm gleichen Lebensfeuer, durch seine Weisheit zu geordneten Formen und durch seinen Willen zu abgesonderten, wie für sich bestehenden Wesen. Wesen mit der Fähigkeit, sich selbst ewig fortzupflanzen, weiterzubilden und auf der Stufenleiter der Gottesordnung sich endlich zu vereinen und zur Gottähnlichkeit emporzusteigen.

Das Mineral als Lebensform

Da es keine tote Materie gibt, ist auch das Mineralreich Träger lebendigen Seelenelements, das hier in seiner härtesten Form eingehülst erscheint. Während der bauende Geist sich augenscheinlich in der Geometrik der Kristalle kundgibt, und das Licht sich im Glanz des Goldes und der Edelsteine offenbart, sind die "Sonderintelligenzen" jedes Gesteins und Metalls an deren chemischen und physikalischen Eigenschaften erkennbar, die durchwegs naturgeistigen Ursprungs sind. In der Lorberschrift "Erde und Mond" wird dies am Beispiel des Eisens genauer erläutert, weshalb wir hieraus einige Gedanken folgen lassen. D.Hg.

Im Grunde des Grundes gibt es weder ein Mineralreich noch ein Pflanzenreich an sich; beide Reiche sind im eigentlichen Sinn auch ein Tierreich. Denn jedes Mineral besteht letzten Endes aus ebensoviel sogenannten Infusorien (Kleinsttiere), als an ihm einzelne psychische Spezifikalintelligenzen (lebendige Seelenfunken) entdeckt werden. Allen Eigenschaften eines Steins oder Metalls liegen ebenso viele Grundspezifika zu Grunde, von denen ein jedes völlig eigenartig ist und daher mit seiner speziellen Intelligenz auch nur einen bestimmten Zweck zu erfüllen vermag. Damit aber ein Mineral das werde, was es sein soll, müssen sich die ihm zugehörigen verschiedenartigen Spezifika wie zu einem einzigen vereinen, um das Mineral seinem Ordnungszweck gemäß auszubilden.

Um das recht zu verstehen, soll hier das Eisen als bekanntestes Metall zum Beispiel dienen:

Wodurch wird das schwere Gewicht des Eisens bewirkt? Durch ein seelisches Spezifikum (eine "Kraft"), aus den innersten Regionen der Erde aufsteigend. Daher richtet es, wenn auch bereits an dieses Metall gebunden, immerwährend seinen intelligenten Zug dahin, wo es einst so lange gebannt war. So ist in ihm die Schwerkraft gleichsam seine "Liebe nach unten". — Die Härte des Eisens entspringt einem eigenschaftlichen, einzeln für sich dastehenden Spezifikum. Dieses birgt in sich die ledige Intelligenz der völligen Selbstsucht und damit die harte Verfestigung gegen jede Nachbarschaft. Seine Herkunft ist gleichfalls von unten (vgl. die Härte des Erdkerns!) — Ferner entdeckt man an dem Eisen eine geschmeidige Fähigkeit, nämlich seine Biegsamkeit. Das ist eine seelische Intelligenz, die — schon vielseitig durchgeprüft — in sich die Willfährigkeit trägt. Durch den Hinzutritt dieses Spezifikums müssen sich die beiden erstgenannten seiner Eigenschaft anpassen. Das Biegsamwerden des Eisens in erhitztem Zustand entspricht seelisch der willfährigen Demut, weil der Demutswille desto geschmeidiger wird, je mehr er in Feuerproben geprüft wurde. Zwar ist diese Intelligenz auch von unten (vgl. die Feuerregion im Erdinnern), aber schon von guter und friedlicher Art.

Eine weitere Seelenintelligenz formt die Auflösbarkeit des Eisens durch Säuren und durch den Schmelzprozeß des Feuers. In diesem Spezifikum liegt die Intelligenz des Freiseins, der Zug nach Freiheit. Seine Kraft reißt alle früheren Spezifika mit sich, wenn es (durch äußere Umstände) die Unterstützung findet, sich freizumachen. Zugleich entspricht es in naturmäßiger Hinsicht der ausdehnenden Zentrifugalkraft, die — hätte sie keine Beschränkung — sich ins Unendliche verlieren würde. Damit dies nicht erfolgt, wohnt dem Eisen eine entgegengesetzte Eigenschaft inne durch eine Intelligenz, die seelisch dem Stoizismus verwandt ist. Dieses Spezifikum trachtet daher, sich auf den kleinsten Raum zurückzuziehen und beschränkt damit das frühere in seinem Ausdehnungsdrang, wird jedoch von letzterem an der ungehemmten Zusammenziehung, seiner zentripetalen Kraft gehindert. (Wesen des Elektromagnetismus!)

Eine weitere Eigenschaft dieses Metalls ist seine Glühfähig-keit im Feuer. Dies bewirkt ein Zorn-Spezifikum, das für gewöhnlich ruht: wird es jedoch erregt, dann tritt es mächtig auf und setzt alle früheren Spezifika in seinen eigenen Zustand. — Alle bisher genannten Spezifika des Eisens sind sämtlich von unten her und würden das eigentliche Wesen jenes Metalls noch lange nicht darstellen, wenn sie nicht mit edleren Spezifikal Intelligenzen aus der Sternenwelt gesättigt wären. (Kosmischer Strahlungseinfluß!)

Wird Eisen gerieben, gibt es einen eigenen, metallischsäuerlichen Geruch von sich. Dieser Geruch stammt von einem Spezifikum, in dem sich schon tätige Liebe ausdrückt. Denn wie im eigentlichen Sauerstoff und auch in allen Säuren eine lebenserweckende Luft vorhanden ist, ist in geistiger Hinsicht die tätige Liebe das eigentliche Leben selbst. Daher ist diese Intelligenz im Eisen auch das Hauptprinzip der Vereinigung (Affinitätsvermögen!), und es durchdringt nicht nur völlig das Metall selbst, sondern umgibt es auch wie eine eigene Atmosphäre. (Daher auch als Geruch wahrnehmbar).

Eine andere Eigenschaft ist die Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Elektrizität (Metallischer Leiter), die von einem weiteren Spezifikum stammt als Intelligenz der Beweglichkeit und Durst nach geselliger Vereinigung. Es ist wie das vorgenannte nicht fest gebunden, sondern durchdringt und umgibt ebenfalls das gesamte Metall. Da es aber mit den früheren Intelligenzen (von unten) noch mehr oder weniger verwandt ist, nimmt es bei diesen gleichsam Quartier und ist fortwährend bemüht, sie frei zu machen. Äußerlich tritt es als Rost in Erscheinung, der bekanntlich mit der Zeit das ganze Eisen auflöst und in sich verkehrt. Der Rost für sich ist zwar nicht das eigentliche, hier erwähnte Elektrizitäts-Spezifikum, das immer frei bleibt, sondern der Ausdruck für die anderen Spezifika, die sich dieser freien Intelligenz angeschlossen haben. (Oxydationsvorgang!) — Auch diese Kraft ist bereits "von oben".

Ein weiteres Merkmal ist der Glanz des Eisens, und zwar in einer weißlichtgrauen Farbe. Dieses Spezifikum faßt den Begriff "Ruhe" in sich. Nur in der Ruhe vermag sich alles auszugleichen und tritt sodann als Fläche in Erscheinung, die für das Licht wie ein Spiegel aufnahmefähig ist. Dieses Spezifikum ist dem ganzen Eisen zueigen, ist jedoch nicht an dieses fest gebunden. Es vereinigt sich erst mit ihm, sobald dieses auf seiner Oberfläche geputzt und geglättet wird. Werden aber dessen Teile, die als Fläche in gleichmäßige Ruhe getreten sind, durch irgend einen Umstand in dieser Ruhe gestört, kann sich jene Intelligenz nicht mehr zum Ausdruck bringen. (Analogie: glatte und bewegte Wasserfläche).

Hämmert man Eisen, so wird es elastisch. Diese Eigenschaft ist gleichfalls ein Spezifikum von oben, wobei Elastizität gleich ist einer konstant geordneten Willenskraft, die — wenn zwangsweise gebeugt — doch allzeit wieder ihre ursprüngliche Richtung einnimmt. Diese Spezifikalkraft ist eine der häufigsten in der unteren Luftsphäre und durchdringt jedes Luftatom, weshalb auch Luft im höchsten Grade elastisch ist. Zwar von oben (d.h. aus der kosmischen Ätherwelt) stammend, durchdringt sie den ganzen Erdball und ist die Hauptursache aller Bewegung in und auf diesem Weltkörper. — Nur im Feuer läßt die elastische Kraft nach, weil sie durch dieses in eine zu große Tätigkeit versetzt wird, aber vernichtet kann diese allerwichtigste Kraft niemals werden. So zeigt auch glühendes Eisen, das unelastisch wurde, nach Erkalten sofort wieder das Vorhandensein dieser Intelligenz.

Dieses Spezifikum ist dem Lichte nächstverwandt und besteht aus lauter Lichtatomen. Der Form nach ist es kugelförmig, d.h. es wird von überaus kleinen Bläschen getragen, die in alle Poren der Materie eindringen. Werden nun die Poren des Eisens beim Hämmern verschlossen, sodaß die elastischen Bläschen beim Beugen des Metalls nicht entweichen können, so läßt diese Kraft sogleich ihre Anwesenheit merken, indem sie das gebogene Metall wieder in jene Richtung zurücktreibt, die der gedrückten Lage ihrer Bläschen am besten entspricht. Die Lichtatome sind ätherische Lichtmonaden, wobei der Ausdruck "Monade" ein Einzelnes oder Alleiniges in seiner Art bezeichnet. Weil dem Lichte entstammend, zeigt sich dieses Spezifikum höchst eigentümlich in seiner Intelligenzsphäre. Es liebt die Ruhe und sucht selbe mit größter Beharrlichkeit. Aber eben darum übt es bei jeder Beschränkung durch Druck die größte bewegende Gegenkraft aus, der gleichfalls nichts widerstehen kann, wenn sie irgendwie aus ihrem Gleichgewicht gebracht wurde.

Das eigentliche Spezifikum in diesen Bläschen besteht in einem unbegreiflich kleinen Lichtfünklein. Dieses ist eine psychische Willensbeharrungs-Intelligenz und verbleibt so lange in seinem Kerkerchen, als es nicht durch Stoß oder Druck beleidigt wird. Ist dies der Fall, dann erwacht es in seiner Hülse und treibt dessen Wände auseinander. Bei nur geringer Erregung bekundet es sein Dasein durch ein Zittern, von dem gewöhnlich der Ton herrührt. Wird hingegen der Druck oder Schlag heftiger, dann zerreißt es seine Hülle und sprüht als helleuchtender Funke hervor. Im Feuer tritt diese Intelligenz frei wirkend in Erscheinung und zerstört alles, was ihr unterkommt.

Die Steine stehen dem Pflanzenreich etwas näher als die Metalle und besitzen schon mehr Spezifika als letztere. Je gemeiner sie sind (der Hülle nach), desto edler und reichhaltiger sind sie in spezifischer Hinsicht. Darum kann man sie nach Zerstörung nicht leicht wieder in ihren früheren kompletten Zustand zurückführen. Sie bleiben zwar als zerbröckelte Teile noch Materie, können aber nicht mehr wie die Metalle durch das Feuer zur früheren Masse wiedervereinigt werden. Die Ursache dieser Erscheinung ist die Mehrzahl von Sonder-Intelligenzen, die sich hier schon in größerer Ordnung ergreifen müssen als in den Metallen. Wird diese Ordnung gewaltsam gestört, so wird die Materie nicht mehr die gleiche wie früher.

Betrachtet einen Kalkstein in rohem und gebranntem Zustand: in rohem mag er tausend Jahre im Wasser liegen und wird nur noch fester werden, indem sich im Wasser mehr Spezifika mit ihm vereinen. Wirft man hingegen gebrannten Kalkstein ins Wasser, löst er sich schnell zu einem weißen Brei auf, da durch das Feuer eine Anzahl von Spezifika entwichen ist, die dem Stein früher seine Dichte und Festigkeit verliehen. Wird dem Brei wieder das Wasser genommen, treten einige freigewordene Spezifika wieder zurück und bewirken wieder mehr Festigkeit, sodaß er sogar bei Mauerwerken als Bindemittel dienen kann.

