Jakob Lorber

Robert Blum

Sozialrevolutionär Robert Blums Erfahrungen und Führungen im Jenseits bis zu seiner Vollendung

Band 2

Originaltext 1. Auflage 1898
durch Project True—blue Jakob Lorber

Anschauliche, ungekürzte Schilderung des jenseitigen Schicksals des 1848 in Wien als Sozialrevolutionär hingerichteten Robert Blum. Hochinformative und interessante Einblicke in die geistige Welt und die Weiterentwicklungsmöglichkeiten nach dem Tod.

Inhaltsverzeichnis

151. Eintritt im Hause Roberts in das Museum, eine Art Seelenfriedhof. (Am 19. Dez. 1849)

152. Wie sollen Gefangene der Materie erlöst werden? Heilsvorschlag des Franziskaners Cyprian. (Am 23. Dez. 1849)

153. Wichtige Lebenswinke. Beispiel vom Schmelzofen. Satan als Stammvater der Materie und aller Menschenseelen. Gottes Erlösungsplan. Alle sollen zur Reife kommen! (Am 26. Dez. 1849)

154. Widerliche Entdeckungen. Grabesgeheimnisse und jenseitige Kuren. Der große Sammelplatz besonderer göttlicher Gnade.

155. Das große Pyramidendenkmal. Worte Jesu an Robert. Über Geist, Seele und Leib und wahre Auferstehung des Fleisches. Erforschung der seelischen Unterwelt. (Am 4. Jan. 1850)

156. Erklärung des Pyramidendenkmals und Roberts Aufgabe dabei. Wanderung in die Unterwelt - "Mir nach!" Vom Fegefeuer, Himmel und Paradies.

157. Roberts Rückkehr und Bericht von seiner Unterwelt. Die heiligen Inschriften auf den Pyramidenstufen. Wirkung wichtiger Heilslehren auf Robert.

158. Roberts große Gottesliebe läßt ihn auf Augenblicke sein Weib vergessen. Helenas verständnisvolle, gute Rede. Ihre Scheu vor dem Allerheiligsten. Jesu stärkende Erwiderung. (Am 12. Jan. 1850)

159. Gleichnis vom Kunstmaler und seinen Schülern. Helena bleibt immer noch furchtsam. Jesu liebweise Belehrung macht sie wieder frei zur himmlischen Liebe.

160. Pater Cyprian nimmt Ärgernis an Helenas stürmischer Liebe. Jesus überführt ihn seines pfäffischen Neides. Gewaltige Donnerworte gegen Priesteranmaßung. Cyprian geht in sich.

161. Wunderbare Verwandlung der Seelenkräfte durch die Macht höchster Liebe. Robert empfängt das Kleid der Unsterblichkeit und seinen himmlischen Namen. Der Engel Sahariel als Führer.

162. Helenas Fragen an Jesus nach dem Wesen und den Bewohnern der Hölle. Jesus Antwort durch ein lebendes Beispiel. Cado, ein Höllenbürger.

163. Auftrag an Petrus und Paulus, als Beispiel höllischer Art den einstigen Beduinenhäuptling Cado vorzuführen. Vergebliche Liebesmühe des Petrus um Gewinnung des frechen Geistes. (Am 27. Jan. 1850)

164. Grundböses Wesen des Cado weist alle Liebe und Bekehrung von sich. Jesus über göttliche Züchtigung. Die Hölle muß sich selbst kurieren. (Am 1. Febr. 1850)

165. Cado im Höllenschwitzbad. Entsetzen und Erbarmen der Zuschauer. Gottes notwendig-konsequente Folgen von Ordnungsübertretungen.

166. Unerwartete Wendung. Cado wird frei und nimmt Rache. Der Häuptling lenkt ein. Echt satanischer Höllenplan.

167. Cados höllischer Trotz. Vermessener Umsturzplan des Häuptlings. Der eigentliche Höllenschlund tut sich auf.

168. Brodelnde Gewalten der Finsternis. Höllische Tücke und himmliche Wachsamkeit.

169. Höllischer Sturm gegen den Himmel. Jesu Warnung vor Ärgernis. Friedensgeister in der Höhe. Fruchtbare Wendung für die Scharen der Finsternis. (Am 18. Febr. 1850)

170. Untergang der Höllenmacht. Cado als einziger Überlebender gibt erschüttert besseren Regungen Raum. Der Geist ist willig - aber das Fleisch ist noch schwach.

171. Verändertes Szenenbild. Ballet von Höllengeistern. Cado läßt sich nicht beirren. Er verscheucht den Spuk und ruft die Gnade und Hilfe der Gottheit an. (Am 22. Febr.1850)

172. Cados Selbstbeschauung. Seine irdische Lebensgeschichte. Weitere Herzensprüfung für den Hadernden. Höllische Minerva (Satana) im Staatswagen. Cados geweihte Abwehrsteine. (Am 26. Febr. 1850)

173. Cados und Minervas Disput. Schreckensproben der Höllenfürstin. Cado rettet sich mit dem wahren Stein der Weisen. Gott Jesus ist Sieger! Sein Name - der Hölle ein Greuel! (Am 27. Febr. 1850)

174. Cados erleuchtete Weisheit gegen Minervas hochmütige Verblendung. Anerkenne den Gottmenschen Jesus - und dir wird alles lichter werden! (Am 11. März 1850)

175. Fortsetzung des Disputes zwischen Cado und Minerva. Minervas Bedingungen zur Ergebung. Cados Erwiderung. (Am 13. Marz 1850)

176. Cado erhält stärkeren Engelschutz. Sein wohlmeindendes Liebeswerben erwidert Minerva mit argen Gegenvorschlägen. Dem von oben Gefestigten zeigt die Hölle neue Schreckensbilder.

177. Minerva wittert in Cados festem Willen eine List der Gottheit. Cado erklärt ihr den wohlmeinenden Grund. Ein Kleid fällt vom Himmel und erregt Minervas weibliche Neugier. (Am 10. März 1850)

178. Minera (Satana) lenkt ein und nähert sich, von immer neuen Kostbarkeiten gelockt. Die letzten Schritte vor dem Ziel.

179. Endkampf und Wendung. Das alte, selbstherrliche stolze Urwesen Satanas kommt wieder zum Durchbruch. Cado aber gibt nicht nach. Gleichnis vom rettenden Lotsen. (Am 29. März 1850)

180.Cado macht sich's bequem und erquickt sich an Brot und Wein. Minerva (Satana) ärgert sich darüber. Cado gibt ihr deutliche Belehrungen über ihren tatsächlichen Unwert. (Am 31. März 1850)

181. Bathianyi und Miklosch über diese Szene. Minerva macht den letzten Schritt. Das herrliche Himmelsgewand als Lohn. Mögliche Folgen der vollen Erlösung Satanas.

182. Minerva findet neue Ausflüchte, denen Cado entgegentritt. Von Buße und Bekehrung. Gleichnis vom Okulieren. Hochbedeutsame Erlösungstatsachen. Robert und Sahariel treten hinzu (Am 10. April 1850)

183. Minervas Herrlichkeit im Himmelskleide. Robert und Sahariel geben sich den beiden zu erkennen. Wichtige Lehre über die Erziehung zur wahren Freiheit und Selbständigkeit. (Am 12. April 1850)

184. Sahariel über das 'Amen'. Minervas Liebesantrag an den Engelsboten und dessen weise Antwort. Gleichnis von den zwei Brunnen. Cado enthüllt die Sachlage.

185. Minerva (Satana) will sich rechtfertigen als negativer Pol. Von Cado mit Hohn widerlegt, entlarvt sie sich in ihrer ganzen Bosheit. Sahariel wendet sich mit Ernst zum Gehen. (Am 22. April 1850)

186. Minerva disputiert und rechtet weiter. Sahariels übergroße Langmut. Graf Bathianyi ärgert sich über die Unverbesserliche und wird selbst rechthaberisch. Minervas Abgang. (Am 25. April 1850)

187. Minervas (Satanas) seltsam theatralischer Abgang zu ihrem letzten Kampfe. Die hölliche Lügnerin verschwindet. Sahariel, Robert und Cado kehren heim. Jesus nimmt Cado auf.

188. Jesus mit Robert und Helena. Wiedersehen der beiden Gatten. Sie erkennen und lieben sich in ihrem beiderseits gesteigerten Werte. Ein wahres Ehepaar der Himmel. (Am 1. Mai 1850)

189. Cyprian bei Jesus. Der beste Dank. Jesu Führungsweise. Wege zu Roms Gericht. (Am 4. Mai 1850)

190. Bitte um Heil für die Erde durch die Altväter. Jesu Antwort. Von den Vorbereitungen zur Wiederkunft des Herrn. Robert und Helena mit Cado an der Pforte der Vollendung. (Am 10. Mai 1850)

191. Aufbruch zum großen Saal der Vollendung. Robert und Helena gehen vor Cado voran und finden eine verschlossene Himmelspforte. Minerva tritt wieder auf. (Am 13. Mai 1850)

192. Minerva (Satana) vor der Pforte. Derbe Begegnung mit Helena.

193. Bedeutsame indische Weisheit über Satan. Mahnung zur Geduld. Ein kleines Plätzchen ist leichter gefegt als die gesamte Schöpfung.

194. Minervas (Satanas) Lügenlehre: "Gott ist der Töpfer, ich bin das Feuer". Cados schlagende Richtigstellung und Bedrohung der Vermessenen. (Am 21. Mai 1850)

195. Minerva (Satana) und Helena. Eine heilsame Entladung. Cado über das Königtum als Zuchtrute. Wahre Achtung kommt nur durch Liebe. Minerva geht ab. (Am 24. Mai 1850)

196. Roberts und Helenas Ärger vor der Himmelspforte. Cados weiser Rat belehrt und beschämt sie. Durch die Pforte in die virtuelle Stadt Wien. (Am 26. Mai 1859)

197. Die Pforte öffnet sich und zeigt - als neue Überraschung - die Stadt Wien. Wichtige Belehrung über das Wesen jenseitiger Erscheinlichkeiten. Robert staunt über Cados Weisheit. Die Begriffe kindisch und kindlich.

198. Wiedersehen mit der früheren Gesellschaft. Deren merkwürdiges Verhalten gegenüber dem scheinbaren Cado. In Robert dämmert's. Er erkennt mit Helena den hohen göttlichen Freund.

199. Eintritt der kleinen Geselllschaft Jesu ins virtuelle Wien. Volkstümliche, echtwienerische Szenen an der Paßschranke. Der kritische Sergeant. (Am 2. Juni 1850)

200. Der Zollsergeant examiniert Jesus, wird von Ihm zurechtgewiesen und gibt der Gesellschaft freie Bahn. Ein Steuereinnehmer folgt Jesus. Den Sergeant sticht die Neugier.

201. Der Steuereinnehmer wird von Jesus aufgenommen und belehrt, der Sergeant zurückgewiesen. Missionsgang des Paulus ins Haus 'Zum guten Hirten'.

202. Paulus im Proletarierklub 'Zum guten Hirten'. Reden und Gegenreden. Der Apostel als Goldmacher. Inflationstheorie, Papiergeldschwindel und Lebenstaumel. Gleichnis vom Wettrennen.

203. Die gewonnenen sechs Geister. Werbung des Paulus um die übrigen. Über die Zeit der besonderen Gnade und die verblendende Fleischeslust. (Am 11. Juni 1850)

204. Gute Antwort Eines aus der Schar. Letzte Worte des Paulus an die Hartnäckigen. Der lustige Wiener und die derben Tiroler. Paulus ordnet den Wiener. Alle ziehen weiter. Die Ahnen des Hauses Habsburg in der Kapuzinergruft. (Am 14. Juni 1850)

205. Phantasievolle Vermutungen der Mitläufer. Neue sonderbare Begegnungen im virtuellen Wien. Die längst erworbenen Ahnen des Hauses Habsburg-Lothringen.

206. In der Kaisergruft bei den Kapuzinern. Viel Totes in den Särgen! Lebensweisheit des Humoristen, die Hauptfrage ist - Jesus! Verschiedene Ansichten über das Papsttum.

207. Anliegen der Geister der Regenten. Ihre Erzählung vom feurigen Reiter und dessen Weissagung über Weltende und Wiederkunft. Die Regenten erbitten irdische Hilfe, Paulus verheißt geistige. (Am 22. Juni 1850)

208. Weitere Belehrung der Dynasten. Gleichnis von den faulen Hirten. Dynastien sind nur der Völker wegen da. Mahnung zur Demut und Hinweis auf Jesus. (Am 25. Juni 1850)

209. Ein alter Dynast und Jesus. Erzählung vom Wunder-Merkur. Der Dynast bittet um ein echtes Wunderzeichen.

210. Jesus über Wunder und ihre Wirkung. Der Dynast erkennt Jesu Weisheit. Sein Christusbekenntnis und seine Vorbehalte. Die Dynasten beraten sich. (Am 29. Juni 1850)

211. Maria Theresia und einige andere Dynasten stimmen dem Stammvater Rudolf bei. Jesu gutes Zeugnis über Rudolf. (Am 3. Juli 1850)

212. Erweckungsrede des Paulus an die noch schlummersüchtigen Dynasten. Der Apostel zeigt ihnen ihre Regierungs-Untaten und verheißt Jesu Nachsicht und Gnade. Erfolg der Rede.

213. Ein hartnäckiger Kaiser. Rede des Paulus an ihn und Widerspruch des Starrsinnigen.

214. Lebenszeitrechnung im Jenseits. Ein weltgeschichtliches Verlangen. Gleichnis vom Taschenspieler. Der wahre Hofglanz. (7. Juli 1850)

215. Der stolze Kaiser Karl in Verlegenheit. Sein Lebensbericht. Paulus rüttelt den Hochmütigen. Regenten vor Gott. Zwiegespräch Karls mit Jesus. Endlich Gnadenbitte und Verlassen der Gruft! (Am 9. Juli 1850)

216. Geldgierige Bettelmönche am Gruftausgang. Hohe Kleriker im Stephansdom.

217. Vor dem Stephansdom. Bittrede der erlösten Dynasten zum Heile ihrer kirchlichen Amtsgenossen. Jesus über die schwierige Heilung geistlichen Hochmuts.

218. Kaiser Joseph über seine Erfahrungen mit dem kath. Klerus. Grund des frühen Todes dieses Kaisers, welcher nun als Engel des Gerichts gegen das Papsttum bestellt wird.

219. Jesus über das wahre Wesen des Erzbischofs Migatzi. Zwiegespräch zwischen letzterem und Joseph. Blick in tiefste Priesternacht. Römische Geistesschlaf-Politik. (Am 16. Juli 1850)

220. Kaiser Josephs Beispiel von der Stecknadel. Er verweist den Erzbischof Migatzi an Jesus. Migatzi erklärt das Jenseits für Trug und Joseph für geisteskrank. Joseph über die Ursache seines Todes. (Am 18. Juli 1850)

221. Migatzi gibt für die Todeskrankheit Josephs eine andere Erklärung. Er beharrt bei der Behauptung, noch im Leibesleben zu sein und verlangt Beweise über Jesus. Joseph über den Geist der Liebe als einzigen Gotteszeugen. (Am 20. Juli 1850)

222. Selbstgespräch und stille Beichte Migatzis. Er ersieht sein Nichts, möchte sich zum Herrn bekennen, fürchtet aber seine Amtsgenossen. Kaiser Joseph, in treuer Bruderliebe, hilft ihm zurecht.

223. Migatzis Amtsbrüder. Der eselhafte Präsident. Migatzis feuriges Bekenntnis zu Jesus. Jesu Urteil über das Papsttum. Antwort der Bischöfe.

224. Ohnmächtige Wut der römischen Kleriker. Ihre Unbarmherzigkeit, Habgier und Schwindelei. Donnerworte des 'Ketzerkaisers' vertreiben sie in ihre Winkel.

225. Magische Maßnahmen der Kirchenhäupter. Jesus über Glaubenserweckung. Niederlagen als Arznei gegen Hochmut. Josephs Ärger muß sich Luft machen.

226. Jesus über das katholische Meßopfer und über die angeblich ewige Verdammnis.

227. Trostvolle Aufklärungsrede Jesu über die 'unübersteigliche Kluft' und über die Vergebung von 'Todsünden'. (Am 5. Aug. 1850)

228. Der große 'Exorzismus' und die säumende Hilfe der 'Schmerzhaftesten'. Missionswerk des einfachen Kirchendieners. (Am 8. Aug. 1850)

229. Aufklärung und Wahrheitsrede des ketzerischen Kirchendieners.

230. Der Kirchendiener erteilt Roms Eminenz weitere herbe Wahrheiten.

231. Der Kirchendiener über christliche Gleichheit und kirchliche Ungleichheit. Der Katholik verdammt den 'Ketzer' zur tiefsten Hölle.

232. Jesus nimmt den guten Meßner auf und beginnt eine gewaltige Flammenkur an seinen Verdammern. Wirkungsvoller Schluß dieser Szene im Stephansdom.

233. Weiteres über das Geschick der Domkleriker. Über das Wesen der Weisheitsgeister und ihre schwere Bekehrung zur Liebe. Die Militärpatrouille im Jenseits. Militär in der geistigen Welt. (Am 21. August 1850)

234. Neue Aufgabe Roberts. Jesus über den Soldatenberuf. (Am 24. August 1850)

235. Robert hält nach anfänglichem Zaudern eine Ansprache an die Truppe und sucht ihr Klarheit zu geben über das geistige Reich.

236. Anwort des ungläubigen Offiziers. Helena mischt sich auf lerchenfelderisch ein. (Am 27. Aug. 1850)

237. Der Offizier als kräftiger Heilverkünder an die Menge. Er treibt ihre Zweifel aus und führt sie aus dem 'Tale Josaphat' zu Jesus. (Am 29. Aug. 1850)

238. Zug des Herzens des Offiziers zu dem ihm noch unbekannten Jesus, der sich dem Liebenden offenbart. (Am 30. Aug. 1850)

239. Allerlei Leute aus dem Volk stellen mit ihren Fragen und Anliegen die Geduld des Offiziers auf die Probe. (Am 1. Sept. 1850)

240. Weitere Frauen stellen mit ihren Lebensgeschichten und allerlei Anständen eine weitere Geduldsprobe für den Offizier dar. Begegnung Mathildes mit dem Offizier Peter. (Am 3. Sept. 1850)

241. Mathildes denkwürdige Lebensgeschichte interessiert den Offizier Peter. (Am 6. Sept. 1850)

242. Mathildes Lebensgeschichte traurigster Art. Ihre herbe Seelenführung. (Am 6. Sept. 1850)

243. Jesu Gnade und Barmherzigkeit erquickt die Elenden. Zwei durch die Welt Getrennte dürfen sich selig wiederfinden vor Gott. Von der Wonne des höchsten Himmels. (Am 11. Sept. 1850)

244. Der jüdische Feldwebel, ein feuriger Messiasfreund und großer Redner im Geiste Davids.

245. Liebe als Grundquell aller wahren Weisheit und Ausdruckskraft. Dichtkunst des Verstandes und des Gemüts. Bitte des Offiziers um mehr Liebe und Jesu Antwort. Die Liebe als Grundkraft der Lebensvollendung.

246. Der Feldwebel über die Quelle der höchsten Weisheit. Wink zur Sammlung des Himmelsschatzes - der Gottesliebe.

247. Liebe zu Gott und Weibern. Alle Liebe soll von der Gottesliebe ausgehen.

248. Jesus belehrt den Offizier Peter über die rechte, ausschließliche Liebe zu Gott. Gleichnis vom engen Pförtchen und der großen Bürde. Ein himmlisches Vaterunser-Gebet.

249. Jesus über das Vaterunser-Gebet. Weiblicher Platzstreit an der Vaterbrust. Helena über Gottes- und Bruderliebe. (Am 20. Sept. 1850)

250. Robert belehrt Peter über die rechte Liebesreife. Beispiele vom Phönix und der Weinkelter.

251. Peter Peters feuriger Liebesausbruch gegenüber Jesus. Abschied vom virtuellen Wien. Wer wird sich der unerweckt Zurückbleibenden annehmen?

252. Gleichnis vom streng-gerechten König, den die Liebe überwindet. (Am 24. Sept. 1850)

253. Was die Liebe tut, ist wohl getan. Lasse dich allein nur von ihr leiten! (Am 25. Sept. 1850)

254. Bitte um Segen vor dem Mahl. Über Swedenborg. Segnung des Hauses Habsburg. Einwirkung der Geister und Engel auf die Menschen. Grundgesetz der Willensfreiheit. (Am 26. Sept. 1850)

255. Liebesgeist und äußere Form. Schlußwort Jesu. Haltet euch an den Geist der Liebe! Aus Liebe kommt Weisheit, aus Weisheit Liebe - das ist die ewige Ordnung des Lebens in Gott. Den gereiften Lebenspilgern öffnet sich das Auge des Geistes für irdische Gefilde und Sphären. - Reise nach Steiermark

256. Jesus und seine Gesellschaft verläßt Wien und zieht den Alpen zu. Um Semmering. Jesus über Grenzsteine und über Land und Volk der Steiermark.

257. Gespräche auf dem Weitermarsch über alte und neue Zeit. Die Welt war nie gut, sondern immer nur einige wenige Menschen in ihr. (Am 1. Okt. 1850)

258. In Mürzzuschlag. Kaiser Josephs Frage und Jesu Antwort übers Zeitalter der Technik, in dem Glaube und Liebe und darum der wahre Segen fehlen. (Am 3.Okt. 1850)

259. Jesus mit den Sein in Frohnleiten. Liguorianisch vernagelte Geister. Am Reinerkogel bei Graz.

260. Geisterszene mit ehemaligen Aufsichtsbeamten. Jesus mit den Seinen am Reinerkogel. Heilsuchende Geister aus den Bergeshöhen. (Am 5. Okt. 1850)

261. Zustrom von Dämonen und Naturgeistern. Jesus über das Wesen der Berggeister. Jakob Lorber, der Knecht, dem Jesus durch seine Engel diktiert, mit seinen Getreuen im Gesichtskreise der heiligen Gesellschaft. (Am 6. Okt. 1850)

262. Wander-Geister aus dem Sternbild des Hasen. Licht und Liebe und ihre verschiedenen gearteten Wirkungen.

263. Drei Bischöfe von Graz auf Wolken. Ein Jesuit als Sendebote. Der von Herrschsucht geschwollene Sebastian und seine 2 besseren Kollegen Waldstein und Arko. Jesu Gericht über die Hochmutsrotte. (Am 9. Okt. 1850)

264. Die Gefangennahme des hochmütigen Sebastian durch die Friedensgeister. Die Schneedecke als Sondergericht für Meuterer gegen die Gottesordnung. (Am 12. Okt. 1850)

265. Jesus über Naturgeister und über die Sternenelemente in Menschenseelen. Wie aus Gott auch unlautere Wesen sich entwickeln können. Besuch der 17 alten Prälaten von Rein. Verschiedenerlei Arbeiter im Weinberge. ("m 14. Okt. 1850)

266. Bischöflicher Heiligenwahn. Gut ist Gott allein, alle andern Wesen sind Geschwister. Finstere Geister und arme kranke Seelen nahen sich und finden zweckvolle Behandlung. (Am 18. Okt. 1850)

267. Wer Arme aufnimmt, der nimmt Jesus auf! Heilung, Bekleidung, Speisung und Tröstung bedürftiger Seelen. Die liebende Jungfrau. (Am 19. Okt. 1850)

268. Die zwei Boten bei der neuen Maria. Gleichnis von den Kleingewächsen und der Eiche. Ein edler Herzenswiderstreit. Vom geistigen Zustand der Erde. Vollendung durch Gnade.

269. Maria staunt über die Macht und Weisheit des Himmelsboten. Jesus enthüllt Sich der Liebenden. Sie erkennt: Das blinde Herz ist verständiger als der geblildete Verstand. Große Segnung am Berge. Lob- und Dankgebet. Allerlei Geisterscharen werden belehrt.

270. Große Scharen finsterer Mönchsgeister. Auseinandersetzung mit deren drei Sendlingen über die Dreieinigkeit.

271. Die drei Sendlinge erwachen. Drei weitere Doktoren der Theologie kommen hinzu, werden als Lieblose scharf belehrt und bekommen schließlich eine Probearbeit.

272. Schwierige Mission der drei Theologen bei ihren Standesgenossen. Gleichnis vom Fernrohr. Missionsregeln. Der beste Weg.

273. Gute Missionsrede der fünf an die 30. Letztere scheuen sich, sündebeladen vor Jesus zu treten. Jesu Gnadensonne über den Reuigen. (Am 1. Nov. 1850)

274. Rote Kriegsgeister und blaugraue Maulhelden und Spaßmacher. (Am 5. Nov. 1850)

275. Robert und Peter Peter bearbeiten die blaugraue Maulhelden und Spaßmacher. Diese bekennen ihre Schwäche und entschuldigen sich. Menschen- und Gottesgericht. Ein Bote von oben. (Am 9. Nov. 1850)

276. Die Lichtblauen staunen ob der Macht des Boten, ohne ihn in seinem wahren Wesen zu erkennen. Gottesvorstellung und Gotteserkenntnis der Menschen und Geister. (Am 13. Nov. 1850)

277. Vom wahren Wesen Gottes. Die Liebe webt und wirkt in engen, aber klaren Kreisen. (Am 15. Nov. 1850)

278. Vom Ort der wahren Glückseligkeit - im Menschenherzen. Der Weg zum Himmel ist drei Spannen lang. Nicht Auffahrt, sondern Niederfahrt! (Am 17. Nov. 1850)

279. Jesu schlichte und doch machtvolle Redeweise. Näheres über den kurzen Himmelsweg. Kopfverstand und Herzenserkenntnis. Gleichnis vom Obstpflücken.

280. Die Entsprechungsbedeutung von Brot und Wein. Wissen und Tun. Ein Auftrag an die Lichtblauen. Aufstieg zur höchsten Himmelsphäre. (Am 19. Nov. 1850)

281. Aufbruch in das im gereiften Herzen Roberts sich öffnende Himmelsreich.

282. Roberts Staunen über die sich ihm darbietende neue Himmelsgegend. Seine künftige Aufgabe. Ein Gnadenbrücke und ein Gnadenhügel. (Am 22. Nov. 1850)

283. Die mit Jesu Hilfe ereichte höchste Himmelsphäre. Robert und Peter Peter begleiten mit drei Freunden Jesus zum himmlischen Jerusalem. Die Stadt der Städte und die Sonne der Sonnen.

284. Rudolfs begeisterter Vergleich zwischen himmlischen und irdischen Verhältnissen. Näheres über die himmlische Stadt und deren Bedeutung als Nährquelle der ganzen Unendlichkeit. 'Kein Auge hat es gesehen...' (Am 24. Nov. 1850)

285. Das Vaterhaus in der himmlischen Stadt. Die unsagbare Herrlichkeit und Schönheit seiner Räume und Bewohner. Dazu im Gegensatz, Jesu Schlichtheit und Innigkeit.

286. Eintritt ins Innere. Roberts Empfang als neuer Erzengel und Himmelsfürst. Seine Demut und Weisheit. Jesu Entscheid über Roberts Würdezeichen. (Am 27. Nov. 1850)

287. Die drei Kaiser erhalten ihre Reichs-Würdezeichen. Jesus über deren Bedeutung. Die große Bestimmung der Bürger des höchsten Himmels. (Am 28. Nov. 1850)

288. Von der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Die Speisehalle des Herrn. Der große Urgarten der Schöpfung mit den himmlischen Urfrüchten. Von der Tätigkeit der Vollendeten und ihrem fortschreitenden Erkennen, bedingt durch die Liebe. (Am 29. Nov. 1850)

289. Roberts innere Beziehung zu den alten habsburgischen Kaisern. Über Erbthrone und Wahlthrone. Wichige staatspolitische Winke des Petrus. (Am 1. Dez. 1850)

290. Roberts politischer Eifer regt sich weiter. Petrus über völkische Selbsthilfe und Gotteshilfe. Jesus weiß, wann die rechte Zeit ist. (Am 3. Dez. 1850)

291. Das große Himmelsmahl und Himmelskonzert im Vaterhause. David als Musikleiter und Tonschöpfer. Der Himmelsort anderer Musikmeister.

292. Orgelkonzert mit Tonbildern. Geheimnisse des Ton- und Formenwesens. Grundgesetz aller Kräfte-Offenbarung: Kraft und Gegenkraft. (Am 7. Dez. 1850)

293. Roberts Mahnruf an die Kinder der Erde. Unterschied zwischen irdischem und himmlischem Leben. Gleichnis von den abgefallenen Baumfrüchten und vom Töpfer. Der ewige Tod.

294. Näheres über den ewigen Tod, seinen Grund und sein Wesen. Schicksal der Seelen in der dritten Hölle. Über Gerichtsandrohungen und Langmut Jesu. Herrlichster Ausblick in die gegenwärtige und zukünftige Schöpfung. (Am 11. Dez. 1850)

295. Blick durch die drei Türen der Nordwand. Endlose Weiten des Schöpfungsraumes. Blick in den Mittelgürtel der Sonne und in den Mond. Jesus erklärt das Walten Seiner Engelsdiener in den Schöpfungsgebieten. (Am 14. Dez. 1850)

296. Zur abendlichen Westwand! Blick durch die erste Türe. Eine Planetar-Mittelsonne, Mutter zahlreicher Planetarsonnen. Jesus erklärt die Einrichtung des geistigen Dioramas.

297. Blick durch die zweite Türe der Westwand. Eine Mittelsonne höheren Ranges. Staunenerregende Herrlichkeit der hier zu sehenden Städte und Bauwerke. Sind es Gebilde des Instinkts oder wahrer Weisheit?

298. Die dritte Türe der Westwand zeigt eine All-Mittelsonne. Jesus über die Ordnung der Sonnensysteme, die Lichtstärke der Sonnen und ihre Größe. Den Schauenden zeigen sich die Feuergeister der All-Mittelsonne in ihrer Tätigkeit. (Am 21. Dez. 1850)

299. Durch die erste Türe der Südwand strömt das allgewaltige Licht einer Haupt- und Urmittelsonne. Näheres über deren Riesenverhältnisse. Dort lebende Wesen als Sonnenballwerfer. (Am 26. Dez. 185O)

300. Weitere Arbeit der Feuerriesen auf der Haupt- und Urmittelsonne. Ausgeburt einer großen All-Mittelsonne. Näheres über deren Riesenverhältnisse. Dort lebende Wesen als Sonnenballwerfer. (Am 28. Dez. 1850)

301. Erschütternder Ausblick durch die zweite Mittagstüre: Das Gesamtbild der materiellen Schöpfung. Der große Schöpfungsmensch als verlorener Sohn. Dessen Wesen und Bestimmung. Gottes endloses Schöpfertum tut sich vor den Schauenden auf. (Am 30. Dez. 1850)

302. Verhältnis materieller und geistiger Größe. Gleichnis vom künstlichen Riesenkorn und natürlichen Weizenkörnlein.- Durch die dritte Mittagstüre erstrahlt das Licht einer neuen Schöpfung der ewigen Liebe. (Am 1. Jan. 1851)

303. Ausblick durch die dritte Mittags-Türe. Der große herrliche Lichtmensch der neuen Schöpfung. - Schluß (Am 2. Jan. 1851)

151. Kapitel: Eintritt im Hause Roberts in das Museum, eine Art Seelenfriedhof. (Am 19. Dez. 1849)

01 Rede Ich; „Ja, du Mein liebster Freund, wenn du schon das für einen vollkommenen Himmel ansiehst, was im Grunde noch so ganz eigentlich kein Himmel ist, sondern nur eine etwas bessere Geisterwelt, in der der eigentliche Himmel erst anfängt, in den Geist des Menschen einzufließen, auf daß er aus demselben heraus erst neu gestaltet wird; was wirst du denn erst dann sagen, so du in den wirklichen Himmel aus dir selbst heraus eingehen wirst?

02 Ich sage dir für ganz bestimmt, daß dieß alles nur ein Voranfang des Voranfanges zum Eingänge ins wahre Himmelreich ist. Schaue, diese Urväter, Profeten, Apostel und die Mutter Maria mit dem Josef könntest du ja gar nicht ansehen und behalten das Leben, so sie sich dir zeigeten in ihrer eigentlichen Himmelsgestalt. Aber mache dir deßhalb nur nichts daraus, denn deßhalb bin Ich Selbst da, um euch Alle nach und nach in den wahren Himmel einzuführen, und Ich meine, daß Ich den besten Weg wohl am besten kennen werde."

03 Spricht der Frzsk.: „Ja, Herr, dann ist der R. Bl. ja doch auch noch lange nicht in dem eigentlichen Himmel?" - Rede Ich: „Ja freilich noch nicht! Dieß Haus ist zwar schon seinem Herzen entsprossen, und ist, in so weit wir es jetzt kennen und sehen, schon so ziemlich vollendet; aber da giebt es noch zahllose Fächer und Gemächer, die dem Robert noch ebenso unbekannt sind, als wie dir. Aber mit der Weile und rechten Geduld wird euch noch Alles bekannt werden.

04 Nun aber begeben wir uns durch die uns gegenüberstehende große Pforte in das Museum; alldort werden euch Allen die Augen ein wenig weiter aufgethan werden."

05 Spricht der Frzsk.: „Herr, was werden wir in dem Museum denn doch wohl alles zu sehen bekommen?" Rede Ich: „Wirst es bald ersehen! Siehe, ein Theil unserer Gäste ist schon darinnen, und du hörst doch dessen unbegrenztes Erstaunen. Und wir werden sogleich uns auch darinnen befinden; siehe nur genau durch die Pforte, die hoch und breit genug ist, und du wirst so Manches zu erschauen anfangen. Sage Mir aber, was du allenfalls schon erschauest." (Abgedruckt im Anhang zu Nro. 4.) .

06 Der Frzsk. sieht hier sehr emsig von ferne noch durch die große Pforte, und sagt nach einer Weile: „Herr, das ist ganz verzweifelt sonderbar! ich kann schauen wie ich nur immer will, und erschaue nichts, als einen nach meinem Dafürhalten nahe endlosen Friedhof mit einer Unzahl von Grabmälern. Wahrlich, ein sehr sonderbares Museum das; und je näher wir der Pforte kommen, desto klarer stellt sich ein unendlicher Friedhof meinen Blicken dar. Ich sehe nun auch schon eine Menge unserer vorangeeilten Gesellschaftsglieder sich um die Denkmäler, die über den Gräbern aufgerichtet sind, herumtummeln; aber von irgend einem freudigen Erstaunen vernehmen meine Ohren nichts, wohl aber hie und da Ausrufe wie von großem Entsetzen. Herr, in diesem Museum werden wir sicherlich ganz verzweifelt wenig Amüsantes finden."

07 Rede Ich: „O, sei du dessen unbesorgt; Ich sage es dir: da wirst du unaussprechlich viel und wunderbar Amüsantes finden. Und nun schaue recht genau, da wir soeben durch die große Pforte in dieß Museum eintreten, und sage Mir abermals, was du nun siehst!"

08 Spricht der Franzisk.: „Herr, was ich früher gesehen habe, das sehe ich nun auch wieder; nur klarer und ausgeprägter tritt nun alles vor meine Augen. - Aber wo sich unsere Gäste schon überall herumtummeln, das ist ja der Welt ungleich. Und nur, wie geschäftig sie sind! Mir kommen sie gerade so vor, als wie eine große Lämmerheerde, die im Frühjahre zum erstenmale auf die frische Waide hinausgetrieben wird. Da giebt's des Springens und Blöckens auch kein Ende. Muß denn doch einmal so ein recht prachtvolles Grabdenkmal auch so recht fest in den Augenschein nehmen."

09 Der Frzsk. tritt einem solchen Grabmale näher, und bemerkt sobald eine erhabene Schrift auf einer schwarzen ovalen großen Platte; er bemüht sich, diese Schrift zu lesen, bringt aber dennoch keinen Sinn heraus, weil da einige ihm ganz unbekannte Buchstaben vorkommen. Ganz demuthsvoll wendet er sich dabei an Mich, und bittet Mich, daß Ich ihm dieses Grabmales Schrift lesen und erläutern möchte.

10 Ich aber sage zu ihm: „Mein Freund, so wir in diesem Museum eines jeden Grabmales Denkschrift lesen, und sie aus dem Gelesenen entziffern wollten, da hätten wir die ganze Ewigkeit vollauf blos allein damit zu thun, und es wäre dieß gerade solch eine Arbeit, als so du berechnen wolltest, wie viele Samenkörner für eine künftige Fortpflanzung, die ins vollkommen Unendliche geht, schon in einem Samenkorn sich befinden. Siehe, um solche unendliche Dinge zu begreifen, muß man nie beim Einzelnen anfangen, auch nicht bei dem Gegenstande, den man ergründen möchte, sondern allemale ganz einfach bei sich selbst; verstehst du dein eigen Wesen, so wird du auch alles andere verstehen und ergründen können; aber so lange du dir selbsten nicht zur vollsten Klarheit geworden bist, da kann auch alles andere in dir zu keiner Klarheit werden. Wenn das Auge blind ist, woher solle der Mensch dann ein Licht bekommen und wissen, worauf er steht, und was ihn umgiebt; ist aber das Auge hell, dann ist auch alles hell im Menschen, und um den Menschen herum; und gerade so ist es auch hier mit dem Geistmenschen.

11 Die Seele, als die eigentliche äußere substanzielle Form des Menschen, hat in sich eigentlich gar kein Licht, außer das von außen in sie hineindringt von andern Wesen, die schon lange ein eigenes inneres Licht haben, und ihr Erkennen ist darum auch nur ein stückweises; denn welche Theile in ihr gerade unter den Brennpunkt eines Strahles von außen her zu stehen kommen, die werden dann von der Seele auch in ihrer Einzelheit also erkannt und beurtheilt, als wie sie sich der Seele als erleuchtet vorstellen; fällt das Licht aber von irgend einem Theil auf einen andern Theil, so tritt dadurch eine volle Vergessenheit über das früher Gesehene ein, und etwas ganz anderes taucht dann wie ein Meteor in der Seele auf, und wird von ihr so lange erkannt und beurtheilt, als wie lange es sich im Lichte befindet; weicht durch eine Wendung das Licht von außen her auch wieder vom zweiten erleuchtet gewesenen Theile, dann ist es auch mit dem Verständnisse der Seele über einen zweiten erleuchteten Theil in ihr gar. Und so könnte die Seele eine Ewigkeit um die andere sich von außen her in einem fort erleuchten lassen, und würde nach einer Ewigkeit noch immer auf demselben Erkenntnißpunkte stehen, als auf welchem sie vor einer Ewigkeit gestanden ist. (2. Thim. 3,7.)

12 Aber etwas für dich bisher noch ganz unbegreiflich Anderes ist es, so in der Seele der eigentliche lebendigste Geist vollkommen auftaucht, und die ganze Seele von innen heraus auf das Hellste erleuchtet. Das ist dann ein ewiges hellstes Licht, das da nimmer erlischt, und alle endlosen Theile in der Seele durch und durch erleuchtet, ernähret und wachsen und vollkommen sich entfalten macht; so also das in der Seele bewerkstelliget wird, dann braucht die Seele nicht mehr einzelne Theile zu lernen; sonders da ist dann Alles auf einmal in der Seele zur vollen Klarheit gediehen, und der also vollends wiedergeborne Geistmensch braucht dann nicht mehr zu fragen und zu sagen: Herr, was ist dieß und was ist jenes? Denn der also wiedergeborene Geistmensch dringt dann selbst in alle Tiefen Meiner göttlichen Weisheit.

13 Damit du aber die Wahrheit des dir nun Gesagten desto gründlicher einsehen magst, so will Ich dir nun auch diese Schrift lesen; und du wirst dadurch sogleich tausend Fragen in dir entstehen sehen. Und so habe denn Acht; denn so lautet das hier Geschriebene:

14 „Die Ruhe ruht gleich dem Tode thatlos. Aber dieß Ruhen ist dennoch kein Ruhen, sondern eine Hemmung der Bewegung; räumet hinweg die Hemmpunkte, und die Ruhe wird zur Bewegung wieder. Die Bewegung selbst aber ist dennoch keine Bewegung, sondern ein Suchen eines Ruhepunktes; und ist der Ruhepunkt gefunden, und die Bewegung zur Ruhe geworden, dann ist die Ruhe wieder keine Ruhe, sondern ein fortwährendes Streben nach der Bewegung, die auch sobald wieder erfolgt, als wie bald die Hemmpunkte hinweggeschafft werden, durch die aus der Bewegung eine Ruhe ward. Und so giebt es eine Ruhe ohne Ruhe, und eine Bewegung ohne Bewegung; die Ruhe ist eine Bewegung, und die Bewegung ist eine Ruhe. Ja, es giebt im Grunde weder eine Ruhe noch eine Bewegung; denn Beide heben sich fortwährend auf, so wie eine gleich bejahende und eine gleich verneinende Größe. O Welt, die du unter diesem Steine ruhst, du ruhest nicht, sondern bewegest dich in deinem Bestreben, das da ist deine sündige Schwere; jetzt reifest du dem Leben entgegen; deine Hemmbande suchst du unablässig zu zerreißen; und so sie zerrissen sein werden, dann wirst du stürzen hinaus ins Unendliche, und wirst im Unendlichen wieder suchen, was du nun hast. Ein Leben weilt, ein Leben flieht; aber das weilende will fliehen, und das fliehende sucht die Weile. Gott, Du Urquell des wahren Lebens, gieb' der Ruhe die wahre Ruhe, und der Bewegung die wahre Bewegung!

15 Sage Mir nun, hast du diese Inschrift nun verstanden?" - Spricht der Frzsk.: „Herr, das war für mich rein japanisch! Mehr kann ich Dir darüber nicht sagen; aber erläutere uns das doch ein wenig mehr!"

152. Kapitel: Wie sollen Gefangene der Materie erlöst werden? Heilsvorschlag des Franziskaners Cyprian. (Am 23. Dez. 1849)

01 Rede Ich: „Sieh, das erläutert dir das Gefühl deines eigenen Lebens, dem Ruhe und Bewegung zu gleichen Theilen beigegeben ist; du kannst natürlich gehen und stehen, sitzen oder gar liegen. So du lange irgend herumgegangen, und dadurch etwas müde geworden bist, was für ein Bedürfniß empfindet dann dein Leben? (Antw.: Nach Ruhe.) Gut sage Ich dir, und du suchst dann auch Ruhe, und nimmst dir dieselbe. So du aber vollends wieder ausgeruhet hast, und siehst muntere Bewegung um dich herum, als: Eine Heerde muntere Lämmer, ihre lebensfrohen Hirten, die Vöglein vom Aste zu Aste durch die bewegte reine Luft schlüpfen, einen Bach ganz rasch durch die Fluren dahin rauschen, und dergleichen Mehreres; sage Mir, welch ein Bedürfniß fängt dann dein durch die Ruhe neu gestärktes Leben wieder zu empfinden an? (Antw.: O, nach Bewegung, nach viel Bewegung.)

02 Wieder gut; da du nun dieses fassest, so wird es dir ja doch auch andererseits aus dieser Inschrift klar sein müssen, daß sowohl die Ruhe wie die Bewegung an und für sich nichts sind, als blos nur abwechselnde Bedürfnisse jedes Seins und Lebens; Dinge, die nothwendig gerichtet sind, müssen freilich sich entweder in einer ununterbrochenen Ruhe, oder in einer unausgesetzten Bewegung befinden; aber Wesen, die ein freies Leben in sich bergen, haben Ruhe und Bewegung unter einem Dache, zum freien Gebrauche anheim gestellt. Daher - die Bitte: Herr, gieb der Ruhe eine wahre Ruhe, und der Bewegung eine wahre Bewegung nichts anderes besaget, als: - Herr, gieb uns die Ruhe und die Bewegung frei, und halte uns nicht mehr im Gerichte. Oder noch deutlicher gesagt: - Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Uebel des Gerichtes. Sage Mir, hast du das nun wohl doch verstanden? oder ist dir etwa auch da noch kein Licht aufgegangen?"

03 Spricht der Frzsk.: „Ja, Herr und Vater, das ist mir nun ganz klar; aber wer sind denn die, welche da unten ruhen, und aus deren lang gefühltem Bedürfnisse solch eine Inschrift sich hier beschaulich vor unsern Augen stellt? Wer sind sie, die hier nach Erlösung dürsten?"

04 Rede Ich: „Höre! Alle, die von der Materie gefangen sind, ruhen unter diesen Denkmälern, die ihnen das nothwendige Gericht über alle Materie gesetzt hat, zum ewigen Gedächtnisse Meiner urgöttlichen Weisheit, Macht und Stärke.

05 Deine Seele ging ebenfalls aus einem solchen Grabe hervor, und wurde gelegt in ein anderes Grab, bereitet aus Blut und Fleische; in diesem Grabe spann sie sich wie eine Seidenraupe wieder in eine leichtere, und eines sich fortentwickelnden Naturlebens fähige Materie, die sie nach ihrer eigenen Form modulirte und ausbildete; so ihr die Form gelang, da hatte sie dann eine größere Freude an der Form, denn an sich selbst, und hing sich ganz an die todte Form des Fleisches.

06 Das Fleisch aber ist wie alle Materie todt in sich selbsten; so denn die Seele mit der Materie Eins wird, wie solle sie dann ungerichtet bleiben; so ihre materielle Form wie alle Materie in ihr selbst nothwendig dem unvermeidlichen Gerichte anheim fallen muß. In die Seele ist zwar wohl ein neuer Geist gelegt, mit dem die eigentliche Seele alles aufbieten solle, mit ihm Eins zu werden. Aber so die Seele nur alles aufbietet, mit ihrer Materie Eins zu werden, wie solle dann der Geist in der Seele ein Herr seines Hauses werden?

07 Ich sage es dir: da wird der Geist selbst in die Materie begraben; - und hier siehst du solche begrabene Geister in einer Unzahl, jedes Grab birgt seinen eigenen, und dessen Worte sind es, die du hier gelesen hast auf der schwarzen ovalen Tafel, und sie ferner noch lesen kannst auf zahllosen anderen Tafeln. Aber der noch lebendige Geist ächzet und seufzet aus seinem harten Grabe um Erlösung. Und da sage du Mir und bezeuge es, was wir hier machen sollen!"

08 Spricht der Frzsk.: „Herr, wenn so, da wird niemand, der nur einen Funken Liebe in seinem Herzen trägt, um eine rechte Antwort auch nur eine Sekunde verlegen sein können. Man helfe ihnen! so man helfen kann, will und mag; und man helfe ihnen bald, so es möglich; denn eine Hülfe nach einem Verlaufe von einer Ewigkeit dürfte wohl kaum eine Hülfe genannt werden können. Sie sollen hervorgehen aus ihren Gräbern, samt der Materie; die Materie lassen wir wie durch einen chemischen Dampfapparat sich verflüchtigen, und das rein Geistige soll dann frei werden.

09 Daß die Menschen nun auf der Welt zumeist schlecht und somit gröbst materiell werden, kann ihnen mein Herz durchaus zu keiner besonderen Sünde rechnen. Denn man betrachte nur ihre fysische Stellung, ihre unverschuldete Armuth, dann in der moralischen Beziehung ihre totale Erziehungslosigkeit, die meist Folge der zu großen allgemeinen fysischen Verarmung ist, die wieder rein aus den ehernen Herzen der reichen Geizhälse folget, und man richte dann einen armen aller Noth und Verzweiflung preisgegebenen Dieb, eine Hure, die Monate lang Dienst suchte, und keinen fand; und fand sie schon einen, so war er sicher schlechter als die Hölle selbst. Bei vielen Dienstgebern werden arme Dienstmädchen zufolge eines zu schlechten Lohnes zu Huren, damit sie sich durch solche Nebenverdienste ihre fisische Lage doch ein wenig verbessern, denn von einer Moral und höhern geistigen Bildung kann da keine Rede sein, wo der beiweitem größere Theil der Menschen mit dem besten Gewissen von der Welt sagen kann: Es giebt des Sandes viel an den Ufern des Meeres; aber von uns kann niemand rechtlicher Maßen sagen: Siehe, diese Hand voll ist mein; denn so ich ihn mir eigenmächtig nehme, da bin ich ein Sanddieb. Die Erde gehört noch immer à la Adamisch und Evaisch nur Einzelnen; alle andern Millionen aber sind hart gehaltene Knechte, Sklaven, Lastthiere und dergleichen Elendes mehr, was man nur haben will, und sind somit auch nothgedrungen auf der Welt schon sozusagen rein des Teufels. Es giebt wohl hie und da noch Staaten auf der Welt, wo man zur Hintanhaltung zu großer Noth wenigstens für den fisischen Bedarf der armen Menschheit etwas thut, aber für die Bildung des Geistes - Herr! - da geschieht für die Armen nichts; außer daß sie genöthiget werden, in eine sogenannte Kirche an Sonn- und Feiertagen in den lateinischen oder chinesischen Gottesdienst zu gehen, und sich im Winter nicht selten Füße und Hände zu erfrieren, und noch andere Krankheiten abzuholen!

10 Wenn nun die meisten Menschen auf diese Art, wie sie auf der Erde nun allgemein ist (denn eine Schwalbe hie und da macht noch keinen Sommer) schlecht werden in jeder Hinsicht, wenn sie zu morden, rauben und plündern anfangen, wenn sie sich gegen alles Gesetz empören, ja sogar zu scheußlichen Gottesverächtern, oder Gottesleugnern werden, wer kann es ihnen im Ernste verargen, so er diese und noch viele andere die Menschheit von Gott ablenkenden und sich stets schlechter und schlechter machenden Umstände genau erwägt! Ich nicht, wahrlich, bei Deinem heiligsten Namen nicht! Darum helfen, aber wahrhaft helfen, zuerst fisisch und dann erst moralisch; dann wird es mit der Erde bald besser aussehen, als es nun aussieht.

11 Die Erde ist nun eine barste Hölle für die Menschheit. Man mache sie wenigstens zu einem Viertel Paradiese, und die Menschen werden Gott wieder anerkennen. Denn in der Hölle thut sich's mit dem Studium der Theosofie und höhern Moral auf keinen Fall mehr; dessen bin ich vollkommen überzeugt. Also helfen, wo zu helfen ist, aber ganz helfen, und dann heraus mit Allen, die in den Gräbern schmachten! Das ist, und bleibe für ewig mein lebendigster Wahlspruch!"

153. Kapitel: Wichtige Lebenswinke. Beispiel vom Schmelzofen. Satan als Stammvater der Materie und aller Menschenseelen. Gottes Erlösungsplan. Alle sollen zur Reife kommen! (Am 26. Dez. 1849)

01 (Der Herr): „Mein lieber Freund, dein Herz in sich selbst ist gut, weil du ein gebührendes Mitleid mit deinen Brüdern hast; eine Eigenschaft, die gar vielen deiner irdischen Ordens- und Glaubensgenossen mangelt; aber deine Erkenntniß ist noch sozusagen unter dem Hunde.

02 Meinst denn du, Ich kümmere Mich etwa um die Menschheit auf der Erde nicht mehr? oder glaubst du, daß dein Herz zum Besten der Menschheit mehr Liebe hat, denn das Meinige! oder bin Ich etwa gar dumm und blöde geworden, daß Ich deßhalb nicht mehr einsehen könne, was der jeweilig auf der Erde lebenden Menschheit frommen möchte? Siehe, siehe, dein Herz, ja, das ist gut; aber gut wie ein Blinder, der einen Geyer koset in der Meinung, es sei eine sanfte Taube, und eine Natter für einen guten Aalfisch in seine Tasche schiebt. Weißt du wohl schon, woher der Erde meiste Menschen ursprünglich stammen, und wie sie jeweils gehalten und geführt werden müssen, um durch allerlei Erlösungsmittel zu wahren freien Menschengeistern herangebildet zu werden? Siehe, das weißt du nicht, und hast es auch noch nie gewußt und eingesehen; und dennoch willst du Mich so ganz leise beschuldigen, als hätte Ich die Schuld, daß es nun auf der Erde mit der Menschheit so schlecht und elend stünde. Aber siehe, das ist sehr eitel von deines Herzens Weisheit.

03 Hast du denn auf der Erde nie gesehen, wie die Metalle aller Art, und wie das Glas bereitet wird? - So du je in einen Schmelzofen geschauet hast, und hast da gesehen das Erz erglühen, und dann brausend, zischend und tobend in ein Becken sich ergießen, was mußte dein Gefühl dabei denken, so es nur an die Möglichkeit dachte, daß solche Materie denn doch etwa irgend eine stumm intellegende Empfindung haben könnte? Welch ein Schmerz muß ihr innewohnen, so durch des Feuers Allgewalt sie in ihrer ersten Form gänzlich zerstört, in eine neue überzugehen genöthiget wird? Aber so du dann das abgekühlte, feste, blanke und nützliche Metall ansiehst, wird es dir dabei auch so wehmüthig zu Muthe? Siehe, dann hast du eine Freude, und lobest den Verstand der Menschen, die durch die Kraft des Feuers so nützliche Metalle, und so herrlich schimmerndes Glasgeschirr zuwegebringen.

04 Siehe, so ist es auch mit der Bildung des Menschen. So er krank ist hie oder da, lahm an den Füßen, kontrakt an den Händen, blind, taub, stumm, und manchmal voll Unflathes und Aussatzes, da wird ein weiser Arzt alles aufbieten, um den Kranken wieder gesund zu machen; aber so die Krankheit starke und schmerzliche Heilmittel fordert, ohne die dem Kranken in keinem Falle zu helfen ist, sage oder urtheile, ob es vom Arzte wohl weise und liebevoll wäre, aus einem unzeitigen Mitleidsgefühle jene Mittel dem Heilsbedürftigen vorzuenthalten, durch die dem Kranken einzig und allein zu helfen ist?

05 So du ein Paar Ohren zu hören hast, so höre! Der Satan ist als ein ursprünglicher Geistmensch geschaffen worden. Als er aber durch ein Gesetz seine volle Freiheit erkennen und annehmen hätte sollen, da ward er unwillig, und fiel durch die Verachtung des Gesetzes, und somit auch durch die Verachtung Gottes. Da er aber gleich dem Adam ein Urvater der ferneren Menschen für die Ewigkeit hätte werden sollen, so trug er auch gleich einem Samenkorn zahllose Eonen von künftigen Menschen in sich, und riß sich sogestaltet von Mir, seinem Schöpfer los; und die Folge davon war die materielle Schöpfung aller Welten, welche da ist ein nothwendiges Gericht. Er ganz allein für sich kann wohl noch lange bleiben, was er ist; aber die zahllosen Keime der Menschen werden ihm genommen, auf dem freilich harten Wege durch die Materie. Diese Keime aber gehen aus seinem gesamten Wesen hervor, bald aus seinen Haaren, bald aus seinem Haupte, bald aus seinem Halse, seiner Zunge, seinen Zähnen, seiner Brust, aus seinen Eingewaiden, aus seiner Haut, seinen Händen und Füßen. Und siehe, je nachdem die jeweilige Menschheit aus des gefallenen Satans einem oder dem andern Theile hervorgehet, also muß sie auch entsprechend behandelt und geführet werden, um die Stufe der wahren Vollendung zu erreichen.

06 Wenn man das weiß, dann erst kann man mit Grund gegen Mich auftreten, und fragen: Herr, warum hilfst du den Elenden nicht, und lässest sie verschmachten und zu Grunde gehen? Sieh, Ich lasse Niemanden verschmachten und zu Grunde gehen, selbst den Satan und die barsten Teufel nicht; aber so lassen kann Ich sie nicht, als wie sie - wider alle Meine Ordnung, von der die Erhaltung aller Dinge abhängt, es in ihrer eigensüchtigsten Blindheit wollen; sondern Ich allein muß auf jede mögliche ordnungsmäßige Weise sorgen, daß sie Alle am Ende doch jenes Ziel erreichen müssen, das ihnen von Meiner Ordnung von Ewigkeit her gestellet ist.

07 Meinst du aber etwa, daß da in diesen Gräbern lauter armes Proletariat, das gewisserart wegen seiner Armuth zu sündigen genöthiget ist, im Gerichte gefangen rastet? O, wenn du sowas meinest, da bist du in großer Irre! Sieh, die da unten sind lauter Großstämmler; - lauter Wesen, die in den verschiedensten Dingen wohl unterrichtet waren; aber da sie alles, was sie kannten und hatten, nur zum Vortheile ihres Hochmuthes, ihrer harten Unversöhnlichkeit, ihrer fleischlichen Wohllust, ihres Neides und Geizes verwendet haben, und somit ihre Seele zu sehr vermateriesiret, so stecken sie nun auch in denselben Gräbern des Gerichtes, das sie sich selbst bereitet haben.

08 Dort hinter dem Grabmale wirst du eine Oeffnung entdecken. Gehe hin, und sehe hinein und sage Mir, was du siehst. Dann erst wollen wir weiter diese Sache miteinander erörtern!"

154. Kapitel: Widerliche Entdeckungen. Grabesgeheimnisse und jenseitige Kuren. Der große Sammelplatz besonderer göttlicher Gnade.

01 Der Franziskaner geht darauf sogleich die besagte Oeffnung aufzusuchen, und als er sie findet, schauet er sehr aufmerksam in sie hinein. Anfangs ist alles stockfinster; aber nach einer kleinen Weile wird es dennoch insoweit heller, daß er mit genauer Noth etwas ausnehmen kann, was alles sich in der innern Höhlung vorfindet, und welche Agitationen an dem Vorgefundenen bemerkbar sind.

02 Nach einer Weile seines sehr aufmerksamen Betrachtens fängt er an zu reden, und spricht (Franziskaner): „O Herr, um Deines heiligstens Namens willen, da giebt es aber Geschichten! Ich entdecke das Zimmer eines Gelehrten; in einer Ecke einen ganz wahnsinnig großen Bücherschrank voll mit allerlei sehr bestaubten Schartecken, und in der andern Ecke einen Schreib- und Studiertisch mit einer Menge übereinander gelegten Schriften; an der hintern Wand aber befindet sich ein großes Lotterbett, auf dem ein ganz nacktes, fettes, aber sonst sehr unästhetisch aussehendes Weibsbild liegt, und zwar in keiner moralisch zu nennenden Situation, und nun kommt soeben auch der Gelehrte sehr häßlichen Aussehens an das Lotterbett, und sagt: Choiba, laß uns des Lebens höchste Wonne genießen! denn das Leben ist nur dann Leben, so es im Wonnegenusse schwelget. O du verzweifelter Kerl von einem Gelehrten! Nun entkleidet er sich auch, und -! o du Haupt-Vieh! Nein, das ist zu arg! Herr, ist denn kein Wasser irgendwo bei der Hand, daß ich damit dem grauslichen Schweinekerl seine wahre Eselsbrunst ein wenig abkühlen könnte! Ich glaubte hier unten etwa einen todten Leichnam zu entdecken; nein, das wär mir ein sauberer Leichnam! Herr, ist dieses Museum durchaus so bestellet? das ist wahrlich ein sonderbares Schweine-Museum das! Ich bitte Dich, Herr, verschaffe mir doch so ein gutes Schaff voll Wassers, ich muß den grauslichen Schweinkerl angießen!"

03 Rede Ich: „Lasse du das nur gut sein; denn dadurch würdest du ihn zum Zorn reizen, und an ihm mehr verderben als gut machen; denn solch gaile Menschthiere sind sehr zornsüchtig, und es ist nicht gut sie in ihrer Brunst zu stören; so er aber mit seinem Akte fertig sein wird, dann wird ihm seine Natur schon von selbst zeigen, welch sehr schmerzliche Verdienste er sich dadurch gesammelt hat. Warte nur noch ein wenig, er wird mit diesem seinem Wonneakte bald zu Ende sein, und dann wirst du sogleich einen andern Akt zu sehen bekommen; gebe nun nur Obacht!" - Der Frzsk. giebt nun weiter sehr aufmerksam Obacht, und sagt bald darauf: „O, oh, oh, ohhh! o du verzweifelte Mette! Des Gelehrten wie seiner fetten Choiba wollüstiges Wonnegefühl hat einen ganz verzweifelten Ausgang genommen. Schmerz über Schmerz; furchtbares Weheklagen, fürchterliche Verwünschungen dieses Aktes werden nun ganz deutlich vernehmbar, und Beide krümmen sich wie getretene Würmer vor Schmerz am Boden herum kriechend. Ah, das ist ein äußerst widerwärtiger Anblick! Wahrlich, so Beide nicht gar so schändliche Schweinspelze wären, ich würde Dich, o Herr, für sie um Erbarmen anflehen. Aber da thue ich's gerade nicht. Dieß Lumpenpack solle es recht ex fundamento empfinden, was die Unzucht für ein höllisches Labsal ist."

04 Spricht der Miklosch: „Freund, lasse mir's auch zu, daß ich da ein wenig hineingucke." - Spricht der Franzisk.: „Komm nur her und schaue!" - Der Miklosch kommt und sieht durch die Oeffnung hinein, und spricht: „Ah, tausend! das ist wahrlich sehr arg! O Herr, o Herr, die Beiden müssen einen ungeheuren Schmerz empfinden! Vielleicht wäre denn doch eine Linderung nicht am unrechten Platze?"

05 Sage Ich: „Lasset das nur gut sein! Wenn solche verknöcherte Buhler sollen gebessert werden, da müssen sie zu Zeiten ganz absonderlich ernst angepackt werden; denn geringe Rupfer sind für solche materielle Seelen von gar keiner Wirkung. Ich sehe dieser Art Menschenwesen ohnehin lange durch die Finger; aber so alle sanfteren Mahnungen und Rupfer nichts nützen, dann werden sie aber auch mit allem Meinem Vollernste angegriffen; und nur durch die Fülle des Schmerzes fangen sie dann ein wenig an, in sich zu gehen, und werden dann für etwas Höheres aufnahmsfähig; daher lassen wir sie nur ganz ruhig genießen die glühschmerzliche Frucht ihrer lustigen Thätigkeit."

06 Spricht der Miklosch: „Aber Herr, es ist Dir wahrlich nimmer zuzusehen; sie schreien fürchterlich, und fangen vor Verzweiflung förmlich sich zu zerfleischen an. Welche schaudererregende Verwünschungen sie über den begangenen Akt ausstoßen. Ah, das ist wahrlich entsetzlich! Bruder Ciprian, schaue nun nur wieder du diese Geschichte an, denn ich habe mich schon für ewig daran satt gesehen! - Herr, geht es denn unter allen diesen zahllosen Denkmälern und Leichensteinen also zu?"

07 Rede Ich: „Hie und da noch viel schlechter; aber hie und da auch etwas besser. Denn alle Diese haben auf der Erde nicht zu klagen gehabt, als hätten sie kein Licht über das geistige Leben erhalten. Aber da sie das Licht nicht in ihr Herz, sondern nur in ihr loses Gehirn aufnahmen, und dabei die alten Böcke im Herzen geblieben sind, voll gailen Sinnes und danebst auch voll Hochmuthes, Mißtrauens, und auch voll geheimen Zornes, so müssen sie in diesem Museum erst wieder ganz neu umstaltet werden. Nützen alle sanften Operationen nicht, so muß dann leider zu den schärferen vorgegangen werden; ansonst sie nimmer zu retten wären. Lassen wir aber nun Diese, und gehen zu einem andern Grabe über! (Am 30. Dez. 1849)

08 Spricht einmal der Graf: „Herr, Du bester Vater, da gleich daneben stehet ein ganz vergoldet Grabmal, und zwar, so ich recht lese, mit der sehr mystischen Inschrift:

09 »Gott, Freiheit, Glückseligkeit; Mensch, Kettenhund, Elend, Tod! Der Mensch ein Schmarotzerthier auf dem weiten Gewande der göttlichen Heiligkeit, möchte Gott lieben wie eine Laus den Leib eines Menschen; aber das ist der Gottheit lästig, daher tödtet sie in einem fort das menschliche Ungeziefer. Welcher Mensch weiß es denn, welche Liebe die Läuse zu ihm haben? Je mehr Läuse der Mensch über seine Haut bekommt, von desto mehr Lausliebe wird er umfangen sein; aber an solch einer lausigen Liebe hat der große weiße Mensch kein Wohlgefallen; daher wendet er alles an, um sich dieser lausigen Liebschaften zu entledigen. Und so thut es die große Gottheit; sie ist stets bemüht, sich der lausigsten Menschenliebe zu entledigen. Aber die Gottheit solle keine Läuse erschaffen, und ihnen kein Bewußtsein geben, so Ihr die Lausliebe ein Gräuel ist. Denn ist die Laus auch endlos klein gegen die endlos große Gottheit, so hat sie aber doch ein sehr zartes Gefühl, und empfindet den göttlichen Abscheusdruck um eben so viel schmerzlicher, als das schreckliche Uebergewicht der göttlichen Machtschwere größer ist denn das elendste Sein einer Laus (vulgo Mensch). Daher sei gnädig, Du große Gottheit, Deinen Läusen, und vernichte sie für ewig ganz und gar.«

10 Wahrlich, eine sehr sonderbar schmutzig merkwürdige Inschrift! da möchte ich denn selbst eine Einsicht nehmen, von welchem Genuß etwa doch der Einwohner dieses Grabes ist."

11 Sage Ich: „Mein lieber Ludwig, dieses Vergnügen kann Ich dir sehr leicht gewähren; gehe hin an die Rückseite dieses Grabmales, allwo du sogleich eine schlecht runde Oeffnung finden wirst, dort sehe hinein, und du wirst sogleich im Klaren sein!" - Der Bath. Ludwig tritt sogleich hinter das Grabmal, und entdeckt auch sogleich die vorbesagte Oeffnung; bei dieser Oeffnung beugt er sich nieder, und richtet seine Blicke fest durch diese in das Innere des Grabes. Nach einer kurzen Weile spricht er ganz erstaunt über den Inhalt: „O, das ist im höchsten Grade grauslich frappant! Ein äußerst schmutziger Affe, größter Art, ganz mit zerzausten Pfauenfedern behangen, spazieret in einem Saale auf und ab, legt öfter einen Finger auf die Nase und bald wieder auf die sehr niedere Stirne, dieselbe ein wenig filosofisch reibend; und dort auf einem Ruhbette kauern etwa sieben oder acht etwas kleinere, höchst wahrscheinlich weibliche Affen, und wispeln sich gegenseitig etwas ins Ohr. Nun aber spricht er mit einer sehr kreischenden Stimme (der Museums-Affe): „Ja, ja, Russen und Türken taugen nicht für einander, der Bem, der berühmte General, hat sie schon beim Schopf, und hintendrein kommen die Engländer und d' Franzosen, und werden dem Russen zeigen, wie weit's von Europa nach Sibirien ist! hahaha, das hab' ich immer g'wunschen, und itzt g'schicht's! und 's liebe Oestreich wird zu einem schleißigen Abwischfetzen, und wird am Ende tanzen müssen, wie's die andern werd'n haben woll'n, hahaha, no, no, das geht itzt halt grad so, als wie ich's mir g'wunsch'n hab'! O ihr armen Deutschen, ihr dummen Slaven, ihr wälschen Esel, und ihr ungarischen Ochsen! G'schieht euch ganz recht, daß ihr alle miteinander englisch, französisch und türkisch werd't; denn ihr habt's ja so g'handelt, und habt es so hab'n woll'n; itzt wird's euch hernach leichter sein! O ihr Hauptviecher! im Parlament habt's nicht einig werden können! Aber am Galgen der allgemeinen Armuth und Verzweiflung, und als amerikanische Plantaschsklaven werd't ihr euch dann vereinen können! Habt's a fette milchreiche Kuh gehabt, und habt sie statt an den Euterzitzen beim Schweif gemölket, wo's ka Milch hat gebn können, da nun g'schiehts euch recht, ihr wälschen, deutschen, ung'rischen und slavischen Rindviecher! hahaha! Mi geht's zwar nix mehr an, denn ich bin versorgt; aber a Freud' hab' ich ganz unsinnig, daß es itzt so kimmt, wie i's mir auf der Welt oft gedacht hab'!"

12 (Spricht der Graf weiter.) „Ah, Herr, Du guter heiliger Vater, was dieser Affe zusammengeschwärmt, das ist ja der Welt ungleich. Sage uns doch allergnädigst, ob daran denn doch so etwas Wahres sein könnte?" - Sage Ich:„Alles ist möglich auf der Welt, je nachdem die Menschen irgendwo noch mit Mir wandeln, oder auf ihre eigen gestaltete Macht vertrauen. Höre du aber diesen Affen nur weiter an!"

13 Der Graf legt Aug und Ohr wieder an die Oeffnung, und der Affe spricht nach einigem Räuspern weiter: „Wo nur meine Malla so lange bleibt! Aha, aha, da kommt sie schon, sicher mit einer Menge Neuigkeiten von der Welt. (Malla tritt in den Saal.) Grüß dich! No, was giebt's denn Neues auf der Lauswelt?"

14 Spricht die Malla, die auch sehr äffisch aussieht: „Nit zum sagen, mein Mallwit! Alles is konfus, kaner waß mehr, wer da is Koch oder Kellner! Die Minister in Oestreich arbeit's auf anen Thürl, wos leicht durchgehe werde können, waons die Suppen gaonz werde versolze hobn. Aus die Klanen mochn's Große, und aus die Groß'n moches Klane; da fluche die Große, und die großgemochte Klanen steh'n wie d' Ochsen am Berg! Gelt, mein lieber Mallwit, das Ding geht lustig und gaonz nach deinem Wunsch! (Der Mallwit lacht dazu freudig.)

15 Die Reichen werden große Steuern zu zahle kriegen, und schimpfen drum schun hiatzt wie d'Ruhrspatzen, die Geistlichen können über d' Regierung nit gnua fluchen und sie verdammen. D' Landleut wulle von zahle nix wissen; die Künstler und Professionisten geben sich langsam der Verzweiflung hin; das Militär hofft immer auf's Silbergeld und Gold; aber es kimmt holt koan's; und daher haben sie a ka große Fidutz auf den Staat. No, und den Spaß! Der Papst hot holt no immer „d' Franzosen", und hot sich dofür schun von Neapel, Spanien und Oestreich Aerzte verschrieben; aber es is glai umsonst, er wird holt von die Franzosen net los, und do moanen die Gescheidtern af der Welt: Das wird dem lieben Popstn wuhl 's Goaraus mochn. Hahaha! net wohr, dös is doch spaßi gnua! Und du, das is a an neuer Spaß: Rußland hätt iatzt mit England an Zwirnhaondelsvertrakt abgeschlossen, und dös dorum, weil's Rußland hiatzt in ällen Ort'n den schönsten Zwirn zu scheu-, hätt' bald gsagt, anheben thät. Na du, da giebts dir Gschicht'n!"

16 „Spr. der Affe Mallwit: „„Ganz nach meinem Wunsche, wie ichs auf der Welt oft gsagt habe, so, aber grad' so kommts itzt. Aber der Spaß vom Papst' ist im Ernste nicht schlecht, und es ist so, und es wird, muß und kann's nicht anders werden. Wie leicht wär's im Jahr 48 gwest, wie wir noch auf der Welt warn, so die dummen Menschen sich nur einiger Maßen verstanden hätten, oder verstehn hätt'n woll'n. Aber da wollte ein jeder Esel ein Deputirter sein, und überschrie den Filosofen in der Kammer; itzt hab'n sie den saubern Dank. Aber es gschieht ihnen allen vollkommen recht! Itzt aber schau', daß ich was zu essen bekomme; denn ich bin schon ganz verdammt hungrig, und unsre Töchter auch, dort am Sofa." (Am 1. Jan. 1850)

17 (Spr. der Graf weiter:) „Jetzt lauft die Aeffin Malla bei einer Thür hinaus, bin doch auf das Traktament neugierig! Aha, da kommt sie schon wieder mit einem ganzen Korb voll! Aber was das für eine Speise ist, das mag wer anderer bestimmen; dem Gesichte nach zu urtheilen sieht die Geschichte wahrlich gerade so aus, als wenn das lauter halbgesottene weibliche und mitunter auch männliche Schamtheile wären. Er fällt mit einem Heißhunger über den Korb her, und klaubt sich nun gleich die größten heraus; die kleinen und magern läßt er im Korbe; die Malla und ihre Töchter aber machen sich über die männlichen Ansehens. Ah, das ist ja doch rein zum wahnsinnigwerden. Und mit welcher förmlich neidischen Begierde das alles zusammgepackt und verschlungen wird. Nein, so was hätte sich auf Erden wohl nie ein Mensch träumen können lassen. Jetzt ist er fertig, und macht sehr wollüstige Mienen, als hätte er noch einen größeren Appetit. Aber dennoch sagt er nun: Gott Lob, itzt wär' ich wieder satt, das waren vortreffliche Austern! Es müssen auch die marinirten Schnecken recht gut gewesen sein; aber mein Magen verträgt sie nicht. Itzt könnt ihr schon wieder hinaus gehen, so ihr euch im Freien ein wenig vergnügen wollt."

18 „Spr. die Malla:" „Lieber Malwit! Itzt is net rathsam; denn es streichen allerlei wilde Thiere draußen herum, als wenn d' gaonze Höll los wär'; und waon sie was erwischen, no, Gott sei dem gnädig! Drum moan i, wir bleiben so hübsch fein zu Hause. Wenn d' Höll Jagd holten thut, dann is net gut in's Freie z' geh'n." - Spr. der Malwit: „O weh, o wehe! Gute Welt, kannst dich freuen, wann's so ist! Du wirst wieder bald sehr blutig in deinem Gesichte aussehen; aber ich merke, daß da von dem Dunstloche ein sehr unangenehmer Luftzug herab wehet; geh doch ein wenig nachsehen, was etwa da für Geschichten hat." - Spr. die Malla: „Ah, was wirds denn sein! geht holt a Bißl a höllischer Wind; müsse mer holt's Dunstloch zustopfen, da wird der Luftzug sogleich sein End habn!" Die Malla bringt sogleich aus einem Winkel eine Menge schmutziger Fetzen, und bemühet sich also gleich das Loch zu verstopfen; aber es gelingt ihr diese Arbeit nicht.

19 Herr, wie wäre es denn, so man sie durch dieses Loch anredete?"

20 Rede Ich: „Das ist noch lange nicht an der Zeit; lassen wir sie aber nun; die Angst ob der vermeintlichen Höllenjagd wird das Beste an ihnen thun. Du mußt von seiner anscheinenden Tugend wegen der Anrufung und Belobung Gottes dir keinen zu großen Begriff machen, wie auch wegen seiner eben so anscheinend politischen Nüchternheit nicht; denn alles das, was er spricht, ist sein Wunsch und seine Liebe; aus seiner Kost aber hast du hinlänglich abnehmen können, wessen Geistes Kind er samt seiner Familie ist. Aus seiner Gestalt hast du das noch sehr Unmenschliche seines Wesens wahrgenommen; daher ist hier vor der Hand nichts anderes zu thun, als ihn gehen zu lassen, so wie eine unzeitige Frucht, und abzuwarten, bis er reif wird.

21 Darum aber ist dieß ein ganz besonderes Museum, weil hier ganz verdorbene Geister durch einen ganz besonderen Akt Meiner Gnade, wie die Pflanzen in einem Treibhause wieder zum Lichte und Leben zurück geführet werden. Dieß Museum, - oder der Kunstsammelplatz Meiner Gnade und besondern Erbarmung, hat seine Aufseher und Wärter, die wie echte Kunstgärtner mit aller zu diesem Zwecke nöthigen Weisheit bestens versehen sind, und du kannst versichert sein, daß alles, was ihrer Pflege anvertraut ist, zur sicheren Reife kommen muß.

22 Und so verlassen wir nun diese Stelle, und begeben uns dorthin vorwärts, wo du bei einem großen sehr kunstreichen Denkmale fast alle unsere Gäste versammelt siehst, dort wirst du, und ihr alle Meine neu angekommenen Freunde, noch deutlicher gewahr werden, warum dieser Ort, der sich eigentlich noch immer unter dem Dache des Robert'schen Hauses befindet, das Museum eben dieses Hauses heißt.

23 Ich sagte einst auf der Welt zu Meinen Brüdern: Ich hätte euch noch Vieles zu sagen; allein ihr könntet es jetzt nicht ertragen; wenn aber der Geist der Wahrheit zu euch kommen wird, der wird euch in alle geheime und vor den Augen der Welt verborgene Weisheit Gottes leiten. Und siehe, also ist es nun auch hier: Ich kann euch nicht auf Einmal alles sagen, zeigen und erläutern; aber durch die Umstände wird der ewigen Wahrheit Geist in euch selbst erwecket; und dieser wird euch alles klar machen, was euch jetzt noch dunkel und unerklärlich sein muß; daher gehen wir nun nur schnell weiter dorthin, wo sich Alle versammeln; da wird euch allen ein mächtiges Licht angezündet werden. Denn wo ein Aas ist, da sammeln sich die gewaltigen Adler! und nun vorwärts!"

155. Kapitel: Das große Pyramidendenkmal. Worte Jesu an Robert. Über Geist, Seele und Leib und wahre Auferstehung des Fleisches. Erforschung der seelischen Unterwelt. (Am 4. Jan. 1850)

01 In ein paar Augenblicken sind wir an Ort und Stelle; die vielen andern Gäste, die von den Aposteln geführet wurden, wie auch die Urväter machen uns in größter Ehrerbietung Platz, und wir treten dem großen Denkmale näher, das nahe so aussieht, wie allenfalls eine Piramide Egyptens, nur nicht in dem alten rohen Baustile.

02 Auf der Spitze der Piramide ist eine große Goldkugel angebracht, und jede Stufe der Piramide ist mit einem breiten Goldreife umfangen, in welchem allerlei Inschriften eingegraben sind. In die Piramide führt von der Nordseite her nur eine Thüre, durch die man ordnungsmäßigerweise in's Innere gelangen kann. Einige Ellen hinter dem Eingange sind nach rechts und links zwei Seitengänge, und noch etwas tiefer hinter diesen beiden Seitengängen befindet sich eine Treppe in die Tiefe hinab, und eine in die Höhe hinaufführend. Obschon aber die Piramide äußerlich von lauter undurchsichtigen schweren Steinen erbauet zu sein scheint, durch die kein Licht ins Innere dieses riesigen Denkmales zu dringen vermöchte, so sind aber im Innern dennoch alle die vielen Räume so gut erleuchtet, daß man alles ganz gut ausnehmen kann, was sich darinnen vorfindet.

03 Der schon überaus neugierige Frzk. Ciprian fragt Mich, sagend: „O Herr, Du bester Vater, was wohl hat dieses zu bedeuten? so eine ungeheure Piramide muß auch eine ungeheure Bedeutung haben." - Rede Ich: „Mein lieber Freund, habe nur eine kleine Geduld! denn so einen Holzbaum haut kein Holzknecht mit einem Hiebe auseinander; es hat wohl auf der Erde einen heidnischen König von Mazedonien Namens Alexander gegeben, der den berühmten gordischen Knoten mit einem mächtigen Schwerthiebe entwirrte, aber auf diese Art und Weise werden hier im Reiche der reinen Geister die Wirrknoten nicht gelöset, sondern mit der gerechten Weile und Geduld; daher also nur ein wenig mehr Geduld, Mein lieber Freund Ciprian!"

04 Der Franziskaner giebt sich auf diese Worte ganz zufrieden, und sagt blos hinzu: „Herr, Du bester Vater, Du hast ewig vollkommen recht! Wir leben ja nun nicht mehr in der naturmäßigen Welt, wo die lose flüchtige Zeit wie ein Sturmwind dahineilt; hier ist die unvergängliche Ewigkeit, und in ihr dürften wir denn doch Weile in größter Fülle haben, um uns alle Einsicht zu verschaffen, die uns hier noth thut; was bliebe uns am Ende aber auch übrig, so wir mit einem Schlage in alle die himmlische Weisheit hinein fielen? alsbald darauf eine ewige Langweile; daher nun nur langsam voran und voraus, sonst wird aus der ewigen Freude noch eine ew'ge Langweil daraus!" - Spr. der Graf: „Aber Freund, mir scheint, du fängst schon wieder an ein wenig satirisch zu werden. Ich sag' es dir: Nehme dich in Acht; denn der Ort, wo du stehest, ist heilig! daher lasse endlich ab von solchen faden Witzeleien !"

05 Rede Ich: „Nur keinen Streit hier! Du Bruder Ludwig hast zwar recht; aber des Ciprian Bemerkung hat auch etwas für sich. Daher nun allen Streit beiseite; denn wir haben hier viel wichtigere Dinge vor uns, als einen Streit über eine einzelne Schafswolldecke. Gehe du Freund Ciprian dafür lieber hin zum Robert, und beheiße ihn samt seiner Gemahlin zu Mir! Denn er muß hier bei dieser Gelegenheit die Hauptrolle übernehmen."

06 Ciprian verneigt sich tiefst vor Mir, und richtet schnell den Auftrag an den Robert aus; Robert kommt aber auch samt seiner Helena schnell zu Mir, und bittet Mich um die Kundgabe Meines Willens;

07 und Ich sage zu ihm: „Liebster Freund, Bruder und Sohn Robert; siehe dieß Museum, das du mit deiner Gemahlin nach allen Richtungen hin mit großer Aufmerksamkeit betrachtet hast, ist auch ein wesentlicher Theil deines Hauses, und Ich will ihn gerade dir ganz besonders an's Herz legen. Du hast bisher schon viel gethan, und große Dinge vollbracht, so daß Ich mit dir hoch zufrieden zu sein allen Grund habe, dein Geist ist ganz in der schönsten Ordnung; aber deine Seele hat noch hie und da zu wenig Consistenz, was auch nicht anders sein kann, weil deinen Leib die Verwesung noch nicht vollends aufgelöset hat. Aber hier ist der Ort, wo du zur vollen Konsistenz deiner Seele gelangen kannst, und auch gelangen wirst; aber es gehört so manches sehr wohl zu beachten dazu.

08 Siehe, der Leib eines jeden Menschen ist ein wahres Millionengemenge von allen möglichen Leidenschaften der Hölle, die in eine gerichtete Form zusammengefaßt sind. Du hast doch einmal etwas von der Auferstehung der Todten wie der Lebendigen gehört, wie auch von einer Auferstehung des Fleisches, und auch nicht minder von einem sogenannten jüngsten Tage, an dem von Mir alle, die in den Gräbern sind, auferwecket werden, entweder zum Leben, oder - nach ihren Werken - zum ewigen Tode.

09 Siehe, hier ist der Ort, wo Ich dir diese Geheimnisse eröffnen muß, und das nach deiner eigenen Natur und Beschaffenheit; und durch dich dann erst Allen, die hier mit dir aus nahe der gleichen Ursache wegen hierher in die Geisterwelt gekommen sind, und in deinem Hause die Aufnahme finden mußten, indem sie schon auf der Erde mehr oder weniger in deinem Geiste lebten, durch Gedanken, Gesinnungen, Worte, Wünsche, und mitunter auch Werke.

10 Du warst aus allen diesen der Erste, den Ich hier aufnahm, und für dein ferneres Bestehen und Fortkommen sorgte; also mußt du auch hier, wo es sich um die endliche Vollendung handelt, auch der Erste sein, der diese an sich zu bewerkstelligen anfängt, und vollführet, auf daß sie dann auch an alle Anderen übergehen kann.

11 Ich habe es schon erwähnt, daß deine Seele noch keine eigentliche Konsistenz oder Festigkeit erreicht hat; wie aber solle diese erreichet werden? Ich sage es dir, und somit auch allen Andern:

12 Wie Ich als der Herr, Meinem Menschlichen nach euch allenthalben voranging, und eine gute unverwüstbare Bahn legte, so müsset ihr Alle Mir auf dieser und derselben in Allem nachwandeln, so ihr zum ewigen Leben wahrhaftigst gelangen wollet. -

13 Ich bin nicht nur der Seele und dem Geiste nach auferstanden, sondern hauptsächlich dem Leibe nach; denn Meine Seele und Mein urewigster Gottgeist bedurften wohl keiner Auferstehung, da es doch zu der Unmöglichkeiten größten gehört hätte, als Gott getödtet werden zu können. Wie Ich Selbst aber also dem Leibe nach auferstanden bin als ein ewiger Sieger über allen Tod, also müsset ihr Alle auch euren Leibern nach auferstehen; denn Mich als vollends Gott könnet ihr erst in eurem auferstandenen, geläuterten und verklärten Fleische anschauen. Das Fleisch aber ist im Gericht, und dieses muß dem Fleische benommen werden, ansonst es nimmer zur Festung der Seele dienen möchte.

14 Sieh' an diese Gräber! siehe, sie alle bergen dein ganz vollkommen eigenes Fleisch, gesondert nach seinen Millionen von gerichteten Theilen, aus denen es zusammengefüget war. Die Wesen, die du unter den Grabmälern entdecket hast, sind im Grunde nur Erscheinlichkeit der verschiedenen Wünsche, Begierden und Leidenschaften, die du in deinem Fleische als gerichtete Theile deines ganzen Naturwesens beherbergtest. Diese müssen nun geläutert werden durch allerlei Mittel, um sodann deiner Seele zu einem wahrhaften festen lebendigen Kleide zu werden.

15 Wie aber Ich aus Meiner höchst eigenen Kraft und Macht Mein Fleisch erweckte, also müsset auch ihr Alle, durch die Kraft Meines Geistes in euch, an dieß wichtigste Werk euch machen, und es zur wahren Vollendung bringen. Denn wer wahrhaft Mein Kind sein will, der muß Mir in allem gleichen, und alles das thun, was Ich gethan habe, und noch thue, und thun werde.

16 Aber nun machst du Robert große Augen, und fragst Mich in deinem Herzen: Herr! was ist das, wie werde ich das zu bewerkstelligen im Stande sein? - Geduld! du sollst es sogleich erfahren.

156. Kapitel: Erklärung des Pyramidendenkmals und Roberts Aufgabe dabei. Wanderung in die Unterwelt - "Mir nach!" Vom Fegefeuer, Himmel und Paradies.

01 „Siehst du hier vor uns diese Piramide, sie ist deines Leibes Herz; wie aber das Herz der Träger aller zahllosen Keime zum Guten und zum Bösen ist, so ist auch dieses Denkmal in der Form einer Piramide der Inbegriff alles dessen, was da rastete und handelte als Fleischkraft im Fleische deines Naturwesens. - Gehe du nun mit deiner Gemahlin in diese Piramide, und besehe alles wohl, was sich darinnen aufhält, in der Höhe wie in der Tiefe, und an allen den Wänden;

02 so du alles wirst besehen haben, dann komme du sobald wieder zurück, und sage es vor Allen, was du darinnen alles angetroffen hast; und Ich werde dir die weitere Weisung geben, was dir zu thun noch übrig bleibt. Aber verweilen darfst du bei nichts! - „Sollte dich aber irgend eine Lust, bei einer oder der andern Sache länger zu verweilen, anwandeln, so sehe auf deine Helena, und sie wird dich davon abziehen!

03 Nun weißt du, wie du dich zu benehmen hast, und so trete denn nun deine Wanderung in die Unterwelt an, begleitet von Meiner Gnade und Liebe, muthig und voll des besten Trostes! Denn auch Meine Seele mußte vor der Auferstehung Meines Fleisches in die Unterwelt hinabsteigen, und dort Alle frei machen, die da harreten im Fleische Meines Fleisches noch der Erlösung."

04 Nach diesen Worten verneigt sich Robert tief, und tritt sogleich seine Wanderung an.

05 Der Franzsk. aber fragt Mich, ob er nicht etwa auch mitgehen dürfte? - Ich aber sage zu ihm: „Mein Bruder, so du ganz reif wirst, dann wird schon auch auf dich ein Gleiches zu thun kommen, wenn schon deiner Beschaffenheit wegen in einer andern Form. Denn nicht Allen ist eine und dieselbe Form entsprechend; diese hängt von der hervorragendsten Begründung ab, die irgend eine oder die andere Seele ihrem Fleische einprägte. Bleibe du daher nur hier, und erwarte da schön ab, was der Robert alles für Dinge hervorbringen wird, und dadurch wirst du dann schon auch mehr oder weniger inne werden, auf welche Art du in die Unterwelt steigen wirst."

06 Spricht der Frzsk.: „Herr! ist denn diese Unterwelt etwa so eine Art Vorhölle, eigentlich so zu sagen das gewisse Fegefeuer?" - Rede Ich: „Ja, ja, so was dergleichen; aber dennoch ganz anders, als wie du es in deinem noch ziemlich römisch befangenen Herzen herumträgst."

07 Spricht der Frzsk.: „Also kommt denn eigentlich doch Niemand sogleich, wie man sagt, vom Mund' auf in den Himmel? - Rede Ich: „Nicht leichtlich, Mein Lieber! Denn so Ich Selbst zur Unterwelt mußte, der Ich doch der Herr Selbst bin; so wird schon auch ein jedes Meiner Kinder es thun müssen. Denn ein jedes Obst muß eher vollkommen reif sein, bevor man es genießen kann. Blöde und unwissende Kinder meinen freilich, eine Kirsche sei schon reif, wie sie nur ein wenig geröthet aussieht; aber der kundige Gärtner weiß es genau, wie roth die Kirsche aussehen muß, um vollends reif zu sein. Also ists nichts, durchaus nichts mit dem vom Munde aus gleich in den Himmel kommen. Wohl aber in das geistige Paradies, allwo ihr euch nun an Meiner Seite befindet. Denn es ist genug, so Ich zu einem Sünder sage: Sei getrost, denn heute noch wirst du bei Mir im Paradiese sein! - Aber nun Ruhe, denn Robert wird bald wieder da sein." (Am 7. Jan. 1850)

08 Der Frzsk. möchte noch gerne etwas sagen auf diese Meine Worte; aber der General, der sich mit dem Dismas und dem verklärten Pater Thomas gerade dem Frzsk. am nächsten befindet, legt sogleich die ganze flache Hand auf den Mund des Frzsk., und sagt nichts, als: „Subordination! Der Herr Gott Vater hat es geboten nun stille zu sein, und so heißt es gehorchen! - verstanden?! - da heißt es gehorchen!"

09 Rede Ich: „Lasse das gut sein, Freund Matthia; hier giebt es von Mir aus kein positives Gesetz. Will der Ciprian reden, so solle es ihm nicht verwehret sein." - Spricht der Frzsk.: „Nein, nein, ich will nicht reden, obschon es mich ein wenig gejuckt hatte; der General Matthia hat nun ganz recht gehabt, daß er mir mit seiner Handfläche 's Maul zugestopfet hat; denn soeben kommt aus der Piramide der Robert zurück, und ich freue mich nun schon ganz kindlich auf seine Erzählung. Es wäre daher sehr dumm von mir gewesen, so ich zu plaudern angefangen hätte. Aber er steht nun schon vor uns, und macht eben nicht das zufriedenste Gesicht, auch seine Gefährtin nicht; es muß ihnen die Sache nicht ganz zusammen gegangen sein. Aber nun nur stille!"

157. Kapitel: Roberts Rückkehr und Bericht von seiner Unterwelt. Die heiligen Inschriften auf den Pyramidenstufen. Wirkung wichtiger Heilslehren auf Robert.

01 In diesem Momente tritt der Robert mit seiner Gemahlin vor Mich hin, und beginnt wie folgt zu reden: "O Herr! Du guter heiliger Vater aller Menschen und Engel! da sieht es schlimm, ja sehr schlimm aus; wäre dieser Piramide Inneres ein Augiasstall, wenn auch noch ums zehnfache ärger, da wäre es ein Leichtes, ihn zu reinigen; aber so übersteigt der Sündenmist des Innern, und besonders das Untere dieser Piramide den Augiasstall ums Millonfache! und da ist wahrlich an keine Reinigung mehr zu denken, und könnte man auch alle Flüsse und Bäche der Erde hineinleiten; in den oberen Regionen dieser Piramide präsentiren sich eine Anzahl von tausenderlei von den allerleichtfertigsten Bildern aus meinem gesamten Erdenleben; die untern Gemächer aber sind überfüllt von allerlei unbeschreiblichem Unflathe, der noch dazu vom übelsten Geruche, resp. Gestanks begleitet ist. O weh, o weh! wer wird mir Armen helfen diesen Stall reinigen?"

02 Rede Ich: "Mein lieber Freund Robert! keine Arbeit ist so groß, als daß sie mit den tauglichen Mitteln nicht könnte verrichtet und in die beste Ordnung gebracht werden, aber es gehört dazu eine rechte Einsicht und Geduld; sehe an die ganze unermeßliche Schöpfung von ihrem Beginne bis zu ihrem einstigen notwendigen Ende, und von ihren notwendigen kleinsten organischen und unorganischen Theilchen, bis zu ihrem für dich unermeßlich großen geordneten Ganzen, und du wirst darinnen für deine gegenwärtige Einsicht doch sicher die fast nimmer mögliche Ausführung, Ordnung, Erhaltung und Leitung zum rechten - Endzwecke gewahren; und doch steht dieß große Schöpfungsgebäude bestgeordnet da, und kein Atom kann seiner Bestimmung entgehen. Wie aber dieß möglich ist, so ist es um so mehr möglich, deinen irdischen Augiasstall zu reinigen; aber, wie gesagt, es gehört dazu die rechte Einsicht und Geduld, und, was sich schon von selbst versteht, ein fester durch nichts beirrbarer Wille.

03 Damit du aber vor allem zur rechten Einsicht gelangen magst, so gehe hin zu den äußern Staffeln der Piramide, die mit einem beschriebenen Goldreife umfasset sind, und lese, was darauf geschrieben stehet; das wird dir sagen, was du da alles zu thun haben wirst!"

04 Robert gehet hin und liest zuerst die Inschrift des untersten Reifes, und diese lautet: "Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, es solle euch Erquickung werden." - Und weiter liest er: "Haltet euch an die alleinige Liebe! Wahrlich so die Zahl eurer Sünden wäre wie die des Sandes am Meere, und des Grases auf der Erde, so wird die Liebe sie tilgen ganz und gar; und wäre eure Schande vor Gott gleich wie das Blut der Sündenböcke, so solle sie von der Liebe weiß gewaschen werden wie weiße Wolle, und wie der feinste Bissus."

05 Und weiter liest er an der zweiten Stufe: "Die Liebe ist das Leben, das Gesetz, die Ordnung, die Kraft, die Macht, die Sanftmuth, die Demuth, die Geduld und dadurch der Kern aller Weisheit! Der Weisheit sind nicht alle Dinge möglich, weil die Weisheit nur einen gewissen Weg gehet und sich mit dem, was unrein ist, nicht befassen kann; aber der Liebe sind alle Dinge möglich; denn sie ergreift auch das, was verworfen ist, mit derselben Innigkeit, als wie das, was in sich selbst schon das Reinste ist. - Die Liebe kann alles gebrauchen; - die Weisheit aber nur, was die Liebe gereiniget hat."

06 Und wieder weiter liest er von der dritten Stufe: "Frage dein Herz, ob es sehr lieben kann, ob es Gott über alles lieben kann, ohne Interesse, außer dem süßesten der Liebe selbst? - Frage dein Herz, ob es den Bruder mehr denn sich, um Gottes willen wie einen zweiten kleinen Gott lieben kann. - Frage dein Herz, ob es wahrhaft und vollends rein lieben kann! - Kann es Gott darum lieben, weil Gott - Gott ist, und kann es den Bruder wie aus Gott heraus wegen Gott, und aus purer Liebe zu Gott wie einen Gott lieben? - Kann dein Herz das, so ist deine Verwesung zu Ende, und du selbst stehest vollendet vor Gott deinem Herrn und Vater und Bruder!"

07 Und wieder weiter liest er auf der vierten Stufe: "Gott Selbst ist die urewige reinste Liebe, und ihr Feuer ist das Leben und die Weisheit in Gott, und also aus Gott wie in Gott das Leben und das Licht aller Wesen; die Funken aus dem Essenfeuer der reinsten Gottesliebe in Gott sind die Kinder Gottes gleichen Ursprungs aus dem Einen Herzen Gottes! - Auch du bist ein solcher Funke; fache dich an zu einem lebendigen Brande, und du wirst in deinem Herzen Gott schauen!"

08 Und weiter liest er auf der fünften Stufe: "Das Wort aus dem Gottes-Herzen ist der Liebe Allkraft; daher ist das Wort und der ewige Sohn aus Gott Eins; ja Gott Selbst ist das volle Wort, das im Feuer der Liebe gezeuget wird. Du aber bist auch ein Gotteswort erzeugt im Gottes-Herzen; darum werde wieder ein volles Wort Gottes; werde ganz Liebe, volle Liebe in Gott, so wirst du zum Gottes-Sohne gelangen, und Eins sein mit Ihm. Aber du gelangst nicht zu Ihm, außer durch den Vater, der da ist die Liebe und das Wort Selbst in Sich, von Ewigkeit zu Ewigkeit stets Derselbe."

09 Und weiter liest er auf der sechsten Stufe: "Christus ist allein der Mittler zwischen Gott und der Menschennatur; durch den Tod seines Fleisches, und durch sein vergossenes Blut hat Er allem Fleische, das da ist die alte Sünde des Satans, den Weg gebahnt zur Auferstehung und Rückkehr zu Gott! Christus aber ist die Grundliebe in Gott, das Hauptwort alles Wortes, das da ist Fleisch geworden, und dadurch geworden zum Fleische alles Fleisches und zum Blute alles Blutes. Dieses Fleisch nahm freiwillig alle Sünde der Welt auf sich, und reinigte vor Gott sie durch Sein heilig Blut. Mache dich theilhaftig dieses größten Erlösungswerkes Gottes durch das Fleisch und durch das Blut Christi, so wirst du rein sein vor Gott! Denn kein Wesen und kein Ding kann rein werden durch sich, sondern allein durch die Verdienste Christi, die da sind die höchste Gnade und Erbarmung Gottes. Du allein vermagst nichts, Alles aber vermag Christus."

10 Und weiter liest er auf der siebenten Stufe: "Dein irdisch Wohnhaus ist voll Unflathes; wer wird es reinigen? Wer hat die Kraft und die Macht allein? Siehe, Christus, der ewige Hohepriester vor Gott, Seinem ewigen Vater! Denn Christus und der Vater sind Eins von Ewigkeit. In Christo allein wohnt alle Fülle der Gottheit körperlich; und diese Fülle ist der Vater als die reinste Gottliebe. Diese ergreife mit deiner Liebe, und sie wird dein Fleisch reinigen und erwecken, wie sie erwecket hat das Fleisch Christi, das Sie Selbst in sich barg."

11 Und wieder weiter liest er auf der achten Stufe: "Du erschrickst über die große Menge deiner argen Geister, die auf der Welt beherrschet hatten dein Fleisch und Blut, und fragst mit Paulo: Wer wird mich erlösen von meinem Fleische, und frei machen von den Banden des Todes? Siehe hin, Christus, der getödtet, ist auferstanden, und lebet, ein Herr von Ewigkeit! - Wäre Er im Tode verblieben, so es möglich gewesen wäre, da wäre dir ebenfalls der ewige Tod sicher; aber da Christus auferstanden ist, wie du Ihn nun selbst siehst, so ist es ja unmöglich, daß da Jemand im Grabe belassen werden könnte. Denn wie durch die eine Schlange der Tod kam über alles Fleisch, so auch kam das Leben durch den Einen Gottmenschen über alles Fleisch der Menschen der Erde; aber auch ein neues Gericht, obschon das alte Gericht, das den Tod in sich barg, durch dieses Einen Auferstehung für ewig vernichtet ward; aber dieß neue Gericht ist dennoch auch ein Tod, aber kein Tod zum Tode, sondern ein Tod zum Leben. - Mache dich an die Liebe durch deine Liebe, damit dieß neue Gericht deines Fleisches durch die Werke des Einen zu einem wahren Leben wird; du stehest an der Quelle; trinke des lebendigen Wassers in der Fülle!"

12 Und auf der neunten Stufe liest er weiter: "Die pure Weiberliebe ist Eigenliebe; denn wer von der Weiberliebe sich so weit verziehen läßt, daß ihm daneben die Nächstenliebe, und aus dieser die Gottesliebe zur Last wird, der liebt sich selbst im Wesen des Weibes; lasse dich daher von der reizenden Gestalt eines Weibes nicht gefangen nehmen über's gerechte Maß, ansonst du untergehest in der Schwäche des Weibes, während doch nur das Weib in deiner Kraft erstehen solle zu Einem Wesen mit und in dir! Wie du aber ein oder das andere Glied deines Wesens liebst, also liebe auch das Weib, auf daß es Eins werde mit dir; aber Gott liebe du über alles, auf daß du in solcher mächtigsten Liebe neu geboren werdest zu einem wahren freiesten Bürger der reinsten Himmel Gottes für ewig, und dein Weib wie ein Wesen mit dir!"

13 Und noch weiter liest er auf der zehnten Stufe: "Suche, suche, suche, daß du dich nicht übernimmst, so du groß wirst! - Siehe an des Herrn Demuth, Sanftmuth und Güte! Sieh, Er ist der Herr von Ewigkeit; alles, das die Unendlichkeit fasset vom Größten bis zum Kleinsten, vom geistigsten bis zum materiellsten Atom, ist alles Sein höchst eigenstes Werk, und Seine Kraft ist so groß, daß alle die zahllosesten Werke der Unermeßlichkeit schon vor dem leisesten Hauche Seines Mundes in ein ewiges Nichts zurücksinken müßten. Und dennoch stehet Er gar so einfach und ganz ohne allen Anspruch bei Seinen Kindlein, als wäre Er nahe der Allergeringste unter ihnen, und liebt sie, und unterhält Sich mit ihnen, als hätte Er blos sie allein in der ganzen Unendlichkeit, die doch von zahllosen Miriaden der allerwundersamst herrlichsten und liebweisesten reinsten Wesen strotzet. - Also suche, suche, suche der Geringste zu sein und zu werden und zu bleiben für ewig!"

14 Auf dieser letzten Stufe wird Robert so mächtig gerührt vor Liebe zu Mir, daß er laut zu weinen anfängt; er sieht bald diese letzte und oberste Inschrift, bald wieder Mich, und manchmal auch sein neues Weib an, und sagt nach einer staunenden Weile: "O du heilige Inschrift! bist so einfach, ohne allen Wortprunk da auf reinstes Gold geschrieben, und dabei doch so ewig wahr, wie Derjenige Selbst, Dessen allmächtiger Finger dich hier in dieß Gold gegraben hat. O Gott! jetzt, jetzt erst fängt mich eine ungeheure Liebe zu Dir ganz allein durchzudringen an, und in diesem Durchdringen der mächtigsten Liebe zu Dir allein gewahre ich erst so ganz innig, daß ich Dich noch nie vollends wahr geliebet habe. Aber nun ist es anders geworden. Du allein, ja Du ganz allein bist nun der Herr meines Herzens, meines Lebens! - ewige, unbesiegbarste Liebe Dir allein, Du mein süßester Gott und Vater Jesus!

15 Als Du mir die schönste Helena zu einem neuen Weibe gabst, da fühlte mein Herz zu Dir nur eine innigste Dankbarkeit mehr denn irgend eine rechte Liebe zu Dir; und mit dem pünklichsten Gehorsame für alle Deine Gebote meinte ich, daß darinnen schon die sichere oberste Vollendung ruhe; aber wie weit war ich da vom wahren Ziele! Ja, ich wußte nicht einmal so recht, wie man Ihn neben der Helena mehr als sie lieben möchte, und hielt solch eine Liebe heimlich bei mir auch für ein wenig albern; aber nun ist es anders geworden; Ich liebe nur Dich allein über alles, und sehe in dieser Liebe ein ganz neues Leben erwachen. O Herr, o Herr, o Herr und Vater Jesus, Du meine einzige Liebe!"

158. Kapitel: Roberts große Gottesliebe läßt ihn auf Augenblicke sein Weib vergessen. Helenas verständnisvolle, gute Rede. Ihre Scheu vor dem Allerheiligsten. Jesu stärkende Erwiderung. (Am 12. Jan. 1850)

01 Mit diesen Worten springt er (Robert) förmlich von der Höhe der Piramide, daß er sogar seines schönsten Weibes vergißt. Bei Mir kaum angelangt, will er Mir sogleich zu den Füßen fallen, und sein Herz ganz ausschütten vor Mir; aber ich halte ihn davon ab, und mache ihn aufmerksam, daß er dießmal der Helena, seines Weibes, vergessen hat;

02 worauf er ganz seligst ergriffen spricht (Robert:) „O Herr, Vater Jesus, wer kann in Deiner nun von mir wohlbekannten, und rein erkannten Nähe für was anderes Sinn und Gedanken haben, als nur allein für Dich! Ich liebe die wahrlich überaus schöne und eben so fromme Helena wie ein gutes Glied meines Wesens, oder meines geistigen Leibes; aber mein Alles über Alles bist nun für ewig Du ganz allein, mein Gott und mein Herr und Vater! Was wäre mir ohne Dich eine ganze Welt voll Helena's? nichts! ich würde verzweifeln in ihrer Mitte! Habe ich aber Dich, so kann ich auch ohne eine Helena vollkommen glücklich sein. Aber ich will sie dennoch holen darum, weil sie eine Gabe aus Deiner Hand ist, darum mir auch endlos werth, theuer und angenehm."

03 Rede Ich: „Ja, ja, gehe hin, und hole sie; denn sie sieht ganz traurig nach uns her, und meint dich beleidigt zu haben, dieweil du sie so ganz verlassen hast."

04 Robert geht nun eilends zu der Helena hin, und sagt zu ihr: „Komme, komme, mein geliebtes Weibchen! Ich habe nur aus übergroßer Liebe zum Herrn deiner auf ein paar Augenblicke vergessen; aber nun ist schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Komme daher nun nur mit mir hin zum Herrn, und sei ja nicht mehr traurig!"

05 Spr. die Helena: „Mein liebend Herz dem Herrn und dir dafür, daß du mich wieder anschauest, denn mir kam wahrlich ein Kummer ins Herz, daß ich in meiner Seele mich irgend versündiget zu haben meinte, dieweil du mich verließest, und dich nicht umsahest nach mir; aber nun ist alles wieder gut, und mehr als gut; denn dich zog die allein gerechte und wahre Liebe von mir hin zu Gott, dem heiligen Vater. Nun ziehe aber du auch mich hin vor Ihn, der noch immer der alleinige Besitzer meines Herzens ist und auch ewig verbleiben wird. Lasse unsere Herzen Eins werden vor Ihm, der sie zuerst erfüllet hat mit Seiner Liebe, auf daß, so nun dein irdisch Fleisch lauter wird, durch die Auferstehung im Feuer der Gottesliebe in deinem Herzen, das meinige auch mit geläutert werde, und wir dann wie Ein Herz, ein Sinn, eine Liebe, ein Leben und Wesen vor Ihm - uns des seligsten Lebens erfreuen könnten."

06 Robert zerfließt nahe vor lauter Liebe, und bringt nun die Helena zu Mir. Als sie bei Mir ist, will sie auch auf ihr Angesicht niederfallen; Ich aber verhindere sie ebenfalls daran, und sage zu ihr: „Ja, Meine allerliebste Helena, getrauest du dich denn Mich nicht mehr so zu lieben, als wie du Mich ehedem geliebet hast? Schau, schau! Ich bin ja stets der Gleiche!" - Spr. die Helena ganz weinerlich: „für's Auge ja, aber für's Herz, da bist Du schon viel anders geworden; viel größer und heiliger! Das Herz bebt nun vor Deiner Größe und Heiligkeit; denn Du bist wahrhaftig der Einige Gott!"

07 Rede Ich: „Ja, Meine allerliebste Helena, das hast du denn doch schon früher gewußt und eingesehen, und hast doch keine gar so enorme Heiligenscheu vor Mir gehabt; ja du hast Mich sogar - wie Mir und dir nichts - nach deiner ganzen Herzenslust geküßt; wie sollst du denn wohl nun eine solche Heiligenscheue vor Mir überkommen haben? Denke zurück, und bleibe dir gleich, so wie Ich Mir unwandelbar gleich bleibe, so wirst du in keine solche unnöthige Furcht vor Meiner Göttlichen Majestät verfallen!"

08 Spricht die Helena: „O Herr, Du überguter heiliger Vater! das thut sich wohl in gar keinem Falle mehr; denn es ist ein großer Unterschied zwischen dem Dich-kennen und abermals Dich-kennen. Beim ersten Erkennen hat Dein Göttliches doch stets noch mehr so einen menschlichen Anstrich, und Du bist zu ertragen für das Herz eines armen Sünders, aber wann einem die stets größer und wunderbarer werdenden Vorkommnisse und Erscheinungen in einem fort bei allen Sinnen einzudonnern anfangen, und nur zu klar den endlosen Unterschied zwischen Dir, o Herr, und einem Geschöpfe, das sich selbst frei auszubilden hat, nach den Gesetzen Deiner Ordnung, zeigen; dann ist's mit diesem menschlichen Anstriche gar, und wie nackt in aller Heiligkeit steht dann Deine Gottheit vor unsern erstaunten Augen. Daß uns Alle, wenn wir die Sache so recht beim Lichte betrachten wollen, mehr oder weniger eine gewisse Heiligenscheue vor Deiner Gottheit anwandeln muß, das ist ja doch ganz klar.

09 Ich habe so zu sagen schon mit den zwei Sälen, die mir zuerst in diesem Hause meines Robert zu Gesichte kamen, des Wunderbaren zur Uebergenüge gehabt, um mich darüber allein schon eine ganze Ewigkeit genüglich zu verwundern, und Dich wegen Deiner Güte, Liebe und Weisheit zu preisen; aber da führte uns Deine Liebe, Güte und Weisheit in dieses Museum, durch das das fleischliche Wesen Roberts entsprechend bildlich dargestellt werden solle, und da hat es der Wunder kein Ende, und besonders jene merkwürdigsten Inschriften an den Stufen der großen Piramide, der erhabene Sinn. Ja, da könnte man ja doch ganz rein bis auf den letzten Tropfen zerfließen vor lauter Ehrfurcht und Achtung, von der das arme erstaunte Herz für Dich, o Herr, ergriffen wird. Daher kann von meiner ersten Stellung, die sich gar so furchtlos gestaltete, wohl keine Rede mehr sein.

10 Siehe, als ich noch auf der Welt, und zwar in der schlechten Wienerwelt ein, wie man's in Wien sagt, schlawutzig's Menschl machte, und um's Geld, und um ein gemüthlich's Wörtl für alles zu haben war, da ist auch oft ein recht sehr großer Herr zu mir gekommen, und ich hatte keine Furcht vor ihm, weil ich nicht sah seine glänzende Umgebung, und seine Macht; aber so ich dann und wann zu einem solchen recht großen Herrn etwa gar in seine Amtsstube kam, ja, da konnte ich nicht mehr so furchtlos vor ihm sein, als so er in seiner Einfachheit bei mir war, wo er auch sehr einfach aussah. Man solle hier zwar so einen schmutzigst sündhaften Vergleich nicht aufstellen, da dieser Ort zu heilig ist, aber weil er schon gar so richtig herpaßt, so konnte ich nicht umhin, ihn hier aufzustellen. Herr, Vater! Du wirst mir deßhalb ja doch etwa nicht gram werden?"

11 Rede Ich: „Nicht im allerentferntesten Sinne, denn über deine Sünden haben wir schon lange die Rechnung abgeschlossen; aber darum gelten bei Mir deine Entschuldigungen eben nicht gar viel. Was du nun fühlst, und noch ferner fühlen wirst, so du noch größerer Wunder gewärtig wirst, das weiß Ich wohl am allerbesten; aber das weiß Ich auch, daß es geschrieben stehet: Seid vollkommen, wie auch euer Vater vollkommen ist im Himmel! Wie möglich aber kann das ein Kind, so es vor dem Vater einen noch größern Ehrfurchtsrespekt hat, als ein Hase vor dem Donnergebrüll eines Löwen?"

159. Kapitel: Gleichnis vom Kunstmaler und seinen Schülern. Helena bleibt immer noch furchtsam. Jesu liebweise Belehrung macht sie wieder frei zur himmlischen Liebe.

01 „Siehe, du hast Mir ehedem aus deiner schlabutzigen irdischen Lebenszeit ein gar nicht schlechtes Gleichniß vorgeführt, das da deine Furcht entschuldigen solle, die du nun vor Mir hast; Ich werde dir aber dagegen auch ein anderes Gleichniß erzählen, und wir werden sehen, wie sich die Sache, die Ich von dir verlange, darinnen ausnehmen wird. Höre:

02 „Es gab einmal auf der Erde einen großen Meister in der Malerei, dessen Bildern wahrlich nichts abging als das Leben, auf daß die dargestellte Sache auch zur vollsten Wahrheit würde. Dieses Meisters Werke zogen aus allen Gegenden der Erde eine große Menge Bewunderer herbei, und unter diesen Bewunderern auch so manches Talent, das sich bei dem großen Meister gerne ausbilden möchte; das freute den Meister, und er bot auch alles auf, um aus den jungen Talenten etwas zu machen;

03 aber unter den vielen Kunstjüngern dieses Meisters waren Einige, mit nahe den besten Talenten begabt, welche aber vor der unübertrefflichen Kunstgröße ihres Meisters einen so ungeheuren Respekt hatten, und eine derartig große Achtung, daß sie es nur mit größter und demüthigster Selbstverläugnung kaum wagten, einen Pinsel zur Hand zu nehmen; denn sie glaubten es einzusehen, daß da alle ihre noch so große Mühe rein vergeblich ist, um ein Atom von der Größe ihres Meisters zu erreichen. Die Andern, minder talentirten aber dachten, und sagten: Wohl wissen wir's, daß unser Meister bis jetzt unerreichbar als einziger und alleiniger in seiner Art dastehet, und wir ihm auch nie s'Wasser reichen werden; aber mit dem Respekte vor seiner Kunst wollen wir's dennoch nicht gar so weit treiben, daß wir darob uns nichts zu malen getrauen, wir wollen im Gegentheile ihm sehr zugethan sein, und von ihm lernen, so viel wir nur immer im Stande sind. Das wird ihn gewiß noch mehr freuen, als so wir blos als stumme Bewunderer in seinem Kunstatelier von einem Werke zum andern ganz zerknirscht kriechen würden. Denn es muß dies ja auch ein Lob des großen Meisters sein, wenn Tausende, von seinen großen Kunstwerken hingerissen, sich nach der Möglichkeit ihrer Kräfte beeifern, dem großen Meister in Einem oder Anderem näher zu kommen. Und siehe du, Meine liebe Helena, die Ersten von zu großer Ehrfurcht Hingerissenen lernen von dem großen Meister wenig oder nichts, während sich die Anderen durch ihren Fleiß und Eifer unter der Leitung des großen Meisters zu ganz tüchtigen Künstlern heranbilden.

04 Sage Mir nun so ganz nach deiner Meinung, welcher von diesen zweien Jüngergattungen wird der Meister den Vorzug geben? den zu Ehrfurchtsvollsten, oder den weniger Ehrfurchtsvollen, aber desto eifrigern Nachahmern seiner Kunst, für die ihr Herz glüht?

05 Oder wer wäre denn dir lieber für dich, Einer, der von deiner Schönheit so niedergedrückt ist, daß er sich um keinen Preis den Muth zu nehmen getraute, dir seine Liebe zu bekennen, sondern blos einen sich in einer gewissen Entfernung haltenden stummen Bewunderer macht? oder Einer, den deine Schönheit wohl zur Liebe sehr anfacht, er aber darob dennoch seiner Sinne mächtig bleibt, und den Muth hat, dir zu gestehen, daß er dich unbeschreiblich liebt! Sage Mir da deine Ansicht."

06 Spr. die Helena: „O Herr, die Zweiten, die Zweiten! Ich ergebe mich schon ganz; denn ich sehe nun meinen Irrthum schon ein." (Am 16. Jan. 1850)

07 Rede Ich: „Nun gut; so du deinen Irrthum einsiehst, was wirst du dann Mir gegenüber thun? Wirst du wohl wieder so zutraulich sein, als ehedem bald nach deiner Erlösung vom Joche deines geistigen Todes?"

08 Spricht die Helena etwas stotternd: „Hm soll freilich, a - b - er hm, wenn Du nur nicht gar so entsetzlich heilig wärest! Wenn ich bedenke, daß Du - Gott der ewig Allmächtige, Heilige und Allweiseste bist, und ich eigentlich nichts als blos nur so ein allerkleinstes Gedankenfünkchen aus Dir bin, da kommt mir so eine ungeheure Ehrfurcht vor Dir, von Deinen heiligsten Augen entgegen, daß ich in was für eine tiefste Tiefe vor Dir versinken könnte.

09 Du siehst zwar wohl so sanftmüthig aus, als wie ein allerfrömmstes Lämmchen, und so herzensgut wie eine Großmutter, so ihr ihre liebsten Enkerl die Hände abküssen, aber große Stürme, Blitz, Hagel und Donner und eine Menge erschreckliche Dinge mehr kommen denn doch wohl auch so manchmal aus Deinen allerholdseligsten Augen über die ganze Welt, zum alle Menschen erschreckendsten Vorscheine. Und siehst Du dem Außen nach auch gar nicht kräftiger aus als etwa unser eins, aber die hübsch passabl großen und sehr vielen Weltkugerln, besonders die lichten (Sonnen), mit denen Du noch viel leichter so zu sagen spielest, als ein geschaffener Mensch mit Erbsen, sagen mir so ganz heimlich: Der Allmächtige sieht wohl aus wie ein Mensch; aber Er ist dennoch ganz was anderes als ein Mensch, und Spaß versteht Er schon gar keinen; Er ist wohl unendlich gut denen, die Er liebt; aber mit jenen, die sich Seine Ordnung nicht wollen gefallen lassen, diskurirt Er ganz anders.

10 „Und solche Gedanken mehr dringen sich ganz ungebeten meinem Herzen auf, und ich kann dann freilich nicht dafür, daß sich meines Wesens stets eine größere Ehrfurcht vor Dir bemächtigt! - - Ja, ich möchte es sogar behaupten, daß Du Selbst als Gott nicht einmal so recht geschöpflich begreifen und wahrnehmen kannst, was ein schwaches Geschöpf fühlen muß, so es sich vor Dir befindet. Dir ist es sicher ein wahrer Spaß, vor Trillionen Deiner Geschöpfe zu stehen, und sie ganz frei nach Deiner göttlichen Lust zu lieben; aber wir Geschöpfe können das nur mit einem geheimen Ehrfurchtsschauder.

11 Wenn ich mir's getrauete, wie ich's möchte, da könnte ich Dich freilich, wie man so zu sagen pflegt, rein zu Tode lieben, und mich in Dich so ganz ordentlich hineinverbeißen. Aber - ja, da ist ein ungeheures aber dazwischen!"

12 Rede Ich: „Aber schau, schau, was du nun für ein grundgescheites Wesen bist; Ich werde bei dir schon noch müssen Unterricht nehmen; aber schau, schau, du furchtsames Lapperl, wenn Ich nicht fühlen könnte, was du als ein Geschöpf zu fühlen vermagst, so du vor Mir deinem Schöpfer stehest, von wem Andern könnte dir denn überhaupt ein Gefühl eingepflanzt sein? Schau! Ich habe dich ja ganz, und nicht halb erschaffen! Aber Helenerl, jetzt hast du wohl einmal wieder einige Ueberbleibsel aus deiner Wiener Weisheit hervorgeholt!

13 Schau du, Mein allerliebstes Helenerl, auf der Welt hast du öfter gesagt: Nur keinen schwachen Mann! Wenn der Mann nicht auf einen Streich einen Ochsen niedermacht, so möcht' ich ihn gar nicht zu einem Manne. Aber nun hier im Geisterreiche möchtest du etwa gar einen fliegenschwachen Herrgott haben. Schau, schau, zu was wär' denn so ein schwacher Herrgott gut? Der Herrgott muß ja allmächtig sein, und über alles weise, sonst müßte Er ja samt dir zu Grunde gehen. Nun, was meinst du denn jetzt, bin Ich noch so fürchterlich, oder vielleicht etwa doch nicht?"

14 Hier fängt die Helena wieder an zu schmunzeln, und sagt nach einer etwas schämigen Weile: „Na, aber Du liebster himmlischer Vater, kannst aber einem schon so zureden, daß man am Ende richtig alle übertriebene Furcht vor dir verlieren muß. Aber jetzt sollst Du von mir aber auch geliebt werden ohne Maß und Ziel." - Sage Ich: „Nun so komm her an Meine Brust, und mache deinem Herzen Luft!" (Am 18. Jan. 1850) Die Helena besinnt sich gar nicht mehr, und fällt mir an die Brust, und bedeckt diese mit einer großen Masse von Freudenthränen, Liebeseufzern und Küssen.

160. Kapitel: Pater Cyprian nimmt Ärgernis an Helenas stürmischer Liebe. Jesus überführt ihn seines pfäffischen Neides. Gewaltige Donnerworte gegen Priesteranmaßung. Cyprian geht in sich.

01 Als sie (Helena) eine gute Weile so an Meiner Brust in ihrer Liebe höchstem Enthusiasmus schwelget, so kommt der Pater Ciprian etwas näher hinzu, und sagt: „No, no, ich glaube, die will Dich schon ganz allein besitzen! was wird denn hernach auf uns überkommen? Diese Robertus-Gemahlin scheint Dich, o Herr, nicht nur über alles zu lieben, sondern sie ist in Dich ganz eisen- und nagelfest verliebt, und das scheint mir denn doch ein bischen zu viel zu sein. Siehe, die allerseligste Jungfrau und noch eine Menge hier anwesende seligste Jungfrauen und andere Frauen lieben Dich sicher auch über alles, aber solche Spanbonaden machen sie denn doch nicht. Du bist zwar der Herr, und ich werde Dir ewig nichts vorschreiben; aber etwas sonderbar kommt mir diese Geschichte doch vor; denn die verbeißt sich ja förmlich in Dich. Nein, so ein verliebtes Ding habe ich aber doch in meinem ganzen Natur- und Geistesleben nicht gesehen. Sie giebt noch nicht nach."

02 Rede Ich: „Gelt - das nimmt dich wunder, und es wandelt dich auch zugleich so ein kleiner Aerger an; aber Ich sage dir: Es ist nicht gut dem, der an Mir ein Aergerniß nimmt, und wieder sage Ich dir's: Wer mich nicht liebt wie diese Helena, wahrlich, der wird an Meinem Reiche einen ganz geringen Antheil haben!

03 Liebtest du Mich auch wie diese, so würde dich ihre Liebe nicht ärgern und dir nicht übertrieben vorkommen; aber da du an der wahren Liebe viel ärmer bist denn diese da, so ist dir ihr großer Reichthum ein Dörnchen in deinen Augen, und dich genirt darum ihre große Liebe. Aber was dabei Mich Selbsten betrifft, so sage Ich dir, daß Mich ihre große Liebe nicht im geringsten genirt; aber deine Bemerkungen haben Mich wahrlich ein wenig zu geniren angefangen.

04 Daß da die Mutter Maria, und noch eine Menge andere Weiber ihre innere inbrünstige Liebe zu Mir nun hier im Paradiese nicht auf eine also offenbar auffallende Weise äußern, liegt der Grund darinnen, weil sie als schon lange rein himmlische Wesen dieselbe Liebe innerlich in sich bergen, die diese Helena nun äußerlich erscheinlich kund thut. Nun weißt du genug, und trete ein wenig in den Hintergrund, da sonst diese ihrem Herzen nicht den Mir erwünschtesten freien Lauf lassen könnte."

05 Spricht der Franzsk. noch ein wenig verweilend: „Herr! so aber mein Herz zu Dir in aller Liebe auch so heftig sich entzünden möchte, als wie das dieser Helena nun, werde ich da auch noch im Hintergrunde zu verbleiben haben, oder verweilen müssen?"

06 Rede Ich: „Die wahre Liebe ist hier der allein gültige Maßstab, nach dem es bemessen wird, wie nahe sich jemand bei Mir befinden kann. Hast du eine rechte von allem Eigennutze freie Liebe, da bist du Mir auch am nächsten; je mehr Fünklein aber aus deinem Herzen emporsprühen, die da zucken nach Eigennutz, desto weiter kommst du dann von Mir zu stehen!

07 Siehe, die römischen Bischöfe halten nun Sitzungen auf der Erde über ihre kirchlichen Dinge, als da sind Geld, Ansehen, Konzessionen über noch weitere und fernere Verfinsterungen der Menschen; dazu treibt sie der Eigennutz, und sie sind daher ungeheuer ferne von Mir, und ihre Sitzungen werden fruchtlos, und ihr Rath unnütz sein und bleiben, und das darum, weil sie sich ein Vorrecht bei Mir anmaßen, und Ich sage dir: Diese sind die allerletzten.

08 Wer da vorgiebt, daß er Mich liebe, ist aber dabei um Meine Liebe, über die Ich alleine Herr bin, Andern neidig, der ist Mein Freund nicht, und Meiner Liebe nimmer Werth! Und wer da sagt: Nur durch diese oder jene bußfertige Weise kannst du dich der Liebe Gottes und durch sie des ewigen Lebens versichern, der ist ein Lügner, und gehört zu seines Gleichen in die Hölle. Denn Ich bin ein Herr, und liebe, wen Ich will, und bin gnädig, wem Ich will, und mache selig, wen Ich will, und binde Mich nie an eine gewisse von herrsch-, ehr- und selbstsüchtigen gemästeten Profeten erfundene, und die schwache Menschheit in schwersten Ketten aller Knechtschaft haltende Art und Weise. Wehe allen Solchen, - die Meine Liebe an die Menschheit auszuspenden - als dazu angeblich allein das Recht habend - sich erfrechet haben; ihr Recht solle ihnen bald ganz enorm verkürzt werden; und sie werden es ehestens mit allen Laternen suchen, und doch keines mehr finden.

09 Und siehe, du Mein Fr. Cipr., gleich wie die römischen Bischöfe nun auf der Erde ihre löblichen Sitzungen und Berathungen halten, durch die sie nichts als blos nur ihre alte Herrlichkeit, Macht und Glanz reservirt haben, während ihnen um das wahre Heil Meiner Völker noch beiweitem weniger gelegen ist, als dir um den Schnee, der 1000 Jahre vor Adam der Erde gemäßigten Zonen ein weißes Kleid lieh, eben so ist in dir auch noch etwas echt Römisch-katholisches, das dieser Meiner lieben Tochter Meine Liebe beneidet, und dein Herz deßhalb mit einem geheimen Aerger erfüllet, und darum sagte Ich auch zu dir, daß du darob in den Hintergrund zurücktreten sollest, weil dein Neid und dein Aerger diese Meine liebe Tochter in ihrer Liebe zu Mir beirret. Aber gebieten will Ich es dir darum dennoch nicht, weil du vor Mir auch schon einige Proben von einer etwas geläuterten Liebe abgelegt hast. Kannst du bleiben, so bleibe; gestatten dir aber dein geheimer Neid und Aerger das Bleiben nicht, da gehe!"

10 Der Frzsk. macht dabei ein ganz trübes Gesicht, und sagt so mehr bei sich: „Nein, so strenge hatte ich mir Ihn nimmer vorgestellt! Du mein Gott und mein Herr, was wird denn aus mir, so Er mir die Thüre weiset? Ja, ja, Er hat ewig recht, an uns römisch-katholischen Pfaffen ist kein gutes Haar vorhanden. Aber was wird aus uns, was mit uns, so Er uns gehen heißt? In den Hintergrund solle ich zurücktreten; wo ist dieser? Was hat vor Gott dieß ominöse Wort zu bedeuten? Aber ich kann ja auch bleiben, sagte Er auch. Bin ich aber auch geeignet, zu bleiben? Bin ich frei vom Neide und Aerger? Nein, leider nein, ich bin noch stark ein Pfaffe, aber es soll, es muß anders werden! Ja, ja, der Herr sagte mir auch früher einmal, daß die Menschen ihrer Seele und ihrem Leibe nach aus dem gefallenen und gerichteten Satan sind, und das entsprechend aus einem oder dem andern Theile des Fürsten der Lüge; ich werde sicher aus dessen Hörnern sein, weil in meinem Herzen sich stets von Neuem nichts als lauter abstoßendes Zeug beurkundet; und noch andere Dinge werden aus seinem bösesten Herzen selbst sein, weil sie aus nichts, als Neid, Geiz, Herrschsucht, Hochmuth und aus noch einer Menge dergleichen Teufeleien zu bestehen scheinen. O Herr! treibe auch bei mir den Satan aus!"

11 Sage Ich: „Nun kannst du schon wieder hier beim Ludwig und seinem Freunde verbleiben; bespreche dich aber unterdessen mit deinem Kollegen Thomas und seinem Freunde Dismas, die werden dir das Teufelsrestchen schon austreiben!"

12 Der Ciprian thut nun das viel heiteren Angesichtes; Ich aber berufe den Robert zu Mir.

161. Kapitel: Wunderbare Verwandlung der Seelenkräfte durch die Macht höchster Liebe. Robert empfängt das Kleid der Unsterblichkeit und seinen himmlischen Namen. Der Engel Sahariel als Führer.

01 Als der Robert schnell von übergroßer Liebe bemeistert zu Mir kommt, und eine beinahe Davidisch ausgelassene Freude darüber hat, daß seine Helena vor Mir so viel Gnade gefunden hat, da verschwinden auf einmal alle die Grabmäler, und an ihrer Statt steigen mächtige Lichter empor, gleich aufgehenden Sonnen; und diese erheben sich in einer allerlieblichsten Ordnung, aufwärts und aufwärts schwebend, bis sie wie am hohen Himmelsgewölbe als starkleuchtende Sterne allererster Größe in den herrlichsten Gruppen Ruhe nehmen.

02 Nach einer Weile voll Staunens aller Anwesenden kommt aus der Höhe herabschwebenden Fluges ein sehr leuchtender Geist, und bleibt auf derselben Stelle stehen, wo ehedem die bekannte Piramide stand, ein himmelblaues mit vielen leuchtenden Sternen besetztes Faltenkleid in seiner Rechten haltend.

03 Alle die neuen Ankömmlinge überrascht diese Geschichte so, daß sie sich vor lauter Ehrfurcht kaum zu athmen getrauen; der Robert selbst, der sich erst vor wenig Augenblicken vor lauter Heiterkeit kaum zu helfen wußte, steht nun ganz perplex, wie man sagt, vor Mir, und getraut sich kaum die Zunge zu rühren, geschweige erst um etwas über diese Erscheinung zu fragen; nur die Helena, zwar auch voll Staunens, faßt den Muth, und fragt Mich: „Was denn dieß um Meinetwillen doch zu bedeuten hätte?"

04 Und Ich sage darauf: „Siehe, Meine Tochter, dieß alles kommt aus dem Fleische deines Roberts; und siehe, der Engel dort hat daraus ein Gewand zusammengefaßt, und hat es auf Mein Geheiß nun dem Robert wie aus den Himmeln überbracht. Zur Erreichung dieses Hauptzweckes hast aber du nun auch sehr viel beigetragen; denn die große Liebemacht deines Herzens half sehr das Fleisch auflösen und reinigen; und daher gehe du denn nun auch zu dem Engel hin, und führe ihn hierher, auf daß er vor Meinen Augen das Himmelsgewand dem Robert überreiche und anziehe. Denn das ist schon ein wahres Kleid zum ewigen Leben."

05 Die Helena, ganz entzückt über diese Erscheinung, und noch mehr über Meinen erläuternden Antrag, eilt schnell zum leuchtenden Engel hin, und bittet ihn, mit ihr zu Mir hin sich begeben zu wollen. Und der Engel zieht auch sogleich mit ihr zu Mir hin. Als er bei Mir anlangt, macht er eine ehrerbietigst tiefe Verbeugung, und überreicht das Kleid freundlichsten Angesichtes dem beinahe vor Liebe und Ehrfurcht zerfließenden Robert, der sich aber auch in dem Augenblicke schon angekleidet erschauet, als ihm der Engel das Kleid überreichet.

06 Als Robert nun also mit dem Kleide der Unsterblichkeit angethan vor Mir stehet, frage Ich ihn, sagend: „Nun, Freund und Bruder Robert Uraniel! wie gefällt dir dieses Gewand? und wie kommt dir überhaupt diese Verwandlung vor?" Spr. Rob. Uraniel: „Herr, Du alleiniger der höchsten und reinsten Liebe vollster heiliger Vater! Ich habe es dann und wann schon auf der Erde freilich nur ganz dumpf empfunden, daß es im Verlaufe des reinern Lebens manchmal Augenblicke giebt, die des Menschen Zunge verstummen machen; ja selbst die Gedanken stehen stille, - und können sich bei so manchen wunderbaren Begebnissen nicht um ein Haar breit weiter bewegen; und wollte man darüber auch etwas sagen, so findet man keine Worte. So es aber schon auf der gerichteten Erde solche Momente giebt, deren Außerordentlichkeit einem armen Sünder das Maul stopfen muß, um wie viel mehr muß das hier im Geisterreiche, wo so zu sagen ein außerordentliches Wunder das andere verdrängt, der Fall sein. Daher wirst du, o Herr, nun mir wohl vergeben, daß ich hier vor zu großer Freude und Liebe zu Dir nahe ganz sprachunfähig bin. Diese zu heilig erhabenste Sache ist zu plötzlich gekommen, als daß ich darüber mich sogleich fassen könnte, aber so Du, o heiligster Vater, mir eine kleine Weile zur nöthigen Fassung gönnen wolltest, so werde ich dann über alles das doch etwa ein nüchterneres Wörtchen zu Wege bringen."

07 Rede Ich: „Nun gut, so gehe du mit diesem Engel; er wird dir nun dieses ganze Museum als wirklich wahrhaftiges Museum zeigen; am Ende aber komme wieder hierher, und sage es Allen, was alles du in diesem großen Museum gesehen und gehört haben wirst; auf daß du aber desto eher mit der Mühe fertig wirst, so sollst du an der Seite dieses Meines Engels mit einer wahrhaft geistigen Bewegung wandeln; diese Bewegung aber ist jene Schnelle, von der du auf der Welt schon oft gesprochen hast, und nanntest sie des Gedanken Flug." (Mich an den Engel wendend:) „Sahariel! siehe an deinen Bruder Uraniel, führe ihn durch diese Wunder seiner Seele, und zeige ihm auch seine erste Erde, von der auch du ausgegangen bist! - Es sei, und es geschehe!" (Am 21. Jan. 1850)

08 Und der Sahariel spricht zum R. Uraniel: „Komme Bruder, und schaue und lerne und bewundere des Vaters endloseste Weisheit!" Und sogleich erheben sich Beide, und verschwinden im Augenblicke vor den Augen Aller, die hier als mit Robert Uraniel Neuangekommene anwesend sind.

162. Kapitel: Helenas Fragen an Jesus nach dem Wesen und den Bewohnern der Hölle. Jesus Antwort durch ein lebendes Beispiel. Cado, ein Höllenbürger.

01 Es sieht sich aber auch die Helena nach dem Robert Uraniel um, und da sie ihn nirgends ersieht, so fragt sie Mich gar überaus sanft, wohin nun der Robert mag entschwunden sein samt dem Engel, der ihm das Sternengewand aus dem Himmel gebracht hat.

02 Ich aber frage noch sanfter die Helena, ob es ihr bange sei um den Robert Uraniel? - Und sie erwidert (Helena:) „O Du heiligster süßester Vater! wie könnte mir das sein an Deiner von der heiligsten, höchsten und reinsten Liebe erfüllten Brust? Wohin könnte Robert auch gelangen, daß er Deinen Augen unsichtbar würde? Wer aber im Lichte Deiner Augen wandelt, der verirrt sich sicher ewig nimmer, und kommt wieder begleitet von einer heiligen Freudenthräne aus Deinem Vaterauge; und begrüßt von seiner an Deinem Herzen ruhenden Liebe; o, er wird nun sehr viele und sehr große Wunder Deiner Allmacht, Weisheit und Güte schauen; und so er wiederkehren wird, was wird er uns, die wir in Deinem endlosen Geisterreiche noch ganz und gar nicht bewandert sind, alles für Herrlichkeit zu erzählen wissen! - o das wird recht herrlich sein!"

03 Rede Ich: „Ja, ja, so wird es auch sein; aber was meinst du denn, könnte Ich dir unterdessen etwa nicht auch so einige sehr merkwürdige Wunderdinge erzählen, die vielleicht noch seltsamer wären, als jene, die du nun traulich vom Robert Uraniel erwartest; was meinest du da?"

04 Spr. die Helena: „O liebster heiligster Vater, das könntest Du freilich unendlichmale besser, als alle zahllosen Engel aller Deiner Himmel; aber darum Dich zu bitten - würde ich wohl ewig mir nicht getrauen. Denn du bist da zu endlos groß, mächtig und heilig; und so Du mir etwas erzählen würdest aus Deiner höchst eigenen Gottesgeschichte, so würden wohl etwa Trillionen von Erdjahren erforderlich sein, bis ich etwa nur ein Wort aus Deinem Munde so recht in der Tiefe fassen könnte, obschon ich sehr neugierig wäre, von Dir dem Schöpfer aller Dinge, über so Manches etwas zu vernehmen.

05 Von für mein Herz besonders hohem Interesse wäre es, von Dir zu erfahren, worin etwa doch das bestanden haben mochte, was Du o Herr, mit Deinen lieben Aposteln nach Deiner heiligsten Auferstehung magst gesprochen haben, daß darüber der Evangelist Johannes sagte (Joh. 21,25): Du habest aber noch vieles mit ihnen geredet, was er nicht aufgezeichnet habe; denn hätte er es auch aufgeschrieben in viele Bücher, so würde sie die Welt doch nimmer fassen und begreifen mögen! ich habe auf der Erde einst von einer luthrischen Freundin das Neue Testament zum Lesen bekommen, und muß es hier zu meiner Schande gestehen, daß mir nichts so sehr meine Neugierde unbefriedigt gelassen hat, als eben diese nun erwähnte Schlußbemerkung des Ap. Johannes. Ja, so Du, o heiligster Vater, mir darüber irgend eine Erleuchtung möchtest zukommen lassen; o da mußt Du ja ganz entsetzlich wunderbare Sachen Deinen lieben Aposteln kund gethan haben."

06 Rede Ich: „Ja freilich wohl, Du Meine liebste Helena; aber dieselben Sachen und Geschichten waren dir so großartig und tief, daß du sie auch in der Geisterwelt unmöglich fassen und begreifen könntest; aber es wird schon noch in der Kürze eine Weile kommen, wo du das alles sehen und verstehen wirst; denn in Meiner großen Himmelshibliothek sind derlei Dinge allergetreuest und bestens aufbewahrt. Wenn du einmal zu dieser Meiner großen Bibliothek gelangen wirst, da wirst du ein vollkommenstes Evangelium zu lesen bekommen! Daher verlange du von Mir nun nur irgend eine andere Geschichte!"

07 Spricht die Helena: „O Du süßester Vater, so erzähle mir etwas von dem Falle des Luzifer; denn das ist auch so etwas, das mir auf der Welt stets dunkel geblieben ist." - Rede Ich: „Meine Aller- liebste! auch das wäre etwas zu früh noch für dein Herz; denn diese Geschichte würde dich zu sehr angreifen! darum wähle dir lieber etwas anderes!"

08 Spricht die Helena: „O heiligster liebster Vater! so sage mir denn, da Du mich schon aus Deiner höchsten Liebe aufgefordert hast, Dich um etwas anderes zu fragen, was es denn da mit der Hölle, von der aus der Erde von den Geistlichen beiweitem mehr als von den Himmeln geprediget wird, für eine Bewandtniß hat, und wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt? Oder giebt es eine Hölle, oder giebt es keine? Denn sieh, Du liebster und heiligster Vater und Herr und Gott Jesus! ich war auf der Welt doch gewiß schlecht genug, ein schlawutzigs Wiener Früchtl, wie man nur eines suchen kann; 10 000 Liguorianer, so sie mich gekannt hätten, samt dem Papste und samt allen andern Geistlichen hätten mich ohne alle Gnade und Barmherzigkeit in die Hölle festweg verdammt; ich muß es wahrlich jetzt noch zu meiner großen Schande eingestehen, daß ich sie deshalb gar nicht einmal eines Unrechtes in meinem Herzen hätte beschuldigen können; und trotz aller meiner Schlechtigkeit bin ich nun dennoch seligst hier bei Dir, mein Gott und mein Herr! Und so dürften noch so Manche hier in Deiner heiligsten Gesellschaft sich des ewigen seligsten Lebens freuen, von denen auf der Erde so mancher Erzpapist sagen würde: Nein, das ist denn doch zu arg! Diese Kerls sind denn doch schon sogar für die Hölle zu schlecht; und siehe, sie sind hier in Deinem Heiligthume, freuen sich ihres Daseins, und loben in ihrem Herzen nun zarten Lämmern gleich Deine unendliche Güte, Weisheit, Macht und Stärke! Wie schlecht müssen sonach Jene sein, die da in die Hölle kommen, so es überhaupt eine giebt!"

09 Rede Ich: „Meine allerliebste Helena! sieh', diese deine Frage ist nicht ganz ohne Interesse, und die Beantwortung wird nicht ohne Nutzen sein; aber anstatt dir darüber ein Langes und Breites zu erzählen, werde Ich dir so ein höllisches Individuum vorführen lassen, das nun gerade auf dem Sprunge ist, in die Hölle zu kommen, und auch sicher und zwar in die unterste Hölle kommen wird. An diesem argen Wesen wirst du am allereinleuchtendsten ersehen, wer so ganz eigentlich in die Hölle kommt. Denn es giebt eine Hölle, die in 3 Grade geschieden ist; und da ist der unterste der allerschlimmste; und du wirst Mich dann loben, so du ersehen wirst, wer, wie und warum - in die Hölle kommt. Fürchte dich aber nicht; denn der Arge wird sogleich da sein."

163. Kapitel: Auftrag an Petrus und Paulus, als Beispiel höllischer Art den einstigen Beduinenhäuptling Cado vorzuführen. Vergebliche Liebesmühe des Petrus um Gewinnung des frechen Geistes. (Am 27. Jan. 1850)

01 Ich berufe darauf Petrum und Paulum zu Mir, und sage zu ihnen: „Ihr Beiden gehet hin, und bringet Mir den Kado, der vor 14 Erdtagen in diese Welt kam, hierher; es ist für's Erste sein Wunsch, und für's Zweite, damit diesen neuen Brüdern auch der leiseste Schimmer von der Meinung benommen werde, als stecke da hinter Mir trotz aller Meiner Liebe etwas despotisch Tirannisches. Also gehet hin, und bringet ihn!"

02 Die Beiden verschwinden nun urplötzlich, und sind aber in diesem Momente schon auch bei dem berüchtigten Kado. Als sie sich also wie aus den Wolken gefallen plötzlich bei ihm befinden, so prallt er förmlich zurück und schreit: „Alle Teufel! was sind denn das für zwei Bestien mit Menschen-Larven? Wahrscheinlich so ein paar lumpige arme Schlucker schon wieder! O du verfluchtes Bestienvolk, das wird mich noch an den Bettelstab bringen!"

03 Spricht Paulus: „Freund! wir kommen nicht, um von dir irgend ein Almosen zu erbetteln, oder irgend ein Geld zur Leihe zu nehmen; denn dergleichen bedürfen wir nicht, da uns ohnehin alle Schätze der Himmel und der Erde zu Gebote stehen; aber etwas anderes haben wir mit dir vor, was dir viel heilsamer wäre, denn alle Schätze der Erde, und das besteht darin, dich, so noch möglich vor dem ewigen Tode in der Hölle zu retten. Denn du warst auf der Erde ein vollendeter Teufel in Menschengestalt, und sonach ein schon ganz höllisches Wesen, und stehest nun in der Geisterwelt auf dem Sprunge zur untersten Hölle, und eigentlich deinem Innern nach schon lange in ihr; so du es aber nun noch willst, so haben wir die Macht und das Vermögen, dich davon zu retten; aber du mußt uns folgen, und alles das willigst thun, was zu thun wir dir anrathen werden."

04 Spricht Kado: „Was! - was - was - faselt ihr zwei Hauptspitzbuben da?! Bin ich denn je gestorben? bin ich nicht mehr auf der Erde etwan im Besitze aller meiner Güter, meines Goldes und Silbers? O ihr feinen schwarzen Jesuitenkanaillen! auf welch eine feine Art ihr mir einige Goldstücke herauslocken möchtet für einen Himmel, den es nirgends giebt, und mich erretten von einer Hölle, die nichts als eine Erfindung hungriger und arbeitsscheuer Pfaffen ist. Sehet, daß ihr weiter kommet, sonst rufe ich alle meine Hausteufel zusammen, und lasse euch mit meinen bösesten Hunden hinaushetzen. Da schaue man einmal solche Lumpen an! von der Hölle retten, und den Himmel verschaffen könnten sie Einem um's Geld! Schaut's, daß ihr weiter kommet, sonst werde ich euch sogleich Himmel und Hölle austreiben!"

05 Spricht Paulus: „Freund! solche Rede aus deinem Munde ficht uns nicht an, und, wie du es leicht merken kannst, wir haben keine Furcht vor dir; aber das sei dir gesagt, so du uns nicht gutwillig folgest, da wirst du unsere Gewalt zum Verkosten bekommen; denn für das ist schon gesorgt, daß dir auf dein Rufen keine Teufel zu Hülfe kommen, und deine bösen Hunde uns nicht beißen werden. Wir wissen es übrigens sehr wohl, wie du auf der Erde zu deinem großen Reichthum gekommen bist; da waren wohl eine schwere Menge hungriger Teufel in deinen Diensten, und ein Heer großer reißender Hunde umlagerten dein Schloß, fielen Reisende an, hielten sie fest, bis deine Hausteufel kamen, und sie um ein bedeutendes Lösegeld von den Bestien befreiten; wohl bist du öfter geklagt worden; aber die Kläger richteten nichts aus, weil die Richter in deinem Solde standen! O wir könnten dir von deinen Räubereien vieles erzählen, so hier der Ort dazu wäre; aber am rechten Orte wirst du deine unmenschlichsten Gräuelthaten alle vor dir erschauen, und es wird sich da zeigen, ob du vor ihnen einen Abscheu, und eine wahre Reue bekommen wirst. Wirst du das, so bist du noch zu retten; wirst du aber das nicht, so ist die unterste Hölle dein Antheil! - und nun komme mit uns gutwillig, sonst werden wir Gewalt brauchen!"

06 Schreiet Kado: „Ihr Hunde! ihr wollt mir Gewalt anthun; alle Teufel herbei! wir wollen sehen, wie weit ihr mit eurer Gewalt ausreichen werdet!" Er harret eine Weile unter gräßlichem Zähneknirschen auf seine Hausteufel; aber es kommt Niemand, und kein Gebell irgend eines Hundes läßt sich von irgend woher vernehmen; auch sein Schloß, das er bisher noch immer, wie auf der Welt, als sein vermeintliches Eigenthum vor sich sah, samt den Gärten und Aeckern, Wiesen und Waldungen, fängt an sich ganz neblich zu gestalten, und zu verrinnen gleich einer Eisrosette auf einer Glasscheibe, so sie von einer erwärmten Luft bestrichen wird.

07 Als er solches nur zu ersichtlich zu merken beginnt, da schreiet er auf: „Verrath, Verrath, ihr elenden Hunde, ihr habt mir etwas angethan, fort mit euch! weichet von mir, ihr Hunde! bei allen Teufeln; ich will euch nicht folgen; ihr seid ein paar Zauberer; ihr habt meine Sinne verhexet, meinen Augen habt ihr Gift eingestreuet! Hinweg, hinweg von mir, ihr Höllenhunde!"

08 Bei diesen letzten Ausrufen aber befindet sich Kado schon vor Mir und der Helena, wie auch vor allen den andern Gästen, ohne aber außer Petrum und Paulum uns zu sehen, die Helena erschrickt vor ihm, indem er vor Zorn förmlich glüht und dampft; aber Ich stärke sie, daß sie ihn ruhiger betrachten und behorchen kann. Ich aber gebe nun Peter den Wink, mit dem Kado einen Bekehrungsversuch zu machen, und ihn auf Augenblicke paradiesische Parthien schauen zu lassen.

09 Petrus beginnt sogleich äußerst weise gar sanfte Worte an den Kado zu richten, und sagt: „Freund Kado, sei vernünftig! sieh', die Erfahrung aller Zeiten muß dich ja belehret haben, daß auf der Erde alle Güter eitel und nur zu sicher und zu bald vergänglich sind, und daß am Ende der Reichste, wie der Aermste das ganz gleiche Loos des Sterbens miteinander vollends ungeschmälert theilen; alles Fleisch muß sterben, wie alle Materie vergehen; nur der inwendige Geist bleibet unverwüstbar. Sieh, du bist gestorben dem Leibe nach, und lebest nun nur in deiner mit Geist erfüllten Seele unverwüstbar fort; hänge daher nicht mehr an dem, was für dich wie für Jeden, der das Zeitliche verlaßen mußte, für ewig vergangen ist. Bekenne aber deine großen Weltschulden vor uns, und wir wollen für dich Zahler sein, und dich dann aufnehmen in unsere bessere, wahre und für ewig beständige Welt, in der es dir ewig nimmer an was immer gebrechen solle. Da sehe hin gen Morgen; alle jene herrlichen Ländereien und Paläste sind unser, und du sollst sie haben; aber deine Schulden mußt du uns bekennen, auf daß wir sie auf uns nehmen können!" (Am 30. Jan. 1850)

10 Kado sieht flüchtig gen Morgen hin und beschaut die herrlichen Ländereien; nach einer Weile sagt er ganz höhnisch: „Wisset, Mäuse und Ratten fängt man am leichtesten vermittelst eines Köders, und so manche Narren zahlen ein doppeltes Entree ins Theater, so ihnen ein Döbler Nebelbilder zeigt; aber so ein dummer Hecht bin ich nicht, daß ich sogleich in die Angel biße, so an deren Spitze statt einer Goldmücke ein Pfifferling steckt. Glaubst du, dummer Tagdieb, ich werde deinem Blendwerke irgend einen Beifall zollen? O da bist du in großer Irre! Ich weiß es, was und wer du bist, und kenne auch mich sicher sehr genau; so ich nun außer dem Leibe bin, da bin ich um so freier, und werde thun, was mich freuet; aber ein dummer Jude wird mir nie ein Wegweiser sein; verstehst du dieses? Dummster Esel! so du schon solch eine Macht besitzest, mittelst welcher etwa gar alle Berge der Erde vor dir sich verneigen müssen, was hast du denn nach meinen Schulden auf der Erde zu fragen? Bist du so allmächtig und allweise, so wirst du ja doch auch irgend von woher schon lange erfahren haben, worin sie bestehen! Sehe sie an, und berichtige sie dann auch, wenn du schon so eine Lust zum Schuldenzahlen für Andere hast. Was geh'n dich aber überhaupt meine Verbrechen an? Habe ich dich denn um deine je gefragt? Schauet, daß ihr bald weiter kommet, sonst werdet ihr an mir den rechten Teufel finden! Hab' ich euch etwa angerufen gleich irgend einer alten Betsau? Nein, das thut ein Kado, der Schrecken der Wüste Armeniens, nimmer! Denn Kado ist mehr, als was ihr dummen Schöpse euch von eurem Gott Abrahams, Jakobs und Isaaks eingebildet habt. Kado ist ein Herr, und die Erde bebt vor seinem Namen; aber euer Jehova ist ein Bettler, und ein Hauptpfuscher in allen Dingen. Glaubst du, ein Kado kennt etwa den Jehova nicht, und seine ans Kreuz gehängte Jesuspfuscherei? O ein Kado kennt alles, sogar seine ganze Lehre kennt er besser als du, der du sein Fels hättest sein sollen für alle Zeiten; aber der Fels ist anstatt aus der festen Steinmasse aus der Schafbutter angefertigt worden, und daher auch zerronnen; und somit von diesem Felsen auch nichts anderes übrig geblieben bis auf diese Zeiten, als dessen nichtssagender Name, und eine Menge hölzerner Statuen, Bilder und falscher Reliquien! Du bist der Peter, und dein Begleiter ist der etwas gescheidtere Paul, Saul oder Faul; der letzte Name dürfte der ganz richtige sein. Saget mir lieber, was es denn da mit eurem Meister, also in dieser Geisterwelt, für eine Bewandtniß hat. Richtet er noch fleißig die Todten und die Lebendigen? ist er auch so dumm, als wie ihr es da seid?"

11 Spricht Petrus: „Der hat uns eben an dich abgesandt, auf daß wir dich vor dem ewigen Untergange erretten sollen!" - Spricht Kado: „Warum ist Er denn nicht lieber selbsten gekommen? Er hat sich vielleicht bei den jetzt sehr häufig vorkommenden Gerichten verkühlt, und hat darauf einen Schnupfen bekommen, und wird jetzt nicht ausgehen können; daher hat Er euch als seine wahrscheinlich ersten Gesellschafter, die sich schon durch ihren warmen Hauch bei seiner Geburt um Ihn verdient gemacht haben, an mich abgesandt, auf daß ihr auch mich erwärmen sollet durch euren starken Athem. Aber der Kado ist kein Schaf, als wie es der zu Bethlehem in einem Schafstalle geborne Messias der Juden war, darum ihm dann auch seine Landsleute am Kreuze ihre Ehre bezeuget haben. O ihr dummen Schöpse! Meinet ihr denn, daß ein Kado auch so dumm ist, und läßt sich bei der Nase herumziehen, als irgend ein hungriger Jude? O weit geirrt, meine lieben Schafe Gottes. Der Kado ist ein Löwe und ewig nimmer ein Gottesschaf. Versteht ihr das? So ihr zu eurem Meister kommet, so richtet Ihm einen schönen Gruß aus von mir, und saget Ihm, daß es mir sehr leid thut, daß er auf der Erde kein Kado, sondern ein ganz gemeines Schaf war."

12 Spricht Petrus: „Freund! auf diesem Wege wirst du nicht weiter kommen! Dieser dein Weg führt zur Hölle, und zur ewigen Qual aus dir selbst; denn du bist verdorben bis in die innerste Faser deines Lebens! Damit du aber weißt, wer nun Jesus der Gekreuzigte ist, war und ewig sein wird, so sage ich es dir, als einer seiner getreuesten Zeugen: Er ist Gott, der einige und alleinige, der Ewige, ein Herr und Meister, heilig in der ewigen Unendlichkeit! Er allein kann dich erhalten, aber auch fallen lassen für ewig! Sehe noch einmal hin gen Morgen den Himmel offen; sehe aber auch gen Mitternacht der Hölle Rachen weit aufgethan! wohin willst du ziehen? Kein Gott wird dich richten, und kein Engel, und wir Beide auch nicht; aber dein Wille sei dein Richter!"

13 Spricht Kado: „Also dort der sogenannte Himmel, und da gegen Mitternacht die romantische Hölle? so, so, das ist sehr schön! was kostet denn dieses von euch hergezauberte Spektakl? Ihr seid ja ein paar Magier non plus ultra. Saget ihr mir, ist die Hölle alter jüdischer Fasson, oder neu-römisch-katholisch, griechisch, türkisch oder ostindisch? Der Himmel ist persisch."

14 Spricht Petrus: „Kado, Kado! du bist ein frecher Geist, und treibst einen schnöden Unfug mit der unendlichen Güte und Erbarmung Gottes. Sieh', wir sind dir überaus wohlwollend gut, und bereit, dir jeden wahrhaft nach der Ordnung Gottes ersprießlichen Dienst zu leisten, haben dich noch mit keinem nur einigermaßen harten Worte beleidiget, außer daß wir dir zeigten, wie es der Ungerechtigkeit Gottes gegenüber mit dir stehet; und du bist wie ein wüthender Tiger gegen uns blutdürstigst entbrannt! Warum denn das, Freund? sei doch gegen uns in deiner nur zu außerordentlichen Ohnmacht, wie wir im Besitze aller Macht aus Gott gegen dich sind, und wir werden uns leichter verständigen, als dieß bisher der Fall war. Glaube es mir, der ich dich durch und durch kenne, daß es mit dir wahrlich äußerst schlecht stehet; nicht etwa von uns aus, sondern von der bösesten Liebe deines Herzens aus! Du kannst dir ewig nimmer helfen; denn zu verdorben ist dein Herz; aber so du vor uns alle deine Missethaten bekennest, und dadurch dein Herz vor uns aufthust, so setzest du uns dadurch in den Stand, daß wir dein Herz ausfegen können; verschließest du es aber stets mehr vor uns, so wird dein arger Unflath im Herzen erstarren, und es wird dann nimmer möglich sein, dich zu erretten vor dem ewigen Tode! Kado, bedenke doch diese heilsamsten und sicher freundlichsten Worte!"

15 Spricht Kado: „Ich bitte euch, ersparet euch jede fernere Mühe, und ärgert mich nicht vergeblich! Habt ihr es denn nie gehört, daß jene, die schon von Kindheit an gewohnt sind zu herrschen, nimmer gehorchen können und wollen? ihr könnet von mir nur im Wege meiner Gnade und Großmuth etwas erreichen, aber auf dem Wege eures gut sein sollenden Rathes werdet ihr ewig nichts von mir erreichen; denn ein rechter König darf sich niemal rathen lassen, so er für alle Zeiten sein gebieterisches Ansehen behaupten will; Er muß allzeit herrschen."

164. Kapitel: Grundböses Wesen des Cado weist alle Liebe und Bekehrung von sich. Jesus über göttliche Züchtigung. Die Hölle muß sich selbst kurieren. (Am 1. Febr. 1850)

01 Spricht darauf abermals Petrus: „Aber du warst doch durch dein ganzes irdisches Leben kein König, wie kannst du da vor uns sagen, daß du schon von der Wiege an zum Herrschen geboren gewesen wärest? Du bist nichts als ein Beduinenhäuptling gewesen, und das nur in den letzten Jahren deines Lebens; früher warst du ein Schafhirte, und danebst ein getreuer Helfers-Helfer deiner löblichen Vorgänger, und bist erst durch die schmähliche Heirath mit der ältesten Beduinenhäuptlingstochter zum Häuptlinge erhoben worden. Du hast somit auf der Erde gar lange blindlings gehorchen müssen, und hast erst in den letzten Jahren deines Lebens, wie ich schon eher bemerkt habe, eine höchst schnöde Art von einer Herrschaft über dein allerlumpigstes Räubergesindel ausgeübt, und über deine echten Bluthunde; und so meine ich denn, daß dir das Herrschen eben nicht in dem Grade möchte angeboren sein, als wie du es uns ehedem gesagt hast!"

02 Spricht Kado: „Das ist gleich, was ich nicht will, das will ich durchaus nicht! und ihr möget selbst Götter sein, so werdet ihr mich doch so lange nicht auf eine andere Idee bringen, als bis ihr mir ein anderes Herz und einen andern Willen einhauchen werdet. Glaubet ihr denn, daß ich die Hölle fürchte? O, da irret ihr euch sehr an mir! einem allmächtigen Gotte gehorchen kann ein jeder feige Esel; aber einem allmächtigen Gotte den hartnäckigsten Trotz bieten, und alle Seine Weisheit zu Schanden machen, das kann nur ein starker Geist, der keine Furcht kennt, auch vor einem ewigen Schmerze in der ärgsten Hölle nicht; werfet mich in ein kochendes Erz, und ich werde euch im höchsten Brandschmerze dieselbe Antwort ertheilen, die ihr nun hier vernommen habt. Denn groß ist der Geist, der seinen Schöpfer verachten kann, auch unter den größten Schmerzen; denn welchen Dank solle ich dem Schöpfer auch schuldig sein? Ich bin nur dann gegen Jemanden Dankes verpflichtet, so er mir das that, um was ich ihn ersucht habe; den Schöpfer aber habe ich sicher nie ersucht, daß Er mich hätte erschaffen sollen; Er hat es eigenmächtig gethan. Es ist dann Schande genug für Seine angepriesene höchste Weisheit und Macht, daß Er an mir eine barste Pfuscherei von einer Schöpfung zuwege gebracht hat. Oder vielleicht muß ich wegen der Erhaltung des Ganzen gerade so sein, als wie ich bin; und ihr werdet daher weder auf die eine, und noch auf eine andere Art mit mir was ausrichten. Sehet daher, daß ihr weiter kommet."

03 Hier wird Kado ganz schwarz, und seine Gestalt wird enorm häßlich, so daß sich die Helena recht sehr zu fürchten anfängt; seine Augen fangen an wie die eines wüthenden Hundes glühend zu werden, und er macht Miene, die Beiden anzufallen; aber Petrus sagt zu ihm: „Im Namen Jesus des Gekreuzigten gebiete ich dir, daß du dich vor uns ruhig verhaltest, sonst sollst du alsbald die Schärfe des Gotteszornes zum Verkosten bekommen, als wie bald du es wagetest, nur einen Finger gegen uns emporzuheben."

04 Kado bebt nun vor Wuth, und wird in seinem Innersten ganz glühend, äußerlich aber aller Kleidung bar. So steht er häßlichsten Anblickes vor uns, ohne unser jedoch ansichtig werden zu können.

05 Ich frage nun die Helena und sage: „Nun, Meine geliebteste Tochter, was sagst du zu dieser Seele? findest du, daß von Meiner Seite auch nur im Geringsten etwas unterlassen oder unternommen worden sei, was nicht auf ihre Beseligung beabsichtigt wäre? Du sagst Mir in deinem edelsten Herzen ein gewichtigstes Nein! Und also ist es auch; es ist bei diesem Geiste alles aufgeboten worden, was nur immer als ein Meiner Liebe entsprechendes sanftes Mittel gedacht werden kann; aber, wie du dich nun selbst überzeugt hast, ohne den geringsten Erfolg. Dieser Geist wurde sozusagen auf den Händen getragen; starke Engel wurden zu seiner Bewahrung beordert; aber sein Wille, der frei bleiben muß, war stets mächtiger als Meine Liebefesseln, die Ich ihm durch die mächtigsten Engel anlegen ließ; er zerriß sie alle, und spottete ihrer allzeit gräßlich. Es fehlte ihm nicht an der Erkenntniß; er kennt jeden Buchstaben der Schrift, und hatte sogar das Vermögen, mit der gesamten Geisterwelt zu korrespondiren; er kennt Mich und Meine Göttlichkeit, und kann doch Meiner spotten, für ihn ist jeder Herrscherstuhl ein Fluch, so er ihn nicht sein nennen kann, jedes Gesetz ist ein Gräuel für ihn, das nicht er gegeben; er kennt nur seinen Willen, und der Wille eines Andern ist für ihn ein Verbrechen, das er nie zur Genüge rächen könnte! - Sage Mir, was kann da Meine Liebe noch ausrichten bei solch einem Wesen?"

06 Spricht die Helena: „Ach du großer lieber heiliger Vater! so ein Wesen verdient denn doch eine fernere Gnade nimmer von Dir, wohl aber so lange eine gerechte Züchtigung, bis es nicht mehr sich als etwas zu sein dünken, sondern in aller Demuth zum Kreuze kriechen wird."

07 Rede Ich: „Wäre alles recht, so die Züchtigung als von Mir ausgehend nicht auch schon ein Gericht wäre. Denn so Ich irgend die Menschen ihrer großen Bosheit wegen züchtige, so muß die Züchtigung ja so gestellet sein, daß sie so viel als nur immer möglich als eine natürliche Folge der Böswilligkeit erscheint, gleich als so sich Jemand einen Schlag versetzt, der darauf folgende Schmerz als eine nothwendige und ganz natürliche Folge sich darstellen muß, obschon eigentlich von Mir ursprünglich die Natur schon so eingerichtet ist, daß der Schlag auf das Fleisch einen Schmerz nach sich ziehen muß, weil er eine Sünde gegen die bestimmte Ruhe des Fleisches ist. Und so muß jede von Mir ausgehende Züchtigung beschaffen sein, wenn durch sie die Freiheit des Geistes und der Seele nicht untergraben werden solle.

08 Also aber darf auch bei diesem argbösen Geiste keine andere Züchtigung angewendet werden, als die er sich selbst aus seinem höchst eigenen bösen Willen aus der Ausgeburt seiner Liebe geben wird. So er dann aus solch seiner eigenen Schöpfung des Schmerzes satt bekommen, und sich gewisserart selbst ersticken wird in seiner Wuth, dann erst wird es wieder möglich sein, sich ihm auf einem gelinderen Wege zu nahen. Er kommt somit nach und nach in die unterste und allerärgste Hölle, aber nicht etwa von Mir dahin verdammet, sondern durch sein eignes Wollen; denn er erschafft sich diese Hölle selbst aus seiner Liebe; was aber Jemandes Liebe ist, das ist auch sein Leben, und dieses darf ihm ewig nimmer genommen werden."

09 Spricht die Helena: „Aber Herr, Du allein die wahrste und vollkommenste Liebe und Erbarmung! so er aber dann in solcher seiner allerbösesten Liebe für ewig verharret, und Dir zum Trotze lieber ewig das Aergste und Gräßlichste erleidet, als seinen starrsten Willen zu beugen unter Deinen allersanftesten; was dann mit solch einem Geiste? Wäre denn bei solchen gar argen Geistern nicht ein glimpfliches Gericht in eine vielleicht recht sehr nützliche Anwendung zu bringen? Der Geist würde sich mit der Zeit vielleicht daran gewöhnen, und am Ende aus solch einer Gewohnheit eine Tugend machen, wie es zu Zeiten auch schon auf der Welt der Fall war.

10 Zum Beispiel eine Dirne findet Versorgung in einem eingezogenen Hause mit der streng gemessenen Weisung, sich von der Zeit ihrer Aufnahme so zu betragen, als wäre sie einem strengen Kloster einverleibt geworden! Und sieh, o Herr, das ist für eine rechte Nachtwandlerin sicher ein kleines Gericht; sie überlegt sich die Sache wohl eine Weile; aber da der Vortheil eines guten geregelten Lebens doch sehr anspricht, so läßt sie ihr gerne das Gericht gefallen, gewöhnt sich endlich an die Ordnung, und wird darauf eine ganz züchtige Person, und bleibt und stirbt dann auch als solche! Und so meine ich denn, daß so was vielleicht bei diesem Kado auch der Fall sein könnte."

11 Rede Ich: „Ja, Meine geliebteste Helena, siehe, das ist bei diesem Geiste schon vielfältigst unter allerlei Modalitäten angewendet worden, aber leider allzeit ohne den allergeringsten Erfolg, wie Ich es dir schon früher bemerket habe; und so bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn ganz sich selbst zu überlassen; will er durchaus die Hölle, gut, so genieße er sie denn auch in aller Fülle; denn dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für die nimmer endende Ewigkeit kein Unrecht! Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte denn doch etwa einmal zu derb wird, da wird er dann schon von sich selbst auch einen Weg daraus bahnen; macht ihm aber die Hölle eine Freude, ist ihm die ewige Nacht lieber, als das ewige alles beseligende Licht, so freue er sich dessen, was ihm Freude macht. Bist du damit einverstanden?"

12 Spricht die Helena: „Herr, du bester Vater! jetzt vollkommen; habe auch gar kein Mitleid mehr mit solch einem allerdummsten Esel! Aber was wird mit diesem wahrhaft dummsten Teufel denn jetzt geschehen?" - Rede Ich: „Das wirst du nun gleich sehen; Ich werde nun den zweien Aposteln den Wink geben, ihn völlig frei zu lassen, und ihn - aber nur in seiner Sfäre - thun lassen, was er will; und da wirst du dann schon sehen, was da mit diesem Geiste es für einen weitern Vorgang nehmen wird."

13 Ich gebe nun den Beiden den vorbezeichneten Wink, und der Petrus sagt zu dem Kado: „Da wir Beide uns nun zur vollsten Genüge überzeugt haben, daß du dich durch uns, die wir von Gott dem Herrn an dich abgesandt worden sind, nicht willst für die Himmel Gottes vorbereiten lassen, so gehe von hinnen, und thue, was dir Freude macht! Denn das will auch dein Gott und unser Gott Jesus Jehova Zebaoth. Von nun an wird Gott keine Boten mehr an dich absenden. Wir Beide waren die letzten!" - Nach diesen Worten werden die Beiden für ihn unsichtbar, obschon er allen Anwesenden gar wohl sichtbar bleibet, wie auch vernehmbar mit jeglichem Gedanken und Worte.

165. Kapitel: Cado im Höllenschwitzbad. Entsetzen und Erbarmen der Zuschauer. Gottes notwendig-konsequente Folgen von Ordnungsübertretungen.

01 Als er sich nun allein befindet, so sagt er bei sich (Kado): „Dank der Hölle, daß ich diese beiden faden Luder endlich einmal los geworden bin. Ha, da seh' ich ja Bekannte, mehrere meiner Gesellen, ja sogar meinen einstigen Prinzipal. No, das wird ein Jubel sein, so wir zusammen kommen werden, und uns gar leicht wieder erkennen. Sehen doch noch Alle wie auf der dummen Welt aus!" (Am 5. Febr. 1850)

02 Die Schaar nähert sich ihm stets mehr und mehr, und sein vormaliger Prinzipal, ihn erkennend, stürzt mit grauser Hast auf ihn los, packt ihn an der Kehle, und schreiet fürchterlich pfeifend: „Ha! Schurke, elender Hund! bist du einmal hier, damit ich dir's zahle für das, daß du durch ein schändlichstes Mittel dir meine Königstochter zum Weibe zu verschaffen dich erfrechet hast. Warte, du elender Schurke der Schurken, diese Schmach sollst du mir nun in einem Schwitzbade büßen, daß dir darob das Hören und Sehen für ewig vergehen solle. Ich hatte viel auszustehen, unbeschreibliche Schmerzen sind mir hier zugefügt worden, durch Flammen und Gluth, aber keiner ärger als der, daß ich hier im Orte der Qualen und Schrecken erfahren mußte, daß ein elendster gemeinster Hund meine erhabenste Königstochter sich zum Weibe gemacht hat. Aber dafür sollst du Hund mir nun auch auf eine Art gezüchtigt werden, wovon der ganzen Hölle noch nie etwas geträumet hat."

03 Auf diese Worte macht der Ludwig B. folgende Bemerkung zum Dismas, P. Thomas und dem General: „No, das ist ein sehr löblicher Empfang, ganz gehorsamer Diener! Der König Prinzipal scheint auch ein ganz verzweifelt starker Kerl zu sein; denn der Kado kann, trotz alles seines ernstlichen Ringens, aus den mächtigen Krallen seines Prinzipals sich nimmer loswinden. Nun kommen auch wahrscheinlich seine alten Helfers-Helfer herbei, und o verflucht! nein, da vergeht wahrhaft dem beherztesten Geiste buchstäblich das Hören und Sehen. Mit ganz glühenden Stricken umwickeln sie ihn nun, wie die Spinne mit ihrem zähen Fadenschleime eine Fliege, die sich zufällig in ihr Netz verirret hat. Kado raucht nun von allen Seiten, und schreiet erbärmlich um Hülfe. O Herr, das ist gräßlich! Da, da, sehet hin, wie sie ihn vor sich nun stoßen und hinwälzen wie einen Glühknaul, und dort im finstersten Hintergrunde sehe ich einen Thron wie von ganz weißglühendem Metalle; gegen diesen Thron wälzen sie stets heftiger den sehr zu bedauernden Kado-Knaul! was wird denn da geschehen? Sollte etwa da das verheißne Schwitzbad sein? O verflucht! Herr! gar sehr bitte ich dich, vergebe mir meine Sünden! Aber das ist zu arg; sie stellen ihn richtig auf den Thron hinauf, von dem nun von allen Seiten her lichterlohe Flammen schlagen, und er wird extra noch mit glühenden Ketten an den Thron gefesselt; und dieß schaudererregendste Schmerzgeheul von Seite des geknebelten Kado! Herr! willst Du mir so viel Macht einräumen, daß ich hingehe, und den Kado frei mache? Und da, da sieh! nun kommen Andere mit glühenden Spießen, und fangen ihn an von allen Seiten zu durchstoßen; von jeder Wunde fließt eine gräßlich dampfende Glühmasse. Herr! ich bitte Dich um alles, was Du willst, gebe mir Macht, und laß mich hineilen, zu befreien diesen wahrhaftigst ärmsten Teufel."

04 Rede Ich: „Lasse du das gut sein, und sei froh, daß zwischen uns und ihnen eine unübersteigliche Kluft gestellet ist, sonst würden auch die Auserwählten zur Qual kommen. Warte aber nur ein wenig ab; es wird diese Sache bald ein ganz anderes Gesicht bekommen; denn der zu große allerunausstehlichste Schmerz wird den Kado bald zum Meister seiner Fesseln machen, dann wirst du den zweiten Akt eines höllischen Drama's zu Gesichte bekommen."

05 Spr. der Bath.: „O Herr! ich bin schon mit diesem über alle Maßen zufrieden, und wie ich's aus allen Gesichtern lese, auch alle andern hier Seienden. Auch die allerliebste Helena scheint mehr als genug zu haben." - Spr. die Helena ganz erschüttert: „Mehr als übergenug! denn das ist gräßlich, übergräßlich!"

06 Rede Ich: „Meine lieben Kindlein! Ich sage es euch, ihr müsset das sehen, auf daß ihr vollkommen rein werden möget; denn ein jeder Engel muß auch die Hölle kennen, wie sie beschaffen ist, und was da für Früchte aus ihrer bösen Liebe erwachsen. Denket ja nicht, als ließe Ich so was geschehen wie aus einer Art Zorn und Rache; o das ist ferne Meinem Vaterherzen; aber ihr wisset es, daß ein jeglicher Same seine bestimmten Früchte trägt, und jede That auch eine bestimmte Folge haben muß, wie jedwede Ursache ihre bestimmte Wirkung, und das alles wegen der ewigen Ordnung aus Mir selbst, ohne die nie auch ein Atom hätte erschaffen werden können, und ohne die noch viel weniger an irgend eine Erhaltung des Geschaffenen zu denken wäre. Nun aber hat dieser Geist also sehr wider die für ihn freilich nothwendig freigestellte Ordnung gehandelt, daß er durch solch sein Handeln sich selbst die nothwendig höchst traurige Folge hat bereiten müssen, die wir früher wegen der Erhaltung der allgemeinsten ewigen Ordnung nicht abändern dürfen und können, als bis das Wesen dieses vor unseren Augen nun höchst Unglücklichen durch die schmerzhaftesten Folgen seiner früheren Handlungen zu andern Handlungen getrieben wird aus ihm selbst, die dann auch andere, entweder bessere, oder aber wohl auch noch schlimmere Folgen nach sich ziehen werden!

07 So Jemand einen guten Samen in die Erde legt, so wird daraus auch eine gute Frucht erwachsen; legt aber Jemand statt des Weizenkornes den Samen einer Tollkirsche ins Erdreich, so wird er wegen der ewigen Ordnung doch auch nur wieder eine Tollkirsche und keinen Waizen ernten.

08 Es dürfte Mir aber leichtlich Jemand einwenden und sagen: Wäre alles Recht, o Herr; aber Du hättest Deine Ordnung denn doch nicht in so ungeheuer grelle Extreme treiben sollen. Gut sage Ich, und sage aber dazu blos fragend: Ist das Lichtextrem einer Sonne darum zu beklagen als ein Fehler Meiner Ordnung, dieweil wegen seiner außerordentlichen Extremität jedes Auge erblindet, das da so toll wäre, stundenlang unverwandt in die Sonne zu schauen? Oder ist das Feuer, das alles Verzehrende, etwa doch mit einem zu vehementen Hitzgrade begabt? Ist nicht die Last eines Berges zu groß, die Schnelligkeit des Blitzes zu groß, die Kälte des Eises zu intensiv, und die Masse des Meerwassers zu ungeheuer? Wie sähe es aber mit einer Welt aus, aus der die Ordnung in den Elementen nicht so bestellet wäre? So des Feuers höchster Hitzgrad nur lau wäre, könnte es wohl die harten Metalle zerschmelzen? Oder wie weich müßten die Metalle wohl sein, auf daß sie in den Fluß kämen schon bei einer wenig gradigen Wärme? Wären aber die Metalle also weich, wozu könnten sie dann nütze sein? Wäre aber die ganze Erde etwa so weich wie eine Butter, welches Geschöpf von nur einigem Gewichte würde auf so einer butterweichen Welt oder Erde bestehen können? So die Sonne nicht ein so intensivstes Licht besäße, würde sie dann wohl auch im Stande sein, aus Entfernungen von sehr vielen Millionen Meilen nach irdischem Maße die für den Planeten erforderliche Wärme, und das über alle Maßen nöthige Licht zu bieten?

09 Es möchte vielleicht Jemand den Gedanken haben, und bei ihm selber sagen: Es sollen ja alle Extreme sein und bestehen, aber wozu ist denn bei den Menschen die enorme Schmerzfähigkeit gut? Warum hat er eine tausendfach größere Empfindlichkeit für Schmerzen und Leiden als wie für Wohlthun, und für Empfindungen beseligender Reize? Die Antwort auf diese Frage ist eine überaus handgreiflich leichte. Stellet ihr euch die Menschheit als rein schmerzunfähig vor; gebet ihr dann ein vollkommen freies Erkenntnißvermögen und einen vollends freien Willen, sanktioniret dann aber auch die Gesetze wie ihr wollet, und es wird Niemand ein Gesetz beobachten; denn wer keine Empfänglichkeit für Schmerzen hat, der hat auch keine für was immer für eine Lust. Oder würden gaile Menschen, so sie nur mit einer puren Lustempfindlichkeit begabt wären, sich nicht in aller Kürze gänzlich verstümmeln, so sie bei einem allfälligen Abtrennen eines oder des andern Gliedes, statt des schützenden Schmerzes nur Lust und Wohlthun empfänden?

10 Dieser vor uns nun aus übergroßem Schmerze heulende Kado wäre sicher für ewig verloren, so er schmerzunfähig wäre, so aber wird er in seinem Hochmuthswahne wohl vielleicht noch eine sehr geraume Zeit den schroffsten Trotz bieten; aber so ihn am Ende der Schmerz zu intensiv erfassen wird, so wird er am Ende mit sich auch sehr handeln zu lassen anfangen, und wird sich auf bessere Wege begeben!

11 Ihr sehet nun aus diesen Meinen Worten sehr leicht, daß da jede Fähigkeit und Beschaffenheit eines Menschen wie auch jeden andern Wesens aus Meiner ewigen Ordnung bestens berathen und berechnet ist, und darf an ihr kein Häkchen fehlen, so der Mensch vollkommen das werden soll, was er werden kann; so aber Alles das also sein muß, da müsset ihr aber hier neben Mir auch keine so schiefen Gedanken in euch aufsteigen lassen, sondern sollet stets so denken: Was Jemand selbst will, trotz den großen damit verbundenen und ihm wohlbekannten Nachtheilen, dem geschieht dann auch ewig kein Unrecht, und ginge es ihm auch noch tausend Male schlechter als es ihm gehet. Nun aber gebet weiter Achtung auf die vor euren Augen vor sich gehende Handlung; und du Meine allerliebste Helena sehe auch hin, und erzähle es uns, was du siehst."

12 Spricht die Helena: „O Herr, da ist es ja nimmer hin zu sehen! Denn das ist zu ungeheuer gräßlich! O wohl dir Robert Uraniel, daß du das nicht mit uns schauest! Du würdest erstarren vor Grauen!" - Rede Ich: „Meine allerliebste Helena, sorge dich nicht um den Robert; er sieht diese Szene eben so gut, wo nicht noch besser als du; denn im Geisterreiche giebt es keine Ferne, von der aus man irgend ein Faktum weniger klar sehen würde, als so man ganz in der Nähe sich zu befinden meint; in dieser Welt giebt es ganz andere Nähen und Fernen, und diese befinden sich lediglich im Herzen eines jeden Geistes; je inniger sich irgend Geister lieben, desto näher sind sie sich auch; je schwächer aber da ist ihre gegenseitige Liebe, desto ferner sind sie sich auch; verstehest du das? Ja, du verstehest es; darum sehe nun nur muthig die Szene an."

13 Die Helena schauet nun mit mehr Muth und Ergebung nach der Szene hin, da sie nun einsieht, daß die Sache, wie sie sich auch immer gestalten möge, unmöglich anders sein kann, als wie sie wegen des Gesamtbestandes der ewigen Ordnung zufolge sein muß.

166. Kapitel: Unerwartete Wendung. Cado wird frei und nimmt Rache. Der Häuptling lenkt ein. Echt satanischer Höllenplan.

01 Es macht aber auch der Franzisk. Ciprian, mit dem Gr. Bath. und dessen Freunde Miklosch eine etwas größere Annäherung zu Mir, und richtet seine Augen scharf nach dem Schreckensorte hin; nach einer Weile unverrückten Betrachtens wird seine Zunge locker, und er fängt unaufgefordert also zu reden an, sagend: „O du entsetzliche Schwerenoth! Der Kado von sicher zu namenlosestem Schmerze gedrungen, zerreißt nun alle seine Fesseln, als wären sie ein lockerstes Spinnengewebe, fällt über seine Peiniger wie ein wüthender Tiger her, und den er ergreift, den zerreißt er auch in kleine Stücke, und die Stücke krümmen sich und hüpfen am ganz glühend aussehenden Boden herum, als wie abgehauene Stücke einer Schlange; den glühenden Thron zermalmt er zu Staub; die Spieße werden vernichtet, und nun stürzt er sich auf seinen irdischen Prinzipal, der sich zwar zur Wehre stellt, und dem wüthenden Kado mit gräßlich klingender Stimme entgegen ruft:

02 „Rühre mich nicht an, Hund! sonst sollst du meine Rache an dir erst in aller ihrer unergründlichsten Tiefe und namenlosen Schärfe kennen lernen! Glaube ja nicht, daß ich hier verlassen nun und ohnmächtig vor dir stehe; wie du mich nur mit einem Finger anrührest, wirst du von Millionen mächtigster Geister umringt werden, und in eine derartige Qual geworfen werden, gegen die alles, was du jetzt verkostet hast, nur ein kühlender Balsam war. Willst du aber, da ich in dir nun einige Kraft entdeckt habe, mit mir gegen einen andern Fürsten einen Bund machen, so soll der auf der Erde an mir begangene Frevel vollends nachgelassen werden, und es soll hinfür von mir gegen dich von keiner weitern Rache mehr die Rede sein. Du sollst von nun an mein intimer Freund sein, und an meiner Seite mein königliches Ansehen als mein Schwiegersohn im Vollmaße theilen!"

03 Der Kado wird nun etwas stutzend, und schreiet nach einer kurzen Pause noch sehr grimmig: „Elendster Teufel! so du nun, da du ein kleines Pröbchen von meiner unbesiegbarsten Macht und Kraft gesehen hast, und gar wohl fühlest, daß ich mit dir es nun eben so machen kann, als wie es dir diese zerstreut herum hüpfenden Theile deiner ohnmächtigsten Helfers-Helfer nur zu klar zeigen, solch friedlich schimmernde Anträge machst, warum hast du denn das nicht eher gethan, als ich dir von der Welt herkommend, und an deinem Wiedersehen eine rechte Freude habend, doch so harmlos freundlich als nur immer entgegen kam? Wahrlich, hättest du mir da meine Freundlichkeit erwiedert, so hättest du an mir einen Freund gefunden, mit dessen Hülfe du die ganze Schöpfung aus den Angeln hättest heben können; so aber hast du dir an mir einen Feind gezogen, wie die ganze Hölle keinen zweiten solle aufzuweisen haben. Du glaubtest mich vernichten zu können und unschädlich zu machen; bist aber nun gräßlich enttäuscht worden, und machst als waidlichst Besiegter mir nun friedlich schimmernde Anträge; aber Kado kennt seinen Mann, und wird daher deinen Worten auch ein ganz verdammt kleines Gehör schenken, und wird dirs vergelten tausendfach, was du ihm geliehen hast."

04 Hier streckt Kado seine Hände nach dem Prinzipale greifend aus; aber der Prinzipal macht einen Sprung zurück, und schreiet: „Blinder Esel! mußte ich dir denn das nicht anthun, ansonst du nimmer zu dieser deiner Kraft gekommen wärest! Denn hier, wie auch schon auf der Welt, werden Menschen und Geister nur durch große Leiden geläutert und zu mächtigen Helden umstaltet; und so habe ich dir durch meine grausamst scheinende Behandlung ja nur einen wahrhaftest großen Freundschaftsdienst geleistet, und nicht meinen vorgeschützten Rachedurst gekühlet; was ich dir aber auch nur wegen der nahen Verwandtschaft that, auf daß du schnell zu jener Kraft gelangen sollest, ohne die sich in diesem Reiche kein Wesen behaupten kann und mag. So du aber das nicht anerkennen willst, da versuche immerhin dein loses Vorhaben an mir zu vollziehen, und du wirst dich überzeugen, daß du noch lange nicht der mächtigste in dieser Welt bist."

05 Hier stutzt Kado noch mehr, und sagt nun nach einigem Umherschauen: „„Dummes Luder von einem Beduinen-Häuptlinge, wenn sich die Sache so verhält, warum hast mir denn das nicht gleich Anfangs gesagt? Hinten drein, wenn sich eine Sache einmal von selbst durch die Umstände gestaltet hat, kann ein jeder daran betheiligte Esel sagen: Siehe, das war mein wohlberechnetes Werk! Ich will dir's aber in Rücksicht dessen, daß du denn doch mein Schwieger-Vater bist, in allen Teufelsnamen für jetzt gelten lassen, und halbwegs annehmen, daß es also sei; aber wehe dir, so ich nur irgend je dahinter komme, daß du mich nun, nur um dich vor mir zu schützen, also beredet hast; dann sollst du's mir millionenfach büßen! Verstehest du diese meine allmächtige Sentenz? „Aber nun sage mir, wie der Ort heißt, wo wir uns nun befinden, und ob es hier keine Burgen, und keine reichbeladene Karawanen giebt, die man so um etwas leichter machen könnte. Denn unser irdisches Handwerk werden wir hier ja etwa doch nicht aufgeben müssen."

06 (Ciprian fährt wieder fort:) „Schönes Vorhaben! zwei Kerls, wie sie nur in der untersten Hölle ausgeheckt werden können." Der Prinzipal bedenket sich nun ein wenig, und sagt dann mit einem misteriösen Pathos: „„Freund! auf der Erde waren wir nur pure Mückenfänger, weil wir Fledermäuse waren; hier aber sind wir zu mächtigen Löwen herangereift; daher hat's da denn auch mit dem verächtlichen Mückenfangen ein Ende, da uns ganz andere Pläne durchzuführen vorgesteckt sind. Du weißt es, daß bis jetzt noch immer die alte Gottheit die drückendst tirannischeste, aller Freiheit barste, Obergewalt ausgeübet hat, und hat diese durch ihre Menschwerdung neuerlich noch mehr befestiget; wir ersten Geister dieses großen Reiches der unbegrenztesten Freiheit aber haben mit unserer scharfsinnigsten Weisheit die sehr verborgenen allerbedeutendsten Schwächen dieser alten Gottheit aufgefunden, und werden sie nun in aller Kürze von ihrem alten Throne stürzen, und mit ihr machen, wie du ehedem mit diesen deinen Peinigern gethan hast; dann werden wir die ganze alte urzopfigste Schöpfung zerstören, und an ihre Stelle eine neue und allerfreieste setzen. Wie gefällt dir dieser Plan?"

07 Kado zuckt hier mit den Achseln, und sagt nur: „„Der Plan wäre wohl unser würdig; aber ich zweifle sehr, daß er uns je gelingen wird; denn die alte grausame Gottheit ist stets von größter Schlauheit, und sieht da am besten, wie wir an ihr eine Blindheit zu gewahren wähnen; daher meine ich, daß es mit der Ausführung dieses großartigen Planes schon durchaus nicht gehen wird."

08 Spricht nun wieder der Prinzipal: „„Du bist hier ein Anfänger, und redest, wie du mit deiner noch sehr beschränkten Einsicht die Sache auffassest; du hast noch zu irdisch misteriöse Ansichten von der Gottheit, und unterstellest ihr noch jene Providenz und unbegrenzte Macht, die du als ein Hirtenknabe an der Brust deiner schwachen Mutter eingesogen hast. Du siehst die Gottheit noch immer als ein ungetheiltes, und ungeschwächtes allwaltendes Wesen, das nur zu wollen braucht, um eine Miriade neuer wohlbestellter Welten aus sich in ein mächtiges Dasein zu rufen. Das kann sie zwar, und thut es auch immer fleißig, weil das ihr höchstes Vergnügen ist; aber wir kennen das, und wohin solch eine Lust die Gottheit mit der Zeitenfolge bringen muß, so wie ein jeder nur einigermaßen gewandte Politiker, der auch einem sich vom höchsten Luxus und unbegrenzter Prachtliebe hinreißenlassenden Könige es an den Fingern vorzählen wird, wie lange es mit ihm noch währen wird, und wie solch eine unbegrenzte Prachtliebe eines Fürsten seine Hauptschwäche ist, die ihn vom Throne am allerehesten herabfallen machen wird. Sieh' Freund, gerade so verhält es sich auch mit der alten schwachgewordenen Gottheit; sie ist bettelhaftkindisch geworden; ihre Sache ist nur immer erschaffen und erschaffen, gehe es, wie es auch immer gehen mag. Hast du denn auf der Erde nicht schon oft bemerket, wie dann und wann der Gottheit der Zwirn ausgeht? Sie überhäuft die Bäume mit zahllosen Blüthen, und hat am Ende zu wenig Stoff, alle die Blüthen zu einer Frucht zu ernähren, so setzt sie Menschen auf Menschen in die Welt, geht ihr endlich der Erhaltungsfaden aus, so muß sie ihre Lieblinge wieder wie die Fliegen dahinsterben lassen, und in allemund jedem wirst du sicher ähnliche göttliche Verlegenheiten bemerket haben, aber freilich leider nicht ahnen können, worin davon der Grund liegt; wir aber wissen das nur zu gut, und sehen es klarst, wie die Gottheit schwächer und schwächer wird, und samt ihrer großen Haushaltung am Ende auf den Hund kommen muß; und so ist es uns auch möglich Pläne zu entwerfen, die ihren Untergang nothwendig befördern müssen."

167. Kapitel: Cados höllischer Trotz. Vermessener Umsturzplan des Häuptlings. Der eigentliche Höllenschlund tut sich auf.

01 Kado schüttelt abermal den Kopf, und sagt: „„Freund! das ist noch alles eine Rechnung ohne Wirth, und die Pläne sind eitel; ich bin zwar der Gottheit entschieden Feind, aber nicht ihrer Schwäche, sondern ihrer nur zu ungeheuren Macht wegen. (Am 13. Febr. 1850) Ich versichere dich, es ist mein vollkommen freier Wille, entweder hier im Orte der Qualen zu verbleiben, oder umzukehren und Besitz zu nehmen von allen möglichen Freuden eines himmlischen Lebens; aber ich ziehe es dennoch vor, hier zu verbleiben, weil ich der Gottheit endloseste und ewige Macht nur zu gut kenne; wäre die Gottheit nur um einen Grad schwächer und besiegbarer als sie ist, da hielte ich's sogleich mit ihr, und würde sie vertheidigen gegen jeden Angriff; aber da sie eben so unendlich mächtig und unbesiegbar ist, so bin ich ihr entschiedenster Feind. Ich weiß es, daß meine Feindschaft gegen die allmächtige Gottheit eine barste Thorheit ist, und sie mich vernichten kann jeden Augenblick; aber so lange ich einen freien Willen habe, will ich ihr den entschiedensten Trotz bieten, blos um ihr zu zeigen, daß sie mit aller ihrer Allmacht und Weisheit mit mir dennoch nichts richten kann, so lange sie mich in der gegenwärtigen Willens-Freiheit beläßt. Es ist für einen Helden wahrlich der größte Hochgenuß, als ein Atom gegen die endloseste Größe Gottes sich derart zu stemmen, daß sie nichts dagegen auszurichten vermag. Ich werde daher auch nie ihre irgend eingebildeten chimärischen Schwächen, sondern nur vor allem ihre unendlichste Kraft aufzusuchen und zu erforschen bemühet sein; und je mehr Kraft und Stärke ich in ihr entdecken werde, desto unbeugsamer werde ich mich ihr gegenüber gebärden. Siehe, das ist mein Sinn, der sich für einen Helden ziemt; aber dein die Gottheit entthronen wollender Plan gehört offenbar zu den größten Lächerlichkeiten, und ist ewig unausführbar. Meinst denn du, daß die wirkliche Gottheit eine persische oder chinesische Pagode ist, die Jedermann vom Throne oder Altare herabreißen, und ins Feuer oder in den Koth werfen kann. Da irrst du dich ganz verdammt gewaltig! Die Gottheit ist das unendlichste Wesen in jeder Hinsicht; daher gebe du deinen lächerlichen Plan auf, und thue, was ich thue, so wirst du dadurch in dir selbst einen Hochgenuß haben, darin und dadurch, daß du dir durch dein Bewußtsein selbst das Zeugniß geben kannst, der höchsten Gottesmacht mit deiner barsten Nullkraft dennoch einen härtesten Trotz bieten zu können."

02 Spricht der Prinzipal: „O du dummer Esel! meinst denn du, daß du bist, wie du bist, aus dir selbst heraus? Sieh, du bist ja also gerichtet, und kannst nimmer anders wollen, als wie du nun vor mir dich dumm genug ausgesprochen hast; und du meinst dadurch der Gottheit zu trotzen, so du bist, wie sie will, und nicht wie du willst. Komme mit mir, so du frei werden willst! So lange irgend ein Wesen Gesetze und sanktionierte Fesseln binden, ist es nicht frei, sondern ein Sklave einer höhern Macht; und so lange die Gottheit unserem Wirken fortwährend unübersteigliche Grenzen setzt, sind wir die elendesten Sklaven, und von einer Freiheit kann bei uns so lange keine Rede sein, so lange wir aus unserer eigenen Macht das harte Joch der Gottheit nicht vollends von uns zu weisen im Stande sein werden; können wir aber der Gottheit trotzen, und muß die Gottheit diese Schmach erdulden, und kann's nicht ändern, so ist das ja doch sicher ein Zeichen, daß sie schwach ist; ist sie aber in einem schwach, so wird sie auch in vielem Andern schwach, und vielleicht noch schwächer sein; daher ist es an uns, alle ihre schwachen Seiten sorglichst auszukundschaften, und sie dann bei diesen mit aller unserer Uebermacht anzugreifen und gänzlich zu verderben."

03 (Der Frzsk. Cipr. für sich:) „O du ganz verzweifelter Lump, was der für löbliche Ideen hat, schau, schau! also: hinc illae lacrimae! Ich habe immer noch gemeint, daß die höllischen Geister in ihrer fürchterlichsten Qual eine ewig vergebliche brennendste Reue über ihre begangenen großen Sünden fühlen müssen, ohne dadurch je an eine Erlösung eine allerleiseste Hoffnung haben zu dürfen; aber so ist die Sache ganz anders; sie wollen das alles selbst, blos um Dir, o Herr, einen allerhartnackigsten Trotz bieten zu können; - ah da sieh' einmal Jemand solch eine niederträchtigste Lumperei an; die Kerle haben nur eine Freude über ihre grenzenlose Verstocktheit! ah das ist wahrlich nicht übel! Aber Herr! solchen Lumpen, wie die Beiden dort sind, möchte ich an Deiner Stelle denn doch ein Bischen ihre Freude versalzen, so daß sie es über alle Maßen empfinden sollen, wozu ihre Freude gut ist! O ihr Hauptlumpen ihr! nein, wartet, wartet; dieser seltene Freuden-Becher solle euch mit einer Galle gefüllet werden, an der ihr für ewig hinreichend sollet zu lecken haben."

04 Sage Ich: „Mein lieber Ciprian; diese Erscheinung mußt du ganz leidenschaftslos beobachten können, sonst füllst du dein eigen Herz mit demselben Stoffe, mit welchem der beiden höllischen Geister Herz erfüllet ist; denn Drohung, Rache und Krieg sind Tugenden der Hölle, wie sie sich dir soeben zur Schau stellen. Siehe nur hin, wie soeben eine Horde gleich glühenden Drachen aus einer mächtig qualmenden Höhle zum Vorscheine kommt, und unsere beiden armenischen Räuberhäuptlinge umstellet und begrüßet, und sie belobet ob ihrer gut höllischen Gesinnung, und die Beiden sich nun auch in eine ganz gut ausgebildete Drachengestalt zu umwandeln beginnen, was so viel sagen will, daß sie nun vollends in's echte Höllische übergehen, da sich dasselbe nach ihrem gegenseitigen Gespräche zu urtheilen nun vollends ausgebildet hat.

05 Ich sage dir's, es bleibt diesen Geistern nichts geschenket; jedes Lästerwort wird zu einem glühenden Steine auf ihrem Haupte, und sie werden bei solch einer Last schon inne nach und nach, ob sie stärker seien als die Gottheit, und ob sie fähig seien, ihre argen Pläne gegen Mich je in eine Ausführung zu bringen. Denke du dir's nur stets also: Gott ist durchgehends die purste Liebe, und aus solcher Lieb« die höchste Weisheit, Ordnung und Macht; alles das, und mag es dir noch so arg und schrecklich vorkommen, ist Meine Liebe, Weisheit und Ordnung, und es muß alles also geschehen, damit alles bestehe, und nichts verloren gehe.

06 Die eigentliche Höllenqual wird erst jetzt ihren Anfang nehmen; denn das frühere war nur so eine Art Vorstellung. Du siehst nun auch die ehedem vom Kado zerrissenen Quälgeister sich wieder ergänzen und zusammengreifen, nur nicht in einer Mensch ähnlichen, sondern in einer Schlangengestalt; passe nun nur recht auf, und du wirst sogleich der eigentlichen Hetze ansichtig werden. Aber du Helena darfst nun nicht mehr hinsehen, weil das für dich zu arg wäre. Aber ihr Andern sehet nur Alle hin, und du Ciprian kannst auch flüchtig erzählen nebenher, was du siehst und sehen wirst."

168. Kapitel: Brodelnde Gewalten der Finsternis. Höllische Tücke und himmliche Wachsamkeit.

01 Der Frzsk. Ciprian geht nun einige Schritte fürbas, um also gestaltig die Szene desto ungehinderter betrachten zu können; aber Ich sage zu ihm: „Ciprian! nähern darfst du dich dem Orte des Gräuels nicht, weil das einen üblen Eindruck auf dich machen könnte; daher mache du die Schritte nur wieder fein zurück, die du soeben vorwärts gemacht hast; du wirst die Sache auch von deinem frühern Standpunkte ganz gut übersehen können."

02 Ciprian tritt auf diese Anrede sogleich zurück, und sagt: „O Herr! ich danke Dir für diese Deine väterliche Ermahnung und Zurechtweisung; denn ohne diese wäre ich am Ende noch ganz hingezogen worden, was wahrhaftig etwas höchst unglückliches für mich hätte werden können; denn weit weg von dem Schusse ist immer am sichersten. Aha, aha, es fängt aber nun auch dort die höllische Geschichte an, ein ganz verzweifeltes Aussehen zu bekommen; daher aufgepaßt! O Kreuz, Blitz und Donner und alle nur möglichen Elemente! Diese Nordgegend bekommt nun ein sehr schauderhaftes Aussehen; eine finsterste weitgähnende Grotte öffnet sich weit durch die schroffsten Wände eines wahrsten Milliongebirges, aus dessen Schluchten, Gräben und gigantischen Spaltungen sich ein stets dichterer und finsterer Qualm zu entwickeln beginnt; auch vernehme ich ein ungemein unheimliches Toben gleich dem eines entfernten großen Seesturmes; o Million Blitz und Donner, das fängt an sehr bedenklich zu werden! Aber nun erschaue ich auch zu oberst des Gebirges gerade über der schaudervollsten Grotte zwei Engel sehr düstern und ernsten Aussehens; wer etwa doch diese zwei Engel sind?"

03 Sage Ich: „Sehe sie nur besser an, und du wirst sie leicht erkennen!" - Ciprian beschaut sie nun schärfer, und erkennt bald den Sahariel und den Robert Uraniel. Er will sie Mir nennen; aber Ich untersage ihm solches, wegen der Helena, deren Herz zu zartfühlend ist, als daß es ohne Vorbereitung das Geschäfte ihres Gemahls auf einer für ihre Begriffe so gefährlich scheinenden Stelle mit der rechten Ruhe betrachten könnte. Ciprian versteht solchen Wink und schweiget; aber die Helena, wenn schon an Meiner Brust mit ihrem Gesichte ruhend, fragt dennoch den Ciprian, ob er die zwei Engel noch nicht erkannt habe. Ciprian aber entschuldigt sich recht klug, und sagt: „Jawohl; aber ich habe nun vor lauter Schauen keine Weile, dir ihre Namen zu nennen. Gedulde dich nur; sie werden ohnehin bald selbst hieher kommen." - Die Helena giebt sich damit zufrieden, und verbirgt ihr Gesicht ganz außerordentlich an Meiner Brust vor den angekündigten Greuelszenen der Hölle, damit sie davon ja nichts zu Gesichte bekommen möchte; denn ein stets mächtiger werdendes Tosen und Toben zeigt nur zu bestimmt an, daß die Hölle wieder etwas außerordentlich Arges auszuführen beabsichtige; daher wird auch das Gemüth der Helena sehr eingeschüchtert, so, daß sie sogar an Meiner Brust ein kleines Fieberchen verspüren läßt.

04 Der Ciprian aber, dem dieses stets mächtiger werdende Toben, Tosen und donnerähnliche Dröhnen ebenfalls nicht munden will, sagt zu Mir: „Aber Herr, Du ewig heiligster bester Vater! was soll denn endlich aus dieser stets gröber werdenden Brummerei werden? Es fängt sogar dieser Boden, auf dem wir nun stehen, zu beben und sich zu heben an, und dort, und dort, wo die schaudererregendste Grotte, aus der nun schon sogar stoßweise Flammen mit einem massenhaften Qualm zu schlagen anfangen, sich weiter und weiter auszudehnen scheint, fangen auch übers Gebirge herab die fürchterlichsten Gewitterwolken sich zu wälzen an gleich losgerissenen großen Felsstücken. Die Sache bekommt ein ganz niederträchtiges Aussehen, obschon die höllische Gruppe sich noch ganz friedlich und wie nichts Arges ahnend vor dem Eingänge der ganz verdammtest schrecklich-aussehenden Grotte befindet, und nicht einmal eine Miene macht, aus der man einen Schluß ziehen könnte, daß sie etwas zu unternehmen im Sinne hat; ich bitte Dich, Herr, sage es uns doch, was denn da aus dieser sonderbaren Vorbereitung am Ende herauswachsen wird. - Ich schaue mir nun schon fast die Augen aus, und entdecke sonst nichts Neues, als blos nur stets mehr Flammen aus der Grotte schlagend, und ebenso auch stets mehr des dicksten Rauches aus der Grotte sowohl, wie auch aus andern Klüften und Ritzen des Gebirges, und auch ein stetes Anwachsen der Gewitterwolken von oben herab. Die beiden Engel zu oberst der höchsten Spitze des Gebirges, und zwar gerade ober der Grotte, sind auch ganz ruhig und scheinen diese grauenhaftesten Vorbereitungen gar nicht zu merken, und der stets unerträglicher werdende Sturmlärm scheint bis zu ihren Ohren nicht zu dringen."

05 Rede Ich: „Mein lieber Freund! die Hölle ist nie gefährlicher und unheilbringender, als so sie sich äußerlich ganz ruhig verhält, aber dafür innerlich mit einer desto größeren Wuth zu toben beginnt, als wie es soeben der Fall ist; dagegen aber ist auch der Himmel nie wachsamer gegen die Hölle gestellt, als so er sich bei solchen inneren Umtrieben der Hölle ganz ruhig und indifferent zu verhalten scheint. So lange die Hölle blos innerlich gährt und tobt, schreitet der Himmel nicht ein; aber so sie mit der Weile ermuthigt - ihre Wuth nach Außen hin in die Wirksamkeit treten zu lassen beginnt, dann wird schon auch der Himmel seine kräftigsten Gegenmittel in die effektvollste Wirksamkeit treten lassen. Daher gebe nun nur auf Alles genau Acht, wie die Hölle nun ihren alten Versuch, Mich zu fangen und zu stürzen, ganz tückisch unter dem Deckmantel äußerer Ruhe und Gelassenheit erneuern wird, und wird es viel pfiffiger anstellen wollen, als wie sie es vor ein paar Jahren angestellet hat; aber sie wird dabei um desto wirksamer eingehen. So du nun einen Blick auf die Erde werfen magst, und zu dem Behufe blos über deine Achsel links zu schauen brauchst, so wirst du es genau gewahren, wie die Hölle nun auch gleichermaßen an den Höfen thätigst einzuwirken sich bemühet, um die ganze Erde in einen allerverheerendsten Krieg zu entflammen; sie wird solch ihr Vorhaben auch hie und da zum Ausbruche bringen; aber dann passe auf, auf welch eine noch nie dagewesene Weise ihr da das Handwerk gelegt wird. Betrachte aber daher nun nur diesen Ausbruch, und die Folge darauf, so wirst du entsprechend auch leicht schließen können auf die Erde, wie dort sich alles das, was hier nun vorgeht, und vorgehen wird, mit der entsprechenden Weile nachbilden wird. Siehe, der Rumor wird schon wieder stärker, die Flammen in der Grotte werden intensiver, und der Qualm selbst glühend; die Rotte vor der Grotte wird zahlreicher, und fängt an sich zu bewegen, und zwar gegen uns her. Nun wird es bald losgehen.

169. Kapitel: Höllischer Sturm gegen den Himmel. Jesu Warnung vor Ärgernis. Friedensgeister in der Höhe. Fruchtbare Wendung für die Scharen der Finsternis. (Am 18. Febr. 1850)

01 Ciprian wendet nun kein Auge ab von der Szene; und Ich gebe Meinen Dienern einen Wink, und diese verstehen, was sie zu thun haben.

02 Nach einer kurzen Weile sagt Ciprian ganz ängstlich: Herr! wir werden uns am Ende dennoch zu einer Retirade bequemen müssen; denn die Hölle scheint nun alle ihre viele tausend Jahre alten Gefangenen frei zu lassen, auf daß sie wahrscheinlich mit vereinten Kräften Dich samt dem ganzen Himmel in den Beschlag zu nehmen vermöchten. Sie wandern nun ganz keck auf uns los, und die Gestalten, wahrlich, mitunter lächerlich-gräßlich. Wie sich einige aufblähen, und bald darauf wieder zusammensinken bis zur Größe eines kleinsten Affen. Ah, das ist doch alles, was man sagen kann; auch allerlei Waffen fange ich an zu entdecken; Spieße, Lanzen, Schwerter, und Schießgewehre aller Art und Gattung. Das geht ja auf einen ordentlichen Krieg los; aber gegen wen denn? gegen uns ja etwa doch nicht? Sehen sie uns denn auch, weil sie sich gerade gegen uns herrichten?"

03 Sage Ich: „Freilich gilt der Krieg von seiten der Hölle allzeit, und somit auch jetzt uns. Aber sehen können sie uns nimmer; wohl aber vermuthen sie uns hier, weil sie an der Stelle gegen uns her, die eigentlich der geistige Mittag ist, eine Art Helle wahrnehmen. Aber sie mühen sich vergeblich ab uns näher zu kommen; sie meinen es wohl, daß sie vorwärts gehen; aber ihr scheinbares Vorwärtsgehen ist ein Rückgehen, und ein sich stets mehr Entfernen von uns. Daher lassen wir sie auch traben und sich bewegen, da wir wissen, wie weit, und wohin sie mit dieser Bewegung kommen können und werden.

04 Sie werden aber mit der Weile inne, daß sie um nichts vorwärts kommen trotz alles ihres Mühens; und dieß Innewerden wird das Signal zum Ausbruche ihrer inneren Wuth sein, in der sie sich selbst gegenseitig anfallen werden, und sich zerreißen gleich wildesten Bestien ohne alle Schonung. Gebe nun nur recht, und ganz besonders auf ihre Bewegung acht!"

05 Der Ciprian giebt nun sehr wohl acht auf alles, was sich in der Bewegung der Höllenrotte ergiebt; der Miklosch und der Graf B. aber sagen einstimmig: „Herr! wohl übergroß ist Deine Langmuth und Geduld, daß Du solchem Treiben noch stets mit aller Deiner sanftmüthigsten Gelassenheit zusehen kannst! So es auf uns ankäme, so würden wir diesem Gesindel einen ganz kuriosen Ernst entgegensenden, der es sicher für ewig gehörig demüthigen solle. Nein! solch eine Efrontrie, Dir entgegenstürmen zu wollen, ja dich sogar gänzlich zu vernichten, so es natürlich möglich wäre. Nein, nein, das ist zu über- oder zu unterhöllisch arg! Solch ein Gedanke würde von uns aus schon einer ewigen Züchtigung werth sein, geschweige erst eine unternommene Handlung in solch einer allerhöllischesten Absicht."

06 Rede Ich: „Meine lieben Kindlein, lasset bei Seite, was nur immer den Namen Aerger hat; denn sehet, aller noch so geringe Aerger entstammt der Hölle, und verträgt sich nie mit der reinsten Natur Meiner himmlischen, noch kleinen Kindlein, als wie ihr es nun noch seid. Ihr müsset euch überhaupt über gar keine Erscheinung, wie böse sie auch immer aussehen möge, auch nur im geringsten ärgern; denn das Aergern der Kinder der Himmel verleiht der Hölle einen Vorschub, und giebt ihr Stoff zum Wiederärger, den sie nur zu leicht und zu bald vergrößert und in einen neuen Effektivstand setzt. Denket aber dafür in eurem Herzen, daß dieß alles also geschehen muß, so in jene Grotte auch einmal ein sanfteres Licht dringen solle; denket, daß die ganze Hölle aus Wesen bestehet, die gewisserart theils wohl durch ihre Geschichte und zum Theile durch die Geschichte der Weltgroßen zu solchen Teufeln geworden sind, und ihr geistiges Leben gänzlich verwirket haben. Sie sind nun unendlich unglücklich, und werden noch stets unglücklicher werden. An uns aber, die wir alle Macht inne haben, liegt es nun - ihnen so viel als möglich zu helfen, und zwar durch jedes Mittel, durch das eine Hülfe noch als möglich erscheint.

07 „Dieser nun bevorstehende Kampf, den sie gegen uns unternehmen, setzt ihr mattestes Scheinleben in eine größere Thätigkeit, durch die sie vor der totalen Auflösung geschützet werden; durch den fehlgeschlagenen Versuch werden sie dann wieder in die Kenntniß gesetzt, daß sie gegen Gott nichts vermögen, und es werden dann Viele aus ihrer Rotte bescheidener werden, und sich bei einer ähnlichen künftigen Unternehmung nicht mehr betheiligen; und das ist dann ein wirklicher Vorschritt dieser verlorenen Schafe; und für sie stehen uns dann schon wieder eine zahllose Menge der wirksamsten Mittel zu Gebote, sie in eine hellere Belebung zu leiten, ohne sich direkt an ihrem freien Willen, der ihr Leben ist, zu vergreifen; daß aber derlei Bäume nicht mit einem Hiebe gefällt werden dürfen, das werdet ihr hoffentlich einsehen?"

08 Spr. der Miklosch: „O ja, Herr und Vater! nun ist uns schon wieder alles klar, und es ist alles gut, was Du, o Herr, anordnest. Aber nun entdecke ich, daß auf den Spitzen der überhohen Gebirge sich auch lichte Geister stets mehr und mehr anzuhäufen beginnen; auch auf der höchsten Spitze stehen neben den zwei ersten eine Menge anderer uns ganz unbekannter kräftigster Engel; und da, da seht in die Lüfte empor! ungeheure Schaaren schweben in wohlgeordneten Reihen, und haben ein scharfes Auge auf die Bewegungen der höllischen Rotte; und die Höllrotten scheinen sie zu bemerken, weil sie nun auf einmal ihre allergrimmigsten Gesichter aufwärts richten, und ihre Wurfgeschütze aufwärts zu richten beginnen."

09 Spricht Ciprian: „Ja, ja, Bruder Miklosch, hast recht; dort nahe an der wahren Teufelsgrotte habe ich schon eine Art Raketen in die Höhe steigen gesehen, die aber nicht bis zur Achtelhöhe des Gebirgs gekommen sind; auch sehe ich nun, wie ganze Massen an den schwarzgrauen Felswänden aufwärts zu klimmen anfangen, aber ganz verzweifelt schlechte Fortschritte machen; von unten her werden sie ganz entsetzlich bedroht, und zum weitern Emporklimmen scheinen sie auch keine bedeutende Lust zu haben. Nein, die Geschichte fängt an ein ganz entsetzlich tragisches Aussehen zu bekommen. O Million! nun ist eine ganze Rotte über eine sehr hohe und steile Wand herabgestürzt, und wird nun sogleich wieder angetrieben, neu aufwärts zu klimmen anzufangen, und sie sträubt sich, indem sie an die Unmöglichkeit hinweiset; aber man fängt an, sie mit glühenden Spießen zu touchiren. Ah, das ist schauderhaft!"

10 Rede Ich: „Gebet nun nur Alle genau Acht; denn nun beginnt die eigentliche Hetze. Nun solle aber der Miklosch, der mehr gelassenen Geistes ist, die Szene weiter erzählen, gerade wie sie vor sich geht, und zwar ohne alle verwunderlichen Nebenexklamationen; also sei es!"

11 Spricht der Miklosch: „Herr und Vater! ich armes sündiges Wesen danke Dir aus aller Tiefe meines Herzens für diesen herrlichen und großen Auftrag - den Bruder Ciprian abzulösen, in diesem wahrlich nicht wenig sicher jeden auch noch so standhaften Geistes seienden Beobachter höchst in den Anspruch nehmenden Geschäfte; aber ich muß es danebst aber auch sogleich offen bekennen, daß es mir dabei um nichts besser gehen wird; denn die Erfolge jener höllischen Mühen sind eben für die Hölle und ihre Streiter zu grell und allen möglichen Schauder erregend, als daß selbst das beherzteste und gelassenste Gemüth dabei ohne alle Erschütterung bestehen könnte. Daher bitte ich Dich zu diesem Zwecke wohl um eine ganz besondere Stärkung, so ich da mitten in der Nacherzählung des Geschauten nicht schon beim dritten Satze solle stecken bleiben. In Deinem allmächtigsten und heiligsten Namen will ich's dann versuchen, wie es mir mit dem Nacherzählen gehen wird.

12 Soeben stürzt eine ganze große Felswand über eine große Menge, die hinaufzuklimmen genöthigt wurden, ein, und begräbt und zerschlägt eine große Masse der höllischen Streiter, und hinter der eingestürzten Wand ergießt sich lichterlohe eine gräßlich brausende und zischende Lavafluth, und begräbt in ihrem raschen Vordrange beiweitem mehrere, als ehedem die eingestürzte Wand. Nun erseh' ich auch wieder den schon sehr verunstalteten Kado und dessen Prinzipal; sie scheinen im Vordergrunde Rath zu halten, was da weiters zu thun und zu unternehmen sein wird, indem da, wie es scheint, kein Teufel mehr eine Lust zeigt, über die schroffsten und steilsten Felsenabhänge hinauf für nichts und wieder nichts zu klettern; die mächtigeren Teufel treiben die schwächeren wohl noch sehr echt höllisch energisch an; aber wie ich es merke, so ist da von irgend einer Obedienz gar keine Rede mehr, und ein jeder vor dem Lavastrome fliehend scheint nun allein nur dem eigenen Willen zu gehorchen. Welch ein gräßliches Jammergeschrei, welch ein Elend, welch eine namenlose Noth! Es brechen nun aus mehreren Ritzen und Spalten des Gebirgs glühende Lavaergüsse hervor, und stürzen gleich gewaltigsten Wasserfällen in die Tiefe herab; dort mehr rechts über eine ungeheure Felsenwand stürzt gleich einem Niagara-Falle in Nordamerika eine allerfurchtbarst große Masse des glühendsten geschmolznen Erzes unter dem furchtbarsten Krachen und Donnern in die Tiefe herab, und die Rotten groß und klein fliehen vor den gegen sie herwogenden Feuerfluthen, und heulen und fluchen ganz entsetzlich.

13 Kado und sein Prinzipal machen auch eine ziemlich schnelle Bewegung mehr gegen uns her, und klimmen nun auf einen mäßig hohen Hügel, der sich zu unserer Linken befindet; und der Kado macht dem Prinzipale, wie ich's nun recht deutlich vernehme, recht scharfe Vorwürfe ob dessen von ihm zum Voraus bestens eingesehener und abgerathener Ausführbarkeit eines allerwahnsinnigsten Planes, die allmächtigste Gottheit besiegen zu wollen. Nun habe er den Sieg vor seinen dummsten Krokodilsaugen! Er solle nun die Löcher zustopfen gehen, damit die Gottheit über ihn und sein über alle Begriffe maltraitirtes Heer so reichlichst aus allen tausend Schlünden des unersteigbar hohen und steilsten Gebirges so ganz mir und dir nichts Feuerfluthen hervorsprudeln läßt, und solle auch die Begrabenen hervorholen. Aber der Prinzipal macht ihm die Bemerkung, daß dieß alles blos nur so ein blinder Lärm wäre, und diese Feuerfluth bald erschöpft sein werde.

14 Der Kado lacht dazu gräßlich höhnisch und sagt: »O du verflucht dümmster Teufel! da sieh ein wenig hinauf, wie da stets neue allergewaltigste Quellen sich aufthun, und wie die rasche Glühfluth auch in wenig Augenblicken unsern Hügel, der uns bis jetzt noch schützt, umspielen wird, und du wirst es leicht gewahren, wie bald nach deiner dummsten Idee der Gottheit Zornquellen versiegen werden. Da sieh' hin gegen die Grotte, deren löbliches Innere wahrscheinlich deine Königswohnung ist; sie ist bereits voll des glühendst fließenden Erzes, über dessen wogenden und dampfenden Spiegel sich ganze Schaaren deiner mächtigsten Kämpfer allerschaudererregendst schwimmend befinden, und mit des Feuerstromes breiter und rascher Fluth höchst wahrscheinlich in einen endlosen Abgrund hinabgeschwemmt werden. Das wäre mir ein Sieg, ganz gehorsamer Diener! Ich hoffe, du wirst doch wieder bald einen Feldzug gegen die Gottheit unternehmen! O Herr Je-! die Fluth hat bereits auch unsern Hügel erreicht, nun heißt es weiter fliehen, sonst werden auch wir Beide in diese Schwimmanstalt der Gottheit aufgenommen werden.« - Der Prinzipal ersieht nun die höchste Gefahr und schreit: »Dorthin gen Abend, wo einige tapferste meiner Kämpen hinfliehen, fliehen auch wir, aber nur eiligst, sonst sind wir verloren.«

15 Spricht Kado: »Schöne Tapferkeit bei einem so gräßlichen Fersengeld?! O, ich war ein großer Esel und überdummster Teufel! Zwei so grundehrliche Boten hatte die Gottheit an mich schlechtestes Luder abgesandt, und ich verschmähte sie; nun sehe ich meinen allergräßlichsten Untergang, und kein Retter mehr naht sich mir.« - Schreiet der Prinzipal: »Fliehe! sonst bist du verloren; denn diese Fluth ist arg, den sie begräbt, der ist begraben für ewig! Ich fliehe nun!« - Mit diesen Worten stürzt nun der Prinzipal jählings den Hügel hinab;

16 der Kado aber bleibet, und schreiet dem Prinzipal nach: »Fliehe nur, Satan! Der ewigen allmächtigen Gottheit wirst du ebensowenig entfliehen, als wie ich, der ich gar nicht fliehen will. Wir Beide haben dieß Loos wohl verdient; daher werden wir ihm auch nicht entfliehen; denn der Gottheit Rachefinger umspannet die Unendlichkeit.«

170. Kapitel: Untergang der Höllenmacht. Cado als einziger Überlebender gibt erschüttert besseren Regungen Raum. Der Geist ist willig - aber das Fleisch ist noch schwach.

01 Kado sieht nun bebend und sehr erschreckt seinem fliehenden Prinzipale nach, und sieht, wie einer mächtigen Feuergluth rascher Wogensturz dem Fliehenden schon sehr nahe an die Fersen nachkommt. Der Fliehende heult nun ganz entsetzlich, und schon so mancher aus der glühenden Fluth hervorzuckender Funke leckt an seiner empfindlichen Haut. Das entsetzt den Kado, und es scheint eines jeden Funken Brand, der seines Herrn Prinzipals Haut berührt, auch die seine ganz gewaltigst zu stechen.

02 Nun aber hat die Fluth den fliehenden Prinzipal auch erreicht. Und der Kado schreiet: »O Herr Je-, o Du allmächtige Gottheit, er ist verschlungen! wie ein Thautropfen am glühendsten Erze, so auch ward er sicher allerschmerzlichst verzehrt, und kein Wesen kommt ihm zu Hülfe! Wer aber solle ihm auch zu Hülfe kommen? Seine Mächtigen sind bereits alle begraben; ich bin auf diesem Hügel, der bereits auch zur Hälfte von der gräßlichsten Fluth umflossen ist, und wo nur ein schmaler Streif gen Morgen hin schlechtweg passierbar ist, auch auf dem Punkte, in einigen Augenblicken sein Loos zu theilen, und wollte ich auch hin an die unglückliche Stelle rennen, so würde ihm das nun dennoch nichts mehr nützen. Kurz, ich bleibe, wo ich bin, und die göttliche Allmacht solle mit mir machen, was Sie will; denn zu entfliehen ist Ihr nimmer. Dieß Feuermeer nun muß aber auch eine unermeßliche Brennhitze haben, da es mich schon hier so unausstehlich brennt, wo es doch noch nach meinem Augenmaße mehrere hundert Schritte von mir entfernt sein dürfte.

03 Großer Gott! welch' eine Marter, welche Schmerzen in der höchsten Intensivität werden nur zu bald mein ewiger Antheil sein. Das ist also die fürchterliche Hölle, deren Wurm nimmer stirbt, und deren entsetzlichstes Feuer nimmer erlischt. O Gottheit, o Gottheit! habe Erbarmen mit einem Kinde der Hölle, das zwar überaus schlecht war und ist, aber doch wenigstens seine Gräuel erkennt und nun leider zu spät bereuet. Ich habe zwar schon eine entsetzlich schmerzliche Höllentour durchgemacht; aber ich fühlte da im höchsten Schmerzesübermaße eine Kraft in mir, durch die ich mich meiner Peiniger habe entledigen können; aber beim Anblicke dieser rein göttlichen Strafmacht hat mich alle Kraft verlassen, und ich fühle nun kaum die Kraft eines Insektes in mir, und muß mich demnach gefangen nehmen lassen von der leider gegen mich gerechten Zornfluth des göttlichen Rachefeuers.«

04 (Miklosch:) „Nun sinkt Kado auf seinem Hügel zusammen, und erwartet die ihn verzehrende Fluth, die ich zwar wohl noch ganz mächtig hin- und herwogen, aber dennoch nicht mehr steigen sehe; denn bis auf den Kado ist nun alles, was da gegen uns zu Felde ziehen wollte, waidlichst von ihr verschlungen; nur das einzige kommt mir noch unerklärlich vor, daß da die mächtigen Himmelsfürsten sich noch nicht entfernen wollen. Auch die schauerliche Grotte, obschon über die Hälfte erfüllt mit dem Feuerstrome, der nun etwas zu erhärten beginnt, hat ihr scheußlich drohendes Aussehen noch nicht verloren."

05 Rede Ich: „Der Kampf ist noch nicht zu Ende, und der Kado noch nicht völlig verloren; gebet aber nur Acht, was nun weiter geschehen wird; darauf erst solle euch Allen eine genügende Aufklärung zutheile werden."

06 Der Miklosch beobachtet jetzt nur hauptsächlich den Hügel, auf dem der Kado also zusammengekauert liegt, als wäre er todt; aber da die schreckliche Fluth denn doch über des Kado beiläufige Berechnung nicht an seine Haut gelangen will, so fängt er langsam sich wieder emporzurichten an, um zu sehen, was es denn nun da mit diesem Zornsturme aus der Gottheit Rachekammern für einen Fortgang nehme. Er ersieht zwar noch das Feuermeer in seiner gleichen wogenden Thätigkeit, nur merkt er, daß es sich nicht mehr weiter ausbreite, und auch nicht höher steige, als wie es sich gleich Anfangs ausgebreitet hatte über eine unübersehbare weiteste Fläche und gestiegen ist zu einer bedeutenden Höhe.

07 Diese Erscheinung flößt dem Kado mehr Muth ein, und er spricht nun bei sich: »Was haben nun alle diese Esel und Ochsen davon, daß sie sich wieder einmal den argen Spaß gemacht hatten, mit der allmächtigen Gottheit einen Kampf zu wagen? Aber ich selbst bin eigentlich auch ein Esel und Ochse zugleich; warum habe ich denn ehedem den Antrag jener zwei Boten nicht angenommen, denen es von der Gottheit gegeben war - mich zu retten von dem schauervollsten Untergange. Wo sind diese Herrlichen nun? Rings um mich her ist Nacht, nur das glühende Feuermeer wirft einen matten Zornschimmer über mein verfluchtes bärenzottiges Wesen. Gegen Morgen dort, in weitster Ferne, wie es mir vorkommt, entdecke ich einen freundlichem Schimmer, als wie dieser da hier ist, der vom Spiegel dieses Qualmeeres über mein Wesen sich verbreitet. Wie es etwa doch wäre, so ich längs dieser Hügelzunge mich dahin zöge? Denn schrecklicher und gefährlicher kann es doch nirgends mehr sein, als eben hier in der Mitte der untersten Hölle.«

08 Nun macht sich Kado auf die Beine, und fängt ganz rasch an sich gegen uns her zu bewegen; aber, wie ich's merke, so giebt seine Bewegung eben nicht sehr aus, und es hat das Ganze seines Bewegens ein Aussehen, als ob er sich selbst mit seiner Schnellfüßlerei foppen möchte; denn er zippelt und zappelt fast immer auf einem und demselben Punkte. Was wohl kann davon die Ursache sein, daß er bei seinem sicher festen Willen nicht weiter kommen kann?"

09 Rede Ich: „Der Grund davon liegt in dem, daß solche Geister auch bei den besten Vorsätzen und bei guter Erkenntniß dennoch ein Herz voll Unflathes haben, aus dem fortwährend böse Dünste in die Kammer des Willens aufsteigen, und stets allda einen Rücktritt bewirken, wo der bessere aber schwächere Willensantheil einen Fortschritt thun wollte. Es geht ja Vielen auf der Welt auch so, sie kennen das Gute und das Wahre, und nehmen sich auch immer vor, es auszuüben; aber gemeiniglich in den Momenten, da sie das Gute und Wahre in ihren Willen aufnehmen wollen, da dunstet dann auch ihr Fleisch am meisten; sie werden schwach, und kommen trotz ihres Strebens nicht vom Flecke; und so ist denn der Geist stets willig, aber das Fleisch ist schwach; und da an diesem Kado habt ihr nun ein lebendiges Beispiel, wie ein Mensch oder Geist aus seiner eigenen Kraft nichts vermag ohne Mich; mit Mir aber vermag er alles!"

171. Kapitel: Verändertes Szenenbild. Ballet von Höllengeistern. Cado läßt sich nicht beirren. Er verscheucht den Spuk und ruft die Gnade und Hilfe der Gottheit an. (Am 22. Febr.1850)

01 (Der Herr:) „Nun aber gebet nur weiter Acht, und du, Miklosch, mache den Erzähler; denn es ist hier in dieser Gesellschaft nicht Jedem gegeben, zu schauen und zu sehen das Kommende; aber in der Unkenntniß davon solle niemand belassen werden".

02 Miklosch richtet nun wieder ganz fest seine Augen auf die höllische Szene, und fängt nach einer kurzen Weile also zu erzählen an: „He, der Tausend! Ah das ist wahrlich im höchsten Grade tragikomisch! Aus dem Feuermeere, das noch immer ganz verzweifelt grauenerregend mit donnerartigem Getöse dahin wogt, und aus einer jeden der Milliarden Wellen eine zahllose Menge Blitze entsendet, erheben sich nun ganz muntere Gestalten, und das ebenfalls gleich den Wellen und Blitzen in einer Unzahl. Von vorne sehen sie ganz rar aus, recht anmuthig; und vom Rücken aus wie halbverweste Todtengerippe. Das starke Wogen der glühenden Fluth scheint sie nicht im Geringsten zu geniren, und die sicher allerenormste Glühhitze unter ihren Füßen scheint ihnen nur ein höchst angenehmes Gefühl zu verursachen. Die Blitze fahren durch sie durch, als wie das Wasser durch ein Sieb, ohne daß sie die muntern Gestalten nur im Geringsten inkommodiren möchten; das ist wahrlich im höchsten Grade sonderbar! Ah, ah, sie mehren sich stets mehr und mehr, und machen einen förmlichen Reigen; eine wahrlich von vorne sehr elegant aussehende Gruppe bewegt in den zierlichsten Pas' sich gegen unsern Kado hin, der diese Erscheinung auch mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet, ohne jedoch daran ein sichtliches Wohlgefallen zu haben; aber mit der fruchtlosen Bewegung seiner Füße hat er dennoch einen Einhalt gemacht, und staunet nun ganz verblüfft diese vielen Tänzergruppen an. Die eine Gruppe macht nun schon ganz knapp am Hügel ihre Sprünge und sonstigen graziösen Bewegungen, und scheint den Kado zu unterhalten; denn er hat sie schon ein paar Male nun recht wohlgefällig angelächelt. Aber den Rücken bekommt er nicht zu Gesichte.

03 Nun eilen ein Paar Tänzerinnen recht graziösen Ansehens zu ihm auf den Hügel hinauf mit rosenfarbigen Schleifen in ihren Händen, und winken ihm, ihnen auf den glühenden Tanzboden zu folgen. Aber er entschuldigt sich, und spricht nun (Kado): „Meine Füße würden sich an solch einem Tanzboden nicht halten; daher bleibe ich, wo ich bin; ihr aber bleibet, wo es euch gut zu gehen scheint; ich brauche von solch einem zu brennheißen Vergnügen wahrlich nichts! Aber die Zwei kommen ihm näher, und nehmen sich alle Mühe, ihn auf dieß glühende Eis zu locken; aber er bleibt stehen, und gebietet ihnen, sich ihm ja nicht noch mehr zu nahen, ansonst er wider sie Gewalt gebrauchen müßte. Je mehr er aber ihnen droht, desto mehr zeigen sie ihm von ihren Vordergrundsreizen, und bestreben sich ihn ganz zu bezaubern. Es ist das wahrlich ein ganz sonderbarstes Schauspiel; merkwürdig ist die Haltung dieser veritabelsten Höllengrazien, daß sie bei allen ihren verlockenden Bewegungen doch nicht irgend derart aus der Haltung kommen, daß der Kado ihrer Rückentheile ansichtig werden könnte; no, eine bemüht sich, ihm nun die Schleife um den Hals gleich einer Schlinge zu werfen;

04 er aber weicht zurück einige Schritte, hebt einen Stein auf, und schleudert ihn der Grazie gerade an die Brust, und schreiet nun mit einer wahren Donner- stimme: »Zurück Höllenbestie! Wenn Satan, dein Gebieter, kein besseres Verführungsmittel mehr hat, um einen armen Teufel noch tiefer in die Hölle hinab zu ziehen, als er ihn schon gezogen hat, da solle er sich heimspielen lassen. Glaubt denn dieses uralte der Gottheit widerspänstige Rindvieh, Vögel meines Gelichters werden auch so recht dummsten Weltfinken, Gimpeln und Zeisigen gleich sich auf seine alten saudummen und alles Leimes baren Spindeln setzen, und sich dann von ihm fangen lassen? Da irrt er sich; ein Aar setzt sich nie auf eine Leimspindel; saget das eurem Ochsen von einem Gebieter!"

05 Aha, nun spricht die zweite Kameradin, nach der Kado noch keinen Stein geworfen hat (Höllengrazie): »Aber lieber Freund? Du irrst dich gewaltig über unsere große Fürstin Minerva; siehe, sie kennet deinen großen Geist, und will dir durch uns, als ihren Genien, eine kleine Vorauszeichnung zu theile werden lassen, nach der sie im höchsten Majestätsglanze ihrer Macht und Kraft dir liebreichst entgegen kommen wird, um dich einzuführen zu den allerhöchsten Ehren, dieweil du der Einzige warst, der diesen von der alten außer allen Kurs gekommenen Gottheit gegen einige Feiglinge der großen Fürstin gerichteten Feuerwogen den beharrlichsten Widerstand geleistet hat. Erkenne daher die höchste Gnade, die dir deiner unbezwingbaren Kraft wegen die allerhöchste Fürstin der ganzen Unendlichkeit zuerkannt hat!"

06 Spr. Kado: „Ist eure hohe Fürstin auch so dumm, oder vielleicht noch dummer als ihr hundsgemeinsten Höllenfetzen?!" - Spr. ganz pomphaft die Ungesteinigte: „Was ist doch das für eine entsetzliche Frage! Die hohe Minerva, die Göttin aller Weisheit, bei der sogar alle Götter in die Schule gehen müssen, sogar Zeus und Apoll nicht ausgenommen!" - Spr. Kado: „Oh! ja das habe ich nicht gewußt, daß hier das alte Göttergesindel auch noch existirt; ihr seid gewiß auch eine Art von Göttinnen?" - Spr. sie: „No freilich, ich bin ja die berühmte Terpsichore! und diese hier, nach der du grausamer Maßen einen Stein geschleudert hast, ist die herrliche Euphrosine! Die Arme leidet nun einen starken Schmerz; aber sie leidet ihn geduldig aus großer Liebe zu dir!"

07 Spr. Kado: „No, no, nun weiß ich genug, um euch mit aller Macht meines unbeugsamsten Ernstes sagen zu können, daß ich die Minerva im höchsten Grade verachte, und von ihr ewig nie eine Ehre annehmen werde. Saget ihr, ich bin zwar ein entschiedener Feind eines gewissen Juden Je- Jes- ja, ja, so heißt er, Jesus, richtig Jesus heißt er, und bin auch mehr oder weniger ein Feind seiner Lehre in mancher Hinsicht; aber so ich nun diesem verachteten Judenprofeten als ein Esel Dienste leisten solle, so bin ich dazu beiweitem eher erbötig, als von eurer Minerva die höchste Ehre anzunehmen. Und nun fahret ab, ihr sauberen Geniusinnen; aber sehet zu, daß euer Tanzboden nicht zu heiß wird.« - Spr. sie: »No warte nur, da wir dich nicht erweichen können, so sollst du die Minerva selbst zu sehen bekommen, aber von ihr keines Blickes gewürdigt werden!« - Spr. Kado: »O, das wird mir sehr angenehm sein, aber hauptsächlich 's Letzte, verstanden!?«

08 Nun entfernen sie sich, und Hüpfen ihren Solopas unter die andern vielen und höchst zahlreichen Gruppen fort; und nun verlieren sie sich so ganz und gar, daß ich sie nimmer irgendwo mehr zu entdecken vermag. Aber nun wird das Glühmeer schon wieder unruhiger; die Wogen fangen an stärker zu gehen, und die Oberfläche wird glühender und daher sicher auch leuchtender. Die zahllosen Tänzerinnen fliehen nun wie von höchster Angst gepeitscht in wildester Unordnung über die schreckliche Oberfläche gegen die allerscheußlichst aussehende Grotte hin, und stürzen sich unter gräßlich tönendem Schmerzgestöhne und Schreien des Entsetzens in einen wahrscheinlich alle meine Einbildungskraft weit übersteigend furchtbarsten Abgrund.

09 Der Kado macht hier selbst eine sehr bedenklich kleinlaute Miene, und sagt nun bei sich selbst: »No, no, die Gottheit sei aller Kreatur gnädig! Und so an der Hülfe des Profeten Jesu, der ein Liebling der Gottheit sein solle, etwas reell Wirksames ist, so helfe auch er; denn diese Qualen sind für jedes lebende Wesen, ob Leib, Seele oder Geist, denn doch zu unaussprechlich groß und hart. Uebrigens muß die weiseste Minerva diese ihre Dienerschaft eben nicht gar zu artig empfangen haben, weil sie gar so entsetzlich haben Wehe zu klagen angefangen. O Du große allmächtige Gottheit! habe ich auch eine Strafe verdient, so lasse mir nur ein Bischen Gnade für ein zu scharfes Recht widerfahren. Denn diese Strafe für zeitliche Vergehen, wie sie auch immer beschaffen sein mögen, ist doch als ewig während zu ungeheuer unverhältnißmäßig allerschrecklichst grausam. Lasse uns zu nichts werden, und wir sind für ewig damit zufrieden; denn der nicht ist, dem ist doch sicher alles recht. Ich habe Dir, Du allmächtigster Gott, wohl ehedem trotzen wollen, als ich noch nicht verkostet habe des gräßlichsten Schmerzes Macht; aber nun ich schon verkostet habe so eine wahrscheinlich nur höchst geringe Einleitung zum großen ewig dauernden höllischen Schmerzenstraktamente, so ist mir auch wahrlich für ewig alle Lust vergangen, mich Dir je wieder einmal widerspenstig zu bezeigen. Ich bin gewiß kein Feigling; aber was zuviel, ist zuviel! Zugleich aber danke ich Dir, Du große allmächtigste Gottheit, als ein wahrlich vielseitig ärmster Teufel für so viel Gnade, daß Du mich bis jetzt noch nicht in den Pfuhl geschleudert hast. O wie gräßlich qualvollsten Anblickes ist doch dieß erschrecklichste Glühmeer! Welch unerklärbarste Schmerzen müssen die empfinden, die unter seinen weißglühenden Wogen begraben ruhen, o eine erschrecklichste Ruhe!"

10 Hier wird Kado stille, und scheint zu weinen; ja, ja, er seufzet recht bitterlichst; und nun ruft er wieder aus in einem sehr klagenden Tone: „O du elendstes Geschöpf! du für den höchsten Schmerz best befähigter Spielball in den Händen einer unerforschlichen ewigen Macht! Was ist dein Loos sonst wohl, als eine ewige allergräßlichste Verzweiflung im Gefühle deiner entschiedensten Ohnmacht! Die Erde ward dir beschieden, auf daß du durch ihre tausend Lockungen zu einem Teufel werden mochtest; dann ward dir der elende Leib genommen, und du stehest nun als ein nacktester und allerärmster Teufel, ein ewiger Fluch der unerbittlichsten Gottheit, vor den Pforten der ewigen Qual; und weil du ein Teufel bist, so reicht dir auf all dein Bitten auch keine helfende Macht irgend einen leisesten Hoffnungsstrahl zu einer Erlösung. Wo seid ihr beiden Freunde nun, die ihr mich vor einer noch nicht gar zu langen Weile habt ins Paradies bringen wollen? Damals war ich blind, und nun bin ich sehend; warum kommet ihr denn jetzt nicht zu mir, um mich zu retten als einen Sehenden, da ihr mich doch ehedem als einen Blinden habet retten wollen vor dem Abgrunde des ewigen Entsetzens? Aber ich schreie und weine nun vergeblich, denn das Jammergeschrei aus der verdammten Tiefe eines armen Teufels dringt nimmer an ein göttliches Ohr. Wer verflucht ist, der ist auch verflucht, und die ewige schmerzvollste Verzweiflung ist sein erschrecklichstes Loos. Wehe mir! dieß ist erst der Anfang, dem aber kein Ende folgen wird."

172. Kapitel: Cados Selbstbeschauung. Seine irdische Lebensgeschichte. Weitere Herzensprüfung für den Hadernden. Höllische Minerva (Satana) im Staatswagen. Cados geweihte Abwehrsteine. (Am 26. Febr. 1850)

01 (Miklosch fährt fort zu berichten): „Nun starrt er wieder ganz trübsinnig vor sich hin, und wirft dann und wann einen Blick nach der entsetzlichen Grotte hin, aus deren schaudervollstem Hintergrunde nun stets gewaltigere Flammen emporzuschlagen anfangen, begleitet von einem fürchterlich unheimlichen Tosen und von zahllosen Stimmen, wie sie nur ein höchster Schmerz einem Gemarterten erpressen kann.

02 Dem Kado stehen die Haare zu Berge; in seiner Miene malt sich Furcht und Verzweiflung, und in seinem Innern wird es zornglühend. Nun faßt er einen Stein fest in seine Hand, und spricht mit bebender Stimme (Kado): »O komm nur du, mir durch deine Quälteufel beansagte Minerva, du Urgrund alles Uebels! Dieser Stein soll dir dein Gehirn messen, wie viel der grausamsten Weisheit etwa doch im selben vorhanden sein möchte. Ein Gott oder ein Teufel gebe mir Antwort: Wer sind die Gequälten, wer quält sie, und was ist ihre Schuld? Keine Antwort? auch aus der Hölle keine? Das ist schon die Art der Mächtigen, daß sie die Stimme eines armen Teufels als rein null und nichtig betrachten. Mein Herz, du fragst umsonst; die Hölle ist taub und der Himmel zu entsetzlich ferne von hier. Hier giebt es keinen Trost mehr für dich; du bist verloren, verloren - auf ewig! Gewöhne dich an die Gräuel, so hier eine Angewöhnung überhaupt möglich ist; das ist noch der einzige Scheintrost, den ich dir bieten kann. Gewöhne dich an die Verzweiflung, an die Diamanthärte der Beherrscher der Hölle, an die Ferne von Gott, und an die ewige Unzulänglichkeit jeder deiner an den Himmel gerichteten Bitten. Aber welch eine schaudervollste Angewöhnung wird das werden? Auf der Erde ging es zwar, daß ich mich angewöhnen konnte an alle die Gräuel, die zu verüben ich von meinem Prinzipale genöthigt wurde; aber damals war ich ein rohstes und aller Menschenbildung barstes menschliches Raubthier; ich hatte von keiner Religion auch nur einen allerleisesten Begriff. Erst als ich Selbstherrscher ward, griechisch lesen und schreiben lernte, und dabei zu einer geraubten griechischen Bibel kam, da ward ich auch in meinem Leben zum ersten Male über das Dasein eines allmächtigen Gottes belehret;

03 ich las das neue Testament, und machte da Bekanntschaft mit dem berühmten Juden Jesus, dessen Lehre sehr viel für sich hatte, bis auf einige Widersprüche. Ich ließ mir einen sogenanten Geistlichen an meinen Hof bringen, daß er mir erläutere diese alte Schrift. Aber was war das für eine Erklärung!? Ein jedes alte Weib hätte mir sicher eine ebenso gute, wo nicht bessere gegeben. Der Pfaffe verlangte von mir blos Opfer zur Sühne meiner Sünden, und verbot mir das weitere Forschen in solchen Büchern, durch die des Menschen Geist getödtet werde. Ich sah, daß der Geistliche ein Lump war, ärger denn ich, und ließ ihn darum gehen, und legte auch die Schrift zur Seite. So ich nun dadurch zu einem Teufel ward, so frage ich, ob ich daran wohl alle Schuld trage? Aber frage, mein Herz, die Allmacht, und sie wird dich keiner Antwort würdigen.

04 So der Soldat, der mit Schlingen und Ketten zu diesem Stande gezogen ward, auf dem Schlachtfelde Menschen ermorden muß, kann eine höchstweise Gottheit ihm das in sein Schuldbuch schreiben, und ihn dann als einen Mörder rechtens verdammen? Nein, und ewig nein! das kann sie nicht mit dem Rechte wahrer Weisheit. Ist aber der Gottheit Weisheit auch mit dem eitlen Dunste ihres göttlichen Allmachtsdünkels umnebelt, da freilich muß einem armen Teufel in aller seiner Nichtigkeit und Schwäche alles recht sein, was die Allmacht über ihn verfügt-. Aber was hadre ich! geht es etwa nicht schon präparativ für die armen Teufel auf der Erde also zu? Die allmächtige Gottheit ruft sie ins Dasein auf ein Territorium, auf dem für sie kein Gräschen wächst; und nehmen sie sich eines ohne den Willen des privilegirten Besitzers, so haben sie schon das Gesetz als Diebe am Genicke, während der Reiche im eigentlichsten Sinn gar nicht stehlen kann, da ja ohnehin alles sein ist. O du schöne Weisheit und Gerechtigkeit, die dem Reichen giebt im Uebermaße, und den Armen verhungern läßt."

05 (Miklosch weiter): „Nun werden die Flammen sehr thätig, die da aus dem Hintergrunde der Grotte hervorbrechen, und Blitze fahren in einer Unzahl von eben diesen Flammen in allen Richtungen hin über die große Fläche des stets schauderhaft wogenden Glühmeeres. Ich gewahre nun ein starkes Drängen im Hintergrunde der entsetzlichen Grotte; ich kann mir in meinem Gefühle wahrlich nicht helfen; es sieht zwar die Grotte an und für sich betrachtet nicht anders aus, als wie ich auf der Erde schon so manche Grotte gesehen habe, nur mit dem einzigen sichtlichen Unterschiede, daß da diese Grotte voll des allesverzehrendsten Feuers ist; aber alles dessen ungeachtet macht sie auf mein Gemüth dennoch einen allergräßlichsten Eindruck; wie muß sie erst dem Kado vorkommen, der da in der gemeinten sichern Anwartschaft stehet, über kurz oder lang in diese zu gelangen! O tausend, o tausend; nun fängt es aber in der Grotte schon ganz entsetzlich zu toben und zu wüthen an. Flammen schießen hervor, als so sie von einer allergewaltigsten Esse getrieben würden, und ganze Bündel von den mächtigsten Blitzen fahren empor zu den noch in unverrückter Ordnung weilenden Himmelsschaaren, die aller dieser gräuelhaftesten Machination ganz gleichgültig zusehen, gleichsam als sehen sie gar nicht, was da alles vor sich geht.

06 Aber nun läßt sich aus der Grotte wie ein gar heftiges Angstgejammer vernehmen! - Das Gejammer kommt näher und näher, und der Kado hält sich die Ohren zu; no, der muß dieses elendste Geschrei, Geheul und Gebrüll gar gut vernehmen. Ah, ah, ah, das ist großartig teuflisch merkwürdig! Nun kommt aus der innersten Grotte ein Prachtexemplar von einem nach Römer Art gemachten kaiserlichen Galawagen von 6 glühenden Drachen bespannt zum Vorscheine, und im Wagen, der selbst ganz glühend zu sein scheint, sitzet im Ernste eine Art Minerva, in ihrer Rechten eine Art Szepter, und in ihrer Linken eine glühende Lanze haltend.

07 Sie gebietet nun dem Glühmeere Ruhe, und siehe, das Meer scheint ihre Sprache nicht zu verstehen; denn es ist stets gleich unruhig. Aber jetzt winket sie mit dem Szepter in den Hintergrund zurück, und sogleich stürzen eine Unzahl ganz verzweifelt teuflisch aussehender Geister aus den Flammen unter gräßlichem Geheul hervor. Sie gebietet ihnen, die Wogen des Glühmeeres zu bändigen und niederzuhalten. Die Teufel unter allen erdenklichen Geschmeißgestaltungen werfen sich sogleich auf die glühenden Wogen, und bringen richtig eine etwas bedeutendere Ruhe zuwege. Aber es scheint diese Ruhe der Göttin noch nicht zu behagen; deßhalb ruft sie noch eine größere Menge solcher Geister hervor; diese stürzen mit großer Wuth hervor, und decken mit ihrer Scheußlichkeit nahe die ganze sichtbare Oberfläche des Gluthenmeeres, und es ist die Oberfläche nun ganz ruhig, so weit sie von diesen Scheusalen bedeckt ist.

08 Nun erst fängt sie an weiter zu fahren, und wie ich's merke, nimmt sie die Richtung gerade gegen den vor Entsetzen schon nahe ganz starr gewordenen Kado. Dieser aber versieht sich nun mit Steinen, und wie ich's merke, so bezeichnet er sie zum Theile mit dem Namen Jeoua, und zum Theile auch mit Deinem Namen Jesus von Nazareth, König der Juden. Er sieht ganz verzweifelt grimmig aus, und droht schon von weitem der sich ihm nahenden Minerva.

09 Diese aber herrschet ihm entgegen (Minerva): »Wage es nur, meine Majestät zu beleidigen, so du in tausend mal tausend Stücke zerrissen sein willst. Siehe, ich komme zu dir, um dich glücklich zu machen, und du willst mich steinigen! O du elender blinder Thor! was ist deine Macht gegen die meinige. Sieh', die ganze Schöpfung, alle zahllosen Sterne und Welten sind aus Mir; ein Hauch aus Meinem Munde verwehet sie auf ewig in einem Nu, und du willst mit mir einen Kampf beginnen? O du tollster Thor! Sehe und höre mich vorerst; dann versuche dich an mir!" - Spricht Kado: „Das ist mir ein Teufel, ob schön oder häßlich, oder ob mächtig oder schwächer denn eine Mücke; das ist wie gesagt mir ganz gleich. Ich warne dich, nahe dich mir nicht, sonst sollst du ganz verdammt schlecht bedient werden; denn ich verachte dich bis in den tiefsten Abgrund der Hölle, die von A-Z dein Werk ist. O du bildschönster Satan von einer Minerva, meinst denn du, mit deiner reizendsten Gestalt wirst du mich bestechen oder verlocken, daß ich mich dir ergebe! Packe ein mit allen deinen Reizen; wahrlich nicht einmal mit meinem Kothe möchte ich deiner Haut zarteste Stellen beschmieren. Fahre ab, sonst sollst du die Wurfkraft meiner Hände zum verkosten bekommen, sieh diesen Stein; Jeoua ist sein Name!"

173. Kapitel: Cados und Minervas Disput. Schreckensproben der Höllenfürstin. Cado rettet sich mit dem wahren Stein der Weisen. Gott Jesus ist Sieger! Sein Name - der Hölle ein Greuel! (Am 27. Febr. 1850)

01 (Mikk.): „Spr. die Min: »Aber Kado! für so impertinent, roh und grob hätte ich dich wahrlich nicht gehalten; es haben mir's ein paar Favoritinnen meines Hofes erzählt, welch ein grober und roher Schroll du sein sollest; aber ich nahm ihre Aussagen nicht sogleich als bare Münze an, sondern wollte mich erst selbst von allem überzeugen. Aber da ich mich nun von deiner höchst inhumanen Weise, mit hohen Geistern zu verkehren, selbst überzeugt habe, wo ich dir doch gewiß nicht unartig entgegengekommen bin, so bin ich denn auch genöthigt, mit dir in einem ganz andern Tone zu diskuriren anzufangen; zuerst sollst du einer kleinen Exekution zusehen, und daraus entnehmen, wie ich mit Geistern so ganz von deinem Kaliber umzugehen pflege; und solle dich dieser Anblick für mein Herz noch nicht mürbe machen, so werde ich dann auch unverzüglich dich meine Schärfe verkosten lassen, weil dir meine Herablassung, Milde und Sanftmuth nicht munden will."

02 Die Minerva winkt, und in einem Augenblicke werden von allerschrecklichst aussehenden Teufeln eine unübersehbare Menge von allen erdenklichen MarterWerkzeugen herbeigeschafft, und in einem weiten Kreise um die Minerva ordnungsmäßig aufgestellt. Auf einen zweiten Wink werden von andern noch gräßlicher aussehenden Teufeln eine ungeheure Menge von noch ganz menschlich aussehenden Delinquententeufeln auf eine Weise nun aus der schauderhaftesten Grotte herbeigeschleppt, die selbst einen Stein empören müßte. Diese Delinquenten schreien und heulen nun furchtbar, und viele winden sich entsetzlich aus tiefster Verzweiflung bittend vor der Minerva, daß sie ihrer schonen möchte. Aber diese winkt nun ganz stumm den vor Martergier ordentlich glühenden Teufeln, und diese ergreifen mit wildester Hast ihre Opfer, und beginnen soeben dieselben auf das allerunbeschreiblichste zu martern und zu quälen.

03 Ah, Herr! das ist noch der allergräßlichste Anblick! Wenn diese ärmsten Teufel auch so wie wir schmerzfähig sind, so ist das etwas, worüber selbst der tiefweiseste Cherub verstummen muß. Das Martern geht nur sehr langsam und ganz planmäßig vor sich. O Herr, du ewige Liebe! erbarme dich dieser ärmsten und allerunglückseligsten Teufel, und lasse den armen Kado nicht in die vollste Verzweiflung übergehen! Ich höre von ihm nun nichts mehr und nichts anderes als: »O Gott, o Gott, o Gott! Wo bist Du? Ist es denn möglich, dass Du so was ruhig mitansehen kannst? Ich bin verloren! ich bin verloren!" Er fällt nun wie ohnmächtig zusammen.

04 Nun ruft dem Kado die Minerva so ganz höhnisch gelassen zu: »No, du tapferster Held, wo ist denn nun dein Muth und dein Starrsinn? Beliebt es dir, mir etwa noch länger trotzen zu wollen? Versuche es, so du nun den Muth besitzest, und ich werde dir dann sogleich meinen Muth und meine Kraft zeigen. Wie gefällt dir dieß kleine Pröbchen, das ich nun blos nur so aus meiner Laune vor deinen Augen aufführen lasse? nicht wahr, die Sache macht sich?"

05 Der Kado springt nun plötzlich auf wie neu gestärkt, und heulet der Minerva zu: »Satan, Grund alles Bösen! was haben diese verschuldet vor dir, daß du sie alle quälen lässest? wenn dir nur ein Funke Weisheit innewohnt, so forsche in dir dem Grunde nach, und gebe mir ihn kund; und so er mich befriedigt, da will ich dich anbeten! Rede! oder ich zerreiße dich in Atome!« - Hier bricht die Minerva in ein gellendes Gelächter aus, und sagt darauf: »O du elendster Wurm, du wagst es noch, bei all dem Gesehenen mich als die Herrin der Unendlichkeit um eine förmliche Rechenschaft anzuheulen! Warte! es soll dir sogleich die verheißene Züchtigung zukommen, und diese wird es dir sagen, aus welchem Grunde die Allmacht so manches zu thun pflegt nach ihrem launigen Belieben, ohne ein geschaffenes Wesen eher um eine Genehmigung anzubetteln.«

06 Nun winkt die Minerva ihren Büttelteufeln, daß sie den Kado ergreifen und auf eine allerärgste Martermaschine schleppen sollen, und sogleich springen eine starke Menge der grimmigsten Teufel auf ihn zu, um ihn zur Martermaschine zu schleppen. Aber da sehe man den Kado an; nein, solche Kraft hätte ich in ihm nicht gesucht. Im Augenblicke, als ihn die Teufel ergreifen wollten, warf er allergewaltigst einen Stein unter sie, daß sie dadurch wie durch einen Zauber derart auseinander zerstoben wurden, als wäre ein allergewaltigster Blitz unter sie gefahren; und es scheint keiner mehr die Lust zu haben, einen wiederholten Angriff zu wagen.

07 Als Kado nun ersieht, daß ihm ein mit Deinem Namen, o Herr, bezeichneter Stein einen so ausgiebigen Dienst geleistet hat, legt er die Hände auf seine Brust, und sagt: »Nicht mehr du Judenprofet Jesus, sondern Du Gott Jesus! Du hast mir geholfen, Dir sei all mein Dank, und alle meine Achtung auch aus der Hölle, in der ich mich befinde, für ewig geweiht!«

08 (Wikk.): „Mehr als überaus merkwürdig ist es aber, daß bei der Nennung Deines allerheiligsten Namens die sämtlichen Teufel samt der Minerva wie von einer Million Blitzen zu Boden geschmettert worden sind, und gar keine Lust mehr zeigen, sich wieder zu erheben."

09 Kado aber fragt nun die zusammengekauerte Minerva: »No, du holdeste Beherrscherin der Unendlichkeit, wie geht es dir denn nun? Mir scheint, du bist ein wenig angegriffen? Möchtest denn nicht ein wenig näher zu mir dich begeben, vielleicht könnte ich dir helfen mit noch so einem Steine der Weisen!« (Am 1. März 1850)

10 Die Minerva richtet sich nun wieder auf, findet aber zu ihrem großen Leidwesen, daß ihre Lanze gebrochen, und ihr Szepter sehr beschädigt ward, sie betrachtet nun solche ihre Herrschinsignien eine Weile und sagt: »Das ist sehr übel für meine Herrschaft! denn es sagte einst das mächtigste Fatum zu mir: Minerva! du weiseste und mächtigste Königin über alle Sterne, gebe Acht auf deine Lanze und auf deinen Szepter! So es je geschehen solle, daß dir deine Lanze gebrochen, und dein Szepter beschädiget würden, dann wird es mit deiner Herrschaft auch ein baldiges Ende nehmen, und du wirst verabscheuet werden ärger denn ein Aas. Ja, ja, das Fatum, das unerbittliche Fatum hat wahr gesprochen. Kein Engel der Himmel konnte je meine Macht brechen. Aber einem niedrigsten Teufel, der doch in aller Bosheit ein dümmster Teufel war, wurde es vom Fatum vorbehalten, daß er mich stürze.«

11 Nach diesem Monologe wendet sie sich nun an den Kado, und sagt: »O du dümmster aller Teufel, wie ist es dir denn nun, daß du mich so schmählich hintergangen hast; wirst du nun als das Simbol der rohesten Dummheit die Welten, Sonnen und alle Elemente lenken? wirst du sie aufhalten, so sie nun bald, da ich sie nicht mehr erhalten kann, über dich Hereinstürzen werden? Meinst du, auch eine ganze Welt mit aller ihre Schwere wird sich im Falle von deinen allerschmutzigsten Steinen aufhalten lassen?« - Spricht nun Kado: »Wenn du als allmächtige Beherrscherin der Unendlichkeit dich vor meinen Steinen nicht schützen konntest, wie werden sich dann deine miserablen Werke schützen vor ihnen? Wer so eine saubere Gottheit, wie du eine, besiegt, für den werden wohl ihre Werke auch nicht unbesiegbar sein! Kümmere dich dessen nicht; da weiß es schon eine andere Gottheit als wie du, was sie aus deinen seinsollenden Werken machen wird. Sage mir aber lieber, wie viele so arme Teufel hinter jener Grotte noch weilen, als wie diese da sind, die du nun so blos zu deinem Privatvergnügen auf das allerscheußlichste hast martern lassen? und wie viele sind schon von jeher so und vielleicht noch ärger gequälet worden? Sage mir die genaueste Wahrheit, sonst sollst du von mir auf das allerübelste bedienet werden!"

12 Spricht nun die Minerva: »Sieh, du blinder Thor! Alles das, was du hier gesehen, war nichts als blos nur eine momentane Ausgeburt meiner Fantasie, also gestellet zur Probe deines Muthes; ich allein bin eine Wirklichkeit; alles andere war ja nur ein Schein und kein Sein; daher hattest du mit dem Scheine auch einen leichten Kampf zu bestehen; denn wäre dir hier eine Wirklichkeit entgegengetreten, da hätten dir deine allerschmutzigsten Steine sicher keinen Sieg verliehen; aus welchem Grunde aber an deinem Siege über mich auch nicht so viel liegt, als wie du nun etwa meinen dürftest; denn du hast nur einen Schein, und keine Wirklichkeit besiegt!" - Hier denkt die Minerva etwas nach und sagt nun nach einer Weile: »Auf deine Frage, wie es sich schon von selbst versteht, kann ich dir daher auch keine Antwort geben, was auch mein gerechter Stolz nie zugeben könnte, daß ich mich mit so einem miserabel dümmsten Teufel in eine Weisheitsberechnung einlassen möchte. Verstehst du miserabel dümmster Teufel solches?«

13 Spricht nun Kado mit spöttisch lächelnder Miene: »Schau, schau, was du doch bist für eine kluge Sau! Also nur blos den Schein, und keine Wirklichkeit hätte ich besiegt durch den Gottnamen Jesus? und doch sagtest du soeben, die du auch total geschlagen bist, von dir selbst aus, daß du eine allmächtige Wirklichkeit bist! Wenn ich mit meinem Steine - nach deiner Behauptung - blos nur deine allergrausamsten Fantasiebilder besiegt habe, wie kommt es denn, daß du als Wirklichkeit nun auch besiegt und ganz gelähmt vor mir dich befindest? Rede nun, und mache mir diese Sache erklärlich, wie ist das?«

14 Spr. die Minerva: »Das ist auch nur ein Scheinsieg, da ich mich nur so stelle, als wenn ich besiegt wäre, um mit dir ganz aufrichtig zu sprechen; denn wäre ich wirklich besiegt, so stünde ich nicht mit aller meiner vollsten Entschlossenheit vor dir, und wäre nicht bereit, mit dir noch zahllose Male den glühendsten Kampf zu erneuen! - Ich gebrauchte gegen dich, der du ein reinstes Nichts gegen mich bist, dieses Scheingefecht nur aus Schonung für dein mir leider zu wohlgefälliges Wesen, welches mein Herz mit der unverdientesten Liebe gegen dich erfüllte, und noch erfüllt; hätte ich nicht diese zarteste Rücksicht für dich, so hätte ich blos so ein paar allerschwächste Mückengeister über dich gesendet, die alle deine Macht und Kraft rein in nichts verwandelt hätten; und so du mir viel Flausen machst, so werde ich am Ende denn doch noch mit der Wirklichkeit dir entgegenzukommen genöthiget sein!«

15 Spricht der Kado: »Hm, hm, merkwürdig! nein, nein, du bist wirklich ein scharmantes Wesen; schau, schau, so viel Herzensgüte hätte ich bei dir nicht erwartet! Daß du überaus gut sein mußt, das haben mir ja deine Fantasiebilder hinreichend bewiesen, wie auch deine schönen Gott zu entthronen beabsichtigenden Ideen, die du früher durch deine Hauptmacht, die nun unter diesem Gluthmeere begraben liegt, effektuiren wolltest! - Sage mir, war etwa das auch nur blos so eine ganz leere Spiegelfechterei? Der erste Empfang von deinen Aposteln war an mir wenigstens ganz verdammt wirklich, was ich zu einer ewigen Witzigung nur zu klar verspüret hatte. Dieselben Apostel aber sind hernach, als sie an mir scheiterten, in einer ungeheuer vermehrten Anzahl gegen die wahre allmächtigste Gottheit zu Felde gezogen, um an ihr höchst wahrscheinlich deinen uralten Plan auszuführen. Aber die liebe allmächtigste Gottheit war gleich so keck, zu öffnen die Feuerschleußen dieses Gebirgs, und begrub deine Hauptmacht unter die Wogen dieses Glühmeeres. Sage mir gütigst, ob das auch alles blos nur so ein Schein war ohne alle Wirklichkeit!«

16 Spr. die Minerva ganz trotzig und mit zornverbissenen Lippen: »Das war leider kein Schein! Daß es aber so ungünstig für mich ausgefallen, daran ist leider dein dümmster Vorfahre schuld; denn ich habe es ihm tausend Male gesagt, daß es nun noch nicht an der Zeit sei. Aber er ließ sich nicht rathen, handelte eigenmächtig, und hat nun den Lohn für seine wahnwitzige Tollkühnheit. Wann wird sich wieder so eine Gelegenheit darbieten?«

17 Spricht Kado: »Ich glaube: in alle Ewigkeiten nimmer! packe daher ein mit deinem allerdummsten Plane; Gott ist und bleibt Gott ewig, und du ein allerdummstes Wesen, schlecht und elend genug, so du solch einen allerdummsten Plan nicht aufgeben wirst; schau, was für ein ungeheuer schönstes Wesen wärest du, wenn du nicht so bösdumm sein möchtest; lege einmal dein uraltes stets fruchtlosestes Handwerk, und nehme an den Willen der Allmacht, der du ewig nimmer wirst zu widerstreben im Stande sein. - Ergebe dich, du sonst deiner Gestalt nach unbeschreiblich Herrliche, und ich selbst will dich mit einer Liebe umfassen, von der unter den geschaffenen Geistern die ganze Unendlichkeit kein Beispiel gesehen hat; ansonst ich dich trotz deiner höchsten Schönheit dennoch allertiefst verachten muß.«

18 Spricht die Minerva etwas weniger leidenschaftlich: »Wüßtest du, was ich weiß, so würdest du von deiner Gottheit anders reden. Aber dennoch hast du recht, daß du also zu mir redest, denn es ist auch also; aber ich kann mich ewig nimmer ändern. Denn ändere ich mich, so ist im nächsten Augenblicke außer Gott und mir kein geschaffenes Wesen mehr in der ganzen Unendlichkeit; keine Sonne und keine Erde mehr! Ich muß daher in der ewigen Dual stecken, auf daß die Geschöpfe aus mir in aller Seligkeit schwelgen können. Aber nun habe ich es satt, und es muß denn doch einmal anders werden!«

19 Spr. Kado: »O du arme Mutter der Unendlichkeit! Geh, komm her zu mir, ich werde dich zu unserm lieben Herrgott Jesus führen; nachher wird schon alles wieder gut werden!«

20 Schreiet die Minerva: »Nur diesen Namen nenne mir nimmer! sonst ist es gleich rein ganz aus mit uns Beiden, denn dieser Name ist mir ein Gräuel!« (was i au glaub'.)

174. Kapitel: Cados erleuchtete Weisheit gegen Minervas hochmütige Verblendung. Anerkenne den Gottmenschen Jesus - und dir wird alles lichter werden! (Am 11. März 1850)

01 (M.): „Spr. Kado: »Aber liebe Mutter der Unendlichkeit, allerholdeste und schönste Minerva! Aber warum denn gerade vor diesem gewiß sehr menschenfreundlich klingenden Namen einen solchen Widerwillen haben? Was hat er denn dir gethan? Ich meines Theiles finde gerade in diesem Namen sehr viel Tröstendes und Beruhigendes. Also heraus mit der Farbe, was für einen Haken hat es denn da?"

02 Spricht die Minerva ganz erbost: »Freund! da hat es den aller-unendlichst größten Haken, den wohl alle Ewigkeiten nicht gerade biegen werden! Denn in diesem Namen ist die Gottheit wahnsinnig geworden, hat ihre Urhöhe und Tiefe verlassen, und hat sich aus einer alleralbernsten Liebe zu ihren Fantasiegeschöpfen in einen engen Schlafrock gepfercht, aus dem sie nun nicht mehr herauszubringen ist! - Denke dir die aus purer Affenliebe zu Ihren Geschöpfen von ihren allermistigsten Kreaturen maltraitirte, an's Kreuz gehängte Gottheit, eine Gottheit, die sich zu einem Aase herunterwürdigt, anstatt auf ihrer unendlichen Höhe und Glorie in meiner lichtvollsten Gesellschaft zu bleiben, und zu herrschen über die vollendetsten Wesen, die da aus mir ihr unverwüstbares Dasein nehmen. Was? frage ich, was kann ich als die höchste noch durch nichts getrübte Weisheit von solch einer toll gewordenen Gottheit denken und halten? Ich könnte vor Schande und Schmach vergehen, wenn ich an solch eine entsetzlichste Erniedrigung schaue, und schauen muß, weil sie wirklich da ist. Siehe, Thor! da hat es den Haken! Würde ich auch mit der Gottheit toll, so geht die ganze Unendlichkeit in Trümmer, und alle Wesen haben zu sein aufgehört, wie ich dir's schon früher sagte; siehe, das ist der verzweifelte Haken."

03 Spricht Kado: »Merkwürdig, merkwürdig, merkwürdig! aber was ist denn hier so ganz eigentlich merkwürdig! O nicht die Erniedrigung der Gottheit zu ihren Geschöpfen herab; o nein, das ist in meinen Augen noch lange nicht so merkwürdig, als daß die mir sich als höchstweise darstellende höchste Göttin Minerva so schauderhaft geistesbeschränkt ist, ihr von der großen Gottheit eine gar so saudumme Vorstellung als permanent fixirt zu machen. Erlaube mir, wie kann die Gottheit, als der reinste Urgeist aller Geister, als die mächtigste Urkraft aller Ur- und aller der von dieser Kraft ausgehenden sekundären Kräfte, je möglich schwach werden? Sie, die die Unendlichkeit umspannet, und danebst aber der ewigste und festeste Mittelpunkt aller Mittelpunkte ist, könnte je schwach, ja - quod incredibile dictu! - am Ende sogar wahnsinnig werden! Nein, Minerva, dieser Witz ist dir nicht gelungen. Du magst sonst sehr weise sein, ja sogar so weise, als wie du - im Ernste gesagt - ungeheuer verführerisch schön bist; aber der Witz mit der göttlichen Schwäche und Tollheit ist dir nicht gelungen, und ich möchte dir beinahe mit dem Ausrufe des alten griechischen Malers - („Schuster bleib bei deinem Leisten") dich zurecht weisend entgegenkommen. Aber ob deiner enormen Schönheit, die sicher einen jeden armen Sünder zur Anbetung auffordern müßte, so er dich zu sehen bekäme, verschone ich dich ernstlicher Weise damit. Zudem sehe ich, daß du außerordentlich herrschsüchtig bist, und daß es dir beliebt, mit mir dir einen Spaß zu machen, und so ärgere ich mich auch gar nicht mehr über deine wenigstens mir bezeigte Dummheit.

04 Aber so du es annehmen willst, weil ich schon gar so ein großes Wohlgefallen an deiner allereminentesten Schönheit habe, und dich sogar im Ernste etwas liebe, und noch mehr lieben möchte, so ich mir's getrauete, so gebe ich dir einen Rath, und dieser besteht darin, daß du dich mit dem Gottmenschen Jesus auf einen freundschaftlichen Fuß stellen sollest! Lasse wenigstens Seinen Namen in deinem Reiche, oder was es sonst noch ist (?!) öfter ausrufen zu deiner eigenen Ueberzeugung, was da doch etwa daraus entstehen könnte, aussprechen, und ich bin überzeugt, daß du schon dadurch in aller Kürze für bleibend zu ganz andern Begriffen und Vorstellungen über die Gottheit gelangen wirst. Siehe, ich bin auch ein Teufel, vielleicht viel ärger noch denn du, und kenne, wie gesagt, Jesum nur dem Namen und einigen Paragrafen Seiner Lehre nach, die wahrlich höchst göttlich weise sind, und sogar jedem nur einigermaßen reell denkenden Geist- oder Fleischteufel die höchste Bewunderung abnöthigen müssen; aber es kommt mich wahrlich gar nicht schwer an - Ihm die tiefste Achtung zu zollen; warum solle denn das dir gerade schon gar so schwer und unausführbar vorkommen?

05 Geh, und mache nun einmal eine Gescheidte; denn dumm warst du ja ohnehin schon lange genug! Schau, wir Zwei taugeten denn doch so hübsch für einander. Es wird deßwegen noch Schlechtes genug geben, wenn es auch gerade nicht mehr von uns ausgehen wird. Denn für junge Teuferl haben wir, glaube ich, doch so hübsch gesorgt, und der gute Herrgott wird so noch hübsch eine Weile zu thun haben, bis Er aller unserer nachkommenschaft vollends Meister wird (!), so auch wir unser nahe ewig währendes Teufelmachungs-Geschäfte für immer aufgeben. Es darf dir darum schon wahrlich nimmer leid sein; denn du hast davon noch allzeit einen scheußlichsten Lohn empfangen; und so du dein Geschäfte fortsetzest, so wird dafür dein Lohn statt besser, nur immer scheußlicher werden; und am Ende könnte es der allmächtigen Gottheit so bei einer launigen Gelegenheit irgend einmal denn doch einfallen, dich für ewig ganz zu vernageln(!?) und was hättest du dann von allen deinen allersauersten Mühen und Arbeit?*) Daher folge meinem Rathe, und das um so mehr, da du dabei sicher am wenigsten verlieren kannst, indem du mir doch selbst ehedem deutlich genug zu verstehen gabst, daß dadurch deine Existenz für ewig, sowie die der Gottheit unverwüstbar sei."

06 Die Minerva ist hierauf stumm, stehet als ein unbeschreiblich schönstes Weib knapp am Hügel auf ihrem Phaeton, und scheint - manchmal einen Blick nach dem Kado werfend – über die Worte desselben nachzudenken."

175. Kapitel: Fortsetzung des Disputes zwischen Cado und Minerva. Minervas Bedingungen zur Ergebung. Cados Erwiderung. (Am 13. Marz 1850)

01 (Miklosch berichtet weiter): „Jetzt nach einer Weile von einigen irdisch währenden Minuten richtet sie ihr Angesicht wieder fest gegen den am Hügel weilenden Kado, und sagt (Minerva): »Freund! ich muß dir offen gestehen, daß du mich sehr interessirst, denn es liegt in deiner schönen morgenländischen Gestalt, wie auch in deinen Worten mehr Geist und Wahrheit, als du es selbst nun noch zu ahnen im Stande bist; aber dem ohngeachtet kann ich deiner Rede nicht eher Gehör bieten, als bis die von mir geschaffene Erzhure des neuen Babel vollends gestürzet ist. Ich habe sie aufgerichtet zu einer von der Gottheit mir gestatteten Feuerprobe für Alle, die da auf den mir widrigsten Namen getaufet wurden, und wollte der Gottheit gegenüber nur beweisen, daß auch ihre Lehre in ein allerabgefeimt-tollstes Heidenthum umstaltet werden kann. Mir ist scheinbar mein Werk gelungen, und die neuen Babilonier wissen sich nun vor Nacht und Grauen nicht mehr zu rathen und zu helfen; sie haben allen Geist verloren; vom Christenthume ist keine Spur mehr zu entdecken; sie haben nur noch ein morsches Gerippe vor sich, und erwürgen sich nun der äußersten todten Haut wegen, in der schon seit nahe einem vollen Jahrtausende kein Leib, und um so weniger irgend eine Seele mit ihrem Geiste sich befindet; aber das muß nun also geschehen; meine Gräuel müssen durch aus sich gezeugte neue Gräuel vernichtet werden, und die Menschheit in eine neue Pflanzschule versetzet werden; wann solches bewerkstelliget wird, dann sollst du mir unter die Arme greifen, und ich werde eines Sinnes sein mit dir ewig!"

02 Nun spricht Kado: »Allerholdestes und reizend schönstes Weib der ganzen Schöpfung Gottes! O mache mir keine so schweren Bedingungen, deren endliche Erfüllung wahrlich nicht abzusehen ist. Lasse das hundemäßige Neubabel; lasse die Gottheit allein walten, der es ein Leichtes sein wird, alle von dir angelegten Krummwege zu ebnen; du aber folge mir, und werde fortan glücklich! Gedenke nicht mehr dessen, was du warst in was immer für einer Hinsicht; sondern gedenke vielmehr, wie glücklich du wieder werden kannst, und wie glücklich ich an deiner unbegreiflich schönsten Seite, und zahllose Miriaden mehr, in der Anschauung deiner unendlichen Schönheit; und du wirst meinen Worten dann leichter Gehör leihen können, als du Herrlichste es dir vorstellest. Denke dir meinen Schmerz, so ich dich verachten müßte, deines tollen Starrsinnes wegen, dich! für die in meinem Herzen Milliarden Sonnen brennen! Ich bitte dich, du unbeschreiblich Schönste, folge meinem Rathe! Bei aller Allmacht der Gottheit, und aller deiner unendlichen Schönheit schwöre ich dir, daß du von mir nicht hintergangen sein sollest. Unbeschreiblich holdestes schönstes Weib, du Zentralsonne alles Lichtes, gehe, verlasse deinen Phaeton, werfe das morsche Szepter und die zerbrochene Lanze von dir, und ziehe an den herrlichen Schild der Liebe! Komme also gerüstet an diese meine Brust, und du sollst für alles Ungemach, das dir je begegnet ist, die reichlichste Entschädigung finden. Mit deiner gegenwärtigen Scheinmacht wirst du mich nie besiegen; aber mit der Liebe wirst du mich zum Sklaven deines Herzens machen.«

03 Spricht nun die Minerva: »Kado, Kado! du wagest mit mir ein gefährliches Spiel! Was wirst du aber dann thun, so dich der eifersüchtige Himmel meinetwegen wird auf das Härteste zu verfolgen anfangen? Sehe auf, und du wirst sehen, wie ich von zahllosen Milliarden in meiner Unterredung mit dir belauschet werde, und du mit mir! Meine unbegrenzte mit nichts zu vergleichende Schönheit ist ja eben mein ewiges Unglück! Ich sollte nur Einen lieben, für den in meinem Herzen keine Liebe thront; will ich aber meine Liebe jemand Anderem zuwenden, dann ist aller Himmel voll Zorn und Rache gegen mich, und gegen den, dem ich mein Herz zuwende. Daher begreife, so ich dich warne, mit mir ein so gewagtes Spiel zu treiben; möglich, daß es dir vielleicht gelingt, da dir schon so manches gelungen ist, aber wehe dir und mir, so es dir nicht gelingen sollte!«

04 Spricht Kado: »Du hast in Hinsicht der Milliarden himmlischer Belauscher ober uns wohl recht; ich ersehe sie nun auch; aber ich ersehe in ihnen Freunde und keine Feinde. Siehe, sie Alle winken mir Beifall zu; wahrlich, diese thun uns nichts; und sollte ihre Freundlichkeit eine Kriegslist sein, so werden sie Alle es allein mit mir zu thun bekommen! Kurz, ich lasse nimmer ab von dir! Du bist mein, und keine böse Macht solle dich mir nehmen! Denn auch ich bin unverwüstbar, und bin mächtig aus Gott, und aus keinem Teufel, der ich selbst einer bin.«

05 Spricht die Minerva: »Kado, Kado, Kado! reize die Götter nicht, denn du bist ein schwacher Mensch! Siehe, die da oben werden mich bald in ein häßlich Kleid werfen, was wirst du dann sagen und thun?« (Am 15. März 1850)

06 Spricht Kado: »Holdeste! so sie das thäten, dann sind sie Teufel, und nie Engel! Nein, nein, sieh hinaus! Sie Alle geben mir ein Zeugniß, daß sie solch einer That unfähig sind; alle die Zahllosen haben eine Freude darüber, daß du so lange verharrest in solch deiner urwahrsten Gestalt, und sie Gelegenheit haben, die erste Urschönheit, den ersten Urgedanken alles Seins aus Gott vor sich zu haben und anzustaunen, mehr denn alles, was außer Gott der höchsten Geister nie erschöpfbare Weisheit als schön bezeichnen kann. O Lichtträgerin alles dessen, was der geschaffene Geist schön nennen und selbst als schön gestalten kann, mache keine Bedingungen mehr und komme! Denn mein Inneres sagt es mir, daß auf deine Rückkehr alle Himmel schon äußerst lange Zeitenläufe vergeblich harreten, und sich nach der Lust sehnten, dich als die Krone endlicher Vollendung aller Dinge und Wesen die Ihrige nennen und ehren zu können. Umstimme daher deinen Willen, lasse erweichen dein Herz, komme, und genieße an meiner Seite der freiesten Seligkeiten höchste. Fühle einmal auch die Wonne, für die als erste und größte und vollendetste Idee, in mächtigst lebendiger Wirklichkeit aus Gott hervorgehend, du bestimmt warst und noch bist.«

07 Die Minerva sieht den Kado nun recht freundlich, aber doch immer mit Herrscher-Augen an, und sagt: »Kado, hast denn du dir's wohl im Ernste vorgenommen, mich schwach zu machen? meinst denn du, mich zu besiegen, und für was immer für eine Sache geneigt zu machen, sei etwas Leichtes, was so einem aus mir geschaffenen Erdwurme gelingen werde als der Fang einer matt gewordenen Fliege? O, hoffe nicht zu voreilig; denn gar mächtigste größte Geister haben sich an mir versucht, und sind am Ende mit Spott und Schande allerunverrichtetster Dinge abgezogen; wie mag es dir denn träumen, mich durch die Macht des Stromes deiner Rede fesseln zu können? Seh', solcher Mignionmanövers gegen mich habe ich schon zahllose bestanden und zurückgeschlagen; wie kann es dir beifallen nun, du werdest mich gewinnen für dein Herz, und am Ende gar für alle die mir über alles verhaßten Himmel, die ich besser kenne denn du, als ein armer blinder Teufel. Dich allein lasse ich mir gefallen; aber so du mir als Teufel von den Himmeln vorzuschwärmen beginnst, dann bist du von mir aus des Anspützens nicht werth. Jedes Wesen muß sich konsequent bleiben; es muß entweder ein starker Teufel ganz, oder umgekehrt ein dummer Himmelsbote sein, der bei mir allzeit nichts ausrichtet, aber von mir dennoch respektirt wird wegen seiner obschon vanen Konsequenz; aber so ein Teufel wie du, der zugleich auch eine Art Engel sein will, muß im Verfolge mir widrig werden, obschon er sonstige Eigenschaften besitzt, vor denen ich selbst eine gerechte Achtung habe. Mein lieber Kado, so du mein Herz für dich gewinnen willst, da mußt du es ganz anders anfangen, als es bisher der Fall war; wahrlich, ich bin dir nicht abgeneigt; willst du mich aber gewinnen, so mußt du mir folgen, und zu mir kommen, aber nicht von mir verlangen, daß ich das thun solle.«

08 Spricht Kado: »Aber Herrlichste! ich will dich ja nur für mich, und nicht für jemand Andern gewinnen! Ob sich die dir verhaßten Himmel darob freuen oder ärgern wollen, das ist mir gleich; ich will ja nur dich, und nicht die dir verhaßten Himmel, und beharre für ewig nur bei diesem Verlangen! Aber den evidentest mächtigsten Himmeln trotzen werde ich auch ewig nicht, auch deinetwegen nicht, obschon ich dich mehr liebe, denn alle Gottesschätze der Unendlichkeit.

09 Siehe, ich halte ein jedes Wesen, dich nicht ausgenommen, für höchst dumm, das da mehr thun will, als es vermag; und überaus dumm aber ist ein Wesen, das selbst die bittersten endlos vielen Erfahrungen nicht klüger zu machen im Stande sind. Sage mir ganz aufrichtig, was und wie viel wohl hast du gewonnen durch deinen allerunbeugsamsten Starrsinn? Bist du dadurch mächtiger geworden, oder reicher, oder schöner? Oder waren dir die dezillionenfachen Züchtigungen, derer du allerschärfst theilhaftig wurdest, eine Wollust? Siehe, du gleichest in jeder Hinsicht jenen eselhaften Völkerbeherrschern, die lieber ihr ganzes Reich zu Grunde richten, als daß sich ihre allerhöchst gestellte, aber auch allerevidenteste Dummheit von irgend einem niederen Weisen etwas einrathen ließe.

10 Du zwar endlos schönstes, aber dabei, wie ich's nun an dir nur zu klar merke, auch allerdummstes Weib! wenn ich dich besiegen wollte, da brauchte ich auch nicht ein Wort mit dir zu verlieren; denn da genügen diese Steine; und da sieh, eine neue Waffe zu meinen Füßen; es ist eine Wurfschlinge, mit der ich umzugehen verstehe! Ich brauche sie nur nach dir zu werfen, und kein Teufel und Gott deines Maßes befreiet dich mehr aus meiner Macht. Aber ich selbst will dich nicht fangen und nöthigen, sondern alles dir selbst überlassen, damit der Sieg über dich nicht mein, sondern ganz allein dein freies Werk sein solle.

11 Meinest du denn, daß ich mit dir eine Freude hätte, so du mir zu eigen würdest durch meine Macht über dich? Nein, da möchte ich dich nicht einmal, trotz deiner endlosesten Schönheit. Aber so du meine wohlgemeinten Worte beherzigend dich selbst besiegest, und dich mir giebst zur ewig treuen Gefährtin, dann bist du für mich eine ewige Unendlichkeit aller Seligkeiten. - Was wirst du nun thun? Wirst du in deiner Tollheit noch länger verharren, und dadurch höchst elend sein; oder wirst du meinen Worten Folge leisten? Lichtträgerin! um deiner endlosen Schönheit willen bitte ich dich: - ermanne dich, und lasse ab von deinem Starrsinn! Siehe, es nützt dir nichts; du kommst mir ewig nimmer aus. Denn richte ich mit dir nichts durch alle meine Liebe, so werde ich mit meiner Liebe auch die Gewalt gebrauchen, und dich also an mich ketten; denn meiner Gewalt widerstehest du wahrlich ewig nimmer!«

12 Spricht Minerva: »Aber lieber Freund, warum solle denn gerade ich mich besiegen, und mich dir ergeben? Kannst denn du nicht ebenfalls dasselbe frischweg thun? denn ich sollte für dich denn doch wohl mehr Anlockendes haben, als du für mich! Zudem wäre es denn hoffentlich dennoch ordnungsmäßiger, daß der Bräutigam zur Braut hinginge, als die Braut zu ihm!«

13 Spricht Kado: »O allerdings! ich wäre auch schon lange bei dir, so der Boden, auf dem du stehest, ein anderer wäre. Ich verstehe mich aber wahrlich nicht, auf solch einem Boden zu stehen und zu wandeln, und kann daher nimmer zu dir kommen. Dich aber trägt jeder Boden, und so kannst du hier wohl eher zu mir kommen, denn ich zu dir.«

14 Spricht die Minerva: »Was wirst du dann aber mit mir machen, so ich zu dir komme?« - Spricht Kado: »Alberne Frage! Lieben, und möglichst glücklich machen werde ich dich, und aus diesem Hügel gestalten ein neues Paradies der Gottheit zur Ehre, die mich mit Kraft versieht!«

15 Spricht die Minerva: »In einem Paradiese bin ich schon einmal eingegangen, und das schändlich! Mein Adam, dieser deiner Erde Erstling, hat mich auf eine Art angesetzt, daß ich mir's wohl für die ganze Ewigkeit gemerket habe. Es war ein Paradies, und das was für eins. Noch auf keinem Weltkörper ist es der Gottheit gelungen, mich so hinter's Licht zu führen, als eben auf dieser Erde; und daran war das schmähliche Paradies schuld. Ich brauche es dir gar nicht weiter zu erzählen, wie dieß vor sich ging; aber ich bin da zum ersten Male der Gottheit aufgesessen, und genieße nun durch über 6000 Jahre die elendsten Früchte davon. Daher komme du mir mit keinem Paradiese, so du mich im Ernste für dich gestimmt machen willst. Ich aber mache dir einen Vorschlag; so du diesen annimmst, dann bin ich die Deine für ewig.

16 Der Vorschlag aber lautet: Gelobe es mir, den Namen Jesus, daran ich fast allzeit ersticke, nimmer auszusprechen, und werfe alle die Steine von dir, und die Schlinge auch; so soll dir dafür mein Herz zum Lohne werden, und du sollst an mir Genüsse finden, von denen keiner Gottheit noch je etwas geträumet hat. Thue das, und ich bin dein für ewig, und werde dir allein leben. Fasse meine Schönheit, meine Anmuth, meine Reize und meine göttliche Erhabenheit nur einmal recht ins Auge, und in dein Herz, und du müßtest vom härtesten und gefühllosesten Steine sein, so du solchen Reizen widerstehen könntest!«

17 Spricht Kado: »Meine allerdings allerreizendste Minerva! weißt du, bevor du das Lügen erfunden hast, wäre ich auf deinen Vorschlag ohne weiters eingegangen; denn Jesus oder kein Jesus, das wäre mir ein Wind; und diese Steine, und diese Götterschlinge! - ich könnte sie entbehren, und deiner auch ohne ihre Hülfe Herr sein; verstehst du?! Aber da bekanntester Weise du zu allen Zeiten eine größte Künstlerin im Lügen, Anschmieren und Sitzenlassen warst, und sicher noch bist, was ehedem deine Windexekution hinreichend bewies, so kann ich so lange keinen Vorschlag von dir annehmen, als bis du nicht den ersten von mir annehmen wirst; mache aber bald; denn ich merke, daß die himmlischen Zeugen ober uns unruhig zu werden anfangen. Meinen Willen kennst du nun; entschließe dich bald, sonst wird's bald ein Mordspektakel absetzen. Denn meine Geduld geht nun auch schon zu Ende.«

18 (Mikl.): „Der Minerva Gesicht wird nun finsterer und herrschsüchtiger; sie sinnet nach Widersätzen; aber es scheint ihr kein rechter unterkommen zu wollen; sie möchte sich vor heimlicher Wuth in ihren eigenen Leib verbeißen, so sie sich nicht genierte vor dem Kado. Es ist wahrlich recht komisch anzusehen, wie sich die Erfinderin des Hochmuthes und der Lüge alle erdenkliche Mühe giebt, dem Kado ja keine ihrer Schwächen zu verrathen; aber der Kado scheint es ihr doch auf ein Haar abzulauschen, da er sie nun keinen Augenblick aus den Augen läßt, und die Wurfschlinge in solcher Bereitschaft hält, daß er sie in jedem Augenblicke loslassen kann. Nein, da bin ich wahrlich neugierig, was nun die Satana für ein Manöver wird ausführen wollen.

176. Kapitel: Cado erhält stärkeren Engelschutz. Sein wohlmeindendes Liebeswerben erwidert Minerva mit argen Gegenvorschlägen. Dem von oben Gefestigten zeigt die Hölle neue Schreckensbilder.

01 (Miklosch): „Nun begeben sich aber auch unser Freund Robert Uraniel und sein Gefährte Sahariel ganz unvermerkt auf den Hügel zum Kado hin, der ihrer aber nicht ansichtig ist, da sie sich hinter seinem Rücken postiret haben.

02 Auch die Pseudo-Minerva scheint diese Transemigration der Zweien nicht zu merken, weil sie darauf kein Auge verwendet, sondern nur allein den Kado mit verstohlenen Blicken zu mustern scheint, um höchst wahrscheinlich ihm irgend einen schwachen Augenblick abzulauschen. Sie mustert hin, und mustert her; aber Kado steht wie eine chinesische Mauer auf seiner Hut. Diese Hut des Kado scheint der Minerva nicht zuzusagen, daher sie denn auch immer auf den Boden hinstarrt und sehr nachdenket, was sie nun thun solle. Sie macht und schneidet allerlei Gesichter; bald ein ernstes, bald ein freundliches, bald ein weises, bald nun wieder ein dominirendes; aber überall schaut der alte heimliche Sünder heraus.

03 Diese Geschichte scheint dem Kado bedeutend langweilig werden zu wollen, und er räuspert sich nun ganz wohlkonditionirt, und fragt nun die Minerva sagend: »No, Holdeste! wie sieht es denn aus, wirst du anbeißen oder nicht? ich habe nun ein ziemlichs Weilchen geharret; aber es kommt von deiner Seite zu keinem Entschlusse, und sonach auch um so weniger zu irgend einer That nach meinem Wunsche. Ich gebe dir daher nur noch eine äußerst kurze Bedenkzeit; wird dich diese zu nichts vermögen, dann sollst du sogleich meine Fertigkeit im Gebrauche der Wurfschlinge zu bewundern bekommen. Ich sage es dir im vollsten Ernste, seit deinem Sein hast du aus den zahllosen Miriaden von verführten Geistern noch keinen gefunden, der dir ein Meister gewesen wäre; denn sie alle waren deiner List nicht gewachsen; aber an mir wirst du dich ganz verdammt verrechnen. Ich sage dir, trau mir nicht! denn wo du hindenkst, da bin ich schon vorne; verstehst du diese Sprache? Ich sage dir zu wiederholten Malen: Mich fängst du nicht. Es mochte dir wohl einmal ein Erzengel Michael aufgesesse sein, daß er dir halbe Ewigkeiten lange Bedenkzeiten zukommen ließ; aber bei mir ist da nichts. Der Erzengel bebte vor Gott, und ahmte dessen Geduld nach, und gab dir Fristen auf Fristen, die du dazu benütztest, um schlechter und schlechter zu werden. Ein Teufel Kado aber macht sich aus Gott, Tod und Teufel nichts daraus, und Himmel und Hölle sind ihm gleichgiltig. Verstehst du das? Der Kado stehet unter keinem Kommando, außer unter dem seines höchst eigenen Verstandes und Willens. Was er thun will, das wird er auch thun, weil er es will, und weil er es kann. Verstehst du das?! Daher entschließe dich nun sogleich, sonst fliegt die Schlinge dir an deinen herrlichen Nacken."

04 Spricht nun die Minerva: »Aber ich bitte dich, lieber Kado, sei doch ein wenig manierlicher! ich kann ja doch nicht so urplötzlich aus allen meinen alten üblen Gewohnheiten heraushüpfen wie eine Bachstelze aus ihrem Neste, so eine Natter dasselbe umschleicht. Ich glaube, so du zu deinem Heldenthume auch ein wenig mehr Geduld hinzufügst, so wird dir das ja etwa auch nicht schaden. Daß ich so manches zu dir dich für mich prüfend sagte, und dem Scheine nach nicht sogleich einging in deine Ideen und in dein Begehren, das, Freund, hat seinen Grund; denn auch mir muß es zustehen, den durch und durch zu erproben, mit dem ich mich als der ganzen Unendlichkeit erste und unerreichbare größte Schönheit verbinden möchte. Dazu glaube ich dir ein hinreichender Preis für dein Bischen Geduld zu werden. So ich an dir kein Wohlgefallen hätte, wäre ich schon lange eine ganze Ewigkeit von dir entfernt. Aber dein noch nie dagewesenes höchst sonderbarstes Wesen fesselt mich mit zauberischer Gewalt an deine Brust, und ich lasse mir von dir nun schon Dinge gefallen, die ich mir selbst von der Gottheit noch nie habe gefallen lassen; bist du damit noch nicht zufrieden?«

05 Spricht Kado: »Herrlichste der Schöpfungen Gottes! Ich liebe dich unendlich, und daher habe ich wahrlich keine Geduld mehr. Aber um nicht unartig dir gegenüber zu sein, will ich dich noch einige Augenblicke gedulden; aber länger wolle du meine Geduld nicht erproben!«

06 Die Minerva lächelt nun, und wirft während dem Lächeln ihre zerbrochene Lanze in das beruhigte Gluthmeer, auf dem noch immer zahllose breitgeschlagene Geister liegen, und dessen Wogen darnieder halten;

07 als die Lanze von dem Meere nun verzehret ist, was Kado für ein günstiges Zeichen zu halten scheint, erheben sich auf einmal aus dem Glühpfuhl eine große Menge der allerschrecklichst aussehenden Gestalten, und umlagern die Minerva. Einer, der die Gestalt aller Drachen, und aller der furchtbarsten Bestien in sich vereinigt, donnert nun der Minerva mit dem gräßlichsten tausendstimmigen Wolfs-, Hyänen-, Löwen- und Tigergebrülle zu:

08 »Elendste! ist das dein Dank für die Trillionen getreuesten Dienste, die wir dir durch eine ganze Ewigkeit geleistet, und dir zu liebe kein Opfer, keine Mühe, und selbst die ungeheuersten Schmerzen und Qualen nicht gescheuet haben, um uns nur endlich einmal deiner uns so oft versprochenen Liebe und Hingebung zu versichern, daß du uns nun aus Liebe zu einem neuen modernsten Teufel, der erst kaum die Nase auf einige Sekunden in die Höhle gesteckt, und für dich noch gar nichts gethan hat, schmählichst verlassen willst, und das auf immer?! Nein! schreien wir alle die ersten und mächtigsten Teufel der Hölle, nimmermehr wirst du uns das thun, ehe zerstören wir dich, die Hölle, und alle Himmel, bevor du einen Schritt von dieser Stelle thun wirst. Siehe, unsere Diener bändigen dieß Meer, und leiden entsetzliche Qual, auf daß du als unsere Gebieterin ruhig auf demselben herumwandeln kannst, und du willst uns verlassen, und ewig nimmer gewähren jene Lust, die du uns so zahllos oft verheißen hast. O wage es nur, du elendste Hure eines elendsten Mastdarmwurmes des schmutzigsten Staubes, Erde genannt. Dir solle von uns dafür ein Lohn werden, von dem selbst der tiefsten Fantasiefülle der höchsten aller Gottheiten nie etwas geträumet hat! Rede nun! was wirst du thun? Schaue nur hin auf jene Mastdarmmilbe auf dem Hügel! Rufe sie zur Hilfe dir! Sie solle nun Gebrauch machen von ihren Waffen, sie suche uns zu vertreiben, wenn sie so mächtig ist. Sieh nur hinauf, wie dein Held den großen Muth sinken läßt, und sich nun nach allen Seiten umsieht, ob es nicht irgendwo ein Loch zum Durchgehen gäbe. O rufe ihn zur Hilfe dir! das gestatten wir dir schon, du schönste Hure und Geliebte eines Mastdarmwurmes! rufe, rufe ihn! warum rufst ihn denn nicht, deinen Erwählten?«

09 Die Minerva scheint vor Schande, Zorn und Wuth vergehen zu wollen; sie bebt am ganzen Leibe, und scheint vor lauter Grimmfieber keines Wortes fähig zu sein. Der Kado aber gebärdet sich noch grimmiger, und scheint in sich zu berathen, was er nun thun solle. Diese gräßlichsten Giganten flößen ihm denn doch eine Art Respekt ein, so daß er eben nicht die größte Lust hat, sich mit ihnen in einen Kampf einzulassen; und zugleich erfährt er ein Zeugniß über die Minerva, das ihm über deren Treue und Liebe sehr bangen macht. Deßhalb ist er denn auch unschlüssig, was er nun thun solle. Aber die Minerva macht so sehnsüchtige Blicke, daß er sich von ihr nicht trennen mag, und er fängt daher an nun seine Steine zu mustern und zu ordnen. (Am 19. März 1850)

10 (Miklosch): „Nach einer kleinen, aber allerschrecklichst aussehenden Weile richtet sich nun Kado auf, und sagt nun zu diesen gräßlichsten Unholden: »Eure Macht kenne ich, und eure gegenwärtige Trugkunst ist mir nicht fremd, sie ist nicht euer Werk; denn ihr für euch selbst seid als leere Schemen, als pur leere Fantasiegebilde dieser Einen, der ihr eine leere und nichtigste Scheindrohung machet, keiner That fähig. Aber wäret ihr wirkliche Wesen, so möchte ich euch sogar belohnen für diesen wichtigen Dienst, den ihr mir nun geleistet habt; denn durch dieß euer Benehmen, wie durch eure gräßliche Gestalt und eure Worte, die diese Eine selbst in eurem Rachen geformet hat, bin ich mit ihrem Charakter wieder näher vertraut worden, und das ist für mich von größter Wichtigkeit, und ich stehe dadurch dem Ziele näher, denn je! Zerreißet sie, so ihr sie könnet; aber ich könnte es thun, so ich es wollte; aber ich will es nicht, weil sie solch einer Mühe von meiner Seite aus gar nicht Werth ist.

11 Satana! So dir noch ein Pröbchen ähnlicher Art vor mir auszuführen möglich ist, so thue es nur! denn dabei bekomme ich desto mehr Gelegenheit, dich so recht durch und durch kennen zu lernen. Mit euch, ihr Schemen, aber werde ich nun im Namen Gottes, Jesus des Gekreuzigten sogleich fertig werden. Sehet diesen Stein an! er ist bezeichnet mit dem Gottnamen Jesus nebst 3 Kreuzen; dieser Stein wird euch sogleich zeigen, wessen Geistes ihr seid!«

12 Hier hebt Kado einen Stein vom Boden, und fängt an, ihn zu schwingen zu einem kräftigen Wurfe. Die Minerva aber schreit nun auf mit ängstlichst heftiger Stimme: »Kado! um alles, was dir heilig ist, thue du nur das nicht! Denn du bist in dem Augenblicke für ewig verloren, als der Stein deine Faust verlassen wird. Die Macht dieser Geister, die du irrig für Ausgeburten meiner Fantasie hältst, ist unbändig; was sie ergreifen, das entreißt ihnen keines Gottes Macht mehr. Verhalte dich ruhig! Vielleicht gelingt es mir, sie zu beschwichtigen, und sodann meine Befreiung mit dir in's Werk zu setzen.«

13 Kado, der nun dem geheimen Einflusse der hinter ihm stehenden zweien Schutzgeister mehr und mehr ausgesetzt ist, spricht nun ganz ernstlichst: »Deine Worte sind gleich wie Seifenblasen, und es ist keine Wahrheit in ihnen! Du bist eine Lügnerin von jeher gewesen; hast aber dadurch niemanden mehr, denn gerade dir selbst geschadet. Darum sei versichert, daß ich allzeit nur das thun werde, was zu thun du mir am meisten widerrathen wirst. Dahero im Namen meines Gottes, meines Heilandes Jesus!«

14 Hier wirft Kado den Stein dem ersten großen Unholden an dessen Drachenkopf. Ein fürchterlichster Knall wie aus 1000 Kanonen vom schwersten Kaliber geschieht, als der Stein den Kopf des Unholden berührt, und alles bis auf die Minerva verschwindet, die nun bebend auf einem Sandhaufen ganz nackt stehet, und sich, vor dem Kado zu verbergen sucht, was ihr aber nicht gelingt.

15 Kado aber fragt sie: »Nun, Holde, wie siehst du nun aus? wo ist die von dir mir angedrohte Gefahr? und wo sind nun die gar große drohend aussehenden Machtgeister, die ehedem Himmel, Hölle, Gott und alle Erde mit einem Bisse zerstören wollten, und dich Arme - der Untreue wegen auf das beispielloseste züchtigen? Wo, wo sind sie nun? Sieh, es thut sich's nimmer mit deiner Kunst! sie ist keines Schusses des schlechtesten Pulvers mehr werth; und es ist alle deine Mühe vergeblich; du kommst mir nicht mehr aus! Sieh', ein Anderer würde dir nun fluchen, und dich auch züchtigen nach Gebühr, so er meine Macht besäße; aber ich vergebe dir alles; nur folgen mußt du mir; sonst gebrauche ich eine Gewalt, der du mit gar nichts mehr einen Widerstand wirst leisten können. Was wirst du nun thun? Siehe, du bist verlassen von allem, was dir je irgend einen Schein von einer Macht verliehen hat; nichts hast du außer mich, und deine unbeschreibliche formelle Schönheit! Lehne dich daher frei- und festwillig an mich, und ich werde dich führen einen rechten Weg; nicht einen Weg der knechtischen Demüthigung, sondern einen ganz freien Weg der wahrsten Liebe meines Herzens zu dir. Aber frei folgen mußt du mir!«

16 Spricht die tiefst beschämte Pseudo-Minerva nun: »Ja, ja, ich will, ich werde, ich muß dir folgen! Aber nur einen Schritt näher zu mir thue auch du, so du wirklich eine Liebe in deinem Herzen hast. Denn da ich mich dir schon nun über tausend Schritte genähert habe, so könntest du ja doch auch einen Schritt näher zu mir her wagen.«

17 Spricht Kado: »Du weißt nun ja, daß ich Einer bin, der mit sich auch nicht um ein Haar handeln läßt, und nie eher deinem Verlangen folgen werde, als bis du dich auf dem Standpunkte totalster Umwandlung deiner urbösen und ungetreuesten Gesinnung befinden wirst. Daher unterlasse für die Folge alle deine Anforderungen an mich; denn sie werden kein Gehör finden. Ich bin böser denn du, obschon deine Urbosheit die Unendlichkeit erfüllen hätte können mit dem härtesten Gerichte. Aber da zu deiner Wiedergewinnung aller Engel Mühe an deinem unbeugsamsten Starrsinn scheiterte, so muß dich ein Teufel der Teufel wieder bringen dahin, von wo du ausgegangen. Aber dieser Teufel ist kein Teufel deiner Art, sondern einer ganz andern Art; seine Macht hat er von Oben; aber sein Wesen gehört der Hölle an. Kennest du solch einen Teufel? Du allein bist sein Lohn; den er aber verschmähen wird, so er ihm nicht frei, sondern gezwungen wird. Darum folge mir!«

177. Kapitel: Minerva wittert in Cados festem Willen eine List der Gottheit. Cado erklärt ihr den wohlmeinenden Grund. Ein Kleid fällt vom Himmel und erregt Minervas weibliche Neugier. (Am 10. März 1850)

01 (Miklosch): „Spricht die Minerva: »Freund Kado! wahrlich, ich liebe dich; es ist wohl die erste wahre Liebe, durch die mein Herz noch ehedem bewegt ward; aber so du mir zuliebe denn schon gar nichts thun willst, so thue mir doch den Gefallen, und erkläre den Grund von solcher deiner Hartnäckigkeit gegen mich! Denn es muß da ein großer und zugleich allerfeinster Plan zu Grunde liegen. Man hat mit mir was vor von der allerhöchsten Seite, und du bist deren verkapptes Werkzeug, entweder dir bewußt, oder möglicherweise dir auch unbewußt. Der Plan muß mir enthüllet werden, sonst bringst du mich ungezwungen nicht um ein Haar breit weiter von dieser wenn schon höchst lockern Stelle. Was wird es dir auch nutzen, an mir selbst Gewalt zu üben? So du dir mein Herz und meinen Willen nicht frei aus mir selbst dienstbar und innigst geneigt machen kannst, so hast du mit all deiner Gewalt an mir wenig oder nichts gewonnen. Denn du weißt, welch einen unbesiegbar hartnäckigsten Trotz ich der Gottheit selbst bieten kann und geboten habe; um wie viel mehr dir! Die Gottheit ist endlos mächtig, und kann aus mir machen, was sie will, aber nur durch ewigen Zwang; aber das Herz und der Wille sind mein, und verstehen jeder Macht zu trotzen, und - verstehe! auch der deinigen, obschon du der einzige bist, der meinem Herzen seit meinem Urbeginne am allernächsten gekommen ist; und wäre es nicht also, so hättest du statt dieser meiner wahren Urgestalt schon lange ein allerhäßlichstes Scheusal vor dir! Nun weißt du, wie ich bin und sein kann; daher gebe mir den verlangten Grund an, warum du, bei aller meiner ersichtlichen Aufrichtigkeit gegen dich, mir gegenüber so unbeugsam bist!«

02 Spricht Kado: »Was verlangst du von mir das, was ich dir schon sonnenklar dargethan habe frei, ohne daß du mich dazu aufgefordert hast! Ich kann und darf aber in nichts eingehen, was du willst, weil ich dich dann nimmer freimachen könnte. Du mußt zuerst frei und ungezwungen dich in meinen Willen begeben und mußt ihn zu dem deinigen machen; so du das gethan haben wirst, dann werde ich auch alles thun, was du aus dir selbst wollen wirst.«

03 Spricht nun die Minerva: »Ja, ja, das ist gewiß, so ich nur das will, was du willst, dann wirst du freilich meinem Willen leicht nachkommen. Aber wo ist denn dann meine höchst eigene Willensfreiheit?« - Spricht Kado: »Indem, daß du frei das willst, was ich will, und sonach deinen Willen mit dem meinigen zur Einheit machst; denn ohne diese ist ewig an keine höhere wahre Wirkung zu denken.«

04 Spr. die Minerva: »Das ist mir zu dunkel, ich verstehe dich nicht; erläutere die Sache genauer!« - Spricht Kado: »O du sonderbare Trägerin alles Lichtes und Leuchtens, was da ausgegossen ist durch alle endlosen Räume! So du solche Dinge nicht fassest, die doch so klar sind, wie wirst du denn dann Tieferes aus dem ewig unversiegbaren Borne der rein göttlichen freiesten Weisheit zu erfassen im Stande sein? Höre denn! so zwei Ehegatten miteinander in einem fortwährenden Hader sich befinden, und das Weib nimmer in den Willen des Mannes eingehen will, so wird solch eine Ehe wahrlich nie zu einer lebendigen nachkommenschaft kommen. Man kann da freilich auch sagen: Ja, dasselbe kann ja auch vom Manne gelten! Das ist richtig, so der Mann nachher stutzig würde, und sagen zu seinem Weibe: Ich erkenne meinen alleinigen Willen in deinem Begehren; aber weil er auch nun dein Wille, so will ich ihn nicht. Siehe, das wäre eine große Thorheit von seiten des Mannes, und das Weib hätte dann das vollste Recht, dem Mann keines seiner Begehren zu erhören. Aber da das Weib schon gleich Anfangs der Ehe in das Begehren des Mannes eingehet, ohnedem es nie eines Mannes Weib werden könnte, und dadurch des Mannes Willen zu dem ihrigen macht, so hat dann im Stande der Ehe auch das Weib aus dem vom Manne in sich aufgenommenen Willen das vollste Recht, auch aus ihrem eigensten Willen etwas zu verlangen, was ihr dann ein weiser und redlicher Mann auch sicher gewähren wird, wenn das Verlangte nur irgend mit seinem Willen in einem harmonischen Einklange steht; es müßte des Weibes Verlangen nur an und für sich ganz das Gegentheil wollen von dem, was sich in der Ordnung des männlichen Wollens ausspricht, wo dann der Mann freilich, um sich selbst nicht zu vernichten, nicht dem Begehren des Weibes nachkommen könnte. So ein Begehren des Weibes aber wäre dann auch der alleroffenbarste Ehebruch, durch den der schwächere Theil offenbar dem Gerichte aus ihm selbst verfiele, weil keine Kraft für sich ganz allein sich als wirksam erhalten kann; und so sie erhalten werden solle, auch in eine Gerichtskammer eingesperrt werden muß, wie es mit dir nun schon nahe eine Ewigkeit der Fall ist. Denn wäre über dich nicht sogleich ein hartes Gericht verhängt worden, so beständest du schon ganz entsetzlich lange nimmer.

05 Aber nun sollst du wieder frei werden, und deßhalb in eine rechte Ordnung eingehen; und darum mußt du zuerst in meine Willensordnung eintreten, damit dadurch dann auch dein eigener Wille frei wird. Mache wenigstens einen Versuch! Behagt es dir nicht, nun, so kannst du ja immer in dein altes Gericht zurückkehren.«

06 Spricht nun die Minerva heitern Angesichts: »Nun denn, auf diesen deinen Antrag will ich eingehen, so mir der Rücktritt, wenn mir der neue Zustand nicht behagen solle, nicht verwehret ist, dann sei es, wie du willst! Aber ich bin nackt, und schäme mich also vor dich hinzutreten; schaffe mir ein Kleid, und ich werde sogleich zu dir mich hinbegeben!« - Spricht Kado: »Auch das kann ich dir nicht eher gewähren, als bis du meinem ersten Verlangen nachgekommen sein wirst. Komme her, und sehe, soeben ist ein herrlich Gewand wie vom Himmel herab zu meinen Füßen gefallen; es ist für dich, in einer Art, wie die Himmel noch kein ähnliches gesehen haben. Also komme, und nehme es als ein würdiges Brautkleid aus meinen Händen.«

07 (Miklosch): Die Minerva stutzt nun ein wenig, und richtet ihre großen feurigsten Augen nach der Stelle hin, wo nun im Ernste bei den Füßen Kados ein Gewand in ein rothes Tuch eingewickelt sich befindet; sie möchte es wahrscheinlich näher besichtigen und sehen, ob es ihrer Annahme werth sei. Sie strengt sehr ihre Augen an, um etwas vom eigentlichen Kleide zu erspähen; aber es ist so gut in das rothe Kleid eingewickelt, daß darüber hinaus vom Kleide nirgends etwas zu erspähen ist; die Neugierde der Minerva wächst stark. Bin nun denn doch wahrlich selbst sehnends voll Neugier, was nun dieß allerstützigste und mit allen allerbösesten Salben geschmierte Satanswesen thun wird. Herr, unser allerbester, liebster, heiligster Vater Jesus! wird dieß Wesen, dieser alte Lügner sich wohl einmal bekehren für immer, und wird es dann besser werden auf den Weltkörpern, besonders auf unserer Erde?"

08 Rede Ich: „Mein liebster Freund Miklosch! das wird alles die Folge zeigen; betrachte du nur den ferneren Verlauf der Szene, und mache dieser Gesellschaft einen Dolmetscher wie bisher, und du wirst samt allen diesen Brüdern und Schwestern darüber ins Klare kommen; daher gebe nun nur weiter Acht!"

178. Kapitel: Minera (Satana) lenkt ein und nähert sich, von immer neuen Kostbarkeiten gelockt. Die letzten Schritte vor dem Ziel.

01 Miklosch kehret nun wieder seine Augen der Szene zu, und spricht nach einer Weile: „Aha, aha, die Minerva wird nun ganz unruhig, und man sieht es aus jeder ihrer Bewegungen, wie nur zu gerne sie das rothe Bündel vor sich enthüllet hätte.

02 Kado merkt solches gar wohl, und fragt sie nun: »Bist du denn an den Boden geheftet? Erhebe deine Füße, und begebe dich hierher! da wirst du es leichter haben, in das Geheimniß dieses Bündels zu dringen, als von deinem gegenwärtigen Standpunkte. Bist du aber angeschmiedet auf deinem Boden, so sage es mir! Deine Füße will ich dir auch von hier aus frei machen.« - Spricht die Minerva: »Ah; das ist keine Nothwendigkeit, denn ich bin frei, und kann gehen, wohin ich will. Wie sieht das Kleid aus? Geh, sag' mir's, lieber Kado!«

03 Spricht Kado: »Nein, das kann nicht sein, wie vorderhand alles nicht, was du willst. Komme, und du wirst es sehen, und dich darob sehr erstaunen.« - Spr. die Min.: »Ei, ei, du bist aber doch hart! Aber was will ich machen? muß ich aber auch in dich vernarrt werden! Nein, so was hat die Ewigkeit an mir noch nie erlebt. Nun denn, ich will's wagen! Aber so du mir was thust, dann kehre ich sogleich wieder um, und komme nicht je wieder zurück, verstehe, nie wieder!«

04 Nun verläßt die Minerva endlich nach so vielen allerartigen Gegenbestrebungen ihren Standpunkt, eine Art Glühsandhügel, und bezieht sich sondirenden Schrittes hinauf zum Kado, hinter dem noch immer die zwei bekannten Freunde verweilen; aber da sieh' einmal hin! Im Augenblicke als die Minerva ihren unbeschreiblich reizend schönen Fuß an den vom Gluthmeer freien Hügel setzt, verschwindet nun dieses; auch von der scheußlichen Grotte ist nichts mehr zu erschauen, und das gräuliche Gebrause, Gepfeife und Gestöhne, wie das Gekrache und Gedonner sind verstummet. Ah, das thut unsereinem ordentlich wohl! Das Hochgebirge scheint auch etwas niederer geworden zu sein, und hat den Karakter der Schroffheit nahe ganz verloren; nur hie und da sind noch einige nackte Felsen zu entdecken, so man den ganzen Gebirgszug von Punkte zu Punkte recht sorgfältig durchschauet; kurz die ganze Gegend ist gerade nicht stark, aber doch hinreichend erleuchtet. Nun, nun, die Geschichte scheint sich machen zu wollen.

05 Wahrlich der Kado ist ein Künstler in seinem Fache. Denn diese Prinzessin der Ewigkeit in sich verliebt zu machen, ich sage, ein Wesen, dem die Liebe fremder sein mußte, als mir das Ende der Unendlichkeit, zu irgend einer atraktiven Neigung zu bringen, da gehört mehr dazu als zwei Ohren, zwei Augen, eine Nase, ein Mund und zwei Hände. Der Kado ist bis jetzt zwar noch ein sogenannter Teufel; aber ich habe wahrlich allen Respekt vor solch einer Teufelschaft. Nein, das ist ihm gelungen! Es muß aber auch eine Unbeugsamkeit in ihm sein, an der jede noch so diamantene Härte am Ende den unfehlbarsten Schiffbruch erleiden muß; Karakter hat er und einen Muth, der in's grauenhaft Schauderhafteste geht, ja, so man so was nicht selbst gesehen hätte, da wäre solch eine erzählte Date das Unglaublichste, was ein Geist nur immer als unglaublich bezeichnen kann. Aber wir haben das Außerordentliche, noch nie Dagegewesene, mit unseren eigenen Augen mit angesehen, und mit unseren offenen Ohren vernommen, und können daher nichts anderes thun, als staunen, und Dich, o Herr, loben und preisen über alle Maßen, daß Du so was endlich einmal hast geschehen lassen. Nun ist es aber auch zu erwarten, daß die gesamte Erde vielleicht nach wenig Stürmen in ein solches Stadium übergehen werde, das allen Himmeln sicher sehr erwünscht sein wird.

06 Aber gar zu sehr beeilet sich die Minerva gerade nicht bei ihrer Annäherung zum Kado; denn ihre Schritte sind sehr klein und gemessen; Lungensucht wird bei solcher Bewegung sich die Schönste nicht zuziehen. Alle Augenblicke findet sie was am Boden, klaubt es auf, betrachtet es eine Weile, und wirft es dann wieder hastig von sich; mir kommt es vor, als so am Boden gegen den Kado hin geflissentlich allerlei scheinbare Preziosen verstreuet wären, die die Schlaue gewisserart stets näher und näher zum Kado hin verlocken sollen. Wahrlich, die List ist gar nicht übel! Ich kann mich erinnern, sogar auf der Erde in einer sibillischen Weissagung gelesen zu haben: »So aber der Satan bekehret würde, da wird er auf Perlen und Diamanten einhergehen, und wird sie verschmähen und ihrer nimmer achten. Dann wird die Hölle verschlossen werden, und die Ketten des Wahnes werden schmelzen wie Wachs an der Sonne.«

07 Wahrlich, da sieht die Geschichte beinahe also aus. Sie kommt näher und näher, und ist nun keine 40 Schritte mehr vom Kado entfernt. Bin wahrlich höchst neugierig, wie sich diese Beiden empfangen werden. Aha, jetzt muß sie was sehr Bedeutendes gefunden haben. Mit großer Hast beugte sie sich zum Boden nieder, und hob etwas wie ein Diadem auf, das sie nun recht beifällig betrachtet, und keine Lust zeigt, es ebenso von sich zu schleudern, als die früher aufgeklaubten Dinge.

08 Nun fragt sie den Kado, sagend (Minerva): »Freund! wer hat denn diese vielen Kostbarkeiten hier verstreuet? sind sie für mich? oder sind sie für wen Anderen zu einem neuen Falle geleget? Hier ist ein herrlichstes Diadem meines Hauptes werth; solle ich's behalten, oder von mir schleudern?« - „Spricht Kado: »Das Gute behalte, und das Schlechte nur werfe von dir! Klaube aber nicht zuviel auf; denn zuviel von derlei Dingen würden dich derartig belassen, daß du kaum einen Schritt vorwärts thun könntest; das Diadem behalte, aber weiter klaube nichts mehr auf! Verstehe das, und sei folgsam!«

09 Spricht die Minerva: »Ja, ja, ich komme schon, ich komme ja; aber da liegt vor mir schon wieder ein allerherrlichstes Armband. Ah, das ist wunderschön! Du Kado? geh, erlaube, daß ich das noch aufhebe; denn das ist meines Armes würdig!?« - Spr. Kado etwas ungeduldig: »Ei, ei, du schmuckgieriges Wesen, lasse liegen das verlockende Armband; denn dein Arm ist ja ohnehin so unendlich schön, daß er für sich allein als ein Schmuck alles Schmuckes betrachtet werden kann; wie könntest du ihn noch mehr schmücken wollen. Hier aber zu meinen Füßen harret deiner ja ohnehin ein Schmuck, dem keiner in der ganzen Unendlichkeit gleich kommt; daher verweile dich nicht über dem Gassenkehrichte, sondern komme! und nehme eiligst von dem Besitz, was für dich bereitet ist.«

10 Die Minerva kommt nun, das Armband von sich werfend, schnell in die Nähe des Kado; nur 3 Schritte trennen sie noch. Sie spricht nun zum Kado: »Freund Kado! sieh, soweit bin ich dir entgegengekommen; es waren sicher bei 3000 Schritte! Drei einzige Schritte fehlen noch; diese wirst wohl du mir entgegen können. Ich sehe es dir nur zu sehr an, wie du vor mir glühest, und mit welch einer noch nie dagewesenen Liebegier du mich nun an deine Brust drücken möchtest! Meine wahrlich zu mächtigen Reize machen erbeben dein ganzes Wesen; du liebst mich unaussprechlich. Das sagt mir deine glühende Brust; das sagen mir deine Augen. Thue mir daher den kleinen Gefallen, und mache nur diese drei kleinen Schritte zu mir!«

11 Spricht Kado: »Endlos Schönste! Es werden noch himmlische Zustände kommen gleich wie irdische Zeiten, da ich dir Millionen Schritte entgegeneilen werde; aber hier erheischt es eine allerfesteste für dein alleiniges Wohl berechnete Ordnung, daß ich zuvor keines deiner noch so zu respektierenden Worte erhören darf, als bis du alles das erfüllet haben wirst, was ich von dir verlange, und verlangen muß. Daher mache auch noch die kleinen drei Schritte, da du schon die 3000 hast machen können.«

12 Spricht die Min.-S.: »Wer bemüßigt dich von mir all das zu verlangen? wer ist dein Gesetzgeber?« - Spr. Kado:»Niemand mir bewußtermaßen kann mir vorschreiben, was ich von dir verlange. Ich selbst bin mein höchst eigener Gesetzgeber, und lasse mir weder von irgend einer Gottheit, noch von irgend einem Teufel etwas vorschreiben. Du bist doch der oberste Gebieter aller Teufel, und dazu schön wie ein Augapfel Gottes; und sieh', deine Worte finden kein Gehör bei mir; und ich war ehedem vor Gott durch dessen zwei größten Geister, und sie waren gut und weise, und zeigten mir Himmel und Hölle, auf daß ich mich entschiede für eines oder das andere; und sieh', ich wollte den Himmel nicht, und verstand der Hölle den gerechten Hohn zu sprechen. Ich sah ein wahnsinnigstes Unternehmen, dem ewig nie ein Gelingen folgen kann; es ward von dir auf mich Fahndung gemacht auf alle mögliche Art und Weise; alle deine Trugkünste scheiterten an der Härte meines Willens, und an der Festigkeit meiner Absicht zu deiner redlichen Freiwerdung vom Joche deiner eigenen Blindheit! Sage, wer doch könnte mir so was vorschreiben?

13 Sieh, in der ganzen Unendlichkeit giebt es kein Wesen, dem ich gehorchen würde, so es mir geböte: Thue Dieß, oder thue Jenes! Denn ich bin ein Herr meiner selbst, und kümmere mich um Niemand andern, außer allein um dich, weil du mir so unendlich gefällst, und weil du nach Gott als erstes, größtes, vollendetstes und mächtigstes Wesen in der ganzen Unendlichkeit dastehest, das nun im vollsten Sinne wieder das werden solle, was es der ewigen und höchsten Weisheit Gottes zufolge hätte werden sollen. Ich allein fühle in mir die Bestimmung, die ich mir selbst gebe, dich also zu umstalten; aber das geht auf keinem anderen Wege, als gerade auf dem nur, den ich dir vorschreibe; aus welchem Grunde ich dir aber eher in gar nichts nachgeben kann, als bis du allem dem, was ich verlange, bis auf ein Haar nachgekommen sein wirst. Daher also nun keine Zauberei mehr mit den drei Schritten, sonst wirst du noch lange nicht gelangen zu deiner Urschönheit und Würde.«

14 Spricht die Min.S.: »Weißt du, mein wirklich und im vollsten Ernste geliebter Kado; es ist alles richtig und wahr, und gut und herrlich, was du mir nun gesagt hast; ich will, und kann dir da nichts einwenden; aber so uns für alle Zukunft die eigentliche Liebe leiten solle, so verstehe ich nicht, wo du diese hernehmen wirst, da du nun mir zuliebe auch nicht um ein Haar dich von der Stelle rühren wirst! Siehe, ich will noch zwei Schritte thun; den einen letzten aber mußt du thun, und solle ich darauf eine Ewigkeit harren. Denn nun ist ja bei mir ohnehin auf keine Umkehr mehr zu denken, da ich mich dir schon so weit habe gefangen gegeben! thue daher mir diesen kleinen Gefallen.«

179. Kapitel: Endkampf und Wendung. Das alte, selbstherrliche stolze Urwesen Satanas kommt wieder zum Durchbruch. Cado aber gibt nicht nach. Gleichnis vom rettenden Lotsen. (Am 29. März 1850)

01 (Miklosch): „Spricht Kado: »Aber allerendlosest Holdeste, warum verlangst du denn etwas von mir, das ich ohne dein Verlangen gethan haben würde; aber nun nicht thun kann, weil du es von mir verlangst. O du unverbesserliche Krone der Unendlichkeit! Nun mußt du auch den letzten Schritt thun, ohne Gnade und Erbarmen, den ich sonst unfehlbar gethan hätte. Ich bitte dich um deines eigenen höchsten Vortheiles wegen, verlange für die Folge nichts mehr von mir; denn ich darf und kann dir nicht eher auch nur den leisesten deiner Wünsche gewähren, und demselben nachkommen, als bevor du nicht vollends in meinen Willen eingegangen sein wirst. Sieh', nur einen Schritt noch, und die ganze Unendlichkeit ist gerettet und befreit vom härtesten Joche eines ewigen Gerichtes, und du sollst als das glücklichste Wesen leuchten mit dem Lichte aller Sonnen, die der unendliche Raum fasset.«

02 Spricht die Min.: »Ja, ja, das glaub' ich schon, das könnte wohl sein, wenn ich nur so dumm sein könnte, das zu thun, was da dir beliebt von mir zu verlangen; aber diese Dummheit fehlt mir, und das ist eben sehr traurig für deine stark glänzenden Aussichten für mich. Es fehlt freilich nur mehr ein einziger kleiner Schritt; aber so ich ihn durchaus nicht machen will, aus meinem freiesten Wollen heraus, und jeder deiner Beredungen den waidlichsten Hohn ins Angesicht lachen kann und auch werde, durch welches Mittel wirst du mich dann zu zwingen im Stande sein? äußerlich ja, aber innerlich ewig nimmer!

03 Denn wisse, ich bin ein Wesen, aus dem die Unendlichkeit alle ihre Wesen hat, ich bin ein Wesen der Wesen, die ganz gleiche negative Machtpolarität, als da die Urgottheit die positive ist; ich bin der endlos große Boden, auf dem die Urgottheit ihre Werke bauet; und, verstehe und fasse das wohl, du unendliches Nichts vor mir, du willst mich durch einige elende Worte dir, dem nichtigsten Staube, unterthänig und zinsbar machen! und etwa bestechen durch deine endlos dümmsten Komplimente, an denen wohl eine feile Landdirne ein Wohlbehagen finden kann, aber nicht ich, als das erste und vollendetste Wesen in der ganzen Unendlichkeit. O du elendster Dummkopf! Wohl sehe ich dich beben vor Wollust in allen deinen Eingewaiden, und deine große Gier nach einem Vollgenusse in meiner Umarmung; aber mache dir ja ewig keine schmutzigen Gedanken, so du diesen letzten Schritt für meine Gunst und Liebe nicht wagen willst. Ich mache keine Linie mehr, mein festester Wille.«

04 Spricht Kado: »Oh, schau, schau, wie gescheidt du nun auf einmal bist! Aber schau, so gescheidt als du nun bist und allzeit warst, so gescheidte ist unser einer zum Glück wohl auch; du willst mich eine Ewigkeit auf diesen einen und letzten Schritt harren lassen? Ich wünsche dir selbst dazu recht viel Geduld? Denn meiner Geduld wirst du dennoch nie Meisterin werden. Was ist es mir? ich habe dich zu meinem Vergnügen; der eine Schritt impedirt wenig; aus meinem Wollen heraus kann ich mit dir thun, was mir nur immer beliebt, und somit brauche ich eigentlich nichts mehr, was da meinen Vortheil betrifft; und werde daher wegen dieses einen Schrittes mit dir sehr wenig Worte mehr verlieren; daher verharre du, so es dir beliebt, nur immerhin in deiner Stützigkeit; ich werde dadurch gar nichts verlieren. In meinen Klauen habe ich dich einmal; in keinen Drachen kannst du dich auch nicht mehr verwandeln, und so ist es mir eigentlich so lieber, wenn du so bleibst, wie du nun dich gestellet hast. Juche, Victoria! na, das wird ein wahrhaft lustig's ewig's Leben werden! Brod und Wein habe ich auch schon, wie ich's nun bemerke, darum noch einmal juche! brav, brav, Minervidl, das hast du gut gemacht! Juche, juche, juche!«

05 Spricht die Min. S. ganz verdutzt über solche Verwandlung des Kado: »Das hätte ich nie geglaubt, daß du ein so feiner Hallunke wärest; ich möchte nun vor Galle zerbersten, daß ich gerade dir nichts abgewinnen kann! Aber traue dir nicht zu viel zu; so ich in die große Vorrathskammer aller meiner Kniffe und Pfiffe greife, so möchtest du wohl sehr übel bedienet werden. Wenn ich aber nur der verdammten Liebe zu dir los werden könnte, da ginge die Sache gleich anders; aber da steckt eben der Knoten, den bisher Niemand zu lösen wußte durch alle Räume und Zeiten der Zeiten! und gerade du mußt meine Schwächen durchschauen! Das ist schmählich, überschmählich! Nein, das halte ich nicht aus! Verflucht sei, der dich gebildet hat! Aber warte nur, du sollst an mir noch zu lecken haben, du sollst an mir deinen Satan kennen lernen.«

06 Spricht Kado nun ganz phlegmatisch: »Oh, das macht nichts! Juche! ich habe dich einmal, und dazu die endlos größte und reizendste Schönheit, die sich nicht mehr verhäßlichen kann; und das genügt einem Kado vollkommen. Uebrigens ist es dir deßhalb nicht verwehret, den verlangten letzten Schritt zu thun. Wenn es dir also langweilig genug wird, dann wirst du etwa meinem Verlangen wohl von selbst nachkommen. Bis dahin aber nur juche, juchhe, juche; denn ich habe dich, du mein allerholdestes Minervidl du!«

07 Die Minerva möchte nun zerbersten vor Zorn; sie möchte sich überaus gerne in ein recht scheußlichs Wesen verwandeln; aber es geht nicht, auch möchte sie ihre Scham bedecken; aber sie findet nichts, das sie dazu benützen könnte; sie bemüht sich zu fliehen von dieser Stelle; aber ihre Füße sind wie an den Boden geheftet; nur gegen den Kado kann sie den Fuß erheben; will sie sich aber auf eine andere Seite hin wenden, und ihre Füße zu einer Flucht benützen, so bringt sie keinen Fuß vom Boden. Sind aber das doch wohlgeformte Füße; diese Rundung, diese zarteste Weichheit, und die unbegreiflich schönste Proportion in allen Theilen! o jemine, o jemine! wahrhaftig wahr, da wird sogar unsereinem sehr warm bei der Betrachtung dieser wahrhaft gigantischen Schönheit! Nein, dem Kado alle meine Achtung! wie er solch einer ungeheuersten und allerreizendst üppigsten Schönheit gegenüber, die er NB. nun im Ernste ganz in seiner Gewalt hat, eine solche Mäßigung beobachten kann. Da gehört mehr dazu, als was ich bis jetzt begreife. Ich bin auch kein Unzüchtler gewesen auf der Erde, und mich ließen oft die irdischen größten Schönheiten kalt, die freilich gegen diese allerechteste Venus aller Venuse eine Kloake wären; aber vor dieser Schönheit kalt zu bleiben, oder sich wenigstens kalt zu zeigen - allen meinen Respekt!

08 Jemines, jemines! wie sich die Minerva nun zornig stellt, und wie den armen Kado verächtlich anglotzet; das ist ohne allen Vergleich! Sie bemüht sich über alle Maßen, ihr schönstes Gesicht zu verzerren; aber je mehr sie's verzerrt, desto intressanter wird es, und der Kado sagt auch nun zu ihr: »Holdeste! gebe dir keine Mühe; denn je mehr du dein Gesicht verziehest, desto interessanter und anziehender wirst du für mich; du bist wahrlich eine Göttin!«

09 Spricht nun die Min. S. nahe weinend vor Zorn: »So, das auch noch dazu? o du verfluchtes Leben, wenn es sich so zu gestalten beginnt! Bin ich denn keine Herrin, keine Fürstin aller Fürsten und Fürstinnen mehr? Muß ich mich von solch einem allerdummsten Esel beherrschen und bespotten lassen? Kann ich denn nicht zurück, nicht verlassen dich auf ewig? du dümmstes Rinozeros! Hast du doch früher mir zugestanden, daß ich zurück kann, wann und wie ich will. Was ist es mit dieser deiner Verheißung?«

10 Spricht Kado: »Mit dieser Verheißung ist so lange nichts, als wie lange du nicht vollends in meinen Willen eingehen wirst. Denn du bist und bleibst so lange im Gerichte, als du deines eigenen Starrsinnes Sklavin bleibst. Sieh', so Jemand in einer großen Gefahr sich befindet, und ein in allen Gefahren bewanderter Lotse ihm die Hülfe durch die Kraft seiner Hand bietet, er sie aber nicht ergreifen will, obschon er sich selbsten gar nicht helfen kann, so wird er auch eben so lange der Sklave der Gefahr, in der er sich befindet, verbleiben, als wie lange er die angebotene Hülfe des Lotsen nicht ergriffen, und sich derselben bestens bedienet hat.

11 So auch ist es mit dir der Fall; du stehest auf einer über's Meer emporragenden Spitze, auf die dich ein Sturm warf, der in dir selbst ausgeboren ward; ich bin dir ein Lotse, und reiche dir hier meine hülfreiche Hand, um dich von solch einer gräßlichen Gefahr wegzubringen, und dich dann in eine vollste Freiheit zu versetzen; aber du verschmähest meine Hülfe, deine blindeste, alles Zweckes bare hochmüthige Tollheit läßt dich nicht handeln, wie es dir allein frommen würde, sondern treibt dich nur an, alles das zu unternehmen und zu thun, was doch offenbarst deinen bevorstehenden Untergang früher oder später wird herbeiführen müssen, und darum kannst du auch jetzt nicht mehr zurück, wie es dir beliebete, sondern mußt hier auf dieser Klippe verweilen; und so ich dich nicht verwahrete vor dem Untergange, und hintan hielte die Wogen, die dich von dieser Klippe schon lange weggespület hätten, wo wärest du nun? Du pochtest nun nahe anderthalbtausend Jahre der Erde auf deine Siebenhügelburg. Sie hat dich nun schon nahe zwei Jahre lang ausgewiesen, und du wirst kaum je wieder in deiner ersten blutdürstigen Kraft den alten morschen Thron besteigen, und beherrschen die schwachen Narren der Erde, und die Teufel der Hölle;

12 Denn mir, wie gesagt, kommst du nimmer aus, und kannst dich nicht um ein Haar breit entfernen von mir; was willst du dann thun fürder, als die reinste Sklavin meines Willens? Wirst du mir wohl ewig Trotz zu bieten im Stande sein?«

180.Kapitel: Cado macht sich's bequem und erquickt sich an Brot und Wein. Minerva (Satana) ärgert sich darüber. Cado gibt ihr deutliche Belehrungen über ihren tatsächlichen Unwert. (Am 31. März 1850)

01 (Mikl.:) „Spricht die Min. S.: »Ja, das kann ich, so ich's will; habe ich auch äußerlich hier wirkend keine Macht und Gewalt mehr, so kann ich aber dennoch in meinem Innersten von der hartnäckigsten Widerspenstigkeit sein, und in dieser verharren ewig! Aber ich werde das vielleicht meiner dummen Liebe zu dir wegen dennoch nicht thun, sondern diese Sache reiflicher überdenken, und, so ich darinnen im Ernste einen Vortheil für mein Herz entdecken werde, mich deinem Rathe unterordnen; aber wohl gemerkt, ich werde mich noch hübsch lange besinnen!« - Der Kado entgegnet ihr nun ganz gleichgültig und kalt: »Ganz wohl, ganz wohl, meine Liebe! Gesagt habe ich dir bereits alles, und du wirst nun auch sicher alles wissen, was dir allein frommen kann. Je länger du aber auf deine völligste Umkehr wirst warten lassen, desto länger auch wirst du unglücklich verbleiben, und desto schwerer diesen einen letzten Schritt thun. Das beachte auch da nebenher!«

02 Der Kado setzet sich nun nieder, und da es ihn hungert und dürstet, so nimmt er etwas Brodes und Weines, verzehret nun Beides, und da er dabei ein gar so wohlbehaglich Gesicht macht, so muß seine Stärkung von einer großen Lieblichkeit sein. Die Minerva betrachtet den Konsumenten sehr mißvergnügt, und sagt so mehr wie zu sich: No, no, ein hübsches Geschäftl das! eine Lebensart hat er, und das eine von der ersten Klasse. Das muß er in der Schule der Bären und Wölfe sich eigen gemacht haben. Der Kerl frißt ja wie ein echter Wolf, und sauft wie ein Walfisch. Er hat noch einen Becher, und noch ein sehr gut aussehendes Stück Brodes; aber seine Schroffheit läßt es ihm nicht zu, mir damit einen Antrag zu machen. Ich würde von solch einem Esel wohl ohnehin nichts annehmen; aber es schickete sich hoffentlich doch mir, der ersten Zelebrität der ganzen Unendlichkeit, damit einen Antrag zu machen. Wie der Kerl aber frißt! nein, an dem hat sich die Gottheit einen ganz gehörig bestkondizionirten Fresser bereitet. Der ist fähig, die ganze Schöpfung hohl zu fressen. Der Freßgiergeifer rinnt ihm ja wie einem hungrigsten Wolfe aus den Mundwinkeln, daß unsereins geradewegs darüber speien könnte. Wenn nur ich mich auch so hinsetzen könnte! Aber nach abwärts dieses Hügels thut sich's nicht, weil das zu unbequem wäre; und anders ist es nicht thunlich, weil ich mich von diesem Esel nicht abwenden kann, da meine armen Füße wie gelähmt an diesen Boden geheftet sind; und kniee ich vor ihm der Rast wegen nieder, so könnte der Ochse das etwa ganz anders auslegen; nein, das thue ich nicht!

03 aber was thue ich denn? etwas muß ich ja doch auch thun. Wenn ich nur jenen Bündel, in welchem für mich ein non plus ultra Gewand sich befinden solle, näher zu mir herziehen könnte, so hätte ich damit eine gar nicht üble Unterhