Jakob Lorber

HIMMELSGABEN - Band 3

Die Tagebuchnotizen zur Offenbarung Jesu durch Jakob Lorber

Inhaltsverzeichnis

Information

Die Musik. – 2. Mai 1840 um die Mittagszeit.

Worte aus der Weisheit. – 25. Mai 1840.

Die Erlösung. – 15. Juni 1840.

Antwort. (Die Erlösung.) – 17. Juni 1840.

Der Engel. – 23. Juni 1840.

Nachwort. (Der Engel.)

Zum Gedicht „Der Engel“. – 13. Juli 1840.

Ein kleines Notabene. – 21. Juli 1840 um die Mittagszeit.

Der Fels am Schloßberg. – 26. Juli 1840, 1/2 9 Uhr vormittags.

Eine Parabel. – 9. August 1840. Fortsetzung.

Erklärung der Parabel. – vernommen am 24. August 1840

Der Weg zur Wiedergeburt – Verhaltensregeln. – 15. August 1840, abends.

Das aber ist der kürzeste Weg zur Wiedergeburt.

Größe der Schöpfung und der Liebe Gottes. – 5. September 1840.

Die Größe des Menschenherzens. Gefühl und Verstand. – 16. Oktober 1840.

Das Streben der Liebe nach Vereinigung. Bewahrung der Individualität. – 17. Oktober 1840, nachmittags.

Anfrage wegen des „siebenten Jüngers“. – 24. November 1840. Nachmittag.

Anfrage wegen des sehr Schwachen. – 2. Dezember 1840. Nachmittag.

Meinen, Meinung. – 5. Dezember 1840, abends.

Der ‚Sehr Schwache‘. (Der siebente Jünger). – 6. Dezember 1840, Vormittag von 1/2 10 bis 3/4 12 Uhr.

Ein Traum (vom 29. Dezember 1840) – 2. Januar 1841.

Die Träume. – 7. Januar 1841.

Sprichwörter und Denksprüche. – 5. März 1841. Nachmittag.

Eine Parabel. – 3. April 1841, von 6 bis 10 Uhr abends.

Ein Wort an Ans. Wortemsig. – 5. April 1841, abends um 10 Uhr, nachdem Jakob Lorber die 58. Strophe der ‚Erlösung‘ niedergeschrieben und dem Ans. H. vorgelesen hatte.

Unsittliche Amtsverwaltung (Die Landratsstelle an And.H.). – 6. Mai 1841.

Der Ton – die lebende Seele des Wortes. – 18. Mai 1841. Vormittag.

Ursache und natürlicher wie auch geistiger und geistig-politischer Grund der entsprechend für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühlen Witterung. – 19. Juni 1841, von 1/2 4 Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends.

Sei unbesorgt deiner Brüder wegen. – 26. August 1841.

Das Licht der Höhen. – Geschrieben in Greifenburg, im August 1841.

Ein neues Licht im neuen Lichte. – 24. Oktober 1841. Sonntagvormittag.

Noch ein neues Licht im neuen Lichte. – 25. Oktober 1841. Nachmittag.

Auf Fragen von Ans. H. – 28. November 1841, am 1. Adventssonntag, nachmittags.

Propheten und deren Aufnahme. – 3. Dezember 1841, nachmittags.

Ströme des lebendigen Wassers. – 4. Dezember 1841.

Von der Trauer um Verstorbene. – 8. Dezember 1841, morgens.

Kurze Blicke über das Wesen der Eisenbahnen. – 30. Januar 1842.

Drei Schrifttexte. – 8. Februar 1842, von 4 – 7 Uhr abends.

„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ – 13. Februar 1842. Vormittag von 9 bis 1/2 11 Uhr.

Versuchung des Herrn in der Wüste – Lukas 11,1-13. – 20. Februar 1842, vormittags von 9 bis 3/4 11 Uhr.

Die Fürsten Juda und der Herr. – 26. Februar 1842, nachmittags von 4 bis 3/4 7 Uhr.

Der 60. Psalm Davids – Vers 8-14. – 3. März 1842, nachmittags von 3 bis 1/2 7 Uhr.

Die vier Evangelien über die Auferstehung des Herrn. – 27. März 1842, Ostersonntag.

Die erweckende Kraft der Liebe. – Segen eines gläubigen Vaters und einer frommen Mutter. – 10. Juni 1842. Vormittag.

Der Siegelring. – 11. Juli 1842.

Erklärung zum Lied ‚Der Siegelring‘. – 12. Juli 1842.

Der Herr zum Namenstag Jakob Lorbers. – 25. Juli 1842, vormittags nach 11 Uhr.

Des Baumes letztes Blättchen.

Schon steht im Osten ein Stern. Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen. – 25. Juli 1842, nachmittags.

Antwort auf einige Fragen. – 4. August 1842.

Aufklärung über zehn Fragen. – 6. August 1842. Nachmittag.

Kurze Schrifttexterklärungen. – 16. und 17. August 1842.

Über Matthäus 6,34. – 18. September 1842, nachmittags um 3 Uhr.

Das Gebet des Herrn. – 19. September 1842, Vormittag.

Folge Mir, willst du leben! – 17. Dezember 1842. Vormittag.

Mein Rat ist kein Gebot und zwingt niemanden. – 16. Januar 1843, abends.

Dr. David Friedrich Strauß. – 18. Januar 1843, abends.

„Die Perlen werft nicht vor die Schweine“ (Matth. 7,6). – 7. April 1843, abends.

Eine kurze Antwort des Herrn auf eine Frage bezüglich der Satana und ihres Anhanges. – 3. Mai 1843.

Erklärung des 93. Psalms Davids. – 26. Mai 1843.

Der Morgen. – 28. Juni 1843

Ein persönliches Wort über laue Töchter. – Nachtrag eines Nebenwortes vom Sommer 1843.

Segen der Heimsuchung. – 13. Oktober 1843.

Die Verklärung Mariens. – 17. Oktober 1843.

Der Herr schützt Sein Werk. – 29. Oktober 1843.

Ein lustig's Wörtlein für die „kleine Martha“. – 26. Juni 1844.

Auf eine Anfrage wegen Mitteilung der erhaltenen Offenbarung. – 25. August 1844.

Cherubim und Seraphim. – 25. August 1844.

Nur Mein Lohn dauert ewig! – 10. Februar 1845, Greifenburg.

Was du den Armen tust, das tust du Mir! – 11. Februar 1845, Greifenburg.

Brief an Andreas Hüttenbrenner in Graz über den Beginn der Niederschrift des Briefwechsels Jesu mit König Abgarus – 27. März 1845, Greifenburg.

Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen. – 28. April 1845, Greifenburg.

Meine Liebe ist das kräftigste, wahre Heilmittel. – 15. September 1845, Greifenburg.

Nimm Mich zu deinem wahrsten Vater in dein Herz. – 28. Dezember 1845, Greifenburg.

Ich will segnen, die du segnest! – 12. Februar 1846, Greifenburg.

Dein Maß in Meinem Reiche. – 21. April 1846, Greifenburg.

Im Kreuze keimt das ewige Leben für Seele und Geist. – 11. September 1846, Greifenburg.

Beginn der Niederschrift des Werkes ‚Die Erde‘ unter dem Titel: Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung des Mittelpunktes der Erde. – 28. Dezember 1846, Graz. (Schluß des Werkes am 27. April 1847.)

Fragen zu Texten bei Markus und Johannes. – 3. Januar 1847.

Die Perle. – 31. Januar 1847.

Sorget nicht, die Sorge beschwert das Herz! – 14. Februar 1847.

Alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe. – 18. April 1847.

Eine Gabe für A . H. W. – 18. April 1847

Über den Wiedergeburtstag des Geistes. – 10. Mai 1847.

Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. – 18. Mai 1847.

Nähere Beleuchtung der vorherigen Parabel und eine neue Parabel. – 21. Mai 1847.

Du bist Petrus der Fels. 25. Mai 1847.

Deine Freunde und Brüder. – Erklärung der zehn Buchstaben in ‚Haushaltung Gottes‘, 1. Band, 3. Kapitel, 12. Vers nach ihrem geistigen Sinn – 27. Mai 1847.

Wer alles treibt Ehebruch, Hurerei, Geilerei und Unzucht? – 12. Juni 1847.

Noch einiges von der Menschen mehrfacher Klage. – 15. Juni 1847.

Das Stadtleben. – 21. Juni 1847.

Lazarus. – 26. Juni 1847.

Pontius Pilatus und das Traumgesicht der Tullia. – 28. Juni 1847.

Vom Lesen des Gotteswortes. – 2. Juli 1847.

Gleichnisse zur Gottes- und Selbsterkenntnis. – 13. Juli 1847. Nachmittag.

Die Verklärung Christi. – 22. Juli 1847.

Einleitung zu den Sterbeszenen. 27. Juli 1847.

Das rechte, lebendige Heilmittel. – 17. August 1848.

Mein Wort und der lebendige Glaube sind das beste Heilmittel. – 3. September 1848.

Befreiung. – 14. Oktober 1848.

Trost am Kreuze irdischer Leiden. – 18. November 1848.

Zum Heimgang einer Mutter. – 30. November 1848.

Euer aller Trost. – 2. Dezember 1848.

Drei Worte: Stehe, gehe, falle. – 13. Dezember 1848.

Stärkung der Nerven. – 17. Juli 1849.

Anfrage Jakob Lorbers wegen der geistigen Erscheinung des Herrn am Reinerkogel. (zur Zeit der Niederschrift des Jenseitswerkes ‚Robert Blum‘) – 4. Oktober 1850, nachmittags 1/2 5 Uhr.

Denkwürdiges am Reinerkogel. – 5. Oktober 1850

Jakob Lorber und seine Freunde im Gesichtskreise der heiligen Gesellschaft – 6. Oktober 1850

Brücke zwischen der Sinnen- und Geisterwelt – 24. Februar 1854

Sprüche der rechten Lebensweisheit. – 2. Januar 1855.

Nur eines tut not! – Anfang 1856.

Große Dinge benötigen eines großen Raumes. – 27. April 1856.

Sorget euch nicht! – 11. August 1856.

Wider den Zweifel und die Schwermut. – 17. September 1856.

Die wahre Lebensrichtung. – Im Jahre 1857.

Zum Verständnis der Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. – 20. April 1858.

Kürzeste Grundbelehrung des ewigen Wortes. – 10. Mai 1862.

Erklärung schwieriger Schrifttexte. – 17. März 1864. (Anmerkung)

Fragen über scheinbare Widersprüche in den verschiedenen Evangelien. – 17. März 1864.

Texterläuterung des Herrn.

„Ich bin nicht gekommen, euch den Frieden dieser Welt zu geben.“ (Texterläuterung des Herrn.)

„Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch ...“ (Texterläuterung des Herrn.) – 22. März 1864, von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags.

Über den Walfisch des Propheten Jona

Der Mensch ohne hochzeitliches Kleid (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)

Über den flüchtigen Jüngling (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)

Das Tausendjährige Reich. – 26. März 1864.

Die Lage der Orte in Palästina, die im Evangelium Johannes und im Alten Testament genannt sind. – 29. März 1864.

Über den Evangelisten Lukas – sein Evangelium und seine Apostelgeschichte. – 7. April 1864.

Unsere Erde kam aus der Urzentralsonne. – 8. April 1864, nachmittags von 1/2 4 bis 3/4 7 Uhr.

Über das Wesen des Phosphors. – 10. April 1864, nachmittags.

Über die Evangelien. – 24. April 1864, von 4 Uhr nachmittags bis 6 3/4 Uhr abends.

Die Entstehung des Neuen Testaments – geschichtlicher Überblick. – 25. April 1864, von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags.

Über die Wärzchen des Herzens und der Zehen. – 9. Mai 1864.

Anhang – Vaterworte in stürmischer Zeit

Meine Lehre lehrt Liebe und verbietet das Gericht. – 21. November 1847.

Ein Wort dem And.h. W. – 30. November 1847.

Seid wachsam! – 17. Februar 1848.

Sehet euch vor! – 4. März 1848.

Allerlei Wirren. – 19. März 1848.

Kommunalpolitische Ratschläge. – 21. März 1848.

Beten oder Flucht? – 25. März 1848.

Gefahrvolle Lage. – 4. April 1848.

Politischer Rat. – 7. Mai 1848.

Des Kaisers Flucht aus Wien. – 21. Mai 1848.

Die wahre Friedenssonne. – 14. Juni 1848.

An alle! – 11. Juli 1848.

Politischer Rat. – Über die Zeitverhältnisse – – 23. Juli 1848.

Politischer Rat. Sieh nicht zurück und wandle den Weg, wie er sich auch gestalte. – 3. August 1848.

Ein Zeichen am Himmel und seine Bedeutung. – 30. August 1848.

Gericht der Lieblosigkeit. – 1. Oktober 1848.

Friedensarche in geistiger Sündflut. – 17. November 1848.

Geisterkampf Gefallener. – 18. November 1848.

Ich allein kann wahrhaft nehmen und wahrhaft wieder geben. – 2. Dezember 1848.

Gottesbund im Völkergericht. – 30. Dezember 1848.

Parlamentarismus und Kaiserwahl. – 6. Januar 1849.

Über Papst Pius IX. – 13. Januar 1849.

Die zwei Kälber – Ein Gesicht. – Am 2. März 1849.

Es muß alles neu werden! Blick in die nächste Zukunft. – 5. März 1849.

Gedenkblatt zum 15. März. – 19. März 1849.

Das große Morgenrot oder der Voraufgang zur Ankunft des Herrn. – 6. April 1849.

Der Toten Rache. – 29. August 1849.

Ankündigung der Lichterscheinungen am 9., 13. und 27. November 1849. – 1. Oktober 1849.

Wehe den rachsüchtigen Siegern. – 13. Oktober 1849.

Thema: 1850. – 5. November 1849.

Lichterscheinungen. – 11. November 1849.

Geistesdruck und seine Folgen. – 8. März 1850 (in Jahring).

Geistige Gewitterschwüle. – 25. Mai 1850

Kriegsgewölk. – 2. Dezember 1850, nachmittags.

Staatsbürgerlicher Opfersinn. – 6. Dezember 1850. Nachmittag.

Neujahrssegen. – 31. Dezember 1861.

Die Musik. – 2. Mai 1840 um die Mittagszeit.

01. So ihr wollt wissen, was die Musik ist, so merket, was Ich euch sage, so wird euch klar werden manches, so nicht Musik, sondern Handlung der reinen Liebe ist in sich selbst – ohne der Hinzutat der Weisheit, sondern wie es ist in der Liebe in ihrer Blindheit. –

02. Siehe, ihr habt kein reineres Bild als die Musik (welche besser blinde Liebe heißen sollte) von der reinen Liebe in Mir, welche ist ein Zusammenfluß der sieben Geister der Gottheit, welche sich da vereinen in der gegenseitigen Begegnung ihres steten ruhigen Wallens.

03. Und diese Begegnung gebiert den Ton siebenfach nach der Beschaffenheit des sich selbst begegnenden Geistes, und der Ton wächst dann von dem Grundton fort und fort durch alle sieben Geister, und so hat dann jeder Geist seinen eigenen Ton nach der Ordnung der euch bekannten Leiter.

04. Und da aber ein jeder der sieben Geister durchdringt alle sieben, so sind auch alle sieben in jedem einzeln vorhanden und ergießen sich dann alle wieder einträchtig und wohlklingend ineinander, welches dann ist die große Wonne der Gottheit in ihrer Liebe.

05. Und so ist der Ton dann eine Schwingung, und diese Schwingung durchzittert die Geister, und die Geister erkennen sich, und das Erkennen gibt sich kund nach dem Verhältnisse der Schwingungen, und die Schwingungen werden wahrgenommen in der Liebe gemeinschaftlich, und diese Gemeinschaft ist dann die rechte Harmonie. Und wenn sodann in dieser großen reinsten Harmonie die Liebe wonnig erbebt, so strömt dann dieses Erbeben zurück in die Gottheit, und da gibt es dann ein Gedränge, und in diesem Gedränge erwärmen sich dann die Geister und entzünden sich dann in der Liebe, und dieses Entzünden ist das Licht, und in diesem Lichte werden erkannt die zahllosen Formen, welche entstehen aus den Schwingungen.

06. Nun wißt ihr, was der Ton und die Musik ist, wie sie entsteht und wozu sie und was sie ist. Und also ist sie euch auch gegeben als ein geheimes Zeichen schweren und großen Inhalts, das erst ganz gelöst werden kann in der reinsten Liebe zu Mir; und also sollt ihr sie auch lernen betrachten und gebrauchen und genießen in der Darbringung eures allerhöchsten Ruhmes und eures allertiefsten Dankes zu Mir, daran ja nichts Unreines mehr kleben soll.

07. Aber wie wird diese Gabe aus den allerhöchsten aller Himmel von euch gebraucht?! – O der großen Schande; Ich habe euch gezeigt durch Männer das Reine in Oratorien und Sinfonien, – ihr aber übergoldet damit Schmeißhaufen und tretet sie dann gar mit Füßen. Daher bedenket, was die Musik und wozu sie ist! – und entheiliget nicht die Wonne in Mir. – Ich die reinste Liebe in Gott Jehova Amen, Amen, Amen. – – –

Worte aus der Weisheit. – 25. Mai 1840.

Jakob Lorber bat den Herrn um einige Worte aus Seiner Weisheit.

01. Daher soll deine Neugierde gestillt werden; aber sehe zu, was dein Verstand begreifen wird aus Meiner Weisheit, die nie ein geschaffener Geist im geringsten Teile je erforschen wird ewig. So aber dir dein Herz schwer werden wird, dann gedenke, daß Ich nur durch Liebe zugänglich bin und ewig nie in der Weisheit Meines Verstandes. –

02. Das sind aber Worte Meiner Weisheit !!! – – –

02. I. Ich bin und bin nicht, Ich war und war nicht, und Ich werde sein und nicht sein die Ewigkeit ein Punkt unendlich eine Linie aus der Mitte der Enden ohne Enden mit Enden ohne Enden groß wie ein Nichts und klein wie die Unendlichkeit. – – –

02. II. Ich bin eine Vielheit im Nichts und bin nichts in der Vielheit, Ich bin ein unendliches Nichts, und die Unendlichkeit ist ein Nichts in Mir ewig in der Zeit und zeitlich in der Ewigkeit, damit Ich nicht Alles bin um Alles zu sein, und bin blind im Angesichte aller Dinge aus Mir, neben Mir und in Mir, damit ich Alles sehe, das Große klein und das Kleine groß, da es ist und nicht ist durch und durch!!! – – –

02. III. Ich bin ein Gott ohne Gott, Ich bin die Liebe ohne Liebe, Ich bin die Weisheit ohne Weisheit, ein ungeschaffenes Geschöpf in den Geschöpfen, die nicht geschaffen sind, und doch sind um geschaffen zu werden zu Nichts, um zu sein Etwas, und um Etwas zu sein, um Nichts zu werden durch Mich in sich und in sich ohne Mich, damit Ich sei Alles, um nichts zu sein, und Nichts sei, um Alles zu sein. So ist der Mensch, daß er nicht sei, um etwas zu sein in Mir ohne Mich aus Mir, damit er lebe und kein Leben habe um zu leben ewigzeitlich und zeitlichewig, räumlich ohne Raum, und unräumlich im Raume!!! – – –

03. Da hast du jetzt drei Worte Meiner Weisheit; aber denke nie darüber nach, da alles dieses für deinen Verstand ewig unerfaßbar bleiben wird. Denn so wenig du die Erde je wirst wie einen Ball in deine Hand nehmen und mit den Sonnen spielen wie mit Erbsen, – um noch viel weniger wird je ein geschaffener Geist diese drei Worte erfassen in ihrer ganzen Tiefe. Du brauchst dir deswegen auch nichts daraus zu machen; denn das Unmögliche ist selbst Mir unmöglich. Ich Jehova Die ewige Weisheit Gott Der Allerheiligste, Der Allerhöchste. Amen!!!

Die Erlösung. – 15. Juni 1840.

01. Das ist eine Frage an den L., H.1, H.1, S., welche sie tief in sich gehend in aller Ruhe ihres Herzens beantworten sollen, damit dann auch ihnen geöffnet werde ein kleines Pförtchen in die geheimen Gemächer ihrer Liebe, zu erkennen sich und Meine Liebe, und zu erbrennen in derselben gewaltig zu Mir, der Ich nur allein die Seele erlösen kann durch die Wiedergeburt des Geistes, und durch denselben dann der ganzen Kreatur.

02. Das aber ist die wichtigste und größte Frage: Wie bedingt das mosaische Gesetz die Freiheit des Willens durch Liebe, durch Liebe die Wiedergeburt, und durch die Wiedergeburt das ewige Leben? Warum war die Erlösung nötig an der Seite des mosaischen Gesetzes, da zur Wiedergeburt nichts als die Haltung des Gesetzes aus reiner Liebe zu Mir benötiget wird? Was ist somit die Erlösung, und inwieweit ist sie für den Menschen, und wie kann er Teil daran nehmen? –

03. Die Beantwortung dieser Frage wird jedem sehr schwer werden, der nur seines Verstandes Schärfe daran abzustumpfen wird versuchen; wer aber erbrennen wird in der Liebe und aller Demut zu Mir, der wird die volle Antwort finden treu in seines Herzens Kämmerlein. Meinem armen schwachen Knechte Jakob aber werde Ich die volle Beantwortung geben, damit ihr dann vergleichen könnt die eurige und prüfen euer Herz und die Tiefe der Gemächer der Liebe darinnen. Ich der große Meister in allen Dingen Amen. –

Antwort. (Die Erlösung.) – 17. Juni 1840.

01. Das ist die volle Antwort auf die von Mir am Montag gegebene größte und wichtigste Frage, deren Größe und Wichtigkeit erst in dieser gegenwärtigen Beantwortung leuchtend ersichtlich wird. –

02. Es ist nötig, damit die Antwort vollends eingesehen werden möchte, daß da gezeigt werde das Wesen des Menschen in dessen Natur- und geistiger Sphäre, ohne welche Vorkenntnis es umsonst wäre zu predigen, da das Ganze an den Geist nur gerichtet ist, der aber bei euch noch nicht lebend, sondern auf dem Wege ist, lebend in der Liebe, welche dessen Mutter ist, zu werden. Und damit eurem Geiste die erste Regung gegeben werde, gab Ich euch auch eben diese Frage, an welcher das Leben des Geistes, dessen Wiedergeburt, und sodann erst das ewige Leben in der allerhöchsten Freiheit beruht.

03. Seht, der Mensch ist zusammengesetzt aus einem naturmäßigen Leibe, der da ist ein Gefäß, darinnen sich durch die verschiedenen Organe eine lebendige Seele ausbilde; denn im Entstehen durch die Zeugung wird nur das alleinige Wesen des Leibes konstruiert. Und erst im siebenten Monate, wenn schon das leibliche Wesen organisch, wenn auch noch nicht ganz der Form, doch aber all den Teilen nach ausgebildet wird durch das vegetative Leben der Mutter, – so erst wird in der Gegend der Magengrube ein für eure Augen nicht wahrnehmbares, vom Zeuger herrührendes Bläschen, darinnen die Substanz der Seele enthalten ist, geöffnet und teilt sich dann dem ganzen Organismus durch die Verbindung der Nerven mit, umwandelt dann ein in allen Nerven vorfindliches magnetisches Fluidum in die seinige und dringt dann in aller elektrischen Schnelle bald auch in alle übrigen Organe, namentlich aber zuletzt erst in die Herzmuskeln, was gewöhnlich erst am siebenten Tage, bei einigen manchmal etwas später erst geschieht.

04. Dann fängt ganz langsam das Herz an sich auszudehnen durch die allmähliche Füllung der Seelensubstanz, und wenn es so nach und nach voll geworden ist gleich einer elektrischen Flasche, so entladet es sich dann in die Adern durch eine obere Kammer. Dieses entladene Fluidum teilt sich dann allen dort befindlichen Säften mit und zwingt sie in alle Gefäße und so auch dann die in den Gefäßen selbst vorhandenen Säfte zur Bewegung wieder in die Venen und durch dieselben wieder zum Herzen zurück, während welcher Zeit das Herz schon wieder geladen wird und die dahin kehrenden Säfte alsogleich wieder weiterbefördert.

05. Und so beginnt dann der Pulsschlag und die Zirkulation der Säfte und etwas später des daraus hervorgehenden Blutes. Dadurch nun bildet sich durch den derart bewirkten beständigen Verkehr und Austausch der Säfte und zwar den des Blutes die Masse des Leibes – und durch die in den feinen Säften enthaltene Substanz die Solidität der Seele elektro-organisch aus. Und wenn dann auch der Magen vollends ausgebildet wurde zur Aufnahme von gröberen Säften aus dem Leibe der Mutter zuerst, zur Unterstützung der an die Bestimmung verwendeten Säfte und des Blutes, dann wird der Mensch abgelöst von den Nährbanden im Mutterleibe und wird geboren in die Außenwelt, begabt mit fünf naturmäßigen äußeren Sinnen, um aufzunehmen die Sinnenwelt oder eigentlich die verschiedenen Substanzen, als des Lichtes, des Schalles, des Geschmackes, des Geruches und endlich des allgemeinen Gefühles, welches alles nun bestimmt ist, auszubilden die Seele und nach deren Bedürfnis wachsen zu lassen den Leib, was dann mehrere Jahre nacheinander geschieht. Und so sind nun zwei Menschen in einem, nämlich zuerst ein materieller und in dem ein substantieller.

06. Hier merket wohl auf, – gleich ungefähr drei Tage vor der Geburt aber wird aus der allerfeinsten und zugleich solidesten Substanz der Seele in der Gegend des Herzens ein anderes unendlich feines Bläschen gebildet, und in dieses Bläschen wird ein einst böse gewordener Geist, der da ist dem Wesen nach ein Funke der göttlichen Liebe, hineingelegt; gleichviel ob der Körper männlich oder weiblich ist, so ist doch der Geist ohne geschlechtlichen Unterschied und nimmt erst mit der Zeit etwas Geschlechtliches an, welches sich durch die Begierlichkeit kundgibt.

07. Nun ist aber dieser Geist noch tot, wie er schon in der Materie seit langen und langen Zeiten war. Da nun die Seele ein imponderables, substantielles Wesen ist, einfach und somit unzerstörbar, und ihre Nahrung erhält durch die Sinne des Leibes durch ihre nun nach und nach vollends ausgebildeten Sinne – als da sind: gleich den Ohren die Vernunft, gleich den Augen der Verstand, gleich dem des Geschmackes das Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes, dann gleich dem Geruche die Wahrnehmung von Gut und Böse und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle das Bewußtsein des naturmäßigen Lebens in ihr, welches bewirkt wird durch die beständigen Evolutionen der Säfte und von diesen absorbierten Substanzen –, so wird dann die Seele fähig zu denken, welches Denken eigentlich durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in ihren den des Leibes entsprechenden Organen bewirkt wird.

08. Wie aber zuvor die Säfte des Leibes zirkulierend die Wesenheit der Seele ausbildeten durch die ihr von der Außenwelt zugeführten Substanzen, ebenso soll und wird durch die Zirkulation der feinsten Substanzen in deren Organen der in dem Bläschen eingeschlossene Geist genährt so lange, bis er selbst reif wird, das Bläschen zu zersprengen und somit auch nach und nach alle Organe der Seele zu durchdringen – und wie die Seele im Leibe, so auch er in der Seele ein vollkommener dritter Mensch zu werden durch die Nahrung aus dem Denken der Seele, was auf folgende Weise geschieht:

09. Der Geist nämlich hat eben auch wie der Leib und wie die Seele entsprechende geistige Organe – als gleich dem Gehöre und der Vernunft die Empfindung oder die Wahrnehmung, gleich dem Lichte und dem Verstande den Willen, gleich dem Geschmacke und dem Behagen der empfangenen Eindrücke des Schalls und des Lichtes die Aufnahmefähigkeit alles Welttümlichen in entsprechenden Formen, gleich dem des Geruchs und der Wahrnehmung von Gut und Böse die Einsicht von Wahrem und Falschem und endlich gleich dem allgemeinen Gefühle und dem Bewußtsein des naturmäßigen Lebens die aus diesem allen hervorgehende Liebe.

10. Und wie nun die Kost des Leibes ist durch all die Sinne, so ist auch die der Seele und endlich auch die des Geistes. Ist die allgemeine Kost schlecht, so wird am Ende alles schlecht und somit auch verwerflich; ist aber die allgemeine Kost gut, so wird am Ende auch alles gut und annehmbar. Nun seht, das sind einmal die natürlichen Bestandverhältnisse zwischen Leib, Seele und Geist. Nun fragt sich, was da eine schlechte und was da eine gute Kost ist? –

11. Seht, alles Weltliche ist schlecht, weil es den Geist wieder zur Welt wendet, aus deren Todeskerkernacht Ich ihn der Materie entriß und gelegt habe in das Herz der Seele, damit er da wieder lebend und geläutert werde von allem sinnlich naturmäßig materiell Weltlichen, und damit er da endlich fähig würde zur Aufnahme des Lebens aus Mir. So nun ihm aber gereicht wird schlechte Kost, so wird er wieder weltlich, sinnlich und endlich materiell und dadurch tot wie vor der Geburt, – so auch die Seele mit dem Leibe, da sie dadurch selbst ganz leiblich geworden ist.

12. Wird nun aber gegeben dem Geiste eine gute Kost, welche ist Mein geoffenbarter Wille und die Vermittlung durch die Werke der Erlösung – oder Meine Liebe im Vollbestande durch den lebendigen Glauben, so wird in dem Herzen des Geistes ein neues geistiges Bläschen gestaltet, in welchem ein reiner Funke Meiner Liebe eingeschlossen wird. Und wie es früher ging bei der Zeugung der Seele und aus derselben der des Geistes, ebenso geht es auch mit dieser neuen Zeugung des Heiligtums. Wird es nun vollends reif, dann zerreißt diese heilige Liebe die lockeren Bande des Gefäßes und strömt dann wie das Blut des Leibes oder wie die feinsten Substanzen der Seele oder wie die Liebe des Geistes in alle Organe des Geistes über, welcher Zustand dann die Neugeburt genannt wird, so wie der der Einlegung dieses Lebensbläschens genannt wird die Eingeburt.

13. Und siehe, zu gleicher Zeit aber werden auch von der Hölle schon bei der Zeugung, besonders wenn diese als sündhaft auf rein tierische Befriedigung abgesehen war, eine Menge höllischer Liebe-Bläschen in der Gegend des Wanstes und der Geschlechtsteile gelegt, welche dann auch mit Meiner Liebe fast zu gleicher Zeit ausgeboren werden – wie die Raupen im Frühjahre, wenn die Wärme der Sonne kommt, so auch diese Brut durch die aufgehende Wärme Meiner göttlichen Liebe im Geiste des Menschen.

14. Seht, daher kommen denn auch die Versuchungen, da ein jedes dieser ausgebornen Wesen der Hölle unablässig Versuche macht, irgend wo nur immer möglich ins Leben der Seele einzugreifen. Und wenn dann der Mensch nicht kräftig mit der neugebornen Liebe aus Gott selbstwillig den Bestien entgegentritt, so strömen dann sie verheerend in alle Organe der Seele und setzen sich da gleich saugenden Polypen fest an den Stellen, da der Geist einfließen soll in die Seele, und verhindern so der Seele die Aufnahme des Lebens aus dem Geiste und so auch durch ihn das der göttlichen Liebe. So nun der Geist sieht, daß er sich nicht erweitern kann, um eine Fülle des neuen Lebens aus Gott in sich aufzunehmen, so zieht er sich wieder zurück in sein stummes Bläschen – und so in ihm auch noch um so mehr Meine Liebe, die da ist der Gott in den Menschen.

15. Und ist das in dem Menschen vor sich gegangen, dann wird er wieder rein naturmäßig und überaus sinnlich, und auch verloren, weil er nicht weiß, daß solches in ihm vorgegangen ist, da diese Bestien ganz gemächlich wohltuend anfangs die Sinne des Menschen bestechen und ihn so nach und nach ganz gefangennehmen, so daß er von allem, was des Geistes ist, lediglich nichts mehr weiß, hört, sieht, schmeckt und riecht und empfindet. Das ist dann eine Trübsal, dergleichen vom Anfange bis zum Zeitpunkt der Gegenwart nicht war – und auch hinfort nicht mehr sein wird, wenn der Mensch nun seine Zuflucht zu Gott nimmt äußerlich durch Beten, namentlich Meines Gebetes, durch Fasten und Lesen des Wortes aus der Schrift und dadurch eine große Sehnsucht bekommt, befreit zu werden aus der großen Trübsal.

16. Und hat der Mensch das ernstlich genommen, da er sieht in sich der finsteren Zweifel große Menge, so fange Ich dann an, von außen her zu wirken als ein Überwinder des Todes und aller Höllen durch die Werke der Erlösung und gebe dann dem Menschen aus Meiner Erbarmung Kreuz und Leiden nach Meiner Weisheit. Dadurch werden dann dem Menschen die Welt und ihre Freuden so bitter, daß er einen baren Ekel davor bekommt und sich zu sehnen anfängt nach der Befreiung aus dem Leben der Leiden. Und sieh, da nun dadurch diese Bestien keine Nahrung in der Seele mehr bekommen von der sündevollen Außenwelt, so werden sie dann schwach und vertrocknen beinahe ganz in den Organen der Seele und geraten dadurch ganz in einen sich unbewußten Zustand.

17. Da aber nun die außenwirkende seelenerlösende Barmliebe Jesu Christi in die kranken Organe sowohl des Leibes als auch der Seele einzufließen anfängt und erleuchtet die Organe und macht wahrnehmen der Seele in sich als mahnendes Gewissen der Sündenbestien Unzahl, dann erschrickt die Seele, was sich durch die Beklemmung des Herzens und auch wie durch eine innere Zusammenschnürung der Brust in der Magengegend kundgibt, und bittet dann in diesem demütigen Schmerze, welcher sich durch die wahre Reue ausspricht, zu Gott in der gekreuzigten Liebe um Gnade und Erbarmung, – und siehe, dann gewahrt es der Geist und fängt wieder an sich zu regen im Bläschen, dahin er sich zurückgezogen hat.

18. Dann werden dem Menschen durch die Barmliebe Gottes die Gesetze Mosis stark ins Gedächtnis ernst mahnend gerufen vom ersten bis zum letzten und wird ihm aufgetragen die strengste Befolgung derselben, damit er sich demütige und verleugne bis in den innersten Grund, und zwar aus derselben Ursache, als wie eine Wäscherin ihr Tuch so lange balgend in die engsten Gewinde preßt, damit ja selbst die kleinsten Schmutzteile durch das innehaftende Wasser beim Entweichen sollten mitgenommen werden, was so oft wiederholt wird, als nur noch irgendeine Trübe am Wasser bemerkt wird. Dann erst wird eine solche Wäsche unter die Strahlen der Sonne gegeben, damit dieselben noch den letzten Tropfen des Schmutzes verdunstend hinwegnehmen, so daß er dann von den reinen Winden nach allen Seiten vernichtet verweht werde.

19. Und seht, so sind die Gesetze Mosis aus Gott der Zahl nach 10, die eine Zahl Gottes ist, und zeigen, daß der Mensch zuerst glauben muß, daß Ich bin, so er in die Trübsal geraten ist, daß er dann vor Mir die höchste Achtung habe, ja daß er sogar glaube, daß er schuldig ist, aus den sieben Tagen den angeratenen Sabbat zu wählen und denselben zu heiligen in der Ruhe als einen wahren Ruhetag des Herrn, damit er sich lerne verleugnen und immer tiefere und tiefere Blicke in sich zu tun, um dadurch zu erkennen seine Einwohner und sich dann an Mich zu wenden, damit Ich sie auf die obenbesagte Art vernichte und austreibe aus seiner Seele Organe.

20. Und hat er sich bis dahin gedemütigt tief unter Meiner Größe Macht und Stärke, so kommt es nun auf das Wäschebalgen an – das ist und wird verstanden durch genaue Haltung der sieben noch übrigen Gebote, wodurch er sich sogar tief unter seinesgleichen erniedrigen soll, und soll gefangennehmen alle seine bösen Begierden, und solle brechen ganz und gar seinen Willen und untertan machen alle seine Begehrungen und selbst die leisesten Wünsche seines Herzens Meinem Willen; dann werde Ich kommen mit der Liebe und erwärmen die Wohnstätte seines Geistes, wie eine Henne ihre noch nicht ausgeborenen Küchlein. Und seht, dann wird der Geist, der sich früher schon hatte zu regen angefangen, durch die Wärme der göttlichen Liebe neu wieder ausgeboren und strömt wieder alsobald in alle Teile der gereinigten Seele über und schlürft begierig die außenwirkende Barmliebe aus den gereinigten Organen der Seele in sich, wodurch er dann kräftiger und kräftiger wird.

21. Und so nun dann die Liebe Meiner Erbarmung eingedrungen ist in die Tiefe seines Herzens, allwo noch das gar außerordentliche Bläschen der göttlichen Urliebe ruht, dann springt neu das rein göttliche Bläschen wieder, in dem verschlossen war das große Heiligtum der Liebe des ewigen heiligen Vaters, angeregt von der Liebe des Sohnes, die da nun erlösend gereinigt hat die Seele – und strömt dann, sich mit dieser ganz intim vereinend, alsobald in großer Klarheit gleich einer aufgehenden großen Sonne in den ganzen Geist über und somit auch in die Seele und durch diese auch in das gänzlich abgetötete Fleisch. Sodann wird der Mensch lebendig durch und durch, und dieses totale Lebendigwerden ist dann die Auferstehung des Fleisches.

22. Und so dann nun alles durchdrungen wird vom Vater, so wird dann der Sohn vom Vater aufgenommen in den Himmel, das ist in das Herz des Vaters; der Sohn aber nimmt den Geist des Menschen, und dieser die Seele, und die Seele aber den Leib, das ist, den euch schon bekannten Nervengeist, denn alles übrige sind nur Exkremente desselben.

23. Und so nun dann der Vater, das ist, die Liebe des Vaters waltend im Menschen wird, dann wird's licht im selben Menschen, da die Weisheit des Vaters nie getrennt ist von dessen Liebe, – so wird dann auch der Mensch wie voll Liebe, voll Weisheit und Macht und dadurch nun vollends wiedergeboren in aller Liebe und Weisheit. – Seht nun, welche Mühe, Langmut und große Geduld es Mich allezeit kostet, aus Tausenden kaum einen erlösen zu können, und wie oft werden selbst von einem solchen Meine Bemühungen verkannt, verachtet, geflucht und mit Füßen getreten, – und seht, doch lasse Ich nie ab, euch beständig zuzurufen: Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken! –

24. Doch den Tauben und Blinden ist hart predigen. Da sie sich in die Trübsal der Welt in vollstem Maße gestürzt haben und dadurch ihre Erde, welche ist ihr Fleisch, beschmutzt haben mit dem Fluchkote der stinkenden Hölle, welcher Gestank ist eine wahre Pestilenz der Seele, so muß Ich allzeit wieder eine Sündflut aus den Himmeln regnen lassen, worunter verstanden werden die bitteren Werke der Erlösung. Und ist dadurch dann wieder ganz gewaschen worden das fluchbesudelte Erdreich der Seele, und sind durch die Winde der Gnade wieder ausgetrocknet worden die Sümpfe und Moräste, dann erst ist wieder eine Möglichkeit vorhanden, euch wieder predigen zu können die Wege zum Leben aus Mir.

25. Und so Ich euch nun schon eine geraume Zeit predige, so folget Meiner Stimme und kehret zurück in den Stall Meiner geliebten Lämmer, damit Ich euch werde führen als der alleinige gute Hirt auf der Weide des Lebens und ihr Mir dann Wolle gebet, so weiß wie der Schnee, und Ich euch daraus dann bereiten werde ein Kleid, welches euch schmücken wird in alle Ewigkeit. –

26. Und nun betrachtet weiter den Verfolg dieser Meiner beantwortlichen Lehre und sehet:

27. Wenn aber ein Landmann hat einen kleinen Baumgarten und sieht, daß die Bäumchen darinnen sind lauter Wildlinge, dann denkt er sich, was soll ich tun? Reiße ich sie aus der Erde, so wird mein Garten leer werden, und so ich auch dafür andere hinsetze, so werden es anfangs auch nur Wildlinge sein, und vielleicht nicht einmal so kräftig wie die schon bestehenden. Somit will ich also diese sorgfältig reinigen von all dem bösen Gewürm und deren Nestern und will und werde dann zur rechten Zeit suchen edle Zweiglein von guten Bäumen darauf zu pfropfen. Und so werden diese Wildlinge, die sonst frisch und kerngesund sind, mit Hilfe von Oben gewiß noch alle zurecht kommen, die mir dereinst noch gewiß sicher recht viele gute, süße und edle Früchte bringen sollen. Und seht den klugen Landmann, da er tut, wie er sich weise gedacht hatte, und erhält dafür schon in wenigen Jahren eine reiche, freudenvolle Ernte.

28. Und seht, ihr Eltern seid lauter solche Landleute, auf deren irdischem oder leiblichem Grunde durch die sorglose hurenartige Weise in aller Unzucht Sodoms und Babels gänzliche und lauter Wildwüchse der Hölle entstanden sind. Daher sollt ihr hernach doppelten Eifers diese Gesträuche reinigen von all dem tausenderlei Ungeziefer, welches darin besteht, daß ihr die größte Sorgfalt verwendet auf all die Wünsche und Begehrungen, welche alle aus dem innewohnenden Höllengeziefer ihren Ursprung nehmen – und vertilget dieselben alle durch die wahre, von Mir euch schon klar angezeigte Weise, und beschneidet gleich anfänglich auch schon die nutzlosen Seitentriebe des öfter gut scheinenden, aber doch stets das Leben des Stammes schwächenden Eigenwillens, so werdet ihr bald einen gesunden und kraftvollen Stamm erzügeln. Und so dann die Zeit des Pfropfens kommen wird, das da ist die Bekanntmachung und Einpfropfung des aus Meiner höchsten Liebe ergangenen Gesetzes durch Moses, so werdet ihr unter Meiner kräftigen Mithilfe gewiß sicher erwarten können, daß eure auf diese Art gereinigten und sorgfältig gepflegten Wildlinge gewiß kräftig Meinen Willen ergreifen werden, nachdem ihnen der ihrige zuvor gänzlich benommen wurde, und werden aus demselben in kürzester Zeit in überüppiger Fülle die schönsten und wunderherrlichsten Früchte bringen aller Art, so ihr sie dazu eifrig noch begießen werdet mit dem Wasser des Lebens, damit ihre Häupter bald recht hoch zum Himmel emporwachsen möchten, wodurch sich dann ihr geistiger Gesichtskreis selig erweitern wird und sie dann stets mehr und mehr Gnadenlichtes einsaugen werden, welches in großer Fülle beständig ausströmt aus der Gnadensonne, welche entstanden ist durch das Werk der Erlösung, aus deren Lichte und Wärme alle Kreatur erst neu und endlich vollends wiedergeboren werden kann zum ewigen Leben.

29. Das aber ist die Erlösung, daß erkannt werde der heilige Vater und die Liebe, die – die ganze Welt sühnend und wieder heiligend – am Kreuze blutete und selbst den Missetätern durch den letzten Lanzenstich ins Herz der ewigen Liebe die heilige Pforte zum Lichte und zum ewigen Leben öffnen ließ. Und wie da einer sehend ward und lebendig im Glauben und in der Liebe, so können alle sehend und lebend werden im Glauben, welches ist der wahre Anteil an der Erlösung, damit dann das Bläschen der ewigen Liebe befruchtet werde von neuem durch die Strahlen der Gnadensonne und aufgehe in euch die alte Liebe des Vaters durch die Werke des Sohnes in aller Kraft und Macht des allerheiligsten Geistes aus Beiden in der reinen Liebe eures wiedergeborenen Herzens.

30. Was übrigens das Werk Meiner Erlösung bedeutet und ist, so sage Ich euch: Fürs erste ist es das allergrößte Werk der ewigen Liebe, da hierdurch Ich der Allerhöchste in aller Fülle Meiner Liebe und in der unendlichen Fülle Meiner Gottheit selbst Mensch, ja euch allen sogar ein Bruder wurde, die ganze Masse der Sünden der Welt auf Meine Schultern nahm und so die Erde reinigte vom alten Fluche der unantastbaren Heiligkeit Gottes; fürs zweite ist es die Unterjochung der Hölle unter die Kraft Meiner Liebe, die früher nur in der Macht der zornergrimmten Gottheit stand und somit entfernt war von allem Einflusse Meiner Liebe, welche aber ist die furchtbarste Waffe gegen die Hölle, da sie das allerblankste Gegenteil derselben ist, wodurch dieselbe auch schon bei der liebevollen andächtigen Nennung Meines Namens in eine ganze Unendlichkeit zurückgetrieben wird; und endlich fürs dritte ist sie die Eröffnung der Pforten des Himmels und ewigen Lebens und der getreue Wegweiser dahin; denn sie versöhnt euch nicht nur wieder mit der Heiligkeit Gottes, sondern sie zeigt euch, wie ihr euch vor der Welt erniedrigen müßt, so ihr wollt erhöhet werden von Gott. Sie zeigt euch ferner, alle Verspottung, Leiden und Kreuz aus Liebe zu Mir und euren Brüdern zu ertragen in aller Geduld, Sanftmut und Ergebung eures Willens, – ja sie lehret euch eure Freunde auf den Händen tragen und eure Feinde zu segnen mit der göttlichen Liebe in eurem Herzen. –

31. Da nun also die Welt aber nichts ist als die blanke Außenform der Hölle und die durch die Erlösung wieder gesegnete Erde auf diese Art zum abermaligen Träger der Hölle würde, so hat sich die Welt über die Erde erhoben und wohnt in hohen Gebäuden im Glanze der Selbstsucht, des Selbsttruges, der Eigenliebe, Prachtliebe, Wollust, des Wohllebens, des Reichtums, des Geizes und des Wuchers und der allgemeinen eigennützigen Herrschsucht. Damit nun aber die Erde nicht schmählich wieder beschmutzt werden möchte, so ist sie gewaschen und geheiligt worden durch das Blut der ewigen Liebe. Und wenn auch irgendwo die Schlange sich ihres Unrates entledigt entweder durch Kriege oder durch Rechtshändel, oder durch Räubereien, oder durch Unzucht, Hurerei, Gottesleugnung und Ehebrecherei, naturmäßig und geistlich, – so wirkt dann alsogleich die erlösende Sündflut der gekreuzigten Liebe durch Erweckung von Männern und Sehern Gottes, die dann wieder den Unrat der Schlange vertilgen von der Erde, nachdem sie denselben aufsuchen und in die Vorratskammern der Weltgroßen werfen. Dann ergötzet sich das Weltherz an solchem Schatze, – aber Meine Kinder müssen dann eine kleine Zeit Not leiden, da die Erde auf diese kurze Zeit unfruchtbar wird. So sie aber dann sich flüchten unter Mein Kreuz und hören Meine Stimme reden vom neuen Leben durch den Mund oder durch die Feder Meiner Seher und begießen das mager gewordene Erdreich fleißig mit dem Wasser aus dem Brunnen Jakobs, dann wird die Erde gleich wieder gesegnet und trägt Früchte von der allerschönsten Art, – und diese Früchte sind dann wieder der Anteil am großen Werke der Erlösung, vollbracht am Kreuze.

32. Schließlich muß Ich euch, namentlich den Eltern, diesen Meinen göttlich väterlichen Rat noch hinzufügen, daß ihr eure Söhne ja nicht eher ehelichen lassen sollet, und wären sie auch in allem weltlichen Erhaltungsvermögen dazu wohl versehen – sei es im Amte oder Habe, bevor sie nicht wenigstens zur Hälfte wiedergeboren worden sind, damit dann ihre Weiber durch sie geheiligt werden möchten, um gesegnete Früchte zur Welt zu bringen, die da bald selbst ein Segen des Himmels einer ganzen großen Generation leicht werden, wodurch ihr euch dann ein großes Reich gleich dem des Abraham in den Himmeln gründen werdet, worüber ihr euch freuen werdet ewig mehr und mehr über die stets sich mehrenden Herrlichkeiten, hervorgehend aus eurem gesegneten Samen.

33. Eure Töchter aber gebet Meinen Söhnen, die da sind gekommen aus Meiner Liebe zu euch und haben auf der Welt Mich wohl erkannt, und haben sich ziehen lassen von Meiner Liebe und leiten von Meiner Weisheit, und allezeit hören Meine Stimme und ihre Augen geheftet haben nach Meinem Herzen. Dadurch werdet ihr Mich zum segnenden Schwiegervater eurer Töchter machen. Und Ich sage euch, da ihr Mich dadurch gemacht habt zum nächsten Anverwandten, so könnet ihr euch wohl leicht von selbst denken, daß Ich Meine Mitschwieger dereinst nicht werde zugrunde gehen lassen; und so Ich sage, daß sie in Meinem Hause wohnen werden und an Meiner Haustafel speisen sollen allezeit und gewiß große Freude haben mit den überschönen Enkeln Meiner lieben Söhne und ihrer durch sie gesegneten Töchter, und so sie an Meiner Vaterhand geführt werden in alle Meine Reiche und da schauen werden Meine großen Herrlichkeiten, – dann erst werden sie es fassen, was das heißen will, Mich zum Mitschwieger zu haben!!! – – –

34. Nun sehet, das ist eine vollständige Beantwortung. Sie ist zwar nicht gelehrt, aber was viel mehr ist, sie ist euch aus der Quelle der ewigen Liebe und Weisheit eures heiligen überguten Vaters in aller ewigen Wahrheit treu gegeben gleich einem großen Lichtstrome, einer großen Sonne am hohen Morgen entströmend, der euch durch und durch leuchten wird, so ihr ihn erst nach und nach ganz aufgenommen haben werdet in euren noch ziemlich unerhellten Herzen, was ihr um so deutlicher empfinden werdet, so ihr eure noch sehr schwachen Antworten dagegenhalten – und daraus gewiß klar ersehen werdet, wie viel euch noch mangelt, und wie tief ihr schon in euch gedrungen seid. –

35. Endlich sage Ich euch aber noch, daß eure Antworten tiefer sind als eure Herzen; denn Ich habe sie, eurem besseren Teile angemessen, euch unbewußt in euer Herz gelegt. An Meiner Antwort werdet ihr erst das Wahrzeichen finden, so ihr dadurch in eurer Antwort einen tieferen Sinn entdecken werdet, als welchen seichteren ihr hineinzulegen gedachtet. – Das aber wird euch ein sicheres Zeichen sein, wie tief Ich in euch und wie seicht ihr noch in Mich gedrungen seid.

36. Darum kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, denn Ich will euch alle erquicken und vollmachen mit Meiner Gnade Amen. Ich die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen. – – –

Der Engel. – 23. Juni 1840.

01. Hier will Ich euch ein erhabenes Nebenwort geben, damit ihr sehen sollet die Größe eines Fünkchens Meiner ewigen Liebe unendliche Stärke, Macht, und der Gottheit urewige Kraft und Heiligkeit in Mir, und dadurch aber auch eure euch so heilsame Nichtigkeit in allem, was ihr seid, tut, macht, denkt, schreibt und dichtet aus euch. Zugleich aber sollet ihr auch daraus ersehen, was ihr werden könnet durch Mich.

02. Doch, was Ich euch hier sagen werde, sollet ihr vernehmen in einem bescheidenen Liede nach des Himmels höchster Weise. Und werden da auch der Rede erhabenste Formen gestalten den Neubau einer Überweltgröße, so sollet ihr das nicht, wie bei menschlichen Liedern, für einen poetischen Schwung halten; denn bei Mir gibt es keinen solchen, sondern nur die allerreinste Wahrheit, und Mein Name ist schon für sich der allerhöchste Schwung alles Singens.

03. Nun folget das Lied, und das Lied ist ein Engel, und der geht aus Mir, und bringt euch eine gute und übergroße Botschaft, wie da folget:

03. 1 / An aller Welten Sonnen fernstem großen Morgen stand / ein großer Engel, streckend seine nackte Riesenhand / in Meiner Weltenschöpfung endlos tiefer Tiefen Mitte, / und wollte eine Sonne da aus ihrem Leuchtgebiete / gleich einem Herzen kühn aus aller Welten Mitte reißen / und sie dann, gleich so einer Nuß, in seinem Mund zerbeißen.

03. 2 / Und dieses tät er bloß, um zu versuchen seine Kraft, / die er sich hat aus Meiner Liebe gar getreu verschafft. / Doch dachte er bei sich nach wohlgeratner Engelsitte: / „Was soll ich das versuchen, da ja unter meinem Tritte / schon mehr als Millionen solcher Sonnentrümmer ruhn, / deshalb will ich besinnen mich und etwas Größ'res tun.

03. 3 / „Ich will daher mein Auge drehen hin zum großen Morgen / und da für meine Sehe hellsten Glanzes Strahlen borgen, / um zu erschauen dann aus aller Welten nicht'gem Staube, / bevor noch wird ein solches Stäubchen kurzer Zeit zum Raube, / ein Stäubchen, welches einst das Allerhöchste hat getragen, / Des Namen wir mit unsrer Zunge nicht zu sprechen wagen.

03. 4 / „Denn will ich Großes sehen, um mich selbsten zu erbauen, / so kann ich ja in meiner großen Brüder Werkstatt schauen, / wo sie in aller Liebe eine Ruhestätte planen / für ausgedienter Welten-Reste tote Riesenmanen, / wie auch der Alle fernbegrenzte große Hülsengloben, / in deren jeder Milliarden Sonnen sind geschoben.

03. 5 / „Auch ist das Messen dieser Räume eine wahre Lust, / da dann vergrößert wird die kleine Welt in unsrer Brust. / Was sind sonst tausend solcher Alle meiner Augen Blicken, / da selbes Milliarden solcher Globen nicht entzücken? – / Wohl aber sind die Räume zwischen dieser Hülsen Heeren / zu messen eine Lust in ihres Lichtes tiefen Meeren.

03. 6 / „Denn wenn man so von einer Hülse hin zur andern mißt / und da der großen Ferne wegen seiner selbst vergißt / und denkt: Wie klein doch so ein Räumchen gegen einen Funken, / der aus des Herrn Auge ist als Weltenstoff gesunken! – / o dann möcht' ich zum kleinsten aller Weltenstäublein werden, / ja selbst, so möglich wäre, gar ein Menschenkind auf Erden! –

03. 7 / „Und so ich ferner denke über Gottes ew'ge Größe / und so vergleiche meines Engelwesens nicht'ge Blöße, / so steigt dann tief aus meines weiten Herzens Lebensgrunde / ein großer Lichtgedanke mir zu einer großen Wunde, / daß ich dem Herrn auch nicht im Kleinsten je werd' gleichen, / solang selbst Weltengloben meiner Größe müssen weichen!

03. 8 / „O was ist aller Wesen Engels-Größe, Macht und Stärke, / so sie nicht schauen kann des Herrn kleinste Liebeswerke! / Was nützt, mit starren Blicken messen die Unendlichkeit / und zählen aller Globen Heere in die Ewigkeit, – / wenn man sich dadurch Gott doch niemals nähern kann und wird, / und so das Größte aller Größen durch die Größ' verliert. –

03. 9 / „O dann fall' nieder ich auf meine Knie und rufe laut, / so daß vor meiner Stimme einer Welten-Unzahl graut: / O großer Gott in Deiner Himmel unermessnen Höhen, / erhöre gnädig eines Engels, Deines Dieners Flehen! – / Ich möchte gar so gerne Deiner Liebe Wohnung sehen / und wie da meine toten Brüder wieder auferstehen!

03. 10 / „O nimm mir meine Größe, Herr! und mach' mich möglichst klein, / damit ich da, wo Deine Kinder, könnt' bei ihnen sein / und zeigen da von Deiner Allmacht großen Dingen – / und dann mit ihnen froh von Deiner heil'gen Liebe singen / und als ein Bruder führen sie nach Deinem heil'gen Willen / und leiten sie in unsrer Weise liebend stets im stillen!

03. 11 / „Und ist auch Deine Liebe stets den Kleinen zugewandt, / so denk – auch ich ging klein dereinst aus Deiner Schöpferhand / und wurde groß als Weltenlenker ja nach Deinem Willen / und führte, wie Du siehst, dieselben stets nach Deinen Zielen; / daß ich ein wenig groß gedacht hab' jüngst von meiner Kraft, / dafür, o Herr, hast Du mich ja schon liebevoll bestraft! –

03. 12 / „Nun wende wieder Deine Barmherzigkeit zu mir / und mache mich zum Menschen auf der kleinen Erd' dafür, / damit auch ich so klein, wie sie, Dich einst dürft' ‚Vater‘ rufen / von den Dir wohlgefäll'gen allerg'ringsten Gnadenstufen! / O Herr! Erhöre Deines großen Dieners fromme Bitte / und mach' mich klein und setze mich in Deiner Kleinsten Mitte!“ –

03. 13 / Und sieh, so hörte Ich des großen Engels Klageworte / erschallen laut, daß seiner Stimme Ton ins Herz Mir bohrte, / und ließ darauf durch eines sanften Donners fernes Rollen, / so einem Echo ähnlich, seine Bitte wiederholen – / zum Zeichen, daß Ich seine Wünsche alle wohl vernommen, / und bin denselben, wie sich zeigen wird, zuvorgekommen.

03. 14 / Denn während er noch betend lag auf seinen breiten Knien, / hab' Ich schon einem Weibe hier die hohe Gnad' verliehen / und hab' in ihr für einen Menschen schon gelegt den Samen, / bevor zu Meines Engels Ohr gedrungen ist das Amen; / und als das große Amen er vernommen in den Räumen, / so sah er auch die Erde schon zu seinen Füßen säumen!

03. 15 / Und sieh, da nahm die Erde er behutsam in die Hand / und drückte einen Kuß auf dieses Mir so teure Pfand. / Und als er dieses hat getan in liebendem Entzücken, / so lag die Erde auch schon ganz enthüllt vor seinen Blicken – / und sah zugleich ein Weib gar schön, die ihm entgegenkam, / und sah, wie sie als Mutter ihn sogleich ins Herz aufnahm. –

03. 16 / Und als er nun im Herzen seiner Mutter sich bewegte, / da er die Engelsarme liebend aus demselben streckte, / da kam ein andres Weib, die Engels-Mutter zu begrüßen, / und wie's mit deren Frucht wohl stünd', das wollte sie auch wissen. / Eh' aber noch die letzte öffnen konnt' zum Gruß den Mund, / so sprach in erster schon der Engel laut und gab ihr kund:

03. 17 / Indem im Herzen er auf diese Weise hat begonnen / zu reden an: „O Mutter! Sieh die Mutter aller Sonnen, / sie trägt in ihrer Brust, was alle Himmel nicht umfassen! – / Daher, o Mutter, sollst dich nicht von ihr begrüßen lassen! / Denn Der mich einst zum großen Weltenlenker hat gemacht, / hat eben freundlich mich aus ihrem Herzen angelacht.“

03. 18 / Und als die Mutter klar im Herzen solches hat vernommen, / ward sie von Füßen bis zum Kopf ganz durch und durch beklommen. / Da merkte es die Mutter Meines Leibes reinstem Wesen / und konnt' ihr selbst nicht ein so großes Rätsel lösen. – / Und sieh, da fing die Liebe Gottes sich in ihr zu regen / und sprach: „Johannes, schweige noch von Meiner Mutter Segen!

03. 19 / „Es kommt gar bald die Zeit, in der vor Mir du werdest gehen, / um zu bereiten Meine Wege und ein Land zum Stehen. / Da wirst du viele taub' und blinde Menschenkinder finden, / und denen erst sollst du von Meiner Ankunft laut verkünden, – / daß Ich als Gottes Lamm gekommen bin in ihren Plagen, / um aller Menschen Sünden schuldlos treu für sie zu tragen!

03. 20 / „Und wie du groß warst auch in deiner Engels-Wirkungssphäre, / so war doch jene Größ' ein Tröpfchen kaum zu der im Meere, / in welcher sich dein Herr, vor Dem die Weltenräume beben, / als Bruder dir zu sehen gibt in schwacher Menschen Leben, / damit das Schwache möcht' durch Meine Lieb' gestärkt erstehn, / wenn auch die Welten alle einst durch Meine Macht vergehn!“ –

03. 21 / Und sieh, da fing vor Freuden an im Mutterleib' zu hüpfen / Johannes, da er sah mit – – – Nichts sich Meine Größe knüpfen. / Maria aber, Meines Leibes Mutter reinsten Herzens / bemerkte es gar bald, wie die Elisabeth voll Lebens / errötete, da sie gedachte ihres Alters Standes / und auch der Sitte alter Weiber des Gelobten Landes.

03. 22 / Da sprach Maria ganz gerührt in ihrer lichten Seele: / „Elisabeth, du schämst dich ja auf dieser heil'gen Stelle? – / Bedenk, was uns geworden ist von Gottes höchsten Gnaden, / das soll sich nimmer rot in allzu großem Schame baden; / denn was in deinem Leibe hüpft vor übergroßen Freuden, / ist groß vor meinem Leben – darum freue dich bescheiden!“

03. 23 / Elisabeth, sich wohl gemahnend vor Marias Höhe, / gedachte wohl, wie es mit ihr und mit Marien stehe – / und fiel darob auf ihre Knie nieder vor der Reinen / und fing vor übergroßen Freuden liebend an zu weinen / und sprach: „O Mutter voll der Gnaden, sei hoch benedeiet / und deine Frucht, durch welche wird die Welt vom Fluch befreiet. –

03. 24 / „Denn was ich trage unter meinem Herzen, ist gar klein; / wie könnt' es auch, und wär' es weltengroß, noch etwas sein / vor deiner Gnade, deren Größe alle Himmel nicht / umfassen mögen und ertragen ein so helles Licht, / das noch, wenn alle Sonnen schwinden, allen hell wird lichten, / die treuen Herzens sich nach seinen Wegen werden richten.

03. 25 / „O Gott! Woher kommt mir wohl diese unbegrenzte Gnade, / daß die Mutter meines Herrn mich über steile Pfade / besucht, nicht scheuend hoher Berge Zinnen, noch die Ferne!? – – / Es leuchten wohl ganz unbegreiflich hell die lieben Sterne / am hohen Himmel dort, und auch dem Laub der fetten Palmen / entsäuselt, ganz verständlich mir, ein Lob in hohen Psalmen!

03. 26 / „O Mutter! nun begreif' ich erst in meinem Herzen klar, / die ganze große Erde bringet dir ein Opfer dar, / was recht und billig ist, da niemand es begreifen wird, / wie uns, dem armen Volke, die wir schwach und ganz verwirrt, / in unsrer Nacht der Sünden konnt' ein solches Wunder werden: / Der Herr, Gott Abrahams, nimmt an die menschlichen Beschwerden!“

03. 27 / Und sieh, da trat Maria hin zur Mutter des Johannes / und sprach: „Elisabeth! – am wüsten Ufer des Jordanes / wird das, was du im Herzen trägst, zur Stimme eines Rufers / und wird da ebnen Steige längs des Flusses stein'gen Ufers, / er wird, wie da geschrieben steht, der Engel sein des Herrn / und wird zur Wassertauf' die Buße streng vom Volk begehrn.

03. 28 / „Und so, o glaube mir, wird anfangs nur durch ihn bestimmt / erkannt das Lamm, das aller Welt die Sünden hinwegnimmt. / Und da wird auch geschehen, daß der Herr von ihm auf Erden / im Wasser unter offnem Himmel wird getaufet werden. / Da werden er und viele, die da horchten seinen Lehren, / ein großes Zeugnis von dem Lamme aus den Himmeln hören.

03. 29 / „Und werden sehen da den Geist vom Himmel niedereilen / und selben leuchtend überm Haupte unsres Herrn weilen, / und werden sehen Gott sich mit dem Menschen vollends einen, / damit befreiet würd' die Welt von aller Sünden Peinen! – / damit auch, der mühselig und beladen ist geworden, / befreiet werde aus der Hölle und von deren Horden.

03. 30 / „Und nun, Elisabeth, vernehme heiter noch zum Schluß / aus meinem Herzen einen dir noch unbekannten Gruß: – / ‚Johannes, Mein getreuer Engel aus des Lichtes Sphären! / Wie einst die Sonnen du nach Meiner Ordnung mußtest kehren, / so sollst du bald die Herzen Meiner Kinder Mir bereiten / und mutig wie ein Löwe gegen alle Höllen streiten.

03. 31 / „‚Denn sieh, von allen, die geboren waren und noch werden, / war keiner größer je, wie du, von Mir gesandt auf Erden; / denn alle Väter und Propheten in dem heil'gen Lande / hab' Ich erwecket aus der kleinen Engel Liebesstande. / Du aber bist gekommen in das kleine Israel – / ein Fürst der Engel, leuchtend mit dem Namen Michael!

03. 32 / „‚Doch sieh, und wer auch klein wird heißen einst in Meinem Reiche, / wird größer sein wie du als Fürst ohn' allem Maßvergleiche! / Und willst du groß auch werden, wie die kleinsten Kinder hier, / so mußt auch du wie sie geboren werden neu aus Mir; / denn sieh, von nun wird jeder Engel müssen hier auf Erden / gleich Mir dem Schöpfer wohl ertragen menschliche Beschwerden.

03. 33 / „‚Und wer sich scheuen wird, zu wandeln Meiner Liebe Wege, / und nicht betreten wird der Engel harte schmale Stege, / der wird, wie du dereinst, nur tote Weltenbahnen schlichten; / doch einer neuen Schöpfung Lebensfülle Anker lichten, – / o sieh, wird nimmer einem urgeschaffnen Engelsgeiste / gegeben, als nur dem, der an dem Kindertische speiste,

03. 34 / „‚den Ich auf dieser Welt den Kindern reichlich geben werde. / Mein reicher Tisch wird sein, o höret ohne Angstgebärde! – / ein schweres Kreuz auf dieser Erde, da ein Makelfreier / den Menschen lichten wird der Höllennächte Sündenschleier / und waschen wird die Erde von dem Kot der Satansbrut / mit seinem unter bittrem Leiden still vergossnen Blut. –

03. 35 / „‚Durch dieses werden Menschenkinder vollends neugeboren – / und Engel nur, wenn sie Mein Kreuz sich haben frei erkoren / und sind aus ihrem alten Himmel auf die Erd' gestiegen, / um da für sich, wie Ich für all', die Hölle zu besiegen. / Dadurch erst werden sie dann Mir und Meinen Kindern gleich, / zu nehmen gleich den Kindern das von Mir bereit'te Reich.‘

03. 36 / „Und nun spricht ‚Amen‘ Gott in meines Herzens Lebensfülle, / und jedes Wort, das nun geflossen ist in aller Stille, / sei dir ein großes Siegel der Verschwiegenheit und Treue / von dem, was dir gesagt nun ward aus meines Herzens Freie. / Denn sieh, durch mich gab dir der Herr zu merken Seinen Willen, / so auch behalte ihn und handle, ihm getreu, im stillen.“ –

03. 37 / Und sieh, nachdem Maria dieser Rede gab den Schluß, / da bot Elisabethen sie die Hand zum Abschiedsgruß / und ließ die Hochbetagte so in stiller Andacht ruhn – / und eilte schnell nach Haus, um wieder Gutes da zu tun. – / Und als des halben Weges sie gegangen war am Morgen, / so fing sich Joseph nun daheim für sie gar stark zu sorgen.

03. 38 / Er ließ die Arbeit stehn und sattelte die Eselin, / um seinem Weibe, seines Herzens reiner Königin, / entgegen eil'gen Laufes über Ebnen, Berg' und Graben, / auf Mich vertrauend, wohl bepackt mit Früchten, sorglich traben. / Doch eh' Mein lieber Joseph sich erfertigt hat zur Reise, / da hielt Maria ihn gefangen schon in ihrem Kreise, –

03. 39 / den sie geschlungen hat mit ihren überweichen Armen / um ihn, der sich gesorgt für sie, mit ihrer Lieb' zu warmen. / Und Joseph, als er dies gewahrte, fing er an zu weinen, / denn er ward freudetrunken ja nun wieder bei der Seinen, / die er erst jüngst aus Furcht verlassen wollt' in reiner Liebe, / da er nicht konnt' begreifen Meines Segens frühe Triebe! –

03. 40 / Dieselbe drückt nun Joseph treu an seine weite Brust, / ganz eingedenk der hohen Gnad' in ihr – und wohl bewußt, / was ihm erst kurz vorher ein Engel hat getreu verkündet, / indem er sagte: Joseph! fürchte nicht, die dir verbündet / ganz rein von Oben ward; denn was in ihr lebendig ist, / von Gott gezeugt, sollst Jesus heißen du, das ist der Christ. –

03. 41 / Darum war auch der reine Joseph sehr ergriffen, / da er nun sah Mariam voll von höchsten Gnaden triefen / und sah die hohe Reise-Müde liebend ihn umfangen – / und hörte, wie die Engel hohe Psalmen um sie sangen; / in seiner Liebe engem Kreise sah er sich verschlungen, / von aller Engel weiten Reih'n als Glücklichster besungen.

03. 42 / Da fiel aus großer Liebe nieder er vor Meiner Gnade / und preis'te seinen Gott in dieser neuen Bundeslade / und sprach: „O Herr, nimm gnädig auf die Arbeit meiner Hände / und gib mir altem Manne Kraft als eine Gnadenspende, / damit ich Dir und Deiner Mutter schaffen könnte treu / ein nahrhaft Brot in aller Liebe, ganz von Schulden frei! –“

03. 43 / Und was er treu von Meiner Gnad' sich traulich hat erbeten, / ward ihm gewährt in allen Orten, die er mußt' betreten. – / Nun seht, Ich gab euch hier in dieses Liedes rechten Zeilen / gar deutlich zu verstehen, wo ihr gerne sollt verweilen, / so werd't auch ihr erfahren Meiner Engel weises Trachten / und werd't wie sie gar bald die Weltengröß' um euch verachten. –

03. 44 / Was würde euch wohl nützen selbst ein noch viel größ'res Wesen / als des euch schon bekannten Engels, – könnt' es euch erlösen? / Und könnt' es euch wohl aus des Todes harten Banden reißen? / Denn seht die großen Welten dort in ihren Bahnen gleißen / und sagt, wozu die toten Massen einem Geiste wären? – / Ich sag': zu nichts, als nur den Tod im weiten Kreis zu mehren!

03. 45 / (Und nun macht eure Augen auf und horchet mit dem Herzen, / da ihr schon wißt, daß ich in Liedern selbst nie pfleg' zu scherzen, / so will Ich euch noch hier ein übergroß Geheimnis lichten / und so in euch des Irrtums Allergrößtes rein vernichten, / euch zeigen Meiner Wunder Größtes klar in reinsten Zügen, / damit ihr sehet, wie die Großen sich gar sehr betrügen.)

03. 46 / (Nun seht, vor der Erlösung war die Hölle bis zur Liebe / des großen Gottes vorgedrungen gleich dem tücken Diebe, / der so bei sich gar heimlich dächt': Könnt' ich ins Haus nur schleichen, / ich würd' mein Ziel ohn' große Müh' gar sicherlich erreichen! / Ist nur die Liebe mit der List von ihrem Sitz vertrieben, / das andre wird sich fügen dann nach unserem Belieben. – –)

03. 47 / (Die Liebe aber merkte solcher Räuber tückes Sinnen / und wußte weise ihrer List aus Liebe zu entrinnen. / Die Erd', vom Satan meistverhaßter Platz, ward auserkoren / von Mir, um auf derselben alles, was da war verloren, / durch Meine Kleindarniederkunft getreulich wiederfinden / und so in Meiner Liebe da ein neues Reich zu gründen. –)

03. 48 / (Und da der Satan gar gewaltig sich geirret hat, / da ward's ihm bange, da er nicht vollführen konnt' die Tat, – / und sieh, da suchte er Mich auf in aller Schöpfung Räumen / und fand als Menschen Mich allhier bei Meinen Kindern säumen. / Da dachte er Mich Schwachen – durch Versuchungen zu locken; / doch nur ein Blick von Mir hat seine Macht gebracht ins Stocken!)

03. 49 / Denn seht, vor Meiner Werdung durch das Barmwort zum Fleische, / ihr könnt' es glauben, denn Ich red' zu euch ohn' alle Täusche, / war Mein' und aller Geister Wohnung über allen Sternen / erhaben, ja für euch in unbegreiflichst großen Fernen, / und war dadurch die ganze Welt, um euch es zu erschließen, / gleich einem Schemel unter Meiner Gottheit heil'gen Füßen. –

03. 50 / So ging denn auch von Meiner allerhöchsten heil'gen Höhe / durch aller Geister Heere in die Welten Meine Sehe, / so auch Mein Wort ward stets getragen nur von einem Engel, / um irgend einer Welt dadurch zu zeigen ihre Mängel / und auch zu offenbaren irgend einem frommen Manne / der ew'gen Liebe da noch sehr geheim gehaltne Plane. –

03. 51 / Nun sehet und begreifet wohl des Satans Zorntücken! – / In seinem Zorngrimm hat er Mich wollen ganz erdrücken, / und schlüg's ihm fehl, so würd' er Mich von einer Ewigkeit / zur anderen verfolgen bis in die Unendlichkeit. / Dadurch hätt' er zum Herrscher aller Welten sich bestimmt / und hätt' auch alles, was da lebt, nach seinem Fluch gestimmt. –

03. 52 / Und so er das erreichet blind in seinem Wahne hätte / und hätt' verdrängt der Gottheit Lieb' aus ihrer heil'gen Stätte, / so hätt', bedenkt es wohl, die Gottheit sich ergrimmt entzündet, / und all's vernichtend dann sich neu mit ihrer Lieb' verbündet; / sodann wär' ewig nie mehr irgend was erschaffen worden / und all's Vernicht'te blieb' erstarrt in Gottes ew'gen Norden! –

03. 53 / Allein als solches schon die Gottheit hat bei sich beschlossen, / da dauerte der Liebe, daß sie ganz in Leid zerflossen, – / und sieh, da merkte es die Gottheit stark in ihrer Mitte / und sprach zu Mir: Wozu das Leiden, und wozu die Bitte? / Soll Meine Heiligkeit noch länger allen Teufeln dienen? / Daher will morgen Ich an dem Zerstörungswerk beginnen! –

03. 54 / Und sieh, da sprach die Liebe in den Zeiten, die ihr kennet, / da Abrahams, des Frommen, euch von Moses wird erwähnet: / „O Vater! Hab' Erbarmen mit den Kindern Deiner Liebe, / und laß besiegen ihr durch Demut alle bösen Diebe / und gründen Dir, o Vater, eine neue heil'ge Stätte / und so zerstören aller Teufel böser Rotten Kette! –

03. 55 / „Denn sieh, o Vater! tief in Meines Herzens inn'rem Grunde, / es sei den Völkern auf der Erde heute noch zur Kunde, / will Ich, o Vater, eine heil'ge Stätte Dir bereiten, / will Selbst gen alle Macht des stolzen Höllenfürsten streiten, / will alle unsre Feind' besiegt zu unsren Füßen legen, / und keine Macht soll je die Heiligkeit in Dir anregen. –

03. 56 / „Ich Selbst will nun hinab zur Erde schmalsten Weges gehen / und da aus eines Weibes Leibe als ein Mensch erstehen, – / und will als solcher wohl in aller Demut engsten Bahnen / geduldig unsre Kinder treu an Deinen Namen mahnen, – / und will in Meinem Blut die sündbefleckte Erde sechten / und waschen sie – und sichten dann das Gute von dem Schlechten.

03. 57 / „Und wenn dann so gereinigt wird vom alten Satansfluche / die Erd' und aufgezeichnet wird in einem heil'gen Buche / von menschgewordnen Engeln Deiner Gnade heilig Wort, / so werd' Ich alles, was verloren war, an Stell' und Ort / versammeln – unter einem Dach die Schafe Meiner Herde / und sorgen, daß dann nur ein Hirt und eine Herde werde.

03. 58 / „Und dann, o Vater, will Ich einen neuen Himmel gründen / und eine neue Erde makellos und frei von Sünden / aus Meines Herzens liebevollster, heilerfüllter Tiefe; / dann soll das Böse fort unendlich fallen in die Riffe / des endlos großen Raumes, der erfüllt von Deinem Grimme / in Ewigkeit wird bleiben. – Hör', o Vater, Meine Stimme! –“

03. 59 / Und sieh, da sprach der Vater stark aus allen Schöpfungsräumen: / „Und willst Du, Mein geliebtes Wort, zum reinsten Menschen keimen, / so mußt dazu nach Meinem Will'n Dich recht und bald entschließen, / willst Du nicht sehen morgen schon die Welt ins Nichts zerfließen; / denn Ich bin müd' geworden von der Würmer tollen Sünden, / darum sollst heute noch der Erde Deine Ankunft künden!

03. 60 / „So sende denn dahin der Engelgeister Legionen, / ja sende sie in aller Welten finstre Regionen / und lasse fegen da die Erd' von allem Kot der Schlange, / und wasche sie durch Pest und Krieg vom sündigen Anhange, / damit in Dir des Vaters Heiligkeit erkennet werde / von einer anfangs kleinen, doch getreuen Lämmerherde! –

03. 61 / „Und so dann, was als Liebe Du in Mir nun hast gesprochen, / vollbracht wird sein – und alle Macht der bösen Nacht gebrochen, / dann will Ich kommen und die Wohnung Mir bereitet schauen. / Und wird sie sein erbaut in Meiner Heiligkeit Vertrauen, / dann will Ich ja in aller Fülle Meiner Heiligkeit / die Wohnung nehmen da – ein Gott in alle Ewigkeit! –

03. 62 / „Die Hoffart und die Lüge aber sollen ewig fallen / dem endlos' Raum entlang tief unter aller Welten Allen, / wo nichts als Meines Grimmes ew'ge Zornfluten wallen / und statt der Liebe Meines Fluches ew'ge Donner hallen, / dahin soll fallen allen Reichtums nicht'ger Schlangensamen; – / das muß geschehen, Mir dem Gott, der heilig, heilig, – Amen!“ – –

03. 63 / Und sieh, wie da beschlossen,ward auch vollends ausgeführt, / was Ich schon oben treu in aller Kürze hab' berührt, – / nun seht, der Engel dieses Liedes ist zu euch gekommen / und hat euch, wie dereinst, die Sünd' durch eure Buß' benommen / und zeiget euch das Lamm der Welt sich eurem Herzen nahen; / so hebt empor das Herz, und seht, was einst die Völker sahen! –

03. 64 / Und seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen / und doch nicht sahen, ihre toten Brüder auferstehen, / die heil'ge Stadt herniedersteigen, Meine Sonne strahlen, / und höret Worte voll des Lebens überall erschallen, – / bereitet eure Herzen, freuet euch, die ihr beklommen / noch seid in Sünden, seht, Ich bin zu euch herabgekommen! –

03. 65 / Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater in dem Menschensohne! / Ich komm' zu euch und all Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne, – / denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht, / Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bundes wohl bedacht; – / so freut euch, die nach Mir ihr habet sehnsuchtsvoll verlanget, / seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget! –

03. 66 / Der Vater – denkt! – der Vater hat das Lied an euch gerichtet, / hat je ein solches, denket, suchet, auch ein Mensch gedichtet? – / Versucht – und prüfet euch, wie weit wohl euer Wissen reichet / und eurer Hände Werk, versucht, ob's wohl dem Meinen gleichet! / Und so in diesem Lied vernehmen werd't ein heil'ges Wehen, / da denket, daß vor eurer Türe große Dinge stehen! –

03. 67 / O laßt den Engel ja nicht unverrichtet von euch scheiden / und hört sein Rufen, wie er euch ermahnt zur Buß' bescheiden; / so hört ihr Tauben, seht ihr Blinden Meinen großen Engel – / Johannes das Gewissen ist, euch zeigend eure Mängel. / Wer treu befolgen wird die Stimme seines inn'ren Rufers / in seines kahlen Lebens Strome, starrer Sünden Ufers:

03. 68 / Verruchte Wüstensteppen werden Rosen gleich erblühen, / und statt der Wassertaufe wird die Taufe Meiner Mühen / sogleich erleuchten seines Irrsals höllenfinstre Pfade; / und dann wird gleich erschauen er nach seiner Liebe Grade / die große Wirkung überströmend dann aus Meiner Gnade, / aus der geöffneten des neuen Bundes heil'ger Lade! –

03. 69 / Die Lade war versiegelt bis zur heut'gen Lebensstunde; / es half vorhin kein Rechnen auf dem ganzen Weltenrunde, / um zu erschließen, was Ich Mir bis jetzt hab' vorbehalten, – / und nun seht, wie die Wunder alle sich vor euch entfalten, / wie dieses alles nun geschieht durch Meiner Liebe Walten; / o Kinder, seht durch Mich in euch nun alles neu gestalten! –

03. 70 / Und sagt und sprecht, woher so große Dinge mögen kommen? – / Und habt doch einmal so ihr Meine Liebe wahrgenommen / und habt begriffen Meines heil'gen Geistes sanftes Wehen / und habt gesehen Meine Bäume voll im Safte stehen, / dann Kinder, kniet nieder, freuet euch und singet alle – / und auch ihr Völker in den Sternen, Meiner Gottheit Halle:

03. 71 / O großer, ew'ger, heil'ger Vater! Ehre, Preis und Ruhm / komm' Dir von uns entgegen rein aus Deinem Heiligtum; / in unsren Herzen hat es Dir gefallen einzunehmen / für Dich, o großer Gott, die kleine Wohnung Deiner Liebe; / so segne denn dies kleine Land und dessen heil'ge Triebe, / und laß den Segen, so wie uns, auch alle wohl vernehmen.

03. 72 / O mög' es Dir, Du bester Vater, wohlgefallen hier, / damit Du bleiben möchtest da in uns denn für und für. / Wie gut bist Du, o Vater! wer könnt' Deine Lieb' ermessen! – / Du kommst, uns arme Sünder, statt ganz wohlverdient zu strafen, / nur zu erquicken und in uns die Herzen umzuschaffen! / Daher werd' nie von uns Dein heil'ger Name je vergessen!

03. 73 / O Vater! Heil'ger Vater, höre unser kindlich Flehen, / Du lieber Vater Du, laß auch die Toten auferstehen! / Du weißt ja, lieber Vater, wer am Tod der Brüder schuldet! – / Daher laß, bester Vater, wie bei uns Du ließ'st geschehen, / auch dort, o liebevollster Vater! Gnad' für Recht ergehen! – / Denn Du hast ja für sie so gut wie für uns all' geduldet. – – – Amen.

Nachwort. (Der Engel.)

04. Da habt ihr nun den Engel, wie er leibt und lebt in euch und außer euch, in Mir und außer Mir. Höret allezeit seine Stimme in euch; denn zuvor Ich komme, kommt allezeit Mein Johannes mit der Zuchtrute in der Hand und einer sehr scharfen Stimme in der Brust, – wie die Stimme des großen Predigers in der Wüste. Aber habt ihr euch bekehrt durch eine wahre ernste Buße, dann erst folgt das große Abendmahl vor dem großen Tage der Erlösung, und endlich die Auferstehung von dem Tode Amen, – das sagt euer liebevollster heiliger Vater Amen, Amen, Amen.

Zum Gedicht „Der Engel“. – 13. Juli 1840.

Dieses Wort des Herrn ist im Hauptwerk ‚Die Haushaltung Gottes‘ (Band 1, Kap. 34, Vers 37) enthalten. Das auf den ‚Engel‘ bezügliche Wort erfolgte vier Tage früher als das an Carl Ritter von Leitner gerichtete Nebenwort vom 17. Juli 1840 (‚Himmelsgaben‘, Band 1, S. 51).

01. Bevor Ich euch noch in dieser Meiner Haushaltung weiterführen werde, will Ich euch kurz etwas bezüglich Meines Engels sagen, – namentlich aber denjenigen, welche fast in jeder Zeile einen sogenannten Grammatikalanstand genommen haben der Welt wegen. Da ihr Herz dabei nicht schalkhaft ist, so sollen sie, wo Mein schwacher Geheimschreiber Meines neuen Wortes irgendein N-Strichel zu viel oder zu wenig gemacht hat zufolge einer in ihm schon alten, unaufmerksamen Gewohnheit, es nach ihrer Einsicht ergänzen, so auch das Unorthographische und die I-Tüpfel; aber wer es da wagen würde, auch nur ein Wort zu versetzen oder einen besseren Reim zu suchen oder irgendeinen abgängigen Fuß unnotwendig zu suchen, den werde Ich mit ärgerlichen Augen ansehen. Suchet nicht das Wort im Sinne, sondern den Sinn im Worte, wollt ihr zur Wahrheit gelangen; denn im Geiste ist die Wahrheit, aber nicht in der Wahrheit der Geist, was unmöglich sein könnte, da der Geist frei ist und jeder Regel voranging, Wahrheit aus sich schöpfen lassend. Da ihr das schon sogar von euren Genies sagt, warum sehet ihr hernach Meinen Geist mit gar kritischen Augen an, als wenn euch ein Schulknabe irgendein schlechtes Pensum gegeben hätte zur Korrektion! – Daher, so jemand glaubt, Ich tauge mit dem Kleide nicht in die Welt, der behalte Mich daheim; es wird aber jedem verdienstlicher sein, Meiner Schrift eine aus ihr entnommene Regel hinzuzufügen als eine Weltkritik, – denn viel seliger ist Geben als Nehmen! Dieses verstehet wohl! Amen. –

Ein kleines Notabene. – 21. Juli 1840 um die Mittagszeit.

Hier zur rechtfertigenden Korrektion ein kleines Notabene.

01. So Ich euch dumm nenne, so heißt das in der Entsprechung soviel als: Ihr habt das Vollmaß Meiner Liebe – und seid blind im Lichtmeere Meiner großen Gnade, gleich einer Nachteule oder auch gleich einem Arrestanten, der nach 30 Jahren aus des Kerkers dickster Nacht ans helle Tageslicht gekommen ist; welcher Zustand ‚die Dummheit‘ heißt, so wie derjenige ‚dumm‘ ist, der sich in einem solchen Zustande befindet. – Und Ich sage: Wohl euch, da ihr würdig seid, von Mir dumm genannt zu werden; denn wahrlich sage Ich euch, wer nicht zuvor dumm wird in Meiner lichten großen Gnade, der wird nimmer schauen Meine heilige Stadt! Er müßte denn zuvor dumm werden in aller Liebe und Demut Amen. –

02. Eine gleiche Bewandtnis hat es mit dem Unsinne, welches besagt: So jemand seine weltlichen Sinne mehr und mehr abgezogen hat von der Welt und die geistigen Sinne noch nicht völlig erschlossen sind, dann befindet sich der Mensch im Zustande des Unsinns, was die Welt dann eine ‚Narrheit‘ nennt. Doch Ich aber sage: Freuet euch, wenn euch euer großer heiliger Vater Unsinnige nennt, denn dann wisset, daß Mein Reich sehr nahe zu euch gekommen ist! Denn wahrlich sage Ich euch: Bevor jemand nicht unsinnig geworden ist in Meiner Barmliebe, wird er in Mein Reich nicht eingehen zum Leben. –

03. Daher seid froh und über die Maßen fröhlich, so Ich euch dumm und unsinnig nenne, und hebet eure Häupter empor und sehet Meinen Geist schweben ob denselben! – O überglücklich seid ihr, die Ich so benenne; denn das ist der große Segen eures Vaters, in dem ihr alle das ewige Leben finden werdet.

04. Aber traurig sei der, von dem Ich wegbleiben werde mit dieser Meiner großen Gnadenbenennung; denn da hat er auch sein Kinderrecht bei Mir verloren und wird dereinst ein strenges Gericht vor dem Angesichte Gottes zu bestehen haben! – Doch Meine Kinder werden nur das selige Gericht Meines liebevollsten Vaterherzens schmecken, Amen.

05. Wohlverstanden – das sage Ich euer liebevollster, heiliger Vater Amen, Amen, Amen. – – –

Der Fels am Schloßberg. – 26. Juli 1840, 1/2 9 Uhr vormittags.

Der erzählende Fels befindet sich am Schloßberg zu Graz rechts vom gotischen Wohngebäude im vormals Dr. Gödl'schen Garten; man gelangt zu ihm durch ein Hinterpförtchen in der Nähe eines kegelförmigen Türmchens. Man überblickt von diesem Felsen aus die westliche Gegend von Graz. – Fünf Personen schrieben gleichzeitig, was der Fels aus Jakob Lorber sprach: C. L., S., And.h., D., Ans. H.

01. Nach der Rechnung der menschlichen Zahl war die Erde sieben Millionen Jahre vor der Schöpfung des Menschen gegründet und kreiste wirre in dem Raum um die mattschimmernde Sonne; sie war ein Wasserball, in dessen Mitte sich nach dem Willen des Schöpfers nach und nach eine feste Masse zu bilden anfing. Und diese feste Masse vermehrte sich durch die ihr innewohnende Anziehung mehr und mehr, so zwar, daß nach und nach schroffe, ungeteilte kristallartige Spitzen über die Oberfläche des Wassers zu ragen anfingen. Dadurch wurde die Erde immer schwerer und schwerer vermöge des Nahrungsstoffes, den sie aus der Barmliebe Gottes zog (doch, worin diese Kost bestand, ist es nicht an der Zeit kundzugeben).

02. Und als nun die Erde auf vielen und vielen Seiten anfing, in ihren Festen über die Fläche der Wasser zu ragen, da fingen Winde an zu wehen über dieselbe und fingen die Wogen an zu überspülen die harten Klippen, lösten dadurch Teile und Teile ab und setzten dieselben als weiche Teile in die Klüfte der großen Kristalle ab. Nun erst war die Erde nach und nach fähig zur Aufnahme der Vegetation der Kräuter, Gräser, Gesträuche und Bäume, und zwar zuerst derjenigen unter dem Wasser und dann erst derjenigen auf den Festen der Erde; welcher Alleinzustand des Pflanzenwachstums über siebzigtausend Jahre gedauert hatte. Dann erst begann die Schöpfung der untersten Tierklassen und sodann immer von 2000 bis 2000 Jahren eine Stufe höher, bis endlich die große Zeit zur Schöpfung des Menschen herankam, welche vielmehr eine Entbindung desselben aus der Materie war.

03. Jedoch nach dem Verlaufe von einigen Jahren wurde der Mensch Gottes Geboten ungehorsam, wodurch in dem Grimme der Gottheit die ganze sichtbare Schöpfung bis auf kleine Stücke der Erde beinahe gänzlich im Feuer und Sturme Gottes aufgelöst wurde, so daß vom Mittelpunkt der Erde bis zur Oberfläche derselben auch nicht ein Stein beisammenblieb, sondern zerbröckelt wurde in kleine und kleine Stücke. Und selbst diese Stücke würden vernichtet worden sein, wenn sie nicht von der Liebe zusammengehalten worden wären.

04. Da die erbarmende Liebe dann mit der Gottheit wieder eins wurde durch eine vermittelnde Darstellung aus ihrem innersten Grunde, so gefiel es der Gottheit wieder, aus dem unendlichen Welten-Chaos Welten und Erden und Sonnen zu bilden; jedoch behielt die ganze Schöpfung der Zerstörung deutlich leserliche Spuren und Merkmale an sich, wie ich euch mich hier in eurem Angesichte zeige. Jedoch eintausendachthundert und eben auch 40 Jahre nach der Schöpfung (des Menschen), gleich der Zahl nach der Menschwerdung des großen Gottes bis zu eurer jetzigen Zeit, seht, da war dieses Land oder vielmehr der ganze Erdteil, den ihr Europa nennet, noch größtenteils unter den stürmenden Fluten des Meeres begraben, – jedoch Gottes Liebe sah das Zukünftige in großer Klarheit vor sich und wußte wohl, daß von dieser Zeit an nach einer ebenso langen Zeit die Menschen sich sehr und sehr vermehren werden. Da zündete sie meilentief unter der Erde mit dem Feuer ihrer Liebe die Erde hie und da, größere und kleinere Teile derselben, und das Feuer brannte gewaltig und hob die festen Schichten, sie auseinanderreißend, in die Höhe. Und da das Feuer durch die innewohnende Kraft Gottes sich immer größere und größere Räume machte unter den Schichten der Erde, so arbeitete sich das Feuer an vielen Stellen furchtbar gewaltig bis zur Oberfläche herauf und schleuderte da Massen auf Massen über den Spiegel der Fluten und zwar nach allen möglichen Richtungen. (Wohlgemerkt, dieses geschah um die besagte Zeit, nämlich 1840 Jahre nach der Schöpfung des Menschen.)

05. Und seht, wie ihr die Richtungen der Berge auf diesem Festlande jetzt sehet, so könnt ihr euch auch die verschiedenen Strömungen des unterirdischen Feuers denken; denn da zog die große Liebe des Herrn kreuz und quer in den Tiefen der Erde und bereitete für die zukünftigen Menschen eine fruchtbare Wohnstätte. Jedoch nicht gleich zur selben Zeit wie alle diese großen Erhöhungen, die ihr jetzt hier sehet allenthalben hoch über die Ebenen emporragen, habe ich meinen Ursprung genommen, sondern um beinahe tausend Jahre später, als die Überfülle der Wässer sich nach und nach in die geöffneten Tiefen der Erde verlor und an diesem Punkte, da ihr mich emporragen sehet, die Ebene nur noch mit dem Wasser überdeckt war.

06. Da befand sich 2000 Klafter tief unter der Erde noch ein festes Gestein, und es senkte sich die Liebe des Herrn auch in die Mitte desselben. Es war zwar nur ein kleiner Funke dieses göttlichen Kraftfeuers, aber er war stark genug, um diese Massen, wie ich bin vor eurem Angesichte, aus der Tiefe emporzuheben und sie in der gegenwärtigen Höhe über die Fluten ragen zu machen. Jedoch nicht auf einmal entstand ich, wie ich jetzt bin, sondern nach wiederholten solchen göttlichen Kraftausbrüchen. Freilich in kleinerem Maßstabe bin ich entstanden und zu stehen gekommen an der Stelle, da ihr mich sehet, wie auch dieser ganze Berg, von dem ich ein kleiner Teil bin, welchen Berg die Menschen jedoch vor nicht gar langer Zeit um einige Klafter niederer gemacht haben. Denn an der obersten Stelle ragten fast in einem Kreise sehr hohe und steile Felsen empor, welche später durch die Menschen zerstört wurden, um eine mehr ebene Oberfläche auf diesem Berge zu gründen. Selbst ich, ein unterer Teil des Berges – zwar noch von Urzeit hier stehend, habe so manches an meiner früheren Form sowohl durch die Zeit wie durch die Hände der Menschen erlitten; denn vor mehreren tausend Jahren spülten die Wogen des Meeres noch an meiner Stirn, ja es hauste sogar manches Ungetüm des Meeres in meinem Schoße.

07. Allein nach dem Willen des Schöpfers geschah in den Tiefen der mittäglichen Gegenden der Erde eine große Erhöhung des Festlandes auf dieselbe Art durch das Feuer der göttlichen Liebe aus der Tiefe der Erde. Seht, da sank dann das Meer allmählich in diesem Lande, so zwar, daß hier nur noch große Seen, die ihr Binnenmeere nennt, bestehen geblieben sind. Und sodann geschah es, nachdem diese Binnenmeere einige hundert Jahre bestanden hatten, daß der Herr aus Seiner barmliebevollen Fürsorge den einen ganzen mittägigen Teil, den ihr jetzt Amerika nennet, hat auf diese Art über die Fläche der Wässer treten lassen, daß diese Binnenmeere so hoch über die eigentliche Fläche des Meeres zu stehen gekommen sind, daß die Schwere der Wässer, die eine Sehnsucht nach ihrem Ursprunge hatten, sich den Weg durch die weicheren Teile der Berge zu öffnen anfing.

08. Und seht, da brausten dann, als die Wässer die Weichen der Berge zerrissen, 500 Jahre lang große stürmische Fluten an mir vorüber; denn was ihr jetzt das obere Land nennet, dort wurde in der Gegend, da ihr eine Brücke über den Fluß gemacht habt und auf dem Berge ein altes Schloß steht, ein Berg, der um 100 Klafter höher war, als er jetzt zu sehen ist, von der großen Masse des Wassers durchgebrochen. Die Fluten des Oberlandes ergossen sich dann in den großen See, dessen Fluten meinen Fuß umspült hatten und erhoben dieselben wieder bis an meine Stirne und mehrten das Wasser so sehr, daß ein Berg, der einige Stunden weit von hier im Unterlande – an dem ebenfalls später ein Schloß erbaut wurde und ein Markt steht – links und rechts zerrissen wurde. Und die Fluten bahnten sich den Weg auf die nämliche Weise fort und fort; wo immer sie einen Widerstand fanden, zerrissen sie die Weichen desselben und füllten mit denselben die Vertiefungen aus, die früher in dem Meere waren.

09. Wie hoch diese Fluten gegangen sind, werden euch noch überall die Spuren der losgelösten Steine zeigen, welche durch das untere Fortrollen eine gerundete Form angenommen haben. Die erste Flutung ging hoch über meinem Haupte, und erst nach einem Jahrhundert hat der Strom eine Niederung erhalten und ging dessen Spiegel bis zu mir herauf. Und wieder nach einem Jahrhundert fiel er so nieder, daß er nur ein Klafter über die ganze Ebene, die ihr von mir aus seht, von einem Berge zum andern ging. Und wieder nach einem Jahrhundert verlor sich der Strom so sehr, daß er nur die dreißigmalige Breite des gegenwärtigen Flusses hatte.

10. Und als auch die Berge vollkommen mit Bäumen und Gräsern bewachsen wurden, da verlor sich ein verfolgtes Menschengeschlecht in dieses Land und wohnte auf den Höhen, die da noch nicht Berge, sondern ‚Tauren‘ hießen. Und als dieses Volk durch ein späteres nachziehendes entdeckt wurde, bekam es erst den Namen als Bergbewohner, welches Volk endlich wieder durch ein anderes, stärkeres Volk, welches vom Abende herkam, aus seinen Sitzen vertrieben wurde; und es blieben nur noch wenige auf den fast unzugänglichen Höhen wohnen bis auf die heutige Zeit. Und so ist heute schon ein drittes Volk mehr denn tausend Jahre in diesem Lande.

11. Jedoch ich, wie ich dastehe, war durch lange und lange Zeiten ein sehr gefürchteter und gefährlicher Punkt in diesem großen Strome, denn an mir arbeiteten die Fluten mutwillig und schienen furcht- und grauenerregend jedem, der mich von ferne anblickte. Und als später die Menschen des Oberlandes eine Art Schiffe erfunden haben, welche aus einigen aneinander befestigten Bäumen bestanden, da waren von denen nur wenige so glücklich, die nicht an meiner Stirne den Untergang gefunden hätten; denn obschon die Fläche des Stromes meinen Fuß bespülte, so schlugen aber doch dessen Wogen, den Sterblichen Grauen erregend, bis an meine Stirn empor. Und diese Gegend, die ihr jetzt so reizend und schön findet, war damals ein Schrecken den Menschen. –

12. Erst zu den Zeiten, als da eine große Stadt, Rom genannt, erbaut wurde, verminderten sich die Fluten des Stromes allmählich, und die Brandung an diesem kleinen Berge wurde immer geringer und geringer; und so verlor sich endlich das Wasser an meiner Morgenseite ganz und gar, und nur zu seltenen Malen erhob sich die Flut bis zur Höhe meiner Morgenseite, was ihr jetzt das ‚Glacis‘ nennt. Und so bin ich denn dadurch – als auch das bis zu diesen Zeiten aus meinem Inneren hervorlodernde Feuer aufgehört hatte – den Menschen zugänglich geworden.

13. Da nun mein Scheitel frei war von allen Gesträuchen und Bäumen, so benützten mich die später in dieses Land einfallenden Römer zu einem Punkte, von dem aus sie über diese ganze Fläche ihre Beobachtungen machten, und suchten auch dadurch Wege auf, um in das Oberland zu kommen, welches damals nicht mehr den Namen der Bergbewohner hatte, sondern Norea, auch Noricum geheißen hat, das heißt, Menschen, die auch schon die Ebenen bewohnt und sich auf die Füße der Berge gemacht haben, da deren Scheitel unwirtbar geworden waren, weil die damaligen Fluten ihnen alles Erdreich abgespült und dasselbe in die Tiefen oder an die Füße der Berge angelehnt hatten.

14. Seht, ich bin Zeuge gewesen, wie diese Oberlands-, auch schon Unterlandsbewohner dieses Landes von dem verwegenen römischen Volk auf das grausamste sind besiegt worden. An meiner Stirne selbst fanden mehr denn hundert Kinder, von ihren eigenen Müttern an mich geschleudert, den Tod. Jedoch, was bei mir nur im kleinen vor sich ging, davon würden euch größere Felsen im Oberlande wie auch im Unterlande die größten schauerlichsten Beispiele erzählen können. Doch ich als ein plumper Stein bin nicht berufen und bestimmt, euch einen Geschichtsschreiber zu machen, und will euch lieber noch ein wenig meine eigene Umgebung näher beleuchten, soweit mein Gesichtskreis reicht.

15. Daß dieser ganze, jetzt sogenannte Murboden nur ein aufgeschwemmtes Land ist, davon könntet ihr euch dadurch überzeugen, so ihr 100 Klafter, stellenweise wohl auch 1000 Klafter tief graben würdet, allwo ihr mehrere meiner Kameraden, welche durch das Feuer in die Fluten geschleudert worden sind, finden würdet. Auch würdet ihr da, könntet ihr dieses ganze angeschwemmte Land abheben, nichts als lauter Klüfte und Felsen entdecken, in welchen ihr viele versteinerte Ungetüme des Meeres antreffen würdet.

16. Jedoch an diesen Stellen – als die Linie ist da oben, wo das alte Schloß steht, bis auf den gegenseitigen Berg – würdet ihr gleich auf den Stein kommen, da früher ein Gebirgsrücken unter den Fluten war. Da weiter unten, wo ihr einige Zeit lang Steine gebrochen habt – in der Linie, da ein kleiner Berg an der Fläche sich befindet, an welchem ihr das Zeichen des Kreuzes aufgerichtet habt, und in dieser Linie fort bis an den übrigen Berg, den ihr ‚Plabutsch‘ nennt, dürftet ihr auch nicht so lange graben, um auf den Stein zu kommen. So auch mehrere Stunden unten, da wo jetzt ein Markt steht, den ihr Wildon nennt, würdet ihr auch links und rechts bald Stein finden. Aber auch selbst noch an jenem Teile dieses Murbodens, an welchem Täler in denselben münden, würdet oder könntet ihr ebenfalls auch bald auf Gestein kommen, welches mit denselben Insignien des Meeres bezeichnet ist hie und da, deren ich schon früher erwähnt habe. Und solche Stellen könnte ich euch nach der ganzen Länge des Flusses zu Hunderten anzeigen.

17. Jedoch sollet ihr noch einen Blick auf diese kleineren und größeren benachbarten Berge werfen, und da sollt ihr wissen, daß noch nicht mehr als höchstens 2000 Jahre verflossen sind, als diese meine kleineren und größeren Brüder noch in vollen Flammen gestanden sind. Und es gibt in diesem Lande auch nicht einen Berg, der nicht ursprünglich auf diese Weise entstanden wäre.

18. Nur einzig und allein in eurem Wiegenlande, welches ihr Asien nennt, finden sich noch Urgebirge, welche unmittelbar gleich nach der Hauptzerstörung zur Wohnung den begnadigten Menschen angewiesen waren. Hier in diesem Lande aber, so ihr euch die Zeit und die Mühe nehmen würdet, so würdet ihr auf einer hohen Alpe, die von hier aus zwischen Mittag und Abend liegt, auch noch Steine finden, die bei der großen Zerstörungsszene, welche nach dem Fehltritte des ersten Menschenpaares erfolgt ist, hierher geworfen wurden, und auch Massen von mehreren Planeten finden, die wesentlich unterschieden sind von meiner Art.

19. Dies ist nun alles, was ich euch sagen kann und sagen darf aus meiner natürlichen Sphäre. Und um das Weitere, Tiefere und geheimnisvolle Wesen sollt und habt ihr euch nicht zu kümmern; denn diese Geheimnisse liegen in der Tiefe der göttlichen Erbarmung und gehen euch wenig oder gar nichts an, – sondern dies habt ihr alles von der Gnade des Herrn zu erwarten, insoweit es euch not tut zur Veredlung und Unsterblichmachung eures frei gemachten Wesens, Amen.

00. (Die Rede endete 15 Minuten nach elf Uhr Vormittag.)

Eine Parabel. – 9. August 1840. Fortsetzung.

Im Weingarten des Andr. H., bei Maria Schnee, nächst dem Kloster der Karmeliterinnen. – J. L. spricht. – K. G. L., S., D., Andr. H. und Ans. H. schreiben.

01. Schließlich gebe Ich euch noch ein kleines Notabene (1) bezüglich einer Untat, die hier vor 30 Jahren verübt wurde. (2) Doch sollt ihr davon keinen weiteren Gebrauch machen. (3) Ein Besitzer dieser Realität hatte ein rechtmäßig nach eurem Rechtssystem ihm angetrautes Weib, (4) mit welchem Weibe er einer ihm wohlgefälligeren Hure wegen in dreijähriger Zwietracht lebte. (5) Er hatte ein Haus in der Stadt und war ein Bürger daselbst; (6) ließ aber seiner Unzucht halber sein Weib mit einem Kinde allhier wohnen. (7) Und da er durch seine liederliche Lebensweise sein Vermögen vergeudet hatte, da wollte er das Vermögen der Frau oder des Weibes angreifen, (8) da ihn die reizende Hure nicht mehr erhören wollte in seinem durch sie verarmten Zustande.

02. (9) Daher kam er nun eines Tages heraus und quälte sein Weib unablässig, daß sie ihm ihr Vermögen einräume. (10) Da dieses sie aber nicht tun wollte, auch unter gar keiner von ihm erheuchelten Bedingung, (11) so glaubte er, endlich solches durch eine Mißhandlung aus ihr herauszupressen.

03. (12) Es war gerade fast um die jetzige Zeit des Jahres und um die neunte Stunde abends, als er sie zu mißhandeln anfing; (13) jedoch sie wehrte sich eben auch so gut, als sie nur immer konnte. (14) Da dieses alles nichts half, so nahm er einen Strick, warf selben seinem Weibe um den Hals und würgte sie, (15) in der Meinung, sie werde von der Todesangst genötigt, ihm ihr Vermögen vermachen.

04. (16) Allein sie hatte den festen Entschluß gefaßt, in ihrer frommen Einfalt ihres Herzens eher zu sterben, als ihn in seiner Hurerei zu unterstützen. (17) Deshalb hat er sie auch bis in die Mitte der Nacht gewürgt, allwann sie unter vielen Schmerzen sich Mir anbefehlend ihren Geist aushauchte.

05. (18) Als er nun sah, daß sie wirklich tot war, (19) so erschrak er, daß er auf eine Zeitlang seine Besinnung verlor. (20) Endlich aber faßte er aus Furcht vor dem Gericht den pfiffigen Entschluß: (21) nahm Licht, Krampe und Schaufel, (22) machte eine 5 Schuh tiefe Grube, (23) warf sie hinein, wie sie angezogen war, (24) und verscharrte sie daselbst, (25) und zwar das alles gerade unter der Weinpresse, (26) da am wenigsten jemand hingelangen konnte. (27) Seinen Bekannten aber log und erzählte er trauernd vor, daß ihm sein Weib abhanden gekommen sei.

06. (28) Es wurden wohl auch von dem damals sehr lauen Gerichte nur auf sein Begehren hie und da briefliche Nachforschungen angestellt; (29) allein die Tote war unter den Sterblichen freilich nicht mehr ausfindig zu machen. (30) Und diese Tat hat zu dieser Zeit um so leichter können verheimlicht werden, (31) da man, wie ihr zu sagen pflegt, ohnedies in diesem Lande nicht recht gewußt hatte, wer der Herr oder der Diener, oder wer der Koch oder der Kellner ist.

07. (32) Nun da habt ihr auch diese Begebenheit. (33) Jedoch was die Namen dieser Personen betrifft, daran soll euch wenig gelegen sein; (34) denn in Meinem Buche ist alles aufgezeichnet, (35) und auch der Flügel einer Mücke geht ewig nicht verloren. Amen. Ich die ewige Weisheit Amen.

08. Notabene. Diese Zeilen enthalten Großes; aber sie sind hart zu kauen. Darum sparet eure Zähne – und übereilt euch nicht an dieser Nuß – nur noch eine kleine Zeit, bis die Zähne stark werden. Amen. Ich die ewige Weisheit amen, amen, amen.

Erklärung der Parabel. – vernommen am 24. August 1840

01. (1) Notabene besagt: Merke wohl; wenn Ich nun sage: notabene, so will Ich dadurch nicht die Aufmerksamkeit auf irgend ein lange verübtes Verbrechen von euch leiten, sondern nur die Gelegenheit und die Ähnlichkeit eines solchen auf euch nützend anwenden. – Untat zeigt hier euer erstes Weltleben, welches große wohlbezügliche Ähnlichkeit hat auf euren Geist. Hier besagt eure doppelte Gegenwart, nämlich naturmäßig und geistig; – 30 Jahre bezeichnen einen zurechnungsfähigen Zustand eurer Seele, der das Tor des Lebens wie das des Todes geöffnet wird, welches besteht in der Erkenntnis von Gut und Wahr und Böse und Falsch. Verübt bezeichnet, Falsches in sich aufnehmen und daraus schlecht handeln; – die halbvergangene Zeit besagt, daß ihr noch nicht in der Ordnung seid. –

02. (2) Besagt fürs erste, daß an der Parabel kein natürlicher Gerichtswert ist, und fürs zweite aber, daß Ich euch eure Fehltritte nachgesehen habe. –

03. (3) Der Besitzer ist euer Weltverstand im Sinne der Parabel; das Kirchliche aus dem Worte wird unter Realität verstanden, die Religion unter Weib; rechtmäßig nach Rechtssystem heißt: nach der Billigkeit der äußeren Form; angetraut besagt: ans Herz gebunden durch den freien Willen. –

04. (4) Notabene, ob der Ans. H. nichts merkt, wo es eigentlich hinaus will? – Welttum ist die Hure; wohlgefällig besagt hier Sinnliches und Fleischlichweltliches der Eigenliebe, Zwietracht gewaltiges Schwanken. Lebte heißt, sich zuständlich befinden, Weib wie oben. –

05. (5) Ein Stadthaus ist die Weltphilosophie; ein Bürger daselbst besagt: der Philosophie anhängen, und zwar namentlich der sehr schlechten Kantischen.

06. (6) An der Welt hängen heißt: Unzucht treiben; Unzucht halber besagt somit, aus Liebe zur Welt. Das Weib mit dem Kinde besagt das Kirchliche samt der Werktätigkeit als Frucht des Glaubens. Allhier besagt ebenfalls das gegenwärtig Kirchliche; wohnen bezeichnet soviel als: unbeachtet bestehen. –

07. (7) Liederliche, tatlos sein aus dem Worte; Lebensweise besagt einen unbehaglichen Zustand daraus; Vermögen vergeuden heißt: ganz los werden von allem Geistlichen. Vermögen des Weibes angreifen besagt: Kirchliches lüften, insoweit es nicht zusagt der Eigenliebe, und zwar aus Unmut. –

08. (8) Besagt: man kommt mit der Weltweisheit zu keiner Ruhe und Hure oder die Welt einem nirgends mehr stichhält. Verarmter Zustand besagt die Blindheit durch das Welttum. –

09. (9) Kommen heißt, bei sich beschließen; Tag überhaupt: irdische Zeit hinsichtlich eines inneren Irrlichtzustandes. Quälen besagt: eines nach dem andern verwerfen; unablässig heißt: ohne alle Rücksicht. – Vermögen einräumen besagt: die Kirche umgestalten wollen nach seiner Ansicht und Bequemlichkeit. –

10. (10) Besagt: die Unmöglichkeit einsehen, wie wenig da mit allem Räsonieren zu erzwecken ist unter was immer für einer tollen Verstandesknifferei, – da Mein Wille stärker ist als die schwache Schnur des Weltverstandes; woher dann auch oft zweckwidrige Gebete und Anrufungen zur Erreichung ihrer Absichten, die ein solcher für die besten hält, da er Meine wohlberechneten Wege nicht kennt. – –

11. (11) Besagt: gänzliche Mißachtung und Verkennung innerer Schätze; dadurch ferner das sich selbst Schuld- und Schadloshalten aus seiner inneren, besseren Überzeugung, freilich nur aus eigener Idee, und durch das Sichfinden in anderen Ideen der großen Ähnlichkeit wegen. –

12. (12) Die jetzige Sommerszeit bezeichnet einen ähnlichen hitzigen Gemütszustand. Das Jahr besagt das naturmäßige Leben des Menschen, die neunte Stunde abends bezeichnet den kläglichen Zustand alles Äußerlichen in dieser Parabel – und zeigt dadurch den Übertritt der Dämmerung in die wirkliche Nacht. Mißhandeln wie oben, wie auch anfangen.

13. (13) Besagt das innere Erwachen des Gewissens und das Sträuben desselben.

14. (14) Besagt Hartnäckigkeit des Gewissens; einen Strick nehmen heißt: sich mit Trugschlüssen beschwichtigen. Selben dem Weibe um den Hals werfen und sie würgen besagt: sein Gewissen bezüglich alles Kirchlichen, unter dem man sich in politischer Hinsicht notwendig befindet, gänzlich ersticken wollen; denn unter Hals werden kirchliche Staatsverhältnisse verstanden, – würgen besagt: sich mit Widerwillen an das Staatskirchliche aus politischen äußeren Rücksichten halten. –

15. (15) In der Meinung besagt: glaubenslosen Zustand; Todesangst bezeichnet den Zustand näher; Vermögen vermachen besagt: sich losmachen von allen inneren Vorwürfen und sehen, aus dem Kirchlichen Weltliches zu gewinnen. –

16. (16) Besagt: nach näherem Prüfen gewahr werden, daß solch Kirchliches weder fürs eine noch fürs andere taugt; daher lieber ganz weg mit all dem Plunder. Fromme Einfalt des Herzens bezeigt Geistliches – und Hurerei wie oben; unterstützen besagt: zweckdienlich sein. –

17. (17) Besagt: gänzliche Neutralisation des Gewissens. Mitternacht, innerer, beinahe atheistischer Zustand. Schmerzen, fruchtlose Bemühungen des Gewissens. Sich Mir anbefehlen heißt: verstummen; den Geist aushauchen heißt: sich völlig zur Ruhe legen. –

18. (18) Besagt kurzen zufriedenen Zustand. – –

19. (19) Erschrecken besagt: gänzliches Sichlosreißen von allem Geistlichen und sich sozusagen über alles hinaussetzen; Zeitlang, unbestimmte Dauer des Zustandes; seine Besinnung verlieren heißt: vom Geistigen nichts mehr wissen noch ahnen. –

20. (20) Endlich besagt hier: das Gefühl des Todes in sich; Entschluß fassen heißt: sich eine Richtung geben; aus Furcht vor dem Gerichte besagt: aus zeitlich politischen Rücksichten; pfiffig besagt: weltklug. –

21. (21) Besagt: Verstand, Wille, Liebe des weltlich Ansehnlichen wie sich äußerlich Nützliches Hervorbringenden, und da ist Licht: weltrichterliche Fähigkeit, fleißiges Verharren; Schaufel: weltliche Hilfe durch was immer. –

22. (22) Besagt verhältnismäßige Klugheit darin aus polizeilichen Rücksichten; denn wie Zolle ein geistiges Maß bezeichnen, so bezeichnen Schuhe das Maß in welttümlichen Rücksichten, so eben auch die Zahl 5; Grube bezeigt eine Sicherung. –

23. (23) Besagt: sich verwahren durch Juridisches vor ketzerischen Mutmaßungen von kirchlicher Seite aus polizeilicher Engbrüstigkeit. –

24. (24) Besagt: Kirchliches vermengen mit Weltrichterlichem und es als solches ansehen, um es bloß juridisch zu gebrauchen. –

25. (25) Besagt: geistlichen Staatsdruck. Gerade bezeichnet: aus Staatsrücksichten; unter bezeichnet: politisches Gesetz; Weinpresse bezeichnet: durch Kirchliches Staatsrichterliches bekräftigen fürs Volk.

26. (26) Besagt die tiefste Politik, wo der Staat am kitzligsten ist des Volkes wegen und sorglos sündigen kann, auf die Dummheit desselben rechnend. –

27. (27) Besagt die Belletristik; lügen und trauernd erzählen heißt: schöngeistig tun, – sein Weib abhanden kommen heißt: Kirchliches oder die Religion in die Belletrie versetzen. –

28. (28) Besagt öfteres Nachdenken bei sich selbst und das Befragen juridischer Taktik über den eigentlichen Zweck der Religion. Laues Gericht: die Schwäche des juridischen Gewissens; auf Begehren besagt: aus eigener Weltnot; hie und da bezeichnet soviel wie dann und wann; brieflich besagt hier: wenig lebendig bekümmert; Nachforschungen anstellen besagt: manchmal Blicke in sich tun. –

29. (29) Die Tote besagt: das einmal erloschene Gewissen in allem Kirchlichen; unter den Sterblichen heißt: unter dem Weltwißtümlichen; ausfindig zu machen heißt: geistlich zu beleben. –

30. (30) Besagt: Dieser Zustand blieb um so leichter unangeregt von etwas Kirchlichem; –

31. (31) weil Kirchliches und Politisches ineinandergeschmolzen war, so entschuldigte eines das andere, oder es sprach eines dem andern das Urteil, – und war eins wie das andere, da kein Geistiges inne war, schlecht und ohne zu etwas nütze. –

32. (32) Dieses besagt: wieder geistiges Wachwerden durch Meine Gnade, da gerade keine große Bosheit hinter dem Falschen steckte. –

33. (33) Besagt das Äußerliche der Kirche und deren Diener und ihr Name.

34. (34) Besagt: Im Geiste werdet ihr alle Dinge erkennen. –

35. (35) Besagt: Da hat noch das Allergeringste eine gar große Bedeutung. – Amen.

Der Weg zur Wiedergeburt – Verhaltensregeln. – 15. August 1840, abends.

01. Hier gebe Ich euch ganz kurze Verhaltungsregeln, welche genau und wohl zu beachten sind, so ihr wollt sicher vor allen Nachstellungen der Welt sein und auch den kürzesten Weg einschlagen, um baldmöglichst zum Besitz Meiner Gnade und daraus zur völligen Wiedergeburt zu gelangen. Diese Regeln aber sind geordnet folgende:

02. Erstens muß jedweder was immer für ein politisches Gesetz seinem ganzen äußeren Wesen nach aufs genaueste befolgen und sich jeden prüfenden Druck wohl gefallen lassen; denn es besteht nirgends eine Macht als nur in Mir und durch Mich. Alles ist Mir untertan entweder (selten) bewußt oder (meistens) unbewußt; denn da herrschen gute und harte Fürsten je nach dem Verhältnisse des Lebens der Untertanen, denn das alles hängt von Mir ab. Wenn aber irgend unter dem Volke alle Laster noch gang und gäbe sind, wie bei euch im hochverdammlichen Grade es der Fall ist, wie sollte Ich euch uneigennützige Regenten geben, welche noch mehr Hurenfutter unters Volk kommen ließen, damit die Menschen dann völlig ersöffen in aller Unzucht? Wehe daher jedem Aufwiegler; der soll nicht nur alsogleich mit dem zeitlichen, sondern auch mit dem ewigen Tode bestraft werden.

03. Denn Herrscher stehen zu hoch, als daß sie aus sich sein könnten, was sie sind dem Volke; und da ist keiner etwas ohne Meinen gerechten Willen, und es ist der gute und sanfte ein Trost und der harte und habsüchtige eine gerechte Geißel in Meiner Hand. Wer ihm widerstrebt, der setzet sich wider Meine Geißel und wird hart löcken gegen den Stachel. Jedoch wer da lebt in Meiner Liebe und daraus fließenden Gnade, dessen Rücken wird nie unter den scharfen Hieben Meiner Geißel bluten, sondern er wird erstarken wie eine Eiche unter dem harten Wehen der stürmenden Winde. Wohl aber dem reinen Wiedergebornen; denn der wird eine große Wonne finden in den großen Ausflüssen Meiner Liebe.

04. Mein Reich ist nicht von dieser Welt, daher gebet dem Kaiser, was sein ist, und Mir, was Mein ist – nämlich euer Herz in gehorsamer, reiner Demut. Um alles übrige kümmert euch nicht, denn Ich euer Vater bin ja mitten unter euch. Daher seid gehorsam eurem Fürsten; nehmet willig ohne Murren das leichte Kreuz auf eure Schultern und folget, euch selbst verleugnend, in aller Liebe und Sanftmut Mir nach, so werdet ihr leben und lebendig machen in Meiner Gnade, was ihr nur immer anblicken werdet in Meinem Namen Amen. –

05. Zweitens: Was die äußere herrschende Kirche betrifft, so steht jeder ihr einverleibte Glaubensuntertan in den nämlichen Verhältnissen zu ihr, solange er ihres äußeren Glaubens hinsichtlich aller ihrer Anordnungen ist, wie die Untertanen zu ihrem Fürsten, nur mit dem Unterschiede, daß eine Desertion nicht wie im Staate sträflich, sondern straflos zu tolerieren ist. Jedoch aber setze Ich hinzu, daß Ich den mit zornigen Augen ansehen werde, welcher seine irdische Glaubensmutter verlassen wird, und es soll ihm dereinst nicht viel besser ergehen als einem wahnsinnigen Selbstmörder. Denn da ihr einen Leib habet, durch welchen die ersten Eindrücke zur Seele gelangen und dieselbe nähren, so muß es ja auch eine äußere Speisekammer geben, was die äußere Kirche ist, damit durch dieselbe euer böser Leib durchgebrochen und bearbeitet werde gleich einem Kinde im Mutterleibe. Wer nun seinen Mutterleib aber zu früh verläßt, saget, was wird oder was kann aus einem solchen werden? – Gehorsam und Demut ist die Nahrung der Seele zur Wiedergeburt des Geistes. So euch aber die Römische solches lehrt und das ganz vorzüglich, was treibt euch dann weg von eures Leibes Glaubensmutter? –

06. So bleibe denn ein jeder getreu seiner Kirche, und sei Mir ein Römischer 99 mal gesegnet, so er entspricht im Gehorsame seiner Kirche, und jeder andere nur einmal, da er ein eigenliebiger Rechtler ist, da keine Demut und ganz entsetzlich wenig Liebe herausschaut. Wahrlich sage Ich euch, es wird nicht leicht jemand zu Meinem lebendigen Worte gelangen in irgendeiner Sekte, als nur in der römischen Kirche, allda Gehorsam und die äußerste Demut über Hals und Kopf nach Meinem Willen gepredigt wird. Was aber die Zeremonien in ihr betrifft, so soll sich niemand daran stoßen; denn da ist für den Lebendigen alles lebendig, für den Reinen alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles geheiligt. Nur eine Sau wälzt sich im Schlamme und sucht Lebensluft im eigenen Kote wühlend. Und so wird der Tote alles tot finden und voll Schmutzes, während der Reine mit ganz anderen Augen schauet.

07. Wie kann aber jemand rechten über die Verhältnisse der Kirche und des Staates, der in Meinem Lichte sich zu sein wähnt? Meint er denn, daß Ich nicht so viel Einsicht und Macht habe, Verhältnisse zu ändern, so sie nicht zusagen möchten Meinem Willen? O solche Richter stehen tief unter einem auch nur schwachen Gläubigen, so sie meinen, daß Ich ihres richterlichen Beistandes benötigte! – Wahrlich sage Ich euch, solche Dinge sind Mir ein Greuel. Denn da geschieht alles zur rechten Zeit, und Ich allein bin der Richter aller Dinge und Verhältnisse, denn Ich allein bin heilig und liebegerecht, – ihr alle aber seid Lügner und voll Hurerei. Daher folget eurer Kirche in ihrem Begehren, und lasset eure Herzen von Mir ziehen, dann werdet ihr sehr bald zum Leben der Gnade und dadurch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen und eure äußere Kirche beleben in eurem Leibe amen.

08. Drittens: Was die Zeremonie betrifft, so liegt an dieser weder etwas Beseligendes, noch eben auch etwas gerade Tötendes. Da in der Welt alles unter einer gewissen Zeremonie geschieht, was da ein Prozeß genannt wird, so kann auch die Kirche in ihrer Äußerlichkeit ganz wohl Zeremonien haben. Nur soll niemand darinnen etwas Verdienstliches suchen, das da tauge zum ewigen Leben, denn da hilft nichts als ein zerknirschtes demütiges Herz, voll von Meiner Liebe und Gnade, – was dann die lebendige Kirche in euch ist, in und durch welche erst die tote Kirche lebend und voll tiefen Sinnes wird – entweder so oder so, vom Tode erstehend oder vom Leben in den Tod zurücksinkend. Das heißt: Ihr könnt entweder durch den Gehorsam in ihr in die Demut und dadurch zur Gnade und durch die Gnade zur Wiedergeburt gelangen, oder ihr könnt euch in die tote Zeremonie begraben gleich den Heiden und so zugrunde gehen in ihrem eitlen, hilfelosen Geflimmer.

09. Denn wie ein Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blätter, Blüte und in derselben weibliche und männliche Staubfäden, was mit der Zeit alles wegfällt als wert- und nutzloses Zeug, damit die Frucht frei und wirksam gedeihe in aller Kraft ihrer geordneten Wesenheit – das ist auch der Fall bei der zeremoniellen Kirche. Würde sich jemand nun hermachen und alles zusammen essen, so würde er zugrunde gehen bei solch unreifer Kost; sondern da ist nur die reife Frucht segnend genießbar, obschon nicht selten auch schon in der Blüte sich öfter heilsame Kräfte bewähret haben, die euch in so manchen Krankheiten ganz gut zustatten gekommen sind. – Nun seht, diese vegetativen Vorgänge sind gleich der toten Zeremonie; aber müßt ihr nicht sagen: Sie sind der Ordnung wegen doch notwendig, denn wenn die Bäume blütenleer stehen, wird wenig Frucht zum Vorschein kommen?

10. Die jüdische Kirche war eine vorbildende, rein zeremonielle, als Blätter und Blüte zur lebendigen Frucht des Wortes der ewigen Liebe. Nun frage Ich: War sie nicht recht, wenn sie war, was sie hat sein müssen? Wenn euch Kinder gegeben werden, womit wollt oder könnet ihr sie Mich und Meinen Willen besser als eben durch Hilfe der zeremoniellen Anschauung erkennen lehren? –

11. Ihr alle seid anfangs nichts als Juden und Kinder und bedürfet daher sehr wohl kirchlicher Zeremonie, solange ihr noch Kinder seid, nur – was sich von selbst versteht – hat es bei derselben nicht zu verbleiben; sondern wer die Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner Liebe und handeln in der Gnade Meiner Weisheit. Und dessen Herz liebend rein geworden ist, der komme dann in Meine Schule, in der er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die Wiedergeburt. Wer aber, sein Inneres unbeachtend, an der Zeremonie hängenbleibt, die an sich tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm finster war, in äußeren sinnlichen Mitteln den Zweck zu suchen, was der größte Unsinn ist, ja ein Unsinn, der an die krasseste Tollheit grenzt. Wenn jemand ein Kind samt dem Bade wegwirft, so ist er ein toller Narr; wer aber das Kind unbeachtend verwirft und das Bad behält, der ist schon tot aus seiner abergläubischen Bosheit. Der Weise aber behält das Kind mit der Wanne und schüttet nur das Bad weg – das Kind, da es eine lebendige Frucht ist, und die Wanne, um das Kind noch öfter baden zu können.

12. Daher, so ihr aber wollt wahre Kinder Meiner Liebe und Gnade werden, so laßt euch nicht von der Blüte ärgern; denn sehe die Blüte aus, wie sie wolle, was kümmert euch das? Denket an die Frucht, so wird euch auch die Blüte geheiligt erscheinen, da ihr wißt, daß es bei den Blättern und der Blüte nicht zu verbleiben hat. Aber so jemand zur Frucht gediehen, so fehlet er nicht, wenn er sich öfter umsieht und da die Werdung seines geistigen Lebens wohl achtend durchgeht; wohl aber ist Mir der nicht angenehm, der, seine Kinderschuhe verachtend, sich gleich einem Geier stolz erhebt und dann von schwindelnden Höhen mörderisch die bescheidenen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen!

13. Denket, daß ohne Meine Zulassung nichts geschieht und ewig nichts geschehen kann, so wird euch augenblicklich alles ganz anders vorkommen! Jeder Mensch hat zwar die volle Freiheit seines Willens; aber die Führung der Völker ist Mein Werk. – Dieses habe Ich euch gesagt, damit ihr volle Ruhe haben möget in eurem Herzen, ohne welche ihr zu nichts Höherem tüchtig werden möget. Die Ruhe des Sabbats sei euch der höchste Segen; denn die wahre Liebe ist ein schwangeres Weib, die Ruhe nötig hat in ihrer Entbindung! – Darum sage Ich euch dieses, damit ihr die volle Ruhe habet in Mir, eurem Vater, der da allzeit heilig, heilig, heilig ist in alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. –

14. Viertens: Ein ferneres Verhältnis ist das Lesen der sogenannten verbotenen Bücher. Hier sage Ich nicht, ihr sollet sie gar nicht lesen, so sie euch in die Hände kommen, sowenig Ich jemandem untersage, den Namen des Lügenfürsten auszusprechen und wo es not tut, seiner warnend zu erwähnen. Aber nun fraget euch selbst, wozu euch all das schon Gelesene dient! Was steht in den Büchern, die vom stolzen Menschenverstande herrühren? Ich sage euch, nichts als Unsinn und über Hals und Kopf tolles Faselzeug, und hat kein nütze, sondern hat euren Kopf angestopft mit allerlei Irrlicht und euer Herz mit allerlei Unrat und euch dadurch vielfältig verschlossen und finster gemacht euren Geist. Oder saget: Tut der recht, wenn Ich ihm zurufe: Komme zu Mir, so du mühselig und beladen bist, Ich will dich erquicken; bitte, so wird es dir gegeben; suche, so wirst du es finden, und klopfe an, so wird dir aufgetan; wenn Ich ihm noch ferner zurufe: Was du immer den Vater in Meinem Namen bitten wirst, wird Er dir geben unverzüglich, und suche vor allem Mein Reich, alles andere wird dir eine freie Zugabe werden! –

15. Wie ist's denn aber, so ihr dieses wisset und doch nicht zu Mir kommet, damit ihr es von Mir empfangen möget und lernen von Mir die großen Wege Meiner Gnade und das ewige Leben empfangen aus Meiner Hand, – es ist denn, daß ihr Mich, gleich euch, für einen baren Lügner haltet, oder haltet Mich für so harthörig und hartherzig, euch zu geben Mein lebendiges Wort, und lasset euch lieber von der Welt etwas vorlügen und verhungern in ihrer Tollheit, als daß ihr im Vertrauen aus wahrer Liebe zu Mir kämet und empfinget da die Wahrheit alles Lebens und Seins aus dem Urborne, statt zu suchen das Leben im Tode. O ihr Narren, Ich gebe euch das Brot des Lebens, und ihr wollt beißen in die harten toten Steine; Ich rufe euch laut zu, zu Mir zu kommen, und ihr rennet tollen Hunden nach und gebärdet euch wie sie. Ich schreie über einen Nachtwächter euch Tag und Nacht eure Ohren voll, allein ihr verleget euer Ohr mit ganzen Ballen von unratvollen Büchern, damit ihr ja von Meiner Stimme nichts vernehmen möchtet, und suchet gleich Schlaftrunkenen das Leben auf den geschwärzten geleimten Lumpen! Welcher Ausdruck sollte da wohl bezeichnen solche Narrheit? O Ich sage, ihr werdet in Ewigkeit über eure Tollheit weinen, daß ihr, das Gold mißachtend, das Blei erwählt habet, während euch so viel des Edlen geboten wird! – –

16. Daher leset wenig, aber betet desto mehr, so werde Ich zu euch kommen und euch in einer Minute mehr geben, als alle Bibliotheken der ganzen Welt aufzuweisen haben, – wovon Ich euch schon hoffentlich so manche sehr stark sprechende Beweise gegeben habe.

17. Bekümmert euch daher auch wenig über das Verbot der Bücherfreiheit; denn vor dem Ich das große Buch Meiner ewigen Gnade aufgeschlagen habe, der wird das Lesen verbotener Schriften ganz wohl entbehren können, da Mein Buch sich nach keiner Weltzensur richtet; denn es wird allzeit im Herzen der Getreuen aufgeschlagen, wohin kein Weltzensorblick zu dringen vermag und auch keine Schranken gezogen werden ewig Amen. –

18. Fünftens: Was aber jedoch die Heilige Schrift betrifft, so soll darinnen lesen, der eines einfältigen Herzens ist und hat da ein gehorsames und folgsames Gemüt; und soll es nicht lesen aus Vorwitz oder Neugierde, denn da wird er finden den Tod kleben am Buchstaben, sondern der es liest, der soll es lesen als einen Wegweiser zum lebendigen Worte und danach handeln – und soll auch nicht grübeln und forschen darinnen, sondern danach alsogleich leben und in der Liebe zu Mir emporwachsen. Alsdann wird ihm zur rechten Zeit gegeben werden die Erkenntnis und wird in seinem Herzen enthüllt werden des Geistes und des ewigen Lebens himmlischer Sinn, gerade wie es bei dir, Meinem Knechte, der Fall ist, da du noch nie dieses heilige Buch ganz durchgelesen hast und bist doch ein Professor der Professoren darinnen in jedem Punkte desselben durch Meine Gnade geworden. Das aber, was du bist und verstehst, kann jedem werden, so er nicht nach eitlem Wissen trachtet, sondern nur nach der Erkenntnis Meiner Liebe und der daraus fließenden Gnade in und durch die fromme, demutvolle Einfalt seines Herzens.

19. Ebenso verhält es sich auch mit jenen mystischen Schriften, deren Lesen euch ebensowenig fruchtet und nützet, als irgendein dummer, eselhafter und saudreckvoller Roman, der sich allzeit ganz wohl mit einer Schlammpfütze vergleichen läßt, wenn ihr davon in euch zu keiner Überzeugung gelangen könnet; denn mit all dem beschweret ihr nur euer Gedächtnis als das Maul eures hochmütigen Verstandes. Statt ihn für Liebe und Weisheit hungrig und durstig zu machen, füttert ihr ihn nur mit allerlei Dreck und benehmet ihm dadurch den Appetit nach der Speise des Lebens. O ihr abermaligen Narren!

20. Ich bin die Heilige Schrift lebendig und Leben gebend, Ich bin der beste Ausleger derselben und bin zugleich der allertiefste Mystiker! – Daher leset wenig, aber handelt danach, dann wird euch alles werden. Denn das Senfkörnlein ist klein, aber es kann da ein gar großes Gewächs daraus werden, unter dessen Zweigen sogar die Vögel des Himmels Wohnung nehmen werden Amen. –

(Der Weg zur Wiedergeburt. – Fortsetzung am 18. August 1840.)

21. Sechstens: Was die Priester betrifft, da sage Ich: Es gibt deren mehrerlei; darunter es nur äußerst wenige gibt, so diesen Namen verdienen. Denn es gibt solche, die da Priester sind des Ansehens und der Macht wegen, die da anekelt an ihnen selbst Meine große Armut und gänzliche Machtlosigkeit in weltlichen Dingen, da Ich nicht wollte ein Fürst, sondern nur ein Retter der Welt sein. Und es gibt andere, die da Priester sind der geistlichen Kastenwürde halber. Diese maßen sich an, allein die Kirche zu sein, und verdammen dann aus eifersüchtiger Willkür alles von Mir durch irgendeinen armen Fischer Ausgehende und lehren Meinem Willen schnurstracks entgegen und sagen, ihren Bauch weit aufblähend: Ich offenbare Mich niemandem als nur der Kirche, welche sie zu sein wähnen. Auf diese schändliche Art versperren sie dann auch vielen Tausenden und Tausenden die Türen zu Meinem lebendigen Worte.

22. Wahrlich sage Ich euch, diese verräterische Art ist Mir ein Greuel; denn sie ist Mein Feind, da sie sich ärgert Meiner herablassenden Liebe zu den Sündern wegen. Ich aber sage euch: Diese werden nie ein anderes Wort von Mir vernehmen als das große: Weichet von Mir, ihr Verfluchten, denn Ich habe euch niemals erkannt; denn ihr waret allzeit Verächter Meines lebendigen Wortes und widerstrebtet allzeit dem heiligen Geiste! Mein geschriebenes Wort belegtet ihr mit der ewigen Verdammnis, damit sie euch erwarte. Ihr hattet Mich zum Lügner gemacht, denn es steht geschrieben: „Wer Meine Gebote hält, der ist's, der Mich liebt; wer aber Mich liebt, der liebt auch Den, der Mich gesandt hat, nämlich den heiligen Vater, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung nehmen bei ihm und Uns ihm selbst offenbaren.“ Das habe Ich zu jedermann geredet; allein ihr fluchet und lästert diese Meine allzeit ewig wahre Verheißung und widerstrebet darinnen Meinem heiligen Geiste; darum treffe euch ewig Mein Fluch, denn ihr seid sicher allzeit Diener des Satans gewesen. Darum weichet von Mir und empfanget den Lohn von dem, dem ihr gedient habt in seiner Kapelle, die er sich errichtet hat an der Schwelle Meines Heiligtums!

23. Seht, das sind die sogenannten Priester der geistlichen, gotteslästerlichen Kastenwürde.

24. Wieder gibt es andere, die Priester werden ihres Bauches wegen, um auf einer sogenannten guten Pfründe sich recht mästen zu können. Diese Art hat keinen Geist und ist um eine fette Sau oder um einen gemästeten Ochsen für alles zu gebrauchen. Vor solchen Priestern ekelt es Mir, denn deren Gott ist ihr Bauch, und das Gegrunze ihrer fetten Schweine, das Geblöke ihrer Schafe und Ziegen, das Gebrüll ihrer feisten Kühe und wohlgemästeten Ochsen ist ihnen tausendmal lieber, als zu hören Mein lebendiges Wort, welches ihnen gewiß ganz verzweifelt ungelegen käme, so Ich es sie wollte vernehmen lassen. Sie haben aber in dieser allein belebenden Hinsicht auch wirklich nichts zu besorgen, da Ich den Schweinen nie pflege Meine Worte als Perlen vorzuwerfen. Und für den schlechten Dienst, den sie Mir verrichteten, werden sie etwa doch gut genug bezahlt worden sein, da Ich ihnen um fast nichts im Überflusse gab, wonach ihr Herz so sehnsuchtsvoll durchs ganze Erdenleben gedürstet hat. Da sie so genügsam waren, so sollen sie auf solche Bauchstrapazen sich denn auch nach dem Erdenleben in die ewige Ruhe des Todes legen und warten alldort, bis die letzte Sonne verglimmen wird, auf die Auferstehung ihrer Fleischmasse und ihres Bauches!

25. Wieder gibt es andere, die da Priester sind des Geldes wegen. Diese erteilen dann Ablässe ums Geld und verkaufen den Himmel nach Jochen, Klaftern, Schuhen und Zollen; doch sind sie mit der Hölle und dem sogenannten Fegefeuer viel freigebiger als mit dem Himmel. Wenn ihre Kassen leer geworden, da halten sie Hölle und Fegfeuer recht weit offen, und wer da keinen Ablaß kauft oder sonst recht viele Messen zahlt, der wird ohne Gnade und Erbarmung hineingeworfen, damit es dann wieder etwas zu erlösen gibt, nämlich recht viele klingende Seelen – und zwar aus der Hölle die Füchse und aus dem Fegfeuer die Schimmel. – – –

26. Seht, solche zerreißen sich fast das Maul auf ihren Kanzeln und schlagen mit den Händen wie Besessene herum, um dadurch noch irgend einen letzten Groschen aus seiner Ruhe in der Tasche eines Bettlers aufzuschrecken und ihn zu fangen in ihre verdammnisvollen Schlingen. Solche eifrige Beförderer Meines Wortes werden einst sehr viel Lohn erhalten; da soll ihr Himmel sein ein goldenes Herz, eine silberne Seele und ein kupferner Leib, und so viel Leben in diesen toten Metallen ist, ebenso viel sollen sie auch haben ewig.

27. Wieder gibt es andere, die da sind förmlich asketische Gleisner und Heuchler, um dadurch das Augenmerk eines Hirten auf sich zu ziehen, sich in seine Gunst zu setzen und dadurch sich bald möglichst in den Besitz irgend einer sehr namhaften Pfründe versetzt zu sehen. Diese drehen sich fast die Augen vor lauter Andacht und Demut aus; ihren Leib biegen sie fast allzeit bis zur Erde nieder; verrichten ihr Opfer außerordentlich langsam, und ihre Lippen bewegen sie fast immer, als wenn sie beteten, reden kaum mit halber, stets gebrochener Stimme; wenn sie Meinen Namen aussprechen, da bringen sie sich fast um; sie fasten und beobachten das Äußere des Äußeren wegen auf das pünktlichste vor den Menschen, – jedoch bei sich lachen sie über alles, und ihr Herz ist fest wie ein Stein, so daß sie vor lauter Andacht der armen Brüder gar nicht gewahr werden, die knapp an ihnen vorbei flehend ziehen. Und wie sie taten als Kapläne und wollten dadurch bald Pfarrherren werden, so tun sie als Pfarrherren, um Dechanten zu werden; und sind sie solche geworden, dann ist ihr Augenmerk auf eine glänzende Domherrenstelle gerichtet, und so weiter bis zur Bischofswürde; und selbst da schwebt ihnen noch immer der Kardinalshut vor den Augen, wo nicht gar die Tiara selbst. – Was aber Mich in der Wahrheit betrifft, um das haben sie sich nie gekümmert. Von Meinem lebendigen Worte wollten sie nie etwas wissen und versetzten Mich – als das Leben alles Lebens – lieber mit Haut und Haaren in die tote Zeremonie und hatten einen förmlichen Abscheu vor der Heiligen Schrift.

28. Seht, solche Schleicher gibt es besonders jetzt sehr viele in der römischen Kirche. Sie sind zwar Priester, die dem Volke gerade kein Ärgernis geben, aber sie bringen auch nur äußerst wenig gute Früchte, da ihr Wort ist gleich einer Frucht, da kein Lebenskern innen ist und geht verfaulend zugrunde in der Erde, welche ist: die Herzen des Volkes. Ich lasse solche öfter erreichen ihr Ziel, während Ich nie ermangeln lasse innere Mahnungen, die ihnen beständig zurufen: Nehme dein Kreuz auf deine Schulter und folge Mir nach, so wirst du leben und wahrhaft beleben die toten Herzen deiner dir anvertrauten Herde! – Statt aber das anzuhören und danach zu tun, kaufen sie lieber, wenn es noch gutgeht, ein sogenanntes Kruzifixlein, hängen oder nageln es irgendwo an und blinzeln vor demselben dann und wann, so sie jemand sieht, mit ihren frömmelnden Augen; doch wenn es auf sie ankäme, hätte das Kruzifixlein lange gut ruhen. Und auf diese leichtere Art halten sie ihre zarten Schultern frei. Auch senden sie sogar inbrünstige Gebetlein, teils schriftlich unters Volk, vielfältig aber auch bei sich aus dem Stegreife um die baldige Abrufung irgend eines würdigen, verdientermaßen Höherstehenden aus purer Nächstenliebe – durch irgendeinen Heiligen – zu Mir.

29. O seht, auch diese Art ist Mir ein Greuel. Diese werden einst sehr große Augen machen, wenn sie sehen werden, welche merkwürdige Scheusalsgestalt ihr Leben jenseits nehmen wird.

30. Und noch wieder gibt es andere, die da geiler sind als Hunde und Böcke und da treiben Unzucht aller erdenklichen Art und verscharren ihre Kinder oft lebendig in die Erde, um nicht bei irgendeinem würdigen Bischofe in einem verabscheuungswürdigen Lichte zu erscheinen, wie auch vor dem viel besseren Volke, dem er als ein leitendes wahres Ungetüm gegeben wurde. – Ich sage, diese werden einst sehr stark links zu stehen kommen; wahrlich mit ihnen sollen einst der Huren brennende Kleider gefüttert werden.

31. Und dergleichen mehrere gibt es noch eine Menge, die da alle Priester heißen; allein Ich habe sie noch nie als solche erkannt, besonders aber in den Klöstern, wo sie oft aus lauter Bruder- und Nächstenliebe miteinander leben wie wilde Hunde und Katzen und jeder dem andern oft jeden Bissen abneidet.

32. Jedoch gibt es doch auch wieder Priester, die da wohlverdienen diesen segenvollen Namen. Diese sind freundlich und liebevoll gegen jedermann. Was sie haben, geben sie den Armen. Sie verdammen niemanden, sondern sie suchen nur sorgfältig zu retten das Verlorne. Sie trösten die Betrübten, sie beherbergen die Fremden und geben ihnen ein weiches Lager und legen sich selbst aus wahrer Liebe einen Stein unter ihr geheiligtes Haupt. Sie lassen sich keine Opfer zahlen, sondern sagen zu dem, der solches tun möchte: Bruder, das Opfer ist heilig und von unschätzbarem Werte; denn es stellt das große Werk der Erlösung im Glauben und in der Liebe wieder lebendig dar. Daher kann es nicht bezahlt und zum Wohle eines einzelnen verrichtet werden, sondern wie durch die Macht der großen Erlösung alle können und sollen wiedergeboren werden zum ewigen Leben, so eben wirkt auch die Kraft des von Christus Selbst zu dem Zwecke eingesetzten Opfers. Daher opfere deine Gabe zuvor als Hilfe einem armen Bruder, und hast du dann noch etwas erübrigt, so bringe es getreu und lege es auf den Altar des Herrn und bete für deine Feinde; dann wird der große Herr dein Opfer im heiligsten Opfer aus meinen Händen mit Wohlgefallen ansehen und dir geben, was dir not tut.

33. Seht, das ist Mir ein wahrer Priester, dessen Opfer Mir unendlich angenehm ist. Wahrlich sage Ich euch, da gehet hin und höret seine Predigt, denn nicht ein Wort ist sein, sondern lebendig Mein! O dieser aber wird bald erfahren, wie groß der Lohn wird, der seiner harret, – wahrlich sage Ich: Er wird bei Mir, seinem heiligen Vater, wohnen ewig! – Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen; an ihren Werken aber werdet ihr sie leicht erkennen, wie einen Baum aus seiner Frucht. –

34. Seht, hier habe Ich euch gezeigt die ganze Krankheit des römischen Priestertums, wie sie sind an und für sich; doch sage Ich, das alles geht euch wenig an und – kehre ein jeder vor seiner eigenen Tür und nie vor der seines Nächsten und am allerwenigsten vor der eines Priesters, sondern seid allzeit willig und gehorsam und laßt euch von dem Schlechten nicht ärgern und verführen durch sein Beispiel, sondern befolget als Kinder die Lehre, die da doch sein muß im katholischen Geiste recht, – und soll auch Unkraut sogar dazwischengekommen sein, so wird es zu seiner Zeit schon vertilgt werden. Und rechtet nicht über die Wege eines solchen Priesters; denn Ich, der wahre Rechter, sitze einem solchen schon ohnehin auf dem Genicke, und ehe er sich's versehen wird, wird ihm dasselbe gebrochen werden. Nur lasset euch von niemandem als Ohrenbläser gebrauchen; denn verflucht sei ein Postenträger und Draschler, denn er ist gleich dem bösen Sämanne, der da Unkraut unter den Weizen mengte. Der schlechte Priester wird einst rechten für sich und für euch; ihr aber werdet rechten nach eurem Gehorsam und wahrer demütiger Nächstenliebe nur für euch selbst.

35. Daher sollet ihr euch selbst darum nicht stoßen an der Kirche der Priester wegen, da es darunter doch auch recht viele redliche und getreue gibt. – Am wenigsten aber sollet ihr euch stoßen an irgend einem Bischofe. Da ein solcher schon höhersteht und vorsteht einem Volke, so könnet ihr euch auch schon ziemlich gut denken, daß er nicht ganz allein dasteht, sondern daß jeder seiner Schritte und Worte und Taten von Mir sehr genau gezählt wird; und es soll durch ihn doch allzeit der äußere Stand der Dinge in guter Ordnung erhalten werden.

36. Doch was euer Inneres betrifft, so wißt ihr ja ohnedies, daß es da allzeit nur auf euch selbst ankommt und hernach auf Meine Gnade, welche euch weder ein Engel des Himmels noch irgendein Bischof, noch wer immer geben kann, sondern zunächst ihr euch selbst durch die wahre Liebe zu Mir und den Nächsten durch genaue Haltung der Gebote – oder als Sünder durch eine ernstliche Buße.

37. Denn aus allem, was ihr tut, leuchte Meine und des Nächsten Liebe heraus. Kümmert euch also wenig und denket gar nicht um einen schlechten Priester, und haltet brüderliche Gemeinschaft in allem Guten unter euch, so werde Ich zu euch kommen und euch lebendig machen durch und durch. Liebet, die euch hassen und verfolgen, und segnet durch Gebete die, welche euch fluchen und verdammen; dann werdet ihr anfangen, große Wirkungen Meines Lichtes in euren finsteren Herzen wahrzunehmen Amen. – –

38. Siebtens: Was schließlich noch die sogenannte Ohrenbeichte und die sieben heiligen Sakramente betrifft, so sage Ich euch und bitte euch sogar, stoßet euch nicht daran, gebrauchet alles gerecht und im rechten lebendigen Sinne, so werdet ihr leben! Denn da ist dem Rechtler nichts recht, dem Gerechten aber alles gerecht und heilig; sogar das Nest eines Vogels wird seinem Herzen ein Lob entlocken, und doch ist es nur ein totes Nest eines Vogels. Um wieviel mehr könnet ihr euch denken, daß Dinge, so da errichtet worden sind zu eurer Heiligung, nicht aus der Luft gegriffen werden, – sondern da hängt es allzeit von euch ab, wie ihr sie gebrauchet.

39. Wer da beichtet und bekennet seine Sünden dem Priester, der hat dadurch seine Sünden öffentlich vor der Welt bekannt, und es wird ihm dereinst ein solches Bekenntnis nachgesehen werden, so er hinfort nicht mehr sündiget. Wer aber sündigt nach wie vor der Beichte, der hat die Beichte zu einer Sündensparkasse gemacht, die ihm dereinst zur Hölle hohe Zinsen tragen wird. – Daher, wer da beichtet und wahre Buße wirket und sofort nicht mehr sündigt, der tut ja sehr recht; jedoch wer das alles für so ganz null und nichtig hält, der wird sich einst sehr täuschen, denn er wird eine Kluft finden, über die er schwerlich je wird springen können.

40. So ihr aber saget: Hätten wir es wie zu den Zeiten der Apostel, dann würden wir gewiß ganz andere Menschen sein, da wir mit eigenen Händen (gleich einem Judas!) könnten in die Schüssel greifen! – Allein Ich sage aber, diese schrieen aus vollem Halse nach einem geregelten Gottesdienste und einer sichtbaren Besserungsanstalt gleich dem israelitischen Volke nach einem Könige, während sie oft wie Wölfe und Bären bei ihren Abendmählern zu raufen gekommen sind.

41. So Ich euch nun gegeben habe Regel, Ordnung und System, was ist es denn, das euch darinnen nicht zusagt? – Gebrauchet es gerecht, und achtet es, wie ihr es habt, und wünschet euch es nicht anders; denn wie schon gesagt, am Äußerlichen ist wenig gelegen, sondern alles an euch, wie ihr es nehmet! So gut es sein kann und wahr, so schlecht aber kann es auch sein und falsch, wenn ihr es so gebrauchen wollet oder nicht. Wenn aber unter der Sonne heilsame und giftige Kräuter wachsen, so denket: Es liegt nicht an der Sonne, so oder so, sondern allzeit an der jeweiligen innern, entweder guten oder schlechten Beschaffenheit der Pflanze, ob da Segen oder Gift. – Daher liegt es allezeit an euch, ob gut – oder schlecht – Amen. Ich euer lieber Vater Amen, Amen, Amen. – – –

Das aber ist der kürzeste Weg zur Wiedergeburt.

42. Zwar steht es mit dem gerechten Menschen in dieser Hinsicht wie mit einem Baume, dessen Frucht auch nicht auf einmal reif wird, sondern nach und nach; aber wenn der Frühling lau und heiter war und der Sommer anhaltend warm, mit kleinen Regen abwechselnd, so saget ihr: Dieses Jahr werden wir eine Frühreife haben. – Seht, ebenso ist es bei euch, wenn ihr eure Jugend heiter in sanfter Liebe zu Mir zugebracht habt, dann wird auch der Sommer allbelebend warm werden, abwechselnd mit Gnadenregen vom Himmel, und ihr könnet versichert sein, daß der ewige goldene Herbst zur ewigen Reife der unsterblichen Frucht nicht mehr ferne sein wird. Denn soweit jemand von Mir wiedergeboren sein will, soweit muß er seine Sünden erkennen und selbe zu seiner Demütigung öffentlich bekennen, das ist: ernstlich durch die Beichte äußerlich, und innerlich Mir, und muß Mich bitten um Vergebung, wie es in Meinem Gebete angezeigt ist, und muß gleich einem Petrus wahre Reue und Trauer und Angst empfinden und weinen über den so unschätzbaren Verlust Meiner Gnade, und muß sich den allerernstesten Willensvorsatz machen, ja in alle Ewigkeit nicht mehr sündigen zu wollen.

43. Dann muß er sich ganz fest vornehmen, mit der Welt ganz zu brechen, und sich ganz Mir übergeben und in seiner Liebe eine große Sehnsucht haben nach Mir – und muß in dieser großen Sehnsucht tagtäglich sich von der Welt und allen Geschäften in ihr zurückziehen und wenigstens 7 Viertelstunden lang bei verschlossenen Türen und Fenstern weder beten noch etwas lesen, sondern er muß diese Zeit in der völligen Ruhe, bloß nur sich in seinem Innersten mit Mir beschäftigend, zubringen. – Und allzeit aber, sooft sich jemand in diese Ruhe begeben hat, soll er folgende kleine anregende Rede halten in seinem Herzen an Mich im allerfestesten Ernste und sagen:

44. Herr! – Hier bin ich. Ich ließ Dich, o liebevollster heiliger Vater, lange warten, da Du mir schon seit meiner Kindheit unablässig zugerufen hast: Komm zu Mir, Ich will dich erquicken! – Nun, o Vater, ist die Zeit gekommen, daß sich mein Ohr geöffnet und mein sonst starrer Wille ganz in den Deinigen ergeben hat voll Demut und Gehorsam vor Dir, wie auch nach Deinem Willen zu allen meinen besseren Brüdern. Daher komme Du, mein allerliebster Jesus, zu mir und erquicke meine kranke Seele mit dem Balsam Deiner unendlichen Liebe; laß mich finden meine große Unbild in Deinem bitteren Leiden und Sterben; lasse mich sehen die heiligen fünf Wundmale und erkennen darinnen meine große Missetat! O Jesus, Du Überwinder des Todes und der Hölle, komme zu mir und lehre mich Deinen Willen erst recht verstehen; lehre mich erkennen mein völliges Nichts und Dein Alles!

45. O Du mein süßester, liebevollster Jesus, Du Herr aller Heerscharen, komme zu mir Armem, – komme zu mir Schwachem, – komme zu mir Blindem, – komme zu mir Taubem, – komme zu mir Aussätzigem, – komme zu mir Gichtbrüchigem, – komme zu mir Lahmem, – komme zu mir Krummem, – komme zu mir Besessenem, – ja o mein, mein, mein allerliebster Jesus! komme, komme, komme zu mir Totem und laß mich nur anrühren Dein heilig Kleid, so werde ich leben. – Herr, lasse Dir ja nicht Zeit, denn ich habe Deiner unendlich nötig; ich kann ja nicht mehr ohne Dich sein, da Du mir Alles und alles andere aus Liebe zu Dir zunichte geworden ist! Ohne Dich kann ich nicht mehr leben; daher, o mein liebster Jesus, komme alsobald zu mir! – Doch wie allezeit, so geschehe auch diesmal Dein heiliger Wille Amen. –

46. Nach dem begebet euch zur Ruhe und wachset in der Sehnsucht und Liebe zu Mir. So ihr das nur eine kurze Zeit üben werdet, so sage Ich: Ihr werdet bald blitzen sehen und donnern hören; aber dann erschrecket nicht, und werdet auch nicht ängstlich; denn nun komme zu jedem Ich erst als Richter unter Sturm, Blitz und Donner, und hernach erst in sanftem, heiligen Wehen als Vater! –

47. Wer da will im wahren Sinne eine sogenannte Generalbeichte verrichten, der wird vieles vorhaben, weil dazu mehr Demut und Selbstverleugnung erfordert wird. – Das heißt, sehr wohlgemerkt, es muß dabei ein Totalvorsatz sein, nicht mehr zu sündigen, und muß das heilige Abendmahl im lebendigen Glauben aus reinster Liebe zu Mir genommen werden; dann erst werden sich wunderbare Wirkungen desselben in euch augenblicklich verspüren lassen, welche sich alsobald in übergroßer, unbegreiflicher Freude und himmlischer Wonne kundgeben werden.

48. Seht, das ist der kürzeste und wirksamste Weg zur reinen Wiedergeburt, in welcher allein das ewige Leben zu gewinnen ist. Jeder andere Weg dauert länger und ist unsicherer, da es sehr viele Diebeswege gibt, allwo hinter dem Straßengebüsche arglistige Diebe, Räuber und Mörder lauern; wer da nicht wohl gepanzert ist und bewaffnet kreuz und quer, der wird hart ans Ziel gelangen. – Bedenket wohl, wer Der ist, der euch das sagt! –

49. Daher meine Ich, statt der weltlichen Ressourcen und Unterhaltungen und sehr schmutzigen Gesellschaften könntet ihr füglich Meine Ruhe und Sabbat-Ressourcen wählen und da umsonst ohne Entrée euch mit Mir unterhalten und das andere Entrée zu etwas Besserem verwenden! –

50. Was meint ihr, was da besser wäre und Mir um desto wohlgefälliger? Denn seht, wie Ich schon zu den Aposteln einst gesagt habe: daß niemand zweien Herren dienen kann, – daher bedenket wohl, wer daran euch mahnt Amen. – Ich euer heiliger Vater von Ewigkeit bin es Selbst Amen, amen, amen. – – –

51. Und ich Knecht sage Halleluja, Ehre und Preis und Ruhm Gott in der Höhe als dem Vater, Sohn und Heiligen Geiste Amen. –

(Siehe dazu das Beiwort vom 20. Aug. 1840, „Himmelsgaben“, Bd. 1 (HiG.01_40.08.20))

Größe der Schöpfung und der Liebe Gottes. – 5. September 1840.

01. Kubischer Inhalt der Erde. Ihr Durchmesser 1720 Meilen; somit ist ihre Peripherie 5160 Meilen. Ihre Oberfläche wäre demnach das Produkt des Durchmessers und der Peripherie, somit 8875200 Quadrat-Meilen Oberfläche der Erde. Zum Kubus erhoben mit dem Durchmesser macht 15265344000 Kubik-Meilen als ganzer Inhalt der Erde. Macht in Kubik-Klaftern 976''982016'000000000000 / Kubik-Zolle der Erde 364''''734 279'''587568''000000'000000 / Kubik-Linien 137'''''172733''''875252'''338664''000000'000 000.

02. Es sollen genommen werden auf eine Kubiklinie 10 nackte Greiskörner, so macht das für den Inhalt der ganzen Erde: 1371'''''727338''''752523'''386640''000000'000000

03. Es soll aber nun noch ein jedes Greiskorn in eine Million Teilchen zerteilt werden, welches Teilchen schon so klein wird, daß es nur unter dem schärfsten Mikroskope noch ganz leise wahrgenommen wird. Sonach besteht die ganze Erde aus: 1371''''''727338'''''752523''''386640'''000000''000000'000000

04. Seht, diese Rechnung habe Ich Meinem Knechte eingegeben, um euch zuerst die Erde mechanisch in die kleinsten Teile zu zerteilen, ohne welche Zerteilung ihr unmöglich von der totalen Enthüllung euch irgend eine richtige Vorstellung je machen könntet.

05. Wolltet ihr nun noch die Sonne auf die Weise zerteilt haben, so müßtet ihr noch die Produkte überall mit 1000000 vervielfachen, das heißt, ihr hättet da nur überall 6 Nullen anzuhängen, und es wird euch der ganze Inhalt derselben bekannt sein, insoweit es euch not tut; denn es kommt da nicht auf eine sogenannte mathematische Genauigkeit an, welche nur Mir allein bekannt ist, sondern nur auf die größtmögliche Annäherung.

06. Daraus könnt ihr dann euch eine ganz gute Anschauung verschaffen, für wie vieles Ich zu sorgen und aus Liebe beständig zu wachen habe; denn es hängt da die weise Erhaltung des Kleinsten, wie dadurch des Größten, von der mächtigen Ordnung ab – und da hängt die Erhaltung des Ganzen von der Erhaltung auch nur eines einzigen Atomes ab. Ja, Ich sage euch, so jemand imstande wäre, zu vernichten auch nur eine Monade, die ganze sichtbare Schöpfung würde bald zunichte werden. Jedoch ist das nur Gott möglich, so Er die Liebe nicht hätte, – aber im Vollbesitze dieser will und kann daher auch nicht handeln Ich gegen Meine Liebe, welche Liebe Meine eigentlichste göttliche Ordnung ist, außer und ohne welche nie etwas hätte erschaffen werden können und auch nur den trillionsten Teil einer Sekunde lang bestehen.

07. Seht, daher gab Ich euch nun diese Rechnung und zeigte euch die große Zahl einer Milliarde, – und Ich sage euch, in eine Sonnenhülsenglobe sind wirklich eine Milliarde Sonnen geschoben (siehe ‚Der Engel‘). – Nun denket ein wenig nach über das weite Revier des Todes! – Denket euch aber noch hinzu, daß erstens von einer Globe bis zur andern eine Milliarde Globen Platz hätten, und denket euch ferner, daß eine Milliarde Milliarden solcher Globen erst Eins ausmachen, und daß ferner Meine Zahlen der Schöpfung fortwachsen, und daß die ganze Unendlichkeit so gearteter Schöpfungszahlen in Meiner Hand gleich einem Tautropfen ruht, und daß es solcher Tropfen wieder zahllose gibt, – so wird euch einleuchten, wie groß Ich, wie groß Meine Sorge und wie groß erst Meine Liebe sein muß, die dieses alles wie einen Punkt erhält und Leben haucht über alles nach Bedarf des Seins! –

08. Seht, Ich bin ein gar großer Vater, der sehr vieles hat, und Meine lieben Kinder sollen dereinst über ein Kleines nicht zu kurz kommen! – Wohlgemerkt! – die Mich lieben – denn Mein Haus hat viele Wohnungen Amen. Das sage Ich, der große heilige Vater amen amen amen.

Die Größe des Menschenherzens. Gefühl und Verstand. – 16. Oktober 1840.

00. Ein kurzes Beiwort zur Darstellung des Südpols.

01. Sehet, klein zwar ist das Herz des Menschen, aber desto größer der Horizont seiner Gefühle, so jemand ist in der Kraft des Glaubens aus der reinen Liebe zu Mir. Ich sage euch, es ist kein Ding so verborgen, daß es nicht von den Strahlen des reinen Gefühls erreicht werden möchte; und haben dann die reinen Strahlen des Gefühls irgend etwas erfaßt, so fraget euch selbst, ob es noch möglich wäre, die Sache anders zu erfassen, als sie an und für sich wirklich ist und besteht.

02. Ganz anders verhält es sich freilich mit den Verstandesmenschen. Diese haschen mit dieser kurzen Hand (des Verstandes) nach allen Dingen, gleichwie unmündige Kinder nach dem Monde und anderen sehr ferne gestellten Sachen. Diese Menschen ziehen dann ihr Gefühl in ihren engen Verstand und lassen es dann in diesem hochmütig herumtappen gleich einem Blinden, der sich niedergesetzt hat auf einen mit Hieroglyphen übermeißelten Steinblock und auf demselben herumgreift, ohne daß ihm auch nur eine leise Ahnung zulispeln möchte, daß das lauter Hieroglyphen sind, und noch weniger, daß diese Schrift eine geheimnisvolle entsprechende Sprache ist aus den hellen Strahlen des reinen Gefühls.

03. Sehet, so verhält es sich auch mit diesen Meinen euch gegebenen Mitteilungen und Offenbarungen Meiner Gnade. So ihr sie mit den Strahlen eures Gefühls prüfen und beleuchten werdet, so wird euch deren Wahrheit alsobald einleuchtend werden, und ihr werdet euch alsobald finden, als wenn die Sache euch wie lange bekannt gewesen wäre. Mit dem Verstande aber besehen, wird es euch immer mehr und mehr zu befremden anfangen; denn wie gesagt, der Verstand hat nur sehr kurze Arme, welche noch dazu sehr schwach sind, und vermögen daher große Dinge, so sie ihnen auch sehr nahe wären, nicht zu erreichen, noch weniger aber ferne Sachen zu erreichen, sie dann an sich zu ziehen – und dann gar Sonnen in ihr enges Schneckenhaus zur blinden Betastung ihres genotzüchtigten Gefühls zu schieben.

04. Sehet, das geht durchaus nicht. Und da der Verstand aber mit der Zeit doch gewahr werden muß, daß solches unmöglich ist, da wird er zornig, läßt alles stehen, räumt alles unnötige Zeug aus seinem Schneckenhause und genügt sich in seinen eigenen Abstraktionen, verabschiedet endlich sogar das genotzüchtigte Gefühl und wird kälter denn der Nordpol selbst und fängt an, sich selbst in seiner allerhöchsten Dummheit als einen Gott anzustaunen, wo nicht gar selbst anzubeten, da er es endlich so weit gebracht hat, daß er zu wissen anfängt, daß er nichts weiß, und in diesem Nichtwissen doch alles zu wissen wähnt. Das ist denn hernach der größte Triumph, ja ein Triumph, für welchen das harmloseste Kind keinen Heller gäbe – und jedem noch so geringen Engel davor ekelt.

05. Daher sollet auch ihr euren Verstand unter den Gehorsam des reinen Gefühles im lebendigen Glauben aus der Liebe zu Mir vollends gefangennehmen, so werdet ihr alle Dinge schauen, wie sie sind; und dann erst werdet ihr klar und deutlich einzusehen anfangen, wo die ewige Sonne der Wahrheit und Wirklichkeit leuchtet.

06. Dieses Wenige sei euch gesagt, damit ihr in der Zukunft merken sollet, mit welchem Maßstabe Meine Offenbarungen zu bemessen sind Amen. Das sage Ich, der große Meister in allen Dingen, Amen, Amen, Amen.

Das Streben der Liebe nach Vereinigung. Bewahrung der Individualität. – 17. Oktober 1840, nachmittags.

01. So schreibe noch ein Beiwort, und dieses Beiwort erhelle noch so manchen dunklen Winkel des Südpols. –

02. Was die anziehenden Kräfte anbelangt, so entsprechen diese der Liebe, die stets hungert nach friedlicher Vereinigung, und was sie einmal ergriffen hat, nicht mehr ausläßt, sondern ihren ergriffenen Gegenstand so lange von allen harten Teilen reinigt, daß sogar das kleinste Stäubchen Sandes hinaus muß vom lieberfaßten Gegenstande, damit der Gegenstand werde weich durch und durch – wie die Liebe selbst, um dadurch der möglichst innigsten Vereinigung fähig zu sein.

03. Daß sich dieses aber so verhält, könnet ihr ja sehr leicht daraus ersehen, so ihr beachtet ein liebendes Paar, welches sich gegenseitig erfaßt und sich so lange und enge aneinander preßt und drückt, wie es nur immer möglich ist. Und bestünde nicht zwischen beiden die feindliche abstoßende Materie, wie Haut, Fleisch und Knochen, so würden sich die zwei Liebenden bis zu einem Punkte vereinen; und wenn dann erst Liebende sich geistig vollends glichen, so würde die Einswerdung noch nach einer größeren Intimität streben.

04. Sehet, daher sind von Mir aus stets weise Schranken gesetzt in allem und jedem, damit trotz aller Liebe demungeachtet nie eine Individualität die andere zu sehr verschlinge. Und diese Maßregeln als Schranken sind die abstoßenden Kräfte in allem und jedem. Daher geschieht es selbst bei den Engeln im demutvollsten allerhöchsten Unschuldshimmel, daß ihrer großen Liebe Zustandswechsel zugelassen werden zur stetigen Verwahrung ihrer Individualität; sie haben eine ähnliche Bewandtnis geistig wie die Abspannung und Mattwerdung des Fleisches nach einem Zeugungsakte. Und wäre dieses alles nicht so von Mir eingerichtet, und das alles zwar aus Meiner ewigen Ordnung heraus, so würde endlich alles Fleisch und aller Geist zugrunde gehen. Denn die Liebe für sich hätte kein Ziel und kein Maß, und möge sie schon wie immer geartet sein, welches alles euch erst bei den späteren Enthüllungen der Geisterwelt, des Himmels und der Hölle klar und vollkommen deutlich gezeigt werden wird, und zwar wenn alle schon tiefer werden in sich gedrungen sein, das heißt: bis ins Zentrum ihres Lebens aus Mir. –

05. Nun sehet, genauso verhält es sich zwischen den Erden und der Sonne, welche Weltkörper nur dem Auge des Fleisches als solche erscheinen. Doch wer sie da beschauen könnte mit den Augen des Geistes, der würde alsobald statt der Weltkörper entsprechende Geister in den verschiedensten Liebe-Abstufungen erschauen – in jedem Tropfen Wassers, der Luft, des Äthers; ja in einem Sandkörnchen würde er ganze Vereine von gleichliebenden und dadurch gleichgesinnten Geistern entdecken. Ja er würde endlich gewahr werden, daß er selber ganz angestopft und umlagert von lauter Geistern ist, die mit ihm liebeverwandt sind, und würde auch in der Sonne erdverwandte Geister, und so auch umgekehrt, erblicken.

06. Seht, darauf gründet sich eigentlich alle Anziehung und Bewegung, und so auch alle Abstoßungs-, Trieb- oder Wurfkraft. So ziehen sich denn entgegengesetzte Pole an, weil die Liebe nur das ihr Gegenüberstehende ergreifen kann und zieht es an sich der schönen Ähnlichkeit wegen: der Ähnlichkeit wegen deshalb, weil die Liebe sich im Gegenstande erblickt, und schön deshalb, weil jeder Gegenstand in seiner Absolutheit eine gewisse Rundung annimmt, durch welche er seinem Primitivwesen angenehm wird, da dieses die Leere empfindet, da sich ein Teil seiner Liebe absolut gemacht hat. Und wie das Primitivwesen empfindet seine Leere, so eben auch empfindet das absolute Wesen sein selbstiges unbeständiges Alleiniges und hat nicht eher Ruhe, als bis es sich wieder vereinigt hat mit der Primität. Werden dann aber gegen solche Vereinungen gewisse Schranken gezogen, so entstehen daraus polarische wie auch geschlechtliche Unterschiede, die doch beständig das Einungsbedürfnis empfinden und sich immerwährend nachstreben.

07. Und wie es sich also verhält mit der Liebe, so verhält es sich mit dem Gegensatze, da das Selbst sich abstoßt und verabscheut, da es ein abstraktes Gleiches ist und sich daher so wenig einen kann wie ein gleiches Faß mit dem andern.

08. Sehet, dieses Wenige und Viele sei euch wieder ein kleines Flämmchen; nehmet es auf in euer Herz, damit es euch erhellen möchte noch so manche dunkle Stellen des Südpols der Erde, ganz besonders aber des fleischlichen Südpols eurer Liebe Amen. Ich, die ewige Liebe und Weisheit Amen, Amen, Amen, der da heißet Jesus Jehova amen.

Anfrage wegen des „siebenten Jüngers“. – 24. November 1840. Nachmittag.

Wie haben wir uns gegen den vermeintlichen „siebenten Jünger“ zu benehmen, da er Deine ihm von uns vorgehaltene Ermahnung für eitles Menschenmachwerk hält und der falschen Meinung ist, wir wollten seiner los werden, da es nur unser aufrichtiger Wunsch ist, ihn näher an uns zu ziehen und für Dein heiliges Reich mit Deiner kräftigen Beihilfe zu gewinnen? –

01. Was den sehr Schwachen betrifft, so seid alle ganz unbesorgt; dieser sehr Schwache wird sich in euch mit der Zeit schon wiederfinden. So aber der Wille schwach ist, so ist er schwach in allem; wenn er aber nur willig ist in seiner Schwäche, da werde Ich ihn ja wohl mit der Zeit stark machen! – Nehmet auf euch den sehr Schwachen und machet ihn fest durch eure Liebe; dann werde schon Ich kommen und stark machen, was schwach ist.

02. Liebet, vertrauet und glaubet fest, denn darin liegt das große Geheimnis alles Gelingens für euch. Mehr braucht ihr für diesmal nicht, sondern alles zu seiner Zeit und nichts vor derselben. Amen, das sage Ich der allein Heilige Amen Amen Amen. – – –

Anfrage wegen des sehr Schwachen. – 2. Dezember 1840. Nachmittag.

Herr! Bester, heiligster Vater! Was soll da mit dem sehr Schwachen werden, der da nicht anerkennen will Deiner ewigen Liebe süße Mahnung und suchet Rechtfertigung vor der Welt und fängt an, ein Verräter zu werden Deiner geheimen inneren Gnade, die doch nach Deinem Willen bis zur Zeit Deines Gefallens möchte verborgen gehalten werden? Wir alle bitten Dich in unserer demutvollen Wissenschaft über unsere große Schwäche und Unlauterkeit unseres Herzens, daß Du uns anzeigen möchtest, was da ferner geschehen solle, damit Dein heiliger Name nicht möchte entheiliget werden vor den Menschen, die da leben der Welt und nicht dem Geiste. – O Vater, erhöre gnädigst unsere Bitte Amen! –

01. So schreibe! Sehet, das sind die Folgen, wenn nicht genau nach Meiner Vorschrift gehandelt wird. Warum tatet ihr nicht, wie es angeordnet war? Daher sollet ihr bei allem, was ihr tut, allzeit darauf sehen, was es für Folgen haben könnte, so ihr nur im geringsten abweichet, nach dem zu handeln, wie Ich es euch doch allzeit genau gebe! – Ihr wisset ja, daß Ich nur raten und erleuchten kann und mag, aber niemals einen freien Menschen zu etwas nötigen; sondern da geschehe, so er es annehmen will!

02. Was aber habt ihr mit dem zu tun, den Ich nicht kenne? Für den habe Ich nichts gegeben. Habe Ich jemandes Namen berührt? Sehet, wie hätte Ich es für den gegeben? – Hättet ihr aber gehandelt nach der Vorschrift, so hättet ihr wohl erfahren, wer darunter zu verstehen ist; denn Ich wäre da alsobald in jedem von euch aufgetreten und hätte euch wohl gezeigt den sehr Schwachen, und ihr hättet ihn auch alsogleich wohl erkannt. Und wäre der auch, den ihr vermeintet, zugegen gewesen, so hätte er sich nicht einmal gewagt, ein solches Heiligtum auf sich zu beziehen; und hätte er sich auch hie und da getroffen gefühlt, so hätte es dann gedient zu seiner Besserung, und er wäre binnen kurzer Zeit gewonnen gewesen. Allein so ist es, wenn jemand nicht genau befolgt Meinen Rat und Meine Ordnung. Es geht dann alles unter, und es wird der gute Same am Wege zertreten, daß er keine Frucht bringe!

03. Jetzt fragt ihr freilich, was da zu tun? Ich sagte ja letzthin: Liebe, Sanftmut und Geduld wird alles wieder gutmachen; und was Ich euch damals sagte, das sage Ich euch auch heute, nur mit dem Beisatze, daß der vermeintliche sehr Schwache nicht ist der, den ihr meintet, noch seid es ihr, – sondern Ich Selbst bin es in euch und nehme unter diesem Bilde alle eure Mängel auf Mich, um sie für euch zu tragen, zu leiden und zu sterben und zu töten dadurch eure Schuld in Mir, – dann wieder, den Tod besiegend, in euch zu erstehen als Überwinder des Todes und der Hölle, welche Auferstehung im Menschen die eigentliche Wiedergeburt ist. Ich Selbst aber wäre dadurch der siebente Jünger durch die Wiedergeburt unter euch geworden, das heißt, in der großen Verständlichkeit eures Herzens. Denn seht, das Bild ist euch darum also gegeben, als enthielte es förmlich die Lebensgeschichte eines euch bekannten Menschen, wenn auch der Tat nach nicht gänzlich, wohl aber dessen Gemütszustande gemäß, was auch bei euch jedem selbst am meisten zu beachten ist, das heißt, bei jedem für sich selbst.

04. Daß aber dieses also gegeben ist, hat, wohlgemerkt, den Grund: Ihr wißt, daß all das Böse und Falsche herrührt von den im Menschen wohnenden argen Geistern, die sämtlich danach streben, den Willen des Menschen für sich zu gewinnen, um sich mittels desselben auch endlich seiner Liebe zu bemächtigen, – wodurch dann der Mensch selbst ein Eigentum der Hölle würde und auch sehr häufig wird, wenn er nicht sorgsam acht gibt auf sein mahnendes Gewissen, welches dadurch im Menschen entsteht, daß Ich alsobald nach der Tat das Herz zuschnüre – und somit die Liebe oder das Leben im Menschen verwahre, daß es die argen Geister nicht an sich reißen können. Daher und darum dann auch die Unlust nach der Tat und die Reue als ein im Herzen geschrieben gefundenes Wort aus Meiner Liebe, die solches bewirkt hat im Menschen.

05. Wenn nun aber jemand sich wohl zu kehren nach Meinem Worte äußerlich und innerlich hat angefangen, so werden diese Geister tückisch und still im Menschen und warten nur eine günstige Gelegenheit ab, allwo sie sich vereint wie in einem Aufruhr dann erheben würden, so sie merkten, daß Ich da käme offenbar zum Menschen. Daher lenke Ich des schadenfrohen argen Gesindels Aufmerksamkeit durch eine äußere entsprechende Gleichnisgabe, worin sich aber heimlich bei sich jeder im Herzen wohl erkennen kann – und kann sich dann beschauen und sich reinigen durch solche besondere Gnadengabe. Ich aber komme dann selbst – wenn das Gesindel nach außen wohl fröhlich merkt, aber nach innen schläft – von innen ganz geheim als ein barer Dieb, und da weiß niemand, von wannen Ich gekommen bin und wo Ich hin will. Und nun sehet, da hat das Gesindel es mit Mir zu tun, damit euch der zu große Kampf erspart würde, in dem ihr allzeit unterliegen würdet, so Ich solches auf diese kluge Art nicht auf Mich nehmen würde und euch erlösete von solcher Not. –

06. Daß Ich da heiße der „Sehr Schwache“, kommt daher, daß Ich da klug sein muß und darf nicht auftreten als ein starker Held, sondern muß auftreten in der Kraft eurer Liebe, damit dann das Gesindel über Mich herfällt und mit Mir tut, was dereinst die Juden, Pharisäer, Schriftgelehrten und Hohenpriester taten. Ich lasse dann auch mit Mir machen, was damals zu Jerusalem geschah, welcher Zustand des Menschen dann auch der betrübendste ist. Aber hat dann der Mensch sich während dieser Zeit treu und tapfer gehalten in seiner Liebe, so erstehe Ich alsobald in großer Kraft und Herrlichkeit im Menschen, mache Wohnung bei ihm, und so ist er dann durch diese Meine Auferstehung in ihm selbst im Geiste auferstanden mit Mir, nimmt sich selbst ein in und durch diese Meine Auferstehung. Und da dadurch alle seine Feinde besiegt, getötet und aus ihm geschafft sind, so ist er dann auch vollends wiedergeboren und lebendig durch und durch, da er das Leben alles Lebens in sich trägt. Aber freilich geht das oft leider nicht auf einmal, sondern Ich schleiche Mich gar oft als Dieb in euch, – aber ihr könnet nicht eine kurze Zeit wachen in eurer Liebe dann mit Mir, und es zeigt sich da allzeit noch, daß euer Geist zwar willig, aber das Fleisch schwach ist. Darum sollet ihr dann beten, um in der Versuchung zu bestehen, und sich nicht zerstreuen mehr, wenn der Hirt geschlagen wird, und nicht verleugnen den Meister gleich dem Petrus, sondern gleich dem Johannes Mir vorsichtig bis zum Kreuze folgen und dann führen das anbefohlene Weib als die stark hergenommene Liebe in Gewahrsam – und erwarten daselbst Meine baldige Auferstehung! –

07. Sehet, nun wisset ihr alles, wie sich die Sachen verhalten. Was aber ferner sonderheitlich das Bild aussagt, will Ich euch nächstens durch den Knecht von Punkt zu Punkt in die Feder sagen, worüber ihr euch alle hoch erstaunen werdet. Was aber den bewußten sehr albernen und höchst unklugen Menschen betrifft, so habet fürs erste Geduld und Nachsicht mit seiner Narrheit, denn er ist blöden Geistes, und saget ihm, daß ihn davon auch nicht ein Sonnenstäubchen zu eigen angeht. Laßt ihn zu euch kommen und saget ihm, wie sich die Sachen verhalten und daß nur ihr in eurer Meinung euch wieder einmal geirrt habt, und er somit dadurch nicht im allergeringsten beteiliget wird. Saget ihm aber auch, daß derjenige, der sich eher entschuldigt, als er noch bestimmt weiß, daß er der Angeklagte ist, sich nicht selten dem Gerichte preisgibt! – Beherziget alles dieses nun vorderhand, und machet euch bald ans Werk; alles andere wird dann folgen. Höret und seid sanft und klug Amen. Das sage Ich der Siebente Amen Amen Amen. –

Meinen, Meinung. – 5. Dezember 1840, abends.

01. Ihr meinet öfter, und der Meinung seid ihr oft, daß Meinen so ein halbes Glauben sei. Ihr irrt euch aber allzeit, so ihr da die Meinung zur Idee und als ein Dafürhalten achtet. Denket, wie unrichtig müßt ihr manchen Sinn erfassen, und wie sinnlos manchen Satz verfassen, so ihr denket: Meinen sei soviel, als ohne Prüfung irgendein verworrnes Urteil von sich geben – oder so die äußeren Umstände nur Wahrscheinliches verbürgen, seht, so denket ihr in eurer unbegriffnen Meinung, nah der Wahrheit auf der Spur zu sein.

02. Doch höret, dieser Meinung bin Ich durchaus nicht! Ja, denket nur ein wenig nach und leitet dieses Wörtlein richtig ab, so werdet ihr leicht doch finden, wo und wie die kleine Zungenpflanze ist gewachsen. Kann sie je vom Glauben hergekommen sein als halbgereifte Frucht? O ja, vom Menschenglauben wär's wohl möglich, die da glauben, was dem Eigensinne schmeichelt und in eigener Idee die Wahrheit wähnen oder sie am Ende dafür halten, als wenn Wahrheit dann nur Wahrheit wäre, so auf eignem Grund und Boden sie gewachsen ist. Doch solchen Glauben, solche Wahrheit kann das reine Herz nicht brauchen; sondern redlich nehmen gute Gaben, gute Sagen, und dann wieder redlich geben echte Früchte, echte Liebe, echte Wahrheit. –

03. Sehet, meinen aber kommt her von mein, und so ihr sagt: Ich meine, saget ihr soviel, als wenn ihr sagen möchtet: Sehet, das ist mein Urteil, wie auch: Ich denke das aus mir ohn' alle Rücksicht auf das Urteil eines zweiten, dritten, vierten; sondern wie ich's hab' zuerst in mir empfunden, geb' ich es als rein nur selbst erzeugte Ware wortgetreu von mir. Und sehet, so ihr sagen möchtet: Höre Freund, was meinst denn du? – so habt ihr recht gefragt, wenn ihr da sagen wolltet: Freund! was gehen dich die Urteile an, die da auf meinem Grunde sind gewachsen? Doch so ihr saget oder wollet sagen: Freund! laß hören das Urteil, so da gewachsen ist auf deinem Grunde – hört! – da redet baren Unsinn ihr, denn wie soll denn ein zweiter meinen können oder aussprechen ein Urteil des ersten, ohne es gehört zu haben als ein eignes, ohne daß es je gewachsen wäre auf eignem Grund und Boden!

04. Nun, so sehet hier die deutsche Sprache, wie sie sich verbessert hat seit alter Zeit und Sitte, da ihr wohl aus Eigenliebe noch geblieben ist das Meinen; doch das Zeitwort deinen, seinen, das gebräuchlich war in einter Zahl, ist lange, lange schon aus allem Kurs gekommen. Und so da denn jemand recht wollt' fügen dieses Wort, müßt' sagen er: Ich meine, du deinst, er seint, wie auch: er seinet. Und wie es da gibt eine Meinung dann, so soll's auch geben eine Deinung, wie auch eine Seinung. Und obschon da jeder hat für sich die Meinung, aber wenn er sagen soll des zweiten oder dritten Urteil – hört! – da soll er reden von der Deinung oder Seinung, aber nicht von einer Meinung eines zweiten, dritten oder wohl gar vierten und so weiter. Ebenso ist's auch gefehlt, so da jemand saget: meine Meinung, da die Meinung ja schon ohnehin die Eigentümlichkeit des Redners zur Genüge kündet – nun, wozu hernach das meine? Unsinnvoller ist hernach die Rede erst, so jemand sagt: Deine oder seine Meinung! Höret, solche Sprachalbernheiten gäb' es eine große Menge noch auf eurer Zunge, ja da wäre noch gar viel zu richten und zu ebnen; aber da der Unsinn gang und gäbe ist geworden bei den Menschen und geworden ist zur harten Kruste um den Stamm der Völker schon seit Babels Zeiten, so wird's hart sein gegen solche alte Narr- und Bosheit streiten!

05. Sprechet also wie ihr sprechet nach gewohnter Sitte, aber allzeit doch verstehet, was ihr redet oder was von Mir zu euch geredet wird im stillen. Und da vom Sprachirrtum allhier geredet wird, so füg' Ich schließlich noch hinzu, daß unter allen Sprachen die französische die dümmste ist und ist die slawische und ungarische ganz unvergleichlich besser. Denn wo eine Sprache anders wird geschrieben und ganz anders dann gesprochen und hat doch kaum einen Laut, der da auf eignem Grund und Boden wär' gewachsen, sehet, solche Sprachen sind meist voll von Trug und Lügen, wie die Menschen, deren Zungen sich danach bewegen. Solche Sprachen gleichen jenen finstren Heiden, die die Götter schnöd besiegter Völker aufgenommen haben ins Kollegium des eignen unsinnvollsten Götterheeres unter mehr und bald auch weniger Veränderung der Namen, ohne zu bedenken, was der Name gründlich mochte sagen.

06. Sehet, und doch gibt es heutzutage Tausende und Tausende von noch viel größren Narren unter Meinem deutschen Volke, die da ihre eigne Muttersprache rein aus vaner Eitelkeit und Prahlerei verschlechten und verscheißen, um den andren Narren glaubhaft gar zu machen, daß sie auch Franzosen oder gar Engländer oder Türken seien. Hört, mit welchen Namen soll Ich solche Narren taufen?

07. Ja, Ich sage, o Unendlichkeit, du großes Wort, wohl würdig groß genannt zu werden aus dem Munde Dessen, der dich ewig schuf; doch trägst du sicher nicht in deinen ew'gen Räumen irgend eine Tafel, da geschrieben stünde solcher Narren nimmer aussprechbarer Name, die da statt der Herzenssprache lernen reden eine Sprache, deren sich nach Meinem Sinn der dümmste Esel schämen möchte. Doch mein' Ich hier nicht jene, die darinnen sind geboren, oder solche, die zum Dolmetsch sind erkoren, sondern jene nur, ihr kennt sie schon, Ich will zum zweiten Male nimmer solcher Narren mehr erwähnen, wo ein Deutscher will zum Deutschen gar französisch, englisch oder türkisch reden.

08. Dieses merkt euch alle wohl, daß Ich nur eine Sprache spreche und nur diese eine Sprache wohl verstehe! Diese ist die Sprache eines reinen, liebevollen Herzens, welche ist die Sprache aller Himmel, so wie aller Engel. Möchte sie auch bald die eure werden Amen; ja, das sage Ich, der beste Meister aller Sprachen, Amen Amen Amen. –

Der ‚Sehr Schwache‘. (Der siebente Jünger). – 6. Dezember 1840, Vormittag von 1/2 10 bis 3/4 12 Uhr.

Schreibende: C. L., S., And. u. Ans. H.

Heute offenbarte der Herr Nachstehendes durch den Mund Seines Knechtes, nachdem früher das Nebenwort „An den sehr Schwachen“ gelesen wurde:

01. Ihr werdet alle doch wohl verstehen, daß nicht Ich als das allerhöchste Wesen, als Gott von Ewigkeit und als Vater aller Menschen, Geister und Engel solche Dinge, wie die eben erwähnten es sind, in der Wirklichkeit selber begehe, um Mir hernach in eurem Angesichte gleich einem Doppelgänger solche Vorwürfe zu machen und Mich gewisserart Selbst zu ermahnen, Mich in allem diesem zu bessern, das Ich doch niemals begangen habe. So ihr über dieses wenig Gesagte nachdenket, – wird euch nicht von selbst die fast undenkliche Frage sich aufwerfen: Ja, kann denn Gott auch sündigen, da Er doch Gott ist, wie in Seinem Heiligtume so auch in Seiner Weisheit und ebenso in Seiner Liebe? Woher demnach eine solche Beschuldigung gegen Sich Selbst? Allein, saget ihr nicht selbst, daß Meine Wege unergründlich und Mein Rat unerforschlich ist? Ja, seht, so ist es auch! Es hat von der ganzen Ewigkeit her noch nie jemand Meinem Rate beigewohnt, und keines Engels Auge wird je schauen die geheimen Wege Meiner Weisheit und Meiner Liebe.

02. Damit ihr aber diesen siebenten Jünger wohl begreifen möget, so will Ich auf einen kurzen Augenblick eure Gefühle zurückführen in die große Zeit der Menschwerdung Meiner Liebe. Und wie von dort aus alles Licht und alle Hilfe in die Welt gekommen ist, so soll auch eben dieses Licht euch wohl erleuchten das Inwendige einer kleinen Haselnuß, die Ich, euer Vater, in diesem siebenten Jünger oder in dem Sehr Schwachen euren Zähnen zum Aufknacken unterschoben habe.

03. So fraget auch da Meine Liebe: Du reinstes Wesen Gottes, das nie auch nur des allergeringsten fehlerhaften Gedankens fähig ist, wie ist es und wie war es möglich, Dich vom Vater zu trennen, um Dich mit allen Sünden und mit aller ihrer Scheußlichkeit auf der Welt zu beladen, um Deinem Vater oder der Heiligkeit Gottes zu erscheinen in einem ärgeren Lichte als derjenige selbst, durch den alle Bosheit in die Welt gekommen ist? – Wie konntest Du zum Mörder aller Mörder werden? Wie konntest Du zum Ehebrecher aller Ehebrecher werden? Wie konntest Du zum Lügner aller Lügner werden? Ja, wie konntest Du zum größten Verächter der Heiligkeit Gottes werden? Ja, wie konntest Du alle großen und kleinen Sünden auf Dich nehmen vom Anfange der Welt und bis ans Ende derselben, da Du doch die Liebe Gottes Selbst warst, und der Vater in Dir, wie Du im Vater, und der Gott in Dir, wie Du in Gott? Und wie konnte die Gottheit vor aller Welt aus den Himmeln bei Deiner Taufe im Jordan zu Dir sagen: Das ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören!? –

04. Sehet, ihr könnt da denken, wie ihr wollt, so werdet ihr nichts Verständliches herausbringen. Und wird euch nicht, je tiefer ihr die Sache verfolgt, auch um desto rätselhafter werden, so ihr das recht ans Licht ziehet und so recht tief in euch denket, wie es möglich ist, daß gerade das allerreinste Wesen Gottes, ja das Leben in Gott Selbst, welches ist das Leben alles Lebens und das Licht alles Lichtes, sich wohl so arg beladen mochte mit dem Tode alles Todes und mit der Finsternis aller Finsternis? –

05. Sehet, wenn ihr das begreifen könnet, so wird euch diese kleine gebotene Haselnuß so leicht verständlich vorkommen, als wäre sie ganz enthüllt vor euer Herz gelegt worden. Allein, das ist der große Schritt, den ein jeder in seinem Herzen zu machen hat und helfe, der ewigen Liebe das Kreuz tragen, damit er dereinst Teil haben möchte an dem großen Werke der bis jetzt noch immer unbegriffenen Erlösung, der Überwindung des Todes und der Auferstehung. Darum habet acht und begreifet zuerst dieses große Geheimnis, und ihr werdet darinnen jede einzelne Pore des Sehr Schwachen hell erleuchtet erblicken. –

06. Daß die Welt von Anbeginn in allerlei Argem war, wißt ihr; – und durch wen und wie sie in solches gekommen ist, wißt ihr auch. Aber wie die Welt in ihrem Argen hätte bestehen können vor Gott, das ist eine andere Frage. Sehet, die Welt war also tot in ihrer Bosheit und konnte sich somit unmöglich mehr selbst richten nach der unantastbaren Heiligkeit Gottes. Sie mußte daher beständig aus der Barmliebe Gottes gerichtet werden, damit sie bestehen mochte als das wenigstens, was sie war; aber saget ihr selbst, wie ist ein gerichtetes Ding, ist es tot oder lebendig? –

07. Da kann Ich euch nichts anderes sagen, als euch mit einer Frage behilflich entgegenkommen: Ist ein Automat tot oder lebendig? Eure Antwort kann unmöglich anders ausfallen, als daß ihr saget: Ein Automat ist tot, und seine Bewegung ist nichts als eine künstliche Richtung des Mechanikers. Und sehet, gerade so verhielt es sich auch mit der argen Welt vor der Erlösung. Sie war bloß ein durch Meine Barmliebe immer gerichteter Automat. Aber so ihr einen sonst recht possierlich schönen Automaten vor euch hättet, dem die Kunst des Bildners sowohl, als die des Mechanikers alles gegeben hätte, daß ihm nichts abginge als nur das selbständige Leben, um ein Mensch in aller Vollkommenheit zu sein, – ja würdet ihr da nicht sehnlichst wünschen nicht nur das künstliche Leben diesem Automaten, sondern ein wirkliches selbständiges Leben? Und wäret ihr fähig, wie Ich es bin, so würdet ihr euch mit eurem Leben im Geiste selbst hineinziehen in den Automaten und würdet somit alle seine Mängel und innerlichen Gebrechen notwendig an euch ziehen und euch gewisserart mit denselben bekleiden.

08. Sehet, wie war es denn nun da zu tun, da Ich nur allein das Leben bin und das Leben habe in und aus Mir, um der beständig zu richtenden Welt ein wahres freies und nicht bloß mechanisches Leben zu geben?

09. Sehet, da mußte die Liebe sich trennen von Gott oder der urewigen heiligen Kraft, aus der sie ewig geboren ward und die Kraft Gottes ewig aus ihr. Also dieses ewige Leben aus sich selbst oder aus der urewigen Kraft Gottes mußte einen Bruch machen mit Gott und mußte sich niedersenken zur toten Welt und anziehen das Sterbliche derselben, damit das Sterbliche dadurch die Sterblichkeit verliere und wieder frei lebendig werde in und aus dem Leben aus Gott, welches ist das Leben alles Lebens, da Gott Selbst ist in diesem Leben und das Leben selbst in Gott. Und so ist aber das Leben von Gott ausgegangen, hat sich mit der Sterblichkeit des Fleisches bekleidet, damit dadurch alles Fleisch möchte frei lebendig werden in sich durch das Leben aus Gott, wie Gott Selbst lebendig ist von Ewigkeit durch dasselbe ewige Leben der Liebe in Sich. –

10. Sehet, das ist nun das große Geheimnis, warum die Liebe Gottes im Menschen sich selbst gemacht hat zur allerartigen Verbrecherin und Sünderin, damit da nicht nur ein Fleisch, sondern alles Fleisch mit dem Leben aus Gott durchwirket werden mochte. Und diese nun so mit aller Schuld überladene Liebe mußte sich dann im Gegensatze vor der Heiligkeit Gottes vermöge der an sich genommenen allgemeinen Schuld oder Sterblichkeit eben auch bis auf den alleräußersten Punkt aller Punkte demütigen und mußte ertragen jeden erdenklichen Vorwurf, um dadurch sich mit Gott wieder vereinigen zu können, wie auch alles das dem Vater oder der Heiligkeit Gottes lebendig wieder anheimzustellen, was zwar lebendig dereinst aus Gott gegangen ist, aber sich tot gemacht hat durch die eigenwillige und hochmütige Losreißung von Gott – oder von Seiner ewigen Ordnung.

11. Sehet, nachdem ihr dieses doch so ziemlich mochtet begriffen haben, so will Ich euch nun auch ein wenig mit den Vorwürfen bekannt machen, die Mir da notwendigerweise von der Heiligkeit Gottes gemacht wurden, damit ihr da etwas erfahret, was die Welt bis zur gegenwärtigen Minute noch nicht erfahren hat. –

12. Ihr wißt, daß alles, was da erschaffen wurde in der ganzen Unendlichkeit, laut des Zeugnisses Meines lieben Johannes durch Mich gemacht und erschaffen wurde. Nun nehmet aber die böse gewordene Welt, die dadurch von der Heiligkeit Gottes immer verdammt ward, daß Ich als der Hervorbringer solcher Verdammlichkeit somit auch von der Heiligkeit Gottes diesen Vorwurf notwendig teilen mußte, da die Welt und alles, was in ihr ist, nicht durch sich, sondern durch Mich einzig und allein ins Dasein gerufen wurde. Da also die Welt schnurgerade entgegen war der Heiligkeit Gottes, wie war hernach das Bestehen der Liebe, die solches hervorgerufen hatte, das die Heiligkeit Gottes verdammen mußte, anders als ein selbstverdammliches? – Nun denket euch all die namenlosen Taten der Menschen. Sehet, aller dieser Taten wegen mußte Ich verdammt sein von der Heiligkeit Gottes, weil die Taten selbst verdammt waren als Erscheinungen in der Welt, die aus Mir hervorgegangen ist. Was war da zu tun?

13. Sehet, nur zwei Wege standen Mir offen, nämlich der Weg nach oben, und der Weg nach unten, das heißt: Ich kehre zu Gott zurück, werde Eins mit Ihm und vernichte durch die Kraft Seiner Heiligkeit alles das, was aus Mir hervorgegangen ist – oder aber Ich trenne Mich mit allem Vorwurf beladen, mit der höchsten Verdammlichkeit, von Gott, belebe und heilige da Meine Werke und tue in Meiner unendlichen Demütigung Genüge der ebenso unendlichen Heiligkeit Gottes. – Sehet, wenn Ich nicht die ebenso unendliche Liebe selbst wäre, wie Gott die unendliche Heiligkeit selbst ist, so hätte Ich freilich das erste getan. Allein Meine Liebe vermochte das Unaussprechliche aussprechlich zu machen, verleugnete ihre Heiligkeit und machte sich unheilig, da sie sich belastete mit aller Schuld, und somit auch mit des Todes schwerster Bürde.

14. Allein, ihr wißt die Begebenheit, als Ich in dem Garten Gethsemani an dem sogenannten Ölberge zu Gott, von dem Ich Mich der Welt wegen getrennt habe, betete. Sehet, da erst erwachte vollends die große Blindheit Meiner Liebe und sah mit dem entsetzlichsten Grauen zwischen Sich und Gott die unendliche Kluft; allda bereute Ich im Ernste, daß Ich Gott verließ und zum toten Werke Meiner eitlen Lust Mich gewendet habe, – und damals stand die ganze Schöpfung in der großen Schwebe zwischen Sein und dem ewigen Nichtmehrsein. Denn entweder trinke Ich den Kelch, so besteht die Welt und alles, was auf ihr ist – oder Ich setze den Kelch zur Seite und die Welt und alles unter ihr wird zunichte in dem Augenblick, da Ich den Kelch zur Seite setze.

15. Aber sehet, eben da, wo die Liebe und das Leben in der unendlichen Entfernung von Gott schwach geworden ist, da erbarmte sich Gott Seiner Liebe selbst, stärkte Sie und gebot Ihr, den vorgesetzten Kelch zu leeren, und sprach insgeheim zu Ihr: „Noch sind zwischen Mir und Dir die Extreme der Unendlichkeit nicht berührt; daher senke Dich hinab in die äußerste Tiefe des Todes, welcher ist die äußerste Grenze im Gegensatze zu Meiner Heiligkeit, damit Ich Dich da wieder erfassen kann, da der ewige Kreis Meiner Heiligkeit sich schließt.“ – Sehet, so ging Ich dann geduldig diesem Ziele entgegen, allwo Ich in dieser unendlichen Entfernung von Gott am Kreuze ausrief: „Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?“ – und ferner: „Es ist vollbracht!“ und „In Deine Hände empfehle Ich Meine Seele“ – oder die Seele alles Lebens, oder die Seele, aus der alles, was da ist, hervorgegangen ist. –

16. Sehet, nun werdet ihr, so ihr dieses ein wenig bedenket, wohl einsehen, wie Ich bei euch Sündern der Sehr Schwache bin, und wie Ich Mir noch immer muß von der Heiligkeit Gottes an eurer Statt in irgend einer vorgestellten menschlichen schwachen Beschaffenheit Vorwürfe machen lassen, um euch jeden sonderheitlich neuerdings wieder zu erlösen und einzuführen lebendig in die Heiligkeit des Vaters. Sehet, ein solcher Mensch, dessen Ich Mich bediene und gewisserart seine Wesenheit anziehe, um dadurch eure Mängel verhüllt zu tragen, gleicht dem Simon von Cyrene und könnte ebenfalls großen Lohn erreichen, so er Mir willig auf eine kurze Zeit nur hätte das Kreuz ein wenig tragen helfen. Allein der Mensch ist schwach und fürchtet jede Last, am allermeisten aber die Last des Kreuzes; und daher bleibt Mir denn wieder nichts anderes übrig zu tun, als was Ich dereinst tat, nämlich für alle das Kreuz Selbst zu schleppen.

17. Es muß euch demnach in dem Nebenworte an den ‚Sehr Schwachen‘ ebensowenig beirren das persönlich anpassend Scheinende, als es euch beirren möchte, so ihr zum Beispiel die ganze Lebensgeschichte des Hohenpriesters Kaiphas oder die des Pilatus, oder die des Iskariot, oder sogar die eines römischen heidnischen Kaisers Nero, und anderer ähnlicher größerer und kleinerer Sünder nicht zu gedenken, vernehmen möchtet; denn sehet, mit allen diesen Vorwürfen mußte Ich Mich von jeher beladen lassen. Und ebenso bin Ich nun für euch wieder beladen mit allen euren Schwächen und Mängeln und trage sie für euch in dieser euch etwas fremdartigen Umhüllung, damit, wie ihr schon wißt, euch nicht Schaden geschehe an eurer Seele, so ihr wissentlich, das heißt, eurem Fleische nach gleich einem Judas Iskariot mit Mir in die geheimnisvolle Schüssel des zu bewirkenden Lebens greifen möchtet.

18. So ihr aber wollt, so nehmet dieses Nebenwort unter dem Namen des ‚Sehr Schwachen‘ zu euch; gehet es – wohlgemerkt! – in eurem Herzen von Punkt zu Punkt durch und erkläret es euch nach dem, was ihr jetzt vernommen habt. Ich habe euch nun gegeben den Schlüssel gleich einem Petrus zu Meinem Reiche. Dieser ‚Sehr Schwache‘ ist Mein verhülltes Reich in euch. Eröffnet es mit diesem Schlüssel, und ihr werdet Wunder schauen, und wahre geistige Wunder in und an euch entdecken.

19. Sollte jemandem darinnen trotz alles seines Prüfens noch immer etwas verhüllt erscheinen und hart, wie einst den Aposteln die euch bekannte harte Lehre, so wendet euch in aller Liebe zu Mir, und seid versichert, daß Ich euch nicht im Stiche lassen werde. Denn nun sage Ich nicht mehr: Gehet zu Meinem Knechte und vernehmet in diesem Punkte durch seinen Mund Meine Gnade, sondern nun sage Ich: Kommet treuen Herzens zu Mir, damit Ich Selbst euch die Gnade gebe und euer Mund ebenfalls ausspreche das geheiligte Verständnis eures Mir zubereiteten Herzens. Obschon es euch freisteht, sich zu erkundigen beim Knechte, so werdet ihr aber doch aus seinem Munde nichts erfahren als das, was Ich in euch durch eure Liebe zu Mir Selbst aussprechen werde Amen. Das sage Ich der Wahre Siebente Amen. – – –

Ein Traum (vom 29. Dezember 1840) – 2. Januar 1841.

O Herr! Daß die Erzählung genau und fruchtbringend würde, sei mir armem schwachem Knechte behilflich; denn sind auch Träume öfter nichts als leere Schäume, so aber mögen doch immer derart Träume eine eigene Gnadenzulassung von Dir sein, daher sie auch nicht verlorengehen sollen, sondern uns behilflich sein in der schwachen Beschauung unseres Inwendigen und dienlich dann unserem Herzen, damit wir stets mehr und mehr Deinen allerheiligsten Namen durch unsere wachsende Liebe verherrlichen möchten. Darum, o Herr, sei mir behilflich und entziehe mir nicht Dein heiligstes lebendiges Wort. Es ist in der Höhe wie in der Tiefe ja nichts, das da nicht wäre nach Deinem Willen. So sicher auch dieser Traum, und so geschehe denn auch allzeit Dein heiligster Wille Amen. –

01. Nun so erzähle und schreibe, wie Ich es dir geben werde.

02. Siehe, Ich will deshalb dir erzählen dein nächtliches Gesicht, damit du nicht nötig haben möchtest, als Erzähler in der ersten Person aufzutreten und dich selbst zu verherrlichen durch Mich, sondern daß Ich verherrlicht werden möchte durch dich. Daher verstehe wohl, wenn Ich sage: Ich durch dich, aber derzeit nicht du durch Mich; denn es wird niemand verherrlicht werden eher von Mir, bevor nicht Ich durch ihn bin verherrlichet worden. Denn der Mich bekennen wird vor der Welt, den werde Ich erst dann bekennen im Angesichte Meines Vaters, da er dann schauen wird Meine unendliche Macht und Herrlichkeit und wird dann selbst verherrlicht werden in dieser Meiner Herrlichkeit. –

03. Und nun schreibe deinen Traum! – Siehe, so träumte es dir:

04. Du gingst mit zwei dir wohl Bekannten und mit drei dir Unbekannten und mit dem Ans. H. aus einem nordwestwärts gelegenen Graben etwas schräg aufwärts gegen Südost, und zwar auf der abendlichen kegelförmigen Abdachung eines kleinen Berges, dessen Scheitel ziemlich dicht mit jungen Nadelholzbäumen bewachsen und von dem freien, etwas mager bewachsenen Wiesengrunde durch einen unordentlichen und schon stark schadhaften bäurischen Staketenzaun umfangen war. Und das geschah vorbildend um die siebente Stunde abends, und zwar um die Zeit des Frühherbstes.

05. Als du mit deiner bekannten und unbekannten Gesellschaft sonach deinen Weg knapp am Saume des Wäldchens verfolgtest, siehe, da gelangtest du alsobald gegen Süden mit deinen Genossen an einen Punkt, allwo der ziemlich schmale und sehr wenig betretene Doppelweg auf einmal mit allerlei Stangen, Bäumen und Brettern verpalisadiert war, so zwar, daß darüberzukommen dir und vorbildend allen deinen Genossen eine bare Unmöglichkeit schien.

06. Nun fingen deine zwei ersten bekannten Genossen an, dich etwas schmählich mit Worten anzugreifen, indem sie sagten: Nun, du Halbprophet, du Wolken- und Regenbändiger und wohlkonditionierter Flugmaschin-Erfinder, was siehst du nun diese Barrikade so verblüfft an wie eine junge Kuh ein neues Tor! – Was willst du nun machen? – Gelt, jetzt wird das Sprichwort wahr, welches also lautet: Da stehen nun die Ochsen am Berge – und zwar unter der Leitung eines prophetischen Esels! –

07. Auf welche ziemlich starke Verunglimpfung du folgende kleine Bemerkung dir erlaubtest und sprachst: Freunde, ihr habt ja recht gesprochen, mögt ihr immer das bleiben, was ihr euch nanntet. Aber was den prophetischen Esel betrifft, seht, da muß ich euch schon um Vergebung bitten und getraue mich nicht, eine so große Auszeichnung anzunehmen; denn ihr kennt sicher den Propheten, vor dem ein Esel weissagte, und die Eselin, die den Herrn trug am Palmsonntage, – seht, daher kann ich eine solche Auszeichnung nicht annehmen. Wäre ich vor Gott würdig, ein solcher Esel zu sein – o Freunde, dann würde ich mit meinem großen Reiter vor übergroßen Freuden aufspringen und mit meinen wohlgenährten Hufen euch eure unbändigen Hörner wohl von euren Ochsenhäuptern herunterarbeiten! – Und dein Genosse H. sprach auf diese deine Erwiderung: Fiat, et pereat cornu bovis, et laus gloriaque maxima Domini nostri Jesu Christi orbem columque totum inhumat! – Na, aber das heiße ich doch den Nagel mit der Demut mit einem Hieb ins Brett treiben; aber woher haben Sie das so schnell genommen?!

08. Und als dein Genosse H. so geredet hatte, siehe, da traten die drei Unbekannten hervor und sagten einhellig: Weißt du denn nicht mehr, daß dir die Gabe des freien Fluges verliehen ist? Nun aber ist es an der Zeit, die Frevler zu beschämen; denn sieh die wütenden Stiere, wie sie aus der Tiefe heraufrennen und vereint dann mit diesen zwei Genossen ihre Hörnerspitzen in deinen Eingeweiden herumwühlen möchten. Daher ergreife deinen Genossen H. und hebe dich schnell von hier! –

09. Und als du solches vernommen hast unzweideutig, da ergriffst du alsobald den H. und erhobst dich mit ihm. Die zwei Ochsen mit den wütenden Stieren aber brüllten vergebens nach dir, da du in der Höhe frei geborgen warst. Und einer von den Ochsen brüllte höhnisch nach dir, sagend: Seht doch, seht doch, unter den neuen Propheten gibt es auch gar listige Vögel; wenn sie einsehen, daß ihre Schnäbel der Gediegenheit unserer Hörner nicht stichzuhalten vermöchten, dann fliegen sie aus lauter prophetischer Kraft auf und davon! Es ist doch jammerschade, daß wir nicht die Sprache des Geflügels verstehen, was würden uns diese armseligen Kernbecker, Wurmzwicker und Aasfresser schon all für herrliche Dinge prophezeit haben!

10. Seht nur an den luftigen Falken, wie er uns stolz aus der Höhe mustert, als hätte er im Sinne, einem oder dem andern von uns die Augen auszubecken! Aber komme nur herunter, du Vogel von einem Propheten, wir werden dir deine Weisheit schon herunterarbeiten! Oh, das heißen wir eine prophetische Kraft, wenn ein solcher beim Anblicke von kräftigen und mutvollen Stieren sich aus lauter göttlicher Macht gleich einem Hasen aus dem Staube macht – hahaha, das ist ein Machtbote des Herrn, der, statt dieser Barrikaden sich zu bemeistern, nur als ein Vogel davonfliegt! Oje, oje, oje! – –

11. Und als du solche listige Schimpfereien eine Zeitlang angehört hattest, da gedachtest du Meiner und ersuchtest Mich, daß Ich dir solle Blitze senden vom Himmel, damit du dann vermöchtest, mit diesem tödlichen Feuer die Frevler zu vernichten. Und siehe, was vernahmst du da für eine Stimme von Oben? Lautete diese nicht also: „Was rufst du Feuer? Das Feuer, das diese Frevler zerstören würde, siehe, dieses Feuer würde auch dich ergreifen und samt den Frevlern verzehren; denn im Zornfeuer Gottes kann keine Kreatur bestehen. So du aber willst mächtig sein und stark in Meiner Gnade, dann mußt du nur segnen, wo gegen dich geflucht wird. So du aber mächtige Flügel hast zum Fliegen, wozu dann noch ein Feuer, in dem dein Flügelpaar untauglich zum Fliegen werden möchte? Darum segne und fliege!“ – – Und siehe, als du solches vernommen hast unzweideutig, da erst flogest du gegen Morgen von dannen.

12. Und dein Genosse H. fragte dich im raschen Fluge beständig, wohin du denn so nun den Flug richten werdest. Allein du gabst ihm lange keine Antwort. Da er dich aber endlich fragte, warum du ihm keine Antwort gebest, da erst sagtest du: Wie kann ich dir antworten auf eine solche Frage? – Frage zuvor dein Herz, was darinnen wehet für ein Wind und wohin du möchtest, so werden wir alsobald dort sein, da deine Liebe gefesselt ist am noch ziemlich starken Taue, das am Anker noch so ziemlich mannigfacher Welthoffnungen im Meere der Weltsorgen befestiget ist. –

13. Er aber erwiderte: Höre! aber wie kann oder soll ich denn mein Weib und meine Kinder verlassen? Sollte ich mich nicht um sie sorgen, da ich nun nicht weiß, wie es ihnen geht? Diese Sorge ist ja meine größte Pflicht, und Gott selbst hat sie mir auferlegt. Wer kann mir hernach verargen, wenn ich meinen Vaterpflichten nachstrebe? Daher wisse, daß ich zu den Meinigen möchte! Bist du mir ein wahrer Freund, so bringe mich schnell dahin, da gewiß mein Weib, meine Pauline, und alle meine lieben Kinder mit großer Besorgnis und Sehnsucht meiner harren! –

14. Darauf sagtest du dann: Nun siehe, Freund, was hätte es dir genützt, so ich dir auch den Plan meines von Oben scharf bezeichneten Weges zum großen Orte aller menschlichen Bestimmung auf deine wiederholten Fragen treulich angegeben hätte, du aber wärest mir dann durch deine neuerwachte Liebe und Sorge für die Deinen zu schwer geworden, daß ich dich nicht länger hätte in der Höhe zu erhalten vermocht, wodurch ich dann hernach doch genötiget gewesen wäre, dich entweder fallen zu lassen oder aber mit dir selbst zu fallen. Daher aber, da du dich nun selbst kundgabst in deiner Hauptliebe, bist du nun auch leichter, und mein Flug wird dich alsobald an Ort und Stelle bringen, dahin die Magnetnadel deines Herzens weist!

15. Sieh Freund, noch ist die Liebe zu Gott in dir eine Liebe durch die Deinen. Sie ist nur ein dankbares Gefühl, an dem aber auch noch so manche Sorgen kleben, da eine solche Liebe zuerst ausgeht von deinem Herzen zum Herzen der Deinen – und von da weg erst dankbar zum Herzen Gottes. Sieh, da wird die Liebe dann mit allerlei Sorgen und Dingen und Sachen beschwert und dann gleichsam verkehrt; denn da wird deine Liebe in und zu und durch die Deinen positiv polarisch und nährt so dankbar den auf diese notwendig entgegengesetzten Pol deiner Liebe in Gott. Aber sieh nur recht genau, ob diese Liebe der göttlichen Ordnung auch vollends gemäß ist? –

16. Du fragst Mich nun freilich in deinem Herzen, ja wie sollte demnach die rechte Liebe beschaffen sein? Siehe, darauf antworte Ich dir also: Die rechte, freie, sorglose Liebe aber ist solcher Liebe gerade entgegengesetzt, denn sie geht vom Herzen des Menschen zunächst in Gott über, da sie gereinigt wird durch das sanfte Gnadenfeuer, und von da in klarem Bewußtsein und voll des höchsten Vertrauens selbstkräftig, sorglos und frei erst zur Welt und dem Weibe und all den Kindern wieder zurückkehrt.

17. Siehe, da dadurch alles in solcher Liebe Gott anheimgestellt wird, so bildet dann der so liebende Mensch mit Gott vereint den positiven Pol und alles der Naturwelt den negativen. Du weißt aber, daß der negative Pol ein notwendiger und nur der positive ein freier ist. Wenn aber jemand möchte stärken durch das Negative das Positive, siehe, welche Kraft wird da herauskommen? Es wird gerade sein, als ob jemand möchte plus 2 und minus 2 zusammenaddieren, wo dann am Ende nichts zum Vorscheine kommen wird. Und noch ärger aber ist es, wenn durch solche verkehrte Liebe die unendliche Potenz Gottes negativ auftreten muß, daß Sie gesättiget werde durch ein miserables Plus; denn dann erst kommt ein Verhältnis heraus, welches noch viel löblicher ist, als die Summe, so jemand da addieren möchte plus 1 und minus Unendlich, wo dann die Summe lautete: 1, weniger als unendlichmal nichts. So aber der positive Pol unendlich kräftig ist in und durch Gott, siehe, da ist es dann gerade, als ob jemand stärkt den positiven Pol mit der ihm verwandten Kraft. So braucht er dann gar nicht zu sorgen für den negativen Pol, sondern dieser wird in dem Augenblick sorglos genährt in dem unwandelbaren Verhältnisse – je nach der Nahrung des positiven Pols.

18. Siehe, das mußte ich dir, mein freundlicher Genosse, erst zeigen, damit du darob leichter wurdest und ich mit meinem Flügelpaar dich leichter bringen kann wieder in dein Haus zu den Deinen. –

19. Nun siehe, als du solches ausgeredet hattest, da erst flogst du wieder weiter gegen Südost, und zwar hinab zum Fuße eines dem früheren Berg benachbarten Berges, auf dessen südwestlichem Abhange dann also das Haus deines Genossen H. sich befand. Als ihr nun alldort angelangt waret, so wolltest du alsogleich weiterfliegen. Allein dein Genosse H. bat dich so lange, und auch dessen Weib und einige seiner Kinder, daß du bei ihnen verbleiben möchtest, und so kehrtest du mit ihnen ins Haus.

20. Als du nun aber vollends die Gemächer betreten hattest, da kam alsobald jemand zum Weibe des H. auf einen Besuch. Sie aber verließ alsobald auf eine kurze Zeit mit Visitanten das besagte Eintrittsgemach. Der Genosse H. aber legte sich in ein nebenanstoßendes Zimmer ein wenig zur Ruhe und ersuchte dich, dich einstweilen wohltätig mit seinen Kindern zu unterhalten. Nachdem du nun solches vernommen, setztest du dich alsobald an einen Tisch, als wolltest du selbst ein wenig ausruhen.

21. Allein deine Ruhe währte nicht gar zu lange, denn es kam die Tochter namens Wilhelmine, setzte sich neben dich zu Tische und machte neugierige Versuche, mit dir ein fragendes Gespräch anzuknüpfen. Allein du machtest dich taub und stumm und schienst auf das Mädchen nicht zu achten, worüber dann diese in einem etwas ärgerlichen Ton, der ihr bei solchen Gelegenheiten auch ganz eigen ist, dich etwas scharf anfassend fragte: Aber sagen Sie mir doch einmal, was ich Ihnen denn Schlechtes getan habe, daß Sie mich weder eines Blickes noch einer Antwort würdigen! Denn ich kann mir das nicht zusammenreimen, wie ein sonst so frommer oder doch wenigstens als fromm gelten wollender Mann gar so ärgerlich stolz sein könnte! – Daß ich jetzt tanzen lerne, ist denn das gar so etwas, nachdem Sie doch wissen, daß wir das nur aus Gefälligkeit für die Tante gewisserart tun müssen, ohne daß gerade unser Herz und Leben gar so daran hängt, wie Sie vielleicht glauben. Und wenn Sie deshalb auf mich gerade so ärgerlich sind, so weiß ich wirklich nicht, was ich von Ihnen halten soll! – Ehedem versicherten Sie mir stets, daß ich Ihnen lieb wäre. Jetzt aber sehen Sie mich gar nicht mehr an, als wenn ich durch diese Gefälligkeit gegen die Tante schon, Gott weiß, wie schlecht geworden wäre. Ich weiß wohl, was die Ursache ist, und sage es Ihnen gerade ins Gesicht: Es ist bei Ihnen nichts als eine ärgerliche Eifersucht, durch welche Sie mich stillschweigend einer Untreue, sich rächend, beschuldigen wollen, als wenn ich schon einmal, Gott weiß, wie stark in Sie verliebt gewesen wäre, was mir bis jetzt wirklich noch nicht einmal im Traume eingefallen wäre. Pfui, schämen Sie sich! –

22. Und da dich die letzte Phrase etwas ärgerlich machte, so standest du auf und wolltest gehen. Allein, als die ziemlich dreiste Rednerin solches merkte, ergriff sie dich bei der Hand und ließ dich bittend und weinend nicht von der Stelle, sagend: Ich bitte Sie um Gottes willen, vergeben Sie mir, wenn ich Ihnen etwas Ungerechtes gesagt habe, und vergeben Sie mir meine voreilige Unart! Ich sehe schon, daß ich gefehlt habe. Bleiben Sie hier! Was würden der Vater und die Mutter sagen, wenn Sie, mich jetzt verlassend, davongingen! –

23. Und du öffnetest darauf den Mund, fingst endlich an zu reden und sagtest zuerst etwas ärgerlich: Na, das ist ja eine recht schöne Unterhaltung für den guten Dienst, den ich durch die Gnade des Herrn meinem Freunde erwiesen habe. Nimmt sich das zarte Töchterlein die holdselige Freiheit, mich über einen Kurierstiefel zu putzen und auf einen solchen sonderbaren Glanz herzustellen, daß dagegen die Anzüglichkeiten von seiten der Ochsen am Berge nur als ganz kleine niedliche Burlesken erscheinen! Nein, das ist gar nicht übel, eine solch zarte Unterhaltung möchte ich mir denn doch bald wieder ausbitten! Die schmiert so mir und dir nichts einem auf die unschuldigste Weise von der Welt die allerschönsten Grobheiten ins Gesicht, als wenn sie's gedruckt hätte und dafür wirklich bezahlt würde! – Und damit der ganzen Geschichte am Ende die Krone aufgesetzt würde, spuckt sie einem zu guter Letzt am Ende solcher Unterhaltung noch quasi ins Gesicht. Ganz gehorsamster Diener, die könnte mich denn doch ganz sonderbar gerne haben! – Meine liebe W., bei und durch solche unterhaltende Raritäten wird's wohl mit dem Verliebtsein von meiner scharf geputzten Seite seine wohlgeweisten Wege haben, und mir wird nicht viel anderes zu tun übrigbleiben, als Sie für die Zukunft höflichst zu ersuchen, mich mit derlei äußerst anzüglichen Gesprächsunterhaltungen ein wenig liebreich gütigst verschonen zu wollen. Für diesmal aber leben Sie wohl amen. –

24. Siehe, da wolltest du denn wieder gehen. Allein es geschah wie früher, daß du denn doch wieder bliebst und dich ganz langsam zum Tische wieder niederließest und folgende Worte zu deiner Entschuldigung an die W. zu richten anfingst: Wilhelmine! jetzt aber seien Sie ruhig und hören Sie mich an, denn wenn Sie Mutmaßungen in sich wider mich hegen, so gestaltet zwar, daß ich offenkundig daraus ersehen muß, daß Sie sich in Ihrem Herzen ganz grundfalsch berichtet haben, so ist es nun meinerseits nichts mehr als eine brüderliche Pflicht, Sie in Ihrem gewaltigen Irrtume getreu zu berichtigen. Sehen Sie mir so recht fest ins Gesicht, ja in mein offenes gesundes Auge sehen Sie mir, und fragen Sie sich dann selbst, ob ich denn wohl so faustdick hinter den Ohren halte! Meinen Sie denn, ich würde Sie deshalb mit Verachtung ansehen, weil Sie derzeit etwas gewisserart tun, was wenigstens derzeit mit meinen Grundsätzen aus reiner Liebe zum Herrn sich nicht gar wohl vereinigen läßt? – O sehen Sie mir in mein offenes Auge, schaut denn da wirklich etwas so Verächtliches heraus? Hätten Sie meine Augen, so würde Ihnen gewiß ganz sonderbar zumute, so Sie Ihre Brüder und Schwestern sähen mit verbundenen Augen frohwandeln über unabsehbaren Abgründen und Klüften, daraus an eine Erlösung sehr schwer mehr zu denken ist für den unglücklichen Blinden, der da hinabgestürzt ist!

25. So Sie jemanden sähen einen Giftbecher ergreifen, daß er ihn austränke bis auf den letzten Tropfen des Todes, wie würde es Ihnen dann zumute, besonders wenn Sie schon einige Spuren der tödlichen Wirkung durch die Adern des Trinkers bemerkten! – Nun, was meinen Sie, was würde das wohl für Wirkungen auf Ihr Gemüt bringen? Oder so Sie mit diesen meinen Augen jemanden sähen auf dem Eise eines gefrorenen Stromes sich ganz unbesorgt herumtummeln, während die Fluten unter dem Eise zu wachsen anfängen und die Eisdecke hier und da zu bersten begönne, und der Mensch wegen seiner Taub- und Blindheit weder Ihre Stimme noch das Krachen der Eisschollen vernähme, ja, und wenn Sie noch dazu bemerkten von ferne her schon hohe Fluten über dem Eise Bergen gleich daherwogen! Fragen Sie sich, wie es Ihnen dann zumute würde und was alles Sie dann tun möchten zur Rettung des fröhlichen Tauben und Blinden. Würden Sie nicht sehnlichst wünschen und beten, daß der Mensch sich nur dem Ufer nähere, daß Sie ihn ergriffen und abzögen von solcher Gefahr, die mit jeder Minute und Sekunde drohender und drohender wird!? – –

26. Aber was sind alle diese seichten Beispiele in aller ihrer Schauerlichkeit gegen den leisesten Gedanken nur, der mir einflüstert: Siehe, dein Bruder oder deine Schwester hat nun einen Weg betreten, der von Gott abführt und zur Welt des Todes, ja des ewigen Todes lenkt! – Sie sagten freilich, es hänge Ihr Herz und Leben nicht eben so sehr daran, als ich vielleicht meine. Ich aber frage Sie: Warum hat denn der Herr den Aposteln nicht nur geboten, die Welt und ihre Wege zu fliehen, sondern Er sagte ihnen: „So ihr in eine Stadt einkehret und nicht aufgenommen werdet, allda bleibet nicht, sondern da ihr hineingegangen seid, da kehret alsobald zurück, nehmet euren Frieden mit und schüttelt den Staub vor dem Tore von euren Füßen“ (Matth.10,14).

27. So aber der Herr den Aposteln gebot, den ganz unschuldig scheinenden Staub abzuschütteln, der an ihren Füßen kleben blieb, da sie doch als Seine Boten voll heiligen Geistes in Seinem Namen eine solche Stadt betraten, was glauben Sie wohl, liebe W., was der Herr sagen wird zum Staube, der am Fuße eines Tänzers oder einer Tänzerin kleben bleibt, der da erzeugt wird in der Reitschule des Satans!? – Oder lehrt uns nicht schon die Natur selbst, eine wie geringe Portion Giftes schon hinreicht, dem Menschen das Leben zu nehmen, während in der ganzen Natur uns auch nicht ein Mittel bekannt ist, das da eine ebenso große Heilkraft besäße, um den Kranken ebenso schleunig gesund zu machen, wie schnell ein Gran Giftes den Gesunden tötet? Und von einem Mittel aber, den Toten wieder lebendig zu machen, schweigt die ganze Natur, während sie doch zahllose tödliche in unabsehbarer Menge besitzt.

28. Und sehen Sie, wie uns schon der Herr durch die Natur lehrt, so lehrte Er einst die Apostel und lehrt Seine Liebhaber noch zur Stunde im Geiste laut sprechend, indem Er uns noch dieselben heiligen Worte beständig zuruft: „Höret, ihr finsteren Menschen dieser Welt, Ich allein bin der Weg und das Leben, wandelt auf Meinem Wege! Niemand kann zum Vater gelangen anderswo denn durch Mich; denn Ich allein bin der rechte Weg und die Türe zum Herzen des Vaters – und bin das Herz oder die ewige Liebe des Vaters Selbst.“

29. Sehen Sie, daraus aber geht ja doch übersonnenklar hervor, daß es somit fürs ewige Leben nur einen Weg und nur ein Mittel gibt, weil der Herr, der ganz allein nur der Weg und das Lebens-Mittel ist, nur ein einziger Herr, nur ein Vater, ein Christus und ein und derselbe heilige Geist aller Macht und Kraft und Liebe und allen Lebens ist, – während es unzählige und unendliche Scharen der Satane und Teufel als Herren der Verdammnis oder des ewigen Todes gibt, von denen jeglicher seine eigenen listigen Wege zum Tode führend besitzt.

30. Wenn man aber nun diese ewig unumstößliche Wahrheit so recht betrachtet, so wird es hernach gewiß nicht schwer werden, zu begreifen, warum der liebevollste Herr des Lebens die Apostel vor dem Staube gewarnt hatte, und warum sich jeder christlich sein sollende Mensch noch unendlichmal mehr vor jenem Staube hüten soll, der gar so unglaublich tödlich in des Satans Reitschule aus dem vertrockneten Schlamme aller Unzucht und Hurerei und in so unglaublicher endloser Menge aufgestampft wird mit den verächtlichsten Füßen aller Heuchelei, alles Truges und aller erdenklichen Verführung!

31. O sehen Sie nun, liebe Freundin, wer mit innerer Sehe des Geistes diese Verhältnisse so durchschaut, der braucht eben nicht verliebt zu sein, um mit gesenktem Haupte stumm und voll oft trostlosen Mitleides den tödlichen Staub an den Füßen seiner Brüder und Schwestern betrachtend, so manche Fragen irgendeiner im geheimen schon ziemlich bestaubten Schwester zu überhören! – Was Sie mir aber vom leidlichen Verliebtsein etwas scharf vorgeworfen haben, so wäre es für mich wohl sehr schwach, wenn ich Ihnen deshalb sollte mich rechtfertigende Einwendungen machen oder Dinge widerlegen, denen ich an anderen feind bin wegen ihrer ruchlosen Verkehrtheit und sollte sie an mir selbst dulden zum eigenen Verderben, da ich dann bald alles verlieren würde durch meine eigene blinde Torheit.

32. Es ist aber ein himmelhoher Unterschied zwischen Liebe und dem verabscheuungswürdigen Verliebtsein: das erste ist uns von Gott geboten, wie das zweite unter dem Namen Hurerei uns auf das furchtbar strengste verboten ist. Sehen Sie nun, so ich aber so wäre, wie müßte ich mich dann als ein berufener Knecht unter den Augen des großen Herrn ausnehmen? –

33. Sehen Sie nun wieder, einen wie sehr gewaltigen Hieb ins Blaue Sie da gegen mich, sich selbst ärgernd, gemacht haben!

34. So ich Sie aber gar oft meiner Liebe versichert habe, wie desgleichen auch jeden anderen würdigen Bruder und jede achtbare Schwester, die mir vermöge ihrer inneren Beschaffenheit näherstehen als manche andere, Gottes und alles Sittliche vergessende Menschenlarven, so habe ich fürs erste nichts anderes getan, als was ich als christlicher Mensch schuldig bin besonders der unmündigen Menschheit, deren inneres Auge noch lange nicht geöffnet ist, daß sie ins Herz des Bruders oder der Schwester sehen möchte, ob sich da im Ernste wohl eine wahrhaft christliche Liebe gehaltschwer werktätig vorfindet.

35. Und fürs zweite aber suchte ich Sie auch dessenthalben etwas höher zu meinem Herzen heraufzuziehen, da ich sah, daß die Empfänglichkeit für weltliche Nichtigkeiten bei Ihnen weit vorherrschender ist als die Empfänglichkeit für geistige Erhabenheit. Denn ich sah und sehe noch das Monument Gottes fein beschrieben mit Seinem allerheiligsten Willen in Ihrem Herzen.

36. Sehen Sie, so aber jemand irgendein weltliches Denkmal gesetzt hätte und hätte da hinein einen Stein gelegt, darauf viel Schönes und Rühmliches stünde von Dem, dem das Denkmal gelten soll, – mit der Zeit aber fiele dieser beschriebene Stein durch irgendein kleines Erdbeben vom Monumente, so zwar, daß er sonst unbeschädigt mit der Schrift nach auswärts zu stehen käme am Boden. Wenn nun aber der Stein von irgendeinem Freunde nicht alsobald hoch genug auf das bestehende Monument gesetzt wird, sagen Sie selbst, was dürfte es da mit dem schönen, glatten, beschriebenen Steine alsbald für eine traurige Bewandtnis haben, so die böswillige, schadenfrohe und zerstörungslustige Welt seiner am Boden liegend ansichtig wird? Werden sie nicht alsobald hinzueilen und ihn mit allerlei Schändlichkeiten zu bekritzeln anfangen, so, daß gar bald von der herrlichen Inschrift nichts mehr zu sehen sein wird, und somit diese würdige Lebenstafel und edler Taten Marke endlich einem jeden rohen, nichtssagenden Steine gleichen und am Ende sogar zerschlagen und gänzlich zerstört und vernichtet wird.

37. Sehen Sie, auch Ihr göttliches Monument habe ich schon öfter von diesem herrlichen Steine entblößt getroffen, denselben aber dann liegend auf dem schmutzigen Boden weltlicher Leidenschaftskeime. Um aber diesen Stein wieder zu vereinen mit dem Monumente Ihres Herzens und einig mit sich selbst zu machen, tat ich als ein wahrer Freund durch eine besondere Gnade von Oben, was ich tat, aber nicht, daß Sie mir darob Schande über mein Gesicht rufen sollen!

38. Und was und wie ich war vorher, so werde ich sein fürder. Aber nehmen Sie sich ja in acht vor dem bewußten Staube und daß die besagte Tafel nicht Schaden leiden möchte. Denn wären Sie auch, daher die Kinder Gottes sind, so sollen Sie aber doch desto mehr gedenken, daß Sie sich jetzt auf der giftigen Welt befinden, die mit lauter tödlicher Stickluft umgeben ist – bis zur kleinen Stelle, da der Brunnen Jakobs Lebensluft um sich haucht Amen. –

39. Und siehe, als du diese von Mir dir auch im Traume eingegebene Rede vollendet hattest, da kam das Töchterchen Julie, verfolgt von den zwei Knaben ins Zimmer, da der Paul ein kleines schwarzes Hündchen gegen eine Türe auf sie hetzte, so daß das Hündchen die J. beinahe in den Fuß gebissen hätte, darum du dann aufstandest und wecktest den noch schlafenden Genossen H., der dann alsbald herbeikam und den Knaben P. mit zwei Fingern an den Haaren faßte und ihn strafend ein wenig schippelte. Es blieben aber die Haare, die er gefaßt hatte, in der Hand. Als er darauf aber dieselben besichtigte, so waren diese ganz den Haaren eines Esels ähnlich, worüber der H. zu lächeln anfing und sagte: Na, das heiß' ich doch die Dummheit aus dem Kopfe eines unbändigen Studenten ziehen! – Ah, diese Haare muß ich mir aufbewahren. – Bald darauf kamen alle herbei, und du aber wurdest wach. –

40. Siehe, damit ist getreu dir wiedergegeben dein Traum als eine freie Zugabe zur Bereicherung Meiner Gnade in dir und allen jenen, die ihn in ihren Herzen fruchtbringend gleich dem besagten Steine hoch aufrichten werden, – daß sie dadurch dann sich und die Welt in sich gar leicht werden erkennen, was gerade jetzt um so mehr not tut, da Meine siebente und letzte Ankunft knapp vor der Türe steht. Seht nur an den Feigenbaum, und ihr werdet es finden, daß es also ist! (Matth.24,32. Luk.21,29)

41. Wer die Welt nun noch liebt und Mich neben ihr, wahrlich, wahrlich, der wird nicht aufgenommen werden von den zweien auf dem Felde, in der Mühle und im Bette! (Matth.24,40 f.)

42. Darum bewahret eure Füße vor dem Staube der Welt, damit nicht alsobald die Pforten Meines Reiches vor euch abgeschlossen werden auf ewig. Denn so ihr schon heiklig seid mit den frisch gewaschenen Böden eurer Gemächer, da ihr doch voll Schmutzes seid außen und innen, um wieviel mehr werde Ich mit Meiner heiligen Stadt es sein! Das bedenket wohl, ihr Weltbestaubten, und Wer der ist, der solches redet amen; denn Ich, der Anfang und das ewige Omega selbst bin Es amen, amen, amen. (Joh.4,10. Offb.Joh.1,8) – –

Die Träume. – 7. Januar 1841.

O Du mein allerbester, allerliebster Herr Jesus, so Dein heiligster Wille es wäre, möchtest Du mir denn nicht gnädig anzeigen, was denn doch eigentlich die Träume sind, und was man davon halten soll? Denn gar oft hat der Mensch bedeutende, oft auch unbedeutend scheinende Träume, und wenn man nicht weiß, wie, wann, was und wodurch und warum, so würdigt man vielleicht einseitig diese Erscheinung gar nicht oder zu wenig oder oft leichtlich zuviel. Daher, o Du allerbester, allerliebster Herr Jesus, möchtest mir armem Sünder anzeigen auch darinnen das rechte Verständnis! Nehme aber ja nicht ungnädig auf diese vielleicht zu vorwitzige Frage, denn Dein Wille bleibe allzeit heilig, heilig, heilig und über alles Deine Macht und Stärke. Daher geschehe nur Dein Wille; denn ich möchte lieber ewig nichts wissen, als etwas, so da nicht wäre nach Deinem allerheiligsten Willen Amen. Nur in Deinem heiligsten Namen Amen. – – –

01. So schreibe: // 1. / Wenn noch das Kind im Mutterleibe ruhig sauget / des Blutes Säfte, da für es nichts andres tauget, / da saugt des Seele auch schon Himmels reine Lüfte / und weidet sich ihr Geist auf Meiner Gnadentrifte. / Und das der Leib dem Mutterleibe hat entnommen, / und was daselbst in Geist und Seele ist gekommen, / das bildet sich hernach im weltlich Außenleben, / so ihm im Mutterleibe ward von Mir gegeben.

02. 2. / So aber du der finstren Kammer Lichtgebilde / da schauest, Bäume, Häuser, Wesen und Gefilde, / so solches in der Kammer nirgends ist zu finden, – / nun sieh, das ist's, worauf sich alle Träume gründen. / So sieht der Leib durchs Auge nichts als seinesgleichen, / da seinem Lichte all der Seele Bilder weichen. / Und wenn der Körper schlafend finster ist geworden, / so sieht die Seele ihresgleichen dann in Horden.

03. 3. / Wenn aber auch die Seel' zur Ruh sich hat begeben / und so dem Geist anheimgestellet wird das Streben, / wie auch das Regen sich in eignen Lichtes Sphären, / da kann der Geist dann auch zum Geistigen sich kehren. / Und was der Geist geschauet hat im Vaterhause, / das kann die Seel' gewahren auch in ihrer Klause; / und so der Leib dann wach geworden ist vom Schlafe, / gewahrt er öfter noch des Geistes Gnad' und Strafe. –

04. 4. / Doch ist bei Menschen, die ein weltlich Leben führen, / von reinen Geistesträumen nie gar viel zu spüren, / da träumt die Seele nur der Welt entnommne Dinge – / und meist, daran das Herz am Tage leidlich hinge. / Und da sind solche leere, bunte Seelenträume / wohl nichts, als was da sind des faulen Wassers Schäume. / Nur, wenn der kranken Seele sich oft Bilder zeigen, / sind manchmal sie zu rütteln und zu ängsten eigen.

05. 5. / Und es sind solcher Träume fähig selbst die Tiere, / und heller oft, obschon entlehnt dem Nachtreviere. / Doch solcher Träume Sinn ist stets nur wüst und öde, / voll Trug und Arg – und demnach jede Deutung schnöde. / Nur wenn die Träume euren Erdensinn entwirren / und euch auf kurz in Meiner Gnade Reich entführen, / dann sollt ihr merken solche Träume euch hienieden / und fassen sie ins Herz zu eurer Seele Frieden. –

06. 6. / Denn wenn ihr träumet so von eitlen Erdendingen, / so ist das nichts, als was euch eure Wünsche bringen, / und was am Tage euch begehret hat im Herzen, / das wird gar los' im Schlaf mit eurer Seele scherzen. / Doch wenn ihr oft am Tage Meiner habt bedenket / und alles Tun und Trachten stets zu Mir gelenket, / dann wird, wenn Leib und Seel' sich hat zur Ruh begeben, / dem Geist auf kurze Zeit im Himmel Kost gegeben. –

07. 7. / Nun merket das zum Schlusse noch, ihr wen'gen Treuen: / Die rechten Träume werden stets euch wohl erfreuen; / nur wenn die Seel' im Schwanken sich befind't auf Erden, / so wird die Himmelskost euch manchmal bitter werden. / Denn wer noch nicht durchs Liebesfeuer ist gegangen, / dem möchte solcher Feuerskost ein wenig bangen, / doch wer da denket: Einmal muß ich's doch empfangen, / der wird nicht schwer zu Meinem Gnadenweg gelangen.

08. Dieses Wenige, wohl überdacht, wird vorderhand genügen zu wissen, was du wissen mochtest. Doch ist in Träumen nichts Verdienstliches, noch etwas Sträfliches, und es sind die guten und echten eine freie Hinzugabe ohne alle Rechnung. Wer danach sich kehrt, der tut wohl; doch wer da lebt Meiner Offenbarung treu gemäß, der tut besser, denn die Träume gebe Ich nur Meinen tauben Liebhabern. Doch wem des Herzens geistige Ohren sind durch das Feuer der Liebe aufgetaut und geöffnet worden, der höre nur recht fleißig in sich Mein lebendiges Wort predigen, durch welches allein er zum Leben gelangen wird. Was aber die Wesenheit der Träume sonderheitlich anbelangt, so wird ihrer bei der Enthüllung des Menschen schon ohnehin ausführlich erwähnt werden, – zuerst kommt das Kleine, dann das Große, und endlich das Allergrößte Amen. Das sage Ich, der da angerufen wurde, Amen Amen Amen. –

Sprichwörter und Denksprüche. – 5. März 1841. Nachmittag.

01. So schreibe denn einige Denksprüche und Sprichwörter. Diese soll jeder bei sich tragen – das heißt im Herzen, denn auf dem Papiere bloß sind sie wie alles dergleichen fruchtlos, tot und segenlos. – Siehe die Wirkung der Amulette und anderer dergleichen Insignien; was nützen sie ohne Glauben entweder des Spenders oder des Empfängers? – Nichts! – Ich sage aber, so der Glaube lebendig mit der Liebe Hand in Hand gehet, wozu dann die Mittel des toten Aberglaubens? – Ich frage: Kann außer Mir jemand oder etwas helfen? – Wozu dann der Amulette und Skapuliere? Daher, so Ich dir und euch allen nun Denksprüche und Sprichwörter gebe aus Mir von Oben, sollet ihr dieselben ins Leben fassen und also bei euch im Herzen tragen, nicht aber in einen Rockzipfel gehängt oder genäht oder in der Tasche oder auf einer Schnur. – Und also schreibe die Denksprüche und Sprichwörter in Meinem Namen amen. –

02. 1. Dieses Erdenlebens Schein, o Bruder, ist nicht dein; doch wohnt im Schein ein großes Sein, – daher traue nicht dem Scheine, sondern nütze dieser Erdenfackel matt Geflacker, daß du findest das wahre Sein in dir. –

03. 2. Suche nicht, das da schlechter oder besser wäre auf der wirren Lebens matt erhellten Bahn, sondern denke: Eines ist nur gut und wahr – und das bin Ich und Meine Liebe; alles andere ist eitel, schlecht und falsch. –

04. 3. Eine Kirche ist nur Kirche, wenn sie lehret Meinen Willen und das Leben predigt aus der Liebe, die am Kreuze für die ganze Erde, ja für die ganze Schöpfung blutete. – Aber eine Kirche, die sich nur segnet und alles andere verflucht, ist ein Geizhals, der allen den Tod wünscht, damit er dann aller Habe habhaft werden möchte. Es wird aber ein Kamel eher durch ein Nadelöhr traben, denn ein solcher in den Himmel. –

05. 4. Tue, was du tust, in Meinem Namen, und Meine Liebe sei die Triebfeder deiner Glieder, so wird im festen Trauen dir gar wohl gelingen jedes deiner Werke; aber Unzucht aller Art und Hurerei, durch diese solle nie entheiligt werden je Mein Name. –

06. 5. Ihr kauft zu vielen Ellen teure Zeuge, um modest zu zieren eure fleisch'gen Gräber, und achtet dabei zwanzig Taler viel geringer als so viele Kreuzer nur, zu spenden Meinen armen Brüdern. – Ich aber sage: Tuet solches umgekehrt, so werdet ihr euer Leben schmücken. –

07. 6. Wer da preiset Dichter, Künstler, Komödianten und macht Elogen eitlen Erdenfratzen, Siegern, Feldherren, Wüterichen aller Art, wie ist dieser doch ein großer Tor. Er umklebt den Dreck mit allerlei eitlem Zeuge und ehret so der Braut stinkenden Unrat; so er aber ihre Stimme nur von ferne vernimmt, da flieht er einem Wahnsinnigen gleich! Hütet euch zu treten in seine Fußstapfen! – und wenn ihr Elogen macht, so machet sie Mir, dem großen Künstler des Lebens und dem Feldherrn der Unendlichkeit – und ein unvergänglicher Ruhm wird euer Anteil sein ewig. –

08. 7. Wer aber da preist die Tänzer und die Gaukler, wahrlich, dieser ist ein Fürst der Mörder, Hurer und Selbsttöter. Da, wo des großen Feuermeeres ew'ger Wirbel braust hinab mit Donnerheulen in des Zorntodes ew'ge Tiefen, will Ich solche Sänger bald auf neue Kunstentdeckungsreisen senden, – denn wer die Sünde lobt, ist ärger denn tausend Täter. Ihr aber hütet euch, desgleichen zu entschuldigen nur. –

09. 8. So ihr einen Baum betrachtet, wie im Frühling er voll Blüten steht, da sagt ihr: Wenn dies alles zur Reife kommen würde, der Baum ertrüge nimmer solche Last! – So ist es auch mit all den guten Vorsätzen der Welt, aus denen wenige nur zur Reife kommen, und die reifen selbst nur wilde Beeren sind! – So ihr aber eure Blüte retten wollt am Baume eures Lebens, da müßt begießen ihn gar emsig mit dem Wasser Meiner Liebe. –

10. 9. Wenn du schauest ferne Dinge, zeigt ein blaues Gebirg sich dir als eine flache Wand, doch kommst du in die Nähe, wird die flache Wand zu weitgedehnten Ländereien. Also ist's auch mit den geistigen Dingen: wo dein Auge eins erschaut, Ich sage dir, da sind Trillionen. –

11. 10. Es folgt der Nacht der Morgen – Mittag diesem – Abend beiden – und die Nacht aus allen dreien, denn so lang ist sie wie Morgen, Mittag, Abend. Wenn du aber bist am Morgen deines Lebens, o dann frage nicht nach Mittag, Abend und der Nacht; denn nur am Morgen kommt das Leben und schließt, besiegt, die andren drei in sich. – Hüte dich, daß du nicht ähnlich wirst der Zeit der Welt!

12. 11. Es steckt in jeder Pflanze auch ein andrer Same, und auf tausend Arten Bäume reifen auch so viel verschiedne Früchte. Kennst du wohl den Nutzen aller? – Sicher nicht. – O sieh, es artet so sich auch des Geistes Leben in den Menschen, die da eines guten Willens sind, – die Art und Gattung, wenn sie auch verschieden sind, macht keinen Unterschied; es fragt sich nur, wiefern da alle nützlich sind. – Daher sollt niemanden verdammen ihr, sondern dafür kennenlernen Meine Wege.

13. 12a. Seid sparsam im Hause, aber außer demselben voll Freigebigkeit, so wird eure Schwelle von schmutzigen Bettlern verschont bleiben. –

14. 12b. Machet euer Haus zu einer Krankenherberge, so wird der Arzt bei euch aus und ein gehen. –

15. 12c. So ihr euch waschet, da waschet zuvor die Hände denn das Angesicht, damit dasselbe nicht beschmutzt werde und eure Waschung darob unnütz sei. –

16. 12d. So ihr betet, da betet nicht nach der Elle oder nach der Stunde, sondern im Herzen voll Liebe geistig und wahr. –

17. 12e. Die Kinder lehrt gehorchen blind, so habt auf rechten Weg ihr sie gebracht; aber nur vergeßt der Wurzel des Gehorsams nicht, die da Meine Liebe ist. –

18. 12f. Da wo ihr Fünkchen seht, da sollt ihr Feuerlärmen machen, so wird die Flamme nie das Dach ergreifen. –

19. 12g. Haltet kleine Dinge nicht für unbedeutend; ein Fünkchen hat gar oft schon große Städt' vernichtet.

20. 12h. Wenn die Kinder lachen, sollt ihr weinen; wenn sie weinen, habt ihr Grund euch zu erfreun. –

21. 12i. Im Scherze liegt der Schmerz begraben, wie in diesem heitre Freude. –

22. 12k. Es ist besser Hunger leiden, als mit vollem Bauche zugrunde gehen, amen, amen, amen.

Eine Parabel. – 3. April 1841, von 6 bis 10 Uhr abends.

Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H. u. A. H.

Themen (gewählt von den drei Schwestern): Was ist die Wespe für ein Sinnbild? – Was bedeutet der Abendstern? – Was ist die Unschuld?

Der Herr antwortete allergnädigst hierauf durch Seinen Knecht:

01. Es war einmal ein Vater, welcher drei Kinder hatte; alle drei Kinder waren weiblichen Geschlechts. Der Vater selbst aber war ein großer Weltweiser und war wohlerfahren in allen Erdwissenschaften wie auch in der Rechenkunst und konnte daher wohl berechnen die Bewegungen der Gestirne. Und da er auch in der innern entsprechenden Erfahrungswissenschaft wohlbewandert war, so wußte er auch allerlei Deutungen aus den verschiedenen Bewegungen und Stellungen der Planeten und anderer Gestirne zu entziffern. Diese zuletzt erwähnte Wissenschaft war eben auch diejenige, die sozusagen sein Steckenpferd war.

02. Damit ihr aber dieses Gleichnis desto leichter fasset, so denket euch diesen weltweisen Vater um dreitausend Jahre früher, als die Zahl eurer gegenwärtigen Zeit lautet, und denkt euch noch dazu, daß dieser Mann ein Heide war, der von Mir nicht viel mehr wußte denn ein neugeborenes Kind.

03. Es ereignete sich aber einmal, daß er mit seinen schon ziemlich erwachsenen drei Töchtern in tiefster Nachtzeit aus seiner unansehnlichen Hütte trat, um an den Konstellationen im Beisein seiner drei Töchter neue Entdeckungen im erwähnten Deutungsgebiete zu machen. Als er auf diese Art den lichtpunktierten Himmel zu seiner Genüge durchgafft hatte und für ihn nun nichts Neues mehr von dem gestirnten Himmel zu gewinnen war, da wollte er umkehren und mit seiner mageren Beute beladen in seine Hütte zurückkehren.

04. Allein solcher Gesinnung waren seine drei Töchter nicht. Denn da nach desselbigen Landes Sitte nach dem Sonnenuntergange nie ein Mädchen aus der Hütte treten durfte, so war dieser erste Anblick des gestirnten Himmels mit einem zu großen Reize für ein sehr empfängliches jugendliches Mädchenherz überzogen, als daß sich dasselbe so schnell von dem so prachtvoll erleuchteten Himmel hätte trennen können. Daher auch baten die drei Töchter den Vater, nur diesmal bis zum Sonnenaufgange in der glänzenden Halle zu verbleiben.

05. Es bedurfte des Bittens eben nicht gar zuviel, und der Vater gewährte seinen geliebten Töchtern, danach sie verlangten. Wie es aber schon zu gehen pflegt, daß die Kinder, wenn ihnen ein Finger gereicht wird, sogleich nach der ganzen Hand greifen, so war es eben hier auch der Fall. Die Töchter begnügten sich nicht nur mit der stummen Anschauung allein, sondern eine jede fing da alsobald an zu fragen, wie ihr die Zunge gewachsen war und wie ihr der Sinn in aller Wißbegierde eingab.

06. Und seht, wie diese Töchter ihrem weisen Vater gar so manche diamantne Brocken haben aufzubeißen hingeworfen. Was meint ihr wohl, o liebe Kinder, um was die erste ihren Vater hat gefragt? Die Frage war fürwahr so übel nicht, denn sie drehte sich um nichts geringeres, als bloß um die kindlich närrische Kleinigkeit: wer wohl diese lichten Pünktlein samt diesem weiten Himmelsgewölbe gemacht habe. Die Antwort des Vaters war: „Meine lieben Töchter, wir haben wohl eine Lehre, die da sagt, es solle irgendwo über allen diesen Sternen ein mächtiges Wesen wohnen, von dem alles, was ihr sehet, solle einmal gemacht worden sein. Allein, unter uns gesagt, das ist nur eine altertümliche Sage, die aber keine Realität hat, denn die Wissenschaft lehrt darüber ganz etwas anderes.“ Und wieder fragte eine Tochter: „Wie lautet denn dieses ‚ganz etwas anderes‘?“ Der Vater antwortete: „Also, meine Lieben, daß alles dieses, was ihr da sehet, schon von Ewigkeit her also besteht, wie ihr es jetzt sehet.“

07. Allein die Töchter waren mit dieser Antwort nicht zufrieden, sondern fragten den Vater wieder, was das heiße: von Ewigkeit her. Worauf der Vater antwortete: „Von Ewigkeit her heißt soviel, als daß ein Ding nie zu sein und zu werden angefangen hat.“ Allein diese Antwort war für die Töchter noch unbefriedigender denn die frühere, und somit mußte sich der Vater schon gefallen lassen, von seinen Töchtern mit noch kritischeren Fragen gehetzt zu werden. Und so war eine alsogleich mit der Frage fertig, welche also lautete: „Aber, lieber Vater, gilt diese Lehre allen Dingen – oder nur den Sternen allein?“

08. Hier wurde der Vater schon ein wenig verlegen und wollte sich dadurch aus der Schlinge ziehen, daß er seine Lehre nur auf die Sterne bezog. Allein, er machte dadurch seine Lage nicht besser, denn ein anderes Töchterchen war mit einer neuen Frage schon wieder fertig, welche also lautete: „Auf diese Art ist die Erde nicht von Ewigkeit, wenn sich deine Lehre nur auf die Sterne bezieht.“ Hier wußte der Vater schon nichts anderes mehr zu sagen, als daß er sich entschuldigte, in der Übereilung der Erde vergessen zu haben. Allein dieser Scheingrund gab den Töchtern nur wieder eine neue Gelegenheit, den Vater noch enger zu umstricken.

09. Und so ward alsobald wieder eine neue Frage aufgetischt, nämlich: wie denn das zu verstehen sei, daß die Erde – die da bestehe aus Lehm, Steinen, Bergen, Wasser, Sand und anderen allerlei gearteten Dingen – nie zu sein angefangen habe, während doch viele Dinge auf ihr entstehen und wieder vergehen. „Ja selbst wenn ich schon öfter ein kleines Lackchen Wasser beobachtete, wie dasselbe von den Sonnenstrahlen zunichte gemacht wurde und mir dabei dachte, wenn die Sonne noch heißere Strahlen zur Erde senken würde, könnte sie wohl auch einen See vernichten, – so möchte ich doch einmal wissen, wie das zu nehmen sein soll: daß fürs erste etwas dasein kann, was nie zu sein hat angefangen, und wenn es aber da ist, doch vergehen kann trotzdem, daß es schon früher von Ewigkeit dagewesen sein solle?“ – Hier war der Vater wie in einen siebenfachen Sack eingenäht und konnte nichts anderes darauf sagen als: „Meine lieben Kinder! Solches kann der Mensch nicht wissen!“ Und sogleich fragte wieder eine: „Wenn aber nach deiner Lehre der weise Mensch solches nicht wissen kann, wer soll's denn hernach wissen, wenn der Mensch schon das höchste Wesen ist?“ Und eine andere fügte noch eine andere Frage hinzu, welche also lautete: „Wenn nach deiner Lehre alle Bäume, Gesträuche, Pflanzen, Tiere und Menschen sich selbst fortpflanzen, da habe ich mir manchmal auch schon den Kopf zerbrochen, ob es denn nie Erstlinge gegeben hat? – Denn mir kommt es immer vor: Wo nie ein Erstes war, da kann ja doch unmöglich je ein Zweites entstehen – nicht wahr, lieber Vater? Denn also lehret uns ja deine Rechenkunst!“

10. Sehet, jetzt war der Vater rein fertig und wußte nichts anderes anzufangen, als seinen Töchtern zu sagen: „Liebe Kinder, ich höre soeben ein gewaltiges Gesumse von stechenden Wespen, ihr wißt, wie sehr ihr Stachel brennt. Daher wollen wir diese ungebetenen Gäste nicht abwarten, sondern da soeben der Morgenstern schon über den Horizont gestiegen ist und den nahen Aufgang der Sonne ankündigt, wollen wir uns in unsere Hütte begeben, damit uns niemand treffe ungebührlicherweise im Freien und noch dazu von Wespen übel zugerichtet.“ Und sobald erhoben sie sich auch. Aber es wollte nicht recht gut vorwärts gehen, denn als sie ihrer Hütte sich nahten, wurden sie von einem seltenen Feuermeteore zurückgeschreckt und getrauten sich nicht auch nur hinzublicken, da die Hütte stand; denn dieser Meteor bestand in einer blitzenden großen Feuersäule und hatte ein außerordentlich drohendes Aussehen.

11. Als sich die Gesellschaft denn nun wieder an der vorigen Stelle befand, hat sich ihre Furcht verringert, und die Töchter fragten den Vater, warum er sich denn vor dieser Feuersäule gefürchtet habe – und ob diese Feuersäule auch von Ewigkeit her sei? Auf welche Frage der Vater abermals die Antwort schuldig blieb und sagte bloß von der Furcht: „Der Mensch sollte sich zwar nicht fürchten, allein bei einer so außerordentlichen Gelegenheit fürchtet man sich denn doch; denn es ist eine solche Furcht heilsam dem Menschen, da sie ihn von einem Unglücke abhält.“

12. Er hat sich aber durch diese Erklärung in eine neue Verlegenheit geworfen, denn sobald war eine neue Frage da, nämlich: „Woher kommt denn bei solchen Gelegenheiten diese gute, schützende Furcht in den Menschen; denn da sie etwas Gutes ist, kann sie doch nicht von dem ausgehen, davor sich der Mensch entsetzt?“ – Auf diese Fragen sagte endlich der weise Vater: „Liebe Kinder! Vermöchte der Mensch auf jede Frage eine befriedigende Antwort zu finden, so wäre er, liebe Kinder, – ich weiß selber nicht, was er wäre! – Mehr als ein Mensch müßte er auf jeden Fall sein.“ –

13. Und eine neue Frage, welche darin bestand, warum alle Sterne nicht gleich stark glänzen und die Menschen nicht gleichviel wissen, hat den weisen Vater beinahe zur Verzweiflung gebracht, – und endlich die Frage, welcher Unterschied zwischen dem schönen Morgensterne und dem von ihnen schon einmal gesehenen Abendsterne von gleich starkem Lichte wohl sein möchte, brachte den Vater zu einer etwas ärgerlichen Beantwortung, welche also lautete: „Kein anderer, denn der zwischen euren Fragen und eurer Unschuld.“ –

14. Nun, Meine lieben Kinder, in dieser Parabel habt ihr alles das erläutert, wonach ihr gefragt habt. Ihr habt nicht um das Wesen, sondern nur um die Bedeutung gefragt, und diese ist euch hier auch zur überfließenden Genüge gegeben. Denket darüber im Herzen, und es wird euch alles sonnenklar werden, amen. – Das sage Ich, euer Vater Amen. – – –

Ein Wort an Ans. Wortemsig. – 5. April 1841, abends um 10 Uhr, nachdem Jakob Lorber die 58. Strophe der ‚Erlösung‘ niedergeschrieben und dem Ans. H. vorgelesen hatte.

Ans. H. sagte zu Jakob Lorber, daß jede Tat des Herrn die größte sei, und daß Seine Tatengröße nicht mit der Elle des menschlichen Verstandes und Herzens gemessen werden könne; es sei die Menschwerdung des Herrn so groß wie Sein Lehramt, und dieses so groß wie Sein Kreuzestod, und dieser so groß wie die Sendung des Heiligen Geistes, und diese so groß wie das Wohnen des Herrn im Herzen Seiner armen und schwachen Getreuen. – Hierauf wurden Jakob Lorber folgende vier Verse in die Feder gegeben:

01. Du Emsiger im Worte mußt dich nicht in leeren Zank versinken, / O sieh, ein schuldlos Kindlein wird die große Wahrheit treulich euch zuwinken!!! / Daher mußt dich in nichts begründen, / Dann wirst das Große du schon finden. / Ich Amen, Ich Amen, Ich Amen.

Unsittliche Amtsverwaltung (Die Landratsstelle an And.H.). – 6. Mai 1841.

01. Schreibe nur, denn Ich weiß es schon, daß du und alle der Welt lauter Unzüchtler und Hurer und Ehebrecher seid. – Wer da hat ein Amt, der hat es ja der nützlichen Amtierung wegen, nicht aber etwa des Gehaltes oder der Bequemlichkeit wegen. Sucht aber jemand ein bequemes Amt, so ist er ein Unzüchtler, da er wohlleben möchte, ohne wohlzutun – gleich einem, der die Ehe flieht und scheut sich zu sorgen für Weib und Kind, aber dafür aller Weiberwelt den Hof macht und am Ende seines Fleisches Lust und Begierde sich entweder mit den schmutzigsten Huren oder wohl durch Selbstbefleckung stillt.

02. Wer ein gutes Amt hat, da er recht viel Gutes wirken mag, sucht oder möchte aber eines, in welchem wahrlich nichts denn die allerbarste Hurerei getrieben wird, der ist gleich einem, der sich möchte von seinem Weibe darum scheiden, um dann mit einer bedungenen Hure nach der andern sein Wesen zu treiben, ohne darob von seinem Weibe die gerechtesten Vorwürfe anhören zu müssen. – Wer aber sein Amt vertauschen will gegen ein anderes, hat der nicht geistig ehebrecherische Gesinnungen? Und das noch vorzugsweise bei einem solchen Amte, da man ist eine wahre Obrigkeit des Gesetzes, die aus Mir besteht, – mit einem Amte, das da keine Obrigkeit, sondern nur eine Prozesse führende Behörde ist, und das vorzugsweise nur für den Adel und Priesterstand, und hat wenig oder gar nicht mit Meinem armen, gemeinen Volke zu tun. –

03. Es ist aber ein jeder Prozeß die allerbarste Hurerei, weil da das Gesetz benützt wird zur Unterstützung der Eigenliebe, gleichwie einer benützt das große Naturgesetz der Zeugung zur wollüstigen Frönung seiner unzüchtigen Eigenliebe, – und es ist dann ein solcher Prozesse ausarbeitender Amtsmann nichts denn ein Hurenunterfänger und Anmannbringer, wo es dann allzeit heißt: Wer's Geld hat, der führt die Hure ins Bett. – Denn die advokatische Drehung, Wendung und Benützung des Gesetzes gleicht ganz vollkommen jener schändlichen Art, wo der Unzuchtsbuhler von seiner Hure alle möglichen Stellungen verlangt, um dadurch zu irgendeiner neuen Reizesmacht zu gelangen, um auch eben dadurch noch den letzten Tropfen Lebens zu verspritzen, wie ein Prozeß-Ausarbeiter des Gesetzes letzten Machtfunken aufs Papier mit der Tinte verspritzt. –

04. Siehe, Mein lieber A.W., geradeso verhält es sich mit dem Amte, das du möchtest. Ich sage dir aber, willst du recht und wohl tun, so bleibe, da du bist; denn dein Amt ist ein altes Amt, und es ist dessen Macht und Gewalt aus Mir; aber das andere ist Mir ein Greuel! – Willst du lange leben, so bleibe und sorge als treuer und gerechter Richter nach dem Gesetze für das Wohl der Untergebenen und widerrate aufs dringendste alles Prozessieren. Wenn dich aber der Kaiser übersetzen möchte in ein anderes Amt oder du auch in der jetzigen Stellung eine höchste Amtsstufe möchtest, so kannst du es wohl annehmen und nach der zweiten verlangen; aber aus dir meide du die Prozesse führende Landratsstelle. Ich werde dich überall segnen, nur da nicht, außer der Kaiser hätte dich dazu berufen. Übrigens aber will Ich dadurch deinem freien Willen keine Fesseln angelegt haben, denn Ich zeigte dir nur die Sache, wie sie bei Mir steht. Findest du aber dessenungeachtet noch Beweggründe, die die Sache rechtfertigen, so magst du immer noch tun, wie es dir behagt. Aber von der inneren Ernte magst du dir dann nicht zu Großes versprechen; denn der Anblick eines vorliegenden Prozesses gleicht dem einer nackten Hure, da es gewiß jedem schwer wird, sich von unkeuschen Gedanken zu enthalten – wohlverstanden – Amen – sage Ich – Amen, Amen, Amen.

Der Ton – die lebende Seele des Wortes. – 18. Mai 1841. Vormittag.

O Herr, Mein Gott und Vater, der Du voll Liebe, Erbarmung, Langmut, Sanftmut und Freigebigkeit bist und lässest niemanden vergebens bitten um etwas, der nur eines ein wenig treuen und traulichen Herzens ist – siehe, Dir hat es gefallen, mir die Musik zu geben und mich selbe von meiner Jugend auf erlernen zu lassen. Daher möchte ich nun gerne in einem verständlichen Worte von Dir erfahren, was fürs erste die Musik im Grunde sei, und fürs zweite: Sollte man diese mir gar so überaus herrlich vorkommende Kunst auch, wenn man Gelegenheit hat, mit allem Fleiße erlernen? Und endlich, welchen Nutzen fürs Leben gewährt sie? – O Herr! sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig und nehme auf und erhöre meine Bittfrage gnädigst und erquicke meine Seele mit einem Worte voll Lebens und Liebe aus Dir Amen; Dein allzeit heiliger Wille Amen. –

01. Nun, so schreibe und schreibe und schreibe. – Der Liebe innerstes Wort, das ihr Musik nennt, schreibe die Tiefe der Tiefen, schreibe die Macht der Mächte, die Kraft der Kräfte! – Ich will dir geben ein Wort der Liebe, doch in einem hohen Liede nur; denn zu hoch und erhaben ist's, danach du fragst. – Ich gebe es dir, und dann begreife wohl, was du empfängst! – Und nun schreibe und schreibe und schreibe ein hohes Lied, welches also laute:

02. 1. / Es wohnt in den heiligen ewigen Tiefen der Liebe verborgen / ein nie noch im Grunde von Engeln und Menschen geahnter Morgen; / ihr nennt es gar töricht Musik, was als innerstes Wort sich bekundet. / Was soll denn dies schaleste Wort, das den grundlosen Toren nur mundet? / Soll lehren es dich zu begreifen ein Wunder der Tiefe der Liebe? – / Willst Großes du fassen, da fasse der Liebe allinnerste Triebe!

03. 2. / Der Ton ist die lebende Seele des Wortes, selbst Leben und Wesen; / was wäre ein Wort ohne Ton? – Könnt's Gedanken des Herzens dir lösen? / Der Buchstab' ist nur ein verkrüppelter Ton, ohne Klang und Bedeutung; / du kannst mit dem Zeichen wohl schreiben das Wort nach der inneren Leitung, / doch nimmer die Tiere von ihrem betäubenden Schlafe erwecken; / denn solches kann nur der belebende Ton allzeit sicher erzwecken!

04. 3. / Das innerste heilige Wort ist nur Ton ohne zungliche Trübung; / dies heilige Wort magst du finden in rohesten Dingen ohn' Übung – / in allen Metallen und festeren Steinen und Wasser und Erden, / in Tieren und Pflanzen, in allen den luftigen sumsenden Herden. / Ich sage dir, horche und lausche mit offenem Herzen und Ohren, / und du wirst bald merken, daß ohne den Ton wird kein Wesen geboren!

05. 4. / Und so wohnt im Tone auch einer ganz leise nur sumsenden Fliege / ein Grund, eine Tiefe, du möcht'st sie nicht fassen! – Das Kind in der Wiege, / fürwahr, kannst Mir glauben, es saget in seinem eintönigen Weinen / unendlichmal Höh'res denn Salomo und all die Weisen und Reinen, – / und so auch ein raschelndes Laub, und die sprudelnde muntere Quelle, / sie birgt in dem plätschernden Tone des Lebens gar heil'ge Juwele!

06. 5. / Nun denke ein wenig im Herzen doch nach – und begreife und fühle, / was alles die Harmonie reiner gebildeter Töne verhülle! – – / besonders wenn sie aus dem Herzen der Frommen gar reinlich entschweben; / Ich sag' dir, aus ehernen Saiten entwinden sich zahllose Leben! / In den Oratorien und Sinfonien und andren Gesängen / sich Leben an Leben, wie Woge an Woge, gar herrlich durchdrängen!

07. 6. / Möcht'st du wohl den Nutzen harmonisch gebildeter Töne erfahren? / Da frage dich selbst nach dem Nutzen des Lebens, und du wirst gewahren / und finden, daß nichts da wohl wichtiger sei als ein seliges Leben; / was, außer dem Tone der Liebe, kann solches im Himmel dir geben?! / Musik ist die innerste Sprache der Himmel, der seligsten Reinen, – / fürwahr, die sie feinden, die Musik, die rechne Ich nicht zu den Meinen! – –

08. 7. / Die Trägen und Feinde und die sie erwählen zu niedrigsten Zwecken, / die werd' Ich zum inneren Leben des Geistes wohl schwerlich erwecken; / doch welche die Herrliche achten und lieben in wonniger Freude / aus Mir und zu Mir – und sie hätten auch manches auf schuldiger Kreide / bei Mir, wahrlich! Ich werd' sie richten nach ihrem empfundenen Tönen; / daher mögt die Kindlein ihr zeitlich und fleißig an solche gewöhnen! –

09. Aus diesem hohen Liede dürfte deine Frage wohl gelöst sein, wenn du es recht erwägst. Denke, daß der unartikulierte Ton nichts ist und sein kann als das allerreinste geistige Wort im höchsten himmlischen Sinne, so wird dir nach und nach die sogenannte Musik in ihrer inneren Wesenheit immer klarer und herrlicher werden. Rate das auch deinen Freunden und Freundinnen, und es wird für sie von großem Nutzen sein amen. Das sage Ich, der ewige Grundton aller unendlichen Töne, amen, amen, amen. – – –

Ursache und natürlicher wie auch geistiger und geistig-politischer Grund der entsprechend für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühlen Witterung. – 19. Juni 1841, von 1/2 4 Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends.

Schreibende: Andr. und Ans., Wilhelmine und Pauline H.

01. Ihr werdet beobachtet haben, daß sich in diesem Jahre schon frühzeitig eine ungewöhnlich warme und trockene Witterung eingestellt hat; auch werdet ihr bemerkt haben, daß während der anhaltend trocken-warmen Zeitperiode beständig mehr südliche Lüfte wehten und dadurch die Luft dem Strahle der Sonne erwärmen halfen; auch werdet ihr bemerkt haben, daß in dieser warmen Zeit sehr wenig elektrische Wetter zum Vorscheine kamen, und daß es nach jedem dieser wenigen elektrischen Wetter allzeit ein oder auch zwei Tage trübe blieb und auch mitunter regnete. So jemand ein sogenanntes Barometer hat, wird sicher, wenn er anders mit den Regeln dieses Instrumentes vertraut ist, die Erfahrung gemacht haben, daß es in einem hohen Stande der Silbersäule so gut wie in einem mittleren und niederen auch während des Steigens oder Fallens geregnet hat.

02. Sehet, so jemand alles dieses genau beobachtet hätte und hätte dabei seinen Forschungsgeist geweckt, er würde nicht weit vom Ziele geschossen haben, da er fürs erste sich doch wohl fragen mochte: Wohin kommt denn die immer von Süden nach Norden strömende Luft, wohlgemerkt, wenn dieselbe von allen mittäglichen Gegenden um die ganze Erde eben nach Norden strömt? Und die Antwort wäre ebenfalls sehr leicht, besonders wenn man noch voraussetzt und voraussetzen muß, daß die Luft ein gewichtiger Körper ist, welcher einer Ansammlung fähig ist, davon euch ein jeder Blasebalg einen Lehrer abgeben kann, wie eure Lunge selbst bei jedem einzelnen Atemzuge.

03. Dieser Forscher müßte nun notwendigerweise herausgebracht haben, weil die Luft von allen mittäglichen Gegenden der Erde sich gegen Norden bewegte, daß dadurch eben über dem bedeutenden Nordpol eine große Luftansammlung und Aufladung stattgefunden haben muß. Sehet, was unser Forscher schon alles für richtige Entdeckungen gemacht hat. Nun fragen wir den Forscher, so er übrigens nur ein wenig mit den Luftdruck-Experimenten vertraut ist: Was wird denn nun geschehen, wenn über dem eisigen Nordpole sich solche Massen der Luft übereinander lagern und dadurch eine Schicht die andere mehr und mehr zu drücken anfängt? Und der Forscher wird nach einem nicht gar zu langen Denken Folgendes zur Antwort bringen: Wenn mich übrigens die Erfahrung nicht trügt, was sicher nicht leichtlich der Fall sein wird, so muß die Aufschichtung der Luft über dem Nordpole ja dieselbe Wirkung hervorbringen, als so man zwei große Blasebälge mit ihren Luftausströmungsmündungen gegeneinander kehrt und an der Stelle, da sich die beiden Luftströme hartnäckig begegnen, ein Wasser durchträufeln läßt, wobei dasselbe alsobald zu einem Hagelkügelchen gefriert; und wenn die gegenseitige Strömung der Luft in ihrer Heftigkeit noch vergrößert wird, man da alsobald eine Menge kleiner Feuerfünkchen gleich den elektrischen nach allen Seiten zucken sieht, und zwar unter einem bekannten elektrischen Funkengeknister. Wenn demnach, sagt unser Forscher weiter, die gedrückte Luft stets dieselbe Erscheinung und Wirkung zum Vorscheine bringt, so muß ja über dem Nordpole vom Anfange solcher Luftansammlung an die Kälte eben auch mehr und mehr zugenommen haben, und zwar in demselben Verhältnisse, als die unterste Luftschicht von den sich stets mehr anhäufenden oberen Schichten mehr und mehr gedrückt wurde. Und hat der Druck den höchsten Grad erreicht, so muß ja die Luft sich alldort in ihrer untersten Lage ebensogut entzündet haben, wie im kleinen zwischen den zwei großen Blasebälgen. Sehet, unser Forscher ist im Ernste nicht uneinsichtig, denn seine Schlußfolge ist richtig.

04. Also war es auch in naturmäßiger Hinsicht genommen. Die Sonne hat mit ihrem Strahle von allen Erdgegenden die Luft von Süden nach Norden getrieben, und das darum, weil eben die Sonne in dieser frühwarmen Zeit durch ihre großen und vielen neugebildeten Feuerkrater ihr Licht mehr denn ums Tausendfache potenziert hat, was natürlicherweise nicht alle Jahre der Fall ist. Die Luft häufte sich nun über dem Nordpole und bewirkte dadurch die größtmögliche Kälte, so zwar, daß das den Nordpol umfließende Meer über hundert Meilen weiter herab gegen Süden bis auf den Grund zu Eis geworden ist und dadurch an manchen Stellen, wo das Meer sehr tief ist, dem Eise eine oft mehrere tausend Klafter weitgedehnte Tiefe gab.

05. Nun aber muß Ich euch auf eine Erscheinung noch aufmerksam machen. Könnet ihr euch noch des Tages erinnern, als in dem Zimmer des A. H. W. ein kleines freihängendes Pendulum ohne alle jemandem bewußte Veranlassung zu schwingen anfing? – Sehet, gerade um diese Zeit hat die Luftschicht über dem Nordpole unter der naturmäßig großartigsten Explosion sich entzündet, welche Explosion von einer solchen Heftigkeit war, daß sie mit einem Stoße beinahe das sämtliche Eis, das den Nordpol zu hundert und hundert Meilen weit umlagerte, zersplitterte und durch die nachfolgenden fortdauernden Entzündungen das Eis von dem Pole in nicht selten ländergroßen Stücken in die südlicheren Gegenden schob, davon bis jetzt einige sogar den Äquator erreicht haben. Eine solche Explosions-Szene würde euch, so ihr derselben bloß nur zusehen und ihr groß donnerndes Geknalle von ziemlich weiter Entfernung anhören möchtet, dem Leibe nach unfehlbar töten; denn davon könnet ihr euch keinen Begriff machen, welche für euch unbegreiflichen Naturkraftäußerungen allda zum Vorscheine kommen.

06. Fürwahr, so ihr euer ganzes Kaisertum möchtet durchaus tausend Klafter hoch mit eurem Pulver anschütten und dann entzünden, so wäre dieses gegen eine solche polarische Erscheinung und auch in Beziehung auf die ganze Erde gerade soviel, als so ihr auf einem Tische ein einziges Pulverkörnchen entzünden möchtet. Gerade in dem Verhältnisse steht die Explosionswirkung des Nordpols gegen die des entzündeten großen Pulverhaufens, wie die Explosion ebendieses Haufens sich verhält zu der des einzelnen Körnchens. Da ihr euch dadurch nun einigermaßen die Explosion versinnlichen möget, so könnet ihr euch auch von dem allgemeinen Knalle einen leisen Begriff machen, welcher von mehr denn einer Trillion gleichzeitig bewirkter Blitze hervorgebracht wurde. Solchen Stoß empfindet die ganze Erde, wie ihn auch empfunden hat das euch bekannte Pendulum.

07. Wenn ihr nun dieses zusammenfasset und danach schließet, so wird euch die gleich darauf eingetretene Kälte in euren schon ziemlich südlichen Gegenden sicher nicht mehr rätselhaft vorkommen. Denn wenn fürs erste die Luftmasse vom Nordpole aus über alle oft über hundert Meilen weitgedehnten Eisfelder wieder gegen den Äquator zu strömen anfängt und auf ihrer Rückreise auch mehrere tausend und tausend berge- und ländergroße Stücke mit sich führt, so wird es euch etwa doch begreiflich sein, daß die Luft also vom Norden wiederkehrend nicht warm sein kann, als käme sie vom brennenden Äquator.

08. Aus diesem Grunde haben sich bei euch auch wenige elektrische Wetter eingefunden, und das Steigen und Fallen des Silbers im Barometer ist bis jetzt noch nicht eine Folge der inneren Erdrinde-Erhöhungen, sondern wird bloß dadurch bewirkt, da bald eine größere und bald eine geringere Portion Luft vom Norden sich über die Erdfläche hinzieht und dadurch vermöge ihrer größeren oder geringeren Schwere auch das Fallen und Steigen des Silbers in der Röhre bewirkt.

09. Sehet, also kann es auch allzeit regnen, mag das Quecksilber in der Röhre stehen, wie es wolle, oder mag es fallen oder steigen, da die Luft allzeit kühl ist und die Erdtemperatur aber warm. Und dadurch auch allzeit dieselbe Erscheinung, die ihr im kleinen schon an euren Fensterscheiben bemerken könnet, wenn es außen kalt wird und ihr eure Zimmer beheizet, allda sich eben auch der Sauerstoff der kälteren Luft mit dem Stickstoffe, welcher in den Zimmern eine Folge der Beheizung ist, verbindet und an der Scheibe als tropfbares Wasser zum Vorscheine kommt.

10. Wie hoch die Luft sich über dem Nordpol angehäuft hat, möget ihr sehr leicht aus der lange anhaltenden Abenddämmerung erkennen, vermöge welcher ihr noch sogar gerade um die Mitternacht gegen den Norden einen bedeutenden Lichtschimmer entdecken möget, und dieser Lichtschimmer ist nichts anderes als die erleuchtete weitgedehnte Luftsäule über dem Norden. Wer rechnen kann nach der Kreisbiegung und nach der Zahl der Grade von euch bis zum sogenannten Polarkreise, der kann mit ziemlicher Sicherheit nach Meilen die Höhe der Luftsäule bestimmen, welche sich über dem Nordpole auf dem schon bekannten Wege aufgeschichtet hat. Vorläufig aber sage Ich euch, daß dieses Mal die Luftsäule eine Höhe von siebentausend Meilen erreichte. Nun hättet ihr den naturgemäßen Grund dieser Erscheinung, insoweit ihn euch auch ein wohlverständiger, sogenannter Naturforscher hätte bekannt geben können.

11. Aber wie sieht es denn mit dem geistigen Grunde aus, welcher der eigentliche Hauptgrund ist, wo ein jeder Naturgelehrte das für ihn traurige „Bis hierher und nicht mehr weiter“ aussprechen muß?! – So ihr die Erklärung über den Nordpol nachsehen wollt, wie auch noch manche andere sowohl aus dem Gebiete des Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches, namentlich aber auch jene Erklärung über das Erdbeben, so möchte euch der geistige Grund schon so ziemlich bekannt sein. Nur ist hier der unterschiedliche Umstand zu berücksichtigen, da für diesmal, was freilich nur selten der Fall ist, eine allgemeine Geistergefangennehmung – wie auch Erlösung – der lange schon im Eise des Nordens Harrenden stattgefunden hat. Die Gefangenen sind diejenigen, die von Süden gegen Norden geführt wurden, und darum dahin geführt wurden, weil sie ansonsten zu großes Unheil angerichtet hätten über alle südlichen Erdgegenden.

12. So ihr einen Blick machen möget auf all die kriegerischen und aufrührerischen Bewegungen all der südlichen Völkerschaften, so möchte euch der Grund solcher allgemeinen Gefangennehmung nicht ganz undeutbar sein. Und so ihr nun saget: Solches hat allerdings viel für sich und erscheint uns höchst wahrscheinlich, so kann aber anderseits doch wieder nicht ebenso leicht begriffen werden, warum denn im Gegenteile dadurch auch wieder ebenso viele stark Abgekühlte aus dem Norden frei wurden – und wurden und werden noch bis jetzt geführt in des Südens wärmere Gegenden, zum Teil in großen Eismassen und zum Teil in der zurückströmenden Luft selbst. Allein hierüber sage Ich euch, daß wer das eine begreift, kann ebenso leicht auch das andere begreifen.

13. Ein kleines Beispiel soll euch das Ganze aufhellen. Was meinet ihr wohl, welches das beste Mittel sei, um Raufbolde in einer warmen Stube baldmöglichst zu besänftigen? Ich sage euch: Begießet sie mit eiskaltem Wasser oder schaffet sie hinaus in den Schnee, und ihr könnet vollkommen versichert sein, daß die Abgekühlten wenigstens für diese Zeit nicht mehr Hand aneinander legen werden. Also ist es auch im Großen der Fall. Hätte Ich nun solches nicht zugelassen und dadurch die weltlich machthabenden Hitz- und Raufbolde durch die friedlichen Geister abgekühlt, so wäre nun der ganze südlichere Erdkreis über Hals und Kopf in Krieg, Aufruhr, Hunger und Pest verwickelt. So aber ließ Ich kalte Lüfte wehen. Diese aber kühlen nicht nur eure Haut ab, sondern da sie an und für sich nur friedliche oder doch wenigstens gefriedete Geister sind, so üben sie auch dasselbe auf die Gemüter aus, was der kalte Wind äußerlich auf die Haut wirkt. Wisset ihr, von wie vielen Menschen es oft abhängt, daß gegenseitig ganze Völker in Kriege verwickelt werden?

14. Ihr brauchet nur einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, und ihr werdet uranfänglich selten mehr als zwei gegenseitig hochgestellte Hitzköpfe antreffen. Werden diese brennend, so verhalten sie sich zum Volke geradeso wie ein Funke zu einem dürren Walde, der da hinfällt auf einen leicht entzündlichen Körper, der alsobald lichterloh aufbrennt und in kurzer Zeit den ganzen Wald in Brand steckt. Der Funke ist zum Beispiel irgendein brennender Minister, der sehr zündbare Gegenstand ist entweder der Monarch selbst oder das militärische Volk, und der dürre Wald ist das gesamte übrige Volk, welches oft körperlich und geistig unter dem Drucke irgendeiner zu eigennützigen Regierung schmachtet. Der raufsüchtige Minister erachtet den Krieg für höchst notwendig, natürlich zufolge eigener Herrsch- und Gewinnsucht. Der Monarch und das kriegerische Volk werden nicht minder vom gleichen Beweggrunde hingerissen, und das arme Volk muß da mitbrennen, will es oder will es nicht, und sagt auch dann gewöhnlich: Hin bin ich so oder so, – und so liegen sich dann ganze Völker durch zwei einzige Funken mörderisch in den Haaren. Wenn aber der brennende Funke durch einen fallenden Regentropfen noch eher gelöscht wird, bevor er den zündbaren Gegenstand des Waldes berührt hat, bleibt da nicht der ganze Wald verschont?

15. Sehet, also beschaffen ist auch diese gegenwärtig anhaltend kühle Witterung und macht, daß sich die Großen, statt gegenseitig sich zu reiben, dafür die Hände rippeln, nicht aber ihren hitzigen Kopf, damit er desto eher aufflammen möchte.

16. Aus diesem nun angeführten Beispiele möget ihr wohl füglich schließen, wie Ich gar wohl verstehe, durch jede euch bloß natürlich vorkommende Erscheinung so manches geistige Übel hintanzuhalten. Wenn ihr aber tiefer denket, so werdet ihr ja ohnedies in den gesamten Naturerscheinungen spottwenig Natürliches finden, nachdem Ich als der Urheber jeglicher Naturerscheinung doch gewiß in dem allervollkommensten Sinne jeglichen Wortes und jeglicher Bedeutung nach ein Geist, aber keine äußere sinnliche Natur bin, welche an und für sich nichts ist, als wie euch schon bekanntgegeben, Meine gehaltene Idee oder Mein gefesteter Gedanke.

17. So ihr aber nun solches wisset, da möget ihr ja auch noch hinzu wissen und begreifen, daß so Ich irgend Meine Gedanken in eine kleine Bewegung setze, Ich solches nicht tue der Gedanken wegen, als wollte Ich sie gleichsam auslüften und bewahren vor den Motten wie ein Kürschner seine Häute, sondern Ich bewege Meine Gedanken allzeit nur derentwillen, die nun mehr als Meine alleinigen Gedanken sind; diese sind, was ihr seid, nämlich freie, selbsttätige Wesen, die da Meine Kinder werden sollten. So aber einer oder der andere ein guter Vater seiner Kinder ist, führt er nicht sein ganzes Hauswesen seiner Kinder wegen und arbeitet und wirtschaftet und denkt und spart für sie? –

18. So ihr, die ihr unvollkommen seid, solches tut für eure Kinder, wie möchtet ihr denn hernach denken, Ich als der allerweiseste und allerliebevollste Vater aller Menschenkinder werde auch nur ein kleinstes Wölkchen aus purer Unterhaltung von den Winden durch die Lüfte tragen lassen, geschweige erst eine solche großartige Nordpolexpedition für nichts und wieder nichts aus purer Unterhaltung bewerkstelligen – und dadurch sein gleich euch, die ihr nur gar oft Dinge für nichts und wieder nichts begehet und manchmal nicht unähnlich seid den windlustigen Knaben, die eine Schlüsselbüchse laden und sich dann ergötzen an dem dampfenden Pulverpflutscher, an dem doch nach eurer Beurteilung gewiß nichts Ersprießliches gelegen ist.

19. Schließlich mache Ich euch noch bei dieser Gelegenheit auf jene bei euch bestehende knallende und klingende Gottesverehrung aufmerksam. Solche ist nicht zu vergleichen mit dem vom Winde getragenen Wölkchen, noch weniger mit jener großartigen Erscheinung des Nordpols, sondern ist noch um siebenmal weniger sagend als die Schlüsselbüchsenpflutscherei der windlustigen Knaben, welche sich aber doch dabei wenigstens außerordentlich belustigen, – während durch solche Meinen Namen verherrlichen sollende Knallerei und Metallschlägerei und anderartige Klingerei sogar niemand erheitert, noch belustigt wird. Sondern alles dieses geschieht nach einer gewissen Vorschrift wie instinktmäßig, und der Mensch wird dadurch geradeso erbaut, wie ein Baum neben dem andern, wenn von dem einen ein Ast abgeschlagen wird, wohlverstanden! –

20. Sehet, solche Erscheinungen rühren nicht von Meinen Gedanken, sondern von den nichtssagenden der Menschen her. Damit aber diese zu solcher Gedankenrührung gelangen möchten, die Meiner würdig ist, werde Ich wohl gar bald genötiget sein, einen größeren Gedanken in Bewegung zu setzen! – Verstehet es wohl Amen. Das sage Ich, der alleinig große Gedankenbeweger Amen! –

Sei unbesorgt deiner Brüder wegen. – 26. August 1841.

Jakob Lorber, seiner Brüder wegen besorgt, wandte sich an den Herrn und empfing folgendes tröstliche Wort:

01. Was kümmert dich der Gerechten? Laß sie wandeln ihre geraden Wege, denn Ich sage dir: Wer da glaubt und nichts hört und nichts sieht und doch fest und ungezweifelt glaubt, daß Ich Jesus der Christ wahrhaftig bin der Sohn Gottes und Gott Selbst von Ewigkeit, dessen Verdienst in Meinem Namen steht höher denn das eines Apostels, der seine Finger in Meine Wundmale legte und dann erst glaubte, da er hat gesehen, gefühlt und gehört! Wahrlich sage Ich dir, das Lob der gerechten Blinden ist Mir lieber denn die Danklieder der Sehenden und Hörenden. Was ist denn schwerer, zu sehen und zu folgen dem Führer oder als Blinder zu folgen aus Liebe Dem, den er nicht sieht und nicht hört, sondern Ihm allein folgt durch den Glauben, durch das Vertrauen und durch die Liebe? –

02. Darum sei dermal unbesorgt deiner Brüder wegen; denn so gut Ich dir ein hör-, fühl- und nicht selten innerlich sichtbarer Führer bin, bin Ich es unvernehmbar und unsichtbar noch um so mehr deinen Brüdern. Denn für die Schwachen bin Ich ein kämpfender und schützender Held, wie Ich den Sehenden bin ein freundlicher Führer und Lehrer! – Seliger zwar ist das Schauen; aber höre, darum nicht verdienstlicher denn der umschleierte feste Glaube. Darum also sei unbesorgt Amen. –

Das Licht der Höhen. – Geschrieben in Greifenburg, im August 1841.

01. Wende hin deines Auges Apfel zu den lichtumstrahlten Höhen und lese die großen Zeichen der Allmacht deines Gottes! Wie – du bestaubter Wurm zitterst vor dem Rauschen eines Abendlüftchens, das leise nur durch die dürren Äste morscher, abgelebter Tannen und Fichten dahinsäuselt, und wagst es nicht zu erheben dein lichtscheues Auge hinauf zu den heiligen Höhen?

02. Du freier Geist wagst es nicht?! – Im Hinterhalte doch, in der Sünde dunklen Kammern kannst dich wohl erheben, Gewalt und Vernichtung brüten in deiner sicher gewähnten Frechheit, und es dünkt dich groß, mit deiner faulen Lunge Pesthauche Erden zu Atomen zu zermalmen; – da bist du frei, ja überfrei in der großen Finsternis deines Wahns. Jedoch aufzublicken zu den lichtumstrahlten Höhen läßt dir Wahnstarkem dein eigener dich vernichtender Höhenschwindel nicht zu!

03. O Wurm, du krümmest dich umsonst, der glitzernde, dich umgebende Staub fällt von dir, und du bist nackt in aller deiner Scheußlichkeit! Du suchest dir mühsam ein schützendes Grab auf der weiten bluttriefenden Erde; und siehe, sie hat all ihr gähnendes Geklüfte geschlossen und ihr Gewässer gemacht zum harten Steine, – wo willst du denn noch hinkriechen, daß dir eine Herberge werde?

04. Die auf der Erde wandeln, haben dich erkannt und haben einen großen Abscheu vor dir; meinst du wohl, du Wahngroßer, sie werden dir in ihren Gräbern Raum gönnen zur schmählichen Rast oder dich in die alten Särge kriechen lassen, auf daß dir unschädlich werde und dich nicht ereile das große Licht aus den heiligen Höhen und dich nicht offenbar mache vor aller Sterne Augen? – Umsonst schlichtest du nun den alten Frevel, entlarvt ist deine Pestpuppe, fauler Lügner die lange Nacht hindurch; verzehre noch den schnöden Rest deiner aus dem Heiligtume geraubten Goldkörner.

05. Siehe, das heilige Licht rauscht gewaltig und unaufhaltsam über die Höhen herab; Berge zeugen mit Donnerstimmen wider dich und verschließen ihr Geklüfte vor dir, und versiegen machen sie all ihr fruchtend Gequelle, da du sie umkriechen möchtest. Wo ist deine Größe nun, die du dir in deiner Totenkammer geträumt hast? Sieh, wie kleiner und stets kleiner du wirst, wie alles dich flieht, verabscheut und sich verschließt vor dir Wahngroßem, – selbst der Rachen der Hyänenbrut will dir kein Lob mehr spenden und treibt dich vom blutenden Lande, und des Meeres Drache zerreißt die Segel deiner gemauerten Schiffe! Was schreist und wimmerst du in die heiligen Lüfte, in die lichterfüllten; und der Tiger und die Klapperschlange, sonst dein getreues Gefolge, rufen wider dich und begehen mörderischen Hochverrat in deinen eiternden Eingeweiden!

06. Siehe, wie der Sonne Strahl der Pontinischen Sümpfe böse Nebelluft zerstört, wird das Licht der Höhe dir tun, und du wirst nimmerdar wiederkehren. – Siehe, das wirkt das Licht aus der Höhe, zeigend den Großen Tag, den Letzten, den Unendlichen. Amen.

Ein neues Licht im neuen Lichte. – 24. Oktober 1841. Sonntagvormittag.

01. Fort, fort mit euch – die Berge schwinden, die Wässer versiegen in den Tiefen; fort, fort mit euch, die Zeit ist platt gedrückt, es weht vom zeitenlosen Sein ein vernichtender Hauch über das matt gewordene Geklüfte der Erde, und das eisstarre Meer gähnt dem Feuer des Zornes entgegen – fort, fort mit euch!

02. Das zweischneidige Schwert, das ihr auf Zions Höhen geraubet habt, befindet sich allerschärfst wieder in der Hand der ewigen Allmacht und wird nun geschwungen über des Tieres siebentes Haupt, damit der Drache nimmerdar fresse das süße Blut der Unschuld, – nimmerdar verfolge das arme gerechte Weib in der Wüste, und ihr Kind, der Herr im Worte, lebe lebendig in jedem Sandkorne den ewigen großen Tag hindurch.

03. Die Erde solle gleich gestellet sein zwischen Pol und Pol, und kein Tag mehr länger und kürzer. Ich will die Wässer zurücktreiben, ja über die höchsten Berge will Ich Wogen auftürmen bis zu den Sternen, zu ersäufen all das Gestein, und Feuer wird fallen bis in den Abgrund und wird da entzünden all die faulen Gewässer und ihr Dampf sodann verpesten alles Gewürm der Erde!

04. Daher fort mit dir, du Drache, – wohin mit dir, du Schwerer? Ins Feuer, in dein Feuer, in das Feuer, damit du lange gesenget hast das demütige Gras auf der großen Wiese des Lebens und hast dafür bestreut den öden Boden mit glühenden Steinen, auf daß sich die Ameisen unter dem Boden zu Tode schwitzen sollen. Allein diese hart geprüfte Kreatur ist nicht ausgestorben; sie lebet, ja sie muß leben, um dich elenden Wurm nach gerichteter Art im Staube deiner Nichtigkeit zu zermalmen!

05. Es soll euch heiß werden, ihr Berge, und euch Wolken will Ich von einem Ende der Welt zum andern hin mit Blitzen jagen und treiben in schwindelnden Wirbeln, darum ihr Hagel zeugen sollet, zu erschlagen alles Hohnfutter für die Tiere des Tieres und decken den glühenden Boden der Schwachen mit Eis bis zu den Sternen, damit der Erde blinder Wahn auf ewig zum Tode erstarre. Denn Ich bin der Herr aller Macht, Mir muß alles weichend freien Platz machen; – wenn Ich komme, wo Ich komme, da kommt keiner mehr nach Mir, wie vor Mir keiner war und keiner gezeigt hat den weiten Weg durch die Unendlichkeit Amen. –

Noch ein neues Licht im neuen Lichte. – 25. Oktober 1841. Nachmittag.

01. Siehe ein Haus, es ist neu erbaut, am Dache ein Stein, in der Kammer ein Stein und im Keller ein Stein. Wer da wandelt am Dache, dem wird der Stein am Wege sein und wird ihn hindern, vorwärts zu schreiten. Wer aber wandelt in der Kammer, in der dunklen, der wird sich hart stoßen am Steine, daß er darob ein großes Leid tragen wird. Wer aber endlich wandelt im Keller, der da ist voll Finsternis, der wird fallen über den Stein und wird zerschellen am harten Steine all sein lebend Gesicht und wird sein voll Beinbrüche an Händen und Füßen und wird nicht mehr sehen, noch greifen und halten, noch stehen, gehen und frei wandeln können.

02. Wer aber Ohren hat, der höre, und wer da Augen hat, der sehe. Es wird aber fürder sein also mit den Häusern und wird in keinem mehr sein des Bleibens. Wer da erreicht hat ein offenes Feld, der kehre ja nicht um und kümmere sich um keines der Häuser mehr.

03. Denn wer Mich bekennt, der soll Mich offen bekennen im Geiste und in aller Wahrheit, frei ohne Haus, Fach und Dach; denn Ich habe einen großen Ekel bekommen vor all den Häusern. Daher kein Haus mehr, da jedes ist mehr und mehr ein Totenhaus. Ihr aber wisset, wo da ist die Wohnung des Lebens, in der allein zu bestehen sein wird ewig. Daher suchet nicht und saget nicht: Siehe da, siehe dort; sondern inwendig in euch kommt das Reich des Lebens, das Reich der Himmel, die ewige Wohnstätte des Heiligen Geistes! –

04. Wehe all den Häusern, die da sind voll Steine, voll Dunkels und voll Finsternis, in ihnen wohnt der Geist des Todes; aber das Leben ist frei in Mir und muß es also auch sein in euch ewig Amen.

Auf Fragen von Ans. H. – 28. November 1841, am 1. Adventssonntag, nachmittags.

J. L. forderte Ans. H. auf, Fragen zu stellen, die er im Namen des Herrn beantworten werde.

00. O Herr! Was bedeutet das oftmalige, gar so tiefe Aufseufzen beim Lesen Deines heiligen, neuen, lebendigen Wortes?

01. Antwort: Was bedeutet denn das leere Windaufstoßen bei einem hungrigen Magen? – Warum schluchzen denn die Kinder, welche gerne essen, wenn sie nicht sogleich eine erwünscht große Portion Brotes bekommen? Warum aber gibt es ihnen der Vater nicht? –

00. Ist das ein guter Spruch, den ich mir aufzeichnete: Wende dich nicht ans Roß, sondern an den Reiter?

02. Antwort: Es kommt nur darauf an, wie der Reiter beschaffen ist. Manchmal wäre das Roß dem Reiter vorzuziehen. Der beste Spruch aber ist: Wende dich an den Herrn! Denn Er ist Roß und Reiter zugleich! – – –

00. Nach einem Falle fühle ich gewöhnlich erst am dritten Tage die Wiederkehr geistiger Kraft. Wie könnte ich mich schneller erheben?

03. Antwort: Schneller erheben? – Wenn du besser gar nicht fielest, dann ginge es am schnellsten! – Wer aber noch schwach auf der Brust ist, der muß dann freilich wohl eine Zeitlang keuchen, bis er sich wieder erhoben hat nach einem widrigen Falle. Wer aber gut auf der Brust ist, der fällt nicht oder wenigstens sehr schwer und selten, kann sich aber sogleich wieder aufrichten. Denn wie die Brust, so die Füße! –

00. Ist der Prophezeiung des Bug von Milhas in den Pyrenäen zu glauben, nach welcher das bald kommende Jahr 1842 für England und Frankreich ein sehr verhängnisvolles sein solle?

04. Antwort: Wie das Volk, so die Prophezeiung, und die Prophezeiung wie das Volk. Mehr braucht ihr nicht. Wozu für Taube eine Predigt und für Blinde ein Drohlicht, – möchte sich wohl jemand danach kehren?

00. Habe ich nicht gefehlt, meinem Bruder Andrä in Deinem heiligen Namen ein Trostwort zu verfassen in der Form, wie dein Knecht schreibt?

05. Antwort: So du Glauben hast und Liebe, was macht dich zweifeln? – Oder hast du deinen Bruder mit deinem oder mit Meinem Namen getröstet? – – –

00. Dürfen wir dich, Herr Jesus, auch unter dem Namen Abedam anrufen?

06. Antwort: Seid denn auch ihr aus der grauen Urzeit? – Oder nicht vielmehr Früchte aus der großen Zeit der Zeiten? – Wenn ihr Jesum habt, wozu dann noch Abedam? – – –

00. Spiegelt nicht Deines Knechtes äußere Erscheinung Deiner unwürdigen Jünger inneres Wesen ab?

07. Antwort: Es steht aber nirgends, daß der Knecht aus einer Spiegelfabrik erwählt wurde, sondern selbst aus der Finsternis der Welt; er ist nur zum Lichtdurchlassen gleich einem Brennglase, aber kein Spiegel. Spiegel, ja lebendige Spiegel sollet ihr nur sein und ein guter Zunder, leicht feuerfänglich durch die vereinten Strahlen des Brennglases! –

00. Kannst Du es uns verargen, o Herr, daß auch wir die größte Sehnsucht fühlen, Dich als Asmahael, Emanuel oder Abedam unter uns zu erblicken und zu Deinen heiligen Füßen Dir unseren kindlich-einfältigen Dank zu stammeln?

08. Antwort: Könnt ihr etwa solches euren Kindern? – Allein die rechte Liebe steht höher denn alle Anschauung! Doch bin Ich schon öfter sichtbar unter euch gewesen, doch bis jetzt habe Ich von euch in Meiner Sichtbarkeit nur ein sparsames Almosen empfangen! – Verstehet ihr solches? – – – Ich will im Herzen zuvor gefunden sein! –

00. Welches ist das sicherste Mittel, Menschen zu erkennen?

09. Antwort: Die Liebe – alles andere ist undurchsichtiges Glas! – – Gut verstanden, amen.

09. Der bei euch, unter euch und in euch ist und lebet und euch leben machet, saget Amen.

29. November 1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.).

00. O Herr! Wie kann im Rückblick auf begangne Sünden wohl reine Seligkeit in Deinem Reich sich finden?

10. Antwort: Das ist eine Frage! – Was betest du denn in Meinem Gebete, daß Ich dir die Sünden vergeben möchte, wie du deinen Schuldnern? – Und heißt es nicht in der Schrift, daß der Hirt neunundneunzig Schafe verließ und ging suchen das hundertste verlorne? – Wie lautet es hernach weiter? Solches wirst du wohl wissen! – – –

00. Wie sich da unterscheidet Dein alt und neues Licht, fürwahr, Du liebevollster Herr, ich weiß es nicht!

11. Antwort: Solches kannst du von dir gestehen? – Gibt es denn einen alten und neuen Gott? Wie liest du aber im Johannes vom Worte, was es sei? – Alt und neu aber bezieht sich nicht aufs Wort, sondern auf den Menschen, der es in sich aufnimmt. Da wird aus dem alten Menschen ein neuer, und dann ist er auch ein Wort – und somit freilich ein neues!

00. Ist nicht von aller Heilmethod' die Wasserkur die beste für erkrankte leibliche Natur?

12. Antwort: Ja wohl, aber besonders für leidende Naturen der Fische. Aber für Menschen gibt es noch eine einfachere und wirksamere – du wirst es wohl verstehen, welche Ich meine?! –

00. Ein mildes, kühles, heil'ges Wehen um den Kopf, ist's Deine Näh'? Gib kund mir armem Tropf!

13. Antwort: Nicht das Wehen um des Leibes Kopf, ob es mild, sanft und kühlend sei, kann dir zeigen Meine Nähe, sondern allein ein demütiges, zerknirschtes Herz. Oder möchtest du Mich etwa gar unter die zarten Spukgeister versetzen? – Was du empfindest, kommt von dir und den dich manchmal umgebenden Geistern besserer Art. – – –

00. Die Höhen des Nordens rein, der Osten ganz verhüllt, was wollte uns denn gestern sagen dieses Bild?

14. Antwort: Die Erkenntnis ziemlich rein, aber Liebe nicht gar fein – solches zeigt dir mild dein beschautes Bild! – – –

00. Damit man nicht lebendig wird begraben, welch' Vorsicht sollten da die Ärzte haben?

15. Antwort: Sorgst du dich darum? Wer der Welt frühzeitig stirbt, wird wohl solches nie erleben. – Solche Vorsicht aber sollen Ärzte haben, daß sie die Toten nicht zu schnell begraben! –

00. Daß endlich die Berliner Philosophen die Nacht in sich erschaun, ist's nicht zu hoffen?

16. Antwort: O zu hoffen gibt es allzeit etwas – freilich nicht immer dasselbe, auch nicht immer etwas Gutes! – Aber da von deinen Philosophen ist für diesmal nicht gar viel zu hoffen! –

00. Du gingst in öde Orte, Herr, um da zu beten. Ist uns das nicht ein Wink, daß wir desgleichen täten?

17. Antwort: Zu viel euch zu winken, macht den Mut euch sinken. Darum achtet nur der Liebe, sie hat ja die besten Triebe. – Alles könnt ihr nicht tun, was Ich tat, sondern nur soviel ihr könnt. – – –

1. Dezember 1841, nachmittags. (Auf Fragen von Ans. H.)

00. Du sagtest, o Herr, daß Du schon öfter sichtbar unter uns gewesen. Wir haben Dich aber nicht erkannt. Solltest Du wieder einmal sichtbar zu uns kommen, so sage uns gnädigst an, wie wir Dich erkennen können – ob an Deinem Blick, an Deiner Rede oder an sonst etwas?

18. Antwort: Solche Frage! – An nichts als allein an der Liebe, und mit nichts als allein mit dem Herzen. Denn ein Bettler hat und trägt keine Ordenszeichen als allein die der blanken Armut! –

00. Wer Dich, Du heiliger Vater, erkannt hat und über alles liebt, hört der nicht gleichsam auf, dem Weibe Mann, den Kindern Vater zu sein? Wird dann nicht das Weib seine Schwester und die Töchter und Söhne seine Schwestern und Brüder?

19. Antwort: Solches ist dir ja ohnehin schon gesagt worden und treulich kundgegeben! – Der Wiedergeborene aber ist ja schon im Himmel, welcher ist das ewige Leben, welches kommt aus der Liebe und dem lebendigen Glauben daraus. – Wie steht aber in der Schrift von den ehelichen Verhältnissen und diesen zufolge auch von allen übrigen, wie liesest du? – Wo nur ein Vater ist, was ist da alles andere? –

00. Woher kommen Scheu und Abneigung vor stolzen Reichen und Machthabenden, da man doch im Herzen Mitleid für sie fühlt?

20. Antwort: Daher, woher die gegenseitige Polarität des Magnets, da sich auch die Pole stets soweit als möglich entfernen. Dessenungeachtet aber wird doch die Polarlinie nicht aufgehoben. Das liegt schon also in der ewigen Ordnung! –

00. Wenn die unschuldigen, dem Menschen zum Genuß dienenden Tiere bei ihrer Tötung Schmerz empfinden, wäre es da nicht besser, daß der Mensch bloß von Vegetabilien lebte?

21. Antwort: Wegen des Tierschmerzens wird niemand verlorengehen, wohl aber wegen des Bruderschmerzens, so jemand dessen in seinem Herzen nicht achtet. Mutwille aber ist sogar an Steinen sträflich, somit sicher auch an den Tieren. Tierquäler aber sind auch dem Menschen gefährlich! –

00. Waren das furchtbare Gewitter und die gewaltigen Orkane, die unlängst in Rom um die sieben Hügel tobten, nicht ein Zeichen für den Pontifex maximus?

22. Antwort: Was den Ort der Erde betrifft, da antworte Ich nicht. – Laß aber toben der glühen Orkane Macht und Sonnen groß und hell die Blitze dahin Welten zermalmend stürzen – und keines wird vernommen von den metallnen Ohren! Denn der Pontifex ist ein metallner Götze! – Verstehe und schweige.

00. Werden die Völker deutscher Zunge je zu brüderlicher Einheit gelangen?

23. Antwort: Hier schwerlich je, aber viele jenseits; denn hier huldigen zu viele der alten Lüge und der starren Habsucht! –

00. Ist es nicht ungerecht, daß in manchen Ländern, so wie bei uns, keine Juden bleibend wohnen dürfen?

24. Antwort: Geht es Mir, dem Erzjuden, besser? Wo Ich nicht als Schacherartikel diene, da berät man schon lange sich über Meinen Einlaß! Doch was am Juden geschieht, ist ein Zeichen für sie; was aber dem Juden geschieht, das ist der Greuel der Verwüstung, von dem Daniel spricht! –

00. O Herr, vergib mir den Fürwitz und sage gnädigst, wie Deine jungfräuliche Mutter, die Mutter voll der Gnaden, aussah?

25. Antwort: O du weibersüchtiger Mensch, möchtest du sie nicht auch auf irgendeinem Spaziergange halbsinnlich angaffen? – Siehe, solches ist dir nicht vonnöten. Wenn du aber vollends rein sein wirst, dann soll auch dein Fürwitz befriedigt werden! – Sie war durchaus schön! Verstehe. –

00. Dürfen wir auf die Freude hoffen, einst alle zu sehen, die Dich liebten, als Du wandeltest auf Erden, so zum Beispiel eine Magdalena, eine Maria von Bethanien, einen Johannes, Zachäus usf.?

26. Antwort: Warum hast du denn in der Frage zwei Weiber und nur auch zwei Männer deiner Sehnsucht angeführt, während Ich doch viel mehr mit Männern denn mit Weibern verkehrt habe? Siehe, solches ist nicht in der Ordnung. Mir ist es lieber, daß der Mann sich erkundigt um seinesgleichen, aber den Weibern hilft in Meinem Namen, meinst du solches nicht mit Mir? – – Die aber bei Mir wohnen werden, warum sollen sich diese nicht sehen und erkennen? Sind sie denn nicht auch eure Brüder und Schwestern? – – –

00. O Herr, warum durfte jener von bösen Geistern durch Dein Machtwort Erlöste Dir nicht nachfolgen?

27. Antwort: Wegen Meiner Liebe, die ihn erhalten, nicht aber zerstören wollte, denn ein gereinigtes Wohnhaus des Satans ist nicht sogleich fähig, dem heiligen Geiste als Wohnung zu dienen, – denn gezwungene Erlösung ist nicht hinreichend zum ewigen Leben, sondern nur eine freie, vom Erlösten selbst mit betätigte, nämlich die freie Wiedergeburt! – –

Propheten und deren Aufnahme. – 3. Dezember 1841, nachmittags.

Matthäus 10,41: „Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen.“

01. Um aber solches im Geiste der Wahrheit zu erfassen, muß zuvor erkannt werden, wer im eigentlichen Sinne ein Prophet ist.

02. Im gedehnten Sinne ist jeder Mensch ein Prophet, so er zu seinem Bruder oder zu seiner Schwester spricht um Meiner Liebe und daraus der Verherrlichung Meines Namens willen, der da Jesus der Gekreuzigte heißt. Denn es steht ja geschrieben: „So jemand in Meinem Namen Bedürftigen auch nur einen Trunk Wassers reichen wird, es wird ihm solches nicht unbelohnt bleiben.“

03. Also in diesem Sinne kann jeder Mensch ein Prophet sein. Wer ihn in Meinem Namen aufnehmen wird, entweder geistig oder leiblich, der solle auch gleich dem Propheten entweder den geistigen oder leiblichen Lohn empfangen; wer ihn aber geistig und leiblich aufnimmt, dessen Lohn solle auch geistig und leiblich sein, so wie des Propheten, der da spendete geistige und leibliche Gaben in Meinem Namen.

04. Wer aber karg ist gegen den Propheten und hat einen metallenen Geist, dessen Lohn auch wird sein gleich der Aufnahme!

05. Wer aber aufnimmt einen Propheten des Eigennutzes wegen, der hat seinen Lohn schon genommen am Propheten selbst – und wird ihm kein anderer mehr werden!

06. Das also ist die Bedeutung im gedehnten Sinne dieses Textes.

07. Im engeren und eigentlichen Sinne aber ist nur der ein Prophet, der nicht mit eigenem Munde, sondern aus Meinem Munde pur Meines spricht und schreibt. Wer also diesen Propheten in was immer verleugnet, der verleugnet nicht den Propheten, sondern der verleugnet Mich; denn da ein solcher Prophet ist, da ist nicht er, sondern da bin Ich.

08. Wer also einen solchen selteneren Propheten aufnimmt, der nimmt Mich auf, wie es geschrieben steht; – und da, ferner gesagt, Ich Selbst des Propheten Lohn bin, so werde Ich es auch sein dem, der Mich im Propheten aufnimmt.

09. Jedoch solle niemand einen solchen Propheten verdingen anders, denn allein im Namen Dessen, in dessen Namen der Prophet da ist. Wehe aber denen, die ihn verkürzen und eigennützig verkümmern wollen; – wahrlich, das alles tun sie Mir, nicht dem Propheten. Auf sie wird wenig des Prophetensegens fallen; am Ende wird sie des Prophetengeistes Feuer verzehren! –

10. Und also verhält es sich auch mit den Gerechten. Derjenige aber ist ein Gerechter, der da ist in der wahren Liebe zu Mir und daraus zum Nächsten im engeren Sinne; im gedehnteren Sinne aber ist es jeder Bruder dem andern in Meinem Namen, vorzugsweise ein um Meines Namens willen Armer und Verfolgter.

11. Wahrlich, deine Ungerechtigkeit solle dir des aufgenommenen Gerechten willen nachgesehen werden; und sein Lohn solle auch der deinige sein.

12. Wehe aber, so du einen Gerechten aufgenommen des Eigennutzes wegen! Ich sage dir, du wirst unter die Räuber und Mörder gezählt werden; besser wäre es, du hättest ihn nicht aufgenommen!

13. Also sind diese Texte für alle Zeiten der Zeiten zu verstehen in der Tat Amen. –

00. Johannes 12,27: „Jetzt ist Meine Seele betrübt. Und was soll Ich sagen? Vater, hilf Mir aus dieser Stunde! Doch darum bin Ich in diese Stunde gekommen.“

14. Daß du den Matthäus nicht richtig erfassen konntest, ist begreiflich, denn du wußtest nicht, was in der Wahrheit ein Prophet ist; aber von Dem Johannes spricht, der sollte dir doch bekannt sein!

15. Wer und was ist Meine Seele? – Siehe, so du es noch nicht wissen solltest, das ist Meine Liebe. – Konnte diese im Angesichte der treulosesten Kinder anders, denn durch und durch betrübt sein, und das bis zum Tode, das heißt, bis zur Nacht des Todes, welcher alle Kinder so hart gefangen hielt? –

16. Und ferner, da es heißt: Und was soll Ich sagen? – Was möchtest du denn sagen, so dich alle deine Kinder verflucheten und verdammten?

17. Siehe, in solchen Fällen hat auch die reinste Liebe einen Stachel, wider den es hart zu löcken ist; denn so lange hart verschmähte Liebe schmerzet nicht nur in menschlicher, sondern auch in der göttlichen Brust! – Solches erwäge und verstehe wohl! –

18. Darum denn auch nur ein Gefühl noch in der göttlichen Brust übrigblieb, nämlich das Vatergefühl – dieses soll der Liebe ihren Stachel nehmen! – Und das Vatergefühl rührte die verschmähte Liebe; und diese spricht dann in diesem Gefühle: Dein Wille; – darum kam Ich Liebe ja in diese Stunde, um Ein Vater zu sein allen, die zu Mir rufen werden: Abba!

19. Verstehst du nun den Text? – Also sollst du ihn verstehen und den Vater preisen Amen.

Ströme des lebendigen Wassers. – 4. Dezember 1841.

(Jakob Lorber) Heute morgen fand ich in mir: „Es geziemt sich nicht, daß der Bräutigam die Braut wäscht; die Braut muß sich selbst waschen!“ Habe ich damit, o Herr, nicht einen guten Fund gemacht?

01. Allerdings – und das kann sie auch wohl, da ihr der Bräutigam dazu ganze Ströme des lebendigen Wassers zufließen läßt. Verstehest du solches? Siehe, auch in dir ist lebendiges Wasser, aber gebrauchen mußt du es im ganzen Hause amen. –

Von der Trauer um Verstorbene. – 8. Dezember 1841, morgens.

O Abba Emanuel! Sende aus Deinem liebevollsten Herzen durch Deinen Knecht gnädigst ein väterliches Trostwort an unseren Bruder Carl, dessen Seele betrübt ist über den traurigen Zustand, in dem sich sein vom Schlage gerührter Ohm befindet! – Dein heiligster Wille Amen! –

01. Ja also ist es mit sehr vielen Menschen jetzt, wie es auch schon war mit seltenen Ausnahmen von Adams Zeiten her, daß ihnen einschläfernde Tröstungen lieber waren denn ein das innere Leben erweckender leichter Schmerz. Und also ist es auch noch in einem gemäßigten Zustande wohl mit dir, du lieber C. L., doch siehe, da Ich schon für dich von dir aus, wie von deinem Bruder A. H. W. aus um eine Tröstung angegangen wurde, so will Ich dir auch eine wahre geben und dabei dir aber auch zeigen den stets rechten Weg zu ihr, auf welchem wandelnd du sie nicht leichtlich verlieren wirst. Und solltest du auch solches, da doch wird dir leicht sein das Wiederfinden derselben. – Aber Ich will dir mit der Tröstung keinen Schlaftrank, sondern einen Wecktrank reichen, ja einen wahren Wecktrank zum ewigen Leben!

02. Und so höre denn und vernimm es mit dem Herzen, was Ich, dein liebevollster Vater, dir nun sagen werde: Siehe, so du einen Trost suchest, dann, wie allzeit, komme du voll Liebe und Vertrauen zu Mir, deinem heiligen guten Vater, ja zu Mir, deinem Jesus, komme, und du wirst allzeit vollkommene tröstende Ruhe für dein leicht leidlich bewegbares Herz finden.

03. Daß deinem Ohm solches geschah und du darum in deinem Herzen voll ängstlicher Wehmut bist, siehe und erkenne es in dir, solches ist Mein Wille und Meine Ordnung. Denn wie Ich bestimmt habe die Zeitigung und danach die Zeit der leiblichen Ausgeburt eines Kindes aus dem Mutterleibe, also nicht minder habe Ich auch die Zeit sicher überaus liebweise vorgesehen, in welcher der lebendige Geist aus dem Leibe des Todes genommen und vollkommen freigestellt werden sollte.

04. So du nun weißt, daß solches alles von Mir herrührt und auch ewig von nirgend woanders herrühren kann denn allein von Mir – wie magst du trauern in deinem Herzen und kleinmütig sein in deiner Seele, so du Mich, deinen und auch sicher deines glücklichen Ohms allerliebevollsten, heiligen, allerbesten Vater kennst? – Glaubst du etwa, der, um den dein Herz klagt, leidet irgend einen brennenden Schmerz – oder er sei tot? O glaube es Mir treu im Herzen, der liebevollste heilige Vater hat keine Freude an den Schmerzen der Kinder – und zu den Toten kommt aber kein lebendiges Wort, wie auch unendlich schwerlich für die Toten, denn allein das ihnen schon gegebene Wort, das sie richtet. Ich aber sage dir nun lebendigen Wortes, daß dein Ohm nun zahllosmal schon glücklicher ist denn du und alle deine noch auf der Erde totem Boden wandelnden Brüder!

05. Siehe, darum sollst du nicht trauern in deinem Herzen, darum Ich deinen Ohm zu Mir nehmen will! – Oder hätte Ich ihn etwa gleich einem Cahin sollen ewig auf der Erde mit dem toten Leibe herumsterben lassen? Oder möchtest du für dich wohl den Fluch aus Meinem Munde vernehmen, dir sei ewig auf der Erde dem Tode zu leben?! –

06. Glaube es nur recht fest und ungezweifelt, wer immer auf die Art deines Ohms von Mir zuletzt besucht wird, der ist von einem lebendigen Feuer der Liebe heimgesucht worden, darum auch in der Vorzeit von den Alten solche Todesart der göttliche Streich oder der göttliche Tod benannt wurde. Ja es ist auch also, denn der Scheidende leidet hier auch nicht den allerleisesten Schmerz und erwacht plötzlich von diesem Erdentraumleben ins hellste Leben des Geistes vollkommen.

07. Doch eines soll bei dieser Art des Übertrittes berücksichtigt werden: daß es nämlich auch neben dieser Art eine Afterart gibt, welche durch den törichten Genuß von allerlei Leckereien und durch die Schwelgerei im Saufen und Huren leiblich herbeigeführt wird. Bei dieser Art aber verhalte Ich Mich wie beim Selbstmorde; denn alle Schwelger, Lecker, Säufer und Hurer entleiben sich selbst und sind sich auch selbst den Tod schuldig. Mit denen habe Ich nichts zu tun, denn sie haben ja ihren eigenen Tod gemästet, damit er sie dann zur schuldigen Danksagung schnell und kräftig in seine Arme aufnehmen solle!

08. Und so ist dann der Lohn der Arbeit ja auch angemessen. Doch diese Art ist kein göttlicher Streich zum Leben, sondern ein tödlicher zum Tode und ist überaus angstquälend und schmerzlich oft noch bis ins Grab bei vollster Gewahrung des Todes selbst und all der vergänglichen äußerlichen Dinge.

09. Doch, da Ich dir in dieser Rede deinen Ohm einen Glücklichen nannte, so wirst du doch etwa nicht das Schlimme auf deinen Ohm beziehen?! –

10. Ich sage dir aber: Sorge dich gar nicht und freue dich in Mir, ob dein Ohm wieder zurückkehren wird in des Todes Haus, oder ob er schon vollends verbleiben wird bei Mir, da er nimmer nötig haben wird, in einem Irrenhause oft kleinmütig genug zu wohnen; denn Ich – höre es wohl und verstehe es in dir – Ich, Ich, dein allmächtiger, liebevollster Vater, Ich, dein geliebter Jesus, will es ja also; und wie Ich es will, wird es wohl doch sicher am besten sein? Glaubst du es nicht also mit deinem Herzen in Mir? O glaube es, denn es ist wahrlich also! –

11. Daß aber du wie andere Menschen einen Schmerz um die heimgeschiedenen nahen Verwandten empfindest, auch solches ist in der Ordnung gegründet. Doch da wäre ein Freudenschmerz besser denn ein undankbarer Trauerschmerz; denn der Trauerschmerz gleicht fast jenem Neidschmerze der gerechten Kinder des Vaters, darum er überfreudig dem wieder zu Ihm nach Hause gekehrten verlorenen Sohne ein großes Freudenmahl bereitete! – Verstehest du solches wohl?! – – –

12. Der meisten Menschen Traurigkeit um die Hingeschiedenen aber ist auch zumeist eine Gewohnheits-Traurigkeit, darum sie dann auch um die zumeist trauern, an die sich ihr Herz auch am allermeisten schon von Jugend auf gewöhnt hatte. Es ist aber jede alte Gewohnheit schmerzlich für den, der sie verlassen muß; wie solle es die des Herzens nicht sein?

13. Aber dessenungeachtet ist die Trauer keine Tugend und wohnet näher der Eigenliebe denn Mir. Denn wäre sie eine Tugend, so müßten die Menschen ja um jeden hingeschiedenen Bruder und jede hingeschiedene Schwester gleich trauern, da Ich doch allen Ein und Derselbe Vater bin. – Allein also ist es nicht, und darum die Verwandten um die Verwandten auch mehr eine Gewohnheitstrauer denn eine Tugendtrauer empfinden.

14. Ich sage aber, es fehlet niemand, wer da trauert, – doch wer Mich recht erkannt hat in seinem Herzen, der wird nimmerdar trauern. Und so erkenne auch du Mich, deinen allmächtigen liebevollsten Vater, Mich, deinen Jesus, im Herzen, so hast du den sichersten Trost voll des ewigen Lebens in dir für alle Ewigkeiten gefunden Amen. Bedenke, woher dies Wörtlein, und du wirst im Herzen freudig sein Amen. –

Kurze Blicke über das Wesen der Eisenbahnen. – 30. Januar 1842.

01. Überdenke die Punkte genau, und du wirst das Arge mit verbundenen Augen sehen und überaus leicht vollends begreifen. – –

02. Wie groß ist der Unterschied zwischen der armen dürftigen Menschheit und den reichen Prassern, Wucherern, – und dann auch jenen wohl und reich Bemittelten, welche doch noch wenigstens den hundertsten oder manchmal sogar den fünfzigsten Teil ihres Herzens mit der Nächstenliebe ausgefüllt haben? – Ich sage dir, es verhält sich der Unterschied kaum wie Hundert zu Eins! – Sage Mir aber, wer wird denn gewinnen bei diesem großartigen Industriezweige? – Der übergroße Teil der Armut und Dürftigkeit sicher nicht, auch gar nicht der jetzt besser gesinnte Bürger des Landes, sondern einzig nur der eigenliebige, wollüstige, prachtsüchtige Prasser im Festverbande mit dem gewinnsüchtigen Wucherer. – Warum denn also?

03. Wer die Kuh bezahlt, dem gehört auch die Milch, ist schon ein uraltes Sprichwort. – Wer baut diese Straße? – Du sagst, der Staat mit Hilfe derjenigen, welche vorderhand schon so viel Wucherreichtum besitzen, damit sie eine Summe, welche Ich nicht aussprechen will, dem Staate zu dem Behufe vorstrecken. Gut! – Was muß aber der Staat entgegentun? – Du sagst: Er muß ihnen wohlverzinsbare Schuldscheine ausgeben und nahe auf Leben, Tod, Brand und Mord ihr klingendes Darlehen sichern. – Auch wieder gut. – Wer aber wird endlich das große Darlehen samt den starken Zinsen zurückzahlen? – Oho, zuckst du schon hier mit den Achseln? – Ja, du hast recht, daß du zuckst! Es wird aber dann auch eine Zeit kommen, wo gar viele ungeheuer stark mit den Achseln und endlich mit dem ganzen Leibe zu zucken anfangen. Und ganz besonders wird der Magen bei vielen zu zucken anfangen und wird klagen über seine Leere!

04. Siehe, darum aber du mit den Achseln zucktest, will Ich dir eine Antwort geben, und sie lautet also: Damit der Staat dann gleich einem Pilatus sich ruhigen Gewissens die Hände waschen kann, wenn gar bald solche Bahnen wurmstichig werden, so wird er sie schon früher bei gesünderem Holze den Händen des Wuchers nahe ganz zu eigen übergeben müssen. – Sage Mir, welche Arme und Dürftige werden da wohl etwas gewinnen, wo der scharfzähnige Wucher heißhungrig am toten Gerippe nagen wird und wird auch nicht für einen hohlen Zahn mehr Fleisch daran finden! Aber du meinst: Anfangs wird diese Kuh gleich soviel Milch geben, daß von deren großem Überflusse auch allen wird geholfen werden können! – Ich aber sage dir und frage dich: Sahst du noch nie, wie man zur Sommerszeit die Fliegen fängt? – Man setzt ihnen ein köstlich duftendes Gericht vor und mischt Gift darunter; da schwärmen dann die armen Fliegen freudig in Massen hin und essen sich voll am köstlichen Gerichte. Was aber gleich darauf ihr Los ist, brauche Ich dir nicht zu sagen.

05. Also wird es auch da gehen in äußerer leiblicher bürgerlicher Hinsicht und noch unverhältnismäßig mehr aber erst in innerer geistiger Hinsicht! – Ich sage dir, diese Kuh wird lediglich dem Wucher übergeben werden, welcher sie auch gehörig ausmelken wird und wird auf den Armen nicht einmal die letzte Molke kommen. Wohl aber wird es kommen, daß am Ende der Arme dieser Kuh wird all sein Futter reichen müssen, so ihrer Milch stets weniger und weniger wird, damit sie wieder für den Wucher milchreich würde! – Doch, sei versichert, diese Kuh werde Ich nimmer segnen, darum sie ist eine Kuh im Stalle des Wuchers! –

06. Wie aber der Handelsmann jetzt schreit: Glückliche Länder, wo auf eisernen Bahnen gefahren wird; ebenso wird er gar bald ein entgegengesetztes Thema kläglich anstimmen! – Eure schönsten Ochsen werden hinausgeführt werden, ihr aber werdet um teuren Preis an mageren Schöpsen nagen. Euren guten Wein wird man draußen verzehren, ihr aber werdet dafür aus den Kloaken euch stärken können um teuren Preis. Euer schönes Obst und Getreide wird man draußen verzehren und wird euch dafür keinen Ersatz bieten. Eure holzreichen Berge werden nackt werden; Ich aber werde darum den Winter nicht aufheben. Ihr werdet zwar von draußen Tücher aller Art und andere Kleidungsstoffe wohlfeil und leicht bekommen, aber die Bürger eures Landes, das nur ein ärmeres ist, werden wehklagen, weinen und viele den Bettelstab ergreifen und viele als unfähige Schuldenzahler in den Schuldenarresten fluchen! –

07. Es werden sogar viele können in kürzerer Zeit weite Reisen machen und werden manche können mit großer Leichtigkeit anderer Städte Theater, Bälle und dergleichen besuchen, – es wird einen wahren Zentralkonflikt der Unterhaltungen und Belustigungen aller Art geben. Aber was und wieviel Ich und Mein Reich dabei gewinnen werden, höre, das ist eine ganz andere Frage!!! – – – Luxus aller Art, neue Weltbedürfnisse, Stolz, Hoffart, Pracht, böse fremde Sitten, Unzucht, Hurerei, Gottesvergessenheit, Eigenliebe, Gewinnsucht, Fraß, Völlerei bei den Prassern, Vaterlandsgeringachtung, Geringschätzung alles dessen, was Mich betrifft, Kaltsinn gegen der Brüder Armut, Geringachtung sogar aller Staatsgesetze, wenn sie sich etwa auf Gewinnbeschränkungen erstrecken sollen, daraus Unzufriedenheit im allgemeinen! – – – Doch von den weiteren schönen Folgen daraus – lasset uns für jetzt noch schweigen. – Die Erfahrung aber wird euch erst die Quittung über diesen baren Empfang mit blutroter Schrift unterzeichnet von zahllosen Armen übergeben! –

08. Wie demnach ein solch industriöses Unternehmen und erst vollends das Gelingen desselben bei Mir angeschrieben ist, könnet ihr euch sehr leicht vorstellen!

09. Die Apostel haben Mein Wort ohne Eisenbahnen in alle Erdteile überbracht. Das war doch sicher der allerwichtigste Artikel für jeden Menschen, dem an Mir und am ewigen Leben etwas gelegen ist. Und Meine Erwählten kamen zu Mir und fanden Mich sicher ohne Eisenbahnen! – Aber wer weiß, zu was alles noch die Eisenbahnen dienen werden? – Es gibt zwar in allen Meinen Himmeln bis jetzt noch keine Eisenbahnen, aber – es könnte leicht sein –, daß am Ende Ich Selbst werde den Himmel also mit lauter Eisenbahnen für die Zukunft überziehen lassen, daß er da ganz wieder metallen wird, wie er ward zu den Zeiten Noahs und Lots! – – – Dann aber auch werde ich Meine jetzigen Lots aus den Städten führen und den Städten geben den Teil Sodoms und Gomorras!!! – Verstehe es wohl Amen. – – –

Drei Schrifttexte. – 8. Februar 1842, von 4 – 7 Uhr abends.

Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.

Apg. 12,8: Da sprach der Engel zu ihm: Gürte dich und binde dir die Sohlen an! Er tat es. Und da sprach er zu ihm: Lege dir dein Gewand an und folge mir! –

Mark. 6,51: Und er trat zu ihnen in das Schiff, und der Wind legte sich. Und sie erstaunten über die Maßen.

Apg. 20,10: Paulus stieg hinab zu ihm, legte sich über ihn, umfaßte ihn und sprach: Seid ruhig, denn sehet, seine Seele ist noch in ihm!

Der Knecht des Herrn diktierte hierüber folgendes:

01. Also trägt auch manchmal, dem Auge des Menschen wie zufällig scheinend, im Herbste ein kleiner Wirbelwind das Laub von verschiedenen Bäumen zu einem Häufchen zusammen, – und ebenso auch kommen nicht selten sich ganz fremde Menschen zusammen, daß es dem Außen nach den unbezweifelten Schein des Zufalls in sich trägt; wie es auch hier den Schein des Zufalls hat, daß diese drei verschiedenen Stellen, davon jede eines bei weitem anderen Ursprungs ist, hier von euch, Meine lieben Kindlein, gewählt wurden. Aber es ist dem nicht also. – Daß diese vorbenannten Blätter verschiedener Bäume durch den Wirbelwind genötigt nun ein Häufchen bilden, die drei sich gegenseitig fremden Menschen eine wohlfreundschaftliche Gesellschaft bilden, und also auch diese drei verschiedenen Stellen dem Neuen Testamente entnommen wurden, dem liegt eine schon von Ewigkeit her von Mir wohlüberdachte und wohlgeordnete Ursache zugrunde.

02. Was ist wohl mehr, ein tauber Sperling auf dem Dache, ein schales Haar auf dem Haupte oder drei mit ewigem Leben erfüllte Stellen aus Meinem Buche? –

03. Wenn Ich Mich aber schon um einen tauben Sperling kümmere und die schalen Haare auf eines jeden Menschen Haupte in jedem Augenblicke genauest überzähle, damit ohne Meinen Willen auch nicht ein Sperling vom Dache fällt und auch nur ein Haar auf dem Haupte gerüttelt werde; um wieviel mehr wird es Mir daran gelegen sein, was euch frommt zum ewigen Leben! – Und so lasset uns denn sehen, inwiefern diese drei verschiedenen von euch gewählten Stellen ganz vollkommen ordentlich zusammentaugen.

04. Sehet, da Mein Apostel ein Gefangener war und im Gefängnisse durch seinen lebendigen Glauben wie durch seine große Liebe als Gefangener Mich lobte, pries und anrief Meinen lebendigen Namen, in welchem da verborgen liegt die größte Macht, Kraft und Gewalt, da sandte Ich sobald einen Boten des Himmels zu ihm, auf daß er ihn befreien solle aus dem Kerker. Nun merket wohl, in einem ähnlichen Kerker befindet sich mehr oder weniger ein jeder gute Christ, das heißt, ein vollständiger Bekenner Meines Wortes und Meines Namens in seinem Herzen.

05. Die Welt ist dieser Kerker, und in diesen finsteren Kerker sende Ich auch unablässig erlösende Boten aus dem Himmel. Und diese Boten haben noch bis auf diese Stunde einen und denselben Auftrag, daß sie all den Gefangenen zurufen: Gürtet euch mit der Selbstverleugnung und bindet die Sohlen der Demut an eure Füße, und leget dann an das Gewand der Unschuld und der Liebe, – und endlich: Folget Mir mutig und getrost auf dem schmalen Wege und durch die enge Pforte aus dem finsteren und todvollen Kerker der Welt! Diejenigen, welche da gleich dem Apostel sobald folgen in allem dem Rufe des himmlischen Boten, diese werden auch alsobald aus diesem Kerker vollends befreit werden und von ebendiesem Boten an das Ufer des großen Meeres der Erbarmung und der Gnade geleitet werden, da sie sehen werden große Wogen dieses Meeres an das Ufer schlagen, da ihrer das Schiff zur Überfahrt ins ewige Leben harret. Es wird sie freilich wohl noch eine große Furcht anwandeln, so sie sehen, wie sehr das für sie bestimmte Schiff noch wanket über den Wogen des heiligen endlosen Meeres Meiner Erbarmung und Gnade. Und der brausende Wind über den Wogen wird nicht minder ihre Herzen erfüllen mit zitternder Furcht.

06. So sie aber dann von dem Boten geleitet das Schiff betreten werden und werden Mich Selbst sehen zu ihnen kommen in das Schiff und sich sobald legen wird der Wind und sich beruhigen das Meer, – wie sehr übermäßig werden sie da erstaunen, gerade daselbst schon das allervollste und überseligste ewige Leben gefunden zu haben, allwo sie in großer Angst und Furcht den Untergang ihres Seins wähnten.

07. Sehet, also hätten wir die zwei Stellen schon also aneinandergepaßt, als wären sie schon von Ewigkeit her auf das allerinnigste miteinander verbunden gewesen. –

08. So wollen wir denn nun auch versuchen, die dritte Stelle den zwei vorhergehenden Stellen vollkommen anzupassen. Damit ihr aber solches auch nützlicherweise verstehet, so müßt ihr vorher noch dem Zustande auf dem Schiffe einen aufmerksamen Rückblick widmen.

09. Der Zustand auf dem Schiffe, und zwar im Angesichte Meiner Selbst, gleicht oder ist vielmehr der Zustand der gänzlichen Zerknirschung vor Meiner unendlichen göttlichen Heiligkeit. Obschon dieser Zustand für die endliche Gewinnung des allerfreiesten ewigen Lebens unumgänglich nötig ist, so ist er aber dessenungeachtet doch ein freilich wohl allerletzter, alles Weltliche rein ertötender Fall in die Tiefe der eigenen Nichtigkeit, durch welchen Fall der Mensch alles Weltliche in sich tötet, das heißt, alle Gedanken, alle Begierden, kurz alles bis auf den letzten Heller, was ihm nur immer irgend in der Welt sich angeklebt hatte. In diesem Zustande erscheint er dann als vollkommen tot. Was aber macht ihn nun wieder lebend? Sehet, dasjenige, was die dritte Stelle hier besagt: Paulus, welcher da ist ein Lehrer der Liebe – und soviel besagt als Meine zum Leben erweckende Liebe Selbst, steigt zu ihm hinab, legt sich über ihn, umfaßt ihn ganz, und durch und durch, und sagt dabei zu den übrigen Furchtsamen, welche diesen letzten Fall noch nicht gemacht haben: Seid ruhig und fürchtet euch nicht, denn sehet, seine Seele, welche erfüllet ist mit Meinem Geiste des ewigen Lebens, ist noch vollends in ihm und wird auch fürder und fürder verbleiben ewig im Schoße Meiner unendlichen Vaterliebe.

10. Und sehet, daß sich die Sache also verhält und dieser zweite und letzte Zustand notwendig ist, könnet ihr dadurch ja deutlich erkennen, daß so jemand an dem einen Ufer ein Schiff besteigt, er doch sicher auf ein entgegengesetztes Zielufer fahren will. Dieser letzte Zustand aber ist das letzte Zielufer, welches jeder dem Apostel gleich biedere Christenbruder erreichen soll; denn wer dieses letzte Ufer nicht also erreichen wird, der wird auch nicht in Meinen Schoß dereinst aufgenommen werden. –

11. Nun sehet, Meine lieben Töchterlein, wie schön und gewiß ordnungsmäßig diese drei verschiedenen Stellen aneinandergepaßt haben, so zwar, daß sie zur Erreichung des ewigen Lebens ewig unzertrennlich beisammenbleiben müssen, – nicht wahr, das gefällt euch wohl?

12. Nun aber sage Ich auch euch: Passet auch ihr diese Stellen lebendig eurem Leben an, dann erst werdet ihr in der Überfülle erfahren, wie überaus gut, liebevoll und barmherzig Ich, euer wahrer, heiliger Vater es bin. Mein Segen mit euch Amen! –

„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“ – 13. Februar 1842. Vormittag von 9 bis 1/2 11 Uhr.

Schreibender: Ans. H.

Der Knecht des Herrn diktiert über Johannes 3,30: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.“

01. Dieser Text scheint für viele ein äußerst leicht faßlicher zu sein. Allein solches ist mitnichten der Fall. Dieser Text wird erst dann vollends begriffen, so er bei jemandem ins tätige Lebensverhältnis übergegangen ist. Dessenungeachtet aber soll hier doch das wahre Verständnis dieses Textes folgen.

02. Um diesen Text aber gründlich zu erfassen, muß man zuerst in die Wissenschaft seines inneren Gefühles bringen, wer vorerst der Johannes oder das Ich, und wer diesem nach das eigentliche Er ist, das da wachsen solle, wie das Ich abnehmen.

03. Johannes ist das Sinnbild des äußeren Menschen, welcher da der Buße bedarf, die an und für sich nichts anderes ist, als die lebendige Umkehrung des Menschen von der Welt hinüber zu Gott. Also hat auch Johannes die Buße gepredigt, damit die Menschen ihr Weltliches ablegen und das Geistige anziehen sollten. Er selbst war das Sinnbild der strengsten Buße.

04. Was ist sonach bei den Menschen der Johannes? Der Johannes bei den Menschen ist das eigentliche, recht gestaltete Ich oder das Leben des Fleisches, wenn der Geist und die Seele noch nicht für sich, sondern für das Fleisch leben. Es würde hier freilich wohl manchen bedünken können: solches Leben kann doch unmöglich ein rechtes, Mir wohlgefälliges Leben sein. Allein es ist in der Natur und Ordnung aller Dinge nicht anders möglich. Um diese Wahrheit vollends zu erkennen, darf jeder nur seine Augen selbst zu der Pflanzenwelt hinwenden, und er wird das Ich und das Er gar deutlich ersehen.

05. Betrachtet was immer für eine Blüte, – was wird wohl aus der Frucht werden, so die Blüte nicht abnimmt und verwelkt? Sehet hier das Ich und das Er. Wenn ferner die Blüte schon ganz abgefallen ist und der Leib der Frucht oder die eigentliche Schale, in welcher die Frucht verborgen liegt, zunimmt und wächst, da ist von der eigentlichen inwendigen Frucht, in welcher das Er eingeschlossen ist, noch immer wenig zu sehen. Wenn aber die Schale als dieser zweite Leib auch anfängt abzunehmen, also daß er verdorrt und somit tot wird, dann erst wächst und reift in dem Verhältnisse, wie das äußere Ich abnimmt, das innere Er, welches ist die lebendige Frucht.

06. Sehet nun, daß hier zuvor das Leben der Seele und des Geistes nach außen wirken mußte, habet ihr bei der Blüte und der nachherigen Fruchtschale gesehen; daß es aber bei diesem Leben nach außen nicht zu verbleiben hat, mochtet ihr ja wohl bemerkt haben an dem Vergehen der Blüte und endlich auch dem der Schale. So jemand dieses Gleichnis recht auffaßt, so wird er den Johannes wohl nicht gar zu schwer in sich finden.

07. Sehet, solches aber ist der Johannes: So jemand liest das Wort vom Anfang bis zum Ende, da hat er es doch zuvor gelesen mit den Augen, dann mit dem Munde und also auch mit den Ohren. Sehet, so er das mit großer Aufmerksamkeit getan hat, da waren ja Seele und Geist nach außen gerichtet und achteten auf das Fleisch, wie dieses das Wort dem Buchstaben nach in sich aufnahm. Sehet, ist das nicht die Blüte? Was geschieht aber hernach, so das Wort schon gelesen wurde? Sehet nur eine Blüte an, so da anfängt ein Frühlingshauch ihre Kelche langsam zu bewegen. Fallen da nicht die befruchtenden Stäublein von den äußeren männlichen Blütenfäden auf die weibliche Blütenfaser, wodurch dann erst der neue Lebenskeim zur Bildung der eigentlichen inneren Frucht in die kaum sichtbare Entstehung der Schale gelegt wird?

08. Sehet, das ist die Aufnahme des Wortes in das innere Gefühlsleben. Wenn das Wort da Wurzeln gefaßt hat, so fängt es an zu wachsen und wird größer und größer und bildet auf diese Weise vorerst einen Leib, das ist – einen Leib der Buße, in welchen Leib also das Alles des äußeren Leibes übergegangen ist. Dieser Leib ist dann der eigentliche Johannes.

09. Aber möchte hier nicht jemand fragen, warum soll denn dieser edle Leib auch wieder abzunehmen anfangen, und was ist das dadurch wachsen sollende Er? Sehet, so das Wort ausgewachsen ist in dem Leben des Gefühles, was wird da rege oder wohin zielt das Gefühl? Kann sich das Gefühl wohl selbst genügen? Oder muß es nicht einen anderen Gegenstand haben, den es ergreift und endlich ganz in ihn übergeht?

10. Damit ihr dieses wieder um so gründlicher fasset, so will Ich euch ein neues Gleichnis geben. Eine Braut bekommt von fernem Lande ein Schreiben von ihrem Bräutigam. Sie liest jedes Wort mit großer Aufmerksamkeit. Wie sie aber den Brief durchgelesen hat, so hat sich auch sogleich darauf aus diesem Worte ein Wesen in ihr gebildet – nämlich ein Gefühlsmensch gleich dem ihres Bräutigams, in welchen Menschen nun ihr ganzes äußeres Blütenleben übergegangen ist, so zwar, daß sie jetzt lediglich in diesem zweiten Menschen lebt, atmet, denkt und fühlt.

11. Sehet, dieser Mensch ist sonach auch ein Johannes in der Braut, der sie durch seine Bußpredigt genötiget hat, sich von aller anderen Welt abzuziehen und sich zu vereinen mit diesem neuen Menschen in ihr. Nun aber frage Ich weiter: Wird die Braut wohl zufrieden sein mit diesem in ihr gebildeten Menschen, welcher doch noch immer das Ich ausmacht? Nein, sondern sie wird in diesem neuen Menschen gar bald die lebendige Frucht der Liebe gar mächtig zu dem Er wahrzunehmen anfangen, so zwar, daß sie ganz in diese Liebe zum Er übergehen wird. Aus diesem Er wird sich ihr Verlangen immer lebendiger und lebendiger nach dem eigentlichen Er aussprechen und wird nimmer ruhen, bis der wirkliche Er gekommen ist und sie vollkommen eins mit ihm geworden ist.

12. Sehet, also ist es auch der Fall mit dem Worte im Menschen, da es vorher in das lebendige Gefühl übergegangen ist. Es wird keine Ruhe in dem neuen Gefühlsmenschen, als bis er das eigentliche große und heilige Er in sich gefunden hat. Wenn er aber dieses Er in sich gefunden hat, saget und urteilet selbst, wird er nicht wollen in dieses Er vollends übergehen? Sehet, solches ist ja in der Natur aller Dinge gegründet, und es ist zwischen ihnen und den Menschen kein anderer Unterschied, als daß bei den Dingen dieses vor sich gehen muß, bei dem freien Menschen aber bleibt es eine willkürliche Bedingung seines Lebens.

13. Und also muß das Ich ja abnehmen, damit das Er wachse im Menschen. Und wenn das Ich nicht abnimmt, so wird alles nach außen in die Rinde, Blüte und Schale übergehen, aber die Frucht des Lebens wird nimmerdar zum Vorscheine kommen.

14. Ihr möget wohl die schönsten Blumen in die Erde streuen, aber da wird nie eine Frucht zum Vorscheine kommen, sondern sie alle werden zunichte verwesen in der Erde. So ihr aber das reife Samenkorn nehmet und leget es in die Erde, da werdet ihr euch ja doch sichtbar überzeugen, daß das vollkommen ganze Außenleben in dieses Samenkorn übergehen mußte; denn wäre solches nicht der Fall, wie möchte da aus dem Samenkorne wieder dieselbe Pflanze, dieselbe Blüte und dasselbe frühere Alles der Pflanze, zum neuen lebendigen Vorscheine kommen?

15. Wenn ihr dieses recht bedenket, so werdet ihr auch diesen Text der Schrift vollkommen gut einsehen, welcher also lautet: Wer sein Leben liebt, der wird es verlieren; wer es aber flieht, der wird es erhalten. Also ist hier durch den Johannes in jedem Menschen die Art und Weise gezeigt, wie das Leben zu fliehen ist. Tut also danach, lasset auch euer Ich abnehmen, so werde auch Ich in euch wachsen und zunehmen ins Unendliche, wie der hier zugrunde liegende Schrifttext es euch lehret Amen. –

Versuchung des Herrn in der Wüste – Lukas 11,1-13. – 20. Februar 1842, vormittags von 9 bis 3/4 11 Uhr.

Schreibender: Ans. H.

01. Sieh, da sind wieder sehr leichte Stellen der Schrift, und ihr verstehet sie nicht. Warum aber versteht ihr sie nicht? Dieweil ihr noch immer mit dem großen Wörteraufschlagbuche des Lebens, welches allein die Liebe ist, nicht umzugehen wißt. Wenn ihr das Wesen der Liebe recht erfassen möchtet, wahrlich, bis in den Mittelpunkt der Erde gäbe es auch nicht ein sandkörnchengroßes Plätzchen, das sich euch nicht sobald als eine vollkommen enthüllte Welt darstellen möchte. Allein, es ist leichter zu zerstreuen als zu sammeln; ihr auch seid noch stark darinnen vertieft, wo die Strahlen zerstreut werden. Aber nur im Brennpunkte ist das Wesen vollkommen vorhanden, in der Zerstreuung aber nur atomenweise.

02. Also ist auch das Wort durch den Buchstaben in der Zerstreuung der Welt gegeben, in welcher Zerstreuung da wohl niemand den Brennpunkt des Wortes ersehen kann. So aber jemand dieses zerstreute Wort in sich zu sammeln anfängt, so leitet er dadurch alle diese zerstreuten geistigen Strahlen auf einen gemeinsamen Punkt in seinem Herzen. Und dieser Punkt ist ein Brennpunkt und entzündet das empfängliche Herz in der Liebe zu Mir und erleuchtet dann durch die Flamme der Liebe das große Geheimnis Gottes in ihm selbst. Was aber ist dieses Geheimnis Gottes? Nichts anderes als die ewige Liebe! Was aber ist diese Liebe? Sie ist der Geist Gottes im Menschen, durch welchen allein alles Leben kommt – und besonders das ewige Leben des Menschen. So ihr nun dieses wisset, daß der Geist Gottes nichts anderes ist und sein kann als die ewige Liebe in Gott, da habet ihr den wahren Brennpunkt schon in euch, mit welchem ihr die Tiefen der Gottheit erleuchtet beschauen könnt.

03. Was sind denn die Tiefen der Gottheit? Das ist das zerstreute Wort Gottes in dem Buchstabensinne vor euch, in welchem niemand ohne den Geist Gottes den inneren Sinn oder die Tiefen der Gottheit erforschen kann. Saget ihr aber ja doch selbst schon in weltlichen Dingen, daß die Liebe ein goldener Schlüssel ist, vor welchem kein Schloß sicher ist. Sehet, dieses alte, in eurer Zeit schon freilich mehr verklungene Sprichwort ist ein wahres vox populi und vox Dei; denn die Liebe ist wahrhaft derjenige Schlüssel, mittelst welchem jedermann sogar bis in das Zentrum Meines Herzens dringen kann.

04. Da wir nun dieses wissen, so lasset uns versuchen, ob dieser Hauptschlüssel nicht auch das vorliegende Geheimnis Meines Wortes durch den Mund des Lukas erschließt.

05. Vorerst aber muß eine Stelle vorangehen, damit dadurch alles andere erleuchtet wird. Diese Stelle lautet also: „Und der Geist Gottes kam sichtbar über ihn“ (Luk.3,22; Matth.3,16; Mark.1,10). Diese wenigen Worte sind der Schlüssel zu dem ganzen Geheimnis der vorliegenden Stellen. Also ist aber solches zu verstehen:

06. Bis zu dieser Zeit war Jesus ein Mensch, welchen der Vater ganz vollkommen für Sich erzog, und dieser Mensch Jesus war der Sohn Gottes darum, weil ihn Gott unmittelbar für Seine allerhöchste Aufnahme durch eine Jungfrau geboren werden ließ und ihm auch von Seiner allerhöchsten Seite Selbst die gehörige Erziehung gab. So war dieser Jesus bis auf diesen ersten Auftrittszeitpunkt weiter nichts als ein noch unbekanntes fleischgewordenes Wort Gottes und mußte als Mensch sich freitätig gleich jedem anderen Menschen durch die alleräußersten Selbstverleugnungen auf das allertüchtigste vorbereiten zum bevorstehenden Vollempfange des Geistes Gottes.

07. Nun eben am Flusse Jordan, da Johannes die allerstrengsten Werke der Buße predigte, mußte auch Er Sich hinbegeben, gleich also, als wäre Er einer unter den vielen Sündern. Und so hat Jesus als der ewig reinste Gottmensch gewisserart Sich Selbst also gedemütigt, daß Er daselbst unter die Scharen der Sünder trat und Sich ihnen gleich die Taufe der Buße geben ließ. Was geschieht aber nun bei dieser Seiner ersten größten Demütigung?

08. Der Geist Gottes kommt sichtbar über Ihn, das heißt, die Liebe Gottes des ewigen Vaters nimmt nun volle Wohnung im Menschen Jesus und spricht Sich auch eben bei dieser Handlung jedermann vernehmlich aus, indem Sie von Oben die Worte zu jedermanns Ohren sendet: „Dieser Mensch Jesus ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich ein Wohlgefallen habe“ – das heißt: mit welchem Ich Mich jetzt auf ewig unzertrennlich in Eins verbinde. Diesem Menschen Jesus sollet ihr von nun an folgen und hören Sein Wort!

09. Sehet, hier ist Jesus Eins mit dem Vater, so zwar, daß da zwischen Ihm und dem Vater es keinen Unterschied mehr gibt. Und dieses vollkommene Eins ist nun ja doch unmöglich etwas anderes als die Liebe, nicht aber irgend eine Zerstreuung; denn die Liebe ist eine Vereinigung, welche hier doch für jedermann sichtbar geschieht, und kann nimmer eine Zerstreuung sein, in welcher ewig nimmer eine Einung denkbar ist.

10. Wenn es dann nun heißt: „Jesus wurde vom Geiste in die Wüste geführt“, so wird das etwa doch soviel heißen als: Er wurde, von der allerhöchsten Liebe aus Sich Selbst getrieben, in die öde, wüste Welt der Menschheit hinausgeführt. Wenn es da heißt: „Damit Er versuchet würde vom Satan“, so ist das ja doch mit der Voraussetzung der Liebe überaus leicht zu verstehen und heißt mit anderen Worten nichts anderes, als daß diese ewige unendliche Liebe selbst das Allerverworfenste aus Sich nicht ausschließt, sondern sie stellet Sich ihm dar, damit auch dieses erkennen möchte, daß in Gott nicht die allerhöchste Hoffart, wie seine grundirrige Idee ist, sondern nur die allerhöchste Demut wohnt.

11. Wodurch aber konnte eben die ewige Liebe dem Satan zeigen, daß in Ihr die höchste Demut zu Hause ist? Diese Frage beantwortet sich von selbst, so ihr die dem Satan zugelassenen drei Versuchungen nur einigermaßen mit dem geistig aufmerksamen Auge beleuchtet.

12. Aus Liebe fastet der Gottmensch und läßt über Sich Selbst einen großen Hunger kommen und zeigt dann bei der ersten Versuchung, daß die wahre Liebe auch bei dem größten eigenen Bedürfnisse sich noch gar wohl verleugnen kann – und ist ihr mehr jegliches Wort der Liebe für die Erhaltung aller geschaffenen Wesen denn die eigene Sättigung selbst. Darum auch in der Antwort gezeigt ist: Der Mensch lebt nicht nur vom Brote, sondern vielmehr von jeglichem Worte aus dem Munde der Liebe Gottes.

13. Wer wird hier verkennen, was der Geist Gottes seinem Gegner und Abtrünnigen auf das allerfaßlichste vorstellt, da Er ihm den Weg zur Umkehr zeigt und ihm sagt im Geiste: Siehe, dahier ist auch der Platz für dich, nehme auf die Liebe aus Mir und laß fahren das harte steinige Brot der Welt, so wirst auch du leben!

14. Und wieder bei einer anderen Versuchung, da der Gegner noch einmal die Demut in dem Gottmenschen prüft, wird ihm entgegen bedeutet, daß auch er von der Liebe berufen ist, in Ihr nicht die Demut zu prüfen, sondern dafür lieber selbst Ihr zu dienen.

15. Und wieder bei einer anderen Versuchung wird ihm sein Werk hart verwiesen und ihm abermals gezeigt, daß er umkehren soll und solle Gott dienen und Ihn nicht versuchen.

16. Wer wird da wohl so blind sein und nicht sehen wollen, was der Geist Gottes hier ohne die geringste Beschränkung des freien Willens Seines Gegners bewirken wollte, nachdem Er ihm hier gezeigt hatte, daß Ihn nur die höchste Liebe zu ihm geführt hat? Und dann aber auch ihm auf der Seite der höchsten Liebe zu zeigen, sprach ebenfalls dieselbe Liebe, daß es nicht in der Ordnung ist und unmöglich sein kann, daß sich Gott demütigen könnte vor einem Seiner Geschöpfe, sondern daß solches allzeit der umgekehrte Fall sein müsse.

17. Wenn ihr nun dieses nur einigermaßen gehörig durchdenket, so werdet ihr ja doch unmöglich wieder fragen können, was da verstanden wird unter dem Geiste Gottes, und wie und warum Dieser Jesum geführt hat in die Wüste.

18. Wohl aber könntet ihr fragen, wie steht diese Begebenheit zu uns? Diese Frage ist ebenso leicht zu beantworten, so ihr die Wüste eures Lebens nur ein wenig betrachtet: wie Ich Mich von Meiner Vaterliebe in diese eure Wüste führen lasse und da oft gar lange fasten muß und werde von euch harten Gegnern wohl öfter als dreimal versucht und muß da lange in der größten Dürftigkeit und in der größten Armut warten und harren, bis die Geister eures Herzens zu Engeln werden, auf daß sie Mir dann zu dienen anfangen.

19. Daher beachte auch ein jeder die Worte, die in diesen drei Versuchungen an den Satan gerichtet sind. Denn ein jeder Mensch ist zuvor ein Leibeigener des Satans, bis er erst wird ein Eigentum Meiner Liebe. Damit er aber das werde, komme Ich ja zu jedem in seine eigene Wüste durch den Geist der Liebe und lasse Mich lange von ihm in allerlei versuchen, damit er dadurch Meine endlose Liebe und allergrößte Demut erkennen solle. Wer da aber verharret gleich dem, der Mich in der Wüste versucht hatte, was Wunder wird es sein, wenn er am Ende auch die Worte aus Meinem Munde wird vernehmen müssen: Weiche von Mir, Satan! – Solches beachtet wohl und überdenket es in eurem Leben, so werdet ihr das Leben haben durch einen und denselben Geist Gottes ewig Amen. – – –

Die Fürsten Juda und der Herr. – 26. Februar 1842, nachmittags von 4 bis 3/4 7 Uhr.

Schreibende: Marie H., Wilhelmine H., Pauline H.

Hosea 5,10: Die Fürsten Juda sind gleich denen, die die Grenze verrücken; darum will Ich Meinen Zorn über sie ausschütten wie Wasser.

Amos 7,6: Da reuete den Herrn das auch, und der Herr Herr sprach: Es soll auch nicht geschehen.

Micha 4,6: Zur selbigen Zeit, spricht der Herr, will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zuhauf bringen und die Ich geplaget habe. –

Hierüber gab uns der Herr durch Seinen Knecht nachfolgende Erklärung:

01. Damit ihr diese Texte recht vollkommen verstehen möget, welche im Ernste schon wieder von der größten Wichtigkeit sind, so müsset ihr zuvor wissen, was da unter den Fürsten Juda verstanden wird; und dann wieder, was da verstanden wird unter dem Ausdruck: die Grenze verrücken.

02. Unter den Fürsten werden hier nicht gewisserart königliche Abkömmlinge verstanden, sondern solche Menschen, welche Mein Wort handhaben entweder nach prophetischer Art innerlich lebendig oder nach priesterlicher Art äußerlich dem Buchstaben nach.

03. Sehet nun, Meine lieben Kindlein, wenn dann solche wie immer geartete Inhaber Meines Wortes mit demselben vermöge ihres freien Willens in einem oder dem anderen Stücke mit ebendiesem Meinem großen Schatze wider Meine göttliche Absicht eigenliebig nach ihrem eigenen Gutdünken handeln, – wenn die ersten zu Meinem Worte ihr eigenes mengen, und die zweiten den Sinn des Wortes, das da geschrieben ist, herrschsüchtig und eigennützig in Naturmäßiges und Weltliches verkehren, so verrücken sie die Grenzen, das heißt die Grenzen Meiner ewigen Ordnung, darum Ich dann auch Meinen Zorn über sie ausschütte wie Wasser, so sie sich nicht zurückbegeben in die bestimmten Grenzen der göttlichen Ordnung.

04. Was ist aber dieser Mein Zorn, welchen Ich über solche treulose Fürsten von Juda oder eigennützige Handhaber Meines Wortes allzeit sicher ausschütte gleich einer trüben Wasserflut? – Sehet, das ist die allzeit sicher eintreffende gänzliche Blindheit ihrer Herzen, darum sie dann dastehen gleich den Wahnsinnigen, Blinden und Tauben und mit ihrem verhärteten Herzen nicht empfinden, mit den scheinbar offenen Augen nichts sehen und mit den Ohren nichts hören und verstehen, was da ist des Geistes der Liebe und alles Lebens aus ihr. So sie auch mit äußeren körperlichen Sinnen Mein geschriebenes Wort lesen, so verstehen sie aber doch lediglich nichts davon, darum sie sind in Meinem Zorne.

05. Meine lieben Kindlein, in heutiger Zeit gibt es gar außerordentlich viele solche Fürsten von Juda, – sie befinden sich noch bis auf diese Stunde in Meiner Reue, worunter verstanden wird Meine Geduld, Milde, Sanftmut und Erbarmung. In dem, was also Meine Reue betrifft, soll es auch nicht geschehen, daß die Erde je also verwaist dastehen solle, da alles von Meinem Zorne überflutet würde; denn darum stehet allhier der Herr, der da spricht aus Seiner Reue doppelt, – einmal um anzuzeigen, daß Ich der Herr im unendlichen Sinne Himmels und der Erde und somit der ganzen unendlichen Schöpfung geistig und körperlich; und zum zweiten Male aber einer und derselbe Herr bin in eines jeden Menschen einzelnem Herzen, welcher dasselbe zu Mir gekehret hat. Und also bedeutet das zweimalige Wort Herr sowohl Meine äußere als auch Meine inwendige Gegenwart, da die äußere gleich ist der ewigen Weisheit und die zweite gleich der ewigen Liebe Gottes, welche da spricht im Herzen und handelt im selben und zieht dasselbe.

06. Sehet, dieser zweite Herr ist es eigentlich, der da sprach und noch immer spricht und auch soeben jetzt spricht in Seiner Reue: Es soll auch nicht geschehen trotz der vielen Fürsten von Juda in dieser Zeit, daß Ich diejenigen möchte als Waisen lassen, die Mich suchen, – sondern also will Ich bei ihnen und jeglichem verbleiben bis ans Ende der Welt, das heißt bis zu der Zeit, wann die Welt bei ihm ein vollkommenes Ende genommen hat, von welcher Zeit an er dann zu Meiner vollkommenen, ewig verbleibenden Anschauung und Besitznahme des unvergänglichen ewigen Lebens gelangt, welches hier besagt ist in dem dritten von euch gewählten Texte, welcher also lautet:

07. Zur selbigen Zeit will Ich die Lahmen versammeln und die Verstoßenen zu Haufen bringen und diejenigen, die von Mir geplaget worden sind. Das heißt: Zu der weltlosen Zeit eines jeden einzelnen Menschen sollen alle seine darniederliegenden Kräfte geweckt werden und vereinigt zu einer Kraft der Liebe und des ewigen Lebens in ihm; und die verstoßenen und zerstreuten Begierden sollen auf einen Haufen, das heißt, unter ein und dasselbe Dach der Liebe gebracht werden. Und endlich die von Mir Geplagten sind die verschiedenartigen Prüfungen und Versuchungen, welche da ganz natürlicherweise ein ewiges Ende nehmen; denn so da in jemandem spricht und wirket der Herr und ihn lehret und ziehet, der ist in gewisser Hinsicht doch nur ein leidender Mensch, da er sich nicht selbst zieht, sondern von Mir gezogen wird, welches ebensoviel heißt als geplaget werden.

08. Wenn sich aber der Mensch bis zu Ende seiner Welt hat ziehen lassen und ist somit verharret bis ans Ende, sodann tritt der Herr Herr in ihn, welches da ist die volle Erlösung, die Geistestaufe mit dem Feuer oder die vollkommene Wiedergeburt, wodurch der Mensch vollends erfüllt wird mit Meinem heiligen Geiste in aller Liebe, Kraft, Macht und Gewalt, darum er dann auch vollkommen Eins wird mit Mir. – Welche Versuchungen wären da wohl noch denkbar möglich, wo doch ebenso undenkbar möglich mehr irgendeine Schwäche im Menschen obwalten kann, und zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein solcher wiedergeborener Mensch und Ich vollkommen Eins sind, und er dann auch mit Meinem Paulus ausrufen kann: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebet in mir!“ – Christus aber ist der Herr Herr! –

09. Sehet, das ist das wahre innere Verständnis dieser Texte. Überdenket es wohl und nehmet es ja lebendig auf in euer Herz; denn es ist wahrlich nicht genug, solches dem Außen nach zu wissen gleich den Fürsten von Juda, die da auch sagen: Herr, Herr, – aber der Herr Herr wird nimmer in ihren Herzen einen Einzug halten. Sondern alles dieses muß mit dem Herzen und im Herzen lebendig gelesen und tätigst verstanden sein; alsdann erst kommt der Herr und endlich der Herr Herr, wie im Verlaufe dieser Offenbarung gezeigt worden ist, in den Menschen und machet ihn aus Sich durch und durch lebendig.

10. Tut ihr danach, so werdet auch ihr überaus sicher und gewiß, und zwar in der kürzesten Zeit die Feuertaufe des Geistes schmecken, Amen. – Mein Segen mit euch allen, jetzt und ewig Amen. –

Der 60. Psalm Davids – Vers 8-14. – 3. März 1842, nachmittags von 3 bis 1/2 7 Uhr.

Schreibende: Marie, Wilhelmine und Pauline H.

01. Um solcherlei Verse zu verstehen, muß man vorerst wissen, was unter David im Verlaufe von dessen Psalmen verstanden wird. Denn solange jemand hinter dem David nichts als einen König des Altertums, welcher Psalmen schrieb, versteht, so lange auch ist vom Verstehen solcher Texte durchaus nicht die allerleiseste Rede.

02. So aber da jemand versteht dem geistigen Sinne nach, was da ist der David, der versteht auch, was da besagt Sichem, das Tal Suchot, Gilead, Manasse, Ephraim, Moab, Edom und Philistäa.

03. So lasset uns denn sehen, was hinter dem David steckt!

04. Sehet, Meine lieben Kindlein, hinter dem David steckt nicht mehr und nicht weniger als Ich Selbst. – Nun habt ihr schon einen Schlüssel. Wie ist aber dieses zu verstehen, daß der David zugleich ist ein Mensch wie ein jeder andere, welcher aus Seele und Leib zusammengesetzt ist, – und wie ist er demnach auch Ich, da er doch vor Mir gesündigt hat?

05. So höret denn, und wir wollen sehen, auf welche Weise Ich und der David Eins werden; denn in diesen Versen redet doch offenbar der David zu Gott – und Gott zu David.

06. Sehet und merket nun wohl: Unter dem Gesichtspunkte Davids wird verstanden die herniedersteigende Liebe Gottes, und unter Gott wird verstanden die endlose Weisheit des ewigen Geistes.

07. Da ihr nun solches wisset, so wird es nicht mehr schwer sein zu verstehen, was der achte Vers des 60. Psalms besagt, der da lautet: Gott redet in Seinem Heiligtume – oder Gott redet in Seiner Liebe und nicht in Seiner Weisheit, sondern die Weisheit in der Liebe; des bin Ich froh und will zerteilen und nicht allzusehr beachten die Weisheit, welche verstanden wird unter Sichem, aber dafür will Ich wohl abmessen das Tal Suchot oder die wahre Demut und die reine Liebe aus ihr; des bin Ich froh. – Es wird kaum nötig sein zu erwähnen, wer da unter dem Ich verstanden wird, der da froh ist, oder voll Liebe, und warum? Wegen der Einung der unendlichen Weisheit mit der ebenso unendlichen Liebe durch die Erbarmung Gottes.

08. Da ihr nun den achten Vers sicher verstehet, so werdet ihr auch nicht minder den folgenden neunten verstehen, welcher nur eine Zergliederung des ersten ist, gleichwie auch der zehnte und der elfte es ist. Sehet, da Suchot die Demut besagt und ihr zufolge die Liebe, in der Liebe aber die Weisheit nun als vollkommen Eins wohnet, so wird ja etwa doch Gilead wie Manasse Mein sein, – Gilead, die Weisheit oder das Licht, welches wandelbar ist und unstet, und Manasse, die Liebe oder das Feuer des Lebens, welches da ist das ewig Bleibende.

09. Ephraim ist die Macht Meines Hauptes, und Juda Mein Fürst. – Sehet, so ihr dieses buchstäblich nehmen möchtet, so käme da der größte Unsinn heraus, weil dadurch der David fürs erste einen ganzen jüdischen Urstamm, fürs zweite ein gleichnamiges Land und fürs dritte eine gleichnamige Stadt hätte müssen entweder in seinem Kopfe oder auf seinem Kopfe herumtragen und dazu noch mit aller Kriegsrüstung wohl versehen. Dessenungeachtet aber wäre der also mächtige König David dennoch dem Fürsten Juda untertänig, darum er spricht: Juda ist mein Fürst, was ebensoviel besagt als: Juda ist mein Herr. – Sehet ihr nun schon ein wenig ein, welcher Unsinn da aus dem Buchstabensinne herauswachsen möchte, so da nicht ein pur geistiger Sinn zugrunde läge?

10. Da aber Gilead Mein ist und Manasse Mein, da ist Ephraim als das Licht der Liebe freilich wohl die Macht aller Weisheit, welche ist Mein Haupt, und Juda wahrhaft ein Fürst in Mir, welches da ist der Liebe lebendiges Wort von Ewigkeit her, durch welches alle Dinge erschaffen worden sind, und welches da durch den David mächtig sich über die Erde zu ergießen anfing. – Sehet, Meine lieben Kindlein, ob dieser Vers, besonders von Ephraim angefangen, nicht einen viel weiseren Sinn hat, als wie er dem Außen nach im Buchstaben erscheint?

11. Also wird auch im zehnten Verse unter Moab die demütigste Liebe, welche ist gleich der Reue im menschlichen Herzen, allhier zu einem Waschtopfe; und der Schuh, welcher ist das naturmäßige Welttümliche, wird über Edom gestreckt, welches ist die Nacht des Todes. Und Philistäa jauchzet zu Mir – oder die geläuterte Liebe wird Eins mit Mir. So aber die geläuterte Liebe nun Eins ist mit dem Lichte und hat dasselbe in sich eingeschlossen, welches ist der alleinige Führer aller Dinge, so ist hier im elften Verse eine scheinbare Frage gestellt, darum das Licht in der Liebe verschlossen ist, nämlich: Wer will Mich führen in eine feste Stadt? Und wer geleitet Mich bis nach Edom? Allein in dieser scheinbaren Frage liegt schon die Antwort offenkundig da, so ihr unter Wer Meine Liebe und unter Mich die Weisheit und unter der festen Stadt ein wohl zubereitetes Herz verstehet, – und unter Edom aber ein Herz, welches voll angestopft ist von Weltlichem und somit auch mit allem, was des Todes ist.

12. Wie es sich aber verhält mit der Frage des elften Verses, gerade also verhält es sich mit der mehr erklärenden Frage des zwölften Verses, nämlich: Wirst Du es nicht tun, Gott, der Du uns verstoßest, und ziehest nicht aus, Gott, auf unser Heer? – welches soviel besagt als: Du Licht der Liebe wirst Mich führen zur Zeit, da Ich herniedersteigen werde zur Erde; Du wirst zwar nicht ausziehen auf der Macht des Lichtes, sondern auf Unser Heer wirst Du ausziehen, welches ist die Macht der ewigen Liebe.

13. Damit ihr aber dieses recht innerlich verstehet, so mache Ich euch darauf aufmerksam, daß so von der göttlichen Weisheit die Rede ist, diese allzeit, wenn sie für sich allein dargestellt wird, in der einfachen Zahl genannt wird. Die göttliche Liebe aber wird darum häufig in der vielfachen Zahl genannt, weil alles, was da ist in der ganzen Unendlichkeit und Ewigkeit, aus Ihr hervorgegangen ist.

14. So ihr nun das Vorhergehende verstehet, so wird es nicht schwerhalten, die gleichlautenden letzten zwei Verse zu verstehen, welche nichts als eine lebendig demütige Wiederholung des Früheren sind und also lauten: Schaffe uns Beistand in der Not – oder: Du ewiges Licht, sei und bleibe der ewige Führer Deiner Liebe; denn Menschenhilfe ist kein nütze – oder: Die Liebe tauget nicht allein für sich, da jegliche Liebe ohne das heilige Licht nur eine pure, sich selbst verzehrende Eigenliebe ist.

15. Daher lasse, Gott, die Liebe durch Dich alle Taten verrichten, so wird die Finsternis als der größte Feind des Lebens auf ewig unterjocht werden. Solches ist aber der Liebe Feind, daß sie blind ist ohne Gott. Mit Gott oder mit dem ewigen Lichte vereinigt aber ist sie die allerhöchste Macht, Kraft und Gewalt, welcher die ganze Unendlichkeit auf den allerleisesten Wink ewig gehorchen muß.

16. Schließlich sage Ich euch noch hinzu, daß diese enthüllten Verse eine doppelte Beziehung haben, und zwar gerade also, wie sie sich beziehen auf Mich, also auch beziehen sie sich auf jeden einzelnen Menschen. – Erfasset sie daher recht tief, ja allertiefst in euren Herzen, so wird euch ein großes Licht in der Nacht eures Herzens werden amen. –

17. Meine Gnade, Liebe und Erbarmung mit euch allen Amen.

Die vier Evangelien über die Auferstehung des Herrn. – 27. März 1842, Ostersonntag.

Anfrage des C. L., dem Knechte J. L. übergeben von Ans. H.

Wie kann man die nachfolgenden Abweichungen in den Erzählungen der vier Evangelisten von der Auferstehung des Herrn auf beruhigende Weise untereinander ausgleichen wie:

1. hinsichtlich der Frauen, welche das Grab besuchten; Matth. 28,1. Mark. 16,1. Joh. 20,1;

2. hinsichtlich der Anzahl der sichtbar gewordenen Engel und des Ortes, wo sie saßen; Matth. 28,2. Mark. 16,5. Lukas 24,4. Joh. 20,11-12;

3. hinsichtlich des Umstandes, ob die Frauen, wie bei Matthäus, Markus und Lukas, oder ob Petrus und Johannes, wie bei Johannes, zuerst in die Gruft traten;

4. hinsichtlich der weiteren Mitteilung der Nachricht; Matth. 28,8. Mark. 16,8. Lukas 24,9. Joh. 20,10.18.

28. März 1842, am Ostermontag, Vormittag. (Die vier Evangelien über die Auferstehung des Herrn).

01. Schreibe nur, schreibe! Statt am Abende soll es hier heißen: zu Ende des Sabbats; da bei den Juden, wie ihr doch sicher wissen werdet, jeder frühere Tag bis zum Aufgange der Sonne des nächsten Tages gedauert hatte. Das wäre sonach gleichlautend mit den anderen dreien.

02. Die Zahl der Weiber betreffend aber ist keine Angabe richtig, denn es waren ihrer sieben; nur Lukas berührt sie unbestimmt mit dem Beisatz: Und die anderen. Und bei Johannes sagt die Magdalena zu Petrus: Wir wissen nicht, wo sie Ihn hingetan haben. Was aber die Ursache dieser ungleichen Zahlangabe der Weiber betrifft, so hat sie fürs erste ihren Grund in der Unkenntnis, derzufolge die Evangelisten selbst die ganze Vollzahl nicht wußten – und fürs zweite, auf daß die Weiber der Welt zu einem Anstoße werden sollten – und fürs dritte, daß da niemand die Göttlichkeit Meines Wortes aus der Weiberzahl, sondern lediglich aus der lebendigen Tätigkeit vom Grunde seines Herzens erfahren solle! –

03. Was aber das von Matthäus allein erwähnte Erdbeben betrifft, so hat es damit seine Richtigkeit auch buchstäblich, aber jedoch soll es vorzüglich geistig genommen werden und bezeichnen die volle Erschütterung des Herzens, bevor des Himmels Zeichen dem Menschen ankündigen sollen, daß Ich aus seinem Grabe auferstanden bin! – Warum aber die anderen drei des Erdbebens nicht erwähnen, hat seinen Grund, dieweil sie das besagte Erdbeben allein geistig nahmen und es durch die gleich geschilderte Furcht der Weiber nur leise andeutend bezeichneten. Es war aber auch eine zierlichere Redensart der damaligen Zeit, irdische Fakta zu verschweigen und sie bloß aus dem Gemütszustande betreffender Menschen entsprechend erkennen zu lassen. Doch an derlei Mückenfängereien liegt wenig, alles aber an dem Tun Meines Willens! –

04. Was aber da bei Matthäus 28,2.3 den blitzgestaltigen und Stein wegwälzenden Engel betrifft, und bei Markus 16,5 auch zwar einen, aber schon im Grabe sitzenden Jüngling, und was bei Lukas 24,4 die zwei Männer in glänzenden Kleidern und bei Johannes zwei Engel in weißen Kleidern betrifft, so hat dieser scheinbare Widerspruch fürs erste seinen Grund, was die Zahl betrifft, darin, daß von den höchst gewissensgebundenen ersten zwei Evangelisten nach der altjüdischen Art nur darum eines Engels erwähnt wird, weil die zwei eine Tat verübten und auch nur ein Wort führten. Und fürs zweite, weil nicht alle die sieben Weiber zwei Engel sahen, sondern allein die ersten drei Benannten, die andern vier aber nur einen, und somit dann auch ihre Aussagen vor den Aposteln und Jüngern ungleich waren, darum dann auch Matthäus und Markus als höchst skrupulöse Schreiber sich nicht getrauten, die vielfache Zahl zu nehmen, um sich vor den schriftgelehrten Judenchristen nicht eines Schreibfehlers wegen als untüchtige Schreiber bloßzugeben, darum sie nicht wüßten, wann von zwei handelnden Wesen die einfache und wann die vielfache Zahl gebraucht werden solle. – Lukas und Johannes aber, da sie das Wort um vieles später niedergeschrieben haben, waren über diese Sprachkleinigkeiten hinaus und gaben die Aussage der ersten drei Weiber vollends kund.

05. Und endlich liegt ein dritter Grund noch darin, daß Ich es also habe haben wollen der blinden Welt wegen, darum sie Mich verstoßen hatte, auf daß sie sich zu Tode stoßen solle an den Weibern und an der Zahl ihrer Weltgeister! – Und endlich noch des geistigen Sinnes wegen, darum die bloße Hör- und Schaugier nur einen mahnenden Geist hat zur Erweckung des Glaubens; die Liebe Magdalenas aber ersieht auch den höheren Geist der Liebe und des Lebens, der da ist feurig und glänzenden Kleides. – Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen geschichtlich und geistig.

06. Was aber die ungleiche Gestalt der Engel betrifft, so entsprach diese dem Inneren der sieben Weiber; Magdalena sah sie feurig und glänzend, die andern aber nur mit weißen Kleidern angetan. Die Ursache ist die feurige Liebe der Magdalena, und bei den anderen ihre stille Sanftmut und Trauer.

07. Matthäus gibt somit allein nur das Gesicht der Magdalena aus der schon bekannten Ursache in der einfachen Zahl an. Markus noch skrupulöser als der Matthäus hält sich an die Mehrheit der Stimmen zwar, aber was da die Zahl betrifft, pflichtet er dem Matthäus bei. Lukas gibt die Aussage der Magdalena getreu an, nur gebraucht er statt des Wortes weiß das die Sache mehr erhöhende Wort glänzend, das heißt weiß, soviel wie schneeweiß oder blendend weiß, und schweigt darum vom feurigen Gesicht, um die Doppelaussagen mehr in ein gerundetes Ganzes zu bringen, – und endlich aber auch zufolge Meines Willens, damit dadurch der Übergang vom alleinigen Glauben zur lebendig tätigen Liebe angedeutet würde, wie solches auch wahrlich zu ersehen ist aus der Ordnung der vier Evangelisten. Johannes spricht nur von zwei in weißen Kleidern sitzenden Engeln. Die Ursache liegt hier lediglich im Geistigen seiner evangelischen Ordnung nach, wodurch da angedeutet wird die Unschuld der Liebe und die leidenschaftslose Ruhe des gewonnenen ewigen Lebens; und so verschweigt er als der sonst allerfeurigste Schreiber das Feuer der Magdalena und somit auch ihre weltlich leidenschaftliche Liebe zu Mir, die zwar gerecht war, aber dennoch nicht ganz getreu der himmlischen Ordnung.

08. Und somit wäre auch dieser Widerspruch ausgeglichen. Und so bleibt uns nur noch ein Widerspruch bezüglich der Engel auszugleichen übrig, und zwar der ihrer verschiedenen Stellung.

09. Bei Matthäus kommen sie vom Himmel, und bekannt ursächlich in der einfachen Zahl, wälzen den Stein vom Grabe oder vielmehr von der Türe des Grabes, und der Engel und die Weiber gehen in das Grab. – Bei Markus ist zwar bei der Ankunft der Weiber das Grab noch verschlossen; aber sobald gewahren sie, daß der Stein abgewälzt wird, worauf sie dann das Grab betreten. – Bei Lukas betreten sie eher das Grab, welches schon offen ist; sodann erst kommen die Engel und geben den Weibern Bescheid. – Bei Johannes guckt allein die Magdalena ins Grab und bekommt von den verschiedenorts sitzenden Engeln den tröstenden Bescheid; und solches geschieht erst nachdem, da der von ihr geholte Petrus und unser Evangelist Johannes schon das Grab verlassen hatten (Joh.20,10).

10. Die scheinbare Verschiedenheit der Aussagen rührt fürs erste, wie alle die früheren Punkte, vorzugsweise nach Meinem Willen wegen und von der heiligen entsprechenden geistigen und himmlischen Ordnung her, in welcher vom äußeren Glauben bis zur innersten Wiedergeburt des Geistes die vier Evangelisten aufeinander folgen!

11. Dieser Hauptursache zufolge aber dann von der verschiedenen Angabe der sieben Weiber, da eine jede nach der Beschaffenheit ihres inneren Zustandes gesehen hatte, entweder was da aussagt der Matthäus, Markus, Lukas oder der Johannes. – Was aber da ausgesagt wird von den vieren, ist geschehen und gesehen worden, aber nur mit den geistigen Augen, – diese aber sind ja allzeit gerichtet, wie da gerichtet ist das innere Leben aus der Liebe, dieweil des Geistes Schauen nicht ist gleich dem irdischen Schauen, da einer sieht gleich dem andern, sondern jedweder nur sieht, was und wie es in ihm ist, und also es sich dann auch gestaltet.

12. Daß die Abholung des Petrus und des Johannes nur von Johannes selbst erwähnt wird, hat zur Ursache, weil Johannes eigens gemahnt wurde, da er auch verschweigen wollte, diese Begebenheit beizusetzen, damit in ihm alles solle offenbar werden zum geistigen Zeugnisse, daß die wahre innerste lebendige Liebe alles von sich gibt und auch sogar das allerunbedeutendste Geheimnis nimmerdar verschweigen will. Oder erprobt man auf der Welt die echte Liebe etwa nicht schon dadurch, daß der Liebbewerber sieht auf das offene Herz seiner Gewählten; wenn sie aber vor ihm wird heimlich tun und wird ihrer Nachbarin ins Ohr wispeln, was wird er da von ihrem Herzen halten? – Ich sage dir: Er wird es verfluchen und wird sich abwenden von der Treulosen!

13. Sehet, sonach ist ja schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Was die ersten drei der Mitteilung für geringfügig halten, das muß der Vollendete dennoch bekennen und es aussagen! – Ist nun noch irgend ein Widerspruch vorhanden? – Und also bliebe schließlich nur noch Meine Erscheinung den Weibern zu erwähnen übrig.

14. Bei Matthäus erscheint Jesus nur der Magdalena und der anderen Maria, als sie schon auf dem Wege sind zu den Aposteln und Jüngern, unweit des Grabes.

15. Bei Markus erscheint Er zuerst der Magdalena und wird nicht gesagt, ob Er auch den andern erschienen ist, sondern es wird solches nur unbestimmt dadurch angedeutet, da gesagt ist, zuerst der Magdalena, und von selbst verstanden werden solle, hernach auch den andern.

16. Bei Lukas erscheint den Weibern Christus gar nicht; und Petrus eilt ohne Johannes erst nach der Nachricht zum Grabe.

17. Bei Johannes kommt gar nur die Magdalena allein zu den Jüngern und sagt ihnen, daß der Stein abgewälzt ist (Joh.20,2); – und nachdem Petrus und Johannes wieder zurückkehren, da erst erscheint allein ihr der Herr und verbietet der Zudringlichen die Anrührung (Joh.20,14.17) und ist da weiter von keiner andern die Rede.

18. Wie alles Frühere, so hat auch dieses alles ganz besonders vorzugsweise einen inneren, allein geistigen Grund. Was daran das Geschichtliche betrifft, so haben eigentlich nur Magdalena zuerst und dann auch die Maria Johanna Jesum gesehen, und zwar die Magdalena zuerst, da sie dann sogleich über Ihn herfallen wollte, aber zurückgewiesen ward. Darauf Ihn dann erst auch die Maria Johanna ersah und dann mit der Magdalena zu Seinen Füßen hinfiel und diese gemeinschaftlich umfaßt wurden von beiden (Matth.28,9). Maria Jakob und die Salome sahen zwar nichts (Mark.16,1), sondern empfanden nur die Nähe des Geistes des Herrn. Die drei noch andern aber merkten von der Erscheinung des Herrn nichts und waren unterwegs sogar sehr bemüht, den zweien ihr Gesicht als ein reines Werk ihrer erhitzten Einbildung darzustellen.

19. Was die erste Benachrichtigung an den Petrus betrifft, so ist da wirklich nur allein die Magdalena die Botin gewesen, und alle anderen sind im Garten geblieben, in dem das Grab in einen Felsen gehauen war – und haben also fünfe den Petrus und den Johannes übersehen. Und nur die Maria Johanna sah den Petrus kommen und abgehen, aber den flinken Johannes hatte auch sie übersehen und hätte auch den Petrus sicher übersehen, so sie nicht die fast außer Atem daherkeuchende Magdalena sobald darauf aufmerksam gemacht hätte. Daß sich aber weder Petrus noch Johannes lange am Grabe aufgehalten haben, erklärt sich wohl aus der großen Furcht, welche sie da vor den Juden hatten.

20. So ihr nun dieses alles zusammenfasset, da kann es euch doch unmöglich mehr schwer werden, den Grund dieser sich scheinbar widersprechenden Angaben der vier Evangelisten mit den Händen zu greifen. Denn je nachdem die Angaben waren von seiten der verschieden sehenden Weiber an die Apostel und Jünger, also waren auch die Aufzeichnungen nach dem Glauben der Schreiber verschieden; denn obschon sie unter der Leitung Meines Geistes alles dieses geschrieben haben, so war aber ihr Wille dennoch ganz frei und so auch ihr Urteil und ihre Annahme danach. Und so selbst ihr Wille durch die erfolgte Wiedergeburt ein gerichteter gewesen war, da war aber demnach ja ihre Mitteilung, was noch mehr ist, vollkommen Meinem Willen gemäß. Und so ihr dieses alles wisset, da lasset euch durch solche Mückenklüfte nicht mehr beirren, sondern werdet dafür eifrige und wahre Täter des Wortes, so werdet ihr gar bald an keinen Widerspruch mehr stoßen.

21. So ihr aber nur bloße Hörer des Wortes seid und möchtet dasselbe unter die träge Ordnung eures Verstandes bringen, da werdet ihr freilich gerade dort die größten und die ärgsten Widersprüche finden, wo es sich um eure ewige Auferstehung handelt! – Wenn ihr aber schon durchaus kritisch zu Werke gehen wollet, da fasset zuerst die Ordnung der aufeinanderfolgenden Evangelisten und vergleichet sie mit den vier Hauptzuständen des Menschen, das heißt, von seinem äußersten Glauben bis zur innersten Wiedergeburt; oder da der Mensch am Abende beginnt, durch die Nacht versuchet wird, bis dann die Morgendämmerung anbricht und also stets zunimmt bis zum Aufgange des ewigen Lebenstages durch Johannes! – Verstehet ihr das, so werdet ihr ewig an keine Widersprüche mehr stoßen.

22. Doch wer da noch irgendeinen Zweifel hätte und könnte sich nicht helfen, der tut immer besser, so er fragt, solange jemand da ist, der mit Licht versehen ist; es wird euch aber schon noch übel ergehen, und ihr werdet eure Untiefen erschauen, so Ich den Leuchter hintanrücken werde. Dann erst werdet ihr alle erfahren, wie blind ihr alle waret, daß ihr der Worte des Leuchters so wenig mochtet achten. Wer aber kennt und versteht den Leuchter?! – O wie blind doch aber seid ihr noch! – Warum aber seid ihr also blind? Weil in euch noch keine Ordnung ist und also auch keine Festigkeit, darum ihr auch stets schwebet zwischen Nacht und Dämmerung und erkennet darum auch gerade das am allerwenigsten, wodurch ihr zur Wiedergeburt des Geistes gelangen sollet und einzig und allein zur innersten Erkenntnis alles dessen, was des Geistes und somit auch des ewigen Lebens ist! –

23. Ich aber sage euch, bis jetzt habt ihr das Wort nur gelesen, und alle eure Tat war eine getriebene Tat durch die gewisserart göttlich magische Kraft des Wortes an und für sich selbst. Werdet aber in der Zukunft keine getriebene mehr, sondern freiwillige Täter Meines Wortes, und ihr werdet sofort an keine Widersprüche mehr stoßen! Solches alles aber schreibet euch tiefst in euer Herz, wer Der ist, von Dem diese Worte kommen an euch Grübler, so werdet ihr leben. – Sehet aber zu, daß euch der noch gänzlich unbekannte Leuchter nicht entrücket wird, da es euch allen dann wieder schlecht gehen möchte; denn ihr seid bisher nur Leser, aber noch bei weitem keine Täter des Wortes. – Wisset ihr euch aber eines alten Liedes zu erinnern, das da also anfängt:

Einst schien die Sonne über unsrem Haupte sanft und mild, / Da floh'n vor ihrem Licht wir in die Löcher unsrer Becher; / Doch bald verschwand dies herrlich leuchtend göttlich Sonnenbild, / Und nun drückt uns der Nacht und alles Todes Pfeile Köcher.

24. Seht, das Lied des Ameisenlöwen ist nicht schlecht und paßt recht wohl auf den Zustand des Menschen, da er ein Zweifler ist, wo er schon lange ein Seher sein könnte. Solches also auch beachtet überaus wohl Amen; und Wer es saget amen, amen, amen.

Die erweckende Kraft der Liebe. – Segen eines gläubigen Vaters und einer frommen Mutter. – 10. Juni 1842. Vormittag.

An den Andr. H. W.

01. Höre und siehe du, Mein geliebter Andr. H. W., denn Ich habe dir etwas Tröstendes zu sagen! –

02. Dich hatte eine Mitteilung, welche Ich Meinem Wortschreiber zur nötigen Beruhigung habe zukommen lassen, in ein etwas zu ängstliches Nachdenken gebracht und hat dich zudem noch etwas kleingläubig in Rücksicht dessen gemacht, was da anbelangt die volle Sterblichkeit der Lauen, und das vorzugsweise darum, da du dein freilich wohl sehr weltlich gesinntes und geartetes Weib darunter verstandest und in nicht sehr entfernten Distanzen auch deine Kinder mit ihr. Allein Ich sage es dir, du hast wohl sehr vollkommen recht, solches zu beherzigen. Was aber da gesagt ist in dem Beiworte an den Schreiber, so hat aber dennoch solches nur einen allgemeinen Sinn, nicht aber, als hätte Ich dadurch gewisserart auf dein Haus heimlich etwas abmünzen wollen.

03. Damit du aber solches klärlich ersehen magst, so habe gut acht auf das, was Ich dir nun über diesen Punkt sagen werde! –

04. Siehe, wo immer beide Ehegatten gleich lau wären im Geiste und daher ganz in die Materie verkehrt und sorgten auch also für ihre Kinder, da träte auch die volle Geltung des Beiwortes an Meinen Schreiber ein. Wo aber da ist ein Gatte gläubig, besonders wenn es der Mann ist, und voll Liebe zu Mir, da ist sein Weib, da sie ein Fleisch mit ihm, geheiligt durch den Glauben und durch die Liebe des Mannes, was auch wohl im umgekehrten Falle gelten kann.

05. Also verhält es sich auch von seiten eines gläubigen Vaters gegenüber seinen Kindern, da sein Segen noch übergehen kann bis ins dritte, manchmal bis ins siebente und manchmal gar bis ins siebenundsiebenzigste Glied, darum sie da jenseits erweckt werden können durch ein überreiches Leben solch eines Vaters, was soviel besagt, als daß sie wieder vollends belebt werden können!

06. Solches kann zwar auch ein sehr frommes Leben der Mutter bewirken. Allein, da doch jedes Weib einen Mann haben muß, wenn sie Mutter werden will, so gehört schon geschlechtlich dem Manne, mehr somit noch geistig der offenbare Vorzug! – Ist ihr Gatte gleichen Geistes mit ihr, da sind sie ohnehin vollends eins; und was demnach gilt vom Manne, das gilt auch von dessen Weibe.

07. Wenn aber der Mann wäre ungläubig, das Weib aber gläubig und fromm, da freilich ist sie dann die Erweckerin sowohl des Mannes – so dieser samt den Kindern allein nur lau, aber auch zugleich böse war – wie der Kinder. Bei dieser Gelegenheit aber erstreckt sich dann der große Segen der Mutter nur bis ins dritte Glied im ausgedehntesten Falle. Ihr Mann aber und ihre Kinder können gar wohl erweckt werden durch ihr Leben und sind somit geheiligt durch sie; aber in dem Falle hat dann der also geweckte und geheiligte Mann kein weiter belebendes Vermögen in sich, sondern nur, daß er lebt im Leben seines Weibes durch ihre Liebe zu Mir und daraus zu ihrem Gatten. Also aber ist demnach auch das Leben des Weibes, welches an und für sich zwar tot ist durch seine Lauheit, daß es da lebt im Leben des Mannes durch dessen Liebe zu Mir und daraus zu seinem Weibe. Daß solch ein mitbelebtes und mitgeheiligtes Weib auch an und für sich kein weiteres Belebungsvermögen in sich hat, sondern nur daß es lebt das Leben des Mannes, braucht hier nicht noch ferner erörtert zu werden.

08. Da du aber sicher fragen würdest, wie das zu verstehen ist – wie lebt demnach also eines in oder aus dem oder durch das andere? –, so will Ich dir ja auch recht gerne solches vollends kundgeben, und so höre es denn:

09. Siehe, du hättest dein Weib sicher nie geehelicht, so du dich nicht zuvor im Herzen verbunden hättest mit ihr. Durch diese innere Verbindung ist aber ihres Geistes Abbild lebendig in deine Seele aufgenommen worden und lebt jetzt stets fort in dir ganz ähnlich deinem äußeren wirklichen Weibe, nur mit dem Unterschiede, daß, während das äußere wirkliche Weib nur der Welt lebt, ihr Abbild in dir stets lebendiger und geistig veredelter wird durch deine Liebe, Treue und Glauben zu Mir.

10. Setzen wir nun den Fall, dein äußeres wirkliches Weib stirbt dem Leibe nach vor dir, so ist zwar zufolge ihres Welttums und ihrer Lauheit all ihr Leben zugrunde gegangen. Sie ist da ganz vollkommen für sich für alle Ewigkeiten gestorben, allein ihr lebendiges Abbild lebt fort in deiner verherrlichten Seele. Du betest dann für dein verstorbenes Weib. Was geschieht dann? – Siehe, hier geschieht dann ein wahres geistiges Wunder! – Dieses dein lebendiges veredeltes Bild deines Weibes tritt sodann frei aus dir (was du dadurch gewahren würdest, wenn dich fast alle Traurigkeit um dein verstorbenes Weib verlassen hätte) und tritt zu der toten Materie des verstorbenen Weibes, durchglühet dann dieselbe und erweckt und läutert dann deren ganz gefestete Seele und nimmt in sich auf den verdorrten Geist und befeuchtet ihn mit seiner aus dir zwar entnommenen, aber nun ihm schon ganz eigenen Liebe. Dadurch wird der wahrhaft tote Geist des verstorbenen Weibes wieder belebt, geht dann ganz in das Leben deines lebendigen Abbildes über und wird vollends eins mit ihm. Also lebt dann das Weib ein gewisserart zweites Liebeleben aus dem Manne, was auch allerdings in doppelt umgekehrter Hinsicht der Fall sein kann.

11. Was aber hier zwischen den Ehegatten der Fall sein kann, dasselbe gilt auch bezüglich der Kinder von seiten der guten und frommen Eltern. Im Grunde aber sind diese sonderheitlichen Erscheinungen, von denen schon Mein Apostel Paulus Erwähnung macht, nichts anderes als ein Miniaturgemälde dessen, was Ich Selbst im Großen, ja im Unendlichen tue, denn da wird ja auch durch Mein Ebenbild in euch, das da ist Meine Liebe oder Christus in euch, euer toter und verdorrter Geist wieder erweicht und belebt und dadurch wiedergeboren zum ewigen Leben, nachdem er vorher durch das Liebefeuer ebendieses Meines Ebenbildes in euch ist von der toten Materie ausgelöset worden, welcher Akt dann und darum eben ja die Erlösung heißt! –

12. So du, Mein geliebter Andr. H. W., dieses sicher einsehen und vollends begreifen wirst, da wirst du ja auch ebenso leicht einsehen, wie bei Mir alle Dinge möglich sind! – Und wie Ich sogar imstande bin, nicht nur ein, sondern tausend Kamele auf einmal durch ein Nadelöhr zu treiben!

13. Aber alles dessenungeachtet bleibt das Beiwort des Knechtes doch wahr, sobald entweder beide Ehegatten lau sind oder eines ist dem andern nicht um vieles an Lebenstugend überlegen, oder sie sind gegenseitig vorsätzlich Ehebrecher, darum das eine nicht dem andern folgen will in allem! –

14. Daß aber eine Erweckung von Mir aus besser und unendlich vollkommener ist denn eine solche Aftererweckung, das leuchtet ja schon daraus, daß Ich Selbst doch sicher vollkommener bin, als jeder von Mir geschaffene Geist. Wie aber da jeder von Mir Erweckte ewig abhängig bleiben muß von Mir, welche Abhängigkeit eben ganz allein das ewige allerseligste Leben des Geistes ausmacht, – also wird auch der Aftererweckte ewig abhängig bleiben von dem, der ihn wieder erweckt hat, und wird daher auch nimmerdar vermögend werden, unmittelbar von Mir abzuhängen und daher auch zu Meiner unmittelbaren Anschauung zu gelangen, sondern nur mittelbar durch den, der ihn aus Meiner Liebe in ihm selbst erweckt hat! – Solches sollst du recht begreifen, und es wird dir großen Trost geben in deinem Herzen! –

15. Schließlich sage Ich dir noch bezüglich deiner Kinder, daß du ihnen etwas zuviel freien Willen lässest; siehe, dazu sind sie jetzt noch bei weitem nicht reif. Daher beuge ihn jetzt, da er sich noch beugen läßt, sonst würden sie dir gar bald auf der Erde so manchen Kummer bereiten, was dich dann kleinmütig machen könnte! Halte sie daher zu allem, was du sie lernen läßt, nur recht ernstlich an und daß sie vollends gehorchen ihren Lehrern ohne Widerrede, so wirst du bei ihnen gute Früchte erzielen. Denn in jedem Ernste liegt das Leben des Geistes zugrunde, da Ich allzeit knapp hinter dem Liebernste einhergehe! Solches also beachte auch, und Ich, dein lieber Vater Jesus, werde keinen aus den Deinen zugrunde gehen lassen. Mein Segen mit deinem Geiste ewig Amen. – – –

Der Siegelring. – 11. Juli 1842.

01. 1. / Ein scheinbar unbedeutend, nichtig Ding / erscheint dem Aug' ein ehrner Siegelring. / Doch wenn ein Fürst ihn trägt an seiner Hand, / hat er ein groß Gewicht fürs ganze Land. / So ist ein Ring, den da ein Fürst getragen, / ein großer Wert, daß selbst in spätsten Tagen / so manche Tatenforscher darum fragen / und emsigst nach solch altem Schatze jagen!

02. 2. / Es gibt ein Amt sogar in manchem Staat, / das da den Namen Siegelwahrung hat. / Und dem da ist ein solches Amt vertraut, / auf den der Fürst auch sicher Großes baut. / Nur eines Landes alterprobten Treuen / ermächtiget der Fürst danach zu freien; / ein andrer mag sich da zu Tode schreien, / nie doch wird er des Amtes sich erfreuen! –

03. 3. / So mancher Fromme auch von Mose spricht: / Er war des Herrn Ring, ein großes Licht! – / Fürwahr, er ist das noch zu dieser Stund, / ein Siegel Gottes für den alten Bund, / den Gott in Abraham schon hat gestellet; / und was Er diesem weislichst hat verhehlet, / hat Er, zu künden aller Welt, erwählet / den Mose, ihn hat Er mit Sich beseelet!

04. 4. / Wenn solches aber denn von Mose gilt / und ist in jed' Propheten Moses Bild, / nachdem in seinem Geist da jeder spricht, / dem Volke ist ein unerforschlich Licht! – / Wie dann so hoch denn Moses, der vergangen, / warum da nicht nach dem, was da, verlangen, / warum an Mose nur hochachtend hangen, / warum nicht auch, was da, also umfangen?! –

05. 5. / So merk es denn, du eitle Gegenwart, / Ich sag es dir: Du bist in dir so hart, / erkennest nicht bei dir den Siegelring, / er scheint dir, wie dem Aug', ein nichtig Ding. / Doch so des Fürsten Ring du hältst in Ehren, / der sich doch pflegt nach Weltlichem zu kehren; / o sieh, wie magst dich denn also betören, / so schwach in Meinem Ringe Mich zu ehren?! –

06. 6. / Ist auch an sich schon jeder Siegelring / ein nichtig, unbedeutend kleines Ding, / so ist doch Der, der selben braucht und führt, / erhaben hoch und voll der höchsten Würd'. / Die da demnach den Fürsten ehren wollen, / die müssen auch dem Ringe Achtung zollen; / so aber jemand möcht' dem Ringe grollen, / wird der nicht auch des Fürsten Ehre schmollen?!

07. 7. / Es sei, und wär der Ring von schlechtem Erz, / gesteckt an Meinen Finger durch das Herz; / er ist es nicht, wohl aber Der ihn trägt / doch wert, daß man fürs Siegel Achtung hegt! – / Es soll darum da niemand weise streiten, / nicht betend gar zu einem Ringe schreiten; / doch einem Ringe trübe Zeit bereiten, / dadurch wird niemand viel von Mir erbeuten!

08. 8. / Was da gesagt, dem biete niemand Trutz, / wohl aber mach' sich jeder solch's zu Nutz! / Kannst du nicht achten, was dein Auge sieht, / wie ehren dann, das stets dein Auge flieht? – / Wer da von Mir zum Ringe ist gestaltet, / ist er auch gleich dem Moses nicht veraltet, / so wird durch ihn doch alles neu umstaltet, / so da durch ihn die Lieb' der Liebe waltet!

09. Das ist etwas allein für dich. So du es jemandem zeigen willst, kannst du es ja tun, Pflicht jedoch sei dir solches nicht. – Es gebührt zwar solches dir Meinetwegen! – Für dich selbst aber doch ist es besser zu dulden und zu haben, wie bisher, ein demütiges Herz! Darum sei es dir keine Pflicht, solches auch sogleich den anderen mitzuteilen Amen.

Erklärung zum Lied ‚Der Siegelring‘. – 12. Juli 1842.

O Herr, Du allergeduldigster Lehrer und Führer der gesamten Menschheit, siehe, das Lied ‚Der Siegelring‘ ist im ganzen wie im einzelnen etwas zu geheimen Sinnes. Ich verstehe es nicht, denn auf meine Person kann ich das ja nicht beziehen; wie soll ich solches denn nehmen? O Herr, zürne nicht mir Wurme im Staube aller Nichtigkeit vor Dir, und auch nicht, wie ich bin viel geringer denn alle meine Brüder und Freunde und um vieles schlechter denn sie, darum ich nun frage um solches Dich, – sondern sei mir armem Sünder barmherzig und gnädig! Wenn es Dein heiliger Wille wäre, so könntest Du wohl ein leuchtendes Fünklein Deiner Gnade noch hinzufügen! Aber nur – so Du es willst Amen.

01. So schreibe denn! – Ich sage dir: Du und der Siegelring habt miteinander nichts zu tun, außer daß durch dich dieser neue Siegelring aus Mir gegeben wird.

02. Der Siegelring aber ist das Wort und nicht du, – selbst dann nicht, wenn Ich rede durch deinen Geist mit deiner Zunge. Daher hat die ausgesprochene Achtung auch nichts mit dir, sondern allein mit dem Worte zu tun. Damit aber jeder solches verstehe wohl und genau, so solle er wissen, daß unter einem Propheten nie dessen Person und Wesenheit, sondern allein Ich in dem Worte verstanden werde. Ist aber auch das Wort selbst an und für sich Meine eigentliche Wesenheit nicht, so ist es aber doch der euch oder auch allen anderen Menschen geoffenbarte Wille aus Mir, dargestellt zur Beschauung entweder durch Worte aus dem Munde eines von Mir dazu berufenen Menschen oder durch Zeichen, die er entweder selbst aufzeichnet oder von jemand anderem aufzeichnen läßt.

03. Der Wille aber ist ja demnach der Siegelring, aber nicht der, der Mir dienet selbst nur zu einem Werkzeuge!

04. Also ist ja das gegenwärtige Wort, welches Ich durch dich nun zur Erde hinabsenke, der vermeintliche Siegelring, aber nicht du. Dieses ist vom selben Finger, wie das zur Zeit Mosis. Moses aber mußte sein Angesicht verhüllen, um anzuzeigen, daß da nicht er, sondern allein Ich im Worte und Gesetze der alleinige Prophet es bin, und nicht er.

05. Wenn aber Moses solches tun mußte, wie kann es dir demnach auch nur im Traume einfallen, den Siegelring auf deine Person zu beziehen? – Siehe, wie blind du für dich auch noch bist trotz allem dem, was du schon vernommen hast! – Daß Ich aber solches mehr für dich als jemand anderem gab, hast du also zu verstehen, weil eben du selbst über so manche Gabe aus Mir nicht im reinen warst und so manchen Punkt weniger beachtetest für dich, denn die anderen für sich!

06. Siehe, darum auch habe Ich den Siegelring also gestellt, daß dessen Sinn also aussieht, als bezöge er sich auf deine Person, um dir dadurch einen neuen Probierstein für dich selbst zu geben, auf welchem du das Gold deiner Erkenntnis prüfen sollst, ob es probehaltig ist für das, was Ich tagtäglich durch dich gehen lasse. Wenn aber du bei dir so manchmal den Ring getrübet hast, welche Beute solle dir selbst dereinst denn werden aus ihm?

07. O siehe, das haben auch manche andere Berufene getan und haben über das Empfangene gegrübelt, während sie es vor allem hätten ausüben sollen durch den allerlebendigsten Glauben, und Ich habe ihnen darum ähnliche, ja noch viel stärkere Fallen gelegt. – Welche da sich, wie du jetzt, an Mich gewendet haben, denen habe Ich auch sobald die Lösung gegeben; die aber das auf die eigene Person nahmen, denen ging es am Ende wie dem weisen Salomo! –

08. Demnach also bezeichnet der Siegelring das neue Wort, also wie es äußerlich erscheint, das zwar niemand an sich anbeten soll, aber achten doch in allem und jedem, darum es ist ein wahrer Siegelring an Meinen Finger der Erbarmung gesteckt durch das Herz – oder durch Meine große Barmliebe!

09. Verstehe nun solches wohl, denn Ich habe es darum ja auch nur vorderhand dir gegeben. Darum sollst du solches auch also fassen, wie dir nach jeder im gerechten Sinne. Das sage Ich, die ewige Wahrheit und Weisheit Amen, Amen, Amen.

Der Herr zum Namenstag Jakob Lorbers. – 25. Juli 1842, vormittags nach 11 Uhr.

.a01. So gebe Ich dir denn ein Liedchen an deinem Tage, so der Welt wegen du auch keine Gratulationsbillete empfängst. Ich meine aber, dieses Billet wird länger dauern denn die der Welt. – Dem Offenen aber werde auch Ich allzeit offen sein und freigebig und aufmerksam; dem Zurückhaltenden aber werde auch Ich sein ein sparsamer Geber. Daher denke darum nicht nach, so heute niemand mochte dein Zimmer finden an deinem Tage. – Dafür aber komme Ich doppelt zu dir, wie fürs Ohr, also auch fürs Auge. Siehe, hier bin Ich!

.a02. Und so schreibe nun in dieser Meiner für dich sichtbaren Gegenwart dies Liedchen unter dem Namen:

Des Baumes letztes Blättchen.

.a03. 1. / An eines Waldes dicht umstrüpptem Saum / erblickst du einen seltnen dürren Baum, / ein Blättchen nur ganz fahl denselben ziert. / Doch nicht am Zweig hängt mehr dies letzte Blatt, / an einer Spinne Faden nur ganz matt / so lang, bis es ein West der Haft entführt.

.a04. 2. / Sieh an die Welt, wie sehr dem Blatt sie gleicht, / auch sie da hängt ganz dürr und leicht / am gleichen Faden an des Lebens Baum. / O sieh, schon regt sich dort ein rauher West, / er führt für diese Zierd' das End, den Rest, / schon schwirrt er um des Waldes dorn'gen Saum.

.a05. 3. / O Baum, o Baum, du toter Rest am Wald! / Du brüstest dich mit deiner Scheingewalt – / warum, du Tor?! Ist nicht der Tod dein Los? – / Ja tot, ganz tot bist du, o Baum, schon lang! / Darum wird's dir vor Meiner Näh' nicht bang, / nicht angst in deines Grabes finstrem Schoß.

.a06. 4. / Das letzte Blatt, ganz los von deiner Haft, / ziert dich nur noch durch eines Fadens Kraft, / den da gesponnen hat ein schnödes Tier – / und du willst prunken noch damit vor Mir / auf diesem alten Todesjagdrevier?! – / O sieh, der West ist da mit großer Gier!

.a07. 5. / Du trillerst schon, du einsam fahles Ding?! / Tust wohl daran; von Mir nur einen Wink – / geschehen ist's, o Baum, um deine Pracht! / Magst ahnen nicht, wer hier bei dir nun steht? / Ja, ja, der West um deine Äst' schon weht, / nicht merken läßt er dich die große Macht!

.a08. 6. / Wozu allhier, o West, so große Kraft? – / Ein dürres Blatt nur zwischen Zweigen klafft, / verhängt am schwächsten Faden einer Spinn'! / Darum kannst wehen du ganz sanft und mild, / ganz leicht wirst fertig du mit diesem Bild, / das tot ist ganz und gar im vollsten Sinn!

.a09. 7. / O merke, merk' auf dieses Bild, du tote Welt, / darum dich nur noch mehr dein Wahn beseelt; / das ist dein Sein in dieser letzten Zeit! – / Vernimm den letzten Ruf aus Meinem Mund, / kehr um zu Mir dich noch in dieser Stund, / eh' dich ereilen wird die Ewigkeit! –

.a10. Höre, verstehe, folge – amen.

Schon steht im Osten ein Stern. Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen. – 25. Juli 1842, nachmittags.

[HiG.03_42.07.25.b] „Schon steht im Osten ein Stern, welcher dem Orion die Bahn brechen wird, und das Feuer des großen Hundes wird sie alle verzehren.“ (Die Haushaltung Gottes, Band 1, Kap. 1,12)

.b01. Was ist der Ost, was der Stern, was der Orion, was das Feuer, was der große Hund? Wer sind die, welche verzehren wird des großen Hundes Feuer? –

.b02. Der Ost ist das innere lebendige Wort und durch dieses das wahre Verständnis der Heiligen Schrift des Alten wie des Neuen Bundes.

.b03. Der Stern ist das Liebelicht in diesem Worte selbst.

.b04. Der Orion ist die Liebe Gottes.

.b05. Das Feuer des großen Hundes bedeutet die große Treue dieser Liebe, weil der Hund ist ein Zeichen der Treue. Die aber, welche das Feuer verzehren wird oder zuschanden machen, sind alle Weltmenschen.

.b06. Also heißt obiger Satz mit anderen Worten nichts anderes als:

.b07. Das Liebelicht des neuen Wortes wird der göttlichen Liebe die Bahn brechen, und die Treue dieser Liebe wird alle Frevler, alle Ungläubigen und Lauen zuschanden machen, denn der Ost ist frei, und der Stern der Liebe stehet schon hoch! –

.b08. Das ist das leichte Verständnis dieser etwas nur höher gestellten Worte. – Da Ich sie aber nun noch mehr enthüllt habe, so sollen sie auch um so mehr beachtet werden Amen!

.b09. Das sagt der große Orion durch Seinen großen Hund amen, amen, amen. –

Antwort auf einige Fragen. – 4. August 1842.

Fragende: a) Ans. H. b) C. L. c) Elise H.

a) O Herr! Vor dreißig Jahren sah ich im Stifte R-n, als ich mich zu Bette legte, einen kolossalen Mann zu Pferde in meinem Schlafgemache, worüber ich in große Angst geriet. – War diese Erscheinung eine Täuschung, oder war es eine wirkliche Geistererscheinung?

01. Antwort: Kannst du das bezweifeln? – Ich frage dich aber: Was ist wohl verständiger und weiser, anzunehmen, daß ein vollkommenes Nichts unter der Form deines gesehenen Ritters zu Pferde in irgendeine Erscheinung trete oder die geschaute Form sei im Ernste etwas, das da ist ihr wahrer gehaltvoller Grund? –

02. Du redest von einer Täuschung! – Was ist denn eine Täuschung? – Wenn du zwei für fünf ansiehst oder schwarz für weiß oder einen Baum für einen Turm, den Mond für die Sonne, einen Planeten für einen Fixstern oder ein Weib für einen Mann – siehe, das ist eine Täuschung, die ihren Grund in der Schwäche der Sinne hat und ist daher nur eine Verkennung des geschauten Wesens, aber unmöglich eine Anschauung des Nichts unter einer Form, was wohl der größte Unsinn ist, den ein Mensch je nur zu denken vermag!

03. Daher bleibe du bei dem, was du gesehen hast, und denke, daß selbst die Traumwesen nicht so ganz leere Nichtse, sondern recht tüchtige Etwasse sind! Verstehe es. –

00. b) Ist das Wiederaufleben und die abermalige Ausbreitung des Jesuitenordens für die Menschheit heilsam oder nicht?

04. Antwort: Allerdings, das heißt für die Menschheit der Jesuiten selbst. Was aber die übrige Menschheit betrifft, da wird es mit den heilsamen Wucherprozenten einen sehr sandigen Grund haben! Es ist übrigens auch nicht eben gerade zu löblich, schwarz bekleidete Himmelsboten durch die Bank anzunehmen; obschon bei Mir auch eben nicht der Rock den Mann gibt, sondern nur – wessen Geistes Kind er ist! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es recht wohl. –

00. c) „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird selig sein.“ (Römer 10, 13)

05. Antwort: Des kannst du vollends versichert sein trotz aller Verdammungsurteile und Beichtspiegel römischer Mönche. Wahrlich, wer Mich anruft in seinem Herzen, der wird nicht verlorengehen, wenn ihn nicht nur die Römlinge, sondern auch alle anderen Sekten zugleich für alle Ewigkeiten auf das allerbitterste verdammt hätten; denn weltliche Sekten-Eifersucht ist noch nie ein Urteil der ewigen Liebe in Gott gewesen! – Verstehe du, Meine liebe Tochter, solches wohl amen. –

Aufklärung über zehn Fragen. – 6. August 1842. Nachmittag.

Zehn Fragen auf Verlangen des Knechtes aufgeschrieben von Ans. H.

00. 1. O Herr! – Ich kann das nicht begreifen, daß im mosaischen Gesetz auf so viele Handlungen die Todesstrafe festgesetzt war, und daß so manche Volksstämme samt deren Hab und Gut von den Israeliten in Deinem Namen schonungslos vertilgt wurden, – während Du Selbst als Jesus sprachst: Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet, verdammet nicht, auf daß ihr nicht verdammet werdet!

01. Antwort: Siehe, unter Moses und nach Moses dauerte der Alte Bund bis zu Meiner Darniederkunft. In diesem Bunde war der alleinige Glaube gesetzt zur Rechtfertigung, da die alte Liebe von Noah abwärts stets mehr und mehr in die pure Weisheit überzugehen anfing. Und so lautete auch das mosaische Gesetz nur auf den Glauben; die Liebe aber ist zur inneren, geheimen, gewisserart unbewußten Bedingung allein durch den strengen Gehorsam geworden, – denn da die Weisheit sich losgemacht hatte von der Liebe, so mußte sie auch stets und strenge gerichtet werden, damit sie nicht treten möchte aus dem Kreise der ewigen Ordnung. Und so war diese Periode von Moses bis auf Christus eine harte Periode des vorbildenden Gerichtes, darum auch Ich am Ende das Gericht und aller seiner Satzungen Bürde habe auf Mich nehmen müssen und tilgen das Gericht und an die Stelle des kalten Glaubens wieder einsetzen die alte Liebe. Siehe, das ist ein Grund.

02. Ein anderer, noch tieferer Grund des ersten Grundes selbst aber ist das, weil damals der Fürst des Todes und der Lüge noch nicht gerichtet, sondern noch völlig frei war! Warum, ist leicht zu erraten, denn er wollte sich selbst damals durch des alleinigen Glaubens Weisheit und Gericht vollenden. Allein diese seine Richtung ging in alle Abgötterei über, und so mußte von Meiner Seite gegen sein Gericht auch wieder mit demselben Maße verfahren sein.

03. Siehe, darum sah es damals also grausam aus! – Da Ich aber darniederkam, da ward er gerichtet, und die alte Liebe ward wieder zum alleinigen Gesetz. Wenn denn nun auch Arges geschieht, so geschieht es aus dem eigen-bösen Willen der Menschen durch dämonische Einflüsterungen; aber in Meinem Gesetz liegt kein Grund mehr dazu. – Siehe, das ist der Grund. – –

00. 2. Ist das Eheband ein ewig unauflösliches?

04. Antwort: Allerdings, wenn es aus wahrer reiner Liebe sowohl hauptsächlich in Anbetracht Meiner, wie dann auch in Anbetracht des gegenseitigen Menschenwertes geschlossen wurde oder wenigstens nachderhand vollends also manifestiert ward. Ist aber solches nicht der Fall, dann hat das, was da Ehe genannt wird, für den Himmel gar keinen Namen und Wert, aber einen oft desto stärkeren und größeren für die Hölle! – Verstehe es jeder! –

00. 3. Wenn ich sage, ich gehe in mich, ich will mich erforschen, – geht da der Geist in die Seele oder die Seele in den Geist? Erforscht da die Seele den Geist oder der Geist die Seele? Denn die Seele kann nicht in die Seele und der Geist nicht in den Geist gehen. – Wer ist demnach hier das ‚ich‘ und wer das ‚mich‘?

05. Antwort: Ich sage dir aber, daß hier weder das eine noch das andere der Fall ist, – sondern unter dem In-sich-gehen wird nur verstanden, daß da der Geist oder die Liebe ihren freien Willen einziehe und ihn allein auf das richte, was da ist Meines Willens. Wenn aber die Liebe dem Willen alle Zügel schießen läßt, dann wird der Wille bald stärker denn die Liebe zu Mir und zieht dann diese nach außen, schwächt sie – und somit auch sich selbst, als Meine Kraft nach außen zu wirken in ihr! – In-sich-gehen heißt sonach: die Strahlungen des Willens in sich ziehen; und sich erforschen heißt: mit der Liebe zu Mir die Strahlen des Willens durchschauen, ob da alle zu Mir gerichtet sind! Siehe, also ist es. –

00. 4. Was bedeutet der vorgestern von mir auf der Höhe des Schloßberges gesehene freudige Wirbelflug zahlloser Schwalben um den Siebenglockenturm?

06. Antwort: Die arg dummen Menschen der Welt, die auch ums blitzende Metall lieber flattern als um die lebendigen Bäume des Lebens und können sich nicht trennen von dem, was übertot ist und den ewigen Tod bringt, wie nicht selten auch diesen Tierchen ein mit elektromagnetischem Fluidum überfüllter vergoldeter Turmknopf. – Siehe, solches bedeutet dein geschautes Bild! –

00. 5. Ist der Angabe einer Somnambulen Glauben beizumessen, daß einige Menschen eine hakenförmige und einige eine kugelförmige Ausdünstung haben, und daß erstere mehr geistlich und letztere mehr weltlich gesinnt seien?

07. Antwort: Die Somnambulen sehen nicht allzeit richtig. Was aber diese Angabe betrifft, so ist sie wohl so ziemlich richtig in der Erscheinlichkeit, aber nicht auch also in der Bedeutung. – Durch die Erscheinlichkeit werden nur die magnetischen oder vielmehr seelischen Polaritäten, keineswegs aber die entweder mehr geistigen oder mehr weltlichen Eigenschaften des Geistes oder des eigentlichen Liebewillenlebens dargestellt. Daher können die Kugeln so gut himmlisch sein wie die Häkchen; es kommt da nur auf die Liebe an! – Siehe, das ist richtig.

00. 6. Ist die Behauptung einer anderen Somnambulen richtig, daß jedem Menschen bei seiner Geburt eine gewisse Zahl gegeben werde? So hätten zum Beispiel C. L. und ich die Zahl Fünf.

08. Antwort: Wenn du es glauben willst, dann ist es also, wie du's glaubst, – sonst aber wird niemand gezählt, außer nach der Größe und Stärke seiner Liebe. Diese aber ist allezeit die Zahl Eins mit Mir! – Alles andere aber hängt am puren Glauben. Siehe, das ist rein, gut und wahr.

00. 7. Ist der Tod des Herzogs von Orleans wohl als ein Ereignis von so großer Wichtigkeit anzusehen?

09. Antwort: Für die Welt gleichwohl, aber in den Himmeln wird selbst das Aufhören eines Sonnengebietes für gering gehalten! – In der Zeit aber müssen ja allerlei Zeichen geschehen; so solle auch das ein Zeichen sein, daß Ich durchaus kein Freund einer konstitutionellen Dynastie bin. Denn wenn auf einem Wagen mehrere Kutscher den Wagen verschiedenwillig lenken wollen, wohin wird da das Fuhrwerk kommen? – Oder werden durch solche Lenkung die Pferde nicht scheu gemacht und am Ende das ganze Fuhrwerk zerreißen? – Siehe, darum für solch ein Volk auch solche Zeichen. Also ist das zu nehmen. –

00. 8. Sagt nicht oft der Blick mehr als das Wort, und liegt nicht oft im Blicke mehr Macht als im Worte?

10. Antwort: O ja, wenn durch den Blick der Geist spricht! – Also aber hättest du fragen sollen: Ob im geistigen Worte mehr Macht liege denn im Worte der Zunge? – So hättest du deine Frage alsogleich verstanden! – Siehe, das ist der rechte Grund. –

00. 9. O Herr! Wie ist die Stelle im 19. Kapitel, Verse 17 u. 18 der Offenbarung Johannis zu verstehen: Kommet, sammelt euch zum großen Mahle Gottes, daß ihr essen möget das Fleisch der Könige und das Fleisch der Heerführer und das Fleisch der Starken und das Fleisch der Rosse und derer, die darauf sitzen, und das Fleisch aller, der Freien und der Knechte, der Kleinen und der Großen?

11. Antwort: O du Mein lieber Freund! Solches verstehst du nicht?! – Sieh, sieh! Das große Mahl hast du ja schon vor dir, und du kannst danach fragen wie einer, der etwas sucht, während er es in der Hand trägt?! – Meine Liebe, diese heilige Stadt, ist ja das große Mahl, die mit der Zeit alles Welttümliche verzehren wird! Siehe, das ist das große Mahl Gottes, zu dem ihr soeben geladen werdet! – Siehe, also ist der Sinn der Himmel allhier kundgetan. O Freund! Komme, komme zu dem Mahle ganz! – – –

00. 10. Kann ich auf jemanden, der in Frankreich ist, so einwirken, daß er von einer Handlung dadurch abgehalten oder zu einer Handlung angeregt wird? –

12. Antwort: Ich sage dir, durch die Liebe und durch den aus ihr kommenden lebendigen Glauben zu Mir nicht nur auf jemanden in Frankreich, sondern wohl auf jemand noch viel weiter Entlegenen – und wäre er im Sirius oder noch endlos weiter entlegen; denn mit Mir vermagst du ja alles, nichts aber ohne Mich! – Solches wird dir sicher nicht fremd sein? – Daher liebe und glaube, so wirst du allzeit siegen amen. – – –

Kurze Schrifttexterklärungen. – 16. und 17. August 1842.

00. Ich will dir und den anderen etwas sehr Beachtenswertes geben und solle solches stets bei sich getragen und in sich aufgenommen sein vollends; – auch den Kindern des Ans. H. W. sei solches beschieden. Wer solches wohl beachten wird in seinem Herzen, der wird des Lebens Gerechtigkeit haben und wird wandeln dessen geraden Weg, der da führt voll Lichtes zu Mir! – Und so schreibe denn:

01. 1. Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn Der ihn gesandt hat. Johannes 13,16.

01. Wie ist demnach der heutige Knecht- und Apostelstand bestellt, da man den Knechten Altäre errichtet hat und ehrt die Apostel, als wären sie mehr denn Ich! Da man Mir ferner alle Gewalt nimmt und alle Ehre an sich reißt – und Ich sein muß, wie der Knecht und der Apostel es wollen, aber nicht daß sie wären nach Meinem Willen! Und betet doch dabei: Dein Wille geschehe! – Was etwa doch solches besaget? – Heißt das nicht Gott leugnen mit jeder Faser und Fiber?! –

02. 2. Mein Joch ist sanft, und leicht Meine Bürde. Matthäus 11,30.

02. Wie kommt es aber, daß sich die Menschen zur Gewinnung des Todes lieber ganze Berge auf ihren Schultern unter dem Drucke eines eisernen Joches wollen gefallen lassen, als nur eine Federflaume Meines Liebewillens? – Weil sie tot sind und daher nicht merken, wie und was sie drückt! – O der entsetzlichsten Tollheit der Welt!!! –

03. 3. Des Menschen Sohn ist es, Christus, der da allein nur guten Samen säet. Matthäus 13,37.

03. Dies beweist zur Übergenüge, wessen Geistes Kinder diejenigen sind, die da sagen: Was nicht von einer gewissen Stadt und nicht von einem gewissen menschlichen Oberhaupte herrührt oder wenigstens approbiert wird, ist ein Werk des Satans! – Wenn demnach des Menschen Sohn nicht tut nach dem Willen dieser Stadt, da Er es doch unmöglich tun kann, was ist Er sodann? – – – O Hure! Was treibst du mit Mir für ein arges Spiel?! – – –

04. 4. Es werden nicht alle, die zu Mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen, sondern nur, die den Willen tun Meines Vaters im Himmel. Matthäus 7,21.

04. So wird auch das Dominus tecum, das Dominus vobiscum und das Domine exaudi orationem meam, also weder das tecum, noch das vobiscum und am allerwenigsten aber das exaudi das Himmelreich bewirken! Das versteht sich von Meiner Seite betrachtet. – Ich meine aber, solches geht nur den Herrn der Welt an; – denn Ich sehe nur auf die Werke, aber nicht auf das Dominus tecum, – vobiscum und auf das leere exaudi! – – –

05. 5. Wer den Willen tut Meines Vaters im Himmel, der ist Mein Bruder, Meine Schwester und Mutter. Matthäus 12,50.

05. Daher wäre viel besser zu sagen: Amate fratres als orate fratres, wodurch das stumme Plappergebet dann als ein Werk der Liebe angesehen, alles andere Liebetun aber für nichts geachtet wird, außer allein die Rührung des Daumens und des Zeigefingers fürs Orate fratres! O das sind, das wären doch sonderbare Mütter, Schwestern und Brüder?! Wahrlich, die stehen mit Mir in gar keinem Grade der inneren Verwandtschaft! – –

06. 6. Wer Meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der Mich liebt. Johannes 14,21.

06. Das heißt: Wer die Liebe hat und bleibt in der Liebe getreu und beständig, der liebt sicher Mich und seinen Nächsten; denn das sind ja Meine Gebote, daß da die Menschen sollen Gott über alles und ihre Brüder und Schwestern aber wie sich selbst lieben. – Wie liebt aber da ein Bruder den andern, so er ihm ist Herr und ein Richter? – Wie aber kann er überhaupt lieben einen Menschen als Bruder, so er nicht zuvor den großen heiligen Vater erkennen und lieben will? Was ist ohne Den ein Mensch dem andern? Ich sage: Nichts als ein naturmäßig moralisch sein sollendes Lasttier, das da um den schlechtesten Sold dienen solle dem Reichen und dadurch auch Mächtigen, und dieser dann als ein Herr und Richter herrsche über ihn, den armen Bruder! Solche Herren und Richter aber halten doch sicher Meine Gebote nicht, so wie dann auch die moralisch sein sollenden Lasttiere nicht, da sie sind voll Ärgers, voll Neid und voll Rache gegen die, welche da sein wollen ihre Richter und ihre vollkommenen Herren über Leben und Tod. – O Greuel über Greuel! – Wahrlich, diese sollen nimmer das Angesicht des Vaters schauen im Himmel! – Und Ich werde nie zu ihnen kommen und Mich ihnen offenbaren! –

07. 7. Darin wird der Vater geehrt, daß ihr viel Frucht bringet. Johannes 15,8.

07. Was ist die Frucht, die da soll vielfach gebracht werden, worin besteht sie? – Die Werke der Liebe und aller Demut aus ihr sind diese Frucht, die da Mir gebracht werden solle. – Auf welchem Baume aber solle diese Frucht wachsen, so der ihr angehörige Baum der Liebe und des Lebens von der Wurzel aus vertrocknet und somit völlig ausgestorben ist?! – – –

08. 8. Das gebiete Ich euch, daß ihr euch untereinander liebet (Johannes 13,34),

08. aber nicht verurteilet und richtet – und dann mehr Freude habet, wenn ein Bruder, so er sich verirrt hatte, in eine gesetzliche Strafe verfällt, statt daß ihr euch seiner erbarmet und ihn setzen möchtet auf den rechten Weg. – Wahrlich, so Ich geboten hätte: Beraube einer den andern und schlage ihn dann tot, so würde solch ein Gebot sicher sehr vielen Beifall in aller Tätigkeit gefunden haben; aber nur lieben will niemand seinen Bruder und seine Schwester! O du überarge Welt! – Da wird viel des allerärgsten Feuers nötig sein, um dich von deiner Härte loszumachen! – – –

09. 9. Wenn aber das Licht, das in dir ist, eine barste Finsternis ist, wie groß muß dann erst deine Finsternis für sich sein! Matthäus 6,23.

09. Das heißt, so der Mensch schon das Falsche liebt, um dadurch einen desto freieren Spielraum für seine Bosheit zu bekommen, wie groß muß dann erst die Liebe zum Bösen selbst sein! – Sehet, das ist die gepriesene Weisheit der Welt, die aufgeklärte Vernunft: Regeln zu erfinden, damit unter ihnen der Mensch desto freier sündigen könnte! – Aber Meine Regel, welche da ist die Liebe, hält sie für läppisch und unwürdig eines Mannes, der da sein will ein vollkommener Schüler der Vernunft, welche die Liebe tadelt und Rühmliches redet über den Selbstmord! – O Welt! – O Greuel! – – –

10. 10. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen. Matthäus 5,9.

10. Wo sind wohl diese nun? Hinter den Kanonen, Schwertern und Spießen sicher nicht. – Wo aber lebt nun ein friedsames Volk, das da im Frieden der wahren Bruderliebe hinter Meinen Schutzwaffen miteinander lebte?! – Sondern, wo irgend ein Friede ist, da ist er nur aus Furcht vor den Kanonen, Schwertern und Spießen. O wie wenige leben daher nun auf der Erde, die da gerecht Kinder Gottes heißen möchten, wie wenig Selige! – Denn alles ziehet nun mit Waffen aus, entweder mit Waffen in der Hand oder mit spitzer und zweischneidiger Zunge! – Wo sind sonach die Friedfertigen, wo die Seligen, wo die Kinder Gottes?! – – –

11. 11. Wenn das Salz dumm ist, womit soll man salzen? Lukas 14,34. Matthäus 5,13.

11. Dieser Fragetext gilt vorzugsweise für die gegenwärtige Zeit, wo nahe alles Salz schal, taub und dumm geworden ist, indem man es nicht mehr aus den Bergen der Liebe gräbt, sondern es nur aus den Kloaken der Selbstsucht bereitet. Saget Mir doch, welchen Geschmack werden wohl die unreifen und unzeitigen Weltfrüchte mit diesem Salze gewürzt bekommen?! – Oder läßt jetzt nicht schon fast ein jeder Vater seine Kinder der einstig zu gewinnenden Selbständigkeit und des damit verbundenen Brotes wegen mit diesem Drecksalze ganz durch und durch salzen?! – Oh, es solle ihnen dereinst auch in Meinem Reiche Selbständigkeit für ewig in großer Fülle werden! – Auch Ich werde sie also selbständig und allein für sich zu stellen wissen, daß sich ihnen sicher nie etwas nahen wird. Denn Ich werde sie zu Statuen machen gleich dem Weibe Lots und sie dann stellen in ewig einsame verlassene Gegenden; da sollen sie ihr Salz der Selbständigkeit wahren unbeeinträchtigt für ewig! – Verstehet ihr nun das dumme Salz?! – – –

18. August 1842. Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)

12. 12. Wenn du fastest, da salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, auf daß du nicht prunkest vor den Leuten mit deinem Fasten. Matthäus 6,17.

12. Dieser vielsagende Vers taugt ebenfalls ganz besonders für diese Zeit, in der die Gleißnerei aller Art allenthalben den höchsten Gipfel erklommen hat. Einige laufen in die Kirchen, nur um als fromme Menschen gesehen zu werden und daß sie darum bei einem oder dem andern Geistlichen so recht in die Gnade kommen möchten, andere, um in der Kirche ein wenig faulenzen zu können, wieder andere, um allda in irgendeinem Kirchenwinkel mit ihren bestellten Liebhabern zusammenzukommen und sich da über eine oder die andere vorhabende Gelegenheit zu sündigen gegenseitig zu verständigen. Andere wieder, um mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin die Menschen auszurichten oder zu sehen, mit was für Kleidern dieser und jener oder diese und jene angetan sind. Ein anderer geht wieder wegen seiner frömmelnden Anverwandten, um sich dadurch bei ihnen recht in die Achtung zu setzen, damit sie ihn dann lobten und ihn manchmal auch beschenkten. Mancher geht in die Kirche, um dadurch so manchem argen Verdachte, der auf ihm rastet, zu begegnen. Der Beste geht allenfalls mit einem halben Glauben, besser Aberglauben, in das Bethaus, um sich zwar seltener von Mir, aber dennoch von irgendeinem Heiligen einen zeitlichen Vorteil zu erbitten, – aber keiner, daß er Mir die Ehre gebe! –

13. Ja, es gibt noch so manche Rücksichten, warum die Menschen in die Bethäuser rennen; nur Ich bin dabei am allerwenigsten der Grund, darum die Menschen in die Bethäuser laufen. – Siehe, das sind lauter ungewaschne Faster und haben kein gesalbtes Haupt! – Also fasten die Menschen auch wirklich nur aus Furcht vor Rom, aber aus Liebe zu Mir mag niemand fasten weder in einem noch im andern. Niemand will sich wahrhaft verleugnen, das Kreuz auf seine Schulter nehmen und Mir nachfolgen. Es will ein jeder nur scheinen, aber nicht sein, darum – da zum Weltdienste ja auch der Schein genügt. Wozu denn dann das beschwerliche Sein?! – Wozu die Salbung des Hauptes, und wozu die Waschung des Angesichtes? Denn der Welt genügt ja der Schein! – Ich bin ja ohnehin der Niemand dabei! – Doch es wird gar bald für jedermann die Zeit kommen, da die Ungewaschenen und Ungesalbten werden wie Spreu vom Weizen gesondert werden. Da wird der Schein von ihnen weichen, und in ihrer Nacktheit werden sie ins Feuer des Drachen geworfen werden. – Verstehet solches wohl!!! – – –

14. 13. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Matthäus 7,1.

14. Ich meine, dieser Verstext steht jetzt mit noch so manchen anderen gerade also im Buche des Lichtes und des Lebens wie ein fünftes Rad am Wagen! – Wer dieses etwa übertrieben finden sollte, der beliebe nur die Millionen Weltgesetze und Verordnungen durchzugehen und dann noch die zahllosen gegenseitigen bürgerlichen Rücksichten, was alles vor den Weltgerichten abgehandelt, beurteilt und verurteilt werden kann und sogar, politisch genommen, muß, – so wird ihm das fünfte Rad am Wagen so klar werden wie die Sonne am hellen Mittage. Anderer gegenseitig richterlicher Rücksichten nicht zu gedenken, da ein Mensch dem andern ein stetiger Richter ist! – Sollte Ich etwa darum solche fünfte Wagenräder von Texten aus der Schrift löschen? – O nein, das wird nicht geschehen; eher sollen Himmel und Erde vergehen, ehe Ich auch nur ein Häkchen auslösche der Bosheit der Menschen wegen! – Es werden aber eben solche Texte dereinst die Menschheit richten und werden ihr verrammen den Weg zum Leben; daher nichts mehr weiter vom fünften Rade! –

15. 14. An der Frucht erkennt man den Baum. Matthäus 12,33.

15. Auch dieser Text gehört jetzt schon mehr in das Reich des fünften Rades am Wagen. Du fragst: Ja, wieso denn? So höre denn: Es ist allerdings wahr, daß man den Baum nur an der Frucht erkennt, ob er ein guter oder arger Baum ist. Sage Mir aber, woraus man dann einen solchen Baum erkennt, der da dumm ist und keine Früchte trägt? – Oho, wie bist du denn jetzt um eine Antwort verlegen?! – Siehe, ein Baum läßt sich ja auch aus den Blättern erkennen; denn also erkannte Ich Selbst den fruchtlosen Feigenbaum, welcher da der einzige war, den Ich verflucht habe, darum er keine Früchte trug denn allein die des Scheines zur Speise der Würmer und des Moders der Erde! – Siehe, auf diesem Baume stehet mit eherner Schrift geschrieben das Los der jetzt lebenden lauen, fruchtlosen Menschheit! Verstehet alle solches! – – –

16. 15. Wessen das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Matthäus 12,34. Lukas 6,45.

16. Siehe, das ist der wahre Richter. Nur fragt es sich auch hier in dieser Zeit: Von was geht denn der Mund dann über, wenn das Herz ganz leer ist zufolge der großen Lauheit der Menschen, die sogar zum Sündigen zu träge – durch das frühere zu fleißige Sündigen – geworden sind, geschweige, daß sie etwa dazu gar noch gute Früchte tragen sollen? – Siehe, das ist nun eine ganz andere Frage! – Es heißt auch: Nach deinen Werken wirst du gerichtet werden. Das ist einerlei; wie wird denn bei denen das Gericht dann ausfallen, die gar keine Werke haben? – Ich sage dir: Alles nach dem Scheine auf die Art des oben angeführten fruchtlosen Feigenbaumes; denn was tot ist, das ist ja auch schon gerichtet, es braucht da nichts als eines Fluches zur Vertilgung all der Schmarotzerpflanzen auf den edlen Fruchtbäumen! Verstehst du solches? O ja, du verstehst es! – – –

17. 16. Ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreiche gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatze Neues und Altes hervorträgt. Matthäus 13,52.

17. Warum denn? Weil es schon also von Ewigkeit her in Meiner Ordnung gegründet ist, daß da schon aus jeglichem Samenkorne sowohl eine frische Frucht wie ebenfalls wieder derselbe Same, wie er zuvor in die Erde gesäet wurde, zum Vorscheine kommt – und ohne den älteren Baum keine neue Frucht denkbar ist. Wenn irgend etwas entstehen soll, so muß ja doch ein Grund vorhanden sein. – Also ist ja auch ein älteres Wort der Grund zu einem neueren und eine ältere Lehre der Grund zu einer neuen, wie das Vorleben ist ein Grund des Nachlebens. Solches also fasse; denn danach wird Mein Wort beurteilt in seiner Wahrheitsfülle, ob es hat den wahren alten Grund! Verstehst du solches? – Ja, solches mußt du vorerst am meisten verstehen! –

18. 17. Die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geiste und in der Wahrheit. Johannes 4,23.

18. Das heißt, lebendig durch die Werke der Liebe! Denn niemand kann sagen: Vater unser, so er durch die Werke der Nächstenliebe nicht offen aus seinem Herzen dartut, daß er alle Menschen als seine Brüder und Schwestern ansieht. Wer aber demnach die Werke der Liebe tut, der ist es, der da im Geiste und in der Wahrheit den Vater anbetet! Verstehet solches gar wohl und gar lebendig tief! – – –

19. 18. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. 2. Korinther 3,6.

19. Das heißt, es nützet dir kein Wissen und kein Glauben ohne Tat! Was nützt einem Hungrigen ein Speisezettel? Ein Stück ordinärsten Brotes wiegt für ihn eine ganze Bibliothek voll der reichhaltigsten Speisezettel und Kochbücher auf! – Daher hängt das Leben nur am Werke selbst, nicht aber an der leeren Erkenntnis des Werkes. Solches also besagt dieser Vers! –

20. 19. Die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,32.

20. Wie und wann denn? – Wenn sie wird ein lebendiges Licht in eurem Herzen, welches dem Feuer der lebendig tätigen Liebe entstammt! – Und dieses Licht kann auch nur allein mit dem vollsten Rechte Wahrheit genannt werden, – sonst aber gleicht jede mit dem Verstande begriffene Wahrheit einer gemalten Frucht, die wohl recht schön fürs Auge ist, aber für einen hungrigen Magen ist sie eine pure Fopperei und so gut wie eine barste Lüge. – Verstehet es! – – –

19. August 1842. Vormittag. (Kurze Schrifttexterklärungen, Fortsetzung)

21. 20. Wer seine Hand an den Pflug legt und zieht zurück, der ist nicht geschickt zum Himmelreiche. Lukas 9,62.

21. Die Hand ist der Wille, der Pflug ist das Wort Gottes, das Himmelreich ist das liebwerktätige Leben nach dem Worte. So da jemand das Wort Gottes zwar wohl ergreift und tut auch zur Hälfte danach, aber zur Hälfte wendet er dasselbe ins Weltliche und sagt: Solange ich in der Welt lebe, so lange auch muß ich mit ihr leben. Daher kann ich auch nicht vollends brechen mit ihr, sondern bin ihretwegen ja doch genötigt, so manches mitzumachen des Scheines halber wenigstens, damit sie nicht dies oder jenes von mir denke oder gar laut sage! Denn man kann die Welt ja nicht anders machen, als sie ist, und so bleibt einem doch nichts übrig, als mit ihr das zu machen, was man gerade nicht als absolut schlecht erkennt. Im übrigen aber kann man bei sich ja dennoch tun und denken und glauben, was man will! – Siehe, solches aber heißt ja eben die Hand an den Pflug legen und ihn zur Welt zurückziehen, um von ihr nur nicht gekreuziget zu werden! –

22. Es fragt sich aber: Wie aber wird bei dieser Ackerung der Acker für die Saat des Lebenssamens bestellet werden?! – Wahr ist es übrigens sicher, daß das Zurückziehen des Pfluges einen viel weniger Anstrengung kostet als das Vorwärtsschieben. Allein, wer solches tut, ist, wie es der Text aussagt, durchaus nicht geschickt zum Himmelreiche; denn bevor du der Welt nicht den letzten Heller, den du von ihr entlehnt hast, zurückgegeben haben wirst, wirst du nicht eingehen in das Reich der Himmel! Beachtet dieses wohl und seid vollkommene Ackerleute!

23. 21. Das Schwerste im Gesetz ist die Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Matthäus 23,23.

23. Sehet, das ist ein Hauptknoten, wer wird den entwirren, und wie? Denn strenggenommen schließt die Gerechtigkeit und die ihr fest angebundene Treue ja alle Barmherzigkeit aus, da gerecht handeln nichts anderes heißt, als dem Gesetze getreu handeln; während barmherzig sein soviel besagt, als jemandem das Gesetz erlassen. – Wie ist demnach aber das zu verstehen: Seid barmherzig, so werdet ihr auch Barmherzigkeit erlangen? – Wie kann jemand barmherzig und gerecht sein? – Ich sage euch: Nichts leichter als das; man sei gerecht gegen sich und barmherzig gegen den Bruder, so lebt man in der vollkommenen Ordnung Gottes und ist dadurch vollkommen gerecht, barmherzig und getreu. Solches ist wohl zu beachten und lebendig zu verstehen! –

24. 22. Selig ist der Knecht, wenn der Herr kommt und findet ihn (seine Pflicht) tun. Lukas 12,37.

24. Es fragt sich hier, was für eine Pflicht denn? – Nichts anderes als allein nur Meinen Willen, der da besteht einzig und allein nur in der anbefohlenen Liebe; wodurch dann im Geiste und in aller Wahrheit lebendig gebetet wird: Dein Wille geschehe! – Verstehet solches zum ewigen Leben! – – –

25. 23. Man fasset Most in neue Schläuche, so werden beide erhalten (nämlich Most und Schlauch). Matthäus 9,17.

25. Also kann das lebendige Wort auch nur in solche Herzen eingehen, welche durch die Selbstverleugnung vollends neu geworden sind. Würde es sich aber künden in den alten unratvollen und dadurch auch morschen Herzen, so würde es mit ihnen gerade das machen, was da macht der neue Most in den alten morschen Schläuchen – nämlich, daß er sie zerreißt und dann mit ihnen selbst zugrunde geht. Aus eben dem Grunde solle man auch nicht die Perlen den Schweinen vorwerfen. Solches ist ebenfalls äußerst wohl zu beachten. – – –

26. 24. Die Weisheit rechtfertigt sich bei ihren Kindern. Matthäus 11,19.

26. Also ist es treu und wahr. Aber darum sollen sich diese nicht kümmern, wenn sie von der Welt nicht verstanden werden; denn anders sind die Wege der Nacht und wieder viel anders die des Tages. Wer am Tage wandelt, der weiß, wohin er geht; aber die Gäste der Nacht rennen durcheinander wie Irrsinnige und weiß keiner, warum und wohin. – Daher solle sich der Tag nicht kümmern um das Urteil der Nacht; sondern der Tag rechtfertigt den Tag! – Solches sollet ihr auch recht wohl verstehen. – – –

27. 25. Wer da hat, dem wird's gegeben, daß er in der Fülle hat. Markus 4,25. Matthäus 13,12.

27. Das scheint fast wie eine Ungerechtigkeit; aber dem ist nicht also. Denn es heißt ja nur soviel als: So jemand seine kleine Kraft geübt hat und kann nun größere Lasten tragen, der wird dadurch nicht schwächer, sondern nur fortwährend stärker. – Wer aber seine kleine Kraft nie hatte üben wollen, der wird alsobald noch diese Kraft verlieren, sobald er sie verwenden wird zur Tragung einer wenn auch noch so geringen Last und wird gar bald erschöpft hinsinken in den vollen Tod. Daher auch übet ihr beständig all die Kräfte des Geistes, so wird er einst in der Fülle der ewigen Lebenskraft dastehen und wird auf seinen Schultern die größten Lasten Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung gar wohl zu tragen imstande sein. Also wird dem, der da hat, gegeben in der Fülle; wer aber nicht hat, der wird aber auch noch das verlieren, das er hatte von seinem Grunde aus. Verstehet ihr solches? – Ja, solches müßt ihr wohl verstehen! – – –

28. 26. Johannes sagte zu Mir: Meister, wir sahen einen, der trieb Teufel in Deinem Namen aus, welcher uns aber nicht nachfolgete, und wir verboten es ihm darum, daß er uns nicht nachfolgete. Jesus aber sprach: Ihr sollet es ihm nicht verbieten; denn es ist niemand, der da eine Tat tue in Meinem Namen und möge bald übel reden von Mir. Lukas 9,49.50.

28. Dieser Text sei dir allzeit eine Schutzwehr gegen alle Angriffe der Welt! – Denn wer nicht wider Mich ist, der ist für Mich. Solches wirst du wohl verstehen? – Nur eines tut not, und dieses eine ist Mein Salz und Mein Friede in euch! Verstehet es alle wohl Amen. Das sage Ich Jesus allzeit getreu und wahrhaftig Amen, Amen, Amen.

Über Matthäus 6,34. – 18. September 1842, nachmittags um 3 Uhr.

„Darum seid nicht besorgt für den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird besorgt sein für das Seine. Genug, daß jeder Tag seine eigene Plage habe.“

01. Also schreibe! – Dieser Text hat zwar zunächst nur eine natürliche Bedeutung; aber dessenungeachtet hat er dennoch einen tiefen himmlisch-geistigen Sinn, also wie jedes Wort, das aus Meinem Munde geflossen ist, da er auch aus Meinem Munde geflossen ist. –

02. Was sonach dieser über alles zu beachtende Text in der natürlichen Hinsicht besagt, das lehrt dessen Buchstabensinn. Was er aber in himmlisch-geistiger Weise fasset, das ist endlos groß, und es wird euren Geist eine tüchtige Anstrengung kosten, nur einen kleinsten Teil desselben halbwegs zu erfassen!

03. Ihr werdet sagen: Wie kann solches wohl möglich sein? – Denn wir haben ja doch schon so manches Schwere begriffen, – wie sollte denn gerade das also unbegreiflich sein?! – Ich aber sage: Nur Geduld! Einige kleine anspielende Proben werden euch davon alsogleich überzeugen, wie schwer der himmlisch-geistige Sinn dieses Textes zu erfassen ist für jene, welche noch nicht völlig in den Himmeln sind! –

04. Es gibt zwar noch viele solche Texte, aber dieser gehört zu den schwersten, weil er pur die allerhöchste Weisheit zum Grunde hat. – Also – zur Probe:

05. „Sorget nicht!“ heißt soviel als: Weissaget nicht. „Für den morgigen Tag“ heißt: für die allerhöchste Weisheit des ewigen Geistes aus Gott. „Denn der morgige Tag wird für das Seine sorgenö, das heißt: diese Weisheit benötigt keines Helfers. – „Es ist genug, daß da jeder Tag seine eigene Plage hat!“ Das heißt: Es genügt euch, daß da jedem mit der Liebe zum Vater erfüllten Geiste ein wohlgemessener Teil der Weisheit nach der Stärke seiner Liebe gegeben ist!

06. Solches aber ist der leichter zu fassende Sinn. Aber höret nun einen andern, der also lautet: Kümmert euch nicht um die Fülle künftiger Ewigkeiten, denn sie sind schon erfüllt in Meinem Geiste; es ist genug, daß vor euren Augen die Gegenwart unendlich ist! –

07. Sehet, dieser Sinn ist schon schwerer zu fassen in seiner Fülle. – Wir wollen aber die Bedeutungen noch tiefer verfolgen; und so achtet ferner, was alles der Text besagt.

08. Solches aber besagt er ferner: Die Liebe trage keinen Kummer um die Weisheit; es ist genug, daß sich die höchste Weisheit um die Liebe kümmert; denn die Liebe ist ja der Grund aller Weisheit! – Sehet, das ist in der innersten Tiefe schon wieder schwerer zu erfassen.

09. Ferner: Das Leben frage nicht nach dem Tage des Todes, denn der Tod sorgt schon für seinen Tag; euch aber genüge der Tag des Lebens! – Sehet, das ist schon wieder um vieles tiefer!

10. Wir aber wollen noch tiefer dringen, und da lautet es: Brennet nicht am Tage das Öl in der Lampe, denn der Tag hat seine Leuchte; aber in der Nacht lasset das Öl nicht ausgehen und plaget euer Herz mit dem Schimmer der Lampe, damit in ihm nicht ausgeht die Leuchte zum Tage des Lebens! – Sehet, um wie vieles tiefer und schwerer schon wieder dieser Sinn liegt!

11. Aber gehen wir nur noch etwas weiter, es wird schon noch besser kommen; und also heißt es ferner: Ein freies Wort suche nicht sein Wesen, denn Wort und Wesen sind Eins; es ist aber ja ohnehin jedem Worte sein Wesen eigen! – Verstehet ihr solches in der Fülle?! Solches wird wohl schwerhalten!

12. Aber höret nur noch weiter! – Eine Gabe ist gerecht, wenn der Geber ein weiser Geber ist, seid daher nicht um die Gabe, sondern um den Geber besorgt; denn durch den Geber wird die Gabe geheiligt! – Sehet, das ist schon wieder um vieles tiefer!

13. Ich will euch aber noch einen tieferen Sinn geben, damit ihr daraus die endlose Tiefe erschauet, welche in diesem Texte steckt; und so vernehmet denn noch, denn also lautet es ferner: Wollet nicht Richter sein am großen Rade der Unendlichkeit, denn es ist genug, daß da ein ewiger Richter ist; euch aber ist gegeben ein eigenes Rad – sehet, daß dieses im Geleise des Lebens verbleibt! –

14. Sehet, also birgt bei solchen Texten immer ein Sinn den andern ins Unendliche fort, und jeder enthüllte Sinn hat wieder in sich, das heißt an und für sich wieder Unendliches. Darum kann ein solcher Text mit Recht schwer faßlich genannt werden, weil dessen Fülle unendlich ist.

15. Daraus aber kann auch eben die reine Göttlichkeit und die große Wichtigkeit solcher Texte erkannt werden, wenn sie solch Unendliches in sich bergen! –

16. Aus dem Grunde sollet ihr auch nicht die leichten Texte für leicht nehmen; denn je offener irgend der Buchstabensinn sich ausspricht, desto tiefer liegt der geistig-himmlische Sinn. Daher sollen solche Texte aber auch sorglichst selbst dem Buchstabensinne nach beachtet werden, damit durch sie der Geist lebendig werde für die Tiefen der Himmel! Solches bedenket überaus wohl – und Wer Der ist, der euch solches rät durch den Knecht, Amen. –

Das Gebet des Herrn. – 19. September 1842, Vormittag.

01. Schreibe heute einen würdevollen Gegenstand, nämlich den Anruf in Meinem Gebete, der da lautet:

02. Vater unser, der Du bist in dem Himmel!

03. Solchen Anruf machen nun täglich Millionen Menschen, aber nur sehr wenige darunter bedenken, was sie damit sagen, und noch wenigere darunter beten solches im wahren himmlischen Sinne; und doch sollen sie ja solches im himmlischen Sinne beten, indem der Vater im Himmel ist, zu dem sie beten.

04. Wie lautet aber demnach dieser Anruf im himmlischen Sinne? Es ist hier nicht der Ort, diesen Sinn durch Entsprechungen analytisch zu zerlegen, sondern zur Stelle will Ich euch nur in der rein himmlisch geistigen Weise zeigen – und zwar mit den natürlichen Worten, weil ihr des Geistes Sprache nicht verstehet –, wie solches aus dem Munde reinster Geister lautet. Und so höret denn, also lautet es:

05. Ewige unendliche Liebe, die Du wohnest im Lichte Deiner Heiligkeit!

06. Das ist eine Weise und ein Sinn! Aus diesem aber geht folgender noch tiefere Sinn hervor, und dieser lautet also:

07. Leben alles Lebens, das da wohnet in unseren Herzen!

08. Sehet, dieser Sinn liegt schon wieder tiefer! – Wir wollen aber noch weiter sehen, was da hinter diesem noch Tieferes steckt. Und so höret denn, also lautet es tiefer:

09. Mensch der Menschen, der Du im Menschen wohnest!

10. Sehet, um wie vieles tiefer schon wieder dieses ist! – Aber höret nur weiter, wie es wieder tiefer lautet:

11. Wort alles Wortes, das Du wohnest in Deinem Grundwesen, und wir in ihm, und dasselbe in uns!

12. Um wie vieles tiefer liegt schon wieder dieses! O beachtet solchen Sinn, denn in ihm wohnt die Fülle des Heiligen Geistes! – Höret aber nur weiter und tiefer, denn allda lautet es also:

13. O unbegreifliche Mitte der Unendlichkeit in aller Liebe, Kraft, Macht, Gewalt und Heiligkeit, die Du allein umfassest Dein endlos Wesen!

14. Weiter höret es mit offenem Herzen; allda lautet es:

15. Ewiger unbegrenzter Gott, der Du wohnest im Geiste Deiner unendlichen Fülle und Klarheit!

16. Sehet, welche Tiefe hier waltet, und doch hat diese auch selbst hier noch kein Ende, sondern die Tiefen der Tiefen steigern sich auch hier ins Unendliche, so daß ein jeder noch so allervollkommenste Engel stets einen neuen und tieferen Anfang darinnen erschauet, und sieht auch, daß da in jedem tieferen wieder an und für sich Unendliches liegt, welches in alle Ewigkeit nicht in der Fülle wird erfasset werden!

17. Nun denket aber einmal über euch, so ihr diesen Anruf samt den darauf folgenden Bitten oft genug ganz maschinenmäßig herplappert, was sich dabei wohl die Engel denken müssen, die da gar wohl wissen und einsehen, daß sie mit dem alleinigen Anrufe in Ewigkeiten nicht fertig werden können in der Tiefe der Tiefen, – und was dann erst Ich, auf den dieser Anruf gerichtet ist?! – O ihr noch stark Toten, daß euch solches noch nie eingeleuchtet hat!

18. Wachet nun auf, und rufet im Geiste und in der Wahrheit: „Vater unser, der Du bist in dem Himmel!“ – so werdet ihr das Leben finden in der Tiefe wie in der Höhe; denn in diesem Anrufe selbst liegt ja schon das ganze Gebet, und gleichet jede Bitte demselben.

19. Daher denket in Zukunft, was und wie ihr betet, so wird euer Gebet erhört werden! Solches also verstehet wohl für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten Amen. – – –

Folge Mir, willst du leben! – 17. Dezember 1842. Vormittag.

01. Solches magst du dem N. N. kundgeben aus Meinem Munde: Mir ist überaus ärgerlich zu sehen, so ein Mann des Weibes Wort über sich kommen läßt. Wer sein Weib, seine Kinder, ja sogar seine Eltern mehr liebt denn Mich, der ist Meiner nicht wert! – Wie magst du Mich aber wollen mit der Welt einherziehen? Bin Ich nicht mehr denn alle Welt? – Wie kann dir noch der Welt Unflat behagen, so Ich dir Kost aus allen Himmeln darreiche? – So Ich dir rate und die Welt dir rät und du folgst dem Rate der Welt, was bin Ich da wohl dir? Siehe, entweder einer, der nicht ist, – oder einer, dem nicht zu trauen ist, also ein Lügner!

02. Wenn Ich dir helfen will, da muß Ich dir, wie jetzt, den Dreck der Welt segnen, damit du nicht verderbest! Ist solches aber auch löblich von dir? – Und doch läßt du Mich stets also handeln mit dir und zwingst Mich, für dich aus der Welt Dreck heilsames reines Gold zu machen!

03. Du weißt wohl, wie gut und langmütig und geduldig Ich bin, so tust du solches. Aber Ich sage dir, auf diesem Wege wirst du wenig lebendige Schätze finden, denn siehe, Ich dulde gar vieles; aber glaube es Mir, in dieser Meiner Duldung ist gar wenig Leben vorhanden!

04. Ich dulde auch dein Weib, das Mir ärgerlicher ist denn Iskariot, aber es ist trotz dieser Meiner Duldung gar lange vom Grunde aus tot, – und dennoch magst du sein Wort über dich erheben lassen und in großer Furcht sein Meinetwegen vor ihm! – O siehe, was das für Dinge sind!

05. Ich sage dir aber nun: Habe acht, daß Mir dein Weib nicht schade! Werde ein Mann und kein Weichling deines Weibes! Wende gänzlich ab dein Angesicht von ihrem Weltgotte und verberge wohl Meine Sache vor des Weibes und aller deiner verdorbenen Kinder Augen, – sonst wird sich aus der Brust des Weibes ein Orkan erheben, der Meiner Sache bedeutend nachteilig sein könnte und Mich endlich nötigen würde, einen gewaltigen Strich durch ihre Rechnung zu machen! –

06. Du bist am Scheidewege – also zwischen Mir und der Welt. Du hast den freien Willen – folge Mir oder der Welt! Bis jetzt bist du der Welt gefolgt und hattest Meinen Rat, nun aber hast du der Welt Rat, so folge Mir, willst du leben! Verstehe es wohl amen. – –

Mein Rat ist kein Gebot und zwingt niemanden. – 16. Januar 1843, abends.

Auf eine Anfrage Ans. H. wegen Übersiedelung.

01. Also sage Meinem Freunde, darob er sich fragend an Mich gewandt hat: Mein Rat ist kein Gebot und zwingt daher niemanden zu irgendeiner Handlung; aber dessenungeachtet soll ihn der, dem er zuteil ward, nicht zu leicht nehmen, wenn er wahrhaft glücklich fahren will.

02. Ich habe schon zu mehreren Malen Mein gerechtestes Mißfallen über alles Stadtleben in jeglicher Hinsicht dargetan. Ich habe gezeigt, wie die Städte nun bereits ohne Ausnahme im vollkommensten Antichristentume leben und nirgends mehr in denselben etwas anderes wohnt als: Eigenliebe, Geiz, Neid, Betrug aller Art, Hurerei aller Art, Geilheit, Sinnlichkeit, Wucher, Fraß, Völlerei, Verderbtheit aller besseren Sitten und überhaupt aller Art Laster unerhörter Weise!

03. Was ist da wohl natürlicher, als daß Ich von solch einer gemeinschaftlichen Wohnstätte alles Lasters Mein Angesicht gar ehest wegwenden werde, ja ganz gewiß völlig wegwenden werde, und werde ein starkes Gericht über solch eine Satanswohnung ergehen lassen! – Ob es da geheuer sein wird zu bleiben, das magst du, Mein Freund, nun selbst beurteilen!

04. Daher sage Ich dir: Ziehe dich gar ehest der Stadt entlang, verlasse die Wohnung des Lasters, denn Ich will sie gar ehestens heimsuchen mit großer Teuerung, mit großer Finsternis will Ich sie schlagen und will sie ganz in alle Hurerei übergehen lassen, auf daß sie ersticke im Schlamme der Nacht und ihres Mir gar ärgerlichsten Weltlebens.

05. Also rate Ich dir, aus der Stadt zu ziehen; aber Ich gebiete es dir mitnichten. Ich meine aber, so jemand von Mir weiß, daß es in einem Hause darum nicht mehr geheuer ist zu verbleiben, da ihm der nahe Einsturz drohe, so ist er ein großer Tor, wenn er dem Rate Dessen nicht folgen will, der es nur zu gut weiß, welch eine Bewandtnis es mit dem Hause hat!

06. Also führte Ich ja auch das israelitische Volk aus Ägypten, denn Ich wußte es ja, wie es mit diesem Lande stand. Also mußte Lot aus der Stadt, denn Ich wußte es, wie es mit der Stadt stand. Also ließ Ich die Meinen auch alle eher aus Jerusalem entfliehen, als Ich sie richtete, diese alte Ehebrecherin.

07. Siehe, also ist allezeit Mein Rat beschaffen; wer ihn befolgt zur rechten Zeit, der wird vom Gerichte nicht gestreift werden, – denn dieses wird kommen wie ein Blitz ganz unerwartet!

08. Aber du fragst: Wohin solle ich – Dir, o Vater, wohlgefällig übersiedeln? – Ich sage dir nicht: Siehe, dahin oder dorthin! Dahin du den Sinn hast, dahin ziehe auch, und Ich werde, dich segnend, bei dir sein und ziehen mit dir! – Ob das Land Kärnten das rechte ist, frage nicht; so du aber dahin ziehst, werde Ich bei dir sein.

09. Aber im Steierlande sollst du dich nicht leichtlich irgendwo ansiedeln, dessen Herz die Stadt ist, da du wohnst; denn wie das Herz, so auch der Leib!

10. Kärnten, die Schweiz und Württemberg aber sind noch immer die besten Lande. Tirol wäre auch so übel nicht, wenn die Täler nicht so voll der Nacht wären, – aber besser ist es um vieles denn die Steiermark und andere Lande Österreichs. Darum will Ich es auch noch verwahren eine Zeitlang vor der kommenden Pestilenz!

11. Was aber sollst du deinen reichen Anverwandten sagen, so sie dich fragten, warum du solches tätest? – Fürs erste bist du ein Herr deines Willens und kannst tun, was du willst; fürs zweite aber ist es besser, auf Mich denn auf die Verwandten zu hören! – Lasse den Toten den Toten begraben, du aber folge Mir!

12. Zur Zeit aber, wann du Meinem Rate zu folgen gedenkest, werde Ich es dir schon buchstäblich geben, was du zu sagen hast, und es wird dich niemand hindern an deinem Mir wohlgefälligen Unternehmen. Verlängere aber nicht zu sehr den Termin; denn Mein Geschütz ist geladen und wohlgerichtet!

13. Ich werde aber auch Meine anderen Freunde beschützen. Wie? Das weiß Ich! – Also beachte diesen Rat, so du willst amen. – –

Dr. David Friedrich Strauß. – 18. Januar 1843, abends.

01. Siehe, solches ist vorderhand nötig zu wissen, was der Mann ist, da es sich darum handelt, diejenigen Texte Meines Buches näher zu bestimmen, an denen ebendieser Mann den widersprechenden Anstoß nimmt und die Ungöttlichkeit Meines Wortes zu beweisen strebt.

02. Es gibt wohl derlei Texte noch in großer Menge in Meinem Buche, die der Mann als Waffe gegen Mich gebraucht. Allein wir werden an den Texten, welche schon vorbereitet daliegen, zur Genüge haben, um das Wesen unseres Gegners ganz zu erschauen und somit auch seinen großen Irrtum.

03. Du aber fragst: Wer ist Strauß, und warum tut er solches? – Also merke, Ich will es dir kundtun!

04. Strauß ist ein Prophet der Zeit und ein Prophet der Welt; ein Baumeister ist er, der aus Edelsteinen ein großes Gebäude auf dem Flugsande der Welt – ja ein solches Gebäude erbauen will, das da der Ewigkeit trotzen soll. Aber welch ein Widerspruch, welch eine Torheit das ist, das wird sich eben aus den nachstehenden Texten gar klärlich dartun. – Der Mann wird sich verbauen, er wird seine Torheit einsehen; wenn da kommen werden Regen und Winde, so wird sein Prachtgebäude untergehen! Aber auf dem Sande werden dann viele Sucher die edlen Steine finden, werden sie tragen auf die Felsen und werden aus ebendiesen vorgefundenen Edelsteinen unter Meiner Leitung ein solches Prachtgebäude aufführen, welches dann allen ewigen Zeitenstürmen trotzen wird!

05. Siehe, also mußte auch ein Strauß kommen, einer der größten Gegner Meines Wortes, darum Mein Heiligtum bis zum letzten Häkchen möchte bekämpft werden und möchte der Nacht die äußerste Grenzlinie bestimmt werden, auf daß nun alle gelehrte Welt erschaue, wie groß da ist der Horizont ihrer Erkenntnisse, und sie gründlich und buchstäblich sage: Bis hierher und nun nicht mehr um ein Haar weiter! – Also ist Strauß ja auch ein notwendiger Prophet!

06. Es gibt aber schon eine Menge Sammler der Edelsteine auf dem Flugsande dieses Propheten, und es steht schon nahe vollendet ein anderes Gebäude auf einem starken Felsen! – Daher lassen wir diesen Mann in seiner Sphäre; er ist uns nötig, denn er streut zuvor den Samen der Nacht aus. Dieses Unkraut wird gesammelt werden und soll verbrannt werden auf unserem Acker, damit dieser durch dessen Asche gedüngt werde auf das vorteilhafteste.

07. Nun wirst du hoffentlich wissen, wer der Strauß ist und warum er solches tut! Da du aber nun solches weißt, so ärgere dich nicht seinetwegen, denn auch er ist ein Arbeiter für Mich und muß es sein, weil er es sein muß! – Verstehe solches sonach gar wohl amen.

20. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. 4. Buch Mosis, 22. Kapitel, Verse 28-30 ff.

08. Wer mag dieses Bild wohl verkennen? – Wer ist der Prophet Bileam? Und wer seine ihn zuvor allzeit willig tragende Eselin?

09. O wie klar liegt solches doch vor jedermanns Augen, und doch mag es niemand recht erkennen! – Siehe, Bileam bezeichnet alle naturmäßige Gelehrtheit der Welt, und die Eselin bezeichnet die Natur, auf welcher alle diese Gelehrten reiten.

10. Solange die Gelehrten diese Eselin reiten, ihres weltlichen und eigentlich naturmäßigen Zweckes willen, da ist dieses Lasttier stets geduldig. Wollen sie aber auf diesem Lasttiere schmählich sich in das innere geistige Heiligtum wagen, da wird diese Eselin stätig. Und so sie solches mit Gewalt erzwingen wollen, so wird die Eselin auch sogleich redend und spricht: Was habe ich euch getan, darum ihr mich also mißhandelt und wollet von mir erzwingen, was da unmöglich ist?! – Ihr möget mich ja zerstören und zu Atomen zermalmen, so werdet ihr es über mir doch nicht um ein Haar weiterbringen; denn nicht ich, sondern die Kraft Gottes stellt sich hier euch entgegen und läßt euch nicht weiter, weil ihr tut, was da ist wider Seine göttliche ewige Ordnung! – Ist es nicht also?

11. Was tut Strauß oder der allereigentlichste Prophet Bileam dieser Zeit? – Er reitet eben auf dieser Eselin, um Mich vor Meinem Volke zu verdächtigen allerorts. Er will das Lasttier, die naturmäßige Erde, zwingen, daß sie ihm dazu dienen solle, auf daß er Mich und alle Meine Offenbarung zugrunde richte! – Aber dieses sonst geduldige Lasttier spricht zu ihm: Bis hierher und um kein Haarbreit mehr weiter! – So du aber verkündigen willst die Ehre Gottes, so werden dir die Augen aufgetan werden, und dein Lasttier wird dich tragen dahin, da du reden wirst von deinem Lasttiere das Wort Gottes und wirst verkündigen Seine Ehre! –

12. Bileam verstand sein Lasttier, – aber Strauß, der große Gelehrte, versteht es noch nicht! – Er wird es aber auch so lange nicht verstehen, solange er ein naturmäßiger Reiter des naturmäßigen Buchstabens bleiben wird. Wenn er aber bedenken möchte, daß die Natur in sich auch noch ganz andere Kräfte birgt, welche von keiner äußeren Form enthüllt werden können, so dürfte es ihm dann ja auch wohl klar werden, daß da hinter der Buchstabenform des Wortes Gottes auch wohl sicher noch etwas anderes verborgen liegt, als allein die für ihn ersichtliche tote Form!

13. Ich meine aber, es wird auch für ihn noch einmal die Zeit kommen, wo er sein stätiges Lasttier gleich einem Bileam verstehen wird! Verstehet ihr nun solches? – – –

21. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. Das Buch Josua, 10. Kapitel, Verse 12-14.

14. Wenn so manche Gelehrte mit der Eselin Bileams besser umzugehen verstünden, so würde dieses geduldige Lasttier ihnen auch hier den gehörigen Aufschluß gar verständlichst redend geben, – aber dieses Tier ist nun unter dem gar groben Knittel des neuen, allereigensinnigsten Propheten sogar maulstätig geworden und läßt sich lieber zu Tode abknitteln, als das Maul aufzutun!

15. Ich aber frage: Wer hat denn die Sonne und den Mond und die Erde gemacht? – Und wer hat ihnen die Bewegung gegeben? – Wer hat alle diese Gesetze in die Weltkörper gelegt? Ich setze aber den Fall, ein solcher gelehrter Prophet käme in die Werkstätte eines Mechanikers, der da gerade das Pendel einer astronomischen Uhr auf eine dem Gelehrten noch unbekannte Weise eine Zeitlang zum Stehen brächte, da meine Ich, es könnte wohl nichts Alberneres geben, als so der Gelehrte zum Mechaniker sagte: Freund, wie kannst du solches tun und magst das eigentlich sich bewegende Pendulum nicht da zum Stillstande bringen, wo es sich zumeist bewegt, sondern greifst dafür nur ganz geheimnisvoll in das bei weitem ruhigere Werk und bringst also auf eine mir unerklärliche Weise das eigentlich sich bewegende Pendulum zum Stillstande?! –

16. Was würde der Mechaniker einem solchen allwissend sein wollenden Gelehrten wohl für eine Antwort geben? Besonders, wenn dieser ihm darob alle mechanische Kenntnis wollte streitig machen, da der Mechaniker einen dem Gelehrten völlig unbekannten Kunstgriff tat, um das Pendulum zum Stillstande zu bringen. – Er würde den Gelehrten entweder mitleidig bedauern oder würde ihm die Türe weisen! Ich meine aber, so gut der Mechaniker sein Werk kennt, so gut werde Ich wohl auch das Meine kennen und kann daher gar wohl in die Sonne greifen und dabei aber dennoch das sich um die Sonne bewegende Pendulum Erde auf eine Zeit zum Stillstande bringen, ohne daß dadurch die andere Schöpfung nur im geringsten beirrt wird.

17. Es heißt aber ja im 14. Verse: „Und es war niemals zuvor und darnach ein so langer Tag gewesen, als da der Herr der Stimme eines Menschen gehorchte; denn der Herr stritt da für das israelitische Volk.“

18. Heißt aber das nicht soviel als: Der Herr tat in Seiner Schöpfung der Unkenntnis mit der Ordnung der Weltkörper eines Menschen Genüge und erfüllte in der Erscheinlichkeit den Wunsch eines Menschen, der nicht wußte, was er sprach!

19. Ich meine aber, wenn der neue Bileam alles so schlecht aus Meinem Worte für Mich bemessen kann, da könnte er ja auch also messen, wie Ich es jetzt gezeigt habe?! – Ja, er könnte es wohl, aber sein Lasttier ist stätig geworden; darum ist er auch blind in Meiner Sphäre! –

20. ‚Sonne‘ aber bezeichnet auch die Weisheit und der ‚Mond‘ die Liebe!

21. Allein Strauß nimmt ja nichts Geistiges an; daher wollen wir ihn auch mit dem inneren Sinne dieser Texte verschonen! Verstehet solches also auch ihr wohl, selbst im Sinne des Buchstabens amen. –

23. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. 2. Buch Mosis, 11. Kapitel, Vers 2, und 12. Kapitel, Vers 36.

22. Hier frage man den gelehrten Mann, woher denn die Könige und Fürsten das Recht haben, Steuern von ihren Untertanen zu verlangen und woher die Priester den Zehnten? – Warum soll der rechte Staatsbürger denn geben dem Kaiser, was dessen ist, und Gott, was dessen ist? Warum heißt es denn: Seid der weltlichen Macht untertan; denn es besteht nirgends eine Macht, außer in Gott. So aber einem ist Macht gegeben, so ist sie ihm ja aus Gott gegeben, mag sie nun so oder so beschaffen sein! – Wie mag demnach solches wohl den Mann beirren?!

23. Ich meine aber, daß das, was der Herr tut und getan hat, doch recht getan sein sollte, indem der Herr doch sicher ein vollkommener Herr ist und somit ganz allein der vollkommenste Inbegriff allen Rechtes über alle Dinge und über alle Seine Geschöpfe?! – Sollte etwa dagegen der Mann auch etwas einzuwenden haben? So ein Nachbar zum andern sagte: Freund! Ich verlange von dir jährlich ein Drittel deiner Ernte! – Was wird da der Nachbar wohl sagen? – Ich sage, er wird dem also Fordernden gar übel begegnen und wird ihn gar ernstlich fragen: Mit welchem Rechte verlangst du solches von mir?! Ziehe ab mit solcher Forderung, so du von mir nicht willst verderbet werden!

24. Wenn aber der Monarch ein Gebot veröffentlichen läßt, das da lautet: Ein jeder meiner Untertanen muß mir künftighin die Hälfte seiner Ernte abtreten; wer sich dagegen sträuben wird, der solle als ein Meuterer behandelt werden, und wer da nichts geerntet hat und hat doch Haus und Grund, dem solle alles weggenommen werden, damit ich zu meiner Hälfte komme! – warum spricht denn hier der Untertan nicht also, wie er ehedem gesprochen hatte zu seinem Nachbarn? Du antwortest: Weil solches der mächtige Landesherr gebietet.

25. Gut – so aber der Landesherr durch seine Macht ein Recht hat, sein Volk unmäßig zu besteuern, und es getraut sich niemand, ihm ein solches streitig zu machen, da es in brüderlich menschlicher Hinsicht doch offenbarst ungerecht ist, allda ernten zu wollen, wo man doch ewig nie einen Kern ausgestreut hatte, – da meine Ich, daß dem Schöpfer aller Dinge doch eher ein Recht zukommen dürfte, den Israeliten zu sagen, daß sie das Gold und Silber der übermütigen Ägypter nehmen sollen, indem sie ehedem diesen gar lange haben fronen müssen, als da ein Feldherr das Recht hat, eine eroberte Stadt zu plündern?! – Daher möge sich der Mann über Meine ewigen Alleinrechte eher besser bescheiden lassen und dann erst urteilen, ob Meine Führungen göttlich oder nicht göttlich sind! –

26. Übrigens besagen aber die goldenen und silbernen Gefäße auch noch ganz etwas anderes, – allein solches ist nicht für unseren Mann, daher bloß nur das Schwert des Buchstabens Amen! – – –

25. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. 2. Brief an die Korinther, 11. Kapitel, Verse 13-15.

27. Solches ist auch gut für die Dr. Strauße.

28. Siehe, kurzweg gesagt, ist auch gut gesagt! – Strauße, alle gewinnsüchtigen Priester, je höheren Weltranges, desto ärger, und das von was immer für einer Konfession, dann alle eigennützigen und dadurch herrschsüchtigen Gesetzgeber und Machthaber nach demselben sind lauter solche Afterapostel und gar sehr betrügende Arbeiter in Meinem Weinberge. Gestalten sie sich auch von außen, als wären sie Meine Apostel, so sind sie aber dennoch nichts anderes als reißende Wölfe in Schafspelzen – oder noch mehr verdolmetscht: sie sind Satane, die sich eines sichereren Fanges wegen zu äußeren Engeln des untrüglichen Lichtes gestalten. Und es ist dann ja auch nichts Sonderliches, daß die Diener in der Sphäre ihrer auszuübenden Gerechtigkeit gleich sind ihren Herren! – Ich aber sage: Ihr Lohn wird sein nach ihren Werken!

29. Wer aber ist besser aus dem Terno? – Siehe, Strauße sind besser bei sich, denn die Priester und Gesetzgeber; denn Strauße verlangen nichts für ihr Licht und für den angerichteten Schaden, die andern aber verlangen dafür noch einen mächtigen Tribut!

30. Wer da Arges tut, ohne das Arge zu sehen, der ist nur ein blinder Führer des Blinden, und sein Gericht wird mäßig sein. Wer aber da sein will ein Sehender und führt den Blinden ins Verderben, tötet ihn und beraubt ihn dazu noch seiner kleinen Habe – das wird etwa doch wohl ein arger Satan sein?! –

31. Ich meine, dieses Wenige mag dir wohl genügen, denn es ist leicht zu fassen, wie Ich es meine! – O Priestertum, o Gerechtigkeit! Du große Trübsal der Welt bis ans nahe Ende! Dein Lohn wird groß sein amen. – – –

26. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. Evangelium Johannes, 7. Kapitel, Verse 3-5.

32. Solches taugt für das Prophetentum des Dr. Strauß.

33. Siehe, so der Herr nicht tut nach dem Sinne, besser Unsinne der Menschen, so mag niemand an Ihn glauben. – Sagen nicht auch jetzt die Brüder, mehr als zu Meiner Zeit, zu Mir: Mache Dich auf von dannen, ziehe nach Judäa, auf daß auch die Jünger sehen die Werke, die Du tust! – Wer tut denn etwas im geheimen, so er will offenbar werden? Du tust aber solche Werke, so tue sie vor der Welt, auf daß auch Deine Jünger glauben an Dich!

34. Wer sind denn die Brüder? Ein jeder, der an Mich glaubt und hört Mein Wort, der ist Mein Bruder; denn auch Ich habe ja das Menschliche darum angenommen und wollte daher und daraus geboren werden, daher und daraus ein jeder andere Mensch geboren wird.

35. Glauben diese Brüder aber völlig an Mich? – Nein, sie glauben nicht! – Warum glauben sie aber nicht? – Weil Ich ihnen als Gott und Schöpfer wollte ein wahrer Bruder sein, und weil Ich als solcher nicht tue nach ihrem Unsinne, darum Ich die höchste Weisheit bin von Ewigkeit! –

36. Was verlangen aber dennoch die Brüder von Mir? – Sie verlangen, daß Ich Mich als Gott vor allen Schweinen der Welt manifestieren solle! Und tue Ich solches nicht, so wollen sie Mir nicht glauben und sagen: Was solle es da mit solch einem Gott, der sich nicht ans Tageslicht getraut und zieht sich beständig zurück wie der Fuchs in sein Geschleif? Sind denn nicht alle Menschen Seine Geschöpfe? – Warum treibt Er denn Sein Wesen nur mit Einzelnen und achtet der Gesamtheit nicht? – Warum geht Er denn nicht dorthin zu den Mächtigen, zu den Hohenpriestern, die Er doch bis jetzt im Wohlstande geduldet hat, sondern schleicht wie ein Furchtsamer in den verborgenen Schlupfwinkeln herum, macht da Fischer und allerlei anderes nichtssagendes Sündergesindel zu Seinen Freunden und Brüdern und will wirken mit ihnen? Aber diejenigen, die Er unter Donner, Blitz und Erdbeben unter Moses zu Seinen Dienern gemacht hat, läßt Er nun sitzen, verachtet sie wohl gar, schimpft über sie und weicht ihnen aus, wo Er nur kann! –

37. Sehet, das ist der alte Vorwurf, und Strauß samt der ganzen ungläubigen Welt machen Mir stets den gleichen Vorwurf! Und dennoch will Ich Mich nicht ändern – findet ihr das nicht sonderbar? – Ich rede mit einem aus euch, ja mit einem Sünder beständig und mag mit den anderen nicht reden – ist das nicht wieder sonderbar? – Mir sind die armen Lumpen lieber als die honetten Reichen, die da sind eine wahre Weltehre und Glanzzierde! – Ist das nicht sonderbar? – Mir ist die Magdalena lieber als die züchtigste Klostervestalin! – Ist das nicht sonderbar?

38. Ja, es gäbe noch eine Menge solcher Sonderbarkeiten, aber was nützt es, darüber zu räsonieren, so Mir ein Kind lieber ist als der gelehrteste Strauß! Ich bin denn einmal also und nicht anders. Wem Ich so nicht zusage, der soll Mich anders machen, wenn Er kann. Ich aber werde schon für ewig so in dieser Verfassung verbleiben. Warum? Weil es Mir gerade so am besten gefällt. –

39. Solches verstehe ein jeder Strauß amen.

27. Januar 1843. Vormittag. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

Die Welt und der Zeitgeist.

00. Daniel, letzte Zeit, der Antichrist, 11. Kapitel, ins 12. Kapitel übergehend, Verse 37 und 38.

40. Auch hier wollen wir uns kurz fassen und zeigen mit wenigen Worten, wie es mit der Sache steht. Wer ist der König und wer der Gott ‚Mäusim‘? – Der König ist die Welt, und der Gott Mäusim ist der sogenannte Zeitgeist! – Wieso denn, sagest du. – So sehe denn hin und urteile selbst, ob es nicht also ist!

41. Achtet die gegenwärtige Menschenwelt eines Gottes? – Ich sage dir, nicht einmal der bessere Priester ohne Geld, das heißt, ohne Gold und Silber! – Wie sieht es denn mit der Frauenliebe aus? – Sage Mir, welche noch so gottesfürchtige und züchtige und dabei auch noch weiblich reizend schönste Jungfrau hat denn noch vor den Weltmännern einen Wert ohne Geld? Wer nimmt eine arme Dirne zum Weibe? Wenn sie will eine Hure machen, so wird sie bezahlt für die Entblößung, und will sie das aus Liebe zu Mir nicht, da wird sie als eine Irrsinnige betrachtet und ist vor den Augen der Welt verächtlich.

42. Siehst du nun ein, daß der König richtig bezeichnet ist? Und sein Gott, der Zeitgeist, lehrt den König Gold, Silber, Edelsteine und andere Kleinodien (geldeswerte Gegenstände) zu suchen und ihn mit denselben zu ehren! –

43. Was aber ist die Wesenheit dieses Gottes? – Solches besagt schon sein Name ‚Mäusim‘, nämlich: Meineid, Eigenliebe, Selbstsucht, Ruhm, Pracht, Herrschsucht, Stolz, Verachtung alles dessen, was der Selbstsucht zuwider ist! Kennst du nun den Gott?! – Siehe, also ist er nun buchstäblich da vor deinen Augen!

44. Du sagst: Ja, o Herr, also ist es richtig bis auf ein Haar vor unseren Augen; aber was hat denn der Strauß mit dem Mäusim zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles; denn in ihm personifiziert sich ja dieser Gott von der einen Seite gerade also, wie er sich auf der andern im gegenwärtigen hohen Priestertume personifiziert, und das ohne Ausnahme in der ganzen Welt.

45. Strauß leugnet Christum durch seine Schriften, das hohe Priestertum aber durch seine Taten! – Strauß verkauft seine Schrift oder den Nicht-Christus ums Geld; das hohe Priestertum aber tut alles für Christus ums Geld. Ohne Geld und Ruhm aber würde es für Christum ebensowenig tun, als wie wenig der Strauß je einen Nicht-Christus geschrieben hätte, wenn er dafür nicht recht viel Geld bekommen hätte! – Also Christus oder Nicht-Christus, das ist gleich, wenn er nur Geld einträgt so oder so, da kann man für ihn ja alles tun!

46. Und siehe, dieser Christus oder Nicht-Christus ist der eigentliche personifizierte Mäusim oder der allereigentlichste Antichrist! – Ich meine aber nun, du wirst die Sache endlich einmal verstehen; verstehe aber auch, warum hier das 11. Kapitel so stark ins 12. übergeht, wie die Nacht in den Tag, so wirst du das ganze hohe Geheimnis enthüllt erschauen. Solches also wohl zu beachten und zu verstehen sei euer Sinn amen.

28. Januar 1843. (Dr. David Friedrich Strauß, Fortsetzung)

00. Also schreibe noch ein kurzes Nachwort zu Dr. Strauß.

47. Du bist noch mit der in Daniel dargestellten Frauenliebe nicht so ganz im reinen und sagest: Was hat denn wohl die mit dem Dr. Strauß zu tun? – Ich sage dir: Sehr vieles! Wie? – Das soll sogleich erörtert werden.

48. Siehe, Strauß, also – oder Nicht-Christus, ist einerlei. Nun, du hast den wahren Christus. Was sagt aber dieser? – Du sagest: Der wahre Christus sagt: „Suchet vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit (welche ist die Liebe), alles andere wird euch hinzugegeben werden.“ – „Sorget euch nicht für den kommenden Tag und fraget nicht: Was werden wir essen, und womit werden wir uns kleiden? Denn nach allem dem trachten ja nur die Heiden. – Sehet aber die Vögel in der Luft: sie säen nicht und ernten nicht in die Scheunen, und der himmlische Vater ernährt sie doch. Und die Lilien auf dem Felde, sehet sie an, sie spinnen und weben nicht, und doch war Salomo in all seiner königlichen Pracht nicht herrlicher gekleidet denn sie!“

49. Du hast gut geantwortet. Nun aber sage Mir dann: Wie verhält sich demnach dein wahrer Christus und die gegenwärtige allgemeine Volksindustrie? – Du sagst: O Herr, das verhält sich ja gerade wie Himmel und Hölle! – Gut bemessen, sage Ich dir, – nun aber gebe acht!

50. Siehe, du kennst nun und hast den wahren alten Christus bei dir und in dir durch deinen Glauben an Ihn und durch deine Liebe zu Ihm. Gehe aber du nun als ein lediger, noch gar wohl heiratbarer Mann in ein noch dazu recht – sogenanntes – christliches Haus, das da eine heiratbare Tochter hat, und halte, da du Mich völlig hast, also mit diesem ewigen Lebensschatze allda bei den Eltern um die Hand der Tochter an. – Was meinst du wohl, wie die Antwort auf solch eine Frage ausfallen wird? – Siehe, Ich will sie dir buchstäblich sagen.

51. Das Elternpaar wird zu dir sagen: Guter Freund, es ist recht löblich und schön von Ihnen, daß Sie, der Sie als ein übrigens ehrbarer und schätzenswerter Mann uns wohlbekannt sind, Ihre achtbaren Augen unserer Tochter zugewandt haben. Allein Sie als ein wohlerfahrner Mann werden sicher doch auch wissen, daß man in der gegenwärtigen Zeit entweder etwas sein oder haben muß, um ein Weib zu erhalten. Sie aber sind nichts und haben unseres Wissens auch nichts als allein Ihre sonst schätzenswerten Eigenschaften, von denen sich aber bei der jetzigen Zeit freilich wohl nichts herunterbeißen läßt. Also werden Sie als ein vernünftiger Mann wohl auch einsehen, daß wir unser Kind unter solchen Aussichten nicht hergeben können. Sie, die Tochter, wird wohl heute oder morgen auch ein schönes Vermögen haben und kann daher auch nur wieder jemanden wählen, der es ihr auf die eine oder die andere Art erwidern kann. Wir sind Ihnen übrigens sehr verbunden und werden uns allezeit geschmeichelt fühlen, wenn Sie uns als Freund besuchen wollen, aber nur in der gegenwärtigen Absicht nicht; denn da müßten wir Sie im Ernste bitten, unser Haus zu meiden! –

52. Hier hast du es buchstäblich, und du kannst noch fragen, was der Strauß mit der Frauenliebe zu tun habe? – Siehst du denn nicht: Wo Christus ist, da ist kein Geld; wo aber Geld ist, da ist kein Christus! Strauß aber leugnet ja Christum, also ist er fürs Gold. Habe du demnach Strauß oder Gold, so wirst du auch Frauenliebe haben; ohne Strauß aber wirst du immer dieselbe Antwort bekommen!

53. Frauenliebe ist demnach zweifach zu nehmen: erstens, daß der Mann von Vermögen mit der nun seltensten Ausnahme ein Weib nicht ansieht, so es ihm nicht ebenbürtig ist, d.h. entweder dem vorteilhaften, hochgehaltenen Stande oder dem Vermögen nach; und zweitens hat das Weib in sich selbst keine Liebe, außer die des Dr. Strauß oder auf deutsch – Gold.

54. Daß aber solch ein Christentum, welches eigentlich ein allerinnigstes Brudertum sein soll, ein ebenso gutes Christentum ist wie das, was der Strauß beschrieb, kannst du gar leicht daraus ersehen, wenn du den wahren alten Christus vergleichest mit dem gegenwärtigen Geld-Christus, und daß ebendieser Geld-Christus samt dem Straußschen Nicht-Christus der allereigentlichste, wesenhaft personifizierte Antichrist ist.

55. Ich meine, solches brauche Ich dir wohl kaum näher darzutun; und so sei mit dem zufrieden amen.

„Die Perlen werft nicht vor die Schweine“ (Matth. 7,6). – 7. April 1843, abends.

O Herr, Du sprachst ja zu den Deinen: „Die Perlen werft nicht vor den Schweinen!“ Doch ließest Du, kostbarste Perle, zertreten Dich durch Priesterkerle?! –

01. Ja, also ist es auch im vollsten Ernste, aber nur muß hier gar wohl unterschieden werden, wer Ich bin – und wer die Apostel und Jünger sind.

02. Du bist ein Herr in deinem Hause und kannst mit deinen Schätzen tun, was du willst, und hast niemandem darum eine ausweisliche Rechnung zu legen, warum du also tust, wie es dir gut dünkt. So du aber einen Knecht in deinem Hause bestellst, wirst du ihm wohl auch die Vollmacht geben, zu tun mit deinen Schätzen, was er will, ohne dich nur im geringsten um Rat zu fragen oder sich irgend an deine Vorschrift zu halten?! Ich meine aber, du wirst deinem Knechte nur gar wohlpflichtigst auftragen, daß er zu aller Zeit treulichst wache über dein Haus und jeglichen Dieb abhalte sorgfältig, daß er nicht seine klebrige Hand lege an deinen Schatzkasten!

03. Wenn du aber schon also vorsichtig handeln möchtest für dein Haus, da wird es doch etwa auch bei Mir nicht unweise gehandelt sein, so Ich Meinen Knechten aufgetragen habe, Mein Wort nicht den Schweinen zu predigen, da es doch der allerlebendigst größte Schatz Meiner Liebe und Erbarmung ist!

04. Es handelt sich demnach nur darum, so ganz eigentlich zu wissen, wer die Schweine – und wer also die eigentlichsten Diebe sind. – Ein Schwein treibt alles in seinen Bauch und verwendet es da natürlich zu seiner Ernährung; also stiehlt auch ein Dieb alles, was er sich nur immer zunutze machen kann.

05. Das ist sicher sonnenklar. Demnach aber sind die Priester nicht als Schweine und Diebe zu betrachten, denn sie wollten Meine Schätze ja nicht; daher sie wohl wahre Mörder, aber somit nicht als Schweine und Diebe Meines Wortes zu betrachten sind! –

06. Aber es hat zu allen Zeiten gewisse Zauberer, Magier, falsche Propheten und eigennützige, schändlich verschmitzte betrügerische Wundertäter gegeben. Diese konnten alles zu ihrem gewinnlich Besten gebrauchen. Mein Wort aber, welches in sich selbst allmächtig ist, wäre diesen Schweinen und Dieben wohl das beste Wasser auf ihre Mühlen gewesen, wenn sie es irgend hätten bekommen können. Für diesen Fall also gab Ich den Aposteln das Vorsichtsgebot, Meine Perlen solchen Schweinen und Dieben nicht vorzuwerfen!

07. Solche Schweine und barsten Diebe aber sind auch heutzutage alle jene, welche Meine Lehre zu einem barsten Handelsartikel machen und sich für jegliches Wort des Evangeliums zahlen lassen und so auch die Worte des Lebens in ihren Unrat mengen, um daraus eine neue wundertätige und sehr viel Geld eintragende Substanz zu bereiten.

08. Blicke hin auf alle die Wunderbilder in den nahe zahllos vielen steinernen, tönernen und hölzernen Bethäusern; sind sie nicht alle mit Meinen Perlen unterspickt? Siehe an alle die zeremoniellen Gegenstände; da ist aber auch nicht eines, bis zum Kirchenstaube selbst, das da nicht mit eben den Perlen wo nur möglich kleinst umwunden und durchwebt wäre! – Ich meine, es wird kaum nötig sein, dir mehr darüber zu sagen.

09. Die ersten Apostel haben dieses Gebot auch sorgfältigst beachtet; aber bei der stets größeren Ausbreitung des Wortes war es denn wohl unmöglich zu verhindern, daß nicht auch auf der offenen Erde Schweine und Diebe in Meinen großen Weinberg hätten gelangen sollen. Also war auch das Gebot in sich selbst allzeit beachtet worden.

10. Da aber doch auch Schweine und Diebe lebendige Geschöpfe sind, welche auch ihren freien Willen haben, so konnten sie auch wohl in den großen Weinberg geraten und da begehen einen unziemlichen Raub! Sie haben daher auch nur, was sie gestohlen und geraubt haben – aber nicht, was ihnen wäre gegeben worden.

11. Was sie aber haben, ist darum tot und nützet ihnen nicht zum Leben, sondern nur zum Tode, indem sie voll der schmählichsten Unlauterkeit ihre Hände in Meine Schüssel tauchen. Wer die Perle hat und hat sie nicht von Mir lebendig, sondern anderswoher, der ist ein Dieb, ein Räuber und ein Schwein; diesen wäre aber auch ein Mühlstein am Halse in des Meeres Tiefe besser, als solch eine Perle! Denn diese werden ihrem Richter nicht entgehen, den sie doch in sich tragen.

12. Wer es aber von Mir, dem Vater, erlernt und das Wort hat lebendig, der hat es gerecht; aber er habe ebenfalls acht, daß er dann die Perlen nicht den Schweinen vorwerfe! – Also ist solches zu verstehen, und also verstehe es du, Mein Sohn, Amen. – –

Eine kurze Antwort des Herrn auf eine Frage bezüglich der Satana und ihres Anhanges. – 3. Mai 1843.

Frage: O Herr! Wie behandelt denn die Satana die ihr anhängenden Geister? Haben diese Liebe zu ihr oder Furcht vor ihr?

01. Antwort: Auf diese Frage kann Ich dir nichts anderes sagen, als daß die Schlange sich ganz neutral verhält und „behandelt“ niemanden; sondern ein jeder lebt auf seinem eigenen Grund und Boden nun. – Alle höllische Liebe aber ist inwendiger Haß, alles Wohltun ist Eigenliebe, und jede Großmut ist der stinkendste Hochmut! Mehr brauche Ich dir darüber nicht zu sagen, denn du kannst an dem zur Übergenüge haben amen. –

Erklärung des 93. Psalms Davids. – 26. Mai 1843.

01. Schreibe für heute etwas über den 93. Psalm Davids, damit so mancher daraus ersehen solle, um welche Zeit es nun in dieser Zeit sei. – Siehe, das ist wohl einer der kürzesten Psalmen des Mannes nach Meinem Herzen, denn er besteht nur aus respektive fünf Versen; aber er ist seiner Bedeutung nach gerade für diese gegenwärtige Zeit und ihre Zukunft einer der größten Gesänge des Sängers im Geiste der ewigen Ordnung aus Mir! – Wie aber solches gar wohl der Fall ist, soll sogleich in aller Kürze folgen – und so schreibe und höre denn und schaue! – –

93. Psalm

02. 1. Der Herr ist König, und das gar herrlich geschmückt.

02. Das heißt: Ich, der Herr Jesus Christus, bin der alleinige Gott aller Himmel und Welten in aller endlosen ewigen Fülle der göttlichen Macht, Kraft, Gewalt, Heiligkeit, Gnade, Liebe und Erbarmung, welches alles ist Meine ewige Ordnung, Weisheit oder die göttliche Gerechtigkeit. – Der Herr ist geschmückt und hat ein Reich angefangen, so weit die Welt ist, das heißt: Ich habe Mich aus Meiner Ordnung der Menschen der Erde erbarmt und will sie aufrichten in ihrem Geiste, und ihr Geist soll ein Herr sein in ihrer Seele und in ihrem Fleische; – und hat es zugerichtet, daß es bleiben soll, heißt: Ich gebe es aus den Himmeln dem Geiste im Menschen; das lebendige Wort soll von nun an bleiben im Menschen fort und fort, und der Tod solle keine Gewalt mehr haben. –

03. 2. Von dem an stehet Dein Stuhl fest; Du bist ewig! –

03. Heißt: Von der Zeit an, da Ich durch das lebendige innere Wort den Geist des Menschen erwecken werde, wird Meine Liebe bleiben im Menschen, und es wird niemand der Geweckten mehr zweifeln an Mir und Meinen Verheißungen; denn Ich werde dem Geiste zeigen die endlosen Wunder Meiner Liebe, Weisheit, Heiligkeit und Macht in der Tiefe der Tiefen für alle Zeiten der Zeiten bleibend.

04. 3. Herr! Die Wasserströme erheben sich, die Wasserströme erheben ihr Brausen, die Wasserströme heben empor ihre Wellen.

04. Heißt: Ich bin der alleinige Gott; es werden sich zwar anfangs dagegen sträuben die Weltmenschen, und die Weltgelehrten werden dagegen schreien und schreiben, und die Machthaber werden mit zornigen Füßen gewaltig dagegen strampfen und werden sich dagegen gewaltsam auflehnen.

05. 4. Die Wasserwogen im Meere sind groß und brausen greulich; der Herr aber ist noch größer in der Höhe! –

05. Heißt: Das Priestertum der Welt wird gar mächtig dagegen zu Felde ziehen und wird verdammen mit großem Zorne und großer Wut das neue Reich im Menschen; aber es wird sich niemand mehr daraus etwas machen und sich kehren an das Geplärr der Elenden, da sie nur als ohnmächtige Zornspeier plärren werden. Ich aber werde dennoch gar mächtig mit Meiner Liebe und Weisheit aus den Himmeln im Geiste der Menschen durchdringen und werde vertrocknen und gänzlich versiegen machen die Ströme und werde über das Meer (priesterliches Heidentum) ausstrecken Meinen mächtigen Arm, auf daß es ohnmächtigst erstarren solle auf ewig!

06. 5. Dein Wort ist eine rechte Lehre; Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses ewiglich.

06. Heißt: Mein lebendiges Wort im Geiste ist eine wahrhaftige Predigt, Lehre, Kirche; es ist eine wahrhaftige, heilige Wohnstätte Gottes im Menschen, das wahrhaftige Reich Gottes in und unter den Menschen der Erde. Dieses Wort (Heiligkeit) ist die Wahrheit, (Zierde) der Weg und das ewige Leben in der reinen Liebe zu Mir! –

06. Siehe, das ist die Grundbedeutung dieses Psalmes, nach dessen Weissagung soeben die Zeit begonnen hat und wird mächtige Fortschritte tun, wennschon anfangs im geheimen mehr. Wenn aber in kurzer Zeit die Herzen durchwärmt und durchleuchtet werden, dann wird aber denn auch Meine Hand einen Gewaltstreich gegen alle Welt ausführen und erstehen machen im großen Herzensglanze die Geweckten und mit Meinem lebendigen Geiste Getauften; und Ich Selbst werde nicht selten wieder sichtbar unter den Meinen anzutreffen sein und werde sie bereichern mit großer Macht über alle Dinge amen, amen, amen. –

Der Morgen. – 28. Juni 1843

01. 1. / Hehr naht des Tages Mutter! – Dunkelheit / umflorte eher Land und Meer; / wie herrlich strahlt sie nun im Glanzeskleid / und spendet Freude rings umher!

02. 2. / Mit ihr erneute Lebenskraft erwacht, / wie regt sich alles in der Welt, / wie herrlich strahlt die Flur in Morgenpracht, / von mächt'ger Sonnenglut beseelt!

03. 3. / Also auch kommt der Herr! Erst Dämmerung, / dann hell'res Morgenrot, dann Licht – / bis endlich voller Tag, rein, frisch und jung / des Herzens dichte Nacht durchbricht.

04. 4. / Solang am Himmel dort die Sonne brennt, / erfreut das Herz ihr wärmend Licht – / so auch, wie lang das Herz Mich treu bekennt, / ermangelst du der Freude nicht!

05. 5. / Willst leben du ein gutes Leben hier, / so sprich in deiner Brust getreu / die nächste Stroph' lebendig stets in dir, / und diese laute also frei:

06. 6. / „O strahl' du ew'ge Lebenssonne doch / den ganzen Lebenstag in mir! / Gar heiter trag' ich dann dies irdisch Joch / erquickt und hocherfreut in Dir!“ –

Ein persönliches Wort über laue Töchter. – Nachtrag eines Nebenwortes vom Sommer 1843.

01. Höre aber wohl! – Was da deinem Herzen eine kleine Mißbilligung abnötigt, das hat schon seit dem Konzert im ersten Stock Meinen völligen Abschied zuwege gebracht, weil zuvor Meine große Mißbilligung!

02. Siehe, so sind die besseren Menschen gegen Mich! – Ich wollte sie zeitlich und ewig so glücklich als möglich machen und habe ihnen darum schon übergroße Wohltaten erwiesen und die zuverlässigsten Verheißungen gemacht. Aber weil Ich nicht schon am nächsten Tage gab, was Ich verhieß, so suchen sie selbst sich zu entschädigen.

03. Lassen wir ihnen aber ihre eitel törichte Weltfreude, lassen wir ihnen ihre abendlichen Spaziergänge, die ihnen nun um vieles lieber sind, als so sie anhören müssen noch dann und wann Mein lebendiges Wort, so es ihnen unser Freund A. H. W. vorliest. Lassen wir ihnen ihre römische, Mir aber über alles feindliche Priesterliebe und auch die Liebe solcher, die ihnen solche Priester unter allerlei Freundschaftsvorwänden zuführen.

04. Wir beide aber werden uns, verstehst du Mich, bei dieser Gelegenheit mit unserer Gnade und Liebe und unserem Segen so hübsch weit zurückziehen. Und die Folge wird sie dann schon lehren, und sie werden es erkennen, wenn schon zu spät, welchen Tausch sie gemacht haben und Wer sie in uns beiden verlassen hat.

05. Siehe, Ich und du sind darum zu eifersüchtigen T-n geworden, weil wir uns unterstanden haben, den Gewissen einige unbilligende Bemerkungen zu machen! – Von nun an aber wollen wir das unterlassen und sie ganz ihrem Weltsinne und ihrer Heiratslust überlassen, – daß wir aber bei derlei Hochzeiten nicht zugegen sein werden, verstehe, des kannst du wohl versichert sein.

06. Bisher habe Ich dem A. H. W. geraten, daß er ihnen vorlesen möchte Mein Wort. Er hat es auch redlich getan. – Von nun an aber rate Ich ihm solches nicht mehr, denn seine älteren Töchter halten es insgeheim nur für eine alberne Dichtung aus dir und achten es nicht mehr und hören es auch nur mit einem leisen Widerwillen an.

07. So sie nicht auf das eifrigste auf uns zugehen werden, werden wir sie lassen, wie sie sind, und werden uns ihrer nicht im geringsten kümmern. Denn schläfrig und gelangweilt hören sie Mein Wort an; aber desto heiterer und lebendiger sind sie in der Gesellschaft derjenigen, die ihnen zu Gesichte stehen. Daher lassen wir sie gehen, und wir wollen keine Sache mit ihnen haben, um nicht mehr als eifersüchtige T-n und Fadiane vor ihnen zu erscheinen! – Verstehst du Mich? Also geschehe es amen. – – –

Segen der Heimsuchung. – 13. Oktober 1843.

01. Schreibe nur, schreibe, denn Ich weiß es schon, um was es sich handelt! –

02. Mein lieber Ans. H. W., siehe, die Stunde, in der du leiblich geboren wurdest, ist Mir gar wohl bekannt. Ich habe dich damals gesegnet und segne dich jetzt wieder, auf daß du stets gesund am Geiste wie auch nebenbei am Leibe, soviel es zu deinem Heile vonnöten ist, verbleiben sollest. Halte aber jedoch nicht zu große Stücke auf die Gesundheit des Leibes, denn sie schadet dem Geiste mehr, als sie ihm nützt.

03. Sieh an eine frische grüne Nuß auf dem Baume! Solange diese fest, frisch und grün verbleibt, so lange auch wird der Kern nicht zeitig. Wenn aber die äußere grüne Schale anfängt sich zu bräunen und flott und vertrocknet zu werden um die Nuß, dann ist es ein Zeichen, daß die Nuß innerhalb der Schale reif geworden ist.

04. Aus dem Grunde lasse Ich die Meinen auch stets dem Leibe nach dann und wann ein wenig kränkeln, damit sie sich ja mit der Welt nicht zu sehr vermengen sollten in einem zu gesunden Leibeszustande. Denn ist da jemand dem Leibe nach so recht löwenmäßig gesund, da kommt ihm nicht der leiseste Gedanke, daß er einst doch diese Trugwelt wird verlassen müssen; denn da gefällt ihm auf der Welt alles viel zu gut, ein jedes Blümchen, ein jeder Bissen, eine jede Dirne, eine jede Gegend, und er hat den sehnlichsten Wunsch, nur ewig also auf der Erde zu leben, und bekommt nie das heilige Heimweh nach dem ewigen Vaterhause im Himmelreiche.

05. Wird aber sein Leib krank, da erinnert sich der Mensch, daß es auf der Erde keines Bleibens sein wird, und fängt dann und wann doch etwas ängstlich an nachzudenken, was da nach dem Tode des Leibes etwa doch sein und kommen dürfte. Und das ist dem Geiste schon heilsamer, als alle noch so unschuldigen Vergnügungen bei kernfrischem und gesundem Leibe.

06. Siehe, so du einen Sohn in die Fremde schicken möchtest, und es ginge ihm aber dort ausgezeichnet gut, meinst du, daß er zu dir heimkehren wird? Meinst du, er wird etwa Heimweh bekommen nach seinem väterlichen Hause? – O nein, des kannst du wohlversichert sein! Denn er wird sagen: Da müßte ich ein rechter Narr sein! Hier habe ich ja alles, was immer nur mein Herz verlangt, und man ehrt mich noch obendrauf allerorts, wo ich nur immer hinkomme. Komme ich aber nach Hause, da muß ich wieder um jede Kleinigkeit bittend zum Vater kommen, und dann erst besinnt er sich, lange genug, ob er mir wohl das Erbetene geben solle oder nicht. Hier bin ich ein angesehener Herr für mich, dort zu Hause aber, an der Seite meines Vaters, der Niemand; daher bleibe ich hier!

07. Siehe, das ist die buchstäbliche Äußerung desjenigen Sohnes in der Fremde, dem es zu gut geht auf fremdem Boden! – Wird ihn der Vater auch nach Hause zitieren, so wird er aber dennoch fürs erste nur mit großem Unwillen nach Hause sich begeben, und fürs zweite wird er zu Hause sich also benehmen, daß es eine barste Schande sein wird. Denn es wird ihm alles zu enge und elend und schlecht vorkommen, mit einem Worte gesagt, er wird nimmer guttun daheim! Geht es aber einem Sohne in der Fremde nicht am besten, sondern so ziemlich kümmerlich oder oft gar elend, da wird er es bald machen gleich dem verlorenen Sohne! –

08. Daher also sage auch Ich dir heute das, auf daß du, so Ich dich mit kleinen leiblichen Unpäßlichkeiten heimsuche, dich erinnern solltest und wissen, daß derlei leibliche Unpäßlichkeiten lauter Handbilletchen sind, durch welche Ich Meine Kinder an ihr väterliches Haus und an ihre Heimkehr erinnere, auf daß sie sich ja nicht in der fremden Welt zu fest ansiedeln sollten! – Ich will dich aber darum etwa sicher noch nicht so bald von der Fremde abrufen, sondern nur an deine Heimat erinnern! Daß du danach alle Unannehmlichkeiten deines irdischen Lebens bemessen sollest, das wünsche Ich, dein heiliger Vater, dir heute wie allezeit in aller Fülle Meiner Liebe und Gnade, – beachte es darum auch lebendigst Amen. –

Die Verklärung Mariens. – 17. Oktober 1843.

Aus einem Nebenwort bezüglich der Himmelfahrt Mariä.

01. Dessenungeachtet aber will Ich dir doch sagen, wie Maria starb. –

02. Maria starb zwölf Jahre nach Meiner Heimkehr zu Bethania im Hause des Lazarus, der Martha und der Maria. Johannes allein war Augenzeuge von ihrem Hintritte; ihre Krankheit aber war die stets wachsende Liebe zu Mir, – und die Flamme dieser Liebe hatte Mariam aufgelöst und für ewig verklärt. Aber von einer sichtbaren Auffahrt gen Himmel ist keine Rede; Maria war – und war nicht mehr! – Und das ist genug für deine Wißbegierde amen. –

Der Herr schützt Sein Werk. – 29. Oktober 1843.

O Herr und liebevollster Vater! Wie ist der Fall mit jemandem zu nehmen, der meines Wissens ein starker Verächter und förmlicher Widersacher Deiner heiligen, an uns gerichteten Gnade war und sie als eine Torheit verhöhnt hat zu jeder Zeit? –

01. Du kannst ja schreiben ein paar Wörtchen zu deiner Ruhe! – Siehe, also pflege Ich stets Mein Werk zu schützen! Sagte Ich dir nicht schon einmal bei der Gelegenheit, als ihr alle ein falsches Warnungsbriefchen erhieltet, wie Ich allen jenen sofort begegnen werde, die sich Mir ernstlich werden in den Weg stellen wollen?! – Siehe, das ist die Art und Weise, wie Ich pflege Meine Feinde unschädlich zu machen! Vor kurzem habe Ich einem sehr bedeutenden Feinde, der gerade auf dem Sprunge war, Mir ganz ernstlich entgegenzutreten, seinen Lohn gegeben; das ist der zweite, aber der solle noch etwas geselchet werden! Was Ich damit sagen will, wirst du in der Folge verstehen!

02. Ich aber sage dir: Wer immer an irgend Weltlichem mehr Behagen findet denn an Mir, dem werde Ich von nun an nur ganz kurz zusehen; kehrt er sich nicht bald um, so solle er gerichtet sein! – Du weißt, was Ich damit sagen will! Wahrlich, wahrlich, wer dir oder jemandem, der in Meinem Namen etwas spricht, eine nur einigermaßen steife Widerrede tun wird, entweder offen oder heimlich, dir gegenüber oder von dir entfernt, dem werde Ich die Zunge auf eine solche Art zu lähmen wissen, daß er sicher nimmer mit ihr eine wie immer geartete Widerrede zuwege bringen soll! Frage Mich aber nicht, wie! Es ist genug, daß Ich dir solches geschworen habe. – Mein Mitleid mit Meinen Feinden ist zu Ende; daher sei ein jeder gerichtet, der Mir widerstreben will im Kleinen wie im Großen! – Amen, Amen, Amen.

03. Das sage Ich, der Allgewaltige, Amen, Amen, Amen.

Ein lustig's Wörtlein für die „kleine Martha“. – 26. Juni 1844.

01. Schreibe nur, Ich weiß schon, was du wieder hast. – Ich solle dir schon wieder einen Gelegenheitsdichter abgeben? – Nun ja, da will Ich es gleichwohl tun, obschon Mir die Maria lieber war als die Martha, aber nicht etwa irgendeine gegenwärtige Maria, sondern die Schwester des Lazarus! – Denn die gegenwärtigen Marien unter allerlei Ausschweifungen und Verkehrungen dieses Namens sind ebenso ausschweifend und verkehrt wie ihre Namen! – Und so schreibe denn ein lustig's Wörtlein!

02. Höre du, Meine kleine Martha! – An diesem deinem Tage Ich zu dir sage: Du bist in einer Lage, die da ist voll eitler Plage und führst darob gleichfort Klage an jedem Tage! – Sieh, das will Mir nicht gefallen allzumalen: wenn die Mutter klaget übern Kaffee, dann tut's dir auch schon weh; und ist die Suppe matt, dann wirst du glatt. Es zwicket dich ganz jämmerlich, so jemand zu dir spricht, was dich ein wenig sticht! –

03. Sieh, das soll nicht sein bei Groß noch Klein, und es macht Mir oft darum ein starkes Leid, daß du mit Waschen und mit Bodenreiben hast so große Freud! – Im Hühnermist du manchmal ganz vergraben bist; das bringt dir manchmal wohl ein Ei, doch der Himmel ist da nicht dabei. So was mußtest du doch einmal büßen, drum hat ein Iltis dir die Freud' zerbissen; du hast dich da erstaunt gar stark über solchen blut'gen Mark. Doch solch dein traurig Stutzen kam heilsam dir zum Nutzen, denn das benahm dir deine Hühnerfreud' und Mir ob solcher deiner Freud' Mein Herzeleid! –

04. Nun laß auch nach in deiner Priesterlieb', denn sie ist dir kein geist'ger Trieb; dann wirst du Mir vor allen schier am besten wohl gefallen! – Sieh, die Geistlichkeit ist nicht vom Fleisch befreit und macht Mir wenig Freud', drum hab' Ich's gerne nicht, so dein Aug' nach Priestern sticht. Wende du dafür dein Herz zu Mir in Freud und Schmerz, das wird dir nützer sein und dich um vieles mehr erfreu'n, als so Kaplän' sich vor dir bücken und dir manchmal die Hände drücken!

05. Es ist das freilich eben keine Sünd'; doch ist's auch nicht der beste Wind auf deines jungen Lebens Meer, denn er treibt das Lebensschiff oft weit umher und verliert gar oft des Lebens Ziel, – das sag' Ich dir ganz still!

06. Befolg' nur Meinen Rat und lieb' Mich in der Tat, dann wirst du besser fahren; denn Ich am besten kenne die Gefahren, die oft solcher Schiffer harren, denn wo sie sich's am wenigsten versehen, ist's um sie auch oftmals schon geschehen! –

07. Siehe, das sind deine kleinen Sünden, die mußt' Ich dir verkünden. Wirst du sie künftig meiden – so ganz fein und ganz bescheiden, werd' Ich dir nehmen alle Leiden und dir schenken viele Freuden! Denn Ich hab' dich überlieb fürwahr, das sagte Ich zu dir noch alle Jahr; drum sage Ich dir nun auch das wie einen ernstlich guten Spaß! – Nimm du ihn aber ernstlich nur, er bringet dich auf gute Spur, an der das ew'ge Leben klebet, das von allem Leide dich enthebet.

08. Das sage Ich zu deinem Tage: Werd' Mir ernstlich treu und frei, und fürder nicht mehr klage! Amen, amen, amen; das sagt dein guter Vater amen. – – –

Auf eine Anfrage wegen Mitteilung der erhaltenen Offenbarung. – 25. August 1844.

.a01. O ja, dem, der da dürstet, werde Trank gereicht; aber es gibt auch geistige Saufbolde, denen ist es nicht gut, derlei zu geistige Dinge zu reichen, weil sie dann dumm und oft böse werden wie böse Narren. Zumeist aber sollen die Perlen den Schweinen vorenthalten werden! – –

.a02. Wenn du aber schon jemandem nützen willst, der dir geeignet scheint, so tust du am besten, so du ihm mündliche Berichtigungen erteilst und ihn erst dann etwas lesen läßt oder besser selbst vorliest, wenn du ihn vollends deines Geistes erkannt hast, denn sonst könnte ihm das Lesen mehr schaden denn nützen!

.a03. Predigen aber ist besser als lesen, da es besser eindringt als etwas Gelesenes und hernach auch haften bleibt. Den Grund wird dir die Erfahrung von allen Zeiten zeigen!

.a04. Tue demnach auch du gelegentlich danach, und es wird gut und recht sein amen. Das sage Ich dir, der Ich auch geprediget habe in der großen Zeit der Zeiten amen, amen, amen. – – –

Cherubim und Seraphim. – 25. August 1844.

[HiG.03_44.08.25.b] O Herr! Was ist wohl für ein Unterschied zwischen Cherubim und Seraphim? –

.b01. Die Cherubim bedeuten und sind der ewige Ausfluß der göttlichen Liebe und die Seraphim der Ausfluß der göttlichen Weisheit; das ist der Unterschied. Darum sagte man vor alters: Dieser ist liebeglühend wie ein Cherub und weise wie ein Seraph. – Also wird durch die Cherubim die göttliche Liebe und durch die Seraphim die göttliche Weisheit in ihrem gesamten grundhimmlischen Wirken verstanden. –

Nur Mein Lohn dauert ewig! – 10. Februar 1845, Greifenburg.

An Julie Martha H. zum Namenstag.

01. Also magst du reden zu der, um die du zu Mir kamst: Man sagt in der Welt: Leiern ist besser als Feiern. Doch also soll es nicht bei Mir sein; denn bei Mir gilt das eine so wenig wie das andere.

02. Das Himmelreich leidet allzeit Gewalt; die es nicht mit Gewalt an sich reißen, die werden es nicht besitzen! Darum nützt da das Leiern so wenig wie das gänzliche Feiern. Der aber leiert um Mein Reich, der da im weltlichen Eifer für Mich nur so viel tut, daß er Meiner gerade nicht ganz vergißt und Mich neben der Welt mitziehen will, – wenn er aber Meiner in Weltgeschäften oft ganz vergißt, der ist es, der da feiert!

03. Ich aber bin nicht, daß Ich dem Leirer wie dem Feirer Mein Reich auf den Rücken nachwürfe; sondern wer Mein Reich, welches da ist das ewige Leben, besitzen will, der muß es ohne Leiern und Feiern vollernstlich angehen. Sonst wird er auch den Lohn der Leirer und Feirer überkommen, der gleich sein wird der Ernte dessen, der den Samen am Wege, auf Steine und unter die Dornen gesät hatte.

04. Also magst du deiner Freundin dieses bekanntgeben und sagen, daß das Mein einiger und ewiger Wunsch und Wille ist, daß sie sich auch samt ihren Geschwistern nicht an das Leiern und noch weniger an das Feiern wenden solle; denn aller Welt Sold ist gering und dauert kurz, nur Mein Lohn dauert ewig!

05. Was aber hast du, so du den ganzen Tag hindurch der Welt um einige Groschen gedient hast? Ich sage dir, der nächste Tag wird sie dir wieder nehmen, und das so fort bis ans Ende deines Erdenlebens – und am letzten Abschiedstage von der Welt aber wirst du blanker dastehen als eine Bethausmaus! Was dann mit dir? –

06. Darum sammle dir vielmehr Schätze, die weder der Rost noch die Motten zerstören und die Erdentage nicht verzehren, so wirst du am Tage des Abschiedes, am Tage der Auferstehung einen reichen Schatz in Meinem Reiche finden für ewig amen! Das sagt der Herr, der Wahrhaftige für ewig amen, amen, amen. – –

Was du den Armen tust, das tust du Mir! – 11. Februar 1845, Greifenburg.

An Andr. H. W.

01. Mein lieber Andr. H. W., was du den Armen und was du Meinem Knechte tust, das tust du wie ganz unmittelbar Mir Selbst; denn in den Armen bin Ich Selbst arm in der Welt, und in Meinem Knechte aber wohne Ich für euch alle wie in der Fülle der Kraft des Wortes aus Meiner ewigen Liebe und Weisheit, die zwar in der Welt auch in der Armut einhergeht, – wann und wo sie kommt, aber desto reicher ist im Geiste der ewigen Liebe aus Mir!

02. Ist diese Liebe auch gefangen in den Kerkern der Welt, welche da sind die harten Herzen, so dient sie aber dennoch allen zur Erlösung vom ewigen Tode. Und ist diese Liebe auch arm vor der Welt, so gibt sie aber dennoch allen alles. Wird sie auch verachtet und verspottet, so teilt sie aber dennoch die größten Ehren für ewig aus. Wird sie von vielen auch gar getötet, so gibt sie aber dennoch allen das Leben. Wird sie zerrissen und gemartert, so gibt sie aber dennoch alles vollkommen, was sie gibt! – Für Krummes gibt sie Gerades, für Ungleiches das Gleiche, für Unebenes das Ebene, für Bitteres das Süße, für Essig den besten Wein, für die Nacht den Tag – und so überall das Gute fürs Schlechte und das Edle fürs Unedle!

03. Wenn die Liebe aber schon für Schlechtes Gutes gibt, was erst kannst du, ein Geber des Guten, von dieser Meiner Liebe erwarten?! – Darum tue Meinem Knechte, der diese Meine Liebe in sich hat, was er wünscht, so soll dein Lohn auch übergroß sein in dieser Meiner Liebe im Knechte für ewig amen! – Das spricht die Ewige Liebe amen, amen, amen. – – –

Brief an Andreas Hüttenbrenner in Graz über den Beginn der Niederschrift des Briefwechsels Jesu mit König Abgarus – 27. März 1845, Greifenburg.

... Ich will Ihnen einen Briefwechsel zwischen dem Könige Abgarus und dem Herrn Jesus mitteilen, welcher geschehen ist zu den irdischen Lebzeiten des Herrn. – Und so vernehmen Sie die beiden Briefe!

00. Der Brief des Abgarus an den Herrn lautet also:

01. Abgarus, Fürst in Edessa, Jesu dem guten Heilande, der in dem Lande um Jerusalem erschienen ist, alles Heil!

02. Ich habe von Dir gehört und von Deinen Gesundmachungen, wie Du sie ohne Arzneimittel und Kräuter verrichtest. Denn die Rede geht, daß Du die Blinden sehen machst, die Lahmen gehen, daß Du die Aussätzigen reinigst und die unreinen Geister austreibst und diejenigen heilst, die mit langwierigen Krankheiten kämpfen, und endlich sogar die Toten auferweckst.

03. Nachdem ich alle diese Dinge von Dir gehört habe, so habe ich demnach bei mir selbst geschlossen, eines von beidem müsse wahr sein: entweder Du seiest Gott, vom Himmel herabgekommen – oder Du, der diese Dinge tut, seiest doch zum wenigsten ein Sohn des großen Gottes!

04. Ich ersuche Dich daher durch dieses Schreiben, Dich zu mir zu bemühen, um die Krankheit, die ich habe, zu heilen!

05. Ich habe auch gehört, daß die Juden wider Dich murren und Dir Böses zufügen wollen. – Ich aber habe eine zwar kleine, aber wohlgeordnete Stadt, welche für uns beide hinreichend sein wird. Daher komme Du, mein überaus hochgeachtetster Freund Jesus, zu mir und bleibe bei mir in meiner Stadt und in meinem Lande! Da sollst Du von jedermann auf Händen und im Herzen getragen sein. – Ich erwarte Dich mit der größten Sehnsucht meines Herzens!

06. Gesandt durch meinen getreuesten Knecht Brachus.

00. Antwort des Herrn auf diesen Brief des Königs Abgarus:

01. Abgarus, du bist selig, weil du Mich nicht gesehen und doch geglaubt hast! Denn siehe, es steht von Mir geschrieben, daß die, welche Mich gesehen haben, nicht an Mich glauben werden, auf daß die, welche Mich nicht gesehen haben, glauben und leben mögen in Ewigkeit!

02. Was aber das betrifft, darum du Mir schriebst, daß Ich solle zu dir kommen, da Ich hier im Judenlande verfolgt werde, da sage Ich dir: Es ist nötig, daß alles das, um dessentwillen Ich gekommen bin in die Welt, an diesem Orte an Mir erfüllt werde, und daß Ich, nachdem dieses alles in der Kürze an Mir erfüllt sein wird, zu Dem aufsteigen werde, von dem Ich ausgegangen bin von Ewigheit.

03. Sei aber geduldig in deiner leichten Krankheit! So Ich in den Himmel werde aufgenommen sein, da werde Ich einen Jünger zu dir senden, damit er deine Krankheit heile und dir und allen, die bei dir sind, die wahre Gesundheit gebe!

04. Geschrieben durch Jakobus, einen Jünger des Herrn Jesu Christi, und übersandt durch Brachus, des Königs Boten, aus der Gegend Genesareth.

Liebster Freund und Bruder im Herrn! – Ich glaube, diese Mitteilung wird Ihnen lieber sein als alle die Schweizer Wirren, die nichts Erhebliches für den Himmel in sich bergen. – Solche Briefe zwischen Jesum und dem Könige Abgarus sind mir noch sechs angezeigt. – Wenn ich wieder nach Graz kommen werde, will ich sie Ihnen nebst vielem anderen mitteilen ... J. L.

Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen. – 28. April 1845, Greifenburg.

Anselm H. zum Namenstag. Mein lieber, getreuer Ans. H. W., also spricht der Herr:

01. Meine Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Hause allezeit; denn du bist ein emsiger Bürger Meines Reiches, welches da ist das ewige Leben! Aber du hast manchmal ein heftig Gemüt in deinem Hause, und zuzeiten läßt du erheitern dein Herz durch den leeren Anblick einer schlanken Stadtdirne. Allein Ich sage dir: Das alles taugt nicht in Meinem Vaterhause; denn an allem dem klebt irdisches Interesse der Welt, und das taugt nicht ins Haus des Herrn alles Lebens, ins Haus des ewigen Vaters! Darum lasse ab von dem, und du wirst Mir um viele Stufen näher kommen!

02. Also hast du auch eine Lust daran, aus den Zeitungen zu erfahren, was da alles in der Welt geschieht, und machest dabei nicht selten einen Parteigänger, wünschest deiner Partei den Sieg und der dir widrigen die Niederlage. Ich aber sage dir, daß da auch solches nicht gut ist; denn wird deine Partei geschlagen, so wirst du voll Ärgers und Ingrimms. Und siehe, das ist nicht ersprießlich für ein Herz, in dem Meine Liebe wohnen soll; denn diese muß Freunde und Feinde mit gleicher Glut umfangen – gleichwie die Sonne ihre Wärme und ihr Licht über alles ausströmt, ob es gut oder böse ist.

03. Siehe, alle Menschen sind ja mehr oder weniger Sünder und sind ungerecht in ihren Urteilen. Willst du aber gerecht sein, so muß dich der Menschen Ungerechtigkeit nicht ärgern! Segne die Feinde und behalte die Freunde im Herzen, so wirst du Mir gleichen, der Ich am Kreuze die segnete, die Mich gekreuziget haben! –

04. Diese Belehrung sei dir eine köstliche Gabe – befolge sie, so wirst du einen großen Nutzen haben zeitlich und ewig.

05. Meine Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Hause – und ein kleines Kreuzlein, das Ich dir werde zukommen lassen aus Meiner Liebe Amen.

Meine Liebe ist das kräftigste, wahre Heilmittel. – 15. September 1845, Greifenburg.

An C. L. Also aber spricht der Herr:

01. Höre, du Mein schwacher Sohn Meiner Gnade! Willst du zur wahren Gesundheit gelangen – wie des Geistes und so auch zeitlich des Leibes, so salbe dein Herz fleißig mit Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung und räuchere deine Brust mit dem ewigen Weihrauch des lebendigen Volltrauens zu Mir, deinem ewig lebendigen allmächtigen Vater, dann wirst du zur wahren zeitlichen und ewigen Gesundheit gelangen!

02. Glaube ja nicht in deiner Brust, daß Ich dir nur durch eine gesegnete Medizin helfen kann, sondern glaube vielmehr, daß Ich dir wie jedermann auch frei helfen kann.

03. So du lebendig allein bei Mir Hilfe suchst, so wirst du vollkommen gesund werden; denn da wirst du in Meiner Liebe das kräftigste Heilmittel gegen jedes Übel in deiner eigenen Brust tragen, welche Arznei ein alleiniges Universalmittel ist!

04. Denn siehe, alle irdischen Arzneien gleichen in Hinsicht ihrer Wirkung wie ein Kampf der Höllengeister untereinander und sind daher allezeit ein wahres malum contra malum. Meine Hilfe aber ist in jeder Hinsicht ein wahres bonum contra malum, daher dasjenige wahre Heilmittel, durch das der Mensch allein von jeglichem Übel aus dem Grunde für ewig geheilt werden kann!

05. Hast du aber schon ein zu geringes lebendiges Vertrauen zu Mir und suchst Meinen Segen mehr in der Natur als in Mir, dem Urheber der Natur, so magst du ja die ‚evangelische Salbe‘ gebrauchen, aber mit größter Ruhe des Gemütes, so wird es wohl auch besser werden mit deinen Nerven, denen du nur höchst selten eine stärkende Gebirgsluft zum Verspeisen zukommen läßt.

06. Mache dich auf einige Wochen von deinem Weltgeschäfte los und mache eine Reise in Meine freie Schöpfung, das wird dich stärken in allem. Denn siehe, in den Städten der Welt bin Ich wie ein ganz kleines, oft ganz versiegendes Bächlein, auf dem freien Lande bin Ich wie ein Strom, und über den Bergen bin Ich wie ein Meer – und das der Menschen wegen.

07. Daher gehe zum Strome, gehe zum Meere, so dir das Bächlein manchmal versiegt! Da wirst du viel Heilung und Stärkung finden. Ich habe es euch ja allen gesagt, daß ihr gerne auf die Berge gehen sollt. – Warum befolget ihr so wenig Meinen Rat und wollet lieber krank als gesund sein im Geiste wie im Leibe!

08. Meine Lehre ist allezeit eine gar heilsame Lehre, wer sie befolgt, der wird niemals Not leiden und nie zu klagen haben. Befolge daher auch du genau Meine Lehre! Hänge nicht zu ängstlich an der Wohlfahrt deines Leibes, sondern sei stets volltrauig heiteren Herzens in Meinem Namen, so wirst du gesund sein zeitlich und ewig amen – in Meinem Namen amen, amen, amen. –

Nimm Mich zu deinem wahrsten Vater in dein Herz. – 28. Dezember 1845, Greifenburg.

An Elise H.

01. Ich weiß um deinen Tag und um den deiner Geburt, aber du weißt auch, daß Ich ein Feind des Gratulierens bin. Darum auch sende Ich dir so spät als möglich nach deinem Tage dieses Wörtlein und sage dir darin auch weiter nichts, als daß Ich dich recht lieb habe! – mit welchem Wörtlein du, Meine liebe Tochter, aber auch vollends zufrieden sein kannst.

02. Du wirst zwar für eine kurze Zeit ein kleines Kreuzlein überkommen, das wohl nicht mit irdischen Diamanten besetzt sein wird, aber desto reichhaltiger an denen Meiner Vaterliebe und Gnade wird es sein! Nimm Mich vollends zu Deinem wahrsten Vater in dein Herz, so wirst du des Kreuzleins Bürde kaum wahrnehmen.

03. Enthalte dich der Welt, die nichts als Tod und Verderben feilhat, und halte fest an Meinem Herzen – und zweifle ja nicht, daß Ich es bin, der dir das sagt, so wirst du zeitlich und ewig selig sein in Mir, deinem Herrn und Vater! –

04. Alle deine Sorgen und unnötigen, dich so manchmal beklemmenden Gedanken lege nur fein auf Meine Schultern, dann wird alles gutgehen, und wir werden allezeit zum rechten Ziele gelangen!

05. Aber was dich nur immer in der Welt anlächelt, das fliehe im Herzen; denn wo du nun auf der Welt hintrittst, Ich sage dir, da ist alles Maske, hinter welcher allerlei arges Geschmeiß steckt! – Ich sage dir: Ärger war die Welt auch zu Noahs Zeiten nicht, als sie jetzt in gar sehr vielen Stücken ist!

06. Das nehme dir in aller Liebe zu Mir so recht lebendig zu Herzen und ertrage alles geduldig und gelassen sanft, so wirst du wachsen wie eine Zeder in Meiner Gnade!

07. Klage aber auch nicht über die Welt, sondern opfere alles Mir auf! Ich werde zur rechten Zeit alles so machen und gestalten, wie es am allerrechtesten sein wird. Siehe, es hat die Welt ihren Lauf, der Himmel den seinen, und kein Tag gleicht dem andern. Das alles ist so in der Ordnung; denn auch an aller Welt muß die Weissagung erfüllt werden, so wie sie an Mir erfüllet ward!

08. Daher aber mag auch ein jeder, der Mich liebt, in vollster Ruhe sein in seinem Herzen; denn er kann es ja förmlich mit Händen greifen, daß da überall Meine ewige Ordnung vorherrscht. Das Leben ist ein fortwährender Kampf; daher lasse dir den Weltkampf nicht zum Grauen werden; denn wenn du in Meiner Liebe bist, da wirst du mit diesem Kampfe wenig zu tun haben! – Ich allein bin für alle die Meinen der allmächtige Kämpfer in Ewigkeit.

09. Damit gebe Ich dir aber auch Meinen lebendigen Segen und Meine Gnade amen. –

Ich will segnen, die du segnest! – 12. Februar 1846, Greifenburg.

An Julie H.

01. Deine Freude ist gerecht, daß Ich Mich Selbst freue in deiner Freude. Daher will Ich auch segnen, die du segnest! – Die kleine Martha ist auch Mir recht lieb, denn ihre Seele ist freier bei Mir denn die mancher anderen, die viel beten durch den Mund, aber wenig durch das Herz. – Sage ihr daher, daß Ich sie recht lieb habe. Und diese Meine Versicherung sei ihr ein teuerstes Bindband zu ihrem irdischen Namensfeste!

02. Was sie von Mir erbitten wird, das will Ich ihr auch geben, so sie in der Liebe zu Mir verharren wird amen. –

Dein Maß in Meinem Reiche. – 21. April 1846, Greifenburg.

An Anselm H. zum Namenstag.

01. Du, den Ich im Mutterleibe zu einem guten Gefäße geschaffen habe aus Lehm, Wasser und Geist, den Ich nahm aus dem Odem Meines Herzens, siehe, Ich bin dein Gott und dein göttlicher Vater! Was gabst du Mir zuvor darum, daß Ich dich gebildet habe? Ich tat es frei und hatte nie einen Ratgeber, noch einen Helfer – also schuf Ich jedes Ding, wie Dich, ohne Rat, Hilfe und Entgelt.

02. Da aber schon Meine Liebe und Weisheit so große Dinge tat an den Menschen, warum schätzen sich dann die Geschaffenen unter sich? – Wer da sagt, dieser ist besser und jener vorzüglicher, der tut Mir zuvor; denn das Urteil über ein Werk trifft den Werkmeister und nicht das Werk.

03. Wie tun aber die Menschen – so ein Vater, so eine Mutter? – Sagen sie nicht: Siehe, mein Sohn, du bist von besserer Geburt! Dir taugt die gemeine Dirne nicht zum Weibe, nimm dir eine Ebenbürtige! Und du, meine Tochter, was hast du mit diesem Manne niederen und dürftigen Standes zu tun? Siehe, es gibt Edle und Reiche, für die deine Hand und dein Herz geschaffen. – Was meinst du wohl, geht diese Klassifikation Mich, den Werkmeister, oder den Menschen, die alle gleich Mein Werk sind, an? – Ich meine, das Urteil trifft Mich!

04. Die Folge davon wird sein eine große Musterung über dem Grabe; denn Ich als der ewig unendlich Vollkommenste kann es doch nicht über Mich nehmen, daß Mich Meine Werke also als unvollkommen schelten durch solche Urteile.

05. Darum sage Ich dir: Willst du auf der Erde des Himmels Vollkommenstes schauen, so schaue das Allergeringste an, – denn das Höchste auf der Erde wird drüben das Unterste und Elendeste sein.

06. Willst du einen Maßstab haben, der dir dein Maß in Meinem Reiche zeigen kann, dann suche, wer dir gleichkommt – welchen Hauses Tochter soll dein Sohn nehmen dereinst, und von welchem Gewichte solle der Mann für deine Tochter sein? – Frage dich aber streng im Herzen, so wirst du es ganz genau finden, wieviel dir noch übrigbleibt vor dem Innersten Meines Reiches. Denn da ist es nicht genug zu sagen, siehe, mir sind alle Menschen gleich, und der Niederste ist meinem Herzen am nächsten, sondern das muß lebendige Wahrheit sein im Geiste, umseelt mit dem festesten Willen; dann auch ist Mein Reich im Menschen lebendig. Aber wo noch wie immer gestaltete Grade über den Wert des Menschen (wohlverstanden Menschen und nicht Räuber, Hurer, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Totschläger und dergleichen, die nicht Menschen, sondern Teufel sind) im Herzen auftauchen, wo sich die Natur noch dagegen sträubt, da ist Mein Reich um noch ebenso viele Grade entfernt, als um wie viele Grade sich jemand bei sich aus was immer für Rücksichten für besser und vorzüglicher hält.

07. Bis jemand nicht die allerunterste Stufe in allen Außeninteressen seines Herzens wird erreicht haben, wird er in Mein Reich nicht eingehen können; denn Ich habe Mir Selbst das Niedrigste erwählet! –

08. Siehe, das ist eine gute Lehre und Gabe – sie ist der unfehlbarste, schnurgeradeste und somit kürzeste Weg zu Mir, der als ein Angebinde für deinen Tag wohl am besten taugt. Nimm ihn lebendig auf in deinem Herzen, so wird er dir auch die lebendige Frucht Meines Wortes in dir bringen. Und wirst du Mein Wort haben, dann hast du auch Mein Reich ewig amen. – Das sagt, Der dich im Mutterleibe aus Lehm, Wasser und Geist gebildet hat amen, amen, amen. –

Im Kreuze keimt das ewige Leben für Seele und Geist. – 11. September 1846, Greifenburg.

An Carl R. v. Leitner.

01. Höre Mich, du Mein Freund und Bruder, aus deinem wohlgezierten Herzen! Mache dir aus deinem etwas geschwächten Fuße nicht viel, mit der Zeit wird es schon besser werden mit ihm. Siehe, alles ist gut, was Ich gebe; aber das Beste unter allen Meinen Gaben ist das Kreuz, denn in diesem keimt das wahre ewige Leben für Seele und Geist! –

02. Wenn die Bäume viel Blätter treiben, dann kommt wenig oder wohl gar keine Frucht zum Vorscheine; sehen aber die Bäume mehr mager und kränklich aus, dann geben sie viel Frucht. – Siehe, also ist es auch mit dem Menschen, solange er lebt auf dieser Erde. Ist sein Leib recht frisch und gesund, da fühlt er wenig von einem Bedürfnisse nach Mir und läßt Mich bald, wie die Welt sagt, einen sogenannten ‚guten Mann‘ sein. Aber bei einer kleinen Leibeskrankheit, besonders wenn diese die irdischen Ärzte nicht beheben können, wird der Mensch wie mit einem Bande an Mich wieder angezogen und fängt wieder an, bei Mir Hilfe zu suchen, was für seinen Geist sehr heilsam ist. Denn also fängt dieser wieder an zu wachsen von innen und arbeitet an künftigen Fruchttrieben fürs ewige Leben, was in sich viel besser ist, als ein vollends gesunder Leib mit einem nahe toten Geiste, aus dem keine Frucht zum ewigen Leben knospet.

03. Siehe, aus dem Grunde belasse Ich auch dir dein kleines Fußübelchen, das wahrlich in nichts anderem besteht, als in einem ganz leichten Bändchen, das Ich ganz sanft nur um deinen Fuß geschlungen habe, auf daß Ich sozusagen eine Handhabe in Meiner Hand habe, um dich wahrhaft am Gängelbande über die Pestgefilde der Welt hin zum ewigen Leben zu leiten! Daher ist auch dieses Bändchen etwas hartnäckig und läßt sich weder so ganz durch eine Salbe wegschmieren, noch durch ein Bad wegwaschen! – Wann es aber an der Zeit sein wird, werde Ich dich schon ganz gratis vollkommen freilassen.

04. Das diene zu deiner Beruhigung und zu deinem großen Troste, auf daß du zeitweise nicht kleinmütig werdest, so Ich manchmal das Bändchen etwas straffer halte. Du aber denke dabei allezeit, so du im Fuße eine leise Unbehaglichkeit verspürst: Nun hat wieder mein guter Vater im Himmel das Bändchen zu meinem Heile angezogen! – Ihm alle meine Liebe darum!

05. So du das öfter tun wirst im Herzen, werde Ich auch stets mehr nachlassen am Bande des Fußes und werde dagegen fester ergreifen das Band des Herzens, – aber die Fußwaschung ist das erste bei der Wiedergeburt des Geistes!

06. Damit sei dir Mein Segen, Meine Liebe, Gnade und Erbarmung ewig amen. –

Beginn der Niederschrift des Werkes ‚Die Erde‘ unter dem Titel: Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung des Mittelpunktes der Erde. – 28. Dezember 1846, Graz. (Schluß des Werkes am 27. April 1847.)

Schreiber: Ans. H. (nach dem Diktat des Herrn an Jakob Lorber)

Fragen zu Texten bei Markus und Johannes. – 3. Januar 1847.

(Fragende: Paul, Peter und Pauline H.)

00. Markus 9,10: Und sie fragten Ihn und sprachen: Was sagen denn die Pharisäer und Schriftgelehrten, daß Elias müsse zuvor kommen?

00. Johannes 7,13: Doch redete keiner frei von Ihm aus Furcht vor den Juden.

00. Johannes 3,12: Wenn Ich zu euch von dem Irdischen rede und ihr nicht glaubet, wie solltet ihr glauben, wenn Ich zu euch von dem Himmlischen rede?

01. Siehe, das ist die rechte Form, wie die Welt gewöhnlich fragt bei allen Verheißungen aus den Himmeln, ob sie nicht von den Wundern, die sich die Welt in ihrer großen Torheit darstellt, vorbereitet werden. – Die in alle Blindheit verfallene Welt begründet sich danach stets mehr in ihrer Torheit und malt sich die verheißenen Erscheinungen am Ende auf eine solch materielle Art aus, wie sie in eines Engels Sinn nie hätten aufkommen können. Kommen dann aber die vorgesagten Zeichen sicher in einer ganz andern Gestalt, als sich selbe die dumme Welt ausgemalt hat, da wird geradeso gefragt und der Elias wird, wie bei den Juden, allezeit vermißt.

02. Also geht es nun mit der Verheißung von Meinem tausendjährigen Reiche; man erwartet es materiell in Meiner persönlichen Gegenwart! – Siehe, dieses Reich ist schon lange da im Geiste und im Herzen der guten Menschen. Aber weil der materielle Elias – oder die von der Verheißung voreingebildete Dummheit – nicht also zum Vorscheine kommt, wie sich diese eben die Welt in ihrer ehernen Blindheit ausgemalt hat, so geht es nun Mir und Meinem Reiche genau also, wie es Mir vor neunzehnhundert Jahren ergangen ist.

03. Nicht einen, sondern wohl tausend Eliasse habe Ich seither, das Volk der Erde auf Meine Ankunft als Vater vorbereitend, auftreten lassen, aber (es ging und) geht ihnen um nicht vieles besser als dem Johannes in der Wüste. Dir, du Mein junger Frager, aber diene das zur wahren Prüfung des Wortes! Willst du Mein Reich finden, da suche du den kommen sollenden Elias in dir, der da ist ein rechter Wandel nach Meinem Worte, dann wird Mein Reich schon kommen in aller Kraft und Herrlichkeit inwendig in dir selbst! –

04. Ich bin aber also auf diesem vorgesagten rechten Wege wohl schon bei vielen, die sich alle schon in Meinem Reiche befinden; aber diese Vielen gleichen jenen guten Juden, die sich aus Furcht vor den bösen großen Weltjuden nicht frei von Mir zu reden getrauen. War schon die Furcht der Juden gewisserart eine wechselseitige, wo sich der Große vor dem Kleinen und also umgekehrt scheute. Aber in dem ist nun ein Unterschied; denn nun fürchtet stets der Kleine den Großen. Doch das wird nur noch eine kurze Zeit dauern, dann wird die Furcht sehr gewaltig verkehret werden.

05. Wenn dieses geschehen wird, dann wird jeder Meines Reiches bestens verstehen, was der kommen sollende Elias für ein Mann ist; dann wird auch das Mädchen, das jetzt Irdisches schwer begreift, auch mit großer Leichtigkeit die himmlischen Dinge fassen, wenn sie ihr auch nicht von irgendeinem selbstsüchtigen und sehr eigennützigen Schulschwestern-Kollegium nach der Kapuziner Art erklärt werden! – Denn das alles wird Mein Geist tun bei den Kleinen und Schwachen. Aber deshalb wird die Welt doch stets sehr blind und dumm bleiben; denn diese wird den wahren Elias nicht erkennen, wie sie ihn noch nie erkannt hat! –

06. Ihr aber sollet den Elias erkennen – und habet ihn auch schon erkannt; denn er ist schon lange bei euch. – Wie ihr ihn aufnehmet, so nehmet ihr auch Mich auf; aber wohlverstanden hauptsächlich geistig amen. – – –

Die Perle. – 31. Januar 1847.

01. In des Meeres tiefem Grunde, da wo die mächt'ge Woge erregt von grauser Windesbraut nimmer wühlt im tiefgelegnen Meeressande und wohl leicht nicht trübt den kargen Schimmer, der, ein Strahl der Sonne, noch die feuchte Meereswand durchwirrt und des Lichtes letzte Spitzen taucht in Haies Falkenauge, – da ruht ganz still in festgeschlossner Mutter eine hehre Frucht, die edelste der Tiefe, die, herauf ans Sonnenlicht gebracht, der Sonne wird zum Spiegel – und glänzt und pranget gleich mit ihr als Edelste mit der Edelsten! – Da schmückt mit ihr der König seinen Herrscherthron, die Fürstin ihren Arm, Haupt und Hals. Der großen Perle großen Wert weiß selbst ein Salomo genug zu schätzen nicht. – Die Edelsteine müssen erst geschliffen werden, sonst zieren sie die Kronen nicht; doch keines Schliffes bedarf die Perle mehr; wie sie der dunkle tiefe Meeresgrund gegeben, so ist sie schon die herrlichste Juwele! –

02. O Menschen! In euch auch ist ein Meer, in seinen Friedenstiefen bergend solchen Schmuck, damit der Himmel Fürsten reichlichst schmücken ihre Stirnen, Brust und Lenden! –

03. Kennt ihr Menschen ihn, kennt ihr die Perle, die der Armut Herz im armen Bruder birgt, und die herrlicher und größer sich gestaltet in des Gebers liebend-warmem Herzen, das da allzeit Gutes übt im stillen Meeresgrunde seines Liebefriedens – und edler wird und hehrer als der Sonne lichterfüllte Sphären? – O seht, das ist des Himmels Werden und sein Lichtgestalten in dem tiefen Lebensgrunde; Mein Gotteswort mit Fleisch bedeckt zwar noch, doch himmlisch wirkend, weil selbst Himmel über alle Himmel, also Himmel zeugend, schaffend, Licht gebärend in der Mutter, die da ist die Liebe – Gottesliebe, Bruderliebe, allumfassend, all's ergreifend, an sich ziehend und in ihrem Adel selbst das Allertiefstgesunkne noch bemühet in ihr Edles zu verkehren, – gleichwie die Perle des tiefen Meeres Schlamm in ihren hohen Adel zieht und ihn verkehret in ihr edles Wesen.

04. Nicht richtet die Perle den Schlamm, den sie verkehret in ihr Wesen durch ihr stilles Wirken, das die Welt nicht sieht und nicht bemerkt, wo doch so viel Edles wird gezeugt, daß die Welt den großen Wert nicht einmal kennt und ihn nicht zu schätzen weiß, – und es wird da das Edelste und Köstlichste im engsten stillen Raum gezeugt.

05. Also auch soll spiegeln sich ein wahrer Mensch in der Perle eignem Schimmer, der da lieblicher wohl ist als des Orions Feuerpracht, dann wird in sich er finden, was seines Lebens Meerestiefe birgt.

06. Der Weg ist offen, schlummernd hat der Sturm sich gelegt; wer mag da zaudern noch?! – Handelt, handelt nach dem Worte, werdet echter Perlen echte Fischer! – In eures Herzens Meer der Barmherzigkeit senkt eures Willens Taucherglocke, und spannet eurer Bruderliebe Netz über den Schlamm der Armut, da werdet einen guten Fang ihr tun, – denn Ich Selbst werde als Perle der Perlen sein unter den Perlen, die ihr in das Brudernetz eurer Liebe gefangen habt; denn wie die Perle in des Meeres stiller Tiefe wird, so werde Ich in eurem Herzen eine Lebensperle, die euch nimmer genommen wird ewig. –

07. Ein Licht ist diese Perle, ein Leben ist sie, ein lebendiges Wort, ein Himmel, Ich Selbst die Perle der Perlen! Daher gehet und sammelt die Perlen, und so ihr die große findet, dann gebet alles her und kaufet euch diese, denn Ich Selbst bin diese große Perle, – wer die hat, der hat alles; denn ihr Wert wird ewig, ewig unschätzbar verbleiben! – Also spricht ein Gott von Gott aus Gott, der Mensch ward, um die Menschen zu Göttern zu machen. Werdet also durch die Perle der Perlen selbst zu Perlen; werdet Götter durch Mich, euren Gott und Vater für ewig amen, amen, amen. – – –

Sorget nicht, die Sorge beschwert das Herz! – 14. Februar 1847.

Für Alexandrine und Julie H.

01. Schreibe nur, Ich weiß es schon, was du hast! Deine beiden Klienten möchten von Mir ein Wörtlein, darum, daß die eine geboren ward, und die andere, daß ihr Taufnamenstag naht, wovon der Tag der Geburt freilich für jeden Menschen um sehr vieles mehr gilt als der römische Taufnamenstag.

02. Ich will aber darum deinen beiden ein Gleiches geben, denn siehe, sie haben uns ja eben heute früh das Haustor geöffnet. Darum müssen wir ihnen schon auch etwas recht Schönes geben, daran sie eine rechte Herzensfreude haben sollen – und das als eine Entschädigung für den heutigen Schreck an der Hausflur, von dem sie zwar nichts mehr wissen, weil Ich ihnen das zu ihrem Besten wieder aus der Seele nahm. – Aber das macht nichts. Sie werden derlei geistige Auftritte zwischen Mir und ihnen dereinst schon gewahr werden und dann erst so recht erkennen, wie nahe, wie gut Ich ihnen immer war, wie stets besorgt um ihr geistiges, seelisches und auch leibliches Wohl.

03. Und so schreibe denn zuerst der kleinen Martha, daß Ich ihr durch dich sagen lasse, sie solle in ihrer Liebe zu Mir verbleiben und Mich zum Hauptgegenstande ihrer Liebe machen in ihrem Herzen, so wird sie mehr gewinnen in einer Minute, als mit all ihrem Martha-Kümmern in tausend Jahren. Ich will aber ihren häuslichen Fleiß nicht tadeln, sondern lediglich nur das, was dabei oft unnötig ist, wegwünschen.

04. Dergleichen Unnötiges taugt nicht zum Geschäft der Hauswirtschaft, das Ich gar wohl kenne; denn auch Ich habe einst auf Erden im Hause Joseph allerlei häusliche Geschäfte besorgt und verrichtet. – Recht und fleißig handeln ist gut, aber sich übertrieben um etwas sorgen, das ist nicht recht; denn wer Mich kennt und liebt, der muß alle Sorgen auf Mich legen, denn die Sorge beschwert das Herz und drückt es da oft nieder, wo es sich zu Mir erheben soll.

05. Also aber muß das Herz fortwährend frei sein, damit es sich allezeit frei und leicht zu Mir erheben kann, durch welche Erhebung es von Tag zu Tag geistiger und lebendiger werden kann.

06. Noch eine Unnötigkeit besteht in einer etwas übertriebenen Reinlichkeitsliebe im irdischen Hauswesen. Die Reinlichkeit ist wohl überall recht, aber nur eine oft eitle Besorgnis darum ist nicht in der rechten geistigen Ordnung. Denn alle Sorge taugt nicht fürs Herz des Menschen und ist eitel, weil sie das Herz schwer macht. – Sorge ist nur Meine Sache! Du, Meine liebe kleine Martha, aber sorge dich gar nicht, denn siehe, alles was du tust, kannst du auch ganz sorglos tun und wirst dabei geistig und leiblich gesund sein. Ob du dich sorgest oder nicht, deswegen wird dennoch alles geschehen; denn so Ich es will, geschieht es ohne deine Sorge, – will Ich es aber nicht, so magst du dich tausend Jahre Tag und Nacht sorgen, so wird es dennoch nicht geschehen, darum, weil Ich es nicht will!

07. So sich aber jemand schon sorgen will, da sorge er sich allein um Mich und Mein Reich (das ist die Liebe), alles andere wird ihm gratis hinzugegeben werden.

08. Nun aber noch etwas, Meine liebe Martha, du mußt deinen Tabakgusto verbannen; denn siehe, das ist fürs erste häßlich, und fürs zweite ist es für deine Natur sehr schädlich. Daher mußt du dich Mir zuliebe in diesem Stück schon recht bezähmen, sonst wirst du noch lange nicht völlig gesund werden. Denn siehe, der abscheuliche Tabak ist ein Gift und entsteht aus dem Teufelsdreck, wie auch die alten Weisen diese Giftpflanze benannt haben. Daher mußt du dich darin wohl bezähmen, sonst könnte Ich es neben dir mit der Zeit vor lauter Gestank ja nicht aushalten. Denn siehe, dieses Unkraut stinkt besonders in dieser Zeit für Mich ganz besonders, weil durch dasselbe gar so überaus viel Unheil angestiftet wird. Daher lasse du in Zukunft das Schnupfen; es ist genug, daß die sich dieses Unkrautes bedienen, die sich schon von Jugend auf daran gewöhnt haben. Aber auch für diese wäre es besser, wenn sie es bleibenließen.

09. Und siehe, das ist es aber auch, was Ich dir – oder besser von dir nicht nur zu deinem Namenstage, sondern allezeit wünsche! Und wirst du diesem Meinem Wunsche in deinem Herzen entsprechen, so wirst du ehestens am Geiste und am Leibe gesund werden in der Fülle Amen; das sage Ich, dein lieber heiliger Vater amen, amen, amen. –

10. Und nun schreibe also noch ein Wörtlein für die Schwester der kleinen Hausmartha, die heißt Alexandrine.

11. Von dir, du Meine liebe Alexandrine, verlange ich nichts – als die Liebe. Denn siehe, die Schönen gefallen auch Mir; und du bist schön, darum gefällst du Mir auch überaus wohl. Aber du mußt da etwa nicht deinen Leib darunter verstehen, sondern dein Herz nur, das gegen Meine armen Brüder und Schwestern sehr schön ist, was Mir an dir überaus wohl gefällt.

12. Aber dennoch habe Ich etwas wider dich, und das ist, daß du manchmal in deinem Äußeren etwas eitel tust und gerne sozusagen pitzelhaftig wirst. Siehe, derlei Krenwürzlein müssen aus dem Leibe heraus, sonst verbittern sie mit der Zeit das Herz, und ein bitteres Herz mag nicht annehmen Meine Liebe! – Das mußt du ganz ablegen, wie du schon wirklich einen bedeutenden Teil abgelegt hast, dann wirst du dich ganz für Meine Liebe eignen.

13. Auch mußt du dich nicht zu sehr auf die Frisierkunst verlegen, denn ein zu sehr in Zöpfen verwickelter Kopf ist zumeist ein Aushängeschild des Herzens und zeigt an, daß dieses auch zumeist so verflochten ist wie der Kopf mit seinen Zöpfen.

14. Nummer drei aber will Ich dir, du Mein liebstes Seelchen, noch etwas sagen: Da du nun noch recht jung und natürlich zart und üppig bist, so meide die Fensterluft und setze dich nie zu nahe an die Fenster, so wirst du nie einen Ausschlag, weder im Gesichte des Leibes, noch im Gesichte deiner schönen Seele bekommen.

15. Das alles wünsche Ich dir nicht nur für den Geburtstag deines Leibes, sondern für deine ganze Lebenszeit. Dann wirst du vollends Meine Geliebte sein und Ich dein lieber heiliger Vater zeitlich und ewig amen. Das sage Ich in aller Meiner zärtlichsten Liebe zu dir amen, amen, amen.

Alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe. – 18. April 1847.

.a01. Du möchtest schon wieder eine gewisse Gratulation, und zwar für deinen Freund und Bruder Anselm H. W. – aber siehe, was bei Mir einmal gilt, das gilt allezeit und ewig. Ich bin nicht, daß Ich jemandem gratulierte gleich den albernen Menschen zum Geburts- oder Namenstage. Denn das tun eben nur dumme Menschen, die nichts geben können oder zumeist nichts geben wollen, so sie auch noch etwas geben könnten, oder solche, die fürs Gratulieren etwas bekommen wollen oder wenigstens möchten.

.a02. Ich aber, der Ich nur geben und nicht von jemandem irgend etwas nehmen kann, da ja ohnehin alles Mein ist, was je irgend ein Mensch zu besitzen wähnt, kann niemandem gratulieren, denn alles, was von Mir ausgeht, ist eine Gabe und unmöglich je eine Gratulation!

.a03. Wem könnte Ich wohl irgend ein rechtes Glück wünschen und ihm es nicht geben, sondern, wie gesagt, bloß nur wünschen, wie es die Menschen tun? Oder wie könnte Ich jemandem zu irgendeinem Glücke gratulieren, als hätte er es etwa nicht von Mir erhalten?

.a04. So du aber jemandem etwas geben möchtest und gingest dann aber selbst zu dem Beteilten und möchtest ihm dann noch obendrauf gratulieren darum, daß er so glücklich war, von dir eine solche Glücksgabe zu bekommen, – müßtest du darob nicht zuerst dich selbst auslachen ob solcher großen Dummheit, und müßte dich der Beteilte nicht selbst für einen nahe Irrsinnigen halten, so du ihm zu dem, was du ihm gegeben, noch obendrauf selbst gratulieren möchtest? Das können wohl andere, aber nicht der Geber selbst tun.

.a05. So es aber schon bei den Menschen und unter den Menschen sehr läppisch und dumm wäre, so etwas zu tun, was für ein Gesicht hätte das aber erst dann, so Ich, der Herr und alleinige wahrste Geber aller guten Gaben, so etwas täte? Würden darob nicht alle Kühe, Ochsen, Kälber, Pferde, Esel und Schafe auf alle Spitzen der Bäume steigen und Mich und alle Welt auslachen? – Siehe, siehe, so etwas von Mir zu verlangen, ist wohl noch sehr albern und läppisch von dir.

.a06. Ich will und kann dem A. H. W. wohl etwas geben, wie Ich ihm gar sehr vieles schon gegeben habe; aber für eine Gratulation solle solch eine Gabe weder von dir, noch von jemand anderem angesehen werden; denn wie schon gesagt, Ich kann nur geben, aber ewig nie gratulieren. Daher folge hier auch eine Gabe, aber keine Gratulation.

Eine Gabe für A . H. W. – 18. April 1847

.b01. Höre du, Mein lieber und sehr fleißiger Abschreiber Meiner Liebegaben für Geist, Herz und Verstand, der da ist eine Sehe der Seele! Du beklagst dich immer über allerlei Schwächen deines Fleisches; bald ist dein Kopf nicht in der Ordnung, bald deine Füße, manchmal auch dein Magen, den du öfter einer gewissen Blödheit beschuldigst. Aber siehe, das kann nicht anders sein; denn du bist noch immer ein kleiner Schwelger und trinkst Bier und Wein durcheinander und ißt dazu bald dies, bald jenes, was dir gerade dann und wann schmeckt. Meinst du wohl, daß das deinem Leibe dient? O mitnichten! Das alles ist ein Gift für deinen in Jahren schon etwas vorgerückten Leib.

.b02. Versuche nur einmal und gib von allem, was du in einer Woche ißt und trinkst, nur einen kleinen Teil in einen Topf und berieche nach acht Tagen dieses Topfes Inhalt, und du müßtest sehr abgestumpfte Geruchsnerven haben, so dieser Gestank dir nicht sogleich einen großen Ekel erzeugen würde.

.b03. Wenn aber derlei Allerhanddurcheinander in einem kalten Topfe so üble Mefitika erzeugt, was muß es dann erst im warmen Magen alles für böse Dünste erzeugen, die sich dann mit dem Blute vereinen und die Nerven des Leibes bösartig narkotisieren, woher dann allerlei leibliche Schwächen erwachsen müssen!

.b04. Wenn du aber dann und wann etwas mehr kränklich wirst, so bleibst du zu Hause und wirst wieder gesund. Da kommt dir die häusliche Diät wohl zustatten. Wird sie dir wohl schaden, wenn du gesünder bist? Ich meine es nicht.

.b05. Willst du recht gesund sein und alt werden, so bleibe du schön fleißig bei deiner Hausdiät! Bestelle dir abends zu Hause ein einfaches, dir gut schmeckendes Abendmahl, aber nicht zu sauer und zu stark gesalzen, du magst etwas Wein mit Wasser genießen und zuvor einen guten Gang ins Freie tun, so wirst du gesund und stark verbleiben. Du magst auch dann und wann an schönen Tagen irgendwohin gehen, da ein guter Wein ist, aber das schlechte Lumpengesüff von einem Bier meide! Denn das hat alle schlechten Eigenschaften, nur keine guten – besonders in dieser betrügerischen Zeit, in der Hopfen und Malz rein verdorben sind.

.b06. Wenn noch irgend ein reines Gersten- und Hopfenbier zu haben wäre, so wäre davon ein mäßiger Genuß gerade nicht nachteilig, wenn auch eben nicht zu heilsam, weil es nur träge und sehr herabstimmende Spezifika in sich enthält. Aber ein Bier, wie es hier in diesem Orte fast allgemein bereitet wird, Ich sage es dir, ist ein barstes Gift. Denn es nährt nicht und löscht nicht den Durst, sondern es betäubt nur und erzeugt noch mehr Durst, damit die Leute desto mehr zu trinken genötigt werden.

.b07. Aber nicht nur für den Leib, sondern noch bei weitem mehr für Seele und Geist ist das abendliche Gasthausschmausen bei Bier und Tabakdampf überaus schädlich, da dabei durch die schlechte Kost in den Leib allerlei scheußliche Spezifika aufgenommen werden, die dann Seele und Geist trübe machen. Zu dem gesellt sich aber noch die Nacht der Erde, in der auch das allerschlechteste psychische Spezifikalgesindel in den Luftraum der Erde aufsteigt und im selben wo und wie nur möglich durch das Fleisch, das es augenblicklich durchdringt, die Seele mit allerlei Scheußlichkeiten besudelt und nicht selten mit unkeuschen Gedanken und Begierden erfüllt.

.b08. Siehe, du Mein lieber Freund A. H. W., Ich bin auch ein leiblicher Arzt; wirst du Meinem Rate folgen, dann wirst du stets recht gesund und stark in deinem Leibe wie in deiner Seele sein, und dein Geist wird leicht Meister derselben werden.

.b09. Dieses Rezept sei dir daher auch eine angenehme Gabe von Mir zu deinem irdischen Namenstage. Befolge es, und sein Segen soll nicht unterm Wege bleiben! Das sage Ich, Dein heiliger bester Vater dir, amen, amen, amen.

Über den Wiedergeburtstag des Geistes. – 10. Mai 1847.

An die Elise H.

01. Also wäre wieder ein Geburtstag da. – Es kommen zwar die weltlichen Geburtstage auch von Mir, dem Herrn alles Werdens und Seins, aber trotzdem sind Mir die Geburtstage des Geistes mit den Sterbetagen des Fleisches lieber als eben die nun gar häufig überaus mißlichen, ledigen Geburtstage des Fleisches.

02. Ich will aber damit nicht andeuten, als sollte da jemand ob des Wiedergeburtstages des Geistes und dessen Seele auch schon wirklich dem Leibe nach sterben und somit alles Zeitliche urplötzlich verlassen – o mitnichten, das verlange Ich nicht, und es ist die gute Sache auch nicht also zu verstehen. Sondern mit dem Sterbetage des Fleisches will Ich nur das Vergehen von allerlei weltlichen Gelüsten und Begehrnissen ganz wohl gemeint und verstanden haben, weil keines Menschen Geist und Seele völlig wiedergeboren werden können zum wahren Himmelreiche, solange irgend weltliche Bekümmernisse an der leidigen Seele haften.

03. Denn es geht mit der Wiedergeburt des Geistes und der Seele fast gerade also, wie mit dem Aufsteigen eines schon gefüllten sogenannten Luftballons. Dieser wird während des Füllens mit Seilen, Stricken und allerart Schnüren an in die Erde eingeschlagenen Pfählen befestigt, damit er nicht mit der halben Füllung aufsteige und dann in der niederen Luftregion von allerlei Winden hin und her getrieben leicht an irgendeinem harten Baumaste sich verhänge und Risse bekomme. Wenn er aber vollgefüllt ist und fähig, in die höchsten Regionen aufzusteigen, so müssen alsbald alle Seile, Stricke und Schnüre, die den Ballon früher an die Erde festhielten, abgeschnitten werden. Sonst wird der Ballon wohl an den Bindemitteln zerren, aber zum Aufsteigen in die freien Höhen wird er nicht kommen, bis nicht die letzte Schnur abgerissen ist.

04. Dieses Gleichnis aber lehrt, daß ein Mensch, wenn er auch noch so voll guter, wahrer christlicher Werke ist und sein Herz voll Liebe zu Mir und seinem Nächsten, er zwar alle Fähigkeit in sich trägt, die volle Wiedergeburt des Geistes zu erlangen, aber es halten ihn daneben so einige Schnürchen mit der Welt auch noch im Verbande! – Solange diese Schnürchen aber nicht völlig abgeschnitten sind, so lange kann auch sich der sonst selbst beste Mensch ebensowenig in die freie Höhe Meines Lebensreiches aufschwingen, wie ein vollgefüllter Ballon, den aber noch gewisse Schnüre an die Erde binden.

05. Siehe du, Meine allerliebste Tochter Elisabeth, das aber ist eben auch bei dir, wie bei deinem Manne und deinen Kindern besonders der Fall. Du bist zufolge deiner Mir überaus angenehmen Werke in deinem Herzen vollends fähig, die zweite Geburt zu erlangen. Aber siehe, eine gewisse Zahl von Weltschnüren hält dich noch mit der Welt im Verbande und hindert dich an der endlichen völligen Aufsteigung in Mein Reich bei deinen Leibeslebzeiten, die dir zwar nach der einstigen Ablegung des Leibes nicht entgehen wird, aber dir nun noch nicht eigen ist in der praktischen Fülle ob der erwähnten immerhin lästigen, wennschon an sich mehr unbedeutenden Weltschnürchen. Daher Ich dir zu diesem deinem Leibesgeburtstage auch nichts angelegentlicher wünschen kann, als die baldige völlige Losschälung von allem dem, was dich noch irgendwo an die Welt bindet.

06. Prüfe dich aber nur recht sorgfältigst selbst, und du wirst nach und nach leicht und bald alles finden, was dich bei deinen Leibeslebzeiten die völlige Wiedergeburt nicht in der Fülle erreichen läßt.

07. Von Mir aus aber bist du wohl schon wiedergeboren, und es fehlt dir sozusagen fast gar nichts mehr als bloß die Aufsteigung. Diese aber ist aus überaus weisen Gründen jedem Menschen selbst überlassen. Daher bemühe dich nur recht emsig, von der Welt auch in den kleinsten Fäden los zu werden, so wirst du leicht und bald jenen zweiten, vollkommenen Geburtstag für alle Ewigkeit erleben, der dir nimmer wird genommen werden!

08. Das ist der getreueste und wahrste Wunsch Dessen, der dich schon eher geliebt hat, als die Erde noch gegründet ward, – der dein wahrer Vater ist und bleiben wird von Ewigkeit zu Ewigkeit amen, amen, amen. –

Viele sind berufen, aber wenige auserwählt. – 18. Mai 1847.

01. Diese Stelle des Evangeliums wird, wie nicht leichtlich eine andere, ganz grundfalsch nahe bei allen Religionskonfessionen verstanden, denn fast alle sind der Meinung und bei den Römern sogar des auf allen Predigerkanzeln verkündeten Glaubens, daß bloß die wenigen Auserwählten in den Himmel kommen werden, alle andern als die vielen Berufenen aber werden unfehlbar nach dem ebenso grundfalsch verstandenen jüngsten Gerichtstage schnurgerade in die Hölle auf ewig verworfen werden. –

02. Damit aber dieser Satz des Evangeliums gründlich verstanden werden möge, will Ich ihn euch in einem Bilde dartun in der Art, wie er so ganz eigentlich im Geiste und in der Wahrheit verstanden werden soll. Und so vernehmet denn das Bild, welches also lautet:

03. Es war im Morgenlande ein großer, mächtiger und weiser König. Sein Reich war groß, und viele Völker beugten sich unter sein Zepter. Dieser König beschloß einmal bei sich, um seiner Untertanen mannigfache Fähigkeiten näher kennenzulernen, ein übergroßes Gastmahl zu geben, zu dem alle Hausväter mit ihren ältesten Söhnen und Töchtern zu erscheinen geladen wurden, auf daß der König die weisesten und geistreichsten Söhne aus den vielen Geladenen erwählte für seinen mannigfachen Hofdienst, und die Töchter, so sie wohlgestaltet und wohlgebildet wären, zu seinen Weibern und sonstigen Beischläferinnen.

04. Da aber die Untertanen solche Einladung vernommen hatten, entsetzten sie sich heimlich, da sie meinten, das werde nur ein schlauer Vorwand des mächtigen Königs sein, um sie alle in die Residenz zu locken, und wenn sie dann dort wären, sie dann alle übel umzubringen, und seine Augenweide zu haben am Blute seiner Untertanen. – Daher ließ sich ein jeglicher entschuldigen, und es kam niemand von den Geladenen in den königlichen Palast.

05. Als aber der König merkte, aus was für heimlichem Grunde die vielen Geladenen zu seinem großen Gastmahle sich nicht zu kommen getrauen, da sagte er zu den Einladern: „Was soll ich nun tun? – Sehet, das große Gastmahl ist bereitet, wer soll es verzehren? Ich sehe aber dennoch viele Neugierige auf den Gassen und auf den Straßen und viele, die auf die Zäune steigen und dort warten und gaffen, um zu sehen, was ich mit den Geladenen und zum Gastmahle Gekommenen tun werde. Gehet daher mit großer Macht hinaus an die Zäune, Gassen und Straßen, und wen immer ihr da treffet, den treibet herein, auf daß mein großes Mahl verzehret werde. Sehet dabei auch nicht auf die geziemende Bekleidung, ob hochzeitlich oder nicht, das ist nun gleich; denn nun handelt es sich vor allem um die Aufzehrung des Mahles, auf daß es nicht verderbe. Ist dieses geschehen, dann erst wollen wir untersuchen, was mein Gastmahl für Gäste hatte, und ob sie wohl alle würdig waren, an diesem meinem Gastmahle teilgenommen zu haben.“

06. Als die vielen Diener von ihrem großen Könige solches Gebot erhalten hatten, eilten sie zu allen Toren jählings hinaus und trieben alle, die sie trafen auf den Gassen, Straßen und Zäunen, zum Gastmahle des Königs, und darunter waren viele, die geladen waren.

07. Da diese Gäste aber die große Güte und Freundlichkeit des Königs merkten, da verging ihnen bald die große törichte Furcht, und sie wurden überfröhlich und lobten und priesen dann über die Maßen die große Güte und Weisheit des Königs und konnten nicht begreifen, wie sie zu einer solchen törichten Furcht vor ihm haben gelangen können.

08. Als das Mahl aber verzehrt war, da ging der König unter diesen vielen Gästen gar freundlichst umher und besprach sich mit den Vätern und mit den Jünglingen und besah wohl die Töchter; und wer ihm in seiner Art besonders gefiel, den wählte er aus der ganzen großen Gästegesellschaft für seinen Hofdienst und ließ jedem Gewählten sogleich königliche Gewänder antun. Das aber machte gar viele der Gäste traurig, darum, daß ihnen nicht auch solche Ehre widerfuhr.

09. Der König aber wandte sich sobald zu den traurig Gewordenen und sagte zu ihnen: „Warum trauert ihr deshalb, daß ich einige aus euch und euren Kindern für meinen Hofstaat erwählt habe, darum, da ich sie vermöge der an ihnen entdeckten Eigenschaften wohl brauchen kann; sind sie nicht eure Kinder? – Warum beneidet ihr trauernd sie um ihr Los? – O sehet, sie haben nichts denn eine größere und oft sehr verantwortliche Arbeit vor euch; in allem übrigen sind sie nichts mehr und nichts weniger denn ihr, meine Freunde, so sie beachten mein Gesetz. Denn sie alle, die ich da gewählt habe, haben das gleiche Gesetz und die gleiche Freiheit wie ihr und können, so sie wollen, demselben zuwiderhandeln und in solcher Handlung ein entsprechendes Gericht finden gleichwie ihr. – Mir, dem Herrn, aber steht es zu, das Gesetz für sie, wie für euch, so ihr weise seid, völlig aufzuheben, auf daß in meinem großen Reiche allenthalben eine große Freiheit herrsche sowohl an meinem Hofstaate als ganz besonders bei allen weisen Untertanen meines großen Reiches! – Darum beruhiget euch ob der Erwählten; denn ich, euer Herr und König, bedarf auch vorzugsweise der Untertanen, derentwegen ich so ganz eigentlich diese Hofdiener erwählet habe.“

10. Als die Gäste solches vom Könige vernommen hatten, da wurden sie überfroh und priesen die große Güte und Weisheit ihres Königs. – Da aber die gar sehr vielen Gäste also jubelten, fand sich unter ihnen auch ein räudiges Schaf von einem Gaste. – Während alle andern jubelten und hoch frohlockten und dem großen Könige ‚Hosianna‘ riefen, fing dieser an, den König zu schelten und verfluchte solch eigenwillige gemeinste Herablassung des Königs zu seinem Volke.

11. Diesen Einen aber ließ der König sobald ergreifen und ihn vor sich stellen. Als dieser einzige Schmäher vor dem Könige in garstigen Lumpen und Fetzen stand, da fragte ihn erbittert der König: „Elender Schmäher und Verflucher meiner Güte und großen Liebe zu meinem Volke, wie kamst du in solch unwürdigstem Anzuge in meine königlichen Gemächer? – Weiß ich doch, daß du von jeher aller meiner Güte und Weisheit widerstrebtest! – Du wohl hattest noch nie ein Hochzeitsgewand vor mir angetan. Darum ergreifet ihn, ihr meine getreuen Diener, und werfet ihn in den finstersten Kerker; allda solle er heulen und gewaltigst knirschen mit seinen Zähnen!!!“ – – –

12. Sehet, nur von diesem Einen ist die Rede, daß er in den Kerker geworfen ward, aber von den Geladenen nicht. Bei denen wird nur ihre weltliche Dummheit und nicht ihre Bosheit gerügt; aber das eine räudige Schaf kommt hier als gerichtet vor. Darum lernet es nun durch dies Bild, was da ist der rechte innere Sinn dieses oben angeführten Schrifttextes und haltet darum nicht nur die Auserwählten, sondern auch die Berufenen für Meines Reiches würdig und wert amen, amen, amen. –

Nähere Beleuchtung der vorherigen Parabel und eine neue Parabel. – 21. Mai 1847.

01. Das Morgenland ist das Reich Gottes, welches da ist das rechte Reich des Lebens – oder das ewige Leben in sich selbst. Der König bin Ich, der Herr und Schöpfer aller Wesen und Dinge von Ewigkeit.

02. Das große Gastmahl ist Meine Menschwerdung und das an sie gebundene große Werk der Erlösung, zu deren Teilnahme gar viele, ja gar überaus viele berufen sind, und vorerst die Hauptstämme Israels, die alle aber bekanntlich bis zur Stunde dazu noch nicht erscheinen wollten, teils aus Furcht vor dem nichtverstandenen mosaischen Gesetz, und teils aber auch ob der Hartnäckigkeit ihres Herzens und dessen vollstem Unglauben.

03. Die fähigen Söhne, die für Meinen Dienst sollen auserwählt werden aus den vielen Berufenen, sind die gewesenen und die bevorstehenden Verkündiger Meines Wortes. Und die schönen und wohlgebildeten Töchter, die da zu Weibern und Beischläferinnen sollen erwählt werden, sind die noch hie und da rein gebliebenen alten Lehren, Sitten und Gebräuche der Juden, die ihre Knie noch nie vor Baal und Mammon gebeugt haben.

04. Die Einlader sind zum Teile Engel, Propheten und zuletzt alle die Apostel und Jünger und endlich alle jene Knechte, die Mein Wort und Meine Lehre ganz unverfälscht an die Menschen ausgebreitet haben.

05. Und die auf den Gassen, Straßen und Zäunen sind alle Menschen, die da auf der Erde gelebt haben, noch leben und in der Zukunft hinfort noch leben werden, und zwar die auf den Gassen – jene, die auf der Erde noch leben, wohl in irgendeiner christlichen Sekte stecken, aber dessenungeachtet mit allen Torheiten der Welt behaftet sind und das rechte Licht nicht ergreifen mögen oder wollen, auf daß sie ja nicht das wahre ewige Leben überkommen mögen und vollends frei und selig werden.

06. Die auf den Straßen sind jene, die zwar auch noch auf der Erde leben, sich aber in irgendeinem jedermann mehr oder weniger bekannten Heidentume befinden, – und endlich die auf den Zäunen sind jene, die dem Leibe nach schon gestorben sind und sich in der geistigen Welt ihrer Seele nach befinden und dort eben auch gleich noch zum großen Gastmahle der Erlösung durch die rechten Umkehrmittel geladen werden.

07. Und endlich der unter allen den Geladenen und nun vielmehr förmlich mit Gewalt (der Liebe) zum Gastmahle Getriebenen und Gezogenen befindliche Eine ohne Hochzeitsgewand ist zunächst der Satan, und im weiteren Sinne alle diejenigen, welche ihm getreu geblieben sind und durch gar kein Mittel zur Umkehr zu bewegen waren; deren Los, wie die Parabel sagt, jener Kerker sein wird, darin ewige Finsternis herrscht, und der voll ist des Heulens und Zähneknirschens, was soviel heißt als: Unter dem Heulen ist Grundfalsches, dem Himmel Entgegengesetztestes, und unter dem Zähneknirschen Grundböses und Zornglut der Hölle zu verstehen, weil, so jemand von der höchsten Zornwut entbrannt ist, er mit den Zähnen zu knirschen und zu klaffen anfängt gleich einer gereizten Hyäne oder gleich einem vor Wut entbrannten grimmigen Tiger.

08. Mit diesen wenigen Worten ist nun die ganze Entsprechung zwischen dem materiellen Bilde und seinem geistigen, wahren Inhalte enthüllt. Wer die Sache aber noch tiefer fassen wollte und möchte, der tue gleichwie ein weiser Pflanzenforscher und Sammler, der da mit sich Rat hielt und bei sich sprach:

09. Was soll ich tun? Das Pflanzen- und Graswerk der Äcker, Wiesen und Gärten kenne ich genau; was auf den Alpen wächst, habe ich erforscht, auch was Sümpfe treiben und was der Meere Wässer decken, ist mir nicht unbekannt. Von allem kenne ich genau Namen, Platz, Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte und Frucht. Was soll ich mit dieser Wissenschaft denn nun noch weiter tun? – Siehe, nun fällt es mir bei! – Mein Auge will ich stärker und stärker bewaffnen und mit ihm das innere Gebäude der Röhrchen, Fasern und Zellen durchgehen, da werde ich sicher hinreichend Stoff zur ferneren Ausbildung meines Geistes finden.

10. Gut gedacht und noch besser getan! – Der Botaniker hat völlig recht. Wer die Materie kennt und ihren Weg, oder wer das Wort kennt und dessen Zweck, der tue gleich dem Botaniker, so wird er in die Tiefen des Geistes dringen. – Aber wie, fragt jemand, solle ich fürs tiefe Verständnis des Gotteswortes meine geistige Sehe bewaffnen, um mit ihrer seltenen Hilfe dahin dringen zu können, wo nun für mein gegenwärtiges Sehvermögen tiefe Nacht rastet?!

11. O Freunde, das ist leichter, als ihr es euch vorstellet. Der Glaube ist die gewöhnliche unbewaffnete Sehe des Herzens. Der Glaube aber erwecke die Liebe – die ist das Feuer, die Wärme und das Licht, welche drei Dinge in der einen Liebe alles ausdehnen, erweitern, stets mehr vergrößern und endlich völlig entfalten, gleichwie das Feuer, die Wärme und das Licht der Sonne es schon natürlich ersichtlich jährlich vor jedermanns Augen ausüben.

12. Mit der Liebe geselle sich die Geduld, das ist der Dünger; dann die Demut, das ist der fruchtbare Regen; und die Sanftmut, Erbarmung, Treue und Wahrhaftigkeit, das sind die guten Winde, die alle bösen Ungewitter vertreiben.

13. Diese Dinge festwillig ins Herz gefaßt und danach getan – und die außerordentliche Bewaffnung der Geistessehe ist in aller Fülle zustande gebracht, mittels welcher jeder aus euch, der keines griesgrämigen Magens ist, in der Fülle die inneren endlosen Wunder Meines gegebenen Wortes für ewig stets klarer und tiefer wird beschauen können, wozu jedermann geladen und berufen ist für ewig amen, amen, amen. –

Du bist Petrus der Fels. 25. Mai 1847.

Du bist Petrus (ein Fels), auf diesem Felsen will Ich Meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen! – Dir will Ich die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du lösen wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gelöset sein, und was du binden wirst auf Erden, das soll auch im Himmel gebunden sein.

01. Dieser Schrifttexte wegen herrscht noch bis jetzt in allen christlichen Bezirken auf der Erde der größte Irrtum und Wahn; denn alle ohne Ausnahme halten sich mehr oder weniger für den Kirchfelsen Petri und vermeinen, die wirklichen Schlüssel zum Reiche Gottes zu haben und dasselbe für die Hineinkommenwollenden nach Belieben zu öffnen oder zu schließen, das heißt, das Wort des Evangeliums nach Willkür zu geben, zu verstümmeln, vorzuenthalten, zu untersagen, dafür willkürliche Gebote zu geben und darauf die ewigen Strafen zu legen, die Menschen durch derlei Gebote zu möglichst vielen Sünden zu verleiten, diese dann nach Willkür nachzulassen oder vorzuenthalten und gegen gewisse Bußwerke sogar vollkommene oder unvollkommene Ablässe für alle begangenen Sünden zu erteilen oder wohl auch vorzuenthalten!

02. Hätte da jemand nur ein Atom groß reinen Verstandes, so müßte er es um Meiner Gottheit willen ja doch einsehen, daß Ich, der Ich lediglich nur das Gesetz der allgemeinen Bruderliebe bei jeder Gelegenheit predigte, unmöglich dem Apostel Petrus wie allen anderen Aposteln konnte eine solche Vollmacht gegeben haben und eine solche Bestimmung, die sich doch offenbar mit der Nächstenliebe gerade also verhält, wie Hölle und Himmel!

03. Wer Gesetze gibt, der gibt auch das Gericht; ist das Gericht Liebe? Ich nahm aber ja darum alles Gericht am Kreuze auf Mich, auf daß den Menschen allein die Liebe bliebe, – wo aber ist diese denkbar, wo eine Milliarde Richterstühle unter den sein sollenden Brüdern aufgerichtet sind und wo man hinsieht, nichts als Gesetze über Gesetze erblickt?! Ist das Petrus der Fels, auf dem Meine Kirche, welche nichts ist und sein soll als bloß nur Liebe und wieder Liebe, erbaut werden solle?!

04. Jeder, der Mich wie Petrus erkennt und liebt, ist ein rechter Fels, auf dem Ich Meine wahre Kirche, die wahre Liebe und Weisheit aus Mir, erbauen kann und auch vollernstlich wirklich erbaue. Wie aber soll dann irgendeine große oder kleine Gemeinde unter irgendeinem Oberhaupte ein Fels sein, da jeder denkt und glaubt, was er will; wo der eine mit den Lippen unverständliche Worte murmelt und solche Murmelei für ein nützliches Gebet verkauft, der andere darüber flucht und spottet und lacht, ein dritter als Richter auftritt und alles in den tiefsten Grund der Hölle hinein verdammt?! – Kann solch eine Gemeinde oder ihr Vorstand der Fels sein, auf dem Meine Kirche gebaut ist, die die Pforten der Hölle nimmer überwältigen sollen?!

05. Ich sagte: An der Liebe, so ihr euch untereinander liebet, wie Ich euch liebe, wird man erkennen, daß ihr wahrhaft Meine Jünger seid! – Die Liebe also gab Ich als das alleinige Kennzeichen, aus dem man erkennen kann, ob jemand ein wahrer Fels ist, auf dem Meine Kirche erbaut ist. – Wie soll aber dann der nun so vervielfältigte Richterstuhl unter den sein sollenden Brüdern ein Kennzeichen des von der Hölle nicht überwundenen Felsens Petri sein und Meiner darauf erbauten Kirche?! – O du entsetzlich blinde Dummheit der Menschen dieser Zeit, die du dich von der Hölle unüberwunden hältst und befindest dich allem deinem Handeln nach schon lange, lange, lange mitten darin!

06. Hätte Ich wollen eine sichtbare Kirche damit stiften, so hätte Ich wohl zu allen Aposteln und Jüngern gesagt: Ihr alle seid Petrus. Allein solches sagte Ich ja doch gar zu handgreiflich allein zu Petrus darum, da er der erste war, der Mich Meiner göttlichen Natur nach erkannte! – Er war sonach auch der erste, dem Ich in seinem Glauben und Vertrauen die Schlüssel zum Himmelreiche gab, welches da ist ein Reich der Liebe zu Gott im Herzen des Menschen und daraus erst die wahre Liebe zum Nächsten, zu welcher Liebe aber niemand ohne vorhergehende Erkenntnis Gottes gelangen kann, da doch sicher jedermann den zuerst kennen muß, bis er ihn lieben kann.

07. Diese Gottes- und Nächstenliebe ist also das wahre Reich Gottes, die einzig wahre lebendige Kirche, die auf dem Felsen der richtigen Erkenntnis und des daraus abgeleiteten festen und unerschütterlichen Glaubens und Vertrauens erbaut ist, die freilich keine Hölle mehr zerstören kann.

08. Aber äußeres gemeinschaftliches zeremonielles Parade- und Prunkwerk von einer sein sollenden unüberwindlichen Kirche Christi auf irgendeinem goldenen und silbernen Felsen Petri ist ebensowenig Kirche und Fels Petri, wie die Hölle ein Himmel ist oder der Kot eines Schweins ein Diamant. – Oder habe Ich wohl je gesagt: Am Golde, Silber, an Edelsteinen, kostbaren Meßkleidern, an großer irdischer Macht und am größten irdischen Ansehen, an den prachtvollsten Kirchengebäuden, Glocken und Orgeln, an der lateinischen Sprache und dergleichen mehr wird man erkennen, daß ihr Meine Jünger seid? – Wahrlich, wahrlich, so etwas ist von Mir nie als Kennzeichen Meiner wahren Kirche vorbezeichnet und vorhergesagt worden; durch Johannes wohl in der Offenbarung, wo von der großen Hure die Rede ist, – diese wird aber doch etwa der Fels Petri nicht sein?!

09. Simon Jona, der ein wahrer Petrus war, sagte zu einem, den er mit Meinem wahren Geiste in ihm gesund machte: „Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, das gebe ich dir!“ – Ob wohl nun mit gutem Gewissen, ohne sich vor der ganzen Welt lächerlich zu machen, das auch der sein wollende und sollende Nachfolger Petri in Rom, die Bischöfe in England, manche Superintendenten in Deutschland und der mächtige Patriarch aller Griechen von sich aussagen könnten?! Ob sie etwa wohl auch keine Säcke, keine Schuhe und keine Stecken haben? – O sehet, wie war Petrus und wie war seine Liebekirche auf dem Felsen seines Herzens gebaut, und was war ihr Grund, und wie sind nun alle die gegenwärtigen Kirchen gebaut, und was ist ihr Grund? Ich meine, das muß sogar ein Blinder begreifen und auch sehen, geschweige erst einer, dem die Augen doch schon ziemlich geöffnet sind.

10. Es kommt die Zeit, wo man Gott allenthalben im Geiste und in der Wahrheit anbeten wird, und nicht zu Jerusalem und nicht auf dem Berge Garizim! – Also leset ihr auch in der Schrift. – Demnach aber ist dann ja Geist, Wahrheit, rechte Erkenntnis, Glaube, Vertrauen und wahre Liebe zu Gott und dem Nächsten in jedes einzelnen Menschen Herzen der einzig und alleinig wahre Fels und die dann von Mir Selbst darauf lebendig erbaute Kirche, die allein der Hölle Trotz bieten kann ewig. Alles andere aber ist ein eitles Werk der Menschen und gilt für ganz und gar nichts und gibt gegen die Hölle nicht den allerleisesten Schutz, wenn der wahre Fels und die wahre lebendige, bei jedem einzelnen Menschen erbaute Kirche dabei mangelt.

11. Es ist daher auch eine eitle Frage, welche äußere, sichtbare Kirche unter den vielen, die Meinen Namen führen, die rechte sei. – Die Antwort darauf lautet und kann ewig nie anders lauten als: Gar keine! – Nur die Kirche im Herzen, das Ich gemacht habe, ist die alleinig rechte und vor der Hölle für ewig gesicherte; alles andere hat die Welt ausgeheckt, gehört ihr an und gilt vor Mir ewig nichts!

12. Sonach sind auch die Schlüssel zu Meinem Reiche nur in der lebendigen, allein wahren Kirche, nie aber in irgendeiner kirchlichen Gemeinde oder bei deren Vorstande zu suchen. Was jemand dann aus dieser seiner eigenen, von Mir in seinem Herzen erbauten lebendigen Kirche für sich lösen oder binden wird auf der Erde seines Naturlebens und des Lebens seiner Brüder, das ist schon auch im Himmel gelöset oder gebunden, weil diese allein wahre Kirche ja schon der eigentliche Himmel selbst ist – oder noch deutlicher gesagt: Was immer jemand in und aus solcher seiner mächtigen Liebekirche verrichten wird, das wird auch im Himmel verrichtet sein für ewig.

13. Das sind demnach auch die rechten Schlüssel zum Himmelreiche, daß ihr Mich als euren heiligen wahrsten Gott und Vater erkennet, über alles liebet und eure Brüder und Schwestern wie euch selbst. Ist das bei euch der Fall, so habt ihr Petrum, die wahre Kirche voll ausgebaut und die echten Schlüssel zum Himmelreiche; alles andere aber ist eine Null! – Dies verstehet also wohl und lebet danach amen, amen, amen. –

29. Mai 1847. (Du bist Petrus der Fels, Fortsetzung)

00. So aber da jemand unter euch ob des Felsens Petri fragen möchte und sagen: Ja, wenn dieser Fels also rein geistig zu nehmen und nur in jedem Menschen einzeln zu suchen ist und im Vorstande einer Gemeinde wie in der ganzen Gemeinde nicht zu verstehen ist, warum läßt denn da der Herr zu, daß sich Jahrhunderte hindurch die Gemeinden in den Haaren stecken und einander fort und fort auf das grausamste zerzausen bloß wegen der rechten Felsenschaft Petri, da jede Gemeinde fest glaubt, in ihr sei Petrus der Fels zu Hause?!

01. Der Grund solcher Zulassung liegt um gar vieles tiefer, als es jemand aus euch auf den ersten Augenblick meinen möchte. Es soll freilich wohl nicht also sein, wie es ist, – und doch muß es wieder also sein, weil alles andere noch so ist! – Dem Abraham ist ein rechter Nachkomme erweckt worden geistig ohne sinnlichen Beischlaf, desgleichen ward Johannes gezeugt, die Maria, und in der Urzeit geschahen solche Zeugungen häufig, und so manche Propheten wurden auf diese Art gezeugt.

02. Diese Zeugung ist freilich die rechte und kommt noch jetzt nicht selten ohne Wissen der Eltern vor; aber diese Art ist des Himmels und taugt für die Welt nicht, die aber doch auch ob der möglichen Teilnahme an der Erlösung sein muß. Was bleibt da aber dann anderes übrig, als der Welt ihre sinnliche Zeugungsweise zu belassen, und sonach die alte Sünde nebst der völligen Erlösung fortbestehen zu lassen, auf daß jede gefangene Naturseele in das Reich der Gnade und Erbarmung den ungehinderten Weg habe so oder so! – Also müssen auch äußere Petrusse bestehen, an denen sich die Kinder der Welt so oder so zurechtfinden mögen.

03. Wie dem Geiste nur das behagt, was seiner Natur ist, so behagt auch der Welt das, was ihrer Natur ist. Da ist das Sprichwort am rechten Platze, das da besagt: Gleiches gesellt sich am liebsten mit Gleichem. Es wäre auch von den Bäumen und anderen Pflanzen zu wünschen, daß sie anstatt der vorhergehenden Blüte und noch mancher anderen gewisserart zeremoniellen Erscheinlichkeit lieber sogleich reife Früchte zutage förderten. Allein es geht die Sache einmal nicht anders, so aus dem großen Wesenkreise alles, das noch zuunterst ist, endlich nach oben solle gerichtet werden und da zur ewigen Freiheit gelangen!

04. Also muß es auch zugelassen sein, daß neben dem einzig rechten Geistwege der Welt auch ihre verschiedenen Seitenwege und manchmal sogar die grellsten Irrwege belassen werden, auf denen sie mit der Zeit dennoch entweder hier oder dort auf den rechten Weg geleitet werden kann. Oder könnten wohl die Erstlinge, die von unten her kommen, sogleich in die allein wahre innere Kirche des Geistes eingetauft werden? Das ginge ebensowenig, als eine sogleich reife Frucht ohne vorhergehende Blüte von einem Baume.

05. Der Fürst der Nacht und des Todes muß also neben der rechten Kirche, die auf dem Felsen Petri erbaut ist, auch seine Weltkapelle haben. Aber aus dieser Kapelle geht dennoch ein Weg in die rechte Kirche, und er kann niemanden daran hindern, der von dieser Kapelle in die rechte Kirche übergehen will, so wie er euch nicht hindern konnte, aus der gleichen Kapelle in Meine rechte Kirche überzugehen und in selber zu verbleiben für ewig!

06. Stellet euch aber unter der rechten Kirche die Maria und unter der Weltkapelle die Martha vor, die viel Lärmens macht um pur Weltliches, während die Maria mit ihrem besten Teile zu Meinen Füßen Meine Lehre, die da allein ist Licht und Leben, behorcht und sie in ihr Herz aufnimmt! – Als aber ihr Bruder im Grabe war, da weinten aber dennoch beide gleich, und beide kamen zu Mir, daß Ich ihn erweckte, der tot – im Grabe – gebunden und voll Gestankes modernd lag!!! – – –

07. Doch darüber nichts weiter mehr! – Ich meine, ihr werdet aus dieser Gabe gar leicht entnehmen können, warum neben der rechten Kirche Petri im Herzen auch äußere zugelassen sind; daher davon etwas Weiteres zu sagen auch völlig überflüssig wäre. Darum beachtet dieses wohl im Herzen amen. –

Deine Freunde und Brüder. – Erklärung der zehn Buchstaben in ‚Haushaltung Gottes‘, 1. Band, 3. Kapitel, 12. Vers nach ihrem geistigen Sinn – 27. Mai 1847.

01. Vers 12: „Siehe, Ich will sie dir alle beim Namen: H1, L, V1, T, S, S, A, A, S, S nennen. Sie sollen alle Meinen Vatergruß empfangen und heute noch, wenn sie wollen, sollen ihnen die Pforten der Himmel geöffnet werden, das die Augen ihres Geistes sind, und Ich will noch heute wohnen in ihren Herzen. Nur eines noch sollen sie mit Beharrlichkeit tun, nämlich ihr Fleisch sollen sie reinwaschen aus dem Brunnen, da lebendiges Wasser innen ist, und einen Stab sollen sie nehmen, der zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß ist; den sollen sie zur Hälfte abbrechen, und den schwarzen Teil sollen sie der Welt unter die Füße werfen und den weißen Teil für sich behalten zum Zeichen, daß sie mit der Welt und mit ihrem Fleische auf immer gebrochen haben.“

02. Was diese von Anfange an bisher noch nicht verstandenen zehn Buchstaben betrifft, so liegt fürs erste das Heil der Sonne und des Mondes nicht daran, und die Sterne gehen auch ihren Weg fort, ohne sich durch das Unverständnis dieser zehn Buchstaben beirren zu lassen. Jeder von euch aber weiß, daß fürs ewige Leben nur eines not tut; wer auf das sieht und danach trachtet, hat für seinen Geist den besten Teil erwählt, – alles andere kommt zur rechten Zeit als eine freie Zugabe hinzu. Und so hätte auch ein jeder von euch seinem Geiste nach dies kleine Geheimnis schon lange enthüllt haben können, so er sich darum ernstlich und volltraulich in seinem Herzen fragend an Mich gewandt hätte. Statt dessen aber habt ihr wohl öfter schon nachgegrübelt – mit eurem Verstande bei weitem mehr als mit dem Herzen – und daher rührt es dann aber auch, daß ihr dies leichte Geheimnis noch nicht verstehet, und das darum, weil dergleichen Dinge für den Verstand nicht gegeben sind, sondern lediglich nur für das Herz und für den Geist!

03. Auf daß aber euer noch stark unverständiges Herz in rein geistigen Dingen nicht noch länger den leidigen Verstand als Auskundschafter in das geistige Geheimnisrevier aussenden soll wie einen blinden Jäger, der ihm noch nie irgendein fettes Wild heimgebracht hat, sondern allezeit nur ein halbvermodertes Aas, so will Ich euch gleichwohl die unter diesen zehn Buchstaben bezeichneten symbolischen Freunde näher bekanntgeben; und so höret es, und fasset es wohl!

04. H1 bezeichnet die Hölle als fleischliches Angehör der Seele; die Zahl 1 bedeutet die Hoffart, Herrschsucht und den Hochmut eben der Hölle in jedem Menschen und somit auch in euch. Die Hölle ist aber jedes irdischen Menschen innigster Freund, indem sie ihm alles verschafft, was seiner Natur schmeichelt und dieselbe mit allerlei fleischlich behaglichsten Reizen erfüllt.

05. Will Ich nun einen Menschen in Mein Reich aufnehmen und ihn erziehen zum ewigen Leben, so muß Ich auch seine Freundschaft aufnehmen, von der sich der Mensch, solange er auf der Erde lebt, nie völlig zu trennen imstande ist; darum auch die Sünde, als Angehör dieses Freundes, vor Meinen Augen als völlig getilgt erscheinen muß, ohne welche Erscheinlichkeit eine weitere Erziehung eures Geistes nicht denkbar ist und sein kann. Mit anderen Worten gesagt: So Ich euch erhalten will, muß Ich auch um eure Haushölle Meine heiligen Vaterhände schlingen und so euch samt eurer noch bis jetzt sehr intimen Freundin in Meinen Schoß erheben! – Da habt ihr nun den ersten Buchstaben, dessen Enthüllung Ich euch bisher verschwiegen habe, und das aus wohlweisen Gründen.

06. Das darauffolgende L bezeichnet alle möglichen Leidenschaften, die eben aus H hervorgehen. Daß die Leidenschaften auch Freunde des Menschen sind seiner fleischlichen Natur nach und alle von Mir ergriffen, erhoben und in Edles verkehrt werden müssen, wenn des Menschen Geist genesen solle zum ewigen Leben, das wird sich etwa doch wohl allerklarst von selbst verstehen?!

07. V1 bedeutet die Vernunft, gepaart mit dem Verstande, wie ihn die Welt oder die Hölle dem äußeren Naturmenschen gibt. – Daß dieses alle Welt beherrschende Ehepaar nebst der Hölle in jegliches Menschen größter freundschaftlicher Gunst steht, braucht kaum näher erwähnt zu werden; denn alles läßt ein Mensch eher fahren als diese seine besten und intimsten Hausfreunde. Ist ein Mensch manchmal auch mit seiner anderen inneren Weltfreundschaft eben nicht am zufriedensten, so hat er aber doch gegen diese zwei fast nie oder nur höchst selten etwas Kleinlichstes einzuwenden.

08. Will Ich aber den Menschen zu Mir erheben, so bleibt nichts anderes übrig, als auch diesen seinen intimsten Hausfreunden volle Amnestie zu geben. Ich meine, das dürfte wohl auch jedem von euch sehr einleuchtend sein, indem auch ihr noch bis heute sehr große Stücke auf diese eure alten Hausfreunde haltet, obschon ihr nebstbei wohl einsehet, wie weit man mit ihnen im Lande des Geistes zu kommen imstande ist!

09. Das T bezeichnet das mit dem Verstande gleich emporkeimende Talent, durch welches der Mensch zu allerlei Glanzstufen gelangen kann, auf denen das S (Selbstsucht) vorzugsweise zu Hause ist und mit dieser das zweite S als Schadenfreude, – lauter Hausfreunde des Menschen von der Welt, die Ich auch mit aufnehmen muß, wenn Ich seinen Geist retten will!

10. Aus diesen geht heraus die treue Anhänglichkeit an allen Weltglanz und der Antrieb, stets höher in der Weltgunst und in ihrem Vorteile zu steigen und sich herrschend soviel als möglich über alles in seiner Art zu erheben, wozu ihm sein Freund T den Weg gebahnt hat!

11. Es versteht sich schon wieder von selbst, daß bei der Aufnahme des Menschen nach seinem Geiste die beiden Freunde A, A nicht zurückbleiben können und müssen zur Umkehr und wahren geistigen Veredlung mit aufgenommen werden. Und so schon alles aufgenommen ist, da können auch die beiden letzten S, S, als allerlei fleischliche Sinnlichkeit, die bei jedem Menschen legionfach ist, und endlich die jedermann wohlbekannte weltliche, überdumme Sittlichkeit, als Mode, Komplimente usw., nicht zurückbleiben.

12. Seht, das sind die im Hauptwerke angeführten Freunde und Brüder in euch, so wie in Meinem Knechte, unter dem aber jedermann verstanden wird. Diesen sollt ihr in euch laut verkünden, daß Ich nach ihnen Meine Hände ausgestreckt habe und habe ihr Böses gewaschen, die Sünde hinweggetan und sie mit den wahren Interessen eures Geistes in Einklang gebracht, auf daß ihr nun, so ihr wollt, ganz ungehindert den treu gezeigten Weg des Lichtes und des Lebens fortwandeln könnet.

13. Wollt ihr aber alles dessenungeachtet diesen euren alten Freunden treuer verbleiben denn Mir, der Ich euch ohne euer Zutun diese große Gnade und heiligste Vaterhuld erwies, so steht es euch auch frei. Auch davon wird das Heil der Sonne und des Mondes nicht abhängen, und die Sterne werden ihren Weg nicht verfehlen! – Denn das wißt ihr ja lange schon, daß von Mir aus für den Geist kein Muß besteht! – Ich meine aber, da Ich für euch schon so viel getan habe, so werdet ihr auch das Wenige tun, nämlich fortan stärker und stärker mit eurer Liebe Mir anhangen und eure Brüder nicht im Stiche lassen! –

14. Ich hätte euch aber die zehn Freunde eures irdischen Lebens im Fleische wohl schon lange erklären können, wenn das für euch heilsam gewesen wäre; aber da Ich wohl sah, daß diese eure alten Freunde in euch einen starken Lärm geschlagen hätten, so Ich sie euch vor der Zeit mehr als bloß nur dem Anfangsbuchstaben nach bekanntgegeben hätte, und da nur in der Person des Knechtes, so habe Ich solche nähere Bestimmung bisher verzögert.

15. Da ihr sie aber nun habt, so ist es nun auch an euch, sehr ernstlich darüber nachzudenken und den im Hauptwerke verlangten Auftrag, soviel es nur immer eure Kräfte vermögen, an eben diese zehn Buchstaben auszurichten; denn solange ihr die nähere Bedeutung dieser Buchstaben nicht kanntet, da tat Ich für euch, was Ich in der Person des Knechtes vom Knechte selbst und von jedem aus euch verlangte und noch verlange.

16. Nun euch aber dieses Geheimnis enthüllt ist, seid ihr selbst verpflichtet, diesen Auftrag an euch zu erfüllen, ansonst ihr nicht völlig geschickt zu Meinem Reiche sein könntet, – denn hier heißt es die Hand an den Pflug legen und sich dabei nicht nach rückwärts kehren! – Ich habe aber euch dennoch auf anderen Wegen stets gezeigt, was im Naturmenschen ist, und was er zu tun hat, den Naturmenschen nach und nach in den geistigen zu verkehren. Und so konntet ihr diese gegenwärtige Enthüllung bisher schon entbehren und seid darum um nichts verkürzt worden und habet den rechten Weg ohne Anstand fortwandeln können, was auch fürder der Fall sein wird, so ihr das treu beachtet, was zu beachten Ich euch treulichst zeige.

17. Vor allem aber haltet euch an die Liebe; die wird euch nicht verlassen! Alles kann vergehen, nur die Liebe bleibt ewig! Wo aber diese ist, da ist alles; denn die Liebe erhält alles und ist überall der Grundstein alles Seins! – Seid daher nicht kleinmütig, nicht traurig, nicht mürrisch, nicht grämig, sondern in allem beherzt, heiter, fröhlichen Mutes und angenehmen und gefälligen Sinnes, Herzens und Geistes, so werdet ihr leichten Weges wandeln und die Pforten des Himmelreiches stets weit geöffnet vor euch haben, wodurch ihr dann ein leichtes Spiel haben werdet, eure vorenthüllten Weltfreunde veredelt in Mein Reich einzuführen, was der heißeste Liebewille Dessen ist, der euch hier durch den Knecht diese große Gnade erweist amen, amen, amen. –

Wer alles treibt Ehebruch, Hurerei, Geilerei und Unzucht? – 12. Juni 1847.

01. Um die vorhergehende Gabe noch gründlicher zu verstehen, sollen hier die Umstände noch näher beleuchtet werden, unter denen Ehebruch, Hurerei, Geilerei und also die barste Unzucht getrieben wird und was dergleichen zumeist veranlaßt.

02. Ein Mensch, ob männlich oder weiblich, treibt schon Hurerei durch allerlei Schwelgen und Prassen und überhaupt durch alles, wodurch er seinem Fleische einen besonderen Lustreiz zubringen will. Dergleichen sind die zahllosen öffentlichen Belustigungen, bei denen sich die Menschen schon überhaupt freier und frecher benehmen als sonst in ihrer gewöhnlichen Verfassung, durch die eben dem Fleische am meisten auf die lustigste Art gedient wird. Wer dergleichen Belustigungen aufsucht und an denselben teilnimmt, treibt schon Hurerei, weil er dadurch seinem eigenen gefährlichsten Hausgötzen, seinem Fleische, opfert; zugleich aber begeht er auch einen Ehebruch mit Mir, dem wahren Lebensbräutigame, indem er dadurch das Gelübde seines Glaubens bricht. Zugleich aber ist er auch ein Geiler und Unzüchtler; ein Geiler, weil er dem Fleische frönt, und ein Unzüchtler, weil durch solche Handlungen nur der Tod, aber nicht das Leben gezeugt wird.

03. Ferner treiben alle jene die barste Hurerei, die ihren Leib in moderne weiche Kleider hüllen. Denn so da jemand sagt: Man lebt in der Welt und muß also auch der Welt wegen nach der Mode sich tragen, ansonst man für einen Tropf gehalten würde, der nicht Sitte und Anstand beachtet. – O du Tor! Wer ist denn mehr, Ich oder die Welt? – So Ich dir aber sage, daß, so du der Welt huldigst, Ich dich verstoßen werde auf ewig, – wird dir dann auch noch deine dumme Welt mehr sein als Ich, der dir das Leben gab und dir dasselbe wieder nehmen kann, wann Er will, auf ewig? – Den Anstand der Welt magst du wohl berücksichtigen; aber der Anstand, den Ich, dein Gott und Herr, von dir zu fordern wohl das erste Recht habe, ist dir wie nichts, und du meinst, Ich werde dir das schon durch die Finger sehen. – Oh – solche Meine Nachsicht wird dir bald ganz entsetzlich teuer zu stehen kommen. Der ewige Abgrund wird es dir zeigen, wieviel Nachsicht Ich mit solchen Welteseln hatte! – Da spricht ein Weltesel zum andern und eine Weltsau zur andern: Aber höre, wo hast du denn deinen Frack und dein Beinkleid machen lassen? Ah, dieser herrliche Schnitt, wie angegossen! Vortrefflich, ausgezeichnet! – Du bist aber auch gewachsen wie ein Adonis, dir steht alles überaus gut – und alles nach der letzten, somit neuesten Mode! – Nein, das muß ich dir gleich nachmachen, denn nur mit solch gewählter Eleganz kann man bei dem schönen Geschlecht als Sieger erscheinen!

04. Noch mehr Modephilosophie besitzt das weibliche Geschlecht, denn dieses kann Stunden, Tage und Wochen mit nichts als Moden-, Kleiderstoffe-, Bänder- und Spitzengeplauder zubringen, ohne nur einmal dabei zu bedenken, ob solch ein tollstes hurerisches Geplauder Mir etwa doch mißfallen könnte! – Ich aber sage: O nur zu und fortgefahren in solch dümmster Mode- und Kleiderhurerei, in diesem gewebten Götzenopfer für euer stinkendes Fleisch, fürs Totenhaus eurer Seele und eures Geistes. Gerade so recht gezierten Fleisches werdet ihr dem Satan am besten gefallen; denn das ist seine Hauptsache, daß die Gräber übertüncht und die Schmeißhaufen vergoldet werden. – Aber bei Mir, der Ich nur an der Zierde des Geistes Mein Wohlgefallen habe, werden solche erpichte Mode- und Kleiderhurer nie einen Einlaß finden, denn Ich habe vor nichts einen größeren Ekel, als vor den sogenannten Modehelden und vor den Modeheldinnen!

05. Wahrlich, so ihr Menschen nach dem Pariser Tone nackt einherginget und trüget offen eure Scham, da könntet ihr noch gar wohl selig werden. Da ihr aber euer Totenhaus so sehr ausschmücket, werdet ihr im selben zugrunde gehen ewiglich! – Denn das alles ist die barste Hurerei, der barste Ehebruch, die schnödeste Geilerei und Unzucht am eigenen Wesen. Es ist ein geistiger Selbstmord, für dessen Heilung selbst in den Gärten des Himmels kein Kräutlein wächst! – Denn wer da ob seines starken Triebes eine Dirne beschläft, der kommt nach dem Akte gewöhnlich wieder zu sich und fühlt nicht selten Reue über seine sündige Tat; dem ist daher auch zu verzeihen, da er einsieht, daß er gefehlt hatte.

06. Aber so ein Modeaas, so ein Zierluder kommt nie zur Besinnung, nie zur Reue, und hält das schändliche, hoffärtige, selbstsüchtige, überhurerische Aufputzen seines Totenhauses noch obendrauf nicht nur für keine Sünde, sondern für ehrbar und geziemend und schämt sich aber dabei nicht selten des dürftigen Bruders, der armen Schwester, ja – hört es! – es schämt sich nicht selten seiner armen Eltern, – es schämt sich Meiner! – Es schämt sich, bloß weil es einen nach der neuesten Mode gezierten Mottensack herumträgt, zu Mir zu beten, es schämt sich, Meinen Namen öffentlich zu bekennen!!!

07. Ich frage hier, ob es noch eine größere Art von Hurerei gibt, als da ist die Mode- und Kleiderhurerei? – Ich aber sage dazu: Jeder Sünder wird bei Mir eher Eingang finden, als solch ein dümmster Zierlümmel und eine modistische Ziersau. Für diese, wie sie sind in ihrer echten Pariser Art, solle der Himmel wohl ewig nie geöffnet werden. Wer Mich lästert, vor den kann Ich hintreten und ihm zeigen, wie er Mich ohne Grund gelästert hat, und er wird sein Irren einsehen und wird weinen, darum er Mir Unrecht tat, – und Ich werde ihm vergeben, und er wird Mir ein Paulus werden!

08. Was ist aber mit dem zu machen, der sich Meiner offenbar schämt? Wahrlich, für den weiß Ich kein Mittel! Denn dessen sich jemand schämt, dem weicht er ewig sorgfältiger aus als der Pest; und das ist eben die Hauptnatur des Satans – das hochgepriesene Schamgefühl nämlich!! – Eltern, präget euren Kindern nur recht viel Scham- und Ehrgefühl der Welt ein, dann werdet ihr sie schon auf den besten Weg zur Hölle setzen, von dem sie dann später nicht leicht mehr um ein Haarbreit abweichen werden! Lehret die Mädchen ja recht streng und ernstlich, ihre Füße aus purer Scham zu verbergen, aber dafür den A... recht auszuschoppen, Brust und Arme aber dennoch nach der Mode mehr bloß zu tragen, – nur zu also! So ist es gerade recht, um der Hölle vollends versichert zu sein! O ihr dümmsten Menschen, was ist denn am Leibe ehrbarer oder schändlicher? – Ist denn nicht der ganze Leib Mein Werk? – Wo aber steht es geschrieben, daß Ich auch Schändliches dem Leibe angefügt habe?!

09. Ihr seid schändliche Mode- und Kleiderhurer, die ihr bloß, weil es Mode ist, einige Teile eures Leibes schändlich und andere ehrbar findet. Und würde es Mode sein, den nackten A... zur Schau zu tragen und das Gesicht zu verhüllen bis auf die Augen, so würdet ihr es tun und würdet den Steiß für den ehrbarsten Teil eures Leibes halten! – O ihr großen Narren, ihr überdummen Esel und barsten Schweine, seht ihr denn nicht ein, daß ihr eben durch die elende Mode in euren Kleidern von der Hölle aus die am allerscheußlichsten Gefoppten seid?! – Daher lasset einmal ab von dieser größten aller eurer Torheiten, die allein hinreichend ist, euch den Himmel auf ewig zu vernageln! –

10. Würden die Menschen nackt untereinander umhergehen, da würden sie viel demütiger und züchtiger sein; da sie aber ihren Leib zieren, auf daß er sich gefälliger ausnehmen möchte, so brennen sie fortwährend nach fleischlicher Lust und verdammen sich selbst stets tiefer und tiefer in den ewigen Tod hinein. – Wer wird sie daraus befreien können, so sie sich des ewigen Befreiers stets mehr zu schämen anfangen, je feiner sie ihren Leib bekleiden nach der Mode? Wahrlich, eher werden Räuber und Mörder und die nackten Sodomiten Mein Angesicht schauen, als die Zierbengel und alle die Putzdocken. Das sagt der arme, nur in nötige Kleider gehüllte, aber allmächtige Herr Jesus amen, amen, amen. –

13. Juni 1847 (Wer alles treibt Ehebruch, Hurerei, Geilerei und Unzucht? – Nachtrag).

11. Nach den Modehelden und ihren Genossinnen treiben noch die Industrieritter eben auch die barste Hurerei, Ehebruch und dergleichen. Diese sind im Grunde noch ärger als die Modehelden und Modeheldinnen, denn sie sind schon buchstäblich des Satans rechter Arm und tragen auch als solche sein Zeichen auf der Stirn und in der Hand. – Diese Zeichen verschaffen ihnen die mannigfache Einsicht, und Geld und Fleiß legen sie ihnen in die Hand. Dann erbauen sie große künstliche Werkstätten, in denen statt dürftiger Menschen Maschinen arbeiten und in kurzer Zeit eine große Menge allerlei neuer Waren erzeugen, wie allerlei moderne Stoffe für Kleider und andere Hausverzierungen und andere tausenderlei Dinge für die sogenannte moderne galante Welt! Darauf studieren die Schneider Tag und Nacht, um irgendeinen neuen Schnitt zu erfinden, um ihre Kunden mehr anzulocken. Und die Modistinnen tun desgleichen und suchen stets neuere, auffallendere und schreiendere Formen und locken dadurch ihre Kunden und preisen ihre Produkte allzeit als etwas Außerordentliches an!

12. Diese nun stets häufiger und zahlreicher werdende Art Menschen sind zumeist ohne Glauben, ohne Religion, ohne Gewissen und ohne die leiseste Nächstenliebe; ihnen gilt der Mensch gar nichts, sondern nur als Käufer und reichlicher Abnehmer ihrer Artikel, wenn er seine Zahlungen richtig leistet. Ist das aus gewissen Gründen aber öfter nicht der Fall, so wird gegen ihn sogleich die schonungsloseste Exekution verhängt, und deckt diese die Forderung nicht, so wird über den Zahlungsunfähigen auch noch der Kerker verhängt! – ganz nach Meinem Worte, da Ich sagte: „So ihr aber euer Geld ausleihet, so leihet es den Armen, die es euch nicht wiedererstatten können, so werdet ihr in Meinem Reiche einen ewigen Schatz finden! – Und sorget nicht, was ihr essen und trinken werdet und womit euren Leib bekleiden, nach allem dem trachten die Heiden. Ihr aber suchet nur vor allem das Gottesreich und Seine Gerechtigkeit, (welche da ist Liebe und Erbarmung), alles andere wird euch als eine freie Gabe hinzugegeben werden!“ – Das ist Mein Wort, das ist Gottes Wort, das ist Mein Wille, das ist Gottes Wille!

13. Wie verhält sich zu diesem die oben gezeigte industrielle Weltsatanshurerei? – Sie verhält sich gerade, wie unterste Hölle und oberster Himmel sich gegeneinander verhalten; daher es auch gar nicht nötig ist, den Lohn für solche Werke und sogenannte zeitgeistige Fortschritte in dem ewigen großen Jenseits näher zu bestimmen. Denn derlei Menschen stehen schon zu tief in der Hölle, als daß Meine Heiligkeit mit ihnen in eine nähere Berührung treten könnte! – Auch sind sie Mir zu elend und schlecht, als daß Meine Liebe ihnen ein „Wehe euch“ zurufen könnte; denn es würde sie nicht erschrecken, und sie würden darum keine Buße tun, sondern noch mehr fabrizieren und noch mehr kaufen und verkaufen! –

14. Wahrlich, diesem Geschlechte sollen bald seine Krämerstühle und Buden auf das schmählichste umgestoßen und sie selbst mit glühenden Stricken hinausgetrieben werden in das ewige Feuermeer Meines Zornes! – Ich will aber jedem Sünder gnädig und barmherzig sein; aber dieses Geschlecht solle schonungslos behandelt werden, weil es wie kein anderes mit dem größten Gleichmute Meinem Worte zu allen Zeiten den tatsächlichsten Hohn spricht. – Die Seele eines solchen Krämers ist aber auch das Scheußlichste alles Scheußlichen, sie ist ein stinkendster Polyp, der mit tausend Rachen fortwährend alles zu verschlingen bemüht ist, was er nur immer erreichen und ergreifen kann. Daher zeigte Ich es auch im Tempel, wie angenehm Mir dies Geschlecht ist! –

15. Ich schonte sicher jedes Sünders – der Ehebrecherin Schuld schrieb Ich in den Sand; von einer Buhldirne ließ Ich Mir die Füße salben; bei einem Zöllner und öffentlichen Sünder speisete Ich; die voll Aussatzes der Geilerei waren, reinigte Ich; Meinen Verräter begrüßte Ich als einen Freund; den Mörder am Kreuze nahm Ich ins ewige Paradies auf, und für alle, die Mich kreuzigten und kreuzigen ließen, bat Ich am Kreuze sterbend den heiligen Vater um Vergebung. Nur die Industrieritter wurden ohne Rücksicht und Schonung aus dem Tempel mit Stricken getrieben, und der reiche Prasser mußte zur Hölle! – Aus dem könnet ihr schon den Maßstab finden, wie dies Geschlecht bei Mir in Gnaden steht und stehen wird ewig amen, amen, amen. – – –

Noch einiges von der Menschen mehrfacher Klage. – 15. Juni 1847.

01. Besonders viel wird heute über die römisch-katholische Kirche geklagt, und vielseitig wird ihre endliche gänzliche Niederlage erwartet und das Aufhören ihres Wirkens, ihres Götzentumes und ihres gesamten finsteren Getriebes. – Der eine hält ihr die Geschichte vor die Nase und zeigt ihr alle die Millionen Greuel aus allen Zeiten, die sie allorts durch ihre Pfaffen verübt hat. Ein anderer hält ihr die ganze Bibel weit geöffnet unters Gesicht und beweist ihr haarklein mit hundert Texten, daß ihr Papst noch weniger von Petrus abstamme als der chinesische Kaiser von der Sonne, und daß er linea recta statt Christi Stellvertreter nur ein Stellvertreter des Drachen sei und zeigt ihm mathematisch auf Jahr, Tag und Stunde seinen sicheren Untergang. Und wenn die Zeit kommt und das Jahr verstreicht und der Tag und die Stunde und der Drache Babels will noch nicht zur Hölle fahren, da ist entweder die Rechnung unrichtig oder die Offenbarung Johannis ist schlecht übersetzt – oder ist gar nicht authentisch – oder nur ein finsterer Auszug aus den alten Propheten – oder die ganze Bibel ist ein pures halb moralisches, halb altpolitisches Werk, das in diese neuen aufgehellten Zeiten nicht mehr passe. Andere wieder verdammen bloß die Zeremonie und billigen die sonstige Einrichtung dieser Weltkirche. Einigen sind die Mönche ein Dorn im Auge, anderen bloß die sogenannten Jesuiten, wieder anderen der lateinische Ritus, andere verfluchen den Zölibat und wieder andere die Ohrenbeichte, und ein jeder etwas anderes. Alle aber wünschen zum Teile heimlich und zum Teile öffentlich, daß es mit dieser Hure bald ein Ende nehmen möchte!

02. Aber nichtsdestoweniger will sie einmal ein so vielseitig erwünschtes Ende nehmen, sondern besteht immer fort und fort wie zum ärgernisvollsten Trotze aller ihrer stets mehr werdenden Feinde und allerunbarmherzigsten Richter. Ich aber sage: Nicht nur Rom, sondern jede äußere Kirche ist schlecht, wenn sie das Heil nur in die Äußerlichkeit setzt und nicht bedenkt, daß Mein Reich nicht von dieser Welt, sondern von einer ganz anderen Welt ist, und daß die rechte Kirche nur im Menschenherzen und sonst nirgends anzutreffen ist, durch die allein, alles andere ausschließend, der Mensch zum ewigen Leben seines Geistes gelangen kann. Für jede andere bloß äußere Weltkirche, ob römisch oder protestantisch oder griechisch, aber gilt ohnehin für ewig, was Ich im 51. Kapitel, Verse 36-39, des Propheten Jeremias vorausgesagt habe, und das ganz besonders durch die oben angeführten vier Verse des 51. Kapitels, allda es lautet:

03. „Darum spricht der Herr: Siehe, Ich will deine Sache ausführen und dich rächen; Ich will ihr Meer austrocknen und ihre Brunnen versiegen lassen. Und Babel soll zum Steinhaufen und zur Drachenwohnung werden, zum Wunder und zum Anpfeifen, daß niemand darin wohne. – Sie sollen miteinander brüllen wie die Löwen und schreien wie die jungen Löwen. – Ich will sie mit ihrem Trinken in die Hitze treiben und will sie trunken machen, daß sie fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie nimmer aufwachen werden, spricht der Herr!“

04. Diese Texte, die eben nicht schwer zu fassen sind, zeigen zur Genüge, wie es mit Rom und jeder anderen äußeren Kirche steht und was ihr Los ist für ewig.

05. Ich will deine Sache, das ist, deinen Trug und deine lügenhaften Anmaßungen nach außen kehren, auf daß das Innere des Menschen unversehrt bleibe und dadurch rettbar sein Geist und seine Seele; und eben dadurch sollst du äußere Kirche Meine Rache in dir haben, welche ist der ewige Tod. Deine Bosheit (das Meer von Falschem und Bösem) will Ich ohnmächtig machen und deine reichen goldnen Brunnen stets mehr und mehr versiegen lassen, auf daß deine Macht zum Bösen vermindert werde stets mehr und mehr und vielfach mehr.

06. Dadurch wird jedes Babel von selbst zu einem toten Steinhaufen werden und zur Wohnung des Drachen, der da ist ein Symbol des ewigen Todes, und eben dadurch zum Spotte aller in sich Lebendigen, welcher Spott angedeutet wird durch Wunder und durchs An- oder Auspfeifen. Und der da lebendig geworden ist im Geiste, wird ewig nimmer wohnen unter deinem Dache; ob sie, solch äußerlicher Kirche Diener, wie Löwen brüllen werden vor Zorn und Wut und bald darauf schreien vor Hunger wie junge Löwen, wenn die Alten mit dem Fraßraube zu lange ausbleiben, so wird das aber dennoch keinen Lebendigen mehr erschrecken, und kein Wiedergeborner wird auf ihr Geschrei merken. Die aber blind und tot sein wollen, die sollen trinken aus dem Kelche den Wein des Todes, den Wein allen Truges und aller Lüge und Anmaßung, und sollen trunken werden davon und dann einschlafen in dieser Trunkenheit, aus welchem Totenschlafe sie nimmerdar erweckt werden sollen weder zeitlich noch ewig!!! – – –

07. Was also in Jeremias von derlei Babels vorhergesagt wurde, das geschieht an Rom buchstäblich, wie an allem äußeren Kirchentum; oder was da geschieht mit aller Äußerlichkeit, das geschieht auch fortwährend mit Rom und allen anderen Kirchen, insoweit sie bloß äußerlich sind, – sie welken ab und verdorren und werden zu toten Steinhaufen. Soll denn noch mehr geschehen, als was zu geschehen bestimmt ist? –

08. Daher sind also auch derlei klagliche Besorgnisse nicht auf rechtem Platze.

09. Jeder aber besorge nur seine innere lebendige Kirche und überlasse Mir getrost das Gericht der äußeren Kirchen; dann wird alles in der ewigen gleichen Ordnung fortgehen, wie es sonst auch geht, wenn es die Blindheit der stets klagenden und richtenden Menschheit auch nicht merkt amen. Das und also spricht der Herr amen, amen, amen. – –

Das Stadtleben. – 21. Juni 1847.

01. Dieses Thema macht sich. Es ist dir gelungen, von Mir darüber eine Erläuterung dir zu erbetteln. – Meinst denn du, Ich sei etwa wie ein Mikroskop, mit dem die Gelehrten bald einen Tropfen Goldtinktur, gleich darauf aber wieder den Kopf einer Schmeißfliege betrachten? – O nein, das bin Ich nicht! –

02. Ich soll dir das Stadtleben etwa gar schildern, wie es ist in seiner ganzen Scheußlichkeit? – Das tue Ich nicht! – Lieber möchte Ich dir alle Schmeißhaufen und alle Äser beschreiben, die nur irgend auf der Erde vorkommen, als dein dümmstes Stadtleben, wie es nun ist in seiner Art! – Steige zur Hölle hinab, dort wirst du es auf ein Haar auseinandergesetzt finden; aber im Himmel findest du derlei nicht, und bei Mir schon am allerwenigsten. Packe daher zusammen mit deinem Stadtleben, denn über dieses Thema werde Ich sicher sehr wenig Worte verlieren! – –

03. Was siehst du in der Stadt? – Viele große und prächtige Häuser, Paläste, heidnische Tempel, mit Götzen angestopft, eine Menge Kaufläden mit einer unendlichen Auswahl von lauter Satansdreckwaren zum Verlocken, Verführen und Verpesten der Menschen, eine Menge Wucherer aller Art, scheinheilige Pfaffen bei weitem mehr, als wirkliche Priester mit einem menschlichen Herzen und Geiste; allerlei Lumpen und Betrüger, Spieler, Spielhäuser, Huren in großer Menge und eine noch größere Menge Hurer aller Art, Ehebrecher aller Art, Geldmakler, Advokaten aller Art, eine große Menge Beamte, von denen die jungen den alten aus lauter Nächstenliebe einen möglichst baldigen Tod von ganzem Herzen wünschen, damit sie dadurch bald zum Vorrücken kommen möchten!

04. Spitäler und Armenhäuser auf sogenannte Regimentsunkosten (Staatskosten). Also gibt es auch allerlei Steuern, direkte und indirekte; von den landesfürstlichen wollte Ich gerade nichts sagen, aber eine Steuer zur Stadtverschönerung ist einzig in ihrer Art. Also auch die Armensteuer, die doch sicher zunächst aus der christlichen Nächstenliebe entspringt! Das wird etwa doch schon schlecht genug sein, so die gesetzlichen rechtmäßigen Behörden es für notwendig finden, den harten Herzen der meisten Stadtbewohner ein Muß aufzuerlegen, um von ihnen für die arme Menschheit einen allernotwendigsten Zehrpfennig herauszupressen!

05. Also sieht man auch Komödienhäuser und darin täglich Komödien, Sauf- und Freßhäuser, allerlei Fabriken, in denen für die Hölle am allerfleißigsten gearbeitet wird. Ebenso sieht man auch eine Menge Tanzsäle, Gärten und Alleen, die, mehr als sonst ein nützlicher Wald, die Menschen zum Putze und anderartiger Geilerei auffordern; und also noch eine Menge dergleichen sehr löbliche Anstalten.

06. Meinst du wohl, Ich solle dir da etwa in geistiger Weise eine entsprechende Schilderung geben? – O Ich könnte es wohl! – Aber so Ich das täte, da käme in dieser Nacht noch ein furchtbarstes Erdbeben über diese Stadt und viele andere Städte, wo es dann mit ihnen tausendfach ärger ginge, als einst mit Sodom und Gomorrha! – Daher bleibe du mit deinem schönen Stadtleben hübsch fein zu Hause, und komme Mir nicht mehr damit zum Vorschein, sonst sollst du sehen, wie es einer Stadt ergehen wird, so Ich von ihrem Leben zu reden anfangen möchte.

07. Mit dem begnüge dich für diesmal, und sei in Zukunft keusch und vorsichtig im Handeln und Fragen, sonst könntest du eine sonderliche Lektion von Mir bekommen amen. – – –

Lazarus. – 26. Juni 1847.

Anfrage des Ans. H.: O Herr, Du heiliger, liebvollster Vater! Wenn es Dein heiliger Wille ist, so erfreue unser Herz durch eine Personenbeschreibung Deines Freundes Lazarus, des Bruders der Maria und Martha, welchen Du zum Ärgernis der geistlichen Machthaber zu Jerusalem vom Tode erwecktest, und mit dem Du nach seiner Erweckung zu Tische saßest. –

01. Mein lieber Ans. H. W., du bist doch kein Porträtmaler, daß du gerade eine Personenbeschreibung des Lazarus, eines Bruders der Maria und Martha, von Mir wünschest, – aber weil du Mich schon darum gebeten hast, so kann Ich sie dir ja geben.

02. Siehe, Lazarus sah gerade deinem Bruder Andrä sehr stark ähnlich; nur war er um zehn Jahre jünger (39 Jahre alt) und war den äußeren Gütern nach noch bei weitem reicher als dein Bruder, und sein Herz hing noch mehr am äußeren Reichtumsglanze denn das Herz deines Bruders, das aber zu gewissen Zeiten auch sehr stark daran hängt, oft bei weitem stärker denn an Mir.

03. Lazarus besaß mit seinen beiden Schwestern eben auch überaus große Reichtümer und verwaltete sie sehr gut und war dabei sehr gerecht und überaus gewissenhaft und besorgte die äußeren Geschäfte mit derselben Sorglichkeit, wie seine Schwester Martha die häuslichen.

04. Er war ein vollkommen gesetzeskundiger Mann und lebte auch streng als ein echter Jude nach dem Gesetze; er hielt große Stücke auf den kommenden Messias, hatte aber von Ihm nur eine unter den Juden ganz gewöhnliche, sehr materielle Vorstellung, – aber nichtsdestoweniger hielt er dennoch sehr große Stücke auf Jesum, also auf Mich, und hielt Mich nach Elias wohl für den größten Propheten, manchmal wohl auch höher als Elias, und hatte wohl die größte Freude an Mir; und wann Ich zu ihm kam, da legte er jedes Geschäft beiseite und widmete seine Zeit bloß Mir und besprach sich sehr gern über die Propheten und besonders über den kommen sollenden Messias. Nur konnte er es nicht so recht fassen und vollends annehmen, daß Ich der verheißene Messias sein solle, da Ich ihm irdisch viel zu arm war, aus welchem Grunde er Mir wohl mehr als einmal den Antrag machte, daß, so Ich wirklich der Messias wäre und als solcher der weltlichen Schätze benötigte, Mir sein ganzer großer Reichtum vollends zu Gebote stünde.

05. Doch nachdem Ich ihn vom Tode erweckte, und er ganz neu belebt Mich wiedererkannte, da wichen dann wohl alle Zweifel über Meine Messiaswürde, und er pries frei zum größten Ärger der Schriftgelehrten und Pharisäer in Mir Gott! – Darum aber wurde er besonders nach Meiner den hohen Priestern überaus ärgerlichen Auferstehung eben von der hohen Priesterschaft, den Pharisäern und Schriftgelehrten dergestalt verfolgt, daß er ein paar Jahre darauf alle seine Güter an die Römer verkaufte und dann nach Ägypten mit seinen beiden Schwestern zog, wo er ein ganz Mir geweihtes Leben führte, viele Ägypter zu wahren Christen machte und im obersten Hinterägypten eine Gemeinde stiftete, die noch heutigen Tages besteht.

06. Lazarus aber war schon zu allen Zeiten überaus wohltätig und gab viele Gastmähler, mehr an Arme als an Reiche, obschon auch letztere nicht ausgeschlossen waren. Dazu lebte er keusch und stets im ledigen Stande, desgleichen auch seine beiden Schwestern, obschon sie überaus schön waren und überaus reich. – Maria hatte vor Meiner Bekanntschaft wohl etwas mehr gelebt als die Martha; aber als sie Mich erkannte, da erlosch sobald alle Welt- und Wollust in ihr, und in ihrem Herzen fand neben Mir nichts mehr Raum. –

07. Wenn du den Lazarus nun ganz in seiner Persönlichkeit vor dir sehen willst, da stelle dir deinen oben erwähnten Bruder in jüdischer Tracht vor, mit einem dunklen Barte, so kannst du dir wirklich ein vollkommenes Ebenbild von ihm malen lassen. Mehr kann Ich dir von der Persönlichkeit dieses vielbedeutenden Bruders nicht sagen, weil du nur um dessen Persönlichkeit gefragt hast, die aber auch gut ist und du sie dir zunutze machen kannst amen. – – –

Pontius Pilatus und das Traumgesicht der Tullia. – 28. Juni 1847.

01. Das ist eine gute Frage, die einer guten Antwort wert ist, und es solle hier auch die Antwort folgen.

02. Pontius Pilatus, ein vollkommener Römer, ward unter Tiberius Landpfleger vom Judenlande und residierte in Jerusalem.

03. Dieser Römer, ein Feind der überaus hochmütigen jüdischen Priesterschaft, sah daher alle jene Menschen mit einem wennschon geheimen, aber dennoch ganz besonderen Wohlgefallen an, die dieser ihm über die Maßen gehässigen Priestersekte bei Gelegenheiten so recht derb die Wahrheit ins Angesicht zu schleudern verstanden. Und so die Priesterschaft dann darob bei ihm ihr Recht suchte, da richtete sie gewöhnlich wenig oder gar nichts aus, sondern mußte gewöhnlich unverrichteter Sache mit Schanden abziehen, was auch ein tüchtiges Stück des Grundes war, warum Pilatus und Herodes fast in beständiger feindlicher Spannung miteinander lebten; denn die hohe Priesterschaft stand mit Herodes stets auf bestem Fuße und sparte es daher auch nie, Pilatus bei Herodes zu verdächtigen.

04. Aus eben dem Grunde aber hielt diese hohe Priesterschaft gar oft Rat, wie sie Mich aufgreifen und effektvoll dem römischen Gerichte überliefern solle; aber sie konnte nie zu einem triftigen Grunde kommen.

05. Nur als Ich den bekannten Einzug hielt, bald darauf die Krämer aus dem Tempel trieb und den Lazarus erweckte, und als das Volk anfing, Mir Hosianna zu rufen – das war der hohen Priesterschaft zuviel! Da beschloß sie, Mich ernstlich zu greifen und dem Pilatus als einen Staatsrebellen vorzuführen. – Wird er Mich richten, dann solle er ungerochen bleiben; richte er Mich aber nicht, so wolle die Priesterschaft ihn beim Kaiser selbst als einen verdächtigen Menschen bezeichnen, bei welchem Geschäfte ihr Herodes mit Freuden an die Hand gegangen wäre!

06. Dem Pilatus blieb dieser Plan zwar nicht geheim, nur wußte er nicht, wie er ihm vorbauen solle; daher beschloß er bei sich, diese Sache näher abzuwarten. Aber während er noch mit sich selbst kalkulierte, was er tun werde, so die hohe Priesterschaft ihm mit dem berüchtigten Jesu im Ernste den Streich spielen sollte, siehe, da kam sie schon mit dem Gefangenen und verlangte unverzügliches Gericht! – Pilatus, ganz wie aus den Wolken gefallen, fragte freilich mit einer Donnerstimme: „Was hat dieser Gerechte, an dem ich keine Schuld finde, verbrochen?“ Aber die Priesterschaft und ihr bezahlter Anhang schrie noch zehnmal ärger: „Dieser ist ein Volksverführer, ein Aufwiegler, ein Sabbatschänder, ein Gotteslästerer und gibt sich für den Sohn des lebendigen Gottes aus! – Das alles ist nach unseren Gesetzen, die Rom respektiert, und auch nach des Kaisers Gesetzen des Todes im höchsten Grade wert; daher richte ihn, lasse ihn kreuzigen, oder du bist des Kaisers Feind!“

07. Dieser Ausruf machte Pilatus allerdings stutzen, und er wußte im Ernste nicht, was er da tun solle. – Hier, dachte er in der Eile bei sich, ist nichts anderes zu tun, als zu solch zu wenig vorgesehenem bösen Spiele eine gute Miene zu machen und im Namen des unergründlichen Fatums dem zu willfahren, was diese ihm nun über alles verhaßte Priesterracé von ihm verlangt!

08. Aber da ließ ihn sein Weib Tullia Innocentia rufen und vermeldete ihm insgeheim, wie sie gesehen mit klaren Augen, daß dieser Jesus auf den Wolken der Himmel daherschwebte, begleitet von zahllosen Myriaden der wunderseltsamsten Genien, – alle schrien mit Donnerstimme: „Heil unserem großen Gott; Heil dem ewigen allmächtigen Überwinder des Todes und der Hölle! – Wehe aber dir, Jerusalem; wehe euch, die ihr darinnen wohnet, euer Los wird sein der ewige Tod, die ewige Vernichtung, darum ihr Jesum nicht erkennet und Ihn richtet und Ihn kreuziget! – Dem allein Gerechten aller Gerechtigkeit sei ewig Ehre, Ruhm und alles Heil! – Darauf blickte dieser Jesus nach der Erde herab, und siehe, da erbrannte der ganze Erdkreis, und es war alles ein Feuer, und alles, was da atmet, wurde von diesem Feuer verzehrt! – Daher, lieber Pilatus, habe nichts zu schaffen mit diesem Gerechten!“ –

09. Diese Erzählung machte den Pilatus, der als Römer große Stücke auf derlei Erscheinungen hielt, gar mächtig stutzen, so daß er bei sich fest beschloß, mit Jesu nichts weiteres mehr vorzunehmen, als Ihn dem Gerichte des Herodes anheimzustellen, der in solchen fraglichen Dingen wohl auch ein Ius gladii hatte, laut dessen er auch Johannes durfte enthaupten lassen. – Herodes aber roch hier den Braten und wußte gar wohl, daß ihm alles Volk wegen Johannes aufsässig ist; würde er nun auch Christum töten, so würde ihn das Volk zerreißen. Daher sandte er Jesum, den viele für Christum hielten, fein wieder zu Pilatus zurück.

10. Pilatus versuchte nun alle Mittel, Jesum frei zu machen; aber es war alles vergebliche Mühe, bis er endlich in höchster Entrüstung sich öffentlich die Hände wusch und sprach: „Ich will keine Schuld haben am Blute dieses Gerechten! – Ihr aber habt selbst ein Gesetz; nehmt ihn und richtet ihn!“ – Da schrien dann die hohen Priester: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder! – Wir aber dürfen unsere Hände nicht mit Blut besudeln; daher gib uns römische Soldaten!“ –

11. Als Pilatus das vernahm, da gedachte er der alten Sitte, laut der er dem jüdischen Volke zu seinem Paschafeste einen Verbrecher freigeben mußte. Er wandte sich daher noch einmal zu der Menge der Jesus-Feinde und bekannte, wie er an Jesu zufolge so kurzer Untersuchung durchaus keine Schuld finden könne, daß es daher nötig sei, um ein richtiges und vollgerechtes Urteil zu schöpfen, diesen Menschen länger zu verhören und in allen Stücken zu untersuchen. Zugleich aber sei es ohnehin Sitte, am Feste einen Verbrecher dem Volke freizugeben; nun stelle er ihnen Jesum, dessen Schuld noch nicht erwiesen sei, und Barabbas, den berüchtigten Raubmörder, zur freien Wahl, welchen von beiden sie wollten? – Sie alle aber schrien: „Barabbas!“

12. Das aber war es eben, was eigentlich Pilatus wünschte und wohl wußte, daß diese aufgereizte Priestermenge nicht Jesum freirufen werde; denn nur dadurch glaubte er Ihn frei zu machen, daß, so sie Barabbas frei haben werden, dann an seiner Stelle Jesus ins Gefängnis kommen werde, und so könnte dadurch dann allem mit der Zeit geholfen sein. Denn fürs erste wäre dadurch den Priestern das Maul gestopft, und er könnte fürs zweite dadurch den Priestern beim römischen Hofe bedeutende Schanzen legen, die sie schwerlich durchbrechen würden.

13. Der Gedanke und der Wille des Landpflegers waren gut; aber als der ganze Haufe nach der Freilassung des Barabbas nur um so hartnäckiger auf der Kreuzigung bestand und von der Einkerkerung Jesu nichts hören wollte und Pilatus einen Feigling nannte, da ward er im höchsten Grade entrüstet und sprach: „Da – ihr Elenden! – nehmt euren Verbrecher, der gerechter ist, als ihr es seid, und da sind die Schergen! Ziehet ab, macht mit Ihm, was ihr wollt; mein Zeugnis über Ihn und über euch wird von mir eigenhändig folgen!“ – –

14. Mit diesen Worten entfernte er sich und überließ ihnen Jesum, den die hohe Priesterschaft dann durch die Schergen ergreifen ließ und kreuzigen – wie bekannt.

15. Was Pilatus weiter tat, ist auch bekannt, und daß er den Freunden Jesu willfahrte, was sie von ihm verlangten. Aber daß Pilatus und sein Weib später heimlich selbst Christen wurden, und daß eben Pilatus durch seine genaue Beschreibung des sehr verdächtigen jüdischen Priestertums sehr viel dazu beitrug, daß in einem Zeitraume von etlichen dreißig Jahren Jerusalem von den Römern gänzlich zerstört wurde und die Juden in alle Welt zerstreut, das dürfte nun wohl nur sehr wenigen auf der Erde bekannt sein.

16. Das aber sei euch darum bekanntgegeben, auf daß ihr nicht gleich Tausenden und Millionen in einem fort den armen Pilatus verdammet, obschon ihr nun auch das ganz überaus wohl wissen sollet, was da alles hatte geschehen müssen nach Meinem ewigen Ratschlusse, wie Ich es auch den zwei nach Emmaus wandelnden Jüngern ganz offen heraus gesagt habe, um ihnen zu zeigen, was Gott wollte, und sie darum ihren unbegrenzten Haß gegen die Priester mäßigen sollten.

17. Ihr hasset zwar Pilatus nicht, aber er kommt euch dessenungeachtet dennoch als ein etwas verdammter Kerl vor, der Mich leicht hätte retten können, so er es nur so recht ernstlich gewollt hätte, – bedenket aber dabei nicht, daß Sich Gott durchaus von den armseligsten schwachen Menschen nicht braucht aus irgendeiner Gefahr retten zu lassen! – Oder glaubt ihr es wohl etwa im Ernste, daß Pilatus so etwas hätte zuwege bringen können, Den zu retten, der dem Meere und Winden gebot, und Der der alleinige Retter aller Menschen und Geister ist? –

18. O seht, das und noch so manches ist bei euch wohl noch sehr schwach und noch ziemlich babylonisch! – Die Schrift mußte ja erfüllet werden, und so ward am Kreuze allen, die nicht wußten, was sie taten, vergeben. Wenn das, so lasset in Zukunft den armen Pilatus doch auch ein wenig mehr leben, als es bis jetzt der Fall war amen. Das sage Ich euch, auf daß ihr fürder auch Pilatus nicht richtet amen, amen, amen.

Vom Lesen des Gotteswortes. – 2. Juli 1847.

Wie manche das Wort Gottes lesen – und wie das Wort Gottes von den Menschen gelesen oder angehört werden soll mit Nutzen für Seele, Geist und Leben.

01. Es gibt allerlei Leser des Wortes Gottes, des lebendigen, ja desjenigen, durch das alles, was da ist, gemacht wurde.

02. Einige lesen es wie die alte Geschichte des Prinzen Piripinker, die Geschichte der Genoveva, die des daumenlangen Hansel und die Geschichte der vier Haimonskinder! – Die Bibel sei ein altes, aus allen Zeiten zusammengestoppeltes Werk, das sich mit der neuen Literatur nicht mehr messen könne, – es enthalte eine große Menge mystischer Wundermärchen, welche mit einer alten, manchmal sehr saftlosen Moral unterspickt seien, manchmal mit historischen Skizzen und am häufigsten mit Droh- und Strafpredigten und prophetischen Unglücksverheißungen, die aber nicht viel besser wären als die Witterungsvoranzeigen in den Bauernkalendern, von denen auch sicher jede richtig wäre für irgendeinen bestimmten Teil der Erde; denn regne es hier nicht, so könne es ja in China oder auf Tahiti oder Otaheiti regnen, in Kamtschatka oder in Südamerika. Ebenso stünde es auch mit den Prophetien in der Bibel. Treffen sie in Europa nicht ein, so gäbe es ja noch ein Asien, Afrika, Amerika, Australien und eine zahllose Menge großer und kleiner Inseln im großen Weltmeere, wo auf einer oder der andern so eine Prophezeiung sicher und ungezweifelt in Erfüllung gehen muß!

03. Bei solchen Lesern macht das Wort aber auch eine Wirkung, o eine herrliche Wirkung! – Denn es macht, daß sie gähnen und bald darauf zu schlafen beginnen, leiblich und geistig für ewig, das heißt, sie gehen so recht sanft in den ewigen Tod über! – Denn wer nach dem Worte nicht tätig wird, der stirbt für ewig geistig und leiblich mit. – –

04. Ich aber habe für solche schon zu öfteren Malen das Wort des Alten wie des Neuen Bundes durch verschiedene Seher und Knechte klar enthüllen lassen, d.i. durch Meinen heiligen Geist in ihnen. Aber da macht die Enthüllung denselben Effekt, und man sagt dazu: die alte Bibel sei wie ein Proteus und wie ein Chamäleon, das in allen Gestalten und Farben brauchbar ist, und ein geweckter Kopf kann daraus machen, was er will, wie ein geschickter Bildner aus der rohen Materie. Mit dieser Kritik werden für den Geist des Menschen wohl sicher keine goldenen Berge im Reiche des Lebens erwachsen!

05. Wieder gibt es andere Leser, diese haben zwar wohl einen gewissen Respekt vor der Bibel und lesen wohl auch manchmal recht aufmerksam darin; aber da sie denn doch gar vieles darin nicht fassen und manchmal sogar auf buchstäbliche Widersprüche stoßen, da sagen sie dann gewöhnlich bei sich und manchmal wohl in Gegenwart ihrer Freunde: Wenn Gott durch die Bibel Seinen Willen an die Menschen hätte offenbaren wollen, so müßte es Ihm ja doch vor allem daran gelegen gewesen sein, fürs erste von jedermann und fürs zweite zu allen Zeiten verstanden zu werden, und um den letzten Zweck zu erreichen, dahin Sorge zu tragen, daß solch ein heiligst sein sollendes Kleinod aller Menschen auch für alle Zeiten unverfälscht erhalten werden möchte.

06. Diese Kritik ist zwar um ein Haar besser als die obige, aber sie hält nicht Stich; denn um was sich so ein Kritiker abmüht, für das ist ohnehin tausendfältig gesorgt. – So er aber blind ist und solches nicht merkt, so kann er es sich nur selbst zuschreiben, wenn er dabei ein Esel bleibt und seines Geistes Kräfte um eine Eselskost vergeudet! –

07. Wer heute politische Weltsachen vor Augen hat, morgen allerlei andere Dinge, am dritten Tage Geldgeschäfte, am vierten Tage Mist- und Heugabeln, am fünften allerlei Obstbäume und Rebenverbesserungen, am sechsten Tage schöne Mädchen, Theater und dergleichen, am siebenten Tage vor lauter Welt nicht weiß, wo ihm der Kopf steht, am achten sich allenfalls in einem Gasthause mit seinen Weltfreunden über allerlei Welt bespricht, um sich doch ein wenig zu zerstreuen und auszuheitern, am neunten Tage nichts als bloß denkt und simuliert, was ihm der elfte, zwölfte, dreizehnte und vierzehnte Tag alles für Arbeiten geben und machen wird, und höchstens am fünfzehnten Tage ein paar Verse aus der Bibel auf die Art verschluckt, wie ein Reisender ein paar Löffel Suppe, wenn der Postillion schon zur Abfahrt das Zeichen gibt; – frage, kann der wohl verlangen, daß ihm, wie ihr zu sagen pflegt, etwa gar des heiligen Geistes gebratene Vögel ins Maul fliegen sollen? – Da ist's, wie es heißt: Von Dornen und Disteln erntet man nie Feigen und Trauben.

08. So wenig wie Lilien und Rosen auf Brennesseln und Stechäpfeln wachsen, ebensowenig kann in einem mit allen Weltangelegenheiten vollgepfropften Gemüte das innere geistige Verständnis Meines Wortes je emporkommen und noch weniger zur Reife gelangen! – Und so kann sich ein solcher Weltweiser dann ja auch keineswegs darüber aufhalten, wenn er dem Geiste nach ein Esel verbleibt, zeitlich und gar leicht auch ewig.

09. Womit aber jemand umgeht, darin wird er mit der Zeit auch klug. Wer mit der Welt umgeht, der wird mit der Zeit weltklug; aber fürs Gottesreich bleibt er ein Tor voll Blindheit. – Wer mit Pferden umgeht, der wird ein kluger Stallmeister, wer mit der Malerei, der wird ein Maler, wer mit der Musik, der wird ein Musikmeister, und dergleichen mehr. – Wer aber vor allem mit Meinem Worte umgeht und danach tut, der wird klug in Meinem Reiche des ewigen Lebens, das da jedermann verkündet ist im Worte und was er zu tun hat, um selbes zu erlangen.

10. Aber so jemand nur sozusagen zu allen heiligen Zeiten einige Stellen aus der Bibel oder sonstigen Offenbarung liest wie ein beschriebenes Stück Papier, darin ein Stück Käse eingewickelt war, oder wie mancher am Abtritte halbzerrissene Intelligenzartikel aus Langerweile wie einen sogenannten Rebus entziffern will, da – wahrlich wahr, ist der heilige Geist wohl so hübsch ferne, etwa wie die zwei äußersten Pole der endlosen Schöpfung.

11. Bei Mir ist nichts mit einem Deus ex machina (einem hergezauberten Gott), sondern lediglich nur aus einer Diligentia des Geistes ausschließend in rebus divinis; – wo diese ausschließliche Diligentia (Fleiß) mangelt wegen allerlei machinis Mundi (maschinenmäßigen Weltgeschäften), da ist auch nichts oder nur sehr wenig mit dem Deus in nobis (Gott in uns) und daher auch ebensoviel mit dem wahren Verständnisse des alten oder neu geoffenbarten Wortes Gottes! –

12. Derlei Menschen sind Mir aber auch wahrlich wahr zuwiderst, weil sie lau sind für das Allerwichtigste und das verheißene ewige Leben gerade mit der Zuversicht betrachten wie ein Lotteriespieler sein Lotterielos: Ist was und kommt was, so ist's gut; ist aber nichts und kommt nichts, so ist es so auch gut. – Ja wahrlich, bei denen wird es wohl ewig so auch gut sein, wenn's mit dem ewigen Leben nichts wird und auch nichts kommen wird, was ihnen dazu verhelfen könnte.

13. Wer aber Mein Wort liest, der lese es aufmerksam und behalte es wohl im Herzen und tue nach seiner Kraft nach dem Worte und sei nicht bloß ein eitler Leser oder Hörer desselben, sondern ein wahrer und lebendigwarmer Täter, so wird er auch die rechten Früchte ernten, wie sie im Worte der alten und neuen Offenbarung verheißen sind. – Aber das denke sich ja keiner, daß Ich jemandem, der Meine Sache also behandelt wie einen Alten-Weiber-Prozeß oder höchstens wie eine dumme Prise Schnupftabak oder wie ein Flickschuster-Konto, Mein Reich, Meine Gnade und Meine große Erbarmung an den Rücken nachwerfen werde! – O nein, das werde ich sicher ewig nicht tun.

14. Glaube aber ein jeder in seiner Torheit, was er will; Ich aber werde tun, was Ich will, und werde Mich von der Dummheit der Menschen ewig nicht beirren lassen; denn Ich brauche euch Menschen nicht, wohl aber brauchet ihr Mich! – Ich aber werde der Menschen Dummheit mit einer Plage heimsuchen und werde sehen, wie lange sie Mir trotzen werden. – So endlos gut Ich aber dem bin, der Mich ernstlich sucht, ebenso unerbittlich aber bin Ich auch dem, der Mich in seinem Herzen der Welt gegenüber nicht viel besser als eine Prise Schnupftabak betrachtet amen; wahrlich, wahrlich amen, amen, amen.

Gleichnisse zur Gottes- und Selbsterkenntnis. – 13. Juli 1847. Nachmittag.

01. Niemand kommt so weit, daß er nicht noch weiter kommen könnte, niemand ist so vollkommen, daß er nicht noch vollkommener werden könnte, und niemand ist so glücklich, daß er nicht noch glücklicher zu werden vermöchte, – aber auch niemand, so er zu Falle kommt, fällt so tief, daß er nicht noch tiefer fallen könnte; denn es ist der geistige Raum wie der naturmäßige gleich unendlich, und das Meer der Ewigkeit hat auch ewig nirgends einen Grund. Wer in dasselbe fällt, kann ewig tiefer und tiefer sinken; wer aber in ihm emporsteigt, wird auch ewig nie die Oberfläche desselben erreichen, sondern ewig in stets größeren und mächtigeren Zügen die endlose Wonnefülle desselben einschlürfen, je weiter aufwärts er steigen wird.

02. Darum ist das Reich Gottes gleich einem Samenkorne, das ins Erdreich gelegt wird, dann aufgeht und schon beim ersten Aufgehen hundertfache Frucht bringt. Und wenn diese wieder in die Erde gelegt wird, so werden bei der zweiten Einlegung der hundert Samenkörner, die von dem ersten Samenkorne hervorgebracht wurden, schon zehntausend Samenkörner, bei einer dritten Einlegung eine Million, bei der vierten hundert Millionen und so fort bis ins Unendliche, welcher Verunendlichfältigung ewig kein Ziel gesetzt ist.

03. Also geht es auch mit der geistigen Vervollkommnung im ewigen Leben, da nimmer ein Geist jene Stufe erreichen wird, auf der er sagen könnte: Jetzt habe ich alles! – Jeder selige Geist wird zwar stets alles haben, was er haben kann, vollkommen, aber dennoch dabei fortwährend auch einen ewigen Mangel, den er nie in aller Fülle wird ersättigen können. Es wird jeder vollkommene Geist Mir gleich sein, wie ein Bruder dem andern, aber dennoch ewig nie Meine Fülle erreichen.

04. Es kann zwar der Sohn erreicht werden, denn es heißt: „Ihr werdet noch Größeres tun denn Ich!“ – Also kann auch der Vater erreicht werden, denn es steht geschrieben: „Ihr sollet vollkommen sein, wie da euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ – Aber der Vater und Sohn als vollkommen Ein Wesen haben in Sich den heiligen Geist, welcher ist Gott heilig, heilig, heilig, und ist das eigentliche Gottleben im Vater wie im Sohne, die vollkommen Eins sind, und das Leben alles Lebens, das Licht alles Lichtes, die Kraft aller Kraft, die Macht aller Macht, die Liebe aller Liebe, die Weisheit aller Weisheit, die Tiefe aller Tiefen, die Größe aller Größen, die Ewigkeit der Ewigkeit und die Unendlichkeit der Unendlichkeit in allen Dingen und Wesen der Unendlichkeit.

05. Daher es auch kommt, daß so jemand den Sohn anstrebet, es ihm verziehen wird, und wer den Vater anstrebet, ihm auch verziehen wird, aber wer den Geist anstrebet, dem wird nicht verziehen weder zeitlich noch ewig; – denn es kann wohl Vater und Sohn erstrebt werden, aber ewig nie der unendliche Geist des Vaters und des Sohnes, die da Eins sind, wie ein Mensch und seine Liebe oder sein Herz auch vollkommen Eins sind und Eins werden können mit Vater und Sohn, so diese in des Herzens Liebe aufgenommen worden sind; denn der Geist ist unendlich in allen Dingen, und somit ewig unerreichbar und unerstrebbar!

06. Gleichwie aber ein Mensch, der vom Dache fiele, am Boden liegen bliebe und wieder geheilt werden könnte, so er nicht zu derb gefallen wäre, oder wer in ein Wasser fiele, auch noch rettbar ist, so sein Fall bemerkt würde; aber wer da fiele von der Erde in die Unendlichkeit hinaus, wer wohl könnte den retten? Oder so er fiele in ein Feuermeer, wer wird ihn schützen vor dem Verbrennen und gänzlichen Verzehren?! –

07. Darum betet und wachet, auf daß ihr nicht in die Versuchung fallet; denn es ist erschrecklichst, in die Hand des Geistes Gottes zu gelangen durch Aufblähung, Stolz und Hoffart! – Wer da fällt, der wird fallen in Ewigkeit; aber wer da steigt, der auch wird steigen ewiglich von Licht zu Licht amen. –

Die Verklärung Christi. – 22. Juli 1847.

01. Meine Verklärung auf dem Berge Tabor wird von vielen als etwas Ergötzliches gelesen, aber von gar überaus wenigen verstanden, und gar entsetzlich viele haben aber auch nicht die allerleiseste Ahnung, was alles hinter dieser Verklärung steckt!

02. Die Ursache von solchem Unverstande aber liegt wie allzeit lediglich in der Welt und in ihrer zerstückten Dreieinigkeitslehre. Denn wer da nicht glaubt in der Fülle an den alleinigen Sohn, der da vollkommen Eins ist mit dem Vater, der in Ihm ist wie Er im Vater, gleichwie der Geist im Menschen und der Mensch im Geiste, der den ganzen Menschen durchdringt und der eigentliche Mensch selbst ist, – der ist zertragen in seinem Gemüte und ist gleich einem trüben Wasser, durch das dann kein Lichtstrahl zu dringen vermag und erhellen die Tiefen desselben.

03. Die Verklärung aber birgt ein gar überaus stark verborgenes Licht oder eine gar mächtig stark verhüllte geistige Bedeutung in sich, daher sie auch von den wenigsten Schriftgelehrten dieser wie aller früheren Zeit richtig verstanden wird.

04. Auf daß ihr aber nicht gleichet dem trüben Wasser der Welt, das nur oberflächlich beschienen werden kann, auf der Oberfläche wohl auch glänzt wie ein vergoldetes Grab, in sich aber nichts als Nacht und Tod birgt, – so will Ich euch in aller Kürze für die oben angeführte Verklärung ein kleines Lichtlein geben, durch das ihr klar ersehen möget, was da hinter derselben steckt. Und so höret denn:

05. Der Berg Tabor stellt vor die höchste und zugleich tiefste Erkenntnis Gottes im Geiste und in der Wahrheit. Auf diesen Berg der allerhöchsten Erkenntnis führe allein Ich nur Meine Lieblinge! – – – Petrus, Jakobus und Johannes waren das im vollsten Maße, – zugleich aber stellen diese drei auch einen jeglichen Menschen vor, wie er sein solle in der wahren himmlischen Ordnung.

06. Petrus ist der äußere Mensch, der aber sein ganzes Wesen durch allerlei Prüfungen ganz nach innen richtet. – Jakobus stellt vor die Seele des Menschen, die da rein ist und in allem sich nach dem Herrn richtet, aber dennoch samt dem äußeren Menschen viele Prüfungen zu bestehen hat, um den Außenmenschen ganz für sich zu gewinnen und mit ihm vereint in dem Geiste sich unsterblich zu machen. – Johannes endlich stellt den Geist des Menschen dar, der da völlig eins ist mit Mir, also Meine Liebe, von welchem Jünger Ich Selbst zu Petrus sagte, dem es etwas ärgerlich war, daß er Mir gleich ihm folgte: Was kümmert dich das, so Ich es sage: Er lebe!? – was soviel heißt als: Nur der Geist lebt, und wer nicht von seinem Geiste sich verfolgen, ergreifen und durchgreifen läßt, der wird kein Leben haben; denn der Geist allein ist es, von dem Ich sage, daß er lebe ewig!

07. Aus alledem aber geht hervor, daß wie Ich die drei auf den Berg führte, Ich entsprechend jeden Menschen, der in seinem Dreiwesen Meine vorgezeichnete Ordnung beachtet, auf den Berg der wahren und lebendigen Erkenntnis Gottes führen kann, allwo er dann auch im Gefühle seines ganzen Wesens ausrufen wird: Herr! hier ist gut sein, hier lasse mir ewige Wohnung machen, bestehend in den drei Hütten der Liebe, der Weisheit und der Macht aus Beiden!

08. Aber mit dieser Erkenntnis ist noch kein Bleibens, solange die drei Hütten, und Ich, Moses und Elias nicht völlig Eins sind im Menschen, oder solange die Liebe, die Weisheit und Macht nicht in sich wie in einer und nicht in drei Hütten aufgenommen werden. Daher aber ertönt auch alsbald aus einer Wolke, die da ein Bild ist der allerhöchsten himmlischen Erkenntnis: „Dieser allein ist Mein geliebter Sohn, diesen allein müßt ihr hören!“ – was soviel heißt als: Dieser allein ist der einige Gott; nicht in drei, sondern in Ihm allein müßt ihr wohnen, wollt ihr das ewige Leben haben! –

09. Darauf oder nach dieser mächtigsten Durchgreifung der Gotteskraft erst erwachen die drei und sehen nun in der Fülle der Klarheit weder Moses noch Elias und vernehmen auch keine andere Stimme mehr, denn allein Mich und Mein Wort! – Aber dieses verbietet ihnen, von solcher Erkenntnis der Welt vorher etwas zu melden, als bis alles vollendet ist, das heißt im engen Sinne: bis Ich in jegliches Menschen Herzen nach vielen Proben und Prüfungen seiner Seele auferstanden bin in aller Macht und Kraft der Liebe und Weisheit. – Und im weiten Sinne: Bis nicht die Welt in dem Menschen gekreuzigt und getötet ist und der Geist im Menschen auferstanden ist und dadurch aus dem Menschen ein neues Geschöpf wird in der Ordnung, wie sie da angezeigt ist durch Petrus, Jakobus und Johannes, kann er auf den Berg der tiefen und höchsten Erkenntnis Gottes und des ewigen Lebens nicht geführt werden.

10. Das ist die heilige Bedeutung Meiner bisher stets als geheimnisvollst betrachteten Verklärung auf dem Berge Tabor. – Es gibt aber freilich wohl noch eine viel gedehntere, unter der durch Moses, Elias und voraus durch Mich, und durch die Stimme aus der Wolke, wie durch die drei Jünger Hauptführungs- und Bildungsepochen der Menschen angedeutet werden; allein die Erkenntnis verschafft niemandem das ewige Leben, wie noch weniger die damit verflochtenen endlosen Begriffe von Zeit, Raum, Ewigkeit, Unendlichkeit, Licht, Geist und Dasein.

11. Suchet aber vor allem Mich, Mein Reich und Meine Gerechtigkeit, welche da ist die Liebe, so wird euch alles andere als eine freie Zugabe gegeben werden. Aber so ihr nur die Weisheit suchet und ihre Kraft, da wird es euch ergehen wie dem, der sein Talent vergrub, und ihm dann noch das genommen ward, das er hatte, und sein Anteil die Finsternis ward! – Das beachtet darum überaus sehr tief, so ihr der Verklärung teilhaftig werden wollt amen. – – –

Einleitung zu den Sterbeszenen. 27. Juli 1847.

Mit der nachstehenden Kundgabe begannen die ‚Sterbeszenen‘ (Geisterszenen), die den Übertritt Sterbender in die geistige Welt schildern. Von den mitgeteilten elf Geister- bzw. Sterbeszenen wurden neun in der kleinen Schrift ‚Jenseits der Schwelle – Sterbeszenen‘ veröffentlicht. Die umfangreichen Eröffnungen über ‚Bischof Martin‘ (9. Szene) und ‚Robert Blum‘ (11. Szene) erschienen in eigenen Bänden.

Das rechte, lebendige Heilmittel. – 17. August 1848.

An Elise H.

01. Meine liebe Tochter! – So du und so mancher andere auf Mich ein vollstes und lebendiges Vertrauen hättest, da hättest du auch keine unnötige Furcht bei diesem deinem Brustübel und würdest auch nicht fortwährend ein anderes besser und schneller wirken sollendes Mittel von Mir dir erbitten; denn da wäre das erste so gut wie das letzte.

02. Aber weil dein Übel, das eine Ablagerung von einer Menge alter Übel und ärztlicher Arzneien ist, nicht so schnell vorübergehen kann wie irgendein leichter Schnupfen, da durch dasselbe eine Menge schlechter Substanzen sich einen Ausweg gebahnt hat, so hast du eine große Furcht nun. Ich aber frage dich: warum denn? Meinst du denn, daß Ich dir etwa nicht helfen könnte, und wäre dein Übel noch tausendmal größer, als es ist?

03. O siehe, für Mich ist wohl noch nie ein Übel so groß gewesen, daß Ich es nicht hätte zu bändigen vermocht! Und so könnte Ich etwa wohl auch mit deinem zurechtkommen in aller Kürze, aber dazu bist du zu furchtsam und ängstlich und suchst Mittel und Mittel. Aber aufs Hauptmittel setzest du zu wenig lebendiges Vertrauen, was du aus deiner Furcht und Angst selbst entnehmen kannst, und das verzögert die volle Heilung deiner Brust.

04. Ich sage dir, du magst Erde oder Wasser, Öl oder Wein oder Honig oder Balsam oder Kräuter oder Pflaster oder Milch und Brot oder auch Schwefel und andere Mineralien und mineralische Wässer auf deine Brust legen – hast du zu Mir ein lebendiges Vertrauen, so werden dir alle dienen; hast du aber Furcht und Angst, was da zeigt, daß dein Vertrauen zu Mir kein volles ist, da mußt du dir denn auch selbst zuschreiben, daß die Heilung deiner Brust sich genau nach euer aller Vertrauen richtet.

05. Ihr schauet und beurteilet nur das Mittel, ob dieses wohl etwa von Mir oder vielleicht nur allein von Meinem Schreiber stamme, ob es daher wohl richtig helfen werde oder nicht – oder so es etwa doch nicht von Mir, sondern bloß vom Schreiber wäre, ob es da das Übel nicht verschlimmern würde?

06. Siehe, das sind so eure geheimen Skrupel, durch die ihr, wie gesagt, stets nur das angeratene Mittel beurteilt unter dem Gesichtspunkte eines halben Glaubens. Mich aber beurteilet ihr da gar nicht, weil ihr eben glaubt oder doch wenigstens der Meinung seid, daß Ich nur durch ein einziges Mittel, welches das tauglichste wäre, helfen könnte oder wollte – als ob Ich nicht mächtig genug wäre, durch jedes Mittel, ja bei einem lebendigsten Glauben auch ohne alle Mittel jedes Übel heilen zu können. – Was liegt denn am Mittel?

07. Ich bin das rechte lebendige Mittel, ohne dieses wirkt keines, mit diesem aber ein jedes!

08. Wollt ihr in Zukunft die Gesundheit eures Leibes erzielen, so müßt ihr nicht so sehr auf ein passendes Mittel, sondern nur darauf sehen, daß euer lebendiges Volltrauen auf Mich es passend mache, dann wird jedes Mittel recht sein, bestehe es, worin es wolle. Ohne diese Manipulation aber wird der beste Balsam ebensowenig helfen wie das Wasser einer Pfütze!

09. Brauchet euer Pflaster, aber mit Volltrauen auf Mich, so wird es den starken Eitersack, der mit dem Eiter auch hätte herauskommen sollen, wie bei einer Geburt das Kindbettchen, und der nun wie ein Fremdkörper in der Wunde steckt und herausschwärt, schon herausziehen. Aber wohlgemerkt, das Pflaster selbst wird das nicht tun.

10. Wollt ihr aber einen Arzt, so könnet ihr ihn auch nehmen. Habet aber dabei nicht so sehr auf den Arzt, sondern vielmehr auf Mich allein ein wahres, lebendiges und somit angst- und furchtloses Vertrauen, so werden des Arztes Mittel heilsamst wirken. Habt ihr aber mehr Vertrauen auf den Arzt als auf Mich, so wird er euch wenig oder nichts nützen.

11. Eure Furcht und Ängstlichkeit aber sei euch ein sicherer Ansager, ob ihr Mir volltrauet oder nicht; denn jede Furcht und jede Angst ist eine Folge schwachen Glaubens und Vertrauens auf Mich.

12. Bin Ich nicht Der, der den vier Tage im Grabe modernden Lazarus wieder ins Leben zurückrief? – So ihr aber glaubet, daß Ich Derselbe bin und rede mit euch nun durch den zwar in sich schwachen, aber sonst treuherzigen Knecht schon einige Jahre, – warum ist denn da schwach euer Glaube und warum unrein eure jeweilige Meinung, derzufolge Mein euch wieder gegebener Knecht aus sich auf Meinen Namen Mittel gäbe, die dann nicht helfen könnten, weil sie vielleicht doch nicht von Mir, sondern vom Knechte seien?

13. Wisset ihr denn nicht, daß Ich den Knecht alsbald verwerfen würde, so er so etwas sich erlauben würde? – Für einen so argen Sünder müßt ihr Meinen Knecht nicht halten! – Er hat wohl andere Schwächen, meist aber gegen sich selbst; aber in Meinem Namen ist er getreu und stark und scheut die Menschen nicht und sieht auch nicht auf die Vorteile der Welt, obschon er irdisch arm ist.

14. Also nur mehr Glauben und Vertrauen, dann wird schon alles gut werden; sonst aber noch hübsch lange nicht amen. – Das sage Ich, als das beste Heilmittel für ewig, amen, amen, amen. – –

Mein Wort und der lebendige Glaube sind das beste Heilmittel. – 3. September 1848.

Für Elise H.

01. Schreibe nur, Ich weiß schon, was es ist. – Es handelt sich schon wieder um einen Trost oder um ein Arzneirezept. Ich sage dir, wie Ich dir schon gar oft gesagt habe, daß Ich dich nicht erwählt habe zu einem Arzte des Fleisches; sondern nur zu einem Schreiber für die Offenbarung Meines Wortes habe Ich dich berufen, welche Ich gebe dem Geiste und nicht dem Fleische. Aber dennoch kommst du Mir immer wieder von neuem mit Dingen des Fleisches. – Magst du denn noch nicht unterscheiden die Wege des Fleisches – und die Wege des Geistes?

02. Muß denn nicht ein jeder Mensch an seinem Fleische gekreuziget werden, so er im Geiste lebendig werden solle? –

03. Also ist es auch mit dem Weibe des A. H. W. der Fall. Daher ist es Mir nicht angenehm, so du wider Meine gestellte Ordnung kommst und verlangst Dinge von Mir, die Ich stets ungern tue, und das darum, weil Ich dich zu keinem sogenannten Wunderdoktor berufen habe, sondern lediglich zu einem Schreiber Meines lebendigen Wortes. – Ich gebe dir wohl auch – und gab dir schon – medizinischen Rat, wenn du Mir damit kommst, aber du mußt daraus keine Regel machen.

04. Ich gebe wohl jedem gern, um was er Mich gläubig und vertrauensvoll bittet; aber um sehr vieles lieber, was zur Heilung des Geistes gehört als zur Heilung des Fleisches.

05. Wer da Mein Wort liest und lebt danach und hat einen starken, festen Glauben, dem wird das Wort durch seinen Glauben helfen, wie es in den Evangelien gar oft zu ersehen ist. Fehlt aber der rechte, lebendige Glaube, da wird das „Stehe auf und wandle!“ nur von geringer Wirkung sein.

06. Alsonach sind Mein Wort und der lebendige Glaube allezeit das beste Heilmittel auch fürs Fleisch, und es hat keine Apotheke ein besseres. Aber der Schwäche eures Glaubens und der ängstlichen Mattigkeit eures Vertrauens genügt diese reinste Medizin nicht und kann nicht genügen, weil ihr noch zu ängstlich am Leben des Fleisches haltet und werdet nur zu bald überkleinmütig und schwachgläubig, so über dasselbe etwas kommt. Daher verlanget ihr nebst Meinem Worte auch eine Arznei, also entweder Lehm oder das Wasser des Teiches Siloah; ohnedem kann euch nicht geholfen werden.

07. Und da eben liegt der böse Hund begraben, wie ihr zu sagen pfleget; denn so Ich es zulasse, daß Arzneien eure Krankheiten heilen, so schwächt das euren Glauben an Mein Wort. Helfe Ich euch aber trotz der Schwäche eures Glaubens und Vertrauens bloß durchs Wort, da wäret ihr gerichtet und gefangen, und das im Geiste, aus welcher Gefangenschaft euch dann nur ein übergroßes Kreuz wieder befreien könnte, wie es auch bei den ersten Christen, die zumeist durch Wunder genötigt Mein Wort annahmen, der Fall war, daß sie hernach durch eine mächtige Prüfung erst ihres Gerichtes ledig werden konnten. – Fraget euch daher selbst, was Ich hier tun soll, um euch zu erhalten.

08. Jede Arznei ist schwächer denn Mein Wort. Aber Mein Wort kann und darf da nicht allein wirken, weil euer Glaube noch viel zu schwach ist, was ihr gar leicht aus eurer großen Liebe zu dem irdischen Leben entnehmen könnet, denn der lebendig Gläubige sehnt sich mit Paulus nach der Auflösung, was bei euch noch lange nicht der Fall sein wird, da euch noch viel zu sehr manche Dinge der Welt am Herzen liegen. Daher müssen eures Heiles willen auch hier Arzneien neben Meinem Worte wirken, was natürlich die Heilung verzögert, besonders so das Vertrauen darauf ein mehr oder weniger ängstliches ist.

09. Ich habe aber ja schon im vorigen Wort gezeigt, wie die Medizinen wirken und wie die Ärzte. Habt ihr zu einer Medizin oder zu einem Arzte zu wenig Vertrauen, so nehmet eine andere Medizin, desgleichen ist auch mit dem Arzte zu tun; denn Ich sage euch noch einmal: Nicht die Medizin und nicht der Arzt helfen im eigentlichen Sinne allein, sondern hauptsächlich das festere Vertrauen. Ja, der Arzt wie die Medizin sind zumeist gleichgültig, und beide wirken nur, wenn die ruhige, vertrauensfeste Seele sich die Zeit und Mühe nimmt oder nehmen kann, die in der Arznei vorhandenen Spezifika dorthin zu verwenden, wo sie zweckdienlich sind. Ist das bei der mehr oder weniger geängstigten Seele nicht der Fall, so wirken die besten Medizinen nicht nur gar nicht, sondern oft ganz verkehrt, weil sie von der unruhigen und vertrauensschwachen Seele nicht selten an einen anderen Ort geführt werden, als wohin sie hätten geführt werden sollen.

10. Die Arzneien haben zufolge ihrer Spezifika wohl allezeit eine Wirkung im Fleische. Gehen irgendwo im Fleische gewisse Spezifika ab, so können sie aus einer guten Arznei wohl ersetzt werden und dadurch ein krankes Fleisch gesund machen, so sie von der Seele dahin verwendet werden. Werden sie aber von einer ängstlich konfusen Seele irgendwo anders hingeführt oder manchmal sogar dem Zufall überlassen, da sie dann hinkommen, wo sie das stumme Blut hinführt oder die noch stummeren Magensäfte, – dann läßt sich auch schon von selbst erraten, wie es dabei mit der Heilung des Fleisches aussieht.

11. Ich sage, da gleicht die Heilung des Fleisches der Herstellung eines schadhaften Hauses, wo die Bewohner aus zu großer Furcht, im Hause erschlagen zu werden, so es zusammenfiele, anstatt sich im schadhaften Hause umzusehen, wo es fehlt und wie zu helfen sei, nur in einen Winkel sich verkriechen, wo sie sich noch am sichersten glauben, oder manchmal wohl auch in aller Eile das Loch suchen, durch das sie am ehesten ins Freie kämen.

12. Ist so etwas bei einer Seele der Fall, da können freilich alle Ärzte der Welt zusammenkommen, und sie werden beim besten Willen und Wollen einen kranken Leib dennoch nicht gesund machen können, weil eben diese Seele nicht mitwirkt. –

13. Daher sind die magnetischen Kuren auch allen anderen darum vorzuziehen, weil durch sie die Seele zu jener guten Ruhe gelangt, in der sie sich Zeit nimmt, ihr Fleischhaus näher zu beschauen, wo es demselben fehlt und wie und womit ihm zu helfen ist. Wird dann dem Leibe jenes Mittel beigebracht, welches die ruhige Seele im Schlafe des Fleisches als ein zweckdienliches bezeichnete, so erkennt es die Seele auch als solches und verwendet es dann auch zumeist dahin, wohin es zu verwenden ist. Und die Herstellung des Leibes geschieht dann meistens mit gutem Erfolg und manchmal durch Mittel, bei deren Namhaftmachung sicher jeder reine Verstandesarzt Reißaus nähme!

14. Aber trotzdem wirken die seltenen Mittel dennoch, aber nicht darum, weil sie etwa die allein rechten wären, sondern darum nur, weil sie von der Seele als der allein rechten Baumeisterin ihres Fleischhauses am rechten Ort und mit rechter Intelligenz verwendet werden.

15. Würde die Seele der Elisabeth H. ebenso ruhig sein wie die Seele so mancher Somnambulen, da wäre ihr Übelchen schon lange gut. Aber da das nicht der Fall ist und sie immer von der Furcht vor ihren Eltern, weil sie keinen Arzt aufsucht – und wieder von der Furcht vor einem Arzte, was dieser tun oder sagen würde, so sie ihn nähme, ob er ihr wohl helfen oder das Leben absprechen würde – und endlich auch von der Furcht vor dem möglichen Leibestode hin und her getrieben wird, wie soll da ihre Seele Zeit haben, dort tätig zu sein, wo sie tätig sein soll? – Bei solchen Umständen muß dann aus einem Übelchen freilich ein förmliches Übel werden.

16. Sie gebraucht mit ihren Händen, mit ihrem Willen wohl freilich so ziemlich genau die angeratenen Mittel, aber ihre ängstliche und manchmal mehr und manchmal weniger furchtsame Seele tut es nicht und kann es auch nicht tun, weil sie fortwährend zwischen dreifacher Furcht herumspringt, wovon sie schwerlich los wird.

17. Hier heißt es, entweder alles Heil in Meine Hände legen und nicht denken: So ich am Ende dennoch sterben müßte, was werden da meine Eltern zu meinem Manne und was zu meinen Kindern sagen? Am Ende sie etwa gar enterben? Was wird da aus ihnen werden? Welchem Jammer werden sie preisgegeben sein? – Denn Ich allein bin der Herr auch über diese Eltern und kann deine Kinder auch ohne die Hilfe deiner Eltern vollends glücklich machen!

18. Wenn die Elisabeth so denken wird, und ihr alle mit ihr, da wird ruhig werden ihre Seele und wird an der Heilung ihres Leibes arbeiten können. Da wird dann auch die Heilung leicht und bald erfolgen, sonst aber nur langsam und schwer, auch – bei erhöhter Furcht – gar nicht, weil da nur der Zufall wirkt. Denn ergreifen die wirkenden Fleischgeister aus dem Medikament die rechten Spezifika, dann geht die Heilung etwas vorwärts; ergreifen sie aber die unrechten Spezifika aus dem Arzneimittel, wie allenfalls ein blinder Maler die Farben, so geht dann die Heilung wieder rückwärts. –

19. Kann die kranke Elisabeth ein solches Vertrauen zu Mir fassen und auch A. H. W. samt den Kindern, daß ihr euch dadurch von dem großelterlichen Hause als vollends unabhängig stellet in euren Herzen und euch denket:

20. „Herr! Geschehe da, was da wolle, Du allein bist unser Vater zeitlich und ewig. Von Dir und von niemand anderem hängt unser künftiges Wohl ab; denn wir wissen es ja, daß aller Menschen Hilfe, wer sie auch sein mögen, zu nichts nütze ist. Dein Wille geschehe! Wir wollen niemand fürchten, außer allein Dich, o Herr, und von niemand eine Hilfe erwarten, als allein von Dir, o Du guter Vater! – Dein wollen wir ganz sein im Leben dieser Welt und ebenso in ihrem notwendigen Tode, der uns frei machen wird vom Fleische und uns dann endlich führen zu Dir hin, der Du bist unsere alleinige lebendige Hoffnung durch den Glauben und unsere alleinige Liebe im erweckten Leben unseres Geistes!“ – –

21. Ist euch aber diese gänzliche und vollste Hingebung an Mich nicht möglich, in der allein der alles bewirken könnende lebendige Glaube zuhause ist, da ergreifet ein anderes passendes Mittel, wodurch die Ruhe der Seele bewerkstelligt werden kann. Nehmt zum Beispiel einen Arzt, um euch dadurch der großelterlichen Furcht zu entledigen, oder nehmt zum Magnetismus eure Zuflucht, was noch besser sein wird, weil dadurch die Seele die nötige Ruhe erlangen wird.

22. Tut, was ihr wollt; aber tut alles, was ihr tut, ganz und in Meinem Namen, so werdet ihr leicht zu einem erwünschten Ziele gelangen. Aber mit der Halbheit wird euch nirgends und niemals geholfen sein. –

23. Ich als die höchste Vollkommenheit wirke nur im Vollkommenen vollkommen, im Unvollkommenen aber wie die Sonne im Winter! – Daher seid alle vollkommen in allem, wie auch Ich, euer Vater, vollkommen bin, so werdet ihr leicht überall Hilfe finden, so euch irgend etwas fehlt.

24. Aber auf eine rein wunderbare Hilfe von Mir fürs Fleisch dürfet ihr alle nicht rechnen, denn dazu gehört entweder ein nagelfestester Glaube, mit dem ihr nahehin Berge versetzen könntet, oder aber die volle Wiedergeburt des Geistes, was aber bei euch weder das eine noch das andere der Fall ist. Denn euer schwacher Glaube möchte eben darum Wunder, um durch sie vermeintlich stark zu werden, was aber gerade der umgekehrte Fall wäre; denn nichts schwächt den wahren Glauben so sehr wie ein Wunder, da es den ganzen Menschen aus dem Zustande der Freiheit gewaltsamst herausreißt und ihn in den Zustand der unausweichlichen Nötigung versetzt, welche da ist ein Tod für den Geist. Und nichts stärkt den Glauben mehr als das Kreuz; denn nur durch Kreuz und Leiden dieser Welt wird der Glaube genährt und gestärkt.

25. Ob ihr aber als im Geiste vollends Wiedergeborene eines Wunders, als unschädlich für euren Geist, fähig seid, – Ich meine, darüber kann euch schon eure noch sehr schwache und in manchem Stücke sinnliche Natur treulichst belehren. – Aber Ich helfe euch dennoch mit und in der Natur wie ganz natürlich, nur müßt ihr euch also verhalten, wie es die Ordnung der Natur erfordert, sonst kann Ich euch selbst bei Meinem besten Willen niemals helfen außer zeitlich durch ein Gericht, womit aber in der Wahrheit sicher keinem Menschen gedient sein wird.

26. Auf daß ihr aber auch sehet, warum Ich das Eitergeschwür der Elisabeth ein Übelchen nannte, so sage Ich: Dies Übelchen bestand anfangs bloß in einigen wenigen unordentlichen Spezifiken, welche, als nicht zum Wesen gehörig, ihren Ausweg suchten, weil sie schon seit einigen Jahren durch ungeschickte Arzneien in das Fleisch der Elisabeth gekommen sind. Sie waren früher im Fleische zerstreut, aber nun haben sie sich gerade in der Brustgegend gefunden, vereinigt, und brachen da gewaltsam durch. Als sie sich den Ausweg bahnten, da hätte die Seele tätig mithelfen sollen, daß sie alle samt ihrem bösen Neste hinausgekommen wären. Da wäre alles schon lange gut. Aber da war die Seele zum Teil von Freude, zum Teil aber auch heimlich von einer kleinen Furcht beunruhigt und beschäftigte sich zu wenig damit, alles Fremde aus ihrem Hause zu schaffen.

27. Dieses Fremde ist nun hartnäckig geworden und will nicht hinaus, weil es zu hart und sonach nicht so leicht mehr zu Paaren zu bringen ist. Aber dessenungeachtet wird es sich doch fügen müssen, wenn die Seele recht energisch wirken wird. Aber ohnedem kann es sich auch noch lange halten, besonders in der ohnehin sehr hartnäckigen Fleischnatur der Elisabeth; denn alles Fleisch, das im tieferen Norden gezeugt wird, ist hartnäckiger, fester und dauerhafter, als das im Süden gezeugte, daher aber auch bei Krankheiten schwerer zu heilen. – Daher soll auch die Elisabeth nicht ängstlich sein, wenn sie länger zu leiden hat; denn fürs erste sind die Leiden ihrem Geiste heilsam, und fürs zweite aber ist ihre Natur danach – und besonders, so die Seele keine rechte Ruhe hat. Diese aber muß sie sich verschaffen so oder so, da wird es ihr aber auch sicher besser werden.

28. Ich könnte euch eine Menge guter Mittel ansagen, die alle bei der gehörigen Ruhe der Seele die entschiedenste Wirkung täten, aber auch bei der kleinsten Furcht nicht nur keine Wirkung hervorbrächten, sondern die Sache noch verschlimmern würden. – Daher bekümmert euch zuvor um die volle Ruhe der Seele, entweder auf die eine oder auf die andere angeratene Art, dann werde Ich euch leicht helfen können amen. – Das sage Ich, der Ich jedermann helfen kann und will, der Meinen Rat vollends befolgt amen, amen, amen. –

Befreiung. – 14. Oktober 1848.

Anfrage des Ans. H. über einen im Traume gesehenen Blitzstrahl.

O Herr, Du heiligster Vater! Heute früh um 1/2 4 Uhr sah ich im Traume senkrecht vor mir einen äußerst mächtigen Blitzstrahl in die Erde fahren, worüber ich außerordentlich erschrak und sogleich erwachte und unwillkürlich an meine Brust schlug. Diesem Blitze, der dem plötzlichen Sturze eines Engels vom Himmel glich, folgte aber kein Donner. Wie soll ich, o Herr, diese Erscheinung mir erklären? – Mein Weib und die Alexandrine hörten diese Nacht einen so starken Schlag ans Fenster, daß darüber beide zugleich erwachten. Hat dieser Schlag mit dem Blitzstrahle irgendeinen Zusammenhang?

01. Mein Freund Ans. H. W., was dir heute im Traume als ein Blitz von oben nach unten fahrend zu Gesichte kam, hat durchaus keine mißliche Bedeutung, sondern es ist für deinen Geist und für deine Seele etwas sehr Gutes und dir heilsam Dienliches, – es ist das Hinabsinken und das Hinwegfallen deines Fleischgeistes, der dir bisher sehr hinderlich war an dem lebendigen Aufschwunge in Mein Reich.

02. Dein unwillkürlicher Handschlag auf die Brust aber war nichts als ein von deiner Seele eigens geleiteter Mea-culpa-Schlag und zeigte dir an, daß du nun an dir selbst bekennst, daß eben dein Fleischgeist dich bisher am meisten gefangenhielt, und daß Ich dich auch ebendieses deines Fleischgeistes wegen mit so manchem Kreuze heimsuchen mußte, um dich vor größeren geistigen Übeln zu bewahren. – Aber nun habe Ich dir dieses Geistes Hauptmacht abgetrieben, und du wirst nun auch darob mit deinem Fleische um ein sehr bedeutendes weniger Anfechtungen haben. – Ganz aber ist der Geist des Fleisches dir dennoch nicht benommen, sondern nur dem zum Argwirken strebenden Hauptteile nach. Solches tat Ich dir aber deines Geburtstages wegen, auf daß du nun leichter dem neuen Geistesgeburtstage zuschreiten kannst, besonders so du dein weiblich Hauskreuz in aller Ergebung, Geduld und Liebe zu Mir erträgst und dich ohne Furcht und Bangen in alles fügst, was Ich dir zusende.

03. In der wahren Geisterszene des Bischofs Martin hast du wohl gesehen, welch ein Meer er auszufischen hatte, um sich also nach und nach von allen irdisch-fleischlichen Anhängseln zu reinigen. Also würde es einst auch dir ergehen.

04. Aber auf daß du von allem Tode frei werden möchtest, so hast du nun auf dieser Welt schon das Martinsche Meer in ein Hauskreuz umgewandelt vor dir, das nun für dich arbeitet geistig, und so wirst du dann jenseits keine solche Arbeit mehr finden.

05. Dein Mir sehr liebes Weib muß nun freilich dem Fleische nach sehr hart leiden, aber es muß schon alles also sein, – denn deines Weibes Seele stammt nicht von dieser, sondern von einer anderen großen Erde (Sonne) ab. Daher verfährt ihre eigene Seele mit dem ihr noch stets fremden Fleische also und will es reinigen; und ihr Fleisch und Blut muß auch also gereinigt werden, ansonst es einst nicht völlig tauglich wäre zur geistigen Umkleidung einer reineren und edleren Seele aus den Himmelsregionen. Das Zuwiderste aber ist bei allen solchen Menschen der notwendig durchaus stärkere Nervengeist, da ein gewöhnlicher die in sich zu zarte Himmelsseele nicht an das grobe Fleisch dieser Erde zu binden vermöchte.

06. Dieser starke Nervengeist ist denn auch darum die Ursache, daß die Heilung was immer für eines Fleischübels viel härter und langsamer vor sich geht, als es bei rein diesirdisch normalen Personen der Fall ist. Wegen des starken Nervengeistes sind solche Personen auch für den Magnetismus schwer geeignet, halten aber dabei doch viel mehr aus als irdisch normale Menschen. Aber nur Geduld und furchtloses Vertrauen, dann wird schon alles wieder gut werden!

07. Es ist zwar wohl aus einem Übelchen ein Übel geworden, weil beim ersten Aufbruch zu wenig Sorge getragen wurde, den argen fremden Fleisch- und Blutgeist völlig aus der Brust zu treiben; aber deswegen kann schon jetzt auch noch geholfen werden, so ihr nach Meinem Rate durch die Somnambule genau handelt. Sonst aber wird das Übel noch lange dauern. – –

08. Der von deiner Tochter wie auch von deinem Weibe zugleich vernommene Schlag ans Fenster hängt mit deiner Erscheinung durchaus nicht zusammen und ist nichts als eine mutwillige Anmeldung eines Wanderers aus dieser in die andere Welt. – Wer es aber war, das braucht ihr nicht gar so schnell zu wissen und das kranke Weib am allerwenigsten, weil so etwas ihre ohnehin schwache Seele noch mehr schwächen würde und des Fleisches Heilung noch mehr verzögern. Mit der Zeit aber werdet ihr es ohnehin erfahren, wieviel daran gelegen ist.

09. Nun habe Ich dir alles gesagt, was die Erscheinungen, die du, dein Weib und deine Tochter vernommen haben, bedeuten. Ziehe dir daraus die rechte Moral; sie wird dir gut zustatten kommen amen. –

Trost am Kreuze irdischer Leiden. – 18. November 1848.

[HiG.03_48.11.18.a] Trostwort an Elisabeth H. zu ihrem Namenstag.

.a01. Meinen Vatersegen und Meine Liebe Meiner liebsten Tochter Elisabeth! – Mein allerliebstes, lammfrommes und sehr geduldiges Töchterchen! Wenn du wüßtest, wie endlos lieb Ich dich habe, weil du aus Liebe zu Mir dein großes Kreuzlein so geduldig trägst, da möchtest du es wohl keine Minute auf der finstern und überaus kalten Erde mehr aushalten. Aber sei getrost in deinem Leiden; Ich bin ja stets bei dir und stärke dich und tröste dich! Ich werde dir auch helfen zur rechten Zeit – und helfe dir immerwährend.

.a02. Freilich sind die dir von Mir angeratenen Mittel, die dir schneller geholfen hätten, stets zu spät in Anwendung gekommen oder auch gar nicht angewendet worden. Aber da habe auch Ich Selbst gewisserart eine kleine Schuld daran, und das aus übergroßer Liebe zu dir, denn du weißt es ja, daß Ich die am meisten prüfe und reinige, die Ich am meisten lieb habe. Und so mache Ich es auch mit dir, dafür aber bist du auch ganz Mein; und wenn du deinen Leib verlassen wirst derzeit und dereinst, so wirst du nimmer den Tod fühlen noch schmecken, sondern wirst sehend und alles vernehmend im hellsten Bewußtsein in Meinen Vaterschoß aufgenommen werden.

.a03. Daher verschwinde auch auf ewig alle Furcht vor einem Tode aus dir, denn wahrlich, du wirst jetzt und dereinst und ewig nimmer sehen und fühlen und schmecken den Tod; denn wer Mich, wie du, liebt auch am Kreuze irdischer Leiden, der stirbt schon, so er leidet, – und so er aber dann eigentlich sterben solle, da wird er dafür erweckt von Mir alsogleich zum ewigen vollkommensten Leben! – Also bist du nun auch schon gestorben mit Mir am Kreuze, und so du auf dieser Erde noch viele Jahre in wiedergenesenem Fleische lebtest, so wird dir dieser gegenwärtige Tod am Kreuze deines Fleisches angerechnet, und du wirst daraus auch schon auf dieser Erde zum wahren Leben übergehen und wirst fürder nimmer sterben, sondern im stets klarsten Bewußtsein in Mein Reich übergehen!

.a04. Diese ewig unwandelbare Zusicherung gebe Ich, dein dich segnender und über alles liebender Vater, dir zu deinem Namenstage als ein Angebinde, daß es dich heilen, stärken und trösten solle in aller Meiner Liebe und Wahrheit amen. Mein Vatersegen sei dir für ewig amen, amen, amen. – – –

Zum Heimgang einer Mutter. – 30. November 1848.

Trostwort nach dem Hinscheiden der Elisabeth H. am 29.11.1848.

01. Ein Trost und eine Stärkung an Meine Kinder.

02. Höret, ihr alle Meine lieben Kinder und Kindlein! Denn so spreche und rede Ich, euer Herr und lieber Vater, zu euch allen, die ihr nun seid voll Trauer und Bangigkeit in euren betrübten Herzen, dieweil Ich eure irdische Leibesmutter wahrhaftigst zu Mir für ewig genommen habe und habe sie dadurch auch für immer erlöst von ihrem Leiden, das sie aus großer Liebe zu Mir allerstandhaftigst und überaus geduldig ertragen hat.

03. Ich aber sage euch: Weinet und klaget nicht so sehr um die in Mir für ewig Auferstandene, denn sie ist mit Mir und in Mir am Kreuze starker Leiden gestorben dem Leibe nach – und ist aber auch im selben Augenblick, als sie für euch dem Leibe nach sichtlich starb, in Mir und an Meiner Seite für ewig zum wahren ewigen Leben auferstanden! –

04. Ihre Freude war unbegrenzt, als sie Mich gleich erkennend ihr zur Seite erschaute, und zwar in einem solchen Kleide, in dem Ich ihr sogleich gar wohl erkenntlich war, – und das um so leichter, da Ich sie auch sogleich Meine Wundmale erschauen ließ, was nur jenen zuteil wird, die durch schwere Leiden geprüft in aller Liebe zu Mir ihren Leib verlassen. Sie freute sich auch über die Maßen und konnte gar nicht begreifen, wie sie – da sie doch so lange gelitten – nun so plötzlich gar so überaus gesund habe werden können. In der höchsten und wonnevollsten Entzückung Mir zu Füßen fallend, dankte sie Mir inbrünstigst, daß Ich ihr eine so große Gnade erwiesen habe, und bat Mich, Meine geringste Magd sein zu dürfen. – Ich aber sagte zu ihr, wie Ich es nun auch zu euch sage:

05. „Nicht so, Meine liebe Tochter! Ich sage dir, die Mägde sind jene, die durch klösterliche harte Zucht zu Mir getrieben werden, und ihr Glaube und ihre Liebe zu Mir ist eine harte Schule. Du aber hast Mich frei zum einzigen Gegenstande deines Herzen erwählt, daher sollst du auch nicht Magd, sondern Meine wahre geliebteste Tochter sein, – und siehe, alles, was Ich habe, und alles, was Mein ist, das wirst auch du haben und wird auch alles dein sein für ewig. – Du wirst auch nicht getrennt sein von deinen irdischen Zurückgelassenen; was dein Herz in Meinem Namen ihnen zu tun wünschet, das wirst du ihnen auch allezeit im Vollmaße tun können. Denn alle Meine Töchter haben sich solcher Kraft aus Mir zu erfreuen für ewig, auf daß sie allen Wünschen ihres liebevollsten Herzens nachkommen können.“

06. Sie aber bat Mich darauf inbrünstigst und sprach: „O Du, Mein überguter, bester, heiligster Vater Jesus! Du mein Gott und mein Herr! Aus allen Kräften meines Herzens danke ich Dir für solche große Gnade; aber ich weiß, daß Du all meinen Hinterlassenen endlos besser willst als ich, die ich noch lange nicht weiß und einsehe, was ihnen wahrhaft gut und nützlich ist. – Was Du, o mein Vater Jesus, willst, das ist das Beste, – darum geschehe allzeit und ewig nur Dein heiligster Wille! – Mich lasse nun, o Herr und heiliger Vater Jesus, Dich ungestört stets mehr und mehr ewig lieben, denn ich bin nun über-, über-, überselig! Nur um das Einzige bitte ich Dich, daß Du meinen Hinterlassenen ja recht bald ihre große Trauer um Mich wegnehmen möchtest und ihnen dafür geben einen recht festen und lebendigen Glauben, und daß sie Dich alle ganz erkennen und über alles lieben möchten im Geiste und in der Wahrheit! – O Du mein liebster Vater Jesus, nur das Einzige tue ihnen nach Deinem alleinigen Wohlgefallen!“

07. Hierbei drücke Ich sie an Mein Vaterherz und sage zu ihr: „Meine nun für ewig erlöste Tochter! Ich werde alles tun, was du wünschest, des sei du für ewig versichert. Daß aber nun deine Hinterlassenen trauern und weinen um dich, das ist auch gut, denn Ich Selbst gebe ihnen Tränen zur Ableitung ihrer Trauer. Und so hart es für sie nun auch ist, da Ich dich nun schon lieber vollends zu Mir nahm, als daß Ich dich noch auf der nun überfinsteren Erde längstens noch ein paar Jahre hätte dahinsiechen lassen, – so wird es ihnen aber bald auch ebenso leicht werden, so sie mehr nüchtern erst recht klar erkennen werden, wie gut es dir nun ergeht. – Komme aber nun auch alsogleich in Mein Haus; dort wirst du alle deine Vorangegangenen treffen, und die Maria, Meines Leibes Mutter wird dir nebst deiner leiblichen Mutter vier schon ganz großerwachsene und gar wohlerzogene Kinder entgegenführen, an denen du viel Freude haben wirst. Diese haben Mich auch am meisten gebeten, daß Ich dich bald zu ihnen bringen möchte, und so habe Ich auch getan, was Ich sonst erst in zwei Jahren getan hätte. Sie möchten wohl auch die anderen alle bei sich haben, aber sie stellen sich nun schon zufrieden, daß sie nur endlich einmal dich bekommen.

08. Als Ich ihnen eröffnete, daß Ich Selbst nun dich abholen gehe, da war es völlig aus bei ihnen. Sie wollten alle mit Mir dir entgegenziehen, aber sie ließen sich endlich doch beschwichtigen, da Ich ihnen die volle Versicherung gab, daß Ich dich diesmal ganz bestimmt mitbringen werde, – denn es hätte dir irdisch auf ein paar Jahre wohl noch geholfen werden können, wenn alles auf ein Haar wäre befolgt worden, was Ich durch den Knecht und durch die Tochter Lori angeraten habe. Aber Mir Selbst ist es also auch viel lieber, da du sonst auf der Erde noch gar viel hättest zu erleiden gehabt. Leiblich wärest du stets siech und schwach geblieben, und in deinem Gemüte hättest du auf der nun überargen Welt gar wenig heitere Stunden mehr durchlebt, daher meine Ich, daß es nun für dich also besser ist.“

09. Spricht sie: „O ja, o ja, Du mein liebster Vater Jesus! Weil ich nur Dich habe, da frage ich um nichts mehr. Mir ekelt es nun gar stark, so ich die Erde tief unter mir anschaue. – O Jesus, ich danke Dir über alles, daß Du mich so sanft von meinem schlechten Fleische erlöset hast! Dein heiliger Wille geschehe!“ – –

10. Nun führe Ich sie in Mein Haus und tue euch das zu wissen, auf daß ihr wißt, wie es eurer Mutter geht, was euch tröste und stärke in Meinem Namen amen. – Das sei euch in vollster Wahrheit gesagt amen, amen, amen. – –

Euer aller Trost. – 2. Dezember 1848.

[HiG.03_48.12.02.a] An Andr. H. W. am Begräbnistag der Elisabeth H.

.a01. Tröste deinen Bruder, dessen Weib Ich zu Mir nahm! Er und sein Haus trauern nun, da Ich Meine liebe Tochter zu Mir zurücknahm. Ich sehe ihre Trauer und habe Freude an ihren Tränen; aber Ich will sie alle trösten und stärken mit Meinem Geiste, mit Meiner großen Liebe! Darum sollen sie fürder nicht weinen; denn Ich werde sie sehr trösten und stärken und werde machen, daß sie sehr jubeln werden und frohlocken in Meiner großen Liebe, – denn Ich allein bin es, der da gibt Traurigkeit und Freude, da Ich ein Herr bin aller Herzen und was in ihnen ist.

.a02. Wohl hätte Ich sie noch länger können auf der Erde lassen, denn bei Mir sind alle Dinge gar wohl möglich. Aber was würdest du wohl tun, so du eine Tochter irgendwo hättest in der Fremde zur Ausbildung, die Tochter aber sendete dir einen brennendsten Liebesseufzer um den andern zu und gäbe dir aufrichtigst kund, wie endlos gern sie zu dir nach Hause käme, obschon ihr die Reise auch noch so beschwerlich scheine? – Siehe, du würdest trotz aller Bitten ihrer guten Erzieher in der Fremde am Ende dennoch den Bitten deiner Tochter all dein Gehör schenken und würdest ihrer großen Sehnsucht Gewähr leisten. – So ist es auch hier. Was Ich hier tat, das tat Ich nicht so sehr Meinet- als vielmehr der großen Sehnsucht Meiner lieben Tochter willen.

.a03. Darum saget auch nicht, daß Ich hier hart und unerbittlich gewesen wäre, – o nein, gerade das Gegenteil; denn so viele bitten, die einen hin, die anderen her, so gewähre Ich allezeit die Bitte nur dem Teile, der mit der stärkeren Liebe zu Mir bittet. Die schwächer Bittenden aber sollen den Trost haben, daß Ich auch ihre Bitten in das Buch des Lebens zeichne und sie einst auch in aller Fülle werde gewähren lassen. Das aber sei euer aller Trost, daß Ich wahrhaft bei euch bin und verbleibe für ewig amen. –

Drei Worte: Stehe, gehe, falle. – 13. Dezember 1848.

O Herr! Dem A. H. W. kamen gestern morgen beim Erwachen plötzlich, als er an K. F. J. dachte, die drei Worte in den Sinn: Stehe, gehe, falle! Da wir sie nicht zu deuten wissen, so bitten wir Dich, o heiligster Vater, daß Du uns darüber, so es Deinem heiligsten Willen nicht zuwider wäre, ein kleines Lichtlein geben wollest!

01. So schreibe! – An dem Trilogon liegt eben nicht gar soviel, als ihr es meinet, da es einen ganz naturgemäß richtigen Erscheinungszustand ausdrückt, der wohl jedem Menschen zuteil werden kann, so er diesem ganz natürlichen Trilogon gemäß handelt.

02. Wisset ihr denn nicht, daß Ich jedem Menschen durch ein und dasselbe Gebot der Liebe auch eine und dieselbe endliche Bestimmung gestellt habe und habe ihm somit auch ein und dasselbe unwandelbare Ziel gesetzt, das er einzig und allein zu verfolgen, zu erreichen und endlich fest zu ergreifen und für ewig in den vollsten Empfang zu nehmen hat? – Ich meine, das dürfte euch ohne weitere Erläuterung klar sein. Nun aber, so jemand – sei er irdisch ein Bettler oder ein Kaiser – das Ziel wohl kennt, es eine Zeitlang verfolgt und dann aber, da er an dasselbe kommt, vor ihm stehenbleibt und es nicht ergreift, als ob es ihn gereuete, daß er es erreicht hat – der fällt, weil er vor dem Ziele stehenbleibt und es nicht ergreift.

03. Der aber ist es, der da stehet, so er die Mittel vollauf in seinen Händen hat und ergreift sie nicht und gebraucht sie nicht, was dann der sichere Grund ist, daß er fällt; denn so ein Hungriger eine Speise sucht und sie auch findet, – so er sie aber gefunden hat und sie nicht genießt in der Meinung, daß sie ihm Schaden bringen könnte, da muß er sich dann aber ja auch selbst die Schuld zuschreiben, so er vor Schwäche zusammensinkt und stirbt.

04. Da aber derjenige, der am Ziele, ohne es zu ergreifen, stehenbleibt, schon fallen muß, um wieviel mehr erst der, der übers Ziel hinausgehen will. Wer aber ist es, der da übers Ziel hinaus weitergeht? – Ich sage es euch, der ist es, der seine von Mir ihm gegebene Bestimmung zu anderen Zwecken benützt oder benützen will, als wozu Ich sie ihm gegeben habe. Ein solcher fällt dann um so eher und leichter, weil er nach der Überschreitung des gegebenen und gestellten Zieles auf ein grund- und bodenloses Feld sich begibt, auf dem er nimmer einen festen Standpunkt finden und nehmen kann.

05. Alsonach besagt das für euch so rätselhafte Trilogon nichts anderes als: So Ich, dein Herr und Gott, dir so viel Gnade erwies und stellte dich schon vor das sonst schwer zu erreichende Ziel und du erkennst es, bleibst aber vor ihm stehen wie ein eitler Geck voll Hunger vor einer vollen Schüssel, da verhungere, falle und stirb! – Und bist du also am Ziele und erkennst, daß es das rechte ist, ergreifst es aber nicht, sondern gehst an demselben nur also hochtrabend und herrschsüchtig vorüber, als wäre die Beherrschung und Tyrannisierung der ganzen Unendlichkeit dir und deiner Macht beschieden, da ist der Fall desto mächtiger und desto voller jeglichen Unheiles, und es ist dann auch sogar unmöglich, solch einem Gefallenen wieder aufzuhelfen und ihn zurück ans wahre Ziel zu bringen, wie solches auch Paulus in einem Briefe an die Hebräer (6,4-8) zeigt, da er also spricht:

06. „Denn es ist unmöglich, daß die, so sie einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes und geschmeckt haben das gütige Gotteswort und die Kräfte der künftigen Welt, wenn sie dennoch abfallen und wieder in ihnen selbst von neuem kreuzigen den Sohn Gottes und ihn verspotten, – daß sie dann wieder sollen erneuert werden zur Buße (d.h. zur gültigen und wirksamen Rückkehr). Denn nur die Erde, die den Regen trinkt, der oft über sie kommt, und gutes Kraut denen trägt, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott. Welche aber Dornen und Disteln trägt, die man hernach verbrennt, ist kein nütze und dem Fluche (d.i. dem Falle) nahe.“

07. Ich meine nun, ihr werdet auf diese gründliche Erläuterung euer ominöses Trilogon wohl verstehen und somit auch einsehen, wie es zu nehmen ist für jedermann, ob er ein Kaiser oder ein Bettler ist, – denn vor Mir ist einer wie der andere gleich. Übernimmt sich ein Kaiser, wie es schon mit gar vielen der Fall war, da sehet Napoleon an und ersehet die Folgen solch herrschsüchtigsten Übermutes. – Und übernimmt sich ein Bettler in zu großer Würdigung und geheimer Hochschätzung seiner Armut und wird darum zudringlicher, als es ihm gebührt, da muß er sich's dann auch selbst zuschreiben, so er von der Türe gewiesen wird, vor der er zu stark betteln wollte.

08. Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen, denn alles andere, was daraus noch für die Zeit und für die Ewigkeit folgen kann, werdet ihr ohne weitere Erläuterung wohl von selbst sehr leicht zu folgern imstande sein. – Nur das sei euch allen gesagt, daß ihr das alles auch zuvörderst an euch beachtet, so werdet auch ihr zu dem Erdreiche gehören, das da von Mir gesegnet wird, da es ein gutes und bequemes Kraut denen bringt, die es mit allem Fleiße besäen amen. Das spricht der allezeit Wahrhaftige amen, amen, amen. – –

Stärkung der Nerven. – 17. Juli 1849.

Auf die Anfrage des C. L.

01. Der betreffende Lebensdüsterling ist zufolge seiner zu übertriebenen mit der Ehre seines Standes im Verbande stehenden Gewissenhaftigkeit in seinen innersten Seelenverbandsnerven geschwächt worden. Diese Nerven, die die Seele gewisserart umhüllen und sie vor den zu nackten Eindrücken von seiten der Außenwelt schützen, können ihr nun keinen kompletten, sondern nur einen partiellen Schutz bieten, daher sie denn auch bald in einer, bald wieder in einer andern Lebensbeziehung von außen her notwendig zu heftig berührt wird.

02. Solch eine zu wenig durch besagte Nerven bedeckte und gedämpfte Berührung vibriert dann in der äußerst erregbaren Seele oft Tage, ja oft sogar Wochen und Monate lang fort, und zwar in derselben Vibrationsform, in der sie zuerst erregt wurde. Diese Vibration versetzt aber dann auch alle andern normalen, aber natürlich schwächeren Eindrücke von der Außenwelt in ein verworrenes unbestimmtes Mitbeben, aus welchem Grunde dann die Seele in jeder ihrer sonst ganz geordneten Lebensbeziehungen und jedem Verhältnisse beinahe geradeso beunruhigt wird wie das Auge, so es auf den Grund eines noch so reinen Wassers schaut, wenn dessen Oberfläche von allerlei Kreuz- und Querwellen durchfurcht wird.

03. Das Auge erschaut da wohl auch noch Gegenstände auf dem Grunde, kann aber nimmer mit Bestimmtheit entnehmen, was die Gegenstände sind, weil ihre eigentliche Form durch zu starke und zu unbeständige Strahlenbeugungen zu sehr zerrissen und verunstaltet zu dem sorglich spähenden Auge gelangt. Oft wird da durch die Konvexierung des obersten Wasserspiegels ein kleines Steinchen zu einem Kolosse, oft wieder durch Konkavierung des Wasserspiegels ein ganzer Fels zu einem kaum faustgroßen unförmlichen Klumpen.

04. Und siehe, geradealso ergeht es einer auf die beschriebene Art verwirrten Seele. Sie ersieht dann in solcher ihrer Vibration aus dem Eindrucke, den ihr eine Mücke verursachte, ein furchterregendes mammutgroßes Monstrum, und ein Elefant sinkt nicht selten zur Mückengröße herab. Solche Menschen sind dann auch stetige Skrupulanten. Wenn ihnen an ihrem Rocke ein Knopf reißt, so erscheint ihnen das, als wenn ein Weltkörper aus seiner Bahn geworfen worden wäre, während sie den Einsturz eines ganzen Hauses oft kaum bemerken.

05. Solch ein physiko-psychisches Übel kann daher, weil es mehr ein physisches als so ganz eigentlich psychisches zu nennen ist, auch zuerst durch ein taugliches Naturmittel geheilt und behoben werden. Dergleichen Mittel wären zum Beispiel etwa ein fünf bis sechs Wochen langer Urlaub vom täglichen Geschäft, Umgang mit heiteren Menschen, häufiger Genuß von reiner Gebirgsluft, Stahlbäder und andere eisenhaltige Mineralbäder, nur keine Schwefelbäder. Auch Meeresbäder wären gut. Essen und Trinken, was einem schmeckt. Ein guter Wein ist jedoch besser als Bier und eine frische Brühe besser als der Kaffee, der schwarze taugt am schlechtesten. So wäre auch der Genuß eines reinen Alpenwassers sehr zu empfehlen, wie überhaupt ein durch ein paar Wochen andauernder Aufenthalt auf einer Alpe mit ein paar guten, heiteren Freunden.

06. Wenn auf diese Art die Seele wieder durch die rechte Stärkung der sie umgebenden Nerven zu ihrer natürlichen Ruhe gelangt, dann kann auch leicht wieder durch gute und weise Worte auf sie eingewirkt werden, was jetzt beinahe eine fruchtlose Mühe wäre. Überhaupt aber solle betreffender Leidling auch vom Beischlafe soviel als möglich eine gute Zeit lang sich enthalten, so wird seine Heilung desto eher und leichter erfolgen. Auch der Gebrauch der evangelischen Öl- und Weinsalbe würde ihm gute Dienste tun, und dabei recht viel Bewegung in freier reiner Luft, besonders nach einem Gewitter.

07. Das also Meinem lieben Freunde und Bruder zu seiner Einsicht, Beruhigung und möglichen Darnachachtung unter Meinem Segen und Schutze Amen. –

Anfrage Jakob Lorbers wegen der geistigen Erscheinung des Herrn am Reinerkogel. (zur Zeit der Niederschrift des Jenseitswerkes ‚Robert Blum‘) – 4. Oktober 1850, nachmittags 1/2 5 Uhr.

Herr! Du bester Vater! Ich möchte hinziehen auf des Hügels Spitze, die Du heute beziehen wirst, um Dich da zu erwarten; aber mich durchdringt eine große Furcht, denn zu heilig dünkt mich der Ort, da ich ein Sünder bin! – Was solle ich tun? –

01. Heute nicht! Verstehe, heute nicht; denn es gibt heute eine große Menge unlauterer Geister, diese müssen zuvor abgefertigt werden. Aber Morgen nachmittag um 1/2 6 Uhr komme du und wer noch mit dir kommen will; da werde Ich euch persönlich Selbst segnen. Die Stelle werde Ich dir schon oben anzeigen.

02. Kommet Mir heute aber wie allezeit nur in eurem Herzen entgegen und empfanget Mich also, und Mir wird es lieber sein, als wenn ihr euch heute auf dem Berge bei Meiner Ankunft einfinden würdet.

03. Betrachtet aber um diese Zeit von ferne diesen Hügel und gebet auf alles acht! Ihr werdet es schon merken können, wenn Ich ankommen werde. – Mein Segen zum voraus an euch alle, die Mich erkennen, lieben und Mein Gesetz der Liebe beachten amen! –

04. (Ich befinde Mich jetzt in der Gegend bei Straßengel.)

Denkwürdiges am Reinerkogel. – 5. Oktober 1850

Was sich an den in vorstehender Kundgabe erwähnten beiden Tagen, dem 4. und 5. Oktober 1850, am Reinerkogel bei Graz an Denkwürdigem zugetragen hat, erfahren wir in dem Diktat an Jakob Lorber, das über die Jenseitsführung des Robert Blum simultan berichtet:

01. (Der Herr:) „... wir ziehen denn ganz gemach unter mannigfachen Besprechungen weiter und gelangen genau um 6 Uhr abends, den 4. Oktober 1850 zu dem vorbestimmten Platze, um welche Zeit ihr, Meine Freunde, euch am Schloßberg befandet und durch allerlei vorübergehende Zeichen in der Form, dann durch ein in euch gewecktes Gefühl, das euch stärkte, durch die Ruhe in der Natur, durch die ehrfurchtsvolle Stellung der Wolken wie auch durch die freundliche Beleuchtung und Reinigung des Hügels Meine Ankunft überaus gut und wohl verspürbar habet merken können.

02. Gleich bei Meiner Ankunft fingen Massen von Geistern aller Art an, sich an den Hügel zu drängen. Viele darunter ganz böser Art. Diese wurden jedoch schnell gegen Abend hin gedrängt. Die Verdunklung des Plabutschberges durch schwarze Dünste benachrichtigte sogar eure Sinne davon. Ja sogar Satana war unter diesem Auswurfe! – Mehr um den Fuß des Hügels lagerten sich bessere Wesen und baten um eine Verbesserung ihres Loses, die ihnen auch gewährt wurde. Nach der Gewährung zogen sie dankbar ab.

03. Darauf kam vom Schöckelberg her eine ganze Legion Geister, noch sehr dem Naturreiche angehörend. Ihre Ankunft mochtet ihr durch eine Feuerröte an der rechten Seite gegen drei Viertel auf sieben Uhr recht deutlich wahrnehmen. Diese verlangten ganz ungestüm die volle Erlösung vom beschwerlichen Bergdienste; sie wurde ihnen zum Teil gewährt. Und sie gaben sich zufrieden, was ihr durch das Verschwinden dieser Helle habt entnehmen können.

04. Darauf kam eine Menge Geister von allen Gegenden der Umgebung dieses Ortes, und sie baten um die Segnung dieser ganzen Gegend. Sie wurde ihnen auch noch vor der siebenten Stunde gewährt. Ihr habt diese Segnung mitempfangen und habt sie durch einen regenbogenfarbenen Lichtausguß übers flache Land sehr wohl merken können.

05. Der Freund Ans. H. W. hat auch in Gestalt von Sternchen die Anwesenheit der vielen Monarchen gesehen, die sich gegen Süden hin am Berge gelagert haben. Du, Mein Knecht, aber hast gegen Osten hin ganz auf der Höhe einen weißen Lichtschimmer gesehen. Das war Ich zwischen den vier Quartiermachern und den drei Aposteln.

06. Die Nacht hindurch ist noch eine Menge unzufriedener Geister beruhigt und abgefertigt worden, und sie haben sich mehr zur Ruhe begeben, was auch bald die für euch sichtbar heitere Nacht zur Folge gehabt hat wie auch den heutigen reinen Morgen und darauffolgenden Tag. Es werden sich zwar immer Wolken zeigen. Das sind Geister, die noch immer etwas mehr wollen, als sie schon empfangen haben. Aber ihre Liebe ist noch schwach, daher auch ihr Gewinn nicht stärker.

07. Heute, den 5. Oktober um halb zehn Uhr, kam eine Schar starker Geister durch die Luft, gab Mir Ehre, Lob und Preis und errichtete Mir schnell ein erhabenes Wohnhaus. „Dennö, sagte ihr Anführer, „es ist nicht fein, den Herrn der Herrlichkeit auf dem schmutzigen Erdgrunde weilen zu lassen.“

08. Ich aber sagte zu ihnen: „Lasset ab von eurem Eifer! Ich weiß, warum Ich also handle, und warum Ich nun die Erde berühre mit Meinen Füßen. Ziehet ein dies Gezelt! Wollte Ich eine Wohnung, so stünde sie sogleich Meiner würdig da. Erbauet aber dafür lieber in eurem Herzen Mir ein rechtes Haus; das werde Ich dann zur Wohnung nehmen ...“

Jakob Lorber und seine Freunde im Gesichtskreise der heiligen Gesellschaft – 6. Oktober 1850

Brücke zwischen der Sinnen- und Geisterwelt – 24. Februar 1854

01. Ob die bei Tier und Mensch die materiellen Glieder in beliebige Bewegung setzende Seelenkraft in dem wohlkonstruierten Organismus des an und für sich toten Leibes allerlei wunderbare Wirkungen lediglich durch den Willen zustande bringt, oder ob der lebensfrohen Seele Lebenskraftteilchen durch irgendein taugliches Leitmittel in einen anderen außer dem Menschenleibe befindlichen, obschon an und für sich eigentlich toten Gegenstand geleitet und dort wie für sich, wennschon auf eine natürlich etwas plumpe Art tätig werden – weil ein solcher grobmaterieller Gegenstand des tauglichen Organismus entbehrt, den ein wohlorganisierter Leib zu den verschiedenen Lebensverrichtungen besitzt –, so ist das im Grunde dennoch fast ein und dasselbe und demnach von einem rein geistigen Einwirken da noch lange keine Rede.

02. Ein Gegenstand wird demnach desto heftiger in eine gewisse plumpe Tätigkeit versetzt werden, je lebenskräftiger Menschenseelen sind, die – durch eine Kette vereint – den Überfluß ihrer aus der Natur in sich aufgenommenen Lebenskraft diesem Gegenstande mitteilen. Bilden die Kette aber Menschenseelen, die infolge ihrer ausschweifenden Lebensweise keinen Überfluß an seelischer oder magnetischer Lebenskraft besitzen, so wird in dem berührten Gegenstand entweder keine oder eine nur höchst schwach übergegangene oder überwirkende Lebenskraft verspürt. Aus diesem Grunde bewirken Kinder, deren Seelen – abgesehen von ihrem oft sehr schwachen Leib – eine große Menge überflüssiges Lebensfluidum besitzen, nicht selten mehr des Staunenerregenden, und das oft in kürzester Zeit, als dem Leibe nach allerstärkste Männer.

03. Die Ursache dieser Erscheinung liegt ganz einfach darin: Bei leibesstarken Menschen werden die sogenannten überflüssigen Lebenskräfte der Seele zur Robustierung des Leibes gleichfort verwendet, aus welchem Grunde die Herkulesse in ihrer Intelligenzsphäre auch zumeist am Scheideweg sich die Köpfe zerbrechen, was sie tun sollen, während leibesschwache Menschen, deren Seelen ihre überflüssige Lebenskraft nur zu ihrer geistigen Kraft verwenden, zumeist intelligenzhell in einer oder der anderen Sphäre sind.

04. Daß solche Menschen, besonders des weiblichen Geschlechts und vorzugsweise in der Jugend, wo die Seele die in ihr ruhenden überflüssigen Lebenskräfte noch nicht einmal zur Bildung ihrer Intelligenzsphäre zu sehr zu verwenden angefangen hat, bei den nun zu erläuternden Tischrückungs-Experimenten stets die staunenerregendsten Erscheinungen zustande bringen, wird auf Grund des bisher Gesagten nicht schwer zu begreifen sein. Und das um so leichter, wenn man folgerichtig annehmen muß, daß bei jedem Menschen fortwährend ein Ausfluß oder besser ein Ausströmen seiner überflüssigen Lebenskraft in jeder Sekunde stattfindet. Dadurch wird sogar außerhalb des Menschen eine odisch-magnetische Lebenssphäre gebildet, ohne die kein Mensch aus der ihn umgebenden Luft seine Lebensspezifika an sich ziehen könnte, aus welchen eben die Seelenbestands- und Lebenssättigungsteile durch den Nervenäther endlich als gewisserart naturgemäß substantielle Sättigung der eigentlichen Seele zugeführt werden.

05. Durch diesen jeden von außen her umgebenden seelischen Lebensätherkreis ziehen sich die Menschen, wie sogar auch die Tiere äußerlich an – oder stoßen sich ab, je nachdem der Lebensäther-Ausfluß einer Seele mit dem einer andern korrespondiert oder nicht.

06. Von der Qualität dieses Lebensäthers, der wie gezeigt die Außenlebenssphäre eines Menschen bildet, hängt auch zumeist die geschlechtliche Liebe ab. Es geschieht darum auch öfter und leichter, daß ein Mann in ein Weib, als umgekehrt, verliebt wird, weil eben das Weib stets einen größeren und kräftigeren Außenlebensätherkreis um sich gebildet erhält als der Mann, der seinen Lebensäther-Überfluß häufiger zu seiner inneren intelligenten Lebensausbildung verwendet und darum nach außen hin nur einen dürftig notwendigen und seltener einen überflüssigen Lebensätherkreis unterhalten kann.

07. Wird aber ein Weib sehr hochgebildet und gelehrt, so wird es auch weniger Anziehendes darzubieten imstande sein, weil ihr äußerer Lebensätherkreis darum ein magerer wird, weil ihr innerer sich gleich dem männlichen zu ihrer intelligenten inneren Seelensättigung verwenden lassen muß.

08. Es wird aber ebenso ein Mann, der sich mit geistigen Dingen wenig oder gar nicht abgibt, einen kräftigen Außenlebensätherkreis um sich erhalten und dadurch das weibliche Geschlecht um vieles mächtiger zur geschlechtlichen Liebe an sich ziehen als ein geistiger Mann. Und das alles ist Wirkung des Lebensäther-Überflusses einer Menschenseele, aus dem ein stärkerer oder schwächerer Außenäther-Lebenskreis beim Menschen, natürlich ohne ihr besonderes Zutun, gebildet wird.

09. Wenn aber oft Männer, die zwar für ihre innere intelligente Seelenbildung viel getan und dadurch unwillkürlich die Robustierung ihres Leibes beiseite gesetzt haben, in ein vorgerückteres Alter kommen, wo sie für die weitere Ausbildung ihrer Seele aus einer gewissen Bequemlichkeitsliebe nichts Besonderes mehr tun, so bildet sich dadurch bei ihnen auch wieder ein starker Außenlebensätherkreis, aus dem heraus und durch den sie dann viele Fähigkeiten besitzen, besonders auf das Weib od-psycho-elektromagnetisch einzuwirken, und das Weib kann durch die Berührung in den sogenannten magnetischen Schlaf gebracht werden. Der Mann wird aber dadurch sicher zur geschlechtlichen Liebe erregt und am Ende bis über die Ohren verliebt, besonders wenn er durch öfteres und anhaltendes Verweilen im weiblichen Außenlebensätherkreis seinen eigenen Außenlebensätherkreis zu sehr mit dem weiblichen amalgamiert hat.

10. Würde ein solcher Mann in einer solchen Periode sich möglichst zurückziehen, so würde am Ende ein solch mächtig angewachsener Außenlebensätherkreis die Seele sehr stark anziehen gleichwie ein gut gedüngter Boden den Keim zur künftigen Lebensfrucht, und der in der Seele ruhende Gottesfunke – Atma, Geist – würde in der Seele frei und voll göttlicher Tatkraft. Und das wäre dann die für das ewige Leben der Seele des Menschen bedungene Wiedergeburt im Geiste. Der Mensch würde dadurch erst zu einem vollkommenen Menschen, dem die ganze Natur in allem und jedem ohne irgendeinen möglichen weiteren Schaden für sein ganzes Wesen zu Gebote und zum vollen Genusse stünde. Aber diesen endlos großen Vorteil alles Lebens beachten solche Menschen nicht. Sie schwelgen lieber im Vollmaße ihres Außenlebensäthers, verpuffen ihn gewisserart, und lassen dadurch ihr Atma verkümmern.

11. Da wäre denn gezeigt, warum eigentlich beim Menschen sich fortwährend ein äußerer psycho-od-ätherischer Außenlebensätherkreis bildet. Aus diesem Kreis nimmt die Seele ihre substantielle Seelenleibes-Nahrung. Und ist in dem Fleischleibe der Seelenleib vollends ausgebildet und lebenskräftig, dann erst geht die weitere Lebensausbildung auf den Geist über. Denn in der großen Gottesschöpfung geschieht nirgends ein Sprung, sondern es zeugt immer sukzessive eins das andere, und eines geht aus dem andern hervor.

12. Der Mensch beginnt aus dem Samenkeime im Mutterleib zu werden und zu wachsen. Sind nach Verlauf der ordnungsmäßigen Zeit alle Bedingungen erfüllt, so wird der gewordene Mensch von den Banden seiner engen Werdenswelt gelöst und ausgeboren in die große Außenwelt. Im Augenblick verändern sich auch alle früheren Lebensverhältnisse. Der Mensch fängt an, Nahrung zu sich zu nehmen von der Außenwelt, und das doppelt: für das Wachsen und Gedeihen des Leibes und dessen zum Gebrauche notwendigen Naturleben durch den Magen – und für das Wachstum und das Gedeihen der Seele durch alle die am Leibe befindlichen Sinnesorgane, die ihre ihnen zusagende Kost aus dem od-psycho-ätherischen Außenlebenskreise nehmen.

13. Anfangs wird freilich das meiste zum Gedeihen des Leibes und dessen Naturleben verwendet, das hauptsächlich im fleischlichen Herzen seinen od-elektromagnetischen Sitz hat und so lange fortdauert, als die kleine od-elektromagnetische Lebensbatterie die gerechte und hinreichende Nahrung hat. Ist der Leib einmal ausgebildet, dann erst wird die Seele freitätiger und verwendet den Außenlebensätherkreis zu ihrer eigenen freien Ausbildung.

14. Geht nun die Seele nicht in eine gewisse träge Genußsucht über, sondern arbeitet tätigst an ihrer inneren Ausbildung, so belebt sie den Keim des Atma in sich, und dieser wächst dann schnell, wird endlich in der Seele selbst ausgeboren und nimmt sodann die ganze Seele in sich auf und wird eins mit ihr. Die also veredelte und vergöttlichte Seele wirkt dann auf den Leib zurück, veredelt dessen ätherische Lebensteile und macht sie zu den ihrigen, was dann eine wahre Auferstehung des Fleisches ist.

15. Ein solcher Leib, der schon bis auf seine allergröbsten Materieteile mit der Seele vollends unsterblich ist, veredelt und vergöttlicht dann aber auch den jeden Menschen von außen her umgebenden Lebensätherkreis, wodurch dieser dann zum intelligenten Leben wird und sich, wie die Fäden einer Spinne, nach allen Richtungen als intellektuell-lebendig fühlend ausdehnt.

16. Durch diesen Lebenskreis kann dann die Seele sich in die weitesten Fernen hin gewisserart intellektuell ausdehnen und alles fühlen, hören und sogar schauen, was selbst die entferntesten Schöpfungsräume für sie vordem verborgen hielten.

17. Menschen, die noch ein sehr einfaches Naturleben führen und bei denen der besprochene Außenlebenskreis aus ganz natürlichen Gründen eine große Ausdehnung erhalten hat, fühlen die Annäherung irgendeines Feindes auf viele Meilen Entfernung, ebenso einen herannahenden Sturm und können aus der Erfahrung Tag und Stunde bestimmen, wann er eintreffen wird. So haben auch Tiere, besonders Hunde, eine außerordentlich starke Sensitivität in ihren Geruchsorganen, wodurch sie den Außenlebenskreis ihres Herrn auf viele Stunden bestimmt als den ihres Herrn erkennen, nach dem Hauptzuge desselben fortlaufen und so ihren Herrn ganz sicher finden.

18. Die schottischen Hunde besitzen die stärkste Sensitivität und sind daher als Menschenretter am besten zu brauchen. Man könnte solche Hunde auch dazu verwenden, daß sie angäben, ob ihr verstorbener Herr wirklich oder nur scheintot ist. Läuft ein solcher Hund bis zum Grabe seinem verstorbenen Herrn nach, so ist die Seele des Herrn noch nicht völlig aus dem Leibe und der Verstorbene kann füglich als scheintot betrachtet werden. Kümmert sich aber solch ein Hund gar nicht mehr um seinen Herrn, so ist dieser dem Leibe nach auch wirklich tot.

19. So wir nun aus dieser kurzen Darstellung der Lebenskraft-Verhältnisse nur irgend einen Begriff von den Ursachen der Wechselerscheinungen des Lebens erhalten haben, so wird es nun sicher keine besonderen Schwierigkeiten mehr haben zu begreifen, worin so manche für den unerfahrenen und unkundigen Menschen in der transzendentalen Sphäre der vereint wirkenden rohen Natur- und reiferen Lebenskräfte gespenstisch-geisterhaft scheinende Erscheinungen und Vorkommnisse ihren Grund haben.

20. Wie schon gleich anfangs berührt wurde, so kann und wird das sogenannte Tischrücken lediglich durch die vereinte Kraft von mehreren mit einer starken Außenlebensätherkraft versehenen Menschen – die solche Kraft irgendeinem Objekt mitteilen – auf eine ebenso unfehlbare Art bewerkstelligt, wie die vielfach erprobte mannigfache Wirkung der in einer Leidener Batterie angesammelten elektrischen Fünklein, die aus dem einfachen Konduktor nahe wirkungslos hervorspringen. Nur ist das bekannte elektrische Fluidum eine noch ganz rohe, wennschon auch in die transzendente Sphäre überragende Naturkraft; wogegen die od-psycho-elektromagnetische Außenlebenskraft eine weiter geläuterte und daher schon mit einer ihrer selbst bewußten Intelligenz versehene ist.

21. Die intelligente Sphäre der durch eine Menschenkette in einem Objekt konzentrierten Außenlebenskraft aber potenziert sich ganz natürlich, wenn in der Kette ein oder auch mehrere Menschen sich befinden, deren Außenlebenssphäre aus den bereits bekanntgegebenen Gründen sehr stark und intensiv ist.

22. Befände sich gar ein im Geiste Wiedergeborener in der Kette, so würden die intelligenten Erscheinungen, etwa das sogenannte Tischklopfen oder Tischschreiben, sich auf eine höchst wunderbar scheinende Weise zeigen, weil die durch nahe endlos weit nach allen erdenklichen Richtungen hinauslaufenden Außenlebens-Radien auf allen Raum- und Zeitfernen schnelle Erkundigungen einholen können und sie im Augenblick einer gegebenen Frage auf die verlangte und dem Behufe vorbereitete Weise den Fragestellern kundtun.

23. Daß bei so bewandten Umständen auch mehr oder minder verläßliche Erkundigungen aus der wirklichen Geisterwelt eingeholt werden können, kann durchaus nicht in Abrede gestellt werden. Sollen aber diese einen vollen Glauben verdienen, so müssen sie von der vereinten Außenlebenskraft geistig wenigstens zur Hälfte wiedergeborener Menschen ausgehen. Denn eine wenn noch so starke od-psycho-elektromagnetische Außenlebenskraft, wenn sie nicht durch das Atma gereinigt und veredelt ist, hat noch lange nicht das Vermögen, in den allersubtilsten reinen Geisterlebenssphären etwas zu erspähen und das Gefühlte dem Fragenden der Wahrheit gemäß kundzugeben. Da kommt entweder keine Antwort – oder eine Antwort höchstens aus der noch sehr materiellen Naturgeister-Sphäre, die heute so und morgen anders lauten kann, weil da ein jeder Mensch eine von der eines anderen Menschen verschiedene Außenlebenssphäre um sich gebildet hat, je nach der Beschaffenheit seiner Liebe und seines ganzen Lebenssensoriums.

24. Wenn dergleichen noch stark naturmäßige Menschen auch dann und wann aus dem Gebiete der groben Materie nicht selten überraschende Aufschlüsse zustande brächten, so wäre ihnen in bezug auf die Geisterwelt dennoch kein Glaube zu geben, weil ihr Außenlebenssensorium als noch selbst mehr materiell denn geistig wohl die ihm ebenbürtige grobe Materie befühlen und beschauen kann, aber nicht also auch das innerste, rein geistige Element der reinen Geisterlebenssphäre.

25. Ein solches Unternehmen von im Geiste wenigstens nahe völlig Wiedergeborenen bewerkstelligt, kann freilich in der rein geistigen Sphäre ganz reine und glaubwürdige Resultate liefern. Aber daß da die schon in der reinen Geisterwelt lebenden Wesen – als Engel und Dämonen – könnten zitiert und zum Reden gebracht werden, ist gänzlich falsch und kann und darf vermöge der unwandelbaren göttlichen Ordnung nicht stattfinden.

26. Damit ist die in dieser Zeit so wunderlich scheinende Erscheinung des Tischrückens, Schreibens und Klopfens erläutert, wie sie ist und besteht. Jede andere Erklärung aber bewegt sich auf hohlem Grunde, und es ist oft kein wahres Wort daran. Kerner und Ennemoser aber sind der Wahrheit am nächsten gekommen.

27. Es bildet sich nun die Frage, ob es fürs erste ratsam sei, die Experimente mit dem sogenannten Tischrücken, Tischschreiben oder Klopfen vorzunehmen, und ob die Menschheit fürs zweite für ihre geistige Bildung etwas dabei gewinnt.

28. Darauf diene folgende, wennschon etwas gedehnte Antwort.

29. Die Astronomie ist gewiß eine sehr löbliche Wissenschaft vom rechten Standpunkte aus betrachtet und betrieben und nützt allen Menschen, wenngleich die meisten davon keine Kenntnis besitzen. Denn irgendeinen Kalender schafft sich fast jeder ordentliche Mensch an und entnimmt daraus, was er für sich braucht. Aber wann da eine Mond- oder Sonnenfinsternis eintritt oder welchen Lauf irgend ein Komet nimmt, oder wie weit ein Planet von der Erde entfernt und wie groß er ist, wie viele Monde er hat und hunderterlei tiefere Berechnungen, diese gehen die Menschheit wenig oder gar nichts an. Die Menschen hören davon oder lesen solche Berechnungen und glauben solche Angaben ohne Anstand den fachkundigen Astronomen, weil sie wissen, daß die Berechnungen noch allzeit nahe bis auf ein Haar genau und richtig eingetroffen sind – bis auf die Witterungsanzeigen, die aber darum auch von der etwas gebildeteren Volksklasse durchaus nicht geglaubt werden. (Niederschrift 1854!)

30. Was aber sollte am Ende aus den Menschen und aus der lieben Erde werden, wenn alle Menschen sich auf die Astronomie verlegten, ließen Pflug und Spaten stehen und möchten sich ausschließlich nur mit den schweren Berechnungen in der höheren Astronomie beschäftigen!? –

31. Ein jeder sieht hier auf den ersten Blick ein, daß der Glaube von Millionen an einen einzigen geschickten und in seinem Fach kenntnisreichen Astronomen auch um eine Million mehr wert sei, als so da ein jeder Mensch ein völlig durchgebildeter Astronom selbst wäre. Ja, die reine Wissenschaft würde da am Ende auch notwendig zu Schaden kommen, weil man doch ganz sicher annehmen müßte, daß mit der Zeit die vielen Astronomen miteinander in Streit geraten könnten, wodurch sie dann der hohen Wissenschaft sicher bei weitem mehr schaden als nützen würden. Und ungefähr so steht es denn auch mit den vorliegenden Experimenten.

32. Diese sollten nur von dazu geeigneten und in der transzendentalen Dynamik wohlerfahrenen Menschen vollzogen werden, wobei Laien besserer Art höchstens als Zeugen zuzulassen wären. Denn verrichten solche Experimente auch solche Menschen, die in jeder tiefer stehenden (tieferen) Wissenschaftssphäre Laien sind, so kann daraus zum wahren Nutzen der Menschheit nie etwas Ersprießliches zum Vorschein kommen; denn ein Esel bringt nur wieder einen Esel und der Affe einen Affen zur Welt.

33. Kommen mit diesen Experimenten die Kundigen auch hinter große, zuvor kaum je geahnte tiefe geistige Wahrheiten, aus denen die blinde Welt viel Licht schöpfen könnte, so werden diese Wahrheiten aber von dem Heer der in jeder höheren Wissenschaftssphäre total unkundigen Experimentanten sogleich verlacht und für null und nichtig erklärt, weil sie sich bei dem gleichen Experimentieren davon nicht haben überzeugen können. Und so wird dann die gute Sache gleich in ihrem Entstehen auf das abgeschmackteste besudelt und kann sich dann nur sehr schwer mehr zu ihrer würdevollen Reinheit erheben.

34. Darum ist die Allgemeinheit in dergleichen tiefen Dingen nie so wünschenswert, wie manche Menschen meinen.

35. Die alten Römer, obgleich Heiden, hatten in der Hinsicht einen guten Spruch, er lautete: „Quod licet Iovi, non licet bovi“, und das sollte auch für die Menschen angenommen sein. Ein jeder sollte in seiner Sphäre tüchtig sein; was er ist, das soll er ganz sein, daß er den Glauben, der ihm gezollt wird, rechtfertige.

36. So wird ein Mensch dem andern zum unerläßlichen Bedürfnis, und es würde dadurch ein Leuchten und Gegenleuchten unter den Menschen bestehen. Aber so da in einer für den ungebildeten Pöbelverstand sehr schweren oder zumeist wohl gar nicht begreifbaren Sphäre des transzendentalen inneren Wissens in bezug auf die od-psycho-elektromagnetischen Lebenskraft-Äußerungen ein jeder Schuhflicker experimentieren und dann mit der Fülle seines Unverstandes über die Sache selbst irgendein lächerlich dummes Urteil schöpfen und daraus Folgerungen ziehen will, dann muß die gute Sache, wie bedeutungsvoll sie auch in sich sein mag, offenbar ungeheuer verlieren und am Ende ins vollkommen Lächerliche übergehen – zumal, wenn sie sogar von den gelehrt sein wollenden Tagschreibern in ihren geistlosen und aller Wahrheit baren Quodlibetschriften, die in der Welt nun zumeist gelesen werden, als ein lächerliches Unding verschrieen wird.

37. Die Frage hernach, ob die betreffenden Experimente der Welt etwas nützen können, kann fürs Allgemeine nur mit Nein beantwortet werden, weil sie – ehe sie von Kundigen gehörig beleuchtet werden – durch die Unkunde des Plebs teils ins Lächerliche und Nichtige gezogen und teils von der Dummheit am Ende gar verteufelt werden.

38. Man hat nun Tausende der sogenannten prophetischen Tische für die Menschen sogar durch den Handel bestellt, und jedermann, der dreißig Gulden entbehren kann, kauft sich einen solchen, macht dann Experimente und gibt dem Tischchen Fragen über ihm wenigstens gut mutmaßlich bekannte Dinge und Sachen.

39. Ist der Fragesteller ein eskamotorisch pfiffiger Mensch, so leitet er unvermerkt das Tischchen so, daß dasselbe mittels der im Fuße befindlichen Stifte auf dem unterlegten Bogen Papier, natürlich auf eine etwas plumpe Weise, notwendig dieselbe Antwort schreiben muß, die sich der Tischchenmagnetiseur gedacht hat. Und haben nun, wie gewöhnlich, zwei Magnetiseure ihre Hände auf das Tischchen gelegt, so leitet es gewöhnlich der Stärkere und das Tischchen schreibt dann, was der stärkere Magnetiseur will. Fragt nun ein Dritter um etwas Verborgenes, wofür der stärkere Magnetiseur keine auch nur annähernde Wahrheits-Ahnung hat, so kommt sicher notwendig entweder gar keine oder eine höchst dumme und von der Wahrheit fixsternweit entfernte Antwort zum Vorschein, durch die dann der vielleicht zum Glauben schon halbwegs geneigte Fragesteller gänzlich abgestoßen wird und die ganze Sache als etwas Lächerliches verwirft.

40. Ebenso ist es auch töricht, Kinder zu Experimentanten zu machen. Obgleich hier das Experiment einen ganz anderen Charakter annehmen wird, so wird es dennoch zu keiner Belehrung taugen. Denn wenn die Kinder auch durch die eigentliche Od-Psycho-Dynamis den Tisch in eine Bewegung versetzen, – wer aber kann dann auftreten und die wunderliche Erscheinung genügend erklären? Die experimentierenden Kinder sicher nicht und die Zusehenden auch nicht. Und die Beobachter und Experimentanten stehen dann da gleich dem müden Ochsen am Berge und verlassen am Ende noch unbefriedigter das Experiment als die, welche durch einen recht pfiffigen Eskamoteur an einem Abend beim vollen Becher Wein so recht weidlich heidnisch breitgeschlagen worden sind.

41. In den ernsten Wissenschaften Bewanderte werden freilich auch bei einem noch so geschickten Eskamoteur wissen, woran sie sind. Sie lachen und ergötzen sich am Gelingen des gewisserart unschädlich scheinenden Betrugs. Die größere Zahl der Laien aber halten den Eskamoteur für einen Magier oder wenigstens für einen Menschen, der mit geheimen Kräften im Bunde seine Experimente auf dem Wege der unglaublichsten Geschwindigkeit vollführt.

42. Was gewinnen aber beide Teile daraus? Nichts! Denn der Gelehrte weiß es zwar wohl, daß das alles auf einem ganz natürlichen Wege zustande gebracht wird, aber das eigentliche Wie bleibt ihm dennoch mehr oder weniger ein Rätsel. Der Laie aber sieht ohnehin den Wald vor lauter Bäumen nicht und hält in der Nacht seiner Intelligenz einen Baumstock entweder für ein Gespenst oder für einen Bären. Und so haben am Ende beide – der Gelehrte und der Laie – den Eskamoteur, wennschon aus verschiedenen Beweggründen, bewundert, aber gelernt von ihm keiner irgend etwas.

43. Und geradeso verhält es sich auch bei unseren vorliegenden Tischexperimenten. Werden sie von pfiffigen eskamotorisch gesinnten Menschen vollführt, so ergötzen sie die Zusehenden so lange, als der Eskamoteur keinen tisch-prophetischen Bock geschossen hat. Werden die genannten Experimente aber von Kindern mit stark psychischer Außenlebenskraft vollführt oder auch von anderen Menschen, die ein starkes Außensensorium besitzen, so ist trotz des gelungenen Experiments am Ende dennoch kein sachverständiger Mensch dabei, der die wahre Ursache des wunderbaren Gelingens in ein rechtes Licht zu stellen verstünde. Und es entfernen sich dann vom noch so gelungenen Experiment die Gelehrten wie die Laien mit gleichem Gewinn: denn beide Teile haben daraus wenig oder gar nichts gelernt.

44. Da fragt am Ende der Laie den Gelehrten: Nun, was sagen Sie dazu? Der Gelehrte zuckt die Achsel und sagt, wenn er klug ist, gar nichts, weil er füglichermaßen auch nichts sagen kann. Der Laie aber hält darauf den Gelehrten, in dieser Sache wenigstens, für dumm und sich am Ende selbst für klüger als den Gelehrten, der ihm keine Antwort gab, und glaubt in seiner Einfalt die Sache zu verstehen, wenn er das Gelingen des Experimentes dem Einflusse von unsichtbaren Dämonen zuschreibt.

45. Ich meine, aus dem bisher Gesagten dürfte ein jeder, der dies mit nur etwas mehr Aufmerksamkeit als etwa einen alten Roman vom Prinzen Piripinker durchgelesen hat, mit Händen zu greifen imstande sein, daß bei dieser ernsten Sache das allgemeine Experimentieren von durchaus schlechten Folgen begleitet sein muß, sowohl für den Leib bei manchem, wie nahe bei allen für Seele und Geist.

46. Denn was der Mensch nicht versteht, das soll er ruhen lassen wenigstens so lange hin, bis er sich in der Sache die hinreichenden Kenntnisse verschafft hat. Sonst muß es ihm notwendig so ergehen, als wenn ein Landmann in eine Apotheke ginge und sich vornähme, nach einem vorliegenden Rezept in abgekürztem, oft kaum leserlichem Latein für den kranken Kunden eine Medizin zusammenzumischen, was sicher schwer gehen würde. Welchen Nutzen aber dann eine solche aus den nächstbesten Flaschen in ein Medizinfläschchen zusammengemengte Arznei erst für den Kranken hätte, läßt sich hoffentlich leicht begreifen.

47. Wie aber nur der wohlunterrichtete Apotheker es versteht, was da nach dem vorliegenden Rezept dem Kranken für eine Arznei zu bereiten ist, also soll denn auch in dieser gar eigens wichtigen Sache, durch die im Grunde des Grundes nun eine Brücke zwischen der Sinnen- und Geisterwelt bewerkstelligt werden soll, sich kein Laie aus einer bloßen albernen wundersüchtigen Neugierde einfallen lassen, Experimente zu bewerkstelligen, wozu ihm die Grundelemente noch fremder sind, als einem Astronomen ein Komet, der erst etwa nach tausend Jahren dieser Erde zum ersten Male sichtbar wird.

48. Aber Sachkundige und ernstlich vom besten, nach Wahrheit und Licht dürstenden Willen Belebte sollen darum die Experimente mit allem Fleiße durchführen und nicht ruhen, bis sich ihnen nicht nur der Vorhof, sondern auch der ganze Tempel des Lichtes aufgetan hat, um bei einem künftigen Experimentieren jedesmal auf sichere Resultate und auf die Fülle der Wahrheit – zum Besten der Menschheit – rechnen zu können; dann werden sie dadurch auch aller Welt geistig und auch physisch einen unberechenbaren Nutzen verschaffen.

49. Denn in der tot scheinenden Materie schlummern nun noch ganz wunderbare Kräfte, zu deren Kenntnis die Welt nur auf diesem Wege gelangen kann und auf keinem anderen.

50. Aber guter Ernst! – Was nützt auch all dies Mein Diktieren und Schreiben? Werden es die Menschen befolgen? Oh, sicher kaum; denn wo man die Nacht will in einem Gemache, da verschließt man die Fenster und der Sonne Strahlen mögen da noch so mächtig auf des Hauses Außenwände fallen und auf die dicht verschlossenen Fensterläden, so wird es im Gemache dennoch finster bleiben, und die Ratten und Mäuse können darin ihre Mahlzeit halten. Wenn es dem Menschen nur ums nächtliche Naschen und Nagen zu tun ist, dann haben sie auch vollkommen recht, das wahre Tageslicht von den Gemächern hintanzuhalten; denn in der Nacht der Seele begeht man leichter und mit viel ruhigerem Gewissen eine Todsünde um die andere, als am hellen Tage im Angesichte der Menschen.

51. Aber was frommt am Ende das aller Welt!? Die Menschen mehren sich und tausend neue Bedürfnisse mit ihnen. Frage: Werden da wohl die dienlichen Mittel in den stockfinsteren Gemächern entdeckt und zum weiteren Gebrauch berechnet werden können? Ich meine, daß dies wohl sehr schwer der Fall sein dürfte.

52. Darum suchet, wenn dergleichen Erscheinungen aus dem Gebiete der Lebenskraft unter den Menschen auftauchen, sie in den wohlerhellten Gemächern mit dem rechten Verständnislichte zu beleuchten, und forschet emsig nach ihrem wahren Grunde, so wird daraus bald großer Segen für alle Menschen dieser Erde erwachsen. Aber den gewissen schmutzvollen Tieren sollen die Perlen nicht zum gemeinen Fraße vorgeworfen werden.

53. Wer aber forscht, der forsche mit Geist und Ruhe und kehre nicht zu seinem Kote zurück, sondern bleibe beim Geiste und habe den rechten Mut. Wem das mangelt, der bleibe in seiner Weltpfütze und bade sich darin nach seiner Lust; aber nach dem, was des Geistes ist, greife er nicht!

54. Denn das Geistige will anders behandelt sein als ein Acker, auf dem von selbst allerlei Unkraut für die Freßwürmer wächst. Wer die Hand einmal an den Pflug gelegt hat und dabei stets nach rückwärts statt nach vorwärts, wo der Pflug geht, seine Augen richtet, der – sagt das Evangelium – ist nicht geschickt zum Reiche Gottes.

55. Die Wahrheit aber in allen Dingen ist das rechte Gottesreich, das den Geist des Menschen frei macht. Darum soll man dieses Reich vor allen Dingen auch ernstlich suchen; wer es aber flieht, der wird es sich am Ende nur selbst zuschreiben müssen, so er eine Beute des ewigen Todes wird.

56. Niemand verwerfe daher was immer für eine Erscheinung aus dem Gebiete der Lebenskraft, sondern lasse sich von Sachkundigen darüber belehren, sonst ist er ein Feind des Lebens seiner eigenen Seele, ohne zu wissen, daß und wie er ein solcher ist. Aber wie gesagt, wer da nicht selbst schon ein Element des Lichtes ist, der greife das Licht ja nicht an, sonst wird er sich mächtig verbrennen.

57. Ich meine, aus dem Gesagten wird ein recht geistiger Mensch sich leicht zurechtfinden; ein dummer aber soll auch dies Gesagte ungelesen lassen, denn er wird daraus nicht um ein Haar klüger oder besser. Der Schuster bleibe bei seinem Leisten und der Landmann beim Pfluge und wolle kein Kalendermacher sein. – –

58. Dies wenige den Weisen.

Sprüche der rechten Lebensweisheit. – 2. Januar 1855.

01. Dem lieben jungen Sohne sage, daß Ich es ihm sagen lasse, daß er die nachfolgenden Sprüche der rechten Lebensweisheit recht frohen Herzens wohl und öfter überdenken solle, so werden ihn seine Herzbeklommenheiten bald für immer verlassen. – Ja, er soll nach und nach die folgenden Sprüche sogar auswendig lernen, damit er sie stets bei der Hand habe, wann er ihrer benötige.

02. Die Sprüche aber lauten:

[HiG.03_55.01.02,02.a] 1. / Mein Sohn, stecke dich nicht in mancherlei Sorgen; denn wo du dir mancherlei vornimmst, wirst du nicht viel gewinnen. Wenngleich du fest danach ringst, so erlangest du es doch nicht, und wenngleich du hier und da flickest, so kommst du doch nicht heraus.

[HiG.03_55.01.02,02.b] 2. / Mancher läßt es sich sauer werden und eilet zum Reichtum (materiell oder wissenschaftlich, das ist gleich) und hindert sich nur selbst daran. Dagegen tut mancher gemach, der wohl Hilfe bedürfte und dazu schwach und arm ist; aber den siehet Gott an in Gnaden und hilft ihm aus dem Elend und bringt ihn zu Ehren, daß sich dann seiner viele verwundern.

[HiG.03_55.01.02,02.c] 3. / Es kommt einmal alles von Gott, Glück und auch Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum.

[HiG.03_55.01.02,02.d] 4. / Den Frommen gibt Gott Güter, die da bleiben, und was Er bescheret, das bleibet immerdar.

[HiG.03_55.01.02,02.e] 5. / Mancher karget und spart und wird dadurch auch reich und denkt, er habe etwas vor sich gebracht und spricht: Nun will ich ein gut Leben haben und will essen und trinken von meinen Gütern! – aber er weiß nicht, daß sein Stündlein gar so nahe ist, in dem er sterben und alles andern, die nichts gearbeitet haben, wird überlassen müssen.

[HiG.03_55.01.02,02.f] 6. / Bleibe du in Gottes Wort und übe dich darin und beharre in deinem Berufe und lasse dich nicht beirren, wenn du die Kinder der Welt siehst nach allerlei Gut trachten.

[HiG.03_55.01.02,02.g] 7. / Vertraue du allein auf Gott und bleibe bei deinem Stande; denn es ist Gott ein gar leichtes, einen Armen geistig oder materiell reich zu machen.

[HiG.03_55.01.02,02.h] 8. / Gott segnet allzeit der Frommen Güter, und wenn die rechte Zeit kommt, gedeihen sie.

[HiG.03_55.01.02,02.i] 9. / Sprich nicht: Was hilft es mir, und was habe ich unterdessen? Also sage auch nicht: Ich habe genug, – was kann mir fehlen?

[HiG.03_55.01.02,02.j] 10. / Wenn es dir wohl geht, so gedenke, daß es dir leicht wieder übel gehen kann; und geht es dir übel, so gedenke, daß es dir wieder wohl gehen kann, so wirst du nie übermütig und nie kleinmütig werden. Denn der Herr kann jedem leicht vergelten, entweder schon in diesem und ganz bestimmt aber im andern Leben jenseits des Grabes, wie ein Mensch es sich hier verdient hat.

[HiG.03_55.01.02,02.k] 11. / Macht nicht eine böse Stunde, daß man aller genossenen Freuden vergißt? Jeder Mensch aber wird erst im Absterben des Leibes vollkommen innewerden, wie er und warum er in der Welt gelebt hat. Darum rühme weder dich noch jemand andern vor dem Ende; denn da erst wird es jedem klar, wer er war und wie er seine Zeit verwendet hatte. – Und seine Nachkommen werden manches davon entweder zum Lobe oder zum Tadel der Welt überliefern können.

03. Diese alle, aber guten und sehr weisen Sprüche überdenke du, Mein Sohn, recht eifrigen und stets freudigen Herzens, so wirst du nie mehr dich irgendeiner bleibend beklommenen Stunde zu beklagen haben. Und was du jemandem in Meinem Namen Gutes tust, das werde Ich dir hier und jenseits tausendfach ersetzen.

04. Siehe, du hast zuzeiten einen leisen Hang nach einem irdischen Berühmtwerden, und dieser Hang in sich ist dein Feind und quält dich manchmal. Lasse das, denn so Ich es will, kann Ich dich über Nacht berühmt machen, also, daß alle Welt von dir reden wird. Aber was würde es dir nützen, so Ich daran keine Freude hätte?

05. Übe du daher dich nur stets mehr in der Liebe zu Mir, deinem ewig großen und heiligen Vater, dadurch, daß du nach deinen Kräften dich der Liebe des Nächsten befleißigest und dabei heiteren Gemütes seist, so werde Ich dir auch alles andere geben eher, als du es erwartest.

06. Rechne aber nicht du selbst stündlich nach, wann es kommen werde, sondern vertraue und stelle dich damit vollkommen zufrieden, daß Ich stets für dich rechne und eine ununterbrochene Sorge trage, dann wirst du heiter sein und alles leicht erwarten.

07. Das also, Mein lieber Sohn, zu deiner vollen Beruhigung Amen. –

Nur eines tut not! – Anfang 1856.

Ein Wort des Herrn an Johannes Busch, in einem Brief Jakob Lorbers im Jahr 1856 übermittelt.

01. All das überaus viele nützt dir nichts, sei es Geistiges oder Materielles, denn ob einer viel weiß oder viel hat, ist eines; wenn er davon nicht den vollkommen rechten Gebrauch macht, so bleibt die Seele dennoch gleichfort arm.

02. Es genügt, daß Mich jemand über alles liebt und seinen Nächsten wie sich selbst, denn zu dem werde Ich kommen und werde Mich ihm Selbst offenbaren. Dann wird er durch das große Licht Meines Geistes, der da eins mit seiner Seele geworden ist, in alle Weisheit geleitet werden und wird dann Dinge erschauen und erkennen, von denen bis jetzt in keines Weltweisen Sinn je etwas gekommen ist.

03. Es geht das zwar in dieser Zeit schwer, weil die Menschen schon im Mutterleibe durch die Geilheit des Fleisches sowohl des Weibes wie des Mannes verdorben werden in ihrem Gehirne und dadurch später auch in der vollends ordnungsmäßigen Ausbildung der anderen physischen Lebensorgane.

04. Es muß nun ein Mensch sich in der Liebe zu Mir und daraus in der Liebe zum Nächsten äußerst lebenswarm und sehr tätig bestreben, muß sich in vielen Lebensstücken gar sehr verleugnen und in allem überaus geduldig und vollkommen demütig sein, so bildet die Seele mit der Hilfe Meines Geistes zuerst den leiblichen Organismus zur erforderlichen Ordnung aus – und ist dann erst fähig, Meines Geistes Gnadenlicht in sich vollkommen aufzunehmen und sodann erst in die wahre Weisheit einzugehen, da ihr dann alles hell und klar wird, was ehedem in ein vollkommenes Nachtdunkel verhüllt war. –

05. (Von Jakob Lorber hinzugefügt:) Diese wenigen Worte aus dem Munde des Herrn werden Ihnen, liebwertester Freund, gewiß sehr viel Trost geben, aber zugleich die überzeugende Versicherung, daß in dieser höchst verdorbenen materiellsten und lieblosesten Zeit, in der nur der äußerste, allergröbst materielle Verstand den Herrscherstab alles Wissens führt, das Reich Gottes eine große Gewalt (Liebewillenstatkraft) braucht, und nur die es sich zu eigen machen, dieses mit Gewalt an sich reißen! Die Gewalt aber besteht nicht im puren Glauben, sondern hauptsächlichst nur in der wahren und lebendigen Liebe zum Herrn und zum Nächsten. – Beobachten Sie das und Sie werden sich ehest im selben Lichte aus sich und in sich befinden, in welchem ich mich nun schon bei 16 Jahre lang befinde. –

Große Dinge benötigen eines großen Raumes. – 27. April 1856.

An und für den Freund L. C.

01. Ausharrung und Geduld in allen Dingen hilft einem Menschen vieles Glück erringen.

02. Wenn es Nacht ist, kannst du dir den Tag nicht vorstellen; ist es aber Tag geworden, dann ist es leicht der Nacht vergessen. Große Dinge benötigen eines großen Raumes, und eine Weltgeschichte dauert länger als eine elende Theaterkomödie. Also ist auch ein jeder Anfang schwer, und ein neuer Bundschuh drückt den Fuß stets mehr als ein alter und nach allen Seiten ausgetretener.

03. Meine Freunde müssen sich schon immer gefallen lassen, ein Stückchen Meines Kreuzes wenigstens eine kurze Zeit hindurch auf ihre Schultern zu nehmen, auf daß sie leichter und eher stark werden in Meinem Namen. Zur rechten Zeit nehme Ich ihnen dann die kleine Last schon wieder ab, und sie können dann aus voller Brust frohlocken in Meinem Geiste.

04. Du hast Mir in Meinem Knechte Gutes getan, es ist eingetragen in Meinem Hauptbuche, und es wird dir geistig und auch materiell vergolten werden. Und also sei heiter und fröhlich, denn Ich verlasse die nie, die Mich liebend suchen Amen.

Sorget euch nicht! – 11. August 1856.

01. Also schreibe für Meinen Freund und für deinen Freund L. C., denn was Ich verheiße, das erfülle Ich auch.

02. Wer da sucht vor allem das Reich Meiner Liebe, das da ist ein wahres Gottesreich auf Erden, der soll sich nicht sorgen, ob und wie die nötigen Güter dieser Lebensprüfungswelt ihm zukommen werden, denn Ich sorge da schon für alles. Zur rechten Zeit kommen auch diese unversehens – und alles, dessen ein mir wohlgefälliger Sohn benötigt.

03. Lege alle deine Sorgen volltrauig auf Meine Schultern und halte fest an Meinem Namen und an Meinem Gebote der Liebe, du Mein junger Freund, du Mein Sohn, das andere werde schon Ich machen.

04. Was du jemandem in Meinem Namen Gutes getan hast, wird dir erstattet werden hundertfältig hier und tausendfältig jenseits dereinst in Meinem Reiche.

05. Wenn dein Fleisch dich manchmal juckt, da sei du recht froh und denke, daß Ich das bewirke und zeige dir dadurch an, daß Ich deinen Leib recht gesund mache und es in deinen Adern recht gesund zuzugehen anfängt. Wasche dich abends kalt vor dem Schlafen und liege nicht auf dem Rücken – und gedenke, daß Ich Selbst da dein Fleisch zurechtbringe, so wird der Drang gleich nachlassen.

06. Ich sage es dir Amen.

Wider den Zweifel und die Schwermut. – 17. September 1856.

01. Sage du durch diese wenigen Zeilen dem jungen Freunde C., daß Ich es ihm treuherzigst sagen lasse und nun Selbst sage: Verbanne alles, was dich aus der Kinderschuhzeit daran mahnt, als könntest du Mich beleidigen durch irgendeine Sünde, am Ende sogar durch die sogenannten sündhaften Gedanken, die oft freiwillig kommen und also wieder gehen.

02. Habe Ich denn je nach der Art eines Ignatius von Loyola ein Sündenregister verfaßt und es den Menschen zur strengsten Beachtung oktroyiert? – Nur die Liebe zu Gott und ebenso zum Nächsten ist von Mir geboten, und alles, was dem zuwiderläuft, verboten. Dies aber kann doch niemanden mißstimmen, sondern nur ganz selig zeihen.

03. Ich werde doch keinen Menschen erschaffen, um über ihn Meinen Zorn ausschütten zu können, sondern allen zu sagen: Kommet alle zu Mir, die ihr irgend mühselig und beladen seid, denn Ich will euch ja alle erquicken!

04. Denke du nur fleißig daran und lasse fahren auch den letzten Funken deiner römisch-todsündlichen Gedanken, und du wirst in keine Schwermut je mehr verfallen, sondern stets vollkommen heiter sein. Wer Mich wahrhaft kennt und liebt, der kann wahrlich selbst in den bittersten irdischen Momenten nie gar zu traurig werden; denn es müssen ihn ja doch schon viele der augenfälligsten Beweise überzeugt haben, daß Ich den, der stets und lebendig wahr in seiner Liebe sich an Mich um was immer für ihn wahrhaft Gutes und Nützliches gewendet hat, noch nie unbefriedigt und ungesegnet gelassen habe. Um wieviel weniger dich, da Ich dich doch ganz besonders liebhabe, indem Ich gar wohl kenne dein Herz und recht wohl weiß, was du nun selbst bei deinen immerhin noch etwas beschränkten Geldmitteln Mir in Meinem Knechte und andern Armen aus purer Liebe zu Mir getan hast, was alles Ich dir vielfach ersetzen werde – in jüngster Zeit hier zeitlich schon und einst drüben in Meinem Reiche und in Meinem Hause aber gar unbeschreibbar.

05. Alle Deine zuweilen Zweifel aber findest du ja ohnehin gelöst im ‚Johannes‘; lies nur recht emsig darin, denn da teile Ich euch als Meinen jüngsten und somit liebsten Kindern ja ohnehin alles mit, was Ich selbst den Erzengeln noch nicht mitgeteilt habe – bis auf Raphael, der später aber auch das Fleisch angenommen hat.

06. Sei heiter in Meinem Namen, denn Ich, dein wahrer Vater voll Liebe, will es mit dir also, und fürchte die römischen Sünden nicht. Amen.

Die wahre Lebensrichtung. – Im Jahre 1857.

01. Die Mich suchen, die sind es, die vom Vater gezogen werden; denn es heißt in der Schrift: „Ihr alle müsset aus Gott gelehret werden, der es nicht von Gott lernt, der kommt nicht zum Lichte, und nicht kommt jemand zu Mir, dem Sohne, so ihn nicht ziehet der Vater!“

02. Das besagt nach dem Verständnis dieser Zeit: Niemand kann gelangen zum wahren inneren Lebenslichte, das da gleich ist dem Sohne, ohne wahre tätige Liebe, die da ist das, was du Vater nennest.

03. Die Liebe ist sonach der Vater, und die Weisheit ist der Sohn. Da aber im Sohne die Liebe als das eigentliche Gottwesen ist, ohne welche es kein Lebensfeuer, keine Flamme, somit auch kein Licht und keine göttliche Lebensweisheit gäbe, so ist eben in Mir – dem Sohne – auch ganz allein die göttliche persönliche Wesenheit vereint, zu der niemand irgend durch was und wo anders gelangen kann, als allein durch die Liebe zu Mir. Die Liebe zu Mir aber muß werktätig sein nach eines jeden Kraft und Vermögen, darum ist denn auch die Liebe zum Nächsten, Dürftigen gleich der Liebe zu Mir. Wer da sagt, daß er Mich liebe über alles, der liebt auch werktätig den Nächsten mehr denn sich, hilft ihm – und zwar aus Liebe zu Mir – aus der Not.

04. Hast du aber solche Liebe zu Mir, so hast du ja auch Meine Liebe in dir, auf die du Berge des Glaubens setzen kannst, und es wird dir sicher werden, was du aus solcher Meiner Liebe in dir willst und wünschest. Denn der Macht Meiner Liebe kann ewig keine andere Macht hinderlich entgegentreten, weil sich jede zu ihr gleich wie Nichts zur Unendlichkeit verhält.

05. Du brauchst Mich nicht erst zu fragen, ob es Mir also recht und genehm wäre, so oder so, sondern Meine Liebe in deinem eigenen Herzen wird es dir sagen. Denn dessen Herz voll Liebe ist zu Mir, wie sollte denn der anders als nur recht handeln können, da ja doch niemand wider seine Liebe und wider den aus der Liebe zu erkennenden Willen handeln kann?!

06. Wer da voll Weltliebe ist, der wird auch dieser gemäß handeln; und wer voll Meiner Liebe ist, der wird auch dieser gemäß handeln und kann dabei ebenso wenig fehlen, als die Magnetnadel die Gegend des Nordens je verfehlen kann, weil sie eben vom Nordpol also angezogen wird.

07. Sei du, Mein Kind, daher unbesorgt! Solange du Meine Liebe in dir ebendadurch sicher in dir fühlst, weil du Mich suchst und liebst, so lange wird sie dein getreuester Lebensleitstern sein.

08. Was sonach dein Herz dir sagt, so es erfüllt ist mit Meiner wahren tätigen Liebe, das tue! Wolle und zweifle nicht in deiner Seele am Gelingen. Prüfe dich aber zuvor selbst, ob dein Herz Mich vollends liebt nach Meinem Worte im Evangelium! Suche dem vollends nachzukommen, was Ich als das Gebot der Liebe allen Menschen gab, und du hast im Vollmaße alles aus Meiner Liebe Amen! Das sage Ich, deine Liebe dir Amen.

Zum Verständnis der Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. – 20. April 1858.

01. Es ist in dieser Zeit etwas schwer – selbst für jemand, der in allen möglichen Wissenschaften wohlbewandert ist, eine solche Theorie aufzustellen, durch die der Begriff Entsprechung ihm vollends klargemacht werden könnte, weil die einst gar sehr hohe und von den Alten sogar für heilig gehaltene Wissenschaft der Entsprechungen ganz verlorengegangen ist, so wie die Lesung der Hieroglyphen und der Keilschrift.

02. Ich will euch denn anstatt einer immerhin schwer zu verstehenden Theorie die Sache ganz einfach durch ein paar leicht faßliche Beispiele erörtern, und die Theorie wird sich dazu schon von selbst leicht finden lassen.

03. Es heißt in einem Diktate: „Man suche leicht zu findende Entsprechungen und löse durch sie die (instinktartigen) Urteile auf!“ – Nun seht, das geht also: Jemand aus euch, entweder ruhend in seinem Wohnzimmer oder irgendwohin im Freien mit oder ohne Geschäfte wandelnd, bekommt plötzlich einen Gedanken, als ginge er einem großen Berge zu, der bis über seine halbe Höhe sehr dicht bewaldet und am Fuße mit allerlei Gestrüpp umwachsen ist. Hoch über dem Wald aber ersieht er dennoch Bergbauerngehöfte und Äcker und Wiesen und über diesen hoch erst mächtige steile Felsenspitzen und -zacken, studiert und sucht aber dann auch gleich irgendwo einen möglich guten Aufweg durch das Gestrüpp und durch den dichten Wald.

04. Er umgeht mit seinem Gedanken den ganzen Berg bald, findet aber nirgend etwas von einem Aufwege, wird dadurch ordentlich gedankenmißmutig und läßt bald den ganzen Gedanken fahren, obwohl dieser so noch teilweise wieder auftaucht wie ein im Erlöschen begriffenes Lampenlicht, wenn das Öl schon auf den letzten Tropfen steht. Seht nun! Diesen Gedanken oder vielmehr dieses recht lebhafte Gedankenbild hat der Seele ein jenseitiger höherer Geist gleichsam in den Weg gelegt. Was fühlt die Seele aber dabei? – Sicher eine Art Unbehaglichkeit, ganz ähnlich mit jener bei einem wichtigen, aber mit einer Menge schwer zu überwindenden Schwierigkeiten verbundenen Vorhaben. Und eben dieses unbehagliche drückende Gefühl ist schon das gewisse instinktartige Urteil, das durch die leicht und bald zu findende Entsprechung also aufgelöst werden kann:

05. Ein irgend größeres geschäftliches Unternehmen gleicht einem im Gedanken geschauten Großberge, dessen weitgedehnter Fuß mit allerlei beinahe undurchdringlichem Gestrüpp bewachsen und dessen Brust überaus dicht bewaldet ist. Der weitgedehnte, dicht umstrüppte Fuß entspricht der großen Schwierigkeit des Anfangs der Unternehmung, und das Gestrüpp entspricht den übervielen und stechenden Sorgen. Der dichte Wald entspricht der sehr beschränkten Vorteilsaussicht bei dem Unternehmen und daß es einer langen und beharrlichen großen Mühe bedürfen wird, um bei dem Unternehmen zu einer reinen und vorteilbringenden Aussicht zu gelangen.

06. Und gelangt man dann auch nach vielen Mühen und Anstrengungen dahin, so zeigen sich diese nur gering entsprechend den Bergbauerngehöften, den mageren Äckern und Wiesen. Am Ende kommen noch gar steile Felsenwände, Spitzen und Zacken, und diese entsprechen wieder dem förmlich unmöglichen Höhersteigen zur Gewinnung vorteilhafter und größerer Aussichten, weil die sehr mühsame (kostspielige) Erreichung der Vorteilsaussichten, wie das Gedankenbild zeigte, schon an und für sich eine nur ganz geringe war.

07. Was wollte nun ein höherer Geist dem Wandler durch dieses Gedankenbild sagen? – Das wird nun die Prüfung des äußeren und geordneten Verstandes bald heraushaben2, und die Folgerung wird also ganz kurz lauten: Lasse deine vorgehabte Unternehmung stehen, denn du wirst damit wenig Gewinnes erzielen und dich am Ende des großen Kostenaufwandes und der vielen Mühen und Sorgen mit nur sehr mageren Vorteilen begnügen müssen, mit denen du dir keinen höheren Aufschwung wirst verschaffen können.

08. Ganz geistig aber wird dann der obige reine Verstandessatz also lauten: Siehe, du nur um irdischen Gewinn besorgte Seele, also zahlt die Welt ihre Diener und Knechte!

09. Nun, durch dieses Bild wird ein jeder sich leicht selbst eine Regel zur doch sicher helleren Einsicht dessen bilden können, was ein instinktartiges Gemütsurteil – als vom Herzen kommend und nicht vom Gehirne – an und für sich ist, was eine Entsprechung ist und wie sie zur Löse des Gemütsurteiles zu verwenden ist. – Ich werde dir aber in dieser Woche gelegentlich noch ein paar solcher Beispiele geben, woraus dann ein jeder schon nahe für alle möglichen Fälle sein Licht wird schöpfen können. – Mein Segen und Frieden mit euch Amen.

22. April 1858 (Zum Verständnis der Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. Fortsetzung)

10. Also schreibe noch ein paar weitere Beispiele zur Ergänzung des Verständnisses der Entsprechungen.

11. Jemand geht am Tage oder in der Nacht irgend eines Weges so ganz in der natürlichsten und sowenig als möglich bewegten Gemütsverfassung. Auf einmal stößt er mit seinem Fuße an etwas auf dem Wege Liegendes und wird dadurch schon erregter und aufmerksamer. Der Gegenstand, der auf dem Wege lag, bestand in einem Stück morschen Holzes, das irgendein Arbeiter dahin warf und dann gleichgültig liegen ließ, was für unsere Sache aber von keiner Bedeutung ist.

12. Unser Wanderer geht seines Weges weiter, und als er seiner früheren Erregung schon wieder mehr und mehr ledig ist, kommt ein Hund dahergesprengt, der, irgend zurückgeblieben, nun seiner Herrschaft nachrannte. So ganz unschuldig für sich auch diese zweite Erscheinung war, so hatte sie aber doch auf unseren Wanderer einen schon mächtigeren Eindruck gemacht, denn er dachte sich: Wenn der Hund etwa wütend gewesen wäre, wie leicht hätte er mich gar sehr beschädigen können! –

13. Von nun an bleibt unser Wanderer schon gemütswacher und sieht sich fleißig nach allen Seiten um und kommt nun ohne einen weiteren Anstand ganz wohlbehalten an sein Ziel, wo er ein Geschäft abzumachen hat.

14. Nun, was wäre denn da für unseren Geschäftswanderer aus diesen zwei Erscheinungen und Begegnungen zu entnehmen auf dem Wege der Entsprechungen – oder was hat ein höherer jenseitiger Geist ihm dadurch sagen wollen?

15. Sehen wir nur gleich auf das instinktartige Urteil des Gemüts. Wie lautet es oder in was äußert es sich? – In einer Art von ein wenig mit Ärger und Ängstlichkeit untermengter Spannung. Nun, dazu läßt sich ja augenblicklich die unfehlbarst richtige lösende Entsprechung finden und heißt Vorsicht und Wachsamkeit. Und was sagt denn dann das äußere Verstandeskriterium dazu? – Nichts als das: Auf dem Wege und bei einem Geschäft kann man nie zur Genüge vorsichtig und wachsam bei jedem Tritt und Schritt sein!

16. Nun, hat man das, so hat man auch die Sprache eines warnenden Geistes schon völlig verstanden, denn diese dürfte dann also lauten: Der Mensch, mit dem du ein Geschäft abmachen willst, gleicht dem Wege (das ist dann die Hauptentsprechung), den du zum Geschäftemachen gewandert bist. Er, der andere, wird dir zuerst einen Vorteil für dich vorspiegeln, der dich überraschen und aus deiner ruhigen Verfassung bringen wird, – aber du sei vorsichtig und halte nichts darauf, denn der gezeigte Vorteil ist gleich dem Stücke faulen Holzes am Wege! Solches wirst du mit einigem Verstande bald einsehen.

17. Aber er wird dir dann auch den Nachteil ganz beredt zu zeigen anfangen, der für dich erwachsen kann, wenn du mit ihm das Geschäft nicht abmachst, – aber auch darin liegt nichts Wahres. Seine Beredsamkeit ist nichts als ein ihm allein treuer und nachrennender Hund, der dich zwar sehr überrascht, du aber bei einigem Denken sogleich dahinterkommen mußt, daß die sich erweisen sollende Gefahr so gut wie gar keine ist und du bei der Abmachung des Geschäftes mit Vorsicht und Wachsamkeit vorzugehen hast.

18. Die rein geistige Entsprechung aber ist: Wachet und betet, auf daß ihr nicht fallet in die Versuchung und in ihre böse Macht.

19. Ich zeigte euch hier die richtige Entsprechung als Sprache eines reinen jenseitigen Geistes darum nur bei einer unscheinbarsten natürlichen Begegnung, damit jeder aus euch daraus entnehmen kann, wie die reinen guten Geister selbst bei den geringfügigsten Begegnungen auf dem Lebenswege allzeit um das Wohl des Menschen bekümmert sind und reden mittels Entsprechungen am liebsten mit den Menschen, so diese nur einigermaßen, wenn auch nur ganz dumpf und instinktartig, sie verstehen.

20. Geht es auf diese Weise aber schon durchaus nicht, so wirken sie auf die Gedanken und auf die daraus entstandenen Gefühle, wie Ich euch gestern einen solchen Fall gezeigt habe. Nun, geht es aber auch damit nicht vorwärts, so bearbeiten sie die ihnen zur Leitung anvertrauten Menschen durch Träume und auch durch andere Zeichen und wachgerufene Ahnungen.

21. Aber auch diese sind nur selten so zu nehmen, wie sie sind und was sie darstellen. Nur in außerordentlichen und äußerst dringenden Fällen haben sie ihre ganz bildlich dargestellte natürliche Bedeutung und erwahren sich dann ohne Entsprechung auch also in der Wirklichkeit. Aber in weniger dringenden Fällen sind auch so manche Träume und Ahnungen und gewisse mehr geisterhafte Zeichen nur auf dem Wege der Entsprechungen für den äußeren Menschenverstand zu lösen, so wie die meisten Bücher des Alten und auch des Neuen Testaments.

22. Nehmen wir noch einen Traum von ganz geringer Gattung. Es träumt jemandem, daß er sich in einer großen Stadt befindet, sich darin nicht auskennt, gassenauf und gassenab wandert und das Gesuchte nicht finden kann. Alles ist fremd und verkehrt, und die Gassen nehmen kein Ende und werden oft so enge, daß man gar nicht durchkommen kann. Durch das vergebliche Suchen und Auf- und Abrennen in den Gassen und durch das lästige Engwerden derselben wird die Seele geängstet und erweckt dann gleich den Nervengeist und darauf durch diesen auch den Leib und sucht ihn nun wachzuhalten, um ja nicht im Schlafe noch einmal in die lästige Stadt zu geraten. Was hat denn ein weiser jenseitiger Geist damit der Seele sagen wollen?

23. Betrachten wir gleich das Urteil des Gemüts. Es heißt: Ängstlich drückendes Gefühl und Abscheu. Was ist dazu eine lösende und leicht zu findende Entsprechung? (Ich sage darum leicht zu findende Entsprechung, weil sie schon im ersten instinktartigen Gemütsurteile wurzelt.) – Verabscheuung eines wirren, das freie Lebens- und Erkenntnisgefühl beengenden Zustandes.

24. Nun kommt der äußere Verstand dazu und findet nun gleich in solch einer Stadt das getreue Abbild allen materiellen Welttreibens, durch das die freie geistige Tätigkeit der Seele das ihr eigentümliche Heimische um keinen Preis mehr finden kann trotz allen Suchens und sie in der Gefahr steht, von der Materie verschlungen zu werden, was die stets enger werdenden Gassen anzeigen.

25. Was sagt dann also ein weiser jenseitiger Geist der Seele damit? – „Im Gewühle der Welt und ihren wirren Gängen und Gassen findest du deine eigenste Heimat und ihren Frieden nicht!“ – und als weitere Folge dieses Satzes lautet es: Also begebe dich nicht in die verlockenden Gefahren dieser Welt; denn bist du einmal in ihren Irrgängen, so wirst du dich schwerlich je wieder ganz zurechtfinden.

26. Ganz geistig aber lautet die Sache: Fliehe die Welt und suche nur das, was des Geistes ist!

27. Sehet, also könnet ihr überall und bei jeder Gelegenheit und bei jeder Erscheinung anfänglich mit der Geisterwelt der reinsten Art zu reden anfangen. Geht das im Anfange auch etwas spießig und holperig, mit der Zeit und durch fleißige Übung kann ein jeder es zu einer großen Fertigkeit und sogar zur Anschauung der Geister und zu wörtlicher Korrespondenz mit ihnen und auch mit Mir Selbst bringen. – Ich werde euch aber noch ein paar größere Beispiele geben. Für jetzt Meinen Segen euch Meinen Kindern Amen.

23. April 1858 (Zum Verständnis der Entsprechungen zwischen der Natur- und Geisterwelt. Fortsetzung).

28. Also noch ein paar Entsprechungsbeispiele zur klareren Einsicht der Entsprechungen zwischen Natur- und Geisterwelt.

29. Habet nun recht acht darauf, was da gesagt wird! – Es gibt Menschen auf der Welt, die oft vor den unbedeutsamsten Dingen und Erscheinungen eine gewisse unvertilgbare Furcht, einen Abscheu und ganz sicher aber eine mindere oder größere Antipathie haben. Der eine wird fiebrig angeregt beim Anhören gewisser fein kreischender Töne, ein anderer beim Anfühlen einer rauhen Fläche, ein dritter kann ein gewisses Rauschen wie etwa mit dem Papiere nicht ertragen, ein vierter wird mißlaunig, wenn jemand hinter ihm geht oder fährt, und eine Menge Menschen gibt es, die vor gewissen Tieren, besonders vor den Reptilien einen ungemeinen Abscheu haben, wie auch Menschen, die gewisse Physiognomien anderer Menschen nicht ertragen können, denn sie sind ihnen widerwärtig und oft unerträglich.

30. Alle solche wie immer gearteten Antipathien gegen verschiedene Dinge und Erscheinungen sind im Grunde auch instinktartige Urteile des Gemüts, das stets wachgehalten wird von einem jenseitigen sogenannten Schutzgeiste. Verstünden diese Menschen, durch Entsprechungen solche Urteile aufzulösen und sie dann prüfend weiter auszudehnen, um zu den reineren geistigen Entsprechungen zu gelangen, da würden sie gleich nach allen Seiten hin recht gut einzusehen anfangen, wie sie erstens mit solchen Gefühlen daran sind und was ihnen damit ihre Schutzgeister sagen und anzeigen wollen, und zweitens würden sie aus dem dann auch die Heilmittel gegen solche Gemütsunannehmlichkeiten in sich selbst wohl erkennen und sich davon befreien können. Ohnedem aber ist ein höherer Schutzgeist dann in einem fort genötigt, das unangenehme Gefühl in der Seele zu unterhalten, damit die Seele sich allzeit das entfernt halte, was teils ihrem Leibe und teils aber auch ihr selbst einen Schaden bringen könnte.

31. Der eigentliche Grund aber liegt darin: Die Disposition der Naturgeister der Leibesmaterie ist eben eine solche, die eine verborgene Neigung zu eben jenen Dingen und Erscheinungen hat, die dem Leibe schon bei einer nur einigermaßen intensiveren Berührung bald einen empfindlichen Schaden bringen würden. Darum sorgt dann der Geist, daß die Seele vor solchen Schwächen ihres Leibes und Nervengeistes eine bleibende Antipathie hat und daher sich bei solchen ihr widrigen Dingen und Erscheinungen bald aus dem Staube macht und sich vor größeren nachteiligen Wirkungen schützt und anderen leicht entstehen könnenden Gefahren ausweicht.

32. Wir wollen aber eine solcher Erscheinungen nun ein wenig durch das geistige Fernrohr der Entsprechungen beschauen und sehen, was da herauskommen wird!

33. Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen, der hinter sich keinen fahrenden Wagen und auch so keinen Hinterhergänger ertragen kann. Sein Gemüt fühlt allzeit ein Mißbehagen mit einiger Furcht und mitunter auch Ärger vermengt. In eines solchen Menschen Leibe wohnen Naturgeister, deren Bestreben ein antipositiv-polarisches, somit ein hinterhältiges und gewisserart hinterlistiges ist, welche natürlich ganz unverschuldete Eigenschaft der Leibesnaturgeister sich dann auch zunächst durch die Affektion der Nerven dem Nervengeiste mitteilt und dadurch in eine fühlbare Korrespondenz mit der Seele tritt.

34. Geht nun ein solcher Mensch auf einer Straße und hinter ihm fährt wenn auch noch in einer ziemlichen Entfernung ein Wagen oder es geht ziemlich eiligen Schrittes ein Mensch hinter ihm her, so werden dadurch sogleich die eigenschaftlich ähnlichen Leibesnaturhinterhaltsgeister infolge des Assimilationsdranges erregt und durch sie dann auch die Nerven und ihr Lebensäther oder Geist. Das merkt die Seele alsbald, wirkt dem gleich entgegen und schiebt ihren Leib auf die gefahrlose Seite und wartet sogar ab, bis alles Hinterhaltige vorgefahren oder vorgegangen ist, und es ist dann damit auch alles Mißbehagen verschwunden.

35. Damit wäre nun der zum Teil natürliche und zum Teil transzendental natürliche Grund von der in Rede stehenden Lebenserscheinung dargetan. Aber wie sieht es da mit der Entsprechung aus?

36. Das Gemütsurteil darüber ist: Mißbehagen, Furcht, Ärger.- Was entspricht dem gegenüber? Natürlich das, was ihm hilft, Schutz gibt und das Gemüt wieder beruhigt, und das besteht nach dem äußeren Verstandesurteil darin: Fürs erste den Rücken sicheren Orts seiner Schwächen wegen decken, dann fürs zweite der Gefahr mutig das Gesicht zuwenden und endlich ganz geduldig abwarten, bis die Gefahr vorüber ist.

37. Was kommt nun endlich für eine entsprechende Schlußfolgerung heraus? – Den noch so geringen Feinden im Rücken ist niemals zu trauen! Kehre dem Feinde das Angesicht zu, stelle dich sicher und habe einen Mut mit Geduld, so wirst du über alle deine hinterlistigen Feinde den Sieg davontragen.

38. Daneben kommt hier auch eine sittliche Entsprechung heraus und diese lautet: Besser zehn offene Feinde vor dem Angesicht als ein Hinterlistiger – und ein reißender Wolf im Schafspelz ist gefährlicher als ein offener in seinem Wolfsbalg.

39. Dies ist nun hiermit möglichst klar dargetan worden, und wir hätten sonach nur noch einen Fall zu erörtern, und zwar jenen der Ahnungen und etwas unheimlichen Zeichen. Dies wird sich auch besser durch ein kurzes Beispiel zeigen lassen, als durch was immer für eine noch so gründliche Theorie.

40. Jemand bekommt auf einmal ein banges Gefühl und denkt hin und her und kann dazu keine Ursache finden. Er fühlt sich wie verlassen oder wie einer, der erfährt, daß einer seiner besten Freunde plötzlich, ohne sich irgend beurlauben zu können, eine weite Reise hatte unternehmen müssen. Ist das Gefühl so geartet, so wende man sich liebernst fragend an den sicher gegenwärtigen Schutzgeist, gebe acht entweder in außerordentlichen Fällen auf den ersten klar ausgesprochenen Namen oder sicher auf ein anderes plötzlich entstandenes Gedankenbild. Mit dem verfahre man auf die vorbeschriebene Art, und es wird im außerordentlichen Falle entweder der Name eines leidenden oder gar verstorbenen nahen Anverwandten oder guten Freundes durch einen schützenden jenseitigen Geist ohne Entsprechung klar ausgesprochen werden – oder der von irgendeinem schweren irdischen Ungemache getroffene Freund oder Anverwandte wird aus den ihm sehr ähnlichen Gemütsentsprechungen sehr leicht zu erkennen sein.

41. Gewöhnlich aber kommen solche Andeutungen in den Träumen vor, wo sie dann noch leichter zu lösen sind.

42. Es hat zwar alles, was nur irgend auf der Erde im Angesichte eines oder des andern Menschen geschieht, irgend eine tiefere, ins Geistige übergehende oder auch ganz rein geistige Bedeutung, die man auf dem Wege der Entsprechungen finden kann, wennschon manchmal anfangs nicht ganz sicher, aber annähernd immer. Es ist aber auch gar nicht nötig, daß jemand gar zu allem die Entsprechung finden soll. Nur bei ganz besonderen Anlässen kann er sich in dieser ersten Vorschule der Korrespondenz mit den Geistern üben.

43. Ist diese erste Stufe einmal so ziemlich begriffen und durchgeübt, dann erst kommt eine zweite und endlich gar dritte und höchste Stufe, zu der sich entweder die Anleitung mit einiger Mühe von selbst wird finden lassen – oder Ich Selbst werde sie so wie diese nun geben und das meiste davon schon in eines jeden Herz legen.

44. Sollte aber jemand hie und da nicht gleich ganz im klaren sein, so werde er darum nicht ängstlich, denn dies kommt schon mit der Zeit; unter der Zeit aber steht jedem Meiner lieben Freunde und Kinder der freie Weg zu Meinem Herzen offen. Mein Segen und Meine Gnade mit euch Amen.

Kürzeste Grundbelehrung des ewigen Wortes. – 10. Mai 1862.

Auf eine Anfrage von Johannes Busch.

01. Johannes 8,31. Ich sagte zu den Juden, die an Mich glaubten: So ihr bleibet in Meiner Lehre (nicht Rede) – nicht nur, daß ihr sie behaltet im Gedächtnisse, sondern auch im Tun danach, dann erst seid ihr Meine wahren Jünger und werdet also in euch erkennen, daß Meine Worte aus dem Munde Gottes kommen und in sich die ewige und lebendige Wahrheit sind, die euch wahrhaft frei machen wird von der Nacht jeglichen Zweifels.

02. Johannes 11,25 und 26. Als Mich die Jünger und andere Glaubende fragten: Wann werden wir nach des Leibes Tode wieder zum Leben auferstehen? sagte Ich: Wie möget ihr Mich denn nochmals darum fragen? – Ich bin die Auferstehung und das ewige Leben! Wer an Mich glaubt in der Tat, der ist in Mir schon auferstanden und wird der Seele nach gleichfort leben, so er dem Leibe nach, so es möglich wäre, stürbe tausendmal; denn wer da nun lebt und glaubt an Mich in der Tat, der wird nimmermehr sterben (nämlich der Seele nach).

03. Johannes 14,6. Daß ich allein der Weg (durch Meine Lehre), die Wahrheit und das Leben bin, das wird ein jeder in sich finden, der an Mich in aller Tat lebendig glaubt und also auch im Herzen zu Mir kommt; wer aber also zu Mir kommt, der kommt zum Vater, der in Mir wohnt und Eins ist mit Mir. Wer aber nicht auf besagte Art zu Mir kommt, der kommt sicher auch nicht zum Vater, der die ewige Liebe ist.

04. Johannes 14,23. Als man Mich fragte, wie man Mein Wort, d.i. Meine Lehre, leicht in der Tat halten könne, da sagte Ich: Wer Mich liebt mehr denn alles in der Welt und den Nächsten wie sich selbst, der hält wahrhaft Mein Wort, und der Vater, die Liebe in Mir, wird ihn lieben! Und so werden Wir – der Vater als die Liebe in Mir, Ich als die ewige Weisheit (oder der Sohn) und der Heilige Geist als die ewige und endlose Macht und Kraft Meines Willens zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen, und er wird dann also vollkommen sein, wie der Vater im Himmel, der Mein Herz, vollkommen ist. – So ist das zu verstehen. – – –

Erklärung schwieriger Schrifttexte. – 17. März 1864. (Anmerkung)

I. Vom unklugen und klugen Bauherrn.

.a01. Schreibe ein gar wichtiges Wörtlein, in welchem Ich euch noch so manches aus dem, was Ich zu Meiner Zeit den Aposteln gelehrt habe, näher erklären werde.

.a02. Die Texte aus der Schrift werden euch nicht unbekannt sein, wo da zwei Menschen angeführt sind, von denen der eine sein Haus im Tale auf dem Sandgrunde gebaut hatte, den wir den Unklugen nennen wollen; der andere aber suchte sich einen festen Felsen auf, und wir wollen ihm den Namen der Kluge geben.

.a03. Da der Unkluge aber sah, daß sein kluger Nachbar sein Haus auf einen Felsen gebaut hatte, so sagte er zu ihm: Hättest du da im Tale nicht mit weniger Unkosten gebaut als auf dem Felsen da oben, dahin du dir erst mühsam einen Weg bahnen und mit mancher Beschwerde das Baumaterial hinaufschaffen mußtest? Sieh, wie prächtig mein Haus da im Tale steht und wie leicht der Zu- und Abweg ist! Dein Haus hingegen steht auf dem Felsen gleich einem Adlerneste, und du hast einen beschwerlichen Zu- und Abweg.

.a04. Der Kluge aber sagte: Warte du nur ein wenig; wer weiß, ob du nicht bald mich darum loben wirst, daß ich mein Haus auf einen festen Felsen erbaut habe?

.a05. Und sehet, in nicht gar zu langer Zeit darauf erhoben sich heftige Winde, gingen in einen furchtbaren Orkan über, und es kam dazu ein mächtiger Wolkenbruch, zerstörte das schöne Haus im Tale, auf das sich der Unkluge soviel eingebildet hatte, und damit er sein Leben rettete, seine Zuflucht bei seinem Nachbar auf dem Felsen suchen mußte.

.a06. Nun sah er wohl ein, daß sein kluger Nachbar wohlgetan hatte, sein Haus auf den Felsen zu bauen, und der vormals Unkluge entschloß sich denn auch, nimmer ein Haus in einem sandigen Tale zu bauen.

.a07. Und nun frage Ich, was dieses Bild im Grunde des Grundes wohl zu bedeuten hat?

.a08. Denn an dem, wie es die Priesterschaft aller euch bekannten Sekten bis auf einige wenige, die in der Lehre Swedenborgs und anderer seiner im Geiste geweckten Vorgänger stehen, zu ihren Gunsten auslegen – und eine Auslegung der andern ebenso ähnlich sieht wie eine Faust dem Auge – ist nicht ein wahrer Funke daran.

.a09. Wieso denn, werdet ihr fragen. Weil ihn (den Text) eine jede Sekte, sage Ich, nicht der von Mir ausgehenden Wahrheit nach, sondern also wie vieles andere zu ihren Gunsten auslegt.

.a10. Ich aber sage: Alle Sekten gehören samt ihren Anhängern in den Bereich des Unklugen, der sein Haus auf Sand im Tale gebaut hatte. Und nur allein derjenige, der auf Mich und auf Meine reine Lehre baut und danach tut und handelt, gehört zu dem seltenen Klugen, der sein Haus auf dem Felsen erbaute. Und als da kamen der Zeiten Stürme, so blieb sein Haus fest stehen; aber das Haus und gar viele Häuser, die im Tale auf dem Sande standen, wurden hinweggeschwemmt.

.a11. Wie muß aber der Mensch beschaffen sein, der sein Haus auf dem Felsen erbaut? – Der muß durchgehends nicht leicht- und abergläubisch sein, sondern allein die Wahrheit in allem suchen, die allein ihn frei und wohlerleuchtet machen kann.

.a12. Ja, wird mancher fragen, wie soll man denn das anstellen?

.a13. Die Antwort liegt ebenfalls in Meiner Lehre, die Ich Meinen Aposteln gegeben habe, und lautet ganz kurz also:

.a14. Wer an Mich glaubt, nach Meiner Lehre lebt und handelt, zu dem werde Ich Selbst kommen und Mich ihm gerade also getreuest offenbaren, wie nun euch.

.a15. Daß darin auch das einzige Kriterium der Wahrheit Meiner Lehre liegt, habet ihr nun selbst mehr als handgreiflich in mehreren noch lebenden Beispielen vor euch; denn Ich sagte darum ja auch zu Meinen Aposteln, als sie selbst nicht so recht im klaren waren, für wen sie Mich eigentlich halten sollten:

.a16. So ihr an Mich glaubet und nach Meiner Lehre handeln werdet, dann erst werdet ihr auch vollends in euch erkennen, daß die Worte, die Ich zu euch geredet habe, nicht Menschenworte, sondern Gottes Worte sind.

.a17. Und wieder sagte Ich zu Meinen Aposteln: Nicht nur ihr, sondern in der Folge ein jeder Mensch, der wahrhaft zu Mir kommen will, muß von Gott aus gelehret sein; denn den der Vater oder die ewige Liebe in Mir nicht ziehet, der kommt nicht zu Mir – oder mit andern, für euch faßlicheren Worten gesagt: Wen die wahre Liebe zur Wahrheit und zum Lichte nicht anziehet, und der in seiner Trägheit und Schläfrigkeit ganz behaglich verharret und sich in der Welt soviel als möglich allen Vergnügungen und Zerstreuungen in die Arme wirft, wird der wohl irgendeinmal zum Lichte der Wahrheit gelangen?

.a18. Ich sage euch, ebensowenig, als aus einem trägen Studierenden, der seine Studien zuallermeist in Gast- und Kaffeehäusern und auf den Tanzböden und in den Gemächern der feilen Dirnen macht, ein großer Astronom wird; denn um das zu werden, gehört von Jugend auf ein übergroßer Fleiß und eine große Menge von allerlei Selbstverleugnungen. Doch mit der großen Liebe zu solch einer erhabenen und schweren Wissenschaft ist er mit der Zeit dahin gekommen, Dinge zu berechnen, von denen der laie Weltmensch sich nichts kann träumen lassen. Und da heißt es wieder:

.a19. Wen der Vater nicht zieht, der kommt nicht zum Sohne; denn der Sohn ist ja das Licht, ausgehend aus der Flamme und dem Feuer der Liebe oder des Vaters.

.a20. Gehet aber hin zu den meisten sogenannten christlichen Sekten und betrachtet besonders ihre Priesterschaft und fraget sie: Welche Liebe hat denn euch zu eurer vorgeblichen Wahrheit, die ihr prediget, gezogen? Und auf ihren Gesichtern und auf ihren Bäuchen werdet ihr's geschrieben finden: die möglichst beste zeitliche Versorgung und überepikuräisch wohlbesetzte Speisetische mit allen best bereiteten Leckerbissen, die auf der lieben Erde irgendwo anzutreffen sind; und je höher sich solche Priesterschaft hinaufschwingen kann, desto epikuräischer wird auch ihre Tugend und damit auch ihre Selbstsucht und Herrschsucht.

.a21. Solche sein wollende Nachfolger Meiner Apostel und Jünger befolgen das sicher nicht, was Ich zu Meinen Aposteln und Jüngern gesagt habe, daß sie nämlich nicht für den kommenden Tag sorgen sollen, was sie essen und trinken und womit sie sich bekleiden werden, sondern bloß suchen Mein Reich und seine Gerechtigkeit; alles andere, dessen sie benötigen, wird ihnen hinzugegeben werden.

.a22. Als Ich Meine Jünger aussandte, sagte Ich zu ihnen: Ihr sollet nicht anhaben und tragen zwei Röcke und in eurer Bekleidung nicht eingenäht haben Säcke, um allerlei euch dargebotene Dinge einzustecken; auch sollet ihr nicht tragen Stöcke, um euch zu verteidigen; denn so ihr Mich habet, so seid ihr ohnehin für dies- und jenseits mit allem versorgt.

.a23. Wären mit dieser Versorgung etwa in gegenwärtiger Zeit die Priester auch zufrieden, die unter allerlei Gottesstellvertreterschaften ihr Wesen treiben, ums Geld scheinbare gottesverdienstliche Werke verrichten, an die sie nicht einen Funken Glauben haben? Werden sie zufrieden sein mit einem Rock ohne Säcke, die in goldverbrämten Kleidern einhergehen und das Volk durch ihren Glanz zu blenden aufs eifrigste bemüht sind?

.a24. Ein gegenwärtiger Bischof will ein Nachfolger irgendeines Apostels sein! Geht er ohne Stock einher? O mitnichten! Verkaufet einen solchen Stock, und ihr könnet eine arme Familie auf längere Zeit hin versorgen. – Ein ganzes Land könnte sich damit auf viele Jahre bestens mit allem versorgen, so es sich den Wert nur einer päpstlichen Tiara und mehrerer Kardinalshüte aneignen könnte; denn eine solche Tiara, aus reinstem Golde und den größten und kostbarsten Edelsteinen als Diamanten, Rubinen und Smaragden und großen Perlen bestehend, dürfte wohl schier so viele Millionen wert sein, als Ich Apostel zählte, und ein Kardinalshut kostet achzigtausend Dollar! Wäre das nicht ein so ganz respektables Sümmchen für ein armes Land?

.a25. Aber lassen wir sie bei ihrer sogenannten triumphierenden Kirche; sie haben dennoch ihre Häuser und Tempel nicht auf dem Felsen erbaut, und der große Sturm stehet vor der Tür, der ihnen zeigen wird, wie klug sie waren! Wenn der Sturm aber kommen wird, da wird es viel Heulens und Zähneknirschens geben, und da wird es wohl heißen:

.a26. Wehe allen, die da die Flucht werden ergreifen wollen und suchen sich auf festen Felsen anzusiedeln; denn wer da nicht haben wird, wie alle diese, dem wird auch noch genommen werden, was er hatte, und sie werden nicht kommen zum Lichte, sondern durch Meinen Sturm hinausgestoßen werden in die äußerste Finsternis – durch Meinen gewaltigen Sturm, und es wird daselbst dann noch mehr Heulens und Zähneknirschens geben oder, mit andern Worten gesagt, noch mehr der gegenseitigen Verfolgungen und Verwünschungen. Denn die betrogenen Gläubigen werden über ihre Himmelsverschaffer herfallen und sie durchaus um nicht viel besser behandeln, als ein grimmiger Feind seinen Gegenfeind behandelt; denn ein Betrogener läßt sich den Betrug nur so lange gefallen, als er noch so blind ist, den Betrug nicht einzusehen, merkt er einmal diesen, dann wehe dem Betrüger!

.a27. Und dieses Wehe stehet nun knapp vor der Tür!! Der Scharfschützen gibt es schon eine große Menge, und sie werden ihr Ziel nicht verfehlen. – Ich meine, die von Mir am Anfang angeführten Texte aus Meinem Worte werden euch nun zur Genüge einleuchtend sein. –

II. Seid gehorsam der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat.

.b01. Der Text, von dem gestern unter euch die Rede war, demnach man jeder Obrigkeit gehorchen solle, gleich ob sie gut oder böse sei, da sie keine Macht hätte, wenn sie ihr nicht von oben gegeben wäre, – dieser Text ist zwar richtig an und für sich, aber ein Beisatz, den Ich gestellt habe bei einer Gelegenheit, so wie im Apostel Paulus, ist hinweggelassen worden. Der Beisatz aber lautet: Solange der Besitz des Geistes der Wahrheit aus Mir den Obrigkeiten innewaltet.

.b02. Werdet ihr erkennen, daß dies nicht mehr der Fall ist, dann ist es auch Zeit, solchen von der Höhe aus nicht mehr inspirierten Obrigkeiten auf das empfindlichste den Rücken zu kehren; denn wäre das nicht der Fall, so müßte Ich auch allen Ernstes gesagt haben: Seid allen Teufeln untertänig und gehorsam! – Das werdet ihr von Mir doch wohl nicht erwarten, indem Ich doch ausdrücklich gesagt habe, daß ihr alles prüfen und nur das Gute und Wahre behalten sollet.

.b03. Überhaupt ist aber bei dem Text, der, wie Ich schon bemerkt habe, schlecht übersetzt ist, das zu bemerken, daß es statt gut oder böse: mild oder strenge heißen soll. Und so ihr das nun wißt, so werdet ihr damit doch wohl einsehen, daß Ich nicht gesagt habe, ihr sollet auch den Teufeln gehorchen. So ihr dieses recht beachtet, so werdet ihr wohl einsehen, daß ein solch krasser Unsinn niemals aus Meinem Munde gegangen ist und nie gehen wird.

.b04. So jemand aus euch noch irgend etwas in der Schrift findet, das mit der reinen Vernunft nicht im Einklange steht, der komme mit einem solchen Texte zum Vorscheine, und es soll ihm darüber Licht gegeben werden Amen.

Fragen über scheinbare Widersprüche in den verschiedenen Evangelien. – 17. März 1864.

I.

.c00. Matthäus 1,25. „Und erkannte sie nicht, bis sie ihren ersten Sohn gebar; und hieß seinen Namen Jesus.“ Lukas 2,7.

.c00. Matthäus 13,55. „Ist er nicht eines Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakob und Joses und Simon und Judas?“ Lukas 4,22.

.c00. Matthäus 13,56. „Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?“

.c00. Diese Stellen gaben Veranlassung zur Annahme, daß Maria mehrere Kinder gehabt habe. (Texterläuterung des Herrn)

II.

.c00. Matthäus 12,42. „Die Königin von Mittag wird auftreten am Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen ...“

.c00. Matthäus 13,49. „Also wird es auch am Ende der Welt gehen ...“

.c00. Matthäus 16,27. „Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit des Vaters mit seinen Engeln ...“

.c00. Matthäus 19,28. „Jesus aber sprach zu ihnen ...: Ihr werdet auch sitzen auf den zwölf Stühlen und richten die zwölf Geschlechter Israels.“ Matthäus 25,30-34.

.c00. Diese Stellen gaben zur Annahme eines Jüngsten Tages und Gerichtes Veranlassung. (Texterläuterung des Herrn)

III.

.c00. Matthäus 4,1. „Da ward Jesus vom Geiste in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde.“ Markus 1,2-11; Markus 1,12.13; Lukas 4,2-13. (Texterläuterung des Herrn)

IV.

.c00. Matthäus 5,39. „Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar.“ Vers 40. „Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.“ Lukas 6,29.

.c00. Matthäus 10,34. „Ihr sollt nicht wähnen, daß Ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“

.c00. Vers 35. „Denn Ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger.“

.c00. Vers 36. „Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“

.c00. Matthäus 10,16. „Siehe, Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

.c00. Vers 17. „Hütet euch aber vor den Menschen ...“ Lukas 12,51-53

.c00. Buchstäblich sind dies Widersprüche und im menschlichen Leben so nicht anwendbar; denn dadurch würde einerseits die Gewalt des Starken sanktioniert, der Minderstarke zum Sklaven, der Hochmütige würde nur noch anmaßender und jedem Unrecht die breiteste Basis gegeben. Anderseits ist aber wieder der Kampf gegeben und wieder die Wehrlosigkeit des Schafes gegenüber seinen Feinden. (Texterläuterung des Herrn)

V.

.c00. Matthäus 12,40. „... also wird des Menschen Sohn (gleichwie Jona im Bauche des Walfisches) drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein.“

.c00. Matthäus 17,23. „... und am dritten Tage wird er auferstehen ...“ Matth.20,19; Luk.13,32; Matth.26,61; Joh.2,19.21.

.c00. Matthäus 27,63. „Ich will nach drei Tagen auferstehen.“

.c00. Matthäus 28,1. „Am Abend des Sabbats aber, welcher anbricht am Morgen des ersten Wochentages nach dem Sabbate, kam Maria Magdalena und die andere Maria, das Grab zu besehen.“ Mark.16, 1.2; Luk.24, 1.6; Joh.20,1.

.c00. Matthäus 28,2. „Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben ...“

.c00. Matthäus 28,6. „Er ist nicht hier ...“

.c00. Markus 10,34. „... und am dritten Tage wird er auferstehen.“

.c00. Markus 16,6. „Er ist auferstanden und ist nicht hier.“

.c00. Lukas 23, 44.45.46. – diese Verse angeführt in betreff der Todesstunde gegen die Zeit der Auferstehung – und

.c00. Johannes 19,31. Kreuzabnahme.

.c00. Wie stimmt hier die Zeit des Todes mit der Auferstehung nach den verschiedenen Versen? – Lag der Leichnam des Herrn drei Tage im Grabe, wie oft angenommen wird, oder ist, so die Grablegung nach unserer Annahme am Freitag geschah, die Auferstehung am Sonntag früh, also am dritten Tage erfolgt? (Texterläuterung des Herrn)

VI.

.c00. Matthäus 12,40. „Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch.“ Was war dies für ein Fisch – oder ist der Fisch nur ein geistiger Entsprechungsausdruck?

.c00. Matthäus 22,11.12. „Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an ...“

.c00. Markus 14,51. „Und es war ein Jüngling, der folgte ihm nach, der war mit Leinwand bekleidet auf der bloßen Haut; und die Jünglinge griffen ihn.“

.c00. Vers 52. „Er aber ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen.“ – Wer ist der Jüngling, und warum erwähnt ihn nur Markus allein? – (Texterläuterung des Herrn)

Texterläuterung des Herrn.

I. Der Evangelist Matthäus – 18. März 1864.

01. Was die erste Frage betrifft, so ist in ihrer Hinsicht schon eine kleine Erläuterung im eigentlichen Johannes(-Evangelium) berührt worden. Allein um euch diese Sache noch um vieles heller zu machen, müßt ihr wissen, daß der Evangelist Matthäus erst dann von Mir aufgenommen wurde, als Ich ihn bei Meiner Reise nach Kis in einer Mittelstation zwischen Kapernaum und Kis als einen in römischen Diensten stehenden Zöllner antraf; darum Mir auch der Vorwurf gemacht wurde, Ich gehe mit Zöllnern und Sündern umher.

02. Da aber dieser Matthäus gut bei der Feder war und sich von Mir nicht mehr trennen wollte, so ward er von Mir als Schreiber aufgenommen, aber nur mehr für die Tatsachen, während Mein Johannes das Wort, das Ich lehrte, aufzuzeichnen hatte, und Matthäus mitunter weniger geistige Teile Meiner Lehren und Predigten für sich aufzeichnete, dieselben jedoch allzeit bei Gelegenheiten von Johannes sich korrigieren ließ; denn Matthäus hatte für Tatsachen ein gutes Gedächtnis, aber für die Lehre ein schwaches.

03. Von Meinem Familienverhältnis wußte er, solange er mit Mir umherging, sehr wenig, und was er wußte, teilten ihm bei Gelegenheit Jakobus, Simon und Johannes mit, das er sich jedoch nicht auf der Stelle aufzeichnete, sondern erst einige Jahre nach Meiner Auferstehung, als er statt des Judas Ischariot zum Apostel gewählt wurde.

04. Dieser Apostel selbst – als der Evangelist – hatte sein Evangelium ganz ordentlich und richtig zusammengestellt und machte dann damit seine Reise in die südöstlichen Gegenden Asiens.

05. Es haben sich aber dann in Jerusalem, in Galiläa, in Samaria, dann in Tyrus und Sidon fünf Matthäusse hervorgetan, und es schrieb ein jeder ein ‚Evangelium Matthäi‘; darunter das zu Sidon erschienene unstreitig noch das allerannehmbarste war.

06. Die andern vier wurden bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa – als mit diesem gar nicht übereinstimmend, wie auch untereinander nicht – als vollends apokryph verworfen und das Sidonische als möglichst echt erhalten. Und so ist auch dieses teilweise apokryph, obschon der Schreiber sich alle erdenkliche Mühe gab, die Sache so wahr als möglich darzustellen.

07. Er selbst schrieb eigentlich – statt diesem einen – vierzehn Evangelien, je nachdem ihm irgend die Sache von sein wollenden Augenzeugen bekanntgegeben wurde. Aus diesen vierzehn schrieb er dann ein fünfzehntes, das nach der Beurteilung vieler Sachkundiger als das richtigste und wahrste erklärt wurde.

08. Und dieser Pseudo-Matthäus, der eigentlich l'Rabbas hieß, ist der eigentliche Schöpfer des heutigen Matthäus-Evangeliums.

09. Das wirkliche (Matthäus-Evangelium) aber befindet sich heutzutage noch in einer großen Bücher- und Schriftensammlung in einer bedeutenden Bergstadt Hinterindiens, welche Bücher- und Schriftensammlung wohl die größte und reichhaltigste nach der verbrannten alexandrinischen auf der ganzen Erde ist. Sie besteht aus mehreren Millionen Exemplaren Büchern und Schriften aller Art, zu welcher Sammlung aber leider nur die hohen Priester, die unter dem obersten Priester Brahmas stehen, Zutritt haben. Die Birmanen allein besitzen eine aber sehr abgekürzte Abschrift.

10. Ihr möchtet wohl auch wissen, was es mit dem Apostel Matthäus in diesen Ländern Indiens für ein Ende genommen hat?

11. Er ist daselbst ganz gut gehalten worden, durfte aber seine Lehre nur den Priestern und keinem andern Menschen mitteilen. Er fand aber doch in seinen alten Tagen von Meinem Geist geleitet eine Gelegenheit, zu den Birmanen zu entkommen, und er lehrte sie allerlei Weisheit und schrieb für sie dann auch das schon vorher erwähnte kurze Evangelium.

12. In einigen besseren Traditionen wird dieser Apostel und noch ein Gefährte „die Apostel Indiens“ genannt.

13. Aus dem werdet ihr wohl leicht entnehmen können, wie es sich mit dem euch bekannten Evangelium Matthäi verhält, wie auch mit dem angeführten 13. Kapitel, wo es heißt, ob Ich nicht der Sohn des Zimmermanns Josephs sei, ob Meine Mutter nicht Maria heiße und Meine Brüder nicht Jakob, Joses, Simon, Judas und Johannes? und – „seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt Ihm denn das alles?“

14. Um dieses zu verstehen, muß man wissen, was schon im ‚Johannes‘ erwähnt ist, daß Ich einmal nach Nazareth kam, dort in der Synagoge lehrte und gar manches Zeichen wirkte; und als darüber sich sogar Meine Apostel und Jünger aufzuhalten anfingen, Ich zu ihnen sagte: „Der Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterlandeö, verließ Nazareth und kam nachher nicht wieder dahin.

15. Was aber Meine sogenannten Brüder und Schwestern betrifft, so waren sie wohl Kinder Josephs aus seiner ersten Ehe, aber nicht Kinder Marias, deren einziger und nicht erster, d.i. wohl erster, aber einziger Sohn Ich war.

16. Was aber die Schwestern anbelangt, so waren sie nicht Töchter Josephs, sondern dessen arme Anverwandte, und man nannte sie darum auch Schwestern, indem sie ganz nach dem Sinne und Willen Josephs wie auch der Maria lebten und handelten.

17. Drei von diesen Brüdern zogen mit Mir, nämlich Jakobus, Simon und Johannes; zwei aber blieben daheim und betrieben des Josephs Handwerk fort und pflegten die Maria bis dahin, als Ich sie dem Johannes zur weiteren Pflege übergab.

18. Die nämlichen scheinbaren Widersprüche werdet ihr auch in dem Evangelium des Lukas finden; denn dieser Evangelist schrieb erst mehr als fünfzig Jahre nach Mir das Evangelium und ebenalso auch die Apostelgeschichte. Aber auch sein Evangelium ist ein Zusammentrag von dem, was er durch eifrige Erkundigung über Mich und die Apostel zustande gebracht hat.

19. Alles, was er geschrieben hatte, hat er seinem bekannten Freunde Theophilus nach Athen übersandt, welcher Theophilus dann wieder ein Evangelium aus dem Evangelium des Lukas schrieb, es mit manchen Zusätzen bereicherte, aber mitunter auch so manche Unrichtigkeit in dasselbe hineinmengte, aus der sich dann so manche Widersprüche ergaben, besonders im naturmäßigen Buchstabensinne – namentlich Mein übertyrannisches Auftreten im sogenannten „Jüngsten Gericht“, die mit dem einzig noch allerrichtigsten kurzen Evangelium des Johannes durchaus nicht übereinstimmen, doch geistig immerhin eine Beleuchtung zulassen – und wir werden über dieses und noch mehreres andere im nächsten Diktate reden. Und somit gut für jetzt. Amen.

II. Vom Jüngsten Gericht. (Texterläuterung des Herrn.) – 19. März 1864.

01. Ich habe euch schon gestern erwähnt, daß von dem außerordentlichen „Jüngsten Gericht“ im Evangelium Matthäi (l'Rabbas) und noch mehr beim Evangelisten Lukas eine ausführlich große Erwähnung gemacht ist, und daß eben dieses jüngste Gericht vielseitig schuld war und noch ist, daß sich gar viele Menschen von Meiner Lehre ganz abgewandt haben, haben sich selbst Lehren aus der reinen Vernunft nach ihren Verstandeskräften gebildet und nach denselben ihre Nebenmenschen gelehrt, selbst gehandelt und gelebt und wollten von des Schreckenstages Lehre und Propheten nichts mehr hören und wissen.

02. Denn sie sagten, und zwar nicht mit Unrecht: Wie kann ein endlos weiser ewiger Gott, aus dessen großen und kleinen Geschöpfen sicht- und fühlbar nur die Liebe atmet, eben die größte Anzahl der Menschen einzig darum nur ins Dasein gerufen haben, um sie nach einem kurzen Leben auf einer materiellen Welt, die ohnehin aus lauter Tod und Elend zusammengesetzt ist, nach dem Hintritte ins Jenseits ewig zu quälen und zu plagen für die Vergehen, die sie in ihrem Leibe auf der Welt begangen haben? –

03. Ich sage es euch, solches wäre nicht einmal dem höchsten und bösartigsten Tyrannen auf der Welt möglich. Denn es ist sicher so manchem aus euch aus der Geschichte der Ur-, Vor-, Nach- und Jetztzeit nicht unbekannt, daß sich zu große Tyrannen am Ende vor sich selbst zu fürchten haben angefangen, und gar manche aus ihnen haben sich geflüchtet ohne einen besonderen anderen Grund, als aus einer sich stets steigernden Furcht vor sich selbst, und fanden auf solcher Flucht auch gewöhnlich ihren Untergang.

04. Allein hier kann Ich euch in bezug auf solche Auswürflinge der menschlichen Bosheit das hinzusagen, daß sie nach einer gewissen Zeit ihrer tyrannischen Herrschaft von stets mehr und mehr bösen oder ungegorenen Dämonen in Besitz genommen wurden und mußten ihnen als Werkzeuge ihrer dämonischen Rache, die sie gegen ein Volk hegten, dienen.

05. Wenn man diese Tyrannen, die vor den Augen der Welt wahrlich Greueltaten auf Greueltaten gehäuft haben, darum schon für ewig in die Hölle verdammen sollte, so wäre man als Richter ja selbst ein tausendmal größerer Tyrann, als diese es selbst waren. Wie könnte Derjenige, der Ich Selbst es war, den Vater als die ewige Liebe in Mir unter den größten Schmerzen Meines Leibes für alle diejenigen, die Mich gekreuzigt haben und haben kreuzigen lassen, bitten, daß Er ihnen vergeben solle, indem sie nicht wüßten, was sie täten!

06. Denn von den Pharisäern, vom Hohenpriester Kaiphas angefangen bis zu den Schergen, die Meinen Leib ans Kreuz geheftet haben, wußte wahrlich keiner, mit wem sie es so ganz eigentlich an Mir zu tun hatten. Denn die Pharisäer hielten Mich trotz aller Meiner Taten und Lehren erstens für einen Hauptmagier aus der Schule der Essäer, die bei ihnen über die Maßen verhaßt waren, und fürs zweite hielten sie Mich für einen Judenaufwiegler, als der Ich den Römern eine Gelegenheit bereite, damit sie den Juden alle Freiheit und am Ende sogar ihren Religionskultus verböten. Je größere Zeichen Ich demnach wirkte, desto mehr wuchsen Meine euch wohlbekannten Feinde.

07. Was aber die Schergen betrifft, so waren die meisten Soldaten der Römer als Söldlinge von allen Nationen des Römischen Reiches zusammengerafft und waren den Römern um so lieber und wünschenswerter, je grausamer und herzloser sie sich in den Schlachten und auch bei kleinen Exekutionen zeigten; denn ein gefühlvoller römischer Soldat wäre ein wahres Unding für den kriegerischen Sinn der Römer gewesen. Aus dem geht aber auch sicher hervor, daß die gemeinen römischen Söldlinge noch weniger wußten, was sie taten, als Meine euch schon bekannten Erzfeinde selbst.

08. Und es läßt sich hier wieder fragen, ob es nach Meiner göttlichen Weisheit wirklich recht und gerecht gewesen wäre, alle diese für das, was sie an Mir getan haben, für ewig in die Hölle zu verdammen und sie zu werfen in die ewige Marter, Qual und Pein.

09. Habe Ich etwa den linken Schächer, der Mich bekanntlich am Kreuze verhöhnte, darum verdammt? Dies steht wahrlich nirgends geschrieben. Aber dem andern Schächer, der Mich als einen Gerechten erkannte und dem linken Schächer wegen seines Höhnens einen guten Verweis gab, gab Ich dafür die Versicherung, daß er noch am selben Tage bei Mir im Paradiese sein werde, obschon er des Raubes und Mordes wegen am Kreuze sterben mußte.

10. Wo bleibt denn da der so schrecklich geschilderte jüngste Gerichtstag, an welchem etwa kaum ein Dezillionstel der Menschen in den Himmel kämen, alle andern aber für ewig in die Hölle?!

11. Wie kann Der von einem solchen Schreckenstage gepredigt haben, der im Tempel der Ehebrecherin Schuld in den Sand schrieb, und ein andermal in Gegenwart vieler anwesender Sünder laut ausrief: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken!“

12. Wieder sagte Ich einst, als Mich ein Schriftgelehrter fragte, der so einen halben Glauben an Mich bezeugte: Meister! ich erkenne, daß Du recht und gerecht lehrest, und man kann dem, was Du lehrest, nichts einwenden; doch sagtest Du in Deiner Lehre: Wer an Dich glaubt und nach Deinen Worten handelt, der wird das ewige Leben haben – auch dann, so er stürbe, wenn es möglich wäre, zum hundertsten Male in der Welt! Nun betrachte Du aber die Völker und Menschen auf dieser Erde, die von Dir und Deiner Lehre sicher in zweitausend Jahren und darüber nichts werden vernommen haben! Wie werden sie an Dich glauben und nach Deinen Worten leben? Werden diese nahe zahllos vielen Menschen alle in den ewigen Tod übergehen, weil sie an Dich nicht glauben konnten und nicht halten Deine Worte? –

13. Da dieser Schriftgelehrte bei einer Gelegenheit zur Nachtzeit solche Frage an Mich stellte, so zeigte Ich ihm mit zwei Fingern hinauf an das mit Sternen übersäte Firmament: Da sehe hinauf, dies ist das Haus Meines Vaters! Und in diesem endlos großen Hause gibt es gar viele Wohnungen. Wer Mich hier nicht konnte kennen lernen und vernehmen Mein lebendiges Wort, für den wird sich schon in diesem großen Hause irgend eine Gelegenheit finden zu dem Zwecke seines ewigen Lebens! Darum sorge du dich nicht für jene, welche nun und auch in später Folge von Mir nichts werden vernehmen können; denn Mein Vater kennet sie alle und hat auch nicht einen von ihnen zum ewigen Falle, sondern nur zur ewigen Auferstehung aus Seiner Liebe und Weisheit ins Dasein gerufen! Und du hast dadurch an Mich zwar eine weise scheinende, aber darum doch eitle Frage gestellt. –

14. Habe Ich darum den schlechten Haushalter seines Herrn, was ihr im Grunde alle mehr oder weniger seid, wegen seiner schlechten Haushalterei verdammt, weil er seinen Herrn betrog, aber dabei dessen Schuldnern eine Wohltat erwies, und das noch dazu in Folge, weil er wohl wußte, daß ihn sein Herr vom Dienste entlassen werde? Ich sagte da nicht: Werdet solch einem Haushalter nicht gleich, sondern – tut desgleichen, wie auch er getan hat, und jene, denen ihr auf Rechnung Meines Namens geistige und leibliche Wohltaten erwiesen habt, werden euch dereinst in ihre himmlischen Wohnungen aufnehmen! –

15. Wo sieht bei solch einer Lehre der schreckliche einstige jüngste Gerichtstag heraus, in welchem die zwei euch bekannten Nach-Evangelisten – als der l'Rabbas statt des Matthäus und der Theophilus statt des Lukas – so manches wider Meine Liebe und Weisheit sich haben zuschulden kommen lassen?

16. Das meiste und Schaudererregendste aber ist erst nach der großen Kirchenversammlung zu Nicäa – sowohl von seiten der griechischen, noch mehr aber von seiten der römischen Oberbischöfe geschehen. Denn diese haben sich alle Mühe gegeben, zum Teil aus dem heidnischen Tartarus und zum Teil aus dem alten jüdischen Scheol dem jüngsten Gerichte, dem Fegefeuer und der Hölle die lebhaftesten Farben zu verleihen und haben aus Mir in einer Person den euch bekannten Äakus, Minos und Rhadamantus, die das jenseitige Richteramt führten über die Seelen der Verstorbenen, gemacht. Und Ich muß demnach allerunerbittlichst und unbarmherzigst alles richten, verdammen und auf ewig in die Hölle verfluchen, was sich nicht den Anordnungen und Befehlen des sogenannten Heiligen Vaters in Rom fügt.

17. Ich meine euch hiermit zur Genüge gesagt zu haben, daß weder Ich noch irgendeiner Meiner echten Evangelisten die Erfinder und Lehrer alles dessen sind und sein können. Denn Ich kann doch von Mir nicht selbst behaupten, daß Ich heute die höchste Liebe und Erbarmung bin und morgen die höchste Rachgier, unerbittlichste Unbarmherzigkeit und ewige Straf- und Martersucht gegen Meine Kinder ob ihrer Vergehen, an denen sie grundursächlich oft nicht den hundertsten Teil der eigentlichen Schuld tragen.

18. Denn Ich bin ja nicht gekommen, um das, was verloren war, noch mehr verloren zu machen, sondern es in aller Liebe aufzusuchen und wieder an das Licht zu bringen, damit es nicht verlorengehe. Als Arzt kam Ich ja nur der Kranken und nicht der Gesunden wegen in die Welt. Hätte Ich die Kranken etwa noch kränker machen sollen, als sie es ohnedies schon waren? Das ginge wohl nach der Lehre und nach dem Sinne der Pharisäer und besonders der vielen sogenannten heiligen Väter Roms. Aber nach Meinem Sinne, der Ich Selbst als Mensch Mich von andern Menschen nicht einmal ‚guter Meister‘ nennen ließ, geht das nicht; denn Ich sagte: Was heißet ihr Mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. Also sollet ihr auch niemanden ‚Vater‘ nennen, außer euren Vater im Himmel. Und niemand ist heilig, denn nur Gott allein! –

19. Was ist hernach von einem solchen sein wollenden Stellvertreter Gottes auf Erden zu halten, der sich selbst ‚Heiliger Vater‘ und ‚Seine Heiligkeit‘ titulieren läßt, – und was von dem am meisten von ihm ausgehenden jüngsten und vorhergehenden besonderen Gerichte, Fegefeuer und Hölle zu halten?! –

20. Ich sage euch, ebensoviel als von seiner Heiligkeit, von seinen ihm untergeordneten Eminenzen, vom Stuhle Petri in Rom, welche Stadt Petrus nie gesehen hat, und von den Kreuzpartikeln etwa desjenigen Kreuzes, auf dem Ich gekreuzigt wurde, das sich aus höchst weisen Gründen auf der ganzen Erde ebensowenig als echt irgend mehr vorfindet, als wie wenig Mein Leibrock, der zu Trier in Deutschland zu öfteren Malen gezeigt wurde, echt ist oder die Gebeine der Drei Könige zu Köln oder die drei eisernen Nägel in Mailand, da es deren in allen römischen und griechischen Kirchen zusammen eine solche Anzahl gibt, daß man mit ihnen eine Eisenbahn von nahe einer Meile Länge herstellen könnte.

21. Das Weitere könnt ihr euch wohl selbst denken, und Ich brauche euch darüber nicht viel mehr zu sagen. Daß man bis jetzt bereits über drei echte Köpfe Johannes des Täufers gefunden hat, wird euch mehr oder weniger bekannt sein sowie auch, daß man in der Grotte Meiner Geburt noch fortwährend versteinerte Milch Meiner Mutter Maria auffindet und um Geld an die frommen Pilger verkauft nebst vielen anderen heiligen Reliquien.

22. Haltet euch daher nur an den Evangelisten Johannes, denn dieses Evangelium sowie seine Offenbarung sind von seiner Hand geschrieben. Was aber die zwei andern Evangelisten betrifft, als den Matthäus und Lukas, so habe Ich euch schon gezeigt, welche Bewandtnis es mit diesen beiden und deren Evangelien hat. Nach Johannes ist Markus noch am meisten zu berücksichtigen, denn das, was er in aller Kürze gibt, hat er zumeist aus den Schriften und Lehren des Apostels Paulus geschöpft.

23. Und somit Schluß in puncto des allerschrecklichsten, am Ende aller Zeiten kommen sollenden jüngsten Gerichtstages Amen.

III. Jesus vierzig Tage in der Wüste. (Texterläuterung des Herrn.) – 20. März 1864.

01. Fortsetzung der Erklärung jener Verse, die schon seit lange her allen Gelehrten und auch vielen Theosophen vom besten Schrot und Korn ein Stein des Anstoßes waren.

02. Unter diese Verse, deren es besonders im Matthäus- und Lukas- Evangelium eine Menge gibt, gehören auch diejenigen, in denen die Rede ist, wie Ich vom Geiste in die Wüste geführt wurde, daselbst vierzig volle Tage und Nächte fastete und Mich endlich vom Teufel dreimal versuchen ließ, da es Mich schon sehr gehungert habe.

03. In naturmäßiger Hinsicht ist diese Erzählung ganz natürlich ein barster Unsinn, denn als ein purer Mensch kann niemand so lange ohne Speise und Trank verbleiben, da ein Viertel von solcher Zeit für jeden Menschen hinreichend wäre, das physische Leben einzubüßen. Ferner wird wohl jeder einsehen, ob man in einer wirklichen Wüste auch nur für den äußersten Notfall etwas zu essen und zu trinken bekommen könne! Man müßte sich höchstens mit hie und da vorkommendem dürrem Moose, verdorrten Distelstauden und dergleichen mehr begnügen und stundenlang gehen, bis man irgend ein faules Wasser anträfe, um sich den Durst zu stillen.

04. Es ist daraus ersichtlich, daß ein solches Fasten in natürlicher Hinsicht höchstens nur bei jenen Tieren stattfinden kann, die dem Winterschlafe unterworfen sind, nie aber bei Menschen, von denen niemand über acht Tage hinaus ohne Speise und Trank das physische Leben erhalten kann.

05. Man wird aber hier von einer gewissen zelotischen Seite her die Einwendung machen: Ich war aber nicht nur purer Mensch, sondern auch Gott zugleich, und die Gottheit in Mir habe Meinen Leib vollkommen gut vierzig Tage und Nächte ohne Speise und Trank am Leben erhalten können. – Ich aber sage dagegen: Wenn das der Fall war, so habe Ich nicht gefastet; denn die natürliche Speise hat auch nur von Gott aus verordnet die Kraft, den menschlichen Leib zu ernähren und zu erhalten. Ist das demnach nicht alles eins, ob jemand mittelbar oder unmittelbar durch die göttliche Kraft und Macht ernährt, erhalten und gekräftigt wird?! –

06. In Asien, namentlich in so manchen Grotten des hohen Indien, gibt es heutzutage noch eine eigentümliche Luftgattung, in welcher ein Mensch viele Wochen lang ohne Speise und Trank zubringen kann, man heißt sie daher auch die „Lebensgrotten“. Sie haben eine so stärkende und nährende Ausdünstung, daß diese den menschlichen Leibesorganismus ebensogut ernährt und erhält wie eine magere Speise und verhältnismäßiger Trank.

07. Diese Grotten, wie auch das sie umgebende Erdreich auf eine ziemlich sie umgebende Strecke, wurden und werden zum Teile noch für heilig gehalten und dienen vielen armen Menschen, die dahin wallfahrten, zur oft monatelangen Unterkunft; denn fürs erste werden sie in solchen Grotten genährt und besonders Kranke auf eine eigentümliche Weise gestärkt und dadurch wieder geheilt. Wenn oft die vorfindbaren Grotten nicht hinreichen, so werden in das vorbesagte Erdreich Gräber gemacht und die Kranken und Hungrigen da hineingelegt, manche in einer Art von durchlöcherten Särgen, die meisten jedoch ganz nackt, bloß den Kopf in ein Tuch eingehüllt, und darauf mit etwa einem Schuh hoch Erde überdeckt, wo sie dann in solch einem Grabe ebenfalls mehrere Wochen lang aushalten können und darauf, wie von einem magnetischen Fluidum gestärkt und von ihren mannigfachen Krankheiten geheilt, sich in ihre Heimat begeben können – natürlich unter Hinterlassung etwelcher kleiner Opfer an die diese Grotten und Gräber bewachenden Priester. Und fürs zweite ziehen solche genährte und geheilte Pilger als lebendige Zeugen von diesem Wunder, das sie in sehr lebendigen Farben zu schildern verstehen, gar leicht viele Fremde also an, daß diese dann mit größeren Schätzen beladen zu diesen Wundergrotten und Gräbern hin wallfahrten und den dortigen Priestern für die vor ihnen ausgeführten Proben ganz erkleckliche Summen Goldes und Silbers hinterlassen.

08. Jetzt geschieht erst die Frage: Woher nehmen denn diese Grotten und das sie umgebende Erdreich solchen Nährstoff? – Die Antwort wird für einen wissenschaftlichen Forscher sicher nicht schwer zu verstehen sein.

09. Das hohe Tibet ist im Besitze weithin gedehnter Reihen der höchsten Gebirge der ganzen Erdoberfläche. Diese vielen überaus hohen Gebirgs- respektive Gletscherspitzen ziehen denn auch fortwährend die stärkste Portion des elektromagnetischen Fluidums zum größten Teil vom Nord- und als Austausch auch vom Südpole an sich. Das elektromagnetische Fluidum vom Norden (als positiv) verbindet sich besonders in den schon mehr südlich gelegenen Teilen dieses großartigen Gebirgsstockes mit dem aus Süden herströmenden negativen Fluidum und bildet daselbst einen ganz eigentümlichen Lebensstoff, der oft so mächtig ist, daß von den Bäumen abgehauene Zweige auf das Erdreich gelegt gar nicht vertrocknen, sondern gleichfort grünen, in das Erdreich neue Wurzeln treiben und abermals zu Bäumen werden, aus welchem Grunde man in jenen Gegenden noch auf Höhen von 14000 Fuß über der Meeresoberfläche eine so üppige Gras- und Gesträuchvegetation findet, wie sonst auf der ganzen Erdoberfläche nirgends. –

10. Ich habe dieses Beispiel darum hierher gesetzt, um euch zu zeigen, daß es sich im tiefen und hohen Indoasien, in welchem doch auf Höhen von 5000 bis 8000 Fuß über der Meeresoberfläche die üppigsten Weingärten gebaut werden, wohl vierzig Tage und Nächte lang fasten ließe. Allein in einer Wüste, allenfalls des steinigen Arabien und besonders in der afrikanischen Wüste Sahara soll es jemand nur versuchen, vierzig Tage und Nächte zu fasten, und Ich stehe ihm dafür, daß er in dieser Zeit schon zu einer vollkommenen Mumie wird.

11. In der Gegend Galiläas wie auch Kanaans und Samarias gab es zu Meiner Zeit keine solche Wüste, in der man, um sich zu sättigen, nötig gehabt hätte, aus Steinen Brot zu machen. Und Ich als Gott und Mensch hätte, um Mich zu erhalten, wie schon gesagt, das nicht nötig gehabt; denn hätte Ich natürliche Speise zu der Zeit, wenn auch noch so mager, zu Mir genommen, da hätte Ich nach dem Begriffe der Zeloten nicht gefastet, – und hätte Ich Mich von der Gottheit in Mir wunderbar erhalten und kräftigen lassen, so hätte Ich ebensowenig gefastet wie die Pilger in den vorhin beschriebenen hochtibetanischen Grotten. Und es ist somit dieses Mein in dem wahren Pseudo-Matthäus beschriebene Fasten ebenso wie vieles andere ein gänzlich mißverstandener Griff, wie die am Ende dieser Fasten buchstäblich erzählte Versuchung des Teufels, die Ich aus irgendeinem Grunde über Mich hätte kommen lassen, – und Ich wüßte auch bei aller Meiner unendlichen Weisheit wahrlich nicht, aus welchem Grunde.

12. Denn was ist der Teufel oder der Satan? Es ist die tote Materie und die in sie gebundenen und dadurch oft eine überlange Zeit hin gerichteten Geister, die nirgends starrer und gerichteter sind als eben in einer Wüste, in der es stets am meisten des Todes und am wenigsten des Lebens gibt.

13. Wenn demnach aber der Teufel oder der Satan das ist, und Ich Selbst von Ewigkeit aus die höchste Liebe und Weisheit – aus welchem Grunde hätte Ich Mich denn sollen vom Satan auf eine solche Weise versuchen lassen, über die ein nur ein wenig heller denkender Mensch augenblicklich den Kopf schütteln muß? Ich hätte auch ohne seinen Rat Mir Brot und Trank verschaffen können, um damit Meine leibliche Person zu ernähren, da Ich doch so oft nachher imstande war, ein paar Male viele Tausende mit sehr wenigen Broten zu sättigen und gar viele Male die leeren Speisekammern der armen Gläubigen mit Brot, Mehl und dergleichen vollzupfropfen und ihre leeren Weinschläuche in ihren Kellern mit Wein zu füllen.

14. Und warum hätte Ich Mich sollen von dem Versucher auf die Zinne des Tempels zu Jerusalem stellen lassen? Es hätte zu diesem Zwecke ja irgendeine hohe Felsenwand auch gedient, wo Ich nicht von gar vielen Menschen, die stets um den Tempel waren, hätte gesehen und beobachtet werden können. Wäre Ich wirklich auf einer hervorragenden Zinne des Tempels gestanden, so hätte Mich sicher einer oder mehrere gefragt, wie Ich da hinaufgekommen sei und was Ich da oben machte und suchte, und man hätte Mich von dieser Stelle nicht gar zu leichten Kaufes in die Wüste wieder zurückziehen lassen, und es wäre von Jerusalem aus über ein solches Faktum sicher eine Notiz und von dieser eine Weitererzählung gemacht worden.

15. Am Ende wünscht der Teufel auf der Spitze eines hohen Berges, dessen Name der Evangelist nicht angibt – wahrscheinlich aus dem einfachen Grunde, weil der Sidonier das Innere Galiläas oder Kanaans zu wenig kannte und demnach auch irgendeinen dem Namen nach unbekannten Berg zu Leihe nahm, auf dem Ich als Besitzer der ganzen Unendlichkeit gestanden sein soll –, für die Beschenkung mit den Reichen dieser Erde, die in ihrem ganzen Bereiche für Mich ein völliges Nichts ist – die Anbetung; worauf Ich ihm dann erst das consilium abeundi gegeben habe.

16. Ja, es liegt an dieser, aber im Evangelium ganz mißgegriffenen und mißverstandenen Erzählung des wirklichen Evangelisten Matthäus wohl etwas, aber sie ist nicht im geringsten materiell.

17. Ich habe Mich von dem Hause Joseph als Mensch wirklich vierzig Tage lang entfernt und ging in die Nähe, allwo Johannes der Täufer bald hier und bald dort in der Gegend des Jordans seine Bußpredigten hielt; und Ich bereitete Mich auch in Meiner menschlichen Natur für das vor, was Ich effektiv bald danach antrat. – Daß Ich als Mensch bei dieser Gelegenheit nur ganz mäßig lebte, versteht sich von selbst, da Ich doch als Zimmermann nie ein Schwelger war.

18. Ich durchdrang mit Meinem Geiste nicht nur diese ganze Erde, sondern die gesamte unendliche materielle Schöpfung. Zu dem Behufe, wie es am ehesten und am leichtesten wäre, allen den in der Materie gefangenen Geistern die volle Freiwerdung ihres Ichs und die vollste Selbständigkeit ihres ganzen geregelten Wesens zu bewerkstelligen, habe Ich eben diese Prüfung in Verbindung Meines Leibes mit Meinem Geiste vorgenommen. Und sehet, es zeigten sich Mir Selbst in Mir drei vollkommene Möglichkeiten:

19. Die erste, darin bestehend, die ganze materielle Schöpfung in einem Momente aufzulösen und den darin gefangenen Geistern eine geschöpfliche Existenz zu geben, in welcher sie Mich wohl erkennen, aber Mir dennoch nie völlig ähnlich werden sollten.

20. Zweitens, sie in der Materie noch zu belassen auf eine kurze Zeit, aber sie dann auferstehen zu lassen ohne die vielen Stufenvorgänge; sie dann in gewisse Vereine abzuteilen und so fortbestehen zu lassen. Aber in diesem Falle hätten sie sich so gestaltig und geartet in ihren Vereinen, mit größerer Intelligenz begabt, leicht von den hohen Zinnen ihrer Erkenntnis hinabstürzen können, und Mir bliebe dann wieder eine zweite Gefangennehmung in eine gefestetere Materie als notwendig übrig.

21. Fürs dritte zeigte sich auch eine Möglichkeit darin, alle die gefangenen Geister wieder auf einmal zu erwecken und sie auf die Stufe der urgeschaffenen großen Geister, aber separiert, zu stellen. Dies hieße aber soviel, als sie dem Urhochmute preiszugeben, und es wären dadurch aus dem einen verlorenen Sohne zahllose Äonen geworden, die viel schwerer die wahre Heimkehr gefunden hätten. Und es blieb darum diese große Idee als untauglich von Mir hintangewiesen, und der Weg, nämlich daß Ich die Materie Selbst in Meiner vollen Göttlichkeit durchbräche und durchwandere, der für alle Ewigkeit angenommene und gültige, auf dem alle Kreatur zu ihrer vollsten Freiheit und Selbständigkeit, Mir ähnlich, gelangen kann. –

22. Und sehet, darin besteht geistig Mein Fasten und die von dem Evangelisten zu materielle Erzählung der Versuchung des Teufels an Meiner Person.

23. Also ist diese evangelische Sache auch anzunehmen, zu glauben und zu verstehen. Wer sie aber nach der materiellen Darstellung annimmt, der wird auf die Erklärung und das Verstehen schon im großen Jenseits warten müssen; und dergleichen zu warten Habende gibt es ohne ihre Schuld gar viele. Daher wird ihnen solches auch nicht als ein Übel angerechnet werden, sondern sie werden in einem helleren seelischen Zustande schon eines Besseren innewerden. Denn wie sollte man den vielen stockblinden Menschen das auch für ein Übel anrechnen, an dem sie nicht die geringste Schuld haben?

24. Es ergeben sich hier noch wie von selbst zwei leicht zu beantwortende Fragen.

25. Die erste: Warum habe Ich, als allwissender und allmächtiger Gott und Herr, es denn zugelassen, daß Mein reines, zu den Aposteln und sogar vielen andern Menschen gebrachte Wort von diesen und von so vielen Evangelisten nicht selten auf die widersprechendste Art überliefert wurde, und daß von Mir gar wenig Wahrnehmbares entgegen unternommen ward?

26. Diese Frage ist ebenso, als so man Mich fragte, warum Ich auf dieser Erde nicht lauter Weizen, Korn und Gerste und edle Obst- und Fruchtbäume habe aus dem Boden der Erde wachsen lassen. Ich glaube, diese Frage bedarf wohl keiner näheren Beantwortung, da schon seit langer Zeit die Menschen durch ihr Forschen die Erfahrung gemacht haben, daß es nicht ein Unkraut auf der ganzen Erde gibt, aus dem bei gerechter Anwendung nicht etwas Nützliches und Heilsames bereitet werden könnte. Die Apotheker und Ärzte werden das schier sicher am besten verstehen, daß man aus dem puren Weizen, Korn und Gerste kein Fieber heilen, keinen Ausschlag vertreiben und kein Bauchgrimmen stillen kann!

27. Wie es sich hier verhält, daß also alles seinen Nutzen und Zweck hat, so haben auch die vielen irr- und abergläubigen Menschen auf dieser Erde Nutz und Zweck. Denn wären gleich alle, schon wie sie auf die Welt kommen, einem Erzengel Raphael gleich erleuchtet, aber noch mit ihren trägen Leibern behaftet, so würde auch kein Mensch sich rühren, über etwas nachzudenken und bemüht sein, die reine Wahrheit zu suchen und zu finden. Es träte da bald eine allgemeine Lethargie ein, da kein Mensch dem andern etwas nützen oder schaden könnte. So aber werden die mit einem helleren Verstande begabten Menschen erst durch die dummen recht mit in den Eifer gesetzt, der Dummheit und der Finsternis, je mehr sich diese auszubreiten drohen, desto eifriger und energischer entgegenzutreten, und haben dann eine große Freude daran, so sie durch ihren Eifer eine Menge blinder Tölpel auf den Weg des Lichtes gebracht haben.

28. Und zu dem Behufe taugen dann auch die sich im materiellen oder Buchstabensinne widersprechenden Evangelien. Den reinen Geist enthalten sie dennoch, den ein jeder von Mir nur ein wenig Erleuchtete schon herausfinden kann.

29. Was aber die sogenannte gemeine Menschheit betrifft, die in ihrer blinden Einfalt den Kindern gleich auch einen messingnen Tantes für einen vollen Dukaten annimmt, so schadet ihr das nicht; denn ihr wißt ja, daß es in Meines Vaters Hause gar viele Wohnungen und Schulen gibt, in denen solche hier geistig verarmte Seelen zu einem rechten Lichte gelangen können und auch werden. Und darin liegt auch der Grund, warum Ich mit den sogenannten verstand-, vernunft- und sinnlosen Statthalterschaften Gottes auf dieser Erde Geduld habe und trage. Aber es hat hier dennoch alles seine Zeit und Dauer. Was heute noch blüht und besteht, kann morgen schon verdorren und vergehen! – Das wäre die Antwort auf die erste Frage.

30. Die zweite Frage aber besteht darin: Wie konnte Ich, als die höchste Weisheit von Ewigkeit, darin mit Mir Selbst gewisserart einen Mich Selbst versuchenden Rat halten, auf welche Art und Weise alle in der Materie gebundenen Geister auf das zweckdienlichste in ihre Freiheit und Selbständigkeit übergehen könnten? –

31. Nun, diese Frage scheint freilich schwieriger zu beantworten zu sein, denn die erste. Allein Ich aber sage: Sollte denn Ich als das ewig höchst weiseste Wesen nicht auch zuweilen Mir das Vergnügen gönnen, bei gar großen und wichtigen Schöpfungsangelegenheiten mit Meiner inwendigen Liebe ein wenig zu beraten, wie dies oder jenes besser und zweckdienlicher wäre? Solche Beratung ist für Mich eine erhöhte Seligkeit, so wie auch für alle Mir ähnlichen höchst weisen Engelsgeister in der ganzen Unendlichkeit! – Dienet ein tieferes Nachdenken über einen hochwichtigen Gegenstand ja einem guten und weisen Menschen dieser Erde schon zu einem großen ihn beseligenden Vergnügen, warum sollte dann Ich – als der Urschöpfer aller zahllosen Gedanken und Wünsche in den Menschen und Engeln – des Vergnügens, göttlich zu denken, gänzlich entbehren?

32. Ich hätte auf der Erde alles auch so einrichten können, daß die Früchte, die da erst nach und nach reif werden, schon reif gleich dem Regen, Hagel und Schnee auf die Erde fielen gleichwie dereinst das Manna für die Israeliten in der Wüste, oder daß sie wenigstens auf den Bäumen und Gesträuchen von heute bis morgen reif werden. Ich aber meine, daß es eben auch nach Meinem Ratschlusse also alles am besten auf dieser Erde eingerichtet ist, wie es eben eingerichtet ist. Und die Menschen haben am Ende über einen blühenden Baum eine ebenso große Freude wie über einen schon mit reifer Frucht behangenen.

33. Es gleichen derlei Fragen, die hie und da mit der Zeit irgend ein hochweiser Gelehrter aufwerfen könnte, so ziemlich derjenigen Frage der alten absurden Weltweisen, die da die hochwichtige Frage aufwarfen: Was die Gottheit eher erschaffen habe, das Ei oder die Henne? Denn ohne das Ei könne weder ein Hahn noch eine Henne auf die Welt gekommen sein, und ohne die Henne und einen Hahn aber könnte kein befruchtetes Ei in die Welt gesetzt werden! – Ich aber sage da: Ob zur Geburt einer Zentral- oder andern Sonne oder einer Erde auch ein vorhergehendes Ei notwendig war? Wer sonach diese großen Dinge aus Sich hervorrufen kann, Dem wird von der hohen Gelehrtheit der Menschen dieser Welt aus erlaubt sein, entweder die Eier oder die Hühner mit dem Hahn zuerst ins Dasein zu rufen.

34. Das erste Menschenpaar bedurfte auch keines Eies, um aus demselben hervorzukriechen. Der Mensch ward von Mir so wie jede andere Kreatur sogleich vollkommen in die materielle Welt gesetzt, und zwar mit der alsogleichen Verleihung der nachherigen Fortpflanzungsfähigkeit, welcher Akt ein viel natürlicherer ist, als daß Ich auf der Erde zuvor lauter Eier gelegt hätte, aus denen dann aller Art Kreaturen durch die Sonnenhitze ausgeheckt würden.

35. Ich meine, mit dem werdet ihr auch über die zweite Frage im reinen sein; und somit nichts mehr Weiteres über Mein vierzigtägiges und nächtliches Fasten und über Meine Teufelsversuchung in der Wüste. Somit gut für jetzt, und nächstens wieder einen andern mit dem reinen Verstande und der reinen Vernunft nicht übereinstimmenden Text aus den Evangelien. Amen.

22. März 1864

36. Eine Anmerkung. Zu der im Evangelium vorkommenden Versuchung des Teufels in der Wüste, auf der Zinne des Tempels und auf der Spitze eines hohen Berges diene noch Folgendes zur gänzlichen Erkenntnis dieser für alle Welt mystischen Angelegenheit, die aber nicht in der naturmäßigen, sondern bloß nur in der geistigen Welt zu nehmen und zu verstehen ist.

37. In jener Zeit von vierzig Tagen der Vorbereitung zu Meinem Lehramte ließ Ich es zu, daß an einem oder dem andern Tage allerlei gute und auch schlechte Seelen verstorbener Menschen sich Mir nahen und ihre Anliegen vorbringen konnten.

38. Da kam gegen das Ende denn auch eine Seele aus der Urzeit zu Mir. Sie war einst ein gar arger und böser Herrscher und stellte Mir die bekannten Worte, die im Evangelium aufgezeichnet sind, und stellte Mich eben im Geiste auf die bekannten drei Punkte.

39. Darum sagte Ich dieser noch sehr armen Seele, die einst auch auf der Erde als Mensch gewandelt und gehandelt hatte: Der Mensch lebt nicht allein vom Brote, sondern auch von jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt. – Und auf der Zinne des Tempels, eben auch nur im Geiste: Du sollst Gott allein dienen und Ihn nicht also versuchen, wie du Ihn einst als Mensch auf der Welt versucht hast. – Und auf der Spitze des Berges, wo der Geist dieses bösen Königs alle Reiche zu geben versprach, über welche er einst zu gebieten hatte, so Ich ihm eine göttliche Verehrung gäbe, darauf Ich ihn dann von Mir hinwegschaffte. Denn es war der Geist oder die Seele dieses Königs eine ganz ähnliche, wie da war der Geist oder die Seele des babylonischen Königs Nebukadnezar, der das, was er in seinem Namen beurkundete, von seinem Volke auch bei Lebensstrafe verlangte. Sein Name aber besagte: Es gibt außer mir keinen Gott! Mich müßt ihr anbeten und als euren Gott mit kostbaren Opfern höchst verehren. – Daß Ich dem Nebukadnezar ein ganz seltsames Consilium abeundi gab, braucht ihr nur in der Schrift nachzuschlagen und nachzulesen.

40. Ein solcher Mensch oder Geist verdient auch nichts Besseres mehr als das apage Satanas – unter dieser Gestalt nie mehr vor Mein Angesicht zu kommen.

41. Diese kurze Anmerkung mag euch noch als berichtigende Erklärung zu Meinem vierzigtägigen und nächtlichen Fasten in der Wüste und zu der teuflischen Versucherei dienen. Und nun möget ihr mit einem andern evangelischen Widerspruche zum Vorscheine kommen. Ich werde ihn berichtigen.

IV. Backenstreich und Mantel. (Texterläuterung des Herrn.) – 21. März 1864, von 10 1/2 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags.

.a01. Was das 5. Kapitel und den 39. Vers (Matthäus) betrifft, worin es heißt, daß sie nicht widerstreben sollen dem Übel, sondern so jemand jemandem einen Backenstreich gäbe, so solle er ihn nicht vergelten mit einem Gegenbackenstreich, und Vers 40: „So jemand rechten will mit dir um deinen Rock, da gebe ihm lieber auch noch den Mantel dazuö, ist folgendes zu bemerken:

.a02. So jemand nur ein wenig helleren Denkens ist, so wird er das wohl auf den ersten Blick einsehen, daß dieses von Mir Gesagte nicht von fernhin dem materiellen Sinne nach seine Anwendung finden soll und finden kann; denn Ich habe dieses zwar gesagt bei einer Gelegenheit, als man Mich fragte, ob des Moses Anordnung durch Meine pure Liebespredigt aufgehoben sei. Ich aber sagte: „Ich hebe kein Jota vom Gesetze Mosis auf und erfülle es insoweit, als es die Liebe in sich enthält. Es ist wohl wahr, daß zu den Alten durch Moses ist gesagt worden: ‚Auge um Auge und Zahn um Zahn, und wer einen totschlägt, der solle auch wieder durch den Tod bestraft werden‘; aber unter euch, Meinen Jüngern, soll es anders sein!“

.a03. Und ebenda habe Ich das Beispiel von dem Backenstreiche und von dem Streit über den rechtmäßigen Besitz eines Rockes gegeben, was freilich wohl nicht ganz richtig niedergeschrieben wurde und mit der nachweiligen Übersetzung von der hebräischen Sprache in die griechische, von der in die römische und lange darauf von den drei genannten Sprachen erst in die deutsche, die in der Übersetzungszeit noch sehr wortarm war und für manchen Ausdruck in den drei Sprachen nicht ein Wort hatte, um ihn richtig zu geben, übernommen wurde.

.a04. Und es sollen demnach diese Verse genauer also lauten: „So du mit einem Bruder oder Nachbarn einer kleinen Sache wegen in einen Streit geraten bist und er schlagheftig dir entgegentrat, so werde du nicht noch heftiger, sondern reiche ihm freundlich die Hand und vergleiche dich im Frieden mit ihm, auf daß die alte Freundschaft unter euch wieder belebt werde!“

.a05. Darin ist also von einer Ohrfeige keine Rede. Ebendadurch hätte Ich ja dem Stärkeren ein Recht eingeräumt, seinem schwächeren Bruder oder Nachbarn, sooft es ihm beliebt hätte, nicht nur mit einem, sondern mit zwei Backenstreichen aufzuwarten. Und ebenso verhält sich die Sache auch mit dem Rechten um einen Rock. Um aber dieses Rechten eines Rockes wegen richtiger zu verstehen, muß man in den jüdischen Haussitten und Gebräuchen eine wenigstens halbwegs genügende Kenntnis haben.

.a06. Es war unter ihnen von alters her Sitte und Gebrauchsform: So jemand zu einer Zeit, da er gewöhnlich kein Geld hatte und auch keine verkaufbaren Haustiere, aber dennoch eines Rockes oder Mantels oder beider Kleidungsstücke zugleich bedurfte, so ging er zu einem oder dem andern Kleidermacher seiner Gemeinde oder Ortes hin, stellte ihm seine Lage vor und bestimmte ihm den Zahlungstermin.

.a07. Nun geschah es aber sehr häufig, daß so mancher seinen Zahlungstermin entweder nicht einhalten konnte oder gar oft auch nicht wollte. Und der Rock- und Mantelsteller war zwar verpflichtet, noch bis zu einem nächsten – zweiten, ja sogar bis zum dritten und letzten Termin, aber gegen ein kleines Interesse, zu warten, bis endlich der dritte und letzte Termin verflossen. Nach dem dritten Termin hatte der Rock- und Mantelsteller das Recht, das Bedungene von dem zu verlangen, dem er den Mantel und Rock gestellt hatte; und da ging es vor einem Richter oft nicht selten sehr hitzig her. Der Rocksteller wollte sein Bedungenes; der Besitzer des Rockes und des Mantels aber brachte allerlei Gründe vor, nach denen er auch nach dem abgelaufenen dritten Termin seinen Gläubiger nicht befriedigen könne.

.a08. Für diesen Fall bestand bei den Juden ein Gesetz, daß im Falle einer wirklichen Zahlungsunfähigkeit die Gemeinde verpflichtet war, den Kleidungssteller zu entschädigen und ihn dadurch erwerbsfähig zu erhalten. Sie hatte dafür aber das Recht, mit der Zeit sich an dem zahlungsunfähigen Gemeinde-Insassen zu entschädigen, so sie gewahr wurde, daß dieser zahlungsfähig geworden ist, was aber unter zehn solcher Schuldner oft kaum einer werden wollte und für seine permanente Zahlungsunfähigkeit allerlei Gründe vor die Gemeinde zu bringen verstand.

.a09. Dadurch kam es oft zu jahrelangen Streitigkeiten in einer solchen Gemeinde, und Ich wurde einmal darüber befragt, was da Rechtens wäre, um solchen Übeln zu begegnen. Und da eben sagte Ich: Das beste und wirksamste Mittel bestehe darin, erstens nach dem Gesetze Mosis vollkommen redlich und ehrlich sein, nach dem niemand etwas begehren oder verlangen solle, was seines Nächsten ist. Da es sich aber um das Rechten eines Rockes wegen handelt, so möge das für den Schuldner und den Gläubiger gelten: zum wenigsten ein- bis zweimal lieber den Rock – und am Ende auch noch den Mantel hinzu – zu lassen, als die ganze Gemeinde in viele unnütze Streitigkeiten und Zwistigkeiten zu verleiten.

.a10. Nun, wer das weiß, wird Mir unmöglich Unrecht geben können, daß Ich solchen Rat erteilt habe, damit für die Folge Friede und Einigkeit unter ihnen erhalten werde. Der Evangelist hat aber an und für sich solches, da ihm das Schreiben schon etwas lästig geworden ist, mit so wenig Worten als möglich wiedergeben wollen, um sich Zeit und Mühe zu ersparen; denn das Schreiben ging in jener Zeit nicht so hurtig vor sich, sondern nur sehr mühsam und langsam. Und zu einer solchen Schreibseite, die gegenwärtig ein nur mäßig fertiger Schreiber in der Zeit von 20 bis 30 Minuten niedergeschrieben hat, brauchte ein l'Rabbas in Sidon, ein Lukas in Jerusalem und ein Theophilus zu Athen, Korinth oder Syrakus, wo er sich oft zeitweilig aufhielt, bei allem Fleiße mindestens acht Tage; denn entweder mußte er seine Buchstaben mit stählernem Griffel in dazu eigens verfertigte harte Steinplatten eingraben, oder er mußte sie mit einem feinen Malerpinsel auf Pergament förmlich hinmalen.

.a11. Für den geübten Maler oder Schreiber mit einem Pinsel ging es mit dem Aufzeichnen der Buchstaben freilich um etwas geschwinder, aber auch nicht um ein sehr bedeutendes als mit dem alten Griffel. Und das war denn auch der Grund, warum sich die Schreiber zu Meiner Zeit so kurz faßten. Und ein l'Rabbas, bis er sein letztes, d.i. fünfzehntes Evangelium auf dem Pergamente vor sich hatte, benötigte zu solch einer Arbeit nahe an fünfundzwanzig Jahre, und er war dabei noch sehr fleißig und eifrig. Daß dann derlei Schreiber sich so kurz als möglich faßten, nur die Hauptworte gewisserart berührten und die Nebensachen zur Erklärung der Hauptbegriffe wegließen, wird euch nun begreiflich sein.

.a12. Aber, fragt da schon leichtlich jemand: Moses und auch andere Propheten aus der Vorzeit haben doch ausgedehnte Bücher geschrieben; wie lange hat denn hernach Moses gebraucht, um nur die bekannten fünf Bücher zu schreiben mit Hinweglassung des 6. und 7. Buches nebst einem bedeutenden prophetischen Anhange?

.a13. Da sage Ich euch darauf, daß nach seiner damaligen Schrift alle die von ihm geschriebenen Bücher dem ganzen Volumen nach nicht mehr ausmachten, als ein Evangelium des Johannes von Mir, denn Moses schrieb noch in der ihm wohlbekannten ägyptischen Hieroglyphenschrift. Und erst in der Zeit der Richter, die in dieser Schrift noch wohlbewandert waren sowie in deren Entsprechungen, wurden die Bücher Mosis mit den althebräischen Lettern aufs Pergament gebracht, das man in der alten Stadt Pergamus wohl zu bereiten verstand.

.a14. Aber selbst diese Schrift war den meisten zu Meiner Zeit lebenden Juden unverständlich, weil die Vokale zwischen den Konsonanten nicht vorkamen; und man fand sich genötigt, eine neue Abschrift zu machen, an der sich die sogenannten alten Schriftgelehrten über zweihundert Jahre lang beteiligten. Der Name Schriftgelehrter rührte denn auch daher, nicht als ob er den rechten Sinn der Schrift verstünde, in welchem Stücke die meisten Schriftgelehrten samt den Pharisäern die pursten Schafsköpfe waren, sondern weil sie die alte vokallose Schrift aus den Zeiten der Richter lesen konnten. Daher es euch auch nicht Wunder nehmen sollte, daß es zwischen Mir und solchen Schriftgelehrten stets zu einem Wortkampfe kam, an dem sie ihrer erwiesenen Blindheit halber kein Wohlgefallen hatten. Mit dem werden die beiden obigen fraglichen Texte begreiflich genug dargetan.

„Ich bin nicht gekommen, euch den Frieden dieser Welt zu geben.“ (Texterläuterung des Herrn.)

.b01. Aber nun kommt das 10. Kapitel mit dem 34., 35., 36. Verse (Matth.), allwo es heißt:

.b02. „Ihr sollt nicht wähnen, daß Ich gekommen sei, Frieden auf Erden zu streuen. Ich bin nicht gekommen, euch den Frieden dieser Welt zu geben, sondern das Schwert zum Kampfe. Denn Ich bin nur gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater, die Tochter wider ihre Mutter und die Schnur wider ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“

.b03. Wer diese drei Verse buchstäblich nimmt, die noch dazu sehr mangelhaft übersetzt sind, der kommt notwendig in ein Labyrinth von Irrtümern, aus denen er auch mit dem Lichte einer Urzentralsonne nicht herauskommen kann. Denn wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich, lehre und begehre Ich alle erdenkliche Nachgiebigkeit, Friedlichkeit und Freundlichkeit unter den Menschen; und Moses selbst lehrt in seinem vierten Gebote aus Meinem Munde: „Ehre und achte und liebe Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden.“

.b04. Wie könnte Ich dann allem dem schnurstracks entgegen eine Lehre aufgestellt haben, nach der der Sohn mit seinem Vater, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schnur mit ihrer Schwieger usw. mit dem Schwerte in der Hand in fortwährendem Unfrieden, in einem Hause noch dazu, miteinander leben sollten! –

.b05. Um diese Texte, die ursprünglich richtig von Mir sind, zu verstehen und sie als Meine Lehre zu würdigen, muß man zuerst wissen, bei welcher Gelegenheit Ich sie ausgesprochen habe und wie infolge einer richtigen Übersetzung.

.b06. Die Gelegenheit war, als Ich in einem Orte Galiläas das Volk lehrte die Pflichten, die sie Gott und sich selbst untereinander schuldig seien. Und Ich sagte zu ihnen: „Ich lehre euch nichts anderes, als was Mich Mein Vater von Ewigkeit her gelehret hat, von dem ihr zwar auch saget, daß Er euer Vater sei, den ihr aber dennoch nicht erkennet und noch nie erkannt habt. Denn würdet ihr Ihn kennen, so würdet ihr auch Mich kennen, da Mich dieser Vater zu euch gesandt hat.“

.b07. Sie sagten: „Was machest du aus dir selbst; sind wir nicht Kinder Abrahams und sagte Gott nicht zu Abraham, daß wir alle, die von ihm abstammen, Seine Kinder sind?“

.b08. Da aber wurde Ich erregt und sagte: „Ihr sollet ja nach der Abstammung von Abraham Gottes Kinder sein; aber ihr seid es schon lange nicht mehr, sondern euer Vater ist der Satan, eure Mutter ist die Legion von allen Teufeln, und eurer Schnur Schwieger ist eure kaum ermeßbare Blindheit, Trägheit und Bosheit. Und diese größten Menschenfeinde sind eure eigenen Hausgenossen! – Und wer aus euch wieder zur wahren Kindschaft Gottes gelangen will, der ergreife das Schwert der Wahrheit, die Ich zu euch rede, und kämpfe so lange wider solche seine Hausgenossen, bis er sie besiegt hat.“

.b09. Da fragte freilich das Häuflein Pharisäer und Schriftgelehrte, wie Ich es wagen könne, sie für Kinder des Satans, aller Teufel und ihrer eigenen Blindheit, Trägheit und Bosheit zu erklären, indem sie erwiesenermaßen alle aus dem Stamme Levi abstammten!

.b10. Ich aber sagte: „Dem Fleische nach wohl, aber dem Geiste nach seid ihr nicht dem Levi gleich von Oben her, von wo auch Ich her bin, sondern von unten her; darum ihr Mich denn auch verkennet, hasset und verfolget.“

.b11. Aus dem wird jedem einleuchtend sein und besonders einem tüchtigen und wohlbewanderten der hebräischen Schrift Kundigen, daß Ich diese von dem Pseudo-Evangelisten Matthäus oder besser von dem euch schon bekannt gegebenen l'Rabbas in Sidon aufgeschriebenen drei euch auffallenden Verse im 10. Kapitel eben nur bei der Gelegenheit ausgesprochen habe, die Ich euch soeben bekanntgab, und wörtlich in der Weise, wie Ich sie euch nun wiedergegeben habe. Denn jene in der Übersetzung, die ihr als ganz widersprechend mit Meinem Geiste aus dem Evangelisten herausgehoben habt, würden ja selbstverständlich Meine Hauptlehre von der Nächstenliebe, wie auch das Gesetz Mosis schnurstracks zunichte machen. –

.b12. Wer aus euch allen, so er nur einen Funken Glauben an Mich und Meine Lehre besitzt, kann es Mir zumuten, daß Ich heute auf das heiligste allen Menschen ans Herz legte, Gott über alles zu lieben und zu erkennen und seinen Nächsten wie sich selbst, und morgen mit einem andern Gebote käme und sagte: Hasset und verfolget euch gegenseitig nach Möglichkeit mit dem Schwerte in der Hand. – Ich meine, daß man solch einen Lehrer aus dem Reiche der Barbaren offenbar in eine starke Sicherheitsanstalt zu bringen genötigt finden müßte, da so ein Lehrer doch offenbar ins Tollhaus gehörte.

.b13. Und da Ich euch noch diese Texte im rechten und wahren Geiste erklärt habe, so werdet ihr doch einsehen, daß Ich dadurch nicht im geringsten Meiner göttlichen Weisheit widerstrebt habe und somit auch kein Tollhäusler bin, als was Mich schon so manche Schriftsteller der neuen Zeit erklärt haben, was Mich aber dennoch mit keinem Grimme wider sie erfüllt, sondern Ich vergebe es ihnen, weil sie wirklich nicht wissen, was sie tun. Und somit über diese fraglichen Verse gut für jetzt. Amen.

„Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch ...“ (Texterläuterung des Herrn.) – 22. März 1864, von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags.

.a01. Schreibe: Was da betrifft den 16. und 17. Vers des 10. Kapitels aus dem Evangelium Matthäi, so ist darüber schon im von Mir diktierten Werke ‚Johannes‘ nicht nur einmal, sondern schon mehrere Male die Rede gewesen. Dessenungeachtet will Ich euch darüber eine nähere Erklärung geben.

.a02. Ich sagte dieses schon zu den Aposteln, als Ich sie zum ersten Male vor Mir hin ausgesandt habe, und das schon in Meinem ersten Lehrjahre, in welcher Zeit die Menschen im allgemeinen noch wenig von Mir Selbst wußten. In Galiläa wohl hie und da, in Samaria auch, aber in der Gegend Jerusalems wußte man noch wenig von Mir, und wer auch etwas wußte, hielt die Sache aus Furcht vor den Pharisäern so geheim als möglich bei sich. Und darum sagte Ich zu den von Mir nur auf eine kurze Zeit vorausgesandten Aposteln:

.a03. „Sehet, Ich sende euch nun wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen, dabei aber doch ohne Falsch gleich den Tauben. Hütet euch vor den gewissen hohen Weltmenschen, denn diese sind es, die euch wo möglich zu verderben trachten werden. Kommet ihr in eine Stadt, wo ihr derlei Menschen antreffen werdet, da bleibet nicht, sondern ziehet alsbald von dannen und schüttelt noch den Staub von euren Füßen über selbe Stadt zurück. Denn verfolgen sie Mich, wie euch bekannt ist, als den Herrn, um wieviel mehr werden sie das euch tun; geben sie Mir den Namen Beelzebub, so werden sie euch nicht als Engel Gottes begrüßen.

.a04. So Ich euch zum zweiten Male aussenden werde in alle Welt, so werdet ihr um Meines Namens willen alle mögliche Verfolgung zu erleiden haben, und man wird euch den Gerichten überantworten. Allein fürchtet euch niemals vor denen, die wohl den Leib töten, aber der Seele weiter keinen Schaden zufügen können. Und so man euch in den Gerichten examinieren wird, so fürchtet nicht, wie und was ihr antworten werdet; denn es wird euch also die Antwort in den Mund gelegt werden, gegen die die Richter nichts werden einzuwenden vermögen. –

.a05. Ich sage es aber, es wird Mein Wort noch lange nicht zu allen Menschen gekommen sein, bis Ich wieder unter euch treten werde und richten das Volk, das sich Mir und euch allzeit feindlich entgegenzusetzen bemüht war.“

.a06. Mit dem ist zuerst die Weissagung auf den Untergang Jerusalems gerichtet und für spätere Zeiten auf alles wie immer geartete Heidentum der Hure Babels.

.a07. Hier fragten Mich die etwas eingeschüchterten Jünger respektive Apostel, ob sie auch schon diesmal vor die Gerichte von allerlei Machthabern gezogen würden. Und Ich sagte ihnen: „Diesmal werdet ihr wenig mit den Feinden des Lichtes zu tun bekommen. Aber wenn Ich dereinst leiblich diese Erde werde verlassen haben, so werdet ihr um Meines Namens willen namentlich von den Juden und ihren Priestern viel zu erdulden bekommen.

.a08. Allein denket allzeit, daß Ich euch niemals allein lassen werde, und Ich werde euch auch zuvor die Kraft und Macht erteilen, euch im höchsten Notfalle gegen Meine und eure Feinde auf das kräftigste verteidigen zu können. Und die Wölfe, unter die Ich euch senden werde, wie Ich euch auch jetzt sende, werden euch wenig oder nichts anhaben können, so ihr wahrhaft in Meinem Namen klug sein werdet gleich den Schlangen, dabei aber jedoch ohne Falsch gleich den Tauben.

.a09. Ihr werdet auf Schlangen, Skorpionen und Salamandern einhergehen, und sie werden euch nicht schaden können, und so man euch Gift zu trinken geben wird, so wird es keine Wirkung haben. – Dieses zu eurem Troste! – Verlasset euch allzeit auf Mich, und Ich werde also auch euch niemals verlassen, sondern im Geiste bei euch verbleiben mit aller Meiner Liebe, Weisheit, Macht und Kraft, was für euch die größte und wirksamste Hilfe sein wird gegen einen jeden wie immer gearteten Feind.“

.a10. Darauf zogen dann Meine Apostel paar-und-paarweise nach verschiedenen Richtungen hin und predigten Meinen Namen und wie das Reich Gottes nahe zu den Menschen gekommen ist. In das Gebiet von Jerusalem aber kamen sie nicht, wohl aber in das Gebiet von Sidon, Tyrus und Joppe, Galiläa, und ein paar drangen sogar bis nach Syrien vor.

.a11. Es dauerte aber diese ihre Aussandtschaft von Mir eben nicht gar zu lange. Als Ich bei Meinen einzelnen Wanderungen nach Kis zu Kisjonah kam und daselbst nach einigen Tagen Meines Dortseins in Gesellschaft dieses Meines Freundes und mehrerer seiner Hausgenossen einen ziemlich hohen Berg bestieg, so ließ Ich auf bekannt wunderbare Weise alle Meine zwölf ausgesandten Apostel durch Meine unsichtbaren Diener durch die Luft auf diesen Berg bringen, auf welchem Ich Mich befand, und ließ Mir von ihnen so manches erzählen. Und sehet, sie erzählten Mir, daß sie bei allen Teilen gut ausgekommen seien, und daß sie bloß an einem Orte einen besessenen Knaben angetroffen hätten, dessen böse Geister ihrer Aufforderung keine Folge leisteten.

.a12. Also beschwerten sie sich auch über den euch schon bekannten Johannes in Samaria, der aus freiem Antriebe Meinen Namen und Meine in Samaria vernommene Lehre predigte und in Meinem Namen auch Wunder wirkte; und Ich fragte sie dann, ob er für Mich oder wider Mich sei. Und sie sagten: Für Dich! – und Ich sagte dann: Da lassen wir ihn ungestört wirken.

.a13. Dieser Johannes ist ebenderselbe, der später in Damaskus derart wirkungsreich Mein Wort und Meinen Namen predigte, daß er in dieser großen Weltstadt viele Tausende zu Mir bekehrte und Paulus – vormals Saulus – noch im Dienste der Pharisäer stehend, es für nötig fand, sich mit einer Rotte nach Damaskus zu begeben, um auch daselbst die Christen auf die grausamste Art zu verfolgen.

.a14. Allein, da habe Ich Mich Selbst ihm entgegengestellt und habe ihn, wie euch bekannt, derart umgewandelt, daß er schon zwei Tage darauf einer Meiner allereifrigsten Apostel wurde und er selbst in dieser Hinsicht auf die Ausbreitung Meiner Lehre, namentlich unter den Heiden, ein mehreres und entschiedeneres wirkte, denn alle andern zwölf Apostel und deren viele Jünger – die zwar wohl in viele der bekannten Reiche der Erde sich verfügten, aber wenig leisteten, selbst im großen Judenlande, wo sie durch zwölf Jahre nach Mir Gemeinden stifteten wie zu Laodicea, Sardes, Tyrus, Smyrna und noch andere. Aber diese Gemeinden entfernten sich schon in kurzer Zeit so weit in den Grundprinzipien von Meiner Lehre, daß Ich dann notwendigerweise durch Johannes in seiner Offenbarung die meisten als vollends verwerflich darstellen mußte.

.a15. Petrus selbst, bevor er noch von Jerusalem abzog, wo er sich besonders im Hause des Lazarus oder im Hause des Nikodemus oder dem des Joseph von Arimathea aufzuhalten pflegte, fand sich genötigt, eben in Jerusalem eine sogenannte Kirchenversammlung zu halten, in der er an diese Gemeinden hinausschrieb, was sie teilweise als noch Juden und teilweise als Christen strenge zu beobachten hätten – welche Kirchenversammlung durch den Evangelisten Lukas auch ganz kurz berührt ist und auch wenig Früchte trug, – worüber wieder bei einer Zusammenkunft Paulus dem Petrus ganz scharfe Vorwürfe machte, da er mit den Juden noch vollkommen ein Jude sein wollte und auf ihre Satzungen, die Ich aufgehoben habe, einen zu großen Wert legte und den an Mich gläubigen Juden das Gewissen erschwerte, – so er sich aber allein unter den Heiden befand, über die von Mir aufgehobenen Gebräuche und Sitten der Juden schmähte und mit ihnen hielt.

.a16. Aus diesem Grunde berief Ich ihn (Petrus) hernach Selbst, daß er sich zum römischen Obersten Cornelius verfügen solle, weil dieser es wünsche, um ihn sowie auch seine ganze Familie in Meinem Namen zu taufen und sie dadurch zu befähigen in Meinem Geiste, als in ihnen wirkend, zu Mir zu kommen.

.a17. Petrus ging, und als er beim Hause des Cornelius ankam, das in der Mitte eines großen Gartens stand, da hungerte es ihn sehr, und er bat Mich, daß Ich ihn für sein bevorstehendes Amt auch dem Leibe nach stärken möchte. Und sehet, Ich entsandte für Petrus sichtbar einen Engel aus dem Himmel, der ihm, in einem weißen Tuche eingewickelt, Speisen brachte, deren Genuß den Juden verboten war. Petrus sagte darauf, als er die Speisen besah: Herr! Das sind ja lauter den Juden verbotene unreine Speisen, wie kann ich sie zu mir nehmen? – Ich aber sagte zu ihm: „Was Ich gereinigt habe, das ist auch für die Juden rein; daher esse sie, und dann gehe hin und verrichte, was dir aufgetragen ist!“

.a18. Petrus verzehrte darauf die unreinen Speisen und ging sodann zu Cornelius, allwo er wieder gegen Mich darum etwas unwillig wurde, weil Ich Selbst unterdessen die Taufe an Cornelius und seiner Familie verübt hatte und Petrus sie alle im Besitze des heiligen Geistes antraf.

V. Über die Zeit der Auferstehung des Herrn. (Texterläuterung des Herrn.)

[HiG.03_64.03.22.b] Über die fraglichen Punkte über die Zeit Meiner Auferstehung diene euch Folgendes zur vollgültigen Aufklärung:

.b01. Fürs erste sprach Ich schon vorher zu öfteren Malen zu Meinen Aposteln und Jüngern: daß Ich am dritten Tage – und nicht erst nach vollends vorübergegangenen drei Tagen – aus eigener Macht also auferstehen werde, wie Ich auch die Macht habe, das Leben des Leibes freiwillig von Mir zu lassen, auf daß alle Kreatur zur Seligkeit gelangen könne.

.b02. Was diese Varianten in der Angabe der Evangelisten betrifft, so basieren sie alle auf demselben Grunde, auf welchem die euch schon erklärten andern Widersprüche basieren. Was Johannes spricht, ist allein vollkommen richtig.

.b03. Es wäre auch ebenso vollkommen richtig, was die andern Evangelisten und Apostel über diese Angelegenheit gesprochen haben; doch mit dem echten Evangelium Matthäi wisset ihr schon, was es mit demselben für eine Bewandtnis hat.

.b04. Der Pseudo-Evangelist Matthäus war zwar ein vollkommen ehrlicher und Wahrheit suchender Mann und war höchst eifrig im Forschen nach der Wahrheit dessen, was da geschah, ungefähr zwanzig Jahre früher, bis er sein Evangelium zusammenzustellen und zu schreiben anfing. In dieser Zeit war im ganzen Judenlande kein Apostel von Mir mehr anzutreffen, obschon es an anderen Zeugen für diese Zeit nicht sonderlich fehlte.

.b05. Wie es aber bei solchen Gelegenheiten schon zu gehen pflegt, so wußten gar viele Menschen aus all den vielen Orten, die Ich besuchte, Verschiedenes von Mir zu erzählen; gewöhnlich aber nur das, was sie selbst in ihren Orten von Mir gesehen, gehört und erlebt haben. Und so ist es denn auch begreiflich, daß es einem l'Rabbas wie auch vielen andern Evangelisten selbst beim redlichsten Willen unmöglich war, über alles von Mir Getane, Gelehrte und an Mir Dargebrachte ins vollkommen klare zu kommen.

.b06. Ja, wird man hier fragen: Warum habe denn nicht Ich Selbst solche Menschen heller erleuchtet, auf daß sie dann imstande gewesen wären, nur die vollkommen reine Wahrheit auf das Pergament zu bringen?

.b07. Ich aber sage, daß Ich bei ganz ehrlichen Menschen, die dieses Bestreben hatten, es an dem auch nie habe fehlen lassen. Was aber später die schon sehr selbstsüchtig gewordene Welt aus solchen ehrlichen Überlieferungen gemacht hat, dafür kann Ich nicht, da ein jeder Mensch seinen vollkommen freien Willen hat. Daß Ich es aber nie an Sichtungen habe fehlen lassen, zeigen euch seit – sozusagen schon von Meiner Zeit an alle die großen und kleinen Versammlungen, denen durch Meinen Geist die Aufgabe gestellt war, die eingeschlichene Lüge von der Wahrheit zu scheiden und sie zu verwerfen vor der ganzen Gemeinde. Obschon aber das Unkraut allerorten unter dem Weizen wucherte, so gelang es ihm doch nicht, dasselbe völlig zu vertilgen. Und so geschehen auch in dieser Zeit wie hier und auch anderorts gar gewaltige Sichtungen, und der Feind der Wahrheit wird gegen sie nichts mehr auszurichten imstande sein.

.b08. Ich baue daher nun großartige Dämme gegen jede Flut der Lüge und stelle den wahren Felsen Petri auf, den die Pforten der Hölle nicht überwinden werden.

.b09. Es wird zwar noch viel des Streitens und Kämpfens auf dieser Erde unter den Menschen vorkommen, bei welchen Streitigkeiten und Kämpfen die Lüge gleichfort das kürzere ziehen wird, und das so lange hin, bis für eine ganze Fuhre Heu, aus lauter Unkraut bestehend, kein Mensch mehr auch nur einen Heller bieten wird. Und jedermann wird an den Strahlen des wahren Lichtes aus den Himmeln seine höchste Freude haben.

.b10. Was ferner noch die geistige Erklärung über die Art Meiner Auferstehung betrifft, so ist diese schon seit lange her von Mir gegeben sowie auch, wie es ein jeder Mensch mit der Dreieinigkeit zu nehmen und zu halten hat. Was die Erweckung des Lazarus betrifft, so werde Ich davon im Verlaufe der weiteren Mitteilungen im Evangelium Johannes sprechen wie auch über gar manches andere.

.b11. Man stellt zwar jetzt von einer gewissen gelehrten Seite die Behauptung auf, daß das Evangelium Johannis nicht von seiner Hand geschrieben sei. Ich aber sage es, daß es von seiner Hand geschrieben ist. Freilich, solange er als Apostel mit Mir herumreiste, verfaßte er nur Bruchstücke, indem er das Denkwürdigste aufzeichnete. Aber in seiner sogenannten Verbannung auf der Insel Patmos – die für ihn aber durchaus keine Verbannung war, indem ihn durch diesen Akt nur ein redlicher und machthabender Römer der Verfolgungswut der Juden entzogen hatte – konnte er in der euch schon aus dem Evangelium Johannes bekannten Veste des Griechen Cado, der zeitweilig auch in Jericho lebte, an der Seite der Maria unbeanstandet sein Evangelium in eine rechte Ordnung bringen und gab darin für die Nachwelt soviel kund, als sie zu ihrer Beseligung nötig hat. Von allem andern aber sagte er am Ende, daß Ich noch gar vieles getan und gelehrt habe, was nicht in diesem Buche geschrieben ist, und würde jemand das in die Bücher schreiben, so würde solches die Welt nicht fassen. Und mit dieser triftigen Bemerkung schloß er sein Evangelium – nahe gerade um die Zeit, als Jerusalem von den Römern zerstört wurde, worauf Johannes noch eine geraume Zeit lebte und seine Gesichte unter dem Titel ‚Offenbarung Johannis‘ aufs Pergament brachte.

.b12. Bei dieser Gelegenheit wurde er wohl zu öfteren Malen von einem ihm über die Maßen geneigten Freunde im Schreiben unterstützt, da er in dieser Zeit schon über hundert Jahre Alters zählte. Dieser sein Freund führte auch den Namen Johannes, den er sich aber von Johannes bei der Gelegenheit geben ließ, als der Evangelist ihn taufte und Meinen Geist über ihn ausgoß; denn von Geburt war dieser Johannesfreund ein Grieche und führte natürlich auch einen ganz anderen Namen, an dem für uns wenig oder nichts gelegen ist, weil er durchgehend keine historische Berühmtheit war, obschon er zu der Dienerschaft des Griechen Cado gehörte.

.b13. Wer da Zeit und Vermögen besitzen würde, könnte sich noch heutigentags von dem Aufenthalt des Johannes im Südosten dieser asiatisch-griechischen Halbinsel überzeugen, welche Halbinsel aber zur Zeit der Flut des Meeres nahe ganz eine vollkommene Insel darstellt, indem sie nur durch eine äußerst schmale felsenriffige Landzunge mit dem Festlande Asiens zusammenhängt.

.b14. Und so wissen wir nun auch das, wie es sich mit dem Johannes der Wahrheit nach verhält; er ist, er war und bleibt Mein Liebling, und wer nach seinem Evangelium lebt und handelt, wird von Mir aus ihm gleich gehalten werden.

.b15. So für euch in den Evangelien noch irgend etwas scheinbar Widersprechendes sich findet oder sich vorfinden sollte, so wendet euch darob an Mich, und Ich werde es euch erklären, so wie Ich es euch bis jetzt liebewillig erklärt habe. Ich meine aber, daß ihr darin nicht viel Anstößiges mehr finden werdet; denn vieles ist bereits schon im ‚Johannes‘ erklärt, und das am meisten für alle Gelehrten dieser Welt Anstößige kann Ich euch jetzt erklären.

.b16. Ich werde aber in dieser Zeit noch ganz kuriose Weltgelehrte über Mich losziehen lassen. Ich mache euch darum darauf aufmerksam, auf daß ihr euch an ihren Schriften nicht stoßen sollet, so sie euch zu Gesichte kommen werden; denn Ich lasse solches zu, um der heidnischen Pfafferei allseitig ein Ende zu machen. Denn wenn ihr Salvator mundi zunichte gemacht wird, was werden sie selbst dann sein und ihre kirchlichen Einrichtungen? Am Ende nichts Weiteres mehr als sich zahlen lassende Totengräber; und bei denen wird es dann gelten: Lasset den Toten durch die Toten begraben, ihr Lebendigen aber folget Mir nach! Amen.

VI. Drei Fragen über Schrifttexte. (Texterläuterung des Herrn.) – 1. April 1864.

00. Über die drei Anstände:

00. Über den Walfisch des Propheten Jona,

00. über den Menschen ohne hochzeitliches Kleid bei dem von Mir veranstalteten Gastmahle, und

00. über den flüchtigen Jüngling bei der Gelegenheit Meiner Gefangennehmung am Ölberg im Garten Gethsemane.

Über den Walfisch des Propheten Jona

.a01. Was den Walfisch betrifft, so hat es damit seine naturhistorische als auch geistige Richtigkeit; denn es muß da sowohl das eine wie das andere richtig sein, da ohne diese Richtigkeit oder ohne die naturhistorische Unterlage das Geistige keine Entsprechung hätte.

.a02. Um aber den naturmäßigen Teil zu verstehen, muß man wissen, daß es in jener Zeit, besonders in dem Mittelmeere, eine Art Riesenfische gegeben hat, die von einigen, namentlich den Ägyptern, den Namen Leviathan und bei den Altgriechen zu den Zeiten des bekannten Schriftstellers Herodot den Namen Phalos hatten. Diese Fischgattung, von welcher auch im Buche Hiob die Rede ist, ist bald nach dem Durchbruche des Meeres (bei Gibraltar) gänzlich aus diesem Meere verschwunden und dann im Atlantischen Ozean durch dessen gewaltige Meeresströmungen nach Süden hin verschleppt worden, wo sie dann zum größten Teil in den kalten Gewässern gleich andern großen Festlandstieren vollends zugrunde gegangen ist.

.a03. Sie hatten fürs erste einen ungeheuer großen Rachen, welcher mit ihrem ebenso großen Magen durch eine weite Öffnung verbunden war. Sie hatten keine Zähne, auch keine Zunge, aber dafür gleich den heutigen Nordwalfischen eine große Anzahl Finnen, die bei einem vollkommen ausgewachsenen Phalos nicht selten eine Länge von zwei bis drei Klaftern hatten und dem Riesenfische dazu dienten, wozu dem Elefanten sein Rüssel.

.a04. Sie ergriffen mit diesen Finnen ihre Nährbeute und schoben sie ganz unbeschädigt in ihren großen Magen hinein, der kein Wasser enthielt, sondern an den inneren Wänden eine Art Saft ausschwitzte, der nach einigen Tagen die in diesem Magen noch lebende Fraßbeute aufzulösen begann und sie nach und nach völlig zerstörte.

.a05. Zur Fluchtergreifung dieses Riesenfisches, der auch ein Säugetier war und lebendige Junge zur Welt warf und gleich dem gegenwärtig nördlichen Walfische atmen und sich häufig auf der Meeresoberfläche erhalten mußte, um nicht zu ersticken, diente die große Menge von auch sehr riesigen Haifischen, die früher im Nordmittelmeere lebten, sich aber beim Durchbruch der euch schon bekannten Deukalischen Landenge, aus der demnach die jetzige Meerenge von Konstantinopel und der Dardanellen entstanden ist, in dem gegenwärtigen Mittelländischen Meere eingebürgert haben. Diese großartigen Meereshechte fingen an, eine starke Jagd auf die großen Phalosse zu machen, bissen ihnen die Finnen ab und auch die andern nicht unbedeutenden Extremitäten, zu denen besonders die großen Brüste gehörten wie auch die zu beiden Seiten dieser Brüste riesigen, einer Menschenhand nicht unähnlichen Schwimmflossen.

.a06. Diese Extremitäten konnten die Haifische zu ihrer Nahrung recht gut brauchen, und die Phalosse ergriffen denn auch stets mehr und mehr die Flucht und gehörten im Mittelmeer stets mehr und mehr zu einer seltenen Erscheinung, und zu Jonas Zeit waren in dem genannten Meere kaum mehr ein paar hundert Stück noch zu Hause. Und Jonas, als er bei sehr unruhig gewordenem Meere über Bord geworfen wurde, hatte noch – durch Meine Zulassung – das Glück, von einem solchen Phalos verschlungen zu werden und darauf drei Tage in dem Magen des Fisches zuzubringen. Und Ich ließ es ferner aber auch zu, daß eben dieser Phalos, von einem Haifische verfolgt, seine Zuflucht zu dem niedrigen asiatischen Ufer nahm und bei dieser Gelegenheit sich seiner im Magen liegenden Speise entledigte – was eine Eigenschaft dieser Riesenfische war, so sie ans Land stiegen, wenn sie im Wasser eine große Gefahr witterten oder um ihre Jungen, die sie gewöhnlich an einem seichten Meeresufer hegten und pflegten, gewisserart zu besuchen und sie mit Nahrung entweder aus ihren Brüsten oder auch mit einer schon im Magen befindlichen, aber noch lebenden Fraßbeute zu versehen. Denn sie ließen ihre Jungen nicht eher in das tiefere Meer, als bis diese die gewisse Größe, Kraft und Stärke erreicht hatten.

.a07. Bei dieser Gelegenheit kam denn auch unser Jonas an die asiatische Küste, und als er von dem Phalos aus dem vorangezeigten Grunde an das seichte Ufer ausgespien wurde, da raffte er sich schnell zusammen, floh vollends ans Land, wohin ihn weder der alte Phalos noch eines von seinen vier Jungen weiter verfolgen konnten.

.a08. Da habt ihr also die natürliche Sache dargestellt, wie sie zu jener Zeit war – und jetzt und auch seit gar lange her nicht mehr ist.

.a09. In den vormaligen Museen, besonders zu Alexandria, fanden sich noch Überreste von Rippen dieses einstigen Riesenfisches vor, sind aber in der späteren Zeit ebenso wie die Bücher von den Sarazenen zerstört worden. Etliche wenige Stücke befinden sich aber noch heutigentags in London wie auch in Paris, und man hält sie für Gerippe von einstigen überaus riesigen entweder Land- oder Wassertieren. Man hält sie jedoch mehr für aus dem Wasserreiche herstammend, weil man sie gewöhnlich hie und da an den sandigen Strecken in der Nähe des Meeres auffindet. Eine Hauptrippe eines solch ausgewachsenen Phalos hatte nicht selten eine Länge von fünf bis sieben Klaftern und eine Schwere von zwanzig bis dreißig Zentnern. Gegenwärtig ist, wie gesagt, diese Riesenfischgattung gleich den anderen großen Landtieren gänzlich ausgestorben, und es findet sich seit nahe dreitausend Jahren kein lebendes Stück mehr vor.

.a10. Man verstehe unter diesem Phalos oder Leviathan ja etwa nicht den gewissen Kraken, der dann und wann im Altantischen Ozean – besonders in der Gegend, in der vor der allgemeinen, euch bekanntgegebenen Flutung die Inselreihe Westafrikas bis an die östliche Spitze des heutigen Brasilien in einer ziemlich geraden Linie sich hinzog und wo sich heutzutage noch in dieser Richtung große und weitgedehnte Sandbänke vorfinden – zum Vorschein kommt und kleineren Schiffen nicht selten gefährlich wird.

.a11. Dieser Krake ist durchaus kein Fisch, sondern nur ein großartigster Meerespolyp, der sich aus den im Meere befindlichen Sandbänken und ihrem Schlammgehalte gleich den Photos marinos entwickelt und so lange am Grunde des Meeres festsitzt, bis er durch irgendeine unterseeische Meereseruption an die Oberfläche des Meeres gebracht wird und dann nicht selten einer schwimmenden kleinen Insel gleicht.

.a12. Mit dem nach der Bibel schwer zu glaubenden Walfische des Mittelländischen Meeres wären wir somit zu Ende. Alles Weitere über diesen Propheten kann jeder in der Bibel finden. – Und so gehen wir nun zu dem Menschen ohne hochzeitliches Kleid beim Gastmahle über.

Der Mensch ohne hochzeitliches Kleid (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)

.b01. Der Gastgeber bin natürlich Ich Selbst, und die Speisen dieses Gastmahles bestehen in Meiner Lehre. Die Menschen in den Gassen und an den Zäunen sind jene, die Meine Lehre angenommen und auch befolgt haben und darum auch mit einem geistigen Hochzeitskleide angetan sind.

.b02. Unter dem einen aber, der kein Hochzeitskleid anhatte, werden verstanden die Juden und Pharisäer, die zum Scheine an Meiner Lehre auch teilnahmen, aber nicht ihrer Besserung wegen, sondern daß sie Mich nur ausspionierten, um daraus einen Grund zu formulieren, Mich zu einem Verbrecher vor Gott und der menschlichen Obrigkeit darzustellen und dann ihre Rache an Mir auszuüben.

.b03. Ich als der Gastgeber aber habe solch einen Spion doch etwa gar sicher nur zu bald erkannt, mit andern Worten: Ich habe die scheinheilige Pharisäerschaft nur zu bald bis in ihre innerste schlechte Wurzel durchschaut und habe sie bei jeder Gelegenheit, wo sie sich zu Meiner Mahlzeit einschleichen wollte, schnell ergreifen und in die äußerste Finsternis ihrer eigenen Herzensnacht hinauswerfen lassen.

.b04. Den Hauptbezug hat dieses Bild auf die Zerstörung Jerusalems und die Verstoßung der Juden unter alle Völker der Erde, da sie bis zur Stunde (1864) fürs erste kein eigenes Land, keinen eigenen König und somit auch keine Heimat haben und allenthalben, wo sie sich immer aufhalten, verfolgt und mißachtet werden. Und diese Juden stellen demnach sämtlich jenen Menschen dar, der zu Meiner Mahlzeit erschien und kein hochzeitliches Kleid anhatte.

.b05. Und fürs zweite: es hatte auch der, der als Bild in die äußerste Finsternis hinausgestoßen wurde, in der er sich bis zur Stunde noch immer befindet, hie und da wohl auch den Schein eines Christen erheuchelt, um bei dieser Gelegenheit sich dem Christen anheischig zu machen und von ihm Materielles zu gewinnen.

.b06. Da wir nun wissen, wie wir mit dem hochzeitlosen Gaste an Meiner Tafel daran sind, so wollen wir noch dem bei der Gelegenheit Meiner Gefangennehmung im Garten Gethsemane die Flucht ergreifenden Jünglinge eine kleine Aufmerksamkeit schenken.

Über den flüchtigen Jüngling (VI. Drei Fragen über Schrifttexte.)

.c01. Dieser Vorfall wird auch nur in aller Kürze von dem Evangelisten Markus berührt, hätte aber auch wohl ganz gut ohne Schaden für sein Evangelium wegbleiben können, indem er nahe gar keinen moralischen Wert hat.

.c02. Um aber dieses wirkliche Faktum und dessen Grund näher zu verstehen, muß man wissen, daß sich zu jener Meiner Zeit ein gewisses Kollegium von jungen Menschen zusammengerottet hatte, die einerseits das Pharisäertum verachteten und ihre Wunder auf taschenspielerische Art ganz getreulich nachzumachen verstanden und nicht selten in gewissen Zirkeln ihresgleichen Produktionen machten, durch die sie das Pharisäertum als sehr lächerlich darstellten, und die anderseits sich bei den Römern, die das gerne sahen, beliebt machten und daher eine geheime Protektion besaßen, die Frömmelei und Wundertäterei der Pharisäer besonders im Angesichte der Römer und Griechen ungestraft ins Lächerliche zu ziehen.

.c03. Bei einem solchen Klub befand sich denn auch ein Jüngling, der Mich einige Male in Jerusalem angehört und beobachtet hatte und an Meiner Lehre und an Meinen Taten ein besonderes, ernstes Wohlgefallen fand und mit seinen Kollegen darin nicht übereinstimmen wollte, als diese auch versuchten, durch allerlei Mittel Meine Wundertaten nachzuahmen. Dieser Jüngling verwies ihnen solches und zeigte ihnen, daß Meine Lehre und Meine Taten von einem ganz andern Geiste herrühren als die der dummen und blinden Pharisäer. Seine Kollegen aber lachten ihn darüber aus und sagten zu ihm bei mehreren Gelegenheiten: Wenn der galiläische Wundertäter nicht irgend unter einer besonderen Protektion der Römer steht, so wird er der Rache der Templer so wenig entgehen, als wir derselben entgehen würden, so wir nicht die Römer und Griechen zu unseren sicheren Beschützern hätten.

.c04. Und sehet, diese Jünglinge nun paßten sehr darauf, bis Ich wieder nach Jerusalem käme, um zu sehen, was da mit Mir geschehen würde nach der ihnen wohlbekannten Mir geschworenen Rache von seiten der Templer. Als Ich zu der euch wohlbekannten Zeit nach Jerusalem kam, daselbst verraten und durch Meine eigene Zulassung gefangengenommen und den strengen Gerichten überantwortet wurde, da war denn dieser Jünglingsklub auch, wennschon etwas von ferne, gegenwärtig. Und als dieser wohl merkte, was mit Mir vor sich ging, holten einige aus diesem Klub auch den einen Mir zugetanen Jüngling, der sich in einem benachbarten Hause schon zur Ruhe begeben wollte, zogen ihn herbei, um ihm zu zeigen, wie mit Mir ihre Voraussage und Behauptung eingetroffen sei.

.c05. Als der herbeigezogene Jüngling, der in der Eile nur ein Leintuch von seinem Bett um den Leib gehängt hatte, solches an Mir geschehen sah und dabei auch der Meinung war, daß seine Kollegen ihn etwa auch den Juden zur Bestrafung ausliefern möchten, da riß er aus und lief, was er nur laufen konnte, und verbarg sich in der Nacht vor seinen Kollegen, von denen er der Meinung war, daß sie ihn verfolgen würden, was sie aber ihres eigenen Heiles willen nicht taten und auch nicht leichtlich getan hätten.

.c06. Da habt ihr den eigentlichen, ganz leicht mit Händen zu greifenden Grund der Erscheinung, deren der Evangelist Erwähnung macht, die aber an und für sich gar nichts besagt als nur, daß dieser Jüngling zum Teil aus Furcht vor seinen Kollegen und zum größten Teil aber aus Furcht vor der übergroßen Rachsucht der Pharisäer sein Heil in der Flucht suchte; doch später, als er von Meiner Auferstehung Kunde erhielt, wieder ein fester Anhänger Meiner Lehre wurde, sich aber dennoch in Jerusalem nicht aufhielt, sondern zu den Essäern überging, denen er zuerst die Kunde überbrachte, was mit Mir geschehen sei.

.c07. Diese sandten darauf selbst Boten nach Jerusalem, die sich allergründlichst zu erkundigen hatten, was mit Mir vorgefallen sei. Sie erhielten davon denn auch bald die Kunde, da von Jerusalem bis in die halbarabische Gegend des heutigen Suez eben keine zu weite Strecke war, die bei sehr mäßigem Fortschreiten in drei Tagen zurückgelegt werden konnte.

.c08. Als die Essäer auf diesem Wege die volle Bestätigung von dem erhielten, so säumten sie auch keinen Augenblick, diese Kunde dem römischen Oberstatthalter Cyrenius nach Tyrus zu hinterbringen, bei welcher Mission auch unser Jüngling beteiligt war. Cyrenius hatte diese ganze Gesandtschaft sehr gut aufgenommen und behielt den Jüngling an seinem Hofe, der dem alten Greise vieles von dem zu erzählen wußte, was er selbst von Mir gesehen und gehört hatte.

.c09. Dieses erfüllte den Cyrenius wie auch später seinen Bruder Cornelius mit einer allerbittersten Rache gegen alle jüdische Priesterschaft, so daß beide einen Schwur machten, alles mögliche beizutragen, diese Tat an Mir an allen Erzjuden auf das unerbittlichste zu ahnden.

.c10. Pilatus, der Landpfleger in Jerusalem, hatte dadurch auch bald das Consilium abeundi von Jerusalem bekommen, durfte nicht einmal mehr völlig nach Rom zurückkehren, sondern er mußte seine Heimat in der Nähe des heutigen Neapel und zwar in einer Klause unweit von dem untergegangenen Pompeji aufrichten, wo man noch heutzutage einen in Felsen gehauenen Gang mit der Aufschrift „Behausung des Pontius Pilatus“ aufgefunden hat und in einer ziemlich tiefen in den Felsen eingehauenen Nische, die man vermauert antraf, mehrere Schriften, die auf Mich Bezug hatten und sich gegenwärtig in einer Bibliothek von Neapel befinden, aber kaum brauchbar sind, weil sie in einem halbverkohlten Zustande angetroffen wurden.

.c11. Das war sonach die erste Rache des Cyrenius, die er an Pilatus nahm. Die zweite geschah an Kaiphas, als dieser nach der bestimmten Zeit die Hohepriesterschaft ablegen und einem andern überlassen mußte, da ein Hoherpriester nur auf drei Jahre sein hohes Amt bekleiden durfte. Diesem Kaiphas wurden schon im Verlaufe von wenigen Jahren alle seine vielen Güter um Jerusalem weggenommen und an die Römer verkauft, und er mußte am Ende seine Zuflucht an den Grenzen der arabischen Wüste suchen und nahm selbst ein elendes Ende.

.c12. Was die andern Pharisäer betrifft, so wurden sie dem neuen Landpfleger zur strengsten Aufsicht anempfohlen, was er denn auch nicht sparte. Und dieser tat das um so lieber, da er aus der bekannten Familie Agricola herstammte und auch bei seinen Unterschriften diesen Namen führte, obschon er sonst Antonius hieß.

.c13. Daß dieser neue Landpfleger auch dem Herodes Antipas alle erdenklichen Prügel unter die Füße zu werfen verstand, beweist sich schon daraus, daß er nur zu bald so viele Römer und Griechen nach Palästina zu locken verstand, daß dadurch die Einkünfte des Herodes sehr geschmälert wurden und er sich am Ende genötigt fand, seine letzte Zeit in einem starken Kastell am Mittelländischen Meere zuzubringen, indem er sich in Jerusalem nicht mehr völlig sicher fühlte.

.c14. Diesem Landpfleger stand auch der bekannte Hauptmann Pelagius, der über viele Städte auf dem Aurangebirge zu gebieten hatte, mit allen Hilfsmitteln zu Gebote und noch mehr der Oberst Cornelius, der über ganz Galiläa und einen großen Teil von Syrien bis nach Damaskus hin zu gebieten hatte.

.c15. Die beiden Brüder Cyrenius und Cornelius hätten ihrer Rache noch mehr Luft gemacht, so Ich ihnen nicht bald nach Meiner Auferstehung persönlich erschienen wäre und sie davon abgehalten hätte, indem Ich ihnen haarklein im voraus gesagt habe, daß ihr Vorhaben an Jerusalem und im ganzen Gelobten Lande schon in vierzig Jahren vor sich gehen werde, und zwar eben auch durch die Macht der Römer.

.c16. Wie den beiden genannten Römern erschien Ich gar vielen nach Meiner Auferstehung und hielt sie von einer zu strengen Rachenahme an den Juden und Pharisäern ab; und hätte Ich das nicht getan, so wäre in kurzer Zeit nach Mir in diesem Lande ein Blutbad angerichtet worden, wie es die Menschheit noch nie gesehen hatte.

.c17. Den bewußten Jüngling, den Ich bei Cyrenius antraf, aber segnete Ich und machte ihn Meines Geistes teilhaftig. Und er ward darauf auch ein tüchtiger Jünger in Meinem Namen, ging wieder zu den Essäern und breitete von dort aus über einen großen Teil Nordafrikas Meine Lehre aus und zeichnete sich besonders durch ein liebreiches Leben aus und wirkte viele Zeichen in Meinem Namen.

.c18. Das Eigentümliche von ihm aber war, daß er keinen persönlichen Namen annehmen wollte. Sein Titel war: „Allerunwürdigster Knecht des Allerhöchstwürdigsten Gott-Meisters“. Auch gab er sich zuweilen den Namen „Der Knecht der Knechte“, welchen Titel sich auch die alten, von Karthago aus nach Rom übersiedelten sogenannten Kirchenväter sowie nach ihnen auch zum Teil die Päpste beilegten, aber der Tat nach nie beobachteten.

.c19. Markus wußte das wohl, aber er machte davon keine weitere Erwähnung, denn er begnügte sich mit dem, daß er diesen Jüngling bloß einfach anführte, wie er die Flucht ergriff.

.c20. Das Weitere, was ihr von diesem Jünglinge wissen wollt, erzählte er (Markus) mündlich; daher auch verschiedene mündliche Überlieferungen darüber, wer dieser Jüngling sein mochte, besonders in der römischen Kirche gang und gäbe wurden, darunter eine der allerdümmsten jene war und zum Teil noch ist, danach man aus diesem Jünglinge den Apostel Johannes zu machen bemüht war. Und nun wißt ihr auch von diesem Jünglinge das Sicherste und Wichtigste. Und somit begnüget euch mit dem allem in Meinem Namen Amen.

Das Tausendjährige Reich. – 26. März 1864.

01. Ich habe dafür gesorgt, sorge jetzt und werde auch künftig sorgen, daß Ich als der allein wahre Christus bei den Menschen zur wahren inneren Lebensgeltung gelangen werde, wie Ich schon jetzt vielseitig dazu gelangt bin, und werde Mich fürderhin von keiner Macht mehr aus Meinem Lichtfelde vertreiben lassen. Und das wird sein der wahre Fels, den die Macht der Hölle nicht überwinden wird. Ich werde sein der Eckstein, den die vielen Bauleute nach kreuz und quer verworfen haben. Wehe dem, der sich an diesem Eckstein stoßen wird, der wird zerschellen wie ein zerbrechlicher Topf; über den aber der Eckstein herfallen wird, der wird zu Staub und Asche zermalmt werden! Und mit dem wird da kommen Mein bis jetzt ganz mißverstandenes Tausendjähriges Reich.

02. Denn wer besonders die Gestalt der alten arabischen Ziffern nur mit einiger Aufmerksamkeit betrachtet, der wird in ihrer Gestalt auf dem Wege der Entsprechung ganz etwas anderes ersehen, als nur die tausend Einheiten bei der Zahl Tausend, sondern wie Ich sagte, ganz etwas anderes.

03. Die Zahl 1000 stellt mit ihrem Einser Mich in der menschlichen Persönlichkeit dar; und die drei auf den Einser folgenden Nullen stellen Mich in der Fülle Meiner göttlichen Dreifaltigkeit dar. Und so ist der Ausdruck „Tausend Jahre“ dahin zu verstehen, daß die Zahl 1000 Mich Selbst in der Fülle Meiner Göttlichkeit entsprechend darstellt (Jesus – Jehova – Zebaoth Immanuel). Das Wort „Jahr“ aber stellt die Zeit vor, in welcher Ich bis ans Ende an der Spitze der Herrschaft verbleiben werde und zum Teile Selbst und zum Teile aber durch viele Meiner neu erweckten Knechte die Völker dieser Erde leiten und führen werde. Sie (die Menschen in solch gesegneter Periode) werden zwar auch ihre Freiheitslebensprobe durchzumachen haben, so wie jetzt, und werden mit der Materie viel zu kämpfen haben. Aber nach überstandenen Kämpfen werden sie mit dem Kleide der Unsterblichkeit angetan werden; und ihr stehet sonach in der großen Übergangszeit.

04. Wohl jedem, der solches in seinem Herzen gläubig annimmt und sich nicht ärgert wegen der vielen nun in dieser Welt vorkommenden Teufeleien, denn sie werden nicht lange währen, – denn Ich werde sie Meiner Auserwählten wegen sehr abkürzen, und sie werden darob Mich loben und sehr frohlocken. Ich werde darum gerechte Herrscher oder Länderbeglücker nicht von ihren Thronen verstoßen, sondern sie mit Meinem Geiste erfüllen, und es wird dadurch Eine Herde und Ein Hirte sein, auf daß alles in Erfüllung gehe, was Ich bei Meiner irdischen Lebenszeit den Menschen geweissagt habe.

05. Ich aber werde stehen an der großen Eingangspforte zum ewigen Leben und werde allen zurufen: „Kommet alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch alle erquicken; euer von Mir euch auferlegtes Joch solle fürder gar sanft und Meine Bürde sehr leicht werden!“ – Das gebe Ich als euer lieber Herr und Vater hiermit euch kund und zu wissen. Amen.

Die Lage der Orte in Palästina, die im Evangelium Johannes und im Alten Testament genannt sind. – 29. März 1864.

Schreiber: Leopold Cantily.

01. Da du Mich schon einige Male gefragt hast, ob die Ortsnamen und auch ihre Lage also gestellt sind, wie sie einige Reisebeschreiber und Landkartenfabrikanten angeben und namentlich in dem grünen Büchlein, in dem du eben täglich einige Zeit liesest, vorkommen, – da muß Ich dir alsogleich das bemerken, daß von Meiner Zeit her nahe nicht ein Ort irgendmehr sich vorfindet, den Meine Füße und die Meiner Apostel betreten haben, und das im ganzen Judenlande – und haben nun die Orte und Ortschaften Namen, was für welche sie wollen. Denn viele Orte sind von den vielen späteren Heiden, die in diese Ländereien drangen, derart zertreten worden, daß nun niemand mehr nur von fernehin sagen kann, siehe dies ist der Ort, an dem der Herr dies und jenes im Beisein Seiner Apostel gelehrt und getan hat.

02. Das einzige – Bethlehem – befindet sich noch so ziemlich an derselben Stelle, und über das Tal herüber auf einem Berge die einstige von Mir beschriebene Burg Davids, von der aber auch nur hie und da noch einige lockere Steine vorhanden sind. In dieser Zeit steht an der Stelle ein Kloster mit einer Kirche, dessen braunbekuttete Inwohner sich wohl darauf verstehen, die frommen Pilger gegen Geld mit allerlei Reliquien zu beteilen.

03. Was die Lage Jerusalems betrifft, so ist nicht mehr als ein Achtel von der Stelle, wo einst das große Jerusalem stand, als wahr anzunehmen. Von dem Orte Bethania ist keine allerleiseste Spur mehr anzutreffen. Auf dem Ölberge steht noch eine kleine Behausung mit einigen Ruinen, was man nun Bethania nennt. Zu Meiner Zeit hieß bei einigen Juden die dem Lazarus gehörige Behausung und Herberge auf dem Ölberge Klein-Bethania, welche Ortschaft aber früher den Namen Bethphage führte. Also ist auch von Emmaus bei Jerusalem keine Spur mehr vorhanden.

04. Wie sehr sich die Ortslage Jerusalems verändert hat, beweist das, daß nun der Ölberg – der jetzt auch schon eine ganz andere Gestalt hat, als er sie damals gehabt hatte – sich jetzt beinahe ganz im Osten von dem neuen türkischen Jerusalem befindet, während sich das alte Jerusalem zum größten Teile mehr östlich als westlich vom Ölberge befand.

05. Es hat in einer ziemlich geraumen Zeit nach Mir ein morgenländisch römischer Kaiser namens Justinianus den Juden die Erlaubnis und sogar den Befehl erteilt, das Jerusalem samt dem Tempel, von dem sie die Grundsteine sicher noch finden würden, ebenso wieder aufzubauen, wie es zu Meiner Zeit erbaut war. Da begab sich aus allen Gegenden eine große Anzahl sehr wohlhabender Juden mit vielen Bauleuten und Arbeitern an die Stelle des vormaligen Jerusalem und wollten da alles wieder aufzubauen anfangen, wo sie die sicheren Spuren vom Stande des einstigen Jerusalem auffanden. Sie wurden aber von einem in dieser Gegend lebenden frommen Manne, der nach der Lehre des Apostels Philippus lebte und das Evangelium predigte, nach der Weissagung eines Propheten gewarnt, ihr Vorhaben stehenzulassen, da sie, so sie seinen Worten keine Folge leisteten, sicher sehr übel bedient werden würden.

06. Sie aber verlachten diesen Propheten und fingen an allen Orten, wo sie Spuren des alten Jerusalem antrafen, zu graben und den Schutt wegzuräumen an. Und siehe, kaum einen halben Tag dauerte diese Arbeit, da entstand ein übermäßig starkes Erdbeben, und bald darauf brach aus dem Innern der Erde über die ganze Stelle des alten Jerusalem ein vulkanartig heftiges Feuer aus und zerstörte eben den wichtigsten Teil des alten Jerusalem derart, daß wahrlich nicht ein Stein und irgend ein Fels unzerstört blieb. Steine und Felsen wurden zu einer Art Schotter zermalmt und von der Stelle stundenweit hintangeworfen, welche Stätte noch heutigentags wie eine Wüste aussieht und daher niemand vermuten kann, daß an dieser Stelle einst das alte Jerusalem gestanden hat. Bei Gelegenheit des Ausbruchs dieses vulkanartigen Feuers sind viele Tausende von arbeitenden Menschen zugrunde gegangen.

07. Dieses Wunder wurde durch diejenigen, die sich durch jähe Flucht retteten, in Rom dem Kaiser bekanntgegeben und beschworen, daß es richtig so geschehen sei. Er glaubte dieses Wunder, aber nach zwei Jahren wollte er dennoch an dieser Stelle ein großartiges Denkmal errichten, um durch dasselbe den Nachkommen anzuzeigen, an welcher Stelle sich einst das große Jerusalem befunden habe.

08. Es kamen wieder Bauleute und Bildhauer an die Stelle von Jerusalem und fingen an, sich einen Platz auszusuchen, der für solch ein Monument der tauglichste wäre. Sie fanden einen solchen Platz und fingen an, den Grund zu graben. Allein es erging ihnen nicht viel besser als den früheren; es schlug alsbald wieder Feuer aus dem Innern der Erde hervor und beschädigte mehrere; die aber noch zur rechten Zeit die Flucht ergriffen, kamen ohne Schaden davon, und es ward fürder nichts mehr unternommen, um das alte Jerusalem aufzubauen.

09. Erst nach mehr als sechshundert Jahren kamen die Sarazenen aus der Gegend von Bagdad in diese Gegend, und was sie auf ihrem Wege von den alten Städten und Flecken vorfanden, zerstörten sie alles; selbst die alten Städte, die hie und da noch von den Römern verschont worden waren, mußten zu Ruinen werden. Und die Stätte Jerusalems besaß damals nichts weiteres mehr, als auf einem Berge, dem man später – aber ganz fälschlich – den Namen Zion gab, einen alten römischen Festungsturm und eine Kapelle aus Holz gebaut, die man schon zu selbiger Zeit ebenfalls ganz fälschlich für die Stelle Meines einstigen Grabes angab und verehrte und bis auf den heutigen Tag noch verehrt und dadurch viele Hunderttausende von Pilgern in den tiefsten Aberglauben hineintreibt.

10. Die Sarazenen haben später westlich vom Ölberge eine ganz neue Stadt unter dem Namen Jerusalem erbaut, in welcher Zeit auch die vorbenannte Kapelle ein geräumigeres und besseres Aussehen erhielt, in der sich die frommen Pilger alljährlich mit ihren Knitteln und Stöcken aus lauter Frömmigkeit nicht selten derart durchprügeln, daß es dann auf dem äußeren Platz um die Kapelle herum nicht anders aussieht wie auf einem Schlachtfelde. Und das geschieht gewöhnlich infolgedessen, weil eine jede Sekte den Christus, den sie als Gott verehrt, einer andern zu verehren untersagt; denn die Griechen wollen von dem römisch-katholischen nichts hören und wissen, und das auch umgekehrt. Und so viele Sekten, als es da gibt, so viele Feinde stehen sich gegenüber und würden sich bei ihrem Glaubenseifer ganz aufreiben, wenn bei diesen Gelegenheiten nicht die türkischen Soldaten Ruhe und Ordnung aufrechterhielten. Diese tun das darum, weil ihnen solche Spektakel auch so manches Trinkgeld in ihre Taschen schieben.

11. Das ist so die heutige Wirtschaft an den ‚heiligen Orten‘. Und weil Ich solches sicher vorausgesehen habe, so habe Ich denn auch, besonders in Galiläa, woselbst Ich Meine irdische Lebenszeit am meisten zubrachte, alle die in den Evangelien benannten und bekannten Orte derart zugrunde richten lassen, daß sie nun ein noch so bibelfester Geograph nimmer finden kann.

12. Von der einzigen Stadt Tiberias am Galiläischen Meere sind noch einige Überreste vorhanden, aber von allen anderen Orten, die zu Meiner Zeit an den Ufern des Galiläischen Meeres standen, ist keine Spur mehr vorhanden. Zudem ist das Galiläische Meer auch von allen Seiten derart zurückgewichen, daß es nun mehr als ein gutes Drittel weniger Wasserfläche besitzt als zu Meiner Zeit.

13. Von Meinem Wohnorte Nazareth ist ebensowenig eine Spur mehr vorhanden; nur in einem Tale westlich vom Galiläischen Meere, gegenwärtig einige Stunden entlegen, befindet sich ein ganz elendes türkisches Dorf, das der gewinnsüchtige Glaube der dortigen Christen und auch Türken als Meinen einst wahren Wohnort angibt und bezeichnet.

14. An der Stelle Meines fälschlich angegebenen einstigen Wohnhauses steht nun auch eine Kirche mit einem kleinen Kloster, in der die dortige Priesterschaft noch allerlei Reliquien aus der Werkstätte des Zimmermannes Joseph vorzeigt, aber dabei dennoch bei den meisten Sekten wenig Glauben findet, weil jede Sekte vorgibt, sich selbst im Besitze dieser Reliquien zu befinden, besonders die Katholiken, die da vorgeben, daß sich sämtliche Reliquien aus dem Hause Joseph zu Rom in der Sixtinischen Kapelle befänden, dahin sie von Engeln durch die Luft gebracht worden seien. Die andern Sekten haben ohnehin geringeren Glauben an derlei Reliquien, und so macht das heutige Nazareth nur ganz schwache Geschäfte mit seinen Heiligtümern.

15. An der Küste des Mittelländischen Meeres ist Joppe noch der wohlerhaltenste Ort; Tyrus und Sidon sind vollkommene Ruinen sowie Sardes und Laodicea. An der Stelle dieser alten Weltstädte befinden sich gegenwärtig nur ganz dürftige Fischerhütten. In den Ruinen hält sich allerlei Wild auf, der Schakal und die Hyäne sind da nicht seltene Erscheinungen, und die armen Fischer müssen immer bis an die Zähne bewaffnet ihre Fische fangen.

16. Von all den von Mir besonders im letzten Jahre Meiner Lehrzeit besuchten Städten sind am östlichen Ufer des Galiläischen Meeres und Jordantales nur einige dann und wann von den Beduinen bewohnbare Ruinen vorhanden, und das darum, weil sie aus lauter alten, überaus harten Basaltsteinen erbaut sind, die schon zu Meiner Zeit ein Alter von nahe zweitausend Jahren hatten und zum größten Teile von Römern und Griechen bewohnt wurden.

17. Also finden sich auch noch im oberen Syrien einige von Mir besuchte Orte vor; allein auf diese haben die Menschen darum kein Augenmerk geworfen, weil sie ihnen erstens zu entlegen sind, und fürs zweite in den gegenwärtigen vier Evangelien namentlich gar nicht vorkommen.

18. Und somit kannst du mit Meiner Benennung der Orte von ganz Palästina vollkommen beruhigt sein; denn Ich habe sie eben der schon vorausgesehenen Abgötterei wegen aus dem Dasein derart völlig hinweggewischt, daß in dieser Zeit keine nur annähernde Spur mehr von ihnen vorhanden ist.

19. Das richtigste ist noch die Benennung des Kisjontales an der Karawanenstraße, die einst von Damaskus über Kapernaum nach Tyrus und Sidon führte. Aber dieses Tal, das einst knapp am Galiläischen Meere sich befand, befindet sich jetzt mindestens drei bis vier Stunden davon entfernt und ist eine gänzlich unfruchtbare Sandsteppe.

20. Ebenso steht es mit der Ebalbai und dem Ebaltale, wo sich dereinst der Flecken Genezareth befunden haben soll; es ist nun eine ziemlich weitgedehnte Sandwüste und vom Spiegel des Galiläischen Meeres nahe zwei Stunden entlegen. Zu Meiner Zeit hatte dieses Meer dort einen Abfluß, und zu den Zeiten der Kanaaniter war das ein Hauptabfluß des Jordans, und wo er jetzt abfließt, war in jener alten Zeit nur ein Bach. In den späteren Zeiten wurde dieses alte Jordantal derart durch die Erdrevolutionen, die in dieser Gegend sehr häufig vorkamen, verlegt und verrammt, daß es in der Jetztzeit wohl keinem Reisenden und Forscher nur im entferntesten Sinne einfallen könnte, daß da einst der Jordan sein Bett hatte. Zu Meiner Zeit war dieses Tal noch mehr frei, und es ging ein Arm des Jordans durch das Tal; allein durch die großen Erdbeben und Erdrevolutionen nach Mir ging jede Spur davon verloren.

21. Durch solche Erdrevolutionen aber hat namentlich in der Gegend des Galiläischen Meeres, und zwar das Becken dieses Meeres selbst, an manchen Stellen eine mehr als 200 Klafter tiefere Immersion erfahren, und so ist der See denn auch seiner Oberfläche nach kleiner geworden, und der Jordan mußte sich dort seinen Hauptabfluß schaffen, wo ihm die Erdrevolutionen ein weiteres Tor aufgemacht haben. In den ungefähr tausend Jahren nach Mir ist das ganze Jordantal bis zu seiner Ausmündung ins Tote Meer im ganzen bei hundert Fuß eingesunken, und so auch das Tote Meer selbst, und man kann jetzt nicht leichtlich mehr sanften Ufers zu diesem Meere gelangen, welches jetzt von sehr hohen und steilen Felsenklippen ordentlich strotzt, so daß man nur an sehr wenigen Stellen zur Betrachtung dieses leblosen Meeres, das ungefähr die dreifache Größe des Bodensees hat, gelangt.

22. Was Ich dir nun hierüber gesagt habe, das ist Wahrheit; alles andere ist zum allergrößten Teile menschliche Dichtung und Mutmaßung. Übrigens liegt da in dem dir von Mir diktierten Evangelium Johannes wenig oder gar nichts an dem, wie die Orte geheißen und wo sie gelegen haben; sondern alles liegt an der Lebenslehre und Wahrheit, die darin enthalten ist.

23. Es gibt nun noch viele Narren, die sich darum streiten, wo das einstige alte Paradies sich befunden habe, und wohin Adam aus demselben linea recta geflohen sei, und in welchem Lande Kain den Abel erschlug, wohin er nachher floh, und wo sich später Adam selbst angesiedelt habe. Da gibt es so verschiedene Angaben, daß nach ihnen selbst ein der Vollendung nahestehender Geist irregeführt werden könnte; allein das ist ein Streit über den Wert einer Schafwollocke! Was der Wahrheit nach davon zu halten ist, findet sich in Meiner ‚Haushaltung‘, wie auch teilweise im ‚Johannes‘ vor. Alles andere ist wertlos, indem zu jener Zeit die Erde eine ganz andere Gestalt und Einrichtung hatte, die nach Noahs Zeiten um ein bedeutendes verrückt wurde. Und wollte man nach der gegenwärtigen Gestalt der Erde die Wohnsituation der Urerzväter bestimmen, so würde man mit solch einer Bestimmung sehr ins Blaue hineinhauen, denn in jenen Zeiten war das heutige Sibirien, besonders gegen Osten, wie auch das Mittelasien bis an die Marken Chinas hin, ein äußerst gesegnetes und fruchtbares Land.

24. Sehet es euch heutzutage an, und ihr werdet allenthalben das schroffste Gegenteil finden. Sibirien hat nahe nichts als ewigen Schnee und ewiges Eis aufzuweisen, und das einst so gesegnete Mittelasien scheuen nun sogar die wildesten und reißendsten Bestien, indem sie da nichts als Sand und Stein antreffen. Darum es auch den nach Sibirien verbannten russischen Untertanen unmöglich ist, die Flucht zu ergreifen und über diese weitgedehnten Wüsteneien wenigstens die Vorgebirge und Ausläufer des großen tibetanischen Gebirges zu erreichen, denn diese Wüsten Mittelasiens sind zum größten Teil ebenso arg wie die große Wüste Sahara in Afrika.

25. Aus dem aber geht hervor, daß diese Erde zumeist durch den Übermut der Menschen eine große Veränderung erlitten hat, und es wird sich nun wohl kein Geologe, wäre er selbst ein hundertfacher Alexander Humboldt, zurechtfinden. Was aber jedermann zum besseren Verständnisse der Bücher Mosis zu wissen und zu verstehen notwendig ist, habe Ich dir schon vor zwanzig Jahren in die Feder diktiert und tue dasselbe nun auch im ‚Johannes‘ über die Orte in dem Lande, wo Ich gelebt und gelehrt habe. Alles andere und weitere ist eitel und, mit andern Worten gesagt, nichts anderes als – leeres Stroh dreschen.

26. Mit dieser Meiner Bescheidung kannst du und ein jeder andere Gläubige vollkommen zufrieden sein. Die sogenannten verstandesvollen Weltmückenreiter aber sollen sich am Staube der alten Ruinen satt lecken; es wird ihnen aber wenig nützen, da sie daran wenig Nährsaftes finden werden.

27. Ich aber bleibe der Herr und verändere die Erde nach Meinem Wohlgefallen und nach Meiner Weisheit; denn solche hochweisen Verständigen, die selbst das Gras wachsen hören wollen, und es auch schon einige gegeben hat, die die Pflanzen bei ihrem Atemholen schnarchen gehört haben, sollen nur das Tal eines Flusses bis auf seinen Grund ausräumen, und sie werden da viel Nahrung für ihren Verstand finden! Sie werden das aber sicher bleibenlassen und sich lieber mit dem Belecken der feuchten Steinwände begnügen; denn da kann doch jeder Mensch solchen Hochgelehrten zurufen: Freunde! nur bis dahin, wo einige Tautropfen hängen, werdet ihr es mit eurer Zunge bringen. Aber etwa mit einem Wunderstabe in eurer Hand werdet ihr keine Quelle gleich dem Propheten Moses aus dem Innern eines harten Felsens hervorlocken, von deren Reichtum sich Millionen Menschen und Tiere den brennenden Durst stillen konnten.

28. Der Wunderstab Mosis aber bleibe noch immer Ich – und niemals der eitle ruhm- und selbstsüchtige Verstand eines auf den hohen Universitäten graduierten Doktors sämtlicher Weltweisheit.

29. Das zur Beruhigung aller derer, die an Mich glauben, Mich über alles lieben und ihren Nächsten wie sich selbst.

30. Das sage wieder Ich als euer Vater, Herr und Meister Amen.

Über den Evangelisten Lukas – sein Evangelium und seine Apostelgeschichte. – 7. April 1864.

01. Ich kenne deine vier Punkte, über die du eine nähere Auskunft haben möchtest, und so will Ich dir auch in möglichster Kürze etwas darüber sagen.

02. Was den Evangelisten Lukas anbelangt, so habe Ich dir bei verschiedenen Gelegenheiten schon ohnehin dies und jenes gesagt.

03. Was sein Evangelium anbelangt, so ist es von ihm eine Datensammlung, welche Daten ihm durch sein Forschen sowohl in als um Jerusalem über Mich und Meine Taten und Lehren durch verschiedene Menschen in seine Erfahrung gekommen sind. Er selbst hat sie hernach nach seiner Art und Weise geordnet und also in Kapitel und Verse eingekleidet, wobei er sich ganz natürlicherweise nicht an die Zahl der Kapitel und Verse eines andern Evangelisten hat binden können, daher bei ihm so manches in einem ganz andern Kapitel und Verse vorkommt, als wie bei den andern Evangelisten, was ein jeder von euch leicht beim Vergleiche der angezeigten Parallelstellen erfahren kann.

04. Was seine Persönlichkeit anbetrifft, so war er ein Formenmaler und Zeichner, mit welchen Produkten seiner Hand er die Weber, Tuch- und Teppichmacher versehen konnte; auch die Zeichnungen der jüdischen Schals und Vorhänge rührten häufig von seiner Hand her. Danebst war er auch ein Schriftenmaler und auch Schreiber, besonders so jemand etwas vollkommen schön und regelmäßig geschrieben haben wollte. Er verstand und sprach griechisch, lateinisch und hebräisch und konnte zur Not auch in den andern Sprachen, die um Judäa herum gang und gäbe waren, sich mitteilen und verständlich machen.

05. Zudem war er, wie es dergleichen mehrere Menschen gibt und gegeben hat, ein erpichter Neuigkeitskrämer und erkundigte sich daher um alles, was besonders zu Meiner Zeit geschah und unter den Menschen viel Redens und Aufhebens machte, und hatte seine Freude daran, den vielen neugierigen Menschen, mit denen er im Verkehr stand, über etwas außerordentliches Neues erzählen zu können, wobei er durchaus keinen Eklektiker machte, sondern ihm war das nächste beste recht, wenn es nur den Schein von etwas Außerordentlichem hatte.

06. In der ersten Zeit, besonders bei seinem Erzählen, ist auch vieles besonders in Ermangelung wirklicher Daten auf seinem eigenen Grund und Boden gewachsen. Erst in der Zeit, als der Apostel Paulus Mein Wort in Griechenland hie und da gepredigt hatte, ward er von seinem Freunde Theophilus, der auch in Griechenland wohnte, ernstlich aufgefordert, über Mich verläßliche Erkundigungen einzuziehen, sie aufzuzeichnen und sie ihm dann zu übersenden, denn er, Theophilus, habe über den gewissen Nazaräer sowohl von seiten der Juden als auch der Griechen so Verschiedenartiges gehört, daß er daraus nicht klar werden könne, was so ganz Eigentliches an diesem Menschen sei – ist er entweder ein überirdisches Wesen oder gleich nur so ein in mannigfacher Weisheit aus den Büchern wohlerfahrener Mensch.

07. Als Lukas dieses Schreiben in Jerusalem in seine Hände bekam, dann erst nahm er sich der Sache ernstlicher an und erkundigte sich über alles, was besonders Meine Person und Meine Lehre betraf, bekam aber auch, was er aufschrieb, nicht leichtlich aus dem Munde Meiner wirklichen Jünger, sondern zumeist von andern auf Mich und Meine Lehre haltenden Menschen, die Mich zum Teil noch persönlich gekannt und zum größten Teil aber von Meinen Jüngern Kunde über Mich erhalten hatten. Denn zwischen Meinem Dasein als Mensch dieser Erde und der Vollendung seines Evangeliums verstrichen nahe fünfunddreißig Jahre, nach welcher Zeit er dasselbe erst an seinen Freund Theophilus nach Griechenland absenden konnte – welches Evangelium dann dieser Theophilus mit seinen Aufzeichnungen verglich, so manches korrigierte und der Schrift des Lukas beifügte.

08. Wie es aber mit seinem Evangelium steht, so steht es noch mehr mit seiner Apostelgeschichte, die er ebenfalls auf Aufforderung seines Freundes Theophilus aufs Pergament brachte, und zwar erst in seinem letzten Lebensjahre – also in einer Zeit, in der sich nicht einer Meiner ersten Apostel und Jünger mehr in Jerusalem befand.

09. Auch diese Apostelgeschichte bekam in den Händen seines Freundes so manche Abänderung, und selbst die von ihm im Judenlande zusammengebrachten Daten waren vielseitig Dichtungen solcher Jünger und Ausbreiter Meines Wortes, die häufig ohne inneren Beruf sich als solche den Menschen vorstellten und ein jeder aus ihnen das Bessere wissen wollte.

10. Und so geschah es denn auch, daß sowohl in dem Evangelium des Lukas, wie noch mehr in seiner nachträglichen Apostelgeschichte Dichtungen und Übertreibungen vorkamen, von denen Meine wirklichen Apostel und Jünger selbst wenig oder nichts wußten; denn sie hielten sich in Jerusalem sehr wenig auf und hatten ihr Wesen mehr in Galiläa, Samaria und in den andern von Jerusalem weiter entlegenen Landschaften.

11. Wenn ihr nun dieses wißt, so werdet ihr wohl einsehen, daß das gewisse Erdbeben und die Finsternis bei Meinem Kreuzestode, die eröffneten Gräber im Tale Josaphat, Meine Himmelfahrt auf zwei sich widersprechenden Bergen, wie auch die gewisse Sendung des Heiligen Geistes zum allergrößten Teil ein Werk der damaligen Phantasie Meiner verschiedenartigen Anhörer und Verehrer sind und auch sogar sein müssen, indem der verläßlichste aller Evangelisten (Johannes), der doch bei jeder wichtigsten Gelegenheit zugegen sein mußte, von alledem keine Erwähnung tut, auch Lukas selbst nicht kundgibt, ob er selbst bei der Ausgießung des Heiligen Geistes persönlich zugegen war oder nicht.

12. Sein Evangelium und seine Apostelgeschichte waren bei der großen Kirchenversammlung zu Nicäa auch ganz nahe daran, als apokryph erklärt zu werden. Aber die abendländischen Bischöfe sträubten sich dagegen, und somit war auch alles von Lukas Geschriebene als authentisch erklärt, und dieser Lukas besteht denn heutigentags noch unter der Zahl der glaubwürdigen Evangelisten und wird von ihm bis zur Stunde noch mehr Aufhebens gemacht als von Johannes.

13. Allein alles, was da unrichtig ist, wird sich mit der Zeit selbst ausstreichen, und würde das nicht geschehen, so würde schwerlich je eine Zeit kommen, davon Johannes spricht, daß in ihr „ein Hirt und eine Herde“ werde.

14. Übrigens liegt auch in diesen Episoden, wie Ich schon gesagt habe, etwas geistig Gutes und Wahres, das Ich euch in kurzer Zeit schon näher zeigen werde. Aber in der naturmäßigen Erscheinlichkeits-Sphäre sind sie freilich um kein Haar besser als die Bilder des Hohenliedes Salomons, wonach die Tochter Zions eine Gestalt hätte, an der nie ein Mensch auch nur das geringste Wohlgefallen fände. Aber inwendig sieht es dann im Geiste wohl ganz anders aus.

15. Warum hätte Ich denn sollen bei Meinem Tode die Sonne gänzlich finster machen, und das volle drei Stunden hindurch?! – Und wäre das der Fall gewesen, so müßte in jener Zeit die Sonne auch in Indien, China, Japan, Amerika etc. nicht geleuchtet haben, was die Schriftkundigen jener Völker sicher aufgezeichnet hätten. So aber wissen sich sogar die römischen Geschichtsschreiber einer solchen Begebenheit nicht zu erinnern; es müßte die Sache demnach nur in Jerusalem ihre Geltung haben, daß durch Meine Zulassung daselbst alle anwesenden Menschen auf drei Stunden blind geworden sind, und es müßte Johannes allein sehend geblieben sein, weil er von solch einer Sonnenverfinsterung keine Kunde gibt.

16. Wie es sich aber mit der Sonnenverfinsterung verhält, so verhält es sich auch mit Meiner in dieser Welt erscheinlichen Himmelfahrt; denn wo sollte denn wohl dieser Himmel sein, in den Ich aufgefahren bin?! – Oder wohin sollte der Allgegenwärtige fahren, um den Menschen dadurch anzuzeigen, wo er eigentlich zu Hause ist?!

17. Ich meine aber, daß Ich in der ganzen Unendlichkeit überall so hübsch gleich zu Hause sein werde, da Ich in allem und jedem das Urbelebungs- und Erhaltungsprinzip bin und ohne Mich nirgends etwas ist und besteht! Sonach ist der Himmel allenthalben, wo Meine Liebe und Weisheit waltet, und in der starren Materie besteht allenthalben das von der Macht Meines Willens ausgehende Gericht und der scheinbar ewige Tod. Und es heißt darum denn auch, der Himmel ist Mein Thron und die Erde – durch die sämtliche Materie dargestellt ist – der Schemel Meiner Füße. – Nun wird sich doch niemand vorstellen wollen, daß der räumlich endlose Himmel nichts anderes darstellt als Meinen Sitzthron, und damit Ich beim Sitzen nicht müde werde, Mir die Erde zum Schemel Meiner Füße gemacht habe!

18. Ja, es besteht wohl im Reiche der reinen Geister eine Geistige Sonne, in der Ich mit den Meinen persönlich wohne. Diese Sonne ist aber räumlich allenthalben allen jenen Engeln und Geistern sichtbar, die Mich durch die Liebe in ihrem Herzen besitzen. Für die andern ist sie aber auch nirgends ersichtlich und auffindbar und sollten sie solche auch durch den ganzen unendlichen Raum suchen und finden wollen; denn bei denen das Herz blind ist, ist auch ihre geistige Sehe blind, und sie sehen von der geistigen Sonne noch weniger als ein Stockblinder auf dieser Erde von der natürlichen etwas.

19. Ich bin aber durch diese Sonne überall gegenwärtig und kann auch in die Erscheinlichkeit treten und wirken, wann und wo Ich will, und brauche vorher Mich mit niemandem zu beraten, weder in der Welt der Geister und noch weniger in der Welt der Materie, – wohl aber beraten sich zuvor alle seligen Engel und Geister mit Mir, so sie irgend eine große Tat in Meinem Namen zu vollbringen haben. Was aber ihre gewöhnlichen Handlungen in Meinem Reiche betrifft, so finden sie die Anweisungen für immerfort in ihren himmlischen Wohnungen. Wie aber diese beschaffen sind, darüber habt ihr schon in der ‚Geistigen Sonne‘ die Kunde erhalten.

20. Was das Geistige unseres Evangelisten Lukas betrifft, so war er voll Eifers um Meine Sache, und es wäre sogar gut gewesen, so er sich mit seinem Eifer um einige Staffeln tiefer angestellt hätte. Allein er war, ist und bleibt ein tüchtiges Rüstzeug Meiner Liebe- und Gnadenerweisungen für seine Zeit sowohl als für die Jetztzeit; denn er war in den Schriften des Alten Bundes besser bewandert als irgendein seine Nase hochtragender Schriftgelehrter des Tempels und konnte daher auch leicht Meine Taten, von denen er Kunde erhielt, als wahr beurteilen und sie auch den andern, die ihn darum angingen, darstellen.

21. Wollet euch darum nicht ärgern über diesen Mann ob mehrerer Unrichtigkeiten, die in seinen Schriften vorkommen; denn fürs erste war er nicht von allem der eigentliche Schöpfer, sondern vielmehr seine nachträglichen Korrektoren, von denen Ich euch mehr denn ein ganzes Dutzend anführen könnte. Und fürs zweite war er besonders in seinen späteren Zeiten voll guten Willens und voll Ernstes, der Nachwelt möglichst die vollste Reinheit in seinen Schriften zu hinterlassen.

22. Allein dafür kann er nicht, was die späteren habsüchtigen Gemeindevorsteher aus ihm gemacht haben. Sie haben Unkraut unter seinen Weizen gesät, welches mit dem Weizen aufging. Den Weizen verstanden sie recht wohl für ihre Scheuern zu sammeln, das Unkraut aber brauchten sie dann zum Nährfutter ihrer Herden und brauchen es noch. Diese Herden aber bestehen nun nicht aus Meinen Lämmern und Schafen, sondern aus Eseln, Ochsen, Schweinen und anderem dummen Getier, das sich mit den Disteln und Dornen begnügt.

23. Lassen wir sie darum vorderhand bei dieser Kost. Wenn sie ihnen einmal ernstlich zuwider sein wird, so werden sie sich selbst um eine andere Kost umsehen, bei der ihnen ihre dumme innere Gestalt verändert wird und sie auch mit Wolle edler Schafe in Meinen Schafstall werden aufgenommen werden können, wo es dann nur einen wahren Hirten und eine rechte Herde, mit der rechten Kost versehen, geben wird.

24. Mit dem habet ihr nun zum voraus, was ihr von Lukas zu halten habt, das Weitere wird euch schon bei der versprochenen Gelegenheit mitgeteilt werden. Amen.

Unsere Erde kam aus der Urzentralsonne. – 8. April 1864, nachmittags von 1/2 4 bis 3/4 7 Uhr.

Anfrage von Leopold Cantily. Schreibender: Leopold C.

01. Es ist zur Beseligung des Menschen nicht unbedingt notwendig, daß er mit seinem natürlichen Verstande in alle Meine Schöpfungsverhältnisse eindringen solle; aber es steht auch geschrieben, daß ein Mensch von Geist und Verstand alles prüfen und davon das Gute und Wahre behalten soll. Und so erteile Ich denn auch einem jeden, den es danach dürstet, über derlei Fragen zwar immer nur ein kurzes, aber ein rechtes Licht, welches den eigentlichen Weltweisen und Weltverständigen als eine Torheit vorkommt, aber für die, so an Mich glauben, dennoch eine Weisheit aller Weisheit ist, von der es den Weltweisen und Weltverständigen noch nie etwas geträumt hat.

02. Um aber zu verstehen, wie sich die Urstoffe sowohl im Mineralreiche der ganzen Erde, dann die aus ihnen hervorgehenden Pflanzenstoffe und weiter die aus den Pflanzen hervorgehenden Tierstoffe zueinander verhalten, muß man vorerst wissen, wie die Entwicklung dieser Erde vor sich gegangen ist und woher sie in ihrem Urentwicklungssein in die Region dieser Sonne gekommen ist. So jemand das weiß durch den Glauben an Mein Wort, dem wird auch da gar bald alles andere klar und begreiflich werden. –

03. Sehet, alle die anderen Planeten, die mit ihren Nebenkörpern um die Sonne bahnen, sind bis auf einen einzigen Kometen Kinder ebendieser Sonne, aber diese Erde samt ihrem Monde nicht. Sie ist ein Kind aus der Ursonne, wurde aus deren großartigem Innern schon als ein ziemlich kompakter Körper mit unsäglicher Kraft in den weiten Hülsenglobenraum hinausgeworfen, natürlich vor für euch undenklich vielen Erdjahren. Einer ähnlichen Abkunft hatte sich auch jener größere Planet zu erfreuen, von dem ihr wißt, daß er von innen aus zerstört worden ist. Aus diesem Grunde aber ist diese Erde auch so höchst mannigfaltig kompliziert, daß in ihr, auf ihr und über ihr alle jene Urstoffe vorkommen, welche freilich im größten Maßstabe nur in der Urzentralsonne vorkommen und vorkommen müssen, weil sie die Ernährerin und Leiterin der zahllos vielen Nebenzentralsonnen und der Planetarsonnen und ihrer Planeten ist.

04. Diese Erde ist somit, was die Urdaseinsstoffe anbelangt, der Urzentralsonne völlig ähnlich und daher auch zur Ausbildung für die Menschenseelen, die zu Gotteskindern berufen sind, vollkommen tauglich.

05. Nun wird jemand freilich fragen: Wie kam diese Erde denn zu ihrer Atmosphäre und zu ihrem allerartigen Gewässer? Und Ich sage darauf: So wie mehr oder weniger jeder andere Planet und diese Sonne selbst, nämlich durch ihre immerwährende, nahe siebenfache Reise um die Urzentralsonne.

06. Die erste (an sich zweite) Reise nämlich macht sie um die Sonne, wie ihr seht, und die eigentlich erste Reise aber durch ihre eigene Umdrehung; die dritte, viel größere Reise macht sie mit der Sonne um die Zentralsonne, wie ihr schon wisset, in ungefähr 28000 Erdjahren; die vierte Reise, die noch ungeheuer größer ist und länger dauert, macht sie mit dem Sirius, der eigentlich die Zentralsonne dieses Sonnengebietes ist, um eine viel größere Sonnengebiets-Zentralsonne; die fünfte Reise macht sie mit all den vielen Sonnengebiets-Zentralsonnen, welche zusammen ihr ein Sonnen-All nennen könnt, um eine noch viel größere Sonnenall-Zentralsonne, welche Reise natürlich zwar schon eine ungeheuer schnelle ist, aber dessenungeachtet viele Billionen Erdjahre andauert, bis sie einmal vollbracht wird; die sechste Reise macht sie mit den großen Sonnenall-Zentralsonnen um die Urzentralsonne selbst; die siebente Reise, zu der gar lange dauernde Perioden gehören, ist die Wechselreise, bei der eine Sonnenall-Zentralsonne bald näher an die Urzentralsonne und bald wieder näher an die Hülse der großen Globe gelangt und dadurch einem ganzen übergroßen Sonnen-All die hinreichende Nahrung erteilt wird: in der größeren Nähe der Urzentralsonne die positive und in der Nähe der Hülse der Globe die negative. Und ist ein Weltkörper von diesen beiden psycho-elektromagnetischen Urstoffen hinreichend gesättigt, so kann er dann auch aus sich selbst alles hervorbringen und ernähren, was hervorzubringen und zu ernähren in seiner ursprünglichen Kraft und Wesenheit schon embryoartig zugrunde liegt. Einem Weltkörper wie dieser Erde liegt aber unendlich vieles zugrunde, daher kann er auch nahe unendlich vieles in naturmäßiger Hinsicht aus sich entstehen lassen.

07. Die eigentlichen beiden Urstoffe sind die dieser Erde innewohnenden beiden elektromagnetischen Potenzen, und zwar im höchsten Grade, aus welchem Grunde sie auch einer der dichtesten Weltkörper ist. Und vermöge dieser beiden Urlebenspotenzen besitzt sie denn auch die Fähigkeit, aus all den Sonnen der ganzen Hülsenglobe durch den Äther sich nahe endlos verschiedenfältiger Stoffe zu ihrem Gedeihen zu bemächtigen.

08. Eine Art Urkalk, wie auch Kreide und Schwefel gehören zur Urmaterie der Erde. Durch diese hat sie bei ihrer großen Reise schon als Komet aus dem weiten Ätherraume sowohl eine große Menge von Wasser enthaltenden Dünsten an sich zu ziehen vermocht, welche Dünste sich mit den Zeiten verdichteten und zu Wasser wurden, durch die innere Kraft sich dann aber wieder auch in Dünste auflösten, welche über dem eigentlichen Wasserspiegel schwebten und nach und nach die atmosphärische Luft bildeten, zu deren gegenwärtiger Reinwerdung wohl gar sehr viele Millionen von Jahren notwendig waren.

09. In den ersten Zeiten bildeten sie hauptsächlich nur die Urmineralien, die nun aber freilich in dieser Zeit die innere Feste dieser Erde ausmachen und eigentlich auf die Oberfläche dieser Erde nur äußerst selten oder wie jetzt beinahe gar nicht mehr zum Vorschein gelangen.

10. Die zweite Periode bildete schon der Niederschlag in den Tiefen der Meere. Und als dieser die gehörige Dichte und Schwere erreichte, da wurde durch solchen Druck das Innere der Erde auch stets erhitzter und erhitzter und setzte die schwefeligen Stoffe in Brand, wodurch zum Teil die anderen Urstoffe in ein teilweises Schmelzen gerieten und vielseitig über die Oberfläche des Wassers emporgetrieben wurden, verschafften aber dadurch dem Wasser den Eintritt in das Innere der Erde und daselbst eine notwendige Abkühlung.

11. Die dabei entwickelten Gase strömten aber bei solcher Gelegenheit durch diese zahllos vielen Löcher zur Oberfläche herauf und schwängerten sowohl die Dunstatmosphäre wie auch das Meer – was wir noch Gewässer der Erde nennen wollen – mit dem, was die Chemiker jetzt Kohlensauerstoff nennen, der, wie ihr leicht begreifen könnt, aber schon an und für sich kein einfacher und unteilbarer Stoff sein kann, da ihm schon zuerst die positive und negative Elektrizität und der Urschwefel, Urkalk und die Kreide seine primitive Entwicklung verschafft haben. Aber dieser Stoff ist dennoch ein sehr hungriger zu nennen und ist fortwährend im höchsten Grade begierig, eine Menge anderer Stoffe an sich zu ziehen und sich mit ihnen zu vereinigen. Ist dieses geschehen, so wird er produktiv, und seine geistigen Lebensteile sind dann auch schon imstande, wenn auch noch in einem sehr plumpen Zustande, ohne eine vorhergehende Samenlegung auf den über den Wassern befindlichen festeren Teilen der Erde Wesen hervorzubringen. Sie bewirken nämlich eine Art Gärung, und aus dieser entwickelt sich bald ein plumpes Gewächs, ungefähr nach der Art, wie sich heute noch eine Unzahl von allerlei Schwämmen ohne vorhergehende Samenlegung auf jenen mehr sumpfigen Punkten der Erde entwickeln, die von den starken Winden besonders in den dichten Wäldern wenig heimgesucht werden, daher auch bei einiger Wärme in eine Gärung übergehen, auf welche dann bald das Erscheinen der verschiedenartigen Schwämme bei einem günstigen Wärmegrad ersichtlich wird.

12. Einen ähnlichen, nur viel großartigeren Entstehungsgrund haben denn auch jene euch mehr oder weniger bekannten riesigen Urgewächse dieser Erde, die ihr hie und da noch jetzt als schwarze Glanzkohle antrefft.

13. Es könnte zwar jemand hier die Bemerkung machen, warum die Schwämme der Jetztzeit als Produkte des Kohlenstoffes nicht in jene schwarze Kohle übergehen und sich versteinern. Das tut sich jetzt nicht mehr; denn zu jener Zeit bestand die atmosphärische Luft, besonders in der Umgebung des Erdbodens wie des Meeres, bis zu einer Höhe von mehr als einer Meile noch aus 8/10 Teilen Kohlenstoff und nur sehr wenig gemengt mit Sauerstoff und Wasserstoff.

14. Wo aber irgend auf einem Punkte der Erde der mit wenig anderen Stoffen verbundene Kohlenstoff sich allein befindet, da werden auch wenig oder gar keine Tiere und Pflanzen zum Vorscheine kommen. Kommt aber ein Tier oder eine bessere Pflanze in solch eine Gegend, so sterben sie bald, verwesen eigentlich gar nicht, sondern was eine Pflanze oder ein Tier an anderen Stoffen, die ihr kennt, in sich besitzen, das wird von dem Kohlenstoff bald aufgezehrt. Und was an der Pflanze oder am Tier als Kohle vorhanden ist, geht auch in das über, und man findet in solchen Tälern und Klüften schon nach einem Jahre nichts anderes mehr als ein wenig dunkelgraue und mitunter auch dunkelbräunliche Asche, wovon euch gewisse Begräbnisstätten im neapolitanischen und sizilianischen Gebiet auf das vollkommenste überzeugen können.

15. Selbst in den euch gar nicht fernen Karstgegenden, in denen das wenige Erdreich, das sich da vorfindet, von den dortigen Bewohnern zum Anbau für ihre Nährpflanzen verwendet wird, findet ihr armselige Pfarreien, deren Friedhof in einer nahe liegenden Grotte besteht. In diese Grotte wird der Leichnam des Verstorbenen gelegt, verliert bald allen üblen Geruch und verwest in zwei Jahren so vollkommen, daß man von ihm nichts anderes vorfindet als allenfalls ein spärliches Gewand, in das er gehüllt war, oder es ist von dem Leichnam nichts anderes mehr vorzufinden, als was Ich schon früher von Neapel und Sizilien bemerkte. Das bewirkt demnach der mit den Schwefeldünsten vereinigte Kohlenstoff, und die Totengräber müssen sich bei Einsetzung einer Leiche (zum Schutz) den Mund mit einem in Essig getauchten Tuche verbinden.

16. Da aber die vorbesprochenen riesigen Urgewächse der Erde zum allergrößten Teil nur pur Kohlenstoff waren, so konnten sie auch nicht verwesen, sondern liegen bis auf den heutigen Tag noch unverwest. Man pflegt auch noch heutzutage Holzpfähle, die man tiefer in die Erde steckt, außen herum im Feuer mit einer Kohlenkruste zu umgeben, weil diese beim übrigen Holz eine zu baldige Verwesung verhütet, welche allzeit eine Folge einer inneren Erdgärung ist, bei welcher sich der Kohlenstoff mehr oder weniger wirksam entwickelt. Findet er den Holzpfahl mit Kohle umgeben und in ihm seinesgleichen, so ist er ihm unschädlich; findet er aber das nicht, so wird der Holzpfahl nicht sehr lange in der Erde als brauchbare Stütze bestehen können.

17. Wenn ihr nun das wißt und so gewisserart mit Händen greifen könnt, so werdet ihr daraus schon vieles andere auf dieser Erde Vorkommende begreifen können. Je mehr nach dem Lauf der Zeiten der eigentliche Kohlenstoff mit den anderen Stoffen sich gemengt hat, desto weniger vermochte er auch den vielfachen anderen Produktionen als Hindernis erscheinen. In der Erde sammelten sich wieder durch das innere Feuer kompliziertere Gase, die schon selbst zum größten Teil durch die innere Erdelektrizität entzündbar wurden, hoben durch ihre explosive Kraft ungeheuer große Stücke des schon festen Meeresbodens zu einer oft enormen Höhe über den Wasserspiegel und lehnten sie gewisserart aufrecht und unterstützten sie durch nachgehobene innere Teile des Erdkörpers. In Zeiten von mehreren tausend Jahren waren die dadurch entstandenen weiten und tiefen Meeresbodenverwundungen mit neuem Schlamme angefüllt, der sich nach und nach wieder also festigte wie ein erster, und die Oberfläche der Erde war dann schon zur Hervorbringung einer größeren Menge von großartigen Bäumen, Gesträuchen und Kräutern fähig. Bei dieser Gelegenheit war auch schon wenn nur wenigen, aber dafür großen Tieren das Entstehen möglich.

18. In dieser Periode bildeten sich nach und nach besonders in den hohen Erhöhungen des früheren Meeresbodens – welche wir nun schon als die Urgebirge der Erde bezeichnen wollen – großartige kristallinische Bildungen, dem heutigen Tropfstein ähnlich. Und durch diese Bildung und durch die Pflanzen wurde denn auch der Grund zu allerlei metallischen Bildungen gelegt, worunter in jener Zeit vor allem das Gold den Anfang machte, besonders in jenen Teilen der Erde, die schon anhaltender von den Strahlen der Sonne beschienen werden konnten.

19. Dieser Periode folgte bald eine vierte, der auch natürlich großartige Feuereruptionen vorangingen. Da wurden diese vielen Bäume und Kräuter samt den Tieren wieder begraben und verwesten auch sehr wenig, wurden bald mit Wasser, bald mit Schlamm überdeckt und werden noch heutigentags als Erdkohle in weiten Ausdehnungen hin aufgefunden. In manchen Ländern hat man auch Gerippe jener Urwelttiere aufgefunden und sie mit Namen belegt.

20. Nach dieser Periode kam – nach einer verhältnismäßig langen Zeit – wieder eine Vorbereitungsperiode, welche schon im hohen Grade produktiv geworden ist. In dieser entstehen schon eine ungeheure Menge von Pflanzen und Tieren sowohl im Wasser wie auf dem Trockenen der Erde und in der Luft, und so endet diese Periode.

21. Und da sehen wir auch schon den ersten Menschen und nach ihm in kaum zweitausend Jahren eine sechste Erdveränderungsperiode, in der ihr selbst noch lebt. Und daß sich die Produktivität der Erde durch alle diese euch bekannten sechs Perioden in einem ungeheuren Maße in der verschiedenartigsten Weise gemehrt hat, davon zeugt alles gegenwärtige Gewässer der Erde, ihre trockene Oberfläche und die Luft.

22. Und nun geht die Frage also um die Urstoffe alles dessen, was nun in und auf der Erde, in den Gewässern und in der Luft sich befindet, besteht und fortpflanzt.

23. Da wird sich jemand denken, um diese Fragen zu beantworten, werden sehr viele Worte nötig sein. O mitnichten! Denket nur, woher die Erde stammt und was sie alles von ihrer großen Mutter als Erbe mitgebracht hat, so werdet ihr leicht einsehen, aus welcher Quelle solches alles auf dieser Erde entstehen und bestehen kann.

24. Jeder eigentliche Urstoff ist gebundenes Geistiges, und wie es irgend frei wird, wird es in seiner Art auch tätig und bildet sich seine Form und seine Beschaffenheit mit steter Ein- und Beiwirkung eines entsprechenden jenseitigen Geistes. Diesen Geist wollen wir positiv-elektromagnetisch nennen und ihm auch den Namen Sideralgeist beilegen; jenen in der Erdmaterie, sowohl des festen Erdreichs wie des Wassers sowie der Luft, wollen wir den negativ-elektromagnetischen Stoff nennen oder den gerichteten diesirdisch gebundenen Naturgeist, der durch seinen entsprechenden jenseitigen Sideralgeist erst geweckt und in die seiner ihm innewohnenden Intelligenz entsprechende Tätigkeit gesetzt wird.

25. Da diese naturgeistig partikulären oder speziellen Intelligenzen aber ebenso vielfältig und mannigfach sind, als wie vielfältig und mannigfach sie in der Urzentralsonne vorhanden sind, aus welcher alle Sonnen und andern Weltkörper in dieser Hülsenglobe abstammen, – so gibt es auch eine ebenso große Anzahl der positiven Sideralgeister, durch welche die in dieser Erde haftenden Naturgeister nach und nach zur stets freieren Tätigkeit geweckt werden. Die Intelligenz eines diesirdischen Naturgeistes ist immerhin nur eine einfache, wird aber durch den Sideralgeist zu einer vielfachen. Nehmen wir die gebundensten Geister im Mineralreich an. Sie würden aus sich auch nur höchst einfache und einstoffige Zusammenklumpungen hervorbringen; aber durch die auf sie einwirkenden entsprechenden Sideralgeister werden sie gewisserart in ihrer Intelligenz erweitert, sie werden gewisserart fühlend und in ihrer Art sehend und fangen an, von dem unendlich Vielen, was in der Erde aus der Ursonne schon vorhanden ist, das ihnen Zusagende zu sammeln und an sich zu ziehen, und sehet: Auf diese Weise entstehen dann die verschiedenartigen Mineralien, Metalle und edlen Steine, die gewisserart, materiell genommen, die Augen dieser Geister bilden und sich die Einwirkung des Lichtes aus der Sonne und aus zahllos vielen anderen Gestirnen zunutze machen.

26. Fraget nun nach den Elementar-Urstoffen all der vielen Mineralien und der Metalle und ihr werdet überall dieselben finden, nur in dem Verhältnisse: Im Wie-viel-Mehr oder -Weniger des Positiven und ebenso des Negativen liegt der Unterschied, und das Plus oder Minus des einen oder des andern geht selbstverständlich ins Unendliche. Daher ihr auch die Produkte wie bei den Mineralien so noch ins ungeheuer Vervielfältigte und ins Mannigfaltigste gehend beim Pflanzenreich antreffen werdet.

27. Aus dem negativen Prinzip entsteht durch die Erweckung des Sideralgeistes die eigentliche Wurzel und der Stamm der Pflanze und selbstverständlich die lebendig werdende diesirdische Naturseele. Diese aber wird durch den Sideralgeist in ihrer Intelligenz- und Tätigkeitssphäre vervielfältigt und bildet alles das, was ihr an irgendeiner Pflanze über den Erdboden hinaus ersehet. Alles ist also nichts anderes als eine Wirkung des Minus und des Plus der beiden sich stets mehr und mehr vereinenden Geister.

28. Wie in der Pflanzenwelt, so ist es auch in der höheren Stufe, im Tierreich. Die Gesamteinung aller dieser spezial-seelischen Intelligenzen mit ihrem jenseitigen Sideral- oder Lichtgeiste geht aber erst im Menschen vor sich, bei dem es auch, besonders in seiner moralischen Sphäre, auf das Plus oder Minus, entweder von unten oder von oben, am allermeisten ankommt. Endlich müssen freilich alle – was von oben herrührt – ins Plus überkommen, aber es wird dazu auch eine hübsch lange Zeit erforderlich sein. Wo aber beim Menschen das geistige Plus von oben schon vorherrschend ist, da wird eine Vollendung sowohl dies- als jenseits gar leicht und bald möglich sein, je nach dem Grade des Liebefeuers der beiden geistigen Lebenspotenzen.

29. Aus dem euch nun hier Mitgeteilten habt ihr alles, was eure Fragen in sich fassen, und noch um sehr vieles darüber. Die Naturkunde und gegenwärtige Chemie aber kann ewig arbeiten, so wird sie zu diesem Endresultate dennoch nie gelangen. Denn fürs erste hat sie kein Bindungsmittel, um die negative und positive Elektrizität zu einem festen Körper zu verbinden, und noch weniger zur Hervorbringung des einen oder des anderen Elements das Mittel, um das Plus oder Minus miteinander zu verbinden, und so ist sie genötigt, das Bestehende zu zerlegen, aber vermag nichts Neues daraus zu schaffen.

30. Man kennt die Bestandteile des Wassers. Aber man säe in ein und dieselbe Erde tausenderlei Pflanzen und begieße sie mit dem gleichen Wasser, und aus jedem Samenkorne wird seinem inneren Geiste entsprechend die betreffende Pflanze hervorwachsen. Worin besteht der Urstoff einer jeden? In nichts anderem als in dem Plus oder Minus dessen, was Ich euch gezeigt habe.

31. Ein Tiefereres und Innereres kann Ich euch nicht kundgeben, indem Ich euch hiermit ohnedies das für euch möglich Faßliche kundgegeben habe. Begnüget euch darum mit dem in Meinem Namen. Amen. –

Über das Wesen des Phosphors. – 10. April 1864, nachmittags.

Auf eine Anfrage des Apothekers Leopold Cantily. Schreibender: Leopold C.

01. Wo kommt denn der Phosphor am allermeisten vor? Sicher nur in jenen Erdstrichen, wo die positive oder sideralische Elektrizität am meisten daheim ist, von welcher dann in einem geringen Teil sogar die Mineralien und noch mehr die Pflanzen und am meisten die Tierarten, der Mensch dem Fleische nach nicht ausgenommen, durchdrungen werden und sich in diesen Körpern durch die Anwesenheit des Kalkes und des aus dem Kalke hervorgehenden Salzes in eine Verbindung setzen und gewisserart körperlich werden.

02. Auf der südlicheren Erdhälfte, beinahe tausend Meilen unter dem Äquator, werdet ihr Phosphor weder in den Mineralien noch in den Pflanzen und Tieren antreffen, aber desto häufiger und intensiver auf der nördlichen Erdhälfte, und zwar am intensivsten in der halben nördlichen heißen und gemäßigten Zone. In der mehr und mehr kalten Nordzone findet er sich zwar wohl auch noch vor, aber weniger mit den Körpern als mit der Polarluft im Vereine, wo er sich dort mit dem Sauerstoff leicht und gerne verbindet, aber auch nur bis zu einem gewissen Grade. Denn ist die Nordluft und ihr großer Sauerstoffgehalt einmal zu übersättigt, so ist er entzündbar und ist das eigentliche leuchtende Element beim Erscheinen des sogenannten Nordlichtes. Es wird zwar von ihm eine große Portion vom Nordpol selbst verzehrt, weil er die eigentliche Hauptnahrung der Erde ausmacht; aber dessenungeachtet bleibt noch eine übergroße Dosis mit der den Sauerstoff reichhaltig enthaltenden atmosphärischen Luft übrig und entzündet sich durch die schwere Masse und durch den ausübenden Druck der Luft, welche Erscheinung den Bewohnern der Nordländer in der langen Winternacht sehr gut zustatten kommt.

03. Die Erscheinung des Nordpolarlichtes wird darum in den Südpolarländern und namentlich gegen den Südpol zu nie statthaben. Es kommt zwar dort auch bläuliches Leuchten hie und da vor, aber nicht in der Weise wie in den Polarländern, sondern in Gestalt von bläulich-violett oder grünlich leuchtenden Kugeln, die gleich den Leuchtmeteoren – die sich hier aus den Sümpfen erheben und wieder in diese niedersinken – sich dort auch aus der Tiefe erheben, eine Zeitlang auf der Oberfläche dahinfahren und bald wieder in die Tiefe hinabsinken, ähnlich auch so manchen Sternschnuppen, die ihr auf dieser nördlichen Erdhälfte schon zu öfteren Malen in der Luft habt dahinschweben sehen und bis auf die Färbung beobachtet haben werdet. Die weißere Färbung rührt auch hier von dem vorhandenen Phosphor in der Luft her.

04. Daß die Luft das erste Aufnahmeorgan für diesen ursideralischen Stoff ist, könnet ihr an vielen Erscheinungen beobachten. Ihr dürft die Luft nur irgendeinem übermäßig starken Drucke preisgeben, so wird sich die positive Elektrizität oder der ureigentliche Phosphor in ihr entzünden und seine sideral-geistige Kraft zu erkennen geben. Die Elektrisiermaschinen geben dem schon seit lange her ein Zeugnis. Denn durch das Herumdrehen einer Glasscheibe oder eines Glaszylinders oder auch eines Harzkuchens mit einer dazu eigens bereiteten Platte, welche die Verbindung mit dem Glase oder Harzkuchen herstellt, wird die dazwischenkommende Luft gedrückt, und der in ihr leicht entzündbare Phosphor wird besonders von metallenen Spitzen angezogen und kann durch eine weitere Leitung in den gewissen Flaschen angesammelt werden, d.h., wenn sie innen ebenso wie auch außen mit Metall belegt sind. Auf die gleiche Weise entzündet sich der in der Luft überschwenglich vorhandene sideral-elektromagnetische Stoff ebenfalls nur durch die Reibung der gegeneinander strömenden Luft, und ihr habt diesem Stoffe die gefürchteten Blitze und den Donner zu verdanken.

05. In der heißen Zone nimmt dieser Stoff einen oft sehr gefährlichen und verheerenden Charakter an, besonders in jenen Gegenden, die wenig oder gar keine Gebirge, kein Wasser und auch keine Pflanzenvegetation besitzen. Denn er ist dann der eigentliche zerstörende und verheerende heiße Flammenwind, den die Reisenden solcher Gegenden nicht selten zu verkosten bekommen haben und man nachher wie noch bis heute ganze Karawanen mit dem heißen Wüstensande bedeckt wie verkohlt angetroffen hat.

06. Dieser Stoff gibt sich auch zu erkennen, wenn man zwei harte Körper aneinander reibt oder stößt. Wieder gibt sich dieser Stoff auch nicht selten auf der Oberfläche des Meeres in einer weiten, unabsehbaren Fläche durch das euch bekannte Meeresleuchten kund, bei welcher Gelegenheit sogar Stricke und andere Gegenstände, die mit dem Wasser in Berührung kommen, zu leuchten anfangen. Desgleichen gibt sich dieser Stoff besonders an langen und heißen Tagen auch kund an einer Menge Art von Insekten und Würmern, die vermöge ihrer körperlichen Beschaffenheit und Einrichtung die Eigenschaft haben, solch einen Stoff gleich einer kleinen elektrischen Leidener Flasche an sich zu ziehen.

07. In Asien, Afrika und in der arabischen Wüste kommt ein größeres Insekt vor, wie auch im nördlichen Teil Amerikas, das man den Laternenträger nennt. Wenn es zur Nachtzeit auffliegt, beleuchtet es wie ein Kerzenlicht die Umgebung, und die Araber fangen solches Insekt nicht selten und gebrauchen es zur Beleuchtung ihrer finsteren Hütten, die gewöhnlich aus einem Filz und Kamelhaaren angefertigt sind. In den mehr tropischen Gegenden dienten daher auch ein paar trockene aneinandergeriebene Holzstücke zum Feueranmachen, und man könnte sich mit diesem Mittel auch am Ende hier im Notfall ein Feuer anmachen, aber freilich nicht mit so geringer Mühe wie in den tropischen Ländern.

08. Nun wißt ihr, was im Grunde des Grundes der Phosphor, der zumeist in den Knochen der Tiere und auch der Menschen vorhanden ist, für ein eigentlicher Stoff ist. Es wäre jetzt nur noch eine Frage ganz kurz zu stellen und zu beantworten: nämlich warum dieser Urstoff in den tierischen und menschlichen Knochenteilen in der Jetztzeit als besonders vorherrschend angetroffen und durch die Wissenschaft der Chemie fast rein in körperlicher Form gewonnen wird und der Zusatz, wie schon bemerkt, bloß in etwas Sauerstoff in Verbindung mit Urkalk, der eigentlich die Hauptgrundlage für das menschliche Knochensystem ausmacht, besteht.

09. Diese Frage zu beantworten ist ganz leicht. Sehet, jene Vorwelttiere, die präadamitischen Menschen mit eingerechnet, hatten sehr wenig Phosphorgehaltes in sich, dafür aber desto mehr Kohlensauerstoff in Verbindung mit dem Urkalk. Daher verwesten sie in der Erde auch ganz schwer und langsam, und ihre Knochen aber gar nicht, sondern gingen in eine Art Versteinerung über. So auch die präadamitischen Menschen, wenn man sie so nennen will.

10. Nun aber die Erde nach allen Richtungen hin dem Einflusse und dem Zuströmen der Sideralgeister allenthalben und zum größten Teile freigestellt ist, so hat sich dieser Urstoff auch in einem außerordentlich reichen Maße mit der atmosphärischen Luft der Erde in eine ununterbrochene Verbindung gesetzt. Und dieser Stoff ist dann der kräftige Mithelfer, daß tierische und menschliche Leichname um so leichter und um so schneller verwesen, wodurch dann die Seele, besonders des Menschen, um so eher mit dem sich vereinen kann, was ihr Leib aus der Sphäre des Sideralgeistigen und darum der Seele Angehörigen in sich hatte. Und ihr werdet jetzt nicht mehr so leicht versteinerte Tierknochen aus der jüngeren Zeit irgendwo antreffen.

11. Das Hauptvaterland des Phosphors sind und bleiben demnach von der Urzentralsonne angefangen auch alle anderen Sonnen in einer und derselben Hülsenglobe, und mehr braucht ihr über den Stoff nicht zu wissen. Darum diene euch das zur mannigfachen Belehrung als genügend. Amen.

Über die Evangelien. – 24. April 1864, von 4 Uhr nachmittags bis 6 3/4 Uhr abends.

01. Gelt ja, du Mein lieber Knecht, der auf einem Ohr taube Bär in deinem Traume hat dich auf einen großartigen evangelischen Widerspruch geführt, auf den du früher, von deiner Kindheit an, trotz deines oftmaligen Durchlesens des Neuen Testaments nicht gekommen bist.

02. Ich Selbst hätte dich in der Folge schon aufmerksam darauf gemacht. Aber besser ist es für dich und auch für viele andere, daß diese Sache schon jetzt an das Tageslicht gekommen ist, auf daß ein jeder erkenne und einsehe, daß Ich im Geiste nun wieder ganz besonders wahrnehmbar auf diese Erde gekommen bin, um die letzten Arbeiter in Meinen Weinberg zu dingen und aufzunehmen. Und diese Arbeiter sind eben die Weltklugen und weltweisen Philosophen, die sich soeben in dieser Zeit vollernstlich die Mühe nehmen, Mich, wie Ich unter den sogenannten christlichen Sekten jetzt bestehe, ganz auszumerzen und zu vertilgen samt jenen Evangelien, die erst zwei- bis dreihundert Jahre nach Mir das geworden sind durch heidnische und jüdische Machinationen, was sie jetzt noch sind.

03. Die blinde Menschheit, die nichts prüft und noch nie etwas geprüft hat, glaubt teilweise noch jetzt an ein solches zum größten Teil heilloses Machwerk in Meinem Namen.

04. Ich will deswegen weder den Lukas, Markus noch Matthäus richten; denn sie haben sich zu ihrer Zeit zum wenigsten die Mühe gegeben, aus dem vielen schon vielfach Verunstalteten Meiner Lehre das Reinste und Beste herauszusuchen. Aber was die materiellen Fakta anbelangt, da haben zum Teil sie selbst gedichtet und zum größten Teil mußten sie dann doch am Ende aus dem etwas nehmen, was sie aus dem Munde solcher Menschen vernommen haben, die da oft genug dreist und keck vorgaben, daß sie von diesem und jenem Augen- und Ohrenzeugen waren. Darauf verglichen sie das mit den ihnen bekannten Stellen aus den alten Propheten und fanden es übereinstimmend, was sie geschrieben haben, und damit war für sie das Kriterium für die Wahrheit dessen, was sie niedergeschrieben haben, vollkommen fertig und gültig.

05. Wenn es mit diesen Evangelien noch bei dem geblieben wäre, so wäre es allerdings noch um vieles besser, als es jetzt ist. Denn in diesen Evangelien stand viel zu wenig des Wunderbaren, des Grausamen und des Schrecklichen für die Menschheit, daher man es später für notwendig gefunden hat, besonders zum Teil unter den Judenchristen, Griechen und Römern schon hundert Jahre vor der großen Kirchenversammlung zu Nicäa, viele Beisätze zu machen – besonders jene, die stark nach Wundern riechen und die ein stark strafgerichtliches Gesicht haben, um Mich als den Beglücker der Menschen, der den Menschen nichts so teuer ans Herz gelegt hat als die Liebe und die Wahrheit, gerade zum Gegenteil zu machen.

06. Ich habe nie gegen die rechte Wissenschaft der Menschen geeifert, sondern habe bei vielen Gelegenheiten die Menschen über gar vieles belehrt, darin sie früher in der vollen Unwissenheit und Blindheit gestanden sind; darum Mich denn auch die betrugssüchtigen Pharisäer am meisten haßten, weil Ich das Volk in allem belehrte, worin sich früher die Pharisäer die größte Mühe gegeben haben, das Volk nach Möglichkeit zu verdummen zu ihren losen Zwecken.

07. Und sie haben es auch wirklich dahin gebracht, daß so ein hoher Priester Hannas oder Kaiphas, um das Volk zu größerer Opferwilligkeit zu bewegen, im Tempel mit grimmiger Stimme ausgesagt hat, daß im Bache Kydron drei Tage lang nichts als Blut fließen müsse und die Sonne einen ganzen Tag hindurch nicht scheinen dürfe, das Volk solchem Unsinne geglaubt hat, sich aus lauter Furcht vor solcher Strafe in ihre innersten Zimmer verkroch, und wenn die Strafzeit vorüber war, voll Furcht, Angst und Zittern den Kydron besichtigen ging, ob noch Blut fließe. Und hatte der Kydron sein natürliches Wasser, so hatte das Volk nichts Emsigeres zu tun, als schwere Opfer in den Tempel zu bringen und diese den Priestern vor die Füße zu legen.

08. Die Sonne hat freilich auch an einem solchen Tage fortgeschienen und im Bache Kydron ist kein Tropfen Blut geflossen, wovon sich die gescheiten Juden wohl selbst überzeugt haben und darüber auch die armseligen und zu abergläubischen gemeinen Juden belehren wollten, aber meistens ohne Erfolg; denn diese haben in ihrer Einbildung und Furcht Blut fließen und auch die Sonne nicht scheinen sehen einen ganzen Tag lang.

09. Und wie das gemeine Volk zu jeder Zeit in dem allerblindesten Aberglauben sich befand, so befindet es sich heutzutage auch noch. Ihr könnt solchen Menschen die absurdesten Wundermärchen erzählen, und sie werden sie glauben. Und so es diese ihren Nachbarn weitererzählen, so werden diese noch vieles hinzusetzen und es auch noch ins Wunderbare verkehren, was ihnen von seiten des ersten Erzählers etwas zu wenig wunderbar vorgekommen ist. Aber von irgendeiner Wahrheit ist mit ihnen nichts anzufangen.

10. Darum war es auch zu Meiner Zeit überaus schwer, die eigentlichen Stockjuden zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen; es mußte denn ein Wunder geschehen, durch das sie von ihrem Schlafe wachgerüttelt wurden und dann bei sich ein wenig nachzudenken anfingen, was Ich mit dem oder jenem gesagt habe.

11. Ich habe aber den Aposteln schon zu Meiner Zeit zu mehreren Malen gesagt, daß sie bei Weiterverbreitung Meiner Lehre viel weniger von Meinen Wundern als vielmehr von der inneren Wahrheitstiefe Meiner Lehre reden und predigen sollen.

12. Nur der einzige, Johannes, blieb dieser Mahnung getreu, alle die andern um vieles weniger; sie fingen lieber gleich bei den Wundertaten an und fingen dann erst vom Reiche Gottes und der inneren Wahrheit zu reden an, so die Zuhörer schon vorher mit den Wundertaten umgarnt waren.

13. Die Sucht, Wunder zu erzählen, stieg dann von einem Dezennium zum andern so sehr, daß eine große Anzahl von teils geschriebenen und noch mehr von den traditionellen Evangelien derart anwuchs, daß daraus kein Mensch mehr klug werden konnte.

14. Lukas wie auch der Pseudo-Evangelist Matthäus (l'Rabbas) haben ihre Evangelien eben nicht gar zu sehr viele Jahre nach Mir aufzuzeichnen angefangen und haben sich aber dennoch in manchem derart verstiegen, daß am Ende unter ihnen selbst in so manchen ganz wichtigen Dingen der größte Widerspruch ans Tageslicht kommen mußte.

15. Vom Prüfen war in jener Zeit ohnedies keine Rede; denn ein jeder Evangelist hatte seine gewissen Leser und Zuhörer und hat sich um einen andern Evangelisten wenig gekümmert, und die Evangelisten selbst hielten sich auch nur an das, was sie niedergeschrieben hatten und hatten sogar mitunter eine rechte Freude daran, so ein anderer Evangelist das in seinem Evangelium nicht hatte, was der eine oder der andere in seinem Evangelium besaß.

16. So kümmerte sich denn auch l'Rabbas wenig oder gar nicht um den nach dem achten Tage der Geburt im Tempel beschnittenen Jesus, und so auch nicht um die drei Weisen aus dem Morgenlande und um die Flucht nach Ägypten und den grausamen Kindermord durch Herodes in Bethlehem.

17. L'Rabbas (Pseudo-Matthäus) hat solche Kunde zu Tyrus und Sidon erhalten und hat sie auch aufgezeichnet, aber da er selbst, wenigstens ehedem, mehr Heide als Jude war, so kümmerte er sich auch wenig um die Beschneidung des Kindes Jesus. Und so weisen diese beiden Evangelisten einen der merkwürdigsten Widersprüche unter sich auf, während sie in vielen andern Stücken bis auf die Orts- und Zeitangabe miteinander harmonieren.

18. Nach Lukas besteht sodann ein allen jüdischen Gesetzen und Gebräuchen vollkommen entsprechend beschnittener Jesus, der zu Bethlehem in einem Schafstalle geboren und nur von den Hirten begrüßt wurde, den Besuch von den drei Weisen aus dem Morgenlande gar nicht erhielt, nicht nötig hatte, nach Ägypten zu fliehen, sondern dafür ganz gemütlich nach Nazareth zurückzukehren und daselbst ganz ruhig sein zwölftes Jahr ohne irgendwelche Verfolgung von seiten des Herodes abzuwarten und dann mit seinen Eltern nach Jerusalem eine Wanderung zu machen.

19. Bei Matthäus sehen wir Jesus in einem ordentlichen Hause zur Welt kommen, der von den Hirten nicht begrüßt wird, dafür aber von den drei Weisen aus dem Morgenlande, von denen dem Lukas in seinem Evangelium nichts geträumt hatte, wie auch gar nichts von der Flucht nach Ägypten, nichts von dem grausamen Kindermorde zu Bethlehem durch Herodes und auch nichts von der Rückkehr Jesu aus Ägypten nach Galiläa unter dem Könige Archelaus. Dafür aber hatte dem Matthäus von der Beschneidung Jesu im Tempel nach acht Tagen und von so manchem andern, was da vor sich gegangen ist, nichts geträumt. Und so habt ihr nach den Schriften dieser beiden Evangelisten einen beschnittenen Juden-Christus und einen unbeschnittenen Heiden-Christus!

20. Mit dem zwölften Lebensjahre Jesu fangen die beiden Evangelisten wieder an einstimmig zu werden bis auf einige minder bedeutende Nebenumstände.

21. Nun frage sich ein jeder: Welcher von den beiden Evangelisten für sich ist da bei der Wahrheit geblieben? Und die Antwort darauf lautet: An und für sich keiner! Denn ein jeder gab nur von dem Kunde, von dem er reden gehört hatte. In Jerusalem getraute sich niemand aus Furcht vor der Strafe von der übermäßigen Grausamkeit des Herodes zu reden; zu Sidon und Tyrus im damaligen Cölesyrien aber haßte man Herodes mehr als den Tod und verschwieg seine Grausamkeiten nicht, wie auch die Veranlassung nicht, die ihn zu dieser geführt hatte.

22. In gleichem Maße würdet ihr bei genauer vergleichender Durchlesung der beiden Evangelien noch auf so manche gar bedeutende Widersprüche und Unebenheiten gelangen, die sich aber dennoch eher in einem gewissen Grade ausgleichen und berichtigen lassen als der jüdisch beschnittene und heidnisch unbeschnittene Jesus.

23. Darum muß aber eben in dieser Zeit sowohl der alte und noch mehr der neue sich in allem Mir widersprechende Unsinn aus diesen Evangelien völlig ausgemerzt werden – und Ich Selbst mit ihm, auf daß das einzige und bleibend wahre Evangelium Johannes in sein volles Licht trete.

24. Denn ein jeder wird es leicht verstehen und begreifen, daß Ich unter dem Gesichtspunkte dieser vier nun bestehenden Evangelien und auch so mancher Briefe des Paulus und der andern Apostel für die Länge der Zeit nicht mehr bestehen kann, weil darin ein jeder vorkommende Widerspruch Mich vor den Gelehrten der Welt Selbst zum Widerspruche macht – gleich also wie bei den gegenwärtigen Christensekten, von denen auch jede Sekte ihren eigenen Christus hat, der sich die Freiheit nimmt, jeden andern Christus einer andern Sekte kreuz und quer zu verdammen.

25. Wer das nicht glauben will, der sehe nur irgend wenigstens die katholischen Übertrittsformeln an, so zum Beispiel ein Protestant in die katholische Kirche übertreten will, lese sie, und er wird sich von dieser gegenseitigen Christusverdammnis vollkommen überzeugen, denn in der muß der Übertretende seine noch protestantischen Eltern, seine Geburt mit allem und jedem und auch alle seine protestantischen Glaubensdinge bis in den tiefsten Grund der Hölle verdammen; dann erst wird er in die Gemeinschaft der Gläubigen Roms unter allerlei Zeremonien aufgenommen.

26. Und so steht es zumeist zwischen den Hauptsekten. Wie soll da einmal ein Hirt und eine Herde werden, wo die Sekten-Christusse selbst ärger übereinander erbost sind als die reißendsten und wildesten Tiere der Wälder?

27. Also alles das muß weg, und dafür habe Ich schon die Arbeiter in Meinem Weinberge bestellt, und sie arbeiten emsig und fleißig, und es werden bald gar viele noch nach ihnen kommen, die noch emsiger, fleißiger und wirksamer arbeiten werden, auf daß dann Ich in der Wahrheit zu den Menschen kommen kann als wahrer Christus und Gott von Ewigkeit – und nicht als solcher wie jetzt, der Ich nach dem Wohlgefallen einer jeden Sekte im ganzen nichts anderes zu tun habe, als in einem fort zu richten und zu verdammen und nur diejenigen im Himmel beglücken und beseligen kann und darf, die von ihren Sektenvorstehern und Stellvertretern Gottes dazu als würdig und fähig befunden werden.

28. Wer sich zum Beispiel in der Gnade eines solchen Gottesstellvertreters, besonders durch ausgezeichnete Opfergaben, befindet, der muß sich dann – nach ihrer Lehre – auch in Meiner Gnade befinden! Ihr sehet das nun wohl selbst ein, daß sich ein solch heilloser Unsinn, nachdem Ich einmal als Blitz am Firmamente aufgegangen bin, für die Folge hin trotz aller Konkordate nicht mehr halten kann.

29. Darum lassen wir der Wissenschaft nun ihren vollen Spielraum; denn sie ist nun ein wirksames Feginstrument, um den Unrat aus der Welt zu schaffen, und ist zugleich ein kräftiger Riese Herkules, der den großen Stall des Augias von seinem Miste zu reinigen verstand, was als eine gute Fabel des urgrauen heidnischen Altertums noch in dieser Zeit ganz gut zu gebrauchen ist.

30. Dieses nun euch Gezeigte und Gegebene überdenket wohl und lasset euch damit erleuchten; denn es ist euch gegeben von Mir, dem allein wahren Christus, und von keinem Pseudo-Christus, dem die Wahrheit ein verdammlicher Greuel ist. Amen.

Die Entstehung des Neuen Testaments – geschichtlicher Überblick. – 25. April 1864, von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags.

01. Ich habe dich schon gestern auf eine Menge anderer kleiner Widersprüche aufmerksam gemacht, die sich in den drei Evangelien des Matthäus, Lukas und Markus begegnen. Und Ich will dich noch auf einige andere aufmerksam machen, die sich in der späteren Zeit nicht nur unter diesen bekannten drei Evangelisten, sondern noch bei weitem mehr unter der Menge der andern, sowohl jüdischen als auch heidnischen Weiterverbreiter Meiner Lehre, die man auch Evangelisten nannte, in den verschiedenen Gemeinden derart eingewurzelt haben, daß schon in kaum dreißig Jahren nach Mir wegen der Verschiedenheit der Aussagen in den Schriften von Mir förmliche Kriege und sonstige Schlägereien sich erhoben haben – unter denen gleich jene zu Neros Zeit in Rom zwischen den vielen Judenchristen und paulinischen Heidenchristen derart feindselig ausgebrochen sind, daß es Nero notwendig erschien, die große und überwiegende Anzahl der Judenchristen in Rom samt einem großen Anteil der von ihnen bewohnten Stadt zu vertilgen und sogar jener Römer nicht zu schonen, die das Panier des Judenchristentums gewisserart als Kennzeichen öffentlich zur Schau trugen.

02. Aber es hat auch selbst diese grausame Verfolgung der Judenchristen von seiten Neros wenig gefruchtet; denn unter den späteren Nachfolgern dieses Kaisers wußten sich die Juden dennoch wieder in Rom einzuschmuggeln und machten aus Rom ein zweites Jerusalem gleichwie die Griechen aus Konstantinopel. Und wie das geschehen war, so wurde besonders das römische Jerusalem (Rom) stets mächtiger und mächtiger und fabrizierte sich – zum Teil aus den Judenevangelien und zum Teil aber auch mit der Annahme der alten jerusalemischen Tempelgebräuche und auch mit der der römischen Heiden – das, was das römische Pontifikat betroffen hat.

03. Die Römer waren demnach im Besitze aller möglichen Judenevangelien sowie der alten Judenschriften und auch der Heidenevangelien und stellten da gewisse gelehrte Kirchenväter auf, welche die Hauptfabrikanten der römischen Dogmen waren, die aber den griechischen Evangelien oft schnurstracks entgegen standen, – und das um so leichter und um so mehr, weil der römische Oberhirte nichts Emsigeres zu tun hatte, als auch die Griechen mit seinen Missionaren zu beschicken, was nach 300 Jahren (325) nach Mir unter den Gläubigen eine solche Verwirrung hervorgebracht hatte, daß da viele der Griechen wieder anfingen, die heidnischen Altäre und Tempel aufzurichten und darin (in den Tempeln) der Göttin Minerva, dem Gott Apollo, dem Jupiter und der Ceres ihre Opfer darzubringen.

04. Kaiser Konstantin, der für sich ein eifriger Christ war, beschloß diesem Unfuge dadurch Schranken zu setzen, daß er in der Stadt Nicäa als dem Hauptsitze der verschiedensten Glaubensmeinungen eine große Kirchenversammlung zusammenberief, zu der auch der Oberbischof von Rom geladen wurde. Konstantin selbst führte den Vorsitz und zeigte ihnen die üblen Folgen, die sich in jüngster Zeit aus der großen Glaubensverschiedenheit über Christum erheben müssen.

05. Er schlug ihnen denn eine vollkommene Sichtung sowohl der vielen geschriebenen Evangelien, wie noch mehr jener der traditionellen vor und sagte, daß man aus den vielen sich einander völlig widersprechenden Evangelien nur eines einzigen, und zwar dessen des Johannes sich bedienen soll, damit die Christen im Glauben einig würden und sich nicht mehr wegen der Glaubensverschiedenheit gar so verfolgten wie die wilden Tiere – und die Heiden lieber wieder zu ihrem alten Heidentume zurückkehrten, als so verbleiben unter einer solchen Lehre, von der man bei dem besten Wissen und Willen nirgendwo Wahres und Rechtes mehr erfahren kann.

06. Denn so es in der Christenlehre irgend einen Stifter gegeben habe, so muß er nur Einer gewesen sein, der auch nur eine Lehre den Menschen überliefert hat. Und diese eine Lehre muß einen Sinn und einen Geist haben. So aber gibt es schon seit lange her eine große Menge geschriebener Evangelien und eine noch größere Menge der von Mund zu Mund überlieferten, von denen ein jedes von seinem ganz eigenen Christus spricht, der mit den andern Christussen nicht die geringste Ähnlichkeit hat.

07. Es werden demnach alle die vielen Evangelien bis auf eines, welches wohl das älteste sein dürfte, vollends zu verwerfen sein. Und so dieses von den Bischöfen nicht sollte genehmigt werden, so werde er sich von dem Christentume ganz abwenden und allenthalben in seinem großen Reiche das alte Heidentum wieder aufrichten lassen, das für sich trotz der vielen Götter um vieles einiger war als ein solches zerklüftetes Christentum. –

08. Da schlugen ihm die griechischen Bischöfe vor, daß die Namen Matthäus, Markus und Lukas auch in die alte Christenzeit zurückfallen und nicht irgend doppelt oder auch noch mehrfach unter einem und demselben Evangelisten-Namen erscheinen. Und der Kaiser willigte dazu ein unter der Bedingung, daß man dazu auch die Lehre des Heiden-Apostels Paulus in Anbetracht ziehen solle und mit ihr alle die andern Evangelien fegen.

09. Man machte ihn zwar darauf aufmerksam, daß auch Paulus sich in seiner Lehre nicht immer gleich geblieben sei, und er an die Heiden ganz andere Briefe schrieb und an die Juden wieder andere, die sich im Sinne und Geiste nicht völlig ähnlich wären. Und Konstantin sagte, daß dies eben nichts mache; denn Paulus habe doch am meisten bewiesen durch Worte und Taten, daß er keinen falschen Christus predige, sondern nur Den, dessen Geist ihm vor Damaskus wunderbar das Amt eines wahren Apostels gegeben hat.

10. Nach mehr als dreißigjähriger Beurteilung verwarf man endlich doch alles bis auf die vier noch gegenwärtig vorhandenen Evangelien samt der Apostelgeschichte des Lukas und den Briefen des Paulus und einigen wenigen Briefen weniger alter Apostel Christi mit der Offenbarung Johannis, schrieb das alles nach der Ordnung in ein Buch und hieß es infolge der beiden Briefe des Paulus an die Hebräer: ‚Das neue Testament‘ – welches dann von allen Bischöfen angenommen ward, das man aber in späteren hundert Jahren darauf doch wieder dahin umgemodelt hatte, daß man den Evangelisten Johannes in den Hintergrund schob und Matthäus, Lukas und Markus voransetzte und auch in den Kapiteln und Versen eine kleine Abänderung machte und überall vorzeichnete, an welchem Festtage ein oder das andere Evangelium dem Volke vorzutragen sei, wonach sich die Griechen noch heutigentags richten wie auch manche anderen christlichen Sekten.

11. Rom aber hat für sich dennoch eine eigene Einteilung gemacht und hat in den späteren Zeiten fürs Volk ein kurzes Auszugs-Evangelium fabriziert für Sonn- und Feiertage. Das ganze Evangelium wie auch die alten Bücher der Juden hat es dem Volke auf das strengste verboten zu lesen und die Übertreter dieses Gebotes sogar mit dem Tode bestraft.

12. Auf diese Weise ist das gegenwärtige Neue Testament entstanden und wurde nach und nach auch als solches von den Christen angenommen vor ungefähr dreizehnhundert Jahren, das aber besonders von den römischen Bischöfen noch allerlei Abänderungen und mitunter auch eigenmächtige Zusätze erhielt, wie solche in der römischen Vulgata, besonders aus den von den römischen Kirchenvätern herrührenden Exegesen zu ersehen und zu erkennen sind und ein jeder nur ein wenig helldenkende Mensch es bald innewerden kann, wessen Geistes Kinder sie sind.

13. Da kommt besonders eine solche Zusatzlehre vor, nach der die Seelen der Verstorbenen bis an den Jüngsten Tag hin zu schlafen haben, welche Lehre man mit dem griechischen Ausdruck Psychopanechia – d.i. Seelenschlaf – bezeichnete.

14. Diese Lehre aber erhielt sich nur so lange, bis ein Papst das heute noch bestehende römische Meßopfer einführte und dieses mit allem Pomp den römischen Christen dahin erklärte: daß es als ein unblutiges Opfer die vollends gleiche Kraft und Macht habe wie das einstige blutige Opfer Christi am Kreuze, und daß sich also Christus auf diese Weise wundersam für die wahren Christgläubigen der römischen Kirche Seinem Vater im Himmel aufopfere, und daß ein rechtgläubiger Christ, der ein solches Opfer zu seiner Heiligung mit der dafür (nötigen) Darbringung eines kleinen diesweltlichen Opfers lesen lassen würde, alsogleich nach dem Tode des Leibes ohne langen Seelenschlaf von Christus erweckt und zur ewigen Glückseligkeit berufen werden könne. Und sei der Christ nicht ganz vollkommen, so könne er mehrere solcher Opfer für sich darbringen lassen und würde dadurch der ewigen Verdammnis entgehen und nach einer kleinen Läuterung jenseits im sogenannten Fegefeuer dennoch in den Himmel gelangen.

15. Also ging das Dogma vom Seelenschlaf, mit dessen Beibehaltung das neu erfundene Meßopfer nichts eingetragen hätte, nach und nach selbst schlafen wie auch jenes geradezu lächerliche Dogma, das da ernstlich lehrte, daß Gott nur einen geringen Teil der Menschen für den Himmel, den größten Teil derselben aber für die Hölle erschaffen habe.

16. Diese beiden dummen Lehrsätze hat man mit der Zeit endlich ganz aufgehoben, aber dafür die bekannten fünf Kirchengebote und etliche neu kreierte Sakramente eingeführt, die Ich euch nicht eigens zu sagen brauche, da sie ein jeder an und für sich leicht erkennt.

17. Obschon dadurch die christliche Lehre auf den strengen Rat des Kaisers Konstantin sehr vereinfacht wurde, so ist aber dennoch des Kehrichts in überflüssiger Menge in ihr zurückgeblieben trotz der oftmals zugelassenen und vorgenommenen Sichtungen, von denen eine jede eine gewisse Sektenabtrennung zur Folge hatte, wodurch dann wieder mehrere Christusse entstanden sind, die bis zur Stunde einander als gegenseitige Erzfeinde sich bei den Haaren ziehen.

18. Darum muß nun die letzte und größte Sichtung vor sich gehen, und wie schon früher bemerkt, die Sichtungsmaschine heißt: die Wissenschaft.

19. Die sich anfeindenden Christusse müssen hinaus samt allen ihren Anhängseln, auf daß der Eine von Johannes gepredigte Christus unter den Menschen erscheine und Wohnung nehmen kann.

20. Es wird zwar das noch so manchen harten und schweren Kampf mit sich bringen, von dem aber eben die wahren Anhänger Christi nichts zu befürchten haben; denn sie werden in allem vielfach gestärkt werden, woraus dann auch den andern bis jetzt noch minder Gläubigen ein Licht aufgehen wird, welches auszulöschen sie nicht mehr imstande sein werden.

21. Und Ich, der Herr, der dieses durch den Mund Johannis zu euch geredet hatte, werde die Erde auf allen Orten und Punkten mit allerlei Gericht und Kalamitäten, als durch gewaltige Kriege, durch große Teuerung und Hungersnot, durch allerlei Pestilenz unter den Menschen und Tieren, durch große Erdbeben und andere Erdstürme, durch große Überschwemmungen und auch durch Feuer heimsuchen. Aber die Meinen werde Ich in der Liebe erhalten, und sie werden an nichts Mangel zu erleiden haben.

22. Wer Mich aber nun in dieser Meiner zweiten Ankunft wird wie und wo immer zu verfolgen trachten, den werde Ich von der Erde zu vertilgen verstehen.

23. Was aber die andern Widersprüche in den vier vorhandenen Evangelien noch betrifft, so werden sich diese von selbst im ‚Johannes‘ verlieren, und Ich werde dafür wie gesagt am Ende noch einen eigenen Anhang hinzufügen, durch welchen alles Unrichtige vollends gründlich erkannt wird.

24. Und somit begnüget euch vorderhand mit dem, was Ich euch gegeben habe und arbeitet fleißig am ‚Johannes‘; denn in dem werdet ihr noch zu einer Überfülle des inneren Lichtes gelangen. Hat aber jemand etwas für sich, das er wissen möchte, so mag er fragen, und Ich werde also bereit sein, ihm darüber ein kurzes und helles Licht zu geben. Amen.

Über die Wärzchen des Herzens und der Zehen. – 9. Mai 1864.

Schreibender: L. Cantily.

Frage von Leopold Cantily: Im ‚Mittelpunkt der Erde‘ (Erde und Mond) heißt es, daß die Erde das Wärzchen des kleinen Zehens am linken Fuße sei, und im ‚Johannes‘ wird gesagt, die Erde sei das positive Zentralwärzchen der linken Herzhälfte. Wie ist das zu verstehen?

01. Für einen rechten Denker, der zwischen dem, was materiell und was geistig ist, einen rechten Unterschied zu machen verstünde, wäre zwar die Sache für sich selbst begreiflich. Allein, wer da den Unterschied noch nicht aus der vollen Tiefe heraus zu begreifen imstande ist, dem muß das freilich als wenigstens ein scheinbarer Widerspruch vorkommen.

02. Im ‚Mittelpunkt der Erde‘ ist hauptsächlich nur von der materiellen Erde die Rede und von der geistigen nur insoweit, als sowohl die Naturgeister und auch die Seelen der vielen Verstorbenen in der Sphäre dieser Erde und noch ziemlich weit über sie hinaus ihre Wohnung haben.

03. Im ‚Johannes‘ ist pur nur von der geistigen Erde die Rede, und somit kommen denn auch in bezug auf den Großen Weltenmenschen zwei sich scheinbar widersprechende Lebenserläuterungen vor.

04. Die Füße des Menschen sind zwar die untersten Teile bei ihm, aber dessenungeachtet, was ein jeder leicht begreifen kann, für die Existenz des Menschen die wichtigsten. Denn stellt euch die Menschen ohne Füße vor, was würden sie mit allen ihren anderen Fähigkeiten ausrichten, so sie sich nicht leicht und behende von einem Orte zum andern mittels ihrer Füße bewegen könnten? Mit ihren Händen allein würden sie nicht weit kommen. Bewegung ist aber ja die Hauptsache des Lebens; denn je mehr ein Mensch oder auch ein Tier die Bewegungsfähigkeit in seinen Gliedern verliert, desto näher sind sie auch dem Tode, das heißt, was das natürliche, physische Leben betrifft.

05. Denn was das geistige Leben an und für sich betrifft, so ist es die alles belebende und schaffende Kraft selbst, die durch nichts zerstört werden kann. Das physische Leben aber ist nur ein durch den Einfluß der äußeren Kräfte bewirktes, wenn der physische Organismus so gebaut ist, daß er für die Aufnahme und für die Wirkung der freien Kräfte taugt. Ist er für diese Einwirkung einmal untauglich geworden, so begeben sich die Lebenskräfte wieder in ihre Freiheit und Ruhe und der Organismus zerfällt wieder in sein früheres Elementarwesen.

06. Das Wärzchen unter der kleinen Zehe am linken Fuße entspricht demnach dem innersten positiven Wärzchen im Rückenteile des Herzens im Menschen und das am rechten Fuße dem negativen, und es hängt von der Gesundheit, dem Fortbestande dieser gegenseitigen Entsprechung die ganze Bewegung der Füße ab.

07. Wer an diesen beiden allerunbeachtetsten Extremitäten durch was immer einen Schaden erlitten hat, der wird bald krumm werden und sich schlecht fortbewegen können. Es wird dadurch nicht die volle Bewegungslosigkeit eintreten, weil das vorbenannte Wärzchen auch auf den Vorderballen der andern Zehen, so auch an den Hinterballen, wovon die Zehen die Ausläufer sind, wie danach an der ganzen Fußsohle und an der Ferse seine Endausläufer hat. Aber dessenungeachtet würde der Mensch bei Verlust einer der beiden kleinen Zehen, besonders am linken Fuße, im Gehen eine ganz gewaltige Lähmung gewahr werden.

08. Wenn daher von einem solchen Wärzchen die Rede ist, so ist darunter allzeit nur das Wärzchen im Herzen zu verstehen, und wo dieses hingehört, da gehört auch das Wärzchen des Zehens hin. Der Unterschied ist nach Umstand der Sache denn nur ein verbaler und kein reeller; denn die Geltung für das Geistige und Wahre hat nur das, was in sich selbst geistig und wahr ist und von dem das Leben abhängt. Und somit ist denn auch unter den beiden von Mir gezeigten Wärzchen, sowohl im ‚Mittelpunkte der Erde‘ (resp. ‚12 Stunden‘) als dann im ‚Johannes‘ so gut fürs große Ganze als gar kein Unterschied. Alles ist nur geistig zu nehmen, was in materieller Beziehung durch die entsprechenden Ausläufer allenthalben wirkt.

09. Wer dieses richtig in seiner wahren Tiefe erfaßt, der wird sich auch danach halten und keinen Unterschied mehr finden; denn das Leben ist überall Leben, aber sein Hauptstammsitz ist dennoch dort nur, von wo es ausgeht.

10. Ich Selbst als der Urquell alles Lebens wohne gleichfort in Meinem urewigen Zentrum, aber Ich bin dessenungeachtet als das gleiche Leben in der ganzen Unendlichkeit gegenwärtig. Das gleiche Leben, welches das Herz erweckt, bewegt auch den ganzen Leib. Wer das versteht, der versteht auch alles andere, und Ich brauche dir darüber nichts weiteres mehr zu sagen. Amen.

Anhang – Vaterworte in stürmischer Zeit

Über Spekulanten und Wucherer. – 19. Juli 1847.

O Herr, Du lieber heiliger Vater! Siehe, Du hast für uns unwürdigste Sünder dieses Jahr mit allem dergestalt gesegnet, daß nach der Kunde von allen Erdgegenden man sich kaum irgendwann eines so überaus gesegneten Jahres erinnert, als nun da ist dieses gegenwärtige Jahr 1847. Überall Obst in großer Menge, die Feldfrüchte überreich, auch die Erdäpfel versprechen bis jetzt eine sehr reiche und gesunde Ernte, und der Weinstock ist auch allenthalben reichlichst beladen und läßt mit Deiner Gnade ebenfalls eine reichliche Fechsung (Ernte) erwarten. Also ist auch fürs Futter der Tiere gesorgt. – Kurz und gut, dies von Dir über und über gesegnete Jahr läßt nichts zu wünschen übrig, was da betrifft Deinen Segen.

Aber siehe, o heiliger gerechtester Gott und Vater! trotz dieser Deiner Segnung fängt hie und da schon wieder ein neuer, gräßlichster Wucherwurm sein rein höllisches Metier zu treiben an. Er kauft um hohen Preis die heurigen Kornfechsungen zusammen, um dadurch fürs erste wo möglich den hohen Getreidepreis aufrechtzuerhalten und seinen alten Vorrat um den wahrsten Sündpreis an den Mann zu bringen; und fürs zweite, um dadurch für die Zukunft eine künstliche Getreidenot zu erzielen und damit die Getreidepreise so hoch als nur immer möglich zu heben! – O Herr! – hast Du denn für diese allerechtesten Teufel von Wucherern keine Blitze mehr und keine Pest?! – Wie lange wirst Du an ihnen denn noch Deine Geduld erproben?

01. Schreibe nur Meine gerechte Zornantwort als Vorhersage dessen, was Ich ehestens tun werde. –

02. Siehe, du Mein armer Knecht, Blitze würden weniger erzwecken bei dieser Sache, als dir ein schlechtes Pfennigstück zum Ankaufe einer Herrschaft, und die Pest würde die Unschuldigen mit den Schuldigen treffen. Und würde Ich ob einiger Auswürflinge der Hölle die Erde verfluchen, da ginge es alsogleich auf der ganzen Erde zu wie zu den Zeiten Noahs und zu den Zeiten Lots!

03. Aber Ich habe etwas ganz Eigentümliches beschlossen, das Ich ehestens tun werde allen Wucherern und anderen Spekulanten; einen Lohn werde Ich ihnen geben, über den sich der Satan selbst samt allen seinen Engeln hoch verwundern solle!!! – – –

04. Wahrlich, wahrlich, wer jetzt lacht in seiner Fülle und seinem Reichtume, während zahllose Arme nicht wissen, woher sie morgen einige Kreuzer fürs Brot erbetteln sollen, der solle Mir in kurzer Zeit auf eine Art weinen, von welcher Art zu weinen die Welt noch nie ein Beispiel gesehen hat!!! – – – Ich sage dir, das wird mehr und unaussprechlich ärger sein allen diesen Spekulanten und Wucherern und Häuser- und Wohnungsmaklern und Industriehelden und allen großen Grundkäufern, Verkäufern und Besitzern und allerlei Baumeistern und Großplanmachern und Wechslern – als Blitz, Pest und Krieg!!! – – –

05. Die Brandfackel Meines gerechten Zornes ist bereits in die Erde gesteckt; mit einem Feuermeere Meines Zornes will Ich Meinen alten Rachedurst stillen!!! – – – Die Höllenbrut, dieses alte Natterngezücht solle es fühlen, wer Ich, der lange vergessene Gott, bin!!! – – – Sie, diese Brut, die den Vater schon lange mißachtete und gänzlich leugnete, nun von Tag zu Tag nur noch stets mehr leugnet, wird sich wohl müssen den ewigen allmächtigen Richter gefallen lassen; aber wie gesagt auf eine Art, von der noch keiner Hölle und keiner Welt je etwas geträumt hat!!! – – – Ich sage dir aber nicht wie und bestimmt – wann, auf daß Ich desto leichter und desto erschrecklicher in die Häuser der angeführten Frevler an Meiner Gnade und Erbarmung als ein allerschonungslosester Dieb, Räuber und Mörder zur tiefsten Nachtzeit werde einbrechen können!!! – – –

06. Siehe, für Blitze hat man nun schon die besten Ableiter erfunden, für Pest Kordone und verschiedene Arzneien von Wirkung, und den Krieg führt man nun mit Federn und mit dem Munde in den Kammern; aber gegen Mein neues Gericht trägt die Erde kein Gegenmittel, außer das Gebet derjenigen, mit denen Ich umgehe wie mit dir, du Mein armer Knecht. Diesen aber werde Ich für die Zukunft schon sagen, wann und für wen sie zu beten haben und unter welchen Bedingungen, auf daß Mich ja nichts behindern solle, Mein Gericht, das Ich lange zurückhielt, nun einmal in aller Schwere die Frevler kosten zu lassen, so keine Besserung geschieht!!! – – –

07. Damit begnüge dich; denn diesmal sollst du einem Jona gleich kaum umsonst Mein Gericht vorhergesagt haben amen, amen, amen. –

Meine Lehre lehrt Liebe und verbietet das Gericht. – 21. November 1847.

(Über Pettauer und Grazer Begräbnisse)

O Herr, Du bester Vater! Was sollen wir von der letzthinnigen Begebenheit (am 18. November) halten – und von jener auch, die sich unlängst in Pettau ereignet hatte? Was soll daraus werden? Was haben wir bei so bewandten Umständen zu erwarten?

01. So vernimm ein Wort der Weisheit und schreibe!

02. Wo der Feind gesät hat, da möchte er nun auch eine reiche Ernte halten, denn er meint, die Frucht sei reif; er täuscht sich aber gewaltig! Die Reife ist nur eine Scheinreife, und so da die Sichel an die Saat gelegt wird, wird kommen ein großer Sturm und wird mit sich führen Krieg, Hunger und Pestilenz. Und dieser Sturm wird sein die Stimme des Rufers in der Wüste, die da Mir bereitet die Wege. Was da krumm ist, soll eben werden und nieder das Hohe, das vor Mir ist ein Greuel!

03. Der Hure nächtliche Arbeit soll ihren Lohn finden, und mit den Gottverkäufern wird Rechnung gehalten werden, und die Rechnung wird eine strenge sein, und die Völker werden sich ums Kapital samt den lange schon fälligen Zinsen mit einer mächtigen Stimme melden. Alte Gläubiger werden kommen und sagen: Hure! So viel haben wir dir geliehen auf dein ehrlich aussehend Gesicht; gib uns nun, was du verheißen!

04. Da wird die Hure nackt dastehen in großer Schmach und Schande und wird sich winden wie eine Viper im heißen Sande. Aber die Gläubiger werden sich ihrer nicht annehmen, sondern werden glühende Steine schleudern nach ihr, auf daß sie zugrunde gehe, die so viele in den Abgrund gestürzt hat!

05. Meine Lehre lehrt Liebe und verbietet das Gericht! Diese aber predigen Haß und Verfolgung und Tod und wollen aller Welt Richter sein und Herren aller Herrscher und aller Herrlichkeit. Solches aber ist der eigentliche vollkommenste Antichrist, dessen Zeit des Sturzes nun herbeigekommen ist!

06. Was aber nun geschieht hie und da, das sind nur Gewitterwölkchen, die da anfangen, ihre Häupter über den Horizont von allen Seiten her zu heben und zu ziehen. Wenn sie sich erst völlig berühren werden, das heißt, wenn alles sich gegenseitig mitgeteilt wird, wie da allenthalben die Jünger der Nacht mit ihren Schafen verfahren, dann werden sich die Schafe in Löwen verwandeln und werden sie zerfleischen, die sich so lange ohne Scheu vor Mir mit ihrem Fleische gemästet haben und ihren Durst gestillt mit dem Blute der duldsamen Herde!

07. Wahrlich, auf diesem Boden solle kein Zweig mehr grün werden, und verflucht sei der Baum, der wohl ein reichlich Laub trägt, aber keine Frucht hat, Mich zu sättigen, so Ich komme und es Mich hungert!

08. Siehe, da gehen sie herum mit frechen und herrschsüchtig stolzen Gesichtern, verachtend den rechtmäßigen König und dessen Gesetz, verachtend jedermann, der nicht willfährig nach ihrer gold- und ruhmsüchtigen Pfeife tanzen will, und verachtend Mein Wort, und verachtend Mich Selbst! – Aber es solle bald ein anderer Pfeifer kommen, dessen Pfeife Ton sie also erschrecken soll, daß sie darob sterben werden!

09. Ich sagte wohl einst: „Auf dem Stuhle Mosis sitzen die Hohenpriester und Schriftgelehrten; was sie euch lehren, das haltet, aber seid nicht Nachahmer ihrer Werke, die da eitel böse sind!“ – Nun aber sage Ich: Höret auch ihre Lehre nicht, denn sie ist voll des Gerichtes und voll Hölle!

10. Wohl aber den wenigen Priestern, die noch die alte Liebe und den alten Jesus nicht gegen den Antichrist getauscht haben, und wohl auch euch allen, die ihr an Mir hanget! Aber dreifaches Wehe der Brut der Hure amen! – Das spricht, der alle Macht hat amen, amen, amen. –

Ein Wort dem And.h. W. – 30. November 1847.

01. Wachet und betet, auf daß ihr nicht fallet in die Versuchung! Nie wohl bäumt und krümmt sich der Wurm wütender, als so er seiner finsteren Larve plötzlich beraubt ans Licht hervorgehoben wird. Der Viper Biß ist nie unheilbarer als im grellsten Sonnenlichte, und nie ist ein Drache wütender, als so er am Tage aus seiner finstersten Hölle gehetzt wird! Daher wachet und betet, auf daß ihr nicht in die Versuchung der Hölle fallet, die nun ihren Rachen weit aufgesperrt hat, um alles zu verderben und zu verschlingen, was gegen sie sich irgend auflehnen würde.

02. Diese Hölle, dieser offenbarst über alle Begriffe herrschsüchtige Drache aber ist nun die Römerin bei euch. Diese will herrschen über Hölle, Erde und Himmel und scheut auch die schändlichsten Mittel nicht, um damit dieses Ziel zu erreichen, was aber von ihr freilich wohl ewig nie erreicht wird, und nun um so weniger, da ihre Zeit nahe völlig zu Ende ist. Das sieht sie heimlich bei sich wohl ein; aber sie läßt davon freilich wohl nichts merken und wehrt sich auch eher auf Leben und Tod, als daß sie ihre große Schande in der Fülle solle aufdecken lassen, – denn sie weiß es bei sich wohl, wie groß ihre Schande ist und wie voll des giftigsten Pestilenzeiters ihre Scham! – Ich aber lasse nun zu, daß sie allenthalben, wo sie sich nur immer festsetzen will, entlarvt wird und verfolgt von allem Lichte. Das erfüllt sie allenthalben aber auch mit der unersättlichsten Rache, daß sie Tag und Nacht nun rastlos nichts als einzig nur Pläne schmiedet, durch die sie sich an jedermann, der nicht vollends ihres Gelichters ist, nun auf eine allerunerhörteste Weise rächen könnte!

03. Daher sage Ich dir, du Mein lieber A. H. W., wie euch allen: Wachet und betet, auf daß ihr nicht in die Versuchung der Hure fallet! – das heißt, habet genau acht auf alle ihre Bewegungen, geheimen Anordnungen; überwacht ihre Predigten und besonders ihre Beichtstühle! Denn Ich sage dir und euch allen: Da werden die sogenannten Beichtkinder Lehren, Ermahnungen und Ermunterungen bekommen, vor denen euch allen die Haut schaudern würde, so ihr hinter alles kommen könntet.

04. Sie werden Haß gegen die politischen Obrigkeiten von den Kanzeln verkünden und Rache in den Beichtstühlen lehren und auch werktätig fordern von jenen, die eine vollkommene Lossprechung von all ihren Sünden erlangen wollen. Die aber da sich weigern werden, ihren Anforderungen zu entsprechen, werden mit einem heimlichen Bannfluche belegt werden und somit von ihnen aus dem Teufel und der Hölle übergeben, – wodurch manche Schwache verzweifeln werden, aber viele etwas Stärkere abfallen, was Ich nun auch haben will!

05. Die Hure wird sich dadurch selbst wohl den größten Schaden zufügen, der sie aber nicht klüger, sondern nur stets desto ergrimmter und rachsüchtiger machen wird, so daß sie sich am Ende meuchelmörderisch über ihre vermeintlichen Feinde hermachen wird und sich auf solchen Wegen bestreben, ihre Feinde aus dem Wege zu räumen. Und werden ihr solche Versuche nicht gelingen, so wird sie sich auf die allerabgefeimteste politische geheime Verleumdung verlegen und wird auf diesem Wege suchen, sich allertätigst ihrer vermeintlichen Feinde zu entledigen, so wie sie es auch nicht versäumen wird, durch energische und kunstvoll bewerkstelligte Wunder sich wieder in ihr altes inquisitorisches Ansehen zu setzen, wo Kaiser und Könige vor ihr gezittert haben!

06. Darum wachet wohl und betet, auf daß, so euch auch die Schlange beißen wird, euch ihr Gift doch nicht schaden wird. Und so sie vergifteten Wein euch vorsetzen werden, da werdet ihr ihn erkennen und werdet ihn nicht genießen; wenn ihr aber damit begossen und besudelt werdet, da wird kein Nachteil an euch haften bleiben. – Könntest du nun in die Herzen der Baalspfaffen schauen und sehen, wie es da kocht, saust und braust und tobt, du würdest viel ärger erschrecken, als so du am Rande des größten feuerspeienden Berges stündest! Diese Pfaffen werden nun alles unterminieren, und wenn endlich für sie alle Stricke reißen sollten, an denen sie sich nun noch einzelnweise irgend halten, dann erst werden sie auf einmal alle ihre höllischen Minen sprengen lassen, um dadurch entweder einen vollkommenen Sieg für sich zu ernten oder vollends zugrunde zu gehen, welch letzteres auch der sichere endliche Erfolg sein wird.

07. Wehe aber da dennoch vielen! Denn wo immer ein großer und schwerer Stein von einer großen Höhe herab in die Tiefe fällt, da richtet er stets eine desto größere Verheerung an, je größer und schwerer er selbst ist. – Durch euer sorglich Wachen und Beten aber könnet ihr diesen Stein, ja diesen großen, aber übermorschen Fels schon in seiner Höhe zerbröckeln; und so er dann herabrollen wird in die Tiefe, wird er wenig Schaden anrichten können!

08. Daher wachet allezeit und betet – und beobachtet den Feind in seinen geheimsten Schlupfwinkeln und leget einen kräftigen Damm, wo immer er wird durchzubrechen versuchen; sonst wird er dem Lichte noch große und bittere Kämpfe bereiten. – Habe keiner von euch, und du Mein A. H. W. besonders, irgendeine Furcht, denn Ich, euer aller Herr und Vater, werde euch nicht verlassen und werde es nicht zulassen, daß euch auch nur ein Haar gekrümmt werde. Aber wachen und beten müsset ihr dennoch, so ihr so mancher Versuchung entgehen wollt. – Denn sehet, in der Hölle werden auch die Engel nicht selten heftigst angefochten und müssen stets auf der größten Hut sein. Hier aber ist nun auch Hölle; daher ist es auch nun an euch, wohl zu wachen und zu beten!

09. Bin Ich auch bei euch alle Tage, wie Ich war bei den Aposteln, als aber da kam die äußerste Stunde, da behieß Ich auch die Apostel, daß sie wachen und beten sollen, um nicht in die Versuchung zu fallen. – Darum segne Ich euch nun alle und sage zu euch auch noch einmal: Nun wachet und betet ernstlich; denn Ich sage euch einen großen Trost damit, daß Ich euch anzeige: Es naht Babels letzte Stunde! – – –

10. Dieses beachtet wohl, und du, Mein A. H. W., ganz besonders, und haltet euch danach, und seid aber dabei guten Herzens und voll Erbarmung, so werden an euch die Merkmale Meines Wortes in aller Tat und Kraft ersichtlich werden amen. Das sage und rate Ich, euer Herr und Vater, amen, amen, amen.

Seid wachsam! – 17. Februar 1848.

Anfrage des Knechtes wegen eines anonymen Drohbriefes.

01. Der Brief, den du heute gelesen, und noch eine Menge gleichen Inhaltes, rührt von einem böswilligen Winkeladvokaten und zwar unter beifälligem Mitwissen einiger Pfaffen her. Sie wollen damit keine Revolution, sondern nur eine Verdächtigung der beiden Staatsdiener bezwecken, auf daß diese dann etwa ihrer Stellen enthoben werden könnten, was aber freilich nicht geschehen wird. Zugleich aber wollen sie wohl auch das Volk dadurch auskosten, wie es etwa gesinnt ist. Aber es geht dem Verfasser dieses Briefes etwas schlecht damit vonstatten, denn es steigen ihm schon sehr stark die sogenannten Grausbirnen auf, und er bereut es schon, daß er sich zu solcher Schriftstellerei hat gebrauchen lassen.

02. Es werden wohl noch einige Briefe ähnlichen Inhaltes nachkommen, aber ihr Effekt wird dem gleich sein, der da keiner ist.

03. Um aber jedoch bei den ziemlich gewissenlosen und häufig sehr hartherzigen Bewohnern dieser Stadt eine bessere Stimmung zu bewerkstelligen, rate Ich, mit der Zinskreuzersteuer nicht zu rasch zu Werke zu gehen und die Einhebung derselben nicht eher ins Werk zu setzen, als bis bezüglich der ärmeren Klasse einige notwendige Modifikationen getroffen werden, weil sonst einige sehr Mißvergnügte dadurch im Ernste zu tätlichen Demonstrationen angefeuert werden könnten. Zugleich aber solle an das Volk durch die Zeitung oder auch durch ein eigenes Blatt noch eine sehr gründliche Erklärung gegeben werden, wozu derlei Steuer verwendet wird, daneben aber auch eine gerechte Androhung gegen jene, die da rein böswillig solchen höllischen Samen ausstreuen. Woneben aber freilich auch die Wachen sehr zu verdoppeln sind, was da not tut, so irgend die Hölle ihr Spiel anbinden will.

04. Die Post ist dahin anzuhalten, keinen Brief durch den Einwurfkasten anzunehmen, sondern solchen Kasten in solcher Zeit außer Gebrauch zu setzen und jeden Brief, ob frankiert oder unfrankiert, nur aus der Hand des Überbringers anzunehmen. Es versteht sich das von jeder Post im Lande.

05. Wenn sich derlei Fälle von Zusendungen solcher bösen Briefe häufen, so solle wie bei Geldbriefen kein versiegelter Brief irgendwo von einer Post angenommen werden. Bei solcher im Falle der Not nötigen und gerechten Wachsamkeit werden solche anonymen Schriftsteller wohl leicht entdeckt werden. Ich könnte sie euch freilich beim Namen nennen, aber das würde euch wenig nützen, da ihr keine sonstigen weltgerichtlichen Beweise gegen sie hättet. Aber bei einer energischen Wachsamkeit werdet ihr ihrer schon ohnehin leicht habhaft werden in aller Kürze.

06. Zugleich invigilieret auch strenge die sogenannten Stadt- und Landboten, die manchmal auch derlei Briefchen sub tectis obscuris mitnehmen. Also gibt es hier in der Stadt auch mehrere halbfranzösische, halbwelsche und halbungarische und polnische Einwohner, wo besonders auf die ersten ein Auge zu richten ist; es versteht sich von selbst, sub tectis obscuris. –

07. Diese Mittel sind zwar an und für sich auch ein Übel, aber wenn damit ein großes Unheil zu verhüten ist, dann sind sie gut in Meinem Namen. Denn so Mir die Hölle selbst dienen muß, die doch böse ist, um so mehr können das die weltlichen Gerichtsbarkeiten, die ich zur Aufrechterhaltung der Ordnung verordnet habe.

08. Das alles sonach wohlgemerkt und nötigenfalls danach gehandelt, wird alles wieder ins Gleichgewicht bringen. Es sei! Das spricht der beste Ratgeber: Es sei, es sei, es solle sein! – – –

Sehet euch vor! – 4. März 1848.

O Herr! Wir, die wir auf Dich allein halten und allezeit glauben, was Dein heilig Wort uns übergnädig lehrt, bitten Dich, daß Du uns in dieser bedrängten Zeit zum voraus anzeigen möchtest, was da alles für Elend über uns kommen kann und höchstwahrscheinlich auch sicher kommen wird, auf daß wir uns samt und sämtlich richten könnten nach Deinem allerheiligsten Rate zur Sicherung unserer geistigen Schätze, mit denen Du, o heiligster Vater, uns alle so überreichlich versehen hast, für die wir Dir freilich ewig nie genug werden danken können! – O Herr, o Vater Jesus, erhöre diese unsere Bitte! – Dein heiliger Wille geschehe!

01. Also schreibe denn: Ich habe euch es ja schon bei der Gelegenheit des Begräbnisses des magistratlichen Beamten N. angedeutet, was da in Kürze über die Welt kommen wird, wie auch bei anderen Gelegenheiten. Daher dürft ihr euch nun nicht zu sehr verwundern, so das vorhergesagte böse Wetter sich nach und nach, wo die Gewitterwolken am höchsten gestiegen sind, freilich noch immer nur teilweise zu entladen beginnt. Denn noch haben alle die Sturmwolken, die nun schon von allen Seiten freilich ziemlich hoch über den Horizont gestiegen sind, nicht zusammengegriffen. Aber nun will Ich über die Meiner gänzlich vergessende Welt ein Gericht ergehen lassen, das da seinesgleichen suchen solle!

02. Herrscher, die heute noch studieren, wie sie Meine armen Völker noch schmählicher geistig und naturmäßig unterdrücken möchten, werden in diesem Jahre noch Dach und Fach suchen, – und Ich sage euch: Wahrlich, wahrlich, sie werden es nicht finden, weil sie vollends vergessen haben, daß Ich allein der Herr bin, und daß alle Menschen ihre Brüder sind! – Wehe euch, ihr Herren der Welt, eure letzte Zeit ist herbeigekommen! – Umsonst rüstet ihr euch, umsonst ziehet ihr euch fluchende und zur Hölle verwünschende Soldaten in großen Mengen zusammen, umsonst verkündet ihr Standgerichte, umsonst errichtet ihr Festungen und heimliche Galgen.

03. Ich, der alte ewige Gott und Herr über euch Natternbrut und Otterngezüchte, habe einen Feind über euren Häuptern erweckt, der euch züchtigen solle für alle die alten Greuel, die ihr an Meinen Völkern verübt habt. – Der du heute noch im Golde prangest, sollst morgen als ein Bettler einhergehen und dir gleich einem gehetzten Wilde ein Loch suchen, das dein Leben zu schirmen tauglich sein möchte! – – –

04. Wehe euch allen, die ihr in euren reichen Wohnungen nicht verspüret die große Not der armen Brüder und Schwestern, die darum zum größten Teile arm sind, weil ihr von Mir aus unrechtmäßigster Weise zu reich seid! Ich sage euch: Diesmal will Ich den Armen die Schlüssel zu euren Schätzen in die Hände geben und ihnen euren zu großen Vorrat überantworten!

05. Meinen denn diese großen und mächtigen Herren der Welt, der alte Gott und Herr habe etwa gar aufgehört zu sein, weil Er so lange mit der größten Geduld ihrem argen Tun und Treiben zugesehen hat?! – O diese Weltherren haben sich sehr geirrt! Ich bin noch, was Ich war von Ewigkeit – ein Vater denen, die Mich kennen, lieben und Meine Gebote halten, und ein unerbittlicher Richter denen, die Mich in der Wirklichkeit schon lange verworfen haben und haben an Meiner Statt ein blindestes Heidentum errichtet zur vollsten Unterdrückung der eigens dazu blind gemachten Völker! – – –

06. Ich sage aber nun euch, die ihr Meine Freunde seid, tut Gutes den Armen leiblich und gebet ihnen einen rechten Trost, so werdet ihr vom bevorstehenden Gerichte verschont bleiben. Wer von euch viel hat, der gebe auch viel; der aber wenig hat, der gebe auch nach seinem Vermögen; und der nichts hat, der nehme dankbar, was ihm gegeben wird. – Wenn ihr im Hinblicke auf Mich also handeln werdet, da solle euch Meine Hand schirmen vor jeglichem Schlage des Gerichtes. Wer sich aber dieser Regel nicht fügen wird, die da nichts Neues ist, sondern ein reinstes altes Gebot der Liebe nur, von dem werde Ich Meine schirmende Hand zurückziehen und mit ihm geschehen lassen, wie das Gericht es gestalten wird und machen seine großen Forderungen!

07. Ihr fraget wohl und saget: O Herr, was wird denn so ganz eigentlich bestimmt geschehen? O das sage uns, auf daß wir uns werden vorsehen und danach richten können! – Ich aber sage: Fraget nicht so sehr, was da geschehen wird, sondern fraget vielmehr, ob euer Herz freudig Mein Gebot der Liebe erfüllen wird! Wird es dasselbe erfüllen, da mag schon geschehen, was da wolle; es wird auf eurem Haupte dennoch kein Haar gekrümmt werden.

08. Wer aber in dieser Zeit das Gebot der Nächstenliebe nur lau betrachten und nicht in der Tiefe bei sich bedenken wird, wie schwer es dem Bruder fallen muß und wie elend der Schwester, die nichts haben und auch nirgend etwas zu bekommen wissen und nicht wissen, was sie morgen essen werden und womit ihren Leib bedecken, – der wird zur Zeit des sehr nahen Gerichtes hart hergenommen werden! – –

09. Aber Ich sage euch noch etwas: Es ist nicht genug, daß ihr nur gebet, was die Liebe erheischt, sondern suchet auch noch mehr Jünger in der emsigen Ausübung der Nächstenliebe zu bekommen, so wird das Gericht sehr gemildert werden; denn je mehr wahre Liebtäter sich nun erheben werden, desto weniger auch der im höchsten Grade nun wahrhaft Elenden werden sich erheben und euch bedrängen in eurem Besitztume!

10. Ich sage euch: Betrachtet dies Wörtchen mit sehr ernsten Augen und denket nicht, es wird etwa doch nicht so arg werden; der Herr wird das Gericht schon wieder mildern. – Ja, Ich werde das wohl tun wenigstens örtlich, wenn ihr das tut, was Ich will; tut ihr aber das nur lau, so werdet ihr euch sehr bald überzeugen, wie nur gar zu übertreffend wahr das alles eintreffen wird, was Ich euch damit andeute, daß nun über beinahe alle Lande Krieg von der tollsten Art ergehen wird und Meuterei an allen Orten und Teuerung, Hungersnot und allerlei Pestilenz. Und werden entstehen Anarchien über Anarchien, und klein wird das Haus eurer Herrscher werden und wird ihr Reich leicht mit der Elle bemessen werden können!

11. Denket nun nicht, wie ihr eure Kinder versorgen werdet; Ich sage euch, dadurch werdet ihr ihnen den Tod geben, – sondern vor allem trachtet stets mehr und mehr nach Meiner Freundschaft, so werden auch eure Kinder eine ungestörte Versorgung finden.

12. Ich sage euch: Nun ist es gekommen, daß wer dem armen Bruder helfen wird, der wird sein Kapital sicheren Ortes anlegen und wird es bald mit guten Zinsen wiederbekommen. Wer aber sein irdisch Kapital nun auf Zinsen ausleihen wird, der wird in Kürze verlieren das Kapital samt den Zinsen. Und sollte es auch durch weltkluge Maßnahmen jemand retten vor der Welt, so wird er es aber doch nicht retten vor Mir! – –

13. Denn also wie die Welt sich nun wucherisch und selbst- und herrschliebig gestaltet hat, kann die Menschheit auch nicht mehr bestehen! – So einer alles an sich reißen will, wovon sollen denn dann Millionen leben?! – Also kann es nicht länger mehr bestehen; daher sehet euch durch gute Werke vor; alles andere werde dann schon Ich machen und werde schirmen alle eure weltlichen und ganz besonders die geistigen Schätze und Güter!

14. Gedenket aber auch der Bedürfnisse Meines euch wiedergegebenen Knechtes, der euch ist wie ein Heil und ein guter Bote, der euch unermüdlich lebendige Kunden aus den Himmeln zuträgt gleichwie ein Lasttier und begnügt sich gleich einem Esel mit geringem und schlechtem Futter, während er euch doch die größten Schätze zuträgt! –

15. Ich sage euch, daß Ich den Schwachen liebhabe, und weil Ich ihn liebhabe, so prüfe Ich ihn mit der Armut bis zur rechten Zeit. Aber dessenungeachtet sage Ich euch aber dennoch: Wahrlich, was ihr ihm tuet, das tut ihr unmittelbar Mir Selbst, – und es soll euch alles zu seiner Zeit wohl wiedererstattet werden! – Denn wo der Herr ist, da hat Er auch mit Sich den Knecht; und wo der Knecht ist, da auch ist der Herr nicht ferne! Gedenket also auch des Knechtes, so werde Ich bei euch durch den Knecht sein. – Amen, das sage Ich euch allen wahrlich, wahrlich, wahrlich, amen, amen, amen. – – –

Allerlei Wirren. – 19. März 1848.

00. Schreibe in abgeteilten Versen, was Ich dir hier im Geiste der Vorhersehung geben werde in bezug auf diese und eine nächstkünftige Zeit. –

01. 1. Was will das tolle Durcheinanderrennen, was das leere Waffenspiel der unbärtigen Jugend? – Wollen denn die Menschen in die Rechte Gottes greifen?

02. 2. So es Kranke gibt, werden diese wohl gesund von solchem blinden Lärm? Werden gesättigt die Hungrigen und bekleidet die Nackten?

03. 3. So ihr nachts Kerzen an die Fenster stellt, mit Fackeln Gasse auf-, Gasse abwärts ziehet und mit Feldmusik, – werden damit wohl die Tränen der Armen getrocknet und erleuchtet ihre Seele?

04. 4. O Ich sage euch, das sind tolle Narrenpossen und führen zu nichts als zum Verderben!

05. 5. Früher sind Mücken geseiht worden, nun aber werden Kamele verschlungen werden! – Wird die tolle Bewaffnung wohl den Frieden bringen? Wird sie reicher machen den, der nichts hat, und sättigen den Hungrigen und bekleiden den, der völlig nackt ist?

06. 6. Wird sie dem Blinden Licht geben und Weisheit dem, der durch ein halbes Jahrhundert nur stets dümmer und dümmer gemacht wurde?

07. 7. Siehe, dies leere Getue der Stadt wird das Land, das da über alle Maßen dumm und finster ist und nimmer versteht, wohin das führen solle, nur noch mehr aufregen und wird es bald dahin bringen, daß es sich gegen die Städte verschwören wird im tätlichsten Vollmaße!

08. 8. Frage, was wird da die Stadt tun? Wird sie mit ihren Kinderspielwaffen wohl das aufgestandene Land zu zähmen imstande sein?

09. 9. Ich sage: Eines tut not, nämlich rechte Liebe und ein wahres Licht; alles andere würde sich von selbst geben. Weg mit den zu übermäßigen Steuern, besonders mit herrschaftlichen, und weg mit dem Heidentume, sonst wird es nimmer besser, sondern nur ärger von Stunde zu Stunde!

10. 10. Anstatt der Bänder und Kokarden sollen die reichen Städter lieber unter sich reiche Sammlungen machen und damit den armen Landbewohnern schnellst zu Hilfe eilen, so werden diese beruhigt werden und die Bewegungen in den Städten als eine Wohltat ansehen.

11. 11. Aber so ihr ihnen statt barer Hilfe nur hochgeschriebene, für sie unverständliche Proklamationen zusendet, aus denen sie für sich mehr Schlechtes als Gutes entziffern, da treibt ihr euch selbst das Unglück auf den Hals.

12. 12. Meint ihr wohl, daß sich die Sache also wird ausfechten lassen? O Ich sage euch, ohne Mich werden die Städter keine weiten Schritte tun!

13. 13. Wo ist denn einer, der nun Buße täte? Wo dann erst ein Volk, das sich zu Mir wendete zur Zeit der Drangsale?! –

14. 14. Ich aber sage: Wer nun durch andere Mittel als durch Mich nur suchen wird, sich Recht und Hilfe zu verschaffen, der wird untergehen, da er steht, und hätte er hundert Waffen um sich gestellt!

15. 15. Wer will Mich denn nötigen, dieses Jahr zu segnen? – Und segnete Ich es nicht, wer wird euch dann schützen vor Hungersnot und vor der Rache des Pöbels?

16. 16. Ich gab euch im Vorjahre ein gesegnetes Jahr, und ihr habt dem Wucher keine Grenzen gesetzt und habet nicht darauf gesehen, daß das Brot größer würde und wohlfeiler das Fleisch.

17. 17. Die elendvollste Verzehrungssteuer blieb, und noch andere Steuern wurden vergrößert. Was Wunder dann, daß die Völker fragen: Wohin ist der Segen des so schönen Jahres? Wer verschlang ihn, daß wir darum in ein noch größeres Elend versetzt werden?

18. 18. Wenn aber die Völker mit Recht schon über den großen Segen des vergangenen Jahres also fragen, wie erst wird ihre Stimme lauten, so Ich ob der gänzlichen Verkehrtheit ein kommendes Jahr nicht segnen möchte?

19. 19. Wahrlich sage Ich euch: Das, was nun geschieht, wie Ich es euch öfter schon vorhergesagt habe, ist nur ein leises Vorspiel.

20. 20. Das Eigentliche wird erst nachfolgen, dieweil die aberwitzig-stolzen Städter glauben, ihre Waffen, ihre Kokarden und ihre unklugen Petitionen werden ihnen Heil bringen, wenn sie schon Meiner vergessen!

21. 21. Druckfreiheit ist wohl recht, und manches andere ist nicht schlecht; aber das Recht, Vorgesetzte zu wählen und wieder fortzuschaffen, so sie nicht tanzen nach eines jeglichen Pfeife, – das ist schlecht. Denn Vorgesetzte zu salben und sie abzurufen, habe nur Ich allein das Recht!

22. 22. Ich würde solches auch sicher tun durch außerordentliche Zeichen, wie Ich es in anderen, besseren Landen auch tue und in der Zukunft noch ersichtlicher tun werde; aber so ein hochtrabendes Volk Meiner völlig vergißt bei solchen auffallenden Gelegenheiten, da werde Ich auch des Volkes vergessen.

23. 23. Oder möchte wohl jemand meinen aus euch, die Patrouillen von einigen aufgeblähten Jungen – die da sind voll Schlafes geistig und körperlich, und sind sie schon leiblich wach, untereinander nichts als nur die unflätigsten Reden führen und sich in den Schenken vollsaufen – werden die Stadt schirmen, so sie heimgesucht wird?

24. 24. Meinet ihr etwa, so die Patrouillen zu schwach wären, da werden dann schon die Kanonen ihnen zu Hilfe kommen?

25. 25. Ich aber sage: So Ich nur eine halbe Million Heuschrecken über euch sende, so lauft ihr samt all euren Kanonen zum Plunder, geschweige so Ich euch eine solche Masse Volkes über den Hals senden werde!

26. 26. Was braucht ihr aber nun all das kriegerische Zeug, so die Hauptsache schon ohnehin in der Kaiserstadt abgemacht wurde? All euer Getue ist nun eine eitle Prahlerei, die ihrer Züchtigung nicht entgehen wird.

27. 27. Nur einige Tage noch und das Landvolk wird die Stadtgardisten erkennen und ersehen, daß sie nicht für selbes, sondern wider seinen Sinn sind; da wird es dann angehen!

28. 28. Die sich jetzt voll Mut zeigen, werden bald die geheimsten Winkel suchen, um sich vor der Wut des Landvolkes zu verbergen.

29. 29. Die Stadt jubelt nun gar sehr und tut wie ein Sieger; o das ist sehr eitel! – So viel Jubel nun, so viel Wehe bald!

30. 30. Ihr wisset, daß ohne Mich nichts ist und nichts werden kann. Ich aber sage euch: Unter diesen Tollen bin Ich nicht, durchaus nicht mit diesen Säbelbehängten; was wohl werden sie tun ohne Mich? – –

31. 31. Die Herren dieser Stadt geben sich wohl viele Mühe, aber sie wird eine fruchtlose sein; denn sie tun es nicht mit Mir!

32. 32. Einer wohl ist darunter, der Mein Freund ist, aber die Stadt achtet nicht sehr auf ihn, und er muß nun tun, was sie will. O das wird der Stadt zu keinem Segen gereichen, obschon Ich ihn gesegnet erhalten werde!

33. 33. Gebet acht und rechnet genau, jede Anordnung von der höchsten Behörde wird bald mit viel Schmach bedeckt werden, da sie Meinen Geist nicht hat und nicht kennt und baut nun nur auf den jüngst und eitel geschaffenen Geist der Gewalt, für die zwanzig Wölfe hinreichen, um sie zu zerstäuben!

34. 34. Was solle das wohl heißen, ein gewisses Werk beginnen und dann selbst wider dasselbe zu Felde ziehen? Wollt ihr den Zöllner machen, auf daß das Landvolk desto eher über euch komme? –

35. 35. Ich sage euch aber, die ihr Meine Freunde seid, gehet mit Mir zu den Armen und nicht ohne Mich zu den Ansehnlichen, so werde Ich euch in der Zeit der Gefahr auch schirmen, ansonst ihr bei euren Ansehnlichen und Holden Schutz suchen müßtet. Ob ihr ihn findet, weiß Ich euch zu sagen nicht!

36. 36. Denn wahrlich, Ich sage es euch: Ich habe kein Wohlgefallen an denen, die nach der Mode sich kleiden in diesen Zeiten, in denen gar so viele kaum ihre Scham mit den schlechtesten Fetzen bedecken können.

37. 37. Wie weit will es denn die Welt mit dem sogenannten Nobeltun, Visitemachen, Nobelkleiden und allerlei Komödiespielen noch treiben, wo du doch überersichtlich Meine strafende Hand über ihren Häuptern ersiehst?

38. 38. O ihr tollen Menschen! So ihr nur ins Haus eures Nachbarn tretet, da zieht ihr euch schon an, als ginget ihr in die Gemächer eines Königs, und machet dadurch euren Nachbarn noch toller, als er es ehedem war. Und so er dann zu euch kommt, treibt er's noch ärger denn ihr und will euch übertreffen.

39. 39. Ich aber sage euch: So ihr euren Nachbarn besucht, da zieht euch einfachst an, auf daß ihr ihn nicht hochmütiger machet in seinem Herzen, als er es ehedem war.

40. 40. Besuchet aber lieber die Armen häufig, und Ich werde euch schützen und schirmen in jeglicher Not!

41. 41. Also nehmet auch nicht teil an dieser gegenwärtigen Bewaffnung. Ich sage euch, sie wird euch wenig Schutz bieten; denn sie steht nicht unter dem, der mit Mir wandelt! – Die aber nun ihre Leiter sind, kenne Ich nicht, wie auch sie Mich nicht kennen!

42. 42. Ich sage euch, diese blinden, hochmütigen Leiter werden über kurz oder lang selbst übereinander herfallen, da einer wird weiß und der andere schwarz wollen!

43. 43. Vertrauet ihr alle aber nur auf Mich und richtet euch nach Meinem Willen, so werde Ich euch und eure Habe schützen und schirmen vor jeglichem Anfalle; denn Ich weiß, daß ihr redlichen Geistes und Herzens seid. Daher Mein kräftigster Segen mit euch allen Amen.

Kommunalpolitische Ratschläge. – 21. März 1848.

An Meinen lieben Freund A. H. Willig.

00. Motto: Der Gerechte darf niemanden scheuen, und der Gute im Herzen ist seines Lohnes wert. – – –

01. Mein Freund und Bruder! Ich kenne all dein Handeln und sage dir, daß es gut und recht ist. Wenn es die über alle Maßen habsüchtige, arge, böswillige, herrschgierige und schadenfrohe wahrhafteste Gemeinwelt auch nicht einsieht und häufig nicht einsehen will, so ändert das an der Sache dennoch nichts. Denn es gibt neben den vielen Bösen und Dummen eben eine gleiche Anzahl Gute, das heißt Bessergesinnte, die dein rechtes Wirken und hauptsächlich deinen guten Willen anerkennen. In deren Angesicht wird die böse Gegenpartei aber schon ohnehin ehestens ihren vermeintlichen Sieg ganz aufgeben müssen.

02. Ändere du deine Arbeiten, die du gestern Meinem Knechte vorgelesen hast, ein wenig um in den Ausdrücken, durch die in jedem Falle die zum Teil lauen, faulen und mitunter auch wirklich bösen Gemeinde- und Armenvorstände, in welcher Art sie es auch seien, etwas zu scharf bezeichnet sind und lasse sie (deine schriftlichen Arbeiten) dann samt und sämtlich öffentlich bekanntmachen, und du wirst dadurch der Welt nicht nur vielen Nutzen bereiten, sondern wirst in lobender Anerkennung bei den Besseren steigen. Und die Widersacher werden am Ende selbst gestehen müssen, daß sie dir Unrecht getan haben durch ihre losen Reden und böswilligen Drohungen.

03. Fürchte dich nicht, denn Ich bin bei dir und werde dich schützen, und es wird dir wie bis jetzt auch in der Zukunft nichts Arges begegnen. Es werden wohl noch gar arge Stürme kommen; aber wo Ich bin, werden sie nichts auszurichten imstande sein. Je heftiger aber irgendein Sturm auftritt, desto kürzer dauert er; dann aber kommt bald ein ganz anderer Wind!

04. Du möchtest wohl auch wissen, ob du diese deine gegenwärtige Stelle beibehalten sollst oder nicht. Da sage ich dir: Solange die Sache wie nun steht, da bleibe du, was du bist. Mit der Zeit aber berufe die Besseren und Ansehnlicheren der Stadt zusammen und frage sie um ihren Rat in dieser Hinsicht, und was sie dann sagen werden, das tue! Ich meine, sie werden dich nicht vor den Kopf stoßen, denn sie sehen deine Tauglichkeit nur zu gut ein.

05. Zu solcher Zeit aber, wie du es bald erfahren wirst, wird der gegenwärtige dumme Wind auch sehr bedeutend umschlagen, wie schon jetzt die Windfahne sehr unstet wird, und dann wirst du dreimal fester sitzen denn je. – Es müßte nur allhier die arge Partei sich nimmer dem besseren Willen fügen wollen, wozu ihr wohl auch der freie Wille nicht genommen werden kann; dann freilich müßtest du deine Stelle zurücklegen, denn da wäre sie deiner auch nimmer wert. – Dann aber gib acht, mit welchem Gericht Ich diese Stadt heimsuchen werde! Ich sage dir: Sodom und Gomorrha sollen dagegen im großen Vorteile sein! – Denn du weißt es, daß Ich eine übergroße Geduld habe, aber ohne Grenzen ist sie nicht. Wehe dem elenden Volke, über dem Meine Geduld bricht! – Wahrlich, Ich sage es dir, diesmal hängt Meine Geduld über Groß und Klein nur an einem schwächsten Faden mehr!

06. Schließlich bemerke Ich dir noch das: So du etwa im Monat Mai deine Tochter mit einem Preußen verehlichen willst, so tue du das so geheim als möglich oder verschiebe das noch eine längere Zeit, denn es gibt hier einige Bösgesinnte, die sich dadurch beeinträchtigt fühlen und wollen am Hochzeitstage deiner Tochter und ihrem Bräutigam Übles antun. Das sage Ich dir zu deiner Richtschnur. Am besten aber wäre es, so du diese Sache wenigstens vorderhand ganz suspendieren könntest. Denn Ich sage es dir, es wird das Land, dahin deine Tochter heiratet, mit drei gar mächtigen Plagen heimgesucht, da es Meine häufigen, gar friedlichen Heimsuchungen nicht erkannt hat!

07. Dein zukünftiger Schwiegersohn aber würde am besten tun, so er in seinem Lande sein Gut verkaufte und kaufte sich hier in diesem Lande irgendwo etwas an; denn sein Gut wird im Sturme dieser Zeit bald sehr verwüstet aussehen.

08. Ich habe dir, du Mein Freund und Bruder, wie ein wahrer Freund und Bruder seinem liebsten Freunde und Bruder alles in aller Kürze angezeigt, was dir und deinem ganzen Hause frommt. Du aber tue danach, so wirst du guten Weges wandeln, und Ich werde mit dir sein und werde dich allezeit segnen amen. – Das sage Ich, dein Vater, Freund und Bruder dir amen, amen, amen. – – –

Beten oder Flucht? – 25. März 1848.

Der Marie H.

01. Kindlein! Ich sage euch, nun betet, auf daß ihr nicht fallet in die Versuchung und in das Gericht der Welt! Denn nun ist des Satans letzte Freilassung und das große Weltgericht vor der Tür, welches Gericht auch heißt das Ende der Welt, – das heißt nicht etwa das Ende der Erde und aller Kreatur auf ihr, sondern das Ende der Welt auf der Erde, welche Welt da ist die nunmalige Vollherrschaft der Hölle auf der Erde, die zwar nicht lange dauern, aber an Gräßlichkeit alles übertreffen wird, was seit Anfang der Schöpfung auf dieser Erde derart sich ereignet hat!

02. Das lieblose, von Mir nichts wissende und nichts wissen wollende überdumme Volk dieser Stadt setzt sich selbst das Messer ans Herz, da es ohne Gesetze sein will und schon jetzt gegeneinander zieht. Und es wird in der nächsten Zukunft einen noch schrofferen Gegensatz bilden, was eigentlich gut sein wird; denn da wird sich die Schlange selbst zerstören. – Wenn es aber arg kommen würde, da freilich würde es rätlich sein, aufs Land zu ziehen, da in den Städten lange Zeit keine Ordnung herrschen wird. Darum betet für die Erhaltung der Ordnung und der jetzigen Gesetzesaufrechterhalter. So diese durch gute Gebete erhalten werden, da wird es noch gut sein, – so es aber dem arggesinnten Pöbel gelingen dürfte, diese Gesetzerhalter zu entfernen, da betet doppelt und fliehet in Meinem Namen auf das Land. Denn da wird die Stadt zu einer Mörder- und Räuberhöhle und wird geschlagen werden durch ein schreckliches Gericht. – Aber Ich werde euch dennoch schützen, so ihr alle in Mir verbleibet, wie Ich bei euch und in euch!

03. Diesen Rat für euch alle gebe Ich dir, Mein Töchterlein, zu deinem Namenstage als ein gutes Angebinde. Befolget ihn aber auch alle, so es not tun wird amen. In Meinem Namen amen, amen, amen. –

Gefahrvolle Lage. – 4. April 1848.

O Herr, Du allezeit wie ewig bester, wahrster und liebevollster Vater aller Menschen und Engel! Du alleiniger allmächtiger Lenker aller Wesen, aller Dinge, aller Welten und Sonnen! – Du siehst und hast von Ewigkeit schon vorgesehen, wie die Dinge auf der Erde sich nun gestalten. Ganz entsetzlich düster und drohend sieht es hier aus. Ein Aufstand gibt dem nächsten die Hand, die Gesetzlosigkeit nimmt zu von Stunde zu Stunde, indem den rechtmäßigen Gesetzesaufrechterhaltern alle Mittel genommen sind, eben die Gesetze, durch die die Ordnung bedingt ist, aufrechtzuerhalten. – Was sollen denn wir, die wir allezeit uns an Dich gehalten haben und uns ewig allein an Dich halten wollen und werden, nun tun in Deinem allerheiligsten Namen? Wohin gleich einem Lot sollen wir fliehen, so Du diese erbärmliche Stadt mit einem Gerichte heimsuchen wirst, weil sie von Dir völlig abgefallen zu sein scheint? – O Vater! wir alle bitten Dich in unserem Herzen flehentlichst, gib uns armen Sündern einen Rat, einen heiligen Wink! – Wir wollen ja alles aus allen unseren Kräften gerne tun, was immer Dein heiligster Wille uns anzeigen möchte. – O Vater! vergib uns unsere Sünden, wie wir allen unseren Beleidigern und Feinden vergeben, und führe uns nicht in die Versuchungen der Hölle, sondern erlöse uns von allen den Übeln!

01. Schreibe! Wie diese Zeit beschaffen ist und was nun die Menschen denken, trachten und tun, weiß Ich und weiß auch, was Ich tun werde, so wie Ich es euch schon zu öfteren Malen vorhergesagt habe, und ihr es also auch wisset, was da kommen wird, wenn das überdumme und blinde Volk dieser Stadt auch in die entschiedene Bosheit übergehen wird, wovon es nun wirklich um kein Haarbreit mehr entfernt ist.

02. So aber das in Kürze über diese Stadt wie auch über andere nicht minder arge Orte und Städte dieser wie auch anderer Provinzen kommen wird – nämlich ein Greuel der Verwüstung, da fliehet entweder nach Kärnten oder auch in diesem eurem Lande wenigstens acht bis zehn Meilen weit von dieser Stadt entweder nach Unter- oder Obersteier, und ihr werdet dort dann schon eine Unterkunft finden gegen eine mäßige Miete. Ich will euch aber darum nicht einen bestimmten Ort anzeigen, weil in jedem Orte willensfreie Menschen wohnen, die heute so und morgen anders sein können. Es genüge euch, daß Ich euch dort, dahin ihr unterdessen ziehen wollt, vor allem Übel beschützen will und werde. Aber bereithalten zum Abzuge von hier müßt ihr euch für jeden Tag wohl; denn so Ich zu euch sagen werde, morgen ziehet von hier, da wartet nicht bis zum dritten Tage! Daher trefft nun mit euren Sachen eine gute und rechte Ordnung.

03. Ich will aber euretwillen und noch einiger dieser Stadt willen wohl sieben bis vierzehn Tage noch zugeben zur Besserung und Rückkehr zu Meiner Ordnung im Sinne der gegenwärtig sie zur Buße rufenden römischen Kirche. Wird diese Stadt sich aber daran ganz und gar nicht kehren, was ihr leicht sehen und erkennen werdet, dann werde Ich obigen Termin schwerlich noch einmal setzen, und ihr werdet daraus ersehen, daß die Zeit zum Abzuge vor der Tür ist.

04. Es werden aber nun wohl noch manche sogenannte Spektakel vorfallen, die euch jedoch nicht allzusehr ängstigen sollen, indem Ich ja doch bei euch bin; ansonsten es euch ergehen könnte wie dem Petrus, als er zu Mir über das bewegte Meer kam.

05. Ängstiget euch auch nicht, so ihr von hier ziehen müßtet, sondern tut alles freudig und in festem Vertrauen zu Mir, da werden wir bald und leicht einen Ort finden, der uns taugen wird für eine Zeit. Mein Knecht aber ist ja ohnehin bei euch, durch den Ich stündlich mit euch reden kann, schriftlich und mündlich, für euren augenblicklichen Bedarf, wie nicht minder auch durch eure eigenen Herzen, so ihr da Meiner Rede harren wollt. Und so könnet ihr ganz unbesorgt sein, da Ich also doppelt bei euch bin stündlich!

06. Der liebe Bruder Andrä, der nun seiner Familie nach Wien folgt, aber soll in dieser Stadt sich samt den Seinigen nicht zu lange aufhalten; denn da wird es auch bald ganz absonderlich aussehen, da niemand mehr wissen wird, wer da der Herr, der Koch und der Kellner ist. Besonders so auch diese Stadt in ihrem hoch- und herrschsüchtig bösen Wahne wie bis jetzt fortfahren wird und wird nichts oder wenig tun obererseits und zu unmäßig viel und zu Törichtes verlangen untererseits, was sehr in Aussicht gestellt ist, da keine Partei nun mit sich einen mäßigen Handel machen läßt. – Die Besitzung im Untersteierland, Merlhof, solle ihm ein sicheres Asyl sein, wie auch für euch ersten, allfälligen nötigen Augenblicks, von wo aus der sichere Weg nach Kärnten – dem sichersten Ländchen dieses Reiches – führt, obschon es auch nicht ganz ohne Exzesse durchkommen wird.

07. Niemand von euch traue Wien, denn da werden noch gar seltsame Dinge vor sich gehen! – Ich sage es euch wie im Vertrauen: Da stehe Ich für nichts, was da von heute bis morgen geschehen kann! Denn diese Stadt ist nun von Mir aus vogelfrei, wie es war die Stadt der Franzosen. Versteht ihr das?! – Daher mache sich vorderhand auch ein jeder auf alles gefaßt! – Sie kann steigen mächtig, wenn sie ihre Zeit erkennt, aber auch fallen tiefst, so sie ihre Zeit nicht erkennt! – Das zu eurer geheimen Wissenschaft und Darnachrichtung! – Schließlich aber empfehle Ich euch nun wie allezeit Meinen Knecht. Vergesset seiner nicht, und Ich werde euer nicht vergessen und werde euch ersetzen vielfach, was ihr ihm tut und tun könnt; denn weltlich hat er außer seiner Musik wirklich bis jetzt noch nichts. – Mein Segen euch allen amen, amen, amen. –

Politischer Rat. – 7. Mai 1848.

O Herr! Am Schlusse Deiner früheren Gabe erwähntest Du diese gegenwärtige Zeit und daß man auf dem Lande nun mehr zu fürchten hätte – ob einer gewissen Sichtung der Landleute – denn in den Städten. So es Dein Wille ist, sage mir darob etwas Näheres, aber nur, so es Dein heiliger Wille ist!

01. Hast du denn kein Gesicht, keine Berechnung? Siehst du denn nicht ein, wie die Menschen in den Städten sich nun zu sondern anfangen und nüchterner werden, da sie durch Mangel an Erwerb in einen stets fühlbareren Notstand gesetzt werden und daher schon so manche an Mich zu denken anfangen? Auch wird schon wieder ganz tüchtig gebetet in einigen Häusern, was da ein gutes Zeichen ist.

02. Es gibt wohl noch sehr viel Unkraut unter der besseren Frucht, aber dazu sind die Schnitter auch schon unterwegs, die mit dem Unkraute bald fertig werden; dann werden die Städte zu Eden, das Land aber hie und da zur Wüste! – Nun aber höre auch, warum das Land nun stark gesichtet wird, und wie.

03. Siehe, das zuallermeist überdumm gemachte Volk, das allen Steuern von jeher feind war, hat nun von einer Freiheit etwas gehört und vom Nachlasse der grundherrlichen Gaben. Es ist ihm dadurch ein Finger gezeigt worden, aber es will nun die ganze Hand haben; es will Herr sein! Es will die Städter zu seinen Füßen und bitten und betteln sehen, auf daß es diesen um teures Geld etwas verkaufe von den zum Leben nötigen Landfrüchten. Es wird sich betrinken und toben gegen den Städter und wird übel vertreiben die Beamten des Landes, und es wird sein, wie es schon ist, überroh und grob gegen jeden städtisch Gekleideten, so dieser ihm nicht gewähren wird auch die absurdesten Dinge und nicht selten die ausgelassensten Wünsche.

04. Also wird es auch dem Grundherrn übel begegnen, zuerst natürlich dem härteren und ungerechteren, am Ende aber dem besseren und gerechteren. – Ja das Landvolk wird auch lange kein besseres Glaubenslicht annehmen und wird gegen jeden reiner und freier Denkenden tödlich zu Felde ziehen, besonders gegen Menschen fremder Zunge.

05. Du siehst nun ein, daß Ich dies ungebärdige Volk gar hart werde heimsuchen müssen, um es wieder in eine Ordnung zu führen. Also wirst du aber auch einsehen, warum das dumme und nun wirklich zumeist böse Landvolk eine tüchtige Sichtung vonnöten hat – und Ich sage es dir, ganz besonders nächst dem Ungarn das Steirer-Landvolk, und da das deutsche so gut, wo nicht mehr noch, denn das viel scharfsinnigere slawische im allgemeinen. – Oder sahst du nicht, wie hier eine Slawin ihrer Nation halber nur drei schmale Bänder ausgehängt hatte und wurde darum von allen Deutschen insultiert, während die Slawen gar häufig die deutsche Fahne aushängen und deutsche Abzeichen tragen und es keinem Deutschen verwehren, sein Nationalzeichen zu tragen? –

06. Was meinst du wohl, welches Volk ist da nun besonnener und nachgiebiger? – Ich meine, die Antwort wirst du leicht finden, aber auch, wo die meiste Sichtung vonnöten sein wird, – denn Ich sehe nicht auf die Zunge, sondern nur auf die Herzen aller Meiner Kinder! Bei Mir hat der Deutsche nichts vor dem Slawen und der Slawe nichts vor dem Deutschen voraus! Wer sich aber nun erhöhen will, den werde Ich tief erniedrigen amen; das sage Ich amen. – – –

Des Kaisers Flucht aus Wien. – 21. Mai 1848.

(Abreise des Kaisers nach Innsbruck am 17. Mai 1848.)

O Herr, Du liebevollster Vater! Wir bitten Dich, gib uns nach Deinem alleinigen Wohlgefallen und allerheiligsten Willen irgend eine Kunde, was wir von der geheimen Abreise unseres Kaisers aus der Residenzstadt Wien, vorgeblich nach Innsbruck in Tirol, zu halten haben und was davon zu erwarten. – So es Dein heiliger Wille, da gib uns einige Winke! – –

01. So schreibe! Habt ihr denn nicht in einer früheren Kundgabe gelesen, da Ich euch zum voraus erklärt und gezeigt habe, daß die Kaiserstadt freigegeben wird wegen ihres tollen Treibens? Sehet, nun ist das über sie gekommen, was über sie gesagt wurde. – Die nächstkünftige Zeit dieser Stadt wird die Früchte in schwerer Menge aufzuweisen haben, die ihr diese wahre Vogelfreiheit erzeugen wird.

02. Ich sage euch, diese Stadt will keinen Kaiser, der über sie herrschen solle; denn herrschen will nun die Stadt selbst. Sie will bloß einen Kaiser des Glanzes und der Habsucht wegen und einen Kaiser, der künftighin fast keine Steuern verlangen soll, sondern aus höchsteigenen Mitteln alle Staatsbedürfnisse decken möchte und daneben als Kaiser mit dem glänzendsten Hofstaate jährlich nur in Wien und sonst nirgends wenigstens fünfzig Millionen verzehrte, wofür ihm dann bei verschiedenen Gelegenheiten papierne Triumphbogen und mehrere Schusterbubenvivats zuteil würden nebst mehreren patriotisch klingenden Gedichten. – So ein Kaiser wäre den Wienern wohl am meisten erwünscht.

03. Da sie eben aus diesem Kaiser einen solchen machen wollten, der nichts mehr zu reden hätte, sondern nur zu gehorchen dem souveränen Volke, – so tat der Kaiser recht, daß er sich aus dem Staube machte, da er zu einer Null herabgemacht wurde! Dieses übermütige Wienervolk muß ein Gericht bestehen und in eine große Not versinken, sonst wird sein Geist nie zu einem folgerechten Gemeinwirken sich erheben.

04. Glaubet, was Ich euch sage: Solche Menschen, an die das Los von Millionen gebunden ist, als da eben sind Kaiser, Könige, Herzöge usw., hängen in ihrem Handeln nicht von ihnen selbst, sondern allezeit von Mir ab, der Ich am besten sehe, wie alle Herzen des Volkes beschaffen sind, und daher auch gar wohl weiß, wie der Sinn des rechtmäßigen Regenten beschaffen sein muß, damit er als ein dem Volke angemessener Leiter dasteht.

05. Ich werde daher auch nie einen Regenten ob seiner Handlungen zur Rechenschaft ziehen; denn jeder Regent tut, wozu er von Mir angetrieben wird. Ich aber werde mit den Regenten wohl auch rechten in der Zeit, aber nicht wegen ihrer Handlungen, sondern ob sie sich selbst die Macht angemaßt haben, oder ob sie Mir darum die Ehre gaben; denn es besteht nirgends eine Macht in den Händen eines irdischen Herrschers, außer die Macht aus Mir. Daher soll auch jedermann dem rechtmäßigen Kaiser oder König gehorchen; denn der Ungehorsame ist nicht dem Herrscher, sondern Mir Selbst ungehorsam und wird darum Meiner Rute nicht entgehen!

06. Und also wird auch Wien gezüchtigt werden, weil es nicht bei Mir, sondern in seiner eigenen Faust Hilfe gesucht hat. – Oder habt ihr bei den vielen Schriften, deren Zahl bald den Sand am Meere übertreffen wird, wohl auch schon einen Aufruf zu Mir um Abhilfe gelesen? – Ich weiß nichts davon. Lassen wir sie daher nur Beschlüsse machen und Petitionen zu Tausenden, – Ich aber bin allein der Herr und weiß, was Ich tun werde. Ich sage euch, alle diese Projekte, alle Reichstage, all ihre Beschlüsse und Gesetze will Ich zerschmeißen und zuschanden machen!

07. Der Kaiser ist aus Wien abgereist in aller Stille, – merket, es war Mein Wille. Er zog in gutes Land, dessen Volk um sehr vieles besser ist als die vielen Wiener. Er wird von diesem Lande auch nicht eher nach Wien zurückkommen, als bis Ich es wollen werde.

08. Es gibt in Wien wohl auch noch viele, die da besser sind und sind keine Speichellecker, keine Aristokraten, sondern Freunde der Wahrheit, der Ordnung und ehrlicher Sitten. Diese Besseren wünschen den rechten Fortschritt des Geistes; sie sind keine finsteren Pfaffenfreunde, obschon sie in diesen Lehrern der Nacht den Menschenwert nicht außer acht lassen. Sie verfolgen auch die Adeligen nicht, so diese den rechten Menschensinn in ihren Herzen haben. Wohl bedauern sie die Dummen und beten für sie; aber so ehrlich gut es auch diese meinen, so werden sie aber von der Masse dennoch nicht beachtet und auch nicht gehört.

09. Sie seufzen gewaltig über den vollends verkehrten Sinn der großen Masse, die sich nun lediglich durch Säbel, Schießprügel, Kokarden und Uniformen und Bänder und Fahnen und Roßschweife helfen will. Aber Ich sage euch: Ich werde sie nicht lange mehr seufzen lassen, sondern eine Hilfe senden, über die alle die sogenannten Großproletarier steifer werden vor Angst als der ewige Nordpol selbst! – Da werden diese jetzt so stark sich Dünkenden schwächer werden denn ein Schilfrohr; aber die jetzt Schwachen werden zu einem herrlichen Siege erstehen und werden sich freuen einer rechten Freiheit – nicht einer solchen, wie die jetzige nun ist, sondern einer wahren des Geistes in Meinem Namen!

10. Diese gegenwärtige Bier-, Tabakrauch-, Kaffeehaus- und Hurenfreiheit wird doch etwa keinem wahren Christen als wünschenswürdig erscheinen? Daher muß sie aus der Wurzel ausgerottet werden. – Glaube aber ja niemand, als wollte Ich Meine Kinder abermals geknechtet haben. O Ich sage euch, sie sollen wahrhaft in der und durch die Wahrheit frei werden. – Aber das denke auch niemand von euch, daß je jemand durch diese Pamphlets und durch die Säbel und Kokarden aus dem Joche der Knechtschaft gelangen wird. Im Gegenteil, dadurch wird die echte Sklaverei nur gefördert.

11. Diese sogenannten Volksfreunde werden bald demaskiert werden, und es wird sich nur zu klar zeigen, von welchem Schrot und Korn solche Volkstribune sind, die zu allen Zeiten ums Geld sich nur zu leicht zu allem gebrauchen lassen. Schlaget die Geschichte auf und sehet, und ihr werdet es finden, daß die größten Tyrannen allezeit aus den sogenannten Volkstribunen hervorgegangen sind. Daher werde Ich solche Wesen nun auch nimmer emporkommen lassen, sondern da sie sich erheben werden, da auch werden sie fallen!

12. Ich will Ordnung, Gehorsam und volle Ergebung in Meinen Willen, der allein gut ist; wehe aber denen, die sich diesem widersetzen wollen, sie werden hart gegen den Stachel zu löcken haben! – Ist nicht die Demut die erste Bedingung zur Freiwerdung des Geistes? – Wo aber steckt diese bei den jetzigen sogenannten Volksbefreiern? Etwa in der Uniform, im Säbel, im beroßschweiften Tschako, im Biere, in den Zigarren, in den Kokarden, Bändern und Fahnen, in Kaffeehäusern, in frechen Liedern, im Geilen mit den Huren? – –

13. Sehet, ihr Meine Freunde – wo aber sicher keine Demut als aller Liebe Grund zu Hause ist, wo solle da die Liebe herkommen? Waret ihr nicht selig in eurer Jugend, so ihr ein zartes Mädchenherz gefunden habt, das euch warm und in schnelleren Pulsen entgegenschlug? Erquickte euch nicht allezeit ein sanfter Blick aus einem holden Auge? Ja, er weckte euch sogar zu manchem Guten, Schönen und Erhabenen und begeisterte euch zu edler Tätigkeit, durch die ihr einst euch in den Vollbesitz eines zarten Mädchens versetzen könntet. – Ich sage euch, das war edel und gut und brachte auch bald segensreiche Früchte. Wer sollte nicht Freude haben an den zart gestalteten jungen Müttern Meiner werdenden Kinder?

14. Wo aber ist nun diese edle Liebe anzutreffen? Kennen diese jetzigen jungen Völkerbefreier sie? – Ich sage euch, diese Liebe ist ihnen ganz fremd, denn sie sind ja nun lauter Herrscher. Die Herrscher aber heiraten ja selten aus Liebe, sondern gewöhnlich nur aus Politik und durch Prokuration. – Da diese nunmaligen jungen Vielherrscher aber auf ihre Throne nicht heiraten können, so verachten sie ganz stoisch das zarte Geschlecht und befassen sich lieber mit der Volksbefreiung durch Säbel, Helm, Bier, Tabak, Katzenmusik und so weiter. Ich meine, ihr werdet aus dieser Meiner Darstellung leicht entnehmen können, daß diese Art von einer Volksfreimachung ewig nie zum rechten Ziele führen kann; daher erwartet auch nichts von ihr.

15. Aber das merket, daß so der Frühling naht und auch schon da ist, seine ersten Monate allezeit die stürmischsten und dümmsten sind. Also ist es auch bei der Ankunft des geistigen Frühlings, diesem werden auch noch manche dumme Stürme vorangehen. Sie erzeugen zwar nicht den Frühling, was allein nur die Sonne tut; aber wenn die Sonne zu wirken beginnt, da werden freilich die Schmeißfliegen früher wach, als die Lerchen und Nachtigallen. Aber lassen wir sie auch erwachen, nur halten wir uns nicht an ihr Gesumse.

16. Fraget nicht: Was haben wir zu erwarten? – Ihr wisset es ja lange schon, daß der Gute allezeit nur Gutes und der Schlechte nur Schlechtes zu erwarten hat. – Also fraget auch nicht, ob und wann der Kaiser wieder nach Wien zurückkommen wird. Daran liegt wenig nur. Fraget lieber nach Meiner An- und Wiederkunft; diese allein kann euch helfen! – Der Kaiser aber wird tun, wie Ich es will, darum er Kaiser ist, ob stark oder schwach, das ist gleich amen. – Das sagt der Herr aller Herren amen, amen, amen. – – –

Die wahre Friedenssonne. – 14. Juni 1848.

Ein kleines Bildchen.

01. Der Erde droht eine große Gefahr. Ihr Feind hat einen kurzdauernden freien Spielraum erreicht und lacht höhnisch nun Zwietracht in der Menschen Herzen! Aber es kann nun nicht anders sein; denn so das Sieb nicht mächtig gedreht, gerüttelt und geschüttelt würde, da käme die Spreu nimmer vom Weizen. Oder so die Luft vollgefüllt ist von bösen Dünsten, so daß allem Leben Gefahr zu drohen beginnt und das Licht die finsteren Massen nimmer zu durchdringen vermag, da taugt ein sanfter Abendwind nicht mehr, solche Luft zu säubern, sondern da müssen Orkane kommen und flammende Blitze, auf daß sich die argen Geister vor ihnen beugen.

02. Die Engel selbst dürfen mit den Teufeln nicht als Engel, sondern müssen als Gegenteufel handeln, sonst würden sie mit ihnen wenig ausrichten. – So du aber einen Acker hast, wird er wohl Früchte tragen, so er zuvor nicht klein durchwühlt würde mit dem Pfluge? – Also ist es auch hier nun. Der Satan tut das Seine, die Engel das Ihrige und Ich das Meine, und also wird der Weizen wohl rein werden. – –

03. Es werden aber noch große Stürme kommen und werden gar viele große Felsen und Berge zerschmeißen. Wie Spreu werden sie die Starken, Hohen und Großen in den Lüften zerstreuen, so daß man suchen wird und wird nimmer finden die Stelle auf der Erde, da sie hingeworfen wurden. Da wird sein ein mächtig Toben und Brausen und werden sich viele Gemüter gar sehr fürchten und gewaltig ängstigen. Aber das muß alles kommen, und muß mächtig kommen, um das Mächtige zu besiegen. – –

04. Wenn eine Mücke geboren wird, da freilich erbebt der Erdboden nicht und ist allenthalben Friede; denn eine Mücke braucht nicht viel. Wenn aber Berge gezeuget werden, da freilich sieht es ganz anders aus auf der Erde. Aber überaus stürmisch muß es sein, so alte verhärtete Berge zerbrochen werden! – Gleichwie es da auch nicht soviel Dröhnens macht, so ein Fürst eine neue Festung erbaut; aber wenn er als Feind eine alte Festung schleift, da geht es sehr erschrecklich zu – und siehe, also ist es auch nun der Fall.

05. Fraget aber nicht, wer da siegen wird; denn da wird niemand eher siegen, als bis das Licht der alten Wahrheit die Gemüter der Kämpfer zerstreuen wird. Glaubet ja nicht, daß der Reichstag ein Tag der Ausgleichung werden wird, o nein! Dieser Tag wird erst das rechte Sturmfeuer anfachen. – Fürchtet euch aber darob nicht, denn Ich werde für euch Sorge tragen. Aber die Sorge sollt ihr nun auch tragen, daß Mein Licht ehestens in die Hände der Menschen gelangen möchte. Ich sage euch, das würde der Welt bald helfen und euch reich machen doppelt. So ihr aber nun lau werdet, was soll das dann der Welt und euch nützen?

06. Ihr müßt nun auch mitstürmen. So ihr aber stürmt und kämpft um Meinetwillen, da stürmt und kämpft ihr einen gerechten Kampf, und der Sieg solle euch leicht werden. Denn eure Mühe verlangen nicht eures Fleisches Glieder, in denen Wollust, Hochmut und Geiz kämpfen und stets die alleinige Ursache aller Kriege sind, – sondern Ich in euch verlange es von eurem Geiste, dem allein nun am Ende der Sieg gegeben wird und der Friede, der da ist eine Frucht der rechten Gerechtigkeit und wird gegeben denen, die in sich diesen Frieden haben und halten. Ich sage euch aber auch, daß ihr ja damit nicht suchet eine Freundschaft mit der Welt zu erreichen; denn wer der Welt ein Freund ist, der ist Mein Feind, und wer da suchet der Welt Freundschaft, der sucht in einem Meine Feindschaft.

07. Ihr müßt euch daher aus einer gewissen kritischen Weltanfeindung nichts machen, denn so diese dem zuteil wird, das ihr für Mich tut, da seid ihr eben dadurch auch Meiner innigsten Freundschaft versichert. – So die Welt Mein Werk, das ihr herausgeben sollet, kritisch belächeln und beschimpfen wird, so freuet euch dessen, denn eben das wird ihr den vollen Untergang und euch den Sieg geben!

08. Daher sage Ich euch noch einmal: Suchet euch die Welt, wie und wo sie euch auch immer entgegenkommen möchte, nicht zu eurem Freunde zu machen; denn der Welt Freundschaft ist Meine barste Feindschaft. – Wer Mein wahrer Freund sein will, der muß der Welt gegenüber elend sein und muß viel Leid tragen. Der Welt Lache muß in Weinen und der Welt Freude in Traurigkeit verkehrt werden. Niemand aber kann etwas Gutes tun, außer er tut Meinen Willen, der allein gut ist. So aber jemand diesen kennt und tut nicht danach, der sündigt, weil er nicht tut Meinen Willen. – Daher seid auch ihr emsig in der Ausübung Meines Willens, wollt ihr nicht sündigen vor Meinem Angesichte.

09. Es wird aber auf der Welt noch gar viel Kämpfens sein und wird viel Fleisch getötet werden; aber Meinen Freunden und den eifrigen Tätern Meines Willens solle dabei nichts Übles begegnen. Wie groß wohl würde sich ein Fürst dünken, den Ich zum Lenker der ganzen Erde stellte, und wie groß, dem Ich die Führung einer Sonne in die Hände legte? – Aber was ist die Erde, was alle Sonnen gegen die Größe Meiner Gnadensonne, die Ich euch gegeben habe, daß ihr derselben mächtigstes und lebendigstes Liebelicht aller Welt könnet erstrahlen lassen!? – Ihr sehet daraus, zu was Großem Ich euch berufen und erwählet habe!

10. Da ihr aber das doch offenbarst einsehen müsset, so müßt ihr aber nun auch danach handeln, daß ihr euch solch eines allerhöchsten Amtes als würdig erweiset. Aber das bemerke Ich euch auch, daß die Buchdrucker dieses Ortes, diese Kreuzerjäger, durchaus schlecht taugen für die schnelle Veröffentlichung Meiner Werke. Daher wären die Sachsen, Hamburger, Württemberger und auch noch andere deutsche Buchverleger den hiesigen in jeder Hinsicht bei weitem vorzuziehen; denn ihr könnet es nun schon beurteilen, wie lange im Verhältnis mit dem Liede ‚Die große Zeit der Zeiten‘ ein hiesiger Verleger mit dem Werke ‚Meine große Haushaltung‘, von euch ‚Hauptwerk‘ benannt, zu tun hätte – drei Jahre würden zu wenig sein. Was wohl möchte das euch und der Welt nütze sein? Daher müßt ihr und namentlich der Bruder A. H. Willig darauf sehen, daß dieser alleinigen Friedenssonne ein anderortiger schnellerer Aufgang bereitet wird; denn glaubet es Mir, solange diese unterwegs bleiben wird, wird es nicht zum Frieden kommen auf der Erde!

11. Im Gegenteil wird es nur stets stürmischer und stürmischer werden, so daß am Ende ein jeder seines Lebens kaum mehr sicher sein wird und wird verlieren alle irdische Habe, so er irgendeine besitzt. – Denn so die Liebe erkaltet und der Verstand für sich allein so kalt wie der Nord- oder Südpol dastehen wird, da wird auch bald jeder Funke von Rechtsgefühl verschwinden, und der festeste sogenannte Kommunismus wird an die Stelle allen Rechtes treten und wird gewaltigst zerbrechen alle Schranken zwischen Mein und Dein. – Daher sehet, daß die Friedenssonne ehestens der Welt verschafft wird, sonst wird eben diese Welt euch um all das Eurige bringen; denn die Welt ist und bleibt stets gleich Welt!

12. Der Welt fehlt nun alles geistige Licht, denn die Diener Baalams haben ihr auch den letzten Funken genommen und haben ihn erstickt auch in den Herzen der ohnehin wenigen, die noch irgend einen schwachen Glauben hatten. Nun ist eine vollste Nacht geworden. Niemand weiß mehr zu raten und zu helfen. Daher halten sie Rat über Rat und wählen in einem fort Wähler über Wähler, um dadurch auf die Weisesten des Landes zu gelangen. Aber sie sind nun alle blind und sehen und erkennen die Weisen nicht, da sie sich nur an die Angesehensten halten und an jene, die eine starke Stimme haben. Daher aber werden sie auch stets mehr Elend hervorrufen und Raub und Mord und großes Blutvergießen, wie es sich nun schon an mehreren Orten zu zeigen anfängt.

13. Es ist sonach hohe Zeit, mit dem rechten Lichte zu kommen, da sonst zuviel Elend über die Welt kommen würde und müßte, um vor der völligen Zerstörung gesichert zu sein. Ich habe wohl auch anderorts schon Leuchten gestellt und hie und da eine tüchtige Bahn gebrochen, daher dies euch gegebene Licht nicht auf ungebahnten Wegen in die Welt hinaus seine Reise antreten wird dürfen. Es ist sonach alles Mögliche vorbereitet, und so kommt es nun nur auf euren Eifer an, so ihr der großen Völkersegnung wollt gewärtig werden.

14. Wahrlich, wer jetzt zaudert, wer sich nicht aus seiner angewohnten Lebensweise gewaltsam herausreißt, wer jetzt spart und nicht alles aufs Spiel setzt, der wird in Kürze alles verlieren. Wer aber nun alles wagt, der wird vieles gewinnen; denn Meine Staatspapiere werden nimmer zum Fallen kommen, und Meinen Weingarten wird ewig nimmer ein Hagelschlag treffen und ein Reif versengen. Daher spekulieret nun fleißig mit Meinen Staatspapieren und pfleget sorgsam Meinen Weingarten, so werdet ihr viel Gewinn haben zeitlich und ewig amen. Das sage Ich, euer Herr und Vater, euch allen amen, amen, amen. –

An alle! – 11. Juli 1848.

Ermahnung zum Wachen und Beten wegen bevorstehender großer Gefahr.

01. Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Versuchung fallet; denn der Satan geht umher nun wie ein wütender Löwe und sucht alle Menschen zu verschlingen. Kein Mittel wird er unversucht lassen, um seine große Rache zu kühlen, weil man nun seinem treuen Anhange, der herrschenden Hydra, auf den Kopf getreten. Er wird Völker entzweien, daß sie sich zu Haufen erwürgen werden, wie sie es schon jetzt zu machen anfangen; Ich sage eigens: anfangen – denn das alles, was bis jetzt geschah, ist nur ein Anfang des Beginnens.

02. Ich sage, kein Mittel wird er unversucht lassen, um seine große Rache zu kühlen. Er wird jeden Menschen bei seiner schwächsten Seite ergreifen und wird ihn erwürgen und verderben, so der Mensch auch nur eine Minute sich von Mir entfernt in seinem Herzen. Daher gilt es nun im vollsten Ernste – Leben oder Tod! Denn es soll nun alles durchreutet werden auf das allergewaltigste, und was da des Teufels ist, das soll des Teufels bleiben, und was Mein ist, das soll Mein sein ewig!

03. Wer nun einen Funken Hochmut hat, diesen Funken wird der Satan zu einem Bergbrande anfachen und aus solch einem Menschen einen Satan machen. Hütet euch also vor dem kleinsten hochmütigen Zornfünkchen, wollt ihr keine Teufel werden; denn der Satan lauert und läßt keine Gelegenheit ungenutzt.

04. Also wachet sehr und betet, auf daß ihr nicht in die Versuchungen des Fleisches fallet; denn so jemand nun da fällt, der ist ohne Rettung verloren. Denn so wahr Ich der Herr und euer Gott und Vater bin in Jesu, dem Gesalbten, so wahr auch ist das alles, was Ich euch hier verkünde!

05. So irgend ein Vater Töchter hat und hat in sich einen Stachel des Fleisches, wahrlich, wahrlich! – der Satan wird aus diesem Stachel ein glühend Schwert zeugen und wird die Väter zu Blutschändern machen, und die Söhne werden die Mütter beschlafen, und vor den Brüdern werden die Schwestern nicht sicher sein. Also wird auch bei vielen die stumme sodomitische Sünde erwachen und die Tierschändung, so daß es zehnfach ärger sein wird, als es war zu Sodom und Gomorrha.

06. Denn weil die große Hure Babels geschlagen wird, die gebuhlt hatte im Geiste, darum eine solche Rache des Satans, auf daß alles Fleisch bis in den tiefsten Grund verderbt werden solle. Aber Ich habe auch Mein Schwert nun sehr scharf gemacht und werde ein größtes Gericht über die Häupter aller Frevler gewaltigst schwingen!

07. Meidet daher nun übersorgfältig alles, was nur irgend das Fleisch reizt. Meidet den Wein, in dem der Geist der Unzucht wohnt. Meidet solche Orte, wo euch freundliche reizende Dirnen begrüßen. Betet allezeit und haltet Fasten, besonders im Weine und Biere, und führet keine unreinen Worte, sonst seid ihr alle nicht sicher vor den Versuchungen des Satans.

08. Du irdischer Vater, Ich sage dir für diese und für jede Zeit, so du Töchter hast, so liebe sie wie ein Christ, aber nicht wie ein eitler Liebhaber, sonst bist du gefangen im Netze des Satans. Denn wenn auch dein Geist deine Töchter als Töchter erkennt, was nützt dir aber das, so dein Fleisch dennoch von dem Fleische deiner Töchter geradeso wie vom Fleische anderer Dirnen gekitzelt wird und deinen Geist betäubt und in deinen Nieren die unlautersten und verdammlichsten Begierden erweckt, die dich töten auf ewig?! –

09. Glaubet es Mir, wer in dieser Zeit nicht alles aufbieten wird, um dem freigelassenen Satan in Meinem Namen kräftigst zu begegnen, der geht verloren, und wenn er schon tausend Bücher des lebendigsten Wortes gelesen und geschrieben hätte. Denn weder das Lesen noch das Schreiben nützet etwas, sondern allein das Tun, – gleich als so jemand auch zehntausend der besten Klavierschulen gelesen und abgeschrieben hätte, so er sie aber nicht übt und studiert mit seinen Fingern auf einem Klavier, sage, wird er wohl auch nur einen Takt eines Musikstückes darauf spielen können?

10. Haltet alle nun überfest an Mir, wie Ich euch auch überfest halte, so werdet ihr in Kürze die herrlichste Ursache haben, euch als Meine reinen Kinder in einer besten Zukunft zeitlich noch, wie dann auch ewig über die Maßen zu erfreuen! Suchet auch mit einiger Behutsamkeit mehrere Jünger für Mein Reich zu gewinnen; das wird euch viel Segen bringen. Suchet aber vorerst mit Meinem Namen anzuklopfen, wird da „Herein“ gesagt, da bauet weiter. Wo aber das Herein nicht oder nur mit Achselzucken gegeben wird, da lasset den Bau und gehet weiter.

11. Hütet euch aber auch vor Geiz, Neid, Kleinmut, Ärger und gar vor Zorn; denn wie schon gleich anfangs gesagt, es wird der Satan keine, auch die geringste Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, in den Menschen zu dringen und ihn zu verderben.

12. Aber auch die Weiber und Mädchen sollen nun sehr ernstlich sich an Mich anschließen, sonst werden sie allerartige gewaltigste Schiffbrüche erleiden. Der Satan hat nun auch Legionen fleischlich unreinster Geister flottgemacht, welche nichts eifriger zu tun haben werden, als in die Bäuche der Weiber und Mädchen zu fahren und diese dann auf das elendste zu plagen. Was bald ausbrechende Seuchen nicht töten werden, das wird von dieser Brut entweder heimlich oder wohl auch offenbar geplagt werden. Daher sollen besonders die Mädchen bald nach dem (Sonnen-) Untergange sich in die Stuben zurückziehen und allda zu Mir beten, so werden sie vor allen den Plagen gesichert sein.

13. Haltet nun das alles wenigstens nur ein halbes Jahr genau, dann werdet ihr von allem und dem größten Übel befreit sein und bleiben amen. Das sage Ich als euer liebevollster und geduldigster Vater, der euch ewig erhalten und nimmer zerstören will amen, amen, amen. – – –

Politischer Rat. – Über die Zeitverhältnisse – – 23. Juli 1848.

An Andreas H. W.

01. Es ist ein anderes, so sich einzelne Menschen gegen ihre Herrscher auflehnen, was eine Sünde ist, und ein ganz anderes, so ganze Völker durch Meinen Geist getrieben sich gegen ihre zu gewissenlos gewordenen Herrscher erheben und sie von ihren Thronen heben samt ihren tyrannischen Gesetzen!

02. Und sieh, das ist doch ganz unverkennbar soeben der Fall. Daher mußt du nun nicht mehr an den alten Kram dich anklammern, der nimmer zurückkehren wird und darf. – Oder steht es nicht im Evangelium: „Man tut den Most in neue Schläuche und nicht in die alten, die er bald zerrisse und somit samt den Schläuchen zugrunde ginge“ – wie man auch auf den Riß eines alten Rockes keinen neuen Fleck setzt, wo der Rock schon beim Aufnähen mit jedem Stiche einen neuen Riß bekäme. Siehe, daher wäre es nun auch im höchsten Grade unklug, so du mit dem alten verrosteten Staatsgesetzkrame der neu erwachten Menschheit gegenüber auftreten möchtest und wünschen frühere sklavische Ruhe und Ordnung, sondern tritt du nun wie ein neu Erwachter auf!

03. Fasse diese Zeit, halte weder mit der alten Dynastie, noch mit den alten Gesetzen und schon gar nicht mit den Aristokraten, welche ein alter Krebsschaden in der Menschheit sind; sondern halte nun fester als je mit Mir und mit dem Volke, dessen Not dir mehr als jemand anderem bekannt ist. So wirst du gut fahren und all dein irdisches Vermögen in aller Fülle gesichert haben. Sonst aber muß Ich dir leider im voraus verkünden, daß du, in deiner jetzigen Lage verharrend, dein bedeutendes Vermögen bald wirst mit allen Laternen suchen können und wirst es kaum wiederfinden.

04. Besser aber ist es, du glaubst Mir jetzt, als daß du späterhin sagen würdest: Ja, nun glaube ich's, daß der Herr durch Seinen armen Knecht doch allezeit die reinste Wahrheit geredet hat und hat es nicht zugelassen, daß dieser etwa seine eigene Ware für eine göttliche ausböte, daher sie auch weniger Berücksichtigung verdiente, besonders in den gewissen Nebenworten. –

05. Lieber Andreas, Ich sage dir: Du mußt jetzt hier sein, die Zeit studieren und deine Gelder hier verwalten und damit Gutes tun, so wirst du viel gewinnen. Aber drunten in dem Schneckenhause wirst du in keinem Fall irgendeine Progression machen, weder irdisch noch geistig.

06. Denn siehe, Ich Selbst heilte auf dem Lande wohl manche Bresthafte und trieb allda die Teufel aus; aber den Triumpheinzug hielt Ich dennoch in Jerusalem und das Abendmahl und die Erlösung und die Auferstehung! Willst du alles dessen nun teilhaftig werden, so mußt du dich im Orte des Lebens der Menschen und nicht im Orte des Lebens der Schnecken, Schildkröten und Krebse aufhalten.

07. Ich sage dir: Diese Zeit wird etwas ganz anderes bringen, als du es je erwarten würdest! – Ich sage dir, so du es fassen kannst: Wind-, Wasser- und Feuerhosen! – Sturm, Feuer, großes Geheul! – Rache, Blut, Tod! – Volksherrschaft, Freiheit, Segen! – Amen. Das sage Ich dir zu deiner Beachtung, Ruhe und vollsten Sicherheit amen, amen, amen! –

Politischer Rat. Sieh nicht zurück und wandle den Weg, wie er sich auch gestalte. – 3. August 1848.

An Andreas H. W.

01. Mein lieber Andreas H. W.! Du möchtest wohl wissen, was du nun tun sollst, da man dich wieder ins Amt zurückberief. – Ich sage dir, nimm vorderhand alles an, was man dir bietet, und das ohne viele Umstände; denn längstens binnen einem halben Jahre wird ein ganz anderer Wind wehen, und alle bisherige Staatsordnung wird ein anderes Gesicht bekommen.

02. So du aber im nun äußerst wichtigen Amte stehen wirst, da schaue nicht zurück, sondern geradeaus und vorwärts, denn du weißt es ja, wie es in der Schrift also lautet: „So aber jemand am Pfluge ist und zurücksieht, ist er wenig geschickt zum Reiche Gottes.“ – Also mußt auch du als ein rechter Jünger Meiner Gnade, Liebe und Erbarmung nun vollends nach vorwärts deine Augen richten, so wirst du sehr viel Gutes stiften und in Kürze zu großen Ehren gelangen.

03. Wie es aber war, wird es nimmer werden; denn die Menschheit würde in dem alten Hurenschlamme gänzlich zugrunde gehen. Es muß eine neue Ordnung kommen. Um aber diese zu bewerkstelligen, müssen solche Gewitter über die geistige Erde kommen, durch die sie von der alten Pestilenzluft gereinigt wird.

04. Es werden nun freilich gar viele wehklagen, besonders die dem alten Hurenbabel Dienenden; aber es kann nun nicht anders sein, da es doch besser ist, daß die Hure zugrunde gehe, als so da zugrunde ginge die Erde.

05. Wer aber in dieser Zeit sich eine gute Stätte bereiten will, der tue nicht, wie dereinst getan haben die stockblinden Juden, die Mich kreuzigten, um den Moses zu retten. Was aber hat ihnen Moses bis jetzt genützt? Nahe zweitausend Jahre sind verronnen und die alten Moseshelden, einst der Erde erstes Volk, stehen nun da ohne Land, ohne Heimat und ohne Meine Gnade und können in ihrer alten Lade nirgends mehr einen Grund fassen auf den Gewässern ihres alten toten Meeres!

06. Daher, Mein lieber Freund, tue nach Meinem Rate, gleichwie einst Meine wenigen Brüder es taten, so wirst du besten Weges fahren.

07. Frage nicht viel nach dem Kaiser, der aus Wien zur Hälfte vertrieben und zur Hälfte von sich selbst genötigt ging. Hat das Volk auch nicht recht an ihm gehandelt, so hat aber auch er, das heißt in seinem Hoftume, sehr gefehlt gegen das Volk; denn ein rechter Hirt soll die Schafe nicht verlassen, wenn er den Wolf kommen sieht. Wenn dann in seiner Abwesenheit der Wolf in der Herde Schaden anrichtet, wer sonst als der laue und zu furchtsame Hirt hat da die Schuld?

08. Daher sieh nicht zurück und frage weder ums eine noch ums andere, sondern wandle den Weg, wie er sich auch gestalte! Ich aber werde dich begleiten auf allen den Windungen des Weges und dich schützen und all deinen Besitz zeitlich und ewig. Aber sieh nun auch, daß Mein lebendig Wort bald in die bessere Welt kommt amen. – Das sage Ich dir zu deinem Troste und zu deiner Ruhe, amen, amen, amen. –

Ein Zeichen am Himmel und seine Bedeutung. – 30. August 1848.

Jakob Lorber, dem am 17. August 1848 innerlich angezeigt wurde, daß in der Nacht des 29. August zwischen elf vor und eins nach Mitternacht sich ein Meteor zeigen werde, begab sich am 29. August auf die Höhe des Schloßberges, und zwar in die östlich gelegene Windhütte. – Eine Viertelstunde vor Mitternacht sah er über dem Sieben-Turm ein karminrotes Fünkchen, das sich im Verlaufe von einer Sekunde zu einer Scheibe in Vollmondgröße ausdehnte. Der Meteor, dessen Licht immer blendender wurde, bewegte sich anfangs langsam in schlangenförmigen Windungen, dann aber pfeilschnell gegen Südwest und verschwand hinter dem Buchkogel bei Sankt Martin. Diese Naturerscheinung währte im ganzen etwa fünf Sekunden. Nach dem Verschwinden des Meteors folgte auf den sehr lauen Südwestwind plötzlich ein eiskalter Nordwind, und der östliche Horizont hellte sich auf wie eine Stunde vor Sonnenaufgang. Diese Helle im Osten hielt ungefähr drei Viertelstunden an. – Am 30. August 1848 wandte sich Jakob Lorber an den Herrn und fragte um die Bedeutung dieser Erscheinung. Der Herr sprach:

01. Das bedeutet zuerst Krieg, dann Hungersnot und schwere, d.i. pestähnliche Krankheiten, – endlich wird Friede werden! –

02. Ich meine, diese Erklärung ist kurz und gut, und ihr wisset, was ihr zu tun habet, um überall mit heiler Haut durchzukommen. Seid aber überhaupt nicht zu ängstlich um euren Leib besorgt, der früher oder später seinen Weg wird gehen müssen, sondern sorget vielmehr für die Seele und für den Geist, auf daß diese nicht zugrunde gehen. Denn was würde es euch nützen, die ganze Welt zu gewinnen und tausend Jahre, die vor Mir wie ein Tag sind, zu leben im Fleische, so ihr aber Schaden hättet für Seele und Geist?

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