Ein Mikroskop mit sechsmillionenmaliger Vergrößerung würde in einem einzigen Wassertropfen eine unzählbare Menge von allerseltsamsten Tiergestalten erblicken lassen. (Schon unsere heutigen Mikroskope zeigen die größten Gattungen dieser Infusorien). Diese Gestalten sind nichts als die Träger verschiedenster Einzelintelligenzen, die sich scheinbar feindlich ergreifen und zerstören. Aber bald tritt an ihre Stelle eine neue Gestalt, die alle früheren in sich aufnimmt und gleichsam verzehrt. Ist sie hinreichend gesättigt, so kommt sie zur Ruhe und sinkt zu Boden. Geschieht das mit einer zahllosen Menge solcher Tierchen, so kleben sie dann als höchst verwandte Wesen fest aneinander — und daraus wird für das Auge die scheinbar tote Materie! Die eingehülsten Intelligenzen sind jedoch lebendige Substanz und nehmen in einer anderen Form wieder ihre Tätigkeit auf, wie das Beispiel des Minerals näher zeigte. Sind sie aber hier gleich wie im Pflanzen- und Tierreich vorhanden, was hindert dann mit vollstem Grunde anzunehmen, daß tierisches Leben (durch dieselben Spezifikal-Intelligenzen) auch im Mineral und Metall lebendig tätig ist! Diese sind somit beseelte Lebensformen und eine Sprosse in der Stufenleiter, an deren Ende die Menschenseele als Ziel steht.

Vom Samenkorn zur Frucht

Die ungleich größere Zusammenfassung von Seelenintelligenzen in der Pflanzenwelt gegenüber dem Mineralreich zeigt sich dem Betrachter hauptsächlich in Form von Wachstum, Frucht- und Samenbildung. Letztere gewährleistet die Vervielfältigung ihrer Art und stellt damit eine wichtige Potenzierung der Lebensformen im Naturreich dar. Die weniger starre Umhülsung gestattet den Seelenelementen unter Anleitung ihres Geistfunkens weit freiere Entfaltungsmöglichkeiten und schließt sie zu einem bereits höheren Organismus als Vorstufe des Tierreiches zusammen. Welche geistbeseelten Kräfte dabei am Werke sind, bildet das Thema nachstehender Darlegungen. D.Hg.

Überall, wo sich eine geschöpfliche Lebensform bilden soll, ist für die Vereinigung der seelischen Spezifika (Urlebens-funken) ein Zentrum gegeben, und dies ist ein reiner Geistfunke aus der Liebe Gottes. Er zieht mächtig alles an, was seines Wesens ist (Seele ist auch Geist!), und möge es noch so zerstreut sein, wird es sich dennoch jenem geistigen Zentrum anschließen. So konzentrieren sich auch in der Pflanzenwelt die seelischen Intelligenzen um die ihnen eigentümliche geistige Mitte. (Schon im Atom erkennbar!) Sie ergreifen sich zu einer intelligenten Form und bilden ihre Eigenschaften nach dem Grundwesen ihres geistigen Mittelpunktes aus (das jeweils eine bestimmte Schöpfungsidee darstellt).

Wenn alle Vorbedingungen zum Wachstum der verschiedensten Pflanzen, Sträucher und Bäume völlig gleich sind, müßten sie doch — wenn diese allein die Ursachen wären — auch bei allen Gewächsen dieselben Wirkungen betreffs ihrer Formen und Eigenschaften hervorbringen. Und doch ist ein jedes verschieden in seiner Art. Wie können also die gleichen Kräfte ganz verschiedene Wirkungen zeitigen? Wie kommt es, daß ein jeder Same aus der gleichen Erde, dem gleichen Wasser, der gleichen Luft und dem gleichen Licht nur diejenigen Urstoffsubstanzen an sich zieht, die er als stets unveränderter Same oft tausendmal tausend Jahre immer wieder angezogen und verkörpert hat? Da taucht Rein geistiges auch in der organischen Materie auf und zeigt dem geweckten Beobachter, daß nur der Geist ein wahres Etwas ist, demgegenüber alles, was die irdischen Sinne des Menschen wahrnehmen, eigentlich ein bares Nichts bedeutet.

So ist auch nur das, was im Samenkorn verborgen ruht, wahre Wirklichkeit (weil wirkend), weil es reinen Geist darstellt. Dieser innerste Geistfunke im Samenkorn ruht in einem dem Auge kaum sichtbaren Hülschen, das in der vom ganzen Samenkorn umschlossenen Keimhülle vorhanden ist. Dieses Eingeschlossene ist ein mit Liebe, Licht und Willenskraft erfüllter Schöpfungsgedanke, der eine Idee in vollster Isolierung von den unzählbaren anderen, ebenso für sich abgeschlossenen Gedanken und Ideen des Schöpfers bildet. Der so für sich abgesonderte Geist im Keimhülschen — mit Intelligenz und Kraft ausgestattet — wird leicht inne, wenn der Same als sein von ihm erbautes materielles Wohnhaus sich in jener Lage befindet, in welcher der Geist seine weitere Tätigkeit aufnehmen kann.

Wird der Same in die feuchte Erde gelegt, so erweicht sich die äußere substantiell-materielle Umkleidung. Da beginnt der reine Geist, von seiner Intelligenz und Willensmacht Gebrauch zu machen. Er erkennt genau die ihm entsprechenden Teile in der Erde, im Wasser, in der Luft, wie auch im Lichte der Sonne. Aus ihnen schafft er in seiner Ordnung das, was seiner Wesensidee entspricht, und es entwächst dem Boden eine Pflanze mit der ihr stets gleichen Eigentümlichkeit. Das Kraut der Pflanze von der Wurzel bis zur Stammspitze wird vom Geiste nur darum erzeugt, damit er sich später in den neuen Samenkörnern schöpferisch vervielfältigen kann und so sein Ich ins Unendliche weiterzuwirken vermag. Er selbst aber erhebt sich im Verbande mit den angezogenen Seelenteilen zur Bildung höherer und vollkommenerer Formen und Wesen.

Was von der Pflanze gesagt wurde, gilt in geringerem Maße auch von den Mineralien und in höherem Maße von allen Tieren und endlich vom Menschen. Alles Materielle ist nur der beharrliche Wille des Geistes, die eingehülste Seelensubstanz für die innere, lebendige Ordnung des Geistes fügsam zu machen. Wenn sich das Fleisch des Samenkorns in der Erde aufzulösen beginnt, werden seine stets ätherischer werdenden Teilchen dem im Keime waltenden Geiste immer ähnlicher. Dann beginnt der Geist, die ihm ähnlichen Teile zu ordnen und durchdringt sie stets mehr. Aus dem Emporkeimen und Fortwachsen der Pflanze ist gar wohl zu ersehen, daß damit für sie ein ganz neuer Seinszustand begonnen hat. Am Beispiel eines Baumes sollen diese Vorgänge noch näher erläutert werden:

Zur Bildung eines Baumes beruft der im Samenkorn wirkende reine Geistfunke (der Schöpfungsgedanke Gottes) eine vegetative Seele, auch Naturgeist genannt. (Das ist ein organisches Seelengebilde von Urlebensfunken, die — aus der Seele des gefallenen Urgeistes Luzifer stammend — sich nach Durchgang durch zahlreiche Naturformen ordnungswillig zusammengefügt haben und damit vom reinen Geiste bereits zu Baumeistern höherer Lebensformen berufen werden. D.Hg.) — Dieser Naturgeist besitzt eine ganz einfache Intelligenz und erkennt damit in der Erde die ihm zusagenden Nahrungsteile. Nach dem Willen des leitenden Geistfunkens verschafft er sich an den Wurzeln, wo er seinen Hauptsitz nimmt, unzählige Arme, mit denen er die Erdsäfte aufgreift und durch die von ihm gestalteten Röhrchen und Kanäle bis in die höchsten Wipfel und in alle Zweige des Baumes treibt. Die feineren Substanzen sondert er in den Teilen der Zweige ab, die gröberen verbleiben im Stamm und die unreinsten werden über die Sphäre des Baumes hinausgetrieben und bilden da die Rinde als die Haut des Baumes. Wo immer ein Ast aus dem Stamme gewachsen ist, sieht man an dieser Stelle den Ast fast bis ins Zentrum des Stammes in einer viel feineren und kompakteren Masse eingedrungen. Dies rührt von der Intelligenz des Baumgeistes her, der die Fasern und Röhrchen des Holzes ums Zehnfache feiner macht als die des Hauptstammes. Durch diese feineren Organe können demnach auch nur feinere Säfte durchgetrieben werden, die schon um vieles substantieller (ätherischer) sind. Von den Ästen aus geschieht dasselbe in den Zweiglein, und so ist deren Saft wieder ums vielfache feiner und damit auch kräftiger als jener vom Stamm und den Hauptästen.

Erst von den Zweigen werden an vielen tausend Stellen eine Menge kleinster Röhrchen offengelassen, durch die wieder in zehnfacher Verfeinerung (d.i. chemisch reiner) der Saft weitergeleitet wird. Von diesem Safte werden durch die Intelligenz des Baumgeistes und nach dem Willen des reinen Geistfunkens die dem Baume entsprechenden Blätter oder Nadeln gebildet. Haben selbe ihre ordnungsmäßige Vollkommenheit erreicht, werden die Kanäle und Organe, die aus den Zweigen zu ihnen führen, nach und nach verstopft, so zwar, daß von den tausenden Röhrchen nur ein mittleres offengelassen wird, durch welches das Blatt seine notwendige Nahrung empfängt.

Endlich aber wird selbst dieser Kanal geschlossen, und damit verdorrt das Blatt und fällt vom Baume ab. An den äußersten Ausläufern der Zweiglein befinden sich im Durchmesser einer Nähnadel eine Million der allerfeinsten Organe, die mit einer Art animalischen Lebens versehen sind. Gelangen die Säfte dorthin, entsteht daselbst ein förmlicher Kampf. Denn da will der noch unlautere Naturgeist seiner Gefangenschaft im Baume entweichen, die Freiheit ergreifen und die ganze Baummaterie gewisserart im Stiche lassen. Allein, bei diesem Vorhaben beugen sich jene Organe so sehr, daß sie ihm den Durchgang versperren. Da er nun in seiner einfachen Intelligenz seiner Gefangenschaft gewahr wird, nimmt er von solch unfruchtbaren Versuchen Abstand und nimmt Zuflucht zur bescheidenen Demut, wodurch sein seelisches Wesen beginnt, sich in Liebe zu verwandeln. Durch die Wärme dieser Liebe werden diese sehr beengten Organe erweicht und erweitert, und der Baumgeist selbst wird dadurch erst wirklich lebendig und dem reinen Geistfunken ähnlicher. Er setzt sich dann liebewirkend an den äußersten Ausläufern jener Organe als Frucht des Baumes an, zunächst in für das menschliche Auge kaum merklicher Größe.

Ist solches geschehen, erfolgt ein neuer Schöpfungsakt: Aus der göttlichen Barmliebe wird durch das Licht der Sonne dem Geiste in jedem Fruchtorgan ein außerordentlich kleines Fünkchen eingehaucht. Dieses Fünklein ergreift er an den vielen hundert Fruchtansätzen begierig und verschließt es sorgsam in ein kleines Hülschen. (Vgl. Samenkorn!). Ist nun diese gleichsam naturgeistige Ehe vor sich gegangen, wird alsbald die Blüte als Organ der Zeugung und endlich die Frucht selbst entsprechend der Baumgattung geschaffen und durch die sich ausbreitende Wärme des Fünkchens zur Reife gebracht.

Es geschieht öfters, daß durch unsorgliche Trägheit des Baumgeistes manche solcher Ausläufer übersehen werden. Dann entflieht nach kurzer Zeit das Geistfünkchen wieder zu seinem Ursprung, worauf sich die Gefäße des Zweigleins sogleich abschnüren und solchem Fruchtansatz keine Nahrung mehr gehen. Damit fällt eine solche Frucht bald welk und tot vom Baume ab. In einer vollkommen gewordenen Frucht aber wird dieses Lebensfünklein in einem feinen Hülschen in der Mitte des Samenkorns sorglich verwahrt. Und da es ein Funke aus Gottes Barmliebe ist, enthält es seinem Ursprung ähnlich Unendliches seiner Art in sich. So könnten von einem einzigen Samenkorn in tausend Jahren ebenso viele Millionen gleicher Bäume entstehen und damit ihr Baumleben immer reicher entfalten.

Welche geistigen Vorgänge bewirken nun das Wachstum des Baumes? Gerät ein Samenkorn in ihm zuträgliches Erdreich, ruft das erwähnte Fünklein einen in die Materie gebannten Naturgeist zu und in sich. Dadurch empfängt ein solcher Geist die erste Lebensregung und die einfachste Intelligenz seines Wesens. Da er jedoch im Grunde böse ist (Ursprung aus Luzifer), will er sich sogleich dieses Lebensfünkchens mörderisch bemächtigen. Allein, es entweicht immerzu seiner Nachstrebung; daher sucht der Naturgeist ihm ähnliche Geister (Seelenintelligenzen) im Erdboden an sich zu ziehen. Dadurch vergrößert und vermehrt er sich immer stärker, was naturmäßig an dem Emporwachsen des Baumes ersichtlich wird. Denn jenes Wachstum erfolgt eben durch die mörderische Nachstrebung oft einer ganzen Legion mit dem Baumgeist vereinter Naturgeister. Das geistige Lebensfünklein aber entweicht immer höher und höher aus dem Bereiche jener Nachstrebung, worüber die bösesten jener Naturgeister in argen Grimm geraten. Dadurch erhärten oft Millionen solcher Geister wieder zur festen, gerichteten Materie, was sich äußerlich am Holze und besonders an der wie toten Rinde naturmäßig kundgibt.

Durch solch vergebliche, oft jahrelang fortgesetzten Nachstrebungen werden jene Geister mit der Zeit gedemütigt, gelangen damit zu einer nützlichen Freiheit und werden schließlich eins mit dem Lebensfünkchen. Ein solcher Geist, der sich an den Fruchtansätzen hebend mit ihm vereinigt hat, wird nach Vollreife der Frucht ätherisch frei. Er geht (als Seelensubstanz) in eine höhere, intelligentere Wesenheit über, und dieser Vorgang wiederholt sich bis zum Eintritt in eine Menschenseele, in die sein Naturgeistiges als Teil mit eingefügt wird. Denn wenn eine hinreichende Anzahl der zu ätherischer Freiheit gelangten Naturgeister aus Bäumen und anderen Gewächsen sich hebend vereint haben und damit einen Geist in höherer Intelligenz darstellen, werden solche Geister in die animalische Tierwelt eingekörpert und hier zur zweiten Entwicklungsstufe gebracht. Vereinen sich dann wieder alle solche Geister in Liebe zu einem einzigen Geistwesen, dann ist selber erst fähig, als schon mehrfach geläuterte naturseelische Intelligenz zur Mitbildung einer menschlichen Seele herangezogen zu werden. Der ausgediente Baumstock aber stirbt ab, verfault, und seine aufgelöste Materie dient wieder zur Bildung neuer Formen in den Reichen der Natur.

In den Früchten mancher Gewächse, besonders des Weinstockes, finden sich Samenkörner von herzförmiger Gestalt vor. Daraus läßt sich immer auf eine große Vollkommenheit der Gewächsart schließen. Denn so wie das Herz der Tiere, je vollkommener ihre Natur ist, dem Menschenherzen immer ähnlicher wird, ist es auch bei den Kernen aus dem Pflanzenreiche der Fall. Darum können die vereinigten Geister solch edler Gewächse bei ihrem Neubildungsprozeß eine große Zahl animalischer Entwicklungsstufen überspringen, ja oft sogleich in die Klasse der Menschen aufgenommen werden. Sie haben dabei noch den Vorteil, daß — während ihr Geistwesen seine Wege weiterwandert — ihre materielle Hülle, bestehend aus zahllosen zarten Hülschen mit höheren Lebensnahrungsfunken, zunächst zur Nahrung des Leibes, damit aber auch zur Ernährung der Seele dienen kann.

Getreide und die meisten Obstgattungen dienen vorzugsweise zur Ernährung der Leiber, aber die Frucht des Weinstockes bei reinem und mäßigem Genuß mehr zur Belebung der Seele. Der Kern der Traube ist so beschaffen, daß er mit der Beere selbst heranreift. In diese steigt durch das Mark der Rebe in einem wie Spinnengewebe feinen Haarröhrchen ein ätherischer Feuersaft empor, mit dem das innerste Hülschen des Kerns gefüllt wird. Sodann wird jenes Röhrchen abgeschnürt; von ihm bilden sich mehrere Seitenkanäle und umgeben umwindend das Hülschen mit der genannten öligsüßen Substanz; jenem feurigen Saft, der aus den edleren, vormals schon in der unedleren Pflanzenwelt intelligenten geistigen Substanzen gebildet wird.

Gleichzeitig wird von äußeren, gröberen Kanälen der Rebe eine dichtere Hülle gebildet (die Beere selbst). Hat diese genügend Solidität erreicht, zerspringen die den Kern umgebenden edleren Gefäße und ergießen den süßen geistigen Saft in die grobe Hülle. Da selbe jedoch ebenfalls aus Säften herberer Art gebildet wurde, damit sie genügend dichte Festigkeit erhält, so kommen nun innerhalb der Beere anfänglich zwei Gattungen Säfte zusammen: ein herber und ein süßer, weshalb eine unreife Beere zusammenziehend sauer schmeckt. Mit der Reife jedoch wird das Herbere (Unedle) vom inwendig Süßen (Edlen) als zähe Hüllenmasse an die Grenze der Beere gedrückt, womit das überwundene Grobe und gleichsam Schlechte dennoch ein Gutes wird, da es zum tragenden Gefäß eines solchen Pflanzenheiligtums dienlich wurde.

Der Segen des Weinstocks, sein liebeverwandter Ätherstoff, ist nach Pressung der Traube das Geistige im Wein: jedoch nicht eher tritt es im Safte hervor, bis er alles Unreine aus sich ausgeschieden hat — ein Evangelium, das auch für die Menschennatur gilt! —

Das dritte Reich der Natur

In der Entwicklungsreihe der natürlichen Lebensformen nimmt das Tierreich den dritten und höchsten Platz ein. Hier vermögen sich die seelischen Intelligenzen durch Potenzierung der Urlebenssubstanz am reichsten zu entfalten. Auch die Körperlichkeit des Menschen gehört diesem Naturreiche an als ein Instrument der Seele, das die krönende Endstufe der organischen Materiewelt bildet.

Nachstehende Schilderungen sind den tiefgründigen Ausführungen J. Lorbers und G. Mayerhofers entnommen. — D.Hg.

Wie die Geister im Mineral- und Pflanzenreich die jeder Form innewohnenden Spezifikal-Intelligenzen (SeelenLebensfunken) zu einem einheitlichen Wesen ordnen, wurde bereits beschrieben. Es bleibt nun zu betrachten, wie das eigentliche Werden eines Tieres vor sich geht.

In einem jeden Tier ist eine schon mehr ausgebildete Seele wirksam zugegen, die durch den sie umgebenden Nervengeist (aurisches Fluidum) in ihrem noch grobmateriellen Körper wirkt. Darin unterscheidet sich wesentlich das Tier sowohl vom Pflanzen- wie vom Mineralreiche: daß das Tier schon eine freiere Seele besitzt, während diese in den beiden anderen Naturreichen mit der Materie noch völlig verwebt und in all ihren Partikeln aufgeteilt ist. Die Tierseele hingegen ist eine Ansammlung von zahllos vielen ätherischen Substanzteilchen, die umso mehr ein intelligenteres, freies Wesen bilden können, je vielfältiger sie sich zu eben diesem Wesen vereinigt haben.

Tritt bei den Tieren der Akt der Zeugung ein, so treiben die leitenden Geistfunken durch ihren Willen diese psychischen Intelligenzen (hervorgegangen aus ihrer Entwicklung im Mineral- und Pflanzenreich) in die Zeugungsorgane der Tiere und umschließen sie im Augenblick der Zeugung mit einem materiellen Häutchen. In diesem wird dann die Seele tätig und beginnt nach dem Grade ihrer Intelligenz sich selbst zu ordnen. Hat die Tier-Seele in dieser ersten Behausung ihre selbstbestimmte Ordnung getroffen, sorgt der leitende Geist, daß sie durch neue, eigens dazu gebildete Organe aus dem

Mutterleib die entsprechende Nahrung als Baumaterial für ihren künftigen Leib erhält, durch den sie zu wirken hat.

Den Leib bildet also die Seele selbst, freilich unter fortwährender Anleitung der Geister, die dabei nur ihren Willen ans Werk zu legen haben, um der bestimmten Schöpfungsidee zur Gestalt zu verhelfen. Die Ausbildung selbst geht auf folgende Weise vor sich:

Die ätherische Substanz, Seele genannt, hat zuerst ihre eigene Intelligenz geordnet nach den ihr innewohnenden Gesetzen der Assimilation (Angleichung), wonach sich Gleiches mit Gleichem verbindet. Da aber ein jedes ätherisch-substantielle Intelligenzteilchen eine vollkommene Idee in sich trägt, die sich in einer ganz bestimmten Form verwirklicht, so geht diese Seelenfähigkeit in der Bildungsperiode des Leibes auch auf diesen über. Der Leib wird damit bei seiner vollen Ausbildung zum Abbild jener typischen Seelenform, wie sie im Augenblick der Tierzeugung gegeben ward.

Hat sich die Seele gewisserart in der Form des Leibes wieder reproduziert, bleibt sie eine Zeitlang wie untätig, indem sich der Leib durch die Nahrung der Mutter weiter ausbildet. Dies freilich durch Unterstützung der Seele insoweit, als diese dann nun in den Haupteingeweiden ihr neues Wirken beginnt. Da fängt der Pulsschlag an, und die Säfte beginnen im neuen Leibe zu zirkulieren. Die Nahrung wird bereits vom Magen aufgenommen und verdaut. In dieser Zeit wird auch die Leibesfrucht (Fötus) im Mutterleib lebendig. Endlich haben sich alle Organe geöffnet und Pulsschlag und Verdauung sind in geregelten Gang getreten. Die Nerven wurden gesättigt, und in ihnen hat sich ein der Seele nächstverwandter Nervengeist (Ätherfluidum, auch Od genannt) durch einen elektromagnetischen Gärungsprozeß gebildet. In dieser Entwicklungsstufe treten wieder Geister mit ihrem Willen hinzu, lösen die Bande zwischen der Leibesfrucht und dem Mutterschoß und treiben das neue Wesen aus dem Leibe der Mutter hinaus. Das ist die geistig bewirkte Geburt eines neuen Geschöpfes.

Nach der Geburt muß das neue Tier noch kurze Zeit aus dem Mutterleib genährt werden, wie durch die Muttermilch oder eine Überschleimung der Nahrung. Damit wird der neue Leib weiter ausgebildet, daß er nach seiner seelischen Intelligenz die ihm bestimmte Nahrung selbst suchen und verzehren kann. Von diesem Augenblick ab fängt die dem Tier innewohnende Seele an, die materiellen Spezifika des Leibes in substantielle zu verkehren und bildet sich damit die ganze Lebensdauer hindurch zu einer reicheren und vollkommeneren Seele aus. Hat sie im Leibe ihre höchstmögliche Ausbildung erreicht, so läßt sie denselben mehr und mehr außer acht.

Durch diese Vernachlässigung siecht der Körper stets mehr dahin, bis er der Seele vollends lästig und zum weiteren Wirken untauglich wird. Zwar verursacht dies der Seele durch den verbindenden Nervengeist eine Art von Schmerzgefühl, der jedoch eben dazu beiträgt, daß sie sich ihrer Leibeslast umso leichter entledigt. Dann fällt der Leib wie tot und regungslos dahin. Die Seele aber wird wieder frei, wird durch leitende Geister wieder gefangengenommen und zur Zeugung einer höheren Tierstufe genötigt, wo sie auf die gleiche, oben beschriebene Weise — ihrer zugenommenen Intelligenz entsprechend komplizierter — tätig wird.

Die Spezifika der abgelegten Leiber aber müssen wieder aufgelöst werden, weil sie erst in einer notdürftigen Ordnung von der Seele zusammengehalten wurden. Durch die nochmalige Auflösung werden sie in eine bestimmte Ordnung gestellt und bilden im Verlaufe der vorrückenden Tierstufen eine weibliche Seele, während die freigewordene Seele eine männliche ist.

So kommt die Eva (das weibliche Lebensprinzip) überall aus den Rippen des Mannes hervor. Freilich kann man hier fragen: Was geschieht dann mit den Spezifika (Seelenteilen) abgelegter weiblicher Leiber? Diese werden mit den männlichen vereinigt und sind dann erst in einer nächsten Stufe fähig, in sich Weibliches und Männliches auszubilden. Denn daß aus ein- und demselben Mutterleib männliche und weibliche Tiere hervorgehen können, ist in diesem Vorgang begründet. Auch würde die Mutter, hätte sie nicht zugleich Seelenspezifika beider Art in ihrem Leibe vereinigt, nicht männliche und weibliche Junge ernähren können, indem selbe einer substantiell unterschiedlichen Nahrung bedürfen. Die Fähigkeit der Jungtiere, je nach ihrem Geschlecht das ihnen Zukommende aus der gemeinsamen Nahrung aufzunehmen, liegt in der Ordnung der Seele, wie diese nach der ihr eigentümlichen Intelligenz das Substantielle nach den Gesetzen der Angleichung ordnet und sich eingliedert. — (Anmkg. Die von der Tierzeugung und -geburt abweichenden Vorgänge der Menschwerdung, bedingt durch das Mitwirken eines rein göttlichen Geist-Liebefunkens, wurden im ersten Band dieser Buchreihe "Geistige Anatomie des Menschen" näher geschildert. D.Hg.)

Formen und Arten der Tiere

Viele Menschen haben schon darüber nachgesonnen, warum es mancherlei Tiergattungen gibt, deren Nützlichkeit nicht einzusehen ist und deren Formen keineswegs den Schönheitsbegriffen des Menschen entsprechen. So gibt es z.B. eine

Menge Insekten, deren Plagen arg verspürt werden, und wieder andere Tiere, die alles unter ihnen Stehende verzehren und scheinbar nur des Raubes wegen leben. Andererseits findet man Tiere von mikroskopischer Kleinheit, die teils mit einer Lebensdauer, teils mit einer Reproduktionskraft ausgestattet sind, gegen welche Tiere höherer Art und selbst der Mensch weit zurückstehen müssen.

Sind das alles unerklärliche Widersprüche? Beobachtet man ein einzelnes Exemplar solcher Tiere, so zeigt sich in ihnen ein wunderbarer Bau, der mit großer Sorgfalt erhalten wird, damit sich die Gattung nicht verliert. Daraus geht der Schluß hervor, daß doch ein tiefer Grund vorhanden sein muß, wenn der Schöpfer solch winzige Tiere mit Eigenschaften bedachte, die selbst dem intelligenten Menschen versagt blieben.

Wollen wir diese Widersprüche auflösen, müssen wir mit dem geistigen Wesen der Tierwelt beginnen, dem die Materie nur als Umkleidung dient. Nur so ist die Entwicklung des Lebens als ein stetes Vorwärtsdringen vom Niederen zum Höheren begreiflich. Diese Stufenreihe entspricht der fortschreitenden Festigung göttlicher Schöpfungsideen in immer geeigneteren Formen und findet ihren Ausdruck in den Begriffen "Sein und Werden" als ein Entstehen, Bestehen und Vervollkommnen aller Lebensgebilde. Und so gibt es auch in der Tierwelt, wie überhaupt in der gesamten Natur keine Sprünge, sondern stets kaum merkliche Übergänge von einer Art zur anderen. Gerade diese Übergänge sind es, welche die Vielfalt der Schöpfungsformen notwendig machen, und die als vermittelnde Klassen der Tierwelt dem menschlichen Denken viel zu schaffen machen.

Aber nicht nur als Mittelglieder und Übergangswesen dienen diese dem Verstand oft unbegreiflichen Tierarten, sondern auch dazu, Anreger des seelischen Fortschritts ihnen weit überlegener Tierwesen zu sein. Und so haben auch viele solcher "Plagegeister der Menschheit" einen weit höheren Lebenszweck, als vermutet werden kann. Es verwirklicht sich in ihnen die Vermittlung von einer geringen SeelenIntelligenz zu einer etwas höhergestellten, eingekleidet in einen gleichfalls etwas tauglicheren Körper. Ihre Lebenskraft und Vermehrung zeigt an, wieviel dazu gehört, einen niederen, noch ungeläuterten Seelenfunken aufnahmefähig zu machen auch nur für einen millionsten Teil höherer Intelligenz.

Zahllosen Arten niederer Tiere ist es nur dadurch möglich, den Stufengang nach aufwärts anzutreten, daß sie als Nahrung von höheren Tieren erst zu Tausenden miteinander fähig werden, ein einziges höhergestelltes Tier zu bilden. Die kleinsten Infusorien, sowie des Meeres Korallen und andere Krustentiere sind nur dazu bestimmt, mit ihren Leibern die Erdrinde aufbauen zu helfen. Sie sind die Grundlage der soliden Erdschale, indem sie durch ihre ungeheure Vermehrungskraft jene Menge von Mineralien bilden, die sie aus dem Leben im flüssigen Meere in das Festere ihres Leibes und durch diesen endlich in gefestigtes Gestein umwandeln. Leben nun oft Millionen solcher Kleinsttiere in einem einzigen Wassertropfen, so wird begreiflich, daß ihre Reproduktionsfähigkeit ganz außerordentlich sein muß, um in der vorgesehenen Schöpfungsperiode eine ganze Erdrinde mit allen Gebirgen herzustellen. Damit aber tragen diese Erbauer des Festen der Erde auch zum späteren Leben von Millionen anderer Tiere bei.

Wieder andere, etwas höhere Tiergattungen, in denen der geistige Funke (d.i. der göttliche Schöpfungsgedanke. M.) sich schon ausgebildetere Organe und Sinne schafft, müssen Träger und Ernährer neuer, höherer Tierwesen sein, und das stufenweise bis hinauf zum Menschen. Wo aber große Vermehrungskraft vorhanden ist, da sind auch Verzehrer dieser Kräfte zur Stelle, die jener Reproduktion die rechten Schranken setzen und sie nicht über das ihr gesetzte Maß hinausgelangen lassen. So besteht die Harmonie des Ganzen: von dem im festen Stein hart gebundenen Geiste bis zum freien Menschen wirkt ein Band steter Assimilation (Anpassung). Dadurch vermag ein Wesen durch das andere zu existieren, vervollkommnet sich mehr und mehr und kann durch den Menschen als Endstufe des Naturreiches endlich wieder in die freie Geisteswelt zurückkehren, von der alles Geschaffene seinen Ausgang nahm.

Nur so läßt sich erfassen, daß — entsprechend dem langsamen Vorwärtsschreiten der Geistespartikel in den einzelnen Tiergattungen — auch die äußere Form der Tiere den Bedürfnissen ihres seelischen und körperlichen Lebens angepaßt sein muß. Daher die ungeheure Vielfalt des Tierreichs als oberste Entwicklungsstufe des in der Materie gebundenen Geistlebens. Die Formbildung selbst der niedrigsten Tierklassen bis hinauf zum menschenähnlichen Affen ist stets der Ausdruck der in sie gelegten Geistfunken. Daher können bei noch unentwickelten Sinnen und Fähigkeiten auch ihre Körperformen nicht den Harmoniebegriffen der höchsten, d.i. der menschlichen Geistesform gleichkommen. Denn in der niederen Tierwelt benötigt der Geist in seiner noch unvollkommenen Entwicklung anderer Einrichtungen, um seinem Zweck entsprechen zu können.

Das einzig Bestimmende bei der äußeren Form der Tiere sind die Lebensverhältnisse, unter denen sie sich nähren und fortpflanzen müssen. Diese bedingen die Beschaffenheit aller Organe und Sinne. Überall ist das Äußere der materielle Ausdruck jener Stufe, auf der sich der eingeschlossene Intelligenzfunke befindet. Viele Tiere bieten sich dem menschlichen Urteil als häßlich und sinnlos dar. Wer aber mit geistigem Auge die Klassen und Stufen der Tierwelt betrachten und dabei beurteilen könnte, wie langsam das Wachstum des Bewußtseins fortzuschreiten vermag, der würde eine jede Tierform als die zweckmäßigste der jeweiligen Entwicklungsstufe erkennen.

Die Form eines Wurmes, eines Käfers, einer Spinne oder auch eines vierfüßigen Tieres ist nicht nach menschlichen ästhetischen Begriffen gebildet, sondern nach Grundsätzen, die nur Gott, dem Schöpfer aller Ideen bewußt sind. Aber selbst die primitivste Tierform besitzt einzelne Uranfänge des Schönen und läßt den einstigen Schlußpunkt, die Form des Menschen bereits in irgend einem Teil ahnen — allerdings noch mehr oder minder verdeckt unter dem zwingenden Einfluß der Daseinsbedingungen. Es geht eine Kette von Ideen und Kräften durch alle organische Welt, die langsam eine Form aus der anderen hervorruft und in eine neue überleitet — bis im Menschenleib das Endziel alles Formstrebens erreicht ist: der am höchsten geeignete Träger zur Aufnahme des reingöttlichen Geistfunkens, der den Menschen erst zum Menschen macht und ihn für ewig über das im Naturgesetz gebundene Tier hinaushebt. — G.M.

Urzeugung und Reproduktion

Es gibt auch eine Urzeugung auf reingeistigem Wege. Die Pflanze war früher da als ihr Same, die Henne früher als ihr

Ei! Jeder göttliche Schöpfungsgedanke wird durch beauftragte Geisteskräfte erstmalig zu einer belebten Form ausgestaltet. Erst das neue Wesen pflanzt dann seine Art auf materielle Weise fort, wie oben beschrieben wurde. Ein Beispiel einer solchen Primogenitur (Urzeugung) findet sich in Lorbers "Großem Evangelium", dem wir folgende Schilderung Raphaels entnehmen:

"Die Urengel fassen die aus Gott kommenden Lebensgedanken zusammen und bilden damit nach der Gottesordnung Formen und lebendige Wesen. Der Stoff zu dieser Bildung sind geistige Bausteine, aus denen alles gemacht wurde, was immer die Unendlichkeit Materiell-Wesenhaftes in sich birgt. Dem geistigen Auge stellen sich jene Urbausteine in Gestalt schlangenartiger, feuriger Langzungen dar. Sie sind der eigentliche Lebensnährstoff, und ihre Substanz bildet das Salz der Luft und das Salz des Meeres. Als Element wird es der Sauerstoff genannt. Er ist die ursprüngliche Seelensubstanz und entspricht geistig den Gedanken, bevor sie noch zu einer Idee zusammengefaßt sind.

Findet ihr irgendwo eine hinreichende Menge dieses Lebensstoffs zusammengedrängt vor, so wird sich auch bald irgendeine belebte Form zeigen. Solche Feuerschlangen ziehen sich oft zu Hunderten und Tausenden wie auf einen Klumpen zusammen, und dieser leuchtet im Moment des gegenseitigen Sichergreifens äußerst heftig auf. Damit aber ist auch schon eine Idee zu irgendeiner Form fertig gefestigt. Ist diese Form einmal in Ordnung, tritt eine Beruhigung ein und das besondere Leuchten erlischt. Dafür zeigt sich bereits ein Geschöpf, sei es in Form eines Samenkorns oder eines Eies, oft auch schon in Form eines primitiven Wassertierchens (Infuso-rium).

Der Wille des HERRN öffnete euch nun das innere Auge, damit ihr erfahret, was bis jetzt noch kein Sterblicher auf Erden erfahren hat:

Seht, ich gebot nun im Namen des Allerhöchsten meinen dienstbaren Geistern, recht viel des notwendigen Stoffes hierherzuschaffen. Schon haben wir einen solchen hellstrahlenden Klumpen vor uns, dessen feurige Langzungen noch keine andere Form als die eines Balls besitzen. Seht, wie sie sich aneinanderdrängen, als wollte eine jede in die Mitte hineinkriechen. Warum dieses Bestreben? Es liegt an der Art der endlos vielen, aus Gott strömenden wesenhaften Gedanken! Da gibt es gewisserart ganz schwere, die schon einer förmlichen Idee gleichkommen. Sodann weniger gewichtige, aber als Gedanken noch immer gediegene. Weiter sind da Gedanken, die noch weniger gereift und lichtgenährt sind; und ferner ganz leichte Gedanken, die den Frühknospen eines Baumes gleichen. Diese haben noch nicht jene göttliche Entfaltung erreicht, daß man in ihrem Zustand der Absonderung bestimmt sagen könnte: diese oder jene Form werden sie annehmen.

Wenn nun ein Engel aus diesem euch nun bekannten Lebensstoff nach der Ordnung des göttlichen Willens ein Wesen formen will oder muß, beruft er die ihm dienstbaren Geister, und diese haben jenen Stoff zusammenzuführen. Es ist leicht begreiflich, daß da die schweren Gedanken wie übergewichtig früher zur Stelle sein werden als die leichteren und ganz leichten. Die gewichtigsten, d.h. ausgereiftesten Gedanken bilden dann das Zentrum, während die leichten, später hinzutretenden Gedanken sich mehr mit den Außenseiten begnügen müssen.

Da nun die schweren Gedanken (als Zentrum einer Gesamtidee) die reichsten an Nährstoff sind, drängen sich die noch leichten, nährhungrigen an die Fülle der reichen Gedanken heran, um von deren Überfluß etwas zu ihrer Sättigung zu gewinnen. Darum erblickt ihr das Phänomen, wie sich gerade die auswendigsten Feuerzungen stets dichter an das Zentrum anschmiegen, um ihm stets mehr näherzukommen. Ihr seht hier einen Klumpen, der zum größten Teil noch sehr hungrig ist und daher nichts als eine hinreichende Sättigung verlangt. Seine Bewegung aber ist es, welche ihn nach und nach in jene Form drängt, die der schöpferischen Idee des werdenden Wesens zugrundeliegt.

Ihr wundert euch zwar über meine Erklärung vom Uranfang eines Wesens und dessen Form, aber die Erklärung einer Seinsdarstellung kann nie und nimmer eine andere sein. Vergleichet nun die Außennatur der Dinge, und ihr werdet auch darin dasselbe Prinzip leicht erkennen:

Betrachtet z.B. genau die angesetzten Eiklümpchen im Eierstock einer Henne. Einige sind noch ganz klein wie Erbsen, andere schon wie Weinbeeren und noch andere von der Größe eines kleinen Apfels. Innerhalb einer leichten Umhäutung wird sich nichts vorfinden als der gelbliche Dotterstoff. Wie ungeformt ist noch dieses Sein! Nun wird dieser Zentralstoff jedoch stets mehr ausgenährt und setzt um sich das klare Eiweiß an. Nach einiger Zeit wird aus dem Klaren das Größte ausgeschieden, entfernt sich aber dennoch nicht vom Ei, sondern setzt sich als feste Schale an, um das Ei bei der Ausgeburt vor dem Erdrücken zu schützen. Wie sehr verschieden vom ersten Embryo im Mutterleib ist jetzt schon das gelegte Ei!

Nun bebrütet die Henne eine Zeitlang das Ei. Welche Veränderungen gehen da durch die Erwärmung vor sich: Im Dotter beginnt es sich zu regen und zu ordnen, die rechten Gedanken (feurige Langzungen) finden und verbinden sich und ziehen die ihnen nächstverwandten an sich. Diese verbinden sich wieder teils mit den ersten, und mehr noch untereinander. Sie ziehen dabei wieder die ihnen nächstverwandten äußeren Gedankenformen an, und in kurzer Zeit werdet ihr schon des werdenden Küchleins Herz, Kopf, Augen, Eingeweide, Füße, Flügel und Flaumfedern erblicken. Ist das Wesen einmal so weit gediehen, so ziehen die geordneten Teile ihr Gleichartiges aus dem vorhandenen Stoff mehr und mehr an und bilden sich damit immer gediegener aus.

Sind so Form und Organismus schon nahe völlig ausgebildet, wurde während dieser Tätigkeit auch der ursprüngliche Hauptgedanke stets mehr gestärkt und gesättigt. Er beginnt jetzt, mit der Überfülle seines Lebens in den Organismus überzugehen und ergreift hier die Zügel. Damit wird das Wesen sichtlich lebendig und bildet sich dann völlig zur Gesamtheit aus. Ist dieser Zustand erreicht, nimmt der in den ganzen Organismus übergegangene Lebensgedanke, der eigentlich die Seele darstellt, mit dem ihm eigenen Intelligenzbewußtsein wahr, daß er sich noch in einem Kerker befindet. Er fängt sich darum stärker zu regen an und tritt ganz matt in die Außenwelt hinaus, da er sich noch nicht hinreichend gekräftigt fühlt. Darum beginnt er sogleich, Nahrung zu sich zu nehmen, wodurch auch sein Wachstum anfängt, und das so lange, bis er sich mit der Außenwelt ins Gleichgewicht gesetzt hat.

Wir sehen dann eine wohlausgebildete, fruchtbare Henne vor uns, die wiederum das Vermögen hat — teils aus Luft und Wasser, zum Großteil aber aus der schon beseelten organischen Nahrung — die sie ernährenden Seelenspezifika in sich aufzunehmen. Die geistigen Partikel werden zur weiteren Ausbildung ihrer Lebensseele, und die gröberen Stoffteile nicht nur zur Erhaltung ihres Organismus, sondern auch zur Neubildung von Eiklümpchen verwendet — aus denen nach dem euch gezeigten Verlauf wieder männliche oder weibliche Wesen ihrer Art zum Vorschein kommen. Das Geschlecht rührt dabei von dem jeweiligen Mehr oder Weniger der ursprünglichen Schwere (Gediegenheit) und Kraft des lebendigen Seelengrundgedankens her. Ist dieser schon vom Ursprung an (von Gott her) völlig ausgebildet, sodaß er schon in sich selbst eine Idee darstellt, so wird dessen Ausbildung zu einer männlichen Gestalt führen. Ist aber das Primitive des Grundlebensgedankens auf einer leichteren Stufe stehend, so wird die Ausbildung in einer weiblichen Form erfolgen.

Durch die Begattung der Tiere geschieht bloß eine Erregung zur geordneten Tätigkeit des im Ei schon vorhandenen Seelengrund-Lebensgedankens, denn Pflanzen- und Tierseelenklümpchen sammeln sich gleichfort in bestimmter Zahl und Ordnung im Mutterleibe. Der Same des männlichen Tiers

— aus freieren und ungebundeneren Lebensgeistern bestehend — versetzt die Lebensgeister im Mutterklümpchen in eine Art Revolution, ohne welchen Zwang sie träge blieben und sich nie zur Organisierung eines neuen Wesens ergreifen würden. Werden sie jedoch aus ihrer Ruhe erweckt, müssen sie sich zu einer geordneten Tätigkeit bequemen.

Seht, hier haben wir einen solchen Mutterlebensklumpen vor uns. Würde ich ihn in seiner Ruhe belassen, so würde er in seinem Bestreben nach Ruhe stets mehr einschrumpfen, da sich seine Teile stets fester nach dem Zentrum hin verdichteten. Solche Lebensgeister sind gewisserart scheu und nehmen nach ihrer Einpuppung von außen her keine Nahrung mehr auf, sondern saugen ständig an ihrem Mutterzentrum und müßten damit einschrumpfen bis zu einem punktgroßen Klümpchen. Nun aber werden wir kräftige männliche, für die Bewegung erregte Urlebensgeister hierherziehen und diesen weiblich trägen Klumpen von ihnen dauernd bestreichen lassen. Schon seht ihr sehr hell leuchtende, langzungenfeurige Urgedanken-Lebensgeister hier zusammengezogen. Schon fangen die kleineren, sämtlich weiblichen Lebensgeister an, sich zu rühren und bemühen sich eifrig, die männlichen loszuwerden. Aber diese unruhigen männlichen Geister weichen nicht, und die Erregung der weiblichen Geister greift immer tiefer bis zu ihrem Hauptlebenszentrum.

Nun beginnt sogar dieses, sich selbst zu rühren, und durch die starke Regsamkeit wieder hungrig gemacht, sind die das Zentrum umlagernden Lebensgeister genötigt, vom Lichte der männlichen Geister Nahrung aufzunehmen. Dadurch werden sie selbst heller und voller, und so erhält auch der Hauptlebensgedanke im Zentrum des Klümpchens durch sie jene männliche Nahrung. Und wieder durch diese Tätigkeit genötigt, bekommen die Umlagerer von innen heraus die Anregung, sich mehr und mehr zu ordnen, wie zu einer Art von gutem Bollwerk. Die kräftigeren Lebensgeister gegen das Zentrum hin, nun gut erhellt, erkennen sich nach ihrem Sinn und ihrer Ordnung und scharen sich nach Art ihrer Gedankenverwandtschaft zusammen. Schon seht ihr daraus organische Verbindungen entstehen: das Äußere geht in eine Form über, die mehr und mehr einem Tierwesen ähnlich zu werden beginnt.

Durch diese Kampftätigkeit werden alle Lebensteile immer nahrungsbedürftiger, und durch die männlichen Lebensgeister wird ihnen diese auch ständig zugeführt. Die sich stetig besser ordnenden äußeren Lebensgeister weiblicher Natur fangen an, sich der Nahrung wegen mit den sie erregenden männlichen Geistern vertraut zu machen und ihre frühere Scheu aufzugeben. Alles beginnt sich freier zu regen und zu bewegen. Die Folge davon ist die Vollendung des Wesens, das nun schon so weit gediehen ist, daß wir bestimmen können, welche Tiergattung hier zum Vorschein kommen wird.

Ihr dürft jedoch das gegebene Beispiel nicht auf die Zeugung und Werdung des Menschen, namentlich auf dieser Erde, übertragen. Obschon dabei viel Ähnliches stattfindet, ist der Grund davon dennoch höchst verschieden. (Dies bezieht sich sowohl auf das Substantielle der Menschenseele, wie insbesondere auf den leitenden Gottesgeist im Menschen. D.Hg.)

Hier genügt, daß ihr nun gesehen habt, wie aus Urlebensgei-stern (Gottes Einzelgedanken) ein natürliches Wesen ohne Mutter entsteht, wie alles vom Urbeginn an. Aber da alle göttlichen Schöpfungsgedanken unzerstörbar und unvergänglich sind, wohnt ihnen auch die Kraft inne, ihre Seelensubstanz (Lebenskraft) immer vielfältiger ins Unendliche weiterzutragen wie das Samenkorn eines Baumes, der schon potentiell (zustandsmäßig) das Leben künftiger Wälder in sich birgt.

Magnetismus und Elektrizität

Jede Kraft bedarf einer Gegenkraft, um ihre Wirkung zu entfalten. Anziehung und Abstoßung, Magnetismus und

Elektrizität sind die polaren Aspekte einer Einheit, die im Geistigen urständet und nur in der Materiewelt als dualer Gegensatz in Erscheinung tritt. Die folgenden Ausführungen gewähren einen tiefen Einblick in diese Gesetzlichkeit, die in der geistigen wie in der Naturwelt die gleiche Gültigkeit besitzt. — D.Hg.

Magnetismus ist eine anziehende Kraft und ist als Attraktion dasjenige Element, das alle geschaffenen Formen zusammenhält und zu einem Ganzen verbindet. Magnetismus ist ein großer Strom, der das gesamte All durchweht und alles zum Zusammenwirken zwingt. Der große Zweck ist, jedes Einzelne als Teil des Ganzen nur einem Zuge folgen zu lassen. Naturmäßig ist dies der Zug der Schwere, geistig der Zug der göttlichen Liebe. Diese Kraft ist der Ausdruck des göttlichen Willens. Seine materielle Erscheinungsform ist nur das Mittel einer der vielfältigen Schöpfungsideen Gottes.

Auch der Mensch besitzt ein von seinem Körper ausgehendes magnetisches Fluidum, dessen Kraft die gleiche ist, die auch den Erdkörper fest zusammenhält. Sie bewirkt, daß sich der menschliche Leib zu einem Ganzen gestaltet und sich sogar seine Außenlebenssphäre (Aura) daran bindet. Daneben aber verfügt der Mensch über ein weiteres, von seiner Seele herstammendes magnetisches Fluidum — ein göttliches Erbteil, mit dem er als geistig Wiedergeborener wird einst Gott gleich schaffen und walten können.

Die magnetische Urkraft ist der Wille Gottes, der seine Gedanken fortdauernd erhält. Er leitet die ganze Schöpfung und erhält jedem geschaffenen Wesen seine Form und ordnungsmäßige Regsamkeit. Die Willenskraft der Gottheit ist das große Band, das alle Weltkörper in ihrer Form hält, trägt und aneinander bindet. Sie ist positiv in ihrem tätigen

Wirken und negativ im erhaltenden Gesetz der ewigen Schöpfungsordnung. So ist dieser polarisierte Wille zugleich der Grundstoff aller Dinge, mögen sie wie immer beschaffen sein. Sie sind nichts anderes als die Weisheitsgedanken des Schöpfers und empfangen ihr körperlich sichtbares Dasein durch die erwähnte Polarität des unwandelbaren Gotteswillens.

Magnetismus ist somit der Ausfluß des göttlichen Schöpfergeistes und ist das Band, das alles umschließt, zusammenfügt und so den Bestand der erscheinlichen Materie bewirkt. Geistig ist Magnetismus das ewige Band, das Gott mit seinen Geschöpfen und Kindern verbindet durch die anziehende Macht der Liebe.

Elektrizität als abstoßende Kraft ist die andere der beiden Urkräfte, die als Triebfedern die Träger alles Lebens sind. In ihrem positiven Teil befördert Elektrizität die Erhaltung alles Geschaffenen. In ihrer negativen Polarität bringt sie Zerstörung als Auflösung der Formen und reizt zu neuem, höherem Wiederaufbau an. Elektrizität als latente (gebundene) Wärme ist Licht und erhöht das Leben, wo immer sein Strom hingeleitet wird.

Das von den alten Ägyptern und Griechen "Elektron" genannte Fluidum ist ein schlummerndes, aber durch gewisse Umstände leicht in Erscheinung zu rufendes luftnaturgeistiges Feuer. Es ist das eigentliche Lebenselement der Luft, durch das letzten Endes alles in der Materie lebt und sich zu Wesen gestaltet. Dieses latente Feuer erfüllt überall den endlosen Schöpfungsraum und stellt in seinem völligen Ruhezustand den Äther dar, in dem die Weltkörper frei schweben. Da sich jedoch alle Weltkörper in steter Bewegung befinden, erregen sie damit dauernd den Ätherraum durch Reibung in hohem Grade und nötigen damit die Elektrizität zu ihrer belebenden Tätigkeit im ganzen Schöpfungsraume.

Das Elektron ist somit nichts anderes als ursprünglich die durch Druck gestörte Ruhe des Äthers. Daraus folgt die erregte Tätigkeit der Äthergeister, die als teils geistiger, teils natürlicher Lebensstoff im Luftkreise und im Inneren der Weltkörper samt allem, was sie tragen, vorhanden sind. Erst durch ihre gestörte Ruhe beginnen sie sich auf eine wahrnehmbare Art zu äußern, was sich durch Erwärmung, Glühen oder gar durch Verbrennung materieller Formen kundgibt.

Die Wechselwirkung dieser Kraft in ihrer positiven und negativen Form bedingt alle Naturerscheinungen des Wetters. Das der Sonne entströmende elektrische Fluidum ist ein mächtiges Feuer in seiner positiven Sphäre. Solange die negative Elektrizität eines Erdkörpers im Gleichgewicht zu der positiven Polarität steht, die sich aus den Strahlen der Sonne entwickelt, ist keine Entladung möglich. Übersteigt jedoch die positive Elektrizität (der Pluspol) die negative (den Minuspol), so ist eine plötzliche freie Entbindung des positiv-polaren Teils unvermeidbar. (Blitz, Kurzschluß). Im Bereich der chemischen Elemente entspricht der Sauerstoff dem positiven und der Stickstoff dem negativen Pol der Elektrizität.

Wenn das Licht der Sonne, als der positiv-polare Teil des natürlichen Lebens seine Strahlen auf die eine oder andere Erdhälfte nicht mehr wirft, wechselt auch auf der Erde die elektrische Polarität, indem die nächtliche Erdhälfte bei Sonnenuntergang sogleich beginnt negativ-polarisch zu werden. Der negative Lebenspol entspricht dem negativen Erdpol. Diese elektrischen Pole besitzt auch der Mensch. Der negative Lebenspol ist hier bestrebt, die positive Elektrizität im Körper mehr und mehr aufzuzehren, wodurch dieser auch die äußere Lebenstätigkeit nach und nach verliert. Dieser geschwächte Leibeszustand macht sich als Schlafbedürfnis bemerkbar. Bei Annäherung des Sonnenaufgangs vermehrt sich der positive Pol wieder. Der Schlafzustand wird schwächer durch Abnehmen der negativen und Zunahme der positiven Polarität, was so lange andauert, bis der Mensch vollkommen erwacht. —

Zum Problem Elektrizität und Magnetismus empfing Gottfried Mayerhofer ein inneres Wort in bezug auf die reingeistige Seite beider Urkräfte, das die Kundgaben Lorbers voll bestätigt. Hier lesen wir u.a.:

"Als im unendlichen Raume Meine ersten Ideen sich zu verwirklichen begannen und Welten auf Welten geschaffen wurden, da herrschte das Gesetz der Anziehung und Abstoßung, das die Weltkörper zur Umdrehung um ihre Achsen und ihre Zentralsonne zwang. Es waren somit nur zwei Kräfte, die alles dies verrichteten. Die eine wollte alles an sich reißen, die andere alles in die Unendlichkeit hinaustreiben. Aus dem Konflikt beider Kräfte entstand die drehende Bewegung. Auch wurde durch diese Kräfte das ganze Universum mit Wesen bevölkert, und noch jetzt sind beide Kräfte die Hauptträger alles Lebens und werden es ewig bleiben.

Die erste dieser Kräfte ist die Liebe. Sie will alles an sich reißen und sich von nichts trennen. Die Folge wäre endlich ein Erdrücken, ein Tod zwar aus Liebe, aber kein Leben. Um diesem mächtigen Trieb Meines Ich Schranken zu setzen, trat die Weisheit hinzu. Diese hindert zwar nicht das Anziehen der Liebe, läßt sie jedoch nur bis zu einem gewissen Grade zu und bedingt dann wieder das Loslassen und die Entfernung. Durch dieses Wirken beider Kräfte entstand das erste, was in Meiner Schöpfung notwendig ist: die Bewegung. Wie aber Ruhe Tod bedeutet, so ist Bewegung Leben! Es war also das Leben ein Produkt zweier Urkräfte, die — miteinander im Streite — die Wirkung des Schaffens, Vergehens und wieder neuen Aufbauens hervorbrachten. Ein Kommen und Gehen, das diese Kräfte als Gesetz der ewigen Erneuerung und Fortdauer schufen.

Wo Widerstreit, da ist Reibung. Wo Reibung, da ist Erregung aller Teile, die in träger Ruhe verbleiben wollen. Wo Erregung, da erweckt sich die Wärme. Und wo sich Wärme in ihrer höchsten Vibration befindet, entwickelt sich das Licht! Ohne Licht gibt es kein Leben. Da aber Licht nur ein Produkt der Wärme ist, so ist auch Wärme, wo Leben ist. Wo aber keine Bewegung, erzeugt sich keine Wärme. Kälte oder Tod ist Stillstand! — Aus den beiden ersten Primitivkräften gingen demnach zwei weitere Haupteigenschaften hervor, nämlich aus Abstoßung und Anziehung — die Wärme und das Licht. Und diesen entwuchs alles Geschaffene.

Die Liebe baut, die Weisheit erhält. Liebe ist gleichbedeutend mit Magnetismus, Weisheit mit Elektrizität. Und so geht der ganze Schöpfungsbau aus zwei Grundgesetzen, aus zwei Haupteigenschaften Meines Ich hervor!

Sogar Ich selbst ließ es um der Weiterbildung der Schöpfung willen zu, daß einer Meiner größten Geister von Mir abfiel und als Prinzip des Bösen sich Mir gegenüberstellte, um das Werden und Entwickeln zu fördern. So lange, bis es eine Periode erreicht haben wird, wo das materielle Schaffen beendet ist, wo kein Vergehen mehr notwendig ist und eine ewig geistige Ära für alle Welten und Wesen eintreten wird. Was die Elektrizität in ihrer negativen Polarität in der natürlichen Schöpfung ist, das ist Satan in der geistigen Welt. Auch er hat seine Aufgabe zu vollführen, doch bleibt er nur so lange, als Meine großen Grundgesetze für die geschaffenen Welten nötig sind. Vollendet sich diese Periode, so wird auch dem Liebe-Magnetismus und der Weisheits-Elektrizität eine andere Form verliehen. Beiden werden die Extreme des Nur-Anziehens und Nur-Abstoßens genommen werden. Wo jetzt noch der Bestand der einen Kraft auf die Zerstörung der anderen aufgebaut ist, wird ein harmonisches Gemeinschaftswirken beider entstehen, die aber beide ihren Ruhepunkt nur in einer finden, und das ist — Meine ewige Liebe!"

— (Empfangen im Oktober 1870)

Atem — der Hauch des Lebens

Auch der Atem ist eine Erscheinung, deren Ursache reingeistigen Ursprungs ist. Der Atmungsvorgang beruht auf dem Gegenspiel jener beiden Urkräfte, die jeden Schöpfungsvorgang bedingen: Ausdehnung und Zusammenziehung, Zentrifugal- und Zentripetalkraft. Substantiell ist darunter das Phänomen des Elektromagnetismus zu verstehen, d.h. die Elektrizität in ihrer positiven und negativen Polarität. Als ätherisches Fluidum erfüllt sie den ganzen Weltenraum und erhält mit ihrem Wirken alles Naturleben. Nachstehend einige Auszüge aus Eröffnungen, die Lorber zu diesem Thema empfing. D.Hg.

Alles, was nur irgendein Leben äußert, besitzt eine ihm eigentümliche Respiration (Atmung). Hat diese aufgehört, sind auch die Lebensgeister der Materie entflohen. Diese sinkt dann in den Zustand der Trägheit zurück, verwest und geht so in den Tod über. Mit dem letzten Atemzug hat alles naturmäßige Leben sein Ende gefunden. Hört aber das physische Leben in seinem Atemzentrum auf, endet auch sogleich mit dem Hauptleben das vegetative Leben in allen Körperorganen. Was ist demnach die Atmung und wozu dient sie?

Jedes Wesen bildet entweder eine positive oder negative Polarität, und jede solche hat ein Bedürfnis nach der entgegengesetzten Polarität. So wie kein positiver oder negativer Pol für sich allein bestehen kann, sondern einer durch den anderen bedingt ist, ebenso verhält es sich mit dem gesamten Naturleben. Es besteht in einem negativen Pol (Materie), der gestellt ist zur Aufnahme des positiven Pols (Geist).

Bringt man z.B. die Scheibe einer Elektrisiermaschine in Umschwung, so wird dadurch die negative Elektrizität erregt und damit gleichsam in sich verzehrt. Gerade durch diese Aufzehrung ihrer selbst beginnt sie jedoch ein neues Sättigungsbedürfnis zu entwickeln. Da sich der aufzehrende Pol selber nicht wieder sättigen kann, so bildet der positive Pol die nötige Sättigung der negativen Elektrizität. Ist diese vor sich gegangen, wird an dem Konduktor der Maschine alsbald der Erfolg in lebenstätige sichtbare Erscheinung treten. So ist auch die Respiration dasjenige, was die "Lebens- Elektrisiermaschine" in Bewegung setzt, die negative Polarität erregt und sie hungrig nach der positiven Ergänzung macht. Mit einem jeden Atemzug wird eine beständige Reibung in den Körperteilen bewirkt. Dadurch wird das negative Leben angeregt und beginnt Hunger nach Sättigung zu empfinden. Dieses Bedürfnis wird mit jedem Atemzug (Atem holen!) gestillt, indem der Stickstoff als negativer Pol den Sauerstoff mit großer Begierde in sich aufnimmt. Ist einmal der letzte Atemzug getan, zehrt sich die negative Polarität selbst auf, was sogleich den Tod des Leibes herbeiführt.

Ohne Atmung kein Leben! So atmet nicht nur der Mensch und die Tierwelt, sondern auch das Pflanzen- und Mineralreich; ja sogar ein jeder Weltkörper atmet und empfängt dadurch ein vegetatives Leben von einer übergeordneten Sonne. Freilich ist die Erde kein Tier, weil auch sie periodisch atmet, doch ist sie in ihrem inneren Gefüge entsprechungsweise organisch so eingerichtet, daß auch sie einer Respiration fähig ist.

Das Ein- und Ausatmen der Erde wird bewirkt durch das stets neu eintretende Bedürfnis nach frischer Nahrung (elektrischätherische Substanz), wenn die vorhergehende Kost verbraucht und dadurch negativ geworden ist. Während des Verarbeitens fallen die Erdorgane (wie beim Tier) näher aneinander bis zu einem Grade, da sie sich selbst zu reiben beginnen (Hungergefühl!). Sodann geschieht eine neue Sättigung, wobei sich die tellurischen Erdorgane wieder mehr ausdehnen. Diese Erscheinung wird in den sogenannten Gezeiten des Meeres sichtbar, denn Ebbe und Flut sind eine natürliche Folge des immerwährenden Ein- und Ausatmens des Erdkörpers. Der Atmungsvorgang in der Erdlunge erfolgt durch die stete Verwandlung des positiv-elektrischen in den negativen Pol. Diese Umkehrung der Polarität wird dadurch bewirkt, daß jede Seele (auch Weltkörper schließen in ihrer Materie Seelisches ein!), sobald sie den Lebensstoff aus der eingezogenen Substanz aufgenommen hat, in der Lunge nur negativ Polares (Stichstoff, Kohlensäure) zurückläßt. Eben dieses aber bewirkt, daß der vormals beim Einatmen positive Pol (Sauerstoff) sogleich in den negativen verwandelt wird, indem er mit dem Stickstoff in keinerlei Korrespondenz steht.

— (Eine ausführliche Beschreibung der Erdorgane und ihre Funktion enthält Band 2/3 dieser Buchreihe "Der Kosmos in geistiger Schau").

Vielfältig ist das Atmen der Tierwelt. Jedem Tier ist es auf solche Weise eigen, wie die Gattung und Art seine Selbständigkeit bedingt. Anders atmet ein Pferd, ein Stier, ein Hund oder eine Katze, wie überhaupt jedes vierfüßige Tier. Gemeinsam ist nur das Einsaugen und Wiederausstoßen der Luft, wobei jedoch immer nur der zum speziellen Leben einer Tierart nötige Stoff absorbiert und der untaugliche wieder abgestoßen wird. Auch ist der Vorgang verschieden, wie die Luft eingezogen, zerlegt und das Unbrauchbare wieder ausgeschieden wird. Und so atmen Amphibien, Würmer und Insekten gleichfalls, aber wie anders ist das Atmen dieser kaltblütigen, bzw. blutlosen Tiergattungen! Insekten z.B. besitzen einen ihrer Beschaffenheit entsprechenden Saft, der sich ständig in hin- und herrollender Bewegung befindet, wodurch die zum Leben solcher Tiere nötige Elektrizität in den Gefäßen entwickelt wird.

Das höherentwickelte Tier (und auch der Mensch) atmet nicht allein des chemischen Prozesses wegen, sondern auch — indem es gröbere Nahrung zu sich nimmt — daß es fester werde in seiner Beschaffenheit. So muß der Magen, der sich stets unweit der Lunge befindet, durch die ausdehnende Bewegung der Atmungsorgane gewisserart massiert werden. Damit wird die harte Speise im Magen zerrieben und dadurch die zur Verdauung notwendige elektrische Wärme erzeugt. Nahrung, die durch ihre negative Beschaffenheit zu wenig positiv-elektrisch geladen ist, kann aus sich zu keiner Gärung gelangen, da diese selbst nichts anderes ist als das Freiwerden der Elektrizität, die als Prinzip alles organischen Lebens in sämtlichen Zellen wie in kleinen Fläschchen vorhanden ist. Wird nun die Elektrizitätsmenge durch von außen hinzutretende Umstände vermehrt, so zerreißt sie die Zellen des Nahrungsstoffes und geht als ein neuer, hauptsächlich vitaler Nährstoff in die Organzellen des Tieres über. —

Wieder anders ist das Atmen der Pflanzenwelt. Bei den Pflanzen ist teils im Stamm, teils im Stiele der Blätter und Zweige ein ganz hohler Raum zu entdecken, der mit keiner Flüssigkeit, sondern ausschließlich mit Luft erfüllt ist. Diese Luft ist jedoch nicht gleichartig der die Pflanze umgebenden Atmosphäre, sondern entspricht der jeweiligen Eigenart der betreffenden Pflanzengattung. Hätte die Pflanze nicht die Fähigkeit, Luft anzusaugen, könnte in ihr kaum jene ihr eigentümliche Luft vorhanden sein, die sich oft deutlich durch den besonderen Geruch kundgibt. Und wäre innerhalb der Pflanze keine Luft, würde sie nicht mit jenem Zischen und Prasseln verbrennen, das nur die entweichende Luft hervorbringt.

Pflanzen atmen durch ihre Poren auf eine sehr ökonomische Weise. Ihr Atmen erfolgt nur zweimal in 24 Stunden, wobei der Einatmungsprozeß bei Tage und die Ausatmung bei Nacht vor sich geht. Zur Tageszeit wird die atmosphärische Luft nach dem Bedürfnis der Pflanze durch eigens dazu bestimmte Kämmerchen langsam und stetig eingezogen. Zur Nachtzeit aber, wenn der chemische Prozeß beendet ist, der das jeder Pflanze Zusagende absorbiert, werden die ihr nicht dienlichen Teile wieder ausgestoßen — ein Vorgang, der wiederum so lange dauert, als am Tage die Einatmung währte. Welche bewegende Kraft befähigt nun die Pflanze, ihre Organe zu erweitern und wieder zusammenzuziehen und die Luft dadurch gleich einem Blasebalg einzusaugen? Man betrachte nur die zahllosen kleinen und großen, oft rauhen Spitzen, die sowohl den Stamm wie auch die untere Seite der Blätter bedecken. Sie alle dienen als Elektrizitätssauger und nehmen den ganzen Tag über begierig dieses Fluidum auf, und zwar den positiven Teil dieser Polarität. Durch dieses Ansaugen der positiven Elektrizität, die der Zentrifugalkraft entspricht, werden die Pflanzenorgane erweitert; die Räume werden immer größer und die Luft vermag durch die Poren ungehindert einzudringen. Zur Nachtzeit ändert sich die elektrische Polarität: sie strömt durch die Spitzen zurück und entladet sich, wodurch die Organe wieder enger aneinanderrücken. Die durch diese Elektrizität ausgeschiedenen Kohlen-und Stichstoffarten entsprechen der negativen Polarität des luftelektrischen Feuers.

Pflanzen und Bäume, die über den Winter fortbestehen, besitzen überdies noch ein periodisches Atmen, wobei im Verlaufe eines Jahres einmal ein- und ausgeatmet wird. Der Hauptatem geschieht dabei im Sommer, und zwar auf folgende Art: Bei jedem speziellen Atemzug geht im Organismus des Baumes ein solcher Prozeß vor sich, daß — abgesehen vom natürlichen Verbrauch der eingesaugten Luft

— immer noch etwas von ihr im Organismus zurückbleibt. Durch diesen Rest fördert der Baum den Sommer hindurch besonders sein Wachstum dem Umfang nach, während im Winter der unverbrauchte bedeutende Rest durch die allgemeine Zusammenpressung der Organe (Kälte komprimiert!) wieder hinausgeschafft wird. Da diese Luft durch die längere Gegenwart im Baume nicht ganz rein geblieben ist, muß sie vor ihrem Austritt in die Atmosphäre das ihr Uneigentümliche entweder am Stamm oder der Rinde absetzen, wodurch diese stets vergröbert werden. Auf diesem Umstand beruht auch die Bildung des Mooses am Stamm.

Das Verwelken der Pflanzen ist auf das Entweichen der positiven Elektrizität zurückzuführen. Diese ist noch immer vorhanden, solange die Pflanze grün und frisch aussieht. Ist jedoch ein elektrisches Atom aus irgendeiner Pflanzenzelle entwichen, beginnt die Pflanze an der Stelle des elektrischen Verlustes zu schrumpfen. Dadurch zieht sie auch die Nebenzellen enger an sich, wodurch die darin nun ebenfalls beengte Elektrizität gleichfalls austritt. Dies ist der Verwelkungsvor-gang einer von ihrem Wurzelstamm abgetrennten Pflanze, die damit ihre Elastizität und Frische verliert. Warum aber wird dieser Prozeß etwas verzögert, wenn man eine Pflanze mit ihrem abgetrennten Teil ins Wasser setzt? Hier wird dem Entströmen der Elektrizität ein Hindernis bereitet, indem das elektrische Fluidum des Wassers jenem der Pflanze nicht nur das Gleichgewicht hält, sondern selbe sogar noch eine Zeitlang ernähren kann. Besonders elektrizitätsarme Gewächse bestehen noch lange Zeit fast wie an ihrer Wurzel, wobei allerdings ihre quantitative Vegetationsfähigkeit (Wachstum) in Verlust gerät. —

Auch das Mineralreich benötigt einer Atmung, damit das Gestein bestandsfähig bleibt. Die Materie ist nichts anderes als der Ausdruck zweier sich widerstrebender Kräfte, nämlich der Zentripetal- und Zentrifugalkraft. Würde nun die Anziehung nicht durch das ständige Annehmen der sie umgebenden gleichartigen Hilfskräfte unterstützt, müßte sie bald durch die entgegenwirkende Fliehkraft überwunden werden, wodurch die Materie aus der Sphäre des Daseins träte. Daher muß auch ein Stein, welcher Art immer, stets die ihn umgebenden gleichartigen Teile der Luft an sich saugen. Er behält dabei das ihm Verwandte und ersetzt damit die durch den gegenseitigen Kampf beider Kräfte verbrauchten Teile. Das ihm Unähnliche wird mittels der nach außen wirkenden

Zentrifugalkraft wieder hinausgeschafft, damit der Stein in seiner rechten Art verbleibe. Zuweilen aber kann selbst ein Stein "krank" werden, wenn Fremdartiges (durch Unachtsamkeit der leitenden Naturgeister! M.) zu häufig mit eingesaugt und ungenügend wieder ausgeschieden wird. Dann entwickelt der Stein in sich artfremde Gebilde. So zeigen z.B. durchsichtige Kristalle zuweilen trübe, moosoder federartige Partikel, die gewiß nicht von der Natur des Steines herstammen.

Auch die Mineralien atmen auf tierische Weise, nämlich durch Inhalation und Respiration. Mittels seiner groborganischen Bildung und Eigenschaften zieht der Stein unausgesetzt ihm ähnliche, in der Luft aufgelöste Teile an sich. Während jedoch bei den Tieren die chemische Zersetzung erst im Körper erfolgt, geschieht sie beim Stein schon auf seiner Oberfläche. Diese wird dadurch nach und nach von einer Kruste überzogen, die bei größeren Massen oft ein eigenes Gestein bildet oder sich je nach den ausgeschiedenen Teilen als ein pflanzenartiges Gewächs unter allerlei Formen ansetzt.

Neben dem atmosphärischen Atmen besteht noch eine weitere Atmung, die elektrischer Natur ist. Es ist das Aufnehmen des magnetischen Fluidums in sich, durch das die beiden sich bekämpfenden Kräfte in ihrer Beharrlichkeit gestärkt werden. Sie ist der Ausdruck der gegenseitigen Polarität in der Materie und formt alles natürliche Leben, das so lange fortwährt, als sich jene Polarisation als Gesetz der Beharrlichkeit ausspricht. Wird durch äußere Umstände eine der beiden Polaritäten gestört, so verwittert die Materie und zerfällt endlich zu Staub. Doch auch dieser existiert nur weiter, solange in seinen Partikeln noch irgend polare Kräfte wirkend vorhanden sind. Wird jedoch die elektrische Polarität genötigt, eine andere Richtung zu nehmen, geht die Materie sofort in ein anderes Dasein über. (In jenen feinstofflichen Ätherzustand, aus dem sie durch Verdichtung entstand. D.Hg.) —

Mit den Augen des Geistes betrachtet, ist der positive Pol Geistiges, der negative Pol Naturmäßiges. Der positive Pol: Substanz, der negative Pol: Aufnahmegefäß. Positiv ist Inneres, negativ Äußeres. Das Positive ist gleich der Liebe und Weisheit, das Negative gleich der Erbarmung und Gnade des Schöpfers. Wäre nicht das Negative, könnten sich Liebe und Weisheit an nichts als an sich selbst offenbaren. Die positiv nährende Polarität ist die göttliche Liebe. Die Erbar-mung aus dieser Liebe aber bildete Wesen zur Aufnahme der Liebe aus Gott. Seine Liebe nährt die Wesen fort und fort und bildet in ihrer ewigen Ordnung ein Wesen um das andere, ein Wesen aus dem anderen, und bereitet so eine Stufenfolge immer vollkommeneren Lebens, damit die ganze Unendlichkeit zum vollendeten Inhalt der Fülle des Lebens aus Gott werde.

Schattenseiten der Natur?

Der ewige Kampf in der Natur, der überall das Recht des Stärkeren in Erscheinung treten läßt, erweckt bei sehr vielen Menschen den Zweifel, ob die Naturordnung von einem liebeweisen Geiste bestimmt wird. Auch das Toben der Elemente wird meist als sinnlos empfunden, da nur der formzerstörende Aspekt, nicht aber der höchst positive Zweck darin erkannt wird. Welche Notwendigkeit jedoch die stete Auflösung materieller Lebensformen bedingt, während das Leben selbst unzerstörbar ist, zeigen die folgenden Ausführungen. D.Hg.

Es ist ganz natürlich, daß der einfache, seelisch noch unentwickelte Mensch, der seine Wahrnehmung nur auf das ihn umgebende Äußere richtet, nur nach dem urteilt, was er sieht und hört. Nur die wahrnehmbare Erscheinung wird ihn zunächst anziehen. Er wird daraus seine Schlüsse ziehen und dann versuchen, sich die gemachten Erfahrungen nutzbar zu machen. Noch wird ihn das Denken nicht anregen, nach dem Warum zu fragen, denn der Entwicklungsgang der Seele in der Materie ist stets der, daß zunächst die äußere Sinnenwelt studiert und dann erst der geistige Kern oft nur mühsam und unvollkommen herausgeschält wird.

Nun beruht die Entwicklung des Pflanzen- und Tierreichs (d.h. des in ihm eingeschlossenen Seelenlebens) stets auf der Vernichtung der Formen, unbeschadet des inneren Lebensprinzips, das stets die weitere Vervollkommnung anstrebt. Dieses Beispiel, das die Natur überall darbietet, bleibt dem seelisch noch unentwickelten Menschen nicht verborgen, ja es lebt sogar in ihm selbst, da seine Lebensbahn diesen Zerstörungstrieb in sich einschließt. (Das Seelische im Menschen entstammt, wie bereits dargelegt, der Seelensubstanz des Urgeistes Luzifer/Satana.) Er ahmt demgemäß das Vorbild, wie es ihm die Natur bietet, nach, insofern er das Recht des Stärkeren für sich in Anspruch nimmt und ausübt, solange sein Entwicklungszustand eine höhere seelische Entfaltung noch behindert. Erst wenn die seelische Ausbildung fortschreitet und er damit mehr das innere Wesen der Natur zu erkennen beginnt, tritt an Stelle des Stärkekampfes das Recht des erleuchteten Menschengeistes, das weit unüberwindlicher ist als alle physische Kraft.

Zu dieser Erkenntnis aber ist die Erfahrung nötig, deren Weg durch viele Irrtümer und Mühsale hindurchgeht. Diese Schule ist jedoch die einzige, die wirklich eine freie Entschließung der Menschenseele zuläßt. Daß aber "Gott dem Kampf der Natur und der Menschen zusehen kann" — wie so viele Zweifler am Sinn des Daseins ausrufen — liegt einfach darin, daß das Ziel der Selbständigwerdung der Seele höher steht als ein jedes andere. Die Mittel, die jenes Ziel erreichen helfen, erscheinen nur der mangelnden Erkenntnis grausam und sinnlos; in Wahrheit sind sie höchst weise und schließen stets die sicherste Wirkung in sich.

Auch die Verwesung dient in der Schöpfungsordnung der Natur einem positiven Lebenszweck. Würmer und Insekten, die auf Verwesendes als Nahrung angewiesen sind, verwandeln solche dem Menschen schädlichen Stoffe in ihr eigenes Ich, um sie wieder durch ihren Körper als Nahrung für höherstehende Tiere zuzubereiten. Verwesung oder Zersetzung ist in sich ein Verbrennungsprozeß, damit der Übergang beschleunigt wird, der von einer Form zur anderen stattfindet. Die in einem abgelegten Leibe noch verbliebenen letzten Seelenpartikel werden dadurch frei, indem sie in ihre substantielle Beschaffenheit zurückkehren, in der sie der betreffenden Seele sodann zu ihrer Ergänzung wieder hinzugefügt werden.

Wo immer der Mensch in der Natur Umschau hält, erblickt er neben aufbauenden stets auch zerstörende Kräfte. So ist z.B. die Sonne die größte Spenderin alles natürlichen Lebens. Aber ihre zu große Hitze erzeugt im Sommer die Dürre und versengt in den südlichen Zonen alles, was sie selbst hervorgebracht hat. Ist das Wasser nicht auch ein größter Wohltäter aller Kreatur? Kommen jedoch statt des belebenden Regens heftigste Wolkenbrüche, so zerstören die mächtigen Fluten alles und hinterlassen wüsten Boden. Ebenso sind die Winde überaus nützlich für das Leben aller Geschöpfe. Aber als Orkane und Taifune stiften sie gewiß keinen Nutzen — nach menschlichen Begriffen, obwohl sie dennoch einem großartigen Zwecke dienen! (Vereinigung gegensätzlicher Naturgeister zu gemeinsamem Wirken. "Spannungsausgleich").

Ein ähnliches Bild bietet auch die Pflanzenwelt, in der neben edlen Gewächsen zahllos viele Unkräuter wuchern, die oftmals keine anderen Pflanzen neben sich emporkommen lassen. Und in der Tierwelt dient ein Tier dem anderen zum Fraß, und es gibt da kein Wesen, das nicht von einem anderen bedroht wäre. Warum dies alles? Liegt dem wirklich ein sinnvoller Zweck zugrunde?

Alles dies dient einem einzigen Zweck: der Vervollkommnung aller seelischen Substanz, um sie zur Bildung der Menschen-Seele tauglich zu machen! Dazu müssen aus dem Reiche aller Kreaturen dieser Erde eine Unzahl von Seelenpartikeln zusammengefügt werden. Und das ist es, was die alten Weisen so eigentlich die "Seelenwanderung" nannten. Die äußeren materiellen Formen verzehren sich wohl gegenseitig, doch vereinigen sich dabei die freiwerdenden Seelenfunken sofort mit gleichartigen zu einem höheren Gebilde und werden in einer nächsten Stufe wieder in eine materielle Form eingezeugt, und dies fort bis zum Menschen.

Alles materiell Erschaffene ist gebundenes Geistiges mit der Bestimmung, durch eine lange Reihe von Wesensformen endlich in ein selbständiges, freies Leben überzugehen. Die Lebensformen beginnen schon im Mineralreich und gehen dann ins Pflanzenreich über, durch dieses weiter ins Tierreich und durch dessen höchste Entwicklung bis zur Menschenform. Alle Formen sind Aufnahmegefäße von Leben aus dem Uneben Gottes. Je einfacher eine Form noch ist, desto geringfügiger ist die ihr einwohnende Intelligenz; je ausgebildeter und zusammengesetzter, desto mehr Intelligenzen birgt sie in sich. Und so bildet die Stufenleiter der Naturformen zugleich eine solche ihrer seelischen Lebenskräfte.

Indem die Formen Träger eines sich stets mehr festigenden Lebens darstellen, sind sie auch Sammler eines sich steigernden Bewußtseins. Das im Aufstieg begriffene Leben — nach Maß und Verhältnis der Vereinigung früher einfacher Intelligenzen — verläßt die alten Formen, um sich in neuen zu entfalten. Es liegt dabei wenig daran, was mit der nun lebensleeren Formhülse weiter geschieht, d.h. in welcher Art sich ihre Auflösung vollzieht. Das Edlere geht durch das wechselseitige Aufzehren der Leiber als Nährstoff wieder in ein anderes Leben über. Damit besteht in der Natur durch den ganzen großen Kreis der Geschöpfe ein fortwährender Lebensaustausch, der sich nur in der Erscheinung wie Kampf und Mord ausnimmt.

Dieser Entwicklungsweg reicht bis zum Menschen. Aber selbst dessen Leib hat als äußere Form nur so lange Wert, als er von der allein lebendigen Seele bewohnt wird. Denn das körperliche Leben ist nur ein von der Seele miterregtes Leben und erlischt, wenn die Seele ihr irdisches Wohnhaus verläßt. Ist die Seele darin reif geworden, so legt sie den Erdenleib ab und dieser geht seiner Auflösung entgegen. Was an ihm noch Substantielles (der Seele Angehörendes) ist, zieht die Seele an sich; alles andere geht als Nährstoff in tausend andere geschöpfliche Formen über.

So ist der Weg des Lebens ein Übergang vom Unvollkommenen zum Vollkommenen, indem Gott dadurch seine großen Gedanken und Ideen zur freien Selbständigkeit entwickelt. Übergänge des Lebens sind daher keine Vernichtungen, sondern nur Umwandlungen der materiellen Formen in allen Bereichen der Naturwelt. Nur diese Hüllen, in denen das geistige Lebenskraftwesen eine Zeitlang vom göttlichen Allbewußtsein wie abgetrennt erscheint, sind zerstörbar, niemals aber ihr inneres Wesen. Die Zerstörung, (d.h. Auflösung zwecks Neubildung) ist ein notwendiges Muß der Schöpfungsordnung, weil ohne diesen Vorgang ein geistiger Fortschritt bis zur vollen Selbständigkeit eines Wesens unmöglich zu erzielen wäre.

Das Leben als ewig ausfließender Geist Gottes ist das, was schon den ersten Atomen im Acker die Kraft gab, sich zu weiteren Formen zu verdichten und aus ihnen den ganzen Weltenbau zu bilden mit all seinen geschöpflichen Wesenheiten ohne Zahl. Und das Leben wird alles auf demselben Wege wieder zurückführen und aus den verbliebenen Hüllen wieder andere, geistig höhere Wohnstätten für die zur Vollkommenheit gediehenen Geister aufbauen. Es gibt keine abstrakte Materie an sich, wie bereits erläutert wurde, sondern nur Geistiges. Geist ist es, der in seiner Freiheit auch das im Stoff Gebundene erlösen will.

Alles ist somit nur Mittel zum Zweck, was in der sichtbaren Welt den Sinnen entgegentritt. Das geistige Leben wird sich dieser Mittel so lange bedienen, als es derselben bedarf, um sein Ziel zu erreichen. Ist einmal alle Materie vergeistigt, wird das Wirken des Geistes immer mächtiger werden und die vollendeten Geistwesen befähigen, nach dem Willen und aus der Kraft des Schöpfers selbständig stets neue Schöpfungen hervorzubringen. Diese werden nicht mehr des Gegensatzes der Materie bedürfen und auch nicht jene "Schattenseiten" zeigen, die jetzt noch die unvollkommene Erkenntnis der Menschenseele bedrücken. Von Gott aus sind jedoch auch die Kräfte des Gegensatzes gut und gerecht; denn durch sie wird das Leben zur steten Höherentwicklung bis zu seiner ewigen Vollendung hingeleitet.

Der natürliche, seelisch noch kaum entwickelte Mensch erblickt in den Naturvorgängen nur Schattenseiten, weil ihm selber noch das geistige Licht mangelt. Er sieht Elementarereignisse, die vermeintlich zahllose Leben zerstören, sieht Raub und Mord im ganzen Tierreich, sieht Gifte aller Art mit tödlicher Wirkung und erblickt neben üppigem Leben stets die alleszerstörende Verwesung. Er bedenkt dabei nicht, daß der Schöpfer des ganzen Universums und Herr des sich überall kundgebenden Lebens ganz andere Ideen hegt als die Menschen, denen der Tod in zahllosen Formen entgegentritt.

Im ganzen Weltenraum herrscht ewige Bewegung und ein ständiges Verbrauchen und Erneuern der Formen zur Aufnahme stets höherer Lebenssubstanzen. Sogar die kleinsten Ätheratome machen fortwährend Prozesse durch, deren Gesamtheit sich als ungeheure Bewegung kundgibt. Diese bewirkt auch in den Luftschichten der Erde immerwährend neue Störungen ihrer Ruhe, die sich dann oft als heftigste Stürme, Gewitter und Elementarkatastrophen auswirken. Wohl vermögen diese den Menschen auch natürlichen Schaden zu bereiten, im Ganzen jedoch dienen sie zum Segen alles Lebendigen, indem sie in der naturgeistigen Welt den notwendigen Ausgleich herbeiführen.

Das "Morden und Rauben" im Tierreich bewirkt ein stetes Freiwerden der in den Naturgebilden eingehülsten Seelenpartikel zwecks Übergang in eine höhere Entwicklungsstufe. Der natürliche Mensch erblickt dabei nur Kampf und Tod, der geistige Mensch hingegen die Erlösung des in der Materie gebundenen Geistigen aus den Fesseln von Hüllen, in denen keine weitere Entwicklungsmöglichkeit mehr gegeben ist. Je kleiner die Tierarten sind, desto größer ihre Produktionskraft, sodaß aus den Schalen und Skeletten solcher Tierchen sogar ein großer Teil der Erdrinde hervorging. Hier finden sich wieder neben einer Unzahl von Produzenten die entsprechende Zahl von Lebewesen als Verbraucher, die gleichfalls nach jeder Umwälzung als Materie zur Bildung neuer Erdschichten dienen, was doch ohne Zerstörung der Formen niemals stattfinden könnte.

Was die Menschen als Gift bezeichnen, ist ein relativer Begriff, denn Gift ist nicht für alle Wesen ein solches. Gift ist nur der Gegensatz von dem, was der Natur eines Lebewesens zuträglich ist. Für die Schlangen ist Gift z.B. eine Waffe und sodann auch ein Mittel, dem zu verzehrenden Tier den Vorgang des Sterbens zu erleichtern. Der Mensch aber besitzt genügend Verstand und sollte sich damit vor Giften wohl zu schützen wissen. Warum Gifte im Haushalte der Natur notwendig sind, kann nur durch die geistige Schöpfungsordnung erhellt werden, in der auch die Gedanken und Ideen des Gegensätzlichen (also der Schöpfungsgebilde Luzifers) zur Ausreifung ihre Entwicklungsreihe finden müssen, um zur Unterlage des positiven Zweckes zu dienen. So hat auch das Ungeziefer einen gewissen Platz auszufüllen, da von einer Tierform zur anderen kein Sprung gemacht werden kann und diese Tiere als Übergangsreihe Seelischer Urlebensfunken zu anderen Lebensformen anzusehen sind.

Wie anders tritt uns das Bild der Natur entgegen, wenn wir den vorstehenden Schilderungen aufmerksam gefolgt sind — nicht mit kalter Verstandeskritik, sondern mit dem Lichte höherer Vernunft und mit jener Herzenswärme, die uns aus jeder Zeile selbst entgegenströmte. Das innere Wesen der Naturordnung enthüllt sich da als ein Schöpfungsvorgang, in dem das kleinste Materieteilchen von derselben Bedeutung ist wie die größte Zentralsonne. Denn alles Geschaffene ist Geist, als Idee keimhaft vom Geiste Gottes ausgegangen, um nach ihrer Gestaltwerdung vollendet und in selbständiger Freiheit ihren Schöpfer zu verherrlichen.

Zum anderen läßt uns ein geistiger Blick in die Ordnung der Schöpfung erkennen, daß Liebe ihr Urgrund und Weisheit ihr Urlicht ist, deren gemeinsames Wirken sich in jedem Lebensgebilde aufs neue kundgibt. Nichts anderes sind die erkennbaren Naturgesetze als der Ausdruck des Waltens jener beiden Urkräfte Gottes, die zugleich den dritten Aspekt der Gottheit, ihre ewige Allmacht offenbaren.

Welche Rolle der Mensch, als letzter Mittler zwischen der Natur- und Geisteswelt, im großen Schöpfungsplan innehat, lehrt die gewaltige, durch Jakob Lorber neu geoffenbarte Licht- und Lebenslehre Jesu Christi. In dieser kommt der rechten Naturbetrachtung als Mittel zur Gotteserkenntnis keine geringe Bedeutung zu. Und da der Erdenmensch in innigster Weise mit dem Naturgeschehen verbunden ist, ja sogar selbst ein Stück Natur darstellt, sollte sich ein jeder mit der Erkenntnisquelle, aus der hier geschöpft wurde, tiefer vertraut machen. Darüber hinaus greife ein jeder, der ernstlich auch um den Sinn seines eigenen Erdendaseins ringt, zu dem überragenden Geistesschatz des Lorberschrift-

tums. Er vermag sich damit Ewigkeitswerte zu erringen, an deren Pfeilern aller Unglaube und Scheinglaube zerbricht, weil die Wahrheit des Gotteswortes ihr tragendes Fundament bildet. V.M.