Jakob Lorber

HIMMELSGABEN - Band 1

Die Tagebuchnotizen zur Offenbarung Jesu durch Jakob Lorber

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HIMMELSGABEN

Band 1 (HiG)

Worte aus der Höhe der Höhen, neben den großen Werken der Neuoffenbarung

Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

Nach der 3. Auflage des Nachdrucks der Auflage von 1935.

Lorber Verlag – Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.

 

Schlüssel zur Schrift. – 13. April 1840, Montag

1. Da, wo Ich am wenigsten zu sagen scheine, da sage Ich am meisten. – Und wo Ich aber am meisten zu sagen scheine, da sage Ich nur soviel, als ihr zu ertragen imstande seid.

2. Das sei euch ein neuer Schlüssel zu dieser Meiner Schrift!

 

Von weltlicher Amtsmacht. – 18. April 1840, Samstag

1. Hier seien ein paar Worte gerichtet an den Andr. H., der da ein weltliches Amt auszuüben hat, das ein Recht ist zum zeitlichen Wohle der Weltgroßen, durch Unterdrückung der Kleinen und Schwachen, die da sind ohne Macht und Kraft der Welt und müssen die Großen ernähren für nichts als für die Aufrechterhaltung eines Rechtes, das alle Lasten legt auf ihren schwachen Nacken.

2. Außer Meine Liebe in euch und der daraus hervorgehenden Weisheit, welche beide zusammen sind die ewige Ordnung, aus der heraus alles, was da ist, gemacht wurde, vom Größten bis zum Kleinsten, jegliches in endloser Zahl, gibt es nirgends ein Recht, als bloß in dieser Meiner Liebe, die alles gerne gibt, was sie hat, die sich nichts aneignet, um etwas zu besitzen, sondern nur um desto mehr geben zu können; die nichts zerstört, sondern nur alles erhalten will, damit nichts zugrunde gehen möchte, die allezeit bereit ist, für andere alles zu tragen, damit es jedem wohlergehe in der großen Erleichterung seiner Bürde; und die noch dazu geduldig, sanftmütig und voll Demut und Ergebenheit ist gegen jede Anforderung der ihr allein zukommenden Weisheit, ja selbst zum Wohle anderer imstande der Kraft ist, alle erdenklichen Unbilden zu erdulden in ungetrübter Gelassenheit. Denke, ob es außer ihr noch etwas gibt, was „Recht“ heißen könnte oder dürfte?

3. Wenn du dazu noch bedenkest, daß der Liebe aus Mir allezeit der gerechte Anteil der wahren, freien Weisheit hinzukommt, welche die alleinige gerechte Gesetzgeberin ist, alles am besten ordnet und alles durchleuchtet und wohl durchschauet – ja, wenn also irgendwo Meine Liebe zum Grunde ist, da ist auch das wahre Recht. Wo aber diese nicht ist, da ist auch kein Recht, sondern nur das blanke Gegenteil. Ein solches (Un-)Recht beruht dann auf der Eigenliebe und ist in seiner wahren Natur nichts anderes, als ein human aussehendes Faust- oder Raubrecht. Und wenn es dem blinden Menschen oft äußerlich auch erscheint, als wäre es Liebe, so ist es denn aber doch nichts anderes als höllische Eigenliebe.

4. Sie, die Eigenliebe, lehrt euch dann, mühsam nach und nach eure Bedürfnisse und den Vorteil eurer Handlungen erkennen und läßt euch erkennen die Mittel, eure Verhältnisse so einzurichten, daß sie gerade mit genauer Not dem Nächsten so viel Handlungsraum zulassen, wie einem Vogel im Käfige oder einem Fisch im Behälter. Von diesem Herrsch- oder vielmehr Raub-Standpunkte werden dann Gesetze gegeben in einer Unzahl, je nach der Zahl der sich aus der Eigenliebe immer mehr vermehrenden Wohlstands-Bedürfnisse. Daß sie streng gehalten werden müssen, dafür wird gesorgt durch Kerker, Pulver und Tod. Mitunter gibt dann die Eigenliebe den Sklaven auch Gesetze, damit sie sich selbst untereinander nicht aufreiben in der langen Nacht der Verzweiflung, wodurch dann der sogenannte Troß auch etwas scheinbar zu gewinnen wähnt und sich ruhig verhält, da ihm doch noch erlaubt ist, etwas Weniges von dem zu genießen, was für die Tische der Machthaber durchgehends nicht mehr taugt.

5. Nun siehe, dadurch werden dann die Menschen oft notgedrungen, Meine Liebe zu verlassen und selbst die Eigenliebe zu ergreifen und zu handeln im Kleinen böse, wie die Großen im Großen, die da lügen, stehlen, rauben und morden und dazu sich noch frech erkühnen, Meine Gesetze hinabzuziehen in ihren Kot, um dadurch denselben einen sogenannten, von Mir aber verfluchten „moralischen Anstrich“ zu geben. Wehe ihnen dereinst! Dadurch werden wohl die Blinden geblendet, aber Ich schaue ihre Kniffe durch und durch und gebe sie kund Meinen Kindern, die Mich zu suchen angefangen haben.

6. Daher rate Ich dir, eifrig Meine Liebe zu suchen, in der alle Weisheit wohnt, aus welcher heraus du erst werden kannst ein ganz gerechter Mann in der weisen Haltung des dir anvertrauten, nicht geringen Amtes, zum wahren Wohle deiner vielen Brüder und Schwestern!

7. Und glaube Mir fest: Alles, was dich die Weisheit aus Meiner Liebe lehren wird zu tun, wirst du ungehindert durchsetzen, und dir wird darob kein Haar gekrümmt werden. Denn da, wo die Weisheit gebietet, da hat sie auch von Mir zur Ausführung die besten Mittel in großer Menge.

8. Dieses sage Ich, die Ewige Liebe, unterdessen nur dir allein durch Meinen schwachen Knecht, der ein williger Schreiber ist und wenig Furcht hat vor den Menschen, seit er Mich näher kennt. – Amen.

 

Ein Gruß aus der Höhe der Höhen. – 19. April 1840, Ostersonntag

1. Dieses Wort, gerichtet an den Ans. H., sei ihm ein Zeugnis, daß Mir seine Arbeit wohlgefällt! Und so er fortfährt, aus Liebe zu Mir es fleißig zu vollbringen, wie er es begonnen hat, so soll er wissen, daß Ich schon Meine Hand an den Hebel der Schleuse gelegt habe, um sie über seinem Kopfe aufzuziehen und jählings einen großen Strom des Gnadenlichtes über sein Haupt stürzen zu lassen. Und Mein Segen soll dann nie mehr weichen von ihm, seinen Kindern und Kindeskindern. Und er soll nicht mehr sorgen für dieselben körperlich, sondern nur geistig!

2. Ist es denn nicht schwerer, für den Körper als für den Geist zu sorgen? – Daher leget das Schwere auf Mich und behaltet das Leichte für euch, damit ihr frei bleiben möget in allen euren Handlungen und eure Kinder erkennen mögen die große Liebe des heiligen Vaters im Himmel, welcher der alleinige Geber aller guten Gaben ist, war und sein wird ewig. – Das ist ein guter Rat für ihn! Das sage Ich, der liebe Vater, ihm, damit er ja Mir vollkommen vertrauen kann. Denn Ich bin gar getreu in allen Meinen Verheißungen.

3. Und das sage Ich ihm auch noch dazu, daß Ich jedem, der beitragen wird zur Ausbreitung des Lichtes aus Mir, zur Erkenntnis des Guten aus Meiner Liebe und des Wahren aus Meiner Weisheit für die bald folgende große Verherrlichung Meines Namens, die Neugeburt und in derselben auch die baldige volle Wiedergeburt mit einem neuen Namen schenken werde; und Ich will ihn machen zum Zärtling Meiner Liebe, gleich meinem holden, lieben Johannes, dem Geheimschreiber Meines Wortes.

4. Das sei ihm ein guter Gruß, das erste Mal wörtlich von Mir, zum Tage seiner Eingeburt! – Das sage Ich, der ewige, gute, liebe und heilige Vater! – Amen.

 

Rechte Elternliebe. – 23. April 1840, Donnerstag

1. Gib dem Weibe des Ans. H. folgende Worte! Denn Ich habe ihre Sehnsucht erkannt und will ihr daher einen kleinen Trost geben, den sie ja beachten soll für sich und für ihre Kindlein, Mägdlein und Knaben.

2. Ich habe Freude an jedem, der Freude hat an Mir. Und Ich habe des Wassers in großer Menge, zu geben denen, die danach dürsten. Und Meine Gnade ist ebenso breit als lang, und ist nirgends anzutreffen ein schmalerer Teil.

3. Darum verteile du, Mutter des Fleisches, deine Liebe unter die Deinen, wie Ich die Gnade – damit keines Deiner Kinder ein scheeles Auge bekomme aus heimlichem Neide und nicht gut schauen möchte dereinst auf seinen Bruder oder seine Schwester! Habe ein volles und gleiches Maß der Liebe gegen jedes deiner Kinder – damit Ich ihnen dann auch ein volles und gleiches Maß der Gnade schenken kann! Sonst aber sollen die mehr Geliebten weniger Gnade und die weniger Geliebten mehr Gnade von Mir empfangen.

4. Denn siehe, Ich bin ein Vater der Verfolgten, ein Tröster der Betrübten – aber auch ein sehr strenger Richter der von euch zuviel geliebten Kinder. Denn das Übermaß eurer Liebe verdirbt eure Kinder und macht sie unfähig zum Empfange Meiner Gnade. – Daher lasse du künftig allen gleich angedeihen, was ihnen nützlich ist, not- und wohltut, und bezwinge dein Herz – und Meine Gnade wird dich in ihre Mitte nehmen!

5. Und glaube, daß Ich es bin, der dir das sagt, als euer guter Vater. – Was du matt siehst, das sehe Ich scharf. Wohin du aber mit aller Schärfe blickst, da schaue Ich durch die Finger. Was die Welt richtet, das nehme Ich auf; was aber die Welt erhöht, das wird nieder zu stehen kommen vor Mir. – Siehe die Ehebrecherin, gerichtet von der Welt! Ihre Schuld habe Ich in den Sand geschrieben, damit sie der Wind möge verwehen. – So sollt es auch ihr alle tun, wollt ihr Meine rechten Kinder sein, die Ich mehr liebe, als du es je wirst fassen können.

6. So wie die Sonne scheint und wie der Regen fällt auf alles Gras, so sei eure Liebe gegen eure Kinder! – Gegen die fremden aber sei sie wie ein Feuerbrand und wie ein Wolkenbruch, damit keine Eigenliebe in euch und in euren Kindern herrsche – wodurch dann euer Vertrauen stark werde und Ich euch allezeit helfen kann und werde, da wo ihr am schwächsten seid.

7. Das sei dir ein kleiner Trost! – Wo Ich hinein will, da fege Ich zuerst! – Das sagt euer guter, heiliger Vater. – Amen.

 

Kreuz, Krone und – Liebe. – 24. April 1840, Freitag

1. Der, die Freude hat an Meiner „Haut“ und da heißet M. S. und in hohen Ehren hält das Holz des Kreuzes und das Eisen der Nägel gleichachtet den Händen, die durchbohrt wurden, und das Kreuz gleich dem Gekreuzigten – und die schon viel gelitten hat wegen ihrer Doppelliebe, der sage, was Ich ihr sagen lasse, ihrer Gesundheit und ihres Heiles willen.

2. Sie soll das Kreuz nicht mehr lieben denn Mich und die Nägel nicht mehr denn das gekrönte Haupt! Denn die so tun, müssen viel leiden aus dieser ihrer verkehrten Liebe. Wer das Kreuz liebt, dem gebe Ich es gerne, und so die Nägel, so die Krone. Und wer aus Liebe zu Mir das Kreuz, die Nägel und die Krone liebt, der wird gekreuziget gleich Mir. Wer Mich aber so liebt, des Kreuzes, der Nägel und der Krone wegen, der liebt Meine „Haut“, da sie ist voll Blutstropfen, Schlägen und Wundmalen, und gleichet dadurch jenen Kindern, die ihre Eltern erst dann zu lieben anfangen, wenn diese, von vielen Leiden gebückt, weinen vor der Türe ihrer Kinder.

3. Wer Mich aber recht lieben will, der halte Meine Gebote und liebe Mich aus Meiner Liebe, die Ich jedem, ohne Kreuz, Nägel und Krone, ganz rein, wie Ich es bin, gegeben habe. Sage ihr: Wer mich in solcher Weise wahrhaft liebt, der liebt Mich auch ohne Kreuz, Nägel und Krone. Wessen Liebe aber zweifelhaft ist, dem werde Ich schon zukommen lassen entweder das Kreuz, die Nägel oder die Krone – damit seine Liebe befestiget werde zu Mir, da er sehen wird, daß leiden schwerer ist als lieben und daß Ich nicht Freude habe an den Leiden Meiner Kinder, sondern nur ein trauriges Herz.

4. Denn sehet, Mein Joch ist sanft und Meine Bürde ist leicht. Nur die Kinder der Welt müssen Meinem Reiche „Gewalt“ antun, wenn sie es an sich reißen wollen. Meine Kinder dagegen sollen nicht eigenwillig ins Feld ziehen für Mich und sich ohne Not verwunden lassen von Meinem Feinde – für sie werde schon Ich kämpfen. Denn die Liebe steht höher als aller eigenmächtige Kampf.

5. Wer aber selber kämpfen will und Freude hat am Kampfe, der muß sich schon auch auf allerlei Wunden gefaßt machen und sehe zu, daß er nicht unterliege im Gefechte. Der Sieger aber steht nicht über der reinen Liebe, sondern ist unter derselben, solange er nicht die Siegerkrone in die Flamme der Liebe wirft.

6. Daher: die Mich lieben, für die werde Ich kämpfen und siegen, und ihre Liebe wird Mir die schönste Siegeskrone sein. Die aber eigenmächtig mitkämpfen wollen, die werde ich verteilen auf ihre Posten. Und sie werden kämpfen müssen mit ihrer Kraft in großer Angst und Hitze, und es wird ihnen der Sieg oft sehr sauer werden und teuer zu stehen kommen, und dereinst werden sie viel Rechnung zu legen haben.

7. Eines noch muß hinzugesetzt werden, nämlich: So jemand ein Haus kaufet, der begnüget sich nicht mit der Beschauung der schönen Außenseite, welche blendet; sondern er gehe zum Verkäufer und sage: „Laß mich erforschen die Grundfesten, die Mauern der Wände, die Böden und das Dach.“ Und hat er das Haus fest befunden, so kaufe er es um jeden Preis, da es ein gutes Haus ist. Ist es aber nicht so, dann lasse man es, wie es ist, und handle nicht darum mit dem arglistigen Kaufmann, selbst wenn dieser auch sagen würde, das Haus stehe schon so oder so lange – wenn ein Erdbeben kommen wird, so wird es doch zusammenstürzen. – So jemand aber wohnt in einem alten Hause, der halte sich beständig reisefertig an der Türschwelle; und wenn er gewahr wird Schwebens und Wankens, dann ist es hohe Zeit, sich schnell zu entfernen.

8. Das sagt der gute Hirte einem zahmen Lamme auf der harten Weide der Knechte. – Amen. – Ich, Jesus-Jehova. Amen!

 

Ave Maria! – 26. April 1840, Sonntag, vormittags

Auf eine Anfrage:

1. Seht, alle eure Pflicht ist, war und wird ewig sein die Liebe, d.h. die reine, göttliche Liebe in euch zu Mir und im gleichen auch zu allen euren Brüdern und Schwestern.

2. Nach dem Grade dieser Meiner Liebe in euch wird euch gegeben werden von Mir, der Ich in Meinen ganzen Wesen die Liebe selbst bin. Ihr seid, so ihr Mich liebet mit aller Kraft, allesamt liebe Kinder Meiner Liebe – welche auch befruchtet hat Maria, die Mutter meines irdischen Leibeswesens. Dieses irdische Leibeswesen aber ist ein wahrer Bruder zu euch und stark genug, euch alle zu tragen als Brüderchen und Schwesterchen mit aller Geduld und Sanftmut und euch zu führen als erwachsene Brüder und Schwestern. Und wer zum Vater will, der wende sich nur an Mich als des Vaters großen Liebling, welcher der alleinige wahre Bruder zu euch ist, voll der höchsten Liebe und Weisheit. Und so habt ihr es nicht nötig, euch an jemand andern, als gerade an Mich, in allen euren Anliegen und Nöten zu wenden!

3. Sehet, der Gruß an Maria kam dereinst bei der Verkündigung aus der allerhöchsten Höhe der Heiligkeit Gottes in aller Fülle der Macht und Kraft Seines Geistes, damit euch allen die Liebe im Vater ein wahrer Bruder werde. – Nun so fraget euch, was ihr jetzt noch mit diesem Gruße wollt? – Maria dedarf dessen nicht und dürstet auch nicht nach demselben. Und sie weiß es auch am besten von euch allen, daß Mein Ohr schärfer ist als das ihrige und Mein Auge heller als das ihre; auch daß Meine Liebe, Meine Demut und Meine Sanftmut zunichte macht die Liebe, Demut und Sanftmut aller, auch der allerseligsten Geister des Himmels.

4. Wahrlich, es bereitete ihr eure Unwissenheit und euer grober Irrtum nur Trauer, wenn Ich nicht aus Meiner übergroßen Liebe zu euch allezeit, zuvorkommend, auf Mich nähme, was an sie oder auch an einen andern seligen Bruder von euch gerichtet wird. Siehe, daher mache Ich die Ohren der Seligen gegen solche unangebrachte Verehrungen taub und ihre Augen blind, damit ihre Seligkeit nicht getrübt werde durch eure große Torheit.

5. Wer Mich sucht, an dem wird auch Maria Freude haben, und ebenso alle Seligen. Und sie werden allezeit bereitwilligst sein, ihm zu dienen nach Meiner Liebe in ihnen, aus welcher ihnen kund wird, wo und woran es euch gebricht. Daher ist es auch unnütze, anderswo als gerade nur durch Mich zur Gnade gelangen zu wollen. Denn nur Ich allein bin die Türe zum Vater, da alle Gnade innewohnt. Wer nicht durch Mich gehet, der kommt nicht dahin.

6. Ihr könnt euch zwar alles dessen, was auf Meine Menschwerdung Bezug hat, ehrerbietigst und liebevollst erinnern und euch dadurch vorführen alle Fügungen Meiner großen Barmliebe für euch. Und es wird Mir solches angenehm sein. – So ihr aber daraus wollt Plappergebete formen, so seid ihr zu Narren geworden oder durch die große Blindheit der Blindenleiter dazu gemacht und seid betrogen durch die betrogenen Betrüger.

7. Ich aber habe euch jetzt aus Mir in allerhöchster Wahrheit gezeigt, wie sich die Sache verhält. Und so sollt ihr auch danach tun, so ihr wollet sein wahre Kinder eines und desselben guten Vaters und wahre Brüder des Sohnes der Maria, die euch liebt, so wie ihr Mich liebet. – Amen.

 

Drei Fragen. – 3. Mai 1840, Sonntag, vormittags

1. Fehlt die römisch-katholische Kirche nicht darin, daß sie den Laien den Kelch entzieht, da es doch bei Matth, 26,27 heißt: „Trinket alle daraus?“

2. Darf die Hostie angebetet werden?

3. Sollen wir den Büchern Emanuel Swedenborgs vollen Glauben schenken?

1. Für die drei Fragen, die dir zur Beantwortung vorgelegt worden sind, will Ich den Fragestellern drei harte Antworten geben, da sie fragen, ehe es an der Zeit ist, und dadurch bereichern wollen ihr Wissen eher als die Liebe zu Mir, die doch höher steht als alles Wissen. Sie bedenken nicht das, was zuerst not tut. Die Gabe der Weisheit kommt jeglichem nach dem Grade der Liebe zu Mir, welche ist das wahre „Brot“ und der wahre „Kelch“, oder „Mein Leib“ und „Mein Blut“, von dem alle Propheten, von Moses an bis auf den Johannes und von Johannes an bis auf den Emanuel Swedenborg, und alle aus Meiner Liebe gelehrten Weisen zeugen.

2. Ihr sehet die Sonne im Tautropfen und saget: Das sei ein getreues Bild der Sonne, es fehle ihm nur die Wärme. Ich aber sage: Es ist leichter den Tropfen zu erwärmen, als ein getreues Lichtbild einer so großen Sonne hineinzulegen. – Da Ich das Letztere tue, warum tuet ihr das leichte Erstere denn nicht und fraget demnach gar so albern, ob die Hostie angebetet werden soll oder nicht? – Habe Ich euch allen nicht schon hinlänglich gesagt und gezeigt, worin die wahre Anbetung bestehe und wie Ich und die Materie uns verhalten?!

3. Zur ersten Frage: Was will denn euer unzeitiger Vorwitz? – Nun wisset denn, was ihr wissen wollt, und merket es euch wohl hinter euren dicken Ohren! – Machet lebendig euer Herz und sehet hin nach Emmaus! Als Ich dort das Brot gebrochen habe, da erkannten Mich die Jünger auch ohne Kelch und entbrannten in ihrer Liebe zu Mir. – Desgleichen tuet auch ihr! Genießet das Brot in der wahren, reinen Liebe zu Mir und stoßet euch nicht an der Form, an der nichts gelegen ist, sondern trachtet nur nach der Liebe und dem aus ihr erwachsenden Glauben! Und Ich werde euch Selbst den Kelch, voll des heiligen Geistes, welcher Mein Blut ist, reichen.

4. Der Wein des Kelches ist ein Getränk, da innewohnt die Hurerei im Geiste aller Unlauterkeit. Und ihr sollet nicht dürsten danach und sollet ihn trinken lassen allein die Knechte, die da ein Grab des Unrates sind und damit befeuchten ihren unfruchtbaren Boden wegen der Verkehrtheit ihrer Liebe, damit irgendeine Frucht, die da wächst, frei werde und blühe gleich einer Sonnenblume auf den Gräbern des Unrates.

5. Nur der Kelch, den Ich euch reichen werde, der ist der wahre Kelch, da aller Geist der Wahrheit und alles Lebens innewohnt! Nach dem sollet ihr dürsten!

6. Zur zweiten Frage: Was die Hostie im Abendmahle betrifft, so ist sie ein Brot, gebacken aus Mehl, wie das Brot in Emmaus, und ebenfalls nur Materie, hat nicht Leben und kann nicht Leben geben – sondern ist tot und gibt den Tod.

7. Nur der es bricht, segnet und gibt, hat Leben und kann dasselbe allen geben, die es zum Zeichen der wahren Liebe genießen im daraus lebendigen Glauben. Denn wo in euch wahre Liebe ist zu Mir, da ist auch die Gabe zum Zeichen wohldienlich. Wo aber die Gabe ist, da ist auch nicht ferne der Geber, dem allein alle Anbetung gebühret.

8. So suchet denn zuerst die Liebe in Mir, durch die freiwillige Haltung der Gebote, so wird die Gabe euch erleuchten, und ihr werdet erkennen den Geber in der Gabe, erbrennen in der Liebe zu Ihm und anbeten Seine große Heiligkeit.

9. Daher liebet zuerst, dann wird die Gabe gerecht sein, euch zur Leuchte, lebendig im Brote. Und dann erst wird des Gebers Segen sein in der Gabe. Und ihr werdet sodann im Geiste und in der Wahrheit anbeten dessen Heiligkeit.

10. Zur dritten Frage: Was den Emanuel Swedenborg betrifft, so sollen sie die Fragesteller es versuchen, ob auch sie ohne Meine Weisheit etwa solches zu sagen vermögen!

11. Er ward von Mir erweckt und wurde von Meinen Engeln geführt in alle ihre Weisheit aus Mir, je nach Graden ihrer Liebe. Und was er sagt, ist gut und wahr.

12. Meine Lehre und Mein lebendiges Wort aber, das zu euch kommt aus Meinem Munde durch die Liebe in euch, steht höher denn alle Propheten und alle Weisheit der Engel! – Denn die Liebe ist das Erste und Höchste, hernach kommt erst die Weisheit.

13. Wer daher die wahre Liebe hat zu Mir, dem wird auch Weisheit in der Fülle gegeben werden. Wer aber sucht die Wahrheit ohne die Liebe vorher, der wird nichts finden denn Trug und wird sein ein Doppelgänger und am Ende nicht wissen, welcher eigentlich der echte ist.

14. Darum liebet zuerst und lasset den Vorwitz, so wird die Sonne in euch aufgehen. – Amen! Amen! Amen!

15. Das seien euch drei harte Antworten aus der großen Höhe von Mir, Jehova. Amen.

 

An Meine Freunde. – 9. Mai 1840, Samstag, nachmittags

1. Bei euren gegenseitigen Liebesbezeugungen gönnet auch Mir einen Platz, um einen kleinen Gruß beilegen zu können. Denn seht, Ich lade Mich gleich selber ein, wenn Ich nur irgendeinen einigermaßen guten Bissen schmecke. Ich wußte aber, daß ihr Mir heute nicht unfreundlich sein werdet, so Ich Mir die Freiheit nehme, Mich in eurer Mitte als ein ungebetener Gast einzufinden.

2. Seht, die Ich lieb habe, da sie Mich haben zu suchen und zu lieben angefangen und erkannt haben Meine Stimme durch Meinen armen und schwachen Knecht, zu denen komme Ich gerne – wenn auch öfter vielleicht zu einer etwas ungelegenen Zeit. Allein, was kann der Vater dafür, daß Er mehr Liebe zu Seinen Kindern hat, als die Kinder zu Ihm!? Daher müßt ihr schon Meiner großen Liebe zu euch zugute halten, daß Ich Mich euch öfter ordentlich aufdränge. – O Meine Kinder, wie habe Ich euch doch alle gar so lieb! Daher liebet auch ihr Mich, euren guten Vater, und sehet allezeit auf Mich! – Oh, Ich Selbst werde einst euer Lohn sein!

3. Höret, die ihr Mich jetzt gerne sehet in eurer Mitte, die werde Ich dereinst nehmen in die Mitte Meiner Liebe, und sie werden speisen an der großen Tafel ihres Vaters! – Sehet, und so werde Ich heute zum ersten Male ganz unter euch sein. Ihr werdet Mich zwar nicht sehen mit euren leiblichen Augen. Aber eure Herzen werde Ich anrühren, so euch Mein armer, schwacher Knecht diese Worte vorlegen wird. Und dann wisset, daß Ich eingetreten bin in eurer Mitte!

4. Ihr müsset euch aber nicht genieren in eurer Heiterkeit, sondern seid fröhlich und heiteren Mutes! Denn denket, wenn Ich bei euch bin, so seid ihr ja auch bei Mir, eurem guten Vater! Und so seid ihr zu Hause, und da hat das Genieren aufgehört.

5. Da Ich nun bei euch bin völlig, so nehmet denn alle, Meine lieben Kinderchen und Kinder, Meinen gewiß allerhöchst liebevollen Vatergruß hin, wie er euch allen gegeben wird! Und dieser Mein wahrer Gruß sei euch auch ein wahrer Segen, so gewiß, als Ich der wahre Vater bin für euch alle, so ihr ihn ebenso bereitwillig aufnehmet, wie Ich ihn euch allezeit gerne gebe. – Der Gruß aber ist und lautet:

6. Friede sei mit euch! – Meine Liebe sei euer einziger Reichtum! Und Meine Gnade erleuchte vor euch die Finsternisse der Welt und zeige euch sanft den Weg des ewigen Lebens! – Amen.

 

Kirchengeist und Liebesgeist. – 14. Mai 1840, Donnerstag, nachmittags

1. Dem, der da ist ein Furchtsamer vor Mir (mehr der Kirche als Meinetwegen) und doch gerne ein tröstendes Wort hätte, da er meint, Ich hätte etwas wider ihn, der Schwäche seines Glaubens wegen – weil Ich nicht sogleich auch ihm tat, wie denen, die schon jahrelang sich nach Meinem Lichte gesehnt haben, da er noch ruhig lebte in der Außenkirche und den rauschenden Wind hielt für Meinen Geist und den Donner für die Stimme des Lebens im Sohne – diesem sage:

2. Ich habe sein Herz angeschaut und habe einen guten Keim in demselben gefunden. Er soll ja recht fleißig denselben begießen mit dem Wasser des Lebens aus Mir, das er in großer Fülle finden wird in der Schrift des Alten und Neuen Testamentes. Dann wird dieses Senfkörnlein aufgehen in üppiger Frische. Und dann werden viele Geister der Himmel munter und fröhlich kommen und werden Wohnung machen unter seinen vielen Ästen und Zweigen. Und so Ich dann sehen werde die große Freudigkeit der munteren Geister unter den Ästen und Zweigen des neuen Gewächses aus Mir (in ihm), dann werde Ich kommen und auch seinen Geist in Bälde völlig erwecken und ewige Wohnung machen bei ihm.

3. Er soll nicht ängstlich sein, so er Mich liebt, und soll nicht denken, die Kirche aus Steinen sei lebendig, die doch ebensogut wie ein anderes Haus von Menschenhänden gemacht ist! Noch soll er denken, das Heil bringen ihm die Messen, die da sind ein stummer Dienst, oder die Beichte, die euch unnütze ist, so ihr euch nicht ganz ändert in euren Herzen, oder all die Sakramente, die ein wahres Gift der Seele sind, so ihr sie nicht lebendig macht durch die wahre Liebe zu Mir in eurem durchläuterten Herzen.

4. Er soll wissen: für den Lebendigen ist alles lebendig und für den Toten alles tot. Wer Meine Liebe d.h. die reine, himmlische Liebe zu Gott und zum Nächsten hat, der hat Mich Selbst, das Leben alles Lebens, in sich. Wer aber Meine Liebe nicht hat, der ist gleich der Materie, die tot ist aus dem Tode des Zornes Gottes; er ist selbst tot, und das Leben gehet stumm an ihm vorüber, wie er selbst stumm fürs Leben ist.

5. Daher sehe du, Samuda, nur nach Meiner großen Liebe und suche sie überall! Und wo du sie finden wirst, da, glaube Mir, ist auch Leben. Und darum lasse dich an nichts binden, als nur einzig an Meine Liebe, so wirst du leben, und wenn du auch stürbest zu tausend Malen!

6. Suche nicht das Licht, welches tot ist, sondern die Liebe – so wird dir Licht werden in großer Fülle lebendig aus Mir, der Ich bin die Liebe und das Leben selbst von Ewigkeit zu Ewigkeit. – Amen. – Ich, Jesus-Jehova, Amen.

 

Unnötige Sorgen. – 24. Mai 1840, Sonntag, vormittags

Frage: Dürfen wir Dich, o Vater in den Himmeln, nicht in kindlicher Demut bitten, daß die Rekrutierung aufhöre, wodurch der Mann dem Weibe, der Vater den Kindern, der Sohn seinen Eltern, der Bürger seinem Gewerbe und der Landmann dem Feldbaue entrissen und oft zu einem Stande gezwungen wird, in welchem wenig Christentum zu finden ist. – Wie lange soll dieses Übel nach Deinem Willen noch währen? – Möge es Dir wohlgefällig sein, von uns ein Opfer zu fordern, damit das harte Joch, dessen Anblick uns mit bitterer Wehmut erfüllt, von unseren Brüdern genommen werde! – Doch nicht unser, sondern Dein heiliger Wille geschehe in alle Ewigkeit!

1. Als euer guter, heiliger Vater habe Ich allezeit Freude, so ihr euch in was immer für Anliegen an Mich wendet. Nur müßt ihr Mich nicht um irgendein närrisches Zeug fragen, worauf Ich euch dann keine Antwort geben möchte, da es unsinnig wäre, euch in einem Irrtum oder Aberglauben zu bestärken.

2. Solche Fragen aber sind die über Zeitbestimmungen nach Jahr, Tag und Stunde! – Denn seht, Ich bestimme nie eine Zeit zu etwas, sondern handle allezeit nach der Beschaffenheit der Umstände bei den Menschen, und zwar als Vater bei den Kindern und als Gott bei den (Welt-)Menschen. Müßte Ich denn nicht grausam sein, so Ich sagen würde: „Im nächsten Jahre werde Ich Mein Gericht über euch losbrechen lassen“ – und täte es bestimmt, auch so ihr euch von Grund aus bessern würdet!? – Nun, urteilet selbst! – Und täte Ich es nicht, wäre Ich dann nicht ein barer Lügner!? Und wie vertrüge sich das mit Meiner Liebe und Meiner Heiligkeit?

3. Aus dieser wahren Ursache lasse Ich alle prophetischen Zeitbestimmer und Zeitrechner anrennen und am Ende zuschanden werden. Und so werde also nicht Ich, sondern werden die Menschen durch ihr Tun die Zeit unbewußt bestimmen. Und Ich werde dann kommen wie ein Dieb, wann sie es am wenigsten gedenken werden.

4. Eine zweite solche närrische Frage ist: Durch was für ein Opfer Ich zu etwas zu bewegen wäre? – Seht, eine solche Frage tut Mir weh von Meinen Kindern, dieweil Ich daraus erkenne, daß sie Mich noch für eine Art Götzen ansehen, statt in aller Wahrheit und Liebe für ihren einzig guten, heiligen Vater, der von euch nichts will als eure kindliche Liebe. – Eure kindliche Liebe, das ist das einzige Opfer, daran Freude hat euer Vater und größtes Wohlgefallen euer Gott!

5. Doch was die Rekrutierung betrifft, so ist sie der Weltübel größtes nicht, sondern nur eine Folge der Weltliebe – und somit mehr als Folge anzusehen denn als das eigentliche Böse selbst. Und so auch der Soldatenstand, welcher dauern wird, solange wie das Welttum aus der Eigenliebe der Menschen ... Daher sollt ihr euch nicht so viel daraus machen der Rekruten wegen. Denn seid vollkommen versichert, daß Meine Kinder nie Waffen tragen sollen, denn Ich bin ihre Waffe gegen alles Übel. Und so sie auch tun müßten gleich den Weltkindern, was nur selten geschehen wird und kann, so glaubet Mir, Ich werde auch da ihr Vater sein und ein starker Gott, ihnen zur scharfen, unbesiegbaren Waffe.

6. Sehet, es liegt sehr wenig daran, was ihr da waret auf der Welt, ob Landleute, ob Bürger der Städte, ob Soldaten, ob Fürsten, Könige und Kaiser. Sondern darauf kommt es an, wie ihr es waret – aus Eigenliebe oder aus Nächstenliebe oder aus Meiner Liebe in euch (d.h. aus Liebe zu Mir und daraus) zu den Nächsten. Danach wird sein euer Leben in der Ewigkeit.

7. Daß da im Soldatenstande wenig Religion anzutreffen ist, das weiß Ich wohl, auch daß dort die Ausschweifungen offenbar ärger sind als bei dem Bürgerstande. Aber dafür ist auch die Schuldstrafe strenger als die der Bürger. Und so wird doch manches verhütet, was bei dem Bürger oft freien Lauf hat.

8. Übrigens ist Mir die Religion, wie sie im allgemeinen unter euch ist, ebensogut wie gar keine. Denn wo nichts ist, da läßt sich noch etwas errichten, was da gut sein kann. Wo aber nur Schlechtes ist, da hat wenig Gutes mehr Platz. Alles Weltliche aber ist zugleich Höllisches und daher auch angefüllt mit allerlei Grausamkeiten, deren Lohn früher oder später nicht unterm Wege bleiben wird, so beim Bürger wie beim Soldaten.

9. Jedoch Meine Kinder sollen sich um nichts sorgen! Denn Ich habe den Unterdrückten und Notleidenden vieles zu geben, so sie nur zu Mir kommen wollen. Und die da auf der Welt Meinetwegen etwas verloren haben, so oder so – die werden es unendlichfältig wiederfinden dereinst im Schoße ihres guten, heiligen Vaters. – Amen.

 

Wie sollen wir die Propheten lesen, um sie recht zu verstehen? – 26. Mai 1840, von 3 bis 5 Uhr nachmittags

1. Solche Fragen könnt ihr immerhin an Mich richten, wenn es euch ernst ist, Meine Wege erleuchtet zu sehen. Und werde Ich euch darauf auch keine vollbestimmte Antwort geben, so wird aber doch ein Strahl durch alle Engelshimmel hindurch – von Mir ausgehend – euer Herz erleuchten und euer Verstand wird schauen und empfinden große, wunderbare Dinge des neuen Lebens aus Mir in euch, welches alles ist eine Wirkung Meiner Liebe in euch, wie auch alles auf den Erdkörpern eine Wirkung der Sonne ist, durch Meine Gnade.

2. Und sehet daher, so ihr einen Tropfen Wassers aus dem uferlosen Meere Meiner Gnade leset in den Propheten, müsset ihr ein starkes Vergrößerungsglas (nämlich das der Demut) nehmen – und dann den Tropfen auf die Tafel eures Gewissens stellen und darunter anzünden eine Lampe, angefüllt mit dem Öle des lebendigen Glaubens, damit die leuchtende Flamme stark zu brennen anfängt. Und so dann über dieser heißen Liebesflamme eure Gewissenstafel wird glühend geworden sein und ihr Bläschen werdet aufsteigen sehen, dann nehmet das Vergrößerungsglas und sehet damit den gischenden Tropfen an, und ihr werdet zahllose Wunder an und in ihm entdecken!

3. Da werdet ihr dann eine große Freude haben und eine eitle Lust. Aber da werdet ihr sie noch nicht begreifen. Und erst, so ihr euch dann in aller Liebe demütig an Mich wendet und Mich bitten werdet und stark wünschet Mein Gnadenlicht aller Himmel, dann erst werde Ich einen Strahl dahinschießen lassen wie einen Pfeil, der euch äußerlich ein wenig verwunden, aber dafür wecken wird euren Geist aus dem Schlafe des Todes. Der Geist aber wird dann in Meinem lebendigen Lichte all die zahllosen Wunder des Tropfens verstehen.

4. Und so werdet ihr dann lebendigen Geistes ewig zu schauen haben die Wunder in den Wundern durch das größte aller Wunder, nämlich durch eure lebendige Freiheit, durch die Liebe eures großen, heiligen Vaters in und über allen Himmeln! Amen. – Ich, Jesus, die ewige Liebe und das ewige Leben. Amen.

 

Dankesworte des Knechtes.

0. So wolle denn auch gnädig aufnehmen unseren schwachen Dank, wie Du, herablassend, uns armen, nichtswerten Sündern nun offenbarst so große und tiefe Geheimnisse, deren wir nicht wert sind auch nur im allergeringsten. Siehe, o guter, heiliger Vater, auf unser zerknirschtes Herz, da wir uns schämen, auch nur dankend mir unseren menschlichen Worten zu reden, nachdem wir Deine Worte voll Lebens vernommen haben.

0. O großer Dank, große Ehre, großer Ruhm sei Dir ewig, wie in den Himmeln, so auch in unserem Herzen! – Amen.

J.L.

 

Über den Eid oder Schwur. – 28. Mai 1840, vormittags

a1. Es fragt da einer nach dem Rechte und der Wahrgeltung des Eides oder Schwures, welches eine verständige Frage ist.

a2. Sehet, so Ich im Herzen irgendeines Menschen bin, dann hat er die Wahrheit in sich. Er tut, denkt und redet aus derselben heraus, und diese dreifache Beschäftigung ist in solchem Falle eine wahre Handlung und braucht nicht mehr denn Ja oder Nein. Alles darüber ist eine Sünde; weil da sowohl vom Eidfordernden als vom Eidlegenden ein schändliches Mißtrauen auf Meine unantastbare Heiligkeit gesetzt wird, die da ist die Urquelle aller Weis- und Wahrheit in Mir ewig.

a3. So aber jemand Mich nicht hat in seinem Herzen treulich, dessen ganze Handlung ist falsch und trüglich im Tun, Denken und Reden. Wie wollt ihr denn da in solchem Falle von dem Wahrheitlosen ein Wahrzeichen fordern und somit der Lüge Meine Heiligkeit als Sigill aufdrücken, damit ein weltrechtlich falsches Truggericht irgendeiner eigennützigen Behauptung eines Eigenliebigen die volle Geltung als rechtlich wahr erhalte!?

a4. Nun aber gebe Ich euch einen Rat aus Meiner Liebe, damit ihr Meine Heiligkeit schonet! – Sehet, wenn ein Eid euch ein sicheres Zeichen ist, kann es nicht ebensogut das bloße „Ja“ oder „Nein“ sein? – So ihr beleget den falschen Eid mit Strafe, desgleichen könnet ihr ja auch das „Ja“ und „Nein“!

a5. Ich rate euch, so jemand in seiner Aussage gelogen hat, entweder bejahend oder verneinend, dessen Name werde öffentlich vor allem Volke so lange infam erklärt, bis er in aller Demut in sich gegangen sein wird und öffentlich bekennt seiner Lüge Schuld, was dann die erste Wahrheit sein wird auf seiner Zunge.

a6. Dazu könnet und sollet ihr ihm auch nach Umstand der Sache entweder ein Drittel oder die Hälfte, auch wohl sein ganzes Hab und Gut als rechtliche Sühnung der durch einen solchen Lügner aus Eigennutz gemißhandelten Wahrheit abnehmen. Denn er soll nicht haben ein eigen Brot, noch Dach und Fach, da er die Wahrheit verabscheut hat!

a7. Und ihr könnet versichert sein, daß euch da selbst der schlimmste Bösewicht nicht anlügen wird. Eher wird er ganz schweigen, gleich den Geistern der Hölle, die da Meinen Namen nicht aussprechen können.

a8. Wer da gerecht ist im Herzen, dem glaubet aufs Wort, ohne Eid, so könnet ihr versichert sein, daß er die Wahrheit rede und dieselbe mit seinem Blute unterschreibe.

a9. Wer aber da hat ein treuloses, eigennütziges Herz, dem ist Gott ferne und die Hölle nahe. Von dem könnet ihr einen Eid um den andern fordern – aber fraget euch selbst wozu nütze?

a10. Daher sei eure Rede: „Ja, ja“ oder „Nein, nein“! Was darüber ist, ist eine Sünde im Geiste Meiner unantastbaren Heiligkeit.

a11. Das ist Mein Gesetz ohne eine nachträgliche Verordnung! Denn Meine Gebote stehen fest und leiden keine Abänderung wie eure heidnischen! – Amen. Ich, Jehova, die höchste Weisheit und Gerechtigkeit von Ewigkeit. Amen.

 

Irdische und himmlische Rechtsordnung. – 28. Mai 1840, Donnerstag, nachmittags

b1. Ich gebe euch im Folgenden einen Tropfen Weisheit – genießbar für euch endliche Geschöpfe durch Meine ewige Liebe. Denn als Gott habe Ich keine Kinder als das alleinige, ewige Wort in Mir, welches ist der alleinige Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe. Aber im Sohne bin Ich auch euer Vater und habe Wohlgefallen an euch, so ihr diesen Meinen lieben Sohn in euch aufgenommen habt und somit auch Meine Heiligung durch Ihn!

b2. Aber dieser (Weisheits-)Tropfen fällt auf den heißen Sand der wüsten Erde, da ihr damit wohl bereichern könnet euer Wissen, aber außerstande seid, zu handeln darnach, was doch die Hauptsache ist – da nur die Handlung, nie aber das bloße Wissen das ewige Leben bedingt.

b3. Sehet, all euer politisches „Recht“ beruht auf lauter Falschem und Bösem der Eigenliebe, welche die Erde abgemarkt hat mit Grenzsteinen, darauf überall steht „Mein“ und niemals „Dein“ – aus welchem unvertilgbaren Irrtume zumeist euere Vergehungen herrühren und weshalb auch ganz widerrechtliche Gesetze erfunden werden mußten, die jedem sein eingebildetes Eigentum durch Gewalt unerhörter Strafen, ja selbst durch den Tod, sichern müssen – während Ich die Erde, wie die Luft, wie das Wasser, wie den Regen und der Sonne Strahlen für alle gemeinschaftlich erschaffen habe, und von Mir keinem irgendein Vorrecht eingeräumt wurde.

b4. Nun aber ist die Erde abgezirkelt wie die Hölle, da jeder seinen bestimmten, unverlaßbaren Platz hat. Somit kann auch nur eine entsprechende Rechtspflege und können demgemäß auch nur ähnliche Strafen als Grenzen der Bosheit gesetzt sein. Und so können dann die Strafen, wenn sie der Bosheit angemessen sind, nicht anders als „rechtlich“ sein – aus der Hölle betrachtet, da alles, Ich sage es euch, wortgetreu aus ihr entnommen ist, so die Grenzsteine, so die Gesetze und so auch die Strafen.

b5. Sehet, bei solchen Umständen ist schwer zu raten aus den Himmeln, wo einer hat alles für alle und alle haben alles für einen aus Liebe – was euch lehret das Evangelium, da man zum verlangten Mantel noch den Rock geben soll, um allen Streitigkeiten auszuweichen. So ein jeder täte ein Gleiches, wie in den Himmeln, dann wären keine neuen Höllengesetze vonnöten, da dann keiner etwas besäße und somit auch frei bliebe vor jeder Beraubung oder Bestehlung.

b6. Nun habe Ich euch in aller Kürze gezeigt, wie die Sachen stehen. Aus solchem Grunde sollet ihr auch nicht euren himmlischen Vater in die Rechtshändel der Hölle nötigen und dadurch kränken Seine Langmut und große Geduld im Angesichte solcher Greuel und Frevel, und das um so mehr, da Ich ohnehin schon bewaffnet an der Türe stehe, um den letzten Rechtsspruch über die Erde hinzudonnern, damit der ganze Höllenplunder über den Haufen geworfen werde, dahin, wo dessen Verfasser schon lange seine bleibende Wohnstätte aufgerichtet hat.

b7. Beherziget wohl diese Meine Worte und handelt aus Liebe dabei, und es wird sich dereinst zeigen, wieviel Goldes in dem Kehricht der Hölle anzutreffen sein wird! – Amen.

 

Geduld zur Reife. – 30. Mai 1840, Samstag

An Jakob Lorber, wegen des Malers W.:

1. Es kann nicht gleichfort sein, wie du es dir wünschest, sondern der rechte Zeitpunkt, so Ich an jemanden ein Wort richten will, ist nur Mir allein wohlbekannt.

2. Die Zeit dessen aber, an den Ich nach deinem Wunsche ein Wort richten soll, ist noch nicht zur vollen Blüte gediehen. Daher noch eine kurze Frist, und zuvor viel Wasser des Lebens aus dem reichen Brunnen Jakobs! Dann klein sein und groß sehen, gut hören und stumm in der Rede sein! Nicht nur Sonnen zählen, sondern mehr noch das bescheidene Gras der Erde. Und nicht nur steigen auf des Mondes Berge, sondern sich vielmehr verweilen in den Tälern der Erde!

3. Siehe, mit Kindern rede Ich kindlich, mit Männern als Mann, mit Herren als Herr, mit Fürsten als Gott, mit allen Höhen als der Allerhöchste, mit Machthabern als der Mächtigste, mit den Großen als der Unendliche, mit den Sündern als Hirt und Richter. Und so rede Ich mit jedem der Genannten nach seiner Art als ein unerreichbarer Gott. Aber mit dem Mich in aller Demut Liebenden rede Ich als Vater, Mich wie ein Bruder zu ihm hinunterlassend von der Höhe aller unermeßlichen Höhen, als Allerhöchster in aller Meiner unendlichen Fülle.

4. Daher nur noch eine kurze Zeit bis das Eisen zu Gold wird durch den werktätigen Aufguß des lebendigen Wassers!

5. Ich, der rechte, alleinig-wahre Immanuel. Amen.

 

Bildnis des Herrn. – 1. Juni 1840, nachmittags

1. Was den frommen Wunsch betrifft, den da schon seit lange hat der Maler W., mehr im Kopf als in der Brust und deren Eingeweiden, so sage Ich, daß Mir gar kein Bild, weder aus Farbe, noch weniger aus Holz oder gar aus Metall oder Stein, angenehm ist.

2. Denn sehet, dieses alles ist nichts als eine Materie und somit tot. So ihr mich aber nun bildlich darstellet in der Materie, so stellet ihr Mich im Tode dar als ein Meiner Haut-Außenform ähnliches Wesen – was da oft schon ausgezogen hat den Lebendigen aus euren Herzen und hat an dessen Stelle hingeheftet ein totes Bild Meiner Haut.

3. Daher sollet ihr viel mehr trachten nach dem lebendigen Bilde Meiner Liebe und Meiner Gnade in euren Herzen, als nach dem getreuen Abdruck Meiner Haut! Denn gleich wie euer Leben nicht in der Haut, sondern nur im Herzen wohnet, also geht auch aus Mir alles Leben nicht von Meiner Haut, sondern aus Meiner tiefsten Tiefe in euch über – so wie naturgemäß alles Licht und alle Wärme der Sonne ausgehet aus ihrem Zentrum, da ein kleiner Funke Meiner Gnade und Barmliebe ruhend wohnet. – Sehet, das ist die Wahrheit!

4. So ihr aber dennoch wollet ein Bild Meiner Haut, so will Ich es euch auch geben wie dem israelitischen Volke einen König! Wehe jedoch denjenigen, die es anzubeten sich unterstehen möchten! Deren Seele wird matt werden, und deren Geist wird Mein Leben schwerlich je mehr voll in sich finden.

5. Das aber ist die Gestalt Meiner Haut, und zwar die des Kopfes, der Haare, Augen, Nase, des Mundes, der Ohren, des Kinnes und Halses:

6. Der Kopf sei 10 Zoll hoch, ohne die Haare, und 7 Zoll, da er ist am breitsten, ohne die Haare. Die Stirne habe 2/5 der ganzen Länge des Gesichts, und seien dann der Nase 1 1/2 Fünftel, und so von der Nase bis zum Ende des Kinnes ebenfalls 1 1/2 Fünftel gegeben.

7. Die Stirne sei eiförmig gebogen, ohne Falten, in der Farbe sehr licht, voll göttlicher Erhabenheit gegen die Haare, die da lichtgoldblond sein sollen.

8. Die Augen sollen sein groß. Blau die Iris. Die Pupille sehr schwarz verhältnismäßig zum Blau. Die Winkel rein. Die Wimpern frisch, die Brauen stark und dunkelbraun.

9. Die Nase sei gerade und edel, weich und nicht zu breit, auch nicht zu schmal.

10. Der Mund voll Würde und Anmut, halb offen wie beim Reden eines Liebenden zu seiner Braut, nicht zu schmal, noch zu weit, sondern gerecht, so die obere und so die Unterlippe, weich in den Winkeln und sanft in der Mitte.

11. Ein etwas hervorstehendes Kinn, nicht zu breit, noch zu enge, wohlgeschmückt mit einem etwas dunkler als die Haare gehaltenen Barte, letzterer abgeteilt gerecht in der Mitte des Kinnes. Der Bart soll sich eitel wenig verlieren längs den beiden Kinnladen und soll nicht mehr als 1/5 der Wange einnehmen. So soll auch der Ober-Mundbart sein gerecht, so daß weder die Lippen noch die beiden Mundwinkel beeinträchtigt werden.

12. Das Ohr aber soll sein genau nach dem Verhältnisse der Nase und soll sein frei von Haaren, welche hinter demselbigen eine Handbreit sanft gewellt über den Nacken fallen sollen.

13. Der Hals aber sei mittellang, vollkommen, wie der einer Jungfrau.

14. Der Ausdruck des Antlitzes soll darstellen einen Bräutigam voll Liebe im wehmütigen Anblicke seiner ungetreuen Braut, ähnlich dem mit liebevollstem Herzen Abschiednehmenden, mit einer Träne der reinen wahren Liebe.

15. Die Gestalt sei angetan mit einem himmelblauen, israelitischen, weiten Faltenrocke mit weißen, fingerbreiten Brämen, stehend, barfuß, die rechte Hand ausstreckend nach euch Sündern – gleichsam sagend: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken!“ – und die linke aufs Herz legend, gleichsam sagend: „Kinder, da ist der Weg des Lebens, da ist die Türe zum Vater! Wer nicht da hindurchgeht, der kommt nicht zum Vater!“

16. Dieses nun genau beschriebene Bild soll stehen wie auf einem Hügel, hinter dem eine große Glorie aufgeht. Zu Meiner rechten und linken Seite sollen sein zwei große Pfeiler, geziert mit zwei feurigen Cherubim. Und in der Mitte der Pfeiler befinde sich eine Gebottafel, getragen von einem Seraph. Von diesen zwei Pfeilern links und rechts ziehe sich eine starke Mauer fort.

17. Unter dem Hügel in der Ebene aber sollen dargestellt sein mehrere Menschengruppen, von denen wenige ihre Augen nach Mir wenden, die meisten aber, sich von Mir abwendend, auf klein zerbrochenen Gebottafeln stehen. Ganz im Winkel zur Linken befindet sich eine Rotte, Leitern an die Mauern legend und dieselbe erstürmen wollend, während die Leitern viel zu kurz und zu schwach sind, davon mehrere zerbrochene Stücke zeugen sollen.

18. Hinter Meinem Haupte zeigen sich ganz schwach – wie von lichtem Dunst umfangen – Teile der neuen Stadt der Heiligkeit Gottes, die soeben vor euch herabzusteigen angefangen hat.

19. Sehet, das ist dann ein vollkommenes Bild, wenn es wird, wie Ich es getreu angegeben habe. Aber es wird schwer sein, dasselbe recht zu machen ohne Meine Gnade. Wenn es aber der Maler W., der eiserne, will machen aus reiner Liebe zu Mir, dann wird die Gnade nicht unterwegs bleiben und das Bild wird in Erstaunen setzen alle, die es ansehen werden, wenn auch nur aus Vorwitz, und wird zerbrechen manches steinerne Herz, da es dann nicht sein wird ein bloßes Bild, sondern als solches ein inhaltsschwerer Anfangsbuchstabe des neuen Jerusalem, als was es auch allein angesehen werden sollte! – Amen.

20. Ich, Jesus, der wahre Christ voll Liebe und Weisheit! Amen.

 

Das vornehmste Gebot. – 2. Juni 1840, nachmittags

Auf eine Anfrage über Markus 12,30: „Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und mit allen Deinen Kräften! – Das ist das vornehmste Gebot.“

1. O ihr, Meine lieben Kinder! So kleine Dinge begreifet ihr nicht, die doch euer tägliches Brot sind und sein sollen?! Sagt, wie werdet ihr denn dann Größeres verstehen, etwa ein Evangelium der Kräuter, der Pflanzen, der Sträucher, der Bäume und all des Grases, so auch der Steine, der Erde, des Wassers, der Luft, des Feuers und all der Gestirne, wie auch all der Tiere, welches alles zeuget von Mir!? Und wie viel weniger werdet ihr hernach erst fassen Unbegreifliches, Geistiges und Himmlisches!? Wie wollet ihr einst speisen an der großen Tafel Abrahams, so alle eure Zähne (Weisheit aus dem Glauben des Wortes) hohl geworden sind von den Weltsüßigkeiten und somit unfähig, euer tägliches Brot zu verkauen, um welches ihr doch täglich in Meinem Gebete bittet (leider die große Menge ums Brot der Würmer!)!?

2. Sehet, die Ursache ist: Da ihr mehr liebet die Weisheit denn die Liebe und habt deshalb wenig Liebe und darum auch ebensowenig wahren Verstand als gerechte Mitgabe der Liebe.

3. Liebt ihr Mich aber zunächst wie die Kinder ihre Eltern vor der Zungenlöse, oder wie eine rechte Braut ihren Bräutigam vor der eigentlichen näheren Bekanntschaft – dann würden Ströme des Lichtes aus euren Lenden fließen!

4. Daher müsset ihr umgekehrt werden und zuerst lieben! Dann wird euer Glaube lebendig werden. Sonst aber wird euer Kopf angestopft mit allerlei, gleich dem Magen eines Ochsen, und euer Herz aber wird leer bleiben wie ein Windbeutel. – An euren Kindern aber sollt ihr euren Irrtum gutmachen – und dann werden wie sie.

5. Das ist aber das Verständnis jenes „täglichen Hausbrotes“:

6. „Aus ganzem Herzen“; hier ist unter „Herz“ zu verstehen der Geist des Lebens, der als treues Ebenbild Meiner Liebe in der Prüfungsperiode in euch und eigentlich die pure Liebe ist. – Dann „aus ganzer Seele“; hier ist unter „Seele“ zu verstehen ein ätherischer Leib des Geistes, der ganz durchdrungen werden soll von der Urliebe in ihr, damit sie dadurch lebendig werde in allen ihren Teilen. – „Von ganzem Gemüte“; hier sind unter „Gemüte“ zu verstehen eure naturmäßigen Wißtümlichkeiten, die da alle sollen gefangen werden von Meiner Liebe in euch, damit die Seele, als Leib des Geistes, Festigkeit bekomme mit Haut und Haaren und bekomme Füße zum Stehen und Gehen und Hände zum Greifen und Handeln und Augen zum Sehen und Ohren zum Hören und Nase zum Riechen und einen Mund, versehen mit all dessen Bestandteilen und tauglich, zu nehmen höhere und bessere Speisen und selber zu reden Worte des Lebens aus Mir – welches alles hernach sind „all die Kräfte“, die da auch sein sollen voll Liebe!

7. Sehet, das ist das kurze und sehr leichte Verständnis des kleinen Textes aus den Worten Meines lieben Markus und aller Gleiches Sagenden. Aber wohlgemerkt, nicht für euren Verstand, sondern für euer Herz habe Ich es euch gegeben, damit ihr Mich Meiner Bereitwilligkeit wegen doch endlich einmal sollet zu lieben anfangen, so auch alle übrigen Dinge von Mir nicht vermögen würden, euch zur Liebe zu Mir zu stimmen.

8. Daher fasset es wohl in euer noch leeres Herz, damit es täglich gesättigt werde mit dem Hausbrote der Himmel. – Das wünsche vor allem Ich, euer heiliger und überguter Gott, als Vater im Sohne Jesus-Jehova. – Amen, Amen, Amen.

 

Die bösen Sieben. – 4. Juni 1840, nachmittags

Über Lukas 11,24-26: „Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchirrt er wüste Gegenden und suchet dort eine Ruhestätte; und wenn er keine findet, so sagt er: ‚Ich will in Mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe‘. Wenn er dann hinkommt, findet er es schön gefegt und aufgeräumt. Hierauf geht er hin und holt sich noch sieben andere Geister, die schlimmer sind als er selbst; und sie ziehen ein und wohnen dort; und das Ende wird bei einem solchen Menschen schlimmer als der Anfang“.

1. Sage dem A. und allen seinen erwachsenen Angehörigen, als welche sind: dessen Weib und Töchter: „Wer da suchet, der findet; wer da klopfet an, dem wird aufgetan; und wer da bittet, dem wird gegeben, um was er bittet, in der Fülle!“

2. So jemand ein Weib hat, und das Weib liebet ihren Gemahl im stillen, daß es nicht merken möchte die Welt, da sie meint, es werde die Welt Unordentliches von ihr denken (so sie merken würde, daß sie mit ganzem Herzen an ihrem Gemahl hänge), daher tut sie äußerlich kalt und geschämig und läßt ihren Leib nicht berühren, während sie doch innerlich brennt vor Begierde. So nun der Gemahl alle seine Mühe vergebens verwendet, sein Weib heimelich und ganz ergeben zu machen, sie aber stets schüchtern bleibt, teils ihrer Weiblichkeit, teils der Welt, teils aber der Dumm- und Narrheit wegen – was wird wohl dieser Gemahl tun?

3. Ich sage, er wird sein zimperlich dummes Weib aus Liebe in ihrer Narrheit lassen bis an ihr Ende und wird sie nicht mehr auch nur mit einem Finger berühren, wird aber seinen Samen legen auf fremden Boden, da viel Unkraut und Disteln sind, und wird sich denken: „Kann ich da auch keine Ernte halten, so will ich mir doch einen Samen ziehen, der da sei meines Namens für eine künftige Saat und reiche Ernte.“

4. Und Ich sage, dieser Mann hat, dieses als Züchtigung seinem Weibe, recht getan, da er es aus Liebe tat. Und Ich sage nun auch euch: dieser Gemahl bin Ich, und das sehr dumme Weib seid ihr!

5. Nun habe Ich euch schon so oft angreifen und an Mein Herz drücken wollen, doch ihr entwindet euch allezeit durch allerlei Weltschüchternheiten und narrheitsvolle, gleichsam demütige, weltzüchtige Gründe. Ihr haltet die Mir gehörige Liebe verschlossen in euch und meinet, es werde die Zeit schon kommen, da Ich kommen und euch anblasen werde, damit ihr Mich dann unermeßlich lieben könnet. Oder ihr meinet auch, Ich werde diese Liebe in euch schon bemerken (vielleicht durch irgendein Mikroskop). Allein ihr irret euch. Und so ihr beharret darin, so werde Ich tun wie der Gemahl und euch in eurer Zimperlichkeit lassen.

6. Daher seid offen, wie Ich es bin! Und redet mit Mir im Vertrauen und in offener, freier Liebe! Und Mein altes Buch wird keinen Buchstaben haben, aus welchem euch nicht ein siebenfältiges Licht entgegenstrahlen wird. Und in eurem Herzen werdet ihr, mit großer Schrift enthüllt, das Geheimnis der großen Geisterwelt lesen.

7. Nun so sehet und höret das Verständnis der drei Verse des Lukas!

8. So ein Mensch sittlich und recht lebt nach dem äußeren Gesetze und hält dasselbe aus eigenem Antriebe und aus dem Gefühle des Rechtes streng und genau und besiegt so auch standhaft durch den dem Verstande untergeordneten Willen jede Versuchung – da sieht dann der Versucher und Verführer, daß in diesem Hause für ihn nichts zu machen ist. Und so verläßt er es denn ärgerlich – und fährt von dannen; durchsucht dann alle solche dürren Stätten auf der ganzen Welt. Und da er sieht, daß an solchen Stellen weder guter noch böser Samen Wurzel fassen kann, so sagt er bei sich selbst: „Wo keine Feuchtigkeit ist, da gibt es Wüsten und somit keines Bleibens daselbst für mich. Was soll ich nun tun? Ich will wieder umkehren und sehen, wie nun meine erste Besitzung aussieht!“

9. Er kehrt sich um und geht eilends dahin. – Nun findet er die Stätte ganz gereinigt und wohl geschmückt mit Tugend und Siegeskränzen. Es gefällt ihm nun sehr wohl daselbst, aber er fühlt sich zu schwach, wieder davon Besitz zu nehmen, da er nur ein Geist des Fleisches ist.

10. Da kehrt er zurück zur Hölle und nimmt dort sieben Geister mit, jeder ärger denn er – als da sind: einen großen Schmeichler, einen großen Heuchler, einen großen Lobredner, einen Ehrgeizigen, einen Stolzen, einen Verächter und Verleumder und endlich noch einen Hof- und Zeremonienmeister und einen Fein-, Wohl- und Vielschmecker, hinter welchem letzten auch er selbst sich wieder befindet. Und so kommt dann diese böse Rotte, bekommt leichten Einlaß und nimmt vollen Besitz darinnen.

11. Und so arg auch immer der erste Zustand war unter den Anfechtungen des Fleisches, so wird aber doch dieser zweite Zustand um vieles ärger sein als der erste, da der Wunsch dadurch sich in seinem Selbsttum gefangen gegeben hat aller Bosheit, da all sein Rechttun nicht aus Liebe zu Mir, sondern aus einer Eigenliebe hervorging und daher verzehret hat alle (wahre Lebens-)„Feuchtigkeit“ in sich, daher er auch keine Früchte mehr zu tragen imstande war und somit dürr und wie tot wurde.

12. Denn sehet, Ich allein bin das Leben in euch – einzig durch eure Liebe zu Mir, durch die rechte Haltung der Gebote sowohl im Handeln, wie im Reden, wie im Denken aus Liebe zu Mir.

13. Und möchtet ihr auch handeln so emsig wie die Bienen und Ameisen – so ihr nicht das alles tut aus Liebe zu Mir, welche euch allein Kraft und Leben gibt, zu widerstehen der Hölle und allen ihren ferneren Versuchungen – so werdet ihr niemals Ruhe finden, weder hier noch dort. Es wird euch ergehen wie den erwähnten Tierchen, denen Honig und Brut genommen wird, trotz ihrer stechenden und zwickenden Waffen, indem sie nur bloße Geschöpfe sind und geleitet werden durch den Instinkt, gleichwie ein Mensch, der seinen Willen hat gefangennehmen lassen vom kalten Verstande und ließ unbeachtet stehen die Liebe und somit auch seine Freiheit und das wahre Leben aus ihr.

14. Sehet, das ist das Verständnis dieser drei Verse! – Daher hütet euch vor dem Verstande, so er anderswo herrührt als allein aus Meiner Liebe! Lasset ihn stets derselben untertan sein, gleichwie die Gottheit untertan ist Mir, ihrer ewigen Liebe; sonst werdet ihr werden gleich einem solchen gefegten und geschmückten Hause, wie das Gleichnis der drei Verse es euch zeigt. – Amen.

 

Über Kindererziehung. – 8. Juni 1840, Pfingstmontag, abends 7-10 Uhr

O Herr, wie sollen die Kinder erzogen werden, damit sie fähig werden möchten, dereinst Deine Kinder zu heißen?

1. Nun, so schreibe! – Es ist das eine gut und recht gestellte Frage, worauf Ich euch eine vollbestimmte Antwort geben will. Aber sehet zu, so Ich euch ein rechtes Licht hierin gebe, daß ihr getreue Hirten werdet eurer kleinen Herde, die euch gegeben wurde aus der Tiefe, damit ihr sie bringet zur Höhe aller Demut und dadurch auf den Weg alles Lebens durch das leuchtende Feuer Meiner Liebe. Aber es wird euch viel Mühe machen, und diese Mühe soll sühnen eure Fleischeslust, die ihr mit euren Weibern vielfach getrieben habt, wodurch euren Kindern erteilt wurde das Kleid der Hure und ein Denkmal im zerstörten Jerusalem und ein weites und tiefes Grab unter dem Schutte Babels.

2. Denn sehet, wäret ihr wiedergeboren gewesen aus dem Geiste Meiner Liebe, dann hättet ihr die Jungfrau, die ihr zum Weibe begehrt habt, zuvor reinigen können in den Strömen des lebendigen Wassers, das da in unendlicher Fülle entströmt wäre eurem Wesen. Und so wäre dann eure Ehe eine himmlische gewesen, und eure Kinder (gezeuget in der Lust der Engel, welche ist eine wahre Einung der Liebe mit der Weisheit), wären dann Kinder aus den Himmeln und wären schon zur Hälfte wiedergeboren, darin der Geistessame bald gedeien würde zur Frucht in der neuen Erde, die da ist gelegt in den großen Gärten des neuen Jerusalems. Und die Erziehung wäre euch zur großen Freude geworden im Angesichte eures heiligen Vaters.

3. Da ihr nun aber eure Ehe geschlossen habt in der Finsternis der Welt, zu verrichten die Werke des Todes und zu zeugen Früchte der Hölle, das da sind eure lieben, verzärtelten Kinder – so ist es auch schwer, der Brut der Schlangen das Gift zu nehmen. Und es kann dies nicht anders geschehen, als durch die gänzliche Abtötung des Fleisches und volle Gefangennehmung des Willens, weil der Eigenwille solcher Kinder ein rein höllischer oder satanischer ist, da auch nicht ein Funke ist, der da wäre ein himmlischer.

4. So ihr aber meint, Ich sage hier zuviel, da entgegne Ich: Prüfet eure Brut, und ihr werdet nichts finden als: Eigenliebe, Neid, Zorn, Trägheit, Unlust gegen alles Ernste und einen heimlichen, entschiedenen Widerwillen gegen alles Göttliche, weshalb sie nur durch Strafen oder (welt-)sinnliche Belohnungen können bewegt werden, irgend einige magere Sätze aus den harten Katechismen zu erlernen.

5. Und nun denn, so ihr solches bei euren Kindern gefunden habt, dann saget und bekennet offen, daß Ich euch das nun nur aus Meiner übergroßen Liebe des Heils eurer Kinder und eurer selbst wegen sage, daß eure Kinder wahre Kinder der Hölle sind!

6. Wollet ihr nun aus eurer Brut neu zeugen Kinder der Liebe, so müsset ihr blind sein gegen eine niedliche und geschmeidige Fratze und taub gegen jeden ihrer törichten Wünsche und müsset schon frühzeitig gefangennehmen jeden Funken ihres bösen Eigenwillens, damit da Raum werde für Meine Liebe und für einen neuen Willen daraus.

7. Alles, was die Kinder starrsinnig begehren, müsset ihr ihnen versagen, und wäre es auch Gutes, damit nicht der ihre, sondern euer Wille lebendig werde durch die Ergebung und den gerechten und heilsamen Gehorsam in ihren Herzen.

8. Strafet allezeit den Eigensinn und den Unwillen, die Trägheit, die Unlust zum Göttlichen, vorzüglich aber eine sich heimlich im Herzen aufhaltende Geringachtung heilsamer Ermahnungen sowie Meines Namens und alles darauf Bezug Habenden.

9. Beim Rechttun belobet nicht und noch weniger belohnet die Kinder! Saget ihnen freundlich ernst, daß sie ein Werk des neuen Willens ausgeführt haben, worüber der Vater im Himmel schon eine kleine Freude habe. Und hat ein Kind aus eigenem Antriebe in einer pflichtfreien Zeit als Erholung des Leibes etwas getan, das da scheine, als wäre es etwas Gutes, dann fraget es ja haarklein aus, was es dazu bewogen habe. Und habt ihr es bis auf den Grund erfahren, ob es aus Eigenliebe, oder aus Liebe zur Pflicht, oder aus Liebe zu euch, oder aus Liebe zu Mir geschehen ist, so richtet danach allezeit euer Miß- oder Wohlgefallen.

10. Aber mit euren Liebkosungen seid sparsam wie der Winter mit den warmen Tagen, damit die Fruchttriebe nicht zerstört werden in einer folgenden Versuchung, gleich den Blüten des Frühlings durch einen späteren Reif. Jedoch lasset häufig kalte Winde wehen, damit die Pestluft um die jungen Herzen zur Wohlfahrt des Geistes gereinigt werde.

11. Die Knaben lehret blindlings gehorchen und lasset sie die Ursache des Gebotes in Meiner Liebe erkennen. Und bestrafet deren Neugierde und zu große (zuchtlose) Spielsucht und weiset sie strenge zur Ruhe.

12. Die Mädchen aber haltet daheim und lasset ja nicht auch nur die allerleiseste unziemliche Begierde in ihnen wach werden, sei es in was immer. Und willfahret ja nie auch nur im allergeringsten irgendeinem Wunsche, bevor euch nicht klar geworden die geheimste Quelle desselben.

13. Hütet sie sorgfältigst vor Zusammenkünften mit fremden Kindern, die eine Welterziehung genießen, sonst habt ihr selbst schwere Hagelwolken zusammengezogen. Und da wird nicht eine Ähre des Weizens verschont bleiben.

14. Mit dem Alter gehe auch eure gerechte Strenge siebenfachen Schrittes vor.

15. Höret eure Kinder lieber weinen in der Kränkung ihrer verderblichen Eitelkeit als frohlocken in ihren allezeit hochmütigen Weltfreuden, damit ihr gleich werdet den Engeln im Himmel, die große Freude haben an den reuig Weinenden der Welt.

16. Ein zorniges Mädchen soll fasten siebenmal so lange, als ihr Zorn gedauert hat, damit sie sanft werde wie eine Taube.

17. Eure Liebe sei ihnen verborgen, wie Ich euren Augen, damit die neue, zarte Frucht nicht ersticke in der Hitze eines unzeitigen Feuers. Und in dem Maße wie die Frucht sich zeiget, die aus den neuen Samen des Himmels sproßt, und fester und fester wird, und wie sicht- und sichtbarer wird in ihren Herzen die wahre, reine Liebe zu Mir und daraus ein werktätiger Glaube, so auch öffne sich euer Herz in verständiger Liebe zu den geistig neugeborenen Kindern.

18. Sehet, das ist der Weg des Lebens für eure Kinder! Und das ist der einzige, und außer diesem gibt es keinen, wie es außer Mir keinen Gott mehr gibt. Wer ihn wandeln will, der wird Segen finden und erkennen, daß er aus Mir ist. – Wer aber tun wird nach dem Buche der Welt, der wird auch da seinen Lohn sicher finden bei dem Fürsten der Welt im Pfuhle der Ewigkeit. – Amen. Ich, Gott, der Allerheiligste, und Jesus, als Vater. – Amen.

 

Poesie des Himmels. – 9. Juni 1840

1. Da K. G. L. auch ein Dichter ist nach der besten menschlichen Weise und ein wohlbereitetes Herz hat und ein Mann ist voll guten Willens gegen Mich und Freude hat an Meiner Liebe, auch ein großer Freund ist Meiner Weisheit und sehr fröhlich ist, so er hört Mein neues Wort und liest Mein altes – so will Ich ihm zeigen die Poesie des Himmels, welche ist eine Umgangssprache daselbst und lautet wie da folgt als ein kleines Beispiel:

2. In der Himmel reinen, weiten Kreisen, / nach der Engel liebevollen Weisen / singen alle übersel'gen Brüder / reine, Mir allein geweihte Lieder.

3. Erstens singen sie von Meiner Liebe, / aus des Herzens reinstem, heil'gem Triebe; / dann erbrennen sie in höchster Wonne, / so sie sehen Mich als Gnadensonne.

4. Und wenn deren reinste Lichtesfülle / ganz durchleuchtet ihres Geistes Hülle, / dann durchschauen sie in schönsten Normen / zahllos Meiner Liebe Wunderformen.

5. Wonne drängt da Wonne in die Herzen, / reich an wohlbekannten süßen Schmerzen, / welche sind des Himmels höchste Gaben, / da sie wonnemüde Engel laben.

6. Wenn dann überselig sie geworden, / sammeln sie sich in verklärten Horden; / dann ertönt ein Lied aus aller Munde, / das Ich hier euch sag zur treuen Kunde.

7. „Vater!“ singen sie ganz liebetrunken, / „Vater!“ singen sie in Mich versunken, / „Vater!“ ist das Wort auf jeder Zunge, / „Vater!“ ist der Hauch aus jeder Lunge.

8. „Groß ist Deine Macht und groß die Ehre, / zahllos Deiner Liebeschöpfung Heere, / ungemessen Deiner Wege Tiefe, / unbegreiflich Deiner Allmacht Griffe.

9. Wer hat je geschaut der Gottheit Augen? / Wer kennt all der Wesen weises Taugen? / Wo ist wohl ein so verständig Wesen, / das da könnt' die Schrift der Wunder lesen?

10. Sehet hin in nie geahnte Tiefen, / wie sie voll von neuen Wundern triefen! / Sehet dort des Vaters Liebe walten, / sehet Seine Weisheit Sich entfalten!

11. Seht hinab zur Hölle, seht die Toten, / seht dahin, die Menge guter Boten / tragen frohe Kund' in ihren Händen, / um auch dort Verlor'ne zu vollenden!“

12. Und wenn sie sonach betrachtet haben / Meiner Liebe große Wundergaben, / und wie Meiner Weisheit Gnadenspenden / ja zur Hölle selbst die Engel senden –

13. dann entbrennen sie in Lieb' von neuem, / daß darob selbst Sonnen sich erfreuen / und dann heller leuchten in die Welten, / was euch heit're, schöne Tage melden.

14. Dann ergießen sich durch alle Kehlen / einer Stimme süßen Klanges Wellen, / lautend bald wie großer Wasser Rauschen, / bald als wenn die Winde sich durchtauschen.

15. Singend so nach dieser schönen Weise, / sagend Mir die kleine Stroph' zum Preise: / „Lieber Vater! Sieh' in Deiner Gnade / auch der armen Brüder dunkle Pfade!

16. Sieh' hinab der Erde Kinder wallen, / hör', o Vater, ihre Klagen schallen! / O befreie diese schwachen Brüder / von der grausen, bösen, gift'gen Hyder!

17. Vater, mache auch der Schlange Kinder, / ja, so möglich, selbst den Erzerfinder / allen Trugs und Fürsten aller Lügen, / sich bescheiden Deiner Allmacht fügen!

18. Und so nur Dein Wille uns beschiede, / was da nötig, daß der heil'ge Friede / in der Welten Tiefe mög' erstehen, / Vater, laß geschehen, was wir flehen!

19. So sind wir bereit zu dienen allen / Brüdern auf den finst'ren Erdenballen. / O erhöre unser kindlich Flehen, / laß die Toten gnädig auferstehen!“

20. Seht, daß sind die reinen, frommen Weisen, / wie ihr sollt den heil'gen Vater preisen, / schauen Seiner Allmacht große Werke, / loben Seiner Liebe heil'ge Stärke.

21. So wird euer Treiben, Tun und Dichten / euch so manche große Zweifel lichten. / Wenn ihr aber tut nach eurer Weise, / bleibt ihr Narren, selbst als hohe Greise.

22. Und wenn alt geworden sind die Bäume / und ganz leer des Lebens heit're Räume, / dann ist's wohl zu spät, um auszugleichen / Krummgemachtes aus der Jugend Streichen.

23. Nachwort: Und siehe, Mein lieber Karl, Ich habe eine große Liebe zu dir, da du suchest Meinen Namen eifrig zu reinigen und zu verherrlichen in deinem Herzen. Aber etwas habe Ich noch wider dich, das da ist, daß dich noch Reden menschlicher Weisheit erbauen. Denn siehe, der Geist erbauet den Geist, die Liebe die Liebe, der Mensch den Menschen – so auch die Welt die Welt, wie ein Flitter den andern. So du aber nun geschaut hast in Meine Tiefen, so laß das überseichte Zeug der Welt, daran nichts als unreife Tollkirschen hängen, die da kein nütze sind.

24. Ich sage dir, tue nur, was Ich dir rate! Denn Ich bin schon deinem Herzen sehr nahe gekommen. Und so du glaubst und willst, sollst auch du Mir bald ein tüchtig Rüstzeug werden und schauen selbst nie geahnte Tiefen, die Ich in dein eigen Herz legen will.

25. Dann erst wirst du ein wahrer Dichter werden und ein Mann nach Meinem Herzen! – Amen. – Ich, dein lieber Jesus, Amen!

 

Der Vater bei den Konzilien, in den Kirchen und – im Kinderskreise. – 29. Juni 1840

1. Wo ihr immer zwei oder drei und auch noch mehrere in Meinem Namen und in Meiner Liebe versammelt seid, da bin Ich auch mitten unter euch – aber nicht wie bei den Konzilien, da Ich niemals inmitten war. Denn bei den Konzilien, da hatte man sich versammelt in der Absicht wie der jüdische Rat vor dem Hohenpriester Kaiphas und beratete sich unter Meiner vermeintlichen Inspiration um die Vorrechte und Heiligkeit des Hierarchen und dessen Unfehlbarkeit und berechtete und berechnete den großen Verlust der zeitlichen Einkünfte des Stuhles und kümmerte sich wenig um Mich und ließ Mir mit der allergenausten Not kaum so viel Raum, als Ich einer Milbe im Weltenraume. Mein äußerlicher Name, gleich wie der einer andern geschichtlichen Person, und einige Bruchstücke Meines Wortes, daraus ein heidnischer Blindglaube und eine tote Liebe, eine systematische Götzenverehrung und ein aus ihr hervorgehender Zeremonienkult, sind das einzige, was Mir noch gelassen wurde.

2. Dadurch wurde Ich jenen Herrschern gleich(-gestellt), die von ihren Beamten als ein Deckmantel aller ihrer Niederträchtigkeiten auf den Thron gestellt werden und sich noch sehr hoch gefallen lassen müssen, daß diese, ihnen beinahe allezeit unbewußt, ihren Herrschernamen als amtliches Kraftsigill gebrauchen, um damit ihren Dekreten und Verordnungen eine alleroberste Rechtskraft zu verschaffen.

3. Sehet, geradeso ergeht es Mir in den meisten Meiner Kirchen. Überall sucht man Mich den Blicken Meiner Kinder zu entziehen und stopfet ihre Ohren mir leerem Schall, damit sie nur Meine Vaterstimme nicht vernehmen sollen. Man hält ihnen hölzerne Christusse vor die Augen, damit sie ja den Lebendigen nicht sehen sollen, und macht mit dem Geläute der Glocken ihre Ohren taub für Meine Stimme und läßt nicht laut werden in den Herzen Mein lebendiges Wort!

4. Sehet, daher trete Ich nun als euer Alles in eure Mitte und warne euch vor dem Sauerteige der eigennützigen Pharisäer, damit ihr allezeit das Angesicht eures heiligen Vaters schauen möget und höret Sein lebendiges Wort: Werdet klein wie die Kindlein, damit Mein Reich das eurige werde! Denn darinnen liegt die größte Weisheit – wie in der Liebe die höchste Seligkeit!

5. Dir aber, Du Mein lieber „Wortemsig“, will Ich den Trost geben, wie auch deinem Mir schon recht liebgewordenen Weibe, daß Ich deine Kindlein in Meinem Buche aufgezeichnet habe. Sage Ihnen, daß Ich sie zu Kindern angenommen habe, als wären sie aus Meinem Segen hervorgegangen, und daß Ich auch ihnen ein liebevollster, heiliger Vater sein will!

6. Und so will Ich ihnen auch am heutigen Tage einen kleinen Wunsch beilegen, nämlich, daß sie ja fleißig ihren Willen gefangennehmen sollen in allem, was Ich durch Meinen Knecht angeordnet und kundgegeben habe und noch kundgeben werde – und daß sie den willigsten Gehorsam ihren daraus unterrichteten Eltern leisten sollen! Dann werden sie alle recht bald schon erkennen und in sich wahrzunehmen anfangen, was das heißen soll, Mich zum Vater zu haben, der so unermeßliche Schätze und Reichtümer zum verschenken hat an jene Kinder, die Mich lieben.

7. Ihr aber, Meine lieben, noch sehr wenigen Freunde, seid heiter und fröhlich in eurem Herzen! Denn Ich bin bei euch und freue Mich mit euch, so ihr Freude an Mir habt. Und diese Freude wird euch ein heller Stern sein, so ihr die Welt verlassen werdet. Sie wird euch treu geleiten auf der weiten Reise in Meine großen Himmel und wird euch dort, wie auch zum Teil schon hier, führen in Meine große Stadt! – Amen.

8. Nun also – seid fröhlich! Und wer von euch mit Mir reden will, der rede! Und Ich werde den Mund und die Zunge lösen in der Stunde Meinem armen Knechte. Aber ferne sei von euch aller Vorwitz und desto näher die Liebe eures Herzens! Amen. Ich, euer liebevollster Vater in Meinem Sohne Jesus! Amen, Amen, Amen.

 

Ehelicher Rat. – 6. Juli 1840

1. So schreibe denn an den Bruder, der da ist ein Oberverwalter einer sehr zerrissenen Stadt, in welcher viel Hurerei geistlich und leiblich getrieben wird, daß Ich mit Wohlgefallen seine Bitte vernommen habe und ihm deshalb auch eine Lehre aus Meiner Liebe gebe.

2. Doch muß er glauben, daß Ich helfen kann, und muß sein Glaube lebendig sein in der Kraft des Willens und der höchsten Liebe. Und dann muß er nicht sein Weib fürchten des Geldes wegen und ihr nicht deswegen, wenn auch ungern, nachgeben (was er gewiß nicht täte, so er ein armes Weib hätte). Denn er soll nur gedenken des reichen Jünglings im Evangelium, und es wird ihm daraus klar werden, wie schwer es einem Reichen ist, in Mein Reich zu kommen. Jedoch, was bei den Menschen oft gar so unmöglich erscheint, das ist bei Mir doch gar wohl möglich. Denn sehet die Erdbahn um die Sonne, wie Ich sie geteilt habe in Tage und Nächte, zu umschließen einen vollen Kreis des Jahres! Und Ich sage, bis jetzt war noch keinem Rechner möglich, die „Quadratur des Zirkels“ zu entdecken, welche doch von Mir als Basis aller Planeten- und Sonnenkreise gelegt ist!

3. Aber die Menschen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht! Daher sehen sie auch nicht den Wald in einem Samenkorne. Und so sieht auch Mein lieber Sohn das große Übel schlecht und meint, es liege im Kleinen. Ich rate ihm daher, nach Meiner Art den Nagel auf den Kopf zu treffen, ohne Scheu und ohne Furcht. Denn wer aus wahrer Liebe handelt um Meines Namens willen, dem darf niemals bangen. Und wer Mich zu verherrlichen sucht in dem Herzen seines Bruders, seiner Schwester und um so mehr seines Weibes, der Kinder und ihretwegen – wahrlich, sage Ich, der wird nie zuschanden werden.

4. Das aber ist der kurze Rat: Für alles, was Ich dir anzeigen werde, sollst du dich ernstliebend auf das Zeugnis der Schrift berufen und deinem Weibe zeigen, durch Wort und Tat, daß du das Haupt bist und sie nur der Leib, daß sie dir gehorchen müsse nach Meinem Willen, wie die Sarah dem Abraham und die Maria ihrem lieben Joseph – aus welchem Grunde Ich auch allezeit Meine Befehle dem Joseph, nie aber der Maria, die Mich doch im Leibe getragen hat, gegeben habe, damit Meine Ordnung, aus welcher heraus alle Dinge gemacht worden sind, auch nicht im allergeringsten verkehrt würde.

5. Und hast du dieses getan, so zeige dann deinem Weibe, daß das wahre eheliche Glück nur darin besteht, daß ein Verhältnis zwischen Mann und Weib gleich wird dem zwischen Gott und dem Menschen oder zwischen Geist und Seele oder zwischen der wahren Kirche und einem bestehenden Staate und in dergleichen wahren Verhältnissen mehr.

6. Ferner zeige deinem Weibe, daß es mit den in ihrem Herzen über ihre Männer sich erhebenden Weibern geradeso steht, wie mit den Atheisten oder Gottesleugnern, denen die Nächte zu langen Folterbänken werden, besonders wenn sie dazu auch noch die zeitlichen Güter verlieren, was meistens von Mir aus zu geschehen pflegt, damit dann endlich, wenn sie noch nicht gar zu weit gesunken sind, doch noch eine Rückkehr möglich wird.

7. Der Mann lernt Mich erkennen in seiner Liebe zu Mir, das Weib aber in der Liebe des Mannes. Wie kann aber ein Weib sagen: Ich liebe meinen Gemahl, wenn ihr nicht jedes seiner Worte und Wünsche heilig ist? – Daher ist bei der Ehe für den Mann das Wichtigste, sich zuvor ganz erkennen, damit er sehe in welchem Verhältnisse das Weib zu ihm steht und dann das Weib richte nach seines Geistes Kraft.

8. Aber wenn der Mann in seiner eigenen Blindheit ein wahrer Willens-Schwächling ist und auch nur in einem Punkte seinem Weibe bei einer unrechten Sache nachgibt, so hat er einen Krebs auf seinen dummen Stamm gepfropft, und da wird bald nicht eine gesunde eheliche Lebensfaser mehr anzutreffen sein.

9. Daher soll der Mann nicht eher ehelichen, bevor er sich selbst ganz durchschaut hat!

10. Das Geld sei dir entbehrlich, so du Meine Gnade hast! – Du aber sei deinem Weibe unentbehrlich, da sie Meine Gnade noch nicht hat! Was nützt ihr Geld und Gut ohne Meine Gnade!? Und hat sie diese durch das fromme Herz des Mannes, so wird sie ihr Geld mit verbundenen Augen ansehen.

11. O Mein lieber Sohn, siehe, Ich kenne dein Weib viel besser, als du sie je kennen wirst. Daher glaube Mir, dein Weib hat einen dreifachen Hochmut: Sie ist stolz auf ihr Geld; sie ist stolz, dein Weib zu sein, deines Amtes wegen, worin ihre Neigung zu dir besteht; denn wärest du nur zu einem Abschreiber befähigt gewesen, so wäre sie nie dein Weib geworden! Da sie sich aber nun sehr reich wähnt und noch dazu so ziemlich keusch ist, so ist sie auch stolz gegen dich, welches du jedoch nicht so sehr merkst, und das zwar aus einer gewissen Gewohnheit. Aber berühre sie nur einmal an der kitzlichschwachen Seite, so werden dir Meine Worte alsogleich klar werden.

12. Daher zeige ihr fürs erste, daß du das Haupt bist und Ich der Herr bin! – Fürs zweite zeige ihr, daß ihr Geld dir außerordentlich entbehrlich ist und daß sie dir noch obendrauf, wie auch Mir durch dich, für die taxenfreie Verwaltung ihres Vermögens den größten Dank schuldet, welcher in der wahren Liebe und in der daraus erwachsenden demütigen Erkenntnis deiner männlichen Rechte zu bestehen hat. Und fürs dritte zeige ihr das Evangelium vom reichen Prasser und das vom reichen Jünglinge; fordere zuerst von ihr die Erklärung in der ernst-freundlichen Art, und dann aber erkläre es du ihr, wobei Ich dir schon helfen werde.

13. Dann lasse sie auch Mein neues Wort sehen und zeige ihr, worin der ewige Tod und worin das ewige Leben besteht, was die Wiedergeburt ist, worin sie bestehet und wie sie zur Erreichung des ewigen Lebens unumgänglich nötig ist und wie ohne dieselbe mit dem zeitlichen Tode auch der geistige unerläßlich verbunden ist.

14. Alles dieses tue alsogleich, so wird mit Meiner starken Mithilfe schon noch alles gehen. Und binnen Jahr und Tag hast du ein anderes Weib aus ihr gemacht. Noch schneller wird es gehen, so du sie mit deinem Fleische unberührt lässest und dafür betest in deines Herzens Kämmerlein.

15. Nach einer Zeit kannst du sie auch mit Meinem Knechte J. L. bekannt machen. Denn der hat einen starken Donner in seiner Brust verschlossen!

16. Nun handle, und Meine Gnade wird nicht unterm Wege bleiben! – Amen! – Ich, Jesus, der beste Ratgeber. Amen, Amen, Amen!

 

Falsche und rechte Wohltätigkeit. – 7. Juli 1840, Dienstag, nachmittags

1. Jeder arme Hilfsbedürftige ist ein nächster Bruder zu Mir, wie der Geizend-Reiche zum Satan.

2. So Ich euch Reichen, Wohlhabenden und Vermöglichen Meine armen Brüder vor eure Türe sende, so denket, daß Ich Meine Liebe von euch noch nicht zurückgezogen habe.

3. Aber habt ihr es einmal dahin gebracht – Ich rede hier im allgemeinen –, daß die Armen sich nicht mehr vor eure Wohnung zu kommen getrauen, dann wisset, daß Meine Liebe sich bei euch auch für alle Zeiten beurlaubt hat. Ein solcher Reicher steht dann weltlich, zum verführerischen Scheine, unter der Protektion der Hölle. Aber in allem seinem vermeintlichen Glücke ist auch nicht ein Fünkchen Meiner Liebe und noch viel weniger Meiner Gnade vorhanden.

4. Der nämliche Fall ist auch bei jenen Welt- und Geld-Reichen, die des Ansehens und einer gewissen Pflicht wegen entweder viel oder wenig als Almosen geben. – Und ein Greuel sind jene sogenannten „milden“, Ich möchte sagen und sage: „Huren-“ Beiträge, welche aus gewissen, Mir über alles verhaßten Tanz-, Spiel- und vielen andern Belustigungsgelegenheiten sparsam herrühren, bloß nur des Namens wegen, um der öffentlichen Buhlerei einen desto freieren Spielraum zu gönnen! O der ewigen Schande, Mir in den Kapellen des Satans einen Opferaltar zu errichten!

5. Daher sollet ihr, Meine Lieben, nicht handeln, wie die Kinder der Hölle tun, sondern eure Gabe sei von niemandem gesehen als von Mir, von den Armen und von euch. Und jeder gebe reichlich nach dem Verhältnisse seines Vermögens!

6. Denn wahrlich, wahrlich sage Ich euch: Ihr werdet um einen Pfennig eine Erde und um einen Trunk lebendigen Wassers eine Sonne bekommen und werdet daselbst Fürsten sein! – So ihr es aber tun werdet aus reiner Liebe zu Mir, da, Freunde, sage Ich euch nichts als das: Fürs erste wird keiner den Tod je sehen, noch fühlen schon in seinem Leibesleben; denn sein süßes Sterben wird ein gar großes Erwachen sein in den Armen seines heiligsten Vaters. Und was, fürs zweite, dann heißen wird: „ein Freund Gottes zu sein ewig“ – das, Freunde – o bedenket, Wer euch Seine Freunde nennt! – das könnet ihr nicht fassen!

7. Nun aber wird euch Mein Knecht einen armen Mann zeigen – er ist doppelt arm, am Leib und am Geiste, helfet ihm zuerst leiblich, dann aber auch geistig! – Wer der erste sein wird, der wird viel Freude haben. Tuet und fraget nicht: „Wem?“ – sondern dem, der euch vorgeführt wird, helfet! Er ist euer Bruder, und ums weitere sollet ihr euch nicht kümmern, wollet ihr wahre Kinder sein eures Vaters im Himmel, der Seine Sonne über Gute und Böse scheinen läßt und zu essen gibt sogar den reißenden Tieren. – Amen! Ich, Jehova, euer Vater! Amen, Amen, Amen.

 

Von Bällen und Vergnügungsstätten. – 17. Juli 1840, vormittags

a1. Das sage Ich dir, als Meinem faulen Knechte, um dir die Ursache der Anwiderung anzuzeigen, welche dich befällt, so du vom Tanze, der „Redoute“ der „Réunion“, dem „Balle“, „Casino“, und so auch jetzt ganz besonders von der schlechten Fundation der sogenannten bürgerlichen „Ressource“ irgend etwas vernimmst.

a2. Die Anwiderung ist sehr gerecht, da sie vom Geiste herrührt. Denn es ist eine Tanzunterhaltung, eine „Réunion“ und ein „Ball“ ein offenes Grab voller Unrat. Das „Casino“ ist ein Aas(-haufen) von großen toten Amphibien. Und eine solche „Ressource“ ist ein Abgrund, da in der untersten Tiefe der Satan ein blumengeziertes Faß aufgestellt hat, damit man den hie und da doch mancher geistig empfindlichen Nase sich bemerklich machenden groben, verführenden Gestank seines Unrates nicht merken solle.

a3. Wenn der Weisheit schon weniges genügt, so habe Ich dir mit diesen kurzen Worten alles gesagt. Aber es sollen auch deine Freunde sich davon ein Notabene nehmen. Und so ist es noch nötig, ihrer beschränkteren Einsicht wegen, noch ein paar Worte hinzuzufügen.

a4. Der Satan nämlich hat mit Leidwesen und vielem Ärger gesehen, daß in dieser Stadt mehrere bessere Familien sich seinen belustigenden Verführungen, des Gestankes wegen, nicht haben fügen wollen. Darum hat er nun ein Mittel erfunden, nämlich in einem unendlich tiefen Abgrunde, da hat er zuunterst ein großes, wohlverschlossenes Faß aufgestellt; den Abgrund der Hölle aber hat er wohlverdeckt mit schönen, sehr glatten Brettern und den Abtritt geziert mit sehr wohlriechenden Blumen der Welt – damit ja niemand etwas Arges auch nur ahnen solle!

a5. „Denn“, sagte er sich selbst, „hier will ich mir eine gute Mahlzeit bereiten und will vom zarten Fleische der Kinder zu leben anfangen und nicht immer das zähe Fleisch der ausgemergelten Huren fressen; die sollen in der Zukunft meine (Höllen-)Engel verkauen und verdauen. Ich werde mich hinter den wohlriechenden, anlockend schönen Blümchen verborgen halten, da mich niemand bemerken soll. Und so dann die blumensüchtigen Kindlein hinströmen, werde ich sie ergreifen, verschlingen, verdauen und sie als feinen Unrat hinunterlassen ins Faß im Abgrunde. Da sollen dann die Eltern sehen, wie sie dieselben von da wieder herausbekommen, so wahr ich, Satan, der Mächtigste bin! Einen Fixstern vom hohen Himmel zu reißen, soll ihnen leichter sein, als da heraus auch nur ein Haar eines Kindes, sei's eines Fräuleins oder auch Jünglings, zu retten!“

a6. Da habt ihr geoffenbart des Satans eigenes Wort und eigenen Plan! – Was meinet ihr, wie Mir eine solche Anstalt gefalle?!

a7. Ich habe euch jetzt väterlich und göttlich fürsorgend die große Gefahr in aller Meiner unbestechbaren Wahrheit gezeigt. In der ganzen Tiefe seiner Bosheit steht der Satan entblößt vor euch, Meinen wenigen Kindern. Daher beherziget wohl Meine Liebe und diese aus ihr fließende große Gnade eures heiligen Vaters und seid auf der Hut! Denn wer den Feind sieht, der kann ihn fliehen. Wehe aber den Blinden und Tauben und denen, die sich nicht kehren werden nach Meinem Rate! Ich will eher in allen Höllen Meine Engel senden, zu bekehren die Verirrten und erleuchten die Finsternisse alldort, als daß Ich ein solches Faß auch nur mit einem erbarmenden Blicke ansehen würde! – Amen. – Wohlgemerkt, das sage Ich, Gott von Ewigkeit. Amen.

 

Wichtiger Erziehungsrat. – 17. Juli 1840, Freitag, mittags

b Auf Anfrage des A. H., ob er einem jungen Manne, der sich bei ihm gemeldet, die Erziehung seiner Kinder anvertrauen könne.

b1. Sage dem A. H.: Ich habe sein Herz geprüft und habe in demselben einen redlichen Sinn gefunden! Ich will ihm einen Rat geben; den soll er wohl beherzigen und danach handeln!

b2. Niemand kann etwas geben, das er nicht hat! Zum Erziehen aber gehört nicht nur ein gutes, williges Herz, sondern ein wohlunterrichtetes, von Mir gezogenes Gemüt. Denn wer sich noch nie von Mir hat ziehen lassen und nicht weiß, wo und wer Ich bin und wie Ich wirke – wohin soll dann ein solcher die Kindlein ziehen?!

b3. Daher behandle diesen jungen Menschen als einen doppelt Armen! – Du kannst deine Kinder von ihm unterrichten lassen im Lesen, Schreiben und Rechnen und noch in anderen blinden Wissenschaften. – Aber was Mich betrifft, da kann es nicht sein. Da sollst du, soviel die äußere Kirche anlangt, die Kinder lehren lassen von einem gescheiten Kaplane; jedoch das Herz sollst du allein treu bearbeiten nach Meiner dir gegebenen Lehre.

b4. Was aber den jungen Menschen insbesondere betrifft, so steht er gleich jedem in Meiner Liebe und kann, wenn er will, leicht wie irgendein anderer, Meine Gnade finden und das Leben aus ihr.

b5. Führe ihn daher zu Meinem Knechte, damit ihm dieser den Weg zeige. Und so er ihn wandeln will, wird es ihm zum größten Nutzen sein, zeitlich und ewig.

b6. Doch soll er nicht im allergeringsten gezwungen werden, sei es durch was immer; sondern soll selbst den Rat Meines Knechtes als das höchste Mittel betrachten lernen, damit Ich ihm zum Bedürfnisse werde, und wäre er auch mit allem versorgt.

b7. Du aber siehe ihn allezeit verständig ernst an. Und so du etwas wider ihn hättest, müßtest du es ihm allezeit nur unter vier Augen sagen.

b8. Er hat sich zu richten nach dem Rate Meines Knechtes und dir allein zu gehorchen. Und in diesem Gehorsam in ihm sollen auch die Kinder strenge gehorchen in allem sie Betreffenden, von dir für sie Verordneten. Jedoch überall leuchte Mein Wille hervor!

b9. So du Mir gehorchest, wird dieser Gehorsam sichtbar werden an dem Menschen und so auch an den Kindern. Und ihr könnet dann bald als eine kleine Herde unter Mir, dem alleinig guten Hirten, stehen. – Amen. Ich, der alleinige gute Hirte! – Amen.

 

Weltsinn und Herzenslicht, Nachtrag zum „Engel“. – 17. Juli 1840, nachmittags

c1. Hinsichtlich Meines Engels(-liedes) sage dem aufrichtigen K. G. L., er kann es ja aus Liebe zu Mir mit seiner extra feinen Welt-Sprachbildung versuchen, Mein großes Lied umzuarbeiten nach seiner Einsicht und nach seinem Urteile. Und hätte er es nachdem so zum Stande weltlichen Glänzens gebracht, dann möge er es sich vorlesen und auch euch allen, damit ihr den Unterschied merket und merken sollet.

c2. Ich sage, es wird wohl eurem Kopfe behagen, aber eure Herzen werden kälter werden, je mehr ihr abweichen werdet von der Urschrift. – Denn sehet, die Sachen verhalten sich so: Wenn man spricht zum Ohre, dann ist eine gebildete Sprache nach weltlicher Art ja recht, da das Ohr weltlich ist. So ihr redet zum Auge, so müsset ihr in gutbeleuchteten Bildern reden nach weltlicher Art, da das Auge weltlich ist. Ferner, so ihr redet zu den Füßen, muß eure Rede geläufig sein, um zu heben die weltlichen Füße. Redet ihr zum Gaumen oder Magen, da muß eure Rede süß sein, wenn sie euch behagen solle. Und wenn ihr zum seichten, (Lebens-)wasserlosen Herzen eines Mädchens redet, dann muß auch eure Rede sein gleich ihrem Herzen, äußerlich voll Blümchen, innerlich aber voll Unsinns, welche Art euch natürlich nicht viel Mühe kosten wird, denn da heißt es – je dümmer und unsinniger, desto schöner und beliebter!

c3. Allein unter allen diesen Bedingungen habe Ich euch dieses Mein Gedicht nicht gegeben, sondern nur unter der alleinigen Bedingung der Liebe eures Geistes in der Seele und in deren Leibe, aber nicht in deren Exkrementen.

c4. Daher sollet ihr es auch dort erfassen, für wo es euch gegeben ist, und mit eurem Weltverstande ferne sein, der ein wahrer Krebs ist dem Geiste, da er verzehret die Liebe und tötet den Willen. Wie aber das Mark genährt wird aus dem Herzen, so soll auch euer Verstand wachsen aus der Liebe und sein eine gute Frucht aus dem Leben des Stammes – nicht aber gleich einer Schmarotzerpflanze an den Ästen des Lebens, dasselbe zu untergraben, zu ersticken und endlich gar zu vernichten.

c5. Das merket euch, ihr Wißbegierigen! Was liegt Mir an aller Wissenschaft und Bildung der Welt! Fraget euch, ob ihr auch nur einen Grashalm damit zuwege bringen möget!? Ja, es liegt sogar an der Weisheit nichts, sondern allein an der Liebe!

c6. Daher liebet Mich – das ist Mein Reich! Alles andere wird euch gegeben nach Maßgabe eurer Liebe! – Amen.

c7. Ich, die Ewige Liebe und Weisheit! Amen, Amen, Amen.

 

Vom geistigen Schauen und Vernehmen. – 24. Juli 1840

1. Seht, es steht noch so manches Geheimnis hinter Meinem Rücken und so manches Wort in Meiner heiligen Brust voll Lebens und voll Kraft, voll Liebe, voll Erbarmung und voll Gnade, wovon ihr noch keine Ahnung je gehabt habt, und weshalb ihr sagen würdet: „Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß!“ – O ja, das ist wohl ganz richtig und solch eine Bemerkung wäre bei weltlichen Wißtümlichkeiten wohl recht gut anzuwenden – aber nicht bezüglich Meiner großen Gnade, in der Unendliches für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten zu eurem stets sich mehrenden und wachsenden Wohle in der tiefsten Verborgenheit vorhanden ist.

2. O Freunde, glaubet Mir, daß Ich es bin, der euch dieses alles sagt! Und glaubet – so auch eine Ewigkeit um die andere verrinnet – daß ihr noch werdet sagen müssen: „Gibt es denn keine so geringe Zahl, auch in der gebrochensten Potenz, nach welcher wir unsere Erkenntnisse zu Gott in irgendein mögliches Verhältnis zu bringen imstande wären?“ – Und da wird eine Stimme aus eurer Brust euch antworten, und diese Stimme wird kommen von Meinem Herzen und wird sagen: „Es gibt keine solche Zahl! – Immer und ewig seid ihr nichts in all eurer Weisheit! Ich aber bin alles in allem! Und ihr könnt alles sein in und durch Mich – in und durch euch selbst aber ewig nichts!“

3. Sehet, daher habe Ich euch noch gar vieles zu sagen, was Ich Selbst den Aposteln zu sagen vorenthalten habe, da sie es nicht ertragen hätten, indem sie nur notzeitige Früchte waren, reifgemacht durch Meine nötigende, sichtbare Gegenwart. Allein da ihr ohne Meine Sichtbarkeit liebet und glaubet, seid ihr auch fähig, Größeres zu ertragen. Und so sollt ihr nun wieder erfahren, was euren Geist unaussprechlich stutzen und staunen machen wird. – Daher merket wohl, was Ich euch hier in der Kürze mitteilen werde, und fasset es tief in eurem Herzen!

4. Sehet, alles, was ihr euch nur immer gedacht und geträumt habt, jetzt denket und träumet und noch in alle Zukunft denken und träumen werdet, geht ewig nicht verloren. So, wie es in euch vorging – geradeso werdet ihr es einst getreu wesenhaft wiederfinden und es alsogleich als das Eurige erkennen und euch daran erfreuen oder betrüben. Das ist zu berühren nötig gewesen, um das Künftige eurem Verständnisse näherzuführen. Denn wer da nicht weiß und sieht, daß in ihm die ganze Schöpfung kreiset, lebt und webt, der kann auch nicht den Grund seiner Triebe, Begierden und Gedanken fassen.

5. Seht in eurem Geiste liegt die ganze Unendlichkeit wesenhaft begraben, und dazu noch jedes einzelne Unendlichfältig. Daher kommt es auch, daß ihr euch z.B. eine zahllose Menge Erden, Sonnen, Bäume, Tiere, Menschen usw. nebeneinander denken könnet, d.h. ihr könnet in euch eine und dieselbe Erscheinung, Erde, Sonne, Baum, Tier, Mensch usw., ins Unendliche vervielfachen. Denn wäre es nicht so, so würdet ihr mit eurem Denken bald zu Ende sein. – Und dieses geht auf folgende Weise vor sich – um es euch recht verständlich klarzumachen:

6. Nämlich so ihr zwei sehr lichte Spiegel gegeneinander stellen würdet, so würde sich einer in dem andern vollkommen abbilden. Dieses Abbild spiegelte sich dann wieder in dem ersten ab, und diese Abspiegelung dann wieder im Abbilde des zweiten – und so immer gegenseitig A. in B. und B. in A., und natürlich so immerfort. Geradeso ist es mit euch! Eure Seele ist für die Außenwelt ein solcher Spiegel und euer Geist (ist es) für die innere Geisterwelt. Daher kommt es denn auch, daß alles und jedes einzelne in euch unendlichfach vorhanden ist, und daher auch bei dem Geiste die schnelle Gegenwart dessen, was er gedacht und gewollt hat.

7. Ihr wißt nun aber, je feiner poliert irgendein Spiegel ist, desto reiner wird auch das Abbild. So ihr nun eure Seele durch die Demut recht poliere, damit sie zu einer völlig geebneten Fläche wird, indem ihr jegliche Erhöhung benommen ward, so werdet ihr bald Wunderdinge in euch zu schauen beginnen, nämlich: durch die Seele die Außenformen, und durch den Geist aus Mir aber, welcher eine Seele des Geistes ist, den vollen Inhalt jeden Gegenstandes.

8. Und Ich setze denn ein Beispiel: Ihr dächtet einen Stein oder einen Baum, ein Tier oder was immer, so werdet ihr dessen Außengestalt zuerst ersehen. Dann aber wird sich das Licht des Geistes in die Seele ergießen und wird dieses Bild durch und durch erhellen. Und so werdet ihr dann ein solches Ding durch und durch zu erschauen imstande sein. Wenn dann nun der Seelenspiegel durch das Licht des Geistes gar fein glänzend wird, so werden sich die Innenformen in der Seele abzuspiegeln beginnen und dadurch auch eurem Verstande sichtbar werden, als sehet ihr sie mit den Leibesaugen. Und so ihr dann reden wolltet mit einem solchen Dinge, dann wird Mein Geist in euch, von dem aus alles, vom Größten bis zum Kleinsten, nichts als fixierte oder gefestete Gedanken sind, in das gedachte Ding treten und aus demselben reden vom Urgrunde aus.

9. Seht, da liegt nun enthüllt vor euren Augen, Ohren und Herzen, wie einst Adam und Abel und viele andere mit aller Schöpfung haben reden können und auf welche Weise auch ihr euch in die Verbindung mit der Geisterwelt setzen könntet, so ihr fest wollet.

10. Deshalb solltet ihr aber auch zuvor eure Seele recht „polieren“, damit ihr alles dessen fähig würdet! Denn es gibt noch gar vieles, was von Mir Zeugnis gibt. Aber ihr seid noch zu töricht und unsinnig, um in der Schöpfung Meinen Namen zu merken. Daher schleifet, glättet und polieret fleißig an eurer Seele, so werdet ihr die Welt bald mit ganz anderen Augen anschauen und zu keinem Ende Meiner Wunder gelangen ewig!

11. Ein guter Schreiber aber gehe nächstens mit Meinem Knechte bei guter Zeit und Gelegenheit an einen Felsen oder sonst einen Naturgegenstand, und Ich werde denselben reden machen in Meinem Knechte. Und das Kundgemachte soll der Schreiber aufzeichnen und ins Reine bringen als ein gutes Zeugnis dieses Meines Wortes!

12. Denn sehet, es liegt nichts daran, wie ein Ding sei im Raum und in der Zeit; aber es liegt alles daran, wie euer Leben ist außer beidem. Mit den Augen des Fleisches nehmet ihr wahr Dinge außer euch; mit den Augen der Seele in euch, und mit den Augen des Geistes schauet ihr aus dem Zentrum der Dinge und so auch eures Wesens. Aber erst durch den Hinzutritt Meines Geistes werden alle Dinge sprachfähig und lebendig durch und durch.

13. Seht, Ich, euer heiliger Vater, zeige euch vieles! Darum seid emsig in der Liebe, damit Meine Gnade nicht unterm Wege bleibe! – Amen.

 

Ein Wort über die Fürbitte. – 28. Juli 1840, mittags

O Herr, ich danke Dir demütigst wegen Spanien! Darf ich noch ferner für dasselbe beten? Und tat ich recht, für dasselbe gebetet zu haben?

1. Siehe – sagst du nicht: So die Kunst in niederer Gewinnsucht nach Brot ringt, ist sie wenig nütze; und wird der Kunst nicht Brot gereicht, hat sie sich erst gefunden in ihrer Wahrheit!?

2. Wie meinst du aber, daß mein Dienst sei, wenn die Knechte ringen nach weltlichen Dingen – nach Brot, Gold und Macht der Erde!?

3. Siehe, es gibt kein Land gleich diesem, das du nanntest, welches mehr der schändlichen Hurerei getrieben hätte, leiblich und geistlich, und mehr als dieses verbrannt und gemordet hätte Meine unschuldigen Kindlein zu allen Zeiten. Könntest du sehen und zählen wie ich, wie viele unschuldige Mägdlein von den überfalschen Horden der Mönche geschändet und dann lebendig begraben und eingemauert wurden, wie viel Knaben der sodomitischen Unzucht geopfert wurden; zu wie vielen tausend und tausendartigen unerhörten Schändlichkeiten, Betrügereien und Greueln man vorzüglich geistlicherseits seine niederträchtige Zuflucht nahm, um auch nur einen geringen zeitlichen Zweck zu erreichen; wie man da öffentlich fluchte über Mein geschriebenes Wort, weil es nicht passen wollte als Unterlage aller erdenklichen Greueltaten – dann würdest du wohl sehr klar gesehen haben, wonach daselbst Mein sein-sollender Dienst gestrebt und gerungen hat!

4. Und so jeder Arbeiter seines Lohnes wert und würdig ist, so habe Ich auch diesen Arbeitern den lange schon sehr wohl verdienten Lohn gegeben, als abschreckendes Beispiel wegen des Hierarchen schon zeitlich – und behielt Mir das Ewige für jenseits vor!

5. Daß du aber gebetet hast dann und wann, war ja recht. Tue desgleichen nur und anhaltender! Denn der Nutzen wird auf deiner Seite sein, wenn du dich übest in Meiner großen Liebe. Aber denke dabei stets, daß Meine Gerichte allezeit gerecht sind und nur diejenigen treffen, welche sich derselben schon lange wohl verdient gemacht hatten.

6. Wäre Huß nach Meinem Rate klug statt eigensinnig gewesen, gleich dem Nicolaus Kopernikus, der da war ein kluger Rechner in Meiner Schöpfung – so wäre er nicht im Feuer zugrunde gegangen. Denn Ich sage dir: Ihr sollet allezeit den Satan betrügen mit der Klugheit eurer Sanftmut. – Amen. Ich, der gerechte Richter, Amen.

 

Ein Quellen-Evangelium. – Bekundungen am Ursprunge der Andritz, nördlich von Graz, in der Nähe von St. Veit. – 30. Juli 1840, um 3/4 5 Uhr nachmittags

Lorber spricht aus, was ihm die Quelle, d.h. der Herr namens der Quelle, sagt. – Schreibende: K. G. L.; Andr. H.; Ans. H. –

1. Bevor ich (die Quelle) euch meine Wesenheit zeige, ist es vor allem notwendig zu wissen, woher und wie ich zur Entstehung komme.

2. Mehr denn 4000 Klafter tief in einer schiefen Richtung gegen Morgen ist eine weite, große Öffnung, welche bei der Bildung der Berge durch das göttliche Feuer entstanden ist. Daselbst in dieser Öffnung sammeln sich alle Wasser, die von den Bergen aus der feuchten Luft angesogen werden. Und da diese große, weite Öffnung auf diese Weise fast beständig voll erhalten wird und die Last der über dieser Öffnung erhöhten Gebirgsmassen wie auch die in dieser Tiefe schon sehr verdichtete Luft auf die Gewässer drückt, so wird nicht nur auf dieser Stelle, die ihr soeben sehet, sondern auch noch auf vielen andern Stellen dieses unterirdische Wasser sowohl durch kleine als auch durch größere Öffnungen und durch hohle Gänge der Berge ans Tageslicht heraufbefördert. Denn seht, daß ich auf diese Weise zur Oberfläche der Erde, auf der ihr euch befindet, herauf- und nicht in die Tiefe hinabbefördert werde, wie mancher meinen würde, geschieht aus dem Grunde, weil die Unterlage dieser meiner unterirdischen Wohnstätte, was ihr das Bett nennet, ein festes und sehr gediegenes Gestein ist, in welchem ich wie in einem Kessel ruhe.

3. Doch gibt es in diesem Kessel drei mannarmsdicke Adern, welche in nordöstlicher Richtung mehr denn drei Meilen tief unter dem Berge, den ihr „Schöckel“ nennt, hinziehen, allda noch ein weit größerer Kessel und Wasserbehälter vorhanden ist, welcher ebenfalls durch die Entstehung des benannten Berges mittelst des göttlichen Kraftfeuers, das da ist die Liebe des Vaters, entstanden ist!

4. Ursprünglich hauste in diesen Öffnungen noch viele Jahrhunderte daselbst das Feuer und brannte im Innern unablässig fort. Und als das Wasser durch die Klüfte während des Feuerwallens hineindrang in Massen, wurde ich schon unterm Wege durch die heißen Klüfte beinahe verdunstet und verzehrt. Und meine ruhige Kraft ward rege gemacht durch das Feuer und mußte die unterirdischen Massen an das Tageslicht fördern helfen. Jedoch als nach und nach diese Klüfte durch das Losreißen von Teilen größer und größer wurden, und ich dadurch ebenfalls in stets größeren und größeren Massen dahin dringen und fallen konnte, um zu sänften den großen Übermut des Feuers, welches, obschon aus der Liebe des Vaters stammend, doch aber als Feuer einen bedeutenden Zornteil der Gottheit in sich faßte – da erlosch nach und nach dasselbe in den untern Teilen des Kessels und brannte nur noch dann und wann in den höheren Regionen der aufgeworfenen Massen, noch zwei Jahrhunderte hindurch.

5. Endlich aber, als nach dem Willen des Schöpfers die Berge ihre gerechte Form, Höhe, Breite und Last erhalten hatten, da sandte die Ewige Liebe einen guten kleinen Engelsgeist und ließ das Feuer gänzlich ersticken.

6. Es glaube da ja keiner, daß ein solcher bergebeherrschender Geist eine Fabel sei! Denn da der liebevollen Macht des Ewigen unendliche, zahllose Heere von Geistern liebewillig untertan sind und die größte Freude und Seligkeit darin finden, so ihnen die Liebe des Herrn nur irgendwo etwas zu tun gibt, so gewährt denn die Liebe des Herrn auch gerne, was diese Geister liebend begehren.

7. Seht, wie ihr mich da vor euren Augen seht, dringe ich nur durch kleine Äderchen bei hundert Klafter weit herauf zu dieser sichtbaren Stelle. Und seht, wäre nicht auch meinem Zuge ein wohlwollender Geist zugeteilt und reinigte er nicht meine Wege, so würden diese, schon lange durch meine stumpfe Ungeschicklichkeit verstopft oder sonst zugrunde gerichtet worden sein. Aber eben dieser mir zugeteilte, meine Wege bewachende Geist erhält diese meine kleinen Wege beinahe über ein Jahrtausend in derselben schönen, ruhigen und sanften Ordnung und läßt mich, des sprechenden Beispiels wegen, nicht trübe werden – damit Menschen, die mich meiner Reinheit und stillen Zurückgezogenheit wegen gerne besuchen und ihr Auge ergötzen an meiner heiteren Frische und Klarheit, sich erinnern und wohl bedenken sollen (wenn sie irgend auch nur eines reinen, Gottes würdigen Sinnes sind), daß Reinheit und klare Anschauung bis in den Grund des eigenen sowohl als auch eines andern Wesens einzig und allein nur durch ein ruhiges und bescheidenes Auftreten in der stillen, in sich gezogenen Einsamkeit von Gott bewirkt werden kann.

8. Einst wohnten in dieser Umgegend mehrere fromme Menschen, deren Sinn Gott und deren Tun nichts als Liebe war. Diese Menschen kamen fast täglich mit frommen und einfältigen Herzen an diese Stelle, da ihr soeben euch befindet. Und wenn sie nun daselbst eine Gott wohlgefällige Betrachtung, Andacht und Aufopferung ihres Tagewerks dem Herrn vollbracht hatten, da kam allezeit von der Stelle dort zur linken Hand des Monuments (welches erst vor gar kurzer Zeit unwürdig daher gesetzt wurde), dieser selbe gute Geist hervor und lehrte die fromme Schar Gottesliebe und Weisheit, Gehorsam und Demut und in diesen auch Gottes große Liebe und daher auch allerlei wundervolle Geheimnisse der Natur kennen.

9. Und da unterhielten sich dann diese Menschen mit diesem Geiste stundenlange. Und er verließ sie nur, sobald ihn eine notwendige Handlung abrief. Da hättet ihr sollen zugegen sein und schauen meinen Spiegel, so hättet ihr gesehen, daß vor Gott alles Freude gibt und für Freude empfänglich ist. Ich sage euch nur soviel – aber es soll euch nicht lächerlich vorkommen – ich hüpfte wie eine muntere Tänzerin in meinem kleinen Becken, und die Steine lachten mir klatschend ihren sinnvollen Beifall herab.

10. Aber die jetzt lebenden Menschen, welche noch weit materieller geworden sind als diese mich umgebenden, verwitterten Steine, dürften wohl nimmer ein solches naturgeistig-heiteres Schauspiel erleben. Denn wer nicht das Leben des Geistes unter dem Einfluß der Geister des Himmels durch Gehorsam und Demut vor dem allmächtigen Schöpfer in sich lebend gemacht hat, dessen Leben ist bloß ein materielles Leben und wird unterhalten von den Geistern der Materie, welche in ihn kommen durch Speise und Trank. Ein solcher Mensch, da er dadurch wieder zur Materie wird, kann mit seinen materiellen Sinnen auch nichts sehen, hören und empfinden als nur die Materie, aus der er ist, leibt und lebt.

11. Allein ganz anders verhält es sich mit dem demütigen und gehorsamen Geistesmenschen. Dieser sieht nicht nur die Materie, sondern er sieht in der Materie das ihm verwandte, ursprüngliche (Geistes-)Wesen lebendig und weise walten und erfährt durch bescheidene Unterredung mit einem solchen Geiste die tiefsten Aufschlüsse über die vielartige, hie und da ganz, hie und da zerstört, wie auch oft völlig aufgelöst scheinende, gröbere Materie. Aber nicht nur mit einem Geiste wird er sich in redende Gemeinschaft stellen können, sondern da gibt es für jedes Reich der sichtbaren, sowohl lebenden als lebendscheinenden, wie auch gänzlich tot scheinenden Natur viele Geister, mit denen er eine belehrende Rede anbinden kann.

12. Seht, so ihr meinen Spiegel betrachtet, werdet ihr so manche Bewegungen meiner Oberfläche gewahr werden: eine ordentliche, regelmäßige, kreisförmige, die aus meinem Innern bewirkt wird – und eine andere, unordentliche, unregelmäßige, unförmige, die durch äußere Umstände, meinen Spiegel störend, bewirkt wird.

13. Sehet, die erstere Bewegung wäre euch, so ihr in dem Leben des Geistes wäret, nicht nur eine durch grobe materielle Umstände bewirkte Bewegung, sondern ihr würdet eine gar wunderbare, wohlleserliche Schrift durch den allmächtigen Finger Gottes in großer Klarheit entdecken. Allein, da ihr dessen nicht fähig seid, so will Ich euch zum Schlusse in der Kürze etwas von diesem geistigen ABC und dessen tiefsinniger Bedeutung kennen lehren.

14. Diese kreisförmige Bewegung entsteht durch ein aus meinem Innern emporsteigendes materiell-geistiges Bläschen, durch welches (verwundert euch nicht über das, was ich euch kundgeben werde) ein gesänftetes Geistwesen aus dem zu harten Drucke der toten Materie befreit wird; woraus ihr euch auch folgende, geistig entsprechende Lehre nehmen könnet, daß auch euer Geist fürs erste auf eine ähnliche Weise aus der Materie entbunden wurde und daß er ebenfalls in euch – wo er ebenfalls noch an die Materie gebunden ist – den nämlichen Weg aus dem Innersten eures Wesens bis zu eurer Oberfläche wandern und da sich ebenfalls in solcher geordneten, gottesähnlichen Kreiswirkung offenbaren soll, um euer ganzes Wesen, das an und für sich materiell ist, gleich wie meine spiegelglatte Oberfläche in eine wohlgeordnete Bewegung zu versetzen. Meine Stellung aber sei euch auch ein entsprechendes Bild, daß dies gottähnliche Leben des Geistes um so schöner wird, je mehr ihr euch zurückgezogen habt von der von außenherstürmenden bösen Welt.

15. Dieses wenige, was ihr hier vernommen habt, ist alles, was ich von mir und aus mir zur Stunde euch mitteilen kann und darf. Jedoch so ihr von eurem Geiste auf eurer Oberfläche ähnliche Lebensbewegungen wahrnehmen werdet, wie ihr sie auf meiner spiegelglatten Oberfläche sehet, dann kommet wieder und lernet an meinem kleinen und seichten Ufer Wunderdinge der göttlichen Liebe und Macht tiefer erkennen! – Amen.

 

Jedem das Seine. – 2. August 1840, nachmittags

1. Es gibt unter euch einige, die sich bei Meinen Offenbarungen durch die Dinge der Natur von manchen Skrupeln und daraus erwachsender Traurigkeit, ihrer Torheit wegen, gefangennehmen lassen – da sie nicht so viel sehen und hören wie Mein Knecht.

2. Diese frage Ich zu ihrem großen Troste: Warum sie denn eigentlich noch nie traurig geworden sind, wenn sie gesehen haben, daß auf den Weidenbäumen keine Trauben wachsen!? Und doch ist der Weidenbaum nicht minder ein Werk Meiner allmächtigen Heiligkeit als der süße und geistvolle Weinstock! – Warum weinten und trauerten die Apostel denn nicht, da Ich Mich auch nicht jedem wie dem Johannes geoffenbart habe?

3. Daher seid nur heiter und fröhlich und voll Lust in euren Herzen! Denn Ich, euer Vater, sehe, was jedem vorderhand not tut, und gebe jedem so viel, als er leicht ertragen kann.

4. Sehet, Mein Knecht ist klein und einfältig und hat ein sanftes Herz und ist der Demut und Meiner Liebe schon mehrere Jahre nachgelaufen. – Wenn Ich ihm nun ein kleines Licht Meiner Gnade gegeben habe, so glaubet es, daß es wahr ist in allen Punkten und Zweigen, da alles dieses in der geradesten Richtung zuallernächst unmittelbar von Mir in ihn kommt, und das zwar, weil er es so hat haben wollen, was Mir auch am liebsten ist!

5. Denn um was da jemand bittet in Meinem Namen, das wird ihm gegeben ohne Falsch und Trug – freilich nicht über Nacht, sondern nur nach und nach, je nach seiner Kraft und Stärke.

6. Daher liebet Mich und glaubet ungezweifelt, was Ich euch durch Meinen einfältigen Knecht kundgebe! Machte euch ein Stein schon stutzen, was werdet ihr erst sagen, so Ich eine ganze Sonne vor euch enthüllen werde körperlich und geistig! Und was dann, wenn einen Engel!?

7. Daher seid heiter und fröhlich und voll Lust in eurem Herzen! Denn Ich, euer Vater, sehe, was jedem vorderhand not tut. – Amen.

 

Vom Leben des Baumes. – 6. August 1840, von 1/4 4 Uhr bis 1/2 6 Uhr nachmittags, im Freibergerwald bei St. Leonhardt, Graz.

Der Wald enthält Föhren, Fichten und Tannen. – J. L. spricht, eigentlich der Herr durch ihn. – K. G. L., Andr. H. und Ans. H. schreiben.

1. Allhier in diesem Walde, da ihr euch soeben befindet und in dessen urwesentliche Tiefe ihr einzudringen gedenket, steht schon zum zehnten Male ein Wald, und zwar stets besetzt mit derselben Art von Bäumen, die mit der Natur des Bodens im Einklange steht, da nicht leichtlich eine andere Baumgattung hier fortkommen dürfte.

2. Denn seht, ein jeder Baum steht auf seinem Fleck und breitet da eine große Anzahl großer Wurzeln und besonders auch kleiner, sogenannter Haarwurzeln in das lockere Erdreich, auf welchem er sich befindet. Einem jeden solchen Baume nun aber ist eine vegetative Seele gegeben, oder wie ihr es leichter versteht: es wohnt einem jeden Baume ein stummer Geist inne.

3. Dieser Geist besitzt eine ganz einfache Intelligenz. Mittelst dieses von Mir ihm verliehenen Vermögens erkennt er in der Erde die ihm zusagenden Nahrungsteile, erschafft sich nach Meinem Willen an den Wurzeln, da er vorzüglich wohnt, viele tausend Arme, mit welchen er unter der lockeren Erde die Säfte aufgreift und treibt und führt sie durch die von ihm gestalteten Röhrchen und Kanäle bis in den höchsten Gipfel und in alle Zweiglein des Baumes.

4. Jedoch die Säfte, wie er sie unter der Erde für seine Beschaffenheit ihm tauglich erkennt, sondert er erst in den Zweigen in die verschiedenen Teile ab. Die gröberen werden abgesetzt in den Stamm, und selbst davon werden noch die unreinen über die Sphäre des Stammes getrieben und bilden da die Rinde oder gleichsam die Haut oder das Kleid des Baumes.

5. Die feineren Säfte werden benützt zu der Bildung der Äste. Denn sehet, allwo immer ein Ast aus dem Stamme eines Baumes gewachsen ist, eben an dieser Stelle werdet ihr diesen Ast fast noch bis in das Zentrum des Stammes in einer viel feineren und kompakteren Masse eingedrungen erblicken. Daß dieses so geschieht, rührt von der einfachen Intelligenz des Baumgeistes her, der da die Fasern und Röhrchen des Astholzes ums zehnfache feiner macht als die des Hauptstammes. Durch diese feineren Organe können demnach auch nur viel feinere Säfte durchgetrieben werden, welche schon um ebenso vieles substantieller sind.

6. Wenn ihr nun die Äste betrachtet, so werdet ihr von den Ästen selbst noch eine bei weitem größere Menge von Zweiglein hinausragen sehen. Allda geschieht dasselbe von den Ästen aus in die Zweiglein wie vom Stamm in die Äste. Und so ist der Saft in den Zweiglein wieder um mehr noch als das Zehnfache feiner und substantieller und somit auch kräftiger, als der vom Stamm in die Äste.

7. Von den Zweigen erst werden an vielen tausend Stellen in guter Ordnung eine Menge allerkleinster Röhrchen offengelassen. Durch diese wird ebenfalls in zehnfacher Feinheit – oder wie ihr es leichter versteht – in zehnfacher (nach eurem gelehrten Ausdruck) „chemischer“ Verfeinerung ein Saft hinausgetrieben. Von diesem Safte werden von dem Geiste nach seiner einfachen Intelligenz die nach Meiner Ordnung einem solchen bestimmten Baume zusagenden Blätter oder Nadeln gebildet. Und hat ein solches Blatt oder eine solche Nadel die ordnugsmäßige Vollkommenheit erreicht, dann werden die Kanäle und Organe, die von den Zweiglein in dieselben führen, nach und nach verstopft oder zugemacht, so zwar, daß von tausend dahinführenden Röhrchen nur ein einziges, mittleres offengelassen wird, durch welches das Blatt seine Erhaltungsnahrung bekommt.

8. Endlich wird aber selbst dieser Kanal geschlossen. Und da dann das Blatt keine Erhaltungsnahrung mehr bekommt, so fällt es verdorrt und tot vom Baume.

9. An den äußersten Ausläufern der Zweiglein aber befinden sich in dem Durchmesser einer Nähnadel eine Million der allerfeinsten Organe, welche mit einem animalischen Leben versehen sind. Wenn die Säfte dahin gelangen, so geschieht alldort ein förmlicher Kampf oder Krieg, denn da will der Geist in seiner Unlauterkeit aus seiner Gefangenschaft (im Baume) die Freiheit ergreifen und das ganze materielle Wesen des Baumes sozusagen im Stiche lassen. Allein bei einer solchen Unternehmung beengen sich dann diese Organe so, daß sie ihm den Durchgang versperren.

10. Da er dadurch in seiner einfachen Intelligenz seiner Gefangenschaft gewahr wird, so steht er nach und nach von seinen unfruchtbaren Versuchen ab und nimmt seine Zuflucht zur bescheidenen Demut, wodurch dann sein ganzes Wesen anfängt, sich in Liebe zu verwandeln.

11. Wie nun dieses geschieht, so werden diese sehr beengten Organe durch seine Liebeswärme erweicht und erweitert, und er selbst wird dadurch ätherisch und wirklich lebendig durch seine Liebe.

12. Wenn dieses geschehen ist, dann gedenkt er in seiner erhöhten Intelligenz an das entsprechende Gute der Liebe, setzt sich da liebewirkend an den äußersten Ausläufern dieser Organe als Frucht des Baumes an. Und nachdem er sich nun als solche für eure Augen in kaum merklicher Größe liebewirkend angesetzt hat, da lasse Ich dann aus Meiner Barmliebe durch die Gnadenwärme und das Licht der Sonne ein außerordentlich kleines Fünkchen einhauchen.

13. Dieses Fünkchen ergreift er dann auf den vielen hundert Ansätzen und Ausläufern begierig und verschließt es sorgsam in ein kleines Hülschen. Wenn nun gleichsam diese naturgeistige Ehe vor sich gegangen ist, dann wird alsobald die Blüte, als das Organ der Zeugung, und endlich auch die Frucht dem Baume entsprechend gemacht und durch die sich immer mehr und mehr ausbreitende Wärme des Fünkchens zur Reife gebracht.

14. Es geschieht da öfter, daß aus unsorglicher Trägheit des Geistes manche Ausläufer bei solchen Bäumen übersehen werden, alsdann entflieht nach kurzer Zeit dieses Fünkchen wieder zu seinem Ursprunge. Dann schnüren sich die Gefäße des Zweigleins alsogleich zusammen und geben einem solchen Fruchtansatz keine Nahrung mehr. Eine solche Frucht fällt dann auch bald welk und tot vom Baume.

15. In der Frucht aber, die da vollkommen geworden ist, wird dieses Lebensfünkchen in einem feinen Hülschen in der Mitte des Samenkornes wohl und sorglich verwahrt. Und da es ein Lebensfünkchen aus Meiner Barmliebe ist, so enthält es, seinem Ursprunge ähnlich, der Ich Selbst bin, Unendliches seiner Art in sich. Da können von einem solchen Samenkorne auch nur in tausend Jahren schon mehr als ebensoviele Millionen gleicher Bäume entstehen, und so fort bis ins Unendliche. Denn Ich bin ewig und unendlich im Kleinsten wie im Allergrößten und Unendlichen selbst.

16. Nun sehet, da habt ihr nun einen Baum, oder soviele ihr wollt, in seinem ganzen Bestehen – nun muß Ich euch noch die Entstehung sowie das Ende desselben zeigen.

17. Die Entstehung eines solchen Baumes ist an und für sich sehr einfach. Nämlich ein solches Samenkörnchen fällt oder wird gelegt in die Erde. Wie es sich nun in der Erde befindet, ruft es einen in die Materie gebannten Geist zu und in sich. Dadurch nun bekommt ein solcher Geist die erste Lebensregung und die allereinfachste Intelligenz seines Wesens. Da er im Grunde böse ist, so will er sich alsogleich jenes aus der Barmliebe Gottes dem Samenkorn eingehauchten Lebensfünkchens mörderisch bemächtigen, allein dieses Lebensfünkchen entweicht immerwährend seiner Nachstrebung. Daher sucht dann dieser Geist immer ihm ähnliche Teile oder ihm ähnliche Geister in der Erde auf und vergrößert sich und vermehrt sich dadurch sichtlich, wie ihr euch an einem emporgewachsenen Baume überzeugen könnet. Denn dieses Emporwachsen des Baumes geschieht eben durch die mörderische Nachstrebung dieses entbundenen Geistes – oder wenn ihr wollt – einer ganzen Legion solcher Geister.

18. Das Lebensfünkchen aber entflieht immer höher und höher aus dem Bereiche solcher bösartigen Nachstrebung. In ihrem Grimme erhärten viele Millionen und Millionen solcher vom Lebensfünkchen angezogener Geister wieder zur stummen, toten Materie, was ihr am Holze und der Rinde eines Baumes wohl bemerken könnet. Durch solche, oft viele Jahre hindurch fortgesetzte Nachstrebungen werden solche Geister schließlich doch wieder gedemütigt und gelangen dann zur entsprechenden nützlichen Freiheit und werden endlich eins mit dem Lebensfünkchen.

19. Ein solcher Geist, der auf diese Weise sich an den Ansätzen liebend vereinigt hat mit dem Lebensfünkchen, wird nach der Vollreife der Frucht ätherisch frei und in eine, Meiner ewigen Ordnung gemäße höhere, intelligentere Wesenheit geführt, und so fort bis endlich zu euch Menschen selbst.

20. Sind nämlich durch einen solchen Baum, als eine materielle Erlösungs-Anstalt, eine möglichst hinreichende Anzahl der (Natur-)Geister erlöst worden, und haben diese erlösten Geister in ihrer ätherischen Freiheit aus den verschiedenartigsten Bäumen und Gewächsen sich liebend vereinigt, so daß sie einen Geist in höherer Intelligenz darstellen, so werden dann solche Geister in die tierische Welt übertragen und daselbst zur zweiten Stufe gebracht.

21. Vereinen sich wieder alle Geister der tierischen Welt liebend zu einem Geiste, dann ist ein solcher Geist fähig, in die höhere Stufe aufzusteigen und als ein einfacher Geist in den Menschen gelegt zu werden, von wo aus er nach seiner Reife selbständig frei wirkend heraustreten kann zur Anschaung seines ewig liebenden Urquelles. – Ein solcher Geist wird nimmer mit der Materie etwas zu schaffen haben. Nur mit dem im Menschen wieder böse gewordenen Geistern, wo kein Mittel der Liebe auf wohlverständige Weise etwas fruchtet, wird wieder ein ähnlicher, langwieriger Weg eingeschlagen.

22. Ein in solcher Weise ausgedienter Baumstock wird dann wieder tot, dorrt ab und verfault oder, was für ihn besser ist, er wird abgehauen oder verbrannt.

23. Nun sehet, das ist das Geheimnis der Gewächse, Sträucher und Bäume von ihrem Entstehen bis zu ihrem Ende!

24. Jedoch, da Ich gleich anfänglich bemerkt habe, daß hier schon zum zehnten Male ein Wald steht, will Ich euch in aller Kürze noch etwas hinzusagen: Seht, ebenso oftmal ist dieser Boden, das Höllgrimmfeuer satanischer Bosheit dämpfend, jeweils über hundert Jahre unter den Fluten gestanden. Daher, so ihr an manchen Stellen nur einige Klafter tief graben würdet, so würdet ihr alsobald an einzelne verkohlte Bäume aus der Vorzeit gelangen, allwo ihr an manchen Stellen in dem noch vorfindlichen Harze wohlbehaltene Insekten aus dieser Zeit antreffen würdet. Und dies würdet ihr schichtenweise zu zehn, zwanzig, fünfzig, hundert, fünfhundert, tausend und noch mehr Klafter tief antreffen.

25. Seht, was Ich eines einzigen, hochmütigen Engels wegen tue! – Ich sage euch, es wäre nie eine Erde, noch eine Sonne, noch irgend etwas anderes Materielles erschaffen worden, wäre dieser Einzige demütig geblieben. Allein aus Liebe füllte Ich, die Ewige Liebe, die Unendlichkeit mit Sonnen und Welten, um auch den kleinsten Teil dieses Gefallenen noch retten zu können.

26. Daher bedenket auch ihr, was Ich euretwegen alles getan habe, noch tue und tun werde ewig. Amen. Ich, die Ewige Liebe. Amen.

 

„Liebe will Ich!“ – 8. August 1840, nachmittags

Etwas an alle, und zunächst an A. H. –

1. Wenn Ich euch an arbeitsfreien Tagen / wunderbare Dinge pfleg' zu sagen / aus des armen Knechtes schwachem Munde, / ladend euch dadurch zum neu'sten Bunde, / der hinfort in Liebe euch soll binden, / um der Erd' ein heilig Reich zu gründen – / seht, da werdet traurig ihr und schwach im Glauben, / denkend: Dornen tragen ja doch keine Trauben!

2. In der Zukunft soll nach solchen Stunden, / die in Meiner Gnad' ihr habt empfunden / – da Ich nur aus übergroßer Liebe / von den Augen euch des Schleiers Trübe / freundlich nehme samt der Sünden Menge – / niemand tragen eine Herzensbänge. / Denn Ich gebe euch kein neu Gebot. / Nur die Liebe tut euch allen not!

3. Seht, was euch von Dingen hier wird Kunde, / geht, wie alles, nur aus Meinem Munde. / Sag' Ich euch da unerhörte Dinge, / wenn Ich Selbst von Meiner Größe singe, / so bedenkt, daß Ich es bin voll Gnade, / zeigend euch der Liebe heil'ge Pfade. / Denn es weiß sonst niemand, was die Sünden, / als nur, dem's der Vater will verkünden.

4. Ich will niemals richten nach dem Glauben, / nie an Augen legen Zwangesschrauben. / Jeder glaube nach der Kraft der Sehe / seines Geistes. Doch ganz wohl verstehe, / jeder, was er glaubt und wie er liebet! / Sonst, Ich sag' es euch, wird er betrübet / bis in seines Herzens Tiefe werden / früher oder später noch auf Erden.

5. Nur die Liebe hab' Ich euch geboten, / nie den Gauben, durch die Himmelsboten. / Diesen hab' Ich nur gelehrt, geraten, / um zu wecken euch zu edlen Taten. / Wer da liebt aus wahrem Herzensgrunde, / dem geb' Ich des Glaubens Licht zur Stunde. / Da zu Mir sein Herz er hat gewendet, / wird in Meiner Gnade er vollendet!

6. Da auch ihr das Herz zu Mir gewendet / und so manche Bitt' um Licht gesendet, / komm' Ich liebevoll in finst'rer Nacht / – was Ich sag', von euch sei's wohl bedacht – / Selbst zu euch, als Tröster und als Lehrer / und als wahrer, großer Gnaden-Mehrer. / Nun, wenn so, was macht das Herz euch trübe? / Wißt ihr's wohl? – Nur eure schwache Liebe!

7. Liebe will Ich, denn sie ist das Leben! / Liebe hab' am Kreuz Ich hingegeben. / Ich, der ewig Selbst die Liebe war, / bringe euch nun wieder Liebe dar. / Also glaubet, was Ich sage, gerne, / sei's dem Geiste nahe oder ferne; / denn dies gebe Ich euch frei zum Lohne. / Doch in Liebe nur thront Himmelswonne!

8. Sehet, wenn Ich euch die materielle Welt nun enthülle, so will Ich dadurch nichts anderes bezwecken, als euch die Nutzlosigkeit der Welt- oder vielmehr der Eigen- und Fleischliebe so recht klar vor die Augen stellen – woraus ihr nach und nach doch endlich einmal erkennen und begreifen werdet und auch sollet, wie euch so gar nichts an der materiellen Welt gelegen sein solle, sondern alles nur an Mir, Meiner Liebe und der darausfließenden Gnade.

9. Könntet ihr sonst nicht füglich fragen: „Warum sollen wir denn die schöne Welt und ihre Schätze nicht lieben und nach ihrem Vollbesitze aus all unsern Kräften trachten, ist sie doch von Gott erschaffen, was soll's denn mit dem widrigen Gebote?!“

10. So Ich euch aber nun die Wesenheit der Welt und ihrer Materie entschleiere, so denket, daß Ich aus Meiner großen Liebe euch dadurch für eure völlige Wiedergeburt eines großen Kampfes überheben will. Denn werdet ihr erst die Materie tiefer und tiefer erkennen, so wird euch auch ihr schnöder Wert desto klarer in die Augen springen. Und ihr werdet sehen, daß im Tode nicht gut wohnen ist. – Amen. Ich, euer liebevollster Jesus! Amen, Amen, Amen.

 

Evangelium des Weinstocks. – 9. August 1840, um 1/2 10 Uhr vormittags

Im Weingarten des Andr. H., bei Maria Schnee, nächst dem Kloster der Karmeliterinnen. – J. L. spricht. – K. G. L., S., D., Andr. H. und Ans. H. schreiben.

1. An der Stelle, da ihr euch soeben befindet, war vor einigen hundert Jahren noch ein dichter Wald und anderes Gebüsch und Gestrüpp. Und vor zweitausend Jahren trieben noch gewaltige Fluten ihr Spiel mit den Weichen der kleinen Berge und füllten damit die Vertiefungen der Ebene.

2. Diese Höhe oder vielmehr diese kleine Emporragung über die Ebene, da schon seit mehreren Jahren Reben hingepflanzt sind, entstand ebenfalls, wie andere hohe Berge, nach dem Verlaufe vom Zeiten zu Zeiten durch das innere Feuer der Erde. Jedoch, was gerade die Außenseite oder die Stirne betrifft, so ist diese vielmehr eine Ablagerung teils durch den Bildungsprozeß eines nachbarlichen, größeren Berges, teils aber auch Anschwemmung durch die Fluten, welche da durch den entgegenstehenden Schloßberg in ihrem raschen Strömen gehindert wurden. Seht, das ist die vorläufige, notwendige Bekanntmachung mit der Bildung dieser kleinen Stelle.

3. Nun sehet, in Meiner Ordnung ist es überhaupt so eingerichtet, daß immer eine edlere Stufe der Gewächse eine unedlere verdrängt, und zwar durch den Einfluß teils der Witterung und dann aber hauptsächlich durch die Menschen. Denn wo auf irgendeinem Orte längere Zeit hindurch unfruchtbare Bäume, Dornen und Disteln gewachsen und gestanden sind und vegetativ gelebt haben, da wird der Boden dieser Stelle eben dadurch veredelt, daß die Baum-, Gesträuche- und Dornenwelt, die da zum intelligenten Fortbestehen unnütz war, wieder stirbt und verfault und dadurch ein fruchtbares Land bildet. Dann geschieht es durch Meine Anordnung, daß an solchen fruchtbareren Stellen von Menschenhänden edlere Anpflanzungen geschehen, wodurch dann den verfallenen geistigen Intelligenzen ein neuer und auch vollkommener Weg zu ihrer Wiedererlösung geöffnet wird.

4. Der Weinstock ist eben eine solche edlere Art des Pflanzentumes, welcher erst nach der erbarmenden Sündflut zu den Zeiten Noahs gleichsam gewaschen und von Mir umgestaltet und gesegnet wurde, und zwar aus der Ursache, da er bei seinem ersten Entstehen, herrührend aus dem Willen Meines Feindes, dem ersten Menschen, da er eben Meiner am meisten vergessen hatte und so in das Licht des Tages in seinem Vergnügen dahinwandelte – zuerst zum weckenden Steine des Anstoßes wurde und den ersten Menschen gewisserart dadurch nötigte, obschon schwer beladen mit seinen Giftbeeren, doch wieder umzukehren in sein Haus.

5. Nun seht, aus eben dieser erwähnten Ursache habe Ich, wie schon berührt, nach der Sündflut dem Weinstock das Gift genommen und habe ihn viermal gesegnet, während Ich das Wasser neunundneunzig Mal gesegnet habe; und eben durch diese vierfache Segnung gehört der Weinstock nun zu den edelsten Gattungen des Pflanzentums.

6. Bevor Ich euch jedoch etwas aus der innersten Tiefe dieses Gewächses sagen und enthüllen kann, muß Ich euch noch zuvor notwendigerweise mit seiner äußerlichen – wie ihr zu sagen pflegt – botanischen Pflanzenwesenheit bekanntmachen.

7. Seht, in einer jeden Beere werdet ihr einen, oft auch mehrere fast herzförmige Kerne finden. Aus solchen herzförmigen Kernen könnet ihr immerwährend auf die größere oder geringere Vollkommenheit einer Pflanze schließen. Denn so wie das Herz der Tiere, je vollkommener sie werden, eurem Herzen immer ähnlicher und ähnlicher wird – derselbe Fall ist es auch bei den Kernen aus dem Pflanzenreiche. Und die vereinigten Geister von solchen edleren Gewächsen können auch eine große Anzahl von tierischen Stufen bei ihrem Neubildungsprozesse überspringen, ja oft sogar alsogleich in die Klasse der Menschen aufgenommen werden. Und sie haben auch noch diesen Vorteil, daß, während ihr Geistertum seinen Weg ruhig fortwandelt, ihre materielle Hülle, bestehend aus zahllosen zarten Hülschen, in deren jedem ein höherer Lebensnahrungsfunke eingeschlossen ist, höheren Lebewesen zunächst zur Nahrung des Leibes und dadurch eben auch zur Ernährung und Ausbildung der Seele dient.

8. Früchte wie z.B. das Getreide und andere größere Obstgattungen dienen vorzugsweise zur Nahrung des Leibes – aber die Frucht des Weinstockes dient, im reinen und mäßigen Genusse, mehr zur Belebung der Seele als der des Leibes.

9. Nun seht, der Kern der Traube ist also beschaffen, daß er in der Mitte der Beere wie ein Kind im Mutterleibe wächst und mit der Beere selbst heranreift. Da geschieht es denn, daß durch das Mark der Rebe, durch ein für eure Augen nicht sichtbares, mehr denn spinnengewebefeines Haarröhrchen, ein ätherischer Feuersaft emporsteigt. Wenn ihr die Rebe betrachtet, so werdet ihr sehen, daß sie sehr viele Glieder hat. Bei einem jeden solchen Gliede verfeinert sich dieses Röhrchen und wird an der Stelle, allwo sich die Frucht der Traube angesetzt hat, noch in viele Arme geteilt – was ihr aus dem ersehen könnet, so ihr die Kerne in einer Traube zählen würdet; denn ein jeder solcher Kern ist verbunden mit einem solchen Organe.

10. Allein nicht der feste Kern, den ihr sehet, wird gebildet aus diesem Feuersafte, auch nicht die von diesem festen Kerne eingeschlossene ölichte Frucht; sondern in dieser ölichten Frucht ist ein der äußeren Form des Kernes ähnliches, außerordentlich kleines und zartes Hülschen eingeschlossen, welches gerade so klein ist, daß es nur den zehntausendsten Teil der Größe der ölichten Frucht einnimmt. Dieses Hülschen nun wird gefüllt von dieser feurigen Gnadensubstanz.

11. Ist nun dieses vor sich gegangen, alsdann wird das Haar-Röhrchen, an welchem diese Hülse hängt, alsogleich fest zugeschnürt. Und von diesem Röhrchen bilden sich dann mehrere kleine Arme oder Seitenkanäle und umgeben, gleichsam umwindend, dieses Hülschen mir der genannten ölichten Substanz, welche eben dadurch süß-ölicht wird, weil sie aus den edleren, vormals schon in der unedleren Pflanzenwelt gereiften geistigen Substanzen durch Meine Barmliebe gebildet wird.

12. Ist nun einmal dieser zweite Akt vor sich gegangen, dann wird zum zweiten Male dieses Haar-Röhrchen wieder zusammengeschnürt und bildet fast schon gleichzeitig den festen Kern, welches auf folgende Weise geschieht: Da nämlich während der kleinen Zeitperiode der Zusammenschnürungen sich die Säfte in der ganzen Länge dieses Röhrchens verdichtet haben, so zersprengen die Säfte dann allezeit unter dem Schnürpunkte, da natürlicherweise das Röhrchen am zartesten und gebrechlichsten ist, dasselbe an vielen Stellen. Daraus fließen dann die verdichteten Feuersäfte um die ölichte Frucht und drängen sich liebewetteifernd um den Mittelpunkt ihres lebendigen Heiligtums.

13. Wenn nun der Kern gewisserart seine Solidität erreicht hat und die noch immer nachstrebenden Säfte nur an ihresgleichen stoßen und nicht mehr die Wärme des inneren Gnadenfünkchens verspüren, dann durchbrechen diese Säfte in einem Kreise diesen Kanal und umspinnen den Kern wie eine Raupe ihre Puppe.

14. Zu gleicher Zeit aber wird von äußeren, gröberen Kanälen, welche durch die Rebe aufsteigen, eine gröbere Hülse gebildet, was alles natürlich durch die einfache Intelligenz der einer solchen Pflanze innewohnenden Geister geschieht.

15. Wenn nun diese gröbere Hülse eine ordnungsmäßige, bestimmte Solidität erreicht hat, dann zerspringen die den Kern umgebenden edleren Gefäße und fließen dann in einem süßlichen, geistigen Safte in diese Hülse. Jedoch da diese Hülse doch ebenfalls ursprünglich von Säften gebildet wird, welche in ihrer Natur herbe sein müssen, damit die Frucht oder vielmehr die Hülse eine Festigkeit erhält – so kommen nun innerhalb dieser Hülse anfänglich zwei Gattungen Säfte zusammen, nämlich ein herber und ein süßer, woher es denn auch kommt, daß eine unreife Beere sehr zusammenziehend sauer schmeckt.

16. Mit der Zeit jedoch wird das Herbere und Schlechtere von dem inwendigen Süßen und Guten überwunden und an die äußere Grenze als feste Hüllenmasse gedrängt. Und so wird dann, euch zu einem guten Beispiele, durch das von innen aufsteigende Gute das Leben fürs erste in einer ungebundenen Freiheit erhalten, welches hier der Kern zeigt, da alle ihn ungebenden Säfte immer milder und lockerer und somit auch reifer und geistiger werden; und fürs zweite wird das überwundene Herbe und gleichsam Schlechte ebenfalls gut, da es zum allgemeinen Gefäße eines solchen Pflanzenheiligtums wird.

17. Und nun sehet ferner, wenn ihr den Weinstock wohl betrachtet, so werdet ihr an ihm ebenfalls Blätter, Zweige und statt der Zweiglein euch wohlbekannte Fadenarme entdecken. Ihr werdet in diesem Gewächse überhaupt, wenn ihr es recht sorglich betrachtet, schon mehr tierisches Leben finden als in irgendeiner andern Pflanze.

18. Diese Arme entstehen zwar auf dieselbe Art wie die Traube selbst, aber die Geister hatten noch zu wenig Liebe-Gutes in sich, daher auch zu wenig Leben, um eine Frucht zu bilden. Wenn sie nun ihre volle Größe erreicht haben und nun gewahr werden, daß in ihnen kein Leben zur Bildung einer Frucht besteht, und das zwar einer gewissen Unsorglichkeit wegen – dann meinen sie in ihrer einfachen Intelligenz, das Lebensfünkchen sei ihnen gewisserart davongelaufen. Da dehnen sie sich so weit als nur immer möglich aus, und wie sie dann auf einen fühlbaren Gegenstand kommen, so meinen sie in ihrer Blindheit, sie hätten das Leben gefunden, umsticken es dann auf ähnliche Weise, wie die feineren Gefäße den Kern, und lassen es nicht mehr aus. Allein die Folge zeigt, daß sie bei solchem Weitausgreifen statt des Lebens nur den Tod mit ihren Armen umschlungen haben – und sterben am Tode selbst.

19. Das sei auch euch ein kleiner Wink! Denn so jemand, sein Inneres außer acht lassend, nur glaubt, die Lebensfülle in dem weit ausgedehnten Schöpfungsraume zu suchen, der hat ebenfalls seine Arme und Augen weit nach dem Tode ausgesteckt – während Ich doch jeden durch die tägliche Erfahrung handgreiflich lehre, daß die Welt immer schöner, herrlicher und verklärter wird, je weiter ihr euch von derselben entfernt befindet. Darüber sollte euch schon die Fernsicht einer Gegend einen nicht unbedeutenden Wink geben. Denn ein weitliegendes Gebirge seht ihr oft mit frommem, begeistertem Vergnügen an. Wie ist es dann aber, so ihr an dieses Gebirge selbst gekommen seid, daß ihr an diesem Berg der Gebirge nichts Schönes und auch kein andere Vergnügen mehr findet, als das der Fernsicht wieder anderer Gegenden?

20. Seht, darin liegt es auch, daß je mehr ihr euch von der Welt abzieht und euch gleichsam von derselben entfernet, sie euch desto schöner, verklärter und duchsichtiger erscheint; erst da hat der, der Meine Werke betrachtet und achtet, eine reine Lust daran.

21. Denn seht, das Leben wohnt im Inwendigen – und der Tod im Auswendigen! Wer nach dem Leben strebt und lebendig wird, für den wird alles verklärt und lebendig. Denn wer das Leben hat, der haucht alle Dinge mit dem Leben an, und so werden sie dann lebendig vor ihm und durch ihn. Dem Lebendigen muß der Tod seine Gefangenen ausliefern.

22. Wer aber nach außen strebt, sei es nach was immer, der strebt nach dem Tode und ergreift auch bald das Nächste-Beste, was ihm unterkommt, der eine dies, der andere jenes, das an und für sich nichts als Tod ist. Ein solcher zerstreut sein Leben, wird schwächer und schwächer und stirbt endlich ganz. Und somit ist für ihn auch alles tot und soviel wie gar nicht daseiend. Woher es denn auch geschieht, daß so viele Menschen sogar Mich, als das allerlebendigste Leben alles Lebens, als gar nicht mehr daseiend aus ihren Augen und Herzen verlieren!

23. Seht, Ich hatte euch schon einmal von dem Evangelium der Pflanzen eine kleine Erwähnung gemacht; da habt ihr demnach hier ein kleines Evangelium des Weinstocks! Und so wollen wir nun noch eine kleine fortschreitende Betrachtung des Weinstocks vernehmen.

24. Eine dritte Extremität des Weinstocks ist das Blatt. Dieses wird gebildet aus einem dreifachen Safte. Es gehen nämlich von dem Marke der Rebe Kanäle aus, und zwar gerade an der Stelle, da die Rebe allezeit ein Glied bildet. Und das geschieht nun auf folgende Weise:

25. Nämlich, wie Ich euch schon beim Wachstume des Baumes berührt habe, geschieht auch hier schon ein viel lebhafteres Nachstreben nach Meinem Gnadenfünkchen, welches in dem Samenkorne eingeschlossen ist. Und wenn nun die arglistigen (Natur-)Geister dieses Fünkchens Aufsteigen in dem feinen Zentralgefäße verspüren, dann rennen sie haufenweise schnell in diesem kleinen Stamme dem Fünkchen nach. Allein wenn das Fünkchen zu einer gewissen Höhe emporgestiegen ist, dann umschlingt es, was ihr nicht glauben könnet, mit Blitzesschnelle die Seitengefäße der absurden Geister. Diese rennen aber demungeachtet dem Fünkchen nach und wissen bei der tausendkrümmigen Bewegung des Hauptorgans nicht, wohin das Fünkchen seine Richtung genommen hat. Daher suchen sie es auf dieser Stelle wo die Rebe ein Glied bildet und schießen dann hier in feinerer Potenz vom Stamme weg und bilden auf diesem Wege den Stiel eines Blattes.

26. Wenn sie nun da eine Zeitlang in diesem Stiele fortgestrebt sind und das Lebensfünkchen demungeachtet nicht gefunden haben, dann beraten sie sich in ihrer einfachen Intelligenz und wollen nun nach allen Richtungen sich wenden, um den Gegenstand ihrer mörderischen Liebe zu finden. Daher spannen sie sich nach allen Richtungen netzförmig aus und lassen nach unten eine Menge Ausläufe, was gleichsam die Haare am untern Teile des Blattes bildet. Und die Netz- und Zwischenräume füllen sie dann durch ihr Suchen ebenfalls noch mit ihrer Substanz aus.

27. Nichts als nur ihre eigene schlechte Hoffnung zwingt sie, nach solchen Teilen in Massen und Massen hinauszurennen. Und wenn nun das Lebensfünkchen gewahr wird, daß da eine hinreichende Masse hinausgeströmt ist, so schnürt es ihre Kanäle bis auf einen mittleren in eben der Schnelligkeit zusammen, von welcher schon früher Erwähnung geschehen ist. Das Lebensfünkchen selbst aber bricht oft gerade in der Mitte solcher nachstrebender Horden aus, allwo dann der schon bekannte Prozeß vor sich geht.

28. Auf gleiche Weise geschieht dann eine solche Handlung, so oft ihr ein Glied an einer solchen Rebe bemerke.

29. Diese Blätter aber läßt das Lebensfünkchen aus der Ursache entstehen, damit es erstens seine Fortbildung unter einem sanften Schatten vornehmen kann, und fürs zweite saugt es dann selbst für die Ausbildung des ihren Kern umgebenden Saftes aus dem Lichtmeere, welches da in Fülle entströmt aus Meiner Gnadensonne, den ätherischen Stoff in sich, in welchem eigentlich der vierfache Segen besteht.

30. Dieser vierfache Segen wird dann, wenn die Traube ausgepreßt worden ist, das Geistige im Weine. Jedoch nicht eher, als bis der Saft alles Unreine aus sich geworfen hat, tritt das Geistige in dem Safte hervor.

31. Seht, auch hierin liegt ebenfalls wieder ein kleines Evangelium – wie die innere Kraft des Lebens erst dann wirksam und fühlbar in die gereinigte Materie übergeht, wenn diese selbsttätig, freilich auch nur durch Meine gar starke Mithilfe, die Schmarotzer des Todes hinausgeschafft hat. Dann wird die Materie selbst verklärt und rein, wie der Saft der Traube im Fasse oder Schlauche.

32. Durch eine ähnliche Zurückgezogenheit von der Welt in das schützende und haltbare Gefäß der Demut wird auch euer materielles Wesen durch die Wirkung des hervortretenden Geistes gereinigt. In dieser Demut geschieht dann eine ähnliche Gärung, wodurch alles Unreine und Tote der Welt wieder zurückgegeben wird. Das Leben aber, vereint mit seiner geheiligten Materie, bleibt, wie ein guter Wein, im Gefäße der Demut ewig in aller Kraft beisammen.

33. Nun sehet, das ist von dem Weinstocke, soviel ihr ertragen könnet, euch gegeben! Aber es liegt noch, wie überall, Unendliches verborgen, welches ihr für jetzt nicht würdet ertragen können. Jedoch zu seiner Zeit werdet ihr noch mehreres davon vernehmen, teils durch Meinen Knecht, teils aber, so ihr auf euer Inneres aufmerksam sein wollt, auch in euch selbst. – Amen.

 

Eine Untat als Gleichnis.

 

Das Wesentliche. – Nachtrag zur „Untat“. – 11. August 1840, nachmittags

1. Nun merket, ihr stummen, tauben und blinden Vorwitzlinge! Meinet ihr denn, daß Ich ein Märchen-Erzähler bin wie ein altes Weib oder ein alberner Schwätzer, wie ihr es seid, da unter tausend Worten, mit denen ihr die Luft mißbraucht, kaum ein halbnützes ist! Sehet, das bin Ich durchaus nicht, sondern Meine Worte sind Kraft und Leben und wesenhaft wahr.

2. So Ich euch bei einer Gelegenheit irgendein wohl passendes, eurem Innern entsprechendes Bild gebe, so sollet ihr nicht nach einer lange schon vergangenen Tat, welche vor mehr als siebzig Jahren geschehen und an der wenig mehr gelegen ist, trachten; sondern ihr sollet da nur trachten nach Meinem Reiche, welches Ich euch, um euer Herz verständiger zu machen, unter allerlei Formen vorführe, wie Ich es tat gleichnisweise zu den Zeiten der Apostel.

3. Wie seid ihr aber töricht, so Ich euch des Himmels goldene Schätze biete – daß ihr da noch könnt lüstern nach Kot und faulen Würmern schnappen! O ihr Toren, meinet ihr, Ich werde euch Weltrichtern einen Kriminal-Plapperer machen? O ihr habt euch gewaltig geirrt! Ich Selbst bin ein gerechter Richter und als solcher brauche Ich euer Gericht nicht. Denn was von Mir gerichtet wird, das wird gerichtet bleiben ewig. Eure Gerichte aber sind ungerecht und voll Bosheit und verderben geistig alles, was sie richten.

4. Ich aber richte jeden nach seiner Liebe – wie ihr nach eurer Blindheit eure Urteile schlecht und unheilbringend machet.

5. Daher sollet ihr auch gar nicht richten, damit ihr nicht gerichtet werdet – sondern nur belehren, bessern und unschädlich machen die Bosheit der Diebe, Räuber und Mörder.

6. Und daher gebe Ich euch zum Schlusse diesen Rat: Leset diese Untat als Gleichnis und suchet euch selbst darinnen in der Demut und wahren Liebe zu Mir. Dann werde Ich euch gerne zu Hilfe kommen und euch leiten in Meiner Gnade. Denn eure Herzen sollen gebildet und die Sinne eures Geistes verständig werden. Und dadurch soll euer ganzes Wesen lebendig werden in Meiner Liebe.

7. Lasset also die Toten tot sein und kümmert euch nicht um ihre Namen, sondern trachtet vielmehr, daß eure Namen im Buche des Lebens aufgezeichnet werden! Trachtet vor allem nach Meinem Reich und dessen ewiger Wahrheit! Alles andere wird euch zur rechten Zeit gegeben werden. – Amen. Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen.

 

Seid unbesorgt! – 13. August 1840, nachmittags

An obengenanntem Tage empfing der Freund Jakob Lorbers, Andreas Hüttenbrenner, Bürgermeister von Graz, das Schreiben eines Unbekannten mit folgendem Wortlaut:

Wohlgeborener Herr! Auch die Schriften, welche aus unseren Staaten ins Ausland zum Drucke gesandt werden, unterliegen den k. k. Zensurgesetzen. Da man durch einen Beamten auf Ihr Vorhaben allhier aufmerksam gemacht wurde, so erinnere ich Sie und ihre Herren Teilnehmer freundschaftlich, diese Gesetze nicht zu übertreten, um sich nicht gewissen Unannehmlichkeiten auszusetzen.“

Jakob Lorber und seine Freunde richteten danach folgende Bitte an den himmlischen Vater:

Herr! Wir bitten Dich in aller Demut, wohlbewußt unserer großen Schwäche, infolge welcher wir ohne Dich, Du allerbester Vater, nichts, mit und in Deiner großen Liebe und Gnade aber alles nach Deinem heiligen Willen vermögen. Du weißt all unser Tun und Lassen, und auf unserem Haupte ist kein ungezähltes Haar. Du weißt, daß uns die Welt nicht mehr anziehen kann, am allerwenigsten aber die wie immer gearteten politischen Verhältnisse; daß wir nur Dein lebendiges Wort suchen, um nach demselben ein Dir, o bester Vater, wohlgefälliges stilles, sonst aber aller Welt und deren Verhältnissen unschädliches Leben zu führen. Sage uns gnädigst, was hinter dem Schreiben an Bruder A. steckt? O bester Vater, Du Ewige Liebe in Jesu Christo, erhöre unsere Bitte! – Dein Wille geschehe! Amen.

Es erging folgende Antwort:

1. Nun, so schreibe! – Ich sage dir, nichts ist dahinter! – Wenn aber ein so großes Licht aus den allerhöchsten Himmeln zur Erde darniedersteigt, wie sollte es geschehen, daß es nicht irgend gewittert werden möchte!? Seht ihr doch noch den leisen Schimmer einer unendlich fernen Sonne, wie wäre es möglich, daß das allerhöchste Licht so ganz und gar unbemerkt zur Erde gelangen sollte!?

2. Aber seid unbesorgt, es geschieht alles nur nach Meinem Willen! Keinem von euch wird je ein Haar gekrümmt werden. Daher seid fröhlich und voll guten Mutes! Denn Ich bin ja allezeit bei euch.

3. Liebet nur Mich und sehet allezeit auf Mich! Und machet euer Vertrauen fester als einen Diamanten. Denn wer auf Meinem Grunde baut, der bauet fest. Und Ewigkeiten werden keinen Stein verwittern in allen Gemächern eines Hauses, das da gebaut wurde auf Meinem Grunde in der wahren Liebe zu Mir!

4. Wahrlich, wahrlich, wahrlich sage Ich: Diese ganze Erde wird verwehet sein wie Spreu mit all ihren schönen Herrlichkeiten, ja, in der ganzen Unendlichkeit wird jede Sonne ewig zunichte werden – aber höret, was da Ich gesagt habe, wird bestehen wesenhaft, solange Ich, Gott, der Unendliche, der Ewige, bleiben werde!

5. Wehe aber dem, der es wagen wird, böswillig daran auch nur ein Häkchen zu ändern, für den wäre es besser, er wäre nie geboren worden. Denn ewig verflucht sei der, der da widerstreben wird dem Geiste Meiner großen Gnade!

6. Ich lege der Welt keine Hindernisse in den Weg und lasse sie wandeln ihre Schlammwege; aber das sage Ich: Den Spötter werde Ich stürzen in die Gräber der Finsternis, den Verächter strafen mit dem plötzlichen Tode, und wer da wird aufhalten wollen Meine Schritte, der wird zerquetscht werden gleich einem Wurme. Wer aber aus zeitlichem Interesse Meine Wege mit vernichtenden Augen ansehen wird, den wird Mein Blick vernichtend treffen, und da soll ein blinder Teufel eher Gnade finden als ein solcher Satansbruder!

7. Einst trat Ich als Bettler arm und schwach auf die Erde und wurde gekreuzigt. Nun komme Ich als starker Held und Mein Gericht mit Mir! Wer Mich ergreifen wird mit Liebe, der wird leben ewig; wer aber auch nur einen Finger gegen Mich kehren wird, der soll gekreuzigt werden im Feuer Meines Grimmes!

8. Das sei euch eine sichere Urkunde aus Meinem Munde, daß ihr nichts zu besorgen habt. Denn jetzt nehme Ich jeden auf, zu dem Ich komme und der Mich aufnimmt. Wer da hören wird Meine Stimme, der wird leben; der Taube aber wird zugrunde gehen.

9. Das sage Ich, die Ewige Wahrheit, aus der großen Mitte Meiner unendlichen Macht! – Amen, Amen, Amen.

 

Die Perlenmuschel – und die Urstufen der Tierwelt. – 15. August 1840, von 9 Uhr vormittags bis 1/2 1 Uhr nachmittags

Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H. – Das Thema „Perlen-Muschel“ wurde erst heute, als wir an den Schreibtisch gingen, gewählt. Unser Herr sprach durch den Mund Seines Knechtes J. L.:

1. Bevor Ich euch etwas über diesen Gegenstand (Perlenmuschel) sagen werde, ist es für euer Verständnis notwendig, einen kleinen Rückblick zu machen; da eine vorgerückte Stufe nicht begriffen werden kann, bevor das Vorhergehende zu einer gewissen Klarheit in eurem Gemüte geworden ist.

2. Nun sehet, unter allen Gelehrten und sogenannten Naturforschern weiß niemand, und schwerlich wird jemand aus sich wissen, wo in der Schöpfung die eine (Wesen-)Klasse aufhört und in die andere übergeht, noch wo die erste den Anfang nimmt. So weiß niemand, wo das Mineralische den Anfang nimmt und wo es aufhört, ebensowenig weiß jemand den Beginn der Pflanzenwelt und den Schluß derselben. Und am allerwenigsten weiß jemand, wo die animalische Welt beginnt und wo sie ihr Ende nimmt. Denn dem Forscher erscheint alles ineinandergeschmolzen, während bei Mir die scharfbegrenztesten Unterschiede stattfinden. Ja, Ich sage euch, es gibt in der ganzen Schöpfung auch nicht zwei Dinge, die davon eine Ausnahme machen.

3. Dem matten Auge eines solchen Naturforschers erscheint freilich, daß Nacht und Tag sich in einem unmerklich übergehenden Zusammenfließen vereinen. Aber seht, diese Bemerkung eines solchen Naturforschers liegt bloß in der außerordentlichen Schwäche seiner inneren Sehe begründet.

4. Damit ihr dieses jedoch notwendigerweise leichter fassen und begreifen möget, so will Ich euch ein paar sehr handgreifliche Unterschiede geben.

5. Sehet, dem Naturblinden schmelzen Tag und Nacht innig zusammen, er wird zwischen der Nacht und dem schwachen Schimmer des Tages einen kaum merkbaren Unterschied finden. Aber so ihr ein fernes Gebirge betrachtet, besonders wenn die Luft noch ziemlich trübe ist, so werdet ihr an dem Gebirge nichts als eine flache Wand erblicken, während dieses Gebirge doch nichts weniger als eine flache Wand ist, wovon ihr euch schon öfter werdet überzeugt haben. Dasselbe ist der Fall, so ihr eine vollkommen ebene Fläche, z.B. eines wohlgeschliffenen Diamanten, betrachtet. Würdet ihr diese Fläche mit einem Mikroskope betrachten, welches die Linien zehnmillionenmal vergrößern würde, so würdet ihr auf einer solchen ebenen Fläche ganze Klüfte und Abgründe entdecken – woraus euch schon in naturmäßiger Hinsicht sehr leicht begreiflich werden würde, wie sehr sich die halb und oft ganz blinden Naturforscher an der Natur irren, wenn sie meinen, daß die Dinge in ihren Klassen, Formen und Charakteren ineinanderfließen.

6. Dieses war notwendig vorauszuschicken, denn sonst könntet ihr das Folgende unmöglich begreifen. Es ist besser, von einem Dinge und dessen Verhältnissen gar keine Vorstellung zu haben, als eine falsche. Denn wer da steht auf einer morschen Stufe, der wird seinen Fuß nicht eher zur zweiten heben als die erste samt ihm in den Abgrund sinken wird.

7. Nun, so merket, wo die Tierwelt anfängt! – Ihr werdet meinen, das Wasser sei die Mutter der Tiere. Allein es ist dem nicht so. Denn wo ihr mit dem Mikroskope in einem Tropfen des Wassers animalische Lebensformen entdeckt, da steht das Reich der Tiere schon auf der tausendsten Stufe der Fortbildung.

8. Die erste Klasse der Tierwelt sind die unendlich kleinen Bewohner des Äthers. Sie sind in demselben ungefähr das, was ihr in eurer Sprache „Atome“ nennet und sind so außerordentlich klein (wohlgemerkt nur eurem Auge), daß auf einem Punkte, den ihr nur unter einer starken Vergrößerung als solchen entdecken könnt, schon mehrere Trillionen überflüssigen Platz fänden.

9. Wenn ihr solche Tierchen mit euren Augen entdecken wolltet, so müßtet ihr einen solchen Punkt trillionenmal vergrößern können, was euch im irdischen Leben wohl nie gelingen wird, allda nie ein sterbliches Auge die Dinge in ihrer Wahrheit wird schauen können, sondern nur das Auge des Geistes.

10. Nun werdet ihr fragen, woher diese Tiere kommen und wie sie entstehen? – Da sage Ich euch: Diese Tiere entsehen aus dem Zusammenflusse der Sonnenlichtstrahlen, welche sich allenthalben in dem unermeßlichen Schöpfungsraume begegnen. Und daher wird es euch auch verständlich klar werden, wozu das viele Licht, welches der Sonne in die weiten, leer scheinenden Räume entströmt, von Mir, gewiß nicht unweise, verwendet wird.

11. Die Gestalt dieser Tiere ist die einer Kugel, deren Oberfläche äußerst glatt ist. Ihre Nahrung ist die Essenz des Lichtes. Und ihre Lebensdauer ist der trillionste Teil einer Sekunde, worauf sie – nach ihrem Ableben zu Trillionen sich einend – eine zweite Klasse von Wesen zu bilden anfangen, die sich zwar hinsichtlich der Größe von ihren Vorgängern um nicht gar vieles unterscheiden; nur wird ihr Leben um soviel konzentrierter, so zwar, daß sie schon ein Bedürfnis nach Nahrung empfinden; daher sie auch schon mit einem Organe versehen und unter dem Ausdrucke „Monaden“ zu verstehen sind.

12. Diese Tiergattung hat ihren Lebensraum schon in der Planetensphäre, d.h. in dem Bereiche, allda Planeten um die Sonne kreisen. Ihre Lebensdauer ist der tausendbillionste Teil einer Sekunde. Sehet, wie groß auch der Unterschied zwischen der Lebensdauer eines Atomes und einer Monade ist, so ist er aber für euch – eurem natürlichen Wahrnehmen nach – doch ein ganz unmerkbarer, da ihr mit euren Sinnen den trillionsten und tausendbillionsten Teil wohl niemals unterscheiden möchtet. Und doch wird euch die Rechnung einen ungeheuren Unterschied zeigen. – Nun auf gleiche Weise wird fast unter gleicher Gestalt eine Klasse nach der andern mit einem stets potenzierteren Leben gebildet, bis endlich das Leben solcher Wesen zu einer solchen Potenz gediehen ist, daß es anfängt, sich an der obersten Luftregion als ein lichtvoller, bläulicher Dunst anzusiedeln.

13. Die Lebensdauer dieser Wesen ist dann schon nach und nach bis zum tausendmillionsten Teile einer Sekunde angewachsen. Da geschieht es dann öfter, daß sich durch einen innern Trieb viele Trillionen und Trillionen solcher Blaulicht-Tierchen ergreifen und zur Fortbildung einer höheren Klasse begatten.

14. Ein solcher Prozeß wird dann euren Augen unter der Gestalt einer sogenannten Sternschnuppe sichtbar. Das Leben vieler solcher Tierchen tritt dabei aus ihren leichten Larven und vereinigt sich dann wieder zu einem Leben. Die Larven aber fallen dann vermöge ihrer Lebenskraft-Kompression als scheinbare, oft als weichere, oft aber auch schon als steinfeste, sogenannte „Meteoroliten“ zur Erde und vermehren die Erde mit ihrer toten Wesenheit.

15. Die nun freigewordenen Tierchen-(Seelen) sammeln sich dann gerade auf der spiegelglatten Oberfläche der atmosphärischen Luft in großen Massen und werden euch sichtbar als sogenannte „Lämmerwolken“. Bei diesen Tierchen, die noch immer unendlich klein sind für euer Auge, findet schon eine Reproduktion ihresgleichen statt, welche jedoch nicht permanent, sondern intermittierend ist. Denn wenn sie sich bis zu einer gewissen Masse und großen Anzahl vermehrt haben, dann werden sie vermöge der entlebten, freigewordenen Lebenshülschen schwerer und schwerer und sinken dann unter die Oberfläche des Luftmeeres. Dadurch geschieht wieder eine gewisse Vermählung erwähnter Tierchen-Massen mit dem in der Luft konzentrierten wärmehaltigen Lichte, welches unter dem sogenannten „elektrischen Stoffe“ verstanden wird.

16. Dadurch wird nun sogleich eine schon vollkommenere, sehr lebhafte Klasse gebildet, und diese füllt dann die Luft in dichter Wolkengestalt.

17. Wenn dann – was freilich nur periodisch geschieht, je nach dem mehr oder minder starken Ausströmen des Lichtes aus der Sonne (was von den verschiedenen, euch noch unbekannten, großen Prozessen auf dem Sonnenkörper herrührt) – nach euren Begriffen diese Wolken vermöge ihrer schon wieder potenzierten Reproduktionskraft zu einer großen Masse herangewachsen sind, allda geschieht dann wieder ein Klassenwechsel. Das Leben entbindet sich aus den noch immer kugelförmigen Larven, welche jetzt schon so groß sind, daß sie unter einem starken Mikroskope bereits wahrgenommen werden können, und fährt dann urplötzlich mit großer Schnelligkeit und großem Getöse als sichtbarer Blitz zur Erde, oft auch wieder in die feuchten Teile der Luft – und teilt sich sogestalt in großer Schnelle teils der Materie, teils der Vegetation der Pflanzenwelt, hauptsächlich aber einer in seiner Lebenssphäre ihm zunächstliegenden Tierklasse mit.

18. In die entleerten Larven aber zieht sich alsogleich beim Austritte des Lebens aus denselben die Feuchtigkeit der Luft, welche Feuchtigkeit eigentlich eine wohlgesegnete Substanz Meiner Barmliebe ist, und fällt dann nach Vereinigung vieler solcher segenerfüllter Larven als Regen zur Erde.

19. Nun erst fängt ein irdisches Tierleben an, und zwar in den Zwischenräumen solcher wassergefüllter Hülschen, und saugt die Nahrung aus Meiner Barmliebe.

20. Wenn dann nun die erlösten und freigewordenen Geister aus dem unteren Pflanzenreiche solches gewahr werden, alsdann treten sie nach Meiner Ordnug alsobald aus ihren Hüllen, vereinigen sich mit diesem gleichsam elektrischen Tierleben zu Millionen in eines und bilden die euch schon etwas bekannten sogenannten Infusionstierchen; wovon ihr euch überzeugen könnet, so ihr was immer für eine Pflanze nehmet, dieselbe ins Wasser leget und einige Zeit stehen lasset. Wenn ihr dann einen großen Tropfen unter ein gutes Mikroskop bringet, so werdet ihr da sobald schon in einem nur sandkorngroßen Punkte gar viele frei lebende und sich bewegende, geformte Wesen entdecken. Das ist nun die erste Tiergattung, die in der sichtbaren Materie dem aufmerksamen Beobachter zum Vorscheine kommt.

21. Jedoch werdet ihr nach Verlauf einer längeren Zeit in einem solchen Tropfen nicht nur eine, sondern wohl tausenderlei Tiergattungen entdecken, die sich in ihrer Form und Benehmungsweise wesentlich unterscheiden. Und ihr müßt ja nicht meinen, daß diese Tiere zugleich entstehen, sondern da geht immer eine Klasse durch die Vereinigung aus einer andern hervor.

22. Wenn ihr sehr gute Instrumente besitzen würdet, welche bis jetzt freilich noch nirgends in erwünschter Vollkommenheit vorhanden sind, so würdet ihr in der Beschaffenheit einer höheren Klasse noch deutlich zahllose Formen einer unteren Klasse entdecken. Denn da geht eine zweifache Zeugungsweise vor sich, nämlich die von Seinesgleichen und die einer höheren Klasse, welches auf folgende Weise geschieht:

23. Eine höherstehende Tierklasse nämlich verschlingt sehr gefräßig eine Unzahl Lebewesen aus der unteren Klasse. Dadurch wird nun aus dem materiellen Substrate und der individuellen Beschaffenheit der höheren Klasse Seinesgleichen reproduziert. – Jedoch was die vielen dadurch freigewordenen geistigen Potenzen in einer solchen höheren Klasse betrifft, so bilden diese – sich wieder einend – immerwährend eine noch höhere Klasse, welcher Akt dem materiellen Auge freilich niemals sichtbar werden kann, da er ein geistiger ist.

24. Und so geht es von Stufe zu Stufe höher, bis wieder ein Kreis von tausend Gattungen durchgegangen ist. Allda geschieht dann wieder ein sichtbarer, großartiger Prozeß, welcher sich durch Stürme oder sonstige große Bewegungen im Wasser kundgibt, allwann solche Geister schon mächtig werden und ihre Gegenwart in den Winden fühlen lassen. – Da geschieht dann eine Teilung. Einige vereinigen sich zu allerlei Gewürm der Erde, andere aber zu dem Gewürm des Wassers. Und diese Weiterzeugung geschieht dann durch Bewegung von sichtbaren größeren Hülsen, welche ihr schon „Eierchen“ nennt, woraus dann wieder ein und dieselbe Gattung sich reproduziert zur Aufnahme einer vielfältigeren unteren Klasse.

25. Zunächst solchen Würmern kommen dann schon die kleineren Gattungen der Schaltiere, und zwar zuerst die der Schnecken. Zunächst dieser auch zugleich die der Muscheltiere, welche beide Gattungen fast zu gleicher Zeit entstehen – nur mit dem Unterschiede, daß der bessere, gewisserart männliche Teil zu Schnecken und der schlechtere, gewisserart weibliche Teil zu Muscheln wird.

26. In dieser Schnecken- und Muschelgattung geschieht dann wieder bis zur Schildkröte eine ebenfalls tausendfache Progression. Jedoch weiter wollen wir für diesmal die Ordnung nicht verfolgen, sondern wollen nun bei der sogenannten Perlenmuschel verbleiben.

27. Die Perlenmuschel steht in der Fortbildung in der neunhundertneunzigsten Stufe und ist aus einer Vereinigung der euch bekannten Perlmuttermuschel mit der euch ebenfalls bekannten Perlmutterschnecke hervorgegangen. Allda vereinigt sich nämlich ein zweifaches Leben, ein weibliches und ein männliches.

28. Das weibliche Leben verschließt sich in eine äußerlich rauhe, innerlich jedoch sehr schön metallisch schimmernde Doppelhülle und vegetiert in derselben ganz wohl. Es nährt sich von den substratreichen Würmerlarven, aus denen es das Substrat in sich saugt. Die ganz ausgesaugte Larve aber verwendet es zum Weiterbau seines Gehäuses, welches also geschieht:

29. Wenn das Muscheltier durch seine vielen Saugrüsselchen seine Kost genommen hat, so behält es das Substanzielle als seine Nahrung in sich und schwitzt die leeren, erweichten Hülsen durch eben diese Rüssel wieder an seine Schale, allwo sie sich ankleben und durch den Beitritt des salzigen Wassers festen, da sie dadurch herbe, zusammenziehend und kompakt werden.

30. Wenn nun eine Perlenschnecke gewahr wird einer solchen weiblichen Muschel, dann kriecht sie sogleich hin zur selben, setzt sich an die runzlichte Schale und bohrt an dem fühlbaren feineren Teile der Muschel Öffnungen oder Löcher. Wenn nun die Muschel solches liebegeartetes Treiben der Schnecke gewahr wird, alsdann fängt sie an, ihre unverdaulichen Nahrungsteile, nämlich die Larven, deren erwähnt wurde, an den Stellen, wo die Schnecke durchgearbeitet hat, abzusetzen, um die Öffnungen gleichsam zu verstopfen. Die Schnecke aber hindert ihrerseits das Gelingen soviel als ihr nur immer möglich. Denn sie schwitzt dann bei solchen Öffnungen ebenfalls ihren Unrat hinein, wodurch sich natürlicherweise eine Art Kugel innerhalb einer solchen Öffnung gestaltet, welche dann sowohl aus den Exkrementen der Perlenmuschel als auch aus denen der Schnecke sich formt und an welcher – besonders wenn sie größer geworden ist – noch allerlei Kampfeindrücke wohl bemerkbar sind.

31. Auf solche Art geht dieser Kampf oft viele Jahre vor sich. Und wenn dann eine bestimmte Lebenszeit verflossen ist, alsdann verläßt die Schnecke ihre Stelle und macht sich an den sogenannten Mund der Muschel, allwo sie mit einem ihr eigentümlichen Stachel das Fleisch der Muschel durchsticht. Dadurch öffnet sie dem Leben der Muschel die Türe, worauf sie ihr eigenes Haus verläßt, sich selbst mit diesem Leben vereinigt und dann in einer höheren Schneckengattung, als die sogenannte Nautilus-Schnecke, auftritt, allwo sie voll Freude ist, ein schönes Haus baut, selbes sogar äußerlich und innerlich mit schönen Zierraten bemalt und zum Zeichen des Sieges – besonders bei Stürmen, gleichsam ihr erhöhtes Leben zeigen wollend – eine förmliche Fahne emporschießen läßt.

32. Nun sehet, das ist die ganze naturgemäße Bildungsgeschichte der Perlenmuschel und kann euch als ein sinnreiches Bild dienen, wie durch Beharrlichkeit und Ausdauer im Guten ein schöneres und erhabeneres Leben durch die Vereinigung des Guten und Wahren aus Mir hervorgeht und stark und mutig selbst die Stürme der Zeiten zu seiner Freude verwendet. Denn dem Sieger ist das Zeichen der Macht eine Krone und gibt ihm eine friedliche Seligkeit im Anblicke seines Beharrens. Nur dem Besiegten ist der Anblick der Siegestrophäen eine Qual.

33. Daher sollet auch ihr mit dem Stachel eurer Demut in euer Inneres graben, um dadurch eurem Geiste die Türe des Lebens in euch zu öffnen. Und wie die kostbaren Perlen als Zeichen edlen Strebens in der toten Muschel zurückbleiben, so werden eure Taten, wenn sie aus Meiner Liebe und Wahrheit hervorgegangen sind, der Nachwelt dauernd zurückbleiben. Und da wird keine so klein sein, daß sie nicht gleich einer auch noch so kleinen Zahlperle an die große Zierschnur des menschlichen Lebens frucht- und heilbringend gereiht werden möchte.

34. Sehet, das ist nun wieder ein kleines Evangelium, welches euch eine Perlenmuschel predigt. Und so, wie in ihr, liegt in jedem naturmäßigen Dinge eine große Spur, entsprechend Meiner ewigen Liebe und Weisheit, verborgen.

35. Daher seid fleißig, dieweil es Tag unter euch geworden ist, und sammelt euch des Öles viel von Meinem lebendigen Ölbaume – damit, wenn nach dem Tage wieder eine Nacht kommen sollte, ihr euch eine Lampe anzünden möget zur Zeit der Nacht und erwarten Mich, den Bräutigam eures Lebens. Denn wenn Ich zu jemand komme, so komme Ich nie am Tage, sondern allezeit zur Nacht, kehre aber nur in ein Haus ein, allwo Ich ein sanftes Licht Meiner Liebe brennen sehe.

36. Denn die Liebe ist das wahre Öl des Lebens. Wenn ihr dieses Öl in die Lampe eures Herzens gießet, so werde Ich es anzünden mit Meiner Gnade. Und wenn nun dadurch die Nacht eurer Seele erleuchtet ist, dann erst werde Ich kommen als wahrer Bräutigam des Lebens und Wohnung nehmen in euren Herzen.

37. Daher seid emsig und fleißig! – Amen! – Ich, die Ewige Liebe und Weisheit, sage es euch! – Amen.

 

Die Naturseelenentwicklung im Tierreich. – 16. August 1840, von 9 Uhr bis 12 Uhr vormittags

a. Schreibende: K. G. L. – S. – D. – Andr. und Ans. H. – Der Herr sprach durch Jakob Lorber wie folgt:

a1. Damit ihr euer heutiges Thema, welches in der inneren geistigen Darstellung einer Taube besteht, begreifet, so ist es notwendig, einige flüchtige Rückblicke auf das am gestrigen Tage euch Mitgeteilte zu machen.

a2. Obschon die Bewohner der Luft nächst den Bewohnern des Wassers die höhere Fortbildungsstufe einnehmen, so ist es doch, wenn man aus dem Wasser gestiegen ist, nötig, zuerst über die Fläche der Erde einen Blick zu werfen und dann sich erst in die Regionen der Luft zu erheben, um daselbst eine nähere Bekanntschaft mit deren geflügelten Einwohnern zu machen.

a3. Im Wasser gibt es eine sonderbare Art Wesen von einer sehr unförmlichen Gestalt, die da nicht besser aussieht als ein vielbezweigter Baumast und von euch mit dem Namen „Polyp“ benamset wird. Dieser Polyp setzt sich gleich einem Baumgewächse an irgendeiner Stelle fest, wurzelt sich in dieselbe ein und ergreift mit seinen vier, fünf, sechs, oft auch sehr vielen Armen oder Rüsseln die ihm nahekommenden Gewürmer und andere Wasser-Insekten und verschlingt dieselben in sich, wodurch er dann – besonders in den unteren Tiefen des Meeres – zu einer baumartigen Größe heranwächst.

a4. Wenn dadurch nun seine Verdauungsorgane fester und fester geworden sind, so fängt er, auch hierin gleich einem Baume, an, teilweise abzusterben und lebt nur noch in seinen äußeren, jüngst gewachsenen Rüsseln fort. Jedoch nach und nach, besonders wenn es ihm anfängt an hinreichender Nahrung zu gebrechen, so wird er dann ganz tot.

a5. Ist nun dieses mit ihm vorgegangen, so geht sein ganzes unförmliches Wesen in eine unzählige Menge von kleinen rötlichen Würmern über. Diese Würmer zehren dann, sich gewaltig vermehrend, wohlbehaglich an einem solchen abgestorbenen Polypen. Und wenn sie sich so gewisserart zu Tode gefressen haben, dann vereinigt sich ihr Leben zu einem Leben, aus welchem dann eine Art Fische zum Vorscheine kommt.

a6. Dieser Fisch ist der nämliche, der euch unter dem Namen „Tintenfisch“ oder „Tintenwurm“ (Sepia) bekannt ist und in großen Mengen seine Wohnung vorzugsweise in den größten Tiefen der Meere hat.

a7. Seine Nahrung besteht ebenfalls in einer Art schwarzbrauner Würmer, welche ungefähr die Gestalt eines Haferkornes haben, an ihren Bauchseiten gleich einem Fische mit zwei Flossen versehen sind und ihren Feind ganz wohl kennen. Wenn nun unser Tintenfisch seine Mahlzeit halten will, so trübt er das Wasser mit einem schwarzen Safte, welcher zugleich eine betäubende Wirkung auf die kleine Tierwelt ausübt.

a8. Nun, auf diese Weise bereitet er sich dann immer seine Mahlzeiten. Und wenn er sich so jahrelang hindurch an Tausenden und Tausenden solcher Würmer sattgefressen hat, so stirbt er natürlich in der Menge seines Geschlechtes, nachdem er mehrere Millionen solcher (Würmer-)Leben in sich aufgenommen hat.

a9. Diese nun so potenziert vereinten Würmerleben vereinen sich dann wieder – wie schon bekannt – in eines, von welcher Vereinigung freilich wieder keinem Naturforscher je etwas geträumt hat. Ich aber, als der Urheber aller Dinge, weiß wohl alle Wege, die Ich vorgezeichnet habe in Meinen Werken. Und somit sage Ich euch, daß aus der Vereinigung solcher Leben wiederum ein anderes Wesen hervorgeht, und das zwar der sogenannte „Seefalk“ oder „fliegende Fisch“.

a10. Dieser Seefalk nährt sich nun teils von den Insekten des Meeres, teils aber auch von den Insekten, die er in einem raschen Fluge in der Luft fängt; daher hat er auch seiner inneren Gestaltung nach eine doppelte Einrichtung, nämlich die eines Fisches und die eines Vogels. Er hat nämlich in seinem Bauche eine Blase, die er augenblicklich mit atmosphärischer Luft füllen und nach seinem intelligenten Vermögen auch wieder ganz oder zur Hälfte entleeren kann.

a11. Aber da ist wieder für die Naturforscher ein unauflöslicher Knoten vorhanden, da sie nicht wissen, wie der Fisch in der Mitte des Wassers zu atmosphärischer Luft kommt und woher er sie nimmt. Jedoch so schwer wie den Naturforschern wird es Mir nicht sein, euch auch dieses Rätsel völlig zu lösen. Also merket:

a12. Der Fisch läßt durch einen eigenen Kanal einige Tropfen Wasser in die Blase hineindbringen. Unter der Blase aber befindet sich ein dunkles, metallisch aussehendes Gewebe. Dieses Gewebe hat die Eigenschaft, daß es alsbald eine über 80 Grad heiße Temperatur annimmt, sobald sich ein Tropfen Wasser über ihm in der Blase befindet. Durch diese plötzlich erzeugte Hitze wird das Wasser in einem Augenblicke in einen Dunst aufgelöst und füllt somit die Blase mit atmosphärischer Luft. Diese chemische Handlungsweise ist nach Meinem Willen jedem Fische, je nach seinem Bedürfnisse, so geläufig wie euch die Bewegung eurer Hände und Füße.

a13. Nun, eine solche Einrichtung hat denn also unser fliegender Fisch. – Aber seht, so könnte er noch nicht fliegen, und wären seine Flügel auch ellenweit. Sondern er hat noch nebst dieser Blase durch sein ganzes Körperwesen eine Menge Röhrchen oder Organe gezogen, welche – wenn er fliegen will – sogleich mit einem äußerst leichten Gase gefüllt werden. Diese Füllung geschieht auf folgende Weise:

a14. Die atmosphärische Luft wird durch einen eigenen inneren, elektrischen Prozeß geteilt, dadurch sinkt das Schwere der atmosphärischen Luft als tropfbare Flüssigkeit in der Blase nieder und wird durch einen eigenen Kanal, der sich nur bei einer solchen Gelegenheit öffnet, alsogleich hinausbefördert. Das sehr leichte Gas aber strömt dann in die erwähnten vielen Röhrchen und benimmt der Fleischmasse des Fisches in gerechtem Verhältnisse dessen natürliche Schwere, so zwar, daß sein Körper annähernd gleichgewichtig wird mit der atmosphärischen Luft. Nun spannt der Fisch seine Flügel aus und kann mittelst dieser auf natürliche Weise fliegen wie ein Vogel. Dabei geben ihm seine Flossen nach seiner Intelligenz die Richtung, und seine Flügel erheben ihn zu jeder beliebigen Höhe.

a15. Sehet, das ist nun die mechanische Beschaffenheit dieses Tieres. Wie aber dieses Tier von zweierlei Kost lebt, so hat es auch zweierlei Feinde; nämlich im Meere eine größere Gattung der Raubfische, und in der Luft eine Menge große Wasservögel, die fast allezeit diesen Luft-Usurpator für seine Keckheit mit dem Tode bestrafen.

a16. Da dieser Fisch nun eine ganz gutmütige Gattung ist, so geschieht nach seinem Austritte aus solchem Leben folgender Teilungsprozeß: Der weibliche Teil, somit auch der blödere, vereinigt sich und geht sogleich in eine Vogelgattung über, welche bei euch unter dem Namen die „Seemöve“ bekannt und noch immer auf die Nahrung der Wasserinsekten beschränkt ist. – Der männliche Teil aber vereinigt sich ebenfalls, und er wird zum Gegenstand eures heutigen Themas – und somit wären wir zu der sehr bedeutungsvollen „Taube“ gekommen.

a17. Ich sage euch, was das Lamm unter den Vierfüßlern, das ist die Taube unter den Bewohnern der Luft, aus welcher Ursache sie auch wohlbekanntermaßen von Mir als das Bild der Sanftmut, ja oft auch als das Bild der Heiligkeit Gottes dargestellt wird. Und so steht dieses Tier an der Spitze aller Bewohner der Luft und zugleich, durch seine Sanftmut und gänzliche Unschädlichkeit, auf der letzten Stufe, allwo ihre Geister, sogleich mit zahllosen Geistern aus andern edlen Kreaturen beherrschend vereint, zu Menschen-Seelen werden. – Ihr weiblicher Teil entspricht der sanften Liebe, ihr männlicher der daraus fließenden Gnade.

a18. Ihr werdet euch zwar, da es im Meere eine so gewaltige Menge der Tiergattungen gibt, fragen, auf welche Weise wohl diese alle bis zur Stufe der Taube gelangen können. Allein da sage Ich euch, der sogenannte Polyp ist eben auch sehr verschiedenartig, und da gibt es denn fast jeder Tiergattung des Wassers entsprechende Polypen. Und diese Polypen sind durchgehends nicht, der Meinung eurer Naturforscher entsprechend, eine allerunterste Gattung der Tierwelt, sondern vielmehr ruhige Läuterungsanstalten, welche immerwährend – ohne abzusetzen – in sich verschlingen, was ihnen unterkommt. Und so sind sie eine Mittelstufe zwischen den Würmern und allen möglichen Fischgattungen. Denn durch sie wird die Welt der Würmer in eine höhere Stufe befördert.

a19. Die Fische aber stehen schon sämtlich auf dieser höheren Stufe, da sie nach ihrer Lebens-Vereinigung zu Bewohnern der Luft werden. Und so entspricht fast jede Fischgattung einer Vogelgattung.

a20. Jedoch ist im Meere noch eine andere Gattung der Tiere, welche durch das euch schon bekannte Schaltier-Leben fortgebildet wird, deren letzte Bildungsstufe schon so gestaltet ist, daß sie teils im Wasser, teils auch auf der Erde in atmosphärischer Luft leben können. Dergleichen Tiere sind die Schildkröten wie auch noch andere, schildlose Kröten- oder Frösche-Gattungen; welche Tiere alle schon mit den Sinnen des Gesichtes, des Gehöres, des Geruches und des Gefühles sowie auch des Geschmackes begabt sind. Ferner sind das Seekalb, der Seelöwe, das Walroß und so auch alle Vierfüßlern entsprechende Tiere als Halbbewohner des Wassers und der Erde anzusehen, durch deren Gattungsvereinigung entsprechende Vierfüßler der Erde werden.

a21. Es gibt dann noch eine dritte Fortbildungsstufe im Meere, welche jedoch seltener, daher auch großartiger und wunderbarer ist, davon Ich euch bei anderer Gelegenheit näheres kundgeben werde.

a22. Doch nun kehren wir wieder zu unserer Taube zurück, welche wir noch näher beleuchten wollen.

 

Entstehungsgeschichte und Lebensbestimmung der Taube. – 16. August 1840 (Fortsetzung)

b1. Obschon die Taube auf diese nun bekannte Weise dem Meere entstieg, so gehört sie aber doch in der Klasse der Vögel zu derjenigen Gattung, welche aus allen drei Reichen der Natur – fast gleich einem Menschen – Nahrung zu sich nehmen kann. Sie kann Körner, Gras, Würmer, Insekten und sogar kleine Steinchen verzehren, in welcher Hinsicht sie euren Haushühnern gleichkommt.

b2. Die Taube selbst aber zerfällt in ihrem Geschlechte, wie auch jede andere Vogelart, in mehrere Gattungen. Und da gibt es eine sogenannte Holz- oder Wildtaube, eine Turteltaube, eine Lachtaube, eine Feldtaube, eine Haustaube, welch letztere sich noch unterscheidet in die sogenannte Kropftaube oder Goldtaube, Perltaube und so fort. Und so gibt es noch in anderen Ländern viele Gattungen von verschieden gearteten Tauben.

b3. Jedoch die edelste von allen diesen Taubengattungen ist die Haustaube, auch „die gemeine Haustaube“ genannt, welche an ihrem ungleichartig gefärbten Gefieder leicht zu erkennen ist. Denn es soll euch überhaupt das bei der Tierwelt ein Hauptaugenmerk sein: Wo euch immer eine zahme Tiergattung von derselben Art vielfärbig vorkommt, da steht sie auch schon eurem Wesen am nächsten; weil die Farbe da schon eine Charakteristik der inneren vielfältigen Beschaffenheit ausdrückt – aus welchem Grunde daher auch die weiße Farbe aller andern Färbung vorzuziehen ist, da sie bei der Tierwelt einer soviel wie makellosen inneren Gemütsart entspricht. – Da ist nun also eine Charakteristik, nach welcher ihr die Entwicklungsstufe einer Tiergattung vermöge des Vorhergehenden wohl berechnen könnet!

b4. Auf diese Art ist nun die gemeine Haustaube, wie schon gesagt, die edelste Gattung der Vögel und ist der Lebensinbegriff aller ihrer Vorgattungen wie auch fast zahlloser Arten anderer, sanfterer Luftbewohner. Und so ist sie auch ein Aufnahmegefäß des besseren Lebens aus dem Pflanzenreiche wie auch sogar mitunter aus dem Mineralreiche.

b5. Seht, wenn nun eine Taube stirbt, so vereinigt sich mit ihrem Lebensprinzip das Leben von allen möglichen Gattungen, sowohl von Vögeln und Landtieren wie auch der Pflanzen und Steine, und tritt als so vereintes geistiges Leben in den Menschen.

b6. Jedoch müßt ihr nicht glauben, daß einzig und allein von der Taube ein solcher Übertritt geschehe, sondern da gibt es noch tausend Gattungen sowohl der Luftbewohner als auch der Vierfüßler auf der Erde, durch welche solche Übertritte geschehen. Und möge euch das noch so sonderbar und wunderbar klingen, so ist es demungeachtet dennoch gerade also. Denn da kennt niemand Meine Wege, auch nicht ein Engel des Himmels, als nur Ich allein und der Frommgläubige, dem Ich es mitteilen will.

b7. Wer da glaubt, dem werden gar viele Wunder erschlossen werden. – Jedoch dem Ungläubigen ist weder zu raten noch zu helfen. Umsonst schaut er mit seinen blinden Augen in Meine große Werkstätte des Lebens. Ich sage euch: Er wird nichts finden als Exkremente des Todes. Denn das Leben ist geistig. Und da hilft kein Mikroskop, um dasselbe in seiner Wirkungssphäre zu belauschen; sondern nur das Auge des Geistes, welches der Glaube ist, kann da schauen in die Tiefen der Wunder des Lebens.

b8. Und glaubet, soviel euch auch von Mir gezeigt und schon gesagt wurde, so ist das aber doch noch nicht der trillionste Teil selbst auch nur des Lebens einer Milbe! – Daher denket euch, daß euer Vater noch gar vieles im Hintergrunde versteckt hat, was euch alles nach und nach vollendeter und vollkommener gegeben wird, je mehr ihr euch durch die wahre Demut, welche in dem willigsten Gehorsame besteht, einfältiger und dadurch auch befähigter gemacht habt.

b9. Seht, die Taube ist ein einfältiges Tier. Aber eben in dieser Einfalt kann sie auch mit ihrem Flügelpaare über alles irdische in die lichtvolle Luft sich erheben und da im raschen Fluge ihr Gesicht nach allen Richtungen wenden und sich tragen durch die Ströme des Lichtes, um allda aus dem ewigen Lebensborne stets frische Kost des Lebens in sich zu saugen.

b10. Ebenso auch ihr! So ihr geworden seid gleich einer Taube in eurer Sanftmut und biederen Einfalt, dann wird euer Geist, gleich diesem sinnlichen Sinnbilde, in dem Reiche des Lebens aus Mir raschen Fluges Höhen erreichen, von denen keinem Sterblichen auf dieser Erde auch die leiseste Ahnung gekommen ist.

b11. Und so oft ihr eine Taube ansehet, erinnert euch in eurem Herzen dieses kleinen Evangeliums! Und denket, da ihr solches begreifet, daß euch das große Reich Meiner Gnade nahegekommen und daß die Zeit herangereift ist, da der Feigenbaum saftig und voller Triebe geworden ist.

b12. Nächstens sollet ihr noch die spezielle Beschaffenheit eines Vogels zur Anschauung bekommen und sehen, wie er fliegt und wie seine Nahrung in ihm verwendet wird!

b13. In dieser Erkenntnis werdet ihr Außerordentliches zu sehen und in euch wohl zu erkennen bekommen. Allein wenn Ich euch auch solches werde bis ins einzelne erörtert und zergliedert haben – so denket dabei, daß Ich euch nicht naturmäßig fliegen lehren will, sondern – geistig! – Amen.

b14. Ich, die Ewige Liebe und Weisheit! – Amen.

 

Stellung zur Kirche. – 20. August 1840

1. Ein ganz kleines Beiwort an jene, die da meinen, in der Schrift „Der Weg zur Wiedergeburt“ nicht Meine, sondern des Satans Stimme zu vernehmen, oder jene Schrift doch wenigstens als ein eitles Machwerk Meines Schreibers ansehen. An sie seien diese Zeilen gerichtet!

2. Sie zweifeln an der Echtheit Meiner Gnade. Doch wenn Ich auch zweifelsfähig wäre, so könnte Ich da auch sehr an ihrer Liebe zweifeln! Denn sie haben wohl den Verstandesglauben, aber weit entfernt ist noch von ihnen ein gläubiges Herz. – Statt das Herz durchs Gefühl verständig und empfänglich zu machen, füllen sie nur immer mehr und mehr den Verstand. Dieser ist ihnen von lauter Lesen angeschwollen wie ein vollgefüllter Ball. Dieser Ball hängt durch die Schnur des Willens am Herzen. Das Herz nun möchte sich ausdehnen und in vollen Zügen Meine Barmliebe in sich schlürfen, besonders wenn Ich so etwas recht Demütigendes ein wenig verhüllt gebe, so daß es wegen der Umhüllung nicht mehr durch die feinen Poren des Balls ihres Luftverstandes dringen kann und demzufolge aufs Herz fällt und da Eingang finden möchte.

3. Allein der mit den Luftgasen gefüllte Verstandesballon zieht dann an der Willensschnur vermöge seiner spezifischen Leichtigkeit gleich einem Luftballon so stark, daß die Einmündungen in die Geisteskammern des Herzens dadurch fest zusammengeschnürt werden und die Gaben auch hier nicht eindringen können. Was folgt aber daraus? Nichts anderes als Zweifel, weil die lebendige Gabe zwischen den beiden Enden der Willensschnur, gleichsam auf- und abrutschend, weder in das eine noch in das andere den Eingang findet. Da muß Ich dann hinzutreten und den Verstand etwas auslüften, damit er wieder zum Sinken kommt, die Schnur schlaff wird und so das zusammengeschnürte Herz wieder Luft bekommt.

4. Der ordnungsmäßige Zustand aber soll folgender sein: Das Herz wird mehr und mehr durch die demütige Darniederkunft des Verstandes erweitert und nimmt denselben in sich auf. Da wird dann der Verstand selbst von der Liebe erwärmt und dehnt sich im Herzen aus. Dadurch wird auch die Liebe gespannter und gespannter, entzündet sich endlich in ihrer beseligenden Wärme, und das Licht ihrer sanften Flamme durchleuchtet gar lieblich sanfthell den Verstand. Da erglänzen dann die Schätze des Himmels im Verstand, werden durch die Wärme des Lichts größer und größer und immer zerlegter und zergliederter (wie unter einem Mikroskop) – woraus dann das schöne Herzensverständnis der Liebe und des wahren, lebendigen Glaubens kommt und das Senfkörnlein sich zum Baume umgestaltet und die Vögel des Himmels und endlich auch Mich Selbst zum Wohnen in seinen Zweigen einladet.

5. Dieses Gesagte diene zu deiner Beruhigung bei ferneren, ähnlichen Vorwürfen, als ob du (Jakob Lorber) ein Diener Zweier wärest, oder als ob Ich Mich auch eines Werkzeuges des Satans für Meine Gnade bedienen möchte. Das wenige Folgende aber diene zur Lüftung des Verstandes bei den Zweiflern!

6. Ist es wohl löblich, wenn Kinder ihre kranke Mutter verlassen und der Leidenden den Tod wünschen ihrer vielen Gebrechen halber? – Ich sage, die römische Kirche ist eine Hure; aber ihr seid denn doch in ihr geboren worden und habt die erste Kindermilch aus ihrer Brust gesogen. Sie lehrte euch zuerst Meinen Namen nennen, nährte euch wie eine recht zärtliche Mutter und untersagte euch nur das Naschen solcher Speisen, die euch den Magen verdorben hätten. Sie weckte dadurch in euch den Appetit zu kräftigeren Speisen der Seele und des Geistes, welche nach Meinem Willen euch von Mir nie vorenthalten wurden, so daß ihr nach Herzenslust habt schwelgen können. Und noch heutzutag schwelget ihr wie nicht bald jemand – in ihrem Schoße!

7. Wie kommt es denn nun, daß ihr mit Jakobus und Johannes rufet: „Herr, lasse Blitz und Schwefel regnen auf ihr krankes Haupt!“? – Hört, da schaut noch ganz wenig wahre Liebe heraus! Meinet denn ihr, Vernichtung sei der Weg zur Besserung!? O nein, da irrt ihr euch gar abscheulich. So meinten denn auch alle Sektenstifter. Aber sie haben sich ebenfalls sehr geirrt, und die Folge war: Bruderzwist, Krieg, Mord und Greuel aller Art! – War eine solche Besserung gesegnet? Oder kann da eine Sekte sagen: „Meine Lehre ist nicht mit dem Blute der Brüder besiegelt!?“

8. Sehet, sie, die Römerin, ist dasjenige ehebrecherische Weib, welches da hätte gesteinigt werden sollen. Ich aber sage auch hier: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“ – Wieder ist sie das kananitische Weib und hat einen großen Glauben und viel Liebe. – Wieder ist sie das Weib, das da zwölf Jahre am Blutgange litt und Mir aus Meinem Kleide die Heilung stahl und genaß, da sie viel Glauben und Liebe hatte. – Und wieder ist sie gleich der großen Hure und hernach Büßerin Magdalena, die da Meine Füße salbte. – Unter allen diesen Gestalten kann die römische Kirche auftreten.

9. Dagegen sind andere „Jünger“ voll Ärgers, so sie von Meinem „Fleische und Blute“ hören. Sie glauben, was sie wollen, beleben sich mit den Brosamen, die von ihrer Herren Tische fallen (was da ist mein zerstückeltes Wort) und wollen in ihrem übermütigen Taumel beweisen, daß Ich gar nicht sei; und wenn doch noch etwas von Mir übrigbleibt, so kann Ich erst dann sein, wenn sie so herablassend waren und Mich in ihre „Idee“ aufgenommen haben. Wahrlich Ich sage: So irgendeine Sekte im Vollbesitze Meines Wortes zu keiner besseren Vorstellung von Mir gelangen kann als zu einer solchen, die auf Meine gänzliche Vernichtung ausgeht, da sind Mir sogar die Türken in ihrer ehrlichen und strengen Blindheit lieber, da sie Mich doch noch für etwas Höheres halten als ihren Abgott Mohammed; und unvergleichlich lieber die Römischen, allwo man Mir, als Gott und Herrn doch noch immer wenigstens ein äußerliches, sichtbares Opfer darbringt, welches für viele ein lebendiges Denkmal Meiner Erlösung ist.

10. Sehet, so steht es also mit Rom! – Ich habe kein Wohlgefallen am Vatikan noch an der Peterskirche. Und es wäre Mir an deren Stellen ein Armenhaus überaus lieber. Rom ist eine Stadt, die mit den Königen der Welt Hurerei getrieben hat. Sie ist eine Hure und tut wie eine Hure. Sie schmückt ihr Fratzengesicht und zieht ihrem halbverwesten Leibe schöne Kleider an, um auszusehen, als wenn sie noch eine Jungfrau wäre. Seht, dieses alles und tausendfach anderes ist Mir wohlbekannt. Aber sagt ihr nicht selbst: Eine Hure erzieht ihre Kinder oft besser als eine stolze Mutter, die da glaubt, sie habe alle Meine Weisheit mit dem Löffel gegessen!? So sage auch Ich: Diese Hure hat schon sehr viele gute Kinder erzogen und hat dadurch Meine Füße gesalbt. Daher will Ich ihr helfen und sie ansehen, damit sie Buße tue; denn sie hat viel gesündigt, aber auch viel geliebt!

11. Zu euch aber sage Ich, daß ihr in ihr geboren und getauft wurdet, daher sollet ihr auch nicht Vernichtung, sondern Heilung ihr wünschen. Ich gebe euch den Balsam und heile in euch das Erbübel. So ihr nun lebet nach dem gegebenen Regeln, so wird euch die Kirche achten. Und so sie an euch erfahren wird Wunderdinge, so wird sie selbst nach dem Balsam verlangen und wird im stillen viele ihrer Wunden heilen. So ihr aber wollet abtrünnig werden, so wird wenig Segen an eure Brüder gelangen!

12. Lebet, wie Ich euch gezeigt habe, dann wird euch auch nie eine Untersuchung Meinetwegen treffen! Denn Ich werde euch beschützen und Mein Werk wird ungehindert ans Tageslicht treten als ein großer Magnet, der alles an sich ziehen wird. Aber ihr müßt ihn nicht entkräften durch euren Ungehorsam und durch solche Zweiflerei.

13. So ihr sagt: Wie kann da ein neunundneunzigfacher Segen darin sein? – Da sage Ich: Es werden im Himmel sich die Engel über einen büßenden Sünder neunundneunzigmal mehr freuen als über ebenso viele Gerechte, die da meinen, durch Mein Vollwort gerechtfertigt zu sein. – Denn das sage Ich wahrlich: Luther, Calwin, Melanchthon u.a. mehr wiegen nicht einen Johann vom Kreuz, noch einen Johann von Gott, noch einen Franziskus, noch einen Thomas von Kempen, noch einen Taulerus, noch eine Theresia und noch viele tausend andere auf.

14. Ja da hätten die namhaftesten Protestanten noch sehr vieles lernen können! Selbst Swedenborg hat in Rom manches erfahren, was ihm erst die Pforte zum inneren Leben ganz bedeutend zu öffnen geholfen hat; denn er war einer, der sich aus allem die Quintessenz zu verschaffen wußte und tatsächlich davon den Nutzen zog.

15. Seht, daher geht der Weise in die alte Rumpelkammer und findet da oft große Schätze vom Staube der Zeremonie bedeckt. Den Staub wischt er weg und legt das reine Gold in seine Schatzkammer. Desgleichen tuet auch ihr! – Denn es steht geschrieben: „Laßt die Kleinen zu Mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich der Himmel“! Und wer nicht wird gleich ihnen, wird nicht kommen alsobald in Mein Reich, als bis er wird wie sie, die da nicht grübeln, sondern in der Einfalt den Eltern aufs Wort glauben und darnach tun; und selbst, wenn sie durch Meine Gnade den Eltern entwachsen sind, noch immer ihr Wort ehren, wenn sie es auch nicht benötigen.

16. Noah fehlte, da er sich berauschte; aber er hat den Sohn verflucht, da er gelacht hat. Und die zwei, die, ihn liebend, seine Blöße bedeckt haben, hat er gesegnet. Desgleichen (wie die zwei besseren Noahsöhne) tuet auch ihr, wollt ihr neunundneunzigmal gesegnet sein! – Das sage Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen, Amen, Amen.

 

Vom Zweck der Neuoffenbarung. – 21. August 1840

1. Was den Zweck aller dieser Eröffnungen betrifft, so besteht dieser darin, daß dadurch fürs erste eurem hochgelehrten Weltverstande gezeigt wird, wie gar so töricht sein Bestreben ist, Dinge erforschen zu wollen und sie ins Bereich seiner unaussprechlichen Verhältnis-Beschränktheit zu ziehen, die ihrer Tiefe, Größe und Heiligkeit wegen ewig über seine Sphäre werden entfernt bleiben, da dergleichen nur dem Einfältigen in sein frommgläubig Herz gelegt wird, ja, zum beschämenden Zeichen der Weltweisheit, auch den Kindern in die Wiege, wie Ich es auch sogar den Steinen geben kann.

2. Fürs zweite aber besteht dieser Zweck auch darin, euch und aller Welt die wahren Wege Meiner erbarmenden Liebe zu zeigen, welche sie einschlägt, um das ewige Heil aller Wesen zu gründen, und wie, wann und warum dieses alles so ist und geschieht – damit dadurch allen Weltzweiflern ein Ende werde und die Dinge in ihren urwahren Verhältnissen mögen erschaut werden. Denn wie ein guter Baumeister doch gewiß am besten weiß, wozu dies oder jenes bei einem großen Werke da sein muß, so kann es auch nur Ich wissen, warum dies, warum jenes und wie, wann und wodurch.

3. Wer da forscht und grübelt ohne Meine Gnade, der geht allezeit fehl. Wer aber zu Mir kommt und lernt es von Mir in seinem Herzen, der hat es in der Fülle der Wahrheit, daran nie auch nur ein Häckchen geändert wird in alle Ewigkeit.

4. Und fürs dritte aber soll daraus die mannigfache Bosheit der Menschen aus allen Klassen und Ständen klar ersichtlich werden – und wohl begriffen, wie solche Menschen ihrer blinden Bosheit wegen das Heiligste und Reinste in ihren sinnlichen Weltschlamm hartnäckig herabziehen und es scheußlich verunstalten zu ihren verdammlichen, eigennützigen Zwecken.

5. Kurz und gut, es soll und muß alles offen werden vor der Welt, damit dann ein jeder wisse, wie er daran ist. Ja es soll der Mittelpunkt der Erde so offen vor der Welt Augen aufgedeckt werden wie eine verdeckte Speise vor den Gästen zur stärkenden Nahrung. Und so soll auch keine Sonne so weit entfernt sein, daß sie nicht sollte unter dem Mikroskop des lebendigen Glaubens der Einfalt in kleinste Teile zerlegt werden, und wäre ihr Umfang größer als der eures größten Gedankens, den ihr nur immer zu denken vermöget. – Und es soll auch keinen noch so kleinen Faden irgend geben, und wäre er noch so fein gesponnen, der da nicht käme an das stark vergrößerte Licht Meiner Gnadensonne! Ja, Ich will aus Punkten durchsichtige Weltkörper bilden und die Zentralsonnen in enthüllte Punkte zerlegen, damit die Welt sehe, daß am Ende doch Ich alles in allem bin.

6. Wenn dadurch nun die Welt zur Einsicht gelangen wird, daß außer Mir kein Heil zu suchen ist und gefunden werden kann, so wird dann der Friede die Erde küssen und wird jedem sein Amt gesichert werden zeitlich und auch ewig in aller Liebe zu Mir! Dann erst wird der Kaiser wahrhaft Kaiser sein, wohl bezeichnet durch Meine Salbung, der König ein König, der Herzog ein Herzog und der Fürst ein Fürst, ohne alle verdammliche Konstitution, außer der Kontitution der Liebe aus Mir und der alles überströmenden Gnade. Und da soll der Wolf dem Lamme einen Krankenwärter machen!

7. Dadurch will Ich alles ebnen, damit da keine „Wasserfälle“ und „Bergstürze“ je mehr vorkommen, sondern nur das Meer Meiner Liebe und Ströme Meiner Gnade. Alles andere muß zu „flachem Lande“ werden.

8. Und sehet, alles dies soll geschehen, damit die wahre Kirche bei den Menschen geläutert werde und ihr Sieg glänze mehr denn das Licht aller Sonnen, in Eins vereinigt – wodurch dann „ein Hirt und eine Herde“ werden möge, deren Schafe allezeit Meine Stimme hören sollen, bis ans Ende aller Zeiten – allwann alle Materie vernichtet werden wird im Feuer der göttlichen Liebe – oder aber auch, so diese Meine Warnworte sollten fruchtlos im Schlamme der Welt verfaulen, alsbald im Feuer Meines gerechten Zornes!

9. Sehet, nun ist die Zeit der „kleinen Zeit“ gekommen! Wer sie wohl beachtet, dem werden große Dinge werden in Ewigkeit. Wer sich aber daran ärgern und Bedenken tragen wird über Meine Treue, dem wird die „kleine Zeit“ bald verrinnen und die große des ewigen Zornes wird ihn ergreifen! – Daher: entweder – oder! – Wie jemand will, so tue er es! – Wir aber werden uns allezeit treffen. Amen. Das sage Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen, Amen, Amen!

 

Die innere Leibesgestaltung der Tauben und andern Vögel. – 23. August 1840, von 10 Uhr vormittags bis 1/2 1 Uhr nachmittags

Fortsetzung der Kundgabe vom 16. August 1840. – Schreibende: Andr. H., S. und D.

1. Was da die innere Einrichtung einer Taube und das Fliegen derselben betrifft, so ist alles dieses gleich wie bei jedem anderen Bewohner der Luft.

2. Ihr Äußeres ist bedeckt mit Flaum und kleineren und größeren Federn. – Ihr Inneres aber besteht in einem menschenähnlichen Herzen, in einem eigentümlichen Magen, in den Gedärmen wie auch in einer ziemlich weiten Lunge und Leber, welche Eingeweide durch die notwendigen leichten Glieder von der oberen Seite und, zur Hälfte, am unteren Teile, nur durch eine weiche Haut eingeschlossen sind.

3. Das Herz hat in natürlicher Hinsicht dieselbe Verrichtung wie das Herz des Menschen und alles warmblütigen Getiers, ebenso auch die Lunge. Jedoch was den Magen und die Leber betrifft, so besteht da ein großer Unterschied zwischen denen der Taube und denen des Menschen sowie des anderen warmblütigen Getiers.

4. Was die übrige Fleischmasse eines Vogels betrifft, so besteht das Fleisch meistens aus weichen, leichten und weißlichen Fasern, welche durch ein feines, nervenartiges Gewebe miteinander verbunden sind, vermöge welcher Verbindung es einer größeren Ausdehnung und Zusammenziehung fähig ist als das Fleisch der anderen Tiere.

5. An dem Leibe der Vögel sitzt, meistens auf einem langen Halse, ein kleiner Kopf, versehen mit außerordentlich scharfen Sinnen. Denn da sieht ein Adler, wie auch fast jeder Vogel, mit seinem Auge besser, als ihr durch ein gutes Fernrohr. Ebenso übertrifft sein Gehör das eurige bei weitem. Seine Geruchsorgane sind schärfer als die Organe des besten Spürhundes. Denn damit nimmt ein Adler ein mehrere Tagreisen weit liegendes Aas wahr und weiß genau die Richtung, von welcher Seite die stinkenden Dünste der Verwesung an seine Geruchsnerven gelangen. Desgleichen ist auch sein Geschmack so stark, daß er sogar die Würze und das ihm zusagende Salz in den festesten Steinen wahrnimmt.

6. Eben wie seine Organe in den Sinnen mit der höchsten Reizbarkeit ausgerüstet sind, in einem ebenso hohen Grade ist auch sein Gehirn reizbar und voll Tätigkeit. Und es ist in selbem mehr Intelligenz als in allen übrigen Tieren, selbst den großen Elefanten nicht ausgenommen. Aus diesem Grunde besitzt auch manche Vogelgattung vor allen übrigen Tieren ein Gedächtnis von ganz besonderer Stärke, was ihr auch daraus überzeugend entnehmen könnet, daß mancher Vogel sogar geregelte menschliche Gesangsweisen wie auch Worte und oft auch ganze Sätze nachahmen kann, was keinem andern, noch so gelehrigen Tiere möglich ist. Daraus könnet ihr auch füglich schließen, daß dieses Geschlecht euch näher steht als das andere, welches sich, wie ihr, mit seinen Füßen mühsam auf der Erde bewegt.

7. Dieses alles rührt daher, weil ein Vogel vermöge seiner inneren Einrichtung so gestellt ist, daß er für die Eindrücke der Außenwelt die höchste Empfänglichkeit besitzt und in seinem sehr reizbaren Gehirne sich schon eine gewisse geregelte Vorstellung machen kann von dem, was er durch die Sinne aufgenommen hat – aus welcher Ursache schon im natürlichen Zustande eines Vogels seine Stimme oft recht wohl artikuliert erscheint.

8. Nun fragt sich: Wie geschieht die Fortpflanzung der Vögel? – Die Antwort liegt in deren Zeugung und in den Eiern verhüllt.

9. Das Weibchen hat nach Meinem Willen die Fähigkeit, durch die ihr unbewußt innewohnende Intelligenz aus der aufgenommenen Nahrung sich selbst auf dem sogenannten Eierstocke bläschenartig zu reproduzieren – was auf folgende Art geschieht:

10. Es gehen nämlich von ihrem Herzen ganz außerordentlich feine Organe, durch welche ein weißer Stoff geleitet wird. Alldort, wo die Organe auslaufen, bildet sich aus diesem Safte ein netzartiges Gewebe, welches gleich uranfänglich zu bestehen beginnt. Hat nun dieses Gewebe seine gehörige Form erhalten, wobei es aussieht, als wenn lauter kleine, etwas unförmliche Trichterchen aneinandergereiht wären, dann wird dieses Gewebe an dem Rückgrate durch die es bildenden Organe angebunden. Ist nun dieses vor sich gegangen, dann reißen diese Organe ab und richten ihre Mündungen in diese Trichterchen.

11. Wenn nun dieses so geordnet ist, dann werden auch in gleicher Weise Gefäße, vom Magen ausgehend, durch die Leber eben auch in die Mündungen dieser Trichterchen geleitet. Endlich, wenn alle die Gefäße dadurch aus dem Herzen etwas erweitert worden sind, so wächst in einem jeden solchen Gefäße noch ein Gefäß und richtet ebenfalls seine Mündung in je ein solches Trichterchen. Wenn nun dieser ganze Organismus in der Zeit, welche der Natur und der Größe des Vogels angemessen ist, vollkommen ausgebildet wurde, alsdann wird aus den Säften des Magens zuerst ein zähes Tröpfchen abgesetzt, so zwar, daß die Mündung der beiden ineinandergeschobenen Organe in die Mitte dieses Tröpfchens hineinragt.

12. Ist nun auch dieses vor sich gegangen, dann beginnen zuerst ganz wasserweiße Säfte aus dem Herzen sich durch das äußere Organ zu ziehen, treiben dadurch das äußere, vom Magen herrührende Tröpfchen gleich einer Seifenblase auseinander und füllen dasselbe bis zur Größe eines Hanfkörnchens, auch gleich einer Haselnuß oder gar eines Apfels, je nach der Größe und Beschaffenheit des Vogels. Alsdann fangen die Säfte, unmittelbar aus dem Blute herrührend, an, in dieses weiße Knäuelchen zu dringen und bilden den sogenannten Dotter.

13. Während solcher Bildung entwickeln sich durch den Darmkanal ebenfalls gewisse außerordentlich feine Organe, welche da diese neue Frucht gewisserart durchbohren. Und nun wohlgemerkt:

14. Die Henne, d.h. das Weibchen, hat zwei Ableitungskanäle, einen zur Ableitung des Kotes und einen zur Ableitung des zeitiggewordenen Eies. Jedoch vereinigt sich dieser zweite Kanal vor der Mündung des Kotkanals mit demselben durch eben die vorerwähnten, aus dem Darmkanal ausgehenden Organe. Diese bilden aneinandergereiht eine weite Röhre, welche sich beim Eierstocke in ebensoviele Arme teilt, als es da Trichterchen gibt.

15. Und durch diese Röhre wird bei dem Akte der Begattung ein ätherisch-geistiger Stoff mit großer Schnelligkeit in das Zentrum des Dotters geführt. Dieser Stoff aber ist das, was Ich schon vorher von der Vereinigung des tierischen Lebens aus den Wassern wie auch von der Erde erwähnt habe.

16. Wenn nun dieses vor sich gegangen ist, so wächst dann das mittlere Organ aus dem Herzen zu einem außerordentlich feinen Gewebe um diesen neuen Gast des Lebens, und zwar in der primitiven Gestalt eines außerordentlich kleinen, ganz nackten Vogels, zieht sich dann von seinem Zentrum aus nach allen Richtungen des Eies und öffnet somit demselben die Wege der Nahrung.

17. Wenn nun dieses vor sich gegangen ist, so schwitzt das Organ aus dem Magen – und zwar aus den aufgelösten Steinchen – eine kalkartige Masse, welche alsobald durch die innere Wärme um das weiche Ei zu einer festen Schale erhärtet. – Nun ist da Ei vollendet und zeitig!

18. Dieses Zeitigwerden des Eies kann zwar auch ohne die Begattung vor sich gehen; allein da ist es dann nicht lebensfähig. – Wenn es aber nun lebensfähig ist, so wird die Frucht durch die vegetative Wärme der brütenden Vogelmutter vollkommen zeitig. Und nachdem sie zu ihrer Ausbildung allen Vorrat im Ei verzehrt hat, bricht sie die Schale durch und geht in die Außenwelt als vollkommener Vogel, welcher zwar noch eine kurze Zeit von seinen Eltern gepflegt werden muß, dann aber auch schon mit allen Fähigkeiten seiner Eltern begabt ist. – Nun, das ist also die Bildung eines Vogels!

19. Da wir aber schon früher seinen Magen erwähnt haben, so wisset, daß der Magen eines Vogels aus ganz stumpfen, muskelartigen, dicken Blättern besteht.

20. Dieser Magen ist nicht zugleich Vorratskammer und Verdauungswerkstätte wie bei den (Land-)Tieren; denn fürs erstere dient der Kropf, oder wenigstens, wie bei den Raubvögeln, ein kleiner Vormagen; der eigentliche Magen hat nur das Geschäft der Verdauung, welches bei den sogenannten Kernfressern, wozu auch die Taube gehört, auf folgende Weise vor sich geht:

21. Der Magen hat immer einen kleinen Vorrat von Steinchen in sich. Er öffnet sich und nimmt aus dem Vormagen etwas weniges auf. Ist nun diese Speise zwischen seine Blätter gekommen, so fangen diese an, sich zu reiben, als wenn ihr euch die Hände reibet. Dadurch wird nun die Speise zermalmt mit Hilfe der im Magen befindlichen Steinchen, bei welcher Gelegenheit natürlich auch die Steinchen sich abnützen, indem immerwährend Teilchen von ihnen abgelöst werden. Durch diese Reibung wird aber zugleich auch eine elektrische Wärme entbunden oder erzeugt, durch welche diese abgelösten Steinpartikel chemisch zerlegt werden. Das Kalkartige wird verteilt an die euch schon bekannte Bestimmung; das Minneralische aber dient zur Nahrung, Erhaltung und Festigung dieser Magenblätter; und der grobe Niederschlag wird mit dem Kote weiterbefördert.

22. Nun fragt sich, wozu dem Vogel diese mineralische Kost? – Die erste Ursache ist schon angegeben. Die Mineralkost dient aber neben dem Verdauungs-Geschäfte, gleich einer sogenannten voltaischen Säule, auch zur Entbindung des feinsten Wasserstoffgases, welches da alsogleich nach Willkür aus dem häufig in sich aufgenommenen Wasser entwickelt werden kann, und zwar auf dem euch schon bekannten chemischen Wege.

23. Der Sauerstoff nämlich, oder das Herbe des Wassers verbindet sich mit dem gleichartigen Mineralischen aus den Steinen. Auch das eigentümliche schwere Fett des Gases wird abgesondert durch ein außerordentlich feines, organisches Filtrum. Das reinste Gas aber strömt in zahllosen kleinen Organen in die Kiele der Federn, welche vorher durch Nebenorgane aus dem abgesonderten Fett, vermengt mit sonstigen aus dem Blute gehenden Säften, gebildet werden. Allda befindet sich nämlich in dem Kiele eine sogenannte „Seele“ oder „Federmutter“, die aus mehreren aneinandergereihten Bläschen geformt ist.

24. Will nun der Vogel fliegen, so füllt er in einem Augenblicke diese Bläschen wie auch seine übrigen Organe mit diesem Gase, wodurch er bedeutend leichter wird. Alsdann breitet er sogleich seine Flügel aus, erhebt sich mit großer Leichtigkeit, gibt sich mit seinem Schweife die Richtung und lenkt seine Masse behende mit seinem Flügelpaare. Nur zu Beginn des Fliegens braucht er die Flügel, um sich zu erheben, aber während des Fliegens wird er leichter und leichter, wobei er dann seine Flügel nicht mehr zum Tragen, sondern nur zum Vorwärtsbewegen gebraucht.

25. Will ein Vogel sich nun wieder zur Erde niederlassen, dann läßt er nach Bedarf etwas Gas entströmen und füllt dafür den Kiel mit atmosphärischer Luft. – Das ist nun das Geheimnis, wie ein Vogel fliegt und wie dieses alles durch seine innere Einrichtung bewirkt wird.

26. Nun hätten wir aber noch seine Lunge und seine Leber übrig. – Auch die Lunge ist so beschaffen, daß ihre Elastizität fürs erste weit größer ist als die aller andern Tiere. Denn da kann ein Vogel nach seiner Art verhältnismäßig hundertmal soviel Luft in sich ziehen wie ein Mensch.

27. Mit der Luft geht da ein ähnlicher chemischer Prozeß vor wie mit dem Wasser im Magen. Das Gas davon strömt in die hohlen Knochen. Der Sauerstoff vereinigt sich mit dem Blute zur Bildung der Nerven, Muskeln, Sehnen und Knochen. Der Stickstoff allein wird wieder ausgeatmet und kann nach Willkür zur Bildung der einem jeden Vogel eigentümlichen Stimme verwendet werden.

28. Die Leber aber ist beim Vogel von gleicher Beschaffenheit wie das Zellgewebe unter der Blase eines Fisches. Sie besteht aus einer großen Menge pyramidenähnlicher Bläschen, welche nur mit sehr leichten und mehr lockergehaltenen, schleimartigen Fäserchen aneinander gefestigt sind. Diese pyramidalen Zellen oder Bläschen haben die Eigenschaft kleiner elektrischer Fläschchen, saugen das durch die Reibung der Magenblätter entwickelte elektro-magnetische Fluidum in sich und werden nun der Reihe nach gefüllt gleich einer elektrischen Batterie. Dieses elektro-magnetische Fluidum wird dann allezeit, so oft der Vogel fliegen will, verwendet zur Bildung des schon bekannten Gases.

29. Was jedoch vom sogenannten Kohlenstoffe bei einem solchen Prozesse entbunden wird, sammelt sich in einer eigenen kleinen Gallenblase und wird von dem Magen wieder aufgenommen, wenn irgendetwas schwer Verdauliches in den Magen des Vogels kommt, welches vorzüglich bei der Taube der Fall ist.

30. Nun, da wäre also auch der natürliche Vogel von seiner Entstehung bis zu seiner vollkommenen Wesenheit entwickelt. Und somit bliebe nur noch die Ursache der verschiedenen Färbung der Federn der Taube wie auch deren schnellen Fluges zu erwähnen übrig.

31. Die verschiedene Färbung des Gefieders liegt teils in der verschiedenartigen Kost, teils aber auch eben in Meinem Willen, um dadurch die größere Sanftmut anzuzeigen und um euch einen Wink zu geben, welche Tiere euch zunächst eigentümlich und vertraut werden können.

32. Was den schnellen Flug betrifft, so rührt dieser von der größeren elektro-magnetischen Quantität in einem Vogel her, welche sich sehr leicht aus seinem blitzwendigen Fluge entnehmen läßt.

33. Nun wißt ihr alles, was euch vorderhand in eurer natürlich-geistigen Sphäre zu wissen nötig ist. – Doch was die weiteren Verhältnisse betrifft, so sind diese noch zu sehr über eure noch stumpfe Begriffsfähigkeit erhaben, als daß ihr sie fassen könntet. Daher alles zu seiner Zeit! Zuerst der Same, dann der Keim, dann erst die Pflanze, hernach die Wurzel, der Stamm, die Blätter, die Blüte und endlich die reife Frucht eures Geistes, entwickelt durch die Lebenswärme Meiner Gnadensonne in euren Herzen. Amen.

34. Ich, der Meister in allen Dingen, voll Liebe und Weisheit! Amen, Amen.

 

Brüderliche Sorge. – 24. August 1840

Aus einem Schreiben Jakob Lorbers an seinen Bruder Michael, Pfleger in Greifenburg, Oberkärnten.

1. Sei versichert, lieber Bruder, daß ich dich allerzeit segne und für dich zu meinem und deinem Gott bete, der nun mein bester, größter und liebevollster Freund geworden ist und durch mich auch dir sagen läßt:

2. Du mögest nur beständig sein in deiner Liebe und billigen Gerechtigkeit. Und du mögest dich, aus Liebe zu Ihm, so viel als möglich vom Beischlafe enthalten, der bloß auf sinnliche Befriedigung abgesehen ist. Dann sollst du auch bald einen so geweckten Geist haben, vor dessen Blicken der Mittelpunkt der Erde wie ein Wassertropfen unter dem Mikroskop enthüllt liegen soll.

3. Denn so spricht der Herr: „Sage ihm, Ich bin ein wahrer Gott allen, die Mich lieben und Meine Gebote halten! – Wer da sich reiniget in Meiner Liebe, der wird den Tod ewig nicht sehen, auch wenn sein Leib tausendmal gestorben wäre. Denn wahrlich, sage Ich, es gibt nirgends ein Leben als in Mir. Und nun ist nahe gekommen die große Zeit der Zeiten! Wer mich aber liebt, zu dem werde Ich kommen und ihn gar wohl schmecken lassen die Stärke Meiner Liebe und die große Kraft Meiner endlosen Gnade.“

4. O liebster Bruder, denke ja nicht, daß das Worte meiner Erfindung seien. Sie kommen aus dem höchsten aller Himmel. Daher beachte sie wohl in deinem Herzen! O Bruder, es liegt Unendliches hinter ihnen verborgen.

J. L., Theograph (Gottesschreibknecht).

 

Vom Berge „Straßengel“ bei Graz. – 29. August 1840, am Berge „Straßengel“, von 3/4 4 Uhr bis 1/4 7 Uhr nachmittags.

a. Schreibende K. G. L. und Ans. H.

a1. So unordentlich und zweckwidrig euch auch immer so manches Gebilde irgend vorkommen möchte, o glaubet, nicht ein Stäubchen ruht oder bewegt sich von seiner Stelle außer nach der Vollkraft Meiner ewigen Liebe und Weisheit.

a2. Sehet, diese Gegend, in welcher ihr euch soeben befindet, ist rings umher von unordentlichen, bald höheren, bald niederen Bergen und Hügeln umschlossen. So ihr eure Naturgelehrten fragen würdet: „Warum so?“ – so würden euch diese keinen andern Bescheid geben als einen solchen, welchen ihr euch ohne dieselben hättet denken können. Sie würden sagen: „Dieses alles ist durch die ungeschickt waltenden, rohen Naturkräfte gleichsam zufällig entstanden und wird sich nach und nach ebenfalls durch dieselben auch wieder mehr oder weniger verändern.“ Und weiter werden da einige sagen: „Diese Art Berge ist entstanden durchs Feuer, eine andere Art durch eine allmähliche Anlagerung von Südwest gegen Nordost“. Wieder andere werden hinzusagen: „Dieser Berg ist durch Anschwemmung und so dergleichen mehrere Entstehungsgründe entstanden.“

a3. Aber wie, wenn Ich nun einen solchen Hügel in der Mitte öffnen und ihn teilen würde bis zur ebenen Fläche, und das zwar nach verschiedenen Richtungen von seinem Scheitel aus – und die Gelehrten mit ihrem Anschwemmungssystem würden kann durch diese nun geöffneten Gassen wandeln und schauen das Eingeweide des Hügels, und dieses würde ihnen alle ihre Bildungssysteme zugrunde richten, indem es zwischen Lehm und Sandschichten zentnerschwere Steinmassen enthielte, hie und da wieder Steingerölle, hie und da Kalk, hie und da Steinkohlen, hie und da versteinerte Tierknochen sowohl von Landtieren wie auch von Tieren stehender, großer Gewässer; und hie und da würden sich sogar Gerätschaften vorfinden, an denen noch deutliche Spuren des Fleißes menschlicher Hände wären!

a4. Was meinet ihr, was euch da die Naturgelehrten sagen würden? – Ich meine, sie würden gewaltig mit den Achseln zucken und mit ihren Köpfen wetterwendische Bewegungen machen, und ihr würdet aus ihnen ebensowenig wie aus einem Baume herausbringen. – Und sehet, gerade ein solches Konglomerat ist dieser Hügel. Und daher ist es auch fürs erste zu eurer Kenntnis notwendig zu wissen, wie ein solcher Hügel entstanden ist, und fürs zweite, warum? Und fürs dritte soll noch eine kleine geschichtliche Notiz hinzugefügt werden.

a5. Ihr wisset schon aus früheren Mitteilungen, und zwar aus dem Tierreiche, woher, wie und warum dieses entsteht und besteht. Aber es ist in eurem Wissen noch eine kleine Lücke, und diese soll gerade bei dieser Gelegenheit ausgefüllt werden.

a6. Ihr wisset, daß die Materie nichts als eine große Demütigungsschule der hoffärtigen Geister ist. Ihr wisset, daß das Wasser in seinen reinen Bestandteilen eine Gnadenflut aus Meiner Barmliebe ist. Ihr wisset, daß das Licht der Sonne dem Leuchten nach aus Meiner Gnade und der Wärme nach aus Meiner Liebe entspringt.

a7. Aus dieser Ursache sind diejenigen Tierchen, die aus dem Lichte entspringen, nichts als Träger Meiner erbarmenden Liebe und Gnade von Meiner Höhe bis zur materiellen Tiefe der Erde. Sie sind nichts als zahllose belebende Liebeteilchen, aus Mir strömend, um den toten Geistern auf jene Art wieder Leben zu bringen, wie Ich euch vorzugsweise bei der Darstellung der Pflanzenwelt und namentlich bei der eines Baumes gezeigt habe.

a8. Nun sehet, manchmal geschieht es, besonders in Gegenden, da irgend große Gewässer sind (je mehr Gewässer, desto mehr Gnade!), daß Ich in irgendeinem Teile eine große Reife der gedemütigten Materie sehe. Allda lasse Ich dann auch einen größeren Strom des Lebens aus Mir hinfluten. Dieses merken die freien guten Geister des Wassers und empfinden darob eine große Freude ihr gemeinsames Leben durchströmen. Alsdann entbinden sie sich aus ihrer Gemeinschaft und treiben ein loses Spiel mit dem Gewässer, so daß sie dasselbe oft in einem Umkreise von einer Stunde in eine unruhige, hüpfende Bewegung versetzen.

a9. Je mehr sich aber der Strom des Lebens von oben nähert, desto höher tragen sie auch die Fluten freudig empor. Wie sich aber selbst bei dem Menschen eine große Freude in einer kreisenden Bewegung ausspricht (NB. wodurch Ich freilich nicht euer Tanzen auf den Bällen verstanden haben möchte, sondern das des Mannes nach Meinem Herzen (David) vor der Bundeslade!) Ebenso vereinigen sich auch diese Geister in dem Wasser, treiben dasselbe mit sich in einem schnell wogenden Kreise. Und wie sie dann sehen und wahrnehmen, daß das Leben aus Mir aus der Höhe in einer sichtbaren Wolkengestalt den erlösenden Arm weit ausgestreckt hat, alsdann verdoppeln die munteren Geister in ihrer Freude ihre kreisende Flutbewegung und erheben sich über den Spiegel bis zum erlösenden Arme Meiner Erbarmung.

a10. Seht, eine solche Bewegung verspüren dann weit umliegende Myriaden und strömen dann unterwässerlich von allen Gegenden einem solchen Hauptstamme zu. Zu gleicher Zeit aber geschehen dann solche Teilnahmen auch vom trocknen Lande her. Und es machen die Naturgeister oft in kurzen Zeiträumen meilenweite Reisen. Und in ihrem Taumel schonen sie nichts, was ihnen unterkommt: Bäume, Häuser, Gerätschaften, Menschen, Tiere. Alles wird ohne die geringste Schonung in ihrer freudigen Raserei mitgenommen.

a11. Und da bieten solche oberländische Erscheinungen zwei wesentlich unterschiedene Charaktere. – Es gibt da solche, die da bescheiden sind in ihrem Eifer. Diese sprechen sich dann in einem so genannten Wirbelwinde oder einer förmlichen Windhose aus. – Die andern aber sind ungezähmter in ihrer Freude; diese erglühn dann in ihrem Eifer und sprechen sich dann als sogenannte Feuerwirbel oder Feuerhosen aus.

a12. Nun seht, wenn nun diese Wirbel sich vereinigt haben mit allem dem, was sie auf ihren Reisen mitgenommen, alsdann geschieht durch solches für euch unglaubliche Schnellkreisen eine große Auflockerung der Materie in einem weiten Kreise – welche Materie, sei es Sand, Steine, Wassertiere, Landtiere, Gerätschaften und dergleichen mehreres, auf der Stelle, wo die Haupterlösung vor sich geht, zu einem Berge (wie eben dieser Hügel ist) zusammengetragen wird.

a13. Hier habt ihr nun das Wie. Und da ihr solches habt, so wird euch auch das Warum nicht mehr ferne sein.

a14. Denn das eine Warum ist schon in der Beantwortung des Wie gegeben. – Das andere, die Art der Entstehung dieses Hügels betreffende Warum, wird euch klar, wenn ihr einen Rückblick auf die Darstellung vom Wesen eines Baumes werfet und das Holz desselben betrachtet, worin die Bosheit solcher Geister in neu gefesteter Form erscheint. Ganz so ist es auch der Fall bei einer solchen großartigen Befreiung! Denn wo immer ein Mahl gegeben wird, da gibt es auch ungeladene Gäste oder auch solche, die noch kein hochzeitliches Kleid angetan haben und daher noch nicht reif sind fürs Leben. Diese werden dann wieder auf die euch sichtbare Art zur demütigenden Prüfung in die äußerste Finsternis hinausgestoßen.

a15. Jedoch muß vor allem noch eine irrige Vorstellung bei euch berichtigt werden. – Ihr sollet euch nicht etwa denken, als ob die sichtbare Materie, als da sind: Steine, Erde, Pflanzen, Bäume und dergleichen, die Geister selbst seien. Sondern alles dieses ist nur ein Kerker derselben und schneidet ihnen den Faden des Lebens aus Mir ab. Und nur insoweit, als es Mein Wille reicht, wird denselben ein kleines Pförtchen geöffnet, sich dem Tode nach und nach zu entwinden durch eine, jedem Geiste innewohnende freie Willensintelligenz. – Was aber die Materie an und für sich ist, so sage Ich euch, sie ist nichts als der durch Meine Barmliebe gesänftete Zorngrimm.

a16. Warum sich die Materie hie und da so ausspricht, das wird euch, so ihr die bewußte Alpe besuchen wollt, nebst mehrerem andern deutlicher auseinandergesetzt werden; am allerdeutlichsten aber dann bei der Enthüllung des Mittelpunktes und der sonstigen Gestaltung der Erde. – Doch nun noch ein wenig Geschichtliches!

 

Geschichtliches vom Berge „Straßengel“. – 29. August 1840, nachmittags (Fortsetzung)

b1. Im Jahre 1263, da war in dieser Gegend unter den hier wohnenden Menschen das Laster der Dieberei, des Mordes und der Unzucht so stark herangewachsen, daß es nötig war, einen Würgengel mit einer schwarzen Zornfackel hierher zu senden, die Eingeweide solcher Menschen allenthalben anzuzünden und sie zu verderben.

b2. Es war das diejenige allgemeine Todesart, die damals nicht nur hier, sondern beinahe in ganz Europa in den verschiedenen Teilen unter dem Namen „der schwarze Tod“ auftrat.

b3. Es lebte aber zu dieser Zeit eine Mir recht wohlgefällige Bauernfamilie gegen Abend am Fuße dieses Hügels. Dem Hauswirte selbst war von Mir aus – seiner Frömmigkeit wegen – die innere Sehe gegeben.

b4. An einem schwülen Sommerabende zogen sich hier schwere Gewitterwolken zusammen, und bald entleerten sich dieselben gerade über diesem Hügel, von tausend gewaltigen Blitzen mit dem furchtbarsten Donner begleitet.

b5. Der Landmann merkte an diesem außergewöhnlichen Wetter eine andere Bedeutung, als es eure heutigen Naturgelehrten merken dürften, und sprach zu seinem frommen Gesinde:

b6. „Liebe Kinder! Fürchtet euch nicht! Der Herr vergißt auch in Seinem Zorne derer nicht, die Ihn aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüte und aus allen Kräften lieben. Schwer zwar liegt die mächtige, strafende Rechte des ewigen Weltenlenkers über diesem schwarzen Gewölk; aber Seine Linke ruht segnend auf den Häuptern derer, die Ihn lieben. Und seid versichert, daß der Herr den nämlichen Engel, den Er der Welt schickt zur Geißel, uns gewiß und wahr zum tröstenden Retter geben wird!“

b7. Und siehe, als der Landmann diese Mir wohlgefälligen Worte zu den dankbaren Herzen seiner Angehörigen gesprochen hatte, da vernimmt er von der schon damals vorbeiführenden Straße her jemanden vom Blitz, Sturm und Hagel Bedrängten um Hilfe rufen. Eiligst verläßt er das Zimmer, nimmt einen festen Tannenstock und eilt dem Bedrängten zu Hilfe, findet da einen Menschen fast halbtot auf der Straße liegen, ladet ihn alsogleich auf seine Schultern, trägt ihn in seine Wohnung und pflegt ihn daselbst die ganze Nacht hindurch.

b8. Des andern Tages sagt dieser Fremdling zu dem Landmanne: „Folge mir auf diesen Hügel hinauf!“ – Und der Landmann folgte ihm mit seinem Stocke. – Darauf sagte der Fremdling zu dem Landmanne: „Stecke diesen Stock in die Erde!“ – Und der Landmann tat, wie ihm der Fremdling befohlen. Und siehe da, alsbald grünte der Stock zu einem stattlichen Baume!

b9. Und der Fremdling sprach ferner: „Siehe, das sei dir ein Zeichen meiner Sendung und deiner Treue! Denn ich bin ein Bote des Herrn zur Erde und will das trotzige Menschengeschlecht vernichten. Doch da du den Stock nahmst und eiltest mir zu Hilfe und rettetest gleichsam in deiner frommen Einfalt einem Menschen das Leben – siehe, so nehme ich von dieser deiner Freundschaft die Hälfte, und es soll dadurch ein bedeutender Teil des mir gegebenen Zornes gesänftet werden!“

b10. Da griff der nun erkannte Engel nach dem frischen Baume, brach ihn zur Hälfte ab und sagte zum Bauer: „Sieh her, das sei die schwarze Todesfackel, an welcher viele Tausende und Tausende von Menschen den Tod sowohl zeitlich als auch viele darunter ewig finden werden. Die ganze Zeit aber meines Waltens will ich dich beschützen, und nach dem Willen des Herrn sollst du dich vor nichts fürchten. Denn ich werde alle Nacht bei dir einkehren. Du aber gehe des Tags hin an verschiedene Stellen und sage den hart Bedrängten, daß wer vom Tode gerettet sein will, solle sich flüchten auf den Hügel, allda der Baum ist, den wir jetzt gepflanzt haben, und solle da Buße wirken und fasten drei Tage und drei Nächte. Alsdann soll er von dem Baume ein Zweiglein nehmen, und so wird er durch dieses Zeichen verschont bleiben vor meinem Zorne.“

b11. Nun sehet, das ist die ursprüngliche Geschichte! Und dieser Bauer wurde von mehreren umliegenden Bewohnern, die dadurch gerettet wurden, als ein „Engel an der Straße“ benamset. Doch er wollte seiner Frömmigkeit halber diesen Namen nicht, sondern gab ihn dem rettenden Würgengel. Der Engel aber gab im Angesichte des Landmannes Mir diesen Namen.

b12. Aus dieser Ursache pflanzten dann spätere Nachkommen in frommer Einfalt Mein Bildnis auf diesen abgebrochenen Baum, über welchem dann auch bald diese gegenwärtige Kirche erbaut wurde.

b13. Jedoch was das fernere Geschichtliche dieses Ortes betrifft, so könnet ihr dasselbe ohnedies in jeder Chronik dieses Landes finden, da es bloß nur Geschichtliches ohne weiteren moralischen Wert ist.

b14. Sehet also hin auf diesen Landmann, dessen Stock noch bis zur Stunde in dieser Kirche zu sehen ist. Und seid ebenfalls voll Liebe und Einfalt! Dann werdet auch ihr überall und allezeit sicher an Mir euren großen „Rettungsengel an der Straße“ finden! – Amen. Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen.

 

Krankheitsheilung. – 29. August 1840

c. An Andreas H., der da wissen möchte bezüglich eines armen Kranken, ob demselben zu helfen sei oder nicht – und was da zu tun wäre.

c1. Es kommt zwar die Frage aus einem guten Herzen, aber auch zugleich aus einem schwachen Herzen, da es noch nicht einsieht, daß Ich allzeit helfen kann und will, wenn es dem Menschen frommt zum ewigen Leben!

c2. Ich tue das um so eher, wenn Ich durch ein festes Vertrauen von irgendeinem frommen Menschen dazu gewisserart liebegenötigt werde. – Jedoch tuet ihr zuerst das Euere, dann werde Ich schon auch das Meine tun, was da recht sein wird zum ewigen Leben!

c3. Jenes Menschen Leib wird gequält von einem dreifachen Übel. – Das eine ist innerer Nervenaussatz (oder versteckte Skrofeln). – Das zweite ist bare Gicht. – Und das dritte ist eine an die Brustteile zurückgelagerte sogenannte Grippe (allgemeiner Katarrh). – Wird dem einen abgeholfen, so wird das andere ärger. Und es müßte hier dreien Herren gedient werden, was sehr hart, ja beinahe unmöglich sein wird. – Wären nicht Bäder (in vorangehendem Gebrauch) gewesen, so würde ein allgemeines Zugpflaster bei Milch, frischem Weizenbrot und Wasserkost das beste gewesen sein; und auf die Nacht etwas Lindentee mit frischem Honig. Jedoch jetzt wird es nicht mehr viel nützen, wenn auch nicht schaden.

c4. Es ist in solchen Fällen schwer zu helfen, da die Kranken nur auf Ärzte und sehr wenig auf Mich vertrauen, damit ihnen ihr Glaube hülfe. – Daher tuet ihr das Eurige, und Ich werde das Meinige tun entweder noch hier oder in Meinen Reichen. Denn Ich bin allzeit und überall ein Herr des Lebens und des Todes. – Amen.

 

Vorwort zur Schrift „Die Fliege“.

 

Die Fliege. – 3. September 1840, nachmittags

 

Größe der Schöpfung und der Liebe Gottes.

 

Vom Feuersalz der Liebe. – 12. September 1840

Auf Anfrage über Markus 9, 49 und 50: „Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz fade geworden ist, wodurch wollt ihr ihm die Würzkraft wiedergeben? – Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!“

1. Schreibe zunächst folgende Anrufung: „Herr! Wir zusammen wissen nichts; und unser Herz ist unverständiger als ein Stein, denn wir haben es verhärtet durch unsere grenzenlose Torheit und vielfältige Bosheit und können es ohne Deine Erbarmung nimmer recht erweichen. Daher sei Du, o allerliebster Herr Jesu, unsere einzige Zuflucht in allen Dingen und erweiche unser steinernes Herz mit dem Feuersalze Deiner unendlichen Liebe, damit wir Dich, Du ewige Güte, immer mehr und mehr lieben können ewig! – Amen!“

2. Und nun schreibe die Erklärung:

3. O wie schwach ist noch eure Liebe – da ihr nicht begreifet, was das Salz, und noch weniger, was das Feuersalz ist!

4. Sehet, wer da meint, es sei das Salz die Weisheit, der ist noch sehr dumm! – Ist's denn nicht so, daß ihr saget und lehret: Der Sauerstoff ist die Lebensluft in der Atmosphäre. Und so dieser irgend nicht vorhanden ist, so wisset ihr, daß die Flamme der Fackel erlischt und das Feuer nicht fortkommt in der Stickluft. Und ihr saget ferner, wenn das Holz nicht trocken ist und hat dadurch nicht viel Sauerstoff eingesogen, so wird es nicht gut brennen und somit auch wenig Flammen geben. Auch wisset ihr, daß im reinen Sauerstoffe sogar das Eisen mit lichten Sprühflämmchen verbrennt. Ja ihr wisset sogar, daß Phosphor eine reine Säure ist und ein grünlich-weißes Licht in sich hat. – Sehet, das wisset ihr alles! Wie ist es denn nun aber, daß ihr nicht wißt, was das Feuersalz des Lebens ist?!

5. O ihr Tauben und Blinden, so höret und sehet! – Es ist das Feuersalz ja nichts anderes als die wahre Liebe zu Mir, mit welcher ihr durch und durch gesalzen werden müsset, wollt ihr eingehen in Mein Reich.

6. Denn gleichwie das Salz die allein lebenbringende Würze allen Geschöpfen und zugleich, durch seine zusammenziehende Kraft, die Erhaltung aller Dinge ist – ebenso ist auch die reine Liebe des Geistes zu Mir, gleich dem Feuersalze alles Lebens, die allein erhaltend-wirkende Kraft des ewigen Lebens!

7. Wie aber auch nur der Sauerstoff brennbar ist und helle Flammen bewirkt und mit selben auch die finsteren Gemächer erleuchtet – ebenso ist auch nur die wahre Liebe allein Feuer und Flamme und dadurch auch lichtfähig, welches Licht ein wahres Licht ist, da es ein Ebenlicht Meines ewigen, wahren Weisheitslichtes ist.

8. Und wie ein schales Salz kein nütze ist und nicht taugt zur Flamme, sondern nur eine faule Glut macht, da seine Säure unlauter geworden ist – ebenso auch ist es mit einer lauen Liebe, die nicht zur Flamme angefacht werden mag. Sie ist nur eine todbringende, faule Kohlenglut in einem verschlossenen Gemache, die alles Salz verzehrt, denjenigen aber, die sich daran trüglich wärmen, den Tod bereitet.

9. Sagt ihr nicht zur Magd, so sie eure Gemächer räuchert mit Gewürze: „Wirf zuvor Salz auf die Kohlen!“? – Sehet, desgleichen tuet auch ihr und werfet das Feuersalz Meiner Liebe auf eure todbringende, faule Kohlenglut, damit die Liebesflamme über sie schlage, den Wurm des Todes in euch zerstöre und euch erleuchte und erwärme zum ewigen Leben.

10. Denn der „Wurm“ ist der Satan, und sein Grimm ist die faule Glut; aber sie hat keine Flamme und somit keine Liebe, kein Licht und kein Leben. Daher muß jeder mit und in dem Feuer Meiner Liebe gesalzen werden, wie auch jedes Mir dargebrachte Opfer, wenn es Mir soll wohlgefällig werden.

11. Ja, Ich sage euch: Ihr müsset ganz zum Feuersalze werden, wollt ihr Meine lieben Kinder werden! – Sehet, wie das Salz eine Würze ist der Speise, so sollet auch ihr eine Würze Meiner ewigen Liebe werden. Amen! – Das sage Ich, Jesus, das ewige Leben!

 

Die Choralpe. – 13. September 1840, nachmittags von 3/4 5 Uhr bis 1/4 9 Uhr

J. L., S., Andr. und Ans. H. bestiegen am 9. September 1840 den zur Choralpe gehörigen Speikkogel an der steirisch-kärntnerischen Grenze. – Am 13. September 1840 sprach der Herr über diese Gebirgsreise durch den Mund seines Knechtes J. L. das Folgende. – Schreibende: K. G. L. – S. – D. – Andr. und Ans. H.

1. Die schon seit längerer Zeit bedungene Reise auf die von hier etwas entlegene sogenannte Choralpe ist von euch nun bewerkstelligt worden. Dabei werdet ihr bei genauerer Beobachtung dieser Gebirgshöhe auf so manchen Zweifel gestoßen sein, und zwar vorzüglich aus folgender Ursache:

2. Ihr habt nämlich gesehen, daß das Hauptgestein, vom Fuße bis zu dieses Berges höchstem Scheitel, in einer fast beständig gleichförmigen Plattenformierung sich befindet, welche Platten jedoch nicht immer in ihrer Lage eine und dieselbe Richtung einnehmen. Denn ihr werdet bemerkt haben, daß da eine solche Plattenrichtung sich bald gegen Osten, bald wieder nach Westen erhöht, und bald wieder die Blätter senkrecht in die Erde sich schieben. Ja ihr werdet gesehen haben, daß sogar verschiedene solche Blätter bald einzeln, bald gruppenweise hin und her auf der Oberfläche des Berges liegen. Und so habt ihr auch – wie bei dem euch wohlbekannten Bauernhause und auch auf dem Rücken der Alpe selbst – ganz große Blöcke frei auf der Oberfläche liegen sehen, welche gegen Westen ganz frei und nur gegen Osten hie und da ein wenig mit Erde bedeckt waren.

3. Und als ihr ganz in die Nähe des eigentlichen sogenannten „Speikkogels“ gekommen seid und erstaunt eure Blicke hingerichtet habt auf seine kahlen Felsenplattungen, so habt ihr wieder nichts anderes als ähnliche Plattsteine entdeckt. Und so war auch seine höchste Spitze mit solchen Steinen übersäet.

4. Nun sehet, dies alles habt ihr mehr oder weniger wahrgenommen und hattet auch verschiedene Mutmaßungen darüber in euch aufkommen lassen. Allein Ich sage, da seid ihr mit keiner der Wahrheit nahegekommen. Daher ist es vorerst nötig, euch die Ursache solcher Bildung zu zeigen und dann erst euch dasjenige Gestein zu nennen, welches vor 6000 Jahren einer andern Welt angehört hatte.

5. Die Bildung dieser Alpe und die Entstehungsart derselben war folgende: Wie euch schon ehedem einmal bekanntgegeben wurde, daß nicht nur dieses Land, sondern der ganze Boden Europas unter den Fluten des Meeres begraben war, so war auch diese Stelle, allwo jetzt schon durch viele tausend Jahre diese Alpe steht, nichts als flacher, hie und da durch die Unterstufen des Meeres etwas unebener Grund.

6. Ihr werdet an den Blättern (Gesteinsplatten) bemerkt haben, daß sie aus nichts als aus Sandglimmer, mit Kalk verbunden, bestehen. Die Bildung dieser Schiefer war also keine andere, als daß sich eine solche Sandschichte über die andere gelagert hatte, und das zwar bei Gelegenheit der periodisch eintretenden, sogenannten Äquinoktialstürme. Über die Sandschichte bildete sich dann bei ruhigem Stande des Wassers ein Art schleimige Haut, über welche bei einem nächsten Äquinoktialsturm wieder eine andere Sandschichte lagerte – und das so auf diese Art lange Zeiten fort und fort, bis endlich mehr als 26000 solcher Blätter übereinanderzuliegen gekommen sind.

7. Ihr werdet vielleicht fragen, woher die Fluten immer diesen Sand genommen haben mögen, da immer eine Schichte um die andere durch den oben erwähnten Kalkschleim gewisserart eingepanzert wurde, von welcher Einpanzerung die Fluten natürlich nicht viel Sandkörner abzulösen vermochten.

8. Seht, da sage Ich euch, die Erde ist so eingerichtet, daß fürs erste beinahe vom Mittelpunkt des Erdkörpers aus eine zahllose Menge von verschiedenartigsten Quellen und Adern nach allen Richtungen zur Oberfläche führen. Ihr müßt aber nicht denken, daß etwa durch diese Quellen und Adern pur Wasser strömt; sondern da gibt es vorzüglich Feuerquellen, durch welche ein unterirdisches Feuer elektrischer Art unablässig nach allen Richtungen strömt, und zwar vorzüglich gegen die Pole der Erde. Dann gibt es mineralische Quellen, durch welche Metalle und Erze in flüssiger Gestalt heraufquellen. Ferner gibt es Fettquellen, durch welche das sogenannte Erdöl nach allen Richtungen strömt. Es gibt ferner noch vorzüglich sehr viele Schwefelquellen, dann Erdpechquellen und dergleichen, nebst den Wasserquellen – eine zahllose Menge aller erdenklichen Arten.

9. Seht, wenn nun diese Quellen zur Oberfläche der Erde gelangen, getrieben durch die innere Macht der Geister und des ihnen zu Gebote stehenden Feuers, so werden sie dann ebenfalls fester und fester, das heißt, wenn sie vollends die Oberfläche der Erdrinde erreicht haben und in die Masse des Meeres übergehen. – Daß dieses so ist, würde euch jeder Materienscheider, oder bei euch Chemiker genannt, sachtätig erweisen.

10. Nun seht, daher also dieser Zuwachs des Sandes und allerlei anderen mineralischen Konglomerates. Und nun wisset ihr und kennet auch die Vorratskammer des vorerwähnten Glimmer-Schiefers und Kernsandes wie auch des dasselbe verbindenden Kalkes.

11. Nun fragt es sich – da wir nun auf diese Art eine mehr als zweitausend Klafter dicke Blätter-Rinde gebildet sehen – wie ist denn aber nun diese Alpe entstanden mit allen ihren Nebenverzweigungen?

12. Höret, vor mehreren tausend Jahren (eine bestimmte Zahl ist hier aus dem Grunde nicht nötig, da der Bildungsprozeß einer solchen Alpe an und für sich schon mehrere tausend Jahre angedauert hat) wurde von Mir über sechzehntausend Klafter tief unter der Erde ein kleiner Funke Meiner Barmliebe gelegt, und dieser hob nach Meinen Willen vollkräftig diese Rinde, das Gestein nach allen Seiten sprengend, in die Höhe, gerade so, als wenn ihr unter einer Decke wäret und hebet dieselbe mit dem Finger über euren Körper empor. Und zwar wurde diese Blätterrinde von Osten nach Westen gehoben und blieb da in einer horizontalen Richtung ruhen, da sie alsogleich durch andere, aus dem Innern der Erde getriebene Massen unterstützt wurde.

13. Die auf solche Weise emporgetriebene Platte hatte ungefähr die Gestalt eines sehr großen Erdschwammes und wuchs durch die Triebkraft des Feuers gleichsam beständig höher und höher über dem Meeresspiegel empor und bildete endlich eine bedeutende Insel über der Oberfläche des Meeres. Und wie diese Hauptplatte, so wurden auch mehrere kleinere Platten auf diese Weise horizontal emporgetrieben, jedoch nicht alle gleich hoch, und bildeten auf diese Weise einen großartigen Erdschwammwald. Endlich aber wurden die massiven, solche Platten unterstützenden Stiele durch die Fluten abgewaschen und abgenützt. Dadurch geschah es dann, daß eine solche Platte das Gleichgewicht verlor, umstürzte und auf ihrem Stiele sich anlehnte. Dadurch nahm eine solche Platte eine schiefe Lage an, wie ihr die Plattenform auf dem sogenannten Speikkogel selbst bemerkt habt. Und da gab's denn zur Bildung dieser „Choralpe“ wohl mehrere hundert größere und kleinere Platten, welche notwendigerweise dasselbe Schicksal erlitten haben. Nur von einigen wenigen sind noch Spuren da, aber keine ganzen mehr.

14. Wenn ihr nun einen Blick auf den sogenannten „Kumpfkogel“ geworfen hättet, alldort hättet ihr noch eine horizontal liegende Platte entdeckt, welche jedoch schon sehr verwittert und nach allen Seiten abgefallen und zerbröckelt ist. Vielfach aber habt ihr droben noch ein solches Geschiebe nach Westen gerichtet gesehen, auf welches ihr von Morgen her recht leicht hinaufgelangen konntet. Jedoch gegen Westen war es wie abgebrochen (wie der Fall auch wirklich ist). Denn vorzüglich an den Stellen, wo ihr solche überstehenden Platten gesehen habt, da ragten diese noch vor tausend Jahren, einem Halbdache ähnlich, zu hundert, fünfzig, dreißig und zehn Klafter über die anderen Gebirgsschichten herüber. Durch Erdbeben aber, gewaltige Stürme und starke Blitze wurden sie abgebrochen und fielen auf die westliche Seite, was ihr dadurch leicht entnehmen könnt, daß diejenige Steinmasse, die sich am westlichen Abhange befindet, eine ganz entgegengesetzte Blattwende zeigt.

15. Was das Weiche (die lockeren Teile) solcher Alpen betrifft, so ist es nichts als Anschwemmung, teils von Sand, teils aber auch von zerbröckelten Blättern, die jünger und daher auch noch weicher waren, weil sie von den letzten Bildungen herrührten.

16. Seht, solch eine Alpe hat nicht eigentlich eine vulkanische Entstehung, wohl aber ist sie durch ein unterirdisches Feuer auf die schon bekanntgegebene Art emporgehoben worden.

17. Nun sehet, das ist also die Bildungs- und Entstehungsart dieser Alpe! – Hie und da werdet ihr auch unregelmäßige weiße Steine herumliegen sehen haben, von denen auch einige mehr braun und grau und einige ganz weiß wie der Schnee sind. Diese Steine sind nicht auf diesem Grund und Boden gewachsen, noch auch auf die Alpe gefallen, sondern ins Meer, mit Ausnahme der ganz weißen. In der letzten Periode nämlich, als von Mir die Bildung dieser Alpe angefangen wurde, wurden bei Erhebung jener Platten auch diese Steine emporgehoben. Und zwar solche, welche vorzüglich zur Zeit Adams bei einer allgemeinen (Natur-)Revolution dahin gefallen sind und ein mehr bräunliches Aussehen haben, und endlich solche, welche bei der nachherigen Zerstörung eines größeren Planeten, welcher sich zwischen dem Mars und dem Jupiter befand, auf die schon gebildete Alpe geschleudert wurden, und zwar aus der Ursache, weil zur Zeit der Zerstörung dieses Planeten die Erde gerade in einer Linie unter ihm gegen die Sonne sich befand. Dieses geschah nach eurer Rechnung um die Zeiten fünfhundert Jahre und etwas darüber vor Abraham. Daher rühren nun diese ganz weißen Blöcke her, welche ihr hie und da gerade auf der Oberfläche dieser Alpe habt liegen sehen.

18. Ihr werdet zwar fragen, warum Ich einen solchen Weltkörper zerstört habe? – Seht, zerstört habe Ich ihn eigentlich gerade nicht, sondern ihn nur ob einer daselbst unter den Bewohnern entstandenen großen Zwietracht wegen in vier kleinere Welten geteilt. Und seht, wie bei euch das Gold, Silber und Diamanten, so waren auf diesem Planeten diese weißen Steine wahre Steine des Anstoßes. Denn um einen solchen Stein, den ihr da nutzlos habt liegen sehen, haben sich diese Bewohner zu Tausenden und Tausenden erwürgt und haben sich abgeteilt in vier Hauptstämme, die sich gegenseitig solcher Steine wegen auf das hartnäckigste verfolgten. Denn sie bildeten sich untereinander ein, daß wer keinen solchen Stein besitze, nicht verständig sein könne und nur ein unverständiges Tier sei. Daher sammelten die Mächtigeren solches Gestein haufenweise, ja bergweise zusammen und ließen den Schwächeren davon nichts zukommen, damit sie dieselben desto leichter tyrannisieren konnten. Und so ging diese Betrügerei und Habsucht so weit, daß sich solche Steininhaber für Götter ansahen und sich als solche dem andern Volke aufdrangen.

19. Unter solchen „Göttern“ wollte aber einer über dem andern sein. Daher wühlte ein jeder, soweit es nur möglich war, in den Eingeweiden dieses Weltkörpers herum, um seinen Steinhaufen möglichst zum größten zu machen und dadurch sein Göttertum zu beweisen. – Was geschah dann? Solche Götter mißhandelten das Volk auf das grausamste und ließen es Tag und Nacht in den Eingeweiden dieses Planeten wühlen. Andere wieder mußten sich in großen Rotten sammeln, um einem andern „Gott“ seinen Steinhaufen mit Gewalt zu verringern. Und so ging das soweit, daß diese „Götter“, deren es da zu Hunderten gab, sich gegenseitig bis auf vier aufgerieben haben. Diese vier ließen nun durch ihre Völker solche Steine von allen Weltgegenden zusammentragen und errichteten förmliche, weit ausgedehnte Berge mit diesen Steinen.

20. Durch solche Steinkultur blieb nun die andere Kultur des Landes im Hintergrund und die Völker samt ihren Göttern waren auf dem Sprunge zu verhungern. Da haben nun diese vier Götter ein gar schönes Gesetz herausgegeben. Nämlich die Völker des einen Gottes durften die Völker des andern Gottes fangen und sie, wie ihr das Wildbret, verzehren! Seht, das war der Zeitpunkt, wo sich diese Götter des Guten zu viel erlaubt haben. Bei einer solchen Rechnung mußte Ich denn doch auch einen gewaltigen Strich durchziehen.

21. Ein Wink von Mir, und ein Engel riß den ganzen Weltkörper in vier Teile auseinander und bildete so vier abgesonderte kleinere Weltkörper. Alle diese Steine aber wurden mit einem Male in den weiten Weltraum hinausgeschleudert, von denen sodann einige nach Meinem geheimen Willen zur Erde, einige in den Mond, sehr viele in die Sonne gefallen sind. Die meisten jedoch sind noch bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt auf dem Fall im unendlichen Raume begriffen. – Seht, das ist die kurze, wohlbegründete Ursache des Aufsturzes solcher Steine in größeren und kleineren Quantitäten auf euren Erdkörper, von denen sich hie und da ein ganzer Gebirgszug auf der Erde gebildet hat.

22. Ich habe euch auch einst erwähnt, daß ihr allda auf einem solchen Steine noch sehr zerstörte und verwitterte kleine „Wohnungen“ antreffen dürfte. Allein dieses ist nicht so wörtlich zu nehmen, sondern nur entsprechend. Und da zeigt die „Wohnung“ soviel als eine Schrift, gleich den Hieroglyphen Ägyptens, welche Schrift außer Mir schwerlich auf dieser Erde jemand würde lesen können, außer durch Meine Gnade.

23. Jedoch dort, wo sich ein solcher Stein befindet, der mit einigen solchen Insignien versehen ist, seid ihr nicht hingekommen. Denn dieser befindet sich fast eine Stunde nordwestlich vom sogenannten: „Kumpfkogel“. Allein ihr hattet zu viel Furcht vor Wind und Regen, und euer Verstand war mehr beschäftigt als die Liebe zu Mir. Auch waret ihr für den Magen zu sehr besorgt; aus welchem Grunde Ich euch auch nicht überall hinführen konnte, wo Ich euch hätte haben mögen, da Ich noch nicht der Herr eures Willens bin! – Ich habe euch mit großer, leserlicher Schrift durch die Trübung des Morgens und Heiterung des Westens anzeigen wollen, daß eure Liebe schwach und trübe war, aber desto größer eure Eßlust. Daher ließ Ich euch auch dann und wann durch einen kalten Luftzug sagen, wie es um eure Liebe steht. Ja endlich, als ihr schon im Nachhauseeilen begriffen waret, ließ Ich sogar durch einen kleinen Eisregen euch, doch gewiß handgreiflich, merken, daß Ich mit eurer Geschäftsreise nicht ganz zufrieden war. Denn sehet, wie hätte Ich es auch sein können? Ihr seid nur dahingegangen, um recht gewaltig zu essen und zu trinken! Was aber Meine Sache war, das habt ihr nur so leicht mitgenommen. Auch habt ihr eure Augen weit hinausgerichtet, aber um das, was euch vor den Augen lag, habt ihr euch nicht gar so sehr bekümmert.

24. Seht, aus dieser Ursache habe Ich euch auch die zwei größten Merkwürdigkeiten vorenthalten, nämlich die des erwähnten Steines und die des Sphärengetönes unter dem sogenannten „Speikkogel“, von welchem Getöne Ich euch erst dann etwas Ferneres, für euch jetzt noch Unbegreifliches, mitteilen werde, wenn einer oder der andere von euch aus Liebe zu Mir den erwähnten Fehler durch einen Neubesuch dieser Gegend gutmachen wird.

25. Denn seht, dieses läßt sich nicht von Grund aus begreifen, wenn jemand nicht vorerst einen Scharfblick auf die Materie gewendet und dieselbe in ihrem verschiedenen Gebilde genau beachtet hat. Da ist für ihn – besonders wenn er noch nicht geistig vollwach ist – eine nähere Erlärung gerade so, als wenn man einem den himmlischen Sinn aus dem Worte gäbe, während er das Wort im Buchstaben-Sinne noch nie gesehen hat.

26. Seht, die Natur oder die Welt an und für sich ist ein großes Buch, voll beschrieben von der Tiefe Meiner Weisheit und Liebe! Wer diese recht erfassen will, der muß sich aus Liebe zu Mir schon manchmal gefallen lassen, ein wenig in diesem Buche herumzublättern – freilich aber nur soviel, als Ich aus Liebe es anrate. Denn Ich allein weiß das rechte Ziel und Maß und weiß, was ein jeder vertragen kann, und auch, wieviel es nottut, um ihn zu wecken.

27. Wer einmal geistig geweckt ist, der braucht freilich nicht mehr zu reisen, aber wer noch schläfrig ist in seiner Liebe, für den weiß Ich die besten Mittel, die ihn vor dem ewigen Schlafe bewahren werden, wenn er sie nur aus Liebe und willigem Gehorsam gegen Meine Anordnungen ergreift und an sich anwendet.

28. Kommen da auch oft kleine Prüfungen, so soll ein jeder dieselben nur mutig im festen Vertrauen auf Mich bestehen. Denn ehe er sich's versieht, wird die Sonne da, wo das Gewölk am dichtesten war, erwärmend und belebend durchbrechen. Auch dieses habe Ich euch alldort zu wiederholten Malen sinnbildlich angezeigt. Allein wo das Herz noch unverständig ist, da gehen dergleichen Andeutungen freilich unverrichteterdinge vorüber.

29. Dieses sage Ich euch darum, daß ihr für die Zukunft voll Liebe und Vertrauen sein sollet. Denn alles, was da geschieht in der Außenwelt, geschieht unmöglich anders als nur einzig und allein durch Meinen Willen. Ich aber bin ein verständiger Gott, und daher fällt auch kein Lüftchen auf die Häupter der Blümchen, ohne einen großen Tiefsinn Meiner endlosen Weisheit. Und jedes Wölkchen, jeder Tropfen, der aus dem Himmel fällt, wie auch jedes Steinchen, das nach einem schroffen Gebirgsabhange rollt – das alles sind große und inhaltsschwere Buchstaben Meiner allerbarmenden Liebe- und Gnadenschrift!

30. Sehet, also mit diesen Augen sollet ihr in Zukunft die Dinge, die euch vorbenannt wurden, in Augenschein nehmen, und ihr werdet daraus in großer Klarheit ersehen, daß Ich überall alles in allem bin. Denn ihr werdet da sehen das große Walten Meiner Göttlichkeit, Macht und ewigen Heiligkeit und daneben auch gar wohl erkennen Meine unbegrenzte Liebe, Gnade und Weisheit. Ihr werdet dadurch, gleich den Bienen, auf der großen Blumenwiese der Natur den Honig Meiner Liebe und das Wachs Meiner Gnade sammeln zur ewigen Nahrung eures Geistes und werdet immer mehr und mehr erkennen, daß Ich allezeit und überall euer guter, heiliger Vater bin und sein will ewig. Amen.

 

Vulkanische Erdvorgänge. – Nachtrag zu „Choralpe“. – 20. September 1840, von 1/2 11 Uhr vormittags bis 3/4 1 Uhr nachmittags

J. L. spricht. – Andr. und Ans. H. schreiben

1. Da ist noch eine kurze Hinzugabe, als ein kleines Flämmchen, zu erleuchten so manche wirren Gestrüppe und Geklüfte dieser von euch besuchten „Choralpe“!

2. Was die Perioden der Bildung dieser Gebirgsgruppe betrifft, so treten diese erst nach Adam bis auf eure Zeit in stets bewirkten und noch wirkenden Vorschein und ist die Art, deren in der früheren Mitteilung erwähnt wurde, die eigentliche und die richtigste.

3. Die eigentliche deswegen, weil von Mir alles, was da ist, in den ersten Uranfängen gemacht wurde, so wird auch stets nur von Mir bewirkt, daß an der Stelle, da Ich es will, entweder ein Berg, eine Quelle, ein Baum oder ein sonstiges Gewächs hervortritt. Und weil Ich noch dazu, Meiner ewigen Ordnung gemäß, allezeit das tauglichste Mittel wähle, um was immer ins Dasein zu rufen, und weil dieses Mittel allezeit von Meinem höchsteigenen und freiesten Willen abhängt, so ist auch die erwähnte Art der Entstehung dieser Alpe die eigentlichste. – Und sie ist auch die richtigste aus dem Grunde, weil nur Ich, als die Ewige Liebe und Weisheit, jede Meiner Handlungen so zu beginnen, durchzuführen und zu vollenden weiß, daß dadurch in allen Dingen Meiner Heiligkeit volle Genüge geleistet werden muß, und weil dabei nie auch nur um ein Haarbreit ein Fehlzug möglich ist.

4. Wenn da gemeldet wurde von der Plattsteinform dieser Alpe und dabei angegeben wurden viele tausend Blätter, welche scheinbar mit dem Zeitraume seit Adam in Widerspruch stehen, so müßt ihr dabei nicht denken, daß solche Ablagerungen nur von Äquinoctium zu Äquinoctium geschahen. Solche Plattungen von Äquinoctium zu Äquinoctium sind nur diejenigen, welche mit einer krystallartigen, bräunlichen Urkalkschichte getrennt sind. Die anderen Blätter, die oft kaum ein oder zwei Zoll dick sind, wurden bewirkt durch das Vollwerden des Lichtes am Monde. Und hättet ihr von solch einer Urkalkschichte die Blätter gezählt, so hättet ihr recht gut den Lichtwechsel des Mondes von Äquinoctium zu Äquinoctium und noch besser von Jahr zu Jahr entdeckt.

5. Ferner ist wohl zu verstehen, daß solche Plattungen nicht vor Adam schon bestanden haben. Denn das Gestein der Erde vor Adam war hier allenthalben fest und sah aus wie ein Kies und ließ das Licht, fast eurem Glase ähnlich, durchpassieren. Und wo die Wellen des Meeres Teile von diesem Gesteine auflösten, da bildeten sich (es versteht sich von selbst nach Meinem Willen) kleine Körner. Und zwischen diesen Körnern bildete sich dann durch die Ruhe des eingedrungenen Wassers eine klebrige Substanz und verband auf diese Art solche Körner zu einem Ganzen. Und so wurde dann dieses Ganze ebenfalls wieder fest und ward auf diese Art zum Steine, und zwar zu jenem Steine, den ihr Granit nennet.

6. Auf diese Weise, wie der Granit gebildet wurde, wurden in den späteren Zeiten durch allerlei Elementar-Eruptionen noch andere ähnliche Steine gebildet. Solche Steine werdet ihr überall finden, ihr dürft nur z.B. eure Mühlsteine ansehen, in welchen allerlei Gestein durch die erwähnte Schleimmasse zu einem Ganzen verbunden ist.

7. Aber solche Steine, wie sie z.B. euer Schloßberg, der Schöckel, der Plavutsch und noch viele andere benachbarte Berge und Hügel aufzuweisen haben, sind schon vor Adam als Steine in der Erde bestanden und wurden durch lang anhaltende, sogenannte vulkanische Eruptionen aus dem Innern der Erde herausgetrieben, und zwar an solchen Stellen, an denen keine Plattenformation – wegen beständiger Wasserstürme aus dem Innern – hatte stattfinden können.

8. Ihr werdet fragen, wie geht denn das naturmäßig zu, daß sich in großer Tiefe der Erde ein Feuer bilde und das den Stein umgebende Wasser in Dämpfe auflöse und durch die große Macht solcher Dämpfe so große und feste Massen aus dem Innern der Erde oft meilen- und meilenweit zur Oberfläche derselben treibe? – Da gebe Ich euch folgende Erklärung:

9. In dem inneren Gesteine der Erde befinden sich viele hohle Klüfte; mit der Zeit dringt Wasser wie auch Luft durch die Poren dahin. Nach und nach sammelt sich in solchen Klüften das Wasser so sehr an, daß es alle Räume dicht ausfüllt. Nun, da aber eine Wasserschichte auf die andere, vermöge der natürlich innewohnenden Schwere, einen großen und, je tiefer, immer größeren Druck ausübt, so wird nun ein solches Wasser, welches in einem solchen festen Raume eingeschlossen ist, gewisserart von allen Seiten zusammengepreßt. Durch solches Zusammenpressen des Wassers geschieht in seinen Teilen eine immer größere und größere Reibung. Da aber nun, wie ihr wißt, auch in dem Wasser durch die ganze Erde Geister verschlossen sind, so empfinden diese gar wohl einen solchen zunehmenden Druck, zersprengen die Wasserhülschen, treten dann aus ihren Kerkern, vereinigen sich in der Gestalt eines erbitterten Feuers, lösen das Wasser in Dunst auf und zerreißen dann mit Leichtigkeit eine solche Steinkluft und treiben alles, was sie hindern könnte, mit herauf zur Oberfläche der Erde.

10. Und da auf solche Weise bei dem Durchtriebe auch in anderen Schichten der Erde wieder neue Klüfte und dadurch auch gewaltige Bedrückungen des Wassers geschehen, welche dann wieder zu einer ähnlichen Eruption genötigt werden, so geschieht es denn, daß solche vulkanische Ausbrüche oft länger oder kürzer dauern und auf diese Art die höchsten Berge und Gebirgszüge bilden. Und wenn die Füße solcher Berge Plattensteine, wie auf der Choralpe, aufweisen, so geschieht es dadurch, daß Aufbrüche unter der Plattform stattfinden, die Platten zerbrechen und dieselben nebst dem andern Gestein mit herauf zur Oberfläche treiben, wovon euch der nahe liegende Schöckel einen augenscheinlichen Beweis liefern kann.

11. Wenn solches Feuer aus dem Innern hervorbricht, so zerschmilzt es durch seine Heftigkeit die Steine, die ihm nahe liegen, mit großer Leichtigkeit. Und wenn es in seinem Durchzuge auch noch, wie es bei Neapel und Sizilien der Fall ist, auf die schon bekannten Erdöl- und Erdharzquellen kommt, so entzündet es dieselben. Diese brennen dann viele Jahre, hie und da fast ununterbrochen fort. Und wenn irgend noch mineralische Quellen bei solcher Tätigkeit hinzukommen, die besonders Schwefel aus dem Allinnersten der Erde heraufführen, so dringen dann diese Schwefelquellen in alle Klüfte solcher Berge, bilden da große Schwefelablagerungen, welche, mit dem Erdharz und Erdöl geschwängert, dann unterirdisch fast unablässig brennen und rauchen.

12. Geschieht es dann, daß nach Meinem Willen eine solche hauptvulkanische Mündung verstopft und das Wasser nach und nach abgetrieben wird von einer solchen Gegend, so erlischt dann auch das Feuer, die vulkanischen Eruptionen hören auf und ein solcher Berg wird dann stille und ruhig und fördert das in seinem leeren Geklüften sich ansammelnde Wasser durch seine früheren Feueradern ans Tageslicht.

13. So ist es jedoch nicht bei der euch bekannten „Choralpe“; sondern da entstand auch zwar ein Feuer in der Tiefe der Erde auf ähnliche Weise, hob aber nach Meinem Willen, wie schon bekannt, nur Platten in die Höhe, schob unter dieselben verschiedenartige andere Massen von Steinen, Erde, Kalk und dergleichen mehreres und hob alles samt den Platten in die Höhe. Dadurch nun entstand ebenfalls ein großer leerer Raum unter einer solchen Alpe, in welchen alsbald Wasser durch die Klüfte hineindrang. Und auf diese Art kam gleichsam eine ganze solche erhobene Schichte teilweise auf die Fläche des eingedrungenen Wassers zu ruhen und ruht noch bis auf die heutige Stunde – wodurch es geschieht, daß durch den Druck, welchen solche Massen auf die Oberfläche des Wassers ausüben, dasselbe durch die verschiedenen Klüfte und Adern und kleinen Spalten oft bis zu der größten Höhe getrieben wird.

14. Daher rühren auch all die Wässer einer Alpe, wie die ist, die ihr bestiegen habt. Und sie sind frisch und kalt, da sie nicht durch vormalige Feuerquellen getrieben werden. – Wohingegen Quellen auf anderen Bergen, welche auf vulkanische Weise entstanden sind, oft noch ganz heiß zur Oberfläche gelangen, da sie in ihrem Zuge vielfältig im Innern solcher Berge noch glühende Stellen passieren müssen.

15. Seht, das ist nun das Wesentlichste, was euch noch bezüglich der Bildung der Berge zu wissen nötig war. Es wäre demnach nur noch zu berühren, wie die grauen und braunen Steine zwischen die Plattenschichten dieser Alpe gekommen sind. Sehet, diese Steine sind die eigentlichen Ursteine der Erde. Sie sind teils bei der Zeit Adams auf vielen Stellen der Erde mehr zur Oberfläche gekommen und wurden dann bei der Plattenbildung nach und nach unter dem Wasser selbst mit eingepanzert. – Die Noahischen aber, die, wie ihr schon wißt, weißgraulich aussehen, wurden erst unterwässerlich gebildet von Adam bis Noah und wurden zuerst durch eine vorsintflutliche, partielle Feuer-Eruption zerbrochen und nach allen Richtungen geschleudert, allwie sie noch jetzt häufig auf solchen Alpen in größeren und kleineren Stücken und Massen anzutreffen sind.

16. Was endlich die ganz weißen, überweltlichen Trümmer betrifft, so hat dieses seine Bewandtnis in dem schon Gesagten.

17. Und somit ist nun die ganze Bildung der Alpe wohlerläuternd gegeben, und es wird nie ein Weltgelehrter eine andere ausfindig machen. Denn da weiß niemand das Wie, Wann, Woher, Warum und Wodurch, als Ich allein und der, dem Ich es mitteile, damit er glaube, daß Ich es bin, der alles dieses angeordnet und gemacht hat. Denn würde jemand nur achttausend Klafter tief in die Erde graben, so würde er sich alsbald überzeugen, daß es nur so ist, wie Ich es euch gezeigt und gesagt habe. Aber zugleich wird er auch erfahren, daß solche eigenmächtige Untersuchungen wider Meinen Willen sind und daß Ich dieselben gewiß allezeit mit dem zeitlichen, wo nicht sogar mit dem ewigen Tode bestrafe.

18. Daher, wer da am Brunnen göttlicher Offenbarungen ist und dürstet, der trinke das Wasser des Lebens in vollen Zügen! Aber die Frucht vom Baume der Erkenntnis soll er erst dann essen, wenn Ich den Baum für ihn gesegnet habe. Dann wird er sich sättigen zum ewigen Leben von der Frucht, die reichlich am großen Baume Meiner Schöpfung hängt, aber wohlgemerkt, nicht eher, als bis Ich den Baum ihm gesegnet habe, wie Ich es jetzt eben vor euren Augen für euch tue.

19. In diesem Falle werdet ihr auch den Segen des Lebens empfinden und seid vergnügt und zufrieden dabei, da euch gegeben wird mehr, als ihr je hättet verlangen können. Der eigenmächtige Naturgelehrte dagegen frißt wie ein Ochse im saftigen Kleefelde, bläht sich dann auf und geht zugrunde, da er aß die für ihn ungesegnete Frucht. Ich sage, solche Gelehrte sind Mir ein Greuel; denn sie suchen nicht Meine, sondern ihre Ehre unter den Zweigen dieses Baumes.

20. Euch aber gebe Ich es in aller Wahrheit und Liebe, damit ihr die große Herrlichkeit eures heiligen Vaters erkennen möget, wie sie war, ist und ewig sein wird. – Das sage Ich, der Ich wahrhaftig und getreu bin in jeglichem Meiner Worte. – Amen.

 

Geistige Schau.

[HiG.01] Aus der Ferne zeigt ein blaues Gebirge sich dir als eine flache Wand. Doch kommst du in die Nähe, wird die Wand zu weitgedehnten Ländereien. – Also ist es auch mit den geistigen Dingen! – Wo dein Auge eins erschaut, Ich sage dir, da sind Trillionen!

 

Erdbeben und deren Ursachen. – 27. September 1840, von 3/4 10 Uhr bis 3/4 1 Uhr nachmittags

Schreibende: K. G. L. und Ans. H. – Der Herr offenbarte durch Seinen Knecht J. L. Nachfolgendes:

1. Es gibt der Erscheinungen in der Natur noch sehr viele, sowohl im Großen als auch im Kleinen, über deren wahren Grund noch keinem sogenannten Naturgelehrten je etwas geträumt hat.

2. Zu solchen Erscheinungen gehören z.B. der Magnet des Nordpols, das Nordlicht, der Blitz, wie auch ferner die sogenannten Schnellgebilde, dergleichen da sind die Sternschnuppen, Wölkchen am reinsten blauen Himmel, die kristallinischen Bildungen, ferner die Ebbe und Flut des Meeres, die Schwingungen der Erde, ein längeres Beben derselben, wie auch gewaltige Stöße, welche, wie euch mehrere Beispiele und Erfahrungen zeigen, schon öfter ganze Gegenden in wenig Sekunden gänzlich zugrunde gerichtet haben. Zu diesen Erscheinungen gehören auch die Bergstürze, große Erdlawinen, oft ganze Versinkungen der Berge und Inseln und noch ferner das Sich-Spalten der Erde, das Ausbleiben der Quellen, das Versiegen der Brunnen, das starke Zurücktreten des Meeres und bei solchen Gelegenheiten das öftere Hervorbrechen von Rauch und Feuer aus den Klüften der Erde. Und dergleichen Erscheinungen gibt es noch zahllose, welche teils schon beobachtet, teils aber noch von niemanden beobachtet wurden.

3. Jedoch von allen diesen nun erwähnten außergewöhnlichen und außerordentlichen Erscheinungen will Ich heute nur das Erdbeben wie auch die Schwingungen der Erde und Stöße derselben wie auch manches auf dieses Bezug habende näher beleuchten.

4. Das sogenannte Erdbeben ist keine eigene, für sich entstehende Erscheinung, sondern ist nur die Folge eines auf irgendeinem losen Punkte der Erde entstandenen Erdstoßes, welcher auf folgende Weise bewirkt wird:

5. Tief in den innersten Gebilden des Erdwesens befinden sich, gerade wie in dem Körper eines Tieres, gewisserart Eingeweide. Es sind aber, wie schon erwähnt, durch alle Teile der Erde bis zum Mittelpunkte derselben überall zahllose Heere der einst gefallenen Geister gebannt, denen allen nach Meiner Ordnung eine gewisse Frist zu ihrer Wiederbelebung gegeben ist. Wenn nun auf irgendeinem Punkte der Erde irgendein Menschengeschlecht zu sinnlich und materiell wird, so daß beim Sterben solcher Menschen ihre Geister nicht zum ewigen (Geistes-)Leben, sondern wieder in den Tod der Materie übergehen, so treten dann eben diese Geister wieder in die Tiefen der Erde zurück und werden gefesselt wie zuvor, ehe sie geboren wurden.

6. Seht, wenn das lange fort und fort dauert, so wird ein solcher Punkt im Innern der Erde nach und nach überladen. Diese Geister fangen dann an, in ihren bösen Begierden sich zu drängen, zu reiben und zu entzünden. Dadurch aber werden auch diejenigen Geister, die noch nicht in ein Menschenleben geboren wurden, ebenfalls aus dem Zustande ihrer Ruhe geweckt, zersprengen ihre kleinen Kerker, brechen dann in ihrem beleidigten Eifer in mächtigen Feuersäulen auf die anderen Geister los und wollen sie vernichten. Die geborengewesenen und wieder gefallenen Geister aber entzünden sich da noch mehr, da sie glauben, ein solches Feuer rühre als das sogenannte Höllenfeuer als Strafe unmittelbar von Mir, erbrennen dann in Wut gegen Mich und wollen Mich, alle Engel und den Himmel zerstören und vernichten.

7. Wenn dann solches vor sich zu gehen anfängt, alsdann wird sobald ein frieden- und ruhestiftender Engel von Mir abgesandt. Dieser öffnet die Schleusen irgendeines unterirdischen großen Wasserbehälters. Und das Wasser stürzt dann, vom Engel geleitet, in Blitzesschnelle hin auf einen solchen wuterglühenden Punkt der Erde.

8. Wenn nun das Wasser mit seinen Friedensgeistern eine solche Stelle erreicht hat, alsdann treten diese hinaus aus ihrer leichten Umhüllung, entzünden sich gegen solche bösen Rotten und züchtigen dieselben mit dem Feuer des Friedens.

9. Das Wasser selbst aber löst sich natürlich in die euch bekannten Dämpfe auf und übt durch solche plötzliche Ausdehnung mit Hilfe seiner Geister einen so gewaltigen Stoß aus, daß an der Stelle, die sich gerade über einem solchen Punkte befindet, Berge, Städte, Märkte und Dörfer wie Spreu zusammengeschüttelt und übereinander geworfen werden.

10. Dadurch entstehen nun im Innern der Erde neue Spalten und Klüfte, die sich oft bis zur Oberfläche der Erde heraufziehen, in welche Klüfte sich dann die ungeborenen Naturgeister, vereinigt mit den friedlichen Wassergeistern, zur ferneren Ausbildung von dem Engel geleiten lassen. Die bösen, gefallenen Geister aber, die da schon geboren waren, bleiben dann gesänftet zurück in dem auf diese Art entstandenen Schlammpfuhle.

11. Nun seht, das ist der eigentliche Grund der Entstehung eines solchen Erdstoßes!

12. Was aber die sogenannten Schwebungen und Schwingungen betrifft, welche mit dem allgemeinen Ausdrucke „Erdbeben“ bezeichnet werden, so sind diese nichts anderes als die vom Öffnen der Schleuse durch den Engel wie auch durch das Fallen des Wassers notwendigerweise erregten kleinen Rückungen der Erdschichten, welche teils ein solches Becken umgeben, teils aber auch dadurch aus ihrer Ruhe gebracht werden, wenn fürs erste durch solche höhere Kraft die Schichten unter dem Becken bis zum losen Punkte gewaltsam getrennt werden; und fürs zweite dann aber auch durch den gewaltigen schweren Fall der Wassermassen in einer länger währenden Erzitterung erhalten werden. – Diese Bewegung ist nun also der Grund der Schwingungen.

13. Was aber das Beben der Erde nach einem solchen gewaltigen Stoße betrifft, so ist dies alles eine Folge des Rückzuges der Wassergeister mit den ungeborenen Geistern in die verschiedenen neuen Spalten und Klüfte des Erdkörpers. Denn darum ist die Erde erschaffen worden, daß sie trage in ihren Eingeweiden ein gefallenes Geschlecht der Geister zur endlichen Wieder-Entstehung in ein freies, ewiges Leben in und aus Mir.

14. Solange es nun irgendwo auf der Erde ein widerspenstiges Geschlecht gibt, so lange auch werden solche Erscheinungen um so häufiger vorkommen, je sinnlicher und gottvergessener irgendein Menschengeschlecht auf der Oberfläche der Erde wird.

15. Denn sehet, daß dieses alles buchstäblich wahr ist, könnet ihr sehr leicht daraus ersehen, wenn ihr fürs erste eure Blicke über die ganze Oberfläche der Erde richtet und hie und da solche Erscheinungen vernehmet in der ganzen Schrecklichkeit ihrer tobenden Größe, wie z.B. die Zerstörung Lissabons, ferner die auf der Insel Jamaika und dergleichen mehrere bis auf die jetzige Zeit in der Gegend des Berges Ararat, welche letztere ganz wortgetreu in dem Sinne Meiner heutigen Mitteilung vor sich ging und wovon nahe selbst bis zu euch her nicht unbedeutende Spuren vor einigen Wochen vernommen wurden. Selbst bis nach Amerika wurden ja wiederholte Stöße deutlich empfunden, was wie folgt bewirkt wird:

16. Wenn unterirdisch sich entweder eine kontinuierende Stein- oder Erdschicht ohne Unterbrechung bis zum losen Punkte fortzieht, so wird ein solcher Stoß auf die nämliche Weise weithin fortgepflanzt, wie wenn ihr sehr viele Stangen, aneinander befestigt, in einer geraden Linie auf eine weitgedehnte Fläche legen möchtet. Wenn ihr dann auf dem Punkte A einen gewaltigen Stoß auf diese kontinuierenden Stangen ausüben würdet, so würde sich dieser Stoß bis zum Punkte B, allwo die Stangen aufhören, im Augenblicke des Stoßes noch sehr bedeutend wahrnehmen lassen. Auf diese Weise kann dann ein solcher Stoß selbst bis in die entferntesten Gegenden fast zu gleicher Zeit wahrgenommen werden.

17. Obschon aber solche Wahrnehmungen demnach natürliche Folgen sind, so sind sie aber doch nicht bloß als solche anzusehen; sondern, wenn sie zweckwidrig wären, so könnet ihr euch wohl denken, daß es Mir ein leichtes wäre, sie zu verhindern. Weil sie aber zweckdienlich sind aus Meiner Liebe und Weisheit, so werden sie vielmehr an solche Orte als warnende Mahnboten geführt, allwo sich Menschen vorfinden, die von Mir kaum mehr etwas wissen als die Bäume in einem Walde. Solche Boten sagen dann den Gott vergessenende Menschen, daß Ich noch nicht gestorben bin, sondern noch bestehe in aller Meiner Macht und Kraft. Und da es von Mir nur eines leisesten Winkes bedarf, so kann auch solchen benachrichtigten Stellen der Erde ein Ähnliches ergehen wie der Gegend Ararat.

18. Denn seht, in einer Tiefe von kaum zwanzigtausend Klaftern, ja hie und da von kaum zweittausend Klaftern, ist euer Land, Steiermark genannt, durch und durch unterminiert mit großen und sehr tiefen Wasserbecken. Und so ruhen denn eure Berge sowohl als das wenige Flachland gewisserart schwimmend auf der Oberfläche des unterirdischen Gewässers und werden hie und da durch Steinmassen, gleich großen Säulen, mit dem Inneren der Erde verbunden.

19. Es braucht demnach nichts weiter als noch mehr Vergessenheit Meines Wesens, als sie schon soeben in einem hohen Grade eingetreten ist – so könnt ihr versichert sein, daß Ich auch hier imstande bin, euch alsogleich ein noch größeres Elementar-Spektakel vorzuführen. Jedoch sage Ich: Wehe den Menschen, welche Ich mit solchen Erscheinungen heimzusuchen genötigt bin! Die werden wohl eine zweite Schöpfung abwarten können, bis ihnen wieder irgendein Weg zu einem abermaligen Freiheitsprobeleben gegeben wird!

20. Nun seht, so wie diese Ereignisse vor sich gehen nach Meinem ewigen Ratschlusse, so auch fällt kein Tröpfchen aus den Wolken, welches nicht zuerst in Meiner Liebe gedacht worden wäre! Und glaubet es Mir, wenn Ich, so wie gestern, einen Regen zur Erde herab sende aus den höheren Triften des werdenden Lebens aus Mir, durch die Regionen des Lichtes, so hängt im Grunde die Erhaltung der ganzen Erde, ja des ganzen Universums von dem ersten Tröpfchen ab, welches kaum ein Sandkörnchen befeuchtete.

21. Da werdet ihr freilich sagen, das sei fast unwahrscheinlich. Allein Ich sage euch: Wenn dieses Tröpfchen nicht zur allerbestimmtesten Zeit eben dieses Sandkörnchen befeuchtet hätte, so hätte der in diesem Körnchen gebannte und ergrimmte Geist das Körnchen zersprengt, hätte dadurch die Geister, die ihn nachbarlich umlagerten, zu einer ähnlichen Handlung geweckt, und diese wieder ihre Nachbarn, und so fort bis auf das letzte Stäubchen der Erde. Und ihr könnt ganz vollkommen versichert sein, daß in der nächsten Sekunde die ganze Erde in vernichtenden Flammen und Rauch aufginge. Und wie hier ein Sandkörnchen das andere zur Zerstörung geweckt hätte, so würde eine Erde die andere wecken und eine Sonne die andere, und so fort bis ins Unendliche. Und dieses alles wäre das Werk fast eines und desselben Augenblickes, geradeso als wenn ihr euch einen großen Haufen des verfluchten Schießpulvers dächtet und würde da jemand nur ein Körnchen entzünden, und wäre der Haufen so groß als die Erde selbst, so würden doch in demselben Augenblicke alle Körner vom Feuer ergriffen werden.

22. Wenn aber zuvor ein solches Pulverkörnchen, welches gerade ausgesetzt war zur ersten Aufnahme des Feuers in einem Fünkchen, durch einen solchen Tropfen befeuchtet würde – was wird nun geschehen, wenn das Fünkchen auf das befeuchtete Körnchen kommt? – Das befeuchtete Körnchen wird sich nun nicht entzünden, und der ganze andere große Klumpen wird dadurch gesichert sein vor der Zerstörung.

23. Seht, es hängt nichts, was ihr auch immer ansehen möget, ja selbst nicht die Bewegung eines Sonnenstäubchens, von einem sogenannten blinden Zufall ab – sondern dieses alles ist von Mir schon von Ewigkeit her auf das allergenauste berechnet und bemessen. Und wäre es einem Menschen oder selbst einem Engelsgeiste möglich, darinnen eine Abänderung zu finden, und wirkete dabei Meine ewige Sorge nur einen Augenblick nicht mit, so würdet ihr erfahren, welche Verheerungen aus der unordentlichen Wendung auch nur eines Sonnenstäubchens vor sich gehen würden.

24. Ich aber sage euch: Der Schwerpunkt einer Zentralsonne hängt in seiner Ordnung auf das intimste von der Wendung eines für eure Augen nicht mehr sichtbaren Stäubchens ab. Denn meine Ordnung ist so wohl berechnet und Meine Blicke sind so genau auf alles gerichtet, daß vom Allergrößten bis zum Allerkleinsten eines da sei zur Erhaltung des andern.

25. Nun werdet ihr auch fragen: Warum diese großen Wasserbecken unter den Bergen und Flächen, wodurch die Oberfläche keinen Augenblick sicher ist vor dem Versinken in die meilentiefen Fluten solcher Gewässer? – Allein Ich sage: Es ist alles so eingerichtet, daß es ewig bestehen kann, wenn nicht die freiwillige Bosheit der Menschen Störungen in Meiner ewigen Ordnung verursacht, die Ich nicht hindern darf, da sie von der Freiheit des Willens der Menschen herrühren und weil der freie Wille auch nur eines Menschen (Mir) unendlich höher steht als ein ganzes Sonnengebiet mit allen Planeten, Monden und Kometen.

26. Und nähme Ich das Wasser aus diesen Becken, so saget, womit könnte das große Feuer in den inneren Gemächern der Erde gesänftet und gemildert werden?

27. Ist euch eine solche Erscheinung wie die der Gegend Ararat erschrecklich, so ist sie aber andererseits doch wieder ein neuer Segen zur Erhaltung des Ganzen. Denn würde das nicht geschehen auf die schon erwähnte Art, so würde im nächsten Augenblicke, statt der Zerstörung einer kleinen Gegend, die ganze Erde ein völlig vernichtendes Los erfahren.

28. Daher bin Ich in allem, was da euer Auge und Ohr berühren kann, nichts als immerwährend die ewige Liebe Selbst. Wie einst die Welt entstanden ist aus der Erbarmung Meiner Liebe, so besteht sie in Meiner Liebe und so wird sie einst auch nur sanft aufgelöst werden in Meiner Liebe. – Und ist auch der Zorn Meiner Gottheit das Sichtbare der Materie, so wird aber dieselbe doch nur gesänftet erhalten von Meiner Liebe, solange es Meine Ordnung für notwendig finden wird.

29. Und so könnet ihr auch vollkommen versichert sein, daß wenn auf irgendeinem Orte unter einer Million Menschen nur einer ist, der Mich in seiner Liebe erkannt hat, so wird der Ort, und wäre seine Unterlage so dünn wie ein Blatt Papier, dennoch so fest und sicher bestehen, als wäre sein Untergrund ein viele Meilen dickes und festes Gestein. Allwo aber unter einer Million auch nicht einer mehr anzutreffen ist, der Mich erkennen möchte als den liebevollsten Erhalter aller Welten und aller Geschöpfe, alldort wird eine sonnendicke Diamantenkruste zu schwach werden, um die vernichtende Notwendigkeit Meiner ewigen Ordnung aufzuhalten.

30. Sehet daher, so ihr Mich wahrhaft liebet, sollet ihr gar nichts fürchten, und würde die Erde auch unter euren Füßen in Trümmer zerbröckelt werden! – Wahrlich, Ich sage euch: Auch auf den dampfenden Trümmern einer zerstörten Welt würdet ihr erfahren, daß Ich die Ewige Liebe bin, und ein wahrer, einzig guter Vater denen, die Mich im Geiste und in der Wahrheit der Liebe ihres Herzens erkannt haben.

31. Ja, Ich sage euch, Ich will Sonnen zerstören und die Trümmer der Welt wie Blitze durcheinanderwerfen und entzünden mit dem Feuer Meines Grimmes die ganze ewige Unendlichkeit, und doch soll auch nicht ein Haar gesengt werden denen, die Mich lieben. Denn Ich bin allezeit ein liebender und heiliger Vater Meinen Kindern! – Amen.

 

Über Erdstöße und Witterungserscheinungen. – 4. Oktober 1840, von 1/4 10 Uhr bis 1/2 12 Uhr vormittags

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – Der heilige, liebevollste Geber aller guten Dinge gab uns durch Seinen Knecht J. L. dieses Stück Brotes zum ewigen Leben.

1. Was da letzthin von den Erdklüften und Erdsprüngen wie auch von den breiten Rissen der Erde gemeldet wurde, so haben diese mit dem Ausbleiben der Quellen und Versiegen der Brunnen, wie auch mit dem Zurücktreten des Meeres und mancher Seen einen und denselben Grund.

2. Nämlich bevor irgendein solcher gewaltiger Erdstoß geschieht, da sammeln sich vorher die (argen Menschen-)Geister, die von der Welt wieder in die Materie zurückgekehrt sind, in Rotten und großen Horden. Diese Sammlung der Geister an gewissen Punkten der Erde bietet dem natürlichen Menschenverstande folgende Erscheinung dar: Durch den Zusammentritt von Mineralien mit dem Wasser geschieht gewisserart eine chemische Zersetzung, was ihr im allgemeinen mit dem Ausdrucke „Gärung“ bezeichnet. Dadurch entwickeln sich verschiedene Gase und suchen einen Ausweg. Und da geschieht es denn, daß sie bei einer solchen Gelegenheit in einen leeren Raum gelangen, allda sammeln sie sich dann Jahre und Jahre oft so gewaltig zusammen, daß sie durch ihre naturmäßige Spannkraft nach und nach die über solchen Räumen befindliche Erdscholle zu erheben anfangen.

3. Wenn nun so die Erdscholle mehr und mehr erhoben wird, so fängt sie natürlicherweise an, Ritze zu bekommen, welche dann, je nachdem die Erhebungen fortdauern, immer größer und größer werden und endlich förmliche Klüfte und tiefe Abgründe bewirken. Wenn nun auf diese Weise die sich unterirdisch ansammelnden Gase durch kleine Risse bis zu den großen Wasserbehältern gedrungen sind, so füllen sie nach und nach, durch die Wässer aufsteigend, die Oberfläche derselben ebenso gewaltig an, daß dann diese Wässer, von welchen alle unterirdischen Quellen meistens herkommen, außer Verbindung mit den Oberadern gebracht werden und dann auch die äußere Rinde der Erde oft bis zu achtzig, hundert, ja oft auch zweihundert Klaftern erhöhen – bei welcher Gelegenheit dann natürlich alle Quellen, die daher ihren Ursprung haben, ausbleiben, wie auch Brunnen versiegen und das Meer, welches stets in Verbindung mit diesen unterirdischen Wässern steht, wie auch andere große Seen, von ihren Ufern bedeutend zurückweichen, was natürlich geschehen muß, da die große Vorratskammer der Wässer durch solche dazwischen tretende Gase getrennt wird von den oberirdischen Wässern.

4. Nun seht, so stellt sich diese ganze Erscheinung dem natürlichen Auge, das heißt dem Sinne des natürlichen Verstandes vor! – Allein in der Wahrheit verhält es sich nicht also; sondern, wenn – wie schon anfangs erwähnt wurde – durch die Ansammlung der Geister und durch deren tolles Treiben die andern, noch ruhenden Geister beleidigt und aus ihrer Ruhe gebracht werden, alsdann geschieht es gewöhnlich, daß ein friedenstiftender Engel von den Himmeln dahin gesandt wird. Dieser öffnet im Inneren der Erde Klüfte von den großen Wasserbehältern zu den Stellen, deren Insassen in ihrem tödlichen Eifer gegenseitig glühend geworden sind. Nun suchen da die in den Wässern verborgenen Friedensgeister solche ergrimmten Rotten zu sänftigen, und da sammeln sich während solcher Tätigkeit dann solche Friedensgeister durch den beständigen Beitritt des Wassers in großen Massen. Und das, was früher von den Gasen gesagt wurde, seht, das ist die Überzahl der Friedensgeister, die auf die Nötigung des Engels aus dem Wasser getreten sind, um die ergrimmten höllischen Geisterhorden zu sänften.

5. Wenn dann solches fortgesetzte Beispringen der Friedensgeister aus dem Wasser nichts fruchtet, alsdann macht der Engel – wie schon aus der früheren Mitteilung von dem Erdbeben bekannt – einen gewaltigen Strich durch die Rechnung solcher Grimmgeister, worunter die sogenannten großen Weltgeister die ärgsten sind. Dieser Strich durch solche bösen Rechnungen der Geister besteht darin, daß von dem kräftigen Engel die Stelle durch und durch ergriffen und mit großer Gewalt in die kleinsten Teile, allwo noch ungeborene Geister bedrängt wohnen, in einem Augenblicke zerrissen wird.

6. Die nun losgewordenen Geister entzünden dann, da sie selbst ganz glühend geworden sind, auch die oft meilenweit angesammelten Friedensgeister (oder mit dem naturmäßigen Ausdrucke „Gase“) – und dieser Entzündungs-Augenblick ist dann auch der Augenblick des euch schon bekannten Erdstoßes.

7. Welche Folgen solche Entzündungen haben, ist euch schon hinreichend bekannt. Allein damit solche Entzündungen nicht allzu häufig vorkommen, da sie mit der Zeit ein gänzliche Zerstörung des Weltköpers herbeiführen könnten, und zwar durch die Wirkung des nach Meinem Willen freitätigen Engels (der, wenn er mit Meiner Macht zur Vollziehung Meines Willens ausgerüstet ist, sich wenig kümmern würde, ob zur Verherrlichung Meines Namens eine oder tausend Erden wie Spreu in den Wind zerstäubt würden) – so habe Ich fürs erste hie und da auf der Erde beständige Grimmableiter der höllischen Geister errichtet, durch welche immerwährend Wasser zum Dämpfen der glühenden Stellen geleitet wird. Und wenn da auch Ansammlungen von solchen euch bekannten Gasen geschehen, so werden sie, wie der Rauch durch ein Kamin, gewisserart natürlich, ohne bedeutende Verheerungen, abgeleitet.

8. Freilich sollten die Menschen nicht so ganz nahe solchen Orten ihre Wohnungen errichten, weil in solcher Nähe doch immerwährend größere oder kleinere Verheerungen notwendigerweise stattfinden müssen. Denn es ist ja die Erde doch so ziemlich ausgedehnt, und daher ist es nicht nötig, sich gerade an Kaminen der Hölle Wohnungen zu errichten.

9. Denn seht, in geistiger Hinsicht sind die Vulkane nichts anderes als Grimm- und Zorn-Ableiter der Hölle. Diese Vulkane haben unterirdisch viele tausend Gänge und Mündungen, welche nicht unähnlich sind den Wurzelzügen eines großen Baumes. Dessenungeachtet aber können sie doch nicht jede erdenkliche Stelle der Erde berühren, es müßte denn die Erde nur gleich sein einem Badeschwamme, was denn doch nicht sein kann, wenn sie fähig sein soll und muß zur Tragung der Menschen, Berge, Länder und all der großen Gewässer, damit ihre Oberfläche sei eine gefestete Schule zur Freiheit des Lebens in Mir.

10. Wo demnach die vulkanischen Gänge nicht hinreichen, allda geschehen zwar wohl sehr oft solche Erhöhungen durch die Ansammlung frei gewordenener Geister. Jedoch um einer solchen gewaltigen Zerstörung vorzubeugen, werden in den Niederungen der Erde, wie auch öfter in den Gebirgsklüften von einem zweiten Engel Öffnungen gemacht. Durch diese Öffnungen strömen dann die Gase unentzündet, in der Art heftiger Winde, als Stürme über die Oberfläche der Erde heraus.

11. Seht, solche Erhöhungen geschehen fast tagtäglich. Ihr dürft nur das sogenannte Barometer beobachten, und ihr werdet an dem Fallen und Steigen des Quecksilbers die immerwährende Ansammlung solcher Geister hinreichend beobachten können. Denn wenn dasselbe fällt von Linie zu Linie, so geschieht unterirdisch die Ansammlung. Die Erdscholle mit der Rinde wird erhoben. Dadurch nun werdet ihr samt euren Städten, Bergen und Flüssen von Klafter zu Klafter höher in die leichteren Luftschichten gehoben. Und da die Luftsäule, welche auf das Quecksilber drückt, dadurch natürlicherweise immer geringer wird, so fällt denn auch das Quecksilber in der Röhre nach dem Maße des Leichterwerdens der Luftsäule über demselben.

12. Wird dann nach Meiner Liebe den freien Geistern oder, naturmäßig gesprochen, „Gasen“, eine wohlberechnete verhältnismäßige Ausgangspforte errichtet, alsdann strömen denn diese allgemach aus, gerade wie die Luft aus einer Esse. Die Erdscholle und Rinde sinken dann nach und nach wieder in ihre vorige Lage zurück. Und in welchem Maße das Zurücksinken geschieht, in demselben Maße steigt dann auch wieder das Quecksilber in der Röhre, weil die Luftsäule über demselben natürlicherweise wieder länger, intensiver und schwerer wird.

13. Ihr würdet vielleicht, wenn auch nicht jetzt, so doch nach und nach fragen, was denn mit diesen aus dem Wasser frei gewordenen (Friedens-)Geistern ferner geschieht; da sage Ich euch nichts anderes als das: Fraget euch selbst, was ihr selbst nach getaner Arbeit zu tun pfleget! Nämlich, ihr begebet euch in eure Wohnungen, um alldort wieder friedlich auszuruhen von dem mühsamen Tageswerk eurer Hände. – Sehet, dasselbe ist auch der Fall bei diesen frei gewordenen Geistern und das um so mehr, da ihnen der Weg bekannt ist, den sie zu gehen haben, bis zur Seele des freien Menschen der Erde.

14. Sehet, diese Geister vereinigen sich alsobald mit den Geistern, die da kommen aus den freien Sphären des Lichtes, ziehen sich gegenseitig an, verbinden sich auf dem euch oft sichtbaren, meistens aber unsichtbaren sogenannten elektro-magnetischen Wege, welcher freilich besser „Natur-Liebe-Weg“ genannt würde, und fallen dann gewöhnlich im Regen, oft auch im Hagel und Schnee wieder, die Erde befruchtend, darnieder.

15. Zwischen dem Regen, Hagel und Schnee sind nur sehr geringe Unterschiede, welche durchgehends einen gleichen Grund haben. – Bei dem Hagel haben sich mitunter auch noch bösere ungeborene Geister mit den freien Geistern aus dem Wasser mitbegeben. Damit nun diese Geister keine weiteren Verheerungen anrichten können, so werden sie durch die Geister aus dem Wasser alsogleich gefangengenommen und festgebunden und also, von ihrem Grimme abgegekühlt und gesänftet, in der Gestalt des Hagels wieder zur Erde geführt – aus welcher Ursache ein solcher Hagelsturm auch gewöhnlich mit größerer Hefigkeit als irgendein anderer Regen oder Windsturm vor sich geht.

16. Daß dem so ist, das zeigen euch die vor einem solchen Sturme kreuz und quer fliegenden Wolken. Wenn ihr das seht, so ist der Augenblick da, allwann solche bösen Geister von der Heftigkeit der Friedensgeister kreuz und quer zusammengefangen werden, bei welcher Gelegenheit sich solche Geister dann allezeit durch ein unwilliges, vernehmbares Murren, Toben, häufiges Blitzen und Donnern kundgeben. Allein alles dieses hilft ihnen wenig oder gar nichts. Am Ende werden sie doch samt und sämtlich gefangengenommen und, wie schon bekannt, an den Ort ihrer Bestimmung geführt.

17. Wenn sie nun die Erde erreicht haben, so werden sie von der erweichten Materie wieder aufgenommen, und die friedlichen (Wasser-)Geister gehen dann wieder ruhig von ihren festen Klümpchen auseinander. – Hat dann auch so ein Hagelsturm hie und da manchen Schaden an euren Früchten angerichtet, so sollet ihr aber euch dessen ungeachtet doch nichts daraus machen. Denn dieser Schaden steht nicht in dem allergeringsten Verhältnisse zu dem, was da entstehen würde, wenn die Friedensgeister nach Meinem Willen nicht so tätig die Hand anlegten an die „unzeitigen“ Zerstörer der Welt. Denn diese würden sich in ihrer Freiheit alsobald entzünden, und der Erde würde es ergehen (wie schon letzthin bemerkt) – wie einem großen Haufen Pulvers.

18. Daher sollet ihr in der Zukunft auch nicht so ängstlich sein, wenn ihr solches vor euren Augen sehet. Denn alles, was da geschieht, geschieht aus Liebe zu euch! Und wird auch jemand dadurch verdientermaßen ein wenig gezüchtigt, so wisset ihr ja: wenn ihr eure Kinder nur aus Liebe züchtiget, da ihr doch böse seid – um wie viel mehr werde Ich, der alleinig gute Vater, Meine Kinder nur aus Liebe züchtigen!

19. Sehet, so steht es um diese bis jetzt für jedermann unbegreiflichen Dinge! Und wie in einem geringen Verhältnisse mit dem Hagel, so ist es, jedoch dafür länger während, der Fall mit dem Schnee und ebenso auch mit dem Eise. Denn ihr müßt wissen, je nördlicher irgendein Punkt der Erde liegt, desto verschlagener und böser sind die denselben bewohnenden (Natur-)Geister.

20. Nun aber merket euch noch dieses: Nach dem, was ihr bis jetzt über die Natur der Dinge aus Meiner Gnade erfahren habt, könnet ihr euch schon einen kleinen Begriff machen, wie viel alle Weltweisheit nütze ist! – So jemand aber ein Handwerk erlernen will, muß er zu einem Meister gehen, ansonst er ein immerwährender Stümper und Flicker bleiben wird. Ich aber bin ein wahrer und allereigentlicher Meister in allen Dingen. Wer sie daher kennenlernen will, der muß sich von Mir, dem Urheber aller Dinge, belehren lassen. Denn auf keinem anderen Wege ist es möglich, in Mein Reich zu kommen, als nur allein durch die Pforte, die Ich euch gezeigt habe. Wehe den Dieben und Räubern, die sich durch das Dach hineinschleichen wollen, denen wird's ergehen wie den Geistern durch den Hagel; denn sie werden in die äußerste Finsternis auf eine ganze Ewigkeit hinausgestoßen werden.

21. Es soll aber der gemeine Mann dereinst belehrt werden über alles, nach der Aufnahmefähigkeit seiner Liebe. Jedoch die Weisen der Welt sollen beschämt werden von einem leeren Schneckenhause und von den Larven ausgeborener Infusorien! Denn wahrlich, Ich sage euch, es wird dereinst ein Regenwurm solche Weisen gewaltig beschämen in ihrer vermeintlichen Weisheit.

22. Daher ist ein Tor der, der es nicht von Mir lernt. Wer es aber von Mir empfangen hat, und wäre die Gabe noch so klein, der wird das Empfangene in Ewigkeiten und Ewigkeiten jedoch nicht aufzehren können. Denn Ich bin allezeit unendlich, wie im Größten, so im Kleinsten. Und so ist ein Sonnenstäubchen als eine Gabe von Mir nicht minder groß und unendlich als die größte der Sonnen, welche in der Mitte zahlloser Sonnenheere wie eine Mutter in der Mitte ihrer Kinder segnend pranget.

23. Dieses nun Gesagte erfasset wohl in euren Herzen! Denn Ich, der Geber aller guten Dinge, habe es euch gegeben – ein gutes, wohl genießbares Stück Brotes zum ewigen Leben.

24. Daher freuet euch auch in euren Herzen; denn ihr wisset ja, so ihr euren Kindern Brot austeilet, daß ihr nicht fern von euren Kindern seid. – Sehet, dasselbe ist auch bei Mir der Fall!

25. Wo Mein Brot des Lebens erscheint, da glaubet auch, daß Ich, euer guter Vater, nicht ferne bin! – Amen. – Das sage Ich, euer guter Vater. Amen.

 

Vorsicht mit leiblichen Genüssen! – 13. Oktober 1840, nachmittags von 1/2 3 Uhr bis 1/2 5 Uhr

1. So schreibe denn hier, du Mein sehr fauler, unnützer, sehr schlechter und überaus törichter Knecht, der du nur mit einem Auge auf Mich siehst und mit einem Ohre anhörst Meine Stimme – und hast das andere Auge und Ohr noch hängen an der Welt!

2. Kehre alles zu Mir, damit du beim Lichte Meines ewigen Tages erkennen mögest den unendlichen Wert dessen, was Ich dir Nichtswürdigem gebe in solcher Fülle, daß selbst die Engel des Himmels solche Fülle Meiner Gnade nicht begreifen und fassen können und sich vor zu großer Ehrfurcht nicht in die Nähe getrauen, da ein solch heiliges Licht entströmt Meiner Liebe zu euch schnöden Sündern!

3. Daher bedenke, was du empfängst und von Wem du es empfängst! Und huldige in Zukunft nicht zu sehr dem Becher; denn im Weine liegt der Geist des Fleisches und somit aller Hurerei. Und so du das noch ferner tun wirst, so werde Ich dich in alle Hurerei verfallen lassen – wie alle, die so tun wie du! Und dann möchtest du wieder lange Zeit haben, bis du den Weg zu Meiner Gnade finden würdest.

4. Und nun schreibe an den N. N. und sage ihm, daß Ich ihm sagen lasse:

5. Jeder Bauch- und Magengenuß, so er unnötigerweise geschieht, taugt nicht zu Meinem Reiche. Denn der unnötige Saft macht schwarz das Fleisch der Brust und finster Meine zukünftig sein-sollende Wohnung, da der Geist nicht erweckt werden kann in der dreifachen Nacht, d.h. in der Nacht der Liebe, in der Nacht des Willens und dadurch in der Nacht der Sünde.

6. Ich gebe euch kein Gesetz, damit ihr nicht wieder Sklaven der Sünde werden möchtet; sondern, daß ihr frei werdet in Meiner Liebe, gebe Ich euch nur die Wege Meiner Liebe zu erkennen.

7. Daher lasset ruhen euer Fleisch im Tode und wecket es nicht durch neue Reizmittel – damit da lebend werde euer Geist in Meiner Liebe durch eine sichere Hoffnung, aus der Wurzel eines wahren, lebendigen Glaubens, der da ist ein wahres Licht, entströmend Meiner großen Gnadensonne, deren Mitte die allerwärmende Ruhestätte Meiner ewigen Liebe ist.

8. Schauet euch um, und ihr werdet alsobald diese Meine Sonne schon hoch am Morgen stehend erblicken und werdet auch schon tüchtig empfinden ihre sanfte Wärme. Aber euer Fleisch sollet ihr nicht wieder erwecken wollen zur Sünde; sonst würde und möchte Ich Meine Sonne für euch zum Untergange stellen. Euer Boden würde zur heißen Sandwüste. Und statt am wahren Brote der Himmel und an Meinem lebendigen Wasser würdet ihr euch sättigen an der Fata morgana der Welt.

9. Wohlgemerkt, Mein lieber N. N., siehe, Ich habe dich lieb und helfe dir über Hals und Kopf. Daher lasse das Fleisch ruhen im Tode, damit Ich deine Liebe erwecken kann und du bald schmecken mögest das ewige Leben in dir aus Mir.

10. Halte auch deine Kinder hübsch im Zaume und lasse sie nicht in die Welt springen, und verrammle wohl die Fenster deines Hauses, damit durch dieselben nicht ihre Sinne verwirrt werden! Der Welt stehen zwar wohl alle Pforten der Welt offen und alle Fensterläden ihrer Häuser. Allein nicht also soll es bei denen sein, die Ich zu Meinen Kindern aufnehmen möchte.

11. Amen. Das sage Ich, euer aller Vater!

 

Eine väterliche Einladung. – 14. Oktober 1840

1. So es sein kann – doch eurem freien Willen sei es anheimgestellt – und Ich werde nicht, euch beschuldigend, (nach)sehen, ob ihr es getan oder unterlassen habt; sondern da ihr Meine Kinder und Freunde geworden seid, so könnt ihr es tun noch in diesem Jahre, so ihr könnt und wollt. Doch aber, wenn ihr es tut, so sollt ihr alle Fünfe – mit Meinem leichten Knechte eingezählt – beisammen sein. Doch werde Ich euch einen sehr brauchbaren sechsten und, etwas später, noch einen siebenten Jünger hinzustellen, die euch und Mir sehr viele Freude machen werden.

2. Nicht wahr, Kinder und Freunde, ihr werdet jetzt auch denken: Aber was der gute Vater nun doch wieder möchte? Es schaut gewiß schon wieder etwas außerordentlich Großes heraus. – Ja, sage Ich, es schaut richtig schon wieder etwas außerordentliches Großes heraus, was Ich euch zeigen möchte, euch aber doch ohne dieses kleine Opfer nicht zeigen kann, da euch für diesen Zweck der natürliche Eindruck mangelt. Denn in gewissen Dingen, da ihr noch nicht völlig im Geiste wiedergeboren seid, ist euch eine naturgemäße Anschauung noch überaus nötig, so ihr wieder sollet in einen größeren Tropfen Meiner Barmliebe eingeweiht werden. Und das ist nun soeben der Fall! Ich will euch wieder eine Stufe höher ziehen und habe darum dieses mit euch vor. Jedoch nur so ihr leicht könnet und wollet. Es soll darob niemand etwas von dem Seinen verabsäumen! – Somit höret, was Ich meine mit dem „so es sein kann!“

3. Das aber ist nicht etwa Mein Wille, sondern nur der Wunsch Meiner Liebe, daß ihr euch etwa an einem Sonntage, den Ich euch recht gerne dazu beräume, hinbegeben möchtet zum Fuße der sogenannten Kleinalpe – aber nicht etwa gar hinauf zu deren Scheitel, sondern nur bis an den Fuß derselben, der bis nach dem Flecken „Übelbach“ nicht ferne hinreiche.

4. So ihr aber dahin gelangen werdet, so sollet ihr ja auf alles ein sehr aufmerksames Auge richten, und zwar zuerst auf die vor euch liegenden Alpen, auf ihre Erhöhungen und Erniedrigungen, wie und mit was für Bäumen sie bewachsen sind, mit was für Sträuchern, Kräutern und Grasarten sie bekleidet sind um ihre Füße, und wie die Erde alldort aussieht, was für Steine da seien, ob und was für Mineralien daselbst enthalten sind in den Eingeweiden dieser Gebirge. Alles dieses sollet ihr so viel als möglich selbst in Augenschein nehmen, oder euch daselbst wenigstens recht sorgfältig darum erkundigen.

5. Hauptsächlich aber sollet ihr bei allem dem auf eure Gefühle die größte Achtsamkeit verwenden. Denn das ist eigentlich der Hauptgrund, warum Ich solches für euch beabsichtige. Und ihr werdet daselbst durch eine besondere Zulassung von Mir euch von noch nie geahnten und noch viel weniger gehabten Gefühlen bemeistert fühlen, welche euch mehr sagen werden, als alle Bücher der Welt zu fassen vermöchten!

6. Warum Ich aber euch gerade auf diese Gegend verweise, das wird euch bei der nachträglichen großen Erörterung haarklein auseinandergesetzt werden.

7. Sehet, wenn euch irgendein weltlicher Machthaber ein solches Geschäft anbefohlen hätte, so würdet ihr alles verlassen haben, um demselben nachzukommen. Freilich würdet ihr dann „Geschäftsdiäten“ bekommen. Aber auch Ich werde euch versehen mit den Diäten Meines Reiches. Und so wird es euer Schaden nicht sein, zeitlich und ewig.

8. Daher aber sollet ihr euch in der Welt, als der Vorschule des ewigen Lebens, schon ein wenig üben, zu hantieren in Meinen Geschäften. Denn so ihr Mir liebetreu festverbleiben werdet, dann werden euch in Meinem Reiche gar große Geschäfte erwarten, wovon ihr jetzt noch keine Ahnung habt.

9. Sehet, einst sagte Ich zu Meinen Knechten und Jüngern: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur! Und besiegelt selbes mit eurem Blute und Leben! Denn wer das Leben sucht und liebt, der wird es verlieren, wer aber dasselbe hasset und es verabscheuet um Meines Namens willen, der wird es erhalten, und wenn er stürbe tausend Male. Und fürchtet nicht die, so nur den Leib zu töten vermögen, der Seele aber kein Leid zufügen können, sondern fürchtet vielmehr Den, der die Seele samt dem Leibe ewig verderben und töten kann.“

10. Sehet, alles dieses sage Ich nicht zu euch, da Ich eure Schwäche wohl erkenne; aber Ich sage zu euch: „Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig, hat euch denn niemand gedinget? So gehet denn auch ihr hin in Meinen Weinberg, und Ich will euch geben, was Rechtens ist.“ – Das, sehet, das sage Ich in diesem Nebenworte soeben zu euch allen! Darum gehet hin, so ihr wollt und könnt, und tuet nach allem dem das Eurige. Ich aber werde dann alsobald zu euch treten und tun das Meinige!

11. Daher noch einmal wohlgemerkt: „So es sein kann!“ – Amen. Das sage Ich, euer liebender Vater. Amen. Amen. Amen.

 

Fata morgana. – 18. Oktober 1840, Sonntag, von 1/4 11 vormittags bis 1/2 2 Uhr nachmittags

Schreibende: K. G. L. – S. – und Ans. H. – Der Herr gab uns heute dieses Stück Brotes durch Seinen Knecht J. L.:

1. So merket denn! Unter die vielen Erscheinungen, von deren Entstehungsgrunde noch keinem Weltgelehrten etwas geträumt hat (und hätte es ihm auch geträumt, so konnte ihm nur der allerbarste Unsinn davon träumen) – gehören auch die von den Gelehrten so ganz unrichtig benannten Luftbilder.

2. Denn nicht nur diese Luftbildungen, sondern noch zahllose andere Erscheinungen im Gebiete der Natur sind in ihrer Entstehung von solcher Art, daß alle Gelehrten der ganzen Erde, wenn sie tausend Jahre hintereinander sich mit nichts als bloß nur mit diesen Erscheinungen beschäftigen würden, am Ende solcher Zeit gerade so viel wüßten wie beim Beginne ihrer tollen Forschungen.

3. Was würdet ihr wohl einem Menschen sagen, der seine Brille sucht, während er sie doch auf der Nase trägt!? Ihr würdet zu ihm sagen: „Freund, was suchst du?“ Und so er antworten würde: „Meine Brille!“ – dann würdet ihr ihm gewiß lachend bedeuten, daß er sie ja auf der Nase trägt. So er aber nun in Zorn und Ärger ausbrechen würde über eure von ihm gemutmaßte „ganz unter aller Kritik schlechte“ Meinung über den Aufenthalt seiner Brille – saget, mit welchem Namen könnte man wohl einen solchen außerordentlichen Menschen benennen? – Ihr würdet gewiß nach gar nicht langer Überlegung untereinander den Entschluß fassen, einen solchen Menschen sobald als möglich ins Tollhaus zu befördern.

4. Und sehet, was werdet ihr aber dazu meinen, wenn Ich euch sage, daß ein solcher Tollhäusler noch einen ganz tüchtigen Professor abgeben könnte für jene großen Welt- und Naturgelehrten, die da – so sie eine „Mücke erschlagen“ haben, indem sie die Bahn einer Zentralsonne bis auf ein Minimum berechneten und auch durch vieljährige Erfahrungen eine Mondes- oder Sonnenfinsternis mit genauer Not herausbrachten – schreien, es steht nun auch schon das ganze Universum enthüllt vor ihren Augen!? – Ich sage, es wird noch die Zeit kommen, ja und sie ist schon völlig da, daß diese großen Naturgelehrten sich noch werden bequemen müssen, statt die Universitäten mit hochtrabender Stirne zu durchrennen, sich ganz demütig zu einer schlichten Wiege eines Kindes zu begeben, um alldort die Masse ihres Unsinnes zu erkennen. Ja, wahrlich, Ich sage: Ein Kind, das seine Eltern mit tränenden Augen um ein Stück Brot bittet, verrät in dieser lallenden Bitte mehr Weisheit als alle Weltweisen seit Plato, Aristoteles und Pythagoras.

5. Nun denn, da wir auf diese Art eine kleine Betrachtung gemacht haben, wodurch euch die Unzulänglichkeit der Weltweisheit vor die Augen gestellt wurde, so werde denn Ich einen Versuch machen und euch zeigen, daß Mir auch nicht nur ein, sondern mehrere Gründe zur allerklarsten Erläuterung der sogenannten „Fata morgana“ allezeit zu Gebote stehen.

6. Seht, es gibt dreierlei Erscheinungen dieser Art, die in ihren Entstehungsgründen sich himmelweit unterscheiden, obschon sie in ihrer Erscheinlichkeit fast gänzlich eine und dieselbe Form darbieten.

7. Die erste, gewöhnliche Art dieser Erscheinungen ist diejenige, welche in der Luft die unter ihr befindlichen Gegenstände verkehrt darstellt, wobei manchmal das Abbild ganz rein, manchmal etwas trüb und verunstaltet, manchmal vergrößert, manchmal verkleinert erscheint. Dieses geschieht auf ganz natürliche Weise, jedoch allezeit bei einem sehr niederen Barometerstande, wenn eine gänzliche Ruhe in der Luft eingetreten ist. Denn die Luft bildet vermöge ihrer spezifischen Schwere eine scharf abgeschnittene Spiegelfläche, auf welcher der Äther ruht, so wie die Luft über einem ruhigen Wasserspiegel.

8. Wenn nun die Luft eine solche Lage angenommen hat, so spiegeln sich dann die unterhalb befindlichen Gegenstände geradeso ab, als wenn ihr einen großen Spiegel in paralleler Richtung mit der Oberfläche der Erde einige hundert Klafter in der Luft über dem Gegenstand aufgerichtet hättet. – Ist die Luft ganz ruhig, so wird das Bild auch ganz rein sein, hat sie aber irgend kleine Wellungen auf ihrer Oberfläche, so wird das Bild unrein und undeutlich, wie ein Bild in einem etwas bewegten See. Geschieht es aber, daß die Luft gegen die Erde herab eine Ausbauchung macht, so wird das Bild verkleinert, wird dagegen der Luftspiegel erhoben, so macht er gegen die Erde eine Höhle und repräsentiert auf diese Art einen Hohlspiegel, wodurch dann die unten befindlichen Gegenstände je nach dem Grade der Höhlung entweder mehr oder weniger vergrößert erscheinen.

9. Ja, es kann sogar noch eine Erscheinung dieser Art stattfinden, nämlich daß ein und derselbe Gegenstand vervielfältigt gesehen wird. Dieses kann nur bei Verkleinerungen geschehen. Wenn nämlich der Luftspiegel mehrere Ausbauchungen gegen die Erde bekommt, so bildet ein jeder solche Bauch einen abgesonderten Spiegel, in deren jedem sich der Gegenstand geradeso darstellt, als wenn ihr mehrere Glaskugeln vor euch hättet und würdet auf dem Bauche jeder einzelnen Kugel euer Ebenbild bemerken, und zwar, wie schon bemerkt, in stets nach dem Grade der Ausbauchung verkleinertem Verhältnisse.

10. Sehet, das ist nun der Entstehungsgrund der ersten Art dieser Erscheinung.

11. In geistiger Hinsicht rührt diese Ruhe der Luft von einer gewissen ruhigen Erwartung der Geister her, die da wohl verspüren, daß bei einer langsam fortwachsenden Erhöhung der Erdoberfläche große Dinge im Innern der Erde vorgehen, und daher denn ebenso ruhig sind und harren, bis sie auf einen von Mir durch einen Engel gegebenen Wink mit großer stürmender Gewalt losbrechen sollen zur Wiederherstellung der gestörten Ordnung in den innern Gemächern der Erde. Das ist nun alles, was die erste Art dieser Erscheinung materiell und geistig darbietet.

12. Daß aber die Gegenstände allezeit verkehrt erscheinen, besagt, daß die Geister die Dinge der Natur in Entsprechungen sehen und ihrer gewahr werden. Und so ist ein aufrechtstehendes Bild der Sinn des Buchstabens, ein verkehrtes Bild aber der innere, geistige Sinn.

13. Dieser Erscheinung ist die zweite völlig gleich, durch welche sonst sehr entfernt liegende Gegenstände, als dergleichen wären Berge, Städte, Flüsse und Seen, sehr nahe dargestellt werden. Der Unterschied besteht nur darin, daß sie aufrechtstehend erscheinen. – Nun, wie geschieht denn das?

14. Ein Beispiel soll die ganze Sache hinreichend erläutern. – Wenn über einem entfernten Orte, wie z.B. Marburg, eine Luftspiegelung erster Art stattfinden würde, es würde aber zugleich, jedoch um viele Klaster höher, auch bei Ehrenhausen eine ähnliche Fläche sich gebildet haben, und einige Stunden von hier eine dritte, aber sehr nieder, jedoch so, da die gerade Winkel-Linie nicht durch irgendeinen materiellen Gegenstand unterbrochen werden möchte, was wird nun geschehen? – Das abgespiegelte Marburg wird von der zweiten Luftspiegelung aufgenommen, das aufgenommene Bild aber wird je nach der Neigung der Luftspiegels in demselben Winkel wieder weitergeführt bis zur dritten Spiegelfläche, allwo ihr dann natürlicherweise dieses Bild aufrechtstehend erblicken müsset. Auf diese Weise können oft tagereiseweite Gegenstände so nahe erscheinen, als wären sie nur Stunden entfernt. Eure Fernrohre sind im Kleinen beinahe nichts anderes als eine solche Luftspiegelung, denn dadurch vermeint auch ein jedes den wirklichen Gegenstand zu sehen, während es doch nur das Abbild auf der Spiegelfläche des Glases erblickt.

15. Es können zwar durch solche Luftspiegelungen sehr entfernte Gegenstände euch wohl öfters auch verkehrt erscheinen was jedoch sehr selten zu geschehen pflegt. Dieses würde nur stattfinden, wenn ein hoher Luftstand ebenfalls zur Ruhe käme. Alsdann würdet ihr am Horizonte gleichsam, wie zum Beispiel von Afrika aus, entfernt liegende Inseln bemerken – versteht sich nur unter einem gewissen Winkel, außerhalb oder innerhalb dessen ihr nichts mehr sehen würdet. – Solch eine Erscheinung geschieht auf folgende Art:

16. So ihr euch denken könntet, gerade über der Choralpe in einer Höhe von mehreren hundert Klastern wäre die Luft so ruhig geworden, so würdet ihr da in diesem Luftspiegel z.B. Klagenfurt entdecken, und zwar in verkehrter Richtung, was demnach dasselbe ist, als wenn ihr seitwärts in einen Spiegel sehet und da in demselben nicht die gerade vor ihm stehenden Gegenstände erblicket, sondern nur diejenigen, die geradeso wie ihr, in entgegengesetzter Richtung, schief von der Fläche des Spiegels abgewendet sind.

17. Was bei dieser zweiten Erscheinung die geistige Sphäre betrifft, so hat sie ganz denselben Grund, wie bei der Erscheinung erster Art. Nur wenn sie nach letzter Art in großen Höhen sich vorfindet, so ist da das Augenmerk der Geister auf eine örtliche, nicht gar zu tief liegende Unordnung entweder im Innern der Berge oder auch wohl einzelner Inseln (welche ebenfalls nichts anderes als Berge im Meere sind) gerichtet.

18. Nun sehet, was diese beiden Erscheinungen betrifft, so haben wohl schon hie und da auch manche schlichtere Naturforscher ähnliche Mutmaßungen gehegt. – Aber nun kommt die dritte Art solcher Luftspiegelungen, durch welche dem Auge des Wanderers Gegenstände produziert werden, die auf der ganzen Erdoberfläche sich gar nicht vorfinden.

19. Sehet, da haben weder die schlichten, noch viel weniger aber die hochtrabenden Naturforscher etwas herausgebracht und meinten diesen gordischen Knoten gleich einem Alexander durch einen Hieb zu lösen, welcher Hieb freilich solchen Forschern keine große Mühe machte, da sie solche außerordentliche Erscheinungen kurz ableugnen, oder sie höchstens als Traumgebilde eines müden Wanderers passieren lassen. Das ist freilich das leichteste Erklärungsmittel!

20. Wie sollte aber auch eine Sache erklärt werden, die gar nicht ist? – Und doch sage Ich, daß die großen Naturgelehrten mit keiner ihrer Erklärungen der Wahrheit nähergekommen sind als eben mit dieser. Dadurch haben sie doch wenigstens ausgesagt, daß sie nichts wissen, während in ihren anderen Erklärungen nur das zum Grunde liegt, daß sie noch weniger als nichts wissen. Wer nicht redet, da er nichts weiß, der tut keine Lüge. Wer aber redet, da er nichts weiß und nichts sieht, der macht sich der Lüge schuldig und wird, je mehr er gesprochen hat, ein desto größerer Schuldner der Wahrheit.

21. Ich aber sage, daß solche Erscheinungen der dritten Art gar wohl bestehen und in den südlichen Gegenden am häufigsten vorkommen, und zwar alsobald nach dem Sonnenuntergange, auch wohl dann und wann vor dem Sonnenaufgange.

22. Ihr werdet nun gar erstaunte, große Augen machen, so Ich euch dieses Geheimnis mit einem anderen Hieb kundgeben werde als die Naturforscher! – Sehet, die Menschen haben schon die größtmöglichsten Fernrohre verfertigt und wollten mittelst derselben den ganzen gestirnten Himmel auf einen Schluck verschlingen; allein Ich bin allzeit so frei gewesen und habe ihnen gewisse Striche durch die Rechnung gemacht, wodurch sie am Ende doch wieder einsehen mußten, daß Mein Bau großartiger ist als ihre Instrumente, ja daß Ich euch mit der geringsten Mühe Weltkörper so weit weggestellt habe, daß es ihnen wohl nie gelingen wird, auch mit tausendmal größeren Fernrohren dieselben ihrer hochtrabenden Nase näher zu bringen. Aber seht, was Ich den Weisen oft und allezeit vorenthalte, gebe Ich in großer Klarheit den unmündigen Hirten und Wanderern.

23. So ist es auch bei dieser Erscheinung der dritten Art der Fall. Sehet, wenn in diesen südlichen Gegenden die Luft aus schon erwähnten Ursachen geistig und physisch die höchste Ruhe erreicht hat, und das zwar über großen, sandigen Ebenen, woselbst weder ein Gebirge noch sonst irgendein erhabener Gegenstand vorhanden ist, da geschieht es dann oft, daß der Spiegel der Luft so nieder über die Oberfläche der Erde zu stehen kommt, daß er dem Wanderer kaum über den halben Leib reicht, und dieser schmachtend, statt mit der atmosphärischen Luft, sich bloß mit der Einatmung des Äthers begnügen muß, welches ihn freilich zu einem sehr schnellen Atemholen zwingt und ihn nach kurzer Zeit betäubt auf den Boden niederzusinken nötigt.

24. Da geschieht es denn, daß ein solcher Wanderer in diesem vor ihm ausgebreiteten Spiegel der Luft nie geahnte Dinge erblickt. – Was sind nun diese Dinge? – Seht, jetzt werde Ich den Hieb machen! – Sie sind nichts anderes als sehr getreue Abspiegelungen der Gegenden und Ortschaften anderer Planeten und Erdkörper.

25. Da werden die Gelehrten freilich sich den Kopf zerreißen und werden sagen: „Wie ist das möglich, da wir durch unsere besten Fernrohre nichts Ähnliches wahrnehmen können?“ – Allein Ich kann da nichts anderes antworten als das, daß sie Mir schon erlauben werden, wenn Ich Mich unterfange das von Mir zu behaupten, daß Ich auch ein etwas besserer Optiker bin, als sie es sind.

26. Zugleich aber möchte Ich ihnen auch eine Frage entgegen tun: Sie möchten nur die mathematische Formel zeigen, unter welcher Ich, gewiß mit der größten Leichtigkeit, das Auge eines Adlers konstruiert habe, welches besser ist als alle bis jetzt erfundenen Seh-Werkzeuge; denn es sieht von der größten Höhe mit der größten Leichtigkeit und Schärfe die Milben, welche ein irgendwo in einem Graben liegendes Aas bekriechen. Und sollten sie etwa nicht imstande sein, diese Formel zu erfinden, unter welcher ein Auge gleich fähig ist, Fernes wie Nahes mit gleicher Schärfe zu schauen, so muß Ich doch andererseits schon auch behaupten, daß es Mir ebenso ein leichtes ist, auf der Erde aus der Luft einen solchen Reflexions-Spiegel zu errichten, der eine Gegend eines noch so fernen Planeten, unter einem gewissen Grade der Beleuchtung, getreu wiedergeben kann.

27. Daß aber dieses möglich ist, werde Ich euch auch sogleich handgreiflich zeigen! – Nehmet irgendein Haus, welches da stünde auf einer weiten Fläche! Wenn ihr euch davon mehr und mehr entfernt, so wird das Bild desselben in einem immerwährend spitzigeren Winkel, nach dem Verhältnisse der Größe eures Auges, auf dasselbe fallen, und zwar vermöge der auslaufenden Strahlen, welche von allen Punkten dieses Gebäudes in der erwähnten Richtung auf euer Auge fallen. Daß nun das Gebäude stets kleiner und kleiner wird, liegt ja nur in euren Augen, mit welchen ihr, je mehr ihr euch von dem Gegenstand entfernet, ja auch eine immer geringere Menge der auslaufenden Strahlen aufzunehmen vermöget.

28. Nun denn aber setzen wir den Fall, euer Auge wäre nicht konvex (vermöge welcher Konvexität nur eine sehr kleine Fläche zur Aufnahme irgendeines Gegenstandes fähig ist, während die anderen, abgewendeteren Flächen schon wieder für andere Aufnehmungen bereit sind, damit ihr vieles auf einmal übersehen könnet) – also, wie schon gesagt, euer Auge hätte eine große Ausdehnung und wäre nicht konvex, sondern ganz eben, sehet, da könntet ihr euch tausend oder millionen Meilen von diesem Gebäude entfernen, so würdet ihr es demungeachtet immer gleich groß erblicken, weil von jedem Gegenstande zu gleicher Zeit, da nach allen Richtungen zusammenfließende und auseinanderlaufende Strahlen ausgehen, auch ebensogut gleichlaufende oder parallele Strahlen ausgehen, vermöge welcher das Bild eines Gegenstandes selbst in der größten Ferne getreu dasselbe bleiben muß.

29. Nun sehet, das ist denn auch hier der Fall! – Dieser große Luftspiegel ist ein optisches Werkzeug dieser Art, daß er vermöge seiner außerordentlich hellen Glanzfläche die Parallelstrahlen aufnimmt. Wenn noch dazu das Auge des Wanderers in dem Äther eine rechte Ausdehnung bekommt, alsdann erblickt er solche Gegenstände als getreue Abbilder anderer Weltkörper-Gegenden, zum Beispiele oft märchenhaft aussehende Städte, großartige Paläste, Berge, Wälder, Flüsse und Seen, ja sogar manchmal lebende Wesen und dergleichen mehreres, das sich vorfindet auf einem entfernten Weltkörper.

30. Sehet, da habt ihr nun alles über die Fata morgana! – Da auch hier bei der dritten Art der geistige Grund derselbe ist wie bei den früheren, so bleibt Mir demnach auch nichts mehr zu sagen übrig als das, daß ihr auch die Luft eurer Wünsche und Begierden um und in euch baldmöglichst zu solcher Ruhe bringen sollet. Alsdann werdet ihr noch ganz andere Fata morgana erleben, als die müden Wanderer auf den glühenden Sandwüsten; denn alles Schauen ist ein Strahlen und Gegenstrahlen.

31. Daher machet euch bald fähig zur Aufnahme der Strahlen, die Meiner Sonne entströmen, damit ihr da die Fata morgana des ewigen Lebens in euch erblicken möget! – Amen.

32. Das sage Ich, der große Meister in allen Dingen, der da heißet Jesus-Jehova. – Amen!

 

Flut und Ebbe. – 24. Oktober 1840, Samstag, abends von 3/4 6 Uhr bis 9 Uhr

a. Schreibende: K. G. L. – L. – D. – Andr. und Ans. H. – Der Herr teilte uns durch Seinen Knecht J. L. Nachfolgendes aus Seiner Schatzkammer mit:

a1. Es gibt der Meinungen viele über die Erscheinung des regelmäßigen Steigens und Fallens des Meeres. Allein, wie mit allem übrigen, so ist es auch mit dieser Erscheinung der Fall, daß alle bis jetzt bekannten Meinungen und sogenannten „Hypothesen“ hinsichtlich der Erklärung dieser Erscheinung zur Wahrheit sich verhalten, wie ein blinder Schütze zum vorgesteckten Ziele, der da in seiner Nacht hingeht aufs weite Feld, allwo irgendein Ziel aufgesteckt ist. Er geht auf der Ebene fort und fort und sucht das Ziel, wohin er seine Pfeile abschießen möchte. Und seht, da er nahe an das Ziel gekommen ist, wendet er sich von demselben ab und sendet seine Pfeile ins Blaue.

a2. Und hätte ein anderer Schütze, der ebenfalls blind ist, gleichwohl auch eine so glückliche Wendung gemacht, daß er gewisserart, wie ihr sagt, zufällig einen Pfeil ins Zentrum geschleudert hätte, so würde ihm dieses aber demungeachtet nichts nützen, da er blind ist und daher nicht wissen kann, wohin sein Pfeil geflogen ist; und wüßte er es auch, was würde es ihm wohl nützen, da er das Zentrum selbst nicht sehen kann – besonders wenn das Ziel, wie hier bei dieser Aufgabe, noch dazu so hoch gesteckt ist, daß er es nicht einmal mit den Händen erreichen kann, um zu fühlen, ob sein Pfeil in der Mitte steckt.

a3. Und wenn er darauf einer ganzen blinden Menge mit aller Beredsamkeit predigt, wie genau er das Ziel getroffen habe, so werden einige, die noch viel blinder als er sind, sich außerordentlich beifällig zu wundern anfangen, daß er mit solcher Sicherheit das Ziel getroffen habe, und werden sagen: „Das wäre uns Sterblichen allen unmöglich gewesen, indem wir alle blind sind“. – Er aber wird großtuend erwidern: „Ja, mir ist es gelungen!“

a4. Doch die weniger Blinden, die werden freilich sich nach und nach in die Ohren zu raunen anfangen und werden sagen: „Ist denn nicht der Schütze auch blind? Woher dieser sichere Schuß? Hätte er nicht auch ebenso gut einen nebenstehenden Baum treffen können wie das vorgesteckte Ziel?“

a5. Angenommen, bei dieser Operation wäre aber auch ein Sehender zugegen und würde sagen: „Höret Freunde! Ich bin einer, der gesunde Augen hat, und sehe so gut in der Nähe wie in die Ferne.“ – Die Blinden aber würden ihm erwidern: „Was geht das uns an, wenn du siehst, so wir doch blind sind? Und so können wir dir ebensowenig glauben wie dem Blinden, da wir uns wirklich nicht überzeugen können, ob du siehst.“ – Der Sehende aber würde dann sagen: „So ihr auch nicht sehet, so kann ich euch doch begreiflich machen, daß ich sehe, und zwar auf folgende Weise: Mache jemand von euch irgendeine Bewegung mit seiner Hand, mit seinem Fuße oder mit seinem Kopfe, und so ich euch sage, wie ihr euch bewegt habt, glaubet es mir, daß ich sehe.“ – Und die Blinden sprächen zu ihm: „So du das könntest, so möchten wir ja glauben, da du sehest und uns auch sagen könntest, wohin der Pfeil dieses samt uns blinden Schützen geflogen ist.“ – Das tät der Sehende denn auch. – Dann aber würde er sagen: „Sehet, der Schütze war mit seinem Rücken, statt an einem Baum, gerade an das Ziel gelehnt, als er den Pfeil losschoß, aus welcher Ursache der Pfeil unmöglich ans Ziel gelangen konnte.“

a6. Nun sehet, was würde nun daraus entstehen? Meinet ihr, die Blinden würden ihm glauben? – Ja, sage Ich, sie würden ihm glauben, insoweit sie es mit den Händen greifen könnten. Da aber auch der Schütze sich gar gewaltig auflehnen würde für seine Ehre, so würden sich die Blinderen an die Beredsamkeit des Schützen halten, und die anderen würden in ihrem Glauben immer in einem Flut und Ebbe ähnlichen Schwanken sein und würden sagen: „Ja, es ist wahr, unsere Bewegungen hat er uns wohl richtig gesagt, aber wer steht daür, daß er uns auch das andere richtig sagt, worin wir uns nicht überzeugen können, ob es so ist, wie er es uns sagt?“

a7. Nun sehet, aus diesem kleinen Gleichnisse werdet ihr ersehen, wie schwer es ist, der blinden Welt zu predigen, und umgekehrt, wie schwer es auch der blinden Welt ist, die gepredigte Wahrheit als solche zu erfassen und zu begreifen.

a8. Sehet, so seid auch ihr allesamt noch blinde Gläubige – und Ich allein bin der Sehende! Wenn Ich euch daher Dinge eröffne und euch zeige die Fehlschlüsse der Weltschützen, so glaubet, daß Ich euch gewiß allezeit die reinste Wahrheit sage und euch auch noch dazu in jeder Meiner Offenbarungen eine ganz tüchtige Portion Augensalbe mitspende, mittelst welcher ihr auch das Augenlicht wieder erhalten werdet, vorausgesetzt, daß ihr die Salbe fleißig gebrauchet und euch mehr zur Ebbe als zur Flut haltet.

a9. Denn es ist die Flut ein Sinnbild des Hochmutes – die Ebbe aber der Demut! Oder mit anderen Worten: Es ist die Flut ein Sinnbild des Überflusses, des Reichtumes und der damit verbundenen Unruhe – die Ebbe aber der Zurückgezogenheit, der Dürftigkeit und der stillen Ruhe.

a10. Dem Schiffer ist oft freilich die Flut erwünschter als die Ebbe, wenn irgendein Sturmwind ihn auf eine Sandbank festgesetzt hat. Allein, diese Nützlichkeit ist nicht eine wahre Nützlichkeit. Denn das Schiff wird zwar von der Flut gehoben und dann weiterbefördert – aber sind nicht noch wohlbekannterweise vor oder nach den Sandbänken auch Klippen vorhanden? Seht, wäre nun das Schiff durch die Ebbe nicht in den Stand der Ruhe gesetzt worden auf der weichen Sandbank, so hätte der Sturm das Schiff auf eine Klippe geschleudert, wodurch dann alles zugrunde gegangen wäre. – Daher sollet auch ihr euch mehr die Ebbe als die Flut zum Spiegel eures Lebens wählen.

a11. Nach dieser kleinen, nicht unrichtigen Vorbetrachtung will Ich, als der einzige sehende Schütze, den Bogen ergreifen und den Pfeil in die Ebbe und Flut senden; und wir wollen sehen, ob auch Ich einen Baum statt der Zielscheibe getroffen habe.

a12. So ihr aber einen Maschinisten fragen würdet: „Sage mir, warum ist dieser Stift da in deinem Uhrwerke?“ – wird es der Maschinenmeister nicht alsogleich wissen, warum dieser Stift da oder dort angebracht ist? – Ja, sage Ich, er wird und muß es wissen, da er sonst kein Meister wäre und das Werk nicht ein Werk seiner Hände. So Ich aber der große Meister bin in allen Dingen ewig und unendlich, so glaubet es Mir, daß Mir Ebbe und Flut recht wohl bekannt ist.

a13. Nun werdet ihr euch denken: So möchte ich denn doch schon einmal wissen, was denn die Ebbe und Flut ist? – Ich aber sage: Nur noch eine kleine Geduld, es wird schon kommen! Macht ihr es ja doch mit euren Kindern, da ihr ihnen etwas zu geben gesonnen seid, auch oft also, wenn die Gabe auch nur in etwas sehr Unbedeutendem besteht. So Ich aber euch etwas Bedeutendes gebe, wie soll Ich auch euch nicht zuvor ein wenig lüstern darauf machen?

a14. Nun sehet, alles, was nur irgendein Leben äußert, hat eine gewisse ihm eigentümliche Atmung. Und hat diese aufgehört, dann sind auch die Lebensgeister der Materie entflohen; diese selbst aber sinkt dann in den Zustand der Trägheit zurück, stirbt und verwest und geht so in den Tod über. So ihr zum Beispiel was immer für ein Tier beobachtet, so wird und muß es atmen; denn hört dieser Akt auf, so lehrt euch schon die tägliche Erfahrung, daß alsdann der Tod in diese (Lebens-)Form getreten ist. Ihr sagt auch, so jemand den letzten Atemzug gemacht hat, daß er gestorben sei, und ihr habt recht; denn mit dem letzten Atemzuge ist es mit dem naturgemäßen Leben des Menschen zu Ende. So aber das physische Leben in seinem Zentrum aufhört, so hört auch alsobald mit dem Hauptleben alles vegetative Leben in einem Körper auf.

a15. Was ist demnach Atmung und wozu ist sie da? – Sehet, jedes Wesen bildet entweder eine positive oder negative Polarität. Wie aber eine jede Polarität ein Bedürfnis hat nach der entgegengesetzten Polarität und nicht entstehen und bestehen kann für sich ein negativer oder positiver Pol allein, sondern nur einer durch den anderen, sehet, so ist auch das ganze naturgemäßige Leben! Auch euer Leben besteht in einem negativen Pole, welcher gegeben ist zur Aufnahme des Positiven.

a16. Wie kann aber dies geschehen? – Dadurch, daß der negative Pol fortwährend durch die Atmung angeregt wird, durch welche Anregung immerwährend ein verhältnismäßiges Bedürfnis zur Aufnahme des Positiven bewerkstelligt wird.

a17. Nun sehet, ihr hättet zum Beispiel eine Elektrisiermaschine. Diese Maschine kann jahrelang auf irgendeinem Orte stehen und ihr werdet keine andere Erscheinung an ihr wahrnehmen als die ihrer Form selbst. Bringt nun aber jemand die Scheibe der Maschine in Umschwung, so wird dadurch die negative Elektrizität erregt und gleichsam in sich verzehrt.

a18. Nun fängt sie aber eben durch diese Aufzehrung ihrer selbst an, ein neues Sättigungsbedürfnis zu empfinden. Was kann denn nun geschehen? Obschon ihr es jetzt fast mit den Händen greifen könnet, so will Ich es euch aber doch der Ordnung wegen sagen, was da zu geschehen hat und muß. – Wie sich der Hunger nicht selbst stillen kann, so auch kann sich der sich selbst aufzehrende Pol nicht wieder selbst sättigen – gerade wie wenn euer Magen leer geworden wäre, ihr euch auch nicht sättigen könnet mit der Leerheit eines anderen Magens, sondern ihr werdet sagen: „Herr, mit dieser negativen Kost ist uns nicht gedient, wir haben das Bedürfnis nach einer positiven Kost!“

a19. Sehet, so ist es eben auch hier der Fall! Und so ist denn die positive Elektrizität eine Sättigung der negativen. Ist diese Sättigung vor sich gegangen, so wird an dem Konduktor alsobald der sättigende Erfolg in lebenstätige Erscheinung treten.

a20. Und so ist denn auch die Atmung dasjenige, was eure Lebens-Elektrisier-Maschine in Bewegung setzt, die negative Polarität erregt und euer Wesen hungrig macht nach der positiven Polarität. – Denn mit einem jeden Atemzuge wird eine beständige Reibung in euren Körperteilen bewirkt. Durch diese Reibung wird das negative Leben angeregt und fängt an, sich zu fühlen in seinem Hunger. Und je nach dem Grade des Bedürfnisses wird dasselbe mit jedem Atemzuge gesättigt, welche Sättigung darin besteht, daß der Stickstoff als negativer Pol den Sauerstoff mit großer Begierde in sich aufnimmt. Hört nun dieses Atmen auf, dann fängt die negative Polarität an, sich selbst aufzuzehren, wodurch es denn auch alsobald mit dem naturmäßigen Leben ein Ende hat.

a21. Nun denket euch, jedes lebende Wesen ist eine „Welt“ oder eine „Erde“ im kleinen Verhältnisse. Wie aber ein jedes solches Wesen ein Zentralleben besitzt und ein vegetatives Leben durch das zentrale behält, solange die Atmung fortdauert, sehet, geradeso ist es der Fall nicht nur mit der Erde, sondern mit jedem Weltkörper! – Freilich müßt ihr euch nicht denken, die Erde sei deshalb ein Tier, weil sie ebenfalls periodisch atmet; dessenungeachtet aber ist sie doch insoweit in ihren inneren Gefügen organisch eingerichtet, daß sie einer Atmung fähig ist.

a22. Demnach ist die Ebbe und Flut nichts als bloß die Folge des immerwährenden Aus- und Einatmens der Erde.

 

Geistige Beleuchtung von Ebbe und Flut. – 24. Oktober 1840 (Fortsetzung)

b1. Aber wodurch wird denn dieses Aus- und Einatmen der Erde bewirkt? – Gerade dadurch, wie es bei den Tieren bewirkt wird, nämlich durch das immerwährend neu eintretende Bedürfnis nach frischer Kost, wenn die vorhergehende verzehrt und dadurch wieder negativ geworden ist.

b2. Während des Verzehrens fallen die Organe wieder näher aneinander, bis zu einem gewissen Grade, da sie sich selbst in ihrem eigenen Hunger zu reiben anfangen. Alsdann geschieht alsogleich wieder eine Sättigung, durch welche sich die Teile natürlich wieder mehr und mehr ausdehnen. Daher kommt denn auch eben hernach die in Frage stehende Erscheinung: durch das Bedürfnis nach positiver Kost die Ebbe – und durch die Sättigung die Flut.

b3. Ihr werdet freilich sagen: Wenn dem so ist, so müßten wir ja diese Erscheinung auf dem Festlande und auf den Bergen ebenfalls wahrnehmen. – Ich sage aber, es ist dem nicht so. Erweitern sich wohl euer Kopf, eure Hände und Füße, so ihr atmet? – Und ihr werdet sagen: „Nein, diese Glieder bleiben ruhig“. – So sage Ich euch, so können auch die Festen der Erde gar wohl ruhig bleiben.

b4. Damit ihr euch nun diese Erscheinung desto einleuchtender versinnlichen könnet, so steiget denn einmal in eine Badewanne und bemerket dann wohl das Wasser, das euch in der Badewanne sparsam umgeben soll, und ihr werdet sicher bemerken, daß das Wasser bei jedem Atemzuge ein wenig steigen und beim Aushauchen fallen wird. Nun, so ihr dieses wohl überdenket, so werdet ihr sehr leicht einsehen, daß Ich ganz wohl verstehe, Meinen Pfeil ins Zentrum der Zielscheibe zu schießen.

b5. So euch aber jemand sagt: der Mond sei die Ursache der Ebbe und Flut – so fraget ihn, wie denn der Mond, wenn er sich gerade auf der entgegengesetzen Seite befindet, vermöge seiner Anziehung auf der ihm schnurgerade abgewandten Erdhälfte eine Flut zu bewirken vermag?

b6. Wer dieses behaupten könnte oder wollte, der wäre noch über den blinden Schützen, der sich mit dem Rücken gegen das Ziel wandte und zufälligerweise einen gegenüberstehenden Baum statt der Zielscheibe traf. Oder, wem könnte wohl einfallen, so er in einer Badewanne läge, zu behaupten, daß das Wasser deswegen steige und falle, weil mehrere Klafter über ihm ein Apfel an einer Schnur aufgehängt ist, welchem ein mutwilliger Knabe eine Schwingung beigebracht hat. Sollte dieser nicht lieber auf seinen eigenen Bauch sehen, woselbst ihm dann, um Mich auch eines gelehrten Ausdruckes zu bedienen, doch „empirisch“ klar werden müßte, daß nicht der Apfel, sondern nur sein Bauch das Fallen und Steigen des Wassers bewirkt.

b7. Nun, so hätten wir denn handgreiflich diese Erscheinung zur Genüge erläutert, jedoch wie schon gesagt, ist alles dieses nur eine äußerliche Erscheinlichkeit, welche, mit den Augen des Geistes betrachtet, nicht so aussieht, wie sie mit den fleischlichen Augen zu sehen ist. Sondern da ist positiver Pol: Geistiges – und negativer Pol: Naturmäßiges. Und ist positiver Pol: Substanz – und negativer Pol: aufnehmendes Gefäß. Und ist positiv: Inwendiges – und negativ: Äußeres. Und es ist das Positive gleich der Liebe und der Weisheit – und das Negative gleich der Erbarmung und der Gnade.

b8. Wenn das Negative nun nicht wäre, so könnte die Liebe und die Weisheit an nichts als an sich selbst sich offenbaren. Daher wurden aus Meiner Erbarmung Wesen. Und die Wesen sind Meine Erbarmung selbst, und diese Erbarmung ist das Gefäß Meiner Gnade.

b9. Wenn nun die Liebe nicht wäre, so könnte auch keine Erbarmung sein. Weil aber die Liebe, so ist auch die Erbarmung. Und so besteht, lebt und webt alles als Erbarmung aus Meiner Liebe!

b10. Wollt ihr nun also wissen, was die positive, nährende Polarität ist, so sage Ich euch, diese ist nichts anderes als Meine Liebe.

b11. Die Erbarmung aus dieser Meiner Liebe aber hat gebildet Wesen zur Aufnahme der Liebe aus Mir. Und die Liebe nährt die Wesen fort und fort und bildet auf dem Wege ihrer ewigen Ordnung ein Wesen um das andere, ein Wesen für das andere und ein Wesen aus dem anderen – und bereitet so eine Stufenfolge von Leben, immer vollkommener und vollkommener, damit sich die Liebe immerwährend in stets größerem und größerem Umfange ihrer unendlichen Erbarmungen zu offenbaren und gleichsam Sich Selbst in Ihrer Unendlichkeit mehr und mehr zu beschauen und lebendiger und lebendiger zu werden vermöge.

b12. Daher ist alles so eingerichtet und geschieht alles so nach Meiner Ordnung, damit der Tod einst ganz zunichte werde, und die ganze Unendlichkeit ein ewiger vollkommener Inhalt der Fülle des Lebens aus Mir und in Mir werde!

b13. Dieses, was Ich jetzt mitgeteilt habe, überdenket in eurem Herzen recht wohl! Denn, habe Ich euch bisher auch schon so manches Große mitgeteilt und geoffenbart, so habe Ich euch aber doch noch nirgends so tief in den Plan Meiner ewigen Liebe und Weisheit blicken lassen, wie eben jetzt.

b14. Daher noch einmal – beherziget es wohl, was hier gesagt wurde! Denn sehet, Ich habe euch anfangs lüstern gemacht, und Ich wußte warum! Hätte Ich bloß nur eine einfache Birne in Meinem Sacke vor euren Augen verborgen gehalten, so hätte Ich euch nicht so lange zappeln lassen. Allein Ich habe diesmal einen reichen Schatz verborgen gehalten, und daher hielt Ich auch ein wenig inne, um euch dadurch eine desto größere Freude zu machen; zugleich aber auch, euch dadurch recht stark fühlen zu lassen, daß Ich nur ganz einzig und allein euer liebevollster, wahrer, heiliger Vater bin.

b15. Amen. Das sage Ich, euer liebevollster heiliger Vater. Amen.

 

Vom Beten für Verstorbene. – 28. Oktober 1840

1. So schreibe der Durstigen in Meinem Namen und sage der Hungrigen in Meiner Erbarmung, daß Ich sie recht lieb habe. Und sie soll nur öfter im Tage fragen, ob Ich bei ihr bin.

2. Da solle sie nämlich sagen: „O Du mein allerliebster Jesus, Du meine süßeste Liebe, Du mein Leben, Du mein Bräutigam, ja Du mein Alles, Alles, Alles – bist Du noch bei mir? Hast Du mich nicht verlassen? O Du mein allerliebster Jesus Du, siehe gnädig an das Herz Deiner armen Geliebten, die so sehnsuchtsvoll zu Dir seufzet und in ihrer Liebe nur einzig nach Dir, o Du allersüßester Jesus, schmachtet!“

3. Und Ich werde ihr dann in ihr Herz legen eine süße Antwort, welche also lauten wird: „Siehe Mich nur an in deiner Liebe, Ich bin gar wohl bei dir und bin noch nie von deiner Seite gewichen, und Mein Herz wird dir ewig zugewandt bleiben. Bleibe aber auch du Mir treu, bleibe treu deinem lieben Jesus, der dich schon eher mit aller Kraft Seiner Göttlichkeit liebte, bevor noch die Welt gegründet war!“

4. Und so sie solches empfinden wird, so kann sie auch schon gar wohl versichert sein, daß Ich als ein gar herrlicher Bräutigam und mit Mir das ewige Leben – ihr gar nahe bin.

5. Und das sage ihr auch, daß die wahre Liebe ein wenig gezanket sein muß – daher Ich mit ihr auch ein wenig zanken muß. Das ist aber Mein Zank, daß sie ihre Töchter ein bißchen zu wenig zu Mir kehrt und ihnen viel am Tage von weltlichen Dingen, aber nur wenig von Mir erzählt oder sich von ihnen erzählen läßt.

6. Denn sage und melde ihr, daß Ich sehr eifersüchtig bin und daher ungern sehe, wenn von anderen Dingen als von Mir geplaudert wird.

7. Ich gleiche einem leidenschaftlichen Liebhaber, der hinter der Türe seiner Geliebten horcht und lauscht und aus übergroßen Freuden in die wonnigste Entzückung gerät, so er seine so innigst Geliebte von nichts als von ihm schwärmen hört; aber auch alsbald traurig wird, sobald seine Geliebte ihr Gespräch auf andere, nicht auf ihren Geliebten Bezug habende Dinge lenket, wobei dann der traurige Liebhaber zu denken und bei sich selbst zu sprechen anfängt:

8. „O du meine zu innigst Geliebte, wenn du mich liebst, wie ich dich liebe, wie können da noch andere Gedanken dir in den Sinn kommen, während ich doch beständig an dich denke und vor deiner Türe gar ängstlich, um den baldigsten Einlaß flehend, harre!?“

9. Siehe, du Mein Knecht, das sage ihr nur alles, willst du Mein Liebesbote sein. Denn dieses ist mehr als die Frage: „Wie man für die Verstorbenen beten soll?“

10. Jedoch, da schon einmal gefragt wurde, und zwar von einer geliebten Seele, so will Ich euch sagen, wie man für die Verstorbenen beten soll.

11. Wer für die Verstorbenen beten will, der muß zuerst recht wissen, wer und welche eigentlich die „Verstorbenen“ sind, und dann aber auch, wie und warum er beten soll?

12. Es werden aber unter den „Verstorbenen“ nicht gemeint bloß die von der Welt Abgeschiedenen, sondern vorzüglich auch die noch in der Welt Lebenden, die aber gestorben sind in ihrem Herzen und haben keinen Glauben und keine Liebe und daher wahrhaft tot sind.

13. Sehet, für solche sollet ihr zunächst beten mit Rat und Tat, leuchtend vor ihnen wie eine Sonne dem müden Wanderer durch Sand und Wüsten, und sie erquickend gleich dem reichlich auf das dürre Moos des harten Gesteins gefallenen Tau – damit sie sich wieder finden möchten an euch als den Grenzmarken Meiner Gnade und genesen möchten an dem Moose Meiner Gnade, das da reichlich überzogen hat auch Meine Grenzsteine.

14. Da habt ihr, für wen, wie und warum ihr beten sollet! – Es soll eure Liebe zu Mir und euren Brüdern allezeit das vornehmste Gebet sein. – Wie und warum? soll euch ein kleines Beispiel klärlich zeigen:

15. „Sehet, irgendein großer, mächtiger Herr hatte in seinem Kerker mehrere Gefangene, die ihn zwar sehr dauerten, da sie lauter arme Verführte waren. Doch aber konnte er in seiner Gerechtigkeit das einmal gegebene Gesetz nicht aufheben und sie dadurch von der Strafe befreien, die das Gesetz über sie verhängt hatte. Als sie nun aber schon lange genug in den Kerkern der Besserung geschmachtet und dadurch den heiligen Anforderungen des Gesetzes genügt hatten, da beschloß der Herr, sie wieder frei zu geben. Allein er gedachte bei sich: „Ich habe ja auch eine Geliebte! Damit meine Freude vollkommen sei, so will ich, daß sie durch irgendwen erfahre, daß in meinem Kerker so viele Unglückliche schmachten. Sie liebt mich unendlich und hat das vollste Vertrauen zu mir; sie wird gewiß eilends kommen und wird mich mit pochendem Herzen um Gnade und Erbarmen für die Gefangenen anflehen.“ – Und wie der Herr sich dachte, so geschah es dann auch.“

16. Was meinet ihr nun, was der Herr da getan hat? – Der Herr hatte eine große Freude daran, daß er seiner Geliebten hatte zeigen können, wie viel ihre Liebe und ihr Zutrauen vermochte, und daß er zugleich aber auch seiner Geliebten eine Gelegenheit verschaffen konnte, durch welche ihr die Früchte wahrer Liebe und Treue so recht anschaulich wurden. Die Gefangenen aber werden den Herrn loben, so sie sehen werden, wie er einzig und allein nur durch Liebe zugänglich ist, und werden dann selbst Freunde und Kinder der Geliebten und so auch ihres Geliebten werden.

17. Sehet, so sollet ihr beten – und sollet nicht denken, Mich etwa durch euer lautes Gebet zur Barmherzigkeit zu bewegen; sondern damit ihr euch selber vor Mir in eurer Liebe stärken möget und Mir darum wohlgefällig sei eure Bitte. Nicht um der Gefangenen willen, sondern eurer selbst willen sollet ihr für sie beten.

18. Was aber die Abgeschiedenen betrifft, so gilt dieses ebenso wie für die „Verstorbenen der Welt“. – Ihr wißt zwar nicht, in welchem Zustande sich jenseits die Abgeschiedenen befinden. Allein daran liegt auch nichts, sondern es liegt alles daran, daß ihr wisset, daß Ich ein gar großer Freund der Liebe bin und ewig sein werde und daß die Liebe jedermann wohltut.

19. Habt ihr doch Freude, so euch eure Kinder Geschenke machen, obschon ihr wohl wisset, daß die Kinder dieselben von eurem Gelde bestritten haben! Um so mehr wird es Mich freuen, wenn ihr tut wie eure Kinder. Und nicht minder wird es auch freuen eure seligen Abgeschiedenen, so sie erfahren werden, daß ihre Zurückgelassenen in wahrer Liebe ihrer gedenken.

20. Sehet, so verhalten sich die Dinge, und so müsset ihr auch handeln, wollet ihr wahrhaft Meine lieben Kinder sein.

21. Du aber, Meine geliebte Seele, bete getrost – und Ich, dein lieber Jesus, werde dich nicht zuschanden werden lassen. Amen. – Das sage Ich, dein lieber Jesus!

 

Besuch der Kleinalpe.

1. Am 25. Oktober 1840 fuhren bei Regenwetter J. L. – K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H nach Übelbach und begaben sich um die Mittagszeit unter Schneegestöber und frostigem Westwinde an den Fuß der Kleinalpe.

2. An dem Punkte, wo die Alpe zur Erscheinung kam, zeigte sich am nebligen Firmamente die Sonne wie eine blasse Mondscheibe und wurde nach und nach immer leuchtender. Hie und da wurde der Himmel blau und es hörte auf zu schneien. Auch ließen Frost und Winde nach.

3. Ein freudiges Gefühl bemächtigte sich der Wandernden.

 

Geistige Beleuchtung des Kleinalpe-Besuchs. – 29. Oktober 1840, Donnerstag, von 3/4 3 Uhr bis 1/2 6 Uhr nachmittags

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – Der liebevolle heilige Vater gab heute durch Seinen Knecht als „Diäten“ Nachfolgendes:

1. Nachdem der Auftrag des Besuchs der Kleinalpe so ziemlich erfüllt worden ist, will Ich denn auch Mein Versprechen halten und euch eine recht gute „Reisegebühr“ nachtragen.

2. Schon bei eurer Hinreise müssen euch die beständig aufsteigenden Nebel, wenn auch nicht gar zu sehr, doch ein wenig aufgefallen sein, nachdem ihr bemerkt haben werdet, daß diese Nebel sich meistens in der Mitte eines Berges zu bilden angefangen haben und selten über dessen Scheitel hinausreichten.

3. Fürs zweite muß euch aufgefallen sein, besonders als ihr den Murboden verlassen und euch hineingewendet habt zu dem wohlbekannten Markte mit dem Namen „Übelbach“, daß ihr sowohl links als rechts dieses Tal von fast gleich hohen, wie auch meistenteils gleich geformten Hügeln umlagert gesehen habt und daß diese Hügel mit allerlei wohlbekannten Holzgattungen und Kräutern und Gesträuchern vom Fuße bis zum Scheitel überdeckt sind und nur an solchen Stellen nackt erscheinen, welche der menschliche Betriebsfleiß entblößt hat.

4. Ferner werdet ihr noch entdeckt haben, daß das Tal auf ähnliche Art wie viele andere dergleichen Täler verschiedene Biegungen macht. Und so ihr das Gestein hie und da in flüchtigen Augenschein genommen habt, so werdet ihr auch an demselben, mit geringer Ausnahme einzeln dastehender Posten, dieselbe Plattenformation entdeckt haben wie auf der Choralpe; nur daß hie und da das Gefüge in breiteren Absätzen, als auf der Choralpe, besteht.

5. Wenn ihr noch ferner den ziemlich gleichmäßig steilen Abhang der Berge beobachtet habt, so muß euch auch darin eine gewisse Übereinstimmung aufgefallen sein – häufig aber noch ganz besonders die sich pyramidal darstellende Form der Hügel.

6. Und als ihr in ziemlich stürmischem Wetter die Höhe erreicht hattet, um den höchsten Teil der Kleinalpe selbst zu sehen, so wehte euch ein frischer, heiterer Wind an, trug euch einige leichte Schneeflocken ins Gesicht, und bald darauf zeigte sich euch ganz unerwartet die Sonne, nach deren Hervortreten alle Nebel um die Mitte der Berge verscheucht wurden, so daß ihr für den vorbestimmten Bedarf alles Nötige ganz wohl habt in Augenschein nehmen können.

7. Das ist nun das Materielle, was ihr beobachtet habt. – Allein Ich hatte euch auch vorhinein von gewissen, euch noch bis dorthin fremd gebliebenen Gefühlen vorhergesagt. Nun frage Ich euch, habt ihr auch davon etwas wahrgenommen? – Ja, sage Ich, denn wenn Ich etwas verspreche, dann halte Ich auch pünktlich Mein Wort. Und Ich sage euch, ihr hättet noch viel mehr empfunden, wenn ihr in euren Gefühlen geblieben wäret.

8. Allein Ich muß euch hier auf einen bei den Menschen allgemein vorkommenden Fehler aufmerksam machen, durch welchen sich die Menschen um eine große Seligkeit diesseits bringen. Und dieser Fehler besteht darin, daß, so die Menschen etwas Außerordentliches erwarten, dann spannen sie ihre Erwartungen oft so hoch und weit über sich, daß auf diese Art, durch die erwartende Tätigkeit, alles Herrliche und Erhabene, das in ihnen vorgeht, unbeachtet gelassen wird, während ihre Blicke, Ohren und sämtliche anderen Sinne weit und breit, ja wenn's möglich wäre, sogar die Unendlichkeit überblicken und überfühlen.

9. Sehet, das ist auch so bei euch ein kleiner Fehler gewesen. Ihr habt eure Blicke auf äußere Außerordentlichkeiten gewendet und habt gewisserart erwartet, daß ein solches vorbenanntes Gefühl gleich einem unsichtbaren Vogel in euch hätte hineinfliegen und dann in euch gewisse zauberhafte Wirkungen hervorbringen sollen.

10. Darum merket euch für ein nächstes Mal dieses kleine Gleichnis:

11. „Einst fuhr ein großer König in eine fremde Stadt. Alles Volk ging ihm bis weit aus der Stadt entgegen, um da den großen König und seinen herrlichen Einzug zu sehen. Der große König aber war durchgehends kein Freund von so großartigem Majestätsgepränge. Er stieg noch weit vor der Stadt aus seinem goldenen Wagen und mietete ein unansehnliches Fuhrwerk, befahl seinem Hoftrosse, langsamer zu fahren, er aber fuhr eilends auf diesem unansehnlichen Fuhrwerke, von allen ihm entgegenströmenden Menschen unbemerkt, in die große, seinetwegen fast ganz menschenleere Stadt.

12. Als er daselbst anlangte, wollte er eine Erfrischung haben. Er fuhr von einem Gasthause zum andern und fand eines um das andere leer, bis er endlich in ein ganz kleines Wirtshäuschen eintrat, woselbst ihm ein weinender Diener entgegenkam und ihn fast unwillig fragte, was er möchte.

13. Der große König fragte ihn zuerst um die Ursache seines traurigen Unwillens. Und der Diener antwortete, er sei deshalb so traurig, weil er nicht auch habe hinausgehen können, um den großen König zu sehen. – Allein der König antwortete ihm, wenn es sich nur darum handle, so solle er nur sehr froh sein. Denn er werde sicher der erste von der ganzen Stadt sein, der den großen König sehen werde. – Das wollte ihm der ärmliche Diener durchaus nicht glauben. – Der große König aber sprach: „So du der erste bist, der den König sehen wird, so soll dir eine große Belohnung zuteil werden; und im Gegenteil aber würdest du für deinen Unglauben eine ebenso bedeutende Strafe zu erleiden haben.“

14. Und als sie so im Gespräche über das Sehen oder Nichtsehen des Königs begriffen waren, fing das Volk wieder zur Stadt hineinzuströmen an, und dem folgte dann endlich auch alsobald der königliche Triumphzug, und zwar ohne König.

15. Nun fragte der ärmliche Diener: „Wo ist denn der König, damit ich hinfliege und als erster ihn ansehe?“ – Der König aber sprach: „Möchtest du erst den König suchen dort weit im Gedränge, so würdest du deiner Strafe nicht entgehen; den sieh, da hätte ja alles Volk, das weit hinausgeeilt ist, ihn schon lange eher gesehen denn du! Nun aber siehe her, wie wir hier stehen auf der kleinen Flur des Hauses, so hat uns noch nicht ein Mensch eines Blickes gewürdigt; denn sie haben ihre Augen auf den Glanz des königlichen Gefolges gerichtet und spitzen auf den König! – Nun siehe du Mich an!“

16. Und der ärmliche Diener tat, wie ihm der große König befahl. Aber da wußte der Diener nicht, was das bedeuten solle. Und während er seinen Mann anzugaffen anfing, bemerkte er, daß der herrliche Triumphzug sich vor der Flur dieses Häuschens aufstellte und den großen König zu begrüßen anfing. Dann erst gewahrte der ärmliche Diener, daß dieser Mann der große König selbst war, bereute aber auch zugleich die verlorene Zeit, in welcher er den großen König mit seinen Sinnen außerhalb der Stadt erwartet hatte, während dieser ganz bei ihm war und sich von ihm bedienen ließ.“

17. Sehet, gerade so ist es auch mit euch der Fall! – Während ihr den König außerhalb der Stadt in großartigem, unerwartetem Gedränge erwartet habt, hat er euch einen kleinen Strich durch eure etwas zu hoch angesetzte Rechnung gemacht und hat sich die Freiheit genommen, während ihr das Rauschen des unsichtbaren Gefühlsvogels sehnsuchtsvoll erwartet habt, sich ganz heimlich wie ein Dieb in euer Herz zu schleichen und sich da auf eine kurze Zeit – euch unbewußt – mit eurem Geiste zu besprechen. Jedoch aber ließ Ich in euch Meine Gegenwart durch eine verklärende, leise Ahnung fühlbar werden.

18. Dadurch wäre nun der Hauptteil dieser Aufgabe gelöst, da Ich euch gezeigt habe, daß Ich Mein Wort treulich gehalten habe, obschon es euch nicht ganz gelungen ist, die in der Voraussage bestimmten Bedingungen zu erfüllen – was freilich auch nicht gar so leicht hat sein können, und zwar fürs erste, weil ihr Menschen seid und daher unvollkommen, wie im einen so auch im andern, und fürs zweite, weil ihr noch sehr schwach seid, und daher ohne Meine beständige Mitwirkung wenig oder gar nichts tun könnt, und fürs dritte, weil ihr Meine Kinder seid. Daher muß Ich Mich schon auch mit dem Willen als mit der Tat begnügen. Und sehet, daher ist Mir auch sehr leicht dienen, da Ich auch für eine Stunde halber Arbeit den ganzen Tageslohn gebe, den Kindern aber Kleid und Brot umsonst.

19. Da demnach der geistige Teil, was Mich und euch belangt, beendet ist, so wollen wir noch einen ganz kurzen Blick auf die Gegend werfen!

20. Was die Formation der umliegenden Alpen betrifft, so ist dieses schon zur Genüge bei der Darstellung der Choralpe gezeigt worden. – Wie aber ein solches Tal entstanden ist, da braucht ihr nichts als ein Stück trockener Brotrinde zu nehmen und dieselbe von unten herauf beliebig langsam brechen, so zwar, daß der Bruch nach oben gekehrt ist. Und so ihr das getan habt, so ist damit auch erklärt, wie ein solches Tal entstanden ist. Nämlich unterirdische, euch schon bekannte Feuerkräfte erhoben die ziemlich dicke Steinkruste. Dieselbe brach in mehreren Teilen entzwei, und längs dem Tale ging der Bruch ununterbrochen fort.

21. Da nun aber zu gleicher Zeit ein solcher Bruch nach oben vor sich ging, so gibt sich ja von selbst, daß nach Innen, zu beiden Seiten des Mittelbruches, allezeit zwei Seitenbrüche stattfinden mußten. Hie und da rutschten gewissermaßen die Seitenteile der dadurch gebrochenen Platte tiefer hinein, hie und da aber stützten sie sich gewölbartig, je nachdem der innere Bruch entweder mehr senkrecht oder schief geschehen ist.

22. Daß mit der Zeit teils durch das Abspülen des weicheren Steines, teils durch einen schlamm- und lavaartigen Auswurf durch die Klüfte und Spalten, teils durch den Niederschlag von verschiedenen mineralischen Quellen diese schroffen Steinbrüche ausgefüllt worden sind und noch dazu von dem lange über denselben stehenden Gewässer gewisserart abgesänftet und abgerundet, wie auch mit allerlei Erdarten überzogen worden sind – das alles dürfte euch schon durch die vorhergehende Mitteilung, wenn auch nicht ganz, so doch schon ziemlich klar geworden sein.

23. Aber daß die Bildung dieser Gebirgsgegend um beinahe tausend Jahre älter ist als die der Choralpe und noch anderer bedeutender Berge im untern Teil eures Landes, sehet, dieses dürfte euch wohl nicht bekannt sein.

24. Aber, werdet ihr fragen, wie sollen wir das erkennen? – Die Antwort ist leicht und klar! Denn je dichter irgendeine Steinlagerung eines Berges ist und je mehr sie gebrochen und wieder mit Kalk zusammengefügt erscheint, desto älter ist auch eine solche Formation, da sie Spuren und deutlich leserliche Kennzeichen urzeitlicher, großer Zerstörungs-Szenen in sich birgt – wogegen die Formation solcher Berge wie die Choralpe und noch mehrere andere ihresgleichen feiner und sandiger in ihrem Getäfel ist. Und da dieselbe fast an gar keiner Stelle bedeutende, mit Kalk wiederverbundene Stellen aufzuweisen hat, sondern jeder Bruch ein neuer Bruch zu sein scheint und auch wirklich ist, so ist auch die Formation viel jünger und kann nicht eine urzeitliche, sondern nur eine vorzeitliche genannt werden.

25. Das Gestein eures Schloßberges ist älter als das der Choralpe und auch das der Kleinalpe, und so auch noch das Gestein anderer kleiner Hügel, die sich in euerer Nähe befinden, obschon die Bildung dieser Hügel viel jünger ist als die der sämtlichen Alpen. Aber was die Bildung dieser kleinen Hügel oft vor der der Alpen voraus hat, ist dieses, daß deren Gestein um vieles tiefer aus dem Innern der Erde gewaltsam heraufgehoben wurde als das Gestein der Alpen.

26. Das wäre nun die naturmäßige Bildung dieser Gebirge, wovon noch einige wenige pyramidenartige Hügel den nämlichen Ursprung haben, welcher klar und deutlich euch von Mir schon zu „Straßnengel“ bekanntgegeben wurde. Und solcher Berge gibt es allenthalben sehr viele. Besonders wo ihr bei solchen kleinen Hügeln Steinkohlen antreffen werdet, da könnet ihr beinahe allezeit versichert sein, daß ein solcher Berg meistens eine solche Entstehung zum Grunde hat, besonders wo sich die sogenannte Braunkohle vorfindet. Denn das beurkundet das hie und da noch unversehrte Holz, wo nur an der Rinde desselben wirkliche Verkohlungen ersichtlich sind, was von den die Wälder ergriffen habenden Feuerhosen herrührt. Jedoch was die Schwarzkohle betrifft, so rührt diese teils noch von der Noahischen Sündflut her, teils durch später erfolgte vulkanische Eruptionen, teils aber auch durch Bergabstürze und große Erdlawinen, welche in früherer Zeit umso häufiger stattfanden, je höher noch die Fluten an die Berge hinaufreichten und sie ihrer Vegetation beraubten.

27. Warum dieses alles geschehen ist, ist euch zum Teil schon bekanntgegeben worden und wird bei der völligen Enthüllung der Erde und besonders ihres Mittelpunktes noch ganz klärlich auseinandergesetzt werden.

28. Jedoch was diese euch begleitenden Nebel betrifft, so habe Ich euch dadurch nur etwas großartiger zeigen wollen – und habe es gewisserart mit großer Fraktur-Schrift über die Berge hingeschrieben – wie es mit euch steht.

29. Die Füße der Berge waren, was ihr doch gewiß werdet bemerkt haben, durchgehends rein, ebenso auch die meisten überschneiten Scheitel derselben. Allein um eure Füße und eure Köpfe war es Mir auch nicht zu tun, daher ließ Ich die Nebel gerade an der Stelle hervortreten, in welcher Gegend es bei euch auch noch so ziemlich nebelicht aussieht, und diese Gegend ist die Brust.

30. Und wie ihr weiter und weiter euch bewegt habt nach Meinem Willen (denn sonst wäret ihr nicht in diese Gegend gegangen), werdet ihr auch bemerkt haben, daß sich die Nebel nach und nach immer mehr und mehr verminderten und die Brüste der Berge frei wurden und vielseitig eine recht reichliche Vegetation zeigten. Und als ihr euch weiter und weiter bewegt habt, da habt ihr sogar eine ganz grüne Brust eines Berges gesehen, was euch hat zeigen müssen, daß, je weiter Mein Wille verfolgt wird, desto lebendiger auch die Hoffnung wird.

31. Und als ihr nun vollends zur bestimmten Höhe gelangt seid unter Sturm und Schneegestöber und beinahe alle Hoffnung aufgegeben habt, etwas zu sehen und nach Meinem Willen zu erfahren, sehet, da ließ Ich, eurer Beharrlichkeit zuliebe, Meine Sonne mitten durch den Wolkenschleier durchbrechen und euch sobald die Gegend erleuchten und klären. Damit wollte Ich euch zeigen und sagen, daß Ich gerade dann komme, wenn ihr es am wenigsten für möglich gedenket.

32. Das die Sonne nicht ganz rein sich euch zu sehen gab, und das nur unter noch immerwährendem leichten Schneegestöber – dadurch wollte Ich euch sagen, wie es noch mit eurer Liebe aussieht. Wenn diese wärmer und wärmer wird, dann wird auch gewiß sich die Sonne des Geistes klären, in deren Strahlen ihr sehr leicht eure Schatten erkennen werdet. – Was aber der Schatten bedeutet, das sage Ich euch nicht, denn das müßt ihr schon ohnedies wissen.

33. Schießlich werdet ihr noch bemerkt haben, als ihr zu sehr nebeliger Nachtzeit nach Hause gefahren seid, daß es einige Male geblitzt hat. Und das Dunkel der Nacht war so gut erleuchtet, daß ihr euch darüber verwundert habt, und hattet auch Recht, euch darüber zu wundern. Denn dadurch habe Ich euch absichtlich sagen wollen, wie es eigentlich in eurer Brust aussieht, worüber ihr auch sehr froh und voll Heiterkeit sein könnet – daß nämlich die Nacht eures Lebens schon so helle wie die Nacht eurer Zurückfahrt geworden ist, da es auch hinter den Bergen eurer Erkenntnisse durch die Nebel ein wenig zu blitzen angefangen hat.

34. Daher überdenket wohl diese Reise! Denn darum habe Ich sie euch verordnet, um euch in der großen Natur ein getreues Bild eurer selbst zu entwerfen.

35. Sehet, das sind die versprochenen „Diäten“, die mehr wert sind als eine Sonne voll Goldes. Denn viele sind, welche die Natur mit ihren Augen angaffen, aber wenige, die sich selbst in derselben finden.

36. Amen. Das sage Ich, der große Diätengeber! – Amen.

 

Über den Knecht Lorber und einen neuen Jünger. Lob der Sanftmut. – 30. Oktober 1840

1. Für den künftigen Sonntag habe Ich mit euch vor, daß ihr sämtlich schon um acht Uhr morgens zusammenkommen sollet, bei welcher Gelegenheit Ich euch als nachfolgende „Reisediäten“ alles auf dieser Reise Beobachtete umständlich erläutern werde, so zwar, daß die gestrige Mitteilung auch bloß nur als ein purer Index zu betrachten ist.

2. Jedoch wohlgemerkt, eine so einfache Sprache, wie Ich sie im Index geführt habe, werde Ich da nicht führen, weil gestern einer oder der andere bei sich denken konnte, so etwas zu sagen wäre vielleicht auch Meinem Knechte möglich, der doch nur ein purer armer Hascher ist, da er nichts weiß, als was er von Mir erhascht.

3. Das weiß er freilich, und er redet auch nichts aus sich und kann es auch nicht, da er viel weniger als jeder von euch in irgend etwas eine Wissenschaft hat. Eben darum ist er Mir auch ein ziemlich taugliches Werkzeug, da in seinem Kopfe fast nichts darinnen ist, aber zeitweise desto mehr in seinem Herzen, welches Ich nur allein brauchen kann, da im selben kein Gedächtnis ist, wohl aber eine Erinnerung der Liebe in und zu Mir und in dieser Erinnerung die Anschauung dessen, was Ich will und sage. – Dieser Zustand des Menschen ist der rechte. – Der Zustand der „verständigen Köpfe“ aber ist ein ganz verkehrter und ist oft nichts als die allereitelste Träumerei eines kranken, unnatürlich gebrauchten Gehirns.

4. Also nicht so einfach werde Ich das Wort führen. Und euer Verstand wird gewürget werden, aber desto mehr wird sich euer Herz freuen.

5. Wenn aber diese Mitteilung zu Ende sein wird, dann möge K. G. L unter vier Augen an dem neuen Manne einen Versuch machen, ohne jedoch mehr zu sagen, als daß jemand vermöge inneren Schauens und wörtlichen Vernehmens ohne alle Vorbereitung und andere wissenschaftliche Bildung auf Verlangen alsogleich über jeden Gegenstand schriftlich oder auch mündlich wahre Mitteilungen zu machen imstande ist.

6. Dieser Mann ist derjenige, an den ihr alle schon gedacht habt, und welcher, wenn er klug ergriffen wird, ein sehr brauchbarer Arbeiter in Meinem Weinberge werden kann. Doch sollte seinem freien Willen nicht der allerleiseste Zwang angetan werden, sondern er soll stückchenweise vom Brote des Lebens kosten, und es wird ihn bald darnach gar sehr zu hungern anfangen.

7. Auch soll er nicht alsobald Bekanntschaft machen mit Meinem Knechte, sondern erst dann, wenn sein Hunger größer und größer geworden ist. Und stellt sich bei ihm auch der Durst nach dem lebendigen Wasser ein, alsdann erst sollen ihm die (Schrift-)Bogen Meiner „Großen Haushaltung“ eröffnet werden und so auch die Nebenworte. So wird er schon ein rechter Mann werden und wird Mich wiederfinden, wo er Mich am wenigsten zu finden glaubte.

8. Wenn er aber sagen wird, es seien wohl manche Dinge in diesen Meinen Mitteilungen sehr merkwürdig, aber es herrsche da keine Ordnung und kein System zugrunde, da soll ihm bemerkt werden, daß Meine Ordnung und Mein System ein ganz anderes ist als das der Menschen, die da zählen eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn; bedenken aber nicht dabei, daß jede dieser Zahlen nur eine Grenzmarke einer Unendlichkeit ist. Was aber zwischen eins und zwei und drei und so fort liegt, das bedenken sie nicht! Ich aber habe und kenne die rechte Ordnung und sage daher nicht eins, zwei und so fort; sondern bevor die unendliche Kluft zwischen eins und zwei nicht ausgefüllt ist, kann nicht zu drei fortgeschritten werden.

9. Wem wohl ist der Anfang, die Mitte und das Ende aller Dinge bekannt? Ich aber bin das Alpha und das Omega und bin der ewige Mittelpunkt aller Dinge Selbst. Daher ist Meine Ordnung auch die rechte, da Ich die ewige Ordnung Selbst bin. Und so der neue Mann Mich wiederfinden wird, so wird ihm auch Meine Ordnung und Mein System einleuchtend werden.

10. So jemand aber das nicht einsehen könnte, der soll nur die Erde und ihre Vegetation betrachten! Da wird ihm gewiß alles wie „Kraut und Rüben“ untereinander wachsend vorkommen. Und so er seinen Blick erheben wird gen Himmel, wird er da die Gestirne nicht erblicken, als wenn sie nur zufällig von jemandem gewisserart mit einem phosphorisierten Pinsel wären leichtsinnig hingespritzt worden? – Und Ich sage: Es ist doch überall die größte Ordnung! – Es wachsen giftige und heilsame Kräuter auf einem Fleck, wie auch Disteln unter dem Weizen – und doch ist überall die größte Ordnung!

11. So wirft auch der Maurer seinen sandigen Mörtel zwischen die Steine, die er gelegt hat, und kümmert sich wenig um die Lage jedes einzelnen Körnchens Sand. Doch sage Ich, es liegt in der Lage der Sandkörner im Mörtel mehr Ordnung als im ganzen Gebäude. Die Gelehrten freilich werden sagen, daß eine solche Behauptung an Unsinn grenze, wo nicht der Unsinn selbst sei.

12. Sehet, so jener Mann das so ein wenig nur beachtet, wird es sich mit ihm auch dann schon nach und nach geben. Aber es gehört Klugheit und recht viel Liebe und Sanftmut dazu. – Höret! – besonders recht viel Sanftmut!

13. In der Sanftmut müßt ihr euch verstehen, / durch die Sanftmut rauscht ein heilig Wehen. / Nur der Sanftmut Kraft wird es gelingen, / Schwaches zur Vollkommenheit zu bringen; / denn die Sanftmut richtet kein Vergehen. / Alles kann somit durch sie bestehen. / Wo sie wird im Bau gelegt zum Grund, / wird sie schließen einen festen Bund.

 

Verständnis und Duldsamkeit.

[HiG.01] Es steckt in jeder Pflanze ein neuer Same, und auf tausend Baumarten reifen auch ebensoviel verschiedene Fruchtarten. Kennst du wohl den Nutzen aller? – Sicher nicht! – O sieh, es artet so sich auch des Geistes Leben in den Menschen, die da eines guten Willens sind. – Die Arten und Gattungen, wenn sie auch verschieden sind, machen (vor Mir) keinen Unterschied. Es fragt sich nur, wie weit da alle nützlich sind. – Daher sollt ihr niemand verdammen, sondern kennenlernen Meine verschiedenen Wege!

 

Entsprechungslehre. Die äußere Welt als Geistesschule. – 1. November 1840, Sonntag, Allerheiligen, von ½ 9 Uhr vorm. bis ½ 1 Uhr nachm.

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.

1. Bevor wir zur sonderlichen Durchleuchtung alles des in der vorigen Mitteilung Erwähnten schreiten wollen, ist es notwendig, euch auf einen Irrtum aufmerksam zu machen, der so viele Menschen gefangen hält und sie oft gar gewaltig um einen guten Teil ihrer irdischen wie auch ihrer einstigen Seligkeit bringt.

2. Dieser Irrtum aber besteht darin, daß die Menschen, wenn ihnen sehr vieles gegeben wurde, häufig der Meinung sind, alles zu haben; einige aber wieder sind der Meinung, daß sie noch immer nichts erhalten haben, und daher einem durchlöcherten Fasse gleichen, in welches man vergebens schöpft.

3. Denn so jemand glauben würde, alles zu haben, wenn Ich ihm Unendliches gegeben habe – wie könnte Ich ihm dann noch mehr geben? Sehet, nach menschlichen Begriffen würde das freilich etwas sonderbar klingen, und füglich hätte jemand scheinrechtlich Grund, zu sagen: Wenn mir die Unendlichkeit treu geworden ist, was sollte ich noch empfangen, das mehr wäre denn diese? – Das ist allerdings dem äußeren Schein nach richtig, aber nicht so auch der inneren Wahrheit aus Mir gemäß, da Ich nicht nur der Herr einer Unendlichkeit bin, sondern einer Unendlichkeit von Unendlichkeiten – welches so viel sagen will als, daß alles und jedes einzelne, da es aus Mir ist, Unendliches in sich birgt, indem Ich, als der ewige Urgrund aller Dinge, in allem und jedem unendlich bin.

4. Wenn irgendein Mensch ein noch so großes Werk zuwege gebracht hätte, so wäre dasselbe demungeachtet endlich, weil sein Urheber ein endlicher ist. So aber Ich das kleinste Werk ins Dasein rufe, und ist dieses auch seinem äußeren Umfange nach endlich und eng begrenzt von allen Seiten, so ist es aber demungeachtet unendlich seinem inneren Wesen nach, da es schon Unendliches seiner Art in sich birgt. Seht, aus diesem Grunde irren denn auch die Menschen, wenn sie sehr vieles, das heißt von Mir aus Unendliches, empfangen haben und dann glauben, auch schon alles zu haben – da auf diese Art Unendliches gewiß noch immer nicht alles ist.

5. Im Gegenteil aber spricht sich ein offenbarer Undank bei jenen aus, die, wenn sie schon sehr vieles, das heißt von Mir aus Unendliches, empfangen haben, noch immer meinen, nichts zu haben. Diese Menschen haben noch nicht die leiseste Ahnung von dem inneren Werte der Dinge. Sie zählen dieselben nur nach ihrem äußeren Volumen und kümmern sich wenig oder gar nichts um das wertvolle innere Wesen der Dinge, bedenken aber dabei nicht, daß die Schale der Nuß nicht genießbar ist, sondern nur die innere ölige Frucht. – Solche Menschen geizen und scharren alles mögliche zusammen, und bei aller ihrer Vielhabenheit hungern sie gleich jenem sehr verkümmerten Geizhalse, der bei vollen Fässern Goldes an einer dürren Brotkrume nagt und selbst bei diesem Nagen noch denkt, ob es um diese Brotkrume nicht schade ist, daß er sie verzehrt; denn es hätte ja vielleicht noch irgendeinen Menschen geben können, der ihm in seinem Heißhunger für ein solches Brotstück recht gerne einen Pfennig geboten hätte.

6. Nun, da wir hier zwei Extreme kennengelernt haben, so fragt sich: Wie sieht denn die gerechte Mitte aus, oder wie soll sie aussehen, damit sie gerecht sei vor Mir?

7. Da sage Ich euch, die gerechte Mitte soll eine wahrhaft kindliche sein, die da nicht rechtet nach dem Maße der Gabe, sondern nach dem Bedürfnisse derselben und allezeit dankbar annimmt, wie und was immer der Vater gibt. Ein rechtes Kind ist heiter, dankbar und zufrieden mit jeder Gabe, die es empfängt aus den Händen des guten Vaters und hat kein Bedürfnis über das Empfangene hinaus, da es weiß, daß der Vater ihm allezeit geben wird, so viel es nur immer bedarf. Denn es weiß, daß der Vater sehr reich und daher das Kind auch allezeit sehr wohl zu versorgen imstande ist. Auch wird dieses Kind nicht unzufrieden sein mit der Gabe. Denn es ist noch allezeit hinreichend gesättigt worden. Und weil der Vater aber auch zugleich ein sehr weiser Vater ist, so gibt er dem Kinde auch nur das und so viel, als demselben allezeit frommt.

8. Sehet, so sieht also die „gerechte Mitte“ aus. Und in dieser gerechten Mitte sollet auch ihr euch befinden und sollet nicht denken, ihr habet alles empfangen. Noch sollet ihr denken, daß ihr zu wenig oder gar nichts empfangen habt, das heißt im Vergleiche dessen, was ihr von Mir noch empfangen könnet und werdet, so ihr dankbar in der gerechten Mitte verbleibet. Sondern ihr sollet gleich sein dem erwähnten Kinde, das allezeit zufrieden und glücklich ist, da es seinen Vater wohl kennt. So ihr Mich als den allerbesten Vater wohl erkennet in euren Herzen, seid ihr alle wahre Kinder eines und desselben heiligen und allerbesten Vaters, der Ich soeben hier unter euch gegenwärtig bin und durch den schwachen Mund des Knechtes euch dieses in die Feder gebe.

9. Nun nach dieser notwendigen Vorbetrachtung soll denn noch eine andere folgen, die ebenso nötig und wichtig ist, wie die nachträgliche Erörterung, die nach dieser Betrachtung folgen soll.

10. Ich sagte in der Vorauskündung, ihr sollet da wieder um eine Stufe höher gehoben werden. Und diese Stufe soll denn soeben in dieser zweiten Betrachtung euch vollends gegeben werden.

11. Sehet, es legen sich abends Millionen Menschen auf ihr Schlaflager ihrer Glieder nieder, und wieder stehen am nächsten Morgen Millionen Menschen mit ausgeruhten Gliedern auf, einige zur gewöhnlichen Tagesarbeit, andere zum gewöhnlichen Tagesmüßiggange. Und so stehen tausend Menschen auf, und von diesen tausend hat ein jeder etwas anderes vor. Aber von allen diesen aufgestandenen Menschen ist nicht einer, der da aufgestanden wäre, wie er hätte aufstehen sollen. Denn ein jeder ließ die Erscheinung des Morgens wie auch des folgenden Tages ganz unbeachtet – außer es hätte ihn nur irgendein gewaltiges Ungewitter geschäftsstörend verdrießlich gestimmt, oder es hätte ein naher, baumzerschmetternder Blitz durch seinen nachrollenden gewaltigen Donner ihm ein wenig ins Ohr geraunt: „Höre einmal, du schwacher, geschäftiger Mensch! Wäre ich, der leuchtende Blitz, nur um dreißig Ellen deiner Schwachheit näher gekommen, so wäre wohl alle deine Weltrechnung mit einem Striche geschlossen worden.“

12. Allein da ist der Mensch wie ein Sperling, auf schaukelndem Weidenaste sich wiegend: wenn der Schuß fehlt, so fliegt er erschreckt zwitschernd davon, als wollte er mit diesem Angstgezwitscher sagen: „Das war doch eine Todesgefahr! Ich will diese Gegend meiden! Und nimmer soll der Jäger mit seinem Feuerrohr den fernen Ast finden, auf welchem ich mich nun sehr wohl verbergen will.“ – Allein nicht lange, so sitzt der nämliche Sperling wieder auf dem Aste, an welchem er die gewaltige Stimme des Todes vernommen hat.

13. So sind denn auch die Menschen! Eine Gefahr bleibt nur so lange ihre Lehrerin, solange sie als solche gedauert hat. Ist sie vorüber, ist alles vorüber! Der Mensch kehrt wieder in sein Alltagsleben zurück und bleibt derselbe blinde Mensch, wie er zuvor und ehedem war und gleicht einem Tauben und Blinden im Schauspielhause, der da hineingeht, ohne etwas zu sehen, noch etwas zu hören.

14. Denn auch die Welt ist ein großes Schauspielhaus, in welchem zahllose Szenen in jeder Sekunde aufgeführt werden, von denen jede von unendlichem Werte ist. Wer da nicht taub und blind ist, der wird gewiß eine eitle Lust daran finden. Wer da aber taub und blind ist, der gleicht einem Polypen, der sich festgesetzt hat in einem finstern Sumpfe des Meeres und kein anderes Bedürfnis empfindet, als mit tausend Mäulern zu fressen.

15. So ihr aber aufwachet am Morgen, so sehet mit aufmerksamen Herzen die Dinge um euch her, habet acht auf eure Gefühle, die allezeit modifiziert erscheinen, auch schon, wenn nur ein Wölkchen am Himmel die frühere Form verändert, ja die wieder anders werden, so ihr in irgendeine andere Weltgegend eure Blicke richtet. Anders fühlet ihr am Morgen, anders am Abende.

16. Wenn ein freundliches Lüftchen wehet, werden da nicht eure Gefühle heiter und lieblich bewegt? – Wenn da wehet ein warmer Südwind, der herrliche Wolkenmassen durch den blauen Himmel treibt und ihr sehet die Vögel der Luft sich wetteifernd emsig herumtummeln in den heftigen Wogen der Südluft – werden da nicht eure Gefühle selbst geweckt und heldenmäßig gestimmt, daß ihr oft eure Arme gleich Flügeln ausbreitet, um euch Vögeln gleich zu erheben in die wogende warme Luft und mutig zu kämpfen daselbst gleich den Vögeln mit dem Flügelpaare gegen solches ziemlich gewaltsame Strömen der Südluft. Wenn aber ein feuchter Ost- oder ein gewaltiger Nordwind zu wehen anfängt, so werdet ihr ganz kümmerlich in euren Gefühlen und ziehet euch bescheiden zurück vor diesen unfreundlichen, sehr gewaltsamen Winden. Wenn sich der hohe West erhebt, dann schauet ihr empor, und eure Augen weiden sich an den lämmerartigen Gebilden der Wölkchen und eure Gefühle werden weiter und weiter unter den weiten Hallen des blau und weiß durchwirkten Himmels. Und werden nicht wiederum eure Gefühle ganz anders, so euch am heitern Morgen aus den roten Wölkchen des Aufganges ein frisches Morgenlüftchen entgegenweht?

17. Und so möget ihr bei irgendeiner Erscheinung zugegen sein, ja wo immer hinreisen, und selbst in was immer für einer Handlung begriffen sein, so habet acht auf jegliche auch noch so kleinfügige Erscheinung, und ihr werdet gewiß allezeit sicher gewahr werden, wie sehr sich die Gefühle allezeit modifizieren, ja oft so stark, daß, so ihr euer eigenes Gemach wieder betretet, euch dasselbe vorkommt, als wenn ihr es zum ersten Male betreten hättet, oder es kommt euch doch im selben alles ein wenig fremdartig vor.

18. Wer dieses von euch noch nie sollte empfunden haben, weil er noch nie aufmerksam darauf gemacht wurde, der mache sich nur einmal die Mühe und gehe oder fahre von hier aus nur zwei Stunden weit gegen Süden, z.B. nach dem sogenannten „Feldkirchen“ oder „Straßgang“ oder „Fernitz“, und kehre dann wieder zurück und notiere sich die Gefühle, die ihm dabei vorgekommen sind sich seiner bemeisternd, als er sein Gemach wieder betrat. Am nächsten Tage aber mache er die entgegengesetzte Reise, kehre zurück und tue in seinem Gemache dasselbe, und er wird gewiß einen recht gewaltigen Unterschied in seinen Gefühlen bemerken.

19. Nun aber fragt sich, worin denn der Grund solcher Erscheinungen liegt? Die Beantwortung dieser Frage ist der eigentliche Hebel auf eine höhere Stufe. – Sehet, so wie ihr bei irgendeinem Unterrichte, je nachdem derselbe geartet war (da sein Stoff entweder ein geschichtlicher, ein technischer, ein geologischer, ein mathematischer, ein religiöser war) – allezeit gewiß anders denken und empfinden werdet, so ist dieses um so mehr der Fall, wenn ihr in Meiner großen Unterrichtsphäre wandelt, denn da rede Ich durch alle die vorbenannten und noch tausend andere Erscheinungen beständig zu eurem Geiste.

20. Allein, wie ihr schon wisset, ist den Tauben und Blinden hart predigen; denn diese empfinden höchstens den Geruch der Speise, wie aber die Speise aussieht, das sehen sie nicht. Und wenn man ihnen sagt, woraus und wie sie verfertigt ist, so hören sie das nicht, weil sie taub sind. – Sehet, so sind auch alle diese Erscheinungen zahllose, wohl zubereitete Speisen für den Geist! Aber in diesen vorbenannten Gefühls-Modifikationen empfindet ihr nur den Geruch dieser Speisen, aber sehen könnet ihr sie nicht, da ihr ebenfalls noch blind seid. Und wie sie zubereitet sind, das könntet ihr ebenfalls nicht vernehmen, der noch obwaltenden großen Taubheit wegen.

21. Das aber ist die höhere Stufe, daß Ich euch in dieser Vorbetrachtung eine kleine Augensalbe gebe, vermöge welcher ihr ein wenig sehend werden sollet, und zwar in eurem Herzen, um hernach aus diesen Erscheinungen verständig in der Mitte eures Herzens zu denken, daß dergleichen Dinge nicht geschehen ihrer selbst willen, sondern so, wie ein Professor nicht seiner selbst willen auf den Katheder tritt, sondern seiner Schüler wegen.

22. Denn es ist jede dieser Erscheinungen nichts als ein heller Spiegel, welcher so künstlich eingerichtet ist, daß ein jeder Mensch, der nur einigermaßen geweckt ist und nicht gar zu lange in den „Tag“ hineinschläft, sein inneres Wesen von Sekunde zu Sekunde modifiziert in selbem erschauen kann, wie auch das Gesamtbild aller Menschen und eines jeden einzelnen in Beziehung auf die Gesamtheit. Ja, er kann erschauen im selben das ganze Verhältnis der Hölle, der erlösten und unerlösten Geisterwelt, wie auch im innersten Grunde dieses Spiegels den Himmel und alles das, was des Himmels ist. Und er kann im selben alles dieses erblicken in unendlichen Potenzen, weil Ich, als der Zulasser und Darsteller alles dessen, wie schon gesagt, Selbst unendlich bin.

23. Wenn ihr daher in der Zukunft wie und wann immer ausgehet, so haltet ja keine Erscheinung für so geringfügig, daß sie nicht eures Beachtens würdig wäre. Und glaubet, daß Ich nicht zu viel sage, wenn Ich euch selbst auf die kleinsten Wendungen eines Sonnenstäubchens aufmerksam mache und auch auf das emsige Getrippel irgendeines winzigen Insektes. Denn ist auch dieses ohne Bedeutung dann, wenn es von niemand beachtet oder beobachtet wird (weil das Insekt dann nur auf eine Mich allein angehende Art tätig ist) – jedoch nicht so ist es, so eure Augen irgendeinen Gegenstand treffen. Denn alsdann wird sogleich ein Sonnenstäubchen, wie eine Milbe und ein irgedeinem Schornsteine entsteigender Qualm von Mir für den Beschauer zu einem Apostel geweiht und tritt in dem Augenblick als wohl unterrichteter Lehrer in Meinem Namen vor eure Augen.

24. Sehet, das ist die „höhere Stufe“, die Ich euch versprochen habe! Daher sagte Ich euch schon in der vorigen Mitteilung vorbauend: Es gibt gar viele, welche die Erscheinungen der Natur angaffen werden, gerade (wie ihr zu sagen pflegt) so wie eine Kuh ein neues Tor. Aber ganz außerordentlich wenige gibt es, die sich selbst in den Erscheinungen der Natur finden.

25. In der Nacht vorher, als ihr nach Meinem vorbekannten Willen euch verfügt habt an den bestimmten Punkt der Kleinalpe, da hat es, wie ihr wißt, recht gewaltig geregnet sowie in den Gebirgen ebenfalls recht tüchtig geschneit. Dieses war für euch eine ganz natürliche Erscheinung. Und da war keiner unter euch, dem es beigefallen wäre, daß solches euretwegen geschehen sei, ja nicht nur euretwegen allein, sondern der gesamten Menschheit wegen; ja nicht nur der gesamten Menschheit wegen allein, sondern der gesamten Schöpfung wegen, ja nicht nur der gesamten Schöpfung wegen allein, sondern der gesamten Hölle wegen; und nicht nur der gesamten Hölle wegen, sondern der gesamten erlösten und unerlösten Geisterwelt wegen; und wieder nicht dieser wegen allein, sondern auch des gesamten Himmels wegen; aber auch nicht deswegen allein, sondern auch Meinetwegen und euretwegen.

26. Da werdet ihr und noch mehr viele andere, denen dieser „Segen“ in die Hände kommen wird, sagen: „Das verstehe, wer es verstehen mag und will, allein wir verstehen es nicht! Denn wie eines für eines allein und doch wieder nicht für eines allein, und wie eines eins und doch nicht eins ist, das reime sich zusammen, wer es kann und will. Denn wer da einen Apfel hat, der kann doch nicht mehr als einen Apfel haben!“

27. Das ist wahr, sage Ich, aber es ist auch wieder wahr, daß derjenige, der blind ist, nichts sieht und der Taube nichts hört und daher auch nicht begreifen kann, wie eines zugleich auch vieles sein kann, und so auch umgekehrt, und wie ein Bild einem Menschen ganz vollkommen ähnlich sein kann und zugleich aber auch allen Menschen zum Ebenbilde dienen kann. Und noch weniger kann er einsehen, daß das, was nicht ist, noch zu sein scheint, doch alles ist und sein kann und daß im Gegenteile alles, was ist und alles zu sein scheint, im Grunde doch nichts ist oder doch wenigstens zu nichts wird.

28. So wäre demnach hier eine kleine Verstandesschraube verfertigt, an welcher der Verstand hinreichend Stoff findet, sich gar gewaltig zu würgen. – Aber das Herz wird sich des freuen, da es daraus ersehen wird, daß die äußere Materie, die doch alles zu sein scheint, im Grunde aber doch nichts ist, das Geistige aber in der Materie, welches dem Blinden und Tauben nichts zu sein scheint, am Ende doch alles ist! – Ja, das Herz wird sich freuen, wenn es daraus ersehen wird, daß am Ende doch nur – Ich alles in allem bin!

29. So war auch dieser Regen schon eine gar wichtige Erscheinung, es versteht sich von selbst nur für den inneren Menschen – da durch ihn angezeigt wurde, und zwar ganz für euch allein, ein ebenso gewaltiger Gnadenregen von Meinem geistigen Himmel in das Herz eures Geistes. Aber nicht nur für euch allein, sondern für alle soll dereinst dieser Regen gelten, ja nicht nur für alle, wie schon gesagt, auch zur Erhaltung der Erde, wie auch dadurch zur Erhaltung der ganzen Schöpfung, kam dieser Regen, da ihr schon wißt, was selbst von dem ersten Tropfen abhängt, wann und wohin er fällt, daß die Erde und alle Schöpfung erhalten werde.

30. Aber wieder, wie schon gesagt, nicht allein für diese Erde und die Erhaltung der ganzen Schöpfung kam dieser Regen, sondern aus euch wohlbekannten Gründen auch in geistiger Hinsicht für die Zurechtweisung der ganzen aufrührerischen Hölle; denn es geschieht nichts in der geistigen Welt, was sich nicht entsprechend zugleich auch naturmäßig darstellen möchte. Und so geschieht ebenfalls auch in der gesamten Natur nichts ohne zureichenden entsprechenden geistigen Grund. Und daher, so ihr solches sehet, so könnet ihr in der Zukunft auch schon wissen, wie und warum solches geschehen ist.

31. Aber wieder nicht nur für die gesamte Hölle, sondern für die gesamte erlöste und unerlöste Geisterwelt; für die erlöste als eine geistige Gnadenspende zum Wachstum in Meiner Liebe, und für die unerlöste als ein Erlösungsmittel aus der dadurch erweichten Materie; denn da ist jeder Tropfen ein goldener Schlüssel zur Eröffnung eines viele Millionen Jahre lang andauernden Kerkers; aber wieder nicht nur für diese allein, sondern auch für den gesamten Himmel, damit er sich entledige und erleichtere von seiner Gnadenüberfülle; aber nicht nur allein für den gesamten Himmel, sondern für Mich, damit Meine Liebe wieder größeren Raum finden möchte, in stets gewaltigeren Strömen und Strömen Meinem Vaterherzen zu entquellen; und doch wieder nicht für Mich allein, sondern für euch, damit ihr wieder desto mehr und mehr gewahren sollet, wie überaus gut euer heiliger Vater ist.

32. Und so wie dieser Regen, war auch jede nachfolgende Erscheinung nicht minder von großer Bedeutung. Denn jede war so wohl berechnet, daß nicht ein Nebelsteifchen umsonst über den Abhang irgendeines steilen Felsens schwebte, ohne daß es euch gesagt hätte:

33. „Sehet, die große Liebe des allmächtigen Vaters, wie sie mich gefahrlos trägt über den schroffen, tödlichen Abhang dieses hohen Gesteines und wie mich die sorgliche Liebe eben dieses großen Vaters aus der Nacht meines ewigen Kerkers allmählich hinaufzieht an Sein großes licht- und lebensvolles Vaterherz und wie ich zwar jetzt noch als unförmlicher Nebel mich über diesen steilen Abhang erhebe und noch nicht weiß, woher diese große Gnade kommt – aber doch sage ich nun euch, unter meiner nottraurigen Nebelgestalt wandelnden und forschenden Menschen:

34. Es gab einst auch eine Zeit, da es euch erging, wie mir soeben. Dieses bedenket! Und daß die Liebe des heiligen Vaters auch mich bald wird erreichen lassen das zu sein, was ihr nun seid, um zu loben den großen heiligen Vater, da Er so Großes tut an Seinen unwürdigen Geschöpfen, die in ihrer Freiheit nicht haben erkennen wollen die große Liebe und unbegreifliche Sanftmut und Herablassung des so großen und überheiligen Vaters!“

35. Sehet, das ist nun ein Evangelium eines solchen Nebelsteifchens, welches ihr, so ihr euch die Mühe nehmen wollet, in den ganzen, euch nun bekanntgegebenen Kreisen verfolgen könnet und könnt da heraufsteigen zu Meinem Herzen, woraus ihr alle dereinst gegangen seid, und könnet von da, ganz von Liebe erfüllt, wieder zu euch selbst kehren, und zwar im Angesichte eures heiligen Vaters.

36. Wie bei dieser eurer Reise die Erscheinungen sich gefolgt sind, so könnt ihr als eure geistige Vollendungsbahn euch und eure geistige Entwicklung in dieser Ordnung denken. Und der Kreis eurer ganzen Reise war eben gerade ein solcher, wie Ich ihn euch soeben kundgegeben habe. Denn auf diesem Punkte, da ihr die Sonne erblickt habt, da waret ihr wie in Meinem Herzen. Und von da seid ihr wieder zurückgekehrt – verklärt, erfüllt von Meiner geheimen Liebe, in welcher sich euch alles um euch her aufgeklärt hat und die Sonne Meiner Gnade euch sogar euren Schatten außer euch erblicken ließ – welches so viel sagen will als: Wie unter den Strahlen der Sonne der Schatten des Menschen außer ihm auf die Erde fällt, so auch fällt der Schatten oder das Böse der Seele, welches eure Sünden sind, unter den wärmenden Strahlen Meiner Liebe aus euch hinaus, da ihr nun erfüllt seid durch die Liebe zu Mir mit dem ewigen Lichte Meiner Gnade durch und durch.

37. Sehet, das ist nun der versprochene große „Diätennachtrag“, von welchem ihr gewiß keine Ahnung gehabt habt – daraus ihr aber auch ersehen und wohl erkennen sollet, daß, so Ich etwas verheiße, Ich auch allezeit Mein Wort auf das allerpünktlichste halte.

38. Aber nur müsset ihr jetzt wieder nicht glauben, als hätte Ich euch jetzt so viel gegeben, daß Ich euch nicht noch mehr zu geben imstande wäre. Denn beharret nur fest in Meiner Liebe und übet diese auch auf gerechte Art an allen euren Brüdern und Schwestern nach rechtlichem Bedarfe aus, so werde Ich euch in diesem Jahre schon noch irgendwo anders hin, und zwar gegen noch größere „Diäten“ wie diese sind, an irgendeinem geschäftsfreien Tage bescheiden, allwo ihr wieder um eine gar gewaltige Stufe sollt höher gehoben werden – wodurch euch erst klar werden wird, warum die Erde ein Ort der Besserung und der größten Erbarmungen des großen heiligen Vaters geworden ist.

39. Sehet, Ich habe noch recht viele Stückchen Brotes in der weiten Tasche Meiner Liebe für euch aufbehalten. Esset nur fleißig und habet keine Sorge ums tägliche Brot! Denn Ich habe des Brotes so viel, daß ihr selbes wohl ewig nie aufzuzehren imstande sein werdet.

40. Und Mein Brot hat noch die Eigenschaft, daß wer nur ein wenig davon genossen hat, der wird schon satt. Zugleich aber reizt dieses Brot den Appetit nebst der Sättigung auch so sehr, daß man noch immer mehr und mehr davon genießen möchte. Und dann wird dieses Brot auch immer süßer und süßer und wohlschmeckender, je länger und je mehr man davon genießt. – Daher seid nur recht fleißig im Essen Meines Brotes! Und sorget euch nicht um den Wein, denn Wein und Brot sind sowohl für den Hunger als für den Durst. Daß sich dieses aber so verhält, werdet ihr auch stets mehr und mehr bei euch selbst gewahr werden und so endlich in die höchste Klarheit dieser Wahrheit gelangen.

41. Ist der Weg auch hie und da holpericht und felsig, so machet euch ja nichts daraus, denn ihr dürfet ja nicht zu Fuß gehen, sondern habt und könnet geistig und naturmäßig ein mutiges Pferdchen vor euren Wagen spannen. Und wenn ihr dann auch hie und da, um das Ziel gänzlich zu erreichen, eure Füße in Bewegung setzen müßt, so glaubet, es wird darob keiner von euch krumme Beine davontragen.

42. Dieses merket euch wohl! – Tuet, handelt und lebet in allem und jedem so nach Meinem Willen; dann wird auch bald die wahre innere Sonne den Wolkenschleier eures Lebens in euch durchbrechen und euch lebendig erleuchten durch und durch.

43. Amen. Das sage Ich, euer allerbester heiliger Vater. Amen.

 

An einen sehr Schwachen. – 4. November 1840

1. Es ist da ein sehr geschmeidiger Mensch, der da hat lieber das Große als das Kleine (und zwar mehr des Angenehmen als der Nützlichkeit wegen) – und macht viele Besuche den Höheren seiner Ehre halber, damit er dann wieder jemandem sagen kann, er sei bei dem und jenem Herrn gewesen und es habe ihn dieser oder jener Herr förmlich geschmäht, daß er ihn schon so lange nicht mehr besucht habe – und der das tut mehr des kleinlichen Ansehens als der eigentlichen inneren Freundlichkeit wegen – und sich auch sehr viel zu tun macht mit der weiblichen Welt und macht allenthalben den Hof dem reizenden Fleische der schönen Kinder Evas – der auch viel hält auf alte Freundschaft, wenn sie in angenehmen Männern besteht, obgleich er auch die ärmlichen seines guten Namens wegen nicht verachtet – dem jedoch neue, ansehentliche, besonders weibliche Bekanntschaften allezeit lieber sind als alte männliche gleichen Ranges.

2. So ist derselbe auch ein Freund der Gelehrten und hält große Stücke auf renommierte Künstler – aber auch wieder mehr seiner Ehre als der Ehre dieser Gelehrten und Künstler wegen (um dadurch bei den Verständigen als ein einsichtsvoller Mann zu gelten!)

3. Und so rennt sich dieser arme Mensch gar oft die Füße wund aus lauter Selbstgefälligkeit, um andern irgendeinen kleinlichen Gefallen zu erweisen, an dem noch nie jemand gar zu viel gelegen war – und ist bei aller seiner persönlichen Freundlichkeit doch stets mehr Freund sich selbst als denen, die von ihm befreundlicht werden.

4. Diesem Menschen, da er doch, bei allen diesen gewöhnlichen Menschenmängeln, ein ziemlich gutes und halbwilliges Herz besitzt und insgeheim bei sich schon ein ziemlich reines Wohlgefallen hat an Meiner nun darniedersteigenden Gnade und hat auch eine verborgene Sehnsucht nach Meinem Reiche und fängt auch mehr und mehr an das Gute und Wahre desselben um seiner selbst willen zu achten und in seinem Herzen zu schätzen (was Mich auch vermocht hat, ihn in Meiner Liebe ernstlich anzublicken und, so er will, ihm auch aus seinem Labyrinthe zu helfen) – also diesem Menschen lasse Ich sagen:

5. Daß er sein zu nichts taugendes, überschwenglich vielfältiges Visitenmachen so viel als nur immer möglich einstellen und dafür lieber anfangen soll, Mir, Seinem Vater, Visiten zu machen! Das wird ihm mehr nützen, zeitlich und ewig, als alle die tausend und abermals tausend Visiten, die er den Menschen für nichts und wieder nichts schon gemacht hat.

6. Denn aus seinen Besuchen ist weder für ihn, den vielen schon oft lästig gewordenen Visitanten, wie auch für die häufig ganz wertlosen Visitierten nie irgendein Vorteil hervorgegangen – außer daß er vielfach hinterrücks ausgelacht wurde, indem man in seinem Angesicht ihn lobte, hinter seinem Rücken aber häufig Fratzen schnitt. – Er sah dies freilich nicht – aber Ich sehe und höre alles!

7. Jedoch damit er wissen möge, daß er noch gar sehr gewaltig dumm ist, so soll ihm auch das Urteil derjenigen Menschen, welche zu den besseren gehören, bekannt werden, als ein Lohn seiner vieljährigen Bemühungen. – Was sagen denn diese? – Nichts, als daß er ein guter Narr, aber dabei doch sehr unwissend und dumm sei und einem bekannten gutmütigen Lasttiere gleiche, das allezeit willig um das schlechteste Futter sich den Rücken vollknitteln läßt.

8. Um solchen Lohn also ist dieser Mensch so emsig und läuft und rennt von Haus zu Haus, um sich seinen Rücken voll geistig-materieller Schläge abzuholen! – O des Schwachen!

9. Ich will hier nicht berühren all die Unannehmlichkeiten, die ihm schon um solcher Narrheit willen widerfahren sind ... Das Gesagte soll ihm nur zeigen, wie er bei weitem nicht zu solchen harten Unannehmlichkeiten gelangt wäre, wenn er wenigstens den guten Rat seiner sehr wenigen wahren Freunde, die auch Meine Freunde sind, befolgt und sich hingesetzt hätte zum Brunnen Jakobs, um aus demselben das Wasser des Lebens zu trinken und hätte da in stiller Ruhe Mir, seinem ewigen, heiligen besten Vater, eine wohlgeziemende Visite gemacht.

10. Aber das würde ihn ja doch melancholisch machen! – Wohlverstanden! – Aber wie ist es denn, daß er nicht melancholisch wird, wenn er atemlos von einem weiblichen Wesen zum andern rennt, um seine naturmäßige Liebe dadurch zu zerstreuen oder endlich gar zu ersticken im tödlichen Schlamme solcher Tollheit?!

11. Er soll Mir antworten auf die Frage: „Warum hast du denn noch nicht geehelicht irgendeine Jungfrau?“ – da du doch schon Tausenden den Hof gemacht hast und hast schon mehrere mit der Heirat vielfach angelogen und auf diese Weise auch schon, in deiner früheren Zeit, einige unmündige Mädchen verführt! – Welche entschuldigende Antwort kannst du Mir wohl geben, daß sie dich reinige vor Meinen Augen und Meine Heiligkeit dich nicht verdamme!?

12. Ich sage dir, antworte lieber nicht! Denn jede deiner Antworten würde dich verdammen! – Und sagtest du Mir: „Ich habe noch nicht die Rechte gefunden, die da wäre ohne Fehler!“ – so sage Ich: O du falscher Richter! Warum spähtest du so sorgfältig nach den Splittern in den Augen der Mädchen und mochtest nicht gewahr werden deines Balkens, ja vieler Balken in deinen Augen!? – Da du dich fürchtest, von ihnen betrogen zu werden. Warum fürchtetest du dich nicht, daß sie vielmehr von dir betrogen und unglücklich wurden!? – Darum weiche von Mir, du eigenliebiger Selbstler! Denn es sind alle Mädchen so gut wie du hervorgegangen aus Meiner Liebe! – Warum waren sie dir denn nicht recht? – Ich sage, weil sie in ihrer Schwachheit besser waren, sämtlich, als du!

13. Darum antworte nicht, sondern schweige in aller reuigen Demut, damit dich deine Antwort nicht verdamme! – Und möchtest du sagen: „Mein Einkommen war zu gering, als daß ich vermöge desselben imstande gewesen wäre, mir ein Weib zu nehmen und sie zu erhalten!“ – Da würde Ich dir darauf die Antwort geben: Höre! Da du dein Einkommen bemessen hast und hast es für zu gering befunden – warum hast du denn nicht auch zugleich bemessen deine geringen Fähigkeiten und deine großen Ansprüche – und warum nicht auch bemessen das Übermaß deiner sinnlichen Begierden, da du wohl sahest mit sehnsüchtigen Augen das üppige Glück der Großen und Reichen der Welt und mochtest gleich sein denen, die da haben, danach du begehrtest – aber so es nicht also gehen mochte, lieber kein Weib, sondern jewaige freie Unzucht haben wolltest!?

14. O siehe, es gibt noch arme und brave Mädchen in die Menge, davon du mehrere recht wohl kennst – warum ehelichtest du sie denn nicht? – Du würdest sagen: „Der beiderseitigen geringen Mittel halber nicht!“ – Ich setze aber, du wärest reich! – Ja, dann würdest du auf eine Prinzessin ebenso mitleidig und sinnlich zugleich herabschauen wie jetzt auf eine geringe Magd, die doch auch Meine Tochter ist.

15. Damit du aber erkennest, daß sich dieses gerade also verhält, so mache Ich dich auf deine geheimen Gedankenphantasien aufmerksam, in welchen du dich durch allerlei großartige, romantische Träumereien zu den verschiedensten glänzendsten Verhältnissen des irdischen Lebens befördertest; und wenn du dann irgendeinen Gipfelpunkt erreicht hattest – wie schnapptest du dann gleich einem Sultane nach den schönsten und reizendsten Mädchen herum! Ja du verbargst oft deine erträumte Höhe und schlichst, wie ihr zu sagen pflegt, „inkognito“ zu irgendeiner Jungfrau, die dir irgendwann einen Korb so recht derb gegeben hatte, und hieltest um ihre Hand an. Da sie dir aber, in deinem Traume, die Hand abermals verweigerte, so enthülltest du vor der Spröden deine phantastische sultanische Kaiserwürde und verschmähtest die nun durch solche Enthüllung in sich gegangene und gedemütigte Schöne und hattest große Freude, so du sie weinen und zu dir, nun einem großen Kaiser, die Hände ringen sahst.

16. O siehe, solche Gedanken sind ein treuer Spiegel und zeigen dem Menschen sehr genau die Richtung seiner Begierden und Tendenz seiner Liebe, die nichts als Herrschsucht zum Grunde hat, welche der Grund aller Verdammnis ist! – Darum antworte nicht, damit du dich nicht selbst fangest und verdammest in deiner törichten Entschuldigung!

17. Oder möchtest du etwa sagen: „Ich kann doch kein gemeines Frauenzimmer heiraten, da ich doch ein gebildeter Mensch und königlich-kaiserlicher Beamter bin und lauter angenehme Bekannte habe! Was würden diese letzteren dazu sagen!?“ – Ich aber sage: Es gibt in der Stadt kein so gemeines Frauenzimmer, als daß sie zu gemein wäre für dich – obschon du aus Zorn auseinandergehen möchtest, so dir jemand anders als Ich diese Wahrheit zugestehen würde. Denn siehe, so da ist irgendeine gemeine Hure, so ist sie eine solche oft nur aus doppelter Not geworden, nämlich zuerst aus geistiger (denn da ist bei den Schafen die Wolle wie das Futter) – und dann aber häufig aus natürlicher Leibesnot, der Forderung des Magens wie der Befriedigung des Naturtriebes wegen, zu dessen frühzeitiger Entwicklung und gewissenloser Förderung die arme, verlassene, nun verachtete Hure nur durch solche, dir ähnliche Hofmacher gekommen ist. In ihrer Schwäche hat sie leichtlich geglaubt den süßen Worten, die da entströmten der Hyänenbrust eines dir ähnlichen süßen Hofmachers, der gewissenlos oft schon einem üppigen zwölfjährigen Mädchen stromweise eine satanische Artigkeit um die andere in ihre sehr empfängliche Brust, giftigen Dolchen gleich, senkte, um die geistig Blutende mit lüsternen, begierdevollen Augen anzusehen und hernach zu lauern gleich einem Tiger auf die nächste Gelegenheit, um der unglücklichen, schwachen Gereizten den ersten Stich des Todes beizubringen, und um hernach sich großmachen und sagen zu können: „Na, das wird einmal eine werden, da sie schon jetzt alles mit sich machen läßt!“

18. Siehe, da du ihre Natur zu solcher Schandtat verdorben hast – du Hyäne, du Tiger! – wie wagst du in Meinen Augen noch zu sagen. „Mir kann nicht behagen solche weibliche Gemeinheit!“?

19. Daher antworte lieber nicht, damit aus deiner Entschuldigung nicht ein Mühlstein wird, der dir auf den Hals gelegt werden sollte und mit dem du versenkt werden möchtest in den Grund des Meeres!

20. So du aber sagen möchtest: „Mit einer Armen ist mir nicht gedient!“ – da sage Ich aber: Du bist keiner Armen wert! Denn die Armen sind Meine Töchter. Wehe denen, die sie verführen und geringachten! Deren Herz soll stumpf werden wie ein Stein, damit es nimmer gerührt werde von dem sanften Blick einer solchen Armen und ein solcher Frevler weib- und kinderlos bleibe bis ans Ende und sein schnöder Name mit ihm begraben werde!

21. Wer aber da ehelicht eine Arme aus Liebe, der hat Mich zum Schwiegervater und genießt Meinen Segen! – Und es ist besser, wenn Arme ehelichen als Reiche. Denn die Armen denken in ihrer Not doch an Mich, ihren Vater, und suchen allzeit Hilfe bei Mir, wenn es ihnen recht schlecht geht; während die meisten Reichen Mich kaum dem Namen nach kennen und, wenn es ihnen schlecht geht, verzweifeln und nicht selten zu Selbstmördern werden. – Siehe, daher antworte nicht, damit du nicht verdammt werdest ob deiner törichten Entschuldigung!

22. Und möchtest du sagen: „Üble Erfahrungen haben mich abgeschreckt. Was ich anderweitig gesehen habe, hat mir den ganzen Ehestand verleitet!“ – so sage Ich aber: Verflucht sei der, welcher sich so entschuldigt! Denn der gibt sich doch offenkundig als einen eigenliebigen Verächter der schwachen weiblichen Menschheit an. Und sein Gewissen schreit ihm laut zu: Weil du wohl weißt, wie wenig wert du selber bist und wie ungetreu in aller deiner Lebenssphäre du von jeher dich benommen hast, deshalb ist dir freilich deine Freiheit lieber als ein ärmlicher, aber gesegneter Ehestand, der allein dich zur geistigen Ordnung zu bringen vermöchte!

23. Denn wenn du dächtest, wie es ein redlicher Christenmensch in seinem Herzen denken sollte, so würdest du sagen: „O Herr! Ich bin Dir ein gar großer Schuldner! Habe Mitleid mit mir über alle Maßen schlechtem Selbstliebler! Denn ich habe in meiner Unwissenheit gröblich gesündigt vor Dir und habe mich groß versündigt an allen Deinen schwachen Kindern und bin nun selber schwächer geworden als alle, die ich früher schwach wähnte – und das alles durch meine grenzenlose, eigensinnige Torheit!

24. Daher bitte ich Dich inständigst, daß Du mich wieder möchtest in Deiner unendlichen Liebe gnädig ansehen und mir geben einen redlichen Sinn, damit ich wieder gewahren kann den wahren Menschenwert Deiner Mägde und nicht blind bleibe, wie bis jetzt, wo ich, der bösen Welt gleich, den Wert nur im Reichtum und in der jugendlichen Schönheit und dazu noch in einer unglaublichen Treue und Abhängigkeit suchte (da ich meiner großen Eigenliebe zufolge ein eifersüchtiger, dummer Esel war!).

25. O Herr, da ich nun meinen großen Irrtum erkenne, so sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig und laß mich wiederfinden, was ich in meinem bösen, verkehrten Herzen gar so oft verachtet habe. Denn da ich nicht einer bin, der sich je hätte vom Geiste ziehen lassen, sondern allezeit vom Fleische, so weiß ich auch, daß ich bis jetzt nur des Fleisches und nicht des Geistes bin. Daher lasse, o Herr, mich auch redlich wieder ein gerechtes Dir wohlgefälliges Fleisch finden, damit ich im selben geläutert werde, um einst nach Deinem heiligen Willen aus demselben im Geiste zu erstehen! – Amen.“

26. Siehe, diese Entschuldigung ist besser als die übrigen, und in ihr allein waltet Leben statt des Todes!

27. Obschon Ich dir durch alles dieses nicht geradezu die Pflicht auferlegen will, daß du ehelichen sollest – sofern du irgend bessere Gründe hast, ledig zu bleiben, und zwar aus reiner Liebe zu Mir, d.h. wenn du deren fähig bist und dich zurückziehen kannst von deiner viel bevisitierten Welt – so will Ich dich dadurch aber doch ernstlich zur wahren Reue und Buße ermahnet haben, daß du endlich einsehen sollest, wie sehr du allezeit unrecht hattest, daß du emsig bemüht warst, alle Schuld von dir hintanzuschieben und andern sie gröblich zuzuschanzen. Denke nur recht fest bei dir, ob das von Mir wohl je in Ewigkeit hätte gebilligt werden mögen?

28. Darum zeigte Ich dir nun das Nötige durch Meinen armen Knecht, der aus sich auch nicht wissen kann, was da recht und schlecht ist (da er selber noch weder recht noch schlecht ist), und der, was er weiß, nur aus Mir weiß durch eine besondere, unverdiente, große Gnade der andern wegen, nicht seiner selbst wegen – damit die andern gerichtet würden in ihren Herzen durch ihn und er zuletzt erst durch sie – und damit auch du gerichtet werdest in deinem Fleische, um dadurch dem ewigen Gerichte des Geistes zu entgehen.

29. Denn wer da will in Mein neues Reich aufgenommen werden, der muß zuvor gerichtet werden, damit er sich völlig reinige von allem alten Schlamme seiner angewohnten Narrheiten! – Du aber bist noch durch und durch närrisch und kreuz und quer verwirrt. Daher gab es bei dir auch gar sehr viel zu richten und wird noch überdies so manches zu richten geben, bevor dein Name voll eingetragen wird in das große Buch des Lebens. Beherzige daher recht wohl dieses an dich gerichtete Wort! Es ist ein neues Wort des Lebens voll Licht und Wahrheit und ebenso voll Liebe!

30. Willst du leben, so eheliche entweder irgendein Mädchen in rechter Ordnung, und Ich will dich segnen mit Meinem Frieden. Und du bringe dadurch in dir selbst ein kleines Opfer für die vielen Opfer der weiblichen Treue, die du schon eingeschlürft und verschlürft hast! Und habe keine Furcht, betrogen zu werden; sondern fürchte vielmehr, daß du niemand betrügest mit dir selbst! Und habe nicht so sehr deinen Vorteil vor Augen, als vielmehr den Vorteil derjenigen, die du dir antrauen lassen möchtest! Dann wirst du gut fahren – kurz noch zeitlich und dann auch ewig.

31. Denn kannst du wohl denken, daß du nochmals fünfzig Jahre leben wirst? – Oder mußt du nicht vielmehr denken, daß jede Sekunde deines irdischen Lebens in Meiner Hand steht und daß Ich jedem das Leben je nach seinem folgsamen Betragen entweder verlängern oder verkürzen kann, da doch nur Ich allein sehe, wann die Frucht reif ist – entweder so oder so!

32. Daher überlege wohl, was da besser ist: Entweder so? – oder aber, ob du dich zu Mir wenden möchtest und aus reiner Liebe zu Mir verzichten möchtest auf alles!? – Siehe, das kannst du auch tun! – Aber dann bedenke wohl, daß Mir mit einem halben Dienste durchaus nicht gedient ist – so du etwa dabei glauben möchtest, dadurch deine Freiheit zu retten.

33. Denn siehe, in deiner vermeinten Freiheit bist du nur ein Sklave deines Fleisches, deiner Begierden und deiner freien Weltlust unter den Menschen, mit denen du gerne tolles Zeug plauderst und hintendrein lachst über deine eigene Torheiten.

34. Sondern da muß dir all dein Fleisch, müssen alle deine Begierden wie die allerderbsten Sklaven dir tief untertänig werden, und du mußt allen deinen tollen Gewohnheiten auf einmal den barsten Abschied geben und dich sodann alsogleich in allem zu Mir wenden! – Höre! – Ich sage alsogleich! Denn von nun an würde dir jede Zögerung himmelhoch angerechnet werden.

35. Nun urteile in deiner Schwachheit selbst, was da leichter und heilsamer wäre! – Ich will dir keinen weiteren Rat geben, was du zu sollst, sondern sage dir nur, daß der Lohn deinem Gehorsam gleich sein wird.

36. Tue also, was du willst! – Mir ist es ganz einerlei, so oder so. – Aber so zu verbleiben, wie du jetzt bist, das rate Ich dir wohl nicht!

37. Siehe, auch du standest den ganzen langen Tag müßig. So gehe denn nun auch du hin in Meinen Weinberg und arbeite die letzte Stunde in demselben so oder so! Und Ich werde dir dereinst geben, was recht sein wird. Amen. – Ich, die Ewige Liebe und Wahrheit Selbst! – Amen.

 

Nachbemerkung

38. Dieses Nebenwort muß, wie alle übrigen, den „Nebenworten“ beigefügt werden und soll in einer eigens dazu bestimmten Zusammenkunft dem unbenannten Vermeinten vorgelesen werden – dessen er sich nicht etwa schämen, sondern nur sehr freuen soll, wenn er will ein siebenter Jünger werden, was er erfahren wird, so Ich seinen Namen aussprechen werde.

39. Sollte er sich aber darüber, wie er gewöhnlich zu tun pflegt, selbst beschönigen und rechtfertigen wollen, dann soll er auch erfahren, wie ferne er noch Meinem Reiche ist und wie sehr noch untauglich für einen Jünger!

40. Denn dem Ich viel sage, dem will Ich auch vieles geben und habe ihm, so er Meinen Willen tun wird, auch schon dadurch vieles gegeben, daß Ich ihm vieles gesagt habe. – Denn so der Baumeister irgendeinen breiten und weiten Grund legt, da wird er gewiß kein Schneckenhaus darauf erbauen wollen, sondern da muß ja doch dem Grunde das Gebäude entsprechen. Wenn aber schon ein irdischer Baumeister also verständig handelt, um wie viel mehr werde da Ich tun, der Ich doch der mächtigste und allerverständigste Baumeister der Unendlichkeit bin!

41. Darum auch soll sich der Vermeinte nicht schämen, sondern sich gar gewaltig freuen! Denn umsonst gebe Ich solche Gaben nicht! – Es muß aber jeder zuvor vor der Welt offenbar werden und in seiner Demut Meinen Namen verherrlichen, wer da will von Mir dereinst ewig verherrlicht werden.

42. Klein ist das, was Ich von euch verlange; aber unendlich der Lohn dafür! Daher freuet euch alle, daß Ich solches von euch verlange; denn Meines Reiches wird kein Ende sein ewig. – Amen. Das sage Ich, euer aller Vater und Herr! Amen.

 

Dankgebet des Knechtes

43. Und ich sündiger, wertloser, schlechtester Knecht wage in meiner großen Unlauterkeit hinzuzusetzen:

44. Ehre, Preis und Dank sei Dir, o allerheiligster, bester Vater, von unseren schwachen, unreinen Herzen dargebracht! – O reinige uns alle mit der heiligen Kraft Deiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit! – damit wir Dir dereinst, o Du bester, heiligster Vater Du, würdiger zu danken und Dich heiliger zu preisen vermöchten, als es bisher in der großen Nacht unserer Sünden möglich war!

45. O heiligster, bester Vater, habe Dank auch für das herrliche Geschenk dieses neuen, uns gegebenen Bruders in Deinem allerheiligsten Namen! – O Dein heiligster Name werde dafür gepriesen! Ehre sei dir, Vater, und dem Sohne und dem Heiligen Geiste in Dir und aus Dir – in alle Ewigkeit! – Amen.

 

Eine Lüge? – 8. November 1840, Sonntag, von 3/4 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags

Schreibende: K. G. L. – Andreas und Anselm H.

1. Heute gab uns der liebevollste Vater durch Seinen Knecht Jakob Lorber nachfolgende Lehre, und zwar mit der angegebenen Überschrift.

2. Es wird euch sonderbar vorkommen, so ihr zufolge dieser Überschrift etwa denken möchtet, Ich sei imstande euch anzulügen. – Allein es ist natürlich dem nicht so; sondern die Sache verhält sich ganz anders. Und es ist nicht alles Lüge, was als solches erscheint – wie auch nicht alles Wahrheit ist, was als solches erscheint. – Daß die Sache sich aber so verhält, soll euch alsbald eine kleine Erzählung belehren.

3. Es erzählte jemand seinem Freunde, daß er in einer Gegend dieses Landes einen ungeheuren Drachen gesehen habe und beschrieb sogar dessen Gestalt haarklein. Er machte dadurch seinem Freunde die Sache so wahrscheinlich, daß dieser sich alsbald bewogen fand, selbst an den Ort hinzureisen, wo sein Freund den Drachen gesehen haben wollte.

4. Als nun der Freund in die benannte, genau beschriebene Gegend kam, da fand er auch nicht die leiseste Ähnlichkeit dieser Gegend mit der von seinem Freund beschriebenen, ja sogar der Name war falsch; und auf Frage wurde ihm berichtet, daß in diesem Lande wohl keine Gegend unter diesem Namen und dieser Gestalt aufzufinden sein dürfte.

5. Und so kehrte denn der Freund wieder zurück und sprach zu dem andern mit heftigen Worten: „Ei du loser, böser Freund, was habe ich dir getan, daß du mich so arg mit deiner Lüge bedient und mich dem Gelächter der Unsinnigen preisgegeben hast!?“ – Sein erzählender Freund aber behauptete dennoch, daß er ihm keine Lüge gesagt habe. „Denn,“ sagte er, „ich habe nun einmal das Ungetüm gesehen, wie ich dir beschrieben habe; und als ich mich bei den Menschen erkundigte, wie diese Gegend heiße, da sagten sie mir, daß sie so heiße, wie ich dir angegeben habe.“

6. Nun aber forderte den Erzähler sein Gegenfreund auf, ihn an den Ort zu führen, auf dem seine Lüge gewachsen war. Der Erzähler willigte ein und führte seinen Freund an einen Ort, der ungefähr eine leichte Ähnlichkeit mit dem vorbeschriebenen hatte. Allein als er, der Angelogene, die dortigen Menschen um den Namen dieser Gegend befragte, da hatte dieser auch nicht die leiseste Ähnlichkeit mit dem von dem erzählenden Freunde angegebenen. Und von irgendeinem Drachen wußte niemand eine Silbe daselbst.

7. Nun, was meint ihr denn, nachdem ihr solche Erzählung vernommen habt – hat der Erzähler seinen Freund angelogen oder nicht? – Ja, sage Ich, er hat ihn angelogen, und das weidlich – und wieder hat der Erzähler seinem Freunde dennoch eine allerreinste Wahrheit gesagt.

8. Aber nun fragt sich, wie kann denn eine Sache zu gleicher Zeit Lüge und Wahrheit sein? – Das bringt freilich ein natürlicher Menschenverstand so wenig überzeugend heraus, wie daß schwarz weiß und weiß schwarz ist. – Jedoch nicht also ist es bei Mir! – Denn es kann eine Sache, mit geistigen Augen betrachtet, recht gut schwarz und weiß zu gleicher Zeit und auf derselben Stelle sein. – Und so wird sich auch zeigen, wie dieser vorbenannte, lügenhafte Erzähler dessenungeachtet die Wahrheit geredet hat.

9. Dieser Mensch hatte nämlich an einem Tage, da er unter dem kühlenden Schatten eines Baumes einschlief, einen so lebhaften Traum, in welchem er das Erzählte so leiblich und lebhaft gesehen hat, daß er unmöglich umhin konnte, bei sich selbst anders zu gedenken, als er habe wirklich dieses alles also gesehen.

10. Denn obschon er wieder unter dem nämlichen Baume erwachte, unter welchem er sich einige Stunden vorher zur Ruhe gelegt hatte, so war aber doch sein Traum so beschaffen, daß es ihm vorkam, er sei alsbald unter dem Baume aufgewacht, habe dann die Stelle verlassen und sei zufolge eines weiteren Spazierganges in die vorbeschriebene Gegend gekommen. Und als er daselbst in seinem Traum alles früher Erwähnte gesehen und erfahren hatte, kehrte er alsbald zurück, kam gerade zum selben Baume wieder, legte sich wieder, schlief ermüdet auf eine kurze Zeit ein und erwachte dann wirklich unter demselben Baume, unter dessen Schatten er sich einige Stunden früher in Wirklichkeit wohlbehalten begeben hatte.

11. Nun sehet, in der Natürlichkeit ist das von dem Träumer Erzählte zwar eine Lüge, da im ganzen Lande keine Gegend jener Art und kein Drache ausfindig gemacht werden kann. Allein es ist gerade nicht nötig, daß, so irgend etwas in der Natur nicht vorgefunden wird, es deswegen nicht geistig bestehend da wäre.

12. Und so verhält es sich überhaupt mit einer jeden geistigen Anschauung! Nehmet nur einen Blinden und erzählt ihm von diesem und jenem Gegenstande, den ihr sehet, daß er da ist! Ist für den Blinden die Erzählung etwa eine Lüge, da er den Gegenstand eurer Erzählung nicht selbst sehen kann? – Und so können viele Dinge vorhanden und wahr sein, wenn sie auch nirgends aufgefunden werden – da neben der naturgemäßigen Welt, ja sogar in derselben eine noch bei weitem größere Geisterwelt besteht. – Wer möchte z.B. wohl behaupten, daß die Hölle eine Lüge sei, da sie doch nur aus lauter Lüge besteht? Oder wer möchte behaupten, es gebe darum keinen Himmel, weil er dem Auge des Forschers nicht ersichtlich ist?

13. So ist demnach das Sein und Nichtsein und Doch-Sein keine Lüge! Denn ein materielles Sein ist kein geistiges Sein, wie das geistige kein materielles – und doch ist das materielle durch das geistige, wie auch wieder umgekehrt das geistige durch das materielle bedingt.

14. Ein Beispiel wird euch dieses hinreichend beleuchten! – Betrachtet einen Apfel, wie er da noch hanget am Baume, so werdet ihr gewiß sagen, daß dieser Apfel auf diesem Baum gewachsen ist. Und wieder werdet ihr sagen müssen, daß dieser ganze Baum aus einem solchen Apfel gewachsen ist. Und so werdet ihr bald einen Apfel aus dem Baume und bald wieder einen Baum aus dem Apfel entstehen sehen.

15. Nun fraget euch selbst, was ist denn hier eigentlich die Frucht und welches ist das die Frucht Hervorbringende? – Saget ihr, der Apfel sei die Frucht, so sage Ich: „Was ist demnach aber der Baum, so er aus dem Apfel hervorwächst?!“ – Und saget ihr: „Ja, so ist doch der Baum die Frucht!“ – da sage Ich aber: „Was ist demnach der Apfel, wenn er aus dem Baume zum Vorscheine kommt?“

16. Sehet, auch hier kann jede Behauptung an und für sich zu gleicher Zeit eine Lüge und eine Wahrheit sein. Denn der Apfel ist so gut Frucht wie der Baum – und eben auch so gut Hervorbringer wie der Baum.

17. Jedoch, wenn man sagt: „Ja, es kann doch nur eines wahr sein!“ – so sage Ich: „Es ist ganz richtig, daß die Wahrheit nur eine ist!“ Aber töricht ist es von Menschen, in der Beschränktheit ihrer Urteile zu behaupten und zu sagen: Dieses oder jenes sei „das Erste“ – während ihr doch aus diesem Beispiele leicht ersehet, daß das eine so gut wie das andere „das Erste“ sein kann.

18. Denn es stünde zum Beispiel irgendein außerordentlicher Gelehrter auf und würde behaupten, Gott habe zuerst den Baum erschaffen; ein anderer aber würde hinzutreten und ihm sagen: „Wenn Gott zuerst den Baum erschaffen hat, warum hat er dann die Fähigkeit in den Apfel gelegt, daß, so dieser in die Erde gelegt wird, ein Baum aus ihm zum Vorschein kommt, der wieder ebensolche Früchte trägt, aus denen er selbst hervorgegangen ist? Somit ist ja doch ersichtlich, daß Gott nicht zuerst den Baum, sondern nur einen Apfel erschaffen hat!“ – Und wieder würde ihm auf diese Äußerung der erste Gelehrte einwenden: „Ich glaube, daß es der Ordnung gemäßer war, zuerst den Baum zu erschaffen und diesen mit der Reproduktionskraft zu versehen.“ – Sehet, und so würden diese zwei Gelehrten sich in einem ewigen Kreise herumtreiben, ohne je ans Ziel zu gelangen. – Und würde einer, der da zwei ineinandergreifende Uhrräder vor sich hätte, behaupten: „Dieser Zahn dieses Rades greift in die Zähne des andern Rades!“ – und ein anderer würde ihm entgegnen: „Aber lieber Freund, bist du denn blind, daß du nicht siehst, daß die Zähne des andern Rades nur in die Zähne dieses Rades eingreifen?“ – Welcher von diesen beiden hätte da wohl nun wieder recht?

19. Ich sage: Es hat ein jeder recht und redet die Wahrheit – und wieder: Es lügt einer so gut wie der andere. Der Anteil der Lüge besteht hier freilich bloß in der Einseitigkeit der Behauptung, wodurch die eine Wahrheit sich wieder die andere auflehnt. Und in dem Grade, als sie die andere Wahrheit anficht, ist sie Lüge. An und für sich aber ist sie so gut wahr wie das von ihr Angefochtene.

20. Die eine Wahrheit aber ist diese: Es besteht und entsteht eines aus dem andern – und eines ist für das andere da. Ich aber bin der ewige Urgrund alles Seins und habe alles so eingerichtet, daß das Naturmäßige entsteht und besteht aus dem Geistigen und das Geistige aber wieder, umgekehrt, im beständigen und unwandelbaren Kreislaufe aus dem Naturmäßigen.

21. Daraus wird euch auch klar, wie die Geisterwelt beständig hineinragt in die naturmäßige und die naturmäßige wieder in die geistige. Denn so irgendein Geist frei wird, so liebt, denkt und handelt er in seiner ihm zugewiesenen Sphäre. Dieses Handeln und Wirken eines Geistes, da es nun einmal vor sich ging, kann aber unmöglich so spurlos vorübergehen, als wäre da gar keine Handlung und Wirkung vor sich gegangen. Es fragt sich demnach, wie wird denn aber die Handlung und Wirkung des freien Geistes ersichtlich?

22. Da sage Ich: Seht die Dinge an, wie sie sind, wie sie entstehen und bestehen, und ihr werdet euch dabei sagen müssen, daß jede diese Erscheinungen irgendeinen ausreichenden Grund der Entstehung haben muß – aber wo liegt dieser Grund? – Gewiß nicht in der Materie, sondern in dem geistigen Wirken und Handeln, welches Wirken und Handeln ein inwendiges ist.

23. Wenn aber irgendein Baumeister ein Haus aufbaut, so hat er doch gewiß das Haus nicht des Hauses selbst wegen aufgebaut, sondern er hat mit dem Gebäude einen Zweck verfolgt, der seiner Absicht völlig entspreche. Da schon ein Baumeister solches tut und selbst als sterblicher Mensch seinem Werke eine ewige Dauer verschaffen möchte, um wie viel mehr wird ein freier, ewiger Geist seine Handlungen und Wirkungen so einrichten, daß sie seiner Liebe und seinem Wesen entsprechen!

24. Und so liegt ja wieder klar am Tage, daß die Materie selbst nur ein Mittel ist, aus dem ein geistiger Zweck in der Absicht des geistigen Erzeugers erstehen soll.

25. Und wenn ihr dieses so recht betrachtet, so muß euch klar werden, wie das eine für das andere da ist und wie immerwährend eines in das andere greift und hineinragt. Und aus dem werdet ihr weiter deutlich ersehen, was die Lüge und was die Wahrheit ist, und werdet erkennen, wie für den Reinen alles rein und wahr, für den geistig Blinden aber die Wahrheit Lüge ist. – Auf diese Weise kann auch in Mir, als dem ewigen Urgrunde aller Wesenheit, keine Lüge stattfinden; ja ihre Existenz ist in Meinem Angesichte eine Unmöglichkeit.

26. Dem Blinden ist freilich die Existenz eines Dinges wie auch die formelle Beschaffenheit desselben eine unglaubliche Tatsache, da er sich von deren Wirklichkeit nicht überzeugen kann. Wenn er aber glaubt, daß die Sache so ist, so hat er die Wahrheit. Glaubt er aber nicht, so ist sein beharrlicher Unglaube die Lüge selbst, in der ihn seine Blindheit gefangenhält.

27. Der Glaube ist demnach eine Augensalbe für die Blinden. So sie ihn gebrauchen wollen in der Einfalt ihres Herzens, werden sie bald zum Lichte ihrer Augen gelangen und die Dinge schauen, wie sie sind. Und sollten sie dieselben auch anders finden, als sie ihnen beschrieben wurden, so ist doch das, was ihnen gesagt wurde, auch für sie wahr, weil sie es glauben, daß es so ist.

28. Daher auch wird jeder alles früher oder später im Geiste finden, wie er es geglaubt hat! Denn wie das Licht, so die Farbe der erleuchteten Gegenstände. Der Glaube aber ist das Licht des Geistes; daher der Mensch auch sehen wird, wie sein (Glaubens-)Licht beschaffen ist.

29. Es wird aber aus dem Baume kein anderer Apfel zum Vorschein kommen, als der in den Baum gelegt ist; wie wieder aus dem Apfel kein anderer Baum, als in den Keim gelegt ist. Und so ist auch jeder Mensch die Frucht seines ihm eigenen Glaubens und der Glaube selbst die Frucht der Liebe des Menschen. – Und daher kurz gesagt: Wie einer glaubt, so wird er schauen, und wie er liebt, so wird er leben.

30. Wer aber Meinen Worten glaubt, der hat Mich in sich aufgenommen, insoweit er glaubt, daß Ich es bin, der ihm solches kundgebe. Und da jeder Mensch im Grunde seines Wesens seine eigene Liebe ist, so werde dann Ich, wenn er Mich durch den Glauben in seine Liebe aufnimmt, seine Liebe, wie er die Meinige wird. Denn wie er Mich aufgenommen hat, so habe auch Ich ihn aufgenommen. Und so werden wir dann eins werden, wie der Baum und der Apfel im Grunde doch nur eins sind – und werden ineinandergreifen wie die Räderzähne einer Uhr – und daraus wird dann eine Wahrheit werden.

31. Denn wer Mich durch den Glauben aufgenommen hat in seine Liebe, der hat die ewige Wahrheit in sich aufgenommen und wird selbst zur ewigen Wahrheit. Und da Ich die Ewige Liebe Selbst bin, so bin Ich auch dann in aller Wahrheit als solche das Eigentum des Menschen, der Mich zu seiner Liebe gemacht hat.

32. Und da wird der Mensch sein gleich einem veredelten Baume, der das Höhere in sich aufgenommen hat, damit dieses sein Eigentümliches werde, und wird darob tragen viele edle und kostbare Früchte, in welchen dessenungeachtet seine freie Selbständigkeit doch nie zugrunde gehen wird. Denn wie ihr aus dem Samenkorne eines veredelten Baumes die Urwesenheit des Baumes wieder zurückbekommen könnt (da sie trotz des Adels noch immer selbständig vorhanden ist) – so ist es auch mit dem durch Mich veredelten Menschen, daß er ebenfalls, trotz Meiner Aufnahme und der dadurch erfolgten Veredelung, seine Selbständigkeit frei und ewig behalten wird.

33. Sehet, diese euch nun gegebene Lehre ist gar wichtig, und ohne sie könnet ihr nicht leichtlich zu der inneren Festigkeit eures Glaubens gelangen, und eure Liebe würde beständig ein in sich selbst zurückkehrender Kreislauf bleiben. Allein so ihr wißt, daß euch die Vereinigung mit Meiner Liebe in den unendlichen Kreis Meines ewigen Wirkens aufnimmt, so könnt ihr denn auch mit größter Sicherheit den Schluß machen, daß da neben der Unendlichkeit Meines Wirkens wenig Raum bleiben wird, wohin sich eine Lüge verbergen möchte. Denn wer sich vom Lichte absondert, der wird freilich nur auf einer Seite erleuchtet sein und auf der entgegengesetzten Seite einen Schatten entdecken, der ein lichtloses Trugbild der eigenen Selbständigkeit ist, wer aber in der Mitte der leuchtenden Flamme Meiner Liebe sich befindet – fraget euch selbst, ob auch da irgendein Schatten möglich ist?

34. Daher machet Mich durch den Glauben in eurer Liebe zu eurer Liebe, damit euch das Licht umfasse und durchdringe und ihr selbst zum Lichte werdet aus Mir. – Das sage Ich, die Ewige Liebe und Wahrheit. Amen.

 

Über Leben, Tod und Liebe. – Weiteres von der Andritz-Quelle. – 15. November 1840, Sonntag, von 1/2 10 Uhr vormittags bis 1/4 1 Uhr nachmittags

a. Am 13. November 1840, nachmittags, fuhren J. L., Andr. und Ans. H. zum Ursprung der Andritz und verweilten da eine halbe Stunde, sich an der Ruhe und Klarheit der Quelle weidend.

a1. Was dir als Meinem Knechte die dir allein sichtbare (Quellen-)Jungfrau gesagt hat, als du sie in dir bei dem Stege gefragt hast, ob sie ferner etwas über die Quelle mitteilen werde, das diene auch hier als ein guter Eingang. Nämlich: „Es ist nur Einer, und nur dieser Eine kann allein sprechen. Und wenn dieser Eine spricht, da schweigt ehrfurchtsvoll die ganze Natur; denn sie versteht keines Wesens Wort, außer das Wort dieses Einzigen.“

a2. Seht, das ist ein recht guter und passender Eingang, denn es kann nichts Lebloses eine Sprache führen und auf irgendeine Weise Rede und Antwort stehen; sondern Ich allein, der Ich das Leben Selbst bin und somit lebendig durch und durch, kann lebendig machen, was Ich will und was Ich ansehe und kann dem Steine selbst geben Augen und Ohren, einen Mund und eine geläufige Zunge, zu sprechen die Sprache, die Mir wohlverständlich ist wie auch jenem, dem Ich das Verständnis geben will.

a3. Da es aber, wie schon einmal bemerkt wurde, für den Lebendigen nichts Totes gibt, so kann es für Mich, als den Allerlebendigsten, auch nichts Totes und somit auch nichts Sprachunfähiges geben. Denn in Meinem Angesichte muß selbst die Asche eines verbrannten Körpers auferstehen und Mir antworten auf jede Meiner Fragen. Denn ist wohl in der ganzen Unendlichkeit irgend etwas, das nicht aus Mir wäre?

a4. Ich aber bin, wie schon gesagt, von Ewigkeit her das Leben Selbst gewesen und werde es auch ewig sein. Wie könnte denn aber aus dem Leben etwas Totes hervorgehen? Ist auch eine Sache vor euren Augen leblos, so ist sie doch nicht leblos vor Meinen Augen! Und seid ihr auch an und für sich tot geworden durch die Sünde, so seid ihr aber doch nicht tot geworden in Meinem Angesichte. Das erste ist wohl möglich, aber das zweite ist eine gänzliche Unmöglichkeit.

a5. Damit aber dieses genau begriffen werden möchte als eine Voraussetzung zur folgenden Erörterung, so ist es notwendig, daß ihr eine nähere Aufklärung über den Tod und über das Leben selbst erlanget.

a6. Alles, was aus Mir hervorgegangen, ist lebendig hervorgegangen. Da aber Mein Leben in sich die Liebe und die Weisheit in der größten Ordnung selbst ist, so sollte auch alles in dieser Ordnung fortbestehen, in welcher und aus welcher es aus Mir zu gehen genötiget wurde. Denn was nicht war, konnte nicht selbstwillig hervorgehen, sondern mußte von Mir erst erschaffen werden und dann als erschaffenes Wesen erst durch die Macht Meiner Ordnung heraustreten aus Mir nach Meinem Willen.

a7. Wenn nun aber die Wesen herausgetreten sind, so mußten sie auch mit dem Vermögen ausgerüstet sein, sich frei nach Meiner Ordnung bewegen zu können – gleichwie das Kind alsbald eine freie Bewegung mit seinen Gliedmaßen annimmt, sobald es aus dem Mutterleibe getreten ist.

a8. Solang das Kind noch schwach und klein ist, wird es am Gängelbande geführt. Ist es aber einmal stark geworden, dann laßt ihr es frei laufen. Und wenn es stärker und stärker geworden ist, so gebet ihr demselben durch die Erziehung, die sich durch allerlei sanktionierte Gesetze ausspricht, eine solche Richtung, die am meisten eurer eigenen Ordnung entspricht.

a9. Ich setze aber den Fall, es ist ein Kind so arg, daß es sich nicht fügen will in eure Ordnung und ist beständig wider dieselbe – was werdet ihr dann wohl tun mit dem Kinde? – Ich sage: Ihr werdet es züchtigen, und das im gleichen Maße mehr, je mehr es eurer Ordnung widerspricht. Und wenn auf alle eure Züchtigungen das Kind in seiner Freiheit statt besser immer schlechter und am Ende sogar eurer Ordnung gefährlich wird, sagt, was werdet ihr mit dem Kinde dann tun? – Werdet ihr nicht selbst sagen: „Treibe ich das Kind vom Hause, so wird es mit der Zeit zurückkehren und wird mir zur Nachtzeit, in seiner Bosheit sich rächend, das Haus über dem Kopfe anzünden. Und da könnte die ganze Geschichte und meine häusliche Ordnung ein übles Ende nehmen. Daher will ich das Kind nicht vom Hause treiben, sondern ich will ihm Hände und Füße binden, es in einem verschlossenen Gemache bei sparsamer Kost wohl verwahren und geduldig die Zeit abwarten, ob es nicht doch einmal reuig in sich gehen und zu meiner Ordnung zurückkehren wird.“

a10. Sehet, was ihr da getan haben würdet mit euren Kindern, dasselbe habe Ich auch getan mit dem, was aus Mir hervorgegangen ist. Fraget euch aber selbst: Habt ihr das Kind deswegen getötet in eurem Angesichte, wenn ihr es gerechtermaßen nur beschränkt habt in der mißbrauchten Freiheit? – Gewiß nicht! – Und wie ihr das Kind nicht getötet habt, obwohl ihr doch an und für sich samt und sämtlich böse seid, um wieviel weniger werde Ich, die ewige, alleinige Güte Selbst, etwas töten, was aus Mir hervorgegangen ist! – Da Ich lebendig bin, konnte nichts Totes aus Mir hervorgehen; und da Ich überaus gut und liebevoll bin, so kann auch nichts getötet werden.

a11. Nun werdet ihr fragen, was ist denn hernach „tot“, und was ist „der Tod“? – Ich sage darauf: Tot an und für sich ist nur dasjenige, was wohlabsichtlich der Fähigkeit beraubt ist, sich wider Meine Ordnung in seiner bösen Ordnung frei zu bewegen. Und der Tod selbst ist demnach nichts anderes als eine Beharrlichkeit in allem dem, was wider Meine Ordnung ist. Die Folge solcher Beharrlichkeit ist dann das nötigende Gericht, durch welches einem ordnungslosen Wesen Hände und Füße gebunden werden und sonach ein Gemach für dasselbe bereitet wird, in welches das ordnungswidrige Geschöpf eingesperrt wird, bis es, durch Reue in sich gehend, zu Meiner Ordnung wieder freiwillig zurückkehrt.

a12. Was aber hernach das Leben ist, das brauche Ich euch wohl nicht mehr zu sagen; denn so ihr wißt, was der Tod ist an und für sich, so gibt sich das Leben von selbst.

a13. Nun, da ihr dieses jetzt vernommen habt und auch daraus ersehen könnet, warum nur Ich allein sprechen kann und Mich die ganze Natur versteht, so könnet ihr hernach auch wohl begreifen, was die Jungfrau unsichtbar an der Quelle zu Meinem Knechte gesprochen hat.

a14. So ihr aber ein so eingesperrtes Kind hättet, dessen Ich früher erwähnt habe, so frage Ich euch, wer kann denn allezeit mit dem wohlverwahrten Kinde reden? Und ihr werdet sagen: „Wir gestatten es niemandem als nur uns selbst, mit demselben zu reden, damit fürs erste das böse Kind nicht noch mehr verdorben werde, als es schon ist, durch irgendein unzeitiges, Barmherzigkeit heuchelndes Maul und zweitens, damit durch den bösen Mund des Kindes auch nicht irgendein geordnetes Herz zur Unordnung verleitet werde.“

a15. So aber ein ehrlicher Mann zu euch kommen wird und wird sagen: „Vater, laß mich dein widerspenstiges Kind sehen, ich habe ein gutes Wort in deinem Namen in meinem Herzen für dein Kind gefunden. Daher laß mich zu selbem, damit ich es sehen und sprechen kann.“ – Da wird der Vater sagen zu dem Freunde: „Laß mich zuvor das Wort hören, und ich will dich dann führen zu meinem Kinde und dir eröffnen das finstere Gemach desselben.“ – Seht dieser Vater bin auch Ich! – Wer da zu Mir kommt mit einem redlichen, liebevollen Herzen und kommt zu Mir in Meinem Namen, so werde Ich ihn auch alsobald erkennen, daß er um Meines Namens willen zu Mir gekommen ist, um diesen Meinen Namen zu verherrlichen in sich und dadurch in allen Meinen Geschöpfen. Sehet, zu dem werde Ich dann auch sagen: „Komme zu Mir, und Ich will dich darob führen in alle Gemächer Meiner Gefangenen und dir zeigen ihre Kerker und offenbaren deinem Herzen ihre Bosheit, damit sie sich stoßen sollen an der Treue deines Mir ergebenen Herzens und sollen daraus ersehen, was da besser ist, ein Freund oder ein Feind Meiner Ordnung zu sein.“

a16. Seht, damit will Ich euch nichts anderes sagen, als daß demjenigen, dem es vollkommen Ernst ist mit seiner Liebe und mit der Verherrlichung Meines Namens, hernach auch alsobald alle Gemächer Meiner unendlichen Schöpfung nach und nach aufgeschlossen werden. Und es soll ihm auch nicht ein Punkt tot und fremd bleiben, und es sollen ihm aufgetan werden die Gemächer der Luft, die Gemächer des Erdreiches. Und er soll mit dem einen Auge schauen die große Welt der Geister und mit dem andern Auge zu gleicher Zeit die Welt der Körper, damit er da gewahren könne, wie eins aus dem andern hervorgeht und eines für das andere da ist.

a17. Jedoch, wohlgemerkt, nicht eher soll das jemandem zuteil werden – und würde er darum bitten Tag und Nacht – bevor es ihm nicht ganz vollkommen Ernst mit seiner Liebe zu Mir geworden ist. Denn das Himmelreich leidet allezeit Gewalt, und nur diejenigen werden es besitzen, die es mit eiserner Gewalt an sich reißen. Diese „eiserne Gewalt“ ist aber keine andere als die Gewalt der Liebe. Denn die Liebe vermag alles!

a18. So jemand aber unter euch sagen möchte: „Ja, ich möchte wohl alles tun und möchte mich verleugnen bis auf den letzten Tropfen Blut, wenn ich nur einmal auch etwas sehen oder vernehmen könnte, damit ich doch wissen könnte, ob an allen dem wirklich auch etwas daran ist?“ – Allein da sage Ich euch auf eine solche Äußerung: Fürs erste, hast du denn wirklich noch nichts vernommen? Wer gab dir denn Licht der Augen, wer das Gehör? Und wer alle die übrigen Sinne? Wer gab dir ein Herz, zu lieben, und einen Verstand, zu denken? So du dieses nicht von dir selbst empfangen hast, da du es doch, dir ersichtlich, besitzest – wie kannst du sagen, daß du noch nichts gesehen und vernommen habest?

a19. Bist du nicht vielmehr selbst in deinem ganzen Wesen ein lebendiges Wort aus Mir? – So du aber ein Buch liesest und lässest das erste Wort weg, welches das bedeutungsvollste ist und um welches sich alle Worte im ganzen Buche drehen – wie willst du das übrige Buch des Lebens verstehen? – Seht, ihr selbst seid das erste Wort in dem Buche des Lebens! Wollt ihr dieses Buch lesen, und zwar verständlich lesen, so müsset ihr dieses erste Wort zuerst vollkommen aussprechen, das ihr selbst seid, und dann erst die übrigen Worte, welche alle zur Erläuterung des ersten Grundwortes im großen Buche geschrieben stehen.

a20. Wie lautet aber dieses Wort? – Dieses Wort lautet: „Liebe!“ –

a21. Was eure Liebe erfaßt hat, dasselbe wird auch euer Leben erfassen! Hat eure Liebe sich selbst ergriffen, so habt ihr dadurch euer Leben euch selbst zum Sklaven gemacht. Da aber euer Leben nichts als eure Liebe selbst ist, so hat sich eure Liebe dadurch selbst Fesseln an Händen und Füßen angelegt und hat sich verkrochen in das finstere Gemach ihres Eigendünkels!

a22. Hat eure Liebe aber Mich erfaßt, der Ich das freieste Leben Selbst bin, so hat sie auch dadurch die größte Freiheit erfaßt und hat sich auch frei gemacht durch die allergrößte Freiheit Meines ewigen, einzigen und alleinwahren Lebens und wird selbst frei, so wie auch das Leben frei ist, welches sie ergriffen hat.

a23. Sehet, diese Vorbetrachtung ist notwendig, um das Nachfolgende zu begreifen. – Ihr seid letzthin hinaufgewandert zu einer Quelle, die ihr den „Ursprung der Andritz“ nennet. – Nun fragt sich, was habt ihr da gesehen? – Ihr habt ein recht reines Wasser ganz ruhig aus der Erde hervorkommen sehen. Und habt ihr auch wirklich nicht bedeutende Löcher in dem Boden bemerkt, aus welchen das Wasser, dem Innern der Erde entquellend, zur Oberfläche herauftritt, so habt ihr euch aber doch wenigstens denken müssen, daß dasselbe durch den Sand und anderes zerbröckeltes Gestein ganz leise durchsickert. Ferner habt ihr da noch ein eigentümliches grünes Kräutlein unter dem Wasser recht häufig wachsen sehen. Ihr habt noch gesehen Steine und Fische, wie allerlei andere, euch bekannte Gegenstände. Doch alles dieses wollen wir für diesmal unbeachtet lassen, weil ihr fürs erste das Naturmäßig-Wesentliche dieser Quelle durch Meine Zulassung schon von der Quelle selbst empfangen habt, und weil fürs zweite vom Wasser wie von andern Naturgegenständen noch ohnedies am rechten Platze ausführlich gesprochen wird.

a24. Was aber das sonderheitlich Nützliche dieser Quelle ist, so gebe Ich euch kund, daß, so diese Quelle zu einem anständigen Badeorte verwandelt würde, sie beinahe die Eigenschaft hätte wir einst der euch bekannte Teich bei Jerusalem, und es würden daselbst viele bresthafte und gichtische Menschen geheilt werden. Es gibt zwar viele Quellen, aber nicht allen diesen Quellen ist beständig ein schützender Engelsgeist beigegeben. Dieser Quelle aber ist – wie ihr schon wißt – ein solcher Geist gegeben. Und daher wohnt ihr auch eine besondere heilende Kraft inne! – Das ist nun das naturmäßig Nützliche dieser Quelle!

a25. Das geistig Nützliche aber ist das, daß jeder auf gleiche Weise still aus sich hervortreten soll durch kleine Mündungen, so wird er das Leben in sich nicht trüben durch eine törichte Heftigkeit und wird das Licht der Gnade ihn erleuchten können bis in den innersten Grund und wird sein ganzes Leben sein voll lebendiger Hoffnungen, wie dieser Quellengrund bewachsen ist mit schönen, hellgrünen Kräutlein. Und so werden sich auch seine demütigen Erkenntnisse gleich den munteren Fischlein in dieser Quelle in dem hellen Wasser seines Lebens frei nach allen Richtungen bewegen. Und es wird das schwache Schilf nur in seiner Äußerlichkeit vorkommen, aber die Tiefe seines Lebens wird frei sein, allezeit die Strahlen der Gnade bis in den innersten Grund aufzunehmen.

a26. Aber auch der ganze weitere Verfolg dieser Quelle soll euch zeigen, daß wenn der Mensch zu sehr seine Kräfte ums tägliche Brot anwendet, so wird dadurch auch das Wasser seines Lebens immer mehr und mehr getrübt. So werdet ihr auch bemerkt haben, daß dasselbe höchst reine Wasser bei weitem nicht mehr so rein ist, nachdem es im Verlaufe von einer kleinen halben Stunde mehrere Mühlen in Bewegung gesetzt hat. – Ihr werdet zwar sagen: „Ist es denn nicht recht, wenn man seine Kräfte nützlich anwendet? Oder ist es nicht recht, daß an diesem Bache mehrere Mühlen erbaut sind?“ – Oh, dawider habe Ich gar nichts einzuwenden – bis auf einige wenige Mühlen, auf denen kein weißes, sondern ein schwarzes Mehl des Teufels erzeugt wird. Auch daß ihr eure Kräfte nicht zum zeitlichen Wohle verwenden sollet, will Ich damit nicht sagen, sondern nur, daß ihr sie gerecht nach Meinem Willen anwenden sollet.

a27. Denn gleich wie der Quelle ihre Nützlichkeit schon in sich selbst zugeteilt ist, so ist sie auch jedem Menschen zugeteilt, wenn er sie nur erkennen und danach handeln will. Aber die verliehenen Kräfte für überflüssiges Zeug und sogar für schlechtes Zeug anzuwenden, seht, das ist, was am Ende das Wasser des Lebens trübe macht.

a28. Daher sollt ihr an dem Bächlein eures Lebens auch nicht gar zu viele „Mühlen“, am allerwenigsten „Pulvermühlen“ errichten; so wird dasselbe stets so klar bleiben, wie es war vom Ursprung aus. Und wann es sich dann vereinigen wird mit dem Strome des ewigen Lebens, so wird es daselbst klar und rein, wie der Strom selbst, sich mit demselben vereinen und dem Gnadenmeere Meines eigenen, ewigen, allerklarsten Lebens zuströmen. – Amen. Das sage Ich, euer Vater, euch zu einer kleinen, wohlgeordneten Lehre! – Amen.

 

Eine kleine Morgenandacht. – 15. November 1840

b1. O du heiliger Vater! Sieh mich armen Sünder gnädig an, wie ich in einer großen Armut des Herzens stecke. Mein Glaube wanket, meine Hoffnung sinket und meine Liebe wird schwach, so Du Dich nur einen Augenblick lang von mir abwendest!

b2. O heiliger, bester Vater! Wende daher ja nie mehr auch nur einen Augenblick Dein heiliges Auge weg von mir armem Sünder und behalte mich stets in Deiner wahrhaft alleinseligmachenden Gnade, Liebe und All-Erbarmung! – Amen.

b3. Laß an jedem Friedensmorgen / mich um nichts als Dich nur sorgen! / Laß mir mein getreu Gewissen / nicht vom Satan je versüßen! / Laß mich allzeit treu verkünden / Deine Gnade! Liebe finden / laß, o Vater, stets mich Armen! / Habe nur mit uns Erbarmen! / Lasse allzeit Deinen Willen / uns, die Kinder, treu erfüllen, / daß verherrlicht möchte werden / stets Dein Name hier auf Erden. / Und daß jeder möcht' erfahren / und die große Huld gewahren, / so laß alle Gnade finden, / sich mit Liebe an Dich binden! / Amen, sag' ich, Vater. Amen! / Amen, Heil durch Deinen Namen!

Von Jakob Lorber gedichtet aus ihm selbst.

 

Friedensgruß zum Geburtstag. – 19. November 1840

1. Solange noch zum geziemenden Empfange der weltlichen Gratulanten eher alle Fußböden im Hause der Welt gereinigt werden, als der einfache Boden des Herzens zu Meinem Empfange, kann Ich nicht erscheinen vor jenen, für die der Boden zuerst gereinigt worden ist. Denn Ich bin immer von ganzem Herzen demütig und sanfter denn eine Taube und harre oft ängstlich genug, als wie ein schwaches Kind, vor der Türe, sehe da die stolze Welt aus- und eingehen und getraue Mich nicht ins Zimmer zu treten in Meiner Ärmlichkeit vor solchen oft gar so prachtliebenden und weltlich majestätisch aussehenden Menschen.

2. Da warte Ich dann geduldig trauernd so lange, bis ein solcher Rummel vorüber ist und auch die weltlichen Fußböden ein wenig abgeschmiert worden sind, wonach Ich Mich dann erst ängstlich getrauen kann, schüchtern einzutreten, um Meinen gnadenvollsten Wunsch am Tage der Eingeburt einer Mich im stillen ein wenig liebenden Seele darzubringen.

3. Liebes Kind, höre! Willst du Mich aber haben als ersten Gratulanten, dann wasche zuerst den Boden und fege das Gemach rein, da Ich eintreten möchte, und dann erst siehe auf den Fußboden deines Hauses zum geziemlichen Empfange der Welt. Denn füglich sollte der Vater wohl der Erste sein, auf den die Kinder Rücksicht nehmen, und Ihn sollten sie zuerst erwarten in der Liebe heiligem Ernste und daraus im lebendigen Glauben und vollsten Vertrauen.

4. Denn siehe, wenn eine schöne Jungfrau unter vier Augen zu ihrem sie über alles liebenden Freier sagt: „Ich liebe dich unaussprechlich!“ – so sie aber in der Welt hohen Putzgesellschaft auf ihn mit ihren Augen stößt, eine ärgerliche Miene macht, und es ihr nicht recht ist, daß er ihr aus großer Liebe auch dahin gefolgt ist; und so der Liebhaber nun merken wird, daß ihn seine Geliebte in solcher Gesellschaft kaum eines gleichgültigen Blickes würdiget – was meinst du, wie bei einer solchen Gelegenheit dem redlichen, treuen Liebhaber um sein so heiß liebendes Herz wird? – Ich sage dir, er wird über die Maßen traurig und am Ende ärgerlich werden. Und es dürfte die Jungfrau recht viel kosten, bis sie ihn wieder gewinnen wird. Und sollte sie mehrere Male so tun, dann dürfte er wohl kaum mehr zu gewinnen sein.

5. Siehe, wenn aber schon ein weltlicher Liebhaber solches täte, der doch mehr tot als lebendig ist, so kannst du dir wohl auch denken, daß Ich, als der allerredlichste und getreueste Liebhaber, der Ich doch das unendliche, ewige Leben Selbst bin, bei fast ähnlichen Erscheinungen bei dir nicht ganz ungekränkt zusehen kann und darf, wenn du dann und wann, Meiner unbekümmert, mit der Welt konversierest und auch den Deinen nicht wohl zeigest den schmalen Weg zu Meinem Herzen.

6. Du möchtest nur, daß Ich beständig zu dir kommen solle. Ich sage dir aber, es ist ein und derselbe Weg von Mir zu dir. Daher könntest du nach tausend Meiner Besuche bei dir, Mir, deinem Vater, schon auch einmal einen oder auch zwei Besuche ganz ernst in deinem Herzen machen!

7. Siehe es hat mich gekränkt, daß du diesmal so spät nach Mir verlangtest! Der weltliche Freier zwar kann nicht ins Herz seiner Geliebten sehen. – Ich aber sehe das deinige, und da es redlich geblieben ist, so komme Ich nun wieder zu dir. – Nimm Mich auf, auf daß Ich dann auch dich aufnehmen kann in Meine große Gnade!

8. Das ist der große Wunsch des ewigen heiligen Vaters, der Ich bin dein lieber Jesus und im selben die Wiedergeburt und das ewige Leben. Amen.

 

Das einzig Gute und Wahre.

Suche nicht das da „schlechter“ oder „besser“ wäre auf des wirren Lebens matt erhellter Bahn; sondern denke: Eines ist nur gut und wahr, und das bin Ich und Meine Liebe! – Alles andere ist eitel, schlecht und falsch.

 

Wahre Nächstenliebe. – 20. November 1840, abends

An Anselm H.:

1. Die Nächstenliebe besteht nicht in den Augen, noch im Ton der Rede, noch in sonst etwas Äußerlich-Vergnügendem – sondern die wahre Nächstenliebe besteht lediglich im wahren Wohltun, besonders gegenüber solchen, von denen an keinen wie immer gearteten Gegendienst zu denken ist.

2. Wo immer die Liebe noch einen anderen Nebengrund hat, da hört sie auf, eine wahre, reine Nächstenliebe zu sein und ist dann gleich einem gewässerten Weine, in dem keine Kraft, kein „Äther des Lebens“ mehr inne ist, sondern der ein „Panschicht“, eine Ware schlechter Gastwirte ist! – Verstehe es wohl!

3. Wer aber kann zweien Herren dienen!? – Siehe, Ich und die Welt sind äußerst scharf begrenzte zwei. – Daher lieber Mir, dem Einen, ganz gehören und dienen – da Ich durchaus keinen Nebenbuhler dulde!

4. Wohlzutun ist also schon recht – aber nur in Meiner Ordnung! – Amen.

 

Vom Atmen der Naturwelt. – 22. November 1840, von 3/4 9 Uhr vormittags bis 3/4 1 Uhr nachmittags

a. Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H. – Der Herr offenbarte auf die Frage: „Atmen die Pflanzen auch, und wie?“ durch Seinen Knecht J. L. Folgendes:

a1. Nicht nur die Pflanzen, ja sogar die Steine atmen – jedes nach seiner Art!

a2. So ihr die Tiere nach der Reihe durchgehet, werdet ihr finden, daß jedes Tier atmet. Aber das Atmen ist jedem Tiere auf eine besondere Weise eigen, wie die Art und Gattung es bedingt. Anders atmet das Pferd, anders ein Stier, anders ein Hund, anders eine Katze, und so jedes vierfüßige Tier auf seine Weise. Denn obschon das Atmen in nichts anderem besteht als in dem Insichziehen und Wiederhinausstoßen der Luft (wobei immer der zum Leben eines Tieres nötige Stoff aufgenommen und darauf der untaugliche alsogleich hinausgestoßen wird), so ist aber doch die Art und Weise verschieden, wie die Luft in sich gezogen, daselbst chemisch zerlegt und das Unbrauchbare wieder hinausgestoßen wird.

a3. Und so atmen denn Amphibien, Würmer und Insekten ebenfalls; aber wie ganz verschieden ist das Atmen dieser kaltblütigen und sogar blutlosen Tier-Gattungen! Denn die Insekten haben kein Blut, sondern nur einen ihrer Beschaffenheit entsprechenden Saft, der sich beständig in einer hin- und herrollenden Bewegung befindet, durch welches Hin- und Herrollen denn auch die zum Leben solcher Tiere nötige Elektrizität in den Gefäßen entwickelt wird. Und wie ganz anders ist das Atmen jener Tiere, die unter dem Wasser leben. Und da es der Tiere unter dem Wasser außerordentlich viele gibt in Hinsicht auf Art und Gattung, so müßt ihr euch wohl denken, daß das Atmen wieder ebenso verschiedenartig ist wie die Verschiedenheit der Tiere selbst.

a4. Sehet, diese Fragen, die da gestellt sind, sind allerdings einer Beantwortung würdig. Aber es ist eine Grundfrage weggeblieben, ohne deren Beantwortung diese zwei Fragen nie völlig zur gründlichen Einsicht der Menschen beantwortet werden können. Und diese Grundfrage ist folgende:

a5. Warum atmen die Tiere, Pflanzen, Steine und alle Weltkörper? – Sehet, wenn man nicht einsieht, daß und wieso das Atmen notwendig ist zum Bestehen der Dinge, so nützt es einem nichts, zu wissen, ob und wie die Dinge atmen, da dieser Akt mit dem Auge nicht bemerkbar ist. Weiß man aber, warum geatmet werden muß, dann ist das Ob und Wie ja ohnedies schon soviel wie beantwortet. Denn es ist schwerer die Notwendigkeit einzusehen, als das Ob und Wie.

a6. Um aber dieses einzusehen, wollen wir uns zuerst nicht etwa über die Tiere und Pflanzen, sondern über einen Stein machen und sehen, ob dieser das Atmen nötig hat. Und werden wir finden, daß er es nötig hat, so werden wir doch auch sicher finden, daß er atmet. Und wie er atmet, wird sich dann wohl auch zeigen in der Notwendigkeit des Atmens selbst.

a7. Nun seht, ihr saget: Die Materie ist nichts als der Ausdruck zweier sich widerstrebender Kräfte, nämlich der Zentripetal- und Zentrifugal-Kraft.

a8. Das Bestehen der Materie hat demnach darin seinen Grund, daß die Zentrifugal-Kraft in demselben Grade der Zentripetal-Kraft entgegenwirkt in dem beständigen Bestreben, sich nach allen erdenklichen Richtungen endlos weit ausdehnen zu wollen, in welchem Verhältnisse die Zentripetal-Kraft wieder das ganz entgegengesetzte Bestreben äußert und sich beständig in einem Punkte zusammenziehen will.

a9. Nun, wenn die Zentripetal-Kraft nicht durch das beständige Annehmen der sie umgebenden gleichartigen Hilfskräfte genährt oder unterstützt würde, so würde sie alsobald von der Zentrifugal-Kraft überwunden werden, wodurch sie dann auch zunichte würde und die Materie dadurch aus der Sphäre des Daseins träte. Daher hat denn der Stein, je welcher Art er ist, beständig die ihn umgebenden gleichartigen Teile in der Luft an sich zu saugen, das ihm ganz Geiche zu behalten und dadurch die durch den gegenseitigen Kampf verbrauchten Teile zu ersetzen, das Unähnliche aber vermöge der stets nach außen wirkenden Zentrifugal-Kraft wieder hinauszuschaffen – damit er das bleibe in seiner Art, als was er gebildet wurde. Dann und wann geschieht es aber auch, daß selbst ein Stein gewisserart krank wird, wenn fremdartige Teile zu häufig mit den ihm eigentümlichen eingesaugt wurden und diese durch die entgegenwirkende Zentrifugal-Kraft nicht wohl mochten wieder hinausgeschafft werden und der Stein dann in sich fremdartige Gebilde bekommt. Z.B. findet man da in einem oder dem andern Steine sonstige Mineralien oder in einem unedlen Steine edlere Steine; oder, was von euch ein jeder schon öfter wird beobachtet haben, daß sonst durchsichtige Kristalle, oder selbst Diamanten, gewisse undurchsichtige, moos- und federartige Partikeln in sich enthalten, welche doch gewiß nicht der Natur dieser sie enthaltenden Steine selbst sind.

a10. Nun, wie geschieht denn eigentlich der Akt des Atmens bei den Steinen? – Diese Frage liegt zwar schon zur Hälfte beantwortet in der Notwendigkeit des Atmens. Ein Stein atmet fürs erste auf die tierische Art, nämlich durch die „Inhalation“ und „Respiration“ das heißt, er zieht vermöge seiner groborganischen Bildung und seiner mit derselben verbundenen Eigenschaft unausgesetzt ihm ähnliche Teile aus der ihn umgebenden Luft in sich. Und wie bei den Tieren die chemische Zersetzung erst im Körper selbst erfolgt, so erfolgt beim Stein diese Zersetzung schon auf seiner Oberfläche; weshalb mit der Zeit auch die Oberfläche des Steins von einer ihm fremdartigen, anderfärbigen, dünnen Kruste überzogen wird, welche bei größeren Steinmassen oft so stark wird, daß sie nach ihrer Art entweder ein eigenes Gestein bildet, oder je nachdem die ausgeschiedenen Teile sind, sich oft auch als ein pflanzenartiges Gewächs unter allerlei Formen ansetzt.

a11. Sehet, dies könnte gewiß nicht geschehen, wenn der Stein nicht inhalierte und respirierte (d.h. ein- und ausatmete). Aber eben diese Erscheinung muß ja auch jedem noch befangenen Forscher auffallen. Denn sie sagt ihm klar: der harte Stein, der weder Feuchtigkeit noch irgend etwas zum pflanzlichen Wachstum in sich enthält, wie z.B. der blanke Gebirgskies, wie kann der wohl um seinen ganzen Umfang oft einen Zoll dick mit ganz fremdartigen Gebilden umgeben sein, welche auf irgend anderen Körpern nicht in der Art zu treffen sind wie um ihn, wenn er nicht durch das Einatmen der ihm zusagenden Teile eben das in der Luftregion zurückließe, was hernach durch einen anderen Prozeß zur Bildung der den Stein umgebenden fremdarigen Formen tauglich ist?

a12. Denn es geschieht hier dasselbe, wie wenn ihr irgendeinen Körper eine Zeitlang in ein mineralisches Wasser legen würdet. Da würde dieser Körper ebenfalls alsobald das ihm Zusagende in sich aufnehmen, und das ihm nicht Zusagende, aber doch zunächst ihn Umgebende, würde sich dann in irgendeiner salzarigen Kruste um den Körper anlegen.

a13. Dafür kann euch die sonderbare Erscheinung ein sichtliches Probestück liefern, so ihr ein Zinkstängelchen nehmen würdet und selbes hineinhängen möchtet in ein Glas, welches angefüllt wäre mit aufgelöstem Blei. Was wird hier geschehen? Das Zinkstängelchen wird jetzt begierig einzuatmen anfangen und wird aus der Flüssigkeit das ihm Zusagende einsaugen. Das Blei aber, welches durch diese Flüssigkeit aufgelöst wurde, wird wieder um das Zinkstängelchen kompakt ersichtlich, nachdem es sich alsobald unter allerlei, man könnte sagen zufälligen Gebilden um dasselbe angelegt hat. – Seht, was durch dieses euch gezeigte Experiment sichtlich vor sich geht, das ist auch der Fall bei allen Mineralien!

a14. Nun hätten wir denn auch gesehen, wie dieses Atmen geschieht. – Aber nebst diesem Ein- und Ausatmen gibt es noch ein zweites und ein drittes Atmen.

a15. Seht, das ist wieder etwas Neues! – Da ihr begierige Neuheitsschnapper seid, so muß Ich euch ja auch schon wieder etwas Neues auftischen. Denn Ich meine, es wird nicht mehr nötig sein, hinsichtlich des ersten Atmens noch zu erörtern, ob die Steine atmen, nachdem ihr doch gesehen habt, daß sie fürs erste atmen müssen und fürs zweite auch, wie sie atmen. Wenn man nun diese zwei Grundbedingungen notwendig einsichtlich weiß, dann werdet ihr wohl selbst bemerken, daß es mit dem „Ob“ seine geweisten Wege hat. Und sonach gehen wir zu unserer „Neuigkeit“ über!

a16. Das nächste Atmen ist ein elektrisches Atmen. – Dieses elektrische Atmen ist nichts anderes als das Aufnehmen des magnetischen Fluidums, durch welches die beiden sich widerstrebenden Kräfte in ihrer Beharrlichkeit gestärkt werden. Diese Beharrlichkeit ist wieder nichts anderes als der sichtbare Ausdruck der gegenseitigen Polarität – und das zwar darum sichtbar, weil, wie ihr schon ohnedies hoffentlich ein wenig wissen werdet, die Materie in ihrer Erscheinlichkeit nichts anderes ist als die Polarisation der sich entgegenstrebenden Kräfte.

a17. Diese Polarisation ist denn gewisserart das Leben der Materie, welches solange fortwährt, als die Polarisation sich als „Beharrlichkeit der gegenstrebenden Kräfte“ in der Materie ausspricht.

a18. Wird durch was immer für einen bestimmten Umstand eine oder die andere Polarität in ihrer Beharrlichkeit gestört, alsdann verwittert die Materie und zerfällt endlich in Staub, welcher Staub selbst nur so lange als solcher existiert, solange in seinen Partikeln noch irgend „Polarität“ vorhanden ist, geht aber endlich aus diesem letzten Dasein in ein anderes über, sobald er durch irgendeinen Umstand eine gänzliche andere Richtung zu nehmen genötigt wird.

a19. Jedoch was die dritte Art des Atmens anlangt, davon soll bei einer nächsten Gelegenheit nähere Meldung geschehen. Und darüber sage Ich hier nur so viel: Da ihr schon ohnedies wohl wisset (aus einem andern Gesichtspunkte, als dem der Weltgelehrten), was und wozu eigentlich die Materie ist, so müsset ihr ja ohnedies euch wohl denken, daß wenn die Materie, woraus das Haus gebaut ist, notwendig atmen muß, um als solche zu bestehen, und sich in selber, durch das zweite Atmen, die zur Existenz der Materie nötige Beharrlichkeit der Polarität aussprechen kann, daß dann doch gewiß die Einwohner in diesem Hause nicht atemlos sein werden.

a20. Ihr werdet doch verstehen, welche Bewohner hier verstanden werden? – Da wir nun aber sogar die Steine haben „schnarchen“ gehört, so wird es gewiß ein noch viel Leichteres sein, die viel organischere Pflanzenwelt in ihrer notwendigen Ein- und Ausatmung zu belauschen.

 

Vom Atmen der Pflanzen. – 22. November 1840 (Fortsetzung)

b1. Sehet, eine Pflanze, vom Baum bis zum Grase, besteht, wie ihr im allgemeinen wißt, aus einem untersten Teile, der allezeit in der Erde steckt und der Wurzelteil der Pflanze ist, welcher Wurzelteil gleich ist einem Fuße, auf dem die Pflanze steht. Und zugleich aber ist dieser vielästige Fuß auch ein barer Polyp, welcher die Nahrung durch tausend Saugrüssel in sich saugt.

b2. Auf diesem untersten Teil, mit selbem in organischer Verbindung, steht über der Erde der Stamm, der da gleich ist dem Leibe der Tiere, in welchem sich der „Hauptmagen“ zur Verdauung der in sich genommenen Speisen befindet – neben welchem Hauptmagen freilich noch, wie in jedem tierischen Körper, viele tausend kleine „Nebenmägen“ sich befinden, von denen jeder die vom Hauptmagen aufgenommene Speise wieder zu etwas anderem verdaut. Es ist hier nicht der Ort, um alle diese „Nebenmägen“ in der Ordnung ihrer Verrichtung aufzuzählen, sondern es soll unterdessen euch selbst überlassen sein, darüber eure Denkkraft in der Liebe zu Mir zu schärfen.

b3. Und so sehen wir, was über dem „Leibe“ der Pflanze noch weiter zum Vorschein kommt, nämlich: die Krone, in welcher der Stamm, vervielfältigt, in die kleinsten Zweige ausläuft.

b4. Nun, das ist einmal das organische Bild der Pflanze!

b5. Bei den meisten Pflanzen werdet ihr mehr oder weniger im Stamme selbst oder aber doch im Stiele der Blätter oder Zweige einen hohlen Raum entdeckt haben, der mit keiner Flüssigkeit, sondern bloß nur mit Luft angefüllt ist – welche Luft jedoch nicht ganz gleichartig ist mit der äußeren, die Pflanze umgebenden atmosphärischen Luft, sondern entsprechend der jedesmaligen Beschaffenheit der Pflanze. Daß ihr z.B. solche Luft in der Blattstielröhre einer Kürbispflanze findet, wird wohl niemand von euch bezweifeln. Wie ist denn aber da die Luft hineingekommen?

b6. Sehet, das ist schon beantwortet damit, daß die Pflanze die Fähigkeit in sich haben muß, die Luft an sich zu saugen – denn sonst könnte wohl nicht leichtlich diese eigentümliche Luft hier vorhanden sein, wovon euch schon eure Nase belehren muß, so ihr eine solche Röhre abschneidet und dann die in derselben befindliche Luft eurer Nase näher bringet.

b7. Daß durch die Einatmung diese Luft in der Pflanze vorhanden ist, beweist auch noch das, daß, so ihr die Pflanze, wenn sie noch lebt, aus der Erde reißet und sie auf ein Feuer leget, ihr beim Verbrennen derselben alsobald durch das blasende Gezische gewahr werdet, daß Luft in derselben vorhanden ist. Denn wäre keine Luft vorhanden, so würde die Pflanze ohne Gezische und Geprassel verbrennen wie ein in Öl getauchter Faden.

b8. Da würde ein Naturforscher allerdings sagen: „Ja, diese Luft kann auch durch die Poren dahin dringen!“ – O ja, sage Ich, und sage noch dazu, daß sie das tun muß. Denn wenn die Pflanze so verschlossen wäre, daß sie nicht irgend auch allerfeinste Poren hätte, saget, wodurch soll denn die Luft hineindringen, selbst dann, wenn die Pflanze ihre Atmungsfähigkeit noch bedeutend sichtbarer äußern würde als irgendein Tier!?

b9. Wenn man z.B. euch Mund und Nase verstopfen würde, wodurch wird wohl Luft in eure Lungen dringen nach dem Bedarf, wie ihr derselben nötig habt zum Leben!? Da eure zwei größeren Mund- und Nasenporen offen sein müssen, wenn ihr atmen sollet, so werdet ihr doch auch nichts dawider haben, wenn eine Pflanze auch irgend mit Poren versehen ist, durch welche die Luft in sie dringen kann nach ihrem Bedürfnisse. Und ihr werdet die Pflanze um diese Fähigkeit umso weniger beneiden, da sie mit dem Atmen viel ökonomischer ist als ihr.

b10. Denn während ihr doch alle Sekunden aus- und einatmet, atmet die Pflanze nur zweimal im Tage, Und zwar geschieht der Einatmungsprozeß zur Tageszeit und der Ausatmungsprozeß zur Nachtzeit. Es wird da nämlich die athmosphärische Luft, nach dem Bedürfnisse der Pflanze, durch die Poren, ja bei einigen Pflanzen sogar durch eigens dazu bestimmte Kanäle, langsam den ganzen Tag über in sich gezogen. Zur Nachtzeit aber, wenn der chemische Prozeß vor sich gegangen ist und die Pflanze das ihr Zusagende aufgesaugt hat, wird der überflüssige, der Pflanze nicht zusagende Kohlenstoff mit anderen, der Pflanze ebenfalls nicht zusagenden Stickteilen hinausgestoßen – welcher Ausstoßungsprozeß dann ebenso lange wieder fortdauert, wie am Tage der Einatmungsprozeß gedauert hat.

b11. Nun, da hättet ihr denn das Atmen der Pflanzen und hörtet, daß es wirklich vor sich geht! – Warum es vor sich geht, ist schon gesagt beim Steine. Denn es ist ein und derselbe Grund bei der Pflanze wie beim Stein.

b12. Jedoch wie die Pflanze atmet, das ist etwas anderes. Denn obschon auch bei der Pflanze der nämliche Grund als bewegende Ursache des Atmens vorhanden ist, so wird es aber doch durch ganz andere, dem Organismus der Pflanze entsprechende Mittel erreicht, als bei der anderen, ganz plump organischen Materie.

b13. Fürs erste müßt ihr, um das Wie recht zu verstehen, wissen, daß das Atmen nicht eine so ganz einfache Verrichtung ist, wie es sich dem Äußeren nach zum Beschauen darbietet. Sondern da ist ein Atmen immer die Folge eines anderen, vorhergehenden Atmens.

b14. Zum Beispiel, so ihr einen Doppelblasebalg zur Hand nehmet und ziehet ihn auf mit der Hand, so wird die Luft von dem unteren Blasebalg in den oberen gedrückt. Sobald der untere Teil wieder losgelassen wird, schöpft er neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn wieder drücket, so wird diese hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen gedrückt. Sobald der untere Teil wieder losgelassen wird, schöpft er neuerdings wieder Luft. Und so ihr ihn wieder drücket, so wird diese hineingeschöpfte Luft wieder in den oberen gestoßen. – Aber saget, hätte das der Blasebalg auch für sich allein verrichten können, ohne daß ihn irgendeine bewegende Kraft zu dieser Verrichtung genötigt hätte? – „Nein“, wird selbst der blindeste Verstand sagen, „solches geht nicht an!“

b15. Wenn Ich nun also frage, welche bewegende Kraft setzt denn die Pflanze in ihrem Organismus in den Stand, daß sich die Organe in ihr verhältnismäßig erweitern und dadurch die Luft gleich einem Blasebalg in sich saugen? Da werdet ihr sagen: „Das ist ja eben der Punkt, wo es bei uns noch hapert!“ – Allein ihr sollt von eurer „Haperei“ sogleich befreit werden, müsset aber zuvor einen sorgfältigen Blick werfen auf die zahllosen, oft kleineren und oft größeren rauhen Spitzchen, welche sowohl den Stamm oft ganz, besonders aber die untere Seite der Blätter, anfüllen.

b16. Sehet, diese Spitzchen sind nichts anderes als lauter Elektrizitäts-Sauger. Sie saugen begierig dieses polarische Fluidum den ganzen Tag über in sich – und zwar am Tage das Positive dieser Polarität. Durch dieses Insichsaugen der positiven Elektrizität, welche entspricht der Zentrifugal-Kraft, da sie in sich eine Fülle ausspricht, werden die Organe ausgedehnt, wodurch dann die Räume größer und größer werden und die Luft durch die Poren notwendig in sich saugen müssen.

b17. Zur Nachtzeit aber ändert sich auch die elektrische Polarität, und das elektrische Fluidum entströmt durch die Spitzen oder entladet sich, wie ihr zu sagen pflegt, wodurch dann die Organe wieder enger aneinander treten und die durch die Polarität der Elektrizität selbst ausgeschiedene, unbrauchbare Kohlen(säure)- und Stickluft hinausstoßen, welche zwei Luftarten der negativen Polarität entsprechen.

b18. Nun, da habt ihr die aufgelöste „Haperei“! – Nun werdet ihr sagen: „Jetzt haben wir's!“ – Ich aber sage: Ihr habt es zwar wohl, aber eine Hauptsache geht uns noch ab. Und diese ist folgende: daß namentlich diejenigen Pflanzen, die da fortbestehen über den Winter, als dergleichen sind Gesträuche und Bäume, wie auch einige niedere Pflanzen, die dem Botaniker wohl bekannt sein werden, noch ein großartigeres periodisches Atmen haben, das im Verlaufe von einem Jahre einmal ein und einmal aus geschieht. Das heißt, den Sommer hindurch geschieht mit dem täglichen Atmen auch immerwährend das Haupteinatmen, und zwar auf folgende Art:

b19. Es geht durch jeden speziellen Atemzug ein solcher Prozeß in dem Organismus des Baumes vor, daß, abgesehen von dem natürlichen Verbrauche der eingeatmeten Luft, immer noch etwas von dieser Luft in dem Organismus zurückbleibt, durch welchen Rest der Baum den Sommer hindurch ganz besonders sein Wachstum im Umfang fördert. Ist nun aber der Sommer vorüber, so wird der nicht verbrauchte, bedeutende Rest wieder hinausgeschafft, was teils in der groben Rinde, teils aber auch in dem an demselben häufig entstandenen Moose ersichtlich wird.

b20. Wenn nämlich dieser Luftrest vermöge der allgemeinen Beengung der Organe zur Winterszeit durch die Poren allenthalben hinausgepreßt wird, so könnet ihr euch wohl leicht denken, daß diese Luft durch die längere Gegenwart in dem Organismus des Baumes nicht ganz rein geblieben ist. Wenn sie nun wieder hinaustritt in die freie atmosphärische Luft, so muß sie, bevor sie von derselben aufgenommen wird, durch einen eigentümlichen chemischen Prozeß das ihr Uneigentliche an der Rinde oder am Stamme in der einen oder andern Form absetzen, wodurch dann die grobe Rinde selbst wie auch das Moos auf derselben gebildet wird.

b21. Sehet, das ist nun das große periodische Atmen solcher Pflanzen! – Daß es vor sich gehen müsse, dafür spricht das Bestehen einer solchen Pflanze selbst. Und die besprochenen Erscheinungen bürgen laut für die Wahrheit dieser Offenbarung.

b22. Aber, daß der Baum noch ein viertes Atmen hat – wie die Tiere ein fünftes und sechstes und der Mensch ein zahlloses – dieses zu erörtern ist hier nicht der Platz, wie es auch noch zu früh wäre für das schwache Verständnis eures Gemütes. Jedoch zu seiner Zeit wird euch alles in der Überfülle gegeben werden. Denn dieses hier Gesagte ist kaum ein Sonnenstäubchen im Vergleich zu dem Unendlichen, was da noch zu sagen wäre selbst nur von einem Sonnenstäubchen.

b23. Obschon es zwar in Mir und für Mich nichts Unendliches und nichts Ewiges gibt, da Ich Selbst unendlich und ewig bin, so birgt aber doch alles Geschaffene Unendliches in sich, da es Mich Selbst in sich birgt. Denn, wo wäre das Ding, das außer Mir wäre und Mich nicht in sich trüge?! Was aber Mich in sich trägt, trägt Unendliches in sich und kann daher auch für das endliche Wesen niemals endlich besprochen werden.

b24. Daher könnt ihr auch versichert sein, daß Ich für diejenigen, die Mich lieben, noch allezeit für alle Ewigkeiten im Hintergrunde Unendliches verborgen habe, und daß diejenigen, die zu Mir in die Schule gehen, in alle Ewigkeit nicht auslernen werden.

b25. Denn je mehr da einer erkennen wird, desto mehr wird ihm noch immer zu erkennen bleiben. Daher wird es in Meinem Reiche auch keine „Gelehrte“ geben. Und da wird nie jemand können das „Rigorosum“ zur Doktors-Würde machen. Denn da wird es stets heißen:

b26. Wir bleiben ewig Schüler, und all unser Erkennen und Wissen ist nichts als ein eitles Stückwerk gegen die Allwissenheit unseres Vaters!

b27. Sehet, daher seid froh und voll guten Mutes! Wenn ihr auch nicht alles wißt, so wisset ihr aber doch, daß Mir nichts unbekannt sein kann. Und wisset noch dazu, daß euch alles gegeben wird, um was ihr Mich, euren heiligen Vater, bitten werdet. Amen. Das sage Ich, euer wohlweiser Vater!

 

„Die Heiligen der letzten Tage“. – 24. November 1840, nachmittags

O Herr! Was ist an der Sekte, die sich nennt: „Die Heiligen der letzten Tage“, deren Mitglieder im Besitze von Wunderkräften sein sollen und großenteils nach Amerika auswandern?

1. Was diese Sekte betrifft, die da sich nennt: „Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ so ist nicht so viel dran, wie ihr meint. Denn sie nennt sich „heilig“, und doch bin nur Ich allein heilig!

2. Wenn da aber jemand geheiligt wird in Meinem Namen, so ist er darum noch nicht selbst „heilig“, auch wenn er mit Mir durch die reinste Liebe völlig eins werden möchte. Denn wäre er nur im allgemeinen heilig – im sonderlichen aber bleibe nur Ich allein heilig – und er geheiligt durch Mein lebendiges Abbild in ihm.

3. Also sehet, wer sich „heilig“ nennt, wenn auch um Meines Namens willen, der verherrlichet nicht meinen Namen, sondern er tut nur also, auf daß sein Name möchte verherrlicht werden durch den Meinen. Und wenn er auch preiset Meinen Namen, so preiset er ihn vielmehr darum, daß er selbst Ehre und Heiligkeit für sich finden möchte durch die Preisung der Heiligkeit Meines Namens. – Sehet, solche „Heilige“ stehen Mir nicht wohl zu Gesicht!

4. Und dann fragt es sich weiter: wo steht es denn geschrieben, daß jemand des Heils willen nach Amerika auswandern soll, um dort, der größeren Gesetzlosigkeit wegen, bequemer und ungehinderter zu leben? – Ich sagte doch allezeit: „Das Himmelreich leidet Gewalt; die es nicht mit Gewalt an sich reißen, werden es nicht besitzen!“ – und habe noch nie gesagt: Das Himmelreich leidet Bequemlichkeit; die es mit Bequemlichkeit an sich reißen, werden es besitzen!

5. Wer zu Mir kommen will, braucht nicht nach Amerika zu wandern, sondern nur in sein eigenes Herz! – Und hat er selbiges recht gereinigt durch die wahre Liebe und den lebendigen Glauben daraus, dann wird er Mich gar wohl finden, und das viel näher als in Amerika.

6. Die aber schon meinen, Mich gefunden zu haben, und sich darob „Heilige“ nennen und nach Amerika wandern, um Mich gleichsam besser verwahren zu können, wahrlich, die haben noch wenig Festigkeit und werden sie in Amerika sicher noch weniger finden. Denn wer da sich schon fürchtet, in seiner angewohnten Heimat weltlich vom Geiste abgezogen zu werden, wie wird der wohl bestehen in einem fremden Weltteil, wo ihn tausend Merkwürdigkeiten und Bedürfnisse treffen werden!?

7. Daher ist an dieser „heiligen“ Sekte nicht so viel daran, wie ihr meint. – Sehet, den Mitgliedern dieser Sekte schmeckt der Gehorsam gegen ihre Monarchen nicht. Darum wollen sie nach Amerika ziehen, allda ein Freistaat ist, da fast jeder herrschen möchte, aber keiner gehorchen; denn jede Republik gleicht allezeit mehr oder weniger der Hölle, welche im allerstrengsten Sinne eine Republik ist.

8. Was aber die „letzten Tage“ betrifft, so habt ihr mit dem „Ende aller Zeiten“ nichts zu schaffen, sondern nur mit der Zeit, in der ihr lebet. Denn das ist eines jeglichen „letzte Zeit“. – Darum wachet in dieser und seid emsig in der Liebe, damit diese Himmelskraft euer Anteil werde ewig! – Amen.

 

Gehorsam, Kirche, Rose – drei Worte im geistigen Lichte. – 25. November 1840, von 8 bis 10 Uhr abends

1. O Herr! Da wären drei inhaltschwere Worte! – Möchtest Du sie mir nicht in Deiner großen Liebe gnädig enthüllen zum leichten Verständnisse der Ansagerin W. H. und ihrer Geschwister – da sie, obschon noch sehr jung, doch aber, wie es deinem sündigen Knechte vorkommt, dann und wann schon so irgendeine kleine Sehnsucht nach Dir bekommt. – O Herr! So es Dein heiliger Wille ist, erhöre diese kleine Bitte Deines unnützen, faulen Knechtes und laß Mich nicht zuschanden werden in der Verherrlichung Deines über alles erhabenen, mächtigen, heiligen Namens!

2. Nun so schreibe denn!

3. Weißt du noch den kurzen Satz, den Ich dir gestern abend im Hierhergehen mitgeteilt habe? – Siehe, du hast ihn zur Hälfte vergessen! Daher ist es nötig, dir denselben wieder ins Gedächtnis zu rufen, bevor dir deine Bitte gewährt werden mag.

4. Dieser Satz aber lautete also: „Was blickst Du die Sterne so verwundert an und ängstigst dich deiner Seele? Was denkst du, was willst du, was ists, das du wissen möchtest? – Liebe! – so wirst du erfahren, was du nicht weißt und wissen sollst.“

5. Siehe, wie du gestern blind und seufzend die Sterne angeschaut hast und wußtest nicht, wer der „Hausherr“ ist – ebenso schaust du heute diese drei, von dem erwähnten Mädchen dir vorgelegten Worte an und weißt nicht, was daraus werden soll.

6. Siehe, du hast dir eher das Thema erbeten, als bei Mir die Erlaubnis, daß du so etwas tun möchtest! Wäre Ich ehrgeizig gleich den Menschen, so würde Ich dich diesmal im Stiche sitzen lassen, damit du gewahren mögest, ein wie großer Tor du bist!

7. Allein da Ich nicht bin wie die Menschen und du dir nichts zugute hältst ob deiner außerordentlichen Dummheit, so will Ich dir ja wohl allezeit sagen, woran dir redlich gelegen ist, damit du es wissen mögest zum Nutzen der andern.

8. Siehe, „Gehorsam“ ist der Weg in die wahre, lebendige Kirche, welche ist Mein lebendiges Wort, geschrieben und ausgesprochen von Ewigkeit in jedes Menschen und Engels Herz.

9. Die „Rose“ aber besagt, die reinste, wohlduftende Liebe zu Mir aus der Kirche des Herzens. Wie aber die Meisterblume wächst auf dornigen Gesträuchen, so ist auch der Weg in die wahre Kirche, als den Ort, da Meine Gnade einzig und allein nur zu Hause ist, ebenfalls ein etwas dorniger. Aber eben darum ist auch dann die reine Liebe, deren Wurzeln im Garten des kindlichen Gehorsams dem dornigen Strauche wohlgedeihliche Nahrung zuführen, das höchste, schönste und heiligste Gut – ja, sie allein ist das ewige, seligste Leben selbst. Und wer nicht diese Königsblume geistig in seinem Herzen tragen wird, wird schwerlich eingehen in das große, ewige Reich der Himmel.

10. Gehorsam ist also der Garten. – Das Leben im Gehorsam sind die guten Rosenstrauchwurzeln. Obschon noch in der dunklen, lichtlosen Erde, sind diese aber doch die Hauptträger des Strauches und endlich der Blüte selbst. – Die Kirche aber gleicht dem dornigen Strauche. Und es sind die Dornen daran all die Freiheitsprüfungen und mannigfachen Versuchungen der Welt, aber zugleich auch die Feuersauger der Liebe, wie die wirklichen Dornen am Rosenstrauche Sauger des elektrischen Feuers sind. – Die Rose aber endlich ist das schöne Symbol der Liebe selbst!

11. Also höre du, Meine liebe junge Erfinderin dieser drei Worte! Werde auch du eine Rose und werde als solche Meine liebe Tochter, damit dir dereinst klar werden möge das Rätsel, das dich noch gefangen hält am Weltlichen!

12. Komme daher alsobald in Meinen Garten und erblühe daselbst zur herrlichen Blume des ewigen Lebens, da du wieder vernehmen wirst die gar heimlichen Klänge Meiner väterlichen Stimme!

13. Was dir aber gesagt ist durch Meinen Knecht, das gelte auch deinen Geschwistern! – Amen. – Da sage Ich, euer aller liebevollster Vater, Amen.

 

Reiseführung. – 29. November 1840, von 10 Uhr bis 1/2 12 Uhr vormittags

Schreibende: Andr. und Ans. H. – Der Herr sprach durch J.L. Nachstehendes aus Seiner Liebe:

1. Es haben sich am gestrigen Tage zwei ohne Meinen Willen – in einem weltlichen Interesse – gegen Morgen verfügen wollen – obwohl es doch füglich gewesen wäre, daß wenigstens Mein Knecht Mich zuvor um Rat gefragt hätte, ob ein solches Unternehmen ersprießlich sein möchte oder nicht (da Ich doch nie zurückhaltend war mit Meinem Rate bei was immer für einer Gelegenheit!) – So aber habe Ich wollen, daß ein solches Unternehmen nicht ausgeführt werden mochte, da es nicht gewesen wäre nach Meinem Willen, darin doch nur allein das wahre Glück allzeit und in allen Gelegenheiten zu finden ist – und ganz besonders für jene, welche schon mehr oder weniger den Weg gefunden haben dahin, wo Mein Wille sich treulich kund gibt, und zwar, wie ihr wißt, allzeit in wohlverständlichen und vernehmlichen Worten.

2. Damit ihr aber auch wisset, warum Ich die zwei in ihrer Reise habe verhindern lassen, so will Ich euch anzeigen, daß Ich dadurch euch eine große Wohltat erwiesen habe. Denn es wären beide nicht mit gesunden Körpern wieder zurückgekommen.

3. Da ein jeder Mensch, sei er gut oder böse, allezeit den freien Willen hat in seinem Handeln, so kann Ich auch den Bösen so wenig wie den Guten in seiner Handlung hindern. Und so wäre es denn geschehen, daß ihr auf dem Wege von Lebring (so nennet ihr den Ort) bis Straß (das ist der Ort, da ihr zu bleiben gedachtet) in die Hände eines bösen, sich dort aufhaltenden Gesindels gefallen wäret und hättet viel zu tun und zu kämpfen gehabt, um dieses Gesindel los zu werden; und hättet dadurch auch, vermöge des darob entstandenen Ärgers, geistigen Schaden gelitten.

4. Um also für euch ein solches Ungemach zu verhindern, machte Ich nur ein Rad eures Wagens unbrauchbar, und zwar an einer Stelle, da links und rechts ziemlich weit und breit an keine Reparatur zu denken war – wodurch ihr dann genötiget waret, in eure sichere Heimat zurückzukehren.

5. Sehet, wer nicht beständig mit Mir wandelt, der geht gar oft seinem Unglücke blind in die Arme und ahnet nichts von selbem, bis es ihn durch und durch gefangengenommen hat! – So aber Ich mit bin auf irgendeiner Reise oder anderartigen Unternehmung, so werde Ich es nie zulassen, daß demjenigen, der an Meiner Seite wandelt, auch nur ein Haar gekrümmt werde!

6. Und so diene euch auch das gestrige Erleben zu einem starken Beweise! Denn obschon ihr Mich nicht um Rat gefragt, auch nicht eigens gebeten habt, daß Ich euch dahin begleiten soll, so habe Ich aber euch doch nicht aus Meiner allzeit beseligenden Acht gelassen.

7. Denn da Ich weiß, daß ihr hernach doch erkennen werdet, daß Ich jene nicht verlasse, die Mich zu suchen und zu lieben angefangen haben und sich treu bleiben in dieser Eigenschaft – so bin Ich auch stets bei solchen – ob gebeten oder nicht gebeten. Denn wer Mir freiwillig zugetan ist, dem bin auch Ich freiwillig zugetan.

8. Ferner aber möchte Ich noch das bemerken (jedoch den freien Willen nicht im geringsten beschränkend), daß es Mir in Hinsicht des verlassenen irdischen Weingartens, der noch dazu allen möglichen Elementar-Unannehmlichkeiten ausgesetzt ist, lieber wäre, wenn derselbe von Meinem Freund und Verehrer nicht angeschafft würde; sondern da soll dieser lieber zuerst Meinen Weingarten recht gut bearbeiten und zurichten. Und, so er will und Freude hat mit einem irdischen Weingarten, dann werde Ich ihm schon mit der Zeit einen anderen anzeigen, mit welchem er mehr Freude haben wird als mit diesem, der da angekauft würde mit einem Gelde, das Ich nicht näher bezeichnen will. – Und somit genug von dem!

9. So ihr aber wollt und könnt, so könnt ihr euch nach eurer Zeit und Muße auf einen anderen Ort verfügen, und das zwar sobald als möglich. Und sorget euch dabei nicht, ob die Zeit schön und hell oder trübe ist. Denn da wird gerade eine solche Zeit sein, wie sie sein muß, um euch wieder um eine sehr bedeutende Stufe höher zu heben.

10. Und seid auch unbekümmert um die „Diätengebühr“, da Ich euch ja letzthin doch gewiß gut bezahlt habe, und zwar mit der allerechtesten und barsten Münze. War diese Münze nur eine blanke Silbermünze – so will Ich euch für dieses Mal eure Reise im Golde bezahlen. Und wie das Gold in seinem Adel über dem Silber steht, so wird auch diese Bezahlung über der für die Reise zur Kleinalpe sein.

11. Denn damals waret ihr beschieden gegen Abend, jetzt aber seid ihr beschieden gegen Morgen; und damals war es eine gleichgültige Zeit, jetzt aber feiert ihr die bedeutende Zeit Meiner Ankunft! Und es soll diese Zeit bei dieser Gelegenheit euch nicht mit der bloßen Benennung, sondern werktätig zukommen.

12. Nun werdet ihr fragen: „Aber wohin sollen wir denn eigentlich gehen?“ – Ich sage: Nicht gar weit! Denn sehet, Ich habe zwei Punkte auserwählt, von denen der eine näher und der andere um drei Stunden weiter liegt. Doch wäre es Mir billiger, so ihr ein größeres Opfer brächtet und möchtet hinfahren an den Ort, allda ein Berg steht unter dem Namen Kulm. – Jedoch so ihr dahin zu reisen, vermöge eurer Geschäfte, nicht hinreichend Zeit hättet, so könnt ihr euch auch verfügen auf einen Ort bei dem sogenannten Schlosse Lustbichel allda auf einem ziemlich bedeutenden Hügel in derselben Richtung ein anderes kleines Schlößchen sich befindet, bei welchem etwas mehr am Abhange noch eine Kapelle steht.

13. Wo ihr nun demnach hin wollet, da gebet wohl acht auf alles, sei es auf der Erde oder in der Luft, sei es in der Nähe oder in der Ferne; vor allem aber auf eure Gefühle! Denn darinnen werdet ihr, so ihr an dem bestimmten Orte sein werdet, bei genauer Aufmerksamkeit wohl zu gewahren anfangen, was das heißt, in Meinem Namen etwas zu tun!

14. Und Ich sage euch: Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden ewig bestehen – und das, was durch sie bestimmt wird, wird bestehen über alle Schöpfung hinaus! Denn da Mein Wort ausgegangen ist von Meiner Liebe, wie sollte es vergehen, solange die Liebe besteht, die solche Worte aus Sich hat gehen lassen?!

15. Jedoch ganz anders verhält es sich mit all dem Geschaffenen, das da hervorgegangen ist aus Meinen Gerichten, die nur geschehen sind durch die Liebe, aber nicht aus der Liebe – und daher auch vergänglich sind wie die Gerichte, aus denen sie hervorgegangen.

16. Das Gericht dauert nur eine Zeit. Denn die Zeit selbst ist nur ein Gericht. Die Liebe aber besteht ewig. Denn die Ewigkeit ist ja die Liebe selbst, und in ihr ist alles voll Liebe.

17. In der Zeit wirkt die Liebe durch das Gericht und sänftet in selbem den Zorn(-eifer) Gottes. In der Ewigkeit aber ist die Liebe Siegerin über den Zorn(-eifer) und somit auch über alles Gericht. Und daher ist daselbst nichts als Liebe und die ihr entsprechende unendliche Seligkeit.

18. So ich aber sage, daß diese Worte nicht aus Meinem Gerichte, sondern aus Meiner Liebe zu euch gerichtet sind, so denket auch, daß sie über alles Zeitliche ewig hinausragen werden! – So ihr also könnt und wollt, so tut das Gesagte so bald als möglich! Denn es ist der allzeit euch mehr und mehr beseligende Wunsch eures großen, heiligen Vaters, der in allem ist die ewige Liebe und Weisheit Selbst. Amen!

 

Geburtstag-Gratulation. – 30. November 1840, abends

a1. Das Folgende lasse Ich durch den Knecht dir, Meinem sehr willigen Freunde, Andr. H.-„Willig“ sagen, da Ich deinen Willen als bewährt gefunden habe!

a2. Die Menschen wünschen sich zwar gegenseitig vielfach allerlei Glück, aber es bleibt auch gewöhnlich bei dem Wunsche nach der Weltmode, weil ihm kein wahres Wollen der Liebe, sondern nur eine blinde, weltliche Gewohnheit zugrunde liegt.

a3. Da wünscht oft einer dem andern (wenn es noch gut geht) alles ordentliche „Beste“ – in der sicheren Überzeugung, daß von all dem Gewunschenen nichts in Erfüllung gehen wird. Und es ist bei all seinen Wünschereien oft auch nicht ein Sonnenstäubchen ernster, der wahren Liebe entstiegener Wille – derjenigen hofsittlichen Gratulationen nicht zu gedenken, die vermittelst der gedruckten Papierchen, die ihr „Visitenkarten“ nennet, geschehen.

a4. Fragst du, warum bei solchen Wünschen nie etwas Erfolgliches herauskommt, so sage Ich: Darum, weil der willenlose Wunsch nichts als eine heuchelnde, schmeichelnde Höflichkeit des kalten Weltverstandes und somit eine bare Lüge und absurde Narrheit ist.

a5. Wie ist doch der Mensch ein großer Tor, der da zu einem Stein spricht: „Werde Gold!“! – Und siehe, doch wäre ein solcher Tor nur klein zu nennen gegen einen Gratulanten, der seinem Wünschling „tausend Lebensjahre“ wünscht, während er ihm das Leben auch nicht für eine Terzie verlängern kann und, fürs zweite, ihn oft schon am nächsten Tage unter der Erde wissen möchte, um dadurch etwas zu gewinnen. Und so ist mancher, der da wünscht „Glück und Segen“, und in seinem Herzen ist er voll Ärgers – oder der da wünscht „Gesundheit und heitere Lebenstage“ und kennt oft den alleinigen Geber solcher Dinge kaum dem Namen nach. Oder ist da endlich noch einer, der spricht: „Ich wünsche Ihnen, was Sie sich selbst wünschen!“ – Weiß dieser Gratulant denn auch, ob das alles gut ist, was sich die Menschen in ihrer Eigenliebe wünschen!? – Und so gratuliert die Welt sich denn beständig Unsinniges in ihrer finsteren Leerheit!

a6. Aber höre, nicht also soll es bei euch sein! – Statt solcher Tollheit sollen Meine Freunde sich gegenseitig in Meinem Namen voll Liebe im Herzen fragen: „Bruder, bedarfst du in irgend etwas meines Beistandes, so sage es mir offen, und ich will dich nach Möglichkeit meiner Kraft und meines Vermögens wohl unterstützen!“ Sage nicht: „– wenn du solches wünschest!“ – sondern sage, daß du selber dessen benötigest zur Ehre Gottes und zur Wohlfahrt deines Geistes!

a7. Und hat dir der Bruder solches gestanden, so sei liebewillig und tue es unverzüglich, so wirst du das Herz deines Bruders erquicken. Und Ich, dein Vater, werde Freude haben ob solcher werktätigen Gratulation.

a8. Und so du gratulierest, da gratuliere armen Hilfsbedürftigen – so werde Ich auch deine anderen Gratulationen, die du verrichten mußt, um der Welt kein Ärgernis zu geben, mit gnädigen, nachsichtigen Augen ansehen.

a9. Und so trete also anstatt des leeren Wunsches der volle, kräftige Wille auf im Herzen und anstatt der Gratulation die reine, uneigennützige Liebe – so wirst du erst ganz sein ein Mann nach Meinem Willen, welcher ist Meine unendliche Liebe zu euch!

a10. Siehe, du hast schon so manches getan, was Mir wohlgefiel, und daher habe Ich dir auch schon einen neuen Namen gegeben, der da aufgezeichnet ist im großen Buche des Lebens. Und dieser Name sei dir am heutigen Tage deiner Eingeburt in das irdische Fleisch ein Geschenk als Name deiner Neugeburt im Geiste! – Aber tue das Gesagte alles, so wirst du bald die große Freude der Wiedergeburt erleben!

a11. Siehe, so ist Meine Gratulation geartet! – Ich „wünsche“ nichts, sondern was Ich will oder liebe, das gebe Ich oder lasse es zu, daß es geschieht. – Was würde wohl daraus werden, so Ich euch das Leben wünschen möchte und ließe es beim Wunsche!? – Allein Ich wünsche nicht bloß, sondern Ich will – und so lebet ihr!

a12. Es heißt ja aber, daß ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Nun denn, so tuet auch ihr, wie Ich, euer Vater, es will und selbst tue! Könnt ihr auch nicht tun, was Ich tue im Unendlichen, so tuet es doch im Kleinen! Dann werdet ihr sein gleich einem kleinen Kreise, der ja in all seiner Geringfügigkeit doch vollkommen gleich ist dem großen Kreise Meines unendlichen Wesens.

 

Erziehungswink. – 30. November 1840, abends (Fortsetzung)

b1. Und nun höre, Mein lieber Andreas-Willig, schließlich noch: Es ist ein kleiner Wunsch von Mir dir gegenüber – und du weißt nun schon, was Ich unter „Wunsch“ verstehe, nämlich die Vereinigung Meines Willens mit dem euren – daß du deinen Kindern nicht zuchtlos den freien Willen lassen möchtest; sondern, was du sie lernen lässest, das sollen sie willig lernen aus Gehorsam gegen dich, und nicht ob es sie freue oder nicht. Sondern so du dies oder jenes für gut findest, so muß es auch ihnen gut und recht sein, weil es dir gut und recht ist. Und es wird dann auch wirklich daraus Gutes und Rechtes, so es geheiligt wird durch den Gehorsam. Sonst aber wird alles schlecht und unnütze.

b2. Siehe, der Fehler bei aller Erziehung besteht gewöhnlich darin, daß die Eltern die Sache der Kinder für zu wenig bedeutend nehmen. Aber bedenke nur, wo bei Mir die Erziehung beginnt, von welcher Bedeutung Mir schon ein Sonnenstäubchen sein muß! Und nun denke dir, wie hernach erst ein Kind! – So du das recht bedenkst, wirst du wohl leichtlich einsehen, warum die Erziehung der Kinder sehr beachtet werden soll!

b3. Siehe, Mein lieber Willig, wandle stets emsig auf Meinen Wegen, und Ich werde dich ewig nicht aus Meiner Liebe lassen und werde allezeit sein dein guter, heiliger Vater und ewig dein größter, allergrößter Lohn. – Amen.

 

Fahrt nach Haberbach. – 1. Dezember 1840, von 1/4 6 Uhr bis 3/4 8 Uhr abends

Der Herr offenbarte durch Seinen Knecht über die Fahrt nach Haberbach bei Lustbichel und über das vom sogenannten Koppenhof aus Betrachtete Folgendes:

1. Ihr werdet schon dann und wann bemerkt haben, daß Ich euch manches mit ganz gewöhnlichen Worten und manches wieder mit Worten voll Kraft und Inhaltsschwere geoffenbart habe. – Es geschah das aus dieser folgenden Ursache: Je nachdem der Gegenstand und die Verfassung eurer Empfänglichkeit geartet war, darnach wurde auch das zu offenbarende Wort gerichtet – entweder hoch oder nieder.

2. So ihr aber auf einen Berg gehet, so seid ihr nach eurer Ansicht höher gekommen, als wenn ihr in der Ebene euch befunden hättet. Und es ist somit für euch wohl ein Unterschied, ob auf einem Berge oder im Tale. Denn von dem Berge blicken eure Augen weithin nach allen Richtungen. Und je höher der Berg, desto weiter der Gesichtskreis. Allein im Tale könnt ihr nur diejenigen Gegenstände anschauen, welche das Tal umschließen. Und so ihr in einen Brunnen steigen würdet, wie klein wäre da euer Gesichtskreis!

3. Aber sehet, nicht also ist es bei Mir! Denn für Mich gibt es weder irgend etwas Hohes, noch etwas Niederes und ebensowenig auch etwas Enges. Daher ist auch alles, was Ich euch offenbare (ob mit hohen oder niederen Worten), gleich hoch und über alle Maßen erhaben. Gleich hoch darum, weil es derselben Quelle entspringt; und gleich erhaben darum, weil Ich, der Geber, im allergrößten wie im allerkleinsten gleich erhaben bin. So wird und kann Mein geringstes Wort in seiner Erhabenheit von den erhabensten Gesängen der allervollkommensten Engel in Ewigkeit nicht im geringsten erreicht werden. Und so ist es auch einerlei, ob Ich in großartigen Sätzen oder in einer gewöhnlichen Alltagssprache etwas mitteile.

4. Denn so ihr glaubet in euren Herzen, daß Ich es bin, der euch solche Dinge offenbaret, so wird euch wenig an der Form der Mitteilung, sondern alles an der Mitteilung selbst gelegen sein, da ihr wisset, daß nur Ich es bin, dem alle Wesen innerlich und äußerlich, ja bis ins Unendliche, wohl bekannt sind.

5. Aber das einzige könnet ihr vom Unterschiede der Sprache euch merken: So Ich in hoher Sprache rede, so rede Ich mehr aus der Weisheit, und die Liebe ist dann nur das Postulat; so Ich aber rede in eurer Alltagssprache, so rede Ich vorzugsweise aus der Liebe, und dann ist die Weisheit das Postulat.

6. Und so rede Ich mit Weisen und Gelehrten der Welt aus Meiner ewig unerreichbaren Weisheit. Aber mit Meinen Kindern, die Mir lieb geworden sind, rede Ich lieber als ihr guter Vater in der ihnen mehr bekannten väterlichen Alltags- und Umgangssprache. Und es wird euch demnach auch gewiß lieber sein, daß Ich mit euch rede aus Meiner väterlichen Liebe, als daß Ich spreche hohe Worte der Weisheit.

7. So Ich hohe Worte spreche, spreche Ich sie der Welt willen; ihr aber könnet allezeit versichert sein, daß Ich nie anders denn als Vater mit euch reden werde.

8. Es liegt aber in einem Worte der Weisheit nur die ausgesprochene Weisheit selbst darinnen und läßt keine höhere und niederere Weisheit mehr zu. Aber nicht so ist es mit dem Worte aus der Liebe. Denn jedes Wort aus der Liebe ist eine lebendige Frucht. Und da es eine lebendige Frucht ist, so liegt in ihm, wie in jedem Kerne, Unendliches und ebenso unendlich Mannigfaltiges, das da nimmer vollendet erfaßt werden kann in Ewigkeit. Sehet, das ist also der Unterschied zwischen der höheren Weisheitssprache und der niederen Sprache der Liebe!

9. In der Weisheit gebe Ich nur so viel, wie Ich gebe und wie jeder zu ertragen imstande ist; aber in der Liebe gebe Ich euch eine Unendlichkeit um die andere, wobei auch die höchste Engelsweisheit nie zu einer endlichen Lösung der darin verborgenen Weisheit gelangen wird.

10. Und nun steht es bei euch, in welcher Art ihr über euren gestrigen Ausflug belehrt werden wollet!

11. Ihr seid also richtig dahin gegangen, wohin Ich euch beschieden habe, und habt alldort Verschiedenes beobachtet und gesehen sowohl auf der Erde rings um euch weit und breit, wie auch das, was euch nahe gelegen war. Und ihr habt ebenfalls beobachtet das Wolken- und Nebelgebilde der Luft, hoch und nieder.

12. Was euch aber zuerst aufgefallen ist, das war euer nachbarlicher Berg, den ihr „Schöckel“ nennet. Ihr werdet euch gewiß – denn Ich weiß es – gefragt haben: „Es sind doch weit und breit überall hohe Berge zu sehen, warum muß denn gerade dieser unser Nachbar so einen besonderen Wolken- und Nebel-Appetit haben, daß er fast alle in der Luft entstandenen Wölkchen wie ein Geizhals an sich zieht und erst dann in kleinen Dosen auch andern Bergen gewisserart zukommen läßt, wenn er sich schon über Hals und Kopf satt gegessen hat?“

13. Sehet, eine solche Erscheinung hat gar viel zu bedeuten, namentlich aber dann, so sie euretwegen von Mir eigens also angeordnet wurde. – Um aber dieses Bild recht zu begreifen, müsset ihr auf alle dabei obwaltenden Umstände gar wohl aufmerksam gemacht werden.

14. Fürs erste steht der Berg von dort, da ihr ihn betrachtet habt, genau gegen Norden. Fürs zweite ist er der höchste nachbarliche Berg. Und fürs dritte hat er einen kahlen Scheitel, auf welchem ein Baumwuchs nicht mehr gut fortkommen will, weil daselbst zu wenig fruchtbare Feuchtigkeit ist. Und ferner muß noch bemerkt werden, daß nur der Fuß dieses Berges einigermaßen bewohnt ist. Die Brust ist hie und da ziemlich bewachsen mit unfruchtbaren Bäumen und zur Sommerszeit findet das Vieh nur ein mageres Futter daselbst und ein noch schlechteres Wasser zur Stillung des Durstes.

15. Ferner habt ihr gesehen, wie nirgends sonst als gerade aus der Brust dieses Berges zuerst Wölkchen aufstiegen, und zwar nicht zu seinem Scheitel, sondern es wartete eins das andere ab, vereinigte sich mit den anderen und bedeckte so die Brust des Berges, während der Fuß wie der Scheitel frei blieb.

16. Und schließlich habt ihr noch gesehen, wie fast allenthalben in der Luft niederstehende Wölkchen sich bildeten und, von einem frischen Morgenwinde getrieben, hinflohen an die Brust dieses Berges; und als sie sich da in großer Masse gesammelt hatten, dann erst stiegen sie von der Brust auch hinauf zum Scheitel und nahmen denselben gleichsam völlig gefangen.

17. Nebst diesen Wölkchen, die niederer standen und vom Morgenwinde geführt wurden, habt ihr in dem hochmütigen Westen auch hie und da, besonders über der Choralpe wie auch über der Stub- und Kleinalpe, ganz weiße, hochstehende Nebelstreifen gesehen und habt die Ebenen fast durchgehends mit einem bläulichen Nebel angefüllt erblickt. – Sehet, das ist nun alles, was ihr notwendig habt bemerken müssen.

18. Aber nun fragt sich's: Was will geistig dieses alles besagen – oder was habe Ich euch damit sagen wollen? – Einer von euch hat schon gestern beim Anblicke dieses nachbarlichen Berges, als er dessen Brust umhüllt sah, gesagt: „Mit der Liebe, da hapert's denn noch immer!“ – Ja, es ist wahr, es hapert da noch recht stark! Es kann aber auch nicht leichtlich anders sein, das sehe Ich wohl ein. Denn der Mensch kann sich nicht so schnell in seiner Natur umkehren, wie die Wäscherin einen Strumpf umkehrt. Aber nach und nach bei festem und gutem Willen und Meiner beständigen, starken Mithilfe wird sich schon alles fein geben.

19. Und obschon es also, wie gesagt, mit der Liebe noch hapert, so hat aber doch das gestrige Bild nicht die „Haperei der Liebe“, sondern etwas ganz anderes angezeigt.

20. Denn sehet, es ist ein Unterschied, ob die Nebel aus der Tiefe, aus den Gräben und Schluchten der Berge sich entwickeln und emporsteigen und dann vom Nordwinde geführt, die Brust dicht umlagern, während der Scheitel frei bleibt – oder ob solche Nebel aus der Brust des Berges hervorkommen, eine ganze Legion von anderwärtig entstandenen gleichartigen Wölkchen an sich ziehen und dann in solcher Vereinigung den Scheitel gefangennehmen.

21. Damit ihr aber dies begreifet, so fangen wir bei Punkt eins an. Der „Schöckel“ bedeutet bei jedem Menschen sein eigenes Naturmäßiges – so sich der Mensch, vermöge seiner „nördlichen“ (d.h. widrigen Lebens-)Stellung in sich selbst zu demütigen angefangen hat. Denn wie dieser Berg zwar an und für sich immerwährend ein hoher Berg ist, so ist er aber doch in Anbetracht seiner hohen Nachbarn nicht viel mehr als nur ein Hügel. Und wie er allezeit sich demütigen muß, sobald jemand eine Parallele über seinen Scheitel hinweg zu seinen Nachbarn zieht, ebenso beginnt auch die Demut bei dem Menschen, wenn er die hohe Welt neben sich erblickt und sich dabei sagt:

22. „Auch ich bin ein Mensch – warum sind diese Menschen höher denn ich? Kann ich nicht werden wie sie, so will ich aber doch sein, was sie nicht sind und auch nicht leichtlich werden können – d.h. ich will demütig sein und will in meiner Demut mein inneres Feuer der Liebe werktätig anschüren. Und wenn dasselbe zu brennen anfangen wird, dann werden all die bösen Dünste durch das innere Feuer hinausgetrieben und werden nach und nach bedecken meine Höhe, damit sie nicht von einem Hohen mit ärgerlichen Augen erschaut werden möchte.“

23. Sehet, so ist dieses Bild zu nehmen! Diese Nebel sind nicht ein Zeichen, als wäre eure Brust noch so stark umnebelt wie sie früher einmal war. Sondern sie sind, da sie der Brust entsteigen, ein Zeichen, daß die innere Brust oder das Herz Feuer gefangen hat und dieses Feuer solche Dünste aus sich treibt und sie offenbar werden läßt in den hellen Strahlen der Sonne.

24. Was tut aber die Sonne danach? – Da sie sieht, daß der Berg solches Gute in sich zu wirken angefangen hat und daß er sich im Ernste demütigen will, so zieht sie allenthalben solche Wölkchen zusammen und läßt sie durch den vielsagenden Morgenwind herbeiführen. Und wenn sie sich dann angesammelt haben, so zieht die Sonne sie sogar über den Scheitel des Berges hinauf und nimmt denselben gefangen.

25. Dieses aber will ja doch nichts anderes sagen, als daß auch eure Liebe schon angefangen hat, solche Dünste aus sich zu schaffen und mittelst derselben, vermöge Meiner Gnadenbeihilfe, euren Verstand auf diese Art gefangenzunehmen, wie euch das Bild des Schöckels handgreiflich gezeigt hat.

26. Nun sehet denn, daß ihr euch gestern doch ein wenig geirrt habt, so ihr glaubtet, Ich hätte euch schon wieder mit der „Liebehaperei“ necken wollen.

27. Jedoch, was das Verhältnis der anderen Gebirge betrifft, so hielten diese euch, als ihr sie mittelst eines Fernrohrs beobachten wolltet, wegen der bedeutenden Luftschwingung nicht stich, sondern wurden zerrissen auf ihren nackten Kanten. – Dieses zeigt die Bosheit der weltsüchtigen Menschen an, die, nur mit natürlichen Augen beobachtet, eine gewisse prunkende Ruhe heucheln; allein werden sie mit dem Fernrohr des Geistes dem inneren Auge nähergezogen, da zeigt sich dann alsogleich, wie es mit ihrer prunkenden Ruhe steht. Und wenn erst vollends der Abend ihres Lebens herannaht, was dann geschieht – davon hat am gestrigen Tage der Knecht vom hiesigen Schloßberge mit seinem Fernrohr das sprechendste Beispiel gesehen, da diese, für das natürliche Auge noch immer die gleiche Ruhe heuchelnden Berge so sehr von den Wellen der Luft zerrissen wurden, daß sie darob gar keinem Berge, sondern vielmehr einer stark wogenden nächtlichen Meeresfläche glichen – während der nachbarliche Schöckel in seiner Demut umhüllt blieb, und schon früher, als ihr euch noch am Orte eurer Bestimmung befandet, seinen hohen Nachbarn von seiner Liebe etwas zukommen ließ und andere kleine Berge zur ähnlichen Nachahmung gewisserart aufmunterte.

28. Was habt ihr aber heute gesehen? – Die Erde mit dem Kleide der Unschuld bekleidet! – Sehet, so werdet auch ihr, die ihr euch gedemütigt habt in euch selbst um Meiner Liebe und Meines Namens willen, nach der Nacht dieses Erdenlebens angetan werden mit dem Kleide der Unschuld!

29. Denn wahrlich sage Ich euch: Der Sünder mag tun, was er will, er mag die Gebote noch strenger halten als der Mond seine Viertel und die Erde ihrer Jahreszeiten, er mag beten bei Tag und Nacht und mag Buße tun auf glühenden Eisen und mag fasten und sich kasteien, daß alle Welt darob in das größte Erstaunen gesetzt würde, so sie die außenordentlichen Werke seiner Buße sehen möchte – ja Ich sage, er möge seine Haut ausziehen und einen Toten damit bekleiden, und er kann einen Glauben haben, daß er sich sogar die Sterne untertänig machen mag – so er aber die Liebe nicht hat, wahrlich, sage Ich, dann wird er wohl seinen Lohn bekommen, um den er gearbeitet und solches getan hat; aber mit dem Kleide der Unschuld wird er nimmer angetan werden, weil nur die Liebe einzig und allein das wahre Kleid der Unschuld ist. Und es werden über seinem Haupte schweben mit dem Kleide der Unschuld Angetane gleich den lichten Nebelstreifen, die ihr gestern hoch über die Berge habt schweben gesehen.

30. Wer aber statt alles dessen das einzige, unendlich sanfte Gebot der Liebe ergriffen hat und hat dasselbe lebendig gemacht in seinem Herzen, der hat durch dieses innere, heilige Feuer alle Schuld aus sich hinausgeschafft und hat sich vollkommen gereinigt in seiner Demut durch Meine Liebe in ihm. Und es werden die sogestalt hinausgeschafften „Dünste“ selbst geläutert werden durch Meine Gnade und lebendig durch den Geist, der aus Meinem ewigen Morgen weht. Und so wird aus der gereinigten Schuld selbst das Kleid der Unschuld für die bereitet werden, die Mich nicht in ihrem Glauben, sondern in der Demut und in der Liebe gefunden haben.

31. Denn wenn es heißt, daß da vor allem Mein Reich gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe hinzugegeben werde, so bedenket, dieses Meine Reich ist eben nur die Liebe! – Wer Mich also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Mich im Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist „Mein Reich“.

32. Wer Mich alsdann so gefunden hat, der hat auch Mein Reich mit Mir gefunden. Und da er das gefunden hat, saget selbst, was er hernach noch suchen sollte, das er nicht schon dadurch gefunden hätte?

33. Die Liebe bringet alles mit sich, der Glaube aber nur sich selbst. Und es können viele glauben ohne Liebe, aber ihr könnet unmöglich denken, daß die Liebe je vermöchte den Glauben auszuschließen.

34. Daher sage Ich jetzt wie allezeit: Wachset in der Liebe, so werdet ihr wachsen in allem! Denn die Liebe vergibt alles und die Liebe gibt alles! Das sage Ich, euer Vater, als die Ewige Liebe Selbst. Amen.

 

Vom „Fuchs Herodes“. – 7. Dezember 1840, nachmittags

Ans H. bat den Herrn um die Erklärung der folgenden zwei Verse im Evangelium des Lukas, Kap. 13,32 f.: „Und Er sprach zu ihnen: ‚Gehet hin und saget diesem Fuchs: ,Siehe, Ich treibe Teufel aus und mache gesund heute und morgen. Und am dritten Tage werde Ich Mein Werk vollenden!‘ – Ja, Ich muß heute und morgen und den folgenden Tag wandeln; denn es schickt sich nicht, daß ein Prophet umkomme außerhalb Jerusalem!‘“

1. Wird schon wieder etwas gar so Leichtes nicht verstanden? – O fraget doch einmal euer Herz, und ihr werdet alsobald den schlauen, herrschsüchtigen „Fuchs Herodes“ darinnen erblicken, der da zuerst herrschen möchte heute im Fleische, morgen in der Seele und am dritten Tage im Geiste.

2. Es wird ihm das Ärgste sein, zu erfahren, daß Ich zuerst richte durch die Kraft Meines Wortes das Fleisch, nachdem Ich aus demselben hinausgeschafft habe alle Unlauterkeit, Bosheit und Geilheit in allen Dingen – und mache dann, fürs zweite, die Seele lebendig durch Meine Gnade – und mache dann frei den Geist durch Meine Liebe.

3. So müßt ihr also heute gesichtet werden im Fleische, daß der Fuchs der Eigenliebe es nicht merke, und müßt morgen befreit werden in eurer Seele von all den bösen Kröpfen, die vom Fleisch in sie eingewachsen sind; und am dritten Tage soll der Geist frei werden zur vollen Besitznahme der Seele und durch diese all des Fleisches, damit dann Raum werde in eurem Herzen für Mich, damit Ich da, in diesem Jerusalem, und nirgend anderswo (was sich wohl für Mich nicht schicken würde) durch das Werk der Erlösung Mich Selbst vollende im Menschen, damit der Mensch dadurch vollendet werde in sich durch Mich und werde wiedergeboren durch Meine Vollendung in ihm durch und durch, d.h. heute, morgen und am dritten Tage, oder was dasselbe ist: im Fleische, in der Seele und im Geiste; oder in der Weltlichkeit, Geistigkeit und in der Liebe; oder in diesem Leben, nach dem Austritt aus dem Leibe und endlich für und in dem Himmel!

4. Was hat aber der Mensch mit dem „Fuchse“ zu tun? Oder was hat da der bildende Fortgang zu tun mit Herodes? – Sehet, da gibt es keine ungerichtete Stufe, die da verfehlen möchte ihre Bestimmung. Aber erst im Menschen tritt die Freiheit in die Erscheinung und dadurch die Äußerung des Geistes in der Zeit zur Auferstehung für die Ewigkeit. – Daher ist Herodes weder ein Fuchs noch irgendein anderes Tier; aber er will schlau sein wie ein Fuchs, ohne zu bedenken, daß Ich noch schlauer bin und gar wohl verstehe, die Eltern der Hölle aus dem Hause zu locken und dann Meinen Bund mit deren Töchtern zu machen und sie allesamt zu entführen in Mein Reich; und brauche nachher niemanden Rechenschaft zu geben, was Ich tue, und kümmere Mich wenig um den Fuchs. Denn Ich bin ein Herr und tue frei, was Ich will!

5. Siehe, das ist das leichte Verständnis dieser zwei Texte! Mache aber auch du mit deinem „Fuchse“, wie Ich tat mit Herodes. Dann wirst du bald eins werden mit Mir, deinem Herrn und Meister und Vater! – Amen.

 

Vom Ineinandergehen der Naturreiche. – 8. Dezember 1840 vom 3/4 10 Uhr vormittags bis nach 12 Uhr

a. Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H.

a1. Was die Atmungs-Organe bei den Pflanzen betrifft, so gibt es im allgemeinen keine anderen als nur solche, deren in der letzten Mitteilung umständlich erwähnt wurde. Jedoch wie bei allen Dingen dieser (Natur-)Welt, mögen sie in ihren Extremen sich noch so unähnlich sein in ihrer Art, so gibt es aber doch zwischen allen diesen Dingen sich besonders annähernde Punkte, so zwar, daß da niemand mehr recht weiß, wo die eine Klasse der Dinge eigentlich aufhört und eine andere anfängt.

a2. Dieses Ineinandergehen der Dinge in der Naturwelt werdet ihr nicht nur bemerken von einer Klasse zur andern, sondern selbst auch bei Dingen einer und derselben Art, bei Mineralien oder Pflanzen und Tieren. Denn betrachtet nur einmal den Kalkstein, und ihr werdet in diesem schon die bedeutendsten Übergangs-Abstufungen gewahren. Dieser Stein ist in den ersten Anfängen seines Bestehens ein fester und harter Stein und hat hierin nicht viel Unterschiedliches von der Art des Kiesels. Von dieser seiner härtesten Form geht er über, bis er endlich so weich wird, daß zwischen ihm und einer nur einigermaßen gefesteten Lehmerde kein bedeutender Unterschied mehr ist. Und solche Annäherungen gibt es von einer Art zur andern durchgehends bei allen Mineralien. Und diese Annäherung geschieht nicht nur speziell, sondern auch formell.

a3. Und wie es bei den Mineralien der Fall ist, so ist es auch bei den Pflanzen und Tieren. – Betrachtet nur einmal die verschiedenen Gattungen des Apfelbaumes! Wer kann es bestimmen, wo diese Gattung der Bäume anfängt und wo sie aufhört? Ebenso werden auch die Menge Arten des Weinstockes auffallen müssen; aber wer weiß, wo der Weinstock anfängt und wo er aufhört? Und doch gibt es zwischen jeder Gattung, wie schon erwähnt, immerwährende Übergänge von der einen zur andern. Und es steht da keine Gattung für sich allein so, daß sie nicht mit einer ihr vorhergehenden und ihr nachfolgenden in irgendeinem beschaffenheitlichen und eigenschaftlichen Zusammenhange stünde.

a4. Dasselbe aber ist auch der Fall bei den Tieren, betrachtet nur einmal alle Rassen einer und derselben Tierart. Wer kann da behaupten und zeigen, wo eine Rasse anfängt, wo ihr Höhepunkt ist und wo sie aufhört?

a5. Nehmet z.B. den Hund und versuchet zu bestimmen, wo dieses Geschlecht seinen Anfang nimmt und wo es aufhört, und bestimmet den Kulminationspunkt dieses Tieres und zeiget an, welcher Hund da am meisten „Hund“ ist.

a6. Ich aber sage, es gehen alle diese Gattungen, Klassen und Rassen ebenso eines in das andere über wie die Wellen des Weltmeeres, da auch niemand wird bestimmen können, welche von diesen zahllosen Wellen, die die Oberfläche dieses großen Gewässers beunruhigen, die erste, mittlere und letzte ist.

a7. Ich aber sage, und ein jeder einfache Mensch wird es auch sagen: Da ist weder eine die erste, noch eine andere die mittlere und noch eine andere die letzte! Sondern es treibt da eine Woge die andere und geht in die andere über, ohne daß sie in diesem sich schaukelnden Übergange etwas anderes wäre als das, was sie früher gewesen ist, nämlich Wasser. Aber nur befindet sie sich nicht mehr an der alten Stelle, sondern, nachdem sie eine frühere Woge verdrängt hat, wogt sie nun an deren Stelle, während wieder eine ihr nachfolgende sie drängt.

a8. Um dieses Bild noch richtiger zu begreifen, denket euch einen Kreis, der da genau in gleiche Grade geteilt wäre. Nun saget selbst, wie wäre die Behauptung, so jemand sagen möchte: „Dieser oder jener Grad ist der erste!“ – Ich aber sage: Warum zanket ihr euch ob der Primität eines Grades, da doch einer wie der andere ist und es einerlei ist, welchen ihr für den Ersten annehmet. – Und es kann da leicht sein, daß alle dieses einsehen und sagen: „Da einer ist wie der andere und jeder von dem andern durch einen gleichen Zwischenraum getrennt ist, so werden wir durch solchen nutzlosen Zank nicht weiser; sondern, da sei der nächste beste der Erste, und von da zählen wir fort. So wir den Ersten bezeichnet haben, so wird sich dann auch geben, wer der Letzte ist.“

a9. Sehet gerade so, wie sich dieses alles verhält, so verhält sich's mit dem Kreis der Dinge in der Naturwelt. Es geht immer eines unbemerkt in das andere über, wie eine Woge in die andere.

 

Weiteres vom Atmen der Pflanzen. – 8. Dezember 1840 (Fortsetzung)

b1. Vermöge der Übergänge in der Naturwelt werdet ihr auch Pflanzen finden, welche sich dem Tierreiche nähern. Und sehet, diese Pflanzen haben denn auch mehr oder weniger in ihren Organen mit den Organen der Tiere Gemeinschaft. Und auf dieser Stufe werdet ihr auch Pflanzen finden, die – fast den Tieren ähnlich – mit den Kelchen ihrer Blüten kleine Tiere förmlich, wie man zu sagen pflegt, mit Haut und Knochen verzehren.

b2. Solche Pflanzen, die so eine gröbere Nahrung von außen her in sich nehmen, müssen dann auch im Innern mehr Mägen und andere Verdauungsorgane besitzen. Und so besitzen auch einige – nebst den kleinen sonderheitlichen Mägen, die unter dem Blumenkelche sich vorfinden – noch einen Hauptmagen in der Mitte der Pflanze, andere an der Stelle, da sie aus der Erde zu ragen anfangen.

b3. Wenn denn aber eine solche Pflanze mit einem solchen Magen versehen ist, seht, da muß sie andererseits mit einer der Beschaffenheit der Pflanze entsprechenden Lunge versehen sein. Damit ihr aber einsehet, warum dieses so sein muß, so müßt ihr zuvor einen Blick auf das Atmen der Tiere werfen.

b4. Das Tier atmet nicht nur allein des chemischen Prozesses wegen, sondern es atmet auch noch ganz vorzüglich darum, weil es gröbere Nahrung in sich nimmt, damit es fester werde in seiner Beschaffenheit. So muß der Magen, der sich allezeit unweit der Lunge befindet, auch immerwährend durch die Ausdehnung der Lunge und anderer mit der Lunge durch die Arterien verbundener Organe gerüttelt und gewisserart, nach eurem Kunstausdrucke, „frottiert“ werden, damit die harte Speise in demselben immerwährend umgerührt wird, sich in ihren Teilen reibt und durch diese Reibung selbst die zur Verdauung gar so notwendige elektrische Wärme erzeugt.

b5. Sagt ihr doch selbst: „Ich habe mir mit einer Speise den Magen verdorben“ oder „ich habe mir den Magen verkühlt.“ Das will nichts anderes sagen, als daß ihr eine der Beschaffenheit eures Magens und der Tätigkeit eurer Lunge zu harte Speise zu euch genommen habt; oder ihr habt eine Speise zu euch genommen, die vermöge ihres negativen Verhältnisses zu wenig positiv elektrisch ist und durch sich nicht leichtlich zu irgendeiner Gärung gelangen kann.

b6. Zur Gärung ist nämlich die positive Elektrizität unumgänglich notwendig, und zwar aus dem Grunde, weil die Gärung an und für sich nichts anderes ist als das Freiwerden der Elektrizität, welche als das Prinzip allen organischen Lebens in den Zellen der Organe wie in kleinen Fläschchen vorhanden ist. Wenn die hier vorhandene Elektrizität durch äußere Umstände erhöht wird, dann zerreißt sie diese Zellen und springt entweder, sich mehr und mehr quantitativ vereinigend, frei über zur allgemeinen positiven Elektrizität der Luft oder geht, so diese Freiwerdung in einem tierischen Körper wie auch einem tierähnlichen Pflanzenkörper vor sich geht, als neuer, vitaler Nahrungsstoff in die Zellen des Organismus des Tieres oder einer solchen tierähnlichen Pflanze.

b7. Sehet, wie aus diesem Grunde sich bei den Tieren allezeit das Atmungsorgan oder die atmende Lunge notwendig vorfinden muß, aus eben dem Grunde muß es auch bei solchen Pflanzen vorhanden sein, damit es da die Verdauungsorgane in eine stete frottierende Bewegung bringe.

b8. Es ist kaum noch zu erwähnen nötig, daß bei einigen Pflanzen die Wurzel mehr tierischer Beschaffenheit ist als die Pflanze selbst. Eine solche Wurzelgattung wühlt und sticht gleich den Würmern im Innern der Erde herum und sucht allda die der Pflanze zuträgliche Nahrung. Und allda, wo diese Pflanzen ihre Tierähnlichkeit äußern, sind dann auch jene Atmungsorgane zu finden. – Jedoch in diesem Klima kommen, bis auf einige sehr wenige Gebirgswasserpflanzen, keine Pflanzen vor, welche diese besondere, soeben auseinandergesetzte Tierähnlichkeit besäßen. Diese (eigenartigen Wurzel-)Pflanzen finden sich vielmehr nur in den sehr warmen und heißen Klimaten.

b9. So aber jemand der Meinung ist, ein außerordentlich vergrößerndes Mikroskop werde ihm dieses an jeder Pflanze ersichtlich machen, da sage Ich, der möge sich ein Mikroskop anschaffen, unter dessen Brennpunkte er eine Milbe so groß wie eine Welt erblicken möchte, so soll er aber doch versichert sein, daß er bei einer gewöhnlichen Pflanze nie etwas anderes erblicken wird, als die jeder Pflanze nach ihrer Art eigentümlichen, größeren und kleineren, schon letzthin bekanntgegebenen Atmungsporen. Und sollte ein solcher emsiger Beobachter sogar irgendwelche Erweiterungen und Beengungen wahrnehmen, so soll er wissen, daß eine solche Erscheinung eine optische Täuschung ist, die bei so großer Spannung bei dem menschlichen Auge durch jeden Pulsschlag bewirkt wird – ein Umstand, welcher besonders bei einem Menschen umso empfindlicher wird, je mehr seine Augen durch Lektüre von kleinen Schriften und sonstigen vielfältigen Betrachtungen kleiner Gegenstände mitgenommen wurden, wodurch dann solche Menschen auch gewöhnlich ein äußerst „kurzes Gesicht“ bekommen.

b10. Und ferner kann ein solches Beengen und Erweitern eines solchen beobachteten, leblosen Pflanzenpartikels daher rühren, daß da die positive Elektrizität, die noch immerwährend vorhanden ist, solange die Pflanze grün und frisch aussieht, noch irgendeinen betrachteten Teil erregt und etwas erweitert. Hat sich dann solch ein elektrisches Atom aus irgendeiner Pflanzenzelle (verschwindend) empfohlen, so schrumpft dann alsobald die Pflanze allda zusammen, wo sie einen solchen Verlust erlitten hat, und zieht dadurch auch die nebenbefindlichen Zellen enger an sich. Dadurch kann es dann wieder geschehen, daß die in solchen Zellen nun ebenfalls beengte Elektrizität in das leere Hülschen übertritt, wodurch dieses wieder etwas erweitert wird, und zwar so lange, bis die Elektrizität sich aus diesem wieder empfiehlt.

b11. Dadurch wird bei einem von dem Stamme abgetrennten Pflanzenteile jene Erscheinung ersichtlich, die ihr das sogenannte Welkwerden nennet. Denn da verliert die Pflanze ihre Elastizität und ihre Frische, die sie nur auf einige Zeit dadurch retten kann, wenn sie nicht gar zu lange nach dem Getrenntwerden alsbald ins Wasser gesetzt wird, wodurch dem Entströmen der Elektrizität ein Hindernis bereitet wird und die Elektrizität des Wassers der Elektrizität der Pflanze nicht nur das Gleichgewicht hält, sondern dieselbe sogar noch eine Zeitlang ernähren kann – besonders wenn die Pflanze nicht zu jenen gar zu sehr Elektrizitätshungrigen gehört (wie z.B. ein Buchsstäudchen und sonstige ähnliche elektrizitätsärmere Pflanzen), welche dann noch die längste Zeit mit dieser Nahrung vorlieb nehmen und fast wie an der Wurzel fortbestehen, nur mit bedeutender Unterbrechung der quantitativen Vegetation.

b12. Nun sehet, das ist alles, was von der Atmung und deren Organen bei den Pflanzen zu beachten ist. – Allein, was da die geistige Atmung betrifft, das wird nächstens bei einer Gelegenheit, und zwar nur für euch, zur Genüge hell und klar veroffenbart werden.

 

Von den Eingeweidewürmern. – Erzieherische Seelenheilwinke. – 9. Dezember 1840, nachmittags

1. Was die heute von euch erwähnten Eingeweidewürmer betrifft, so sage Ich euch vor der Hand nichts als das:

2. Es war da ein Landmann. Dieser Landmann untersuchte alle seine Scheuern, Kästen und Mehltruhen und fand eine Menge Mäuse und Ratten, und dies Geschmeiß machte ihm viel Schaden an seiner Habe. Da beschloß er denn bei sich selbst, so viele Katzen zu halten, als ihm nur möglich war. Und was er beschlossen hatte, das tat er denn auch. Und es währte nicht lange, so war in all seinen Scheuern, Kästen und Truhen keine Maus und keine Ratte mehr zu finden.

3. Als er aber auf diese Weise sein Haus gereinigt hatte, so dachte er: Wozu jetzt ferner noch Katzen? Denn da diese keine Mäuse und Ratten mehr finden, so machen sie sich über meine Speisekammer und verzehren da dreimal so viel, als was mir früher die Mäuse und Ratten verzehrten. Daher will ich die Katzen nun auch vertilgen. – Und sehet, alsbald nach der Vertilgung der Katzen kamen wieder Mäuse und Ratten herbei und taten ihr Unwesen wie zuvor.

4. Nun ging der Landmann nicht mehr zu den Katzen um Hilfe, sondern er dachte bei sich: Wartet nur, ich werde euch alles vergiften, und da wird euch der Appetit in meinen Scheuern, Kästen und Truhen wohl vergehen.

5. Als er aber solches tun wollte, da sagte ihm ein Freund: „Siehe, so du das tust, womit wirst du dich denn am Ende sättigen, um nicht selbst umzukommen an dem Gifte, womit du umbringen möchtest all die Mäuse und Ratten?“ – Und es sagte ihm dieser Freund ferner: „Verschließe lieber alle deine guten Früchte in eiserne Kammern, daß sich keine solche Maus oder Ratte durchbeißen kann, so wird sie der eigene Hunger am Ende von deinem Hause treiben.“

6. Solchen Rat befolgte dieser sonst vermögliche Landmann, und er sah bald die guten Früchte dieses guten Rates. Denn ohne Mühe und Kosten kann der Mensch zu nichts Wertvollem und Tüchtigem gelangen.

7. Sehet, so ihr dieses Gleichnis betrachtet, da werdet ihr freilich sagen: Wer dieses Gleichnis versteht, wie es mit den Würmern in den Eingeweiden übereinstimmt, der muß mehr verstehen können, als was ein gewöhnlicher Menschenverstand zu verstehen imstande ist.

8. Ich sage aber, dieses Gleichnis stimmt gar wohl überein mit den Würmern in den Eingeweiden, die da sind hauptsächlich dreierlei Art, nämlich: die sogenannten kleinen Knäulwürmer, dann die langen, weißlichten, regenwurmartigen Würmer und endlich der Bandwurm. Und es gibt da neben diesen drei Hauptgattungen der Würmer noch einige andere, weniger bekannte Gattungen, darunter die sogenannten Spulwürmer, die Gedärm- und Magenraupen, dann die Fadenwürmer und endlich noch der Magenpolyp.

9. Sehet, alles dieses Ungeziefer entsteht hauptsächlich dadurch, daß der Mensch in natürlicher Hinsicht irgendeine Nahrung zu sich nimmt oder oft als Kind bekommt, die sehr viele animalische Teile in sich enthält. Dergleichen ist für die Kinder: unreine Milch oder zu fette Milch, sodann auch von den Vegetabilien solches Obst, das da schon bekannt ist als am meisten fähig zur Aufnahme und Ernährung animalischer Wesen.

10. Sehet, das ist nun die natürliche Ursache solcher Erscheinungen. – Aber die Bildung derselben geht auf eine bisher noch unbekannte geistige Weise vor sich. Denn da suchen sich die unreinen Geister, die da schon bei der Geburt im Menschen mitgeboren werden, aus solcher Nahrung das ihnen Entsprechende, umkleiden sich damit und werden dann zu jenen sichtbaren, lästigen und scheußlichen Formen im Menschen, damit sie demselben gleich anfänglich schon wenigstens an seiner physischen Gesundheit nur einigermaßen schädlich werden können. Jedoch tun das nur die plumperen und dümmeren, die alsbald durch eine gerechte Sorgsamkeit bestraft werden, da sie auf die natürliche Art durch taugliche Mittel sich zu entfernen genötigt werden.

11. Aber viel lästiger werden diese Wesen, wenn sie, die Formen der äußeren Welt verlassend, wieder geistig zurückkehren. Denn da lassen sie gewöhnlich den Körper in Ruhe und fangen an, sich in die Eingeweide der Seele einzunisten, allwann sie dann die Kinder zu allerlei Bübereien reizen. Und werden sie da durch eine kräftige geistige Medizin getötet, so fragt sich's sehr, ob nicht die Seele dann in jeglicher ihrer Nahrung tödlichen Schaden leidet.

12. Eine solche tödliche Nahrung wäre diese, so den Kindern oder den jungen Menschen alsogleich alle Laster und deren Schädliches und Schändliches bekanntgegeben würde. Dadurch wüßte dann die junge Seele freilich mit allem, wie sie daran ist. Aber saget selbst, ob eine solche Kost der Seele sich nicht gerade so verhielte, als so jemand, der in seinem Hause die Ratten und Mäuse vertilgen möchte, entweder alles vergiften oder das Haus anzünden wollte, um dadurch das Ungeziefer zu töten. Da ist sicher der gute Rat des Freundes an bester Stelle, nämlich: man verwahre die Kinder gar wohl zuerst vor solcher leiblicher Kost, deren schon erwähnt wurde. Und fürs zweite, was die Seele anbelangt, verwahre man sie wohl in eiserne Kammern, das heißt, man lasse ihnen, so lange sie noch irgendeines Unterrichtes bedürfen, keinen freien Willen und führe sie beständig zum pünktlichen Gehorsam und wahrer kindlicher Liebe hin.

13. Sehet, das ist das Verwahren der edlen Frucht „in eisernen Kammern“! Und da dadurch dieses Ungeziefer keine Nahrung zu seiner Existenz finden wird und kann, da es ihm verzweifelt langweilig und hungrig zu Mute werden wird bei dem Nagen solchen Eisens, so wird es auch gar nicht zu lange da verweilen, allwo es nichts zu essen gibt, sondern es wird sich alsobald entfernen. Und da gleicht dann eine solche Handlungsweise der leiblichen strengen Diät, die bekanntlich gegen alle Übel des Lebens die beste Kur ist.

14. Sehet, das ist somit das Gleichnis! – Nun hättet ihr noch die vielen Katzen übrig! – Diese vielen Katzen sind naturmäßig ein zu vielfältiges Medizinieren, wobei zwar das Übel abgeschafft wird. So aber das Übel weg ist und die Katzen oder die Medizinen nichts mehr zu fressen haben, dann machen sie sich über die Speisekammer oder über die Eingeweide, wie auch dadurch, die Gesundheit untergrabend, über den ganzen Leib her. Und es wird am Ende schwerer sein, die Katzen zu bändigen und wegzuschaffen, als das durch sie vertilgte Ungeziefer selbst.

15. In geistiger Hinsicht aber werden unter den Katzen verstanden die oft zu vielen und vielartigen Instruktoren und Lehrer der Jugend. Diese mögen auch einige Untugenden in den Seelen der Jugend zunichte machen – wenn aber die Seele auf diese Art gereinigt wurde und solche Lehrer dann nichts mehr zu reinigen finden, so gibt's da nicht selten Fälle (die Mir wohl bekannt sind), da solche „Katzen“ dann Untugenden in die Seele der Jugend legen, damit es dann für sie neuerdings wieder etwas zu instruieren gibt.

16. Sehet, der gute Rat ist somit allein und gleich ursprünglich anzuwenden. Dann werdet ihr weder der Katzen noch des Giftes bedürfen, sowohl in natürlicher als in geistiger Hinsicht. Demnach beachtet dieses Zeugnis wohl, und ihr werdet euch und eure Kinder frei machen von allen derlei wohl zu verstehenden Schädlichkeiten.

17. Das sage Ich, die Ewige Liebe und Weisheit. Amen.

 

Zum Tanze. – 14. Dezember 1840

1. Du fragst in dir, was ist da an dem Tanze denn gar so Verabscheuungswürdiges und Mir Mißfälliges und daher Verdammliches? – O siehe, du schwachsinniger Mensch, der du die Menschen fürchtest und möchtest in deiner Furcht doch Dinge erfahren, die Ich nur den Tapferen kundgebe. – Ich habe dir große Dinge gesagt und habe hinweggetan den Schleier von deinen Augen, allein du hängst am Urteile der Menschen und fürchtest über die Maßen ihre Schalkheit und denkst nicht, daß Ich über alle Menschen hinausreiche.

2. Und so du auch für Mich denkest, so denkst du doch stets in deiner Furcht, welche dir am Ende noch das Herz verschließen wird und wird dich blind machen mehr denn einen Maulwurf und dein Ohr verstopfen mit allerlei Unrat, daß du fürder nimmer vernehmen kannst Meine Stimme in dir, so du von nun an nicht ernstlich verbannen wirst deine Furcht, die zu nichts als zu lauter Unsinn führt.

3. Kannst du wohl dir solches denken, daß Ich Mich des Satans bedienen werde, um einen Menschen zur Demut, Sanftmut, Geduld, Ausharrung, ja zur Liebe zu Mir und daraus zu dem Nächsten, zum strengen Gehorsam gegen den Monarchen und gegen irgendeine bestehende Kirche und das alles im Geiste und aller Wahrheit, lebendig zu ermahnen?! – O Ich sage dir, wer das behauptet, der ist es, der sich gar gewaltig vom Satan leiten läßt! Für den sollet ihr beten wie für die gesamte römische Kirche, daß sie einsehen möchte ihren Unsinn und erkennen möchte, was sie hat in Meinem Geiste, in Meiner Liebe und in Meiner Wahrheit – sonst wird ihre Flucht alsobald ins Werk gesetzt werden. Denn wer Meinen Namen liebt und zu verherrlichen sucht in seinem Herzen, der ist ja für Mich und nicht wider Mich.

4. Wie kann aber jemand aus dem Reiche des Satan Meinen Namen nennen, da in Satan nichts von Meinem Namen, der da Meine ewige Liebe ist, je möglich vorkommen kann und da der Satan der allerschroffste Gegensatz der Liebe und daher nur die Quintessenz des Zornes Gottes ist, als ein von aller Liebe ausgeschiedenes Wesen.

5. Wenn aber jemand ein Wort aussprechen will, daß er damit eine Sache bezeichne, so muß er doch notwendig den Begriff zuvor in und aus sich erfassen oder er muß wenigstens die Fähigkeit in sich haben, solch einen Begriff sich aneignen zu können, damit er dann der Zunge auszusprechen möglich wird. Wie kann aber jemand z.B. in der japanischen Art „Vater“ aussprechen oder irgendeinen ihm ganz fremden Begriff, der nur diesem Volke als ein Geheimnis bekannt ist – wenn ihm diese Sprache ganz fremd ist und fürs zweite ihm sogar infolge seiner Stummheit alle Fähigkeit mangelt, so daß er nicht einmal seiner Muttersprache, geschweige erst der japanischen, je mächtig wird?

6. Und doch sage Ich: Es wäre demungeachtet leichter möglich, den Stummen japanische Worte aussprechen zu machen, als den Satan den Namen Meiner Liebe. Die bösen Geister können nur weltlich agieren und zahllose Menschen zu allen erdenklichen Leidenschaften, als da sind Herrschsucht, Hochmut, Stolz, Hoffahrt, Habsucht, Neid, Haß, Hurerei, Wollust, Tanz, Prasserei, Völlerei usw. gar sicher verblenden und verführen. Und in dieser Hinsicht ist ihnen Mein ihnen unaussprechlicher Name ganz überflüssig. Und wenn schon Weltmenschen von Mir nichts hören wollen und ihnen Mein Name ein Greuel ist und sie anwidert, um wie viel mehr muß er dem Satan greuelhaft und unendlich anwidernd sein!

7. Wer aber da bekennet und liebet ohne Furcht Meinen Namen, welcher ist Jesus, der „Sohn“ des lebendigen Gottes oder das „Wort“ oder die „Liebe“ des Vaters – der liebet ja auch den Vater und kann unmöglich sein wider den Heiligen Geist aus beiden, sondern für denselben und von demselben erfüllt durch und durch. Wie und was soll denn da der Satan im Zorne und aller Falschheit zu schaffen haben, wo der Geist der Ewigen Liebe alles neu aus Gott dem Vater und so durch den Sohn schaffet?!

8. O sehet solches ein und seid allezeit ohne Furcht! Denn Mein Reich muß allezeit unter mancher Prüfung an sich gerissen werden. Und es muß die rechte Liebe allezeit die Feuerprobe bestehen, wie das reine Gold; denn ohne solche Probe ist sie Meiner nicht wert.

9. Sehet hin auf den reichen Jüngling im Evangelium, und ihr werdet dort alsobald finden, wie weit er noch von Meinem Reiche entfernt ist. Und betrachtet den Samen unter den Dornen (Weltlust usw.), welche Frucht da zum Vorschein kommen kann! – Daher seid nicht gleich diesem Jünglinge und nicht gleich dem Samen unter den Dornen, sondern zeiget Mir das Gold eurer Liebe, so werdet ihr leben!

10. Was jedoch den befragten Tanz betrifft, so habe Ich schon hinreichend gezeigt, welches Wohlgefallen Ich daran habe und was er für Folgen hat. Nur soviel setze Ich hinzu, daß ja keiner unter was immer für Namen und Art beschönigend sich entschuldigen möchte, sonst wird er nimmer von seinem „Dreher“ los werden. Denn wie es im Gehirne einen solchen Wurm gibt, als eine böse Krankheit, den ihr den Dreher nennet, so gibt es auch einen „geistigen Dreher“, der viel schwerer als der natürliche zu heilen ist und der nun eine allgemeine Pest geworden ist.

11. Eltern aber, die da ihre Kinder im Tanze unterrichten lassen, legen sich selbst eine große verantwortliche Last auf den Hals, wenn dadurch ihre Kinder von was immer für bösen Geistern verdorben werden. Entweder die Mädchen in der Fruchtbarkeit, in ihrer Reinigung, in ihrer heimlichen Zucht, in ihrer Sittlichkeit des Herzens, im wahren Glauben und in der reinen Liebe zu Mir und daraus dereinst zu einem allfälligen Gatten, im häuslichen Fleiße und in wahrer christlicher Tugend, Geduld, Sanftmut, Beharrlichkeit in allen Prüfungen und Nöten, ja sogar in dem jedem Weibe so nötigen frommen Frohsinne, allzeitigen Nüchternheit, Frische, Heiterkeit und Munterkeit ihres keuschen Gemütes und stillen Ruhe des Geistes. Oder die Knaben durch Unlust zu allen ernsten Betrachtungen in der Gottesfurcht, in der geheimen Zucht, in der zu frühen Entwicklung des Geschlechtstriebes und dadurch hernach aber auch in allem, was Mich, den Urheber alles Guten und Wahren der Liebe, betrifft. Sehet, so solches geschieht und auch notwendig geschehen muß, so denket selbst, wer daran schuld ist und wer es dereinst zu verantworten haben wird!

12. Und ihr werdet dann gleichen jenem Feigenbaume, der fruchtlos dastand, während es Mich unter seinen Zweigen hungerte. Denn ihr Eltern seid solche Feigenbäume, eure Kinder aber sind die Frucht. Sind diese aber verdorben worden durch den bekannten „Dreher“, so oder so, da wird frühzeitig die Blüte und Frucht abfallen von den Zweigen. Und wird der Herr vorüberziehen und den Baum leer finden, so wird Er tun, was Er getan hat mit dem Feigenbaum! – Das merket euch wohl, ihr Eltern, und bedenket, wer Der ist, der euch solches sagt!

 

„Rühre Mich nicht an!“ – 16. Dezember 1840, abends

Bitte: „O Herr, wir bitten Dich in aller Demut um Aufschluß über nachfolgende Schriftstellen:

Bei Johannes, Kap. 20,17 heißt es: ‚Jesus spricht zu ihr (Maria Magdalena): Rühre Mich nicht an! Denn Ich bin noch nicht aufgefahren zu Meinem Vater. Gehe aber hin zu Meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater, zu eurem Vater, zu Meinem Gott und eurem Gott.‘

Bei Johannes, Kap. 20,27 aber heißt es: ‚Darauf spricht Er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und siehe Meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in Meine Seite! Und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!‘

Es sei kein Wille weder in der Höhe noch in der Tiefe, denn der Deinige! Und was da geschieht in der Höhe wie in der Tiefe, geschehe nach Deinem heiligen Willen! Amen.“

1. So geschehe es denn, und du schreibe! – Müßt ihr aber doch nicht selbst von euch bekennen, daß, je näher euch etwas gestellt ist, ihr solches eben desto weniger begreifet!? Sehet, diese zwei Texte liegen euch so nahe wie nur immer möglich! Allein statt in der Nähe zu suchen, suchet ihr in weitester Ferne, sowohl dem Raume als auch der Zeit nach, das Verständnis solcher leichten Dinge und findet daher dort auch allezeit sicher nichts, wo nichts derart zu finden ist.

2. Wer wird wohl im Wasser sein Haus und im Feuer seine Wohnung suchen wollen und nicht merken, daß er sich in seinem Hause und in seiner Wohnung befindet, während er dieselbe blind sucht, da wo sie nicht ist und nicht sein kann.

3. In welcher Kirche befindet ihr euch – und wer war die Magdalena? – Welche Kirche entspricht aber Meinen Brüdern – und wer bin Ich? – Sehet, in diesen zwei Fragen ist das ganze Geheimnis enthalten!

4. Oder meinet ihr denn, daß die vormalige Hure und Tänzerin vor allen Weltgroßen und Heiden, die da hatte seit ihrem zwölften Jahre sieben Teufel des Fleisches in sich und wurde davon durch Mich erlöst und tat viele Werke der Liebe und später ernste Buße – geeignet gewesen wäre, Meine Heiligkeit anzurühren, da kaum ihre Tränen und die Haare ihres Hauptes geeignet waren, Meine Füße anzutasten.

5. Sehet eure Kirche an – und das „Rühr Mich nicht an“ werdet ihr sicher deutlich und klar finden! Aber doch sage Ich auch zu ihr, was Ich zur Magdalena gesagt habe: Gehe hin und sage Meinen Brüdern, daß Ich auch schon öfter unter deinen Kindern erstanden bin und nun zu ihnen komme, daß sie Mich schauen möchten und legen ihre Liebe an die liebedurchbohrte Seite und gewahren allda, gleich einem Thomas, die schmale Pforte und den schmalen Weg, der da führet zum ewigen Leben und durch dasselbe zum Vater, der da ist Mein Vater und durch Mich auch euer Vater, und der da ist Mein Gott und dadurch auch euer Gott.

6. Darum sollet auch ihr alle eure „Hände in Meine Wundmale legen“, damit ihr glauben möget, daß Ich das ewige Leben Selbst bin aus eigener Macht – so wie Ich bin die Auferstehung Selbst und habe auch nicht das Leben vom Vater, sondern bin das Leben im Vater Selbst; wie der Vater nicht ist außer Mir, sondern Gott von Ewigkeit ist in Mir und wie aller Geist der Heiligkeit in aller Macht und Kraft ausgeht aus Mir wie aus dem Vater zugleich als einer und derselbe Geist.

7. Sehet, so Ich aber nach der Auferstehung alles das war, was Ich jetzt bin und ewig sein werde – hätte denn da sollen eine bekehrte Hure zugrunde gehen, so sie Mich angerührt hätte, da sie noch bei weitem nicht gereinigt war durch eine wahre Buße!? Solches ist nur gestattet denen, welche sich zuvor von Mir ihre Füße haben willig reinigen lassen und mit Mir genossen haben das große Abendmahl.

8. Nun sage Ich aber euch: Lasset auch ihr euch von Mir eure „Füße waschen“ oder euch „ziehen“ von Mir, um zu empfangen den Platz an Meinem Tische der wahren Liebe! Und kümmert euch nicht der Magdalena wegen, sondern glaubet, daß Ich es bin, der nun zu euch im stillen kommt. Und leget euer Herz in Meine offene Seite, damit es da gestärkt werde zum ewigen Leben!

9. Denn zu euch sage Ich nicht: „Noli me tangere!“ – sondern euch sage Ich, was da gesagt wurde zum Thomas – da ihr alle mehr oder weniger fast lauter Thomase seid, damit auch ihr gleich ihm dereinst lebendig werden möchtet! Aber wohl gemerkt: Nur Ich, und nicht die Magdalena, habe das Leben. Es ist daher noch nicht genug die Nachricht der Magdalena, sondern erst wenn Ich völlig in euer Herz kommen werde, wird die Weissagung erfüllt an euch, daß Ich „auffahre“ zu Meinem Vater und eurem Vater und zu Meinem Gott und eurem Gott, und ihr in Mir und mit Mir. Amen. Das sage Ich, die Auferstehung und das ewige Leben. Amen!

 

Nochmals: „Rühre Mich nicht an!“ – 17. Dezember 1840

Frage: „Bei Matthäus, Kap. 28,1 heißt es: ‚Bei der Morgendämmerung der ersten Tages nach dem Sabbat gingen Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu sehen.‘

Und Kap. 28,9 heißt es weiter: ‚Und siehe, Jesus begegnete ihnen und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten hinzu, umfaßten Seine Füße und beteten Ihn an.‘ – Nach dem Evangelium des Johannes, Kap. 20,17 wollte Magdalena Dich, o Herr, anrühren. Und Du sprichst zu ihr: „Rühre Mich nicht an!“ – Nach dem Evangelium des Matthäus, Kap. 28,9 dagegen, hat Maria Magdalena sowohl als auch die andere Maria Deine Füße umfaßt. Und in der gestrigen Erklärung heißt es dagegen: ‚Hätte denn da sollen eine bekehrte Hure zugrunde gehen, so sie Mich angerührt hätte?‘

O Herr, sende gnädigst Dein Licht, um dieses Dunkel aufzuhellen! – Es sei kein Wille, weder in der Höhe, noch in der Tiefe, denn der Deinige! Und was da geschieht in der Höhe wie in der Tiefe, geschehe nach Deinem heiligen Willen! Amen. Damit dadurch Dein heiliger Name allezeit möchte gepriesen, gelobet und verherrlicht werden! Amen. Amen.“

1. Der Mensch, der solches nicht begreift, ist blind, taub und stumm – oder er ist gleich dem fruchtlosen Feigenbaum, den ein Gärtner lange Zeit im Garten pflegte, und da der Baum nichts als Blätter zum Vorscheine brachte, kamen die Knechte und meldeten es dem Herrn und rieten ihm, solchen fruchtlosen Baum abzuhauen, daß er nicht fürder vergeblich Platz wegnehme in dem so köstlichen Garten. Da aber der Herr solches vernommen hatte, so sprach er: „Lasset ihn noch stehen ein Jahr, reinige und dünget ihn, und so er dann keine Frucht bringen wird, dann falle eure Axt über seine Wurzeln und fälle ihn zum Verbrennen!“

2. Siehe, du, der du fragest um so leichte Dinge aus deinem eigenen Widerspruche, dir sei es gesagt, daß es schwer ist, zweien so zu dienen, daß es jedem zur Genüge wird, dem Freunde wie dem Feinde! – Wenn es dich um Mich kümmert, was kümmerst du dich denn der Welt? – So du aber sorgest, um der Welt ebenen Pfad zu leihen, wo soll da wohl geistige Frucht werden?

3. Siehe, Mein Wille steht höher denn der Wille der Welt! Willst du aber beides, als da ist: ein Glück der Welt, dem entgegen ist Meine Gnade – höre, das kann nicht sein! – Ich sage aber, es wird das erste schon ohnehin zur rechten Zeit kommen. Aber alle deine und deiner Kinder Wege sollen genau gerichtet sein nach Meiner Gnade – dann werde Ich sorgen für alles! – So es dir aber behaget zu tragen so manche unnötige Weltsorge, so trage sie immerhin, aber habe ja acht, daß die Zahl eins nicht zu einer Legion gebrochen wird.

4. Die Liebe der Eltern ist allezeit blind gegen ihre Kinder. Sie sehen nicht den Samen, sondern nur den Baum und bedenken nicht, was alles in einem Samenkorne verschlossen ist. Es geht aber der gute Same mit tausendfältiger Frucht nur in Meiner Erde auf. In der Erde der Welt aber erstickt er alsobald. Aber der Weltsame gedeiht gar wohl, alles Unkraut hervorbringend, in der Welterde. Aber frage dich selbst, wozu nütze? Höre! – Zu Meinem Reiche und für Meine Scheuern nicht!

5. Siehe, dieses in dir selbst bestehenden Widerspruches wegen sagte Ich dir dieses, damit dir dein Widerspruch des Evangeliums klar werde. Dieses aber merke dir ganz besonders: Wie du jetzt weißt, wer Der ist, vor dessen Augen alle Geheimnisse offen liegen, so solltest du denn auch, wenn dir in weltlichen Dingen Irrwege vorkommen entweder für dich oder deine Kinder, wissen, daß nur Ich es bin, dem der rechte Weg allein bekannt ist. – Nun, derzeit sorge somit du für deine etlichen drei – und lasse für die übrigen Mich sorgen!

6. Und damit der Matthäus in dir schuldlos werde, so nehme diesen Widerspruch auf dich und verstehe, wenn Ich sage zu Magdalena: „Rühre Mich nicht an, sondern falle zuvor vor Mir nieder, umklammere die Füße und bete Mich an im Geiste und aller Wahrheit, und gehe dann hin zu Meinen Brüdern und sage ihnen, daß Ich auferstanden bin!“

7. Desgleichen sollet auch ihr tun und nicht eher nach der Weisheit trachten, sondern nach der wahren, reinen Liebe, die da entspricht Meinen Füßen und daraus zunächst nach der Läuterung eurer Liebe, die in ihrer größten Reinheit doch noch immer etwas Sinnliches an sich hat (und demnach ist gleich den „Füßen“ aus Mir, auf welchen allein ihr zum Leben eingehen könnet). Daher soll auch euch vorderhand nicht gestattet sein, Meine Weisheit „anzurühren“, bevor nicht Meine Füße in aller Liebe erfaßt worden sind.

8. So ihr aber saget: „Herr, wie ist hernach die Antastung des Thomas zu verstehen?“ – Da sage Ich: Auch er mußte seine Blicke an die Wundmale der Füße und Hände richten, bevor Ich ihn hieß anzurühren Meine breite und weite Wunde der Brust. – Damit aber dir, Frager, dein eigener Widerspruch klarer werde, so will Ich dir noch einen Grund davon zeigen, warum Ich zu Magdalena vorerst sagte: „Rühre mich nicht an!“ und hernach aber doch zuließ, daß sie mit den übrigen Meine Füße umklammerte.

9. Siehe, Magdalena war auch sinnlich in Mich bis zur Eifersucht verliebt und hielt Mich förmlich für ihren einzig erwählten Liebhaber. Sie hatte von Mir nur die Meinung, daß Ich ein großer Prophet sei, aber Meine Göttlichkeit war ihr noch fremd. In Anbetracht ihres verliebten Herzens hatte somit durch Mein Leiden und Sterben auch niemand so viel verloren wie gerade sie, da sie nicht nur ihren Retter, Herrn und Meister, sondern im Ernste ihres Herzens auch ihren einzigen Geliebten verloren hatte; daher sie auch untröstlich war.

10. Sehet, daher kam's denn auch, daß sie die erste war, die sich nach Mir erkundigte im Beisein der übrigen, die ebendasselbe mehr aus andächtiger Trauer als aus solch unbesiegbarer Liebe taten.

11. Als sie Mich, ihren verlorenen Geliebten, nun auf einmal vor sich stehen sah, da war ihr Herz aus allen Fesseln gehoben. Sie schrie auf und wollte alsogleich im Ausbruch ihrer leidenschaftlichen Liebe auf Mich losstürzen. Nun aber bedenke, wer und was Ich bin – so wird dir klar das „Noli me tangere!“ – Bedenken sollst du aber auch Magdalenas starke Liebe, und dir wird klar die Umfassung Meiner Füße.

12. Und denke noch hinzu, daß Mein Liebling Johannes Mir aus der Seele, Matthäus aber aus Meinen „Füßen“ schrieb, so wird dir alles dieses noch klarer werden – und begreiflich auch die große Buße der Magdalena nach Meiner vollen Auffahrt, da sie erst dadurch erfahren hat, wer eigentlich hinter ihrem vermeinten Geliebten war, worauf sie Mich dann erst durch ihre große Buße im Geiste der Demut und dadurch in aller Wahrheit hat zu lieben angefangen.

13. Ich sage dir aber, so Mich jemand nicht lieben wird gleich der Magdalena, der wird Mich nicht finden fürder und eingehen zum Leben auf „Meinen Füßen“ und wird nimmer eine Auflösung finden im steten Widerspruche seines Weltlebens. Siehe, Mein Reich ist von größter, heiligster Klarheit, und es kann nichts Unreines je hineinkommen. Daher denke nur an den Feigenbaum ohne Frucht im Garten und an den Diener zweier Feinde – und löse den Widerspruch in dir! – Vergesse in der Zukunft nie mehr ob der Welt, wer Ich, dein Gott, dein Vater, dein allzeitiger Ratgeber bin!

14. Siehe, heute rede Ich, morgen handle Ich und übermorgen möchte Ich kommen! – Wer nicht zu Hause sein wird, vor dessen Wohnung werde Ich vorüberziehen! – Amen. – Das sagt, Der da Sich allezeit umklammern lässet Seine Füße!

 

Eheliche Hausordnung und Kinderzucht. – 5. Januar 1841

O Herr, lasse gnädigst Dein heilig Wort in mir ertönen! Jedoch wie allezeit in der Höhe und in der Tiefe, so geschehe auch diesmal nur Dein heiligster Wille! Amen, Amen.

1. Nun so vernehme und schreibe denn: Ich sage dir aber, wer nicht Mein Evangelium erfüllt, nachdem er es vernommen und einigermaßen durchdacht hat, siehe, der ist noch lange nicht geschickt zu Meinem Reiche, da er die Welt immer doch noch mehr fürchtet denn Mich. Er möchte Mich lieben neben der Welt her; aber siehe, Ich bin nicht neben der Welt zu lieben, da die Welt durchgehends nicht in Meiner Liebe, sondern bis auf das letzte Stäubchen nur vermöge Meiner Erbarmung beständig in Meinen unerbittlichen Gerichten steht und besteht. Denn Ich bin nur in der Liebe und Gnade erbittlich, aber ewig unzugänglich in Meinen Gerichten, die da sind die Heiligkeit Meiner ewigen Ordnung zufolge Meiner unendlichen Weisheit.

2. So aber der um ein Lichtwort bittende Bruder gelesen hat im Buche Meiner Liebe und Gnade, daß da gesagt ist: „Siehe, die Kinder der Welt sind oft klüger denn die Kinder des Lichtes!“ (Luk. 16,8) – warum mag er denn nicht die Klugheit seines Weibes anhören und liebt seine Kinder mehr denn daß es billig ist und achtet nicht strenge darauf, daß die Kinder möchten treulich ihrer Mutter gehorchen in der häuslichen Klugheit, die da unvergleichlich besser ist, als alle nutzlosen Wissenschaften, mit denen er seinen Kinder die Köpfe anstopfen lassen möchte. O das letztere ist durchaus nicht der rechte Weg zu Meinem Reiche!

3. Er kann ja allerdings die Kinder beschäftigen mit nützlichen Lehrgegenständen, aber dabei soll er anderseits nicht die Bestimmung des Mädchens und wieder anderseits die Bestimmung des Knaben aus den Augen und aus dem Herzen verlieren, sonst wird es ihm dereinst geschehen, daß er eine große Not an seinen Kindern erleben wird. Denn diese werden dann ihren ungebrochenen Willen über seinem Haupte aufbauen und mit ihren ungebändigten Händen sein Herz erdrücken, da es jetzt schon zu schwach ist und zu nachgiebig in vielen Dingen, um die nun noch weichen Hände der Kinder zu bändigen!

4. Er sollte daher nicht anhören die allfälligen Klagen seiner Kinder, sondern nur allezeit unerbittlich und strenge genau untersuchen die Werke des blinden Gehorsams sowohl gegen seinen Willen wie gegen die häusliche Leitung der Mutter, die doch den größten Teil des Tages allein mit den Kindern zubringen muß. Und er soll sich aber auch zuvor liebevoll und rechtlich nachgiebig, ohne deshalb von seinen Vaterrechten etwas hintanzugeben, mit seinem Weibe im geheimen (d.h. nicht vor den Kindern) verständigen und ihr in häuslicher Klugheit, nach Meinem Rate, ihren mütterlichen Wirkungskreis nicht allzusehr schmälern. Dann wird das Ganze bald eine andere, bessere Wendung nehmen.

5. Er möchte nur in Meinem Buch der Liebe und aller Gnade sehen, daß Ich schon zu den Aposteln gesagt habe, wie ein gar großes Ding es ist um einen klugen und treuen Haushalter, welchen der Herr setzet über sein Gesinde, damit er ihnen allezeit zur rechten Zeit ihre Gebühr gebe. Auch er soll nun die rechte Zeit nicht übersehen und nach Meinem Rate die Gebühr wohl abwägen, daß da ja niemandem, weder leiblich und noch viel weniger geistig, in seinem Kreise ein Eintrag oder Schaden geschehe! Denn Ich sagte und sage dir nun wieder: „Selig ist der Knecht, welchen sein Herr, wann er kommt, wird also tun finden. Wahrlich sage Ich, Er wird ihn über alle Seine Güter setzen.“

6. So aber dein Bruder nun auch ein Sachwalter und Knecht Meines neu geoffenbarten Wortes der Liebe und Gnade geworden ist – wie ist's denn, daß er Mich erwartet, und Ich noch nicht kommen mag? – Das ist es, daß er sein Haus noch nicht fein genug bestellt hat! Wenn aber ein Haus nicht fein bestellet ist, da gleicht es noch stark einem vergoldeten Bleiklumpen, der zwar äußerlich glänzt, als wäre er Gold, und auch die Schwere des Goldes hat – aber höre, was den inneren Gehalt und Wert betrifft, da ist es denn doch nur ein wertloses Metall und noch weit entfernt vom Golde.

7. So aber nun dein Bruder Mir ein recht treuer und williger Arbeiter an der Hecke Meiner Neupflanzung ist und hat selbst eine gewisse Not mit seinem Weibe, die da schon von Anfang an der Welt mehr denn Mir gegeben – so möchte er als noch immer Mein lieber „Willig“ tun, was da die Kaufleute tun, wenn unbillige Käuflinge auf den Markt kommen und nicht wohl unterscheiden den Preis der Ware und anfangen, denselben zu ihren Gunsten herabzuziehen. Da läßt dann der Kaufmann einen kleinen Vorteil fahren, damit er nur seine Waren an den Mann bringt. – Siehe, desgleichen soll Mein lieber „Willig“ nun tun, freilich anfangs nur in kleinen, unmerklichen Beträgen, und so herab bis zum wohleinsichtigen Maße der gerechten Billigkeit, so wird dadurch sein Weib in ihrer Sphäre an ihm keinen unerbittlichen Stein nach ihrem Dafürhalten mehr finden und bald selbst nach seiner geistigen Ware greifen.

8. Sehet, wie oft muß Ich zu euch einen solchen Kaufmann machen! Und täte Ich es nicht, wo wäret ihr!? – Wie vieles habe Ich euch schon nachgelassen!? – Und bedenket ihr euch noch über Meine Ware, da ihr doch des Lichtes und nicht der Finsternis seid – so bedenket dann, wie schwer der Handel erst geht mit jenen, die da „geistig arm“ und „Kinder der Welt“ sind voll Blindheit!

9. Damit aber Mein lieber „Willig“ seine mißlichen Haushaltungsverhältnisse in Betreff Meines Namens mit desto geduldigerem und hie und da nachgiebig prüfendem Herzen durchschauen möge, so gebe Ich ihm schließlich noch eine kleine Aufgabe, die er wohl überdenken solle, indem Ich sage:

10. Meinst du, daß Ich herabgekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde? – Ich sage euch, durchaus nein – sondern Zwietracht! Denn so in einem Hause irgend sein werden etliche fünfe, diese werden uneins sein unter sich und werden sein drei gegen zwei und zwei gegen drei. Es wird da sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; und es wird sein die Schwieger wider die Schnur, und die Schnur wider die Schwieger. (Matth.10,34-36)

11. Siehe, diese Aufgabe soll „Willig“ recht wohl überlegen, und es wird ihm ein großer Stein vom Herzen genommen werden. Und sollte er aber diese Worte nicht alsobald begreifen, so wird er ja wohl wissen, wo „der arme Professor“ in derlei Dingen des Geistes zu Hause ist – wo ihm dann alles treulich möchte gegeben werden zum nötigen Verständnis in seinem „willigen“ Herzen, daß er Mir dann ein rechter Mann werden möchte nach Meinem Herzen.

12. Siehe, es erscheint im Lichte der Welt das Ding des Geistes gar oft als eine sich rein widersprechende Torheit. Allein dem ist nicht also! Denn so der Docht unter dem weißen Lichte schwarz wird und die Asche über der schwarzen Kohle weiß – ist das nicht auch sogar in der Natur ein Widerspruch? Und doch, wer zweifelt, daß es also wäre!?

13. Daher, so ihr irgend auf Meinem Wege Widersprüche findet, wie in der Natur und in eurem Welt- oder Leibesleben, dann denket, daß der Schiffer, so er seine Segel nicht gegen den Wind zu richten weiß, damit sein Schiff gegen den Wind und gegen alle die Wogen des sturmbewegten Meeres laufe, noch kein wohlunterrichteter Seemann ist!

14. Wenn eine Lehre gegeben wird, daß sie tauge zum Leben, so muß sie sein wie das Leben selbst, welches da ist eine Regsamkeit des Todes – da dadurch das Leben wird ein Leben im Angesichte des Todes, wie der Tod ein Tod im Angesichte des Lebens.

15. Nun schließlich ermahne Ich den Bruder noch, daß er diese Schrift nicht möchte seinem Weibe vorweisen, da es noch nicht an der Zeit ist; wohl aber werde Ich dem Knechte eine Weisung geben, wie er sich zu benehmen hat. Bisher aber ist noch kein Fehler geschehen, und so wird der „Winter“ bald zu Ende werden. Nur das Haus fein bestellen! Das vergoldete Blech aus dem Hause schaffen! Die guten Gelegenheiten weise benützen! Meinen Rat treu befolgen, ein guter Kaufmann und ein treuer Haushälter sein! Bei Widersprüchen nicht kleinmütig werden und alle seine Handlungen aus Liebe mit aller Geduld und Sanftmut lenken! Da wird euch in allem der Sieg mit Meiner steten, starken Hilfe gewiß nicht schwer werden! – Amen. Das sage Ich, euer starker Helfer!

 

Gelehrtenbekehrung. – 14. Januar 1841

Bitte: O Herr, Du heiliger Vater, der Du bist voll Liebe, Geduld und Erbarmung – so es Dein heiliger Wille wäre, möchtest Du uns nicht allergnädigst anzeigen, ob dem Verlangen dessen, den Du wohl kennst, zu willfahren sei oder nicht? – Doch nur Dein heiliger Wille geschehe allezeit. Amen!

1. Da sage Ich: so ihr wollt, könnet ihr es ja tun – aber es wird ein hartes Stück Arbeit werden, den, der zu seiner Rechnung sich eiserne Zahlen verfertigt hat, auf des Geistes zarte Bahn zu setzen.

2. Denn sehet, es gibt manche Gelehrte, die da härter sind als der Stahl. Solche trauen am Ende ihren eigenen Sinnen nicht mehr und um so weniger erst den fremden, die ihnen als null und nichtig erscheinen, weil sie eben nicht auch aus der gelehrten Eisen-Rüstkammer sind, woselbst die ihrigen durch Feuer und Wasser zum Stahle gehärtet wurden.

3. Wenn irgendeine Wand aus Wolle ist, da werden die hineingeworfenen Steine zwar wenig Lärm machen, aber steckenbleiben werden sie auch nicht, da die Wolle bei einem Zwange spannkräftig wird und alsbald wieder zurückwirft, was an sie geschleudert wurde. Da heißt es, sich dann Zeit nehmen und die Gegenstände langsam in die Wolle verwickeln, so werden sie dann wohl festgehalten, solange die Wolle Wolle bleibt – ob mit Nutzen oder Schaden, das ist dann freilich wieder eine andere Frage!

4. Wenn aber irgendeine Wand von weichem Lehm ist, seht, da wird zwar alles darin haften bleiben, was ihr hineinwerfen möget – aber fraget euch selbst, wozu nütze? Denn da wird der Lehm unverändert bleiben wie zuvor, und die haftenden Gegenstände ebenfalls.

5. Und ist eine Festungswand von Eisen und Stahl, höret, da wird selbst ein anhaltendes grobes Geschütz keine bedeutenden Spuren zurücklassen. Und die Schützen werden sich wohl fein in acht zu nehmen haben, daß sie nicht Schaden leiden von den oft gewaltig zurückprallenden Kugeln. Da heißt es dann, klug die rechte Fernhaltung beachten.

6. Ganz anders verhält es sich mit einer Feuerwand, da alles angenommen und dann geläutert wird, auf daß es werde ein feuerbeständiges Ding. Wenn die Wand Feuer ist, so geht die Sache von selbst. Ist aber die Wand Eisen, höret, da muß ein tüchtig Feuer hinzukommen, damit die Wand gleich dem Feuer wird! – Daher wird auch hier viel Feuers erfordert werden, bis diese Wand flüssig wird in eine andere, beugsamere, sanftere Form!

7. Daher kann der Versuch mit dem eisernen Gelehrten schon geschehen! Aber mit feuriger Klugheit und leuchtender Sanftmut! An der Zeit ist wenig gelegen; doch geht der Morgen vor dem Abende und die Frühzeit vor der Nachtzeit!

8. Es ist aber dem Schützen wohl gut, daß er nicht schußallwissend ist und nicht weiß die Wege seiner abgeschossenen Pfeile. Denn sonst wäre er entweder kein Schütze mehr, oder er hätte das Wild schon lange vernichtet, dessen Zweck und Ordnung ihm unbekannt ist.

9. So sollet ihr euch auch nicht des Gelingens kümmern, da ihr ja wisset, daß Ich der Herr alles Gelingens bin! – Tuet ihr nur das Eurige, und Ich werde das Meinige tun. Machet euch wenig daraus, wenn das in rechter Weise begonnene Unternehmen oft eurem Sinne nicht entspricht; sondern erwäget, daß Mein Sinn schärfer ist denn der eurige!

10. Und so ist die Arbeit euch nun gegeben, das Gelingen aber bleibet bei Mir! – Und so wird am Ende jeder Arbeiter seinen Lohn finden – nach der Arbeit. Ist die Arbeit gut, so wird auch das rechte Gelingen nicht ferne bleiben wie auch der Lohn. Und wenn die Arbeit schlecht ist, da wird es wenig Wolle geben, wohlgemerkt und verstanden! Denn das sage Ich, euer lieber Vater, in dem alles Gelingen ruht lebendig. Amen, Amen, Amen.

 

Nochmals: Wider die Tanzsucht! – 17. Januar 1841, Sonntag, vormittags

1. Schreibe nur zu, denn Ich kenne gar wohl die Frage und die ängstliche Bitte! Aber es ist zu spät, daß Ich darob euch eine Antwort des Friedens geben möchte, bevor da gar bald kommen wird über die drei tanzsüchtigen Töchter des weltfürchtenden Ans. H. eine Antwort Meines Gerichtes! – Denn Ich habe viele Worte des Friedens verschwendet; diese Töchter aber haben nichts davon verstanden und sind schalkhaften Herzens geblieben und sehen ihre Mutter hinterm Rücken mit ärgerlichen Augen an, so ihnen diese, Mir zuliebe, nicht gönnen will, darnach ihr Herz gelüstet, und schmähen heimlich jetzt schon jeden, der ein Widerrechtler ihrer Sinnenlust ist oder „verräterisch“ an ihnen handelt.

2. Siehe, der Tanzboden hat ihre Ohren schon hinreichend abgeschliffen und glatt gemacht, so daß die Stimme Meiner Milde, heimlich verachtet, abprallt und nicht mehr zum Herzen gelangen kann. Daher werde Ich gar bald mit einer anderen Stimme sie heimsuchen, daß sie Mich als Richter solcher weltsüchtigen und welthorchenden Kinder werden erkennen müssen – da Ich ihnen als liebevollster, warnender Vater zu gering war.

3. Denn sie wissen es so gut wie ihr, daß Mir der ewig verfluchte Tanz unter was immer für einer Form, unter was immer für einer Bedingung und an was immer für einem Orte eines der allerwiderlichsten Laster ist, weil es fürs erste nichts als eine Art sodomitischer Unzucht ist, durch welche sich heidnische Völker zu allen möglichen Ausschweifungen aufreizen ließen; und fürs zweite, weil eben dieses Laster heutzutage sogar unter einem weltlich-moralischen Anstriche gar pflicht-frei, ohne eine Mißbilligung, gang und gäbe geworden ist. – Darum soll es nun aber auch tausendmal tausend Male verflucht sein!

4. Und fürs dritte ist der Tanz ein allerwiderlichstes Laster, weil er sogar schon die Kinder von Mir gänzlich abwendet und ihre Herzen geistig versteinert, die Mädchen verdirbt und sie häufig unfruchtbar oder doch sehr oft schlecht fruchtbar macht, und die Frucht im Leibe schon mit einem oft unwiderstehlichen Triebe nach diesem Laster versieht, der sich dann schon nach wenigen Jahren kundgibt – und weil es noch dazu, wie kein anderes Laster, den Menschen, der sich ihm ergeben hat, nicht nur auf eine Zeit, sondern mit sehr seltener Ausnahme für immer von Mir abzieht, so daß ein solcher sich dann nimmer zu Mir kehren mag, außer durch ein Gericht, welches ihn aber wenig mehr nützen wird. Denn zu dem Ich im Gerichte komme, über den ist Mein Zorn gekommen mit dem ewigen Tode!!

5. Das beste Mittel gegen diese widerliche Sucht aber ist dieses (so ihr es beachten wollet), daß ihr Eltern euch der Welt zwar äußerlich gerade nicht wiedersetzet, aber durch ernste und wohlmeinende Darstellung Meines Willens bei euren Kindern zu bewirken trachtet, daß sie sich selbst verleugnen und selber widersprechen sollen den tollen Anforderungen der Welt. Denn so die Kinder unter was immer für einem verständigen Grunde nicht zum Tanze gehen wollen, so wird die Welt die Eltern gewiß in aller Ruhe lassen. Im Gegenteile aber wird ihr alleiniges Bemühen, außer einem gänzlichen Weltbruche, wenig fruchten und nützen. Möget ihr der Welt vernünftigste Gegenreden stellen, so viel ihr nur immer wollt, so wird euch diese allezeit etwas zu erwidern wissen, das euch betrüben wird; und eure Kinder werden von ihr verschlungen werden so oder so und werden am Ende euch in ihren Herzen zu hassen anfangen und eure größten Peiniger werden. – Gestattet ihr ihnen aber, den Anforderungen der Welt zu folgen, da wisset ihr ja ohnehin, welchen Dienst ihr dadurch Mir leisten möget!

6. O hätte der Ans. H. sich früher an Mich gewendet, statt daß er seine blinde Verwandtschaft fürchtete, so hätte er nun alles gewonnen. Allein er hat Mich damals ärgerlich auf eine Minute zurückgesetzt. So möge er nun auch in allem Ernste schauen, wie er in allem wieder zu Meiner Ordnung zurückkehren wird! Denn Ich werde dereinst mit denjenigen Eltern nicht gut zu sprechen sein, die Mir ihre Kinder anders zurückbringen, als Ich sie ihnen gegeben habe. Denn da soll jeder, der zu Mir kommen will, sein gleich den Kindern. Wenn aber die Kinder, gleich der Welt, voll Ärgernisse sein werden, da will Ich alles zur Hölle schicken und soll die reine Lebenswohnung Meiner Heiligen nimmer befleckt werden mit dem Drachenblute solcher weltverdorbenen Kinder!

7. Denn höret, es liegt Mir nichts an tausend Welten voll solcher Kinder! Denn Mein Reich und Meine Schöpfung ist unendlich. Und es liegt Mir an Millionen Welten gerade so viel, wie an einem wurmstichigen Apfel, der unreif vom Baume gefallen ist und zertreten wird. Aber jedem von euch muß alles an Mir gelegen sein, so er will, daß Ich ihn ansehe in Meiner Erbarmung.

8. Der aber Meiner vergessen kann der Welt wegen, nachdem Ich ihm so vieles schon getan habe von Ewigkeit her – wahrlich, den werde Ich seiner Untreue wegen nicht mehr suchen und werde ihn gehen und fallen lassen, dahin er will. Und Ich werde Mich in Ewigkeit nicht mehr um ihn kümmern, da Ich auf ihn nicht anstehe, wohl aber er auf Mich.

9. Siehe, Ich bin ein überreicher Bräutigam und freie und lasse Mich freien. Wo Ich aber freie, da bin Ich voll Eifersucht; und wehe denen, die Meine Hand ausschlagen! – Wo Ich aber gefreit werde, da bin Ich spröde und schaue Mir die Freier wohl an, ob sie mit Hochzeitskleidern angetan sind? Wehe denen, die mit weltbeschmutzten Händen nach Mir greifen! Diese sollen Meine Gerichte hart treffen!

10. Denn wer die Welt mehr fürchtet als Mich, der ist Meiner nicht wert! Wer den Menschen mehr trauet als Mir, ist Meiner nicht wert! Wer die Armut der Welt fürchtet, ist Meiner Schätze nicht wert! Ja, wer Mich neben der Welt herziehen will, ist Meiner nicht wert! Und ein großer Tor ist, wer Mich nicht zu seinem allerhöchsten Gute macht; auch er ist Meiner durchaus nicht wert und wird einst an der ewigen Armut dafür nagen müssen.

11. Dir aber, Meinem Knechte, sage Ich, daß du mit diesen dreien tanzsüchtigen Töchtern so lange nichts zu tun haben sollst, bis Ich es dir anzeigen werde. Auch sollst du derzeit keine Silbe mit ihnen wechseln. Denn sie haben dein Wort im Herzen verspottet, darum du nicht ihrer Sache warst.

12. Sonst, wenn diese drei nicht anwesend sind, kannst du wohl ins Haus des Ans. H. treten und dann der Häuslichen deinen Unterricht geben in der Tonsprache. Aber wohlgemerkt, zu einer andern Zeit nicht – auch nicht einmal über den Tisch – als bis Ich es dir anzeigen werde! Denn daß Ich das von dir fordere, geschieht aus Liebe für den Ans. H. und dessen Weib. Das ist alles, was da wohl zu beachten und zu berücksichtigen ist; und ohne dieses ist kein Heil! – Amen! Das sage Ich, die Ewige Liebe noch. Amen. Amen. Amen.

 

Ermunterung eines ängstlichen Vaters. – 18. Januar 1841, nachmittags

1. Das wenige sei noch hinzugesagt als eine Salbe von Mir Meinem lieben Anselm „Wortemsig“ (denn das ist sein neuer Name in Meinem Buche!) – daß er sich nicht über die Maßen betrüben soll, so er Meinen Donner vernimmt, mit welchem gestern gesprochen wurde, auf daß sein ganzes Haus möchte alsobald geweckt werden. Denn Meine Wahrheit kommt allezeit unter großem Donner; aber Meine Liebe im sanften Wehen. Doch aber geht das eine wie das andere von einem und demselben liebevollsten heiligen Vater aus.

2. Wenn Ich aber zu dem Petrus sagte: „Weiche von Mir, Satan; denn du bist Mir ärgerlich, da du nicht trachtest nach dem, was Gottes ist, sondern nach dem, was der Welt angehört!“ – siehe, so hat dabei Petrus gewiß nichts verloren, sondern nur unendlich gewonnen – und blieb nachher Mein getreuer, steinfester Apostel!

3. Und siehe, Mein lieber Wortemsig, so Ich zu dir sagen möchte, was Ich zu Petrus gesagt habe, so möchtest du sterben vor Angst. Allein Ich kenne deine Stärke und gebe dir nach deiner Kraft zu tragen und will es ansehen, als wenn du vieles getragen hättest. Denn die Ich lieb habe, denen schicke Ich so manche kreuzigende Not und oft ein außerordentlich groß scheinendes Kreuz, so daß, der es ansieht, gewaltig davor erschrickt!

4. Aber Ich sage dir, daß das Kreuz nur so groß aussieht; es ist gar nicht so schwer! Denn es ist nur von Papier und von innen ganz hohl. Daher es auch gar leicht ist und ist nur ein „sanftes Joch“ und eine „leichte Bürde“.

5. Daher sei nur getrost! Sei ernst mit deinen Kindern und suche sie ohne Scheu auf Meine Wege zu bringen! Es wird dir darob kein Haar gekrümmt werden. Und verlasse dich in jeder Not auf Mich und tue das Deinige! Ich versichere dich, daß Ich getreu das Meinige nicht unterlassen werde.

6. Siehe, selbst in weltlichen Dingen, so du Not hättest, kann Ich dir geben zehnmal so viel, als du brauchst. Daher fürchte dich nicht, denn Meinetwegen wirst du niemalen zu kurz kommen! Daß eine kurze Zeit Mein schwacher Knecht sich aus Meiner Liebe zu dir und den Deinen zurückziehen muß, das ist nichts anderes als eine erste Hilfe von Mir zur Unterstützung deines Ernstes, und das nur auf eine sehr kurze Zeit, damit deine Kinder desto eher einsehen möchten, daß es Mir vollkommen ernst ist, sie alle für Mich zu gewinnen. Würdest du irgend gefragt ob solcher Zurückgezogenheit, so kümmere dich nicht der Antwort; denn Ich werde dir die Zunge lösen zur rechten Zeit.

7. Darum habe keine Furcht, Mein lieber Wortemsig! Denn Ich werde dich ewig nimmer verlassen! Ich, dein lieber Vater. Amen. Amen.

 

Vereins- und Gesellschaftssatzungen. – 24. Januar 1841, Sonntag, nachmittags

1. Was die Gesellschaften betrifft, so ist es schon im Evangelium hinreichend gesagt worden, daß, wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, Ich allezeit mitten unter ihnen bin. Daher ist es auch nicht unziemlich, wenn Menschen in Gesellschaften zusammentreten, um dadurch unter Meinem Beistande etwas Nützliches zu bezwecken.

2. Wo aber nun irgendeine Gesellschaft sich befindet, da ist es natürlich, daß, je nachdem die Gesellschaft irgendeinen Zweck vorhat, unter ihr auch diesem Zweck entsprechende Verhältnisse obwalten müssen und daß diese Verhältnisse von jedem Mitgliede der Gesellschaft als Gesetze oder, wie ihr zu sagen pflegt, als Statuten zu beachten sind.

3. Es fragt sich demnach, wer da wohl die Gesetze oder Statuten entwerfen oder vorschreiben solle. – Da soll nun aus der Gesellschaft der verständigste, einsichtsvollste und erfahrenste Mann gewählt werden; und dieser nun auf solche Art gewählte „Vorsteher“ soll dann sich zur Seite, nach Umständen des Gesellschaftszweckes, drei bis sieben „Beistände“ oder „Räte“ wählen. Und wenn nun ein solcher „Vorstand“ zuwegegekommen ist, dann sollen erst die „Gesetze“ oder „Statuten“ von diesem Vorstande entworfen werden, die dem Zwecke entsprechen, dessen nützliche Realisierung sich die Gesellschaft vorgesetzt hat.

4. Diese Satzungen sollen dann jedem beitretenwollenden Mitgliede genau und anschaulich vorgelesen und erklärt werden. Und da soll dann kein beitretendes Mitglied irgend etwas einzuwenden haben; sondern, wenn es die Satzungen zweckvoll findet, so möge es beitreten, im Gegenteile aber sich auch nach eigener Willkür fernehalten. Und es soll wegen Gewinnung eines oder des anderen Mitgliedes nichts mehr an den Satzungen verändert werden, sondern, wie sie ursprünglich gegeben wurden, so sollen sie auch fortbestehen, solange der Verein einer solchen Gesellschaft dauert.

5. Denn wenn, wie es gewöhnlich der Fall ist, nach Umstand der Sache und der eintretenwollenden Mitglieder, solche einmal gültig entworfene Satzungen bald hier, bald da eine Abänderung erleiden, so geben solche Abänderungen nur einen sprechenden Beweis, daß eine solche Gesellschaft auf schwachen und unverläßlichen Füßen beruht, die schon ein leichter Windstoß zum Wanken bringt. Denn neue Gesetze machen die bestehenden unvollkommen. Und wo immer durch ein neues Gesetz ein früheres gewisserart unterstützt werden muß, ist das ein Zeichen, daß das frühere Gesetz krank, gebrechlich und nicht viel nütze ist – woher es dann kommt, daß durch dergleichen Erneuerungen eine gesellschaftliche Anstalt oder ein zwecktunlicher Verein immer mehr in den Mißkredit hinabsinkt, sich endlich gänzlich auflöst und mit ihm auch die bezweckte gute Sache zugrunde geht.

6. Daher ist auch dieses das beste Grundgesetz zur Bildung irgendeiner zweckdienlichen Gesellschaft, daß da vor allem ein einsichtsvoller und wohlerfahrener Mann an die Spitze gewählt wird, dieser dann aber alsogleich das Recht hat, wie oben angezeigt, sich Helfer an die Seite zu wählen.

7. Wenn nun dieses bei der Bildung einer Gesellschaft beachtet und gehandhabt wird, dann wird die Gesellschaft einem Menschen gleichen, in welchem ebenfalls das empfindende, fühlende und den ganzen Lebensprozeß ordnende Herz sich lebendig in der Mitte des ganzen Organismus befindet und zunächst den ihn umgebenden Körper mit den nötigen Sinnen versieht und dieselben unterhält als gewissermaßen seine „Räte“, durch welche Beschaffenheit dann der ganze Organismus des Menschen und durch denselben der Mensch selbst gar wohl erhalten wird.

8. Wie würde aber der Mensch als solcher fortbestehen, wenn in seinem Organismus fortwährend neue Anordnungen getroffen würden!? Würde da nicht jede Hand, jeder Finger wollen Ohren, Augen, Mund und Nasen haben!? Und wenn das, sofort nachgebend und alles gewährend, ginge – wie würde in kurzer Zeit der Körper des Menschen aussehen, da man nichts als lauter Herzen, Augen, Ohren, Nasen und Munde an ihm entdecken würde!

9. Sehet, wie es sich mit dem Menschen in dieser Hinsicht verhält, dessen Glieder alle eine wohlgeordnete Gesellschaft untereinander ausmachen, dasselbe soll auch von jeder schon gebildeten oder noch zu bildenden Gesellschaft genau beachtet werden!

10. Jedoch was die rein weltlichen Gesellschaften betrifft, deren Entstehen oder Bestehen keine andern als nur unterhaltende Zwecke hat, so finde Ich für derlei Gesellschaften kein anderes Gesetz als das einzige, daß sie weder entstehen noch bestehen sollen. Wo sie aber bestehen, da sollen sie kein Ärgernis geben und wenigstens einer solchen Zucht entsprechen, daß ihr Beispiel nicht allzusehr die Menschen anlocke und von Meiner Ordnung abziehe.

11. Wo aber irgend neue Gesellschaften für solche irdische Unterhaltungszwecke sich bilden möchten, da sage Ich nur: Sie werden nicht gar zu lange mehr bestehen unter was immer für Satzungen. Denn Ich stehe vor der Türe und bin überladen mit allerlei Statuten für solche Gesellschaften und werde Mir voraus einen Engel senden, der Meine Ankunft verkünden und die Erde säubern wird mit seiner scharfen Sichel von dem Unkraute, das da allezeit dem freien Wachstume Meines Weizens hinderlich war.

12. Und dieser Engel wird auch ein großes Rauchfaß haben und wird mit demselben über die ganze Erde einen schrecklichen Rauch machen, auf daß alle Pest auf derselben in dem Rauche zugrunde gehen muß. – Verstehet aber wohl, was da unter der „Sichel“ und unter dem „Rauchfasse“ verstanden wird! Nämlich, wer nicht Weisheit besitzt, der soll wissen, daß die Sichel das „Schwert“ und das Rauchfaß das „scharfe Geschütz“ bedeutet.

13. Sehet, mit solchen Statuten werde Ich die Welt ihrer unterhaltenden Gesellschaften und vieler andern, dadurch entstandenen Übel wegen alsobald und unverzüglich heimsuchen. Jedoch soll Mein Engel mit der Sichel und dem Rauchfasse die Häuser derjenigen verschonen, die ihres Hauses Türpfosten mit dem Worte Meiner Liebe und Meiner Erbarmung gesalbet haben. Denn Mein Wort ist eine große Gnade für den, der solches empfängt, und ist für die Pfosten der Türe ein gutes Salböl. Es wird der Engel an der Türe versuchen, ob sie knarret am Pfosten. Wo sie knarren wird, da wird der Engel das Haus bis auf den Grund niederreißen. Da sie aber sanft aufgeht, da wird das Haus verschont werden, und zwar aus diesem Grunde:

14. Wenn Ich nämlich komme, da werde Ich kommen gleich einem Diebe und Mich in aller Stille in das Haus schleichen. Daher müssen auch alle Pfosten wohl geschmieret sein. Denn wo die Türe knarrt, da gehe Ich nicht hinein. – Das Herz aber ist die Türe! – Wenn dieses voll Angst, voll Ungeduld, Furcht und Murren, Untreue, Zwiespaltigkeit und dergleichen Untugenden mehr sich bei Meiner Ankunft Mir unausweichlich wird offenbaren müssen – höret, da wird der „Dieb“ sich alsobald entfernen und nicht einziehen durch eine solche verwahrloste Türe! Und noch weniger wird er je mehr dahinkehren als der große Statutenbringer des ewigen Lebens!

15. Denn wahrlich, wo irgendein Mensch ist, da ist er ja nicht allein, sondern eine ganze Gesellschaft ist mit ihm. Und da bedarf es am meisten eines Hauptgesetzgebers, damit die Gesellschaft eins werde unter sich und dieses Eins sei ein Leben aus und in Mir. – Wenn aber irgendeine Gesellschaft oder ein Mensch in beständiger Angst schwebt zwischen Mir und der Welt, denen will Ich ja recht gerne ihren Weltfrieden gönnen und Mich mit Meinen Statuten des ewigen Lebens zurückziehen. Und da mögen dann wohl wieder Gesellschaften der Weltunterhaltung gebildet werden. Allein Ich werde da nimmer den Friedensstörer machen und nicht eher wiederkommen, bevor Mein Engel mit der Sichel und mit dem Rauchfasse erschienen ist! – Das sage Ich, der vor der Türe steht. Amen!

 

Vom wahren Priester, Arzt und Hirten. – Licht und Trost für Schwache. – 25. Januar 1841

1. Da schreibe ein kleines Wort voll höheren Trostes an die Seele, die da stets kranken Herzens ist und sich in ihrer Schwäche weder zu raten und noch weniger zu helfen weiß. Sie hat sich ohne Meinen Rat und ohne ein ausdrückliches Begehren des besseren Teiles der kirchlichen Priesterschaft durch eine unnötige Beichte (oder sonst kirchliche, priesterliche oder doktrinäre Influenz) in eine Spalte geklemmt, deren Zusammendruck ihrem weichen Herzen eine sehr beklemmende üble Sache machte. Dadurch gleicht sie einem Kranken, zu dem zwei Ärzte kommen, welche feindselig gegeneinander fahren, da sich der Kleine gegen den Großen auflehnt, indem er keine Einsicht von der Art und Weise hat, wodurch der Große mit großer Leichtigkeit und Sicherheit seine Kranken heilet; während der Kleine vorgibt, daß nur er die wahre Universalmedizin besitze, an deren einzig und allein zu heilen vermögender Seite alles andere eitel und verdammlich ist.

2. Dieser Kranken sage, daß nur Ich der einzig und allein rechte Arzt bin und frei helfen kann, wem Ich will und daß Ich Mich ewig nimmer binden lassen werde von irgendeinem gallsüchtigen Kleinpriester, dem viel mehr eine vermeintliche Verkümmerung seiner geistlichen Autorität als das wahre Seelenheil seiner sogenannten „Beichtkinder“ am Herzen liegt.

3. Siehe, solche Mietlinge stehen Meiner Herde nicht wohl an! Sie wehren die Wölfe von den Schafen nur der Wolle, aber nicht des geistigen Lebens der Schafe selbst wegen ab. Der „rechte Hirte“ dagegen weidet und schützt die Schafe ihres Lebens wegen, da sie Sein Eigentum sind, und kümmert sich weniger um die Wolle, wohl wissend, daß das Leben, wenn es gewonnen wird, auch sicher die Wolle mitbringen wird.

4. O blicke du nur hinaus in Meine große Schöpfung! Siehe, dieses alles besteht aus Meiner Liebe und Weisheit, Erbarmung und Gnade! Meinest du wohl, daß Ich solches durch die vermeintliche priesterliche Gewalt und Zulassung tue und so die Erde und alle zahllosen Welten erneuere, erhalte und allenthalben bevölkere!? Oder muß Ich etwa einen Priester fragen um die Erlaubnis und um einen Rat, mit wie viel Licht Ich die Sonne versehen solle, und wann sie auf- und niedergehen möchte!? Oder welcher Priester hat sich denn mit Mir ans Kreuz schlagen lassen!? Oder haben damals nicht vielmehr eben gerade Meine Priester solches an Mir getan und Mich gelästert, als ob Ich vom Teufel wäre gegen ihr vermeintliches Reich Gottes, welches unter solchen Mietlingen vielmehr ein Reich des Satans geworden war und zum Teile nun wieder ist!?

5. Oder, wenn ein Mensch lebt, lebt er aus Mir oder dem Priester? – Ich sage dir, daß Ich ein vollkommen freier und über alles mächtiger Herr, Gott und Vater bin und hange nicht im allergeringsten ab vom Priestertume und kann allein Jedwedem seine Sünden vergeben, der sich reuig in aller Liebe zu Mir wendet; denn Ich bin auch ein Herr über alle Sünder! Und so Ich jemandem seine Schuld nachsehen will, vermöge seiner vollen Sinnesänderung – siehe, da stehe Ich auch gar nicht an auf eine aus törichten Gründen vorenthaltene Absolution eines „wolleverkümmert“ sich wähnenden Priesters!

6. Denn wahrlich, so Ich gar bald wiederkommen werde, da werden mich Hunde und Katzen eher erkennen als solche herrschenwollende Priester, denen allezeit nur an der Wolle gelegen war, so oder so, aber niemalen oder wenigstens sehr selten am Leben selbst!

7. So dir aber irgendein Priester nicht möchte seine wenig sagende Lossprechung erteilen, so gehe zu einem zweiten, dritten usw. Und solltest du keinen finden, der dich losspräche, alsdann komme nur getrost zu Mir und gedenke des verlorenen Sohnes und sei versichert, daß Ich als wahrer, heiliger, bester Vater Meine Kinder gewiß eher denn alle die herzlosen Mietlinge in Mein Haus und Herz mit offenen Armen aufnehmen werde!

8. Daher sei ohne Sorge in dir und folge Mir! Und Ich werde dich ewig nicht zugrunde gehen lassen! – Kehre nur deine Kindlein emsig zu Mir, wozu Ich dir schon an der Seite stehen werde! Und denke, daß der Herr aller Schöpfung auch noch viel mehr ein Herr des Geistes ist und tun kann, was Er will.

9. Siehe, Ich führe dich und werde dich ewig führen! Daher kümmere dich nicht so sehr der blinden Leiter! – Amen! Das sage Ich, dein lieber, guter Vater, dich segnend, Amen, Amen!

 

Vertrauen zum himmlischen Vater. – 26. Januar 1841

1. Der Mensch ist ein Denker, doch Ich nur ein Lenker. / Der heiterste Morgen bringt jedem noch Sorgen. / Doch wem da beschieden der Abend im Frieden, / der denke am Ziele: Es war so Mein Wille!

2. Schreibe nur zu und verkünde Meinen Rat dem bekümmerten Anselm „Wortemsig“, daß er nur ganz allein auf Mich vertrauen und Mir volltrauen solle! Denn Ich weiß es allezeit am besten, wo jemanden der Schuh drückt, und bin auch ein sehr verlässiger Wegweiser. Mir sind alle Wege wohl bekannt. Und Ich bin der nächste und kürzeste Weg Selbst! Wer darauf wandeln wird, der wird das rechte Ziel nicht verfehlen ewiglich! Denn wen Ich führe, der hat wahrlich einen sicheren Geleitsmann. Und wer auf Meinen Wegen wandelt, der verfolgt ein sicheres Ziel, ja ein Ziel, das ein Ziel aller Ziele ist. Denn Ich bin der Wegweiser, der Weg und das ewige, lebendige Ziel Selbst!

3. Siehe daher, Mein lieber Wortemsig, du sorgst und bekümmerst dich eitel, wenn du Mich liebst, treu rufst und ungezweifelt glaubst, daß Ich, dein allmächtiger, großer und heiliger Vater, es bin, der dir solches durch diesen Meinen Wortschreiber sagen läßt. Tue daher nur soviel als du magst und kannst, alles übrige überlasse im vollsten Vertrauen nur Mir! Und du kannst versichert sein, daß Ich alles zu einem gerechten Ziele führen werde.

4. Wahrlich, so du Mich eine Stunde lang geliebet und ebenso lange Mir vertraut hast, so hast du mehr getan, als so du dich zehn Jahre vergeblich sorgtest und in solchen Sorgen für nichts und um nichts gar oft von Meinen Gnadenwegen dich abwendetest!

5. Sage, magst du wohl allen deinen Kindern ein Elle hinzufügen? Oder vermagst du die Schwachen zu stärken und die Starken zu schwächen? Oder vermagst du wohl die Kleinen groß und die Großen klein zu machen, oder daß die Blinden sehend und die Sehenden blind werden, die Tauben das Gehör erhalten und die mit offenen Ohren doch nichts hören und verstehen?

6. Siehe, Ich bin ein Herr über Lebendige und Tote! Und so hört der Lebendige allezeit Meine Vaterstimme, versteht sie und kehret sich danach. Aber auch den Toten kann Ich Mich als Herr mit Meiner Donnerstimme allerschütternder Macht gar wohl verständlich machen, wenn es an der Zeit ist. Und es müssen Mir gehorchen die ganze Erde, der Mond und all die Sonnensterne und all das Weltgetümmel um sie!

7. Siehe, so aber solches alles und zahllos mehreres, vom Kleinsten bis zum Größten, abhängt von Meinem Willen, und du aber freiwillig hängest mit deinem Herzen an Meiner Vaterliebe, die da ist der ewige Ursprung aller Dinge – wie kann dich dann noch etwas bekümmern, so du Meiner Liebe allezeit versichert sein kannst, sein sollst und nun über alle Maßen wahrhaft bist!

8. Siehe an Meinen Knecht – er hat kein Vermögen, als das von Mir! Und doch sage Ich dir, daß er in seiner Armut reicher und glücklicher ist, als einer, dem alle Schätze und Wissenschaften der Erde zu Gebote stünden!

9. Siehe, die Ich versorge, die sind wohl versorgt, zeitlich und um desto mehr noch ewig, und werden bei Meiner Kost gar wohl aushalten! Und Mein Amt wird ihnen keine Amtsstunden vorschreiben, sondern die seligste Freiheit ihrer Liebe. Amen.

 

Besessenheit. – 30. Januar 1841

Bitte des Knechtes: „Herr, Dein Wille geschehe! Du weißt, wonach mich verlangt, auf daß Dein Name allezeit möchte im Geist und in aller Wahrheit geheiliget werden!“

1. So schreibe nur ein Wort über das, was dich bedrückt! Denn es gibt Besessene gerade in dieser Zeit so viele, daß dieser beklagenswerte Zustand der Menschen in allem Ernste „normal“ geworden ist.

2. Siehe, wenn der Leib hie und da krank geworden ist, so hat dies darin seinen Grund, daß durch irgendeinen Umstand fremdartige Teile in denselben gekommen sind. Sodann bemüht sich der Leib in seiner organischen Tätigkeit, diese fremden Stoffe (mittels des Nervengeistes) hinauszuschaffen. Allein es ist hier der Fall wie bei jemandem, der da ohne irgendein Hindernis in ein künstliches Labyrinth geraten ist, daraus er sich nicht so leicht wieder finden kann, wie er hineingekommen ist. Und so kann denn so ein fremdartiger Teil ebenfalls auch nicht so leicht wieder aus dem Leibe geschafft werden, wie er hineingeraten ist.

3. Wo aber dann im Leibesorganismus ein solcher Fremdteil sitzt, da hemmt er die ordnungsmäßige Tätigkeit der Organe und verursacht allerlei Störungen im Kreislaufe des Blutes und aller aus demselben entspringenden Säfte. Und so dann dadurch diese nicht zur rechten Zeit zur Sättigung zu den bestimmten Organen gelangen können, so werden die Organe dann hungrig, schrumpfen zusammen und verursachen ein krampfhaftes, schmerzliches Ziehen, werden matter und matter; und schließlich wird der Leib völlig abgespannt, und die Organe verlieren alsobald samt der Elektrizität ihre elektrische Spannkraft. Und die Folge davon ist, daß der Leib dadurch hinfällig und krank wird.

4. Es sind solche fremdartige Teile, als z.B. Gifte aller Art, in allen Elementen. Und sie können in den Leib auf verschiedene Weise gelangen, entweder durch den Mund, die Nase, die Ohren, die Augen wie auch durch die Poren der Haut.

5. Dann gibt es neben den Giften aller Art auch sogenannte Kontagien, welche durch die Berührung oder oft schon durch bloße Annäherung, gleich einem Sauerteige, durch die Poren in den Leib dringen und demselben sich zu assimilieren anfangen, wodurch derselbe dann oft sehr gefährlich krank wird, weil dann der Leib eine ganz fremde Beschaffenheit anzunehmen genötigt ist. Und wenn da nicht schnelle Hilfe geleistet wird, so ist es mit dem Leibe unfehlbar geschehen.

6. Weiter gibt es noch eine dritte Art der Entstehung der Krankheiten, nämlich gewaltsame Verletzungen, welche ebenfalls störend und oft tödlich auf den Organismus einwirken. Und zwar versteht sich von selbst, daß es da zweierlei Verletzungen geben kann, entweder äußere oder innere.

7. So ist also, kurz gesagt, eine wie immer gestaltete Krankheit des Leibes demnach nichts als ein Besessensein desselben von fremdartigen, dem Leibe nicht entsprechenden Elementen!

8. Obschon zwar der Leib alle Elemente naturmäßig in sich begreift, so ist aber im Gesundheitszustand von jedem doch nur soviel da, als es der Naturordnung gemäß ist. Demnach besteht die Fremdartigkeit in den unverhältnismäßigen Proportionen, d.h. im ungeteilten Zuviel oder, unter anderen Umständen, im Zuwenig.

9. Siehe nun, so da irgendein Mensch schon von der Geburt aus verdorben wird, da schon vermöge des unordentlichen Lebens der Eltern demselben fremdartige Teile eingeboren werden, so nennet ihr ein solches Übel („angeerbt“ oder) „chronisch“. Und wenn aber ein solches Übel sich dann auf eine ganze Generation übergehend erstreckt, da, sage Ich, wird ein solches Übel „normal“ und ist auf natürlichem Wege nicht mehr aus dem Leibe zu bringen, sondern nur durch Mich, auf dem Wege des Wunders, was dann eine Gewalttat von Mir ist, da Ich dann durch Meine allerbarmende Liebe gegen Meine Ordnung zu handeln gezwungen werde. – Andernfalls muß das Übel völlig ausgezeitigt werden und zeigt sich dann auf dem Wege von allerlei Aussatz und allerartigen bösen Fiebern und Seuchen, wo es dann, sich selbst empfehlend, den betreffenden Menschen reiniget, oft aber auch, im zu heftigen Auftreten, denselben wie auch ganze Generationen mitnimmt und so dem Arzte hernach die Regel zeigt, daß es gegen so alte Schäden nicht gar viele heilende Mittel gibt.

10. So aber jemand erfahren möchte, ob auch in ihm ein heimlich schweigendes, angeerbtes, chronisches oder ein selbsterworbenes Übel sei, so darf er nur recht fasten und bei solcher Diät dann und wann ein sparsames Medikament, natürlich in entsprechender Art, zu sich nehmen, so werden sich bald melden: unter den Nerven die angeerbten, in den Gliedern die chronischen und in den Eingeweiden die selbsterworbenen Übel. Und es ist das der Weg der sogenannten Homöopathie, die bei den Übeln erster Art auch vorzuziehen ist.

11. Nun sehe, da Ich dir hier gezeigt habe des Leibes Besessensein, so habe Ich dir auch gezeigt das geistige Besessensein der Menschen. Denn es verhält sich mit dem geistigen gerade also, wie mit dem leiblichen.

12. Und es ist solches Besessensein darob nun so normal geworden, daß es die Menschen gar nicht mehr merken, welch scheußlichen Mutwillen die bösen Gäste mit ihnen treiben. Ja, so sehr sind die Menschen jetzt „besessen“, daß in ihnen das Bösgeistige und ihr Eigenes völlig eins geworden ist. Da spricht der böse Geist nur für sein Haus und das Haus für seine schnöde Wohnpartei.

13. Denn da sind Tanz, Hurerei, Groll, Schelten, Fluchen, Rauben, Stehlen, Lügen, Stolz, Hochmut, Prahlerei, Ehrabschneidung, Neid, Geiz, Hoffahrt, Fraß, Völlerei, Spott und Hohn gegen alles Mich betreffende, Pracht, Mode, Luxus und dergleichen Eigentümlichkeiten nichts als vollkommene, untrügliche Zeichen des allerintensivsten Besessenseins.

14. Wer es nicht glauben will, der versuche nur schnell die empfohlene Diät des Geistigen in der Selbstverleugnung und nehme mehrere kleine Dosen Meines Wortes ein, und wahrlich sage Ich, er wird sich bald überzeugen, welch ein „Herr“ da in ihm wohnet. Und wird dieser durch Mich hinausgeschafft, dann werden diese Bestien gleich die ganze Welt gegen einen solchen Befreiten reizen.

15. Wer daher nicht glauben möchte diesem Worte, der versuche nur die „Homöopathie des Geistes“, und er wird sich alsobald überzeugen, daß Ich, die ewige Wahrheit, treu bin in jeglichem Meiner Worte.

16. Aber es ist die allgemeine Auszeitigung nicht mehr ferne! – Dann dreimal wehe dem Inhaber solcher Güter! – Amen. Das sage Ich, die urewige Wahrheit Selbst!

 

Die wilde Jagd. – 1. Februar 1841

1. Ein Nachtrag über das Besessensein! – Doch so Ich dir hier für die Menschheit Schauerliches im Vollmaße verkünden werde, so denke, daß Ich es bin, dem alle Dinge möglich sind!

2. Wenn irgend bei einem Menschen, der sonst fromm und tugendhaft ist, sich böse, fremde Wesen entweder durch Gebärden, und zwar sogleich wohl erkennbar, oder auch bei besonderen Fällen, in fremdartigen Stimmen durch allerlei, mit Hohn und Spott lästernden Reden zu erkennen geben, da sie den armen Besessenen martern, schlagen und hin- und herwerfen, so hat diese Erscheinung einen dreifachen Grund.

3. Wenn da gefragt würde: wie kommt so ein unschuldiger Mensch zu solcher Qual, warum und wann? – da denke dir zuerst:

4. Wenn ein Reh auf der Jagd erlegt worden ist, so wird nach demselben nicht mehr gejagt werden, da wird das Erlegte nach Hause getragen als Beute der Jagd. Wo aber ein Wild von den Hunden noch im Forste gewittert wird, siehe, da geben die keine Ruhe dem Wilde und verfolgen es unausgesetzt, auf daß sie es brächten vor des Jägers tödliches Gewehr, um dann wieder frisches Blut zum Lecken zu bekommen. – Und dann hat fürs dritte jeder Weidmann aber auch seine Zeit und beobachtet die Reife des Wildes und schonet es zuvor sorgsam und verhütet das Gebell der Hunde, um das Wild nicht aus dem Forste zu schrecken. Das Wild aber ist schuldlos, denn es vermag nichts zu merken von des Weidmanns Tücke. Und oft geschieht es, daß es ein dummes Wild ist und bleibet wie gefesselt im dunklen Revier des Todes und läßt sich erjagen von den Hunden und töten vom Jäger.

5. Siehe hier das Bild – und wisse, daß der Fürst der Finsternis unablässig Jagd macht auf alle Menschen und sie sämtlich als das Wild seines großen Revieres betrachtet. Und war er früher nur ein Raubjäger, so hat er sich aber jetzt auf eine kurze Zeit zum Jagdinhaber aufgeworfen und weiß daher sein Wild zu schonen bis zur bestimmten Zeit, da er dann wieder eine große Treibjagd gibt, um mit reicher Beute beladen heimzukehren.

6. Solche „Jagdzeiten“ aber sind vorzugsweise jene öffentlichen Belustigungen, Krieg, Zwietracht, Hurerei und dergleichen mehreres. Und da sind Tänzer, Krieger, Neider, Hurer und so fort nichts als gehetztes „Wild“. – Wohl denen, die sich noch frühzeitig vor der Hetzzeit in Mein Revier geflüchtet haben, so ihnen die Ahnung oder Meine fernrufende Stimme verkündete, was da kommen wird gar bald über den Forst des Satans! – Wehe aber den Gehetzten, wahrlich sage Ich, des Beute sie geworden sind, des sollen sie auch bleiben!

7. Wehe den Musikern, die da stoßen gar eifrig Tag und Nacht in die Jagdhörner des Satans, um das Wild zu betäuben und zu hetzen zu dem tödlichen Feuerrachen des Fürsten aller Teufel! Höret, ihr getreuen Söldlinge des Satans, die ihr die Sprache des Himmels stoßet in die Posaune des Todes, euer Lohn wird groß werden im Reiche dessen, dem ihr so getreu dienet!

8. Höre, du Mein Schreiber, solche können nicht besessen werden, da sie ohnehin selbst zum Jagdgefolge des Satans gehören. O zweifle nicht, daß es also ist, denn die Tanzmusik ist eine trügerisch feine Stimme des Satans und gleichet dem Gesange der Sirenen, von dem die Alten gar weise fabelten. Wer aber solche Stimme führt, ist kein Besessener mehr, sondern einer, der da selbst fangt und Besitz ergreift.

9. Wehe euch Tanzmeistern und Vortänzern, Ballgebern und Ballmeistern, auch ihr gehöret gleich den Musikern zum Jagdgefolge des Satans und seid wohl brauchbare Schuß- und Treib-Teufel selbst! Euch brauche Ich nicht euren Lohn für dereinst auszusprechen, denn in dessen Amte ihr stehet, der wird euch euren Sold schon ohnehin wohl ausgemessen haben! Ihr seid fleißige und gar treue Diener eures Herrn; jeder Arbeiter aber ist ja seines Lohnes wert! Und so könnet ihr wahrlich ganz vollkommen versichert sein, daß ihr dereinst, und zwar bald schon in der letzten Zeit der großen Lohn- und Preisverteilung durchaus nicht zu kurz kommen werdet! Denn wahrlich, es wird da gehen nach Meinem Ausspruche, und der möchte euch wohl ein sicherer Bürge dieser Verheißung sein!

10. Siehe, du Mein Schreiber, auch diese sind und werden nicht besessen, sondern überdenke diese Art Menschen wohl, und du wirst gar bald finden, daß sie nichts als Mammons wohlgeschmeidige Diener sind, denen es mit wohlleserlicher Schrift auf die Stirne geschrieben steht: „Erlaubet es uns und gebt uns Geld, und wir wollen euch die ganze Welt vergiften und Tanzsäle errichten, in denen Sonnen ihren Auf- und Niedergang feiern mögen und Erden gleich Erbsen herumkugeln!“ O siehe, für so große und herrliche Pläne wird dereinst ja auch ein gar großer Preis und Lohn folgen müssen! Denn wahrlich, an solchen großdenkenden Geistern leidet der Himmel die größte Armut!

11. Wehe euch Schülern solcher Meister! – Wahrlich, Ich sage euch, der Fürst der ewigen Nacht hat eure Namen getreu eingetragen in sein großes Buch des Todes. Und der Engel Meiner Gnade hat dafür gleichzeitig dieselben ausgelöscht aus Meinem Buche des Lebens. Und darob werdet ihr einst zu denjenigen gezogen werden, die da sagen werden: „Herr, Herr, wir haben ja Deinen Namen angerufen, wir haben geglaubt, daß Du der lebendige Sohn Gottes bist, haben wir auch keine Wunderfrüchte des Glaubens getragen, so haben wir aber doch geglaubt und waren Zeugen Deiner Gnade und wirkten in der Macht Deines Namens all unser Tun, da wir wohl wußten, daß ohne Deinen Willen ja nicht einmal ein Sperling vom Dache zu fallen vermag!“

12. Ich aber werde dann so frei sein und werde ihnen keck und trockenweg entgegnen: „Weichet von Mir, ihr Verfluchten und Gehetzten, Ich habe euch noch nie als Mein Eigentum erkannt: Meint ihr, daß Ich ein Räuber und Dieb bin und Mir fremdes Wild zueignen möchte!? Das sei ferne! Dem ihr zu eigen geworden seid, dahin kehret, damit euch euer Preis werde! Denn Ich kenne euren Inhaber, und Meine Gerechtigkeit gehet weiter als ihr es denket. Und darob soll des Satans sein, was er sich erworben hat, und Mein das nur, was von Meiner Stimme gelockt, früh genug Mein Revier betreten hat.

13. Es soll dereinst der große Fürst des Todes, dem ihr euch zu eigen gemacht habt, keine Sache wider Mich haben, als wäre Ich je ungerecht gegen ihn gewesen. Sondern da soll dann das Seinige ewig sein und das Meinige ewig Mein verbleiben – und zwar das Seine in des Gerichtes und aller Verdammnis Feuerqual mit und bei und in ihm, wie das Meinige in des Lebens höchster Seligkeit und Wonne mit, bei und in Mir!“

14. Siehe, du Mein Schreiber, diese „Schüler“ gehören schon zu den Besessenen. Denn wer da besitzt das Gebiet, dessen ist auch das, was darauf Wohnung macht. – So aber jemand zur rechten Zeit der Freilassung, welche die kurze irdische Lebenszeit ist, das böse Gebiet freiwillig und gänzlich verläßt und kommt zu Mir, um auf Meinem Revier Wohnung zu machen, den werde Ich aufnehmen und ihn zu Meinem Eigentume machen. Und Ich werde Mein Gebiet wohl zu verschanzen wissen vor den Feinden und (unbußfertigen,) gehetzten Überläufern, auf daß Mein Gebiet ein geheiligtes bleibe und Meine Einwohner völlig gesichert seien.

15. Höret aber alle, ihr Gehetzten, das ist Meine Stimme: Wahrlich, sage Ich euch, ihr werdet nicht hineingelassen werden auf eurer Flucht in Mein Gebiet! Denn dessen Name einmal eingetragen wurde ins Buch des Todes, für den werde Ich nimmerdar streiten und widerrechten! Denn es soll ewig das Recht des Grundbuches von Mir gar sehr berücksichtigt werden.

16. Zu dieser Klasse sollen auch gerechnet sein alle Mode- und Luxushändler, alle die Fabrikanten solcher Scheusalsdinge des Satans und auch alle jene, die dergleichen anrühmen, verteidigen, gutheißen und sogar oft wohlmeinend fördern, wie auch alle jene, die daran teilnehmen und Geschmack daran finden. Und so auch wehe dereinst jenen, die dergleichen wohl verhindern mochten und es nicht taten aus zeitlichen Intressen! Alle diese sollen nie zu Meinem Eigentume werden, wie auch jene nicht, die diesem Worte nicht glauben werden, daß sie gerettet werden möchten.

17. O zweifle nicht, du Mein Schreiber! Es ist also! Und es werden einst gar viele kommen hin zu Meinem Gebiete und werden da ohne innere Buße Meinen Namen anrufen. Aber wahrlich sage Ich dir, sie werden nicht hineingelassen werden. Und siehe, da wird dann viel Lästerns und Verwünschens vorkommen und werden sich da viele anklammern an das Holz Meines Forstes, um es aus Rache zu verderben. Allein das Mark Meines festen Holzes werden sie nimmer erreichen. Und so Ich alsobald die Bäume Meines Forstes werde reinigen lassen, siehe, da bin Ich ein guter Förster und werde die Äste schon wieder zurechtbringen.

18. Und daß Ich solches dulde und Selbst aber keine Eingriffe in des andern Eigentum mache, geschieht, daß dereinst, wie schon gesagt, Mein Feind Mich nicht der leisesten Ungerechtigkeit beschuldigen kann. Daher suche Ich auch niemanden mit Zwang und Gewalt und will nicht jemanden bereden zu Mir, sondern wer da kommt, Mich suchet und pochet an der Türe Meines Gebietes zur rechten Zeit, und zwar laut schreiend und mit aller Gewalt pochend und reißend an der Türe Meines Gebietes, dem will Ich die Türe öffnen und ihn wohl aufnehmen.

19. Aber wer da zur rechten Zeit nicht kommen und nicht schreien und gewaltsam pochen und reißen wird an der Türe, wahrlich sage Ich dir, um dessen Besitz werde Ich mit Meinem Feinde nicht rechten, sondern was da kommen wird über Meinen Feind, wird auch kommen über sein erworbenes Eigentum!

20. Wie aber da gekommen ist der Tod durch den Einen und wieder das Leben durch den Einen – so wird am Ende auch das Gericht gehalten werden gegen jenen Einen und alles wird gerichtet werden durch diesen Einen! – So aber der Fürst der Welt gerichtet wird von dem ewigen Sohne des Vaters, da wird dann auch all sein Eigentum gerichtet werden mit und in ihm. Denn so ihr einen Verbrecher richtet, richtet ihr da nicht zugleich dessen Eingeweide? Und wird sich ein Glied lebend erhalten, wenn der Verbrecher getötet wird?! – Siehe, desgleichen wird auch dereinst, und zwar nicht gar zu lange mehr, geschehen!

21. Überdenket wohl, was Ich hier gesagt habe! Ich habe noch vieles verschwiegen, doch lasset das Überflüssige! Es soll da noch ein Nachtrag folgen! – Amen. – Das sage Ich, die Ewige Liebe! Amen.

 

Von den Arten der Besessenheit. – 2. Februar 1841

1. Das Folgende sei der Schluß-Nachtrag über das Besessensein! – Und so du auch hier im allgemeinen wenig Tröstendes finden wirst, sondern Schauderhaftes über Schauderhaftes und Schreckliches über Schreckliches, ja so du vernehmen wirst darinnen den Donner vom großen Gerichte nicht mehr ferne erdröhnen, so denke, daß Ich die Ewige Liebe bin, der alle Dinge möglich sind! Denn Meine Wege sind unendlich und Meine geheimen Ratschlüsse unerforschlich!

2. So du hier aber willst der Welt wegen Fragen stellen, so sollen sie geschrieben sein, und das sei dir gestattet! Doch so du fragst, da frage bescheiden und verständigen Herzens.

[HiG.01_41.02.02,a] Frage: „O Herr, in welcher Ordnung kommt denn hernach des Besessensein vor, und gehören die Besessenen des Alten und Neuen Testamentes wie die der neueren Zeit, deren Justinus Kerner und Professor Eschenmayer erwähnen, auch in die Ordnung der von Dir bezeichneten Besessenen?“

3. Antwort: Siehe, die ersten vom Jagdgefolge Satans sind die Locker in jeder böswilligen Absicht, und von den Lockern diejenigen voran, deren verführendes Unternehmen am lockendsten, reizendsten, dabei aber so gar geziemend und wohlanständig sittlich erscheint, daß demnach durch solchen feinen Betrug des Satans die Menschheit ordentlich gezwungen wird, sich von solchen Unternehmern ins ewige Verderben ziehen zu lassen.

4. Zu dieser ersten Klasse gehören demnach alle die Modisten im ausgedehnten Sinne, dann alle Tanz- und Ballgeber, dann alle Tanzmusiker, dann alle Tanzlehrer, Tanzmeister, Vortänzer und Vortänzerinnen, wie auch die sogenannten Frei- oder Ballet-Tänzer, wie auch alle jene, die diese Vexier-Kunst des Satans anrühmen, gutheißen und sie mit Wohlgefallen betrachten, und endlich auch noch diejenigen Jünglinge und Mädchen, deren Herz daran hängt.

5. So du aber in dir sagen möchtest, dich wundernd, warum der Tanz denn gar so eine gefährliche Hauptsache des Satans sein kann, und solle der Mensch denn auf der Welt niemals sich lebensfroher und heiterer Stunden erfreuen? – Darauf gebe Ich dir zur Antwort:

6. Höre, hast du denn niemalen vernommen, auf welche Art der schlaue Fuchs die Hühner von den Bäumen lockt und die Schlange die zarten Vöglein in ihren Rachen? Siehe, der Fuchs wirbelt unter dem Baume, und die Hühner schauen unbesorgt dem lustigen Patrone zu, werden endlich schwindlich und fallen dann vom Baume in seine Klauen. Und so auch ringelt die Schlange im Grase, da sie die Vögelein wohl sehen mögen; und so sie diese vergnügt schauen, verlassen sie alsobald ihre Zweige und fliegen ihr schnurgerade in den Rachen! – Siehe, geradeso auch lockt diese unterhöllische Vexierkunst des Satans die Menschen vom heiligen Baume des Lebens! Mehr brauche Ich dir nicht zu sagen!

7. Was aber die „heiteren und lebensfrohen Stunden“ betrifft, da sage Ich dir nichts als das: Werden außer Mir lebensfrohe und heitere Stunden gesucht, siehe, da muß Ich als Allwissender dir offen gestehen, daß Ich da wahrlich nicht weiß, ob solche außer bei Mir noch irgendwo zu finden sein werden. In Meiner heiligen, unendlichen Allheit gibt es keine solche! Und somit dürften solche lebensfrohen und heiteren Stunden wohl nur künstliche Griffe des Satans sein, die da gleichen den reizenden Genüssen in eitlen Träumen, durch welche die ganze Natur verderblich betrogen wird. – Wem Ich als größte Erholung nicht genüge, der ist wahrhaft ein Sohn Meines größten Feindes.

8. Und so kommen ferner, der Ordnung nach, die Inhaber von Huren- und Spielhäusern, wie alle Kuppler und Spielverdinger, und so auch alle Hauptteilnehmer und Unterstützer und Protektoren solch höllischer Löblichkeiten des Satans. Dann alle Ränkeschmiede, Kriegsstifter und Volksaufwiegler und Verräter. Wehe ihnen, denn ihr Lohn wird sehr groß werden!

9. Und endlich gehören dazu alle Geizigen, Wucherer, Neider, Heuchler, Schmeichler, Betrüger, Lügner, Ehrabschneider, Lästerer Meiner Gnade, Diebe, Räuber, Mörder in geistiger und leiblicher Hinsicht, und so auch alle Selbstmörder.

10. Siehe, alle diese gehören der Ordnung nach sämtlich zum Jagdgefolge des Satans und sind, bis auf einige der zuletzt genannten, kaum mehr besessen, sondern sie gehören zu den selbst Besitzenden, Treibenden und Ziehenden und stehen alle Nummer eins.

11. All das „Wild“ und besonders alle „Bäume“, das „Gras“ des bösen Forstes sowie der tragende „Boden“ gehören samt und sämtlich zu den Besessenen und sind und stehen unter der Nummer zwei.

12. Solche werden hart genesen! Und die „Bäume“, das „Gras“ und der „Boden“, als das Leibeigentum des Satans, schon gar nicht; denn solche haben sich schon begründet in alledem und stehen fest in allem Falschen aus des Satans Bösem; wehe ihnen, sie werden nicht entrinnen dem bald folgenden Weltbrande! – Dem „Wilde“ aber soll noch eine kurze Gnadenzeit verliehen sein, doch zur Hetzzeit und zu der dieser folgenden Zeit der Flucht, höre, wird niemand mehr erhört werden und Einlaß bekommen in Mein heiliges Revier!

13. Was jedoch die alt- und neutestamentlichen und die Kernerschen und Eschenmayerschen Besessenen betrifft, so sind diese zu verstehen unter jenen „Bäumen Meines Reviers“, an die sich besagte Flüchtlinge anklammern, um, wenn es möglich wäre, dieselben zu verderben. Allein diese „Bäume“ haben nichts zu besorgen, denn sie werden darob an ihrer Seele keinen Schaden leiden. Denn Ich Selbst werde das Mark ihres Lebens beschützen.

14. Denn sehet, wo sich irgendeine solche Erscheinung bekundet, da kommt sie meist nur vor bei sonst gewöhnlich recht frommen Menschen. Und es wird selten der Fall vorkommen, daß an irgendeinem sehr schlechten oder auch nur gewöhnlichen Menschen der Welt solches zum Vorschein kommen wird, außer wenn solche Menschen, durch ein Wunder angeregt, sich plötzlich umkehren möchten, allwann dann ihre Besitzer sich schon melden möchten von innen und außen, zum schreckenden Beispiele aller Nachbarn!

15. Bei manchen Irrsinnigen könnten über dieses sprechende Beispiele eingezogen werden! – Jedoch sind nicht alle Irrsinnigen dafür zu halten. Denn manche werden das dadurch, daß sie ihren „Verstandes-Ballon“ zu sehr gefüllt haben, so daß dadurch die „Willens-Schnur“, der zu großen Spannung zufolge, gerissen ist und dann die Direktion aufgehört hat. Oder aber auch so irgendein Mensch, ohne Berücksichtigung des Verstandes, das Herz nach irgendeiner eitlen Sache zu sehr ausgedehnt hat, so wird der leitende Willensfaden ebenfalls zerrissen und die Maschine des Lebens läuft dann außer aller Ordnung nach allen erdenklichen Richtungen; und da sieht dann ein solcher Mensch nur dasjenige, davon sein Herz und sein Kopf angefüllt ist, in wirren Kreisen vor seinen zügellosen Sinnen schweben. – Solche Menschen aber sind nicht verloren und gleichen den verwirrten Baumästen, die der gute Förster zu seiner Zeit schon wieder zurechtbringen wird.

[HiG.01_41.02.02,b] Frage: „O Herr, was wird denn mit den Modisten und dergleichen Fabrikanten und „Lockern“ aller Art werden, so ihr sie ernährendes Gewerbe solches von ihnen fordert? – So von jenen irgendeiner sich zu Dir wenden möchte, was wird er anfangen müssen, um sein Leben zu fristen?“

16. Antwort: Höre, das ist eine gar zu menschliche Frage, gleich der Warnung Petri, und ist über alle Maßen dumm! Bin Ich denn ein armer Schlucker oder ein Bettler?! Oder sollte Der für einen oder tausend Menschen nicht Futters genug haben, der unablässig so viele Welten und Sonnen ernährt, deren Zahl und Größe sich ins Unendliche steigert?! – Siehe, auf eine solche Frage, die eigentlich gar keiner Antwort würdig ist, genügt diese Antwort zum Überfluß! Und frage daher nicht ferner, so dich Dummes nur kümmert!

17. Schreibe aber zum gänzlichen Schlusse: Wer Meiner Stimme folgen wird, der wird leben; der Taube aber wird dem ewigen Tod anheimfallen! – Mein Wort ist Meine Liebe, Gnade und Erbarmung, und dieser Same des Lebens soll an vielen Orten ausgestreuet werden. Da wo er angreifen wird, da wird er Leben erwirken und die Besessenen frei machen zum Leben. Wo er aber zertreten wird, da wird der Tod sein großes Erntefest halten.

18. Siehe, nun mache Ich alles neu, damit das Alte mit Spott und großer Schande abziehen möge! Wenn ihr aber einen alten Rock umtauschet für einen neuen, so will Ich solches denn auch tun und tue es bereits. Daher sehet euch um ein neues Hochzeitskleid um und versehet eure Lampen wohl mit Öl! Denn Ich, der große Bräutigam, bin auf dem Wege! Und da ihr es am wenigsten gedenken werdet, werde Ich da sein! Wohl dem, den Ich bereitet treffen werde!

19. Das sage Ich, der große Bräutigam. Amen!

 

Segen der Barmherzigkeit. – 3. Februar 1841

1. So schreibe denn einen Rat aus Mir an den A. W., da er wissen möchte, was da mit einem schwachen, kranken Engelsknaben auf der Erde zu machen sein möchte? – Siehe, da ist ein guter Rat nicht so teuer, wie ihr meinet.

2. Siehe, es war dereinst ein Vater, der hatte zwölf Kinder und nur ein sehr schmales Auskommen, so daß nach eurer Rechnung er kaum dreihundert Gulden jährlich zusammenbrachte, und diese nicht sicher. Denn nur 150 Gulden waren bestimmt als eine landesfürstliche Gnaden-Pension, das übrige mußte er sich kümmerlich durch seine Handarbeit verdienen.

3. Siehe, da wurden einst mehrere seiner Kinder krank, und dazu wurde noch sein treues Weib infolge krankensorglicher Pflege der Kinder bettlägerig. Dadurch nun wurde der Mann gezwungen, seine Nebenverdienste hintanzusetzen und dafür zu Hause die Krankenpflege zu übernehmen. Da er aber eben dadurch um seine Nebenverdienste kam und wohl sah, daß er mit der Hälfte nicht auslangen könne, und auch sah, da er selbst schwächlich war, es werde sich mit neu zu suchenden Nebenverdiensten nicht mehr wohl tun – so beschloß er denn bei sich: „Ich will zum guten Landesfürsten hingehen, ihm meine herbe Lage so recht treulich vorstellen, und er wird sich wohl meiner erbarmen.“

4. Und siehe, wie er beschlossen hatte, so tat er denn auch alsogleich, ging zum Fürsten hin und stellte ihm alles vor. Als aber der Fürst solches vernommen hatte, siehe, da zuckte er mit den Achseln, war aber innerlich doch ganz gerührt und sagte endlich äußerlich etwas ernst:

5. „Höret, altes Väterchen, ich zweifle nicht an eurer Aufrichtigkeit. Allein bevor ich euch helfe, will ich nächstens euch in eurer Wohnung besuchen, um zu sehen, ob es also ist, wie ihr es mir vorgestellt habt. Jedoch wehe euch, so ihr mich irgend angelogen habt! Und nun gehet, Meiner Gnade befohlen!“

6. Und siehe, da ging der alte Vater zwischen Hoffnung und Furcht nach Hause. Denn er hoffte zwar von des Fürsten Gnade, aber fürchtete nur, daß dieser noch lange verziehen möchte. Und so kam er nach Hause, erzählte alles den Seinen, was ihm der Fürst gesagt hatte, und machte Anstalt, alsobald so viel als möglich das Haus zu reinigen, und das zwar gleich nach dem kargen Mahle. Und so wurde auch sogleich das Mittagsmahl genommen.

7. Allein der edle Fürst bedachte sich eines andern, verließ sogleich seine Burg und folgte dem armen Vater unbemerkt. Denn er dachte bei sich: Solcher Not muß alsobald geholfen werden! – Und die arme Familie verrichtete eben mit Tränen im Auge das Dankgebetlein, da trat auch der Fürst schon ins Gemach und sagte: „Höret, Alter, warum habt ihr mich denn angelogen? Denn ich sehe ja dreizehn Kinder und ihr habt mir nur zwölfe angegeben!“

8. Da fiel der alte Vater vor dem Fürsten auf die Knie und sagte: „O edler, guter Landesvater! Dieses dreizehnte ist ein fremdes, ich habe es aus Mitleid angenommen!“

9. Und der Fürst erwiderte scheinbar aufgebracht, im Herzen aber brennend voll von mildtätiger Begier: „Höret, so ihr noch Fremde unterstützen möget, da muß es bei euch doch noch nicht gar so übel aussehen, und ihr werdet wohl meiner Hilfe entraten können!“

10. Da ermannte sich der alte Vater und sagte, die Hand des Fürsten ergreifend und selbe an sein Herz drückend: „O edler, guter Landesvater! Siehe, dieses dreizehnte habe ich vor zehn Jahren in einem Wald, dem Tode ausgesetzt, gefunden. Es war kaum mit einigen schlechten Lumpen umwunden und röchelte schon im Schlamme eines Sumpfes. Ich nahm es auf meine Arme, trug es alsogleich hieher und sprach zu meinem Weibe:

11. „Siehe, der Herr hat mich einen Schatz finden lassen im sumpfigen Walde! Es ist ein artiger Knabe. Siehe, dieser ist doch gewiß vater- und mutterlos, daher lasse uns seine Eltern sein! Denn wo zwölfe essen, da soll auch das dreizehnte nicht zugrunde gehen. Und müßte ich betteln für dich und unsere zwölf Kinder, so wird das dreizehnte auch keinen Unterschied in unserer Not machen!“ – Und sogleich nahm mir mein getreues Weib das Kind vom Arme, küßte und pflegte es bis zur Stunde gleich den eigenen. – Daher, o edler, guter Fürst, wolle nicht zürnen, daß ich dir solches verschwiegen habe!“

12. Und siehe, da der Fürst solches vernommen hatte, ging sein Herz über, seinem Auge entrollten freudige Tränen des Mitleids und er lobte darob den Alten gar sehr, sagend:

13. „Solches zu vernehmen, macht mir eine große Freude! Und da ihr so stilledel gehandelt habt und dem Fremden bei eurer Dürftigkeit ein Vater waret und ehedem ein Retter seines Lebens, so will ich von nun an euer aller wohlbesorgter Vater sein! Und da das fremde Kind eine Waise ist, so führet es zu mir, und es soll keine Waise hinfort mehr sein! Denn Ich bin sein Vater und die Fürstin seine Mutter. Und nun verlasset diese Wohnung und kommet mit mir, meine große Burg wird wohl Raum für euch haben. Da aber, wo diese Wohnung steht, soll ein Denkmal errichtet werden und euren Namen führen.“

14. Nun siehe du, Mein lieber A. W., diese Geschichte und lerne von ihr das, was du wissen möchtest! Denn Ich bin der Fürst, du bist der arme Mann und dein Notkind ist der gefundene Fremdling im Walde!

15. Tue, so viel du kannst, und denke nicht: wie, wann, wo, wofür, zu was, warum und wodurch? – noch wozu du den vom Mutterleibe aus Kranken und Schwachen wohl füglich verwenden könnest? – Siehe, es wird sich gar wohl finden. Führe ihn nur recht fleißig zu Mir, den Engel in seiner schwachen Prüfung, und sei dabei voll Heiterkeit und habe ein aufmerksames Auge auf ihn! Und du wirst so manches an ihm erleben, das dir innerlich gut zustatten kommen wird.

16. Siehe, Meine Kinder sind ein großer Segen dem Hause, das sie bewohnen dürfen. Denn Ich bin ihr eigentlicher Vater und werde als solcher zu sein ewig nie aufhören! – Mehr brauche Ich dir dermal nicht zu sagen. Denn du würdest es nicht ertragen. Aber sei gefaßt, Ich will dein Haus heimsuchen. – Daher sage Ich Amen, dein guter Fürst und Vater! Amen.

 

Unfruchtbare Gotteslehren. – 28. Februar 1841, nachmittags von 1/4 4 Uhr bis abends 3/4 8 Uhr

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – J. L. sprach aus dem Herrn:

1. In der sogenannten bessern und gebildeten Welt, wo die christliche Religion unter verschiedenen Sektenformen gang und gäbe ist, wird die Moral zumeist nur also gepredigt, wie sie in politischer Hinsicht den Machthabern entweder in weltlichen oder in geistigen Dingen gerade am zweckdienlichsten ist. Es wird dem Volke eine graue Kenntnis Gottes beigebracht, nicht darum, daß sie denselben erkennen und lieben, sondern nur als den unerbittlichsten Tyrann aller Tyrannen unermeßlich fürchten sollen. Und so wird die Gottheit nur als eine Geisel gepredigt, die noch fruchten soll, wenn alle andern Geiseln schon fruchtlos geworden sind.

2. Statt daß die Gottheit dem Volke zum allerhöchsten Troste bekanntgegeben werden möchte, wird Sie demselben nur gegeben als ein Etwas, das nichts zu tun hat, als in jeder Minute Millionen von moralisch verdorbenen und ungehorsamen Kindern ins ewige Feuermeer unwiderruflich zu verdammen. Und so sehet euch ein wenig in der Welt um; erblicket die zahllosen Kerker, die alle voll angefüllt sind mit allerlei moralischen Verbrechern, und wie von Minute zu Minute diese Kerker immerwährend einen großzähligen Zuwachs bekommen, daß wenn diese Kerker auf einen Punkte vereinigt wären, ihr glauben müßtet, die ganze Generation der Erde werde sich in wenigen Jahren bequemen müssen, allda hinein zu marschieren.

3. Und fraget, was geschieht denn nun diesen Menschen, die da hineinkommen? Da sehet nur ein wenig her gegen Morgen! Sehet, da steht schon eine Anzahl totenbleicher Scharen, umgeben von allerlei bewaffneten Menschen und giftigen Richtern, und sehet weiter da eine Unzahl Mordinstrumente, mit denen diese Unglücklichen hingerichtet werden. Allda sehet ihr brennende Scheiterhaufen, Galgen, Schafotte und vielerlei andere Mordinstrumente. Sehet, das ist die letzte „Besserungsanstalt“ für solche moralische Verbrecher! – Nun werdet ihr fragen, was haben denn alle diese angestellt? – Ja, sage Ich, es gibt darunter Mörder, Räuber, Diebe, Überläufer und Aufwiegler des Staates. Es gibt ferner noch Menschen, die durch allerlei Betrügereien dem Staate großen Schaden gebracht haben; darunter solche, die sich gegen die eine oder andere politische oder auch moralische Anordnung schwer verstoßen haben. Sehet, da sind sonach die Verbrechen dieser Unglücklichen aufgedeckt, insoweit dieselben als ein Grund für die Rechtfertigung von derlei Strafen dienen können.

4. Nun aber wollen wir eine weitere Frage tun: Worin liegt denn der Grund, daß diese Menschen zu solchen Verbrechern geworden sind? – Und so ihr auch jemand andern fragen möchtet um diesen Grund, so werdet ihr sicher keine andere Antwort bekommen als: Der Grund liegt entweder in der vernachlässigten Erziehung oder, was ohnedies eines und dasselbe ist, es waren schon die Eltern, Vor- und Ureltern jener Menschen also gestaltet. – Ich frage aber wieder, woran lag es denn, daß diese Menschen eine so schlechte Erziehung erhielten, ja daß man in der Erziehung eine ganze Generation vernachlässigt hat?

5. Ihr dürfet gar nicht weit greifen, und die Antwort wird sich euch von selbst aufdringen: Der Hauptgrund ist kein anderer als die Politik, vermöge welcher die machthabende Menschenklasse sich um nichts so sehr kümmert, als daß die Untergeordneten ja so viel als möglich in aller Dunkelheit gehalten werden möchten, in der Furcht, daß wenn das Volk nähere Aufschlüsse über Mich und dadurch auch über seine eigene Bestimmung erhalten möchte, es da mit ihrer Macht und ihren zeitlichen Einkünften bald ein Ende haben dürfte.

6. O diese Narren! – Ein Volk, das Gott und seine Bestimmung erkennt, ist auch ein Volk voll Gehorsams und guten Willens; und Tausende eines solchen Volkes können mit einem Federflaume leichter regiert werden als zehn finstere Dümmlinge, die von Mir keine andere Vorstellung haben als jene eines „vielleicht“ existierenden Tyrannen oder eines Wesens, das gleich einem Vampir seinem Gläubigen zuvor den letzten Blutstropfen aussaugt, bis es ihn, auf einer lichten Wolke ewig kniend und anbetend, endlich mit dem ewigen Leben beseligt.

7. Sehet, ist es da nicht leicht zu begreifen, daß die Menschen sich von einem solchen bösartigen Gotte so viel als möglich loszumachen suchen? Und wenn sie auch noch irgendeine Religion besitzen, so besteht diese in einer puren Zeremonie, und dies nur aus rein politischen Rücksichten. – Die Folge davon war schon im Anfang keine andere, als daß der weltsüchtigere Teil sich endlich von aller Religion und was immer für einer christlichen Gotteslehre, wie ihr zu sagen pflegt, aus dem Staube gemacht hat. Andererseits entstanden Kirchentrennungen und Sekten, und zwar durch Männer, die mehr oder weniger die Torheit einer solchen Gotteslehre einsahen und gewisserart in ihrem Geiste sagten:

8. „Höret, mit der Gottheit, wie sie da gelehret wird, ist ja rein nicht auszukommen! Wir wollen daher die reine Lehre selbst zur Hand nehmen, sie näher prüfen und sehen, ob der Gottheit nicht irgend bessere Seiten abzugewinnen sind.“ – Und sie fanden in solcher Prüfung auch wirklich, daß Ich denn doch kein solcher Tyrann bin; vergaßen aber auf der andern Seite, daß Ich demungeachtet Gott bin, und nahmen dann Meinen Willen ebenfalls zu lau.

9. Andere setzten Mich wieder so hoch hinauf und philosophierten sich auf diese Weise jede Handlung, die in ihrer Natur nur irgendeine Anregung fand, für gerecht und völlig Meinen Willen gemäß, in der irrigen Idee, daß was ihnen da immer durch den törichten Sinn fuhr, ein Wille von Mir sei. Und so entstanden anstatt der alten Torheit eine Menge Albernheiten und Begriffsverschiedenheiten, daß es sich wahrhaft nicht der Mühe lohnt, sie für euch aufzuzählen.

10. Der Grund von alledem war und ist aber kein anderer, als wie schon oben bemerkt wurde, teils die (un-)moralische Politik, hauptsächlich aber auch die Trägheit und die Furcht der Menschen, die vorgezeichneten Wege zum ewigen Leben im Ernste zu wandeln. Denn wahrlich sage Ich: Wer Mein Reich nicht nimmt, wie Ich es verkündet habe, der wird es nicht erhalten, und sollte er auch alle Sekten in sich vereinigen oder unter allen Sekten stehen. Denn Ich allein bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

 

Vier Fragen im geistigen Lichte. – 6. März 1841, von 4 bis 1/2 6 Uhr nachmittags

Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners stellten wiederum je eine Frage mit der Bitte um Beantwortung durch den Knecht Jakob Lorber.

Sie wünschen Aufklärung über „Judas Ischarioth“ – die „unbekannte Zahl“ – den „gordischen Knoten“ – die „vier Elemente“.

Schreibende: Die vier erwähnten Töchter. – Der Herr sprach durch Seinen Knecht Jakob Lorber Nachstehendes:

1. O Kinder! Der Stoff, den ihr gewählt habt, ist wahrlich ein vielsagender! – Aber wenn ihr auch alle die Elemente verstündet in eurem Kopfe, so würdet ihr einem reichen Törichten gleichen, der da nicht weiß, was er mit seinem Vermögen anfangen solle, und es darum verscharrt in seinen Kästen, wo all sein großes Geld ihm ebensoviel nützt, als hätte er keines.

2. Ja, ihr würdet bei der großen Lust nach solchen Kopfschätzen auch nicht minder gleich sein einem Judas Ischariot, der Mich um dreißig Silberlinge feilbot. Denn sehet, es ist ein jeder diesem Verräter gleich, der sich mit was immer selbstliebig bereichert, sei es mit Wissenschaften oder mit dem Golde. Denn so er alles dieses nicht von Mir empfängt oder sich solches nicht wenigstens aus großer Liebe zu Mir und seinem Nächsten erwirbt, so ist er, ebensogut wie ein Judas Ischariot, ein Dieb und ein Räuber, da er alles dieses sich eigensüchtig zu eigen macht und somit auf Meine Kosten sündiget.

3. Sind denn nicht Feuer, Luft, Wasser und Erde Dinge, die Ich aus Mir gemacht habe!? Ist nicht jede Zahl eine aus Meiner Ordnung verliehene Grenzmarke der Unendlichkeit!? Wie kann denn jemand solches alles irgendwo anders empfangen als entweder aus der reinen Liebe zu Mir oder, so er lebendigen Glaubens ist, unmittelbar aus Meinem Munde!?

4. Wüßte jemand auch, wann der erste Funke zu glimmen begann – wären ihm auch bekannt alle Atome und Miasmen der Luft – hätte er gezählt alle Tropfen des Wassers vom Mittelpunkt bis auf die Oberfläche der Erde – und hätte er mit einem Mikroskope alle Stäubchen der Erde gezählt, alles Moos auf den Bäumen und Steinklippen und angeschaut alle Pflanzen, Gesträuche und Bäume und hätte jedem einzelnen einen eigenen Namen gegeben – ja wenn ihm selbst bei seinen Forschungen kein Wesen aus dem Tierreiche sowohl der Gattung als der Zahl nach unbekannt geblieben wäre – und wenn er es in der Rechen- und Meßkunst soweit gebracht hätte, daß er die Größe, Bewegung, Entfernung, das Licht und die Schwere eines jeden Fixsterns mit der genauesten Sicherheit zu berechnen imstande wäre – wahrlich alles dieses würde ihm nicht viel mehr nützen, als so sich jemand die Mühe genommen hätte, all die Sandkörnchen zu zählen, die beim Baue eines Hauses verbraucht werden.

5. Und wollt ihr, liebe Kinder, euch einen wahren Begriff von einem eigentlichen „gordischen Knoten“ machen, so blicket den Kopf eines solchen selbstherrlichen und selbstsüchtigen Gelehrten an, der, wennschon nicht hier, so doch ganz sicher jenseits jene selbe Lösung finden wird, wie der ähnliche Knoten des Geizhalses Ischariot, da er unter einem weiten Aste hing und der Höllenfürst ihm erwies, was einst mit dem gordischen Knoten Mazedoniens Held getan.

6. So ihr aber lernet alle die Elemente, o Kinder, lernet sie nicht mit dem Kopfe, sondern erfasset sie aus Liebe zu Mir in eurem Herzen, so werdet ihr in wenigen Kenntnissen mehr finden als alle Gelehrten in ihrem törichten Dünkel seit der Schöpfung der Welt gefunden haben.

7. Wahrlich ihr werdet dann auf keinen „gordischen Knoten“ kommen! Sondern die große „unbekannte Zahl“, die noch kein Weltweiser gefunden hat, wird euch jedes Blümchen wunderherrlich entziffern. – Denn höret, liebe Kinder! Diese „unbekannte Zahl“ bin Ich Selbst, euer lieber, guter Vater!

8. Daher rechnet nur recht fleißig in eurem Herzen und zerhauet aus Liebe zu Mir den Knoten eurer jugendlichen Weltgelüste durch das scharfe Schwert der Selbstverleugnung!

9. O Kinder! Ihr vermöget es nicht zu ahnen, welch einen vorteilhaften Tausch ihr da machen werdet! – Denn was da hinter der verschleierten, euch noch „unbekannten“ Zahl steckt, werdet ihr erst dann erfahren, wenn ihr euren (Weltlust-)Knoten gelöset habt.

10. Wer mit dem Kopfe lernet, lernet schwer und unfruchtbar. Aber im Herzen wird ein Sonnenstäubchen zu einer Welt! Daher lernet im Herzen, was ihr lernet! Denn da werde Ich, euer lieber, guter Vater, euch ein Lehrer werden. – Amen!

11. Das sage Ich, euer lieber, guter, heiliger Vater!

 

Sklavenlos, Verbindung mit Verstorbenen, Vaterunser, Krippe, Erholungsstunden. – Weitere Fragen im geistigen Lichte. – 13. März 1841, von 4 1/4 Uhr nachmittags bis 1/4 8 Uhr abends

Es fragten, mit der Bitte um Aufschluß durch den Knecht Jakob Lorber, Marie H.: „Wie ist es möglich, daß die armen Sklaven und Deportierten ihr schreckliches Los ertragen können?“ – Wilhelmine H.: „Gedenken unser unsere vier verstorbenen Geschwister?“ – Pauline H.: „Wie soll man das Vaterunser beten, daß es Frucht bringe?“ – Julie H.: „Was bedeutet die Krippe, in die Du, o Herr, als Kindlein gelegt wurdest?“ – Paul H.: „Wie soll ein Student die Erholungsstunden Gott wohlgefälligst zubringen?“

Schreibende: Genannte fünf Geschwister. – Der Herr antwortete durch Seinen Knecht J. L. wie folgt:

1. Liebe Kinder! Ich habe wohl vernommen eure Fragen – aber denket, daß jemand auf zweierlei Art fragen kann und daß diese zweiartige Frage dem zweiartigen Leben entspricht. Es kann nämlich eine Frage nach dem naturmäßigen Äußeren oder nach dem geistigen Inneren gerichtet sein, wie sie auch entweder aus dem einen oder dem andern hervorgeht.

2. Nun urteilet selbst, auf welchem Grunde und Boden eure Fragen gewachsen sind. Denket, ob sie euch ein leichter, wißbegieriger Vorwitz eingegeben hat, oder ob sie in der wahrhaft bekümmerten Liebenot eures Herzens entstanden sind. Denn sehet, es ist ein unendlicher Unterschied zwischen der einen und der anderen Art zu fragen.

3. Wer da fragt aus leichter, halbgenötigter Wißbegierde, dessen Frage gleichet der eines Blinden, der da geschäftig fragt nach den verschiedenen Farben eines Bildes. So ihm aber sein geduldiger Freund alle Farben genau angibt, was meinet ihr, wird der Blinde sich wohl von der Harmonie der Farben und aller ihrer Schattierungen und Lichterhöhungen irgendeine Vorstellung machen können?

4. Liebe Kinder, Ich will euch nicht zeigen, wo bei euch die Fragen gewachsen sind. Es wird euch schon das eigene Verständnis Meiner getreuen Beantwortung sonnenklar den Geburtsort eurer Fragen zeigen.

5. Was die ersten zwei Fragen betrifft, so ist daran wenig gelegen, ob ihr wisset oder nicht wisset, wie die „Sklaven“ möglicherweise ihre Mißhandlungen ertragen und warum es von Mir zugelassen wird, daß sie solchen Mißhandlungen preisgegeben werden – und ob ferner eure „verstorbenen Geschwister“ sich euer wohl erinnern. Aber es liegt alles daran, daß ihr euch in euren Herzen bei jeder Gelegenheit Meiner wohl erinnert.

6. Denn wer sein Herz voll Liebe treugläubig Mir zugewendet hat, dessen werde auch Ich Mich ganz sicher noch um vieles mehr erinnern. So Ich Mich aber jemanden in Meiner Erbarmung erinnere, wie kann der noch fragen, was die tun, die in Mir wohnen! Oder meinet ihr, daß eure Geschwister tot in Mir wohnen? Denket euch, ob das, was in das Leben alles Lebens übergegangen ist, wohl des Todes fähig ist?

7. Nur der Tote ist keiner Erinnerung fähig. Wer aber lebt und lebt in Mir, der wird doch wohl auch aus Meiner ihn durchströmenden Weisheit eine Erinnerung empfangen, welche die eurige ungezählte Male möchte zuschanden machen.

8. Was aber das „Vaterunser“ betrifft, so steht es mit diesem Gebete geradeso, wie mit der Frage, wie man dasselbe beten soll, daß es Frucht bringe. Denn wer dasselbe nicht betet im Geiste und in der Weisheit, dem nützt es geradesoviel, wie dem bekannten Blinden die Erklärung der Farben.

9. Wie kann der Geistesblinde sagen: „Unser Vater“, da er sich noch nie die Mühe gegeben hat, den Vater in seinem Herzen durch die Liebe und durch den lebendigen Glauben zu erkennen und sich Ihm im Geiste und in der Wahrheit zu nähern?

10. Wie kann der sagen: „Der du bist in dem Himmel“, der weder den Vater und noch weniger den Himmel kennt!? – Wie kann der sagen: „Geheiligt werde dein Name!“, der da nicht kennt Meine Liebe, noch weniger Mein lebendiges Wort und daher auch unmöglich das Leben des Lebens und die Heiligkeit alles Heils und aller Neuwerdung aus Mir, was allein Mein unaussprechlicher Name ist!?

11. Wie kann der sagen: „Dein Reich komme!“, der mit allen Sinnen wie eine Schmarotzerpflanze an dem Früchte tragen sollenden Baume, d.h. an dieser Welt hängt!? – Wie kann der sagen: „Dein Wille geschehe“, der sich noch nie die Mühe gegeben hat, Meinen Willen zu erkennen und gegen jedes noch so leichte Gebot in seinem Herzen entweder eine große Lauigkeit oder oft schon in seiner Jugend den barsten Ungehorsam hegt und in allen das ewige Leben betreffenden Dingen den allergrößten Leichtsinn in sich trägt!?

12. Wie kann der sagen: „Gib uns das Brot des Lebens“, der von dem erbetenen Brote gar keine Ahnung in seinem Herzen hat, wohl aber eine desto größere Freßbegierde in seinem Magen, welcher das eigentliche Hauptherz solcher fruchtlos Betenden ausmacht!?

13. Wie kann der um „Vergebung seiner Sünden“ bitten, dessen Herz noch voll Unlauterkeit ist, da nichts innewohnt denn Zorn, Neid, Hoffart, Mißgunst, Frechheit und noch viele andere Laster der Art!? – Höret, zur fruchtreichen Erreichung der Vergebung der Sünden wird mehr erfordert als durch günstige Verhältnisse feindlos zu sein. Denn wer keinen Feind hat, wie soll der bitten: „Vergib mir meine Sünden, wie ich meinen Feinden vergebe“. – Ich will damit nicht sagen, daß ihr euch Feinde machen sollet, um dann etwas zu vergeben zu haben; aber das will Ich damit sagen, daß euer Herz über jede Beleidigung, wie geartet sie auch immer sein möge, erhaben sein solle. Sonst erbittet ihr euch, statt der Vergebung, das Gericht und die Verdammnis auf den Hals.

14. Wie kann ferner der sagen: „Führe uns nicht in die Versuchung“, der fürs erste Mich gar nicht kennt und solcherart in die Luft betet, und der, so Ich ihn auch, ihm unwissentlicherweise, mit jeglicher Versuchung verschone, selbst aber, einem Besessenen gleich, von Gefahr zu Gefahr, von Abgrund zu Abgrund, von Tod zu Tod rennt!?

15. Sehet, wie ist hernach eine solche Bitte! Gleicht sie nicht einem Tollen, der einen großen Wohltäter um eine Unterstützung bittet, so er aber dieselbe erhalten hat, wirft er sie zum Teil ins Feuer, zum Teil in schmutziges Wasser, zum Teil in stinkende Kloackpfützen und zum Teil in Unrat und in Gräber voll Totenmoder. Denket, was solchem Narren die Gabe nützt!

16. Wie kann endlich der sagen: „Erlöse uns von dem Übel“, der mit allem Fleiße sich selbst in alle Übel stürzt!?

17. So ihr dieses Gebet fruchtbringend beten wollet, dann müßt ihr es beten im Geiste und in der Wahrheit und wohl überdenken, was dazu erfordert wird, um die wahre Frucht dieses Gebetes zu ernten. Sonst wird aus diesem Gebete das Gegenteil des großen Segens für euch wie für jeden andern erwachsen.

18. Was aber die zwei letzten Fragen betrifft, so ist die „Krippen“-frage eine wohl kindliche, aber keine, auf welche euch eine zweckdienliche, noch weniger aber eine für euch verständliche Antwort gegeben werden kann, da erst der innere Sinn erschlossen werden muß, um ein selbst für Erzengel zu tiefes Geheimnis zu erfassen.

19. Daher bemühet euch, aus euren „Erholungsstunden“ in stiller Ruhe und Zurückgezogenheit eures Gemütes Mir geweihte Stunden zu machen – so könnet ihr früh erfahren, wie überaus gut und voll Liebe Ich, euer Vater, bin. Und wahrlich, in einer Minute möchte Ich euch da mehr geben, denn alle Welt in tausend Jahren.

20. So euch aber eure Erholungsstunden zu was anderem dienen, so werdet ihr auch ebenso sicher erfahren, wie fremd, unerforschlich und unerbittlich Ich jenen zu bleiben pflege, die den Unrat der Welt und allen Trug des Satans Mir vorziehen.

21. Schließlich denket wohl gar sehr darüber nach, von Wem diese Worte zu euch kommen! Machet euch frühzeitig bekannt mit Mir! Machet den „Richter“ euch zum „Freunde“ und den ewigen großen „Gott“ zu eurem „Vater“ – so werdet ihr froh und ohne Furcht es schauen, wenn Ich Meine Gerichte über diese Erde donnern werde!

22. Denn der Welt werde Ich kommen als ein unerbitterlicher Richter, aber wahrlich, zu Meinen Kindern werde Ich kommen als der liebevollste, beste, heilige Vater!

23. Daher trachtet nach dem Vater, so werdet ihr leben ewig im Schoße Meiner Liebe. Amen!

24. Das spricht Der, den ihr vor allem suchen und erkennen sollet – als Vater. Amen!

 

Zum Jahresgedenktag der Neuoffenbarung. – Dankgebet des Knechtes Jakob Lorber. – 14. März 1841, Sonntag

Dankgebet des Knechtes Jakob Lorber. – 14. März 1841, Sonntag, dem dem letzten Tage des ersten Jahres der unsichtbaren, gnadenreichsten Auskunft und Offenbarung unseres heiligsten, liebevollsten Vaters, dessen erste Mitteilung im neuen lebendigen Worte am Sonntag, den 15. März 1840, morgens nach 6 Uhr, erfolgt war.

a1. O Herr! Du allerbester, heiligster Vater! Es ist bereits ein Jahr verflossen seit der denkwürdigen Stunde, in welcher Du unser aller gedachtest und uns Unwürdigen Dein lebendiges Wort mitzuteilen angefangen hast.

a2. O Herr! O Vater! Wie sollen wir Dir danken, mit welcher Zunge Dich loben und preisen – da wir allesamt nicht einmal eines, geschweige erst so vieler heiliger Worte und allerheilsamster Ermahnungen würdig sind!?

a3. O Du heiligster, allerbester Vater! Siehe, wir haben nichts als ein noch sehr unreines Herz, das unser eigen ist. Das Gute darinnen aber ist nicht unser, sondern ewig Dein. Und so sei denn auch die billigste Anerkennung, daß das Deine nicht unser ist, der einzige Dank, das einzige Lob und der einzige Preis, den wir Dir darzubringen vermögen. Und dieses Gute und Wahre aus Dir, o heiliger Vater, ist ein Tropfen Deiner Liebe in uns!

a4. Aus Deiner großen Liebe hast Du uns es gegeben, des sind wir klar in uns. So lasse denn auch jetzt, wie allezeit, in dieser Deiner heiligen Liebe, die aus Dir in uns gekommen ist, unsere billigste Anerkennung Dir dadurch darbringen, daß wir Dich stets mehr und mehr zu lieben möchten anfangen. Denn nur in der Liebe können wir Dir ein wohlgefälliges Opfer bringen, und zwar mit der von Dir gegebenen heiligen. Und so nehme denn diesen Dank von uns armen Sündern gnädigst auf!

a5. Und da wir uns alle Deines heiligen Namens recht von Herzen erfreuen wollen, heute am heilig denkwürdigen Jahrestage wie auch fürder in aller Tat und Liebewilligkeit, so erhöre unsere Bitte und komme auch Du zu uns, damit wir nicht Waisen sein möchten – da Du, unser heiligster Vater, uns allen alles geworden bist und uns ohne Dich auch keine Freuden mehr schmecken und ewig nicht mehr schmecken werden!

a6. O heiliger, bester Vater, erhöre unsere kindliche Bitte und belebe uns alle mit Deiner heiligen Gegenwart! Amen!

 

Vom Kommen des Vaters in Jesu. – Antwort des Vaters an den Knecht. – 14. März 1841, am selben Gedenktage

b1. Nun, so schreibe denn ein kurzes Wort, das euch verkünden soll Meine Ankunft in eurer Mitte! Denn so Ich als Vater komme, komme Ich in aller Stille des Herzens. Meine Donner verkünden euch nur den nahen Gott, und die Drangsale den großen, unerbittlichen Richter, wie alle die großen Schöpfungen den großen, mächtigen Schöpfer und Herrn über alles.

b2. Aber so ihr in euren Herzen sanfte Liebe empfindet zu Mir, eurem heiligen, guten Vater, dann wisset, daß der Vater nicht ferne ist! Denn Mich kann niemand lieben, so er nicht hat Meine Liebe. Meine Liebe aber kann niemand haben von anders woher denn von Mir. Wer aber Meine Liebe hat, der hat auch Mich, der Ich die Ewige Liebe Selbst bin.

b3. So aber Meine Liebe bei euch sein wird, da werde ja auch Ich bei euch sein! Was immer aber ihr tuet in Meinem Namen, das tut ihr in Meiner Liebe. Was ihr aber tut in Meiner Liebe, das tut ihr ja auch in Mir. Wer aber in Mir ist und handelt, in und bei dem bin auch Ich.

b4. So ihr Mich aber ladet, zu euch zu kommen, wie sollte Ich da nicht tun, darnach euer Herz ein lebendiges Verlangen trägt!? – Und so fraget euch denn auch heut im Herzen, und eure Liebe zu Mir wird es euch getreu verkünden, ob und wann Ich zu euch kommen werde!

b5. Sehet, Ich bin Einer, der da folgt der Liebe bis ans Ende aller Welten. Daher liebet und glaubet – so werde Ich sein mitten unter euch und in euch – was euch getreu verkünden wird der große Trost im Herzen.

b6. Höret aber, wann Ich kommen werde, müsset ihr nicht allzusehr euren Magen beschäftigen und allerlei Weltgeplauder ans Ohr halten. Sondern unterredet euch wie die zwei nach Emmaus wandelnden Jünger, so werdet ihr auch ihrer Freude teilhaftig werden. So ihr aber tuet gleich den albernen Weibern und den verstand- und lieblosen Dirnen, da wird euer heiliger Vater nicht gar zu lange in eurer Mitte verweilen können.

b7. Lasset die Welt sein, was sie ist, denn Ich bin mehr denn alle Welt! – Lasset die Herrscher sein, was sie sind, denn Ich bin mehr als alle Herrscher! – Lasset die Dirnen sein, wie sie sind, voll Untreue in ihren Herzen, denn Meine Liebe ist sanfter, treuer und zarter denn die aller der weltsüchtigen, wertlosen Mädchen und Buhldirnen. Denn wahrlich, in dieser Zeit hat keine Jungfer eine Liebe mehr. Sie liebt an dem Manne nur, was er hat oder ist; für den Menschen gibt sie keinen Heller, geschweige erst ihre starke, eitle Eigenliebe.

b8. Lasset die Weltgelehrten sein was sie sind, denn Meine Gnade wiegt wohl unendlichmal zahllose Gelehrte auf! – Lasset die äußere Kirche sein wie sie ist, und nehmet euch dafür ein Sinnbild an der Spinne, wie sie bei schönem Wetter ihre Fangfäden weit ausdehnt, um allerlei Getier in ihrem Netze zu fangen zur Sättigung ihres großen Bauches; wenn aber ein anderes Wetter im Anzug ist, so gibt sich zwar dieses Tier alle Mühe, ihr Machwerk vor der Zerstörung zu sichern, es kommen aber alsobald starke Winde von den Höhen und gewaltige Platzregen und machen ihrem Raubneste ein Ende! Blicket aber nun in die Ereignisse der Zeit, und Ich sage euch, ihr werdet alsobald gewahren, daß es also ist! – Ich aber stehe höher und tiefer denn jede Kirche! – Darum sehet auf Mich, die ihr Mich nun schon ein wenig erkannt habt in euren Herzen, dann werden eure Ohren nimmer belästigt werden von dem kirchlichen Zähnegeklapper. Denn die reine Liebe, welche die alleinige wahre Kirche ist durch den lebendigen Glauben und durch das lebendige Wort, klappert nicht!

b9. Und so dergleichen mehreres vermeidet aus Liebe zu Mir – und haltet Mich wie einen guten Freund, der sich zu früh entfernen will. – Wenn der Forteilende sieht, wie seine Geliebte ihn umklammert, da kehrt er wieder um und verläßt nicht eher das Haus, als bis er die Braut völlig gewonnen hat!

b10. Also tuet auch ihr wie eine zärtliche Braut! – Horcht nicht der Geliebte am Pförtlein seiner Geliebten, bevor er zu ihr tritt ins Gemach, daß er etwa von ihr vernehmen möchte ein geheimes Lob aus ihrem Munde? Wenn er aber solches vernommen hat, wie wird er voll Freuden und kann nicht erwarten, bis das Pförtlein sich öffne! Und ist er einmal darinnen, da ruft er mit Petrus und Jakobus: „Herr, hier ist gut sein!“

b11. So er aber antreffen wird seine Erwählte in lauter törichte Zänkereien versunken, läppisches Zeug plaudernd oder gar anderer Lob verkündend – höret, da wird der Geliebte, wie ihr zu sagen pflegt, sich heimlich „aus dem Staube machen“ und die gewählte Törin in aller ihrer Albernheit „sitzen lassen“!

b12. So denket denn auch, daß Ich nicht allezeit mit der Türe ins Haus falle, sondern auch warte vor der Türe! – Vernehme Ich, was Mir wohlgefällt, da kehre Ich ein, wo nicht, da lasse Ich im Staube nur Meine Tritte zurück!

b13. Wollt ihr Mich zum Gaste haben, so tuet, was dem Gaste behagt, so werde Ich einkehren. Bin Ich aber einmal eingetreten, dann lasset Mich ja nicht wieder gehen, und zeigte Ich Mich euch auch noch so genötigt! – Und wahrlich, so ihr tun werdet, was des Rechtes ist, werde Ich bleiben in eurer Mitte jetzt und allezeit!

b14. Aber höret, erst in der reinen Liebe eures Herzens werdet ihre alle erkennen, daß der hohe, bleibende Gast euer heiliger, guter Vater ist, der zu euch gekommen ist und Sein Reich mit Ihm! – Amen. Das sage Ich, der hohe Gast, als euer heiliger, guter Vater! Amen.

 

Rechte Heiligen-Verehrung. – 20. März 1841, von 3/4 5 Uhr nachmittags bis 1/2 8 Uhr abends

Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners stellten Fragen mit der Bitte um Beantwortung durch Jakob Lorber.

Und zwar fragte Marie: „Auf welche Art soll man die Heiligen verehren?“ – Wilhelmine: „Wie soll man den Herrn recht lieben?“ – Pauline: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort – was besagt dieser Eingang des Johannes-Evangeliums?“ – Julie: „Worin besteht die wahre Demut?“

Schreibende: Diese vier Schwestern. – Der Herr antwortete hierauf durch Seinen Knecht gnädigst wie folgt:

1. Liebe Kinder! Ist es denn wohl gar so schwer, zu finden, was man möchte? – Wenn jemand Hunger verspürt, wird er wohl lange brauchen, um sich irgendeine Speise aufzusuchen, damit sie ihn sättige? – Oder wer da dürstet, wird der wohl, vom brennenden Durste getrieben, von einer Quelle zur andern wandeln und die Wasser verkosten, die da tauglich wären zur Löschung seines brennenden Durstes? Wahrlich, er wird bei der nächsten Quelle verbleiben und da stillen seinen Durst. – Sehet, das sei auch für euch der Fall!

2. Daß ihr alle im Geiste noch sehr hungrig und durstig seid, werdet ihr doch sicher empfinden, so ihr das Verständnis eures Herzens, welches ist der „Magen“ des Geistes, nur ein wenig zu Rate ziehet und euch ein wenig nur befraget nach der Wesenheit der Dinge, die euch zahllos umgeben, und nach dem euch noch gänzlich ungekannten inneren Leben des Geistes.

3. Schauet nur hinaus auf den großen Speisezettel der Schöpfung und darnach in die große Speisekammer des Geistes, so wird es euch künftighin nicht mehr schwer fallen, zumal wenn ihr noch bedenket, daß in Meinem Lichte, welches durch das lebendige Wasser aus dem Brunnen Jakobs zu euch beschieden wird, sich ein Sonnenstäubchen zu einer Welt vergrößert!

4. Wenn aber ein solches Sonnenstäubchen schon so groß wird und übervoll von euch noch unbekannten Wundern, wir groß erst werden euch jene Dinge werden, gegen die ein Sonnenstäubchen ins Nichts hinabsinkt oder sich so gut wie gänzlich verliert – im Anbetrachte eines Sandkörnchens nur, geschweige erst einer Pflanze, eines Baumes, eines Berges, eines Tieres oder auch wohl gar eines Menschen selbst!

5. Nachdem euch nun gezeigt worden ist, wie ihr für einen künftigen Fall eine taugliche Speise zu eurer Sättigung leichter finden möget, so will Ich euch denn nun geben, danach euch nach einem ziemlich mühseligen Suchen verlangt hat.

6. Was demnach die Verehrung der Heiligen betrifft, da sage Ich euch nichts als das: Verehret durch eure Liebe und demütigen Gehorsam nur den Alleinheiligen – so werden durch solche allein gültige Verehrung auch alle euch bekannten und unbekannten Heiligen am allerfüglichsten verehrt werden! Denn Mir allein gebührt alle Verehrung, alles Lob, aller Dank, aller Preis und alle Anbetung. Nur durch Mich und in Mir werden alle Menschen verherrlicht, wenn sie zuvor Meinen Namen in ihrem Herzen durch die wahre Liebe und den lebendigen Glauben im Geiste und in der Wahrheit verherrlicht haben.

7. Damit ihr aber dieses besser und gründlicher verstehen möget, so bedenket noch hinzu, daß Ich allein die Türe zum Leben bin. Und wer nicht da eingehet durch diese Türe, der ist ein Dieb und Räuber. – Darum: wer da ist mühselig und beladen oder ist ein Kranker voll Gebrechen, der komme zu Mir, auf daß Ich ihn labe und stärke. Denn solches wird er nimmer finden irgend anderswo als bei Mir und in Mir!

8. Was die zweite Frage betrifft, so liebt nur der Mich recht, der Mich allein liebt und seinen Nächsten durch Mich. Wer Mich so liebt, der ist's, der Mich im Geist und in der Wahrheit liebt! Denn wie könnte der Mich anders lieben, da Ich Selbst der ewige Geist aller Liebe, aller Macht und Kraft und ebenso die ewige Wahrheit bin!

9. Wer Mich aber also liebt, der ist es, der Meine Gebote hält. Wer aber Meine Gebote hält, zu dem werde Ich kommen in Meiner Dreieinigkeit als Vater, Sohn und Geist und werde Wohnung nehmen in seinem Herzen und werde da Mich offenbaren durch das lebendige Wort, welches im Anfange war und ewig war und ist bei Gott. Denn Gott Selbst war, ist und wird ewig sein das Wort, wesenhaft in allen Dingen, als das ewige Leben, Liebe, Licht, Kraft und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

10. Wer aber Mich auf diese Weise recht liebt, der ist auch von ganzem Herzen demütig. – Oder kann wohl ein Hoffärtiger jemanden lieben? Liegt nicht vielmehr im Hochmute die Verachtung alles dessen zugrunde, was denselben umgibt!? – Der Hochmütige will nichts Höheres über sich erblicken; kann er sich auch nicht auf den höchsten Wahngipfel erheben und muß er sich noch einem Höheren gehorchend unterziehen, so tut er solches nur aus Eigennutz. Und so er jemanden mit einer scheinbaren Liebe umfaßt, so gilt das soviel, als wenn er sagen möchte: „Weil ich dich nicht mit Gewalt beherrschen kann, so will ich dich mit der List fangen und zu meinem Sklaven machen!“

11. Desgleichen auch der Habsüchtige zu seinen Freunden spricht, und ebenso die eitlen Weltbräutigame zu ihren törichten Bräuten sprechen; denn alle diese erheben ihre Günstlinge nur in derselben Absicht wie ein Adler eine Schildkröte, um durch deren Fall hernach etwas zu gewinnen!

12. Sehet, liebe Kinder, aus allem diesem geht hervor, daß nur der wahrhaft Demütige Mich wahrhaft, d.h. im Geiste und in der Wahrheit, zu lieben vermag!

13. Wer Mich aber also liebt, der liebt Mich ja als das lebendige, ewige Wort, welches da ist Jesus Christus, und das ewige Leben und alle Dinge durch Ihn! Wer aber liebt Jesum Christum, den Gekreuzigten, und verherrlicht Ihn vor der Welt und bekennet Ihn mit großer Freudigkeit seines Herzens, den werde auch Ich, als derselbe einige Jesus Christus, verherrlichen und bekennen vor dem Vater, d.h. er wird verklärt werden im Angesichte Meiner Gottheit und aller Heiligkeit derselben.

14. Wenn denn also, wer immer Mich liebt und verherrlich, dadurch wieder verherrlichet wird – da werden ja doch sicher an solcher Verherrlichung auch alle Meine Glieder, welches da sind die Heiligen in den Himmeln, nicht zu kurz kommen! Denn was Ich nehme, nehme Ich nicht für Mich, sondern für euch und für eure Brüder.

15. Wer etwas Mir gibt, der gibt es allen. Wer es aber einem andern gibt, der ist ein Tor; denn was er gibt, wird er nicht zurückerhalten, und es wird auch die Gabe nicht zu den Beteiligten gelangen, sondern wie eine unreife Frucht wird sie unter dem Baume des Lebens zertreten werden.

16. Liebe Kinder, betrachtet diese Gabe nicht als eine menschliche, sondern als eine, die voll Lebens ist! Fasset sie wohl in eure Herzen und tuet darnach, so werdet ihr erkennen, daß das Wort alles in allem ist und wie das Wort bei Gott und Gott Selbst das Wort ist ewig! Amen.

17. Das sagt eben dieses Wort euch aus Sich Selbst! Amen.

 

Grund und Wesen des Zweiten Gesichts. – 21. März 1841, von nachmittags 1/4 5 Uhr bis abends 3/4 8 Uhr

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – Als Zuhörer: F. S.

1. Es ist das sogenannte „Zweite Gesicht“ nicht etwa ein Zeichen von einem geweckteren Geiste, sondern es hat seinen Grund bloß nur in einem etwas erhöhteren Seelenleben und ist überhaupt ein Eigentum jener Menschen, die stets in großer Not und natürlicher Abgezogenheit von der Welt zu leben genötigt sind.

2. Daß dieses Zweite Gesicht mit der geistigen Gewecktheit keine Verwandtschaft hat, kann euch auch der Umstand hinreichend bezeugen, daß eines solchen Zweiten Gesichts auch sogar die Tiere fähig sind, deren Individualität durchgehends nichts Geistiges, wohl aber eine Seele zur ferneren Ausbildung in sich trägt.

3. Ihr werdet nun freilich fragen, welche Wirklichkeit dasjenige hat, was sich im Zweiten Gesicht beschaulich darstellt? Allein es wird gar nicht schwer sein, diesen Knoten für euch zu lösen. – Wenn ihr noch im tiefen Winter begraben seid und euch von allen Seiten die starren Schnee- und Eisfelder schaurig anblicken, ja wenn ihr noch dazu in kalten Gemächern zu wohnen genötigt wäret, saget, werdet ihr euch da nicht nach dem Frühlinge und nach dem Sommer ganz gewaltig zu sehnen anfangen? Und wird sich nicht die Phantasie eurer Seele vorzugsweise damit beschäftigen, euch bildlich den Frühling und den Sommer vorzuführen?

4. Sehet, dieses sehnsüchtige, gleichsam plastische Vorgefühl ist die erste Stufe des Zweiten Gesichts und hat seinen Grund in dem leisen ätherischen Überwehen dessen, was die Seele in ihrem gedrückten Zustande als wohltuend erwartet. Wenn nun jemand sich mehr und mehr vertiefen würde, so möchte er wenigstens zur Nachtzeit nicht selten die Bilder des Frühlings und des Sommers gleich matten Traumbildern vor sich vorüberziehen sehen.

5. Wenn aber irgendeine Seele noch mehr beengt wird durch leidende Verhältnisse, so geschieht mit ihr durch solchen Druck das gleiche, wie wenn die Luft in einem zu hohen Grade gedrückt wird: sie entzündet sich und tritt aus der leiblichen Sphäre hinaus. Es gibt nämlich in dem sichtbaren Raume ebensogut seelische Wirkungen und Bewegungen, wie es in dem weiten Lichtraume Wirkungen und Bewegungen des Lichtes gibt; nur mit dem Unterschiede, daß die Schwingung des Lichtes sich auf dem natürlichen Wege nicht anders als gradlinig fortpflanzen können; wogegen die seelischen mehr ähnlich sind den Schwingungen des Schalles und sich nach allen erdenklichen Richtungen, wie auch in allen erdenklichen Krümmungen mit mehr denn elektrischer Schnelligkeit fortpflanzen können.

6. Jetzt denket euch irgendein Faktum – welcher Art es auch immer sein mag, so hat es immerwährend drei Bedingungen zum Grunde: eine materielle, eine seelische und eine geistige. – Was die erste Bedingung betrifft, so kann das Faktum von den leiblichen Augen erst dann erschauet werden, wenn es gerade eben geschieht, und zwar in einer solchen Entfernung, die von der leiblichen Sehkraft erreicht werden kann. – Was die seelische Bedingung anlangt, so werdet ihr es ohne viel Nachdenken leicht einsehen, daß ein Faktum zuerst in der Seele vorangehen muß, bevor es in die Körperwelt übergeht. Ist aber nun die Seele ihrer Decke enthoben, so kann sie ein solches Faktum vermöge der schnellen seelischen Fortpflanzung oft schon eine bedeutende Zeit früher ersehen, als es zur materiellen Objektivität gelangt; oder sie kann auch ein verübtes Faktum nachträglich erschauen, gleichwie ihr einen fernen Nachhall vernehmet.

7. Zum Überflusse will Ich auch noch drei kleine Beispiele von dem seelischen Schauen hinzufügen!

8. Es sieht z.B. ein solcher mit dem Zweiten Gesichte Begabter eine unbekannte Leiche vorüberziehen, während der Bekannte noch ganz frisch und gesund ist und erst in einigen Monaten darauf stirbt. Dies geht auf folgende, leicht faßliche Weise vor sich, nämlich: Die Seele des zum Sterben Bestimmten ahnet die nahe Auflösung ihrer Hülle, besonders zu einer Zeit, wenn sie ebenfalls durch ein merkliches Heraustreten ihr zum Zusammenfallen reifes Haus klarer und richtiger beschauet. In diesem Zustande ordnet sie dann schon alle betreffenden Vorkehrungen und Zeremonien zum Übergange. Zu gleicher Zeit ist aber auch die Seele eines andern Menschen in solchem erhöhtem Zustande und sieht da das ganze Faktum, was sich die Seele des andern schon vorgeordnet hat, und zwar das alles auf die euch nun schon bekannte seelische Mitteilungsweise. – Nun sehet, auf diese Weise werden von der Seele dergleichen Dinge vorgesehen, wie von dem körperlichen Auge diejenigen, die soeben geschehen.

9. Als zweites Beispiel: Eine Seele sieht in irgendeiner weiten Entfernung etwas geschehen. Auch dieses Schauen geschieht auf dieselbe Weise. Denn wo immer etwas geschieht, da Menschen zugegen sind, entweder bloß als Zuschauer oder als glücklich oder unglücklich Mitbeteiligte, da ist ja auch nichts natürlicher, als daß ein solches Faktum in das Seelenleben der andern alsogleich aufgenommen wird und sich dann in der seelischen Sphäre gleich einem allerzartesten magnetischen Fluidum, je nach der Größe und Art des Faktums, oft mehrere tausend Stunden fortpflanzt. Und wenn dann irgendein Mensch in einem erhöhten Seelenzustande sich befindet, so nimmt er solche Schwingungen alsogleich wahr und bekommt das Bild durch die Varietät der Schwingungen auf dieselbe Art zu Gesicht, wie irgendein materielles Bild durch die Varietät der Schwingungen des Lichts von dem Gegenstande, von dem sie ausgehen, zur körperlichen Anschauung durch das fleischige Auge gelangt.

10. Als ein drittes Beispiel ist dieses anzunehmen: Wenn irgendein Faktum, bei welchem mehrere Menschen verunglücken werden, noch nicht erfolgt ist. Dieses Gesicht ist zwar etwas seltener, kommt aber dessenungeachtet gleich den übrigen Fällen vor. Es ist auf folgende Weise einzusehen: Wenn irgendeine Seele bei besonderen Fällen in einen erhöhen Zustand gelangt, so wird auch der innewohnende Geist, freilich nur auf kurze Zeit, geweckt. In der geistigen Bedingung (d.h. in dem Geist des Menschen) aber liegen alle Fakta, sowohl die vergangenen als die zukünftigen, unvergänglich zugrunde. Nun kann da das Schauen auf eine zweifache Art geschehen, nämlich der Betreffende erschaut es zuerst aus seinem Geiste. Dieses Erschaute geht natürlich in die Seele über. Sobald es aber in die Seele übergegangen ist, so pflanzt es sich auch schon nach den euch bekannten Gesetzen weiter. Und so dann irgendein Mensch im erhöhten Seelenzustande sich befindet, so erschaut auch er ein solches gewisserart prognostisches Faktum nebst allen den Umständen, die sich da zutragen werden. Und dieses Erschauen ist dann die zweite Art, ein solches Faktum, welches erst künftig geschehen wird, zu erschauen.

11. Daß ein solcher Mensch im erhöhten Seelenzustande auch Seelen verstorbener Menschen sehen kann, wenn diese sich sehen lassen wollen oder dürfen, braucht nicht näher erwähnt zu werden.

12. Nun sehet, da habt ihr das ganze Wesen des Zweiten Gesichtes und könnet aus demselben zugleich ersehen, daß dazu gerade keine Geistesgewecktheit erfordert wird. Denn das Schauen des Geistes ist ein ganz verschiedenens von dem der Seele. Wie sich aber das Schauen des Leibes zu dem Schauen der Seele verhält, so verhält sich auch das Schauen der Seele zum Schauen des Geistes.

13. Und wie das Schauen des leiblichen Auges kann verschärft werden durch materielle Mittel, dergleichen da sind: allerlei optische Werkzeuge – so kann auch das Schauen der Seele erhöht werden durch jene Mittel, welche natürlicherweise der Seele entsprechen. Diese Mittel sind ein starker, ungezweifelter Glaube, ein festes Wollen und eine dadurch wenigstens zu Hälfte erreichte geistige Gewecktheit.

14. Wie aber das seelische Schauen erhöht werden kann, ebenso kann auch die Sehe des Geistes bis ins Unendliche gestärkt werden, und zwar mittels derjenigen Mittel, die euch der große Seher durch Seine Lehre gelehrt hat – welcher große Seher eben derjenige ist, der euch jetzt daran erinnert!

 

Der verlorene Sohn. – 23. März 1841, von nachmittags 3/4 4 Uhr bis abends 1/2 7 Uhr

Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.

1. Ihr habt in Meinem Buche die Geschichte des verlorenen Sohnes gelesen und werdet diese Geschichte nicht nur einmal, sondern schon öfter gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch, es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da Größeres in sich fassen möchte, als das Gleichnis vom verlorenen Sohn.

2. Auch wird es nicht leichtlich eine Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte als eben diese. Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter Wichtigkeit und als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung ist.

3. Es ist aber diese Ursache folgende: Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. – Nun merket, im ersten Falle wird euch nur so viel geboten, als es eurer jeweiligen Individualität zu ertragen möglich ist. Im zweiten Falle aber wird euch eine verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten nicht fertig werden.

4. Und sehet, eine eben solche kleinlich scheinende Gabe ist auch „der verlorene Sohn“. Ja, Ich sage, wüßtet ihr, was alles hinter dem „verlorenen Sohne“ steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu euch in die Schule kommen!

5. Ich habe euch in den vorhergehenden Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Rechtsordnung im allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens, wie die Barbarei Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands, vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der Verbrecher auf den euch bekanntgegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es größtenteils noch jetzt ist. Jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten, und fürs zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet – warum, wird euch die Folge zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des Japanischen und so noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland.

6. Obschon zwar sich die Sachen in der Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie es allenfalls in der Welt zugeht. Denn solches und noch tausendmal Ärgeres werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen; sondern die Ursache, warum Ich euch solches kundgegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr daraus das große Geheimnis des „verlorenen Sohnes“ ein wenig zu eurem größten Nutzen tiefer erkennen möchtet.

7. Ihr denket euch jetzt freilich: „Was hat denn der „verlorene Sohn“ mit all diesen Weltgrausamkeiten zu tun?“ – und seid voll Neugierde, wie sich aus all diesem Weltlabyrinthe der „verlorene Sohn“ zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter aus allen diesen Szenen den „verlorenen Sohn“ herauszufinden und selben darin zu begreifen, als der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr.

8. Um das Ganze zu verstehen, ist es nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer eigentlich dieser „verlorene Sohn“ ist. So Ich euch den „verlorenen Sohn“ zeigen werde, auch nur dem Namen nach, wahrlich, ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den Augen genommen wurde. Und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen!

9. Sehet, er heißet „Luzifer“! – In diesem Namen steckt das ganze, für euch ewig unerfaßliche und endlose Kompendium des verlorenen Sohnes.

10. Nun denket euch, daß beinahe die gesamte gegenwärtige Menschheit nichts als Glieder dieses einen „verlorenen Sohnes“ sind, und zwar namentlich diejenigen Menschen, welche aus Adams ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser „verlorene Sohn“ hat alles Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet dasselbe nun durch für eure Begriffe endlos weit gedehnte Zeiträume.

11. Ihr wisset aus der Geschichte des verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all diese Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten Maßstabe ...

12. Was sagt ihr aber zu einem sehr kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat ausgerungen!

13. Fürs erste befühlet die Füße des „verlorenen Sohnes“ im Süden der Erde. Fürs zweite befühlet sein Haupt in des Nordens großem Reiche. Dann leget die Hand auf das alte, müde Kirchenherz, wahrlich, ihr müßtet schon wieder blinder sein als der Mittelpunkt der Erde, so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des großen Tages es nun sei? ...

14. Aber sehet, jetzt geschieht mit der Seele des „verlorenen Sohnes“, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen, denen das „Zweite Gesicht“ wird! Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus. Und die Schwingungen des liebeerfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-, Elend- und Notschwingungen des „verlorenen Sohnes“.

15. Die Seele des „verlorenen Sohnes“ empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches Haus zurück, erhebt dasselbe wieder und kehret in der größten, sich selbst vernichtenden Demut in das ewige Vaterhaus zurück.

16. Was geschieht aber dort? – Sehet, die Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird, wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden.

17. Sehet, nun habt ihr das ganze, bis auf diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl des Menschen vor euren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein, wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen, die da nun ausgehen in Strömen von dem heiligen Vaterhause!

18. Auch ihr seid Glieder des verlorenen Sohnes! Dehnet eure Seele weit aus und lasset erwecken den Geist in eurer Seele! Und kehret in aller Demut gleich dem „verlorenen Sohne“ getrost in das große Gebiet eures liebevollsten Vaters! Wahrlich, Ich sage euch: Er wird euch auf dem halben Wege entgegenkommen!

19. Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch solches gegeben, daß ihr erkennen sollet, daß jene große Zeit da ist, von der die Propheten gesungen haben, ja jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst vorausverkündet wurde.

20. Darum verharret nur noch eine kurze Zeit und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus ist euch näher gekommen als ihr es ahnet!

21. Wie ihr aber den „verlorenen Sohn“ und alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser „verlorene Sohn“ in einem jeden Menschen wiedergefunden wird oder wie er vielmehr sich selbst wiederfindet, wie der „große Mensch“ im Kleinen gewonnen wird, liebe Kinder, davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen!

 

Der große Schöpfungsmensch und seine Rückkehr. – 25. März 1841, von nachmittags 4 Uhr bis abends 1/4 9 Uhr

a. Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.

a1. Nachdem wir in der elften Stunde den „verlorenen Sohn“ von seinem Aufgange bis zu seinem Niedergange begleitet und beleuchtet haben und haben auch die Zeit berechnet und die Stunde nahe bestimmt, die da zeugen soll von seinem Untergange – so wollen wir in dieser zwölften Stunde sehen, wo und wie dieser „verlorene Sohn“, durch und durch gedemütigt, wieder zurückkehren wird in das große Vaterhaus.

a2. Um aber dieses völlig zu verstehen, ist es nicht hinreichend, daß wir nur das Weltstäublein, Erde genannt, ein wenig durchschauet haben; sondern es ist nötig, da Ich zu diesem Zwecke in der euch bewußten Camera obscura des Geistes eine schon erwähnte kleine Vorrichtung hinzugegeben habe, noch einmal in dieser neu eingerichteten Kammer einen etwas weiter gedehnten Blick zu tun! – Ich sage euch aber zum voraus: Machet euch gefaßt! Denn dieser Anblick wird euch etwas vor eure Augen führen, das bis auf diese Zeit noch in keines Menschen Sinn gekommen ist.

a3. Vermöge dieser neuen Vorrichtung wird die Tafel zur Aufnahme eines so großen Bildes auch wohl natürlicherweise selbst etwas vergrößert werden müssen und statt der früheren wagrechten Lage eine senkrechte annehmen. Nun sehet, unsere Vorrichtung ist getroffen! So richtet denn eure Blicke hin auf die weitgedehnte Tafel, und sogleich werdet ihr das große Bild auf derselben erblicken. Denn nur auf diese einzig und alleinige Art ist es möglich, die endlos ausgedehnte Schöpfung unter einem Bilde euch vor die Augen zu stellen.

a4. Nun sehet nur genau hin auf die Tafel, und sobald Ich das Wort „Epheta“ aussprechen werde, da werdet ihr das großartige Bild auf der Tafel erschauen. Und nun denn, da eure Blicke dahin gerichtet sind, sage Ich: Epheta!

a5. Nun, was saget ihr zu dem Bilde? – Nicht wahr, ihr erblicket auf dieser Tafel nichts mehr und nichts weniger als die deutliche Gestalt eines Menschen, dessen Lenden nur kaum von einigen Lumpen bedeckt sind und dessen Haare, zottigen Aussehens, ihm bis über den halben Leib vom Kopfe herabhängen.

a6. Nicht wahr, ihr werdet euch wohl denken: „An diesem Bilde ist gerade nichts Besonderes zu sehen, außer daß es auf dieser Tafel in einer sehr kolossalen Form dargestellt ist. Übrigens aber hätte ein solches Bild auch ein jeder nur einigermaßen bewanderte Figurenzeichner mit einer weißlichen Farbe auf eine schwarze Tafel entwerfen können!“ – Und Ich kann euch nichts anderes dazu sagen, als daß euer Schluß vorderhand seine Richtigkeit hat. Und so ihr noch etwas tiefer denken wollet, so möchtet ihr auch wohl bald in dieser weißlichen Figur die Gestalt des „verlorenen Sohnes“ erblicken.

a7. Aber sehet, Meine lieben Kinder! Die Tafel ist ein wenig zu weit weg gestellt für eure Augen, daher gehen wir vollends an die Tafel hin! Denn die ganze Gestalt habt ihr jetzt schon gesehen. Daher wollen wir die Farbe, mittelst welcher diese Figur an die Tafel aufgetragen ist, ein wenig näher untersuchend beschauen.

a8. Nun, jetzt sind wir an der Tafel! – Seht, diese klafterbreite, schimmernde Fläche ist ein Teil des Fußes dieser ganzen Gestalt. Sehet nur recht nahe hin und saget Mir, was ihr darauf entdecket! – Seht nur recht genau! – Nicht wahr, ihr entdecket nichts als lauter nahe aneinandergereihte, kleine, schimmernde Kügelchen! – Ihr wisset ja, daß dieses Bild kein gemaltes ist, sondern nur ein Lichtbild eines äußeren Gegenstandes.

a9. Was meint ihr wohl, was diese Kügelchen in der Wirklichkeit sind? – Sehet, Ich will euch nicht lange herumraten lassen! Aber wenn ihr meinet, daß diese Kügelchen etwa Abbilder sind von entfernten Sonnen, Planeten, Monden und Kometen, höret, da müßte Ich euch wohl sagen: Kinderchen! Urteilet nicht zu vorschnell, sonst möchtet ihr euch gar gewaltig irren! Jedoch bevor Ich euch das Wesen dieser kleinwinzigen Kügelchen enthülle, bemühet euch, auf einem linsengroßen Flecke diese Kügelchen zu zählen!

a10. Nun, seid ihr schon fertig? – Ja, ja, Ich sehe schon, ihr werdet damit nicht leichtlich fertig. Denn es ist eine für euch kaum aussprechbare Zahl solcher Schimmerpünktchen auf dieser linsengroßen Fläche vorhanden, und es möchten ihrer wohl mehr als eine Trillion sein. Und da ihr euch so ein wenig vertraut gemacht habet mit der „Farbe“, so sage ich euch, wovon ein solches Pünktchen eigentlich ein Abbild ist. Wie schon gesagt, nicht etwa von einer Sonne oder von einem anderartigen Weltkörper, sondern: ein jedes solches Pünktchen oder, wie es sich euren geistigen Augen darstellt, Kügelchen, ist nichts mehr und nichts weniger als das Abbild einer Hülsenglobe. – Was es aber mit der „Hülsenglobe“ für eine Bewandtnis hat, brauche Ich euch nicht mehr zu erklären.

a11. Nun treten wir wieder ein wenig zurück und schauen uns wieder die ganze Figur an! – Sehet, wie es ist eine vollendete Menschengestalt! – Und da ihr nun diese Figur hinreichend beschauet habt, so sage Ich euch. Diese Figur stellet aus und nach Meiner ewigen Ordnung das Universum dar und ist in seiner Art von niemandem außer Mir in der Wirklichkeit also erschaulich. Auch hat dieses Bild, wie ihr es jetzt erschauet habt, noch nie ein geschaffener Geist gesehen.

a12. Aber Ich sehe schon wieder, was in euch steckt. Ihr möchtet wohl gerne eure Erde in diesem Menschen erblicken. – Solches euch zu zeigen, kann wohl nicht sein, solange die ganze Figur auf der Tafel pranget. Aber wartet ein wenig! Denn sehet, Ich bin ein sehr guter Optiker! Daher will Ich in unserer Camera erst eine kleine optische Veränderung vornehmen, nach welcher von dieser ganzen Figur nichts als nur ein einziges, leuchtendes Pünktchen zurückbleiben wird.

a13. Nun sehet, die Figur ist verschwunden; es ist bereits alles in der Ordnung! Treten wir jetzt nur wieder der Tafel näher und suchen unser Pünktchen auf! – Nun, habt ihr es schon gefunden? – Eines allein gibt freilich nicht viel Licht; aber strenget eure Sehe nur an, ihr werdet es schon finden.

a14. Ihr müsset nicht hinaufschauen auf die hohe, weitgedehnte Tafel, sondern da ganz zuunterst sehet hin, da ihr früher den linken Fuß der ganzen Figur gesehen habt, und da zwar am äußersten Ballen der kleinen Zehe! – Dieses Kügelchen ist diejenige Hülsenglobe, innerhalb welcher sich auch eure Erde befindet.

a15. Damit wir aber zu unserer Erde gelangen können, werde Ich denn schon auch wieder mit Meinem „Epheta!“ über das Schimmerpünktchen kommen müssen. – Und so spreche Ich denn „Epheta!“ – Nun sehet, wie dieses Kügelchen auseinandergegangen ist und nun beinahe die ganze große, runde Gestalt der Tafel einnimmt.

a16. Sehet die zahllosen leuchtenden Pünktchen nun wieder durcheinander schimmern! Suchet nun euch eure Erde heraus! – Nicht wahr, ihr möget sie nicht finden aus der großen Anzahl dieser Schimmerpünktchen heraus! – Ja, Ich sage euch, ihr würdet euch auch vergebliche Mühe machen! Denn diese Pünktchen, die ihr da sehet, sind schon wieder keine Sonnen, sondern sind ganze Sonnenwelten-Gebiete.

a17. Daher werde Ich nun wieder ein Pünktchen, und zwar das rechte, heraussuchen und alles übrige auslösen von der großen Tafel! Nun, da ist das erwählte Pünktchen! Und damit wir schneller zum Ziele gelangen, sage Ich alsogleich wieder Mein „Epheta!“

a18. Nun sehet, unsere Tafel ist schon wieder voll neuer leuchtender Pünktchen. Allein diese leuchtenden Pünktchen sind auch wieder keine Sonnen, sondern sind lauter Sonnenwelten-Alle! Daher wird es mit der Auffindung der Erde sich auch hier nicht tun.

a19. Und so will Ich aus diesen Pünktchen auch wieder das rechte erwählen und alles übrige von der Tafel löschen! – Nun, da ist das Pünktchen! – Sehet, wie es einsam, matt schimmert auf der großen Fläche! – Aber nun Mein „Epheta“ – Und das Pünktchen soll gleich eine größere Ausdehnung bekommen! Darum: „Epheta!“

a20. Nun sehet, unsere Tafel ist denn schon wieder voll von lauter glänzenden Pünktchen! – Möchtet ihr euch da nicht die Erde heraussuchen aus all diesen trillionenmal trillionen Pünktchen? – Allein Ich muß euch auch hier schon wieder sagen: Gebet euch keine Mühe! Denn auch diese Pünktchen sind noch keine Sonnen, sondern einzelne Sonnengebiete und sind das, was ihr unter einem sogenannten Sternen-Nebel begreifet.

a21. Allein damit wir schneller zum Ziele gelangen, will Ich auch da das rechte Pünktchen erwählen und alles übrige von der Tafel löschen und zugleich das „Epheta!“ hinzufügen.

a22. Nun sehet hin auf die Tafel! – Nicht wahr, ihr sehet eine Schimmergrießwolke, die sich horizontal über die ganze Tafel verbreitet und siebenmal so lang als breit ist. Nun sehet, da hübsch gegen die Mitte wollen wir uns wieder ein solches Schimmergrießpünktchen wählen und alles übrige wieder auslöschen von der Tafel. – Nun, es ist schon alles wieder geschehen, wie ihr sehet, und Mein „Epheta!“ gebe diesem Pünktchen wieder seine rechte Gestaltung!

a23. Nun sehet recht genau hin! Jetzt werdet ihr euch wohl schon auskennen. – Sehet, da in der Mitte ein leuchtendes, linsengroßes Scheibchen! – Es ist das Bild eurer Sonne! – Und seht nun genauer hin! Der dritte, matt schimmernde Punkt von der Sonne auf der linken Seite etwas abwärts ist eure Erde!

a24. Ich brauche euch nun dieses Bild nur ein wenig zu vergrößern, und ihr werdet eure Erde sogleich erkennen! – Und so tue du Erdenpunkt dich auf, auf daß Meine Beschauer erkennen mögen! – Und sehet, wie nun dieser Punkt sich allmählich ausdehnt! Und nun hat er denjenigen Durchmesser erreicht, der da hinreichend genügt, euer naturmäßiges, schmutziges Wohnhaus zu erkennen.

a25. Da wir nun jetzt alles gesehen haben, so kehren wir wieder zu unserem „verlorenen Sohne“ zurück! – Sehet hin auf die Tafel! Schon wieder prangt unsere erste Figur auf derselben. Aber sehet, jetzt wird diese Gestalt kleiner und kleiner! Und sehet, jetzt hat sie nur kaum noch die Größe eines Kindes! Und sehet abermals hin, nun ist auch dieses Kind zu einem Punkte zusammengeschmolzen! – Aber sehet, auf der rechten Seite der Tafel fängt ein anderes großes Menschenbild an aufzutreten! – Nun ist es in der Mitte der Tafel! – Und unter seinem linken Fuße entdecket ihr noch das soeben eingegangene Pünktchen, welches da nun ist im rechten Verhältnisse seiner Größe zur Größe dieses neuen Bildes.

a26. Was meinet ihr wohl, was dieses neue Bild vorstellt? – Ihr, die ihr mehr oder weniger den großen (Schöpfungs-)Menschen in den Schriften Swedenborgs habt kennengelernt, werdet euch vielleicht denken, das sei dieser größte Mensch. Ich aber sage euch: Weit fehl geschossen! Dieser Mensch, den ihr da sehet, ist nichts mehr und nichts weniger als der sich selbst wieder gefundene „verlorene Sohn“, der sich in jedem einzelnen wiedergeborenen Menschen wiedergefunden hat! Oder mit anderen, euch leichter verständlichen Worten gesagt: Das ist ein Allergeringster in Meinem neuen Reiche! Und es ist hier in diesem Bilde euch ein gerechtes Verhältnis dargestellt und euch das vollkommene Maß eines Menschen gezeigt, welches unendlichmal erhabener ist denn das ganze, euch durch die frühere Zergliederung gezeigte endlos scheinende Universum in der Gestalt des „verlorenen Sohnes“!

a27. Wenn ihr nun dieses Bild ein wenig beherziget, so dürftet ihr auch schon ein wenig zu begreifen anfangen, was es mit der „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ für eine Bewandtnis hat.

a28. Ihr müsset euch nicht etwa denken, dieser euch in der „elften Stunde“ bekanntgegebene gefallene Luzifer wird als Ganzer wieder zurückkehren. – Wenn solches möglich gewesen wäre, wahrlich, es hätte nie eine materielle Schöpfung stattgefunden; sondern:

a29. In einem jeden einzelnen Menschen, der nach Meinen Worten lebt und wiedergeboren wird durch das Wort und durch die Erlösung, wird dieser Verlorene wiedergefunden und zurückkehren in das große Vaterhaus!

a30. Ich sage euch nicht umsonst: in das große Vaterhaus. Denn für so groß gewordene Menschen muß auch ein gar großes Haus bereitet sein, allda sie werden Wohnung nehmen können wieder bei ihrem Vater.

a31. Daß es aber also ist, könnet ihr aus all dem Vorhergegangenen ja klar und deutlich abnehmen. Denn leidet nicht bei den allgemeinen Drangsalen ein jeder Mensch in sich selbst und wird nicht jeder geschlagen für seine eigene Person? – Es gelten aber alle diese Schläge einem und demselben „verlorenen Sohne“.

a32. So aber ein Mensch geschlagen wird, ist es nicht also, daß nur er als der Geschlagene den Schmerz empfindet, während der Ungeschlagene oft genug nur zu schmerzlos zusieht? Oder so da mißhandelt wird eine ganze Nation in einem andern Weltteile, saget, ob ihr je einen Peitschenhieb auf eurer Haut wahrgenommen habt? So aber jemand stirbt, stirbt er für sich oder für andere? Oder könnet ihr behaupten, daß je jemand für einen anderen zur Welt geboren worden ist? Oder gilt Meine Erlösung und Mein Wort nicht ebensogut einem jeden Menschen einzeln für sich wie für ganze Völker? Und kann nicht jeder Mensch für sich Mich mit seiner Liebe und dem lebendigen Glauben daraus völlig aufnehmen, daß Ich in ihm und er in Mir wohne?

a33. Wenn ihr nun alles dieses betrachtet, könnet ihr nach dem allem nur die entfernteste Behauptung aufstellen, Ich sei in einem Menschen weniger denn in allen zusammen?

a34. So aber Ich mit einem Menschen eins geworden bin und er mit Mir, saget, was gehet da noch ab von der Wiederfindung des „verlorenen Sohnes“ in einem einzelnen Menschen?

a35. Hat der nicht alles empfangen und in sich aufgenommen, der Mich aufgenommen hat? – Wahrlich, ein jeder Mensch, der mit Mir eins geworden ist, ist mehr, ja Ich sage, unendlich mehr, als der große Luzifer je war in seiner euch auf natürlichem Wege unbegreiflichen Größe!

a36. Sehet, unter diesem „verlorenen Sohne“, der da Luzifer heißt, wird demnach auch jeder einzelne Mensch für sich verstanden. Und so ein ganzes Volk mit Mir eins geworden ist, wird dieses ganze Volk ebenfalls nur ein Mensch mit Mir. Und alle Menschen, die je auf der Erde gelebt haben und noch leben werden, wenn sie eins geworden sind mit Mir, so werden auch sie nur sein ein Mensch in Mir. Das heißt, sie alle wird beseelen und beleben ein und derselbe Heilige Geist aller Liebe, aller Wahrheit und aller Macht und Kraft. Und es werden nicht sein viele mehr denn einer, und einer weniger denn viele. – sondern alle werden sein vollkommen eins in Mir. Und es werden nicht haben viele mehr Macht und Kraft denn einer, und einer nicht weniger denn viele – sondern alle werden leben wie einer aus derselben Kraft und Macht des Heiligen Geistes aller Liebe und aller Wahrheit aus Mir!

 

Die „Lumpen“ des verlorenen Sohnes. – 25. März 1841 (Fortsetzung)

b1. Ihr habt gehört, daß die Lumpen des „verlorenen Sohnes“ von den Winden zerstreuet wurden wie Spreu und die übriggebliebenen aber wurden ihm ausgezogen und verbrannt. – Wisset ihr, was unter diesen „Lumpen“ zu verstehen ist?

b2. Es ist darunter nichts anderes zu verstehen, als der eingegangene, frühere Universalmensch auf unserer Tafel. Denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir Ausgehende, oder „Mein verlorener Sohn“ wiedergewonnen. Die „Lumpen“ oder das eigentliche Erzböse aber wird verworfen werden in das Feuer, daraus es eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben.

b3. Wer somit sich an die Welt hängt und klebet an der Materie, der klebet an den „Lumpen“ des verlorenen Sohnes! – Wie aber alle Materie euch ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, so gilt dasselbe auch von den Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes.

b4. So aber wird es geschehen: Damit Gott wieder werde ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird das Feuer- oder Zornverwandte wieder dahin zurückkehren müssen, woher es als das, was es ist, gekommen ist. Und es wird gerade also geschehen, wie wenn ihr an eurem Leibe habt irgendeine Verhärtung und leget da heiße Umschläge auf, damit sie wieder erweichet werde – also auch wird Mein ewiges Feuer diese erzböse Verhärtung in ihrer Allheit erfassen, um sie dadurch wieder seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren.

b5. Es ist noch eine Frage in euch vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den „Lumpen“ verstanden werden, auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? – Ich aber sage euch: Diese Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch unmöglich annehmen könnt, daß es in der Gottheit irgendeinen seiner selbst unbewußten Punkt geben sollte.

b6. Aber ob dieses Seiner-selbst-Bewußtsein ein leidendes ist oder nicht – sehet, das ist eine andere Frage! Um aber diese richtig zu verstehen, müßt ihr zuvor begreifen, daß jedes Bestreben, sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich selbst notwendig begreifen muß. Nur kommt es darauf an, ob dieses Leiden ein schmerzliches oder ein wohltuendes ist.

b7. Wenn dieses Leiden darin besteht, daß sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift und durch dieses Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemüht ist, dann ist ein solches Leiden ein höchst wohltuendes und die Empfindung aus dem klarsten Selbstbewußtsein eine höchst beseligende.

b8. Wenn aber das Leiden oder die selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches. Das könnt ihr ja auch aus der Natur sehr leicht abnehmen, wenn ihr nur je irgendeine entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als daß sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je heftiger ein solcher Akt vor sich geht, desto schmerzlicher wird er. – Aus allem diesem geht hervor, daß der sich selbst bewußte, wesenhafte Zustand des feuerverwandten Erzbösen eben auch ein höchst leidend-schmerzlicher sein muß.

b9. Ihr werdet nun vielleicht meinen, daß die Gottheit dadurch gewisserart in Ihrem Zornteile Selbst immerwährend höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist dem nicht also! Sondern es ist geradeso, als wenn Speisen in eurem Magen verkocht werden; da bersten auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer des Magens. Aber fraget euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzt hat?

b10. Jedoch, da Ich euch schon so weit geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen bisher noch nie ausgesprochenen Wink geben! Wollet ihr die Endursache solchen Zustandes aller weltlich-materiellen Erzbosheit erschauen, so blicket in euren Magen, und sehet alldort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und warum – so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, was da geschehen wird. Jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und es genügt euch, daß Ich euch gezeigt habe den Zweck.

b11. Nun sehet, liebe Kinder! Das ist alles, was euch gegeben werden kann, und das ist auch alles, was ihr zu ertragen vermöget. Mehr brauchet ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten bis zur letzten Stunde! Durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch und findet auf diese Art in euch selbst – den „verlorenen Sohn“!

b12. Tuet dasselbe, was dieser getan hat und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reiche trachtet. Lasset in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt auf der euch gezeigten Tafel mit dem Universalmenschen sahet – so wird in einem jeden von euch der „verlorene Sohn“ wiedergefunden werden und wird sein Verhältnis werden, wie Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren, auf einen Punkt zusammengeflossenen getreten ist.

b13. Dann erst werdet ihr als Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen „zwölf Stunden“ Gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen.

b14. Und da, wie früher gesagt wurde, alle Menschen zusammen einen Menschen ausmachen, wie einer alle – so suchet denn auch all das Übel in euch! Und habt ihr es gefunden und mit Meiner kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich, als euer heiliger Vater, der Ich schon über den halben Weg euch entgegengekommen bin, vollends zu euch kommen, euch gänzlich von euren „Lumpen“ befreien und dann aufnehmen in das große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe!

b15. Schließlich mache Ich euch nur noch darauf aufmerksam, daß Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen anderen „verlorenen Söhnen“ entgegengekommen bin.

b16. Merket aber vorzugsweise auf Meine Ankunft in euch selbst und kümmert euch weniger um die allgemeine! Was ihr fürs allgemeine empfindet, das traget Mir betend in eurem Herzen vor! Um alles andere kümmert euch nicht! Denn das große Wann, Wie und Warum ist in den besten Händen wohlverwahrt! Das sage Ich, euer großer, heiliger, liebevollster Vater. Amen.

 

Schneckenhaus, Rosendorn, Puppe, Vogelnest. – Fragen im geistigen Lichte. – 27. März 1841, von 4 Uhr nachmittags bis 1/4 9 Uhr abends

Die vier Töchter Anselm Hüttenbrenners stellten je eine Frage mit der Bitte um Beantwortung durch den Knecht Jakob Lorber.

Es fragte Marie: „Was bekundet uns ein Schneckenhaus?“ – Wilhelmine: „Was bedeuten die Dornen der Rose?“ – Pauline: „Was lehrt und die Puppe eines Schmetterlings?“ – Julie: „Was besagt uns ein Vogelnest?“

Schreibende: Die vier Töchter und deren Vater Ans. H. – Der Herr antwortete gnädigst durch Seinen Knecht Jakob Lorber wie folgt:

1. Diese vier Fragen, liebe Kinder, sind zu vergleichen dem Tun eines Menschen, der sich bei einer großen Schatzkammer befand und dem frei gestattet war, sich aus den vielen Schätzen, welche die Kammer umschloß, nach seinem Belieben vier Stücke zu wählen. Da er ganz geblendet war von der großen Pracht dieser Schätze, so wurde er endlich zweifelhaft in seiner Wahl und wußte nicht, wonach er greifen solle. – Es verstrich aber mittlerweilen die Zeit der offenen Schatzkammerspende; und der unschlüssige Tor, nun noch mehr verwirrt durch die herbeigekommene Sperre, mußte endlich in der plötzlichen Übereilung, um nicht leer aus der Kammer zu gehen, nach dem nächsten besten greifen.

2. Als er aber ins Freie gelangte, da zog er seinen Schatzkammertribut hervor und besah denselben. Aber wie gar große Augen machte nun der verblüffte Tor, als er statt des vermeintlichen Goldes, Silbers und Edelgesteins und anderer Kostbarkeiten – vier halbverweste Totengerippe in seiner Hand erblickte!

3. Nun sehet, Meine lieben Kinder, eine solche „Schatzkammer“ steht euch tagtäglich offen, und ihr könnet euch daraus nehmen, was und wieviel ihr wollt! Wie ist es denn aber mit euch, daß ihr gleich diesem Menschen nicht nach dem Golde, Silber, Edelsteinen und anderen Kostbarkeiten greifet, sondern nach Dingen, die da nicht viel fetter sind, als die erwähnten Totengerippe!?

4. So habt ihr heute fürs erste ein „Schneckenhaus“ genommen! – Was hat euch denn die lebendige Schnecke getan, daß ihr sie aus dem Hause verbannt habt? – Ebenso habt ihr den „Dorn einer Rose“ gebracht! – Was hat euch denn der ganze Rosenstrauch getan, daß ihr von ihm gerade das genommen habt, worin kein Leben und keine Fortpflanzung waltet. – So habt ihr auch eine „Puppe“ genommen! – Da hättet ihr zuerst nach einer lebendigen Raupe greifen sollen! Denn die Puppe ist ein Grab der Raupe. – Und endlich seid ihr gar gekommen mit einem überaus toten „Vogelneste“! – Warum habt ihr denn nicht lieber den Vogel aus dem Neste genommen, da er ein beseeltes Wesen ist, statt des toten Nestes!?

5. Was würdet ihr wohl dazu sagen, wenn Ich diese vier toten Dinge beleben möchte und daraus dann entstünden lebende Schneckenhäuser, sich fortpflanzende Dornen, herumhüpfende Puppen und herumfliegende Vogelnester!?

6. Saget, würde das euch nicht vorkommen, wie ein fahrender Wagen, der sich da fortbewegt, aber statt daß ihn lebendige Pferde zögen, schleppt er hinter sich zwei tote Pferde!? – Oder was würdet ihr sagen, so ihr einen Baum antreffen möchtet, der da mit dem Gipfel in der Erde steckte und seine Wurzeln in die Luft reichete – und statt daß er Früchte trüge, hingen an den Wurzeln ausgedörrte Dornen!? – Oder was würdet ihr sagen, so ihr einen Koch antreffen würdet, der seine Töpfe, statt mit den Speisen, mit mattglühenden Kohlen anfüllte und an der Stelle des Feuers aber allerlei eßbare Dinge aufhäufte!? – Oder was möchtet ihr sagen, wenn beim Bau einer Brücke über ein Wasser die Bauleute die Jochstöcke nach aufwärts richten, den Steig der Brücke aber ins Wasser legen würden!?

7. Sehet, liebe Kinder, wie alle diese euch vorgeführten Verkehrtheiten – geradeso verhalten sich eure heutigen vier Fragedinge, welche, wenn Ich sie beleben würde, für euer Herz sich nicht viel besser ausnehmen würden als der erwähnte Wagen, Baum, Koch und die Brücke unter dem Wasser.

8. Aber da ihr diese Dinge nun einmal zum Vorschein gebracht habt, so will Ich denn für euch dessenungeachtet noch etwas daraus machen und euch zeigen, warum ihr für diesmal keinen besseren Griff gemacht habt.

9. Nun sehet, was Ich für „rare Dinge“ für euch daraus machen werde! – Werden diese Dinge euch auch ein wenig sonderbar vorkommen, so denket, daß Ich für diesen gegenwärtigen Augenblick nichts anderes daraus habe zuwegebringen können, das euch mehr frommen möchte.

10. Sehet, aus dem „Schneckenhause“ habe Ich euch auf eine künstliche Weise ein recht niedliches Spiegelchen gemacht! – In diesem Spiegelchen sollte sich die Fragestellerin des Tages öfter besehen, und sie wird nach und nach darinnen erkennen, daß ein Mensch, der nur nach eitlen, weltlichen Dingen trachtet, gar wohl gleichet einem solchen leeren Schneckenhause, das da seinen lebendigen Einwohner aufgezehrt und verloren hat, weil eben dieser innere Einwohner sich selbst in das tote, starre Haus (gewisserart sich selbst verzehrend) eingebaut hat. – Oder, damit ihr es leichter verstehet, so sage Ich, daß sich die lebendige Schnecke so nach und nach selbst zum Gehäuse gemacht hat; da nun aber das Gehäuse auf diese Art zu groß und schwer geworden ist und der lebendige Rest der Schnecke nicht mehr aus dem zu sehr vergrößerten Hause reichen konnte, die knapp herausreichenden Teile auch nicht mehr die Kraft besaßen, sich nach irgendeinem Nahrungsplane weiterzubewegen, so schrumpfte endlich auch noch das wenige Leben bis auf den Grund des Gehäuses zurück und verzehrte sich endlich selbst – d.h. es zog sich, modernd, bis auf einen Punkt zusammen, welcher, als gänzlich erstorbenes Leben, sich an das tote Gehäuse anklebte.

11. Darum aber gabst du, Fragestellerin, hier ein solches Ding zur Betrachtung, weil du deinem Äußeren nach noch ziemlich viel Verwandtschaft mit demselben hast. Wirf daher das tote „Scheckenhaus“, welches die äußerlichen Begehrlichkeiten darstellt, sobald als möglich von dir, damit dir am Ende nicht das Los der Schnecke zuteil wird!

12. Sehet, das ist das künstliche Machwerk, welches Ich aus diesem „Schneckenhause“ euch habe bereiten können! – Besehet euch alle darinnen, und handelt danach, so werdet ihr leben.

13. Was sollen wir aber aus dem „Dorne“ machen? – Etwas Kleines, das sich daraus machen ließe, würde euch wenig fruchten; daher wollen wir diesem Dorne eine größere Ausdehnung geben und das Machwerk dann als einen Blitzableiter auf ein Wohnhaus setzten, und so wird dieses spitzige Gewächs, wie am Stauche, so nun, vergrößert, am Wohnhause unter derselben Elektrizität saugenden Eigenschaft gelassen.

14. Betrachte du, Geberin, dich selbst als ein solches Wohnhaus, darin ein lebendiger Einwohner hauset! Setze auf dieses Haus diesen Ableiter, der da verfertigt ist aus einem vierfachen Metalle, als da ist das Gold der Demut, das Silber der Bescheidenheit, das Eisen der Treue und Beharrlichkeit und das Blei der Häuslichkeit – so wird dieser blitzableitende Dorn dich bewahren vor dem Einschlagen des satanischen Blitzes, der dein Wohnhaus mit allen bösen Leidenschaften entzünden würde, so daß du dann leichtlich zugrunde gehen möchtest in den tödlichen Flammen deiner entzündeten Leidenschaften.

15. Darum aber gabst du Mir den „Dorn“, weil du, dir unbewußt, solche Not in dir empfunden hast. Ich sage darum: unbewußt – weil dein „schlafender Einwohner“ dir solches, heimlich schleichend, in den Mund gespielt hat.

16. Was soll Ich aber aus der toten „Puppe“ machen? – Ich sage euch zum voraus, es wird nicht viel Rares daraus zu machen sein. Das Beste, das sich daraus noch machen läßt, wäre ein kleiner Sarg, und so wollen wir denn auch dabei verbleiben.

17. Wozu ist wohl ein Sarg bestimmt? Nicht wahr, zu nichts, als nur zur Aufnahme eines Toten! – Und was geschieht mit dem Sarge samt den Toten? – Er wird begraben in die Gräber der Verwesung.

18. Was würdest du, Geberin, denn wohl dazu sagen, wenn du Menschen sehen würdest, die statt des Kleides sich mit einem Sarge umhüllen möchten! Würdest du nicht, von Angst ergriffen, halbtot niedersinken zur Erde, besonders wenn dir zur Nachtzeit mit Särgen Bekleidete begegnen möchten? Ich sage dir aber, die mit solchen Särgen Bekleideten könnten, gleich dem Falter aus seiner Puppe, zum ewigen Leben erstehen. Aber es tragen die gegenwärtigen Modepuppen viel ärgere Särge um ihren Leib gehangen, aus welchem schwerlich je ein glänzender Falter zum ewigen Leben erstehen wird. Denn dieser Kleidersarg macht den Leib zu einem Modergrabe, in welchem das Leben von den Würmern der Eigenliebe, Eitelkeit, des Stolzes und der Hoffart bis auf den letzten Tropfen verzehret wird.

19. Darum aber gabst du diese „Puppe“ Mir, weil dein Inneres, das du noch nicht ahnest, von einer solchen Not bedrückt wird! – Daher kleide dich lieber mit dem Kleide der Demut, tiefer Bescheidenheit und großer, beharrlicher Empfänglichkeit für alles Liebegute und Glaubenswahre, so wird aus deiner „Puppe“ einst auch ein herrlicher Falter zum Leben erstehen.

20. Nun hätten wir noch das „Vogelnest“ – Denket euch, wozu das Vogelnest ist, wenn der Bewohner ausgeflogen ist und dasselbe allen Winden preisgegeben hat, weil er darinnen keine Sicherheit, keinen Schutz, keine Wärme und keine Nahrung mehr findet! – Ihr werdet sagen: „Es ist zu nichts mehr nütze!“ – Und Ich sage: Ihr habt recht geantwortet! – Daher kann auch Ich für diesmal aus diesem Neste nichts mehr machen, gleich wie Ich aus einem Menschen nichts mehr machen kann, wenn er vermöge seiner Gewissenlosigkeit es so weit gebracht hat, daß Meine „Himmelsvögel“, welche gleichsam die Stimme des Gewissens im Menschen sind, aus dem inneren „Neste der Liebe“, welches im Herzen erbauet ward, ausgeflogen sind.

21. Dieses Nest wird dann auch den bösen Winden preisgegeben werden. – Wollt ihr aber wissen, wie diese „Winde“ heißen, so will Ich sie euch sagen. Der erste Wind heißt Leichtsinn. Der zweite Wind heißt die Lauheit zu allem Ernsten, Wahren, Guten und daraus Schönen. Der dritte Wind ist die daraus hervorgehende selbstgefällige und wohlbehagliche Trägheit. Und der vierte Wind ist dann endlich das Versinken in allerlei irre und wirre Welttümlichkeiten und endlich daraus in die gänzliche Vergessenheit Gottes. – Darum sehet wohl zu, daß euer Nest nicht verlassen wird, sonst werdet ihr selbst zu einem solchen verlassenen „Vogelneste“ werden und sein Los unter den bösen Winden erfahren.

22. Darum aber gab die vierte ein solches totes Ding, weil die noch innehaltenden (Himmels-)Vögel es ihr zur Warnung auf die Zunge gelegt haben!

23. Sehet, liebe Kinder, so habt ihr Mir heute unbewußt eure Krankheiten vorgetragen! Ich habe euch daraus wohlwirkende Arzneien bereitet. Gebrauchet sie nach Meiner väterlichen, liebevollsten Anordnung, so werdet ihr auf eine wunderbare Art eure toten Schneckenhäuser wieder beleben, den toten Dorn zu einem Lebenssauger machen, aus der toten Puppe eine neue Herrlichkeit hervorbrechen sehen und in eurem Neste wird der innewohnende Vogel Phönix zu einem neuen und ewigen Leben wiedergeboren werden und wird dasselbe dann nimmer verlassen. Denn er selbst wird aus demselben, verherrlicht, zum ewigen Leben hervorgehen. Amen.

24. Merket wohl, Wer euch dieses alles gesagt hat! – Höret, es ist euer wahrer Vater, heilig, heilig, heilig! Amen.

 

Leiden des Herrn, Fasten, Armut, Liebe. – Vier Fragen im geistigen Lichte. – 9. April 1841, von 3/4 4 Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends

Schreibende: Ans. H. und seine vier Töchter. – Über die vorgenannten Gegenstände bekundete der Herr durch Seinen Knecht allergnädigst Nachfolgendes:

1. Wenn ihr also fraget, so fraget ihr recht! Denn in solchen Fragen liegt dasjenige zugrunde, was jedem Menschen am meisten not tut.

2. Ihr habt zwar ein leichtes Anliegen nicht in der Form einer Frage gegeben, dessenungeachtet sind die gegebenen Worte nichts als Fragen aus eurem Herzen, deren sonderheitliche Beantwortung euch jetzt gegeben wird. Die große Antwort aber wird euch erst dann, wenn ihr sie durch die Beachtung der sonderheitlichen in euch finden werdet. Das heißt, die sonderheitliche Beantwortung ist ein Wegweiser, der euch zeigt, wie das menschliche Leben beschaffen sein soll im Geiste und in der Wahrheit, voll Liebe und lebendigen Glaubens, um durch dieses Leben dann sicher gelangen zu können zum inneren Leben des Geistes und endlich durch dieses erst zu Mir. – Wer aber zu Mir gelangen wird, der wird dadurch auch gelangen zur allgemeinen Beantwortung nicht nur dieser von euch gegebenen Fragen, sondern auch jener unendlichen, die in diesen vieren enthalten sind.

3. Denn wahrlich, verstündet ihr in eurem Herzen das große Geheimnis Meines Leidens, alle Engel des Himmels würden ehrfurchtvoll und in allerhöchster Freude ewig zu euch in die Schule gehen und allezeit nach beendigter Schulzeit mit unermeßlichen Wundern bereichert zurückkehren.

4. Verstündet ihr in euren Herzen gerecht zu fasten, wahrlich, ihr möchtet nimmer darnach fragen! Denn durch solches Fasten wäre Ich euch schon lange ein sichtbarer Vater geworden, allda Ich euch dann mit dem leisesten Hauche mehr geben könnte, denn sonst mit tausend Worten.

5. Verstündet ihr in euren Herzen, was die wahre Armut ist, wahrlich, schon jetzt wäret ihr reicher als manche Fürsten des Himmels. Denn es liegt in der wahren Armut ein gar großer Schatz, welcher mit keinem irdischen Maßstabe zu ermessen ist! Die wahre Armut ist es, die da ewig gespeist wird mit Meinem Worte – wie ihr ja auch leset, daß das Evangelium den Armen gepredigt werden soll. Auch wird die wahre Armut verstanden also, daß sie gleich ist den „Hungrigen“ und „Durstigen“, die da ebenfalls aus Meinen Worten vollauf gesättigt werden.

6. Und endlich verstündet ihr erst in eurem Herzen die Liebe, wahrlich, da wäre an euch erfüllet die große Forderung, die Ich an Meine Apostel gerichtet habe, da Ich zu ihnen sagte: „Seid vollkommen, wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist!“ – Liebe Kinder! Was meinet ihr wohl, was diese Anforderung besagt? – Sehet, diese Anforderung besagt nichts mehr und nichts weniger, als bloß die ziemlich große „Kleinigkeit“, daß der Mensch vollkommen Mir in allem gleichen solle! – So ihr euch nur einen allerleisesten Begriff von Meiner Größe, Macht und Kraft und von allen Meinen unendlichen Vollkommenheiten machen könnet, so werdet ihr euch ja wohl auch davon einen kleinen Begriff machen können, was das heißen will, wenn Ich zu euch sage, daß auch ihr so vollkommen werden sollet, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Denn wenn „der Sohn“ die Seinen zu Miterben gemacht hat, auf daß Er vollkommen brüderlich teile das große Erbe vom Vater, so will auch das nichts anderes sagen, als daß die Seinen zu derselben Gerechtigkeit, zu derselben Macht und Kraft des Geistes Gottes gelangen sollen, welche dem Sohne im Vater und dem Vater im Sohne von Ewigkeit her innewohnt.

7. Bevor Ich euch jedoch alles dieses noch etwas näher auseinandersetzen werde, wollen wir zur sonderheitlichen Beantwortung eurer vier Hauptfragen zurückkehren.

8. Was Mein Leiden betrifft, so habe Ich also gelitten an Meinem Leibe wie ein jeder andere Mensch, und zwar in derselben Ordnung, wie ihr es leset in den Evangelien. Weil aber das menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloß, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äußere, leibliche, und das innere, göttliche.

9. Worin das äußere Leiden bestand, wisset ihr – aber worin das göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. – Damit ihr euch davon einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das heißen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog und in dem Herzen des leidenden „Sohnes“ Seine Wohnung nahm!

10. Nun sehet, Mein Äußeres wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die im Herzen sitzende Gottheit aber mußte den Tod und die Hölle von dem innersten Punkte aus besiegen. Nun denket euch den leidenden Gottmenschen, der da nun gestellt war zwischen zwei Feuer: Von außen her drückte Mich der Tod und die Hölle mit all ihrer Gewalt so lange, bis Mein natürliches Leben bis zu dem innersten Punkte Meines Herzens getrieben ward. Von innen aus aber wirkte diesem Drucke die Gottheit mit all Ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen und ließ Sich nur durch die Liebe selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben.

11. Nun denket euch wieder: Dieselbe Macht und dieselbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da lebet und webet in der ganzen Unendlichkeit, in einem Augenblick zerstören könnte, dieselbe Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht erfassen, welche die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hieß – o höret! – dieselbe Macht und Kraft in Ihrer vollsten Allheit hat Sich so weit aus ihrer Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen lassen, welche Beengung die größte freiwillige Demütigung der Gottheit in Mir war!

12. Wenn ihr dieses nur ein wenig in eurem Herzen zu fassen imstande seid, welchen leidenden Kampf Ich da als die Ewige Liebe zu bestehen hatte, so werdet ihr euch wohl auch einen kleinen Begriff machen können, was alles unter Meinem Leiden verstanden wird.

13. Dieses Leiden dauerte bis auf den Punkt, da Ich am Kreuze ausrief: „Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!“ – oder mit andern Worten: „Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück!“ – Und sobald wurden von der unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus stürmte die ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde bebte, angerührt von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die Gefangenen zum Leben hervor.

14. Und weiter drang dieselbe Allgewalt über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem Augenblicke die Unendlichkeit wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr Licht aus übergroßer Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes in sich zurück. Daß aber die Gottheit bei diesem neuen Austritte in diesem Augenblicke nicht alles zerstört und vernichtet hat, war allein die Liebe schuld, die da nun völlig wieder mit ihr vereinigt war.

15. Nun sehet, Meine lieben Kinder, das ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter „Meinem Leiden“! – Allein es liegt noch Unendliches darin verborgen, darin ihr Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend Größeres und Unendlicheres. Denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich zur Vollheit geradeso wie ein Punkt zur Unendlichkeit.

16. Wenn ihr aber fastet, da fastet in der wahren Verleugnung eurer selbst aus reiner Liebe zu Mir an allem, was die Welt euch bietet, so werdet ihr durch solches gerechte Fasten zu dem „Brote des Himmels“ gelangen.

17. Wie eine Braut an ihrem Hochzeitstage alle ihre früheren Kleider auszieht, sich wäscht am ganzen Leibe, dann ihre Brautkleider anzieht und sich schmückt mit allerlei Blumen und Edelsteinen, auf daß sie dem Bräutigam wohlgefalle, so er kommt und sie führet in sein Haus – ebenso sollet ihr durch das gerechte Fasten alle euere weltlichen (Selbstliebe-)„Kleider“ ausziehen, euch waschen mit lebendigem Wasser und anziehen dann Kleider der wahren (Gottes-)Liebe, der Unschuld und aller Demut und euch schmücken mit allerlei Blumen und Edelsteinen aus den Werken der (Nächsten-)Liebe!

18. Und wenn sodann der große Bräutigam kommen und euch treffen wird also wohlbereitet, da wird auch Er tun, was von dem bildlichen Bräutigam gesagt wurde. Und wenn ihr euch dann in dem Hause des Bräutigams befinden werdet, da wird Er euch eine Schatzkammer auftun und euch beschenken mit den unermeßlichen Schätzen des ewigen Lebens, welches da ist eine Folge Meines bittern Leidens oder der Erlösung.

19. Und was das Fasten ist, das ist auch die Armut. Denn wahrlich, wer nicht arm geworden ist an allem, was der „Welt“ ist, der wird nicht eher in Mein Reich eingehen, als bis er der Welt den letzten Heller zurückgegeben hat. – Sehet, das ist also die wahre Armut im Geiste und in der Wahrheit!

20. Daß da aber die freiwillige Armut einen unendlichen Vorzug hat vor der genötigten, versteht sich so sehr von selbst, daß eine nähere Erörterung darüber im höchsten Grade überflüssig wäre. Denn es kann die genötigte Armut nur durch die gänzliche Ergebung in Meinen Willen und in Meine Liebe der freiwilligen gleichkommen.

21. Nun aber fraget euch: Was ist das Verhältnis einer Braut zu ihrem Bräutigam, für den sie keine Liebe hegt im Herzen? Wird sie sich wohl auch so schmücken für die bewußte Stunde, da sie weiß, daß der Verachtete kommen wird? Wird sie diese Stunde mit der großen Sehnsucht ihres Herzens erwarten? – Ich sage euch: Mitnichten! Denn sie wird diese Stunde in ihrem Herzen verwünschen und verfluchen. Sie wird sich nicht waschen, sondern sich eher beschmieren mit allerlei Schmutz, und sie wird anbehalten ihre Alltagskleider und ihr Haupt bestreuen mit Asche, in der Meinung, wenn der bewußte Bräutigam kommen wird, so wird er sich entsetzen vor ihr und wird ablassen von seinem Begehren.

22. Und wahrlich, wenn der Bräutigam kommen und seine Braut also antreffen wird, Ich sage euch, da wird er sie nicht nehmen (so er Mir gleicht), sondern wird die Lieblose bereitwilligst dem überlassen, dem sie ihre Liebe zugesagt hat.

23. Nun sehet, da eine Braut für den rechten Bräutigam sich nur schmückt, so sie ihn liebt, so wird euch auch wohl sehr leicht klar werden, daß ohne Liebe zu Mir an kein Fasten und keine Armut zu denken ist und somit auch an keine hochzeitliche Ausschmückung. – Da wird aber auch kein „Nachhauseführen“ der Braut erfolgen, welches „Nachhauseführen“ nichts anderes ist als die Erlösung vom Tode zum Leben.

24. Sehet, wie sich da eure Fragen verhalten! – In Meinem Leiden ist die Liebe. Das Fasten und die Armut ist das Leiden der Liebe. Und das Leiden der Liebe ist die Ausschmückung derselben. Und in der Ausschmückung, welches das Leben ist, ist die Erlösung. – Somit ist die Liebe, das Leiden und die Erlösung eines und dasselbe.

25. Wer demnach liebt also, wie es euch gezeigt worden ist, der hat sich der Erlösung teilhaftig gemacht, und sein Teil wird gleich sein dem Meinen. Gleichwie aber der Bräutigam all seine Güter teilt mit seiner Braut, also wird es auch sein in Meinem Hause. Alsdann werdet ihr erfahren, was das heißt: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“

26. Amen! – Das sage Ich, ebenderselbe Vater im Himmel! Amen.

 

Gebet – das beste Erziehungsmittel. – 18. April 1841, nachmittags

1. Höre du, Mein lieber Andreas-Willig, was deinen Neffen L. betrifft, so ist er von einem trägen Geiste gelähmt am tätigen Willenseifer. Daher wird er wohl zu allem Guten durch was immer für Zwangsmittel nicht leichtlich anzueifern sein, und das zwar so lange, bis dieser Geist aus ihm entwichen ist.

2. Es sind aber derlei Geister nicht hinauszubringen, denn durch anhaltendes Beten – das heißt nicht etwa stundenlange Gebete, sondern daß da im festen und lebendigen Glauben und Vertrauen mit dem Gebete an Meinem Namen angehalten wird, in welchem allein jede Bitte sichere Gewährung finden kann und wird.

3. Wann aber das Gebet die gerechte Glaubenskraft erreicht hat, das weiß nur Ich. Das Gelingen richtet sich allezeit nach der selbsttätigen Glaubenskraft. Je mehr diese fest und unerschüttert anhält an Meinen Namen, desto näher liegt auch das Gelingen, welches allezeit in der gänzlichen, ungezweifelten Ergebung, Geduld und aller Liebe und Sanftmut liegt.

4. Wann aber diese den rechten Grad erreicht hat, das weiß nur Ich, wie schon gesagt. Daher darf in jeder Bitte die Geduld nicht ausgeschlossen werden, damit sich ein jeder selbst prüfe, wie stark er an Meinem Namen hält.

5. Zu jeder Bitte aber soll hinzugesetzt werden: „Herr, führe uns nicht in die Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel!“ – Desgleichen tue auch du, so wirst du schon erreichen, daß dein Neffe ein willig-eifriger Mensch wird.

6. Lasse ihn aber öfter mit dir beten und sage ihm, daß er auch selbst fleißig beten und sich überwinden soll. Wenn es ihn noch so viel Anstrengung kosten sollte, desto mehr Freude wird ihm in Meinem Namen der errungene Sieg über sich bereiten. Dieses ist das beste Mittel und das unfehlbar wirksamste!

7. Übrigens ist ein jedes Mittel, das aus Meiner Liebe in dir sproßt, ein taugliches und nach und nach zum Zwecke führend. – Die demütigenden sind die bessern, welche wohl nur dann anzuwenden sind, wenn ein widerspenstiger Geist sich in einem bedeutenden Grade zeigen sollte. Denn die trägen Geister haben meist kleine widerspenstige Geister bei sich als treue Gefährten. Aber wie schon gesagt: Ein anhaltendes Gebet ist gegen alles das beste Mittel!

8. Übrigens sehe, Mein lieber Willig, bei allen deinen Kindern nur auf die Bildung des Herzens! Denn diese zählt bei Mir allein. Alles übrige hat bei Mir keinen Wert. Und würden deine Kinder mehr wissen denn Salomo in aller seiner Weisheit, so würde alle deine Mühe gleichen der der Goldmacher, deren Unternehmen noch allezeit zu Asche geworden ist.

9. Lehre die Kinder daher demütig sein und vertrauen auf Meinen Namen, so wirst du ein guter Arbeiter Meines Weingartens werden und mit Meinem Lohne zufrieden sein ewig! Amen.

10. Das sage Ich, in Dessen Namen alle Macht und Kraft verborgen ist!

 

Wahres Glück. – 21. April 1841, morgens

0. Wenn da einem ist beschieden / Meiner Liebe heiliger Frieden, / wem der Vater neues Leben / will aus Seiner Fülle geben, / wen der Vater angenommen / und wer in Sein Herz gekommen / – dem darf wahrlich nimmer bangen. / Hat nach Mir er nur Verlangen, / fühlt er ein lebendig Ziehn, / daß ihn Welt und Sünde fliehn, / dann hab Ich ihn schon ergriffen / mit all Meinen Liebes-„Kniffen“. / Ja, Ich trage ihn auf Händen, / um sein Leben zu vollenden!

1. Siehe, du Mein lieber Anselm-Wortemsig, auf menschliche Art wünsche Ich dir nichts, sondern, was Ich dir wünsche, das gebe Ich dir auch alsogleich – und habe es dir schon gegeben und habe noch Unendliches für dich im Vorrate, so du es nur annehmen willst.

2. Siehe, Ich will dir alles im Überflusse geben: „Silber, Gold und Edelsteine“ aus Meinem Vaterherzen! – Silber gebe Ich dir deiner Kinder wegen, Gold für dein Weib, und dich aber will Ich schmücken mit allen Edelsteinen!

3. Aber glaube fest an Meinen Namen! Baue auf Ihn wie auf einen Diamantfelsen! Und liebe über alles Mich, deinen überguten, heiligen Vater, so wirst du bald das große Wunder der Kraft und Macht Meines Namens Jesus in deinem Herzen gewahr werden!

4. Das sage Ich, dein heiliger Vater. Amen!

 

Ordenswesen und wahre Barmherzigkeit. – 25. April 1841, vormittags 1/2 10 Uhr

Bitte des Knechts: „O Herr, Du unser allerheiligster, bester Vater! Möchtest Du mir armem Sünder denn nicht sagen, wie man es mit diesen neugegründeten sogenannten „Barmherzigen grauen Schwestern“ halten soll, damit man bei einer allfälligen Frage über dieses wohltätig scheinende Ordenswesen eine gerecht beurteilende Antwort zu geben imstande ist. Denn sonst könnte es ja leicht geschehen, daß entweder so oder so ein unrichtiges Urteil gefaßt wird. – O Herr, vergib mir meine große Dreistigkeit, daß ich es wage, Dich wie einen Menschen zu fragen. Allein Du bist ja unser Vater! So vergib dem törichten Kindern, wenn ihre Fragen ihnen gleichen! Amen.“

1. So schreibe: Fürwahr, diese Frage ist überaus albern! Wie kannst du nur so etwas fragen!?

2. Hast denn du noch nie ein Evangelium gelesen? – Sage Mir, bei welcher Gelegenheit habe Ich denn je einen Orden gestiftet – und am allerwenigsten einen Weiberorden!? – Oder gehören Träume, welche von manchen galle- und schwachsichtigen Ordensstiftern geträumt wurden, auch zu den Evangelien?

3. Was sagte Ich zu den Aposteln? – Daß sie untereinander Brüder in aller Liebe sein sollen, das sagte Ich ihnen! – Wie nannten diese nach Meinem Gebote alle Menschen? – Nicht anders als: „Liebe Brüder“ usw. – Was soll's denn da mit der Kasterei?

4. Ihr aber sollet untereinander sein eines Ordens der reinen Liebe zu Mir, als lauter Kinder eines und desselben Vaters und als einerlei Erlöste durch Meine Menschwerdung! Und ihr sollet eine und dieselbe liebevolle, barmherzige Bruder- und Schwester-Kaste sein in der lebendigen Kraft Meines Wortes und Namens, da ihr alle durch denselben Jesus Christus seid zu Kindern Meiner Liebe, Erbarmung und Gnade gemacht worden.

5. Wenn aber Menschen – wenn auch zum Teil aus redlicher Absicht – sich von andern absondern, um dadurch eine gewisse, so oder so geartete, tugendheldliche Kaste zu bilden, zu der nur die wenigsten können hinzugelassen werden – was kann da heraus für ein Segen dem Volke erwachsen, so nicht alle sind wie einer und einer wie alle?!

6. Es mag einer wohl nicht zugleich ein Weber, Schneider, Schuster, Schmied usw. sein; es muß ja eine Verschiedenheit der Arbeiter wie der Stände dem Äußern nach geben. Aber nicht also ist es dem Innern nach! Da sollen alle gegenseitig lauter liebeerfüllte, barmherzige Brüder und Schwestern sein!

7. Was soll denn eine bezahlte Barmherzigkeit für eine Barmherzigkeit sein? – Oder besteht die Barmherzigkeit nur in der Krankenpflege?

8. Ich sage: Wer nicht Barmherzigkeit übet als ein freier Bekenner Meines Wortes und Meiner Liebe, und das aus allen seinen Kräften ohne Entgelt, dessen Werk werde Ich ansehen als das eines Tieres, das da in seiner gerichteten Ordnung allezeit ein und dieselben Werke verrichten muß, weil es nicht anders kann und darf vermöge der gerichteten Ordnung, welche Werke aber so gut wie gar keine „Werke“ sind.

9. Der freie Mensch muß auch frei und ungebunden handeln in der unendlich freien Ordnung Meiner ewig freien Liebe, wenn er wünscht, daß Ich sein Werk als etwas ansehe. – Wer aber handelt unter einer gewissen Ordensschraube und öfter unter der noch viel erbärmlicheren Klausur der ist gar selten mehr denn ein zu einer gewissen Arbeit bedungener Faulenzer, der nie auf die Arbeit, sondern nur auf den Mietgroschen sieht.

10. Das genüge dir auf die Meiner nicht gar würdige Frage! – Fürs künftige aber verschone Mich mit derlei! Denn: weltprunkende Anstalten sind Mir ein Greuel! – Wer aber Barmherzigkeit übt, der übe sie im verborgenen und nicht vor aller Welt Augen!

11. Das sage Ich, der nur die Werke im verborgenen ansiehet! – Amen. Amen. Amen.

 

Die wahre Kirche.

[HiG.01,01] Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie lehret Meinen Willen und das Leben predigt aus der Liebe, die am Kreuze für die ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung blutete.

[HiG.01,02] Aber eine Kirche, die sich nur segnet und alles andere verfluchet, ist wie ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er aller Habe habhaft werden möchte. Es wird aber ein Kamel eher durch ein Nadelloch traben als ein solcher „Geizhals“ in den Himmel.

 

Vom Kreuzessegen. – 28. April 1841, nachmittags

1. Das Kreuz ist eine wahre Not(durft) des Lebens! – Wenn das Leben keine Not hat, so zerstreuet es sich und verflüchtigt sich wie ein Äthertropfen. Die kein Kreuz tragende Seele ermattet und stirbt und verliert sich in die Nacht des Todes.

2. Die Not des Lebens aber ist ein Gefäß des Lebens, in welchem dieses gefestet wird gleich einem Diamanten, der da auch nur ein gefesteter Äthertropfen ist, obschon nicht ein Lebenstropfen.

3. Daher nehme jeder das Kreuz auf seine Schulter und folge Mir in aller Liebe nach, so wird er sein Leben erhalten ewig!

4. Wer mit seinem Leben zärtelt, der wird es verlieren. Wer es aber kreuzigt und von Mir kreuzigen läßt, der wird es erhalten für alle Ewigkeiten.

5. Das sage Ich, der Gekreuzigte. Amen!

 

Von Tod und Todesnot. – 29. April 1841, abends

1. Des Leibes Tod ist des Lebens letzte Not und ist gleichsam die Anheftung ans Kreuz.

2. Wäre nicht des Leibes Tod, so ginge alles Leben verloren. Aber durch des Leibes Tod wird das Leben gesammelt und gefestet, damit es nach dem Abfalle des Leibes selbst im schlimmsten Falle doch noch als etwas bestehen kann.

3. Die mit dem Tode verbundene, vorhergehende Angst ist eben der Akt der Vereinigung des Lebens, welches vorher nur gar zu häufig schon in alle Weltwinde zerstreut war.

4. Daher geschieht es auch, und das überaus notwendig, daß die Weltlichen einen oft überaus bitteren Tod schmecken müssen. Denn würde solches nicht geschehen aus Meiner übergroßen Erbarmung, so würden sie vollends ewig zunichte.

5. Und daß solche weltliche Seelen nach dem herben irdischen Tode in einen höchst unfreien Zustand kommen, ist ebenfalls wieder nur, damit ihr im Leibestode nur schwer gesammeltes Leben sich nicht wieder verflüchtige und endlich gänzlich zunichte werde.

6. Und so ist denn selbst der angst- und qualvolle sogenannte ewige Tod nichts als eine durch Meine große Erbarmung gesetzte Lebensverwahrung.

7. Welche Menschen aber schon bei ihrem Leibesleben ihr Leben durch Selbstverleugnung, Demut und Liebe zu Mir in Mir vereinigt haben, wahrlich, diese werden von des Leibestodes Angst nicht viel verspüren. – Und wenn ihr irdisches Lebensschifflein einmal an den trüglichen Weltklippen zerstäuben wird, so wird der Wanderer schmerz- und sorglos sagen: „Ich bin mit meiner Habe im trockenen!“

8. Bemühet euch daher, euer Leben schon hier zu vereinen in Mir, so wird euch der Tod des Leibes dereinst vorkommen wie eine große aufgehende Sonne dem nächtlichen Wanderer an einem Meeresgestade, welches voller Klippen und Abgründe ist.

9. Glaubet es Mir, daß es also ist, so wird niemand mehr euch den innern Frieden rauben!

10. Das sagt der Herr des Lebens und des Todes! – Amen. Amen. Amen!

 

Das Zeichen des Menschensohnes. – 1. Mai 1841, vormittags

a. Ans. H. bat um Auskunft über Matthäus Kap. 24,30: „Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Dann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“

a. Der Herr bekundete durch Seinen Knecht J. L. folgendes:

a1. Wißt ihr denn nicht, welcher Unterschied zwischen dem „Zeichen“ und dem „Menschensohne“ obwaltet? Und wißt ihr nicht, was da zu verstehen ist unter dem „Himmel?“

a2. Wahrlich, ihr möget euch nichts Törichteres denken, als etwa am gestirnten Himmel ein sogenanntes Kruzifix zu erblicken. Fraget euch nur selbst, was würde das der Welt wohl nützen, wenn nicht nur ein, sondern eine ganze Legion Kruzifixe am Himmel zu sehen wären!? Würden die Menschen deshalb besser werden in ihren Herzen? – O gewiß und wahrlich nicht!

a3. Würden da nicht alsobald die Gelehrten bei der Hand sein und alle diese Kruzifixe für Ausgeburten pfäffischer Trügerei erklären?! Und würden sie nicht beweisen wollen, daß alle die am Himmel schwebenden Kruzifixe keinen andern als einen ärostatischen Ursprung haben und vermöge der Verabredung von Jesuiten-Kollegien aufgestiegen sind!?

a4. Sehet, diesen Effekt und noch manchen andern würde eine solche Erscheinung in der gelehrten Welt hervorbringen! Ja, es möchten noch mathematisch gelehrtere Wissenschaftler solche Erscheinungen sogar auf dem Wege der Optik zu erklären suchen.

a5. Was würde aber der gemeine Mann dazu sagen? – Ich sage euch, der würde alsobald vor übermäßiger Angst tatlos verstummen. Denn da wäre es für ihn nach der irrig eingepflanzten Lehre doch gewiß, daß der „Jüngste Tag“ vor der Türe ist.

a6. Und so würde diese Erscheinung fürs erste die Gelehrten töten darum, weil sie durch ihre Meinung und Erklärung sie zuvor töteten; der gemeine Mann aber würde getötet werden im Augenblicke des ersten Auftretens jener Erscheinung in aller seiner stets tätig sein sollenden Freiheit. – Das wäre demnach der Nutzen einer solchen Erscheinung!

a7. Daß sich die Sache so verhalten würde, könnet ihr aus dem entnehmen, so ihr nur mit einiger Aufmerksamkeit eure Blicke auf jene Zeit hinwendet, für welche von gewissen weisheitskramenden Propheten schon mehrere Weltuntergänge vorherbestimmt worden sind. Wie da die Menschen teilweise verzweifelten, teilweise lachten und teilweise sich dem Vielfraße und anderartigen Schwelgereien preisgegeben haben (so würde es auch jetzt wieder gehen). Wenn aber schon solche leere Prophezeiungen solche üble Erscheinungen hervorbrachten, nun denket euch, was da ein riesenhaft großes Kreuz, unter den Sternen schwebend, hervorbringen würde?! – Ich brauche euch den tödlichen Erfolg nicht näher zu beschreiben!

a8. Es ist aber unter „Himmel“ zu verstehen: die gesamte Glaubenswahrheit aus dem Worte, welches ist die „Kirche“ in ihrer Echtheit.

a9. Das „Zeichen des Menschensohnes“ aber ist die in dieser Kirche wieder neu erwachte Liebe mit allen ihren himmlischen Attributen, als Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut, Ergebung, Gehorsam und Duldung aller Beschwerden des Kreuzes. Sehet, dieses lebendige Zeichen des Menschensohnes wird am Himmel des inneren, ewigen Lebens erscheinen und wird nicht töten, sondern überaus beleben.

a10. Es werden bei solcher Gelegenheit freilich die „weltsüchtigen Geschlechter der Erde“ heulen, jammern und wehklagen, da all ihr Höllentrug, der da in den zahllosen Kaufs- und Verkaufsartikeln besteht, außer allen Kurs kommen wird. Denn die Menschen Meines Zeichens werden mit den Weltträumern, Mäklern und Wechslern nicht mehr viel zu tun haben.

a11. Diese werden ihre Augen nur dahin richten, da sie sehen werden des „Menschen Sohn auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen“ – welches ist das lebendige Wort im Herzen des Menschen oder Meine ewige Liebe im Vollbestande und daher ist „von großer Macht und Herrlichkeit“. Und es sind die „Wolken des Himmels“ die unendliche Weisheit Selbst in diesem lebendigen Worte. – Sehet, das ist also das kurze Verständnis dieses Schrifttextes!

a12. Die „Wolken“ aber werden Jenseits euch Selbst in Mein Reich aufnehmen und werden eure Wohnung sein ewig. Das heißt, ihr werdet da erst in der höchsten Wonne die große Macht und Herrlichkeit des Menschensohnes anschaulich vollends erkennen.

 

Vom geistigen Frühling. – 1. Mai 1841, nachmittags

b. Wilhelmine H. fragte: „Was ist der Frühling und was kann man vom Frühling lernen?“

b. Schreibende: Ans. H. – Wilhelmine H. – Julie H. – Der Herr antwortete durch J. L.:

b1. Was hier den Frühling anbelangt, so ist er in natürlicher Hinsicht nichts anderes, als was ein jeder Mensch am Morgen nach dem Erwachen erlebt, nämlich eine geweckte Tätigkeit aller Lebensgeister.

b2. Wenn diese Lebensgeister durch das Licht und durch die zunehmende Wärme aus ihrem Schlafe geweckt werden, so beginnen sie ihre ordnungsmäßige Tätigkeit von vorne. Alle Sinne erschließen sich; der Magen kündigt sein Bedürfnis nach Nahrung an, und alle Säfte des Körpers beginnen einen lebhaften Kreislauf.

b3. Sehet, also ist es auch in der großen Natur! Zahllose Äonen (Natur-)Geister werden durch das Licht und die Wärme der Sonne aus ihrem starren Winterschlafe geweckt, beginnen ihre vegetative Tätigkeit von neuem und fangen an, allerlei Pflanzen, Kräuter, Sträuche und Bäume wie auch zahllose Heere der kleinen Tierwelt zu bilden und zu entwickeln, und das alles nach der festgesetzten Ordnung.

b4. Sehet, das ist der natürliche Frühling! – Was kann man aber von diesem lernen? – Ich sage euch – sehr vieles!

b5. Ihr wißt, wodurch er natürlicherweise entsteht, nämlich durch das wachsende Licht und durch die Wärme.

b6. Nun sehet, wenn ihr recht emsig treu Mein Wort anhöret oder selbst leset, so nähert sich da ebenfalls die große Geistessonne eurer irdisch oder weltlich noch kalten nördlichen Winterzone des Herzens. Dieses „Sonnenlicht“ entbindet da auch nach und nach stets mehr und mehr Wärme, welche die Liebe zu Mir ist, zur wahren geistigen Lebenstätigkeit.

b7. Wenn nun solches vor sich zu gehen anfängt, dann ist bei dem Menschen der „geistige Frühling“ eingetreten.

b8. Wie es aber ist, daß der natürliche Frühling nebst vielen nützlichen Pflanzen und Tieren auch ebensoviele giftige und schädliche ins Leben erweckt, also ist es auch mit dem geistigen Frühlinge, daß dadurch im Menschen auch viele giftige und schädliche böse Geister geweckt werden, aus welcher Ursache dann auch die Versuchungen zur Sünde mächtiger werden als in dem leblos starren Winter, welcher ist die laue weltliche Gewöhnlichkeit des Menschen.

b9. Daher muß der Mensch in diesem geistigen Frühlinge einem sorgfältigen Gärtner gleichen, der seine Bäumchen und Pflanzen sorgfältig von den schädlichen Raupen reinigt und alles Unkraut ausjätet, damit der edlen Bäume und Pflanzen Leben keinen Schaden leide.

b10. Wer nun auf diese Art seinen Lebensbaum von allen den bösen Begierden und Leidenschaften durch die kräftigen Werkzeuge, welche sind die Selbstverleugnung und die Demut, emsig reiniget, der wird dann gewiß auch im Sommer und Herbste seine Tätigkeit mit den herrlichsten, reif gewordenen Früchten belohnt sehen.

b11. Diese Früchte aber sind keine anderen als die Erscheinung des „Zeichens des Menschensohnes am Himmel.“ Die „Geschlechter der Erde“ sind die hinausgeschafften bösen Begierden und Leidenschaften. Und darauf erfolgt „das Kommen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“

 

Kunde vom Mond. – 1. Mai 1841, von 4 Uhr bis 6 Uhr nachmittags

Julie H. fragte: „Was ist der Mond? Gibt es dort auch Menschen so wie hier?“ – Schreibende: Ans. H. – Julie H. und Wilhelmine H. – Als Antwort auf die Frage der Julie H. über den Mond empfing der Knecht Jakob Lorber an diesem und an verschiedenen nachfolgenden Tagen eine umfassende Eröffnung über die Beschaffenheit des Begleiters unserer Erde und über das auf demselben sich findende Leben.

Unter anderem wurde gesagt:

 

An Jesus. – Gebet. – 4. Mai 1841

a1. O mein allerliebster Jesus! Hilf mir, daß ich Dir in allem möchte gehorsam sein und nicht wanke weder zur Linken noch zur Rechten, sondern allezeit acht habe auf Dich, der Du der alleinige Anfänger und Vollender aller guten Werke bist!

a2. Ich gebe mich Dir ganz hin, überlasse mich Dir ganz und gar und lege mich mit allen Sinnen und Gliedern zu Deinen allerheiligsten Füßen. Ich ergebe mich Dir samt allen den Meinigen in Deinen allerheiligsten Willen, in Deine allerbeste und reinste Vorsicht, in Deinen göttlichen Schutz und Deine liebevollste, gnädigste Regierung!

a3. Du bist der wahre, einzige Vater, Gott und Herr! Dir ist niemand gleich und außer Dir gibt es keinen mehr! Wir alle sind in Deiner Hand, daher tue mit uns, wie es Dir wohlgefällt, und lasse Deinen allerheiligsten Willen an uns, in uns und durch uns allezeit vollkommen geschehen!

a4. Denn Dein Wille ist Liebe über Liebe, Gnade über Gnade und Erbarmung über Erbarmung! Daher lasse uns auch allezeit und ewig nur Werkzeuge Deiner Gnade und reine Gefäße Deiner Liebe, Erbarmung und Ehre sein! O gib, daß wir um Deiner unendlichen Liebe willen allezeit würdig vermöchten Deinen allerheiligsten Namen über alles hoch zu preisen aus unserem ganzen Wesen, es sei im Leben oder im Tode! Amen.

a5. O ich bin unwürdig Deiner so großen Güte, mein Jesus, mein Vater, mein Gott und Herr, die Du mir stets so endlos liebevollst erweisest! Darum will ich Dich aber auch ewig loben, lieben und preisen und überall und allezeit Deinen allerheiligsten Namen verherrlichen!

a6. Ehre, Lob, Dank und Liebe sei Dir, o Gott, als Vater, Sohn und Heiliger Geist, jetzt und in alle Ewigkeit! – Amen.

 

Gebet des Herzens. – 4. Mai 1841

b1. O Vater, Herr und Gott, Dich loben wir, Dir danken wir! – Dich, Gott und Vater, ehret die Schöpfung weit und breit, alle Sterne und alle Himmel sind voll von Deinem Ruhme! Alle Engel und alle Himmelsheere dienen allzeit Deinem Willen! Cherubim und Seraphim singen mit hoher Stimme: „Heilig ist unser Gott, heilig ist unser Vater! Alle Lande, alle Welten, alle Himmel sind Seines großen Namens voll!“

b2. Ach, mein Gott und Vater, hilf, hilf, hilf, daß dieser Dein allerheiligster, über alles mächtiger und kräftiger Name allerwürdigst auch von uns und durch uns möchte geheiliget werden! – Lasse ja nicht zu, daß er je möchte verunreiniget werden durch Gedanken, Worte oder Werke! Erbarme Dich, erbarme Dich über mich und die Meinigen und über alle Menschen!

b3. Siehe, mein Gott und Vater, Du hast mir allergnädigst einen hellen Schein in mein Herz gegeben und lässest mich wissen und erfahren die heimliche Weisheit, die im verborgenen ist und allein aus Deiner unendlichen Liebe und Erbarmung in mein noch höchst unlauteres Herz fließet! – Oh, verbirg Dein göttlich Antlitz vor meiner Missetat und schaffe, schaffe, schaffe in mir, o Gott und Vater, ein reines Herz und gib mir einen gewissen Geist, ja Deinen Heiligen Geist gebe mir!

b4. Verwirf mich nicht, o mein Gott und Vater! Tröste, tröste, tröste mich allezeit mit Deiner Liebe und Gnade! Ach mein Vater, Gott und Herr, bekehre Du uns, so sind wir bekehrt! Hilf uns, so ist uns geholfen! – Und erbarme Dich aller Menschen, Seelen und Geister! – Amen. – O mein Jesus, in Deinem allerheiligsten, über alles mächtigen und kräftigen Namen – Amen!

 

Ein bester Rat und wahrer Trost. – 5. Mai 1841

1. Alle Menschen sind nicht für diese Welt erschaffen, sondern für das jenseitige große Vaterhaus – und zwar entweder so oder so! Wie ihr Leben in der Welt, danach ist auch ihr Zustand in jenem ewigen, großen Hause!

2. Wen Ich prüfe – und wahrlich, solches tue Ich nicht umsonst! – den will und werde Ich auch zu etwas machen; denn er ist schon in Meiner Schule. Ein Student aber muß sich die Prüfung gefallen lassen, wenn er etwas werden will.

3. Bei Mir wird niemand in der Prüfung verworfen, sondern jeder kann bestehen, entweder schon hier oder doch sicher im Jenseits.

4. Wer aber Meine sanften Prüfungen flieht und macht einen argen Ausreißer, der wird dann von der Welt und vom Satan geprüft, ob er tüchtig sei zur Bosheit.

5. Ich nehme jeden zu jeder Stunde in Meine Schule auf. Wer aber nicht mehr denn ein Schweinehirte, ein Eseltreiber oder ein Ochsenfütterer werden will und im Unrate seine Seligkeit findet, wahrlich, der wird je weder im Amte, noch in seinem Vergnügen gestört werden!

6. Ihr aber – höret und begreifet es – seid auf Meiner „Universität“! Ich möchte überaus vieles aus euch machen! Daher müssen euch schon auch manche besondere Prüfungen auf dieser Hochschule nicht befremden.

7. Ich habe die Aussätzige (für die ihr um Hilfe gebeten habt) zu Mir genommen und habe sie erweckt zum Leben, indem Ich ihr die unreine Last des stinkenden Leibes abgenommen habe. – Möchtet ihr sie wieder zum Tode erwecken!?

8. Warum trauerst du, so Ich deine Schwester zu Mir nahm? Ist ihr denn etwas Arges begegnet? – O ihr Kleingläubigen! Meinet ihr, der Verlust eurer Schwester drücke euer Herz? – O nein, sage Ich, euer schwacher Glaube ist noch immer eure größte Not!

9. Denn wer da glaubet und liebet im Geiste und in der Wahrheit, der wird allezeit voll Freude und Dankbarkeit sein im Herzen, da er gar wohl im hellsten Lichte sehen wird, daß Ich, sein ewiger, heiliger, liebevollster Vater, gewiß nur allezeit das Beste tue!

10. O Kinder, erkennet, erkennet doch einmal, daß Ich, euer liebevollster Vater bin, der euch in jeder Prüfung euer Leben ums Tausendfache erhöht und vermehrt!

11. Danket Mir mit freudigem Herzen, daß Ich eurer Schwester umsonst das ewige Leben alsogleich im Reiche der Kinder gegeben habe und ihr von da einen hellen Weg ins große Heiligtum Meiner ewigen Vaterliebe bahne!

12. Wahrlich, es ist also! Wer kann noch trauern, so er Mich liebt und festhält an Meinem Namen!?

13. So seid denn nun fröhlich und voll guten Mutes! Denn eure Schwester ist nun schon überselig in Meinem Schoße! Hier aber in der irdischen Welt wäre sie schon in fünf Monaten samt dem Manne für ewig verloren gewesen! Wieso und warum – wird euch nicht entgehen mit der Zeit!

14. Nun aber ist alles gut und wird ewig gut bleiben! Daher frohlocket und lobpreiset allezeit Meinen Namen!

15. Das sage Ich, euer wahrer Vater und Bruder. Amen!

 

Die Zeit der drei Tiere der Offenbarung. – 7. Mai 1841, nachmittags

Frage: Was besagt Offb. Joh., Kap. 13, Vers 15-18: „Und es ward ihm gegeben, daß es dem Bilde des Tieres den Geist gab, daß das Bild des Tieres sogar spreche und bewirke, daß, die das Bild des Tieres nicht anbeten, getötet werden. Und es bringt alle, die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Knechte dazu, daß sie sich ein Malzeichen machen auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn, damit niemand kaufen oder verkaufen könne, der nicht das Malzeichen habe mit dem Namen des Tieres oder der Zahl seines Namens. Hier zeige sich die Weisheit! Wer es versteht, der berechne die Zahl des Tieres, denn es ist eines Menschen Zahl. Und seine Zahl ist 666.“

1. In Meinem Namen schreibe nur zu, Ich weiß schon, woran es euch gebricht!

2. Für gar ferne Dinge reichen eure „verlängerten Augen“ nicht hin, um sie zu erschauen. Bei mittelfernen Gegenständen sehet ihr die einseitige Rinde nur. Und von den sehr nahen sehet ihr darum nichts, weil sie euch zu nahe liegen und daher auch zu wenig Interesse bieten.

3. Diese Verse der Offenbarung sind doch mit den Händen zu greifen, und ihr möget sie nicht erfassen! – Ja, je leichter etwas ist, desto stumpfsinniger seid ihr dabei! – Ein nächstes Mal fraget aber nach dem, was euch am allerleichtesten vorkommt! Wahrlich, ihr werdet dabei sicher demütiger werden als durch diese vorliegenden, überleichten vier Verse! – Und nun habet acht:

4. Es ist fürs erste in diesem Kapitel von drei Tieren die Rede: erstens vom Hauptdrachen, zweitens vom Tiere, das dem Meere entsteigt mit sieben zehnhörnigen Köpfen, und drittens von einem lammartigen Tiere mit zwei Hörnern am Kopfe.

5. Wer der Hauptdrache ist, werdet ihr etwa doch schon wissen, nachdem Ich euch schon so oft, und zwar besonders in den „zwölf Stunden“, von Meinem Erzfeinde hinreichende Meldung getan habe.

6. Wollt ihr aber das zweite Tier erkennen, so wendet eure Augen auf die nahe gelegene Eigenliebe, und ihr werdet alle Attribute an ihr bestätigt finden! – Es entsteigt dem „Meere“ aller habsüchtigen Begierden und hat „sieben Köpfe“, das heißt für ein jedes Gebot der Nächstenliebe einen eigenen mit „zehn Hörnern“, durch welche vom einen wie vom andern Haupte gleichermaßen allen zehn Geboten (Mosis) entgegengestrebt wird. – Ein „verwundetes Haupt“ ist der überall strafbare Diebstahl und Raub. Aber schadet das dem Tiere etwas? O nein, denn dieses verwundete Haupt ist ja durch all die politischen Staats- und Handelsgesetze vollkommen geheilt. Und so lebt die ganze Welt unter solchen Gesetzen und handelt darnach – und spottet dadurch dem Lamme und dessen Geboten täglich.

7. Das dritte Tier entsteigt der Erde, sieht aus wie das „Lamm“, hat aber auch „zwei Hörner“. – Was etwa ist doch das? – Ich sage euch, dieses liegt euch am allernächsten! – Es ist die das Wassertier sehr unterstützende und am Ende selbes sogar vergötternde allgemeine Industrie, die mit ihren zwei Hörnern den (Haupt-)Geboten der Liebe schnurstracks entgegenstrebt! – Daß es also ist, blicket nur nach Amerika und England usw.!

8. Wie sehr aber dieses dritte Tier eben solche Industrie ist, zeigen euch z.B. die grausamen Kindermißhandlungen in den englischen und amerikanischen Fabriken, da dieselben oft von fünf Uhr bis über neun Uhr abends, beständig stehend, beinahe halbnackt arbeiten müssen, und das oft schon von ihrem achten Lebensjahre an. Es wird ihnen kein Unterricht erteilt – außer dem ihrer industriellen Sklavenbestimmung!

9. O könntet ihr das Wesen der Industrie schauen mit Mir und durch Mich, so würdet ihr sagen: „O Vater, das ist ja der Drache selbst!“

10. Übt dieses dritte Tier nicht alle Gewalt des zweiten Tieres, dessen Kopfwunde geheilt wurde? Und macht es nicht, daß fast von aller Erde, d.h. wenigstens von ihren Hauptbewohnern, das zweite, verwundete Tier völlig angebetet wird? Wird da nicht von angebeteten Königen, Fürsten und anderen (industriellen) Gründern und Erfindern allenthalben gesprochen!? Werden ihnen nicht in aller Welt Denkmäler errichtet? Macht es nicht die größten Zeichen und läßt Feuer vom Himmel fallen, d.h. lehrt es nicht ganz vernünftig vor den blinden Menschen, als sei solcher Fleiß das eigentliche Wesen aller Religion und die Gottes würdigste Verehrung, wo nicht selbst die beste Anbetung?! – Wie ist das doch ein barster Raub des Feuers vom Himmel, dem Menschen glauben machen, daß Ich auch durch Greuel mag verehrt werden! (Aber nur eine ganz kurze Zeit währet solches noch!)

11. O sehet die Verführung der Erdbewohner! Das Bild des Tieres mit der Schwertwunde aller politischen Gerechtigkeit ist nun vollkommen lebendig! Die Menschen wurden genötigt, mit ihrem Blute dieses Bild aufzurichten! Und nun pranget es und redet und gebietet, tötet und wird angebetet von allen Würmern und Speichelleckern, die darum „Gelehrte“ und „Journalisten“ betitelt werden, und noch von einer Anzahl Schmeißfliegen, die von allem etwas haben müssen, um dadurch, ohne zu arbeiten, etwas zu verdienen.

12. Es wage aber nun jemand, dieses Tier nicht anzubeten – so wird er gar bald wahrnehmen, wieviel es weltlich für ihn geschlagen hat!

13. Das aber ist der „Geist“ (oder das „Leben“) im Bilde des Tieres, daß die Eigenliebe und Habsucht bei all den Weltgroßen den höchsten Gipfel erreicht hat, das ist die Vollzahl 666, wobei die Eigenliebe ist gleich 600, das geraubte Himmelsfeuer gleich 60 (d.h. das göttliche Gebot ist zehnfach zum Eigennutz angewendet!) und die Nächstenliebe endlich nur gleich 6 (d.h. es gilt die allervollkommenste Sklaverei)! – Statt zu geben für 1 Hundert, fordert man für 1 Hundert!

14. Sehet und begreifet nun die Bezeichnung der „rechten Hand“ und der „Stirne“, sowohl bei Großen und Kleinen, Reichen und Armen, Freien und Knechten! Ist es nicht die Herrschsucht, entweder durch Macht oder Weltverstand!? – Saget, ob jemand nun ohne diese Zeichnung etwas vermag!? Was gilt ohne dieses Zeichen der Mensch dem Menschen? – Wahrlich, sage Ich euch, so aus euch jemand Töchter hat, wird er sie wohl einem „Unbezeichneten“ geben, oder werden sie einen „Unbezeichneten“ verlangen? Kann jemand, wenn er nicht ein Zeichen hat oder ein Amt vom Tiere erhielt, noch irgendein Weltglück machen!?

15. Ihr selbst seid „bezeichnet“ – bis auf Meinen Knecht, den Ich mit großer Mühe bis jetzt noch unbezeichnet erhielt. Ich sage euch aber, wenn Ich es zuließe, daß er eine eurer Töchter verlangete, ihr würdet ihn ganz sonderbar bedenklich ansehen und ihm freundlich raten, davon abzusehen, da es sich doch nicht tun möchte, weil er nicht „bezeichnet“ ist!

16. So ihr aber schon solches tätet mit einem, den Ich euch in der Nacht der Nächte zur Leuchte gemacht habe, was würdet ihr erst tun, so sich ein anderer „Unbezeichneter“ unterstände solches von euch zu verlangen? – Ich sage: Ihr ließet die Töchter eher lebendig einmauern – wohl verstanden!

17. Ich bin der Meinung, nun dürfte euch die „Bezeichnung“ wohl so ziemlich klar sein! Wer vermag nun zu kaufen und zu verkaufen ohne dieses Zeichen?

18. Aber die „42 Monate“ sind bald zu Ende, da die Gebote der Nächstenliebe schon über 5 mal 7 fach auf die Eigenliebe angewendet wurden. Ich aber sage euch, suchet das „Zeichen“ durch das Feuer Meiner Liebe zu vertilgen, sodann werdet ihr zum wahren, inneren Leben gelangen!

19. Darum aber ist es gerade jetzt so schwer, zum inneren Leben aus und in Mir zu gelangen, weil das „Zeichen“ jeden in die Welt hinausbrennt. Daher lasset euch von Mir von der Welt des Tieres zurückbrennen durch Meine Liebe, so werdet ihr das Leben finden, jetzt und ewig!

20. Das spricht der Heilige, Große, Erste und Letzte. Amen, Amen, Amen!

 

Gott und Welt. – 10. Mai 1841, nachmittags

Johannes 7, 7: „Die Welt kann euch nicht hassen, Mich aber hasset sie; denn Ich zeuge von ihr, daß ihre Werke böse sind.“

1. Höre du, die Ich lieb habe! – In diesem Verse der Worte Meines Zärtlings Johannes liegt jene große Wahrheit, daß alle, die nicht von der Welt sind, bei der Welt in keinen Gunsten stehen, dieweil sie durch Mich und Mir kein Wohlgefallen haben an ihren eitel bösen Werken.

2. Euch wird zwar die Welt nicht hassen, wie Mich, der Ich allezeit wider ihre Werke gezeuget habe; aber frohlocket, wenn euch die Welt verachtet! Denn wer Meinetwillen verachtet wird, der kann ja doch völlig versichert sein, daß Ich ihm nicht ferne bin.

3. Siehe, die Welt gleicht da den Trüffelhunden und den Adlern. Jene wittern verborgenes Leben und der Adler aber ein Aas meilenweit.

4. Die Trüffelhunde suchen zwar nicht die Pflanze, sondern nur einen Braten und scharren daher die Erde auf und suchen emsig die Pflanze, damit ihnen ja nicht der schon öfters genossene Braten durch- oder verlorengehe. Wenn aber unter den Trüffeln schon längere Zeit der Braten ausgeblieben ist, alsdann sind die Hunde kaum mehr tauglich, daß sie die Trüffeln aufsuchen, welche ihnen dann nur ein Gegenstand der Verachtung werden.

5. Siehe, solche „Bratendiener“ sind wahrlich keine eigentlichen Trüffel-Sucher, weil noch nie die Trüffel, sondern allezeit der Braten der Gegenstand ihres Suchens war! – Wenn dich aber solche Diener mißachtend im Stiche lassen, so denke, daß Ich, der von der Welt Allesverhaßteste, in dir eine „Trüffel der Liebe“ angepflanzt habe und habe aber keinen Weltbraten hinzugegeben. Daher lasse diese „Bratenjäger“ und habe keine Furcht in dir vor ihnen, denn sie kümmert nicht die Trüffel, sondern nur der Braten!

6. Die Adler aber versammeln sich, da sie ein Aas verspüren. – Siehe, Ich bin der Welt ein „Aas“. Denn sie flieht Mich und hasset Mich ärger denn ein Aas! – Es gibt aber eine Unzahl Weltvögel und nur sehr wenige Adler darunter. Allein es ist nicht genug, als Krähe mit den Adlern am „Aase des Lebens“ zu zehren, sondern du mußt selbst ein „Aar“ werden, willst du, daß dir ein Leben aus dem „Aase“werde! Siehe, wer da nicht aus dem „Aase“ neu geboren wird, der wird zum Leben nicht eingehen. Der Welt stinkt zwar das „Aas“ unerträglich, aber nicht also den „Adlern“, denn für sie ist es erfüllt vom höchsten aller Wohlgerüche.

7. Das „Aas“ ist aber ein allergetreuester Weltspiegel und zeigt der Welt ihre wahre Gestalt. Und die Welt hasset es darum, weil es ein Spiegel ihrer bösen Werke ist. Aber die „Adler“ hassen nicht des „Aases“ hellen Moderglanz, denn sie wissen, daß durch den Moder des „Aases“ ihr eigener aufgenommen und vertilget wird.

8. Wie aber Ich der Welt ein „Aas“ bin, so wird die Welt dereinst jenseits ein Aas sein von Mir und allen Meinen Engeln ewig!

9. Wahrlich, wollt ihr leben, so müsset ihr durch Mich „verpestet“ werden und die Welt muß euch fliehen um der Pest Meines Namens willen und muß Kordone ziehen vor eurem Hauche. So ihr aber solches merket, da frohlocket, denn da seid ihr sicher schon „angesteckt“ von der „Pest des ewigen Lebens“. Sonst täte die Welt euch, was sie tut, so ihr wäret wie sie. Allein, da ihr nicht mehr der Welt seid, sondern seid allzumal Meiner Liebe geworden, so geltet ihr auch stets weniger bei der Welt.

10. Wahrlich, ahnete sie, was in euch verborgen durch Mich vorgeht, sie würde euch ärger fliehen denn die eigentliche Pest.

11. Darum aber kann euch die Welt nicht hassen, denn sie weiß es nicht, was in euch ist. Mich aber hasset sie über die Maßen, da sie weiß, was in Mir ist, nämlich ein harter Spiegel, der ihr ihre Greuel unablässig vorhält.

12. Nun siehe du, was es ist, das Ich dir heute zum Angebinde bringe! – Ein verhaßtes stinkendes „Aas“! Und lade dich ein vom „Aase“ mit den „Adlern“ zu speisen, ja selbst ein „Aar“ zu werden! Ja sogar „verpesten“ will Ich dich für und vor der Welt!

13. Allein mache dir nichts daraus! Siehe, Ich bin ja Selbst der Welt die allergrößte und verhaßteste „Pest“. Fürchte dich nicht vor Meiner „Pest“, denn sie ist das ewige Leben selbst! Wohl dir, daß du von Meiner „Pest“ angesteckt wurdest! Denn darinnen wirst du leben das Leben Meiner Liebe ewig.

14. Denn Ich bin das „Aas“ des Lebens, und diese „Pest“ ist Meine Liebe ewig. Amen! Das sagt dir Der, den alle Welt hasset, da Er wider sie zeuget ewig. Amen.

 

Höret, schauet und erfahret! – 15. Mai 1841, Samstag, morgens

1. Liebe Kinder, so ihr Mir nachfolget, da folget Mir vollkommen in allem nach!

2. Habet nicht Lust, zu wandeln in „tiefen Tälern, Gräben und Schluchten“, die da oft sind voll Ungeziefers, unreiner Luft und nicht selten voll Haders, voll Zankes, Hasses und aller Dieberei und gegenseitigen Fluches unter den Nachbarn, sondern gehet mit Mir gerne auf „Berge und Höhen“! Da sollet ihr allzeit entweder eine Bergpredigt oder eine Verklärung oder eine Sättigung mit wenig Brot oder eine Reinigung vom Aussatze oder einen Sieg über die stärksten Versuchungen, eine Erweckung vom geistigen Tode und derart vieles und für euch jetzt noch Unaussprechliches erfahren!

3. Ja, nehmet sogar Kinder mit, und ihr sollet den Segen der Berge auch an ihnen gar deutlich erkennen. Und wer da ist schwachen Leibes, der soll nicht fürchten die gesegneten Berge, denn ihre Scheitel sind umflossen vom stärkenden Hauche der Geister des Lebens. Fürwahr, auf den Bergen und Höhen, da drehen sich selige Reihen und schmücken die duftenden Scheitel mit goldenen Blumen der ewigen Liebe.

4. O prüfet noch heute Bewohner der Berge, ob sie nicht zumeist groß beschämen die Haderer der Täler, der Dörfer, der Märkte und Städte. Die christliche Gastfreundlichkeit wohnt ungeschändet nur noch auf Bergen! Verträgliche Eintracht wohnt nicht in den Städten der Tiefe, in Tälern und Gräben; auf Bergen nur müßt ihr sie suchen; da ist sie zu Hause, wie unter den Pflanzen, so unter den Tieren und eben nicht selten auch unter den Menschen.

5. O lasset zwei Feinde betreten die duftenden Scheitel der Alpen! Ihr werdet nicht selten erfahren und sehen, daß die Feinde als Freude sich kosen.

6. Und schauet zurück auf die ersten der Väter auf Erden! Sie wohnten auf Höhen der Berge! Vom himmelan ragenden Sinai gab Ich dem Mose die heiligen Tafeln, auf welchen mit goldenen Zeichen des ewigen Lebens gar freie Gesetze den Menschen der schmutzigen Tiefe gezeichnet und eingegraben einst waren. Ich brauche euch nicht mehr von allen den heiligen Bergen zu sagen, auch nicht von der Schule der Seher und Künder des ewigen Wortes aus Mir.

7. So gehet nur öfter auf Berge und weilet recht gerne auf selben! Da werdet ihr allzeit in Fülle den Segen der ewigen Liebe des heiligen Vaters erfahren.

8. Der Kulm, schon einmal von Mir euch geraten, wird geben dem, welcher aus Liebe zu Mir wird besteigen den grünenden Scheitel, was einstens der Tabor dem Petrus, Jakobus und Meinem Johannes. – Doch höret, Ich sage nicht „Muß“ und nicht „Soll“ – nur wer kann und wer will, folge Mir, Seinem Meister und Vater, so wird er gar bald auch erfahren, warum Ich die Predigt des Himmels vom Berge zum Volke gesprochen! – Die Zeit steht euch frei, doch je eher, je besser, das merket euch! Amen.

9. Das sage Ich, Vater, ganz heilig, voll Liebe zu euch! Hört es! Amen, Amen, Amen.

 

Der Berg Kulm. – 22. Mai 1841, nachmittags von 1/2 4 Uhr bis abends 8 Uhr

Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.

Über die am Mittwoch, den 19. Mai 1841 von Jakob Lorber und einigen Freunden unternommene Reise auf den Kulmberg bei Michelsdorf im Grazer Kreise, offenbarte der Herr gnädigst durch Seinen Knecht Nachfolgendes:

(NB. Statt von Graz nach Waiz zu fahren, um auf den Kulm zu gelangen, schlugen wir den Umweg über Gleisdorf ein. Und statt von Gleisdorf gerade nach Pischelsdorf zu fahren, gelangten wir auf die Ilzerstraße, und zwar nach Sonnabendkirchen (Sinabelkirchen), von wo aus wir erst nach Pischelsdorf fuhren. Der Kulm wurde erst abends um 1/2 7 Uhr erstiegen.)

1. Wenn ihr ein nächstes Mal eine Gebirgshöhe in Meinem Namen betretet, da richtet es also ein, daß ihr fürs erste euch im voraus um den nächsten Weg bekümmert, und fürs zweite, daß ihr auf einer solchen Höhe wenigstens drei Stunden lang verweilet.

2. Denn wenn es sich um eine äußere Anschauung eines Wunders handelt, da muß das Sinnenwesen zuerst durch den weitgedehnten Anblick der äußeren Dinge gewisserart voll gesättigt werden. Durch diese Vollsättigung gerät dann das Gemüt in eine Art Betäubung, welche nicht unähnlich ist dem euch bekannten magnetischen Zustande.

3. Wenn ihr euch da dann an Mich wendet im Geiste der Liebe und aller Wahrheit, sodann erst kann Ich das innere Auge der Seele mit dem Auge des Geistes verbinden und diese doppelte innere Sehe dann richten vor das Auge des Leibes. Dadurch könnet ihr dann in den Stand gesetzt werden, Dinge der Natur in einem ganz anderen Lichte zu schauen und mitten unter den naturmäßigen Dingen Geistiges also zu entdecken, daß dasselbe im strengen Verhältnisse mit den naturmäßigen Dingen gewisserart durchsichtig bildlich zur Erscheinung kommt und also seinen Standpunkt einnimmt, wie die Ursache zur Wirkung.

4. Wenn ihr aber schon eine Speise zu euch nehmet, die nur für den Magen berechnet ist, da verweilet ihr nach der Mahlzeit eine kurze Zeit in der Ruhe und saget, solches sei der Verdauung wegen nötig. Meinet ihr denn, eine solche Ruhe sei nur dem Magen zuträglich, so er seine Speise zu sich genommen hat?

5. Ich sage euch aber, ihr bedürfet solcher Ruhe um so mehr, wenn der noch sehr schwache Magen eures Geistes ein wenig geschwelget hat. Denn wenn solche Ruhe nach der Sättigung des Geistes wegbleibt, so gehet auch die geistige Verdauung schlecht vor sich. Es muß aber ja allezeit jede Speise eher verdaut sein, bevor sich der das Leben fördernde Stoff entbindet und aufsteigt als Nahrung für das höhere Leben.

6. Denn jeder Nahrungsstoff nährt zuerst die unterste Potenz des Lebens. Ist diese genährt, so wird der Stoff verfeinert zum Dienste eines auf einer höheren Kräftestufe stehenden Lebens, und das so lange fort, bis er zu der hohen Sphäre des Selbstbewußtseins und endlich der vollen Sich-selbst-An-und-Durchschauung gelangt.

7. Nun denket euch, wenn ihr auf eine solche hohe geistige Speisekammer gelangt und raffet da vieles in einem Augenblicke heißhungrig zusammen, sobald ihr euch aber durch einen solchen Schnellfraß einigermaßen gesättiget fühlet, da laufet ihr fort, als wenn ihr Diebe wäret! – Fraget euch selbst, wo da die Verdauung und die aufsteigende Verfeinerung des Nahrungsstoffes bleibt?

8. Daher, wie schon gesagt, richtet es euch ein nächstes Mal besser ein, und das zwar eures schwachen Glaubens wegen, vermöge dessen ihr mehr oder weniger lauter „Thomasse“ seid. Denn solange es nichts zu gaffen und zu greifen gibt, wahrlich, da seid ihr noch immer im halben Glauben und ebenso auch in halber Liebe und im halben Vertrauen. So aber jemand sich die Augen verbindet oder von der Stelle weichet, da Ich ihm ein Schaustück bereitet habe, so bin nicht Ich, sondern ist er selber Schuld daran, wenn er nichts gesehen und eben auch gar nicht zu viel empfunden hat.

9. Damit ihr aber dessenungeachtet zu einer inneren Anschauung durch das Wort gelanget, so will Ich vermöge Meiner immerwährenden, unbegrenzten Liebe und Barmherzigkeit euch gegen den Schluß dieser Schrift das Versäumte zeigen und nach der Ordnung vorführen. – Zuvor aber muß euch das Naturmäßige dieses Berges sowohl als auch dessen weitgedehnte Umgebung und Fernsicht, wie auch die atmosphärischen Gebilde, näher erklärt und berichtigt werden.

10. Was den Berg selbst betrifft, so hat er denselben Ursprung, wie die euch schon im vorigen Jahre gezeigte Chor- und Kleinalpe. Denn das Gestein hat die nämliche Blätterformation, wie die schon bekannten zwei Alpen. – Seine Neigung ist von Südost nach Nordost. Denn also kam die über hundert Klafter dicke Blätter-Steinmasse als gefestigter periodischer Niederschlag des Meeres nach der schwammartigen Erhebung aus dem Grund an ihre eigene Untermasse zu lehnen, nachdem diese Untermasse von den damaligen noch großen Wasserströmungen abgespült worden war, was euch alle die Kleinhügel zeigen, da sie bis zu einer Höhe von hundert Klaftern und auch darüber von abgerundeten Kieseln mit untermengtem Flugsande oft mehrere Klafter tief überdeckt sind.

11. Ihr werdet zwei vorzügliche Ausläufer von diesem Berge entdeckt haben, von denen sich der eine südlich, der andere aber mehr östlich mit mehreren kleinen Auszweigungen hinzieht. Diese Ausläufer sind, allda sie am höchsten stehen, ähnlichen Ursprungs. Die Niederungen aber oder die Zweige dieser Hauptausläufer sind nichts als Anschwemmung; der Abhang gegen Norden und der kleinere Ast gegen Nordost ist nur eine Form des Urbruchs aus der Tiefe und ist dessen sanfter und sanfter auslaufender Fuß, entstanden teils durch das Abbrechen der hoch über ihre Unterlage ragenden Felsenzinnen, teils aber ebenfalls durch Anschwemmung und Niederschlag von Sand und kleineren Steinchen, welche die Flut oft weit her mit sich geführt hat und dort fallen ließ.

12. Sehet, das ist nun die Grundbildung dieses Berges! – Wenn ihr dann und wann eure Augen auf den betretenen Boden geheftet habt, so werden euch auch hier kleine abgerundete Quarzbröckchen notwendig zum Vorschein gekommen sein; nur mit dem Unterschiede, daß ihre Farbe nicht weiß, sondern rötlich ist. Dieser Quarz ist nicht desselben Ursprungs wie der weiße auf der Choralpe, sondern er rührt aus der Noahischen Zeit, allwann – wie euch schon ein wenig bekanntgegeben wurde – der großen Wasserflut, welche damals fast über dreiviertel Teile von Asien und ganz Europa und über die nördliche Hälfte Afrikas ging, eine hauptsächlich in Europa und dem westlichen Asien überaus heftige Feuer-Eruption voranging, d.h. ungefähr 77 Jahre vor der darauf folgenden Wasserflut.

13. Daß sich in den unterirdischen Wasserbehältern durch den Niederschlag eine solche Quarzmasse bildet, könnet ihr daraus ersehen, daß sich eben diese Quarzmasse auch in den oberirdischen Gewässern durch einen schleimartigen Niederschlag bildet, wenn ihr den zahllos vorkommenden Quarz an den Ufern der Flüsse nur ein wenig ins Auge fasset.

14. Nehmet ihr einen solchen abgerundeten Quarzklumpen im Gewichte von etwa einem Pfund, leget denselben in eine Wasserkufe, entweder am Brunnen oder auch irgendwo anders, da ihr Wasser haltet zur Feuerversicherung, lasset ihn bei zwei Jahre lang darin liegen und wäget ihn hernach auf einer genauen Waage, so werdet ihr finden, daß er fürs erste gewichtig geworden ist und fürs zweite auch ganz gewiß ums kennen etwas umfangreicher. Wenn aber schon eine so kurze Zeit in Hinsicht der Bildung des Quarzes einen solchen merklichen Ausschlag gibt, da denket, wie stark die Bildung dieser Steinmassen erst in den großen unterirdischen Wasserbehältern seit so vielen Jahrtausenden her sein muß!

15. Wenn die Feuer aus der noch größeren Tiefe der Erde hervorbrechen und auf ihrem blitzschnellen Wege die über ihnen befindlichen großen Wasserbecken samt der über den Wässern mehrere tausend Klafter dicken Erdkruste zerreißen, so muß es ja geschehen, daß bei einem solchen Ausbruche allerlei zerrissene Steinmassen aus der Tiefe der Erde bis hoch über die Wolken hinausgeschleudert werden, von wo sie dann natürlicherweise teils wieder in den Abgrund und teils auf die Oberfläche der Erde niederfallen, wo sie dann, wenn irgendeine Gebirgsplatte noch nicht gehoben ist, mit derselben dann bald darauf miterhoben werden. Oder sie fallen auch schon auf gebildete Gebirgserhöhungen nieder, was auch bei dem Kulm der Fall war. Denn dieser war schon da, als auf der nördlichsten Gegend – namentlich zwischen den Ortschaften Buch und dem Schlosse, das Ich nicht benennen will – eine solche unterirdische Feuer-Euruption vor sich ging, davon die euch bekannte regellose Unebnung des Bodens herrührt.

16. Wenn ihr auf den Zug der Täler nur ein wenig Aufmerksamkeit gewendet habt, so werdet ihr mit leichter Mühe entdeckt haben, daß sie sich samt und sämtlich mehr oder weniger südöstlich hinziehen. Dieses bekundet nichts anderes, als den Zug der vormaligen großen Wasserströmung, welche einst ihr Ufer an den Kärntnerischen Alpen und andererseits an den Karpaten Ungarns hatte und somit eine beinahe dreimalige Breite des Adriatischen Meerbusens hatte, da dieser am breitesten ist.

17. Später hat sich das Wasser mehr und mehr verloren, und es waren dann nur ebensoviele einzelne Ströme von derselben Breite zu sehen, wie ihr jetzt noch die einzelnen Täler erblickt. Und von allen diesen Strömen ist nun nichts mehr übriggeblieben als die in den Tälern vorfindlichen Bächlein, welche nur dann einen etwas bedeutenderen Fluß ausmachen, wenn sie sich zu Hunderten nach längerem Zuge vereinigt haben.

18. Nun sehet, wenn ihr ein nächstes Mal auf irgendeine solche Höhe kommet, sei es die nämliche oder eine von euch gewählte oder eine von Mir bestimmte, so müsset ihr eure Phantasie und Einbildungskraft in diesem Gefühle erwecken und schauen die Vorzeit im Vergleiche der Gegenwart, und zwar allezeit das nur, was die Erde selbst euch zur Anschauung bietet, so habt ihr den wahren Grund zur inneren Anschauung gelegt.

19. Darinnen werdet ihr Meine Arbeit entdecken und Meine Baukunst bewundern und werdet euch Mir nahen in eurem immer wacher werdenden Gefühle.

20. Wenn ihr aber auf einer solchen Anhöhe nichts anderes zu tun habt, als nur mit Kalk übertünchte Stein- und Holzhaufen anzugaffen, da tut ihr ja bei weitem besser, wenn ihr zu Hause in eurer Stadt bleibet, daselbst ihr nicht das Auge so abzumühen habt, um eine Menge von übertünchten Steinhaufen mit einem Blicke zu überschauen, welche noch obendrauf zum größeren äußeren Vergnügen des Auges kunst- und prachtvoller erbaut sind als die Mir über alles widrigen Landespreßkammern, in welchen Menschen wohnen, welche sich darum für mehr als die andern Menschen halten, weil sie neben vielen tierischen Eigenschaften auch noch die der Blutegel und Vampire besitzen, vermöge welches traurigen Prädikates sie für nichts und wieder nichts ihren vermeintlichen Untertanen das Blut ihrer kärglichen Habseligkeiten ohne alles Bedenken abzapfen können.

21. Es hat wohl jeder Monarch für die wahren Staatsbedürfnisse seine Untertanen mit verhältnismäßigen Steuern zu belegen, aber daß ein solcher sogenannter „Gutsherr“ auch Steuern fordert von seinen vermeintlichen Untertanen, wahrlich, Ich sage euch, das ist Mir ein Greuel. Und wenn ein solcher sogenannter Gutsherr nicht durch häufige Wohltaten an seine vermeintlichen Untertanen solchen alten Frevel soviel als möglich zu tilgen strebt, so wird er dereinst eine harte Rechnung abzulegen haben und wird sich müssen über den letzten Heller überaus vollkommen ausweisen, wozu er ihn verwendet hat. – Wehe denen, die ihre Renten verpraßt, vergeudet und verhuret haben! Wahrlich, Ich werde sie begraben lassen unter ihre höllische Preßkammer! Und sie sollen da so lange gepreßt werden von den Materialien, davon ihre Preßkammer erbaut wurde, bis das letzte Steinchen durch den darniederfallenden Regen in Tau und Staub aufgelöst worden ist.

22. Nun sehet, daher sollet ihr von einer solchen Höhe die Anschauung solcher allerletzten Dinge auch auf die allerletzte Zeit ergehen lassen und dann euch auf der Höhe in die anfangs besprochene Verdauungsruhe setzen. Dann habt ihr die Dinge in Meiner Ordnung angeschaut, habt auf Meiner Welttafel ordentlich gespeist und werdet dadurch auch zur Nützliches befördernden Verdauung gelangen.

23. Habt ihr auch Fernrohre mit euch, so gebrauchet dieselben nach eben der Ordnung, aber nicht umgekehrt. Und wenn ihr schon damit anfanget, fernliegende Gebäude euren Augen näher zu bringen, so richtet sie zuerst auf ärmliche Hütten und Keuschen. Ich sage euch, der Anblick einer solchen Wohnung der Armut wird für euer Gefühl, für eure Phantasie und Einbildungskraft mehr lebendige Stärkung bieten als der vielfache Anblick irgendeiner entlegenen, verrosteten Stadt oder eines halbzerfallenen Schlosses oder eines gar nichtssagenden Glockenturmes bei einer Kirche aus Steinen, Ziegeln und Mörtel!

24. Ist denn nicht jeder Baum, jede Pflanze ebensogut und mehr noch ein lebendiger Tempel, durch welchen sich Meine Macht, Weisheit und Liebe treulich kundgibt dem, der diesen gewiß viel künstlicheren Tempel mit dem Geiste und dessen Liebe betrachtet? Daher ist euch fürs erste nötiger, diese lebendige Tempel Meiner Liebe und Erbarmung zu betrachten und hernach erst diejenigen mit hohen Glockentürmen.

25. Denn bei den hohen Glockentürmen, da muß Ich gewisserart die sonderbare Ehre haben, als ein immerwährender Arrestant in irgendeinem vergoldeten Tabernaculum zu sitzen und zu warten, bis der Priester, entweder durch seine Ordnung oder manchmal auch durch einen klingenden Beutel genötigt, Mich dem armen, halb und oft auch gar nichts glaubenden Volke zur meistens sehr uninteressanten Anschauung, Anmurmelung und Anrufung ausstellt. Nach einem ein- oder zweimaligen metallenen Segen mit Begleitung des Metallgeklingels und Chorgeplärrs aber muß Ich Mich dann von neuem wieder untätigermaßen einsperren lassen.

26. Daß solches ein allerbarster Unsinn ist, welchen die spätere Glanzsucht ausgeheckt hat, möget ihr wohl ohne Fernrohr auf den ersten Blick aus Meinen Evangelien ersehen und an den ersten echtkirchlichen Gebräuchen zu den Zeiten der Apostel und ihrer Nachfolger durch mehrere Jahrhunderte hin.

27. Wo Ich Mich mit der Materie verbinde, da wird die Materie lebendig. Denn mit dem Tode hat der lebendige Besieger desselben nichts zu tun. Wer aber Mich im Brote sucht, der glaube, daß Ich das Brot und den Wein eingesetzt habe als bleibendes Denkmal Meiner Menschwerdung auf Erden. Aber das Brot und der Wein müssen sein, was sie sind; und müssen nicht eingeschlossen sein und gesteckt und gefaßt ins tote Metall; sondern sie müssen gefaßt sein in den lebendigen Glauben und in die wahre Liebe!

28. Und so wie das Brot ein echtes Brot sein soll, an welchem man sich sättigen kann, und der Wein ein echter Wein zur Stärkung der Lebenskraft und zur Stillung des Durstes – also soll auch sein der Glaube gleich dem Brote und die Liebe gleich dem Weine!

29. Es ist aber in solchen steinernen Kirchen der Glaube nun gleich der Hostie, die nur die Form des Brotes in einer höchst unsättigenden Potenz enthält, und die Liebe ist ebenfalls entweder gar keine, weil kein Wein – oder mit zeitlichen Interessen gewässert, wie bei dem sogenannten „Meßopfer“.

30. Mehr brauche Ich euch darüber nicht zu sagen, da ihr aus diesem wenigen gar leicht entnehmen möget, ob für den Geist ein blühender Baum nicht mehr Nahrung bietet als ein solch glaubensloser und liebekalter Tempel.

31. Nun, nachdem Ich euch sowohl für diesen als für einen künftigen Fall mit allem wahrhaft Zweckdienlichen bekanntgemacht habe, so will Ich – wie schon anfangs erwähnt – euch auch noch dasjenige zeigen, das ihr allda hättet an euch selbst erfahren sollen, wenn ihr nicht gar zu nötig gehabt hättet, wieder in euer Nachtquatier zurückzukehren.

32. Wenn ihr irgendwo in Meinem Namen euch befindet, da tut ihr sehr unrecht, wenn ihr euch um was immer sorget, sei es um die Gesundheit des Leibes oder um andere allfällig mögliche Gefahren des Zurückkommens. Denn wo Ich euch als Führer diene, da seid ihr in der Mitte der Nacht so gut geborgen wie am hellen Mittage, ob ihr lieget, stehet oder gehet. Oder könnt ihr Mir einen Vorwurf machen, daß euch bei irgendeiner Reise in Meinem Namen nur ein Haar gebrochen worden ist?

33. Daß ihr auf dieser Reise ein wenig von dem eigentlich nächsten Weg abgewichen seid, hat keinen anderen Grund gehabt als das „werktätige Zeugnis“, aus welchem ihr gar füglich ersehen möget, daß der Mensch oft weniger aus schlechtem Willen als aus Unkunde den weitesten Weg nach dem vorgesteckten Ziel einschlägt, ohne zu bedenken, daß auch im Geiste – wohlverstanden – der gerade Weg der kürzeste ist.

34. Denn es gibt bei Mir durchgehends keine „hohen Ämter“ und keine „Sonntagskirchen“ (in der Volkssprache „Sunnwendkirchen“ oder „Sinabelkirchen“), die ihr zuerst durchmachen und passieren müßt, um zu Mir zu gelangen. Und in Meiner großen Staatsverwaltung bin Ich die unterste und oberste Instanz Selbst. Solches aber habt ihr nicht gesehen und nur sehr leise empfunden.

35. Auf dem Berge ganz in der Höhe aber, da ein ärmlichstes Kapellchen ist, werdet ihr einen Luftzug vom Morgen her gar deutlich körperlich verspürt haben. In diesem Luftzug habe Ich euch angewehet, davon euch sicherlich eine heiter-ruhige Stimmung und eine große Stärkung eurer ermüdeten Glieder und ein geheimnisvolles Rauschen durch die Wipfel der niedlichen Bäumchen eine nicht geringe Kunde gegeben hat, daß ihr darob sicher hättet sagen können: „In einem geheiligten Winde aus Morgen her hat der Herr mich angeweht!“

36. Wäret ihr nun über den Verlauf der siebenten Stunde da geblieben und hättet euer Herz und euer Auge zu Mir gerichtet, so hättet ihr auch von dem Berge bis nach dem Friedhof dieses Pfarrortes, da ihr geblieben seid, eine Auferstehung der Toten gesehen, wie Ich sie eine Minute lang – unter dem Verbote, euch davon Meldung zu tun – Meinen Knecht habe sehen lassen. Welches Bild sich da zeigte, mag euch der Knecht nach dieser Mitteilung entweder mündlich, so ihr es aber wollt, an einem Tage auch in die Feder sagen!

37. Es bleibt uns demnach nur noch die abendliche Trübung der Atmosphäre zu erklären übrig. – Der „Abend“ ist die Weltsphäre des Menschen. Wenn der Mensch sich dem „Morgen“ naht, und dieser sich vor ihm mehr und mehr aufzuklären anfängt, da wird es etwa doch notwendig sein, dem noch sehr abendlich gesinnten Morgen-Wanderer, den „Abend“ so viel als möglich zu verhüllen, auf daß seine Augen ja keinen anlockenden Gegenstand finden sollen, der sie von der Beschauung des „ewigen Lebensmorgens“ abziehen möchte! Sehet, darum war auch der Abend so sehr mit Dünsten aus der Erde angefüllt, um euch ebenfalls zu belehren, daß wenn einem der „Morgen“ geöffnet wird (wenn auch hie und da noch ein wenig getrübt), er seine Blicke nicht dem dunstigen „Abende“ zukehren solle, sondern dem „Morgen des Lebens“, d.h. nicht der Welttümlichkeit, sondern dem, was des Geistes und Meiner ewigen Liebe ist.

38. Am nächsten Tag – als an einem Feier- oder Ruhetage – habt ihr alles im reinsten Lichte gesehen, ohne die geringste dunstige Trübung. – Dieses soll euch besagen, daß nur in der stillen Feier der „Verdauung“ der von Mir gereichten Speise endlich alles Trübe und Finstere sich aufhellet und die klare, selbstbewußte Anschauung dann in großer Klarheit aus des Lebens neu erwachtem Morgen in das wunderbare Dasein tritt.

39. Also erwäget auch ihr dieses Bild in eurem Herzen! Wandelt geraden Weges und befleißiget euch, daß ihr der „verdaulichen Ruhe“ nicht vergesset, so werdet ihr auch in euch, wie den „neuen Morgen“ voll Glanz und Licht, so auch den gereinigten „Abend“ eures Weltlebens gar wohl erleuchtet schauen in euch.

40. Machet euch die Berge zu Freunden, die Täler zur Anschauung der Demut und Mich zum Führer durch die Täler auf die Berge der Ruhe und des Friedens, so werdet ihr jetzt wie immer und in alle Ewigkeit erkennen, daß nur Ich, euer Vater, der wahre Weg, das Licht und das ewige Leben selbst bin ewig!

41. Das sage Ich, der allerbeste Wegweiser. Amen.

 

Friedhofseelen. – Gesicht des Knechtes als Hinzugabe zum „Kulm“. – 25. Mai 1841, nachmittags

a. Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H.

a1. Nachdem die Sonne untergegangen war, und zwar in der Zeit, als ihr bei der Rückfahrt den ersten Stern am Himmel erblicktet und auch zugleich des Friedhofes ansichtig wurdet, auf dessen oberster Stelle eine unausgebaute Kapelle sich befindet – in derselben Zeit wurde dem Knechte auf einige Minuten das Auge der Seele geöffnet, damit er einen Blick machen sollte dahin, wo die Verstorbenen verwesen und die Unsterblichen nach und nach auferstehen.

a2. Wie sah denn der Knecht diese Erscheinung? – Damit ihr euch von dem Gesichte einen anschaulichen Begriff machen könnet, so stellet euch ein Glas mit Wasser gefüllt vor, in welchem einige Bröckchen Zuckers liegen. Beachtet, wie allda aus dem Zucker immerwährend Bläschen aufsteigen und kleine Klümpchen Zuckers mitheben, welche sich unterm Wege zum Teile auflösen und dadurch einen sternschnuppenartigen Schweif hinter sich lassen, der unaufgelöste Teil aber dann, sobald das Bläschen die Oberfläche des Wassers erreicht hat, sich wieder vom Bläschen trennt und in die Tiefe sinkt und dort sich entweder viel langsamer auflöst oder sich aber auch öfters an ein neues Bläschen anklebt und mit demselben eine neue „Auferstehung“ beginnt.

a3. Ebenso auch müsset ihr euch vorstellen die Seelen, deren Herz sehr stark an der Welt gehangen ist! Diese hängen noch gar lange nach dem Hinscheiden an der materiellen Erde und namentlich vorzugsweise gerne an dem Orte, wo ihr Leib verweset. Und manche verweilen so lange auf den Friedhöfen über den Gräben ihrer Leiber, bis nicht ein Atom mehr von ihrem Leibe durch den Akt der Verwesung übrigbleibt.

a4. Da die Seele nach dem Tode immerwährend mit ihrem freien Geiste vereint bleibt, dessen vollkommenen Leib sie eigentlich selbst ausmacht, so wird auch in Hinsicht der ewig zu achtenden Freiheit des Willens diesen Wesens durchaus kein Zwang angetan. Sondern sie werden nur von Zeit zu Zeit belehrt, können aber im übrigen tun, was sie wollen, gerade so, als wenn sie noch leiblich auf der Welt lebten.

a5. Die Hauptursache, daß sich die Seelen also auf den Friedhöfen aufhalten, ist wohl die falsche Lehre von der Auferstehung des Fleisches. – Die Seelen werden zwar allezeit belehrt, daß der verstorbene Körperleib sie gar nichts mehr angeht, daß aus demselben für sie in alle Ewigkeit nichts mehr herauswachsen wird und er daher für sie nicht mehr zu beachten ist als ein gänzlich zerrissener, zugrunde gerichteter Leibrock, aus welchem auch in alle Ewigkeit kein neuer Rock mehr auferstehen wird.

a6. Allein solche Lehre nützt bei diesen Wesen geradesoviel, als so ihr mit dem allerbesten Willen einem Erzmönche beweisen wolltet, daß Ich auch ohne ein sichtbares kirchliches Oberhaupt Meine Kirche lenken und regieren möchte, oder wenn ihr ihm beweisen wolltet, daß seine Kutte um kein Haar besser ist als die Jacke des geringsten Knechtes; oder wenn ihr ihm beweisen wolltet, daß eine sogenannte „Reliquie“ keinen anderen Wert hat, als ein in einem Dunghaufen halb verwester Strohhalm. Oder NB. wenn ihr ihm beweisen wollet, daß ein kurzes Gebet im Geiste und in der Wahrheit aus dem Herzen eines Mich liebenden Bruders, und wenn es nur 10 Worte lang ist, einen unendlichen höheren Wert hat als 10000 Hochämter in einer fürs Volk unverständlichen Sprache, wenn sie noch so gut bezahlt wären von Gläubigen und gelesen bei den privilegierten Gnaden-Altären.

a7. Sehet, geradesoviel ihr in dieser Hinsicht bei einem solchen Erzmönche ausrichten würdet (der euch bei eurer Erklärung nicht viel besser traktieren würde, wie Mich die Juden vor dem Hohenpriester Kaiphas traktiert haben, da sie Mich für den größten Ketzer hielten und für einen, der mit allen Teufeln Gemeinschaft hat) – ebenso ergeht es auch den vom Himmel gesandten Lehrern, wenn sie solche Seelen von dem Irrwahn abbringen und ihnen beweisen wollen, daß das Fleisch des Leibes in alle Ewigkeit nicht wieder auferstehen wird.

a8. Wenn die erst vor kurzem Verstorbenen solche Lehren vernehmen, da entsetzen sie sich und werden überaus traurig darüber, daß es ihnen fürder nicht mehr gegönnt sein solle, in ihre vermeintlichen verklärten Leiber zurückzukehren – aus welchem Grunde denn auch in der Geisterwelt der Hauptunterricht auf dem Wege eigener Erfahrung bewerkstelligt wird.

a9. Wenn diese Wesen nach und nach ersehen, daß aus allen ihren Erwartungen, aus falscher Lehre und falschem Glauben, nichts wird, so verlangen sie von den höheren Lehrern weggeführt zu werden, und zwar nirgends anders hin als schnurgerade in den „Himmel“.

a10. Solches wird ihnen alsogleich auch gewährt. Allein, wenn sie da in die Wahrheit des Himmels gelangen, so glauben sie durchaus nicht, daß dies der „Himmel“ sei, weil er nicht so aussieht, wie sie sich ihn fälschlich vorgestellt haben.

a11. Denn wenn sie da Menschen antreffen mit allerlei Arbeiten beschäftigt, wie auf der Erde, und zwar aus dem Grunde, weil die Freude des Himmels in nichts anderem besteht, als in einer Liebetätigkeit um die andere und in einem ersprießlichen Wirken nach dem anderen – wenn sie dann solches im Himmel ansichtig werden, so fangen sie oft gewaltig über den Himmel loszuziehen an und sagen:

a12. „Das wäre mir ein schöner Himmel, wo ich wieder arbeiten müßte! Solches habe ich auf der Erde zu meinem größten Überdrusse tun müssen, und hab es nur getan des Himmels wegen! Jetzt aber, da ich in den Himmel gekommen bin, sollte ich arbeiten wie zuvor auf der Erde, und das dazu noch ewig! Da ist es ja doch viel gescheiter, ich kehre alsogleich zur Erde zurück und warte auf meinem Grabe bis zum Jüngsten Gerichte, allwann mein Leib gewiß auferstehen wird, weil es also geschrieben steht und mich auch die heilige römische Kirche also zu glauben gelehrt hat!“

a13. Und sobald kehren solche Wesen in allem Ernste wieder zurück. – Wenn sie aber an ihrem gewünschten Orte wieder alsobald angelangt sind, so werden sie von den da Harrenden kreuz und quer ausgefragt, was der heilige Petrus zu ihnen gesagt habe, ob er sie geschwind hineingelassen habe, oder ob sie auf der gewissen Wartebank lange harren mußten, bis es dem Petrus einmal gefällig war, sie hineinzulassen.

a14. Und so lassen sich oft diese Geister über ein langes und breites fragen, bis sie mit einer lächerlichen Antwort zum Vorscheine kommen, welche allerlei höhnende Formen annimmt. Als z.B., daß sie sagen: „Der Himmel ist nichts als ein Bauerngrund“. Oder: „Er ist nichts als eine Dienstboten-Wirtschaft“. Oder: „Die himmlischen Freuden bestehen darin, daß man nun von neuem über einen Hausknecht arbeiten soll“ – dergleichen Erklärungen des Himmels eine Menge.

a15. Solche Erklärungen aber finden allezeit – wie leicht einzusehen ist – keinen großen Glauben bei den noch nicht im „Himmel“ Gewesenen. Und dessenungeachtet wünschen doch viele in den „Bauernhimmel“ zu kommen.

a16. Welche dann solches wünschen, die werden von den Lehrern (Schutzgeistern) hinweggeführt und über das Wesen des Himmels unterrichtet. Es wird ihnen gezeigt, daß der wahre, eigentliche Himmel aus ihnen selbst hervorgehen muß, und daß sie durchaus nicht „in“ den Himmel kommen können, sondern nur der Himmel in sie durch den lebendigen ernstlichen Willen, stets mehr Gutes zu tun und darum auch stets geringer zu werden, um desto mehrfältig in die Gelegenheit zu kommen, jedermann dienen zu können.

a17. Wenn dann solche Lehre in ihnen Wurzel gefaßt hat und sie eine große Lust bekommen, anderen in allerlei zu dienen und wohlzutun, alsdann werden sie von den Lehrern neuerdings enthüllt, auf daß sie sich fürs erste ganz durchschauen können und hinreichend prüfen können ihren himmlischen Entschluß.

a18. Haben sie sich dadurch bewährt gefunden, daß sich ihre wahre Himmelsbegierde offenbar hervorgetan hat, gänzlich verzehrend alles noch irdisch Anklebende, so geht dann diese himmlische Begierde wunderbar gewisserart nach allen Seiten auseinander und bildet fürs erste den wunderherrlichen Weg und, sich immer mehr und mehr ausbreitend, endlich auch den Himmel selbst.

a19. Und dieser Himmel vereinigt sich dann mit dem gleichen Himmel der schon seligen Geister, wie sich gleichsam Liebe mit Liebe vereinigt und wie sich vereinigt das Liebe-Gute mit dem rein Glaubens-Wahren und, umgekehrt, wie das rein Glaubens-Wahre mit dem Liebe-Guten.

a20. Sehet, also sah der Knecht einige Minuten lang diese Seelen sich raschen Fluges nach oben erheben und bald wieder zurücksinken. Und es war das Schauspiel nicht unähnlich dem Feuerspiele der sogenannten „römischen Lichter“, welche sich auch leuchtend erheben, aber in der Höhe, halb oder oft ganz verlöschend, umkehren und wieder zur Erde fallen – nur daß diese aufsteigenden (Seelen-)Lichter nicht so feurig aussehen wie jene aus den römischen Kerzen, sondern ihr Licht gleichet vielmehr dem eines vom Monde erleuchteten kleinen Wölkchens.

a21. Doch müßt ihr euch nicht denken, als habe der Knecht menschliche Formen gesehen, denn solches vermag nur das Auge des Geistes – sondern nur ein solches Steig-und-Fall-Gaukelspiel von luftig-matt-schimmernden Wolkenbüscheln. Und dieses hättet auch ihr gesehen, wenn ihr so lange auf dem Berge verweilt hättet.

 

Von Geisterspuk, Helden- und Liebestaten. – 25. Mai 1841, nachmittags (Fortsetzung)

b1. Ihr werdet in eurem Innern denken: Diese (auf der Rückfahrt vom „Kulm“ vom Knecht geschaute Friedhof-)Erscheinung, wenn auch geistig, hat gerade nicht gar zu viel außerordentlich Ausgezeichnetes in ihrem Anblicke! – Es ist wahr, daß oft so manche Erscheinung aus der Geisterwelt in ihrer möglichen Äußerlichkeit nichts Außerordentliches für ein Auge bietet. Aber es geht bei allen geistigen Erscheinungen so: Je größer sie sind in geistiger Hinsicht, desto geringfügiger sind sie allezeit in ihrer äußerlichen Erscheinung. Je großartiger aber irgendeine geisterhafte Erscheinung auftritt, desto weniger ist im Grunde daran.

b2. Ihr werdet öfter gehört und gelesen haben, daß in manchen alten, verfallenen sogenannten Ritterburgen oft so großartige Erscheinungen und „Spukereien“ vor sich gehen, daß davon mehrere Provinzen und Länder eine ganz unheimliche Kenntnis erlangen. Und wenn ihr Gelegenheit hättet, selbst einer solchen nächtlichen „Spukerei“ beizuwohnen, da würdet ihr sicher ausrufen: „Ach, das ist doch etwas Außerordentliches!“ Und wenn ihr, gleich vielen anderen Menschen, sehen würdet, wie solche verwunschene Burgprinzen nächtlicherweile Steine und andere Gegenstände um sich her werfen oder umhertragen, wahrlich ihr würdet das Außerordentliche solcher Erscheinung euer ganzes Leben lang vor lauter Größe nicht verdauen!

b3. Wenn Ich euch dabei aber euer geistiges Auge öffnen würde, so würdet ihr darüber nicht viel anders urteilen, als wenn ihr unterwegs einige Gassenbuben angetroffen hättet, welche sich damit vergnügen, einige nichtssagende, lose Bubenstreiche auszuführen!

b4. Die kleinliche Erscheinung, daß sich zwei Mücken begatten, woraus ihr euch soviel wie gar nichts machet, übertrifft ja doch an Größe und Bedeutung alle Burgspukereien seit den urältesten Zeiten bis auf euch und weit fernerhin.

b5. Ebenso ist es übrigens auch mit den „Taten“ der Menschen! Es gibt ja „Helden“ darunter, die vor tausend und tausend Jahren die sogenannten größten Taten ausgeführt haben, und noch heutigentags werden sie besungen und von tausend Geschichtsschreibern für das arme Gedächtnis neu geboren. Jedoch wahrlich, Ich sage euch, wenn euch dereinst die große Bibliothek in Meinem Reiche aufgetan wird, so werdet ihr darinnen so manche „Großtatenhelden“ mit ganz vergeblicher Mühe suchen. Wohl aber werdet ihr euch darüber höchlich verwundern, wie in diesen ewigen Büchern des Lebens oft eine von niemand bemerkte, ganz im geheimen verübte Liebestat sich großartig für alle ewige Zeiten von neuen und immer neuen Wundern bezeichnet ausnimmt!

b6. So wäre z.B. einem von euch je auf irgendeinem Wege ein armer, mühseliger Mensch oder ein armes, hilfloses Kind was immer für eines Geschlechtes untergekommen, und ihr hättet ihm eine Barmherzigkeit erwiesen – fürwahr diese Tat allein überwiegt schon alle ordentlichen Großtaten aller Welthelden, welche Menschen zu Tausenden und abermals Tausenden schlachten ließen, als wären sie, gleich Mir, Herren über Leben und Tod, während sie doch nicht auch nur ein verdorrtes Grashälmchen zu beleben vermögen. Und könnten sie es auch, wie gering wäre solche Tat gegen die, durch welche ihr nicht nur ein Grashälmchen, Ich sage euch, unendlichmal mehr denn ein Grashälmchen, höret und verstehet wohl, durch welche Tat ihr einen Meiner Brüder belebet habt!

b7. Wenn ihr nun von solch großartiger Schlachtung bis zur Belebung eines Grashälmchens und von da bis zur Belebung eines unsterblichen Bruders die endlosen Unterschiede im Geiste erwäget, so wird es euch gewiß klar werden, warum in Meiner Bibliothek solche Erdheldentaten gar nicht vorhanden sind und warum wieder andere, auf der Erde oft gerade gar so wenig beachtete (Liebes-)Taten, in Meinem Reiche ein so außerordentliches, sage, ewig wunderbares Aufsehen erregen.

b8. Es geht mit diesen kleinscheinenden Liebestaten auf der Erde beinahe geradeso, als wenn jemand mit der Spitze einer Nadel seinen Namen in die zarte Rinde eines jungen Bäumchens eingegraben hätte, allda der Name wächst wie der Baum selbst. Und könnte der Baum wachsen ins Unendliche, wie in Meinem Reiche, so würde auch der Name mit dem Baume selbst also ins Unendliche wachsen, daß ein jeder einzelner Schriftzug am Ende zu einem unendlichen Felde würde, auf welchem wieder neue und zahllose Wunder sich zu enthüllen einen großen Raum haben möchten.

b9. Daher auch, Meine lieben Freunde: Wo ihr in Meinem Namen immer hingehet, und was ihr in Meinem Namen immer ansehet und beobachtet, wollet ihr wahrhaft Großes beobachten, dann wendet eure Augen auf kleine Dinge und geringfügig scheinende Ereignisse!

b10. Wahrlich, in eurem Geiste werdet ihr es ohne Mühe empfinden, was da größer ist: eine strahlende Zentralsonne oder die Träne eines armen, weinenden Kindes. Wahrlich, habt ihr die Träne getrocknet und habt dem Hungrigen auch nur ein mageres Stückchen Brotes gereicht, so habt ihr mehr getan, als wenn ihr eine Trillion Zentralsonnen erschaffen und wieder zerstört hättet.

b11. Denn diese und alle Welten mit ihren Herrlichkeiten werden einst vergehen und zunichte werden – aber aus den Taten der Liebe werden an ihrer Stelle unvergängliche Sonnen und Welten hervorgehen und werden wachsen und herrlicher werden in alle Ewigkeit der Ewigkeiten. Und ihr werdet darinnen schauen die große Herrlichkeit des „neuen Himmels“ und der „neuen Erde“, welche da sein werden und jetzt schon sind: reine, unvergängliche Werke der ewigen Liebe – wie die jetztigen Welten sind Werke des Zornes und seiner tödlichen Macht.

b12. Tuet daher Liebe jedermann ohne Unterschied und helfet nach Vermögen jedem, der eurer Hilfe bedarf, so werden eure Werke vollkommen sein und ihr in euren Werken – wie Ich, euer liebevollster Vater im Himmel, vollkommen bin.

b13. Das sage Ich, dem das Kleine lieber ist als das Große. Amen!

 

Gottesliebe und Menschenliebe. – Einer jungen Seele zum Namenstag. – 28. Mai 1841, vormittags

1. An die, welche einen männlichen Namen hat und eine Tochter des Ans.-Wortemsig und der E. H. P. W. ist und heute den nicht viel sagenden Tag ihres irdischen Namens feiert – schreibe folgendes Wörtlein von Mir, auf daß sie daraus wieder erkennen möge die schon in der Wiege oft gehörte Vaterstimme, darum sie als kleines Kind gar so weinerlich war, wenn die süße Vaterstimme sich nicht alsbald meldete.

2. Gabiela! Ist dir fremd geworden Meine Vaterstimme? Liebst du Mich nicht mehr also, wie du Mich geliebt hast in der Wiege?

3. Gabiela Mein! Mußt Meiner nicht vergessen! Und nicht dein Auge und dein Herz schlank gewachsenen jungen Männern durchs Fenster insgeheim ehesüchtig nachsenden, und zwar heute diesem, morgen jenem und übermorgen einem dritten usw., sondern stets Meiner gedenken und dein Auge und dein Herz Mir nachsenden und lieben Einen nur! Und dieser Eine bin Ich, dein heiliger, liebevollster Vater.

4. In dieser allein gerechten Liebe wirst du leben zeitlich glücklich und ewig dann im Schoße deines Vaters!

5. Die Menschenliebe, siehe, liebe Gabiela, ist kein nütze, wenn sie nicht aus Meiner Liebe stammt.

6. So du aber aus Mir zu jemandem dich hinneigen möchtest, da siehe, ob er im Besitze Meiner Liebe ist! – Ist er das, so ist er dir gleich und deinem Herzen der Nächste. – Ist er's aber nicht, da betrachte ihn als einen irrenden Bruder, der noch zwischen Himmel und Hölle wandelt und seine Augen mehr auf Abgründe ewiger Nacht als zu Mir, dem ihm noch völlig unbekannten „Vater“, richtet.

7. Der Gerecht-Liebe-Lichte wird dich wenden zum Lichte, woher du und der Liebe-Lichte im Geiste stammet. – Der Abgrundforschende aber wird dein Auge kehren, dahin er sein eigenes gewendet hat. Wenn der finstere Abgrund sein Augenlicht verzehren und er beim nächsten Tritte in den Abgrund fallen wird, so wird sein Fall dich zum Mitfalle zwingen. Und es möchte dann schwer halten, dich im Abgrund aller Nacht wiederzufinden und loszulösen von den Ketten, welche eine arge Weltliebe um dein zartes Herz geschmiedet hätte tausendfältig.

8. Daher, Meine liebe Gabiela, liebe nur Mich! Ja sei oder werde ganz verliebt in Mich, gleich einer Magdalena! Und mit dem Herzen siehe nur Dem nach, den Ich dir, erfüllt mit Meiner Liebe, vorstellen werde! Jeden andern aber achte und liebe, insoweit auch er ein Mensch ist!

9. Gegen die Armen aber sei mitleidig und für die arg Irrenden und Fallenden bete zu Mir, deinem Gott und Vater, so wirst du vollkommen Meine liebe, glückliche Gabiela sein – hier und dort in Meinem Schoße ewig!

10. Dieses Wörtlein sei dir ein teuerstes Angebinde zu deinem irdischen Namenstage! – Und in dem Wiedervernehmen deines inneren, eigenen Namens aber bedenke, daß Ich, dein ewiger, heiliger, liebevollster Vater, dir nicht ferne bin, jetzt wie ewig! Amen.

11. Gedenke Mein, liebe Gabiela! Ich, dein Vater, sage es dir, daß du Meine liebe Gabiela bist und bleiben sollst ewig! – Amen, Amen, Amen.

 

Leben und Tod. – 6. Juni 1841

1. Im Tode wirst du leben – und im Leben sterben! – Und so ist das Leben im Tode – und der Tod im Leben!

2. Der Tod ist das Leben. Und wer nicht hat den Tod, dem ist das Leben nicht eigen.

3. Es muß über alles der Tod kommen, was da leben will, möchte und soll.

4. Das Leben kommt durch den Tod, und er ist des Lebens Samenkorn!

5. Wer also das liebt, daß er lebe, der fliehe das Leben, so wird er es erhalten. Denn dem Tode mußt du unterliegen, sonst bist du ein „ungesäter Same“. –

6. Der wahrhaft tote Tod aber ist die Sünde! – Amen.

 

Wichtige Erziehungswinke. – 20. Juni 1841

1. Es möchte Andr. H.-Willig erfahren, was mit einem „porzellanen Gefäße“ zu tun sei, so selbes durch einen unvorsichtigen Stoß irgendeinen kleinen „Sprung“ erhielt, so daß es darum nun den edlen Saft (der in diesem Gefäße erst seine volle Altersgediegenheit, gleich dem Weine, erreichen sollte) durchsickern läßt und darum auch befürchten macht, daß der edle Saft sich am Ende gänzlich verliere und im gesprungenen Gefäße nur noch die der Welt angehörigen Trebern zurückbleiben.

2. Höre, es ist ein solches Gefäß, schwer zusammenzukitten solange noch irgendeine Flüssigkeit darin enthalten ist und somit den Sprung beständig feucht hält, so daß der harzfette Kitt nicht angreifen mag und kann.

3. Aber so du merkst, daß dein Gefäß schon einige Zeit geflossen hat, da wird es ja auch schon von ober her ein wenig leer geworden sein. Siehe, da nehme du das Gefäß und neige es also, daß die Leere gerade unter den Sprung kommt. Erwärme dann den gesprungenen Teil des Gefäßes und tue den Kitt darüber, so wird das Gefäß schon wieder zusammengreifen am Sprunge. Und der zurückgebliebene edle Saft wird nicht mehr durchsickern und sich endlich ganz verlieren können, sondern wird sich wohl erhalten. Besonders wenn du noch dazu den Pfropf ausziehest und das Gefäß mit dem Safte kindlicher Liebe voll anfüllest und es dann wieder gut neu zupfropfest mit dem Pfropfe klar gezeigter kindlicher Pflichten gegen Gott und gegen den Willen der Eltern.

4. Aber höre, den jungen „Eckstein“ mußt du zur Seite bringen! Denn sonst läuft das Gefäß stets eine neue Gefahr, mit der Zeit auch ganz zerschlagen zu werden. Du wirst es verstehen, was Ich meine!

5. Es hat aber dein Weib zu wenig Kinderliebe. Und du aber kannst deines Amtes wegen nicht stets bei den Kindern sein. Wenn aber die „junge Rebe“ einmal zu treiben anfängt, dann sucht sie einen Gegenstand, daß sie ihn umranke. Sind da keine „Rebstöcke“ gesetzt, so ergreift die Rebe auch den nächstbesten Baum und umrankt denselben. Wenn aber der sein dichtes Laub dann auch getrieben hat, da wird mit der Zeit die Rebe anfangs geschwächt und wohl endlich auch oft gar zu Grunde gerichtet.

6. Da aber dein Weib Mangel hat an „Rebstöcken“, welche da sind die Mutterliebe, so nehme eine ehrliche Lehrerin ins Haus, d.h. die da durch Liebe, Rat und Tat deine „Weibreblein“ zu bearbeiten und durch eigenes Beispiel zur gerechten, tugendhaften Anrankung zu leiten versteht, so wirst du vieler Mühe enthoben werden, und es wird in Meinem Namen schon alles wieder gut werden.

7. Für die Knaben aber nehme irgendeinen verständigen, gesetzten Mann ins Haus, der ihnen zur sittlichen und wissenschaftlichen Hilfe dient. Und nebstbei aber lasse einen befähigten sogenannten Schulinstruktor ins Haus kommen, so wirst du auch da in Meinen Namen gut fahren.

8. Aber die Religion vernachlässige bei den Töchtern ja nicht und halte mit ihnen an im Gebete, desgleichen auch mit den Knaben, so wirst du bald des Segens Fülle in deinem Hause gar leichtlich bemerken.

9. Und teile der Jugend die Zeit, da sie eines und das andere tun und lernen soll, fest und bestimmt ein, so wirst du sie frühzeitig an die notwendige Ordnung gewöhnen, welche die Grundfeste aller Weisheit und aller Liebe ist.

10. Und also tue und glaube und liebe, so wirst du gut fahren in Meinem Namen.

11. Verstehe wohl, von Wem dieser Rat kommt! Amen.

 

Muttersöhnchens Erziehung. – 24. Juni 1841

1. Höre, deinen Sohn beherrschen drei Geister böser Art! Und da ist Nummer eins: der großherrliche Träge!

2. Es sind diesem aber zwei andere beigegeben von unten her! – Der eine ist stets auf Vergnügungen bedacht, beständen sie in was immer! – Dieser Geist zieht zu seiner Bedeckung den Geist des Widerspruchs, der geheimen oder offenbaren Widerspenstigkeit und so auch aller Lüge und alles Truges mit.

3. Siehe, der Träge ist und will keine Tätigkeit; sondern seine Sache ist: träge genießen. – Der zweite ist sozusagen sein Hofnarr. Und der dritte ist die Schildwache und sorgt dafür oder muß vielmehr sorgen, daß dem sich stets süß tun wollenden Geiste der Trägheit ja möglichst kein Eintrag geschehen möchte.

4. Siehe, das ist die eigentliche, verborgene Ursache vom Seelenübel des Sohnes, was da eine unkundige Folge ist dessen, daß der Knabe von mütterlicher Seite, den Töchtern entgegengehalten, zu sehr fürgedeckt wurde, wodurch er als Kind insgeheim zu willensfrei geworden ist und ohne deine Gegenwart tat, was er wollte, dieweil er wohl wußte, daß seine Schwestern aus Furcht vor mütterlicher Rüge von allen den geheimen Bübereien dir nichts melden mochten und es sich auch nicht getrauen (was noch heutzutage ein wenig der Fall ist).

5. Jedoch was Ich der Mutter nicht zur Last lege, das lege auch du ihr nicht zu, da die Mutterliebe zumeist völlig blind ist und neben dem Zuge ihres Herzens nichts davon merkt, wie da eine Natter um die andere durch solche Blindeliebe-Wärme ausgehegt wird.

6. Jedoch, da sich nun die Sache also verhält, so ist nun vor allem nötig, dem Kranken wieder zu helfen. – Das aber ist das Rezept:

7. Erstens, verlange für die Zukunft von allen deinen Kindern ein offenes Geständnis über ihn.

8. Zweitens, lasse dem Knaben nun druchaus keinen freien Willen! Schreibe ihm darum zur Erholung eine bestimmte Beschäftigung genauest vor, die er bei strenger Ahndung pünktlichst verrichten muß, so wirst du gar bald die leere Unterhaltungslust bei ihm töten.

9. Drittens, lasse ihn vor jeder Beschäftigung bei einer Viertelstunde laut beten, und zwar allezeit recht langsam und wohlbedächtig ein „Vaterunser“ und dann mehrere passende Stellen aus Psalmen Davids, aus den Propheten und so manches aus dem Buche Sirach. Dadurch wird er gar bald seiner üblen Gesellschaft los werden.

10. Und solches mag er dann beständig fortsetzen fürs ewige Leben und zur einst möglichen, sicheren Gewinnung Meiner Gnade, die mehr wiegt denn alle hohen Schulen der Schulen.

11. Viertens aber mußt du dich bei dir, d.h. im Herzen, ja nicht ärgern, sondern denken, Ich, dein himmlischer Vater, gebe auf der Erde allen Meinen Nachfolgern ein ihnen am allermeisten zusagendes Kreuz, darüber sie nicht murren sollen, sondern alles Mir wohl aufopfern. – Tue desgleichen, so wirst du deinen Kindern ihren Weg mit Edelsteinen pflastern.

12. Binde dich, fünftens, nicht allzusehr auf den Fortgang der (weltlichen) Schule, du weißt ja ohnehin, wie viel sie bei Mir zählt! – Was liegt denn daran, ob jemand um ein Jahr früher oder später der Welt zu dienen fähig wird!? – Aber alles liegt daran, wie frühzeitig er Mich erkennt und Mich zu lieben anfängt! Denn nicht von der Welt, sondern von Mir kommt alles Leben!

13. Sechstens sollst du nicht auf das horchen, was der Knabe möchte; denn alles solches rührt von den geheimen Einflüsterungen jener von außen einwirkenden Geister her, welche auf die eine oder die andere Art ihren Einlaß bekommen möchten. Es liegt auch in der Eigen-Standeswahl allezeit Eigenliebe und Eigenwille bei den Kindern, da sie nur das werden möchten, wozu sie ihrer Sinnlichkeit wegen die meiste Neigung haben, d.h. nach dem Triebe ihrer argen, innewohnenden Geister!

14. Siebentens mußt du die andern Knaben nicht minder also handhaben – den Peter wie den Paul. Und auch dem jüngsten lasse nicht sein Begehren, außer er bittet; und dann gib ihm nur so viel, als es zu seiner Eindrittel-Befriedigung erforderlich ist. Dann wird er leiblich gesund und möglichst lenksamen Willens emporwachsen.

15. Siehe und beachte diese sieben Punkte genau, so wirst du alsobald andere Erfolge an deinem Knaben bemerken.

16. Sage aber auch den Mädchen, daß sie ihn ruhig lassen und den Bruder nicht mit wertlosen Worten ankneifen möchten, daran nicht viel Geschwisterliebe hanget; sondern sie sollen für den noch nicht geweckten Bruder beten und ihn also lieben, statt, wie gesagt, ihn durch beständige und allerlei Kneifereien zu reizen und zu ärgern. – Dein Weib aber soll sich verhalten gleich dir!

17. So aber irgendeins der Geschwister den Knaben etwas Fremdes tun sieht, so soll man es dir – wie schon anfangs bemerkt – insgeheim alsogleich unverhohlen anzeigen – doch, wohlgemerkt, daß solches aus Liebe und nicht aus einer Art Anrächelung geschehe! Denn für ein rachsüchtiges Anzeigen, das etwa noch hinzulügelnd geschähe, könnte der Anzeiger von Mir empfindlich gestraft werden!

18. Was dir aber immer nutzlos Tätiges an dem Knaben bemerkbar wird, dazu verbinde ihn am nächsten Tage und, sollte das nicht hinreichen, auch für mehrere Tage, daß er dasselbe pünktlich, also wie seine Schulaufgabe, bei strengster Ahndung vollziehe; und du wirst in kurzer Zeit ihn von aller sinnlichen Unterhaltungslust losmachen!

19. Verstehe es wohl und handle danach! – Es sind aber alle deine Kinder mehr oder weniger etwas träge in einem und dem andern Dinge. Daher habe auf alle Acht! Lasse sie ja nicht in andere Häuser, die nun allenthalben mit Nattern, Schlangen und Skorpionen angefüllt sind! Wie leicht ist da eine böse Erbschaft!

20. Ich habe dir nun alles gezeigt bis auf eins. Handle danach im Glauben und in der Liebe genau, so wirst du die Kraft Meines Wortes erproben.

21. Solches sagt dir dein Emanuel, hoch und über alles heilig, in aller Liebe! Amen.

 

Naturmäßige und geistige Hauserneuerung. – 26. Juni 1841, von 3/4 4 Uhr nachmittags an

a. Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – Frage: J. G. bittet um Aufschluß, ob und inwiefern wir uns im Geleite eines Schutzgeistes („Schutzpatrons“) befinden.

a. Hierauf antwortete der Herr gnädigst durch Seinen Knecht J. L. folgendes:

a1. Je nachdem der Glaube bei den Menschen, also ist auch die Wirkung desselben beschaffen. Denn der Glaube ist dasjenige mächtige Band, durch welches der Leib, die Seele und der Geist miteinander verbunden werden.

a2. Es kann aber unmöglich eine Wirkung in der Körperwelt also vor sich gehen, daß sie nicht fußen möchte auf dem Geistigen. So jemand nun irgendein Bedürfnis empfindet, d.h. solange er selbst naturmäßig mit der naturmäßigen Welt verkehrt, da sucht er auch alsobald irgendein Mittel, das da helfend entspräche seinem Bedürfnisse. Da aber jeder Mensch in seinem anfänglichen Dasein notwendigerweise nur naturmäßig ist, so weiß er darob wenig vom Geistigen, noch sieht er es, noch hört er es – und das darum, weil wie gesagt, er selbst noch naturmäßig ist.

a3. Wie aber alles Naturmäßige gebrechlich ist, also auch ist es der Mensch dem Leibe nach.

a4. Was tut wohl ein Hausherr, wenn an seinem Hause sich Brüche oder andersartige Mängel zeigen, welche ihn befürchten lassen, daß, wenn er dem nicht alsobald abhilft, das Haus am Ende also locker werde, daß es auch nicht einer kleinen Erschütterung Widerstand leisten möchte? Wird der Hausherr hier nicht alsobald nach den geeigneten Mitteln greifen, um seinem Hause wieder die gehörige Festigung zu geben? – Er wird solches sicher tun, insofern er nicht lau ist und wohl achtet der Schadhaftigkeit seines Hauses.

a5. Was meinet ihr denn, welche Mittel dieser Hausherr ergreifen möchte? – Ihr dürftet nicht lange raten, und sobald werdet ihr ihn finden, wie er sein Haus untersuchen läßt von einem Bauverständigen. Wenn aber der Bauvertändige zu dem Hausherrn sagt: „Höre, du mein Freund! Mit deinem Hause sieht es übel aus! Denn der Fehler, der sich da zeigt an den Wänden, rührt her von dem schlechten Grunde. Was nützt es dir, so ich die zersprungenen Wände mit Mörtel überwerfen lasse und verputze es also von außen wie von innen!? So da ein allerleisester Erdstoß kommen wird, dann wird es dich samt den Deinigen unter dem Schutte begraben.“

a6. So aber der Hausherr solches üble Zeugnis vernimmt von dem Baukundigen, da wird er kleinmütig über die große Schadhaftigkeit seines Hauses und beratet bei sich selbst: „Was soll ich nun tun? Soll ich diesem Bauverständigen glauben, das Haus ganz niederreißen und vom Grunde aus ein neues bauen, was doch mit bedeutenden Unkosten verbunden ist? Oder soll ich noch andere Verständige in diesem Fache herbeiziehen und mein leckes Haus ferneren Untersuchungen überlassen?“

a7. Nachdem er solches gedacht, beratet er also mit sich: „Was des ersten Baukundigen Rat betrifft, so ist der an und für sich wahr. Aber wenn es sich dabei um das Aufbauen eines neuen Hauses handelt, so ist er für die Reperatur dieses lecken nicht brauchbar. Denn ein neues Haus läßt sich überall aufbauen; hier aber handelt es sich um die nötige Ausbesserung des bestehenden schadhaften!“

a8. Also wird zu einer neuen Beratung geschritten, dazu nicht nur einer, sondern mehrere Baumeister herbeigezogen werden. Nun entscheiden aber einige wie der erste. Andere aber schlagen Mittel vor, wie dieses Haus wieder also hergestellt werden kann, daß es so fest wird wie ein neues, vom festen Grunde.

a9. Was meinet nun ihr, für welchen Rat sich der Hausherr beifällig entschließen wird? – Sicher für keinen anderen, als für den zweiten Rat.

a10. Nun sehet, eines jeden Menschen Leib ist nichts anderes als ein bewegliches Haus des Geistes.

a11. Diesem Hause drohen oft mannigfaltige Gefahren. Diese Gefahren sind gewisserart schon wirkliche Risse in dem Hause oder sind so gestellt, daß das Haus vermöge der Erfahrungen an anderen Häusern irgend lebensgefährliche Risse erhalten möchte.

a12. Da der naturmäßige Mensch solches wohl sieht, was ist dabei auch wohl natürlicher, als daß er sich mit allerlei beratet, auf welche füglichste Art und Weise er sein entweder schon zerklüftetes Haus wieder herstellen könnte, als wäre es ein neues, oder, wenn er andere zerklüftete Häuser sieht aus seinem noch unzerklüfteten, er dann denkt, wie er sein Haus verwahren möchte vor Beschädigungen.

a13. Auch er wendet sich zuerst – nach dem Rate des Wortes, das Ich da gesprochen habe zu allen Menschen – an Mich, als den Hauptbaumeister. Aber dieser Baumeister verlangt, daß das morsche Haus gänzlich niedergerissen und auf dessen Stelle ein neues und festes vom Grunde aus erbauet werde.

a14. Allein ein solcher Rat kostet den Hausherrn zu viel. Daher wendet er sich auch an andere, wenigstens seiner Meinung nach, Bauverständige. Von denen raten ihm viele also wie der Hauptbaumeister, darum sie auch nicht seinen Beifall haben. Andere aber, die nicht mit dem großen Baumeister sich an dem Worte fest und ungezweifelt halten, geben ihm den Rat der Ausbesserung, wodurch er gleichsam sein Haus gleich einem neuen erhalten und befestigen könne – welchen Rat der dadurch hinters Licht geführte Hausherr auch zuerst befolgt.

a15. Was meinet ihr aber, ist dieser Rat wohl ein guter Rat? – Für den Hausbesitzer ist er wohl gut, da er seinem Wunsche entspricht. An und für sich aber ist er nicht gut, weil das Haus nur eine scheinbare, aber keine wirkliche Festigkeit erlangt.

a16. Sehet hier die Wirkung des Glaubens! Dieses Band verbindet nun den Hausbesitzer mit dem Bedürfnisse des Hauses selbst und mit der ihm gar nicht zu kostspieligen Hilfe desselben. Aber wie der Glaube, so auch die Hilfe! – Fraget euch aber selbst, wie sich solches bei Mir ausnimmt?

a17. Ich will euch ein kleines Gleichnis geben, und es soll euch zu einem geistigen Spiegel dienen, darinnen ihr ersehen sollet das Bild eines kostenscheuenden Hausbesitzers, wie es ihm am Ende eine bei weitem größere Mühe und Arbeit kostet, wenn er sein Haus verschmieret, statt daß er selbes alsobald abbrechen und unter der Leitung des großen Baumeisters ein neues, festes Haus aufbauen möchte.

a18. Dieses aber ist das Gleichnis: Jemand ist in dem vollsten, überzeugtesten Bewußtsein, daß der Monarch eines Staates ein so herablassender, guter Mensch ist, demnach ein jeder, der bei ihm etwas ansucht, es ohne alle weitere Beanstandung erhält. Trotz dieser Wissenschaft aber getrauet sich der Bedürftige nicht vor die Schwelle des Monarchen, sondern kriecht bei allen Hofleuten herum, welche ihm endlich den Zutritt zum Monarchen also erschweren, daß es ihm eine platte Unmöglichkeit scheint, je zu dem Monarchen zu gelangen und noch weniger vom selben etwas zu empfangen.

a19. Daher bleibt er dann auch bei den Hofleuten stehen und sucht alles bei denselben und korrespondiert in der unbegreiflichsten Kriecherei mit dem Monarchen.

a20. Der Monarch aber sieht solche Zaghaftigkeit; und damit dem Supplikanten kein Zwang angetan werden möchte, so läßt er es auch bei dieser demütigen Kriecherei bewenden bis zur Zeit, da es dem Monarchen zu bunt wird, daß sich bei aller seiner unbegrenzten Güte und Herablassung die armen Menschen verleiten lassen, durch andere gewinnsüchtige Mäkler den Haupthelfer zu scheuen und Hilfe zu suchen bei denen, die nie helfen können und, wenn sie es auch könnten, nicht helfen wollen, weil sie eigennützig sind, und auch darum nicht, weil der Monarch sie übel ansehen würde, so sie sich etwas anmaßen möchten, das doch allezeit nur einzig und allein die Sache des Monarchen selbst war, ist und sein wird.

a21. Sehet, wie dieses Gleichnis zeigt, also steht es mit dem Menschen, der irgendwo anders Hilfe sucht, als allein bei Mir.

 

Vom einzig wahren „Schutzpatron“. – 26. Juni 1841, Fortsetzung bis 3/4 8 Uhr abends

b1. So jemand an die Hilfe und Führung von gewissen Schutzgeistern und Engeln glaubt, der ist gleich dem, der da wohl kennt den Monarchen, daß er überaus gut ist, aber aus Furcht, es möchte dem Monarchen vielleicht doch nicht recht sein, daß er ihn selbst belästigen würde mit seiner vermeintlichen Ungeschicklichkeit, so schlingt er sein Band um andere Schutz- und Hilfswesen und glaubt am Ende, daß diese ihm in allem Ernste allein geholfen oder ihn vor Gefahren geschützt haben, während doch nur der Monarch als der Hauptbauherr dem Schwachgläubigen seine Hilfe und seinen Schutz durch diejenigen hat zuteil werden lassen, auf welche sich der Schwachgläubige berufen hat.

b2. Denket das einmal so recht in euch! Ihr wisset, daß alle Menschen und alle Geister und Engel nichts sind, als von Mir frei getragene Gedanken, die allezeit ihr Leben und ihr alles aus Mir haben, und zwar ein jeder so viel, als es Meiner ewigen Ordnung gemäß für ihn gerade am zweckdienlichsten ist.

b3. Wenn aber nun einer kommt zu dem andern und sagt ihm: „Helfe mir in diesem und jenem!“ – und wenn dann der andere dem Anrufenden wie aus sich helfen will, ist das nicht gerade so, wie wenn ein Blinder den andern führen und ein Toter dem andern das Leben einhauchen oder ein Übertrauriger den andern Übertraurigen trösten möchte?

b4. Ich sage euch, es hat jeder Mensch, Geist und Engel genug, daß er für sich steht, und hat auch nicht ein Atom mehr, daß er aus sich für einen anderen stehen könnte.

b5. Wer aber zu Mir kommt, mit was immer für einem Bedürfnisse und schlingt das lebendige Band des Glaubens um Mich, den allein Lebendigen, wie soll dem nicht werden, darum er sich mit Mir durch den lebendigen Glauben verband?

b6. Es gibt demnach auf dem Wege der reinen Wahrheit nur einen einzigen wahren Schutzgeist – und dieser bin Ich Selbst!

b7. Alle anderen „Schutzgeister“ rühren her von einem durch gewinnsüchtige Anstalt der äußeren Kirche hervorgerufenen Schwachglauben.

b8. Da sich aber Menschen darauf berufen haben, sich noch jetzt berufen und in die Zukunft berufen werden, so bleibt vorderhand, um die Freiheit der Menschen unbeschadet zu lassen, nichts anderes übrig, als den Schwachgläubigen auf dem Wege der vermeintlichen Dazwischenkunft (Mittlerschaft) Meine Hilfe und Vorsehung angedeihen zu lassen.

b9. Auf der andern Seite müsset ihr aber nicht denken, daß darob die Liebetätigkeit der Seligen aufhört. Sie ist nur nicht also beschaffen, wie es der Schwachglaube lehrt. Sondern weil alle die Seligen in Mir sind, wie Ich in ihnen, so sind sie auch von einer und derselben Liebe ihres heiligen Vaters beseligt und für alle ewige Zeiten belebt.

b10. Es lebt nicht ein Mensch auf dieser Erde, dem nicht Geister aus einer besseren Welt beigegeben wären. Und diese Geister sind auch beständig bemüht, denjenigen, zu dem sie beschieden sind, zum Lichte und zum Leben alles Lebens zu führen.

b11. Aber woher rühret und was ist dieses überaus liebtätige Bestreben solcher Geister? – Bin nicht Ich es, der alles dieses in ihnen wirket?

b12. Wie ist es hernach doch ungerecht, wenn der Mensch Mich umgeht und Hilfe sucht bei denen, die aus sich nichts haben, sondern alles nur aus Mir!

b13. Was will aber der Mensch anderwärts suchen, wenn er weiß, daß Ich als der Allerhöchste mit ihm ein Mensch, ja ein Bruder sogar werden mochte, damit er daraus ersehen sollte, daß Ich, mehr denn ein jeder Mensch, von ganzem Herzen demütig und sanftmütig und überaus herablassend bin und nicht bin ein Gott in der Ferne, sondern ein Vater und Bruder euch zuallernächst – so daß euer eigenes Leben euch ferner ist, als Ich Selbst.

b14. Es sei denn, daß der Mensch im Ernste lebensscheu geworden ist und hat sich mit dem Tode befreundet, daß er dann nicht mag das wahre Leben ergreifen und greifet in die Ferne und durch große Umwege nach dem, was ihm doch zuallernächst ist und ihn beständig sozusagen auf den Händen trägt. Denn auf eine andere Art möchte es wohl die höchste Weisheit (gleichalso wie einen viereckigen Kreis) als rein unmöglich finden, daß ein Mensch, der das Leben liebt, es nicht vor allem (da er es doch kann, so er es nur will) in der Wurzel erfassen möchte.

b15. Gehet aber zurück und fraget ein jegliches Evangelium, fraget alle Apostel und andere Verbreiter Meines Wortes und zeiget Mir irgendeine Stelle, in welcher da gelehret wurde, sich auch an gewisse „Schutzgeister“ neben Mir zu halten. Oder heißt es im Evangelium nicht vielmehr: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn Ich will euch alle erquicken!“

b16. Ist in dieser Einladung jemand ausgenommen oder jemand dem Schutze der Engel anbefohlen? – Gewiß nicht! – Was da gesagt ist, ist gesagt für die ganze Unendlichkeit und für die ganze Ewigkeit!

b17. Wer aber von euch möchte dann noch behaupten, daß dieses Mein Wort nicht vollkommen ist, oder daß Ich damals nicht alles gehörig erwogen habe und Mich erst in späterer Zeit eines besseren besonnen? – Eine solche Mutmaßung würde sogar jeden weltlichen Herrscher ärgerlich machen, der doch unvollkommen ist in jeglichem Worte aus sich. Wie möchte sie dann, auf Mich angewendet, sich ausnehmen!?

b18. Sehet, daher ist ein solcher (Schutzpatronen-)Glaube gleich einer Schmarotzerpflanze auf dem Baume des Lebens. – Wer aber möchte behaupten, daß die Schmarotzerpflanze von irgendwo anders, denn aus dem Baume, auf dem sie sitzt, ihr Leben saugt?

b19. Was aber ist die Frucht des Baumes, und was die Frucht der Schmarotzerpflanze? – Nur auf dem Baume wächst die wahre Frucht. Wer sie isset, dem gereicht sie zum Leben. Aber was die Frucht der Schmarotzerpflanze betrifft, so kann ihr Saft höchstens dazu dienen, um, wenn es möglich wäre, selbst die Vögel des Himmels für den Tod zu fangen.

b20. Sehet, also geht es mit allem, was nicht mit Mir sich verbindet, d.h. das nicht mit Mir vom Grunde aus auferbauet wird! Da ist das eine entweder ein übertünchtes Haus oder es ist eine Schmarotzerpflanze auf dem Baume des Lebens, wovon eines so viel nütze ist wie das andere.

b21. Ich allein bin der Weg, die Wahrheit und das Leben! Wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreuet!

b22. Eine Rebe, die vom Weinstocke getrennt ist, wird sie nicht alsobald verdorren und nie eine Frucht bringen? – Wer daher etwas benötiget, der komme zu Mir und glaube, so wird er es erhalten!

b23. Wen irgendein Zweifel drückt, der denke, daß der Zweifel nur eine Folge dessen ist, daß jemand nicht mit Mir wandelt und sich nicht von Mir ziehen läßt. Wer aber einen Zweifel hat, der komme zu Mir und glaube, so wird ihm Licht werden in dem, worüber er gezweifelt hat.

b24. Wer da blind ist und taub und lahm und gichtbrüchig und stumm und besessen, der komme zu Mir und glaube, so wird er gewiß die allersicherste Hilfe finden!

b25. Aber wohlgemerkt, Ich bin kein kleiner, sondern ein übergroßer Gott. Wer Mich daher erfassen will, der breite seine Arme weit aus, d.h. der muß Mich vollkommen umfassen und nicht nur denken, daß Ich helfen könnte, so Ich wollte. Sondern er muß denken, daß Ich auch allezeit am allermeisten helfen will. – Wenn er solches in sich vereinigen wird, so wird sein Glaube erst recht lebendig.

b26. Es dürfte aber vielleicht, d.h. nach eurem Maßstabe gesprochen, hie und da manchem beifallen, daß er seinen Glauben bezöge auf so manche Schutzgeister-Erscheinungen, besonders auf die im Reiche des sogenannten Somnambulismus vorkommenden.

b27. Da sage Ich: Diese bei solcher Gelegenheit vorkommenden schutzgeisterhaften Erscheinungen sind nichts anderes als Schöpfungen des eigenen Glaubens und haben große Ähnlichkeit mit jenen Träumen, in welchen dem Menschen unter allerlei Umständen das bildlich und lebendig zu Gesichte kommt, worüber er im wachen Zustande äußerst lebhaft, nicht in seinem Verstande, sondern in seinem Gemüte, gedacht hat.

b28. Wie aber auf der einen Seite diese Traumgebilde etwas sind, so ist auch solche besagte Erscheinung bei den Somnambulen nicht bloß eine leere Erscheinung, sondern sie ist auch etwas Wirkliches. – Aber was ist dieses Wirkliche? – Dieses Wirkliche ist nichts als eine Schöpfung des eigenen Glaubens in Verbindung mit der alles realisierenden Liebe.

b29. Denn es kann kein Mensch bei was immer eine Hilfe suchen, daß er nicht zuvor glaubete und dann dasselbe mit seinem Gemüte liebend und vertrauend umfassete. Und es kann schon ein materieller Bildner keine Figur zuwegebringen, die er nicht zuvor gewisserart in sich selbst erschaffen hat.

b30. Wie hat er es aber erschaffen? – Er dachte sich zuerst irgendeinen Gegenstand. Dieser Gegenstand behagte ihm. Da er ihm aber behagt, so erfaßt er ihn in seinem Gemüte und ward gewisserart verliebt in seine Idee. Wie er aber seine Idee mit der Liebe umfaßt hat, so wird er sie auch, wenn er anders die Fähigkeit dazu besitzt, unfehlbar ins Werk setzen.

b31. Nun sehet, also geht es mit allen Erscheinlichkeiten, besonders in dem sogenannten somnambulen Zustande, in welchem nur dann die Gesichtstäuschungen aufhören und die Eigenschöpfungen sich wie Nebel verflüchtigen, wenn nicht nur die Seele, sondern der lebendige Geist der Somnambulen erwacht, in welchem Zustand (der freilich etwas selten vorkommt) dann die Somnambulen gar wenig mehr von all den früher beobachteten „Schutzgeistern“ usw. Erwähnung machen werden, da der Geist im klaren Schauen nur den einzigen und alleinigen großen Schutzgeist aller Schutzgeister sieht, hört und anerkennt.

b32. Was aber neben den somnambulen (Schutzgeister-)Erscheinungen noch jene mönchschwärmerischen betrifft, da werdet ihr doch schon selbst so viel weise Klugheit besitzen und nicht, gleich den Heiden, des übertörichten Glaubens sein, alle diese Schwärmereien an der lichtvollsten Seite Meines Wortes als bare Münze anzunehmen und am Ende gar noch eines Viertelsglaubens sein, als könnten sogar hölzerne, steinerne und gemalte Bilder von gewissen „Schutzpatronen“ euch eine Hilfe leisten.

b33. Ich sage euch: Ein solcher Glaube ist nicht um ein Haar besser als jener der Baalsdiener! – Wenn der lebendige Mensch, schon seinem Bruder nicht helfen kann, und es in der Schrift heißt, daß alle Menschenhilfe nichts nütze – was sollte da erst ein geschnitztes Holz oder eine andersartige tote Materie leisten?

b34. Oder möchtet ihr etwa gar der Meinung sein, es stecken bei solchen helfenden Gelegenheiten die „Schutzgeister“ selbst in ihren materiellen Abbildern? – Davon mag euch dieses wenige zur Übergenüge verneinend überzeugen.

b35. Nehmet z.B. das beste Bild, das Mich Selbst am Kreuze hängend darstellt, zählet alle die Kruzifixe in der katholischen und auch andern christlichen Welt, deren es schon manchesmal in einem einzigen Hause mehrere Dutzende gibt von verschiedener Größe – sollten nun alle diese Bilder zusammen mehr helfen als eines, oder sollten die größeren mehr Kraft haben als die kleineren?

b36. Oder sollten vielleicht die geweihten Christusse kräftiger sein als die ungeweihten – und das geweihte Bild in einem Hochaltar noch bei weitem kräftiger, als ein anderes in einer Seitenkapelle?! – Sehet ihr die Albernheit nicht auf den ersten Blick?

b37. Wenn aber schon Ich, als der lebendige Helfer Selbst, keines Menschen, ja nicht einmal eines Engels und noch viel weniger eines geschnitzten Bildes bedarf (denn so Ich helfe, da helfe Ich im Geist und in der Wahrheit, nicht aber im Holze, im Stein und in der Farbe!) – was können demnach erst die Abbilder der „Schutzgeister“ für Kraft und Wirkung haben, da die „Schutzgeister“ selbst an und für sich durchaus keine helfende Kraft und Wirkung haben?

b38. Setzen wir aber den Fall, sie hätten nach dem Schwachglauben irgendeine helfende Kraft aus sich, würden aber angefleht zu gleicher Zeit von vielen hunderttausend Menschen, die da knien vor ihren Bildnissen – wie müßte da ein solcher unteilbarer Schutzgeist durch alle seine Bildnisse herumblitzen, um mit seiner Hilfe nirgens zu spät zu kommen!

b39. Oder meinet ihr, ein Geist kann überall gleichzeitig gegenwärtig sein? – Der ewige Geist kann solches wohl, da alle Dinge in Ihm sind. Aber ein geschaffener Geist wird solches ewig nie können, dieweil er, im Verhältnis zu Mir, nur ein endlicher Geist ist.

b40. Welcher Mensch aber kann tausend Gedanken auf einmal denken? – Es ist aber das Denken ja nur ein Werk des Geistes und ein Schauen der Seele, die da in sich aufnimmt entweder die Gedanken oder, besser, die geistigen Werke aus dem Geiste, wie äußerlich die großen Gedanken oder sichtbaren Werke des ewigen Gottesgeistes. So aber in euch der Geist nur einfach oder nacheinander einen Gedanken um den andern denken kann, so ist er ja selbst nur einfach und unteilbar und kann dadurch Meine Werke, die Ich mit einem Gedanken in der größten Klarheit festhalte, nur nach und nach erschauen und wird mit diesem Erschauen auch in alle Ewigkeiten nicht fertig werden. – Wie möchte er erst hernach als irgendein „Schutzpatron“ in all den Bildnissen gleichkräftig helfend und auch gleichzeitig zugegen sein?

b41. Es werden aber die (Menschen-)Geister, die in die andere Welt gelangt sind, nur mühsam geheilt von dieser Schutzgeister-Krankheit. Und es geschieht sehr oft, daß ihnen alle die vermeintlichen „Schutzgeister“ müssen aus dem Wege geräumt werden. Denn wenn solches nicht geschähe, so würden Mich die meisten Römisch-Katholischen fliehen und sich zu ihren Schutzgeistern wenden.

b42. Ich darf nicht weit zurückgreifen, sondern gerade jetzt, da ihr dieses schreibet, rennen die armen Geister bunt durcheinander und suchen ihre „Patrone“ mit allem Eifer. Mich aber, der Ich ihnen sichtbar wie ein Bruder und liebevollster Vater entgegenkomme und ihnen zurufe, daß nur Ich es bin, den allein sie zu suchen und zu finden haben, Mich fliehen sie in allem Ernste, und die Mutigeren bitten Mich sogar, Ich möchte sie zu ihren Schutzgeistern bringen.

b43. Sehet, wenn solche Torheit sogar bei den Geistern, die schon jenseits wohnen, sich also stark vorfindet, welche Belege gegen solche Torheit mögen dann wohl all die („Schutzgeister-)Erscheinungen“ auf dieser materiellen Welt liefern, und zwar dem, der nach dem Geiste der lebendigen Liebe und der lebendigen Wahrheit im Glauben trachtet?

b44. Daher, so euer Haus schadhaft ist oder ihr irgendeinen Schaden befürchtet, so wendet euch nur allezeit an Mich, der Ich bin der allerverständigste Seelenhausbaumeister und der am sichersten helfende Schutzgeist aller Schutzgeister – und ihr könnet versichert sein, daß, wenn Ich ein Haus niederreiße, Ich es auch zu den allerbilligsten Preisen und am allerehesten werde gewiß fest genug wieder aufzubauen vermögen.

b45. Und denket, daß ein Monarch wie Ich durchaus keine Vermittler benötigt, sondern: Ich bin alles in allem Selbst!

b46. Und wer zu Mir will, der komme, und er wird Mich allzeit zu Hause treffen, und zwar gerade also, wie wenn Ich nichts zu tun hätte, als dem Mich Suchenden allein zu dienen.

b47. Also vertrauet und bauet auf Mich! Denn Ich bin ein fester Grund!

b48. Wer auf diesen Grund bauet, dessen Haus wird ewig nimmer leck werden. Denn wer das Material aus Mir nimmt, der hat es lebendig, wie Ich Selbst der allein Lebendige bin und das Leben gebe jedem, der es bei Mir sucht.

b49. Suchet es auch ihr bei Mir, so werdet ihr leben ewig! Amen. – Das sagt, der allein das Leben hat und gibt. Amen.

 

Ruf aus der Tiefe. – 27. Juni 1841, Sonntag, vormittags

a1. O mein Gott und Herr, mein allergeliebtester Herr Jesu! Siehe, es kommen nun über mich allerlei Trübsale und Bedrängnisse. Ich achte nicht derer des Leibes, sondern derer der Seele. O Herr, Du kennest sie alle und Dir ist wohlbekannt alles Ungemach meiner Seele und jegliche Krankheit! O Du allerbarmender Jesus, Du Helfer aller Helfer, Du Führer der Führer, Du sanftester Lehrer und allerbester Hirte, der Du jegliches verlorene Schaf so lange suchest, bis es gefunden wird fürs ewige Leben – o komme, komme, komme auch zu mir armem, schwachem Sünder und wertlosem Knechte und richte gnädigst wieder auf meine darniederliegende Seele, die da noch ist ein großer Schwächling in der Liebe zu Dir!

a2. O gib, daß ich vermöchte Dich, meinen geliebtesten Jesus, unendlich mal mehr zu lieben, denn alles, alles in der Welt!

a3. O Herr Jesus, siehe, mein Herz ist bedrückt durch so manches undankbare, unüberlegte Wort aus dem Munde derer, gegen die Du doch allezeit so liebevoll bereitwilligst Dich zeigtest und die Du aufsuchtest, da sie standen über den Abgründen, und sie alsogleich leitetest auf den sicheren Weg Deiner Gnade und Erbarmung. O befreie mein Herz von solchem Druck und lasse mich eher ziehen von dannen bis ans Ende der Welt, als daß ich erleben muß, daß Dein heiliges Wort von jemandem auch nur im allergeringsten gelästert werden sollte entweder durch den Verstand, der Deine Weisheit nicht mag und kann erfassen, oder durch den Unglauben, der da über alles spottet und alles verlästert, was da über seine Leibesbedürfnisse hinausgeht.

a4. O mein Gott und mein Herr, mein allergeliebtester Jesus, erbarme Dich meiner, tröste mich in meiner Not, auf daß ich wieder aufleben möchte und sei voll munterer Tätigkeit nach Deinem allerheiligsten Willen!

a5. Tröste und stärke aber alle, die da angenommen haben Deine große Gnade und Erbarmung in dieser allerfinstersten Zeit, in welcher Sonne und Mond keinen Schein mehr geben und alle Sterne schon lange vom Himmel gefallen sind, wodurch die Erde gleich einer Hölle geworden ist, in welcher Eigenliebe, Stolz, Hoffart, Lüge, Trug und allerlei schändliche Bosheit herrschen.

a6. O lasse sie nicht fallen, die Wenigen; sondern ergreife sie und lasse allergnädigst auch auf das Auge ihres Geistes einen Strahl Deines übersanften, ja über alle Himmel erhabenen Lichtes fallen, auf daß sie künftighin mehr und mehr erkennen möchten die innere geistige und himmlische Tiefe und Erhabenheit Deiner durch meine Hand und Feder darniedersteigenden unaussprechlichen (und von meiner Seite allerunverdientesten) Gnade und Erbarmung! – Amen.

a7. Aber nur allezeit Dein allerheiligster Wille geschehe! – Amen.

 

Antwort aus der Höhe. – 27. Juni 1841, Sonntag, vormittags

b1. Sei ruhig und mache dich nicht selbst untätig dadurch, daß die Menschen nicht so weise und mächtig werden können, wie Ich Selbst es bin und ewig sein werde!

b2. Denn siehe, wo ist der, der da möchte mit Mir einen Weisheitskampf beginnen, und das noch dazu mit dem Weltverstande!? – Wahrlich Ich sage dir, der täte gleichwohl viel klüger, so er hinge eine Angel an eine Fischerschnur und hielte dieselbe auf einer langen Stange hoch in die Luft empor, um damit Sterne vom Himmel gleich Fischen zu fangen, als daß er ausspannte das morsche Netz seines Verstandes, um in selbes Meine ewige Weisheit zu fangen und sie dann zu zerlegen nach seinem Belieben!

b3. So aber Meine Gabe allzeit eine doppelte ist, nämlich aus der Liebe und aus der Weisheit – ist denn da nicht für jeden klar zu ersehen, daß nur das der Liebe Entstammende für die Kinder wahrhaft ein „Brot“ zum ewigen Leben ist!? – Der „Wein“ der Weisheit wird nur gegeben zur Dämpfung des Weltverstandes, damit der Mensch daraus erschaue, daß all sein törichtes Wissen an diesem „Ecksteine“ scheitert, der da ist ein wahrer saurer „Weinstein“, ein Stein jeglichen Anstoßes!

b4. Wenn Jesus zu euch redet im Herzen und prediget euch Seine Erbarmung, so möget ihr es verstehen, auf daß ihr zum Leben gelangen möget. So euch der Vater ziehet, auch da möget ihr erkennen Seine Stimme. Wenn aber der Geist Gottes über euch kommt und lehret euch Weisheit, da glaubet ihr, so euer Verstand die unerreichbare Höhe und Tiefe nicht zu fassen vermag, der Geist Gottes sei entweder mit sich selbst im Widerspruche, oder das Werkzeug, durch welches der Geist geredet hat, sei schlecht und gebe das Wort anders, als es dasselbe vernommen habe. – Merket ihr aber dabei denn nicht, daß ihr dadurch widerstrebet dem Geiste!?

b5. Was ist denn wohl ärger, zu hadern mit dem Geiste der ewigen Weisheit, oder zu behaupten durch ein Wort des Verstandes, der Geist habe sich ein untüchtiges Werkzeug gewählt, oder gar zu meinen, der vermittelnde Mensch ziehe sich alles eigenmächtig aus seinen Fingern, was ebensoviel ist wie die Behauptung, daß sich die Welt und auch alles, was auf ihr ist, selbst erschaffen habe.

b6. Es sagt der ungläubige Mensch: „Wenn die Sache nicht eine mathematische Gewißheit hat, wer kann sie dann als vollkommen wahr annehmen? Zweimal zwei ist vier – das ist eine ausgemachte Wahrheit und ist daher jedermann einleuchtend!“

b7. Ich sage aber: Siehe zu, du Einmaleinsweiser, daß deine gar so sichere Weisheit nicht zu großen Schanden wird! Denn wenn Du von der Rechenkunde nichts weiter verstehst, als nur daß zweimal zwei vier ist – fürwahr, da hast Du Weisheit genug, um ein Öchsler zu werden! – Wie kann jemand Mir mit solcher Ziffernweisheit kommen, um Mich dadurch der Wahr- und Weisheit wegen herauszufordern, da er doch noch nie eingesehen hat und auch nie einsehen wird, daß zweimal zwei auch ebensogut fünf, sechs, sieben, acht, neun oder so weiter ins Unendliche jedes beliebige Produkt geben kann.

b8. O der Eitelkeit des blinden Menschen! Was alles die Menschen doch wissen und wie scharf bezeichnend ihre Urteile sind! – Den Himmel bemessen sie mit dem Zirkel, stechen meine Sonnen gleich Erbsen vom Himmel herab und schauen sie dann mit dem scharfen Mikroskope ihres Weltverstandes also durch und durch an, daß ihnen nach ihrer Meinung beinahe kein Atom entgeht! Die Größe, Entfernung, Bewegung und den Zweck der Gestirne zu bestimmen, ist ihnen nur ein reiner Spaß! Und das alles darum, weil sie wissen, daß zweimal zwei gleich vier ist. – Ja, das heißt doch, es in der Weisheit weit gebracht zu haben!

b9. Zwei Dinge gehen ihnen jedoch zur vollen, Mich beinahe übertreffenden Weisheit noch ab – und zwar: die „Quadratur des Kreises“ und das sogenannte „Perpetuum mobile“. Haben sie das, so wird es mit Mir aus sein! Wenn Ich einer Furcht fähig wäre, so könnte Ich Mich beinahe ein wenig zu fürchten anfangen, die Menschen möchten dann etwa wieder einen ganz fein ausgedachten „babylonischen Turm“ zu bauen beginnen, welcher gefährliche Bau jetzt nicht einmal mehr durch eine Zungenverwirrung aufzuhalten wäre, da es nun Dolmetscher in allen Sprachen gibt! Oder sie könnten wohl auch gar mit der scharf zunehmenden Weisheit Eisenbahnen, wo nicht gar Luftdampfschiffe nach allen Sternen errichten und dann etwa gar einen Sirius oder noch eine andere, größere und wahrscheinlich auch goldreichere Zentralsonne, gleich dem Lande China, blockieren und scharf beschießen – etwa gar aus zweitausend Achtundvierzigpfündern!

b10. Siehe, was alles Ich zu befürchten habe! Und womit werde Ich Mich da verteidigen, da Ich im Himmel wirklich keine Kanonen, Bomben, Granaten, Haubitzen und Kartätschen habe!? Die Chinesen werden unterjocht und haben doch Schanzen und Batterien – wie werden sich da die batterielosen Sterne erwehren!?

b11. Siehe, welche Gefahren – und das alles, weil zweimal zwei gleich vier ist! Wäre Ich gleich dir, so möchte auch Ich vielleicht ausrufen und sagen: „Gott sei Dank, daß die Menschen die „Quadratur des Kreises“ und das „Perpetuum mobile“ noch nicht entdeckt haben und auch nie entdecken werden! Denn im Falle dieser Entdeckungen wäre das Unglück fertig!

b12. Es gibt aber schon jetzt Menschen in Nordamerika und auch in England, die Mich darum leugnen und Mir Mein Dasein streitig machen, weil Ich bei der Erschaffung der Erde die Anlegung der überaus zweckmäßigen Eisenbahnen ganz und gar vergessen habe. Wie hätte denn einem höchstweisen Gotte so etwas nicht einfallen sollen?! Wenn der Mensch schon aus lauter Industrie zusammengesetzt zu sein scheint, wie sollte es Gott nicht sein, so Er wäre und das All erschaffen hätte!? Da aber in der Natur nirgends Eisenbahnen und vielleicht auch keine Dampfschiffe anzutreffen sind, so kann es auch keinen Gott geben, der doch gewiß auch alles erschaffen hätte, wenn Er irgend einer wäre! – Siehe, welche Weisheit sogar in den Eisenbahnen!

b13. Ich sage dir aber: Sei mit Mir ohne Furcht! – Habe Ich auch keine Geschütze und keine Dampf- und Linienschiffe, so habe Ich aber doch eine sehr starke Lunge und eine Zunge am rechten Flecke! Und Mein Odem ist stärker als alle Kanonen! Und durch Meine Zunge soll jede menschliche Weisheit zu Tode geredet werden!

b14. Bringe du daher nur stets fleißig aufs Papier, was du vernimmst! Denn darum gebe Ich es dir, damit Ich der Welt dadurch einen neuen Eck- und Grenzstein setze, über den viele fallen werden, die nicht auf den darin bezeichneten Wegen der Demut, der gänzlichen Selbstverleugnung, der Geduld, Sanftmut und aller Liebe wandeln werden!

b15. Wer aber zu Mir hat gerufen und dem Ich gebe eine rechte Gabe, der soll das Gebotene allzeit dankbar und genau befolgend annehmen! – Tut er solches aber nicht, was geht das fürder Mich und dich an!?

b16. Lassen wir daher auf dem Acker, was da gesäet ist, bis zur Reife wachsen! Meine Schnitter wissen es schon gar lange, was dann zu geschehen hat! – Wohl dem, der sich nicht an Mir ärgert!

b17. Den Weltweisen aber soll dereinst durch eine Klappermühle Meine Gnade gepredigt werden, daß darob alle ihre Zähne klirren sollen gleich den schweren Ketten, welche Vater-, Mutter-, und Brudermörder in den tiefsten Gefängnissen festhalten. Amen!

b18. Sei du daher ruhig, da du es weißt, wer Der ist, der dir solches alles offenbaret. Amen! – Ich, dein Jesus! Amen.

 

Der Planet Saturn. – 5. Juli 1841 nachmittags von 1/2 5 Uhr bis 1/2 8 Uhr abends.

Schreibende: Andr. H. – Der Knecht Gottes J. L. diktierte.

Mit diesem Diktate begann die große Eröffnung über die Beschaffenheit und Zweckbestimmung des zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten Saturn und über das auf diesem Weltkörper sich findende Pflanzen-, Tier- und Menschenleben. Diese Schilderung erstreckte sich in vielen einzelnen Kundgaben über ein Jahr hindurch bis zum 29. Juli 1842.

Aus der ersten Mitteilung vom 5. Juli 1841 seien hier nachstehende Worte angeführt! Der Herr beschreibt zunächst kurz die bedeutende Größe und Sonnenentfernung des Planeten, erwähnt den seltsamen Ring und die zahlreichen Monde, welche diesem Weltkörper ein ganz besonderes Gespräge geben, und fährt dann fort:

1. Aus diesen Angaben könnt ihr nun schon leicht schließen, daß dieser Weltkörper vermöge seiner Größe, seiner verschiedenartigen Konstruktur und auch vermöge seiner sieben Monde keine geringe Bestimmung im Weltenraume hat.

2. Denn je künstlicher irgendein Mechaniker ein Werk eingerichtet hat, desto mannigfaltiger muß ja auch der Zweck eines solchen Werkes sein. Und so wie ein Mechaniker in ein künstlerisches Werk eine um so mannigfachere Bestimmung zur Erreichung mehrartiger Zwecke hineingelegt hat, also werde auch Ich als der allergrößte Weltmechaniker einen solchen Weltkörper nicht ohne eine bedeutend große Bestimmung so künstlich in den weiten Weltraum hinausgestellt haben. Da Ich schon sogar mit Sonnenstäubchen nicht zu spielen pflege, um wie viel weniger wird erst ein solcher Weltkörper, wie eben der benannte Planet, von Mir nur als eitles Spielzeug erschaffen worden sein.

3. Die Folge dieser Offenbarung über diesen Weltkörper wird euch seine Bestimmung von einer so großartigen Seite kennen lehren, daß ihr euch darüber kaum werdet zu atmen getrauen. Denn habt ihr bei der Enthüllung des Mondes schon große Augen gemacht und einen großen Gemütslärm geschlagen, wie wird es euch erst gehen, wenn ihr diesen Weltkörper an Meiner Hand ein wenig bereisen werdet!? – Ja, Ich sage euch, machet euch nur auf sehr Großes gefaßt und bereitet euer Gemüt wohl! Denn ihr werdet es kaum ertragen. Wo so große Dinge von Mir enthüllend geoffenbart werden, da gehören auch große Gemüter dazu, um das Große zu fassen und zu ertragen. Und wenn ihr erst das Ganze von diesem Weltkörper, insoweit es euch zu ertragen möglich ist, werdet empfangen haben, alsdann werdet ihr erst ein wenig einzusehen anfangen, was die Stelle im Evangelio besagt, die da also heißt: „Keines Menschen Auge hat es gesehen, keines Menschen Ohr gehört, und noch nie ist es in eines Menschen Herz und Sinn gekommen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben!“

4. Was jemand von Mir empfängt, ist allzeit die höchste Gabe des Himmels, da Ich das Allerhöchste des Himmels wie aller Welten Selbst bin. Und ob Ich euch enthüllen möchte den Himmel oder die Hölle, so wird euch allzeit das eine wie das andere zur höchsten Seligkeit gereichen. Denn besage Mein Wort, was es wolle, so ist es durchaus lebendig und macht den, der es empfängt und aufnimmt in aller Liebe, Dankbarkeit, Demut und lebendigem Glauben selbst ewig lebendig und somit in Mir schon hier wie vorzugsweise jenseits überaus selig.

 

Gleisnerische Wohltätigkeit. – 11. Juli 1841, vor 7 Uhr morgens

An die E. H. und an den A. H.-W.!

1. Möchtet ihr wohl befolgen einen fang- und verratsüchtigen Rat einer überaus töricht-schwachen, mit den Dienern Babels buhlenden Schwester und Schwägerin!? – Sehet, diese fängt es recht fein an, um sich für ihren schnöden, überaus blinden Kasten-Geistlichen (oder vielmehr dieser durch sie) an Mir bei euch zu rächen!

2. Ich sage aber, es wird ihnen schwer werden, gegen den Stachel zu lecken! – Wer Mich versuchen will, der wird bald seinen letzten Schritt gemacht haben!

3. So aber deine andere Schwester, die da verheiratet ist, eine Wohltat ausüben will, die Mir wohlgefällig wäre, so soll sie nur arme, dürftige Waisen suchen und sie an Kindesstatt annehmen. Dadurch wird sie sich einen Schatz für den Himmel bereiten, sonst aber für die Welt und, was der Welt Lohn ist, jenseits empfangen.

4. So euch aber irgendein von Mir geschenktes Kind überflüssig sein sollte, dann kann Ich es euch ja allzeit wieder zurücknehmen. Und ihr werdet dann nicht nötig haben, auf einen weltsüchtigen und dazu noch verräterisch argen Rat ein Kind von euch zu lassen, damit es außer euren Augen und Ohren zu einem vorzeitigen Verräter Meiner zu euch darniedersteigenden Gnade werden möchte!

5. Sage aber deiner gleisnerisch und kastengeistlich buhlenden Schwester, daß du viel lieber möchtest drei Kinder noch annehmen, als eines vor der Zeit von dir lassen. Und sie möchte sich künftighin vorzugsweise nur um sich selbst kümmern, auf daß sie los werde ihres schwarzen Würgegeistes! Denn das ist, was ihr not tut! Um alles andere hat sie sich nicht zu kümmern.

6. Dieser sie besitzende Geist aber ist der Geist eines verstorbenen Kastenpriesters Babylons, eines Jüngers der äußeren, toten, der Welt, nicht aber Mir dienenden Kirche, in den sie fürder schon überall vernarrt war – wie sie gegenwärtig vernarrt ist in einen, der da macht die Hölle zum Himmel und umgekehrt und Mich zum Teufel alles Todes, die tote Materie aber zum ewigen, lebendigen Gott!

7. Oh, des armseligen und überaus stockblinden, betrogenen Betrügers und feilen Mietlings der römischen Tiara! – Ich sage euch aber: Seid auf eurer Hut und habet acht auf die Lauergriffe des Satans! Denn er will es heimlich anstellen, um Mein Werk zu vereiteln!

8. Behaltet eure Kinder und leitet sie zu Mir! Dann werde schon Ich sie hier und jenseits nicht nur an Kindesstatt, sondern als wirkliche Kinder annehmen und allzeit und ewig bestens für sie sorgen. – Deinen Schwestern steckt aber nur das Kloster im Kopfe, welches da schon eine leibliche, aber viel mehr noch eine geistige Gefangenschaft der Toten ist, aus der noch sehr wenige zum Leben hervorgegangen sind!

9. Wie aber bei Mir (oben-)bezeichnete kostümierte und kastische „Wohltäter“ angeschrieben sind, habe Ich euch schon ohnehin bei Gelegenheit der Mitteilung über die „grauen Schwestern“ in hohem Grade mißfällig zu erkennen gegeben. – Nun sage Ich euch aber: Verflucht sei derjenige „Wohltäter“, der da einen eigens geformten Rock trägt, um sich als solcher hoffärtig bemerkbar zu machen! – Wer nicht Gutes übt selbstlos und ganz im verborgenen, ist ein Täter des Übels!

10. Daher behaltet ihr eure Kinder nur unter eurem Dache und sorget für sie in Meinem Namen, so werde Ich wahrhaft ihr Vater sein!

11. Das sagt euch euer Vater, der da ist heilig, heilig, heilig. Amen.

 

Vom Geheimnis der Berge. – Gedichtworte zur „Kleinalpe“. – 15. Juli 1841

Am 14. Juli bestiegen J. L. – G. B. – Andr., Jos. und Ans. H. bei günstiger Witterung die höchste Spitze der Kleinalpe bei Übelbach und verweilten – ungeachtet eines anhaltenden, kalten Sturmes aus Westen – drei Stunden auf der Höhe, von wo aus die bedeutendsten Hochgebirge der Obersteiermark wie auch die Städte Judenburg und Leoben deutlich erblickt werden konnten. – Am 15. Juli erging dann an den Knecht des Herrn J. L. folgende Kundgabe:

0. Schreibe! Es ist ein lieblich Wort wohl zu vernehmen von den Höhen der Berge auf der freien, schönen Spitze der Kleinalpe:

1. Was starrst du, müde Schar, dahin nach jener Berge Reihen, / da schroffe Scheitel Mir, dem Schöpfer, ihre Düfte weihen? / Erkenne deine Schuld! Und lern' es wohl von diesen Helden, / was all's sie dir von deinem Vater, ihrem Schöpfer, melden. / Wie kühn und mächtig sie da stehen, diese großen Zeugen, / und wollen nimmer, so wie ihr, von Meiner Größe schweigen! / Um ihre heil'gen Spitzen häufig frohe Nebel kreisen / und helfen dankend ihnen still den großen Vater preisen. / Und heitre Winde rauschen mächtig über hohe Zinnen. / um anzuzeigen, daß die Felsen dort Mein Lob beginnen.

2. Es banget dir, du matter Seher, vor den ries'gen Höhen, / du schauerst, wenn der Alpen reine Geister dich umwehen, / als kühle Winde deinem Auge manche Trän' entlocken! / Doch wenn du sehen möchtest, wie Äonen weißer Flocken / sie emsig aus den müden Wolken freudig formen, bilden / und sie dann sorglich steu'n auf all den hohen Moosgefilden, / und möcht'st du sehen all dies noch mit deines Geistes Augen / und seh'n, wozu all diese Geisterarbeit möchte taugen – / sodann erst möcht'st du rufen: „Wer da achtet Gottes Werke, / hat eitle Lust! Sie zeigen ihm des heil'gen Vaters Stärke!“

3. Ihr habt geseh'n des Oberlandes kühn gestellte Berge / und auch geschaut auf deren Schoß die niedern stein'gen Zwerge. / Den hohen „Schwab“ und „Reiting“ saht ihr alle duftend prangen, / den „Pred'ger-Stuhl“ und andre Berge, die mit Wolken rangen. / O höret diese selt'nen Berggebilde sprechen! / Vernehmt ihr Wort in eures stein'gen Herzens sand'gen Schwächen! / Es lautet kurz also: „Du schwacher Mensch auf dieser Erde! / Du schaust ganz wonnetrunken, stumm für unsere Beschwerde, / die hehre Pracht an uns. Doch würdest du uns näher treten, / dann möcht'st du schauern wohl vor unsern schweren Prüfungsketten!“

4. Und also weiter legen Worte euch ans Herz die Berge, / also verständlich: „Seht uns an und schaut die alten Särge, / wie wir dasteh'n und majestätisch in die Lüfte ragen, / also auch eine Unzahl Tote stets in uns wir tragen. / Und wenn die Barmlieb' Gottes uns nicht möchte kühlen, / fürwahr des Grimmes Wüten würde bald das Land erfüllen. / Denn die wir fest in unsern harten Leibern müssen halten, / die möchten, flammend, schier in einer Stund' die Erd' umstalten. / Doch solches zu verhüten und zu wahren euch den Frieden, / drum tragen wir an eurer Statt die große Last hinieden!“

5. O laßt der Berge mächt'ge Worte tief ins Herz euch bohren! / Denn wieder weiter legen sie die Zung an eure Ohren, / also vernehmlich: „Wenn die Nebel uns behend umkreisen, / verhüllend unsre hohen Scheitel, sehet, da bereisen / gar hehre Wesen mächtig uns, schon alte Totenwächter, / und sänften da mit ihrer Lieb' in uns die Gottverächter / durch ungezählter Tränen Menge aus der Liebe Augen. / Die da in uns der Liebe Spende sorglich in sich saugen. / die werden dann erweckt, um zu erstehn ins freie Leben. / und nach und nach ins höh're, wie's euch Menschen ist gegeben.“

6. Und da der Berge Mund für euch schon einmal offen stehet, / so horcht noch ferner, was der Hohen Hauch zu euch hinwehet: / „Wenn mächtig über unsre Häupter frische Winde eilen, / daß ihr darob auf uns nicht lange könnet forschend weilen. / da ist's, daß Legionen neue Leben sich erheben / und, sorglich eilend, nach den pflanzenreichen Eb'nen streben. / Um solches vorbestimmte Ziel baldmöglichst zu erreichen, / vereinen sie zu Nebeln sich nach alten Lösgebräuchen / und fallen dann als leichter Regen über Pflanzentriften, / allda sie, neubelebend, selbst sich in das Leben lüften.

7. Und wenn im spätren Herbst die frühen Flocken uns bekleiden, / darob uns alles warme rege Leben pflegt zu meiden, / ja selbst so manche heit're Quelle eisig stockt im Fallen, / und alles so verstummt auf unsren freien Lebenshallen, / da winkt dir, Forscher, eine neue Zeit, ihr treu zu bleiben / mit deinem Aug' und Ohre. Denn da fängt sich's an zu treiben / hinauf, hinab. Nach allen Seiten siehst du nichts als streben / nach einer festen Form, um so zu künden sich als Leben. / Denn solches ist die Heimwehzeit, da alles sich möcht' finden. / Darum da jeder Geist sich gerne läßt durch andre binden.

8. Und wenn dann erst der volle, treue Winter ist gekommen, / alsdann wird nicht gar selten unsre feste Brust beklommen. / Denn da ereilen uns des hohen Nordens Friedensrichter, / bestreuen unsre tiefen Furchen bald durch ihr Gelichter / von tiefem Schnee und starrstem Eise, uns zur Probe drückend. / O seht, dann ist's auf unsern Höh'n zu wandeln nicht entzückend. / Denn da wird jedes freie Leben also hart ergriffen, / daß es wohl nimmer fühlen mag der Liebe süßes Triefen. / Und wenn des Frühlings Hauch zerreißet auch des Nordens Bande, / da kehrt kein Leben mehr zurück zum früher'n Heimatlande!

9. Nur wenn das stumme Schnee- und Eisgelichter ist gewichen, / allwann ein warmer Frühling hat den Winter weggestrichen, / da kehret dann das Pflanzenleben wohlgestärket wieder. / Doch nimmer wiederkehren da erfror'ner Vöglein Lieder. / Selbst Menschen, die auf unsrem Rücken hat der Nord erdrücket, / die werden schwerlich mehr von unsrer Sonne Strahl erquicket. / Doch so ein freies Leben hier gefährdet ist geworden / durch ein zu friedsam Walten unser's übertreuen Norden, / so soll darob wohl niemand gar zu sehr uns Berge klagen. / Denn solch Gefang'nen fängt ein andres Leben an zu tagen!“

10. Und so mag dieses Liedchen euch zu einer „Fahne“ dienen, / mit der ihr all der Berge Sinn könnt überleicht gewinnen / und leichter auch verstehen, was Ich euch noch werde geben. / Fürwahr, ihr könnt durch diese „Fahne“ manchen Zweifel heben. / Denn leichter ist's: auf Berge geh'n und von da andre schauen, / als zu versteh'n, woher auf selben rührt solch wonnig Grauen. / Darum denn gab Ich vor der größer'n Gabe diese „Fahne“ / zu Handen euch, damit sie euch getreu zuvor ermahne, / daß Meine nächste Gabe sich in Weisheit wird ergießen, / die ihr durch diesen Schlüssel euch gar leichtlich könnt erschließen.

 

Die Zweckbestimmung der Berge. – 17. Juli 1841, von 1/4 4 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends

Schreibende: Andr. und Ans. H. – Heute erhielten wir vom Herrn durch Seinen Knecht J. L. Nachstehendes als Gabe bezüglich der Kleinalpe:

1. Was sind Alpen, höchste Berge und kleine Hügel, über das sparsame Planum der Erdoberfläche ragend? – Nichts als der Staub auf einem Apfel, der von einem Baume herabfiel auf eine mit Staub beladene Straße. Aber nur locker hängt der Staub am Apfel, während die Berge feste Auswüchse der Erde sind. – Mit wem sollte man aber die Berge vergleichen? Etwa mit dem Staube am Apfel, oder mit den Auswüchsen einer Nuß oder gar den kleinen Wärzchen auf der Oberfläche einer Eischale?

2. An und für sich tut es das eine so wenig wie das andere. Aber nehmet alle drei zusammen, und es wird der bestaubte Apfel, die Nuß und das Ei das jedesmalige und jedem Eigentümlichentsprechende an der Erde finden.

3. Welches aber mögen wir zuerst nehmen? – Sehet, es wird hier wenig zu wählen sein. Nehmet ihr aber alle drei zugleich, so habt ihr das rechte Maß getroffen.

4. Muß denn aber ein Apfel vom Baume fallen, um bestaubt zu werden? Oder können nicht vielmehr Winde kommen, den Staub von der Straße lösen und so leichtlich einen Apfel anstäuben, so er an der Straße hänget.

5. Oder wie ist es mit der Nuß? – Gestaltet sich die innere Frucht nach den Einbügen der Schale, oder bekommt vielmehr die feste Schale die Einbüge von der Frucht? – Es ist hier sicher besser, so man sieht auf die Beschaffenheit der Frucht – da sich doch ein jeder seinen Rock nach dem Leibe machen läßt und man nicht den Leib nach dem Rocke machen läßt. Und also geht die Wirkung von innen aus, und nicht von außen nach innen – da des Lebens wirkende Kraft allezeit im Zentrum, aber nicht außen, am Kleide, seine Wohnung hält.

6. Aber wie steht es mit den Wärzchen an der Eischale – wie entstehen sie und warum sind sie da? Es könnte ja doch eine Henne leichter ein glattpoliertes Ei legen als ein solches, dessen Oberfläche mit tausend und abermal tausend Wärzchen übersäet ist! – Könntet ihr aber nicht ebenso leicht und mit demselben Grunde sagen: „Wozu die Berge auf der Oberfläche der Erde? Eine glatte Erde würde sich ja doch offenbar leichter um ihre Achse drehen als eine mit so vielen Bergen besetzte!“

7. Es sei aber hier bemerkt, wer möchte denn dann auf der Erde die Luft und das Wasser zur Mitumdrehung nötigen, da weder das eine noch das andere mit Ketten und Stricken mit dem Körper der Erde unverrückbar fest verbunden ist?!

8. Wenn das Ei keine Wärzchen hätte, woran möchten sich in dem Gebärkanale einer Henne eigens daseiende Stoß- und Drucknerven stemmen, um dasselbe zur Außenwelt zu fördern. Und wenn das Ei dann in der atmosphärischen Luft sich befindet und hätte solche kleine Auswüchse nicht – womit sollte es zur ferneren dauernden Erhaltung des Lebensstoffes das demselben verwandte elektro-magnetische Lebensfluidum einsaugen und wodurch erst dann in der Brütezeit den erwärmenden Stoff aus der Brust der Henne oder aus den Strahlen der Sonne oder auch aus dem erwärmten Sande an sich ziehen?

9. Wäre die Erde eine flache Kugel, so würde es ihr auf allen ihren Punkten, selbst die unter dem Äquator nicht ausgenommen, nicht viel besser ergehen als der Spitze des Chimborasso oder dem Nordpole selbst, wo ewig Eis und Schnee herrschet.

10. Die Berge aber sind auf der Erde das, was die Wärzchen sind am Eie! Sie sind nicht nur Luft- und Wassertreiber, sondern sie sind noch vielmehr Wärmesauger. Und was sie an dem Wärmestoffe einsaugen, das können sie natürlicherweise nirgends anders wohin spenden, als nur in die zuunterst liegenden Täler und Ebenen.

11. Sind aber irgendwo weit gedehnte Ebenen zu ferne von den Bergen, so werdet ihr alldort ebensowenig Vegetation antreffen, ja oft noch weniger, als auf den höchsten Gebirgsspitzen – und dieses aus einem doppelten Grunde!

12. Fürs erste, weil zu weit von den Bergen, daher auch zu wenig fruchtbare Wärme! – Was die brennende Hitze auf dem Heiden betrifft, so ist sie nichts als ein von den benachbarten fruchtbaren Gegenden über sie ausgehauchter Stickstoff, der zwar auch die Strahlen der Sonne gleich der atmosphärischen Luft konzentrierend aufnimmt. Aber, wie gesagt, solche Wärme ist keine Fruchtwärme, sondern gleichet jener, die da herrührt von glühenden Kohlen in einem verschlossenen Gemache. Wenn sie schon auf das tierische Leben nicht also zerstörend wirkt, so wirkt sie aber alles zugrunde richtend auf das Leben der Pflanzenwelt. Und es ist gar nicht schwer zu erweisen, daß, wo irgend das Pflanzenleben aufhört, es auch für das tierische Leben kein langes Bleiben ist.

13. Es gibt aber auch Gegenden, besonders in Afrika und auch im südlichen Amerika, wo benachbarte, sehr fruchtbare Gegenden also stark die Stickluft aushauchen, daß sich diese dann gleich einem Flammenmeere über weitgedehnte Heiden, Steppen und Wüsten ergießet; und was da dieser Flammenstrom erreicht, ist in seiner natürlichen Lebenssphäre so gut vernichtet, wie wenn es in einen stark brennenden Kalkofen geworfen worden wäre.

14. Aber noch aus einem andern Grunde sind solche Gegenden unfruchtbar: nämlich, weil sie einen großen Mangel an Wasser haben. Ihr möget aber die Erde kreuz und quer bereisen, und es wird euch schwerlich gelingen, irgendeinen Berg zu finden, der nicht wenigstens aus seinem Fuße mehrere reichliche, unversiegbare Quellen von sich geben möchte.

15. Was sind also die Berge noch – während sie schon ohnehin „Wasser- und Lufttreiber“ und, nun bekannt, auch „Lebenswärmeerzeuger“ sind? – Sie sind auch „Wasserleiter“, und zwar in doppelter Hinsicht. Denn da sie, wie euch schon mehrfach bekanntgemacht wurde, samt und sämtlich über großen Wasserbecken stehen, so treiben sie das Wasser durch ihren immerwährenden, gleichen Druck nicht selten bis zu bedeutenden Höhen empor. Und diese Leitung des Wassers zur Oberfläche der Erde ist die erste Art, wie die Berge gar wohl imstande sind, auf den verschiedensten Punkten die reichhaltigsten Quellen des reinsten Wassers von sich zu geben.

16. Da aber die atmosphärische Luft ebenfalls immerwährend mit den Dünsten geschwängert sein muß, welche zum Teile aus dem unermeßlichen Äthermeere auf dem Wege der primitiv-animalischen Produktion herrühren, so sind die Berge gleich den Polypen im Meere allezeit als wahre Vielfraße schlagfertig, um jede ihnen nahekommende Feuchtigkeit aus der Luft an sich zu ziehen und in sich einzusaugen. Durch dieses „ätherische Wasser“ wird dann erst das unterirdische belebt und nach eurem chemischen Ausdrucke gewisserart geläutert, damit es dann zum nötigen Lebensgebrauche hinreichend tauglich ist. Denn das Wasser aus dem Innern der Erde ist zum Leben so wenig zu gebrauchen wie das lediglich ätherische.

17. Ihr müßt unter dem „ätherischen Wasser“ aber nicht etwa das Regenwasser nehmen, welches nur dann zum Vorschein kommt, wenn irgendwelche Wolken zuvor aus den naheliegenden Bergen hinreichend mit Sauerstoff sich gesättigt haben; sondern das rein „ätherische Wasser“ ist untropfbar in der Luft, namentlich aber auf den Bergen enthalten.

18. Die erste Sichtbarkeit des „ätherischen Wassers“ bekundet sich in den sogenannten „Lämmerwolken“. – Wenn diese nach und nach mehr und mehr elektrisch schwer werden, so fallen sie auch immer niederer und niederer, bis sie endlich bis zur mittleren Wolkenregion herabgezogen werden, allda sie dann schon anfangen, den Sauerstoff in sich zu saugen. Und wenn sie dadurch dann gewisserart auch lebensschwerer werden, so senken sie sich herab in die Nebelregion der Berge, welche dann anfangen, ihnen den elektrischen Stoff auszuziehen.

19. Da beginnen dann auf den Bergen gewöhnlich sehr heftige Winde zu wehen. Und wer da nicht glauben möchte, daß solche Winde nichts als die von den Bergen aus den Wolken (oder vielmehr nun Nebeln) entsogene Elektrizität sind, der verfüge sich nur mit einem sogenannten elektrosaugenden Schilde oder gemeinweg „elektrischen Drachen“ auf die Alpen und befestige diesen Schild auf einer klafterlangen, entweder ganz gläsernen oder wenigstens gut überharzten Stange und nähere sich alsdann, wenn er den Mut hat, einem solchen Schilde, so wird ihm alsbald zur Belehrung ein stark leuchtender und sogar zu tot niederschlagender Beweis in wahrhafter Blitzesschnelle entgegenkommen.

20. Also sehet, auf diese Weise sind die Berge auch in der zweiten Art „Wasserleiter“.

21. Was sind denn die Berge noch? – Ihr dürfet nicht gar zu weit ins Oberland reisen, so werden euch die vielfachen und verschiedenartigen Erze alsogleich anschaulich offenbaren, was die Berge noch sind! – Nämlich sie sind noch Fabrikanten von allerlei Metallen.

22. Woher kommt denn das Metall in die Berge? – Dieses kommt, wie das Wasser, von unten und von oben in dieselben und ist im Grunde ein Produkt von oben her aus den zahllosen Strahlen der Gestirne und von unten her ein Produkt fürs erste des unterirdischen Feuers und fürs zweite der auf allen Höhenpunkten der Erde sich beständig entgegenkommenden und wechselnden Polarität der Erde.

23. Es sind die Metalle zwar verschieden und haben doch nur eine und dieselbe Grundursache. Es geht denn nun einmal nicht anders! Denn auch auf einer Wiese gibt es verschiedene Kräuter, und doch ist überall dieselbe Erde, dasselbe Licht der Sonne und derselbe Regen!

24. Die Menschen vermögen solches freilich wohl nicht, und es ist niemand imstande, mit einem und demselben Bohrer verschieden große Löcher zu bohren oder mit einer und derselben Hebelkraft alle erdenklichen Lasten zu heben. Niemand kann da machen und gebrauchend lenken einen unendlichen Bohrer, dessen Spitze feiner wäre als ein Gedanke und dessen letzte Schneidschnecke hinausreichen würde über alle möglich-denkbare Räumlichkeit. Und ebenso vermag auch niemand einen Hebel zuwege bringen, mit welchem er vermöchte eine Sonne aus ihrem Zentrum zu heben.

25. Sehet, da aber der Mensch schon zwei so einfache Werkzeuge nicht zuwege zu bringen vermag, wie möchte er es dann wohl anstellen, um zu erklären, wie aus ein und derselben Ursache so unendlich verschiedene Wirklichkeiten hervorgehen können, und wie beweisen, daß all die Metalle in den Bergen aus einer und derselben Quelle fließen und doch keines dem andern gleicht!?

26. Allein Der, den ihr kennet, vermag solches gar wohl und versteht die eben nicht unbedeutende Kunst, in einem und demselben Kessel alle möglichen Färbungen also zu bereiten, daß, so ihr unzählige Stoffe hineinleget, ihr keinen herausnehmet, der da wäre von einer und derselben Farbe.

27. Also ist demnach die Erklärung leicht, wenn hier Eisen, dort Zinn, anderswo Blei, Silber, Kupfer, Zink und dergleichen mehreres zum Vorscheine kommt, daß dazu nichts mehr gehört, als daß da einem jeden Berge, wie einem Samenkorne, verliehen ist eine besondere Form und eine besondere Eigenschaft, vermöge welcher er einen und denselben Stoff, den er in sich saugt, gar leicht verwenden kann nach seiner ihm eigentümlichen Eigenschaft – wie jeder Same einen und denselben Stoff verwenden kann zu dem, was eigentlich nur aus ihm hervorgeht.

28. Wer da solches noch nicht begreifen möchte, der kann folgenden Versuch machen, und es wird ihm alsobald ein bedeutendes Licht über seinen noch viel bedeutenderen Unverstand aufgehen!

29. Er nehme irgendein geräumiges Gefäß, z.B. etwa irgendeinen großen Gartentopf, gebe in denselben ganz vollkommen gleiches Erdreich, lege in dieses Erdreich aber verschiedene Samenkörner, begieße dieselben mit chemisch gleichem Wasser und, was die Gleichartigkeit der Sonnenstrahlen betrifft, so darf er ohne Sorgen sein, denn diese sind heute noch dieselben, wie sie vor einigen Trillionen Jahren waren. Beobachtet er dann die Pflanzen, die da aus den verschiedenen Sämereien aufgehen werden, dann wird er sich überzeugen müssen, daß seine Arbeit und Sorge eine rein vergebliche war. Denn es wird, alles dessen ungeachtet, aus dem Nelkensamen eine Nelke mit all ihrer Eigentümlichkeit, aus dem Veilchensamen ein Veilchen, aus dem Rübensamen eine Rübe, aus dem Kornsamen eine Kornstaude usf., aus jedem Samen die entsprechende Pflanze mit allen ihren Eigentümlichkeiten zum Vorscheine kommen.

30. Wer da nur einigermaßen denkt und ein Fünkchen Leben hat in seinem Gemüte, das nach oben und nicht nach unten treibt, wird der nicht alsobald wenigstens sich selbst im stillen fragen müssen: „Aber wie ist dieses möglich, daß aus einer und derselben Erde, aus einem und demselben Wasser und aus einem und demselben Licht- und Wärmestrahle der Sonne so höchst verschiedene Produkte zum Vorscheine kommen!? Und doch, wenn ich alle diese Samenkörner chemisch untersuche, so finde ich im Grunde nur immer einen und denselben Grundstoff! Ja selbst, wenn ich jede Pflanze für sich verbrenne, so bleibt mir denn doch stets eine und dieselbe Asche übrig!

31. Wenn ich die grüne Pflanze auspresse, so bekomme ich wohl von jeder einen etwas verschieden schmeckenden und riechenden Saft. Allein zerlege ich die Säfte wieder chemisch, so zeigt sich's am Ende doch nur wieder, daß da alles auf eines hinausgeht. Und bis ich auf meinen wohlbekannten Kohlenstoff und Grundsauerstoff gekommen bin, so bin ich auch mit meiner schweren Untersuchungsarbeit fertig und muß am Ende eingestehen, daß ich in meiner mich so berühmt machenden Kunst ein allerpurster Pfuscher bin?“

32. Sehet, wer nach einem solchen Versuch zu diesem Ergebnisse gekommen ist, der ist schon an der Schwelle des Vorhofes! Wenn er da anklopft, so kann er eingelassen werden, wenn auch nicht alsogleich in den Tempel, so doch wenigstens in den Vorhof. Und es ist besser, sich mit geraden Gliedern des Geistes in dem Vorhofe zu befinden, denn als Gichtbrüchiger am dürren Ufer Siloahs zu harren, bis ein Engel, des Teiches Wasser rührend, dasselbe mit Heilkraft sättigt. Denn wer da etwas verloren hat, tut besser, wenn er es sucht, um es wiederzufinden, als daß er unbekümmert auf einem Punkte wartet, bis etwa ein redlicher Finder wiederkehre und ihm den verlorenen Schatz einhändige.

33. Die Erde ist ein Platz voll Bergen, Klüften, Abgründen, Gräben, Tälern und Ebenen und hie und da weit und breit bewachsen mit undurchdringlichem Gebüsche und Gestrüppe. Wer da einen Schatz hat und hält denselben nicht fest, wie leicht kann ihm derselbe entfallen. Und so er ihn verloren hat, wie schwer läßt er da sich wiederfinden auf einer Erde, die so reich an finsteren Schlupfwinkeln ist! Und wer da etwas verloren hat und das Verlorene nicht einmal zu suchen der Mühe wert hält, wie wird der es wohl wiederfinden, besonders wenn er dazu noch aus sich selbst heraus das Unglück hat, lichtscheu zu sein?!

34. Wahrlich ein solcher wird nicht viel tüchtiger werden, wenn er auch alle höchsten Gebirge der Erde bestiegen hätte. Denn wer immer da auf einen Berg steigt, hat eine große Mühe, bis er den Gipfel erreicht.

35. Und was ist nun der Lohn seiner Mühe? – Der, den er für die alleinige Hauptsache hält, ist eine weitgehende Fernsicht auf andere Berge, Gegenden und Ortschaften – den eigentlichen Genuß aber, der in der Einatmung der reineren Lebensluft besteht (worin eigentlich der Hauptlohn für seine Mühe zu betrachten wäre), nimmt er nur ganz gleichgültig mit.

36. So ist auch der naturmäßige Mensch ein immerwährender Bergkletterer seines eigenen, hochgepriesenen Verstandes und klettert von einer Verstandeshöhe zur andern hinauf. So oft er da irgendeine scheinbare Höhe erstiegen hat, wähnet er sich auf dem allerhöchsten und herrlichsten Aussichtspunkte zu sein. Aber wenn er sich nach allen Seiten sattgegafft hat, kommt ihm der Gedanke: wenn er nur auch auf jene andere, ferne Gebirgsspitze hinauf könnte – da müßte erst eine alles Gefühl zerreißende Aussicht sich bewähren. Und nach dem alten lateinischen Sprichwort eines klugen Heiden sagt er ebenfalls: „Der Mensch kann ja mit seiner Tollkühnheit sogar den Himmel erstürmen, was sollte mich denn hindern, auch die Spitze dieses entlegenen Berges zu besteigen; denn bis auf den Mond oder gar in die Sonne reicht sie ja doch nicht!“ – Und also gesagt und getan!

37. Der Mensch ersteigt auch diese Spitze unter großen Beschwerden, in der Meinung, von hier aus werde er wenigstens die halbe Erde auf einmal zu Gesichte bekommen. Allein auch hier werden seine großen Erwartungen sehr wenig befriedigt. Denn dieser Berg hat hinter sich schon wieder höhere gelagert. Und so sieht unser Bergbestürmer schon wieder nichts anderes als lauter Berge um sich, die er, wenn es möglich wäre, nun alle auf einmal besteigen möchte.

38. Also ist es auch mit dem Verstande des Menschen, er steigt von einer Verstandeshöhe zur andern. Was aber erblickt er hier überall? Nichts als lauter sich immer höher türmende Berge und Gletscher, die für ihn nimmerdar ersteiglich sind! Und wohl ihm, wenn er es durch seine lang fortgesetzte Verstandeskraxelei so weit gebracht hat, daß er endlich bei sich selbst gesteht: „Die ganze Erde kann man von keinem Berge übersehen; und je mehr man gesehen hat, desto klarer wird es einem, daß man gegenüber dem, was alles noch zu sehen wäre, erst so viel wie gar nichts gesehen hat!“ was verdolmetscht so viel heißt als, daß derjenige in der Verstandes-Wissenschaft es am weitesten gebracht hat, der es einsieht, daß er nichts weiß.

39. Euch aber sage Ich: Es ist nicht schwer, einen bestaubten Apfel vom Staube zu reinigen; denn der Staub klebt nur an der Rinde. Schwerer wäre es, eine Nuß glatt zu polieren, und sehr schwer, die Wärzchen am Ei zu vertilgen, ohne die Schale zu zerbrechen.

40. Die Erde aber ist in Wahrheit ein „bestaubter Apfel“; denn es ruht auf ihr ein natürlicher urzeitlicher, anderweltlicher Ruinenstaub. – Sie ist ferner ein „bestaubter Apfel“, denn um dieselbe ist meilenweit gelagert ein ätherischer Atomenstaub. – Und drittens ist sie in geistiger Hinsicht ein also außerordentlich schmutzig-bestaubter Apfel, daß durch den dichten Staubwolkenschleier nur hie und da ein spärliches Licht von der großen Sonne der Geisterwelt auf diesen „Erdapfel“ eindringen kann.

41. Die Erde ist ferner eine „Nuß“. Denn sie hat fürs erste für jeden ihrer Bewohner etwas Tüchtiges zum Aufbeißen. – Und wieder ist sie eine Nuß, insofern ihre äußere Rinde vom Grunde aus entspricht ihrer inneren knorrigen Beschaffenheit. Dieser knorrigen Beschaffenheit zufolge sind die Urgebirge das, was die äußeren Auswüchse an einer Nuß sind. – Und sie ist ferner nochmal eine Nuß, da ein jeder, der immer auf ihr zum inneren freien Leben des Geistes dringen will, zuerst eine bittere Umhüllung und dann erst eine harte Schale wegzuschaffen hat, bis er erst zur lebendigen Frucht des Lebens gelangt.

42. Die Erde ist auch ein „Ei“. Denn wer die innere Beschaffenheit der Erde kennenlernen will, der siede ein Ei, zerschneide dann dasselbe in zwei Teile und studiere dasselbe mit einem starken Mikroskop, so wird er so ziemlich die innere Beschaffenheit seiner Erde kennenlernen. – Und wieder ist die Erde ein Ei, in welchem durch die natürliche Wärme der Sonne verschiedene Küchlein ausgeboren werden. – Und die Erde ist auch noch in geistiger Hinsicht gleich einem Ei. Denn wie das Ei nur in der ruhigen, stillen Wärme die Frucht des Lebens zum Vorschein bringt, also wird auch der Mensch nur durch die stille Zurückgezogenheit und durch die Wärme seines Herzens zu Mir in sich selbst neu und wiedergeboren, in welchem Zustande es ihm auch ergeht wie einem Küchlein, das da seine eigene Gefangenschaft durchbricht, lebendig aus derselben hervorgeht und dann die Schale nimmer beachtend verläßt.

43. So sollte auch in geistiger Hinsicht der Mensch sein, so wird er von jeder Tiefe wie von jedem Berge im hohen Gefühle des freien Lebens mit einem Blicke nicht nur die ganze Erde, sondern ein ganzes materielles und geistiges Sonnengebiet übersehen.

44. Schließlich aber diene euch die Besteigung der Alpe noch dazu, daß der Weg, der ins geistige Leben führt, nicht viel anders beschaffen ist, als der Weg auf eine solche Alpe.

45. Denn da glaubt von der Ferne jeder, die Alpe sei nicht gar so hoch. Doch wenn er in ihre Nähe kommt, verliert er immer mehr und mehr ihren Scheitel aus seinem Gesichte. Und fängt er dann am Fuße zu steigen an, so hält er auch schon jeden nächsten baumlosen Hügel für der Alpe höchsten Punkt. Aber je höher und höher er kommt, desto mehr überzeugt er sich, daß es noch ziemlich viele Steigtritte benötigen wird, bis er auf der Spitze des Berges das lichte „Triangulierungszeichen des ewigen Lebens“ ansichtig wird, von da aus er erst zu jener höchsten Überraschung gelangen wird, von welcher er früher keine Ahnung hatte.

46. Beachtet dieses Beiwort wohl in euren Herzen. Nehmet die „Fahne“ zur Hand und beachtet das Geistige, das da in entsprechender Fülle des Lebens gegeben ist.

47. Wendet es und forschet darinnen, und ihr werdet nicht nur in den Bergen, sondern auch in den kleinsten Sandkörnern vollbewohnte Welten entdecken! – Amen.

 

Pharisäertum von heute. – 19. Juli 1841, nachmittags

1. Nicht heute, sondern morgen fange an zu schreiben am Hauptwerke! – Heute kümmert und besorgt es dich törichterweise der Predigten und üblen Nachreden von manchem überblinden Stein-Papisten, die da sind voll Eigennutzes, da sie entweder trachten nach den weltlichen Schätzen oder doch wenigstens nach dem nicht viel besser als türkisch gearteten, faulmütigen Wohlleben des Himmels, (der freilich wohl nirgends besteht und ewig nirgends bestehen wird) – Mich aber loben und preisen sie, wenn es noch gut geht, nur des gewissen Himmels wegen, meistens aber bloß zum Scheine, der Weltgüter und hohen Ehrenämter halber; und fast keiner ist unter ihnen der da Mich lobe, bitte und liebe Meiner Selbst willen.

2. Damit aber darob du und jeglicher Gleichgesinnte mit dir in sich den hinreichendsten, beruhigendsten Trost finden möge, so betrachte zuerst im 23. Kapitel des Matthäus den 13., 14. und ganz besonders den 15. Vers! Diese drei Verse werden dir hinreichend dartun, wie es mit dem heutigen Pharisäismus steht, zu dem der jüdische nur ein prophetisch-vorbildender war.

3. Dann aber wende die Blätter und lese das 23. Kapitel des Lukas, und zwar auch den 13., 14. und 15. Vers! Da wirst du das Zeugnis des Pilatus über Mich finden und eine große Beruhigung für dich! Und wiederum wirst du auch das wahre Liebeverhältnis der jetzigen Pharisäer zu Mir ersehen. Oder meinst du nicht, so Ich heute in die Welt käme und möchte dem Papste seine Herrschaft streitig machen, daß er sich bei weitem ärger gegen Mich setzen möchte als dereinst der Kaiphas?!

4. Wahrlich, er würde sich bei allen Regenten verwenden, um Mich zum abschreckenden Beispiele unter der schauerlichsten, ewigen Höllenverfluchung öffentlich als den größten Erzketzer am flammenden Scheiterhaufen verbrennen zu dürfen. – Gekreuzigt werde Ich ohnedies täglich und stündlich viele tausend Male, wie auch verkauft und verraten! – Du verstehest es!

5. Im 13. Kapitel des Johannes aber, und zwar im 18. Verse, wirst du finden, wer und was die nun privilegierten „Brotesser“ und „Weintrinker“ sind und wie sie zumeist gegen Mich gesonnen sind. Denn wahrlich, diese sind es, die Mich noch allezeit mit den Füßen getreten haben!

6. Verstehe es wohl: Judas war nur ein arger Prophet für sie, und sie sind nun in corpore das, was Judas im argen Bilde war!

7. Deinen und euern Zustand aber bemesset nach dem dritten Kapitel, Vers 12-14, des Briefes Pauli an die Römer. Allda werdet ihr deutlich finden, wie es mit euch stehet, und was ihr fortwährend zu tun habt! Denn am Tage sind die Werke der Finsternis kein nütze; wer da streitet, der streite mit den Waffen des Lichtes – und lasse die Wohlfresser und Wohlsäufer in ihren betürmten Kammern zugrunde gehen! – Ihr aber seid ehrbar in allen Dingen und haltet es nicht mit den Fressern und Säufern, sondern haltet es mit Mir in aller Liebe, Geduld und Sanftmut und zieht Mich also an – so werdet ihr leben!

8. Wenn ihr aber des Leibes wartet, da tuet es also, daß er nicht üppig wird und ihr gar leichtlich ersticken möchtet im Fleische und in allem, was des Fleisches ist! Verstehet es wohl! Denn ihr alle habt noch viel „Fleisch“! Wer aber fällt im Fleische, der stehet schwerer auf als ein vollbelasteter Elefant, der in einen Sumpf gefallen ist.

9. Darum schreibet auch ihr euch den 14. Vers jenes erwähnten Briefes recht nagelfest ins Herz, so werdet ihr einen ebenen Weg ziehen! Amen.

10. Das sage Ich, den die Bauleute verworfen haben und über den sie noch allezeit hergefallen sind und auch noch fürder herfallen werden. Amen.

 

Dank des Knechtes

11. O Du mein allerliebster Herr Jesus, Du wahrer Tröster Du! Überall und allezeit findest Du das allerrichtigste und wirksamste Trostwort für uns arme, schwache Sünder! – Darum sei Dir für alles ewiger Dank, ewiges Lob und alle unsere Liebe und Anbetung! Und allezeit Halleluja und Hosianna Dir in Deinem allerheiligsten Namen!

 

Mahn- und Trostwort. – 31. Juli 1841

1. So schreibe denn ein kurzes Mahn- und Trostwort an die Th. M. H., die da aus einer kastenmäßigen Liebe zu Mir in hohen Ehren hält die „Gefangenen im Geiste und am Leibe“, die da halten viel größere Stücke auf die Geistlichen als auf Mich und so auch manchmal mehr auf die Kalenderheiligen als auf Mich und mehr auf die heidnischen Zeremonien und Gebräuche als auf Mich und mehr auf ein lateinisches Gebetsbuch, das sie nicht verstehen, als auf Mich und ehren sich untereinander und die Geistlichen so gut und noch mehr als Mich und halten die Beichte höher als die wahre Buße und die Vergebung der Sünden. Darum sie denn auch beständig beichten, aber auch nach der Beichte sogleich wieder in ihre vorigen Sünden zurückfallen. Und die da so manchen Klostertrug für unbestreitbare Wahrheit halten, die Heilige Schrift aber fliehen und es für eine große, widerspenstige Ketzerei ansehen, so jemand das Buch des Lebens und der heiligen Liebe lesen möchte. Aber ein nichtssagendes Andachtsbüchlein von einem gleisnerischen, stark pharisäischen Mönche halten sie dagegen für einen wahren Himmelsschlüssel!

2. O der armen Blinden! – Einst wird ihnen dafür schon ein helleres Licht angezündet, wenn sie nur nicht etwa auf Grund ihrer klosterkastisch-privilegierten Heiligkeit die innere Demut hintangesetzt haben und sich nicht insgeheim für besser halten als irgendeinen andern, freien, unklösterlichen Menschen.

3. Dies aber sei das Mahn- und Trostwort an die Th. M. H.:

4. Suche du vor allem nur Mich durch die wahre Selbstverleugnung, innere Liebe, Geduld und Sanftmut! Denn so du Mich allein suchest, wirst Du Mich auch finden. Und hast du Mich gefunden, dann hast du alles gefunden. Denn Ich allein bin der größte Schatz aller Schätze und bin mehr als alle Welten und alle Himmel!

5. So du mich suchest, da mußt du Mich aber bei dir und nicht bei andern suchen! Denn kann Der in der Fremde gesucht werden, der da beständig in dir zuhause ist und deiner harret!? – Wie du dein Leben nicht lebest in einem fremden Leibe, sondern in deinem eigenen, so mußt du auch Mir in dir zu leben beginnen und Mich in dir suchen! Da wirst du Mich sicher finden! Denn für dich lebe Ich nur in dir! Und wäre es nicht also, wie möchtest du leben, atmen, denken, fühlen, wahrnehmen, empfinden und dann zu Mir beten!?

6. Siehe, das ist der rechte Weg zu Mir! Jeder andere leitet stets auf Abwege. Daher wandle diesen frei, mutig und ohne Furcht, so wirst du das ersehnte Ziel gar leicht und bald finden und wirst dann erst auch einsehen und erkennen, wie sanft Mein Joch und wie leicht Meine Bürde ist!

7. Nimm aber auch gerne das Neue Testament zur Hand und lese es sorgfältig, so wirst du darinnen gar bald des wahren Lebens Schule entdecken. – Und wirst du erst danach zu handeln anfangen, so wirst du mit Strömen des ewigen Lichtes übergossen werden und aus deinen Lenden wird fließen lebendiges Wasser!

8. Sei auch allezeit heiter in deiner Dürftigkeit! Denn je geringeren Anteil jemand hat an der Welt und ihren toten Götzen, desto mehr ist er bei Mir und desto mehr hat er in Mir seinen ewigen, unvergänglichen Anteil zu überaus hohen Wucherinteressen angelegt! – Daher sei du fröhlich, denn Ich bin dir näher, als du es wähnest!

9. So du aber das Neue Testament zur Hand nimmst, da schlage dir zuerst auf das 15. Kapitel des Johannes und betrachte darinnen den 17. bis 23. Vers! – In diesen Stellen wirst du einen großen, verborgenen Schatz finden. Er wird dir aufgetan werden und du wirst erschauen mit erstaunten Augen den „wahren Schlüssel“, mit welchem du gar leicht das Kämmerlein eröffnen wirst, darinnen Ich in dir deiner harre! Amen.

10. Das sagt dir dein wahrer Bräutigam durch den trägen Knecht, Amen!

11. NB. Der Schlüssel oder das eröffnete Reich ist schon gezeigt in den vier letzten Versen dieses Kapitels, das ist im 24., 25., 26. und besonders 27. Verse. Denn was hier an die Apostel gesprochen ist, ist gesprochen zu aller Welt! Das sagt dir der Erste und der Letzte. Amen.

 

Anweisung an den Schreibknecht. – 8. August 1841

1. Schreibe nur! Denn Ich weiß es schon gar lange, was du und der Andr. H.-W. wollet! – Solches aber antworte Ich euch:

2. Du, Mein Knecht, bedenke wohl, was dir von Mir für ein Amt verliehen ist und wieviel du noch zu tun hast, bis nur das Hauptwerk beendet sein wird. Denn dazu wirst du von nun an, nach deiner Schrift, noch beinahe ebensoviel brauchen, wie für das, was jetzt schon vorhanden ist. Siehe, eine solche Sache braucht bei regem Fleiße noch nahe ein Jahr von dir, indem du eben nicht der geläufigste Schreiber bist. Und es wäre gut, so du täglich fünf Stunden dazu verwenden könntest.

3. Denn der noch zu verhandelnde Stoff des Hauptwerkes ist: Ein drei Tage langer Aufenthalt bei Adam (nach dem Sabbat), woselbst noch unerhörte Dinge vorkommen werden zur tiefsten Beachtung eines jeden, der es zu lesen bekommen wird. Dann erfolgt die Rückkehr in die Tiefe und ein kurzer Überblick über alle damalige Erdbevölkerung. Dann Adams Tod und nach und nach die Geschichte aller seiner euch bekannten Hauptstammkinder bis auf Noah; und so unter anderem die Vermischung der Kinder Jehovas mit den schönen Töchtern der Welttiefe. Dann, kurz durchgeschaut, Jehovas Kriege, Noahs Berufung, die von ihm in die Tiefe gesandten Bußprediger, Noahs Antrieb zum Bau der Arche; seine verspottete und gefährdete Arbeit; seine Wächter. Dann die großen Erdbeben, sichtbare Zeichen am Firmament; und endlich erst die Flut mit allen ihren Vor- und Nacherscheinungen. Und von da dann noch einige Blicke bis zu Abraham und dem Hohenpriester Melchisedek und noch einige Nachworte.

4. Und alsdann erst ist das Ende des Hauptwerkes da, welchem dann noch gewisse, schon gegebene Hauptnebenworte einzuverleiben sein werden, die zu seiner Zeit näher bezeichnet werden.

5. Siehe, solches hat und fordert noch das Hauptwerk! – Es steht aber auch noch eine große Menge von Naturzeugnissen und die Enthüllung des gestirnten Himmels sowie der Geisterwelt allenthalben auf und zwischen den Sonnen, Erdkörpern, Monden und Kometen bevor.

6. Da rechne du, wie du mit dem allem in zwei Jahren fertig wirst! Denn bis dahin soll es fertig sein – das heißt, so ihr es wollt und euch daran etwas gelegen ist.

7. Ist euch aber eben nicht soviel darum zu tun, so habe Ich schon noch andere Amtleute, und zwar in anderen Landen, die solche große Geschenke aufnehmen werden und sie vollenden bis zum letzten Häckchen.

8. Siehe, Ich sage dir nicht, was du tun sollst; aber so du Mein Wort hast, so sollst du demselben doch wenigstens täglich, mit Ausnahme der Feiertage, bei acht Stunden die zwei Jährlein hindurch widmen, um alles zu beenden, was vorderhand von größter Wichtigkeit ist.

9. Denn die Menschen sollen daraus bald völlig erkennen, wie eitel töricht all ihr weltlich Tun und Treiben ist!

10. Was dein übriges Tunwollen betrifft, namentlich in der Tonsprache, dafür hast du deinen freien Willen. – Es ist aber allzeit eine Sünde der Trägheit, so der Mensch etwas, das er von Mir erhalten hat, leichtsinnig hintansetzt, bevor Ich es Ihm auf die eine oder andere Art abnehme.

11. Siehe, Ich habe dich für die Menschen geistig gemacht zu einem Hofmeister des Herzens und der Liebe. Und solches zu tun und dein Leben selbst zu kehren nach dem Worte, ist dir von Mir aufgetragen. – Es wird dir zu keinem Verdienste gerechnet, daß du solches empfängst; denn solches ist eine große Gnade nur für jeden, der es empfängt; sondern zum Verdienste wird nur gerechnet, zu leben nach dem Worte in aller Liebe, Geduld, Sanftmut, allem Glauben und Vertrauen, aller Selbstverleugnung und duldsamer Ertragung von allerlei Kreuz und mancherlei Leiden, damit dadurch das Herz vollkommen rein werde von allen Schlacken der Welt.

12. Und so hast du schon vollauf zu tun mit dieser Hofmeisterschaft und wirst daher schwer noch einer anderen obliegen können. Allein wohnen kannst du überall – nur nicht neben irgendeiner Hure, wohlverstanden!

13. Ist demnach dem W. damit gedient, so kann ja immerhin dein Segen heimlich seine Kindlein stärken. Und du kannst denselben auch in freier Zeit in mancherlei behilflich sein. Aber eine sogenannte Hofmeisterstelle mit allen ihren Erfordernissen ist gegenwärtig für dich nicht möglich annehmbar. – Doch so du hinziehest, da ziehe du ganz unvermerkt hin. Denn die gewisse Welt hier in dem Orte darf davon nichts merken, ansonst sie sich darum gewaltig ärgern möchte – und ihr euch dann ihretwegen.

14. Verstehe du es wohl! Denn es beobachtet jemand Gewisser mit hundert Augen deine Schritte und lauert, daß er etwas fände, das ihm auffiele. – Hat der W. einmal Amt und Ort gewechselt, dann könnet ihr ohne Sorgen beisammen sein. Unterdessen aber nur unter gehöriger Vorsicht!

15. Dann höre du, W.! Gewisse Leute meinen ohnehin, der Knecht erteile dir und deinen Kindern heimlich den Unterricht im Luthertume und aller sogenannten antikatholischen Ketzerei – und die Musik sei nur ein politischer Deckmantel.

16. Wenn der Knecht L. nun auf einmal hier aufsagt und dann zu dir, W., zieht, so könnte das sehr leicht einige kleine Verdrießlichkeiten verursachen. – Daher ist, um solches zu vermeiden, des Knechtes gegenwärtiges Zimmer also noch einundeinhalb Monate beizubehalten. Und zur Zeit werde dann schon Ich euch anzeigen, wie da die ganze Sache sicher abzumachen ist.

17. Überdies aber soll der Knecht in der Zeit noch beim Ans. Wortemsig seine Ordnung nicht zu sehr ändern, d.h. so er hinzieht zu Dir, Willig, soll er noch wenigstens zwei bis dreimal in der Woche zu Mittag speisend bei ihm zubringen und sonst, wie gewöhnlich, möglichst täglich bei ihm weilen.

18. Vor allem aber hast du, W., Dich auch annehmbar zu verständigen mit deinem Weibe, so sie ihre Forderung über das Ausgemachte an den Knecht stellen sollte! Denn die sehr Sparsamen suchen beständig selbst die erforderlichsten Bedürfnisse zu vereinfachen. Du wirst es wohl verstehen, wie es gemeint ist.

19. Solchen Rat überdenket wohl und handelt darnach!

20. Das sagt Der, dem alle Dinge bekannt sind! – Amen, Amen.

 

Rat für Weinbergarbeiter. – 10. August 1841, vormittags

1. Höre! Also lautet es im Rate der ewigen Weisheit und Liebe deines Herrn, deines Gottes, deines Schöpfers, deines Erlösers und – dadurch erst – deines Vaters, der da ist heilig, heilig, heilig:

2. So du magst läuternd umgehen mit Personen des anderen Geschlechtes, da beachte zuvor die dir noch verborgene Tiefe deines Herzens! Denke, daß da kein merklicher äußerer Unterschied ist zwischen nützlichen guten und unnützlichen giftig-bösen Sämereien.

3. Das unerforschte Herz ist gleich einem ungedüngten Grunde, in welchem das Unkraut eher wurzelt als der Weizen. Daher lasse dich nicht verleiten durch schöne Sämereien, da du nicht weißt, was daraus für Früchte hervorgehen möchten!

4. Du kannst in Meinem Namen dich jedermann zwar nahen, aber Mein Reich wirst du nirgends finden als allein bei Mir durch Glaube und Liebe und gänzliche Selbstverleugnung – und höre, das erst dann, so du in deinem Herzen, ganz losgetrennt von der Welt, getreuest wirst sagen können:

5. „Herr, hier bin ich! Die Welt ist mir zum Ekel geworden. Du aber bist mir alles, alles, alles! Ich will nun nichts mehr als Dich allein!“

6. Siehe, dann erst kann Ich kommen! – Wo du nützen kannst, da handle in Meinem Namen und habe acht auf die Tiefe und wahre Gesinnung deines Herzens! Denn da liegen noch allerlei Sämereien. Ich aber will nur segnen, was du in Meinem Namen tun wirst denen, die Ich dir gegeben habe!

7. Was diejenige anlangt, nach der du fragest, so schauet sie in ihrer Dürftigkeit mit einem Auge hinauf, ob keine Hilfe von dort möglich – mit dem andern aber siehet sie zur Erde, ob da nirgends Edelsteine für sie seien. – Sie soll lieber beide Augen, Ohren und ganz besonders ihr Herz unverzüglich zu Mir kehren, so wird sie den größten Schatz finden und wird ihr geholfen sein in allem!

8. Du aber bewahre und reinige dein Herz, auf daß, so Ich dereinst etwa unerwartet zu Dir kommen möchte, dasselbe also bestellet sei, daß Ich nicht genötigt werden möchte, zu verziehen oder gar umzukehren! – Denke: Eines nur tut not! Und wer sich dieses eine erwählet hat, der hat sich schon den besten Teil erwählet!

9. Das sage Ich, dein beständiger Erlöser und unablässiger Wiedergebärer! – Amen, Amen, Amen.

 

Ein neues Licht der Liebe. – 26. August 1841

Brief aus Greifenburg an den Freund und späteren Lebensschilderer Jakob Lorbers: Karl Gottfried Ritter von Leitner in Graz.

1. Geliebtester, hochverehrtester Freund! Es wäre mir unmöglich, aus meiner Kraft auch nur ein Sonnenstäubchen groß von all dem würdig mit der Feder zu geben, was alles ich hier doppelt gesehen, gehört und gefühlt habe und noch sehen, hören und fühlen werde! – Fürwahr, für Gegenden dieser Art sollte der Mensch mit hundert Augen, Ohren und Herzen versehen sein! Denn man wird mit den gewöhnlichen Sinnen hier zu einem förmlichen geistigen Geizhalse und Nimmersatte, da einen die große, schlagende Wunderfülle beinahe ohnmächtig macht und man sich dabei stets sorglich fragen muß: Wohin mit all dem unübersehbar vielen? Wie werde ich diese ungeheure Ernte unter mein armseliges Dach bringen?

2. Wahrlich wahr, hier ist des Großen und Guten zuviel, besonders für ein geistiges Auge. Ich übergehe alle die hohen Berge und will nicht berühren alle die vielen Naturseltenheiten, am allerwenigsten die vielen, im Ernste sehenswürdigen Ortschaften u. dergl.; aber was die naturgeistige Tätigkeit betrifft, da sage ich Ihnen, geliebter Freund, so auffallend sichtbar und auf den ersten Blick wohlbegreiflich wäre es mir nie im Traume eingefallen! – Fürwahr, wenn hier nicht ein Blinder auch nur bei einiger geistig-ärztlichen Mithilfe alsbald möchte sehend werden, da müßte ich selbst zu einem Gottesleugner werden. Denn wer da nicht lebendig gläubig wird, für den ist im Ernst alle Taufe und alles Chrisam rein verdorben! – Ich habe hier Erfahrungen gemacht, von denen ich früher keine Ahnung hatte. Mir ist ein ganz neues Licht angezündet worden. Und in dieses seltenen Lichtes Strahlen sehe ich ein endloses Meer von Wundern über Wundern, die gewisserart eines das andere so gut wie ganz niederschlagen!

3. Geliebtester Freund! Ich vermag Ihnen für diesen Augenblick nichts anderes zu sagen, als daß Ich fürs erste schon so mancherlei von meinem hohen Diktator aus in die Feder erhalten habe und der allerbesten Hoffnung bin, noch so manches überaus Seltene zu empfangen. Und fürs zweite aber getraue ich mir die schließliche Bemerkung noch hinzuzusetzen, daß Ihnen diese meine geistigen Sammlungen sowohl schriftlich als auch bei gefälliger Gelegenheit mündlich nicht ohne geistig nützliches Interesse sein werden!

4. Denn also lautete es anfänglich in mir: „Siehe, ein neues Licht gebe Ich dir! Es ist nicht genug, die Rinde der Dinge sowie das Holz und das Mark durchzubrechen, sondern (es gilt zu schauen), was da wird aus der Rinde und aus dem Holze und aus dem Marke. Wer das sehen will, der schaue, daß er recht sehe! Und wer da hören will, der horche fein, auf daß er alles höre! Und wer da empfinden will, der lege seine Hand auf die Brust und zähle jeglichen seiner Pulsstöße und erwäge, von welchen Gefühlen jeglicher umlagert war! Alsdann erst wird er bald sich und all den Dingen auf den wahren Grund zu schauen in den Stand gesetzt werden. – Verstehe es wohl! Denn siehe, das ist ein neues Licht der Liebe, das dir die werdende Frucht in dem Marke, das Mark im Holze und das Holz in der Rinde zeigen wird. Und ebenso nach deinem Tun das ewige Leben in dir! – Siehe, das ist ein neues Licht, und was du hier empfangen wirst, das soll dir werden in diesem neuen Lichte. Amen. Verstehe es wohl! Amen.“

5. Sehen Sie also, geliebtester Freund, nach diesem wenigen zu urteilen, können Sie mit Recht so manches erwarten, das Ihnen sicher sehr viele Freude machen wird. Ich bin jetzt nur ein Sammler, hoffe aber doch auch baldmöglichst ein Mitteiler zu werden! Unterdessen aber habe ich vorzugsweise nur einen Wunsch für Sie, geliebter Freund, wie auch für alle übrigen lieben Freunde, daß Sie nämlich dieses mein schlichtes Schreiben bei der allerbesten Gesundheit antreffen möchte!

6. Des Herrn Jesu Christi Liebe und Gnade sei mit Ihnen jetzt und ewig! Amen. Das ist der stets sehnlichste Wunsch des Sie ewig liebenden Freundes und Bruders im Geiste

Jakob Lorber, d.H.K.

 

Zum Tode eines Kindes. – 23. Oktober 1841, vormittags

1. Das sage in Meinem Namen dem, den Ich für würdig befand, daß Ich ihn heimsuchte und sein jüngstes Weltkindlein zu Mir nahm, darum er sehr trauert und weinet und nicht wohl bedenkt, daß Ich es bin, der ihm solche Gnade erwies, deren Größe er wohl in Ewigkeit nicht wird erfassen können.

2. So aber zum A. H.-Willig ein Weltfürst gesagt hätte: Möchtest du mir nicht dein Kindlein überlassen, damit ich es erziehe zu einer großen Fürstin und, wann es Jahre und Bildung in gerechter Genüge zählen und haben wird, es dann auch alsogleich belehne mit vieler Länder Kronen und es alsdann mache zu einer großen, regierenden Fürstin, Königin und Kaiserin – würde sich da A. H.-Willig nicht vor Freuden außer sich befinden, auch nur schon des alleinigen ernstlichen, großen Antrags wegen, und würde auch suchen, seine Dankbarkeit auf jede erdenkliche Art dem Kaiser an den Tag zu legen!?

3. Oder irgendein guter Fürst käme zu ihm und setzete sein Kindlein zum Alleinerben ein für einen großen Teil seiner Güter – was möchte A. H.-Willig in dem Falle tun mit dem Fürsten? – Oder es käme ein regierender Prinz und begehrte zur künftigen Kaiserin die Hand einer seiner Töchter – würde da der A. H.-Willig einen solchen Brautwerber wohl vom Hause weisen?

4. Jedoch was ist alles dieses im Vergleich zu dem, so da Ich komme und tue alles das im lebendigen, ewigen, unendlichen Sinne! – Und da kann, da mag der A. H.-Willig klagen, weinen und trauern?!

5. O wie schwach ist das noch! – Braucht denn außerordentliche Hilfe nicht auch außerordentliche Mittel? Oder muß die Arznei nicht sein wie die Krankheit, damit das Übel ein Ende nehme? – Wer aber geht zum Arzte und zeiget ihm die Wunde; und wenn der Arzt ihm ein heilsam Öl in die Wunde gibt, dann weinet und trauert er, so das Öl anfängt die Wunde zu heilen! – O sehet wie blind ihr noch seid!

6. Wenn euch die Schuhe drücken, da rufet ihr beständig um Hilfe; und komme Ich endlich, euch zu helfen und frei und fest zu machen eure wankenden Füße, da werdet ihr voll Traurigkeit! – Warum das? – Weil euer Herz noch blind ist, darum ihr zwar die Hilfe suchet, aber das sicher helfende Mittel fürchtet und fliehet!

7. Siehe, Ich habe dir nun eine ebene Bahn gezeigt und eine eherne Pforte gesprengt und eine große Scheidewand niedergerissen! Durch eine große Wüste habe Ich Brunnenröhren zur belebenden Leitung des lebendigen Wassers gelegt! – Siehe, die Wüste wird erblühen – und da magst du trauern darüber!?

8. O lerne Mich in Zukunft besser kennen! Denn dein Vater bin Ich! – Wie magst du trauern, wenn dich dein heiliger Vater in der höchsten Liebe heimsucht und dir dein Haus bestellt?

9. Darum traure fürderhin nicht mehr! Denn Ich, dein heiliger, liebevollster Vater, habe es ja also gewollt! Bedenke das und du wirst ewig leben! Amen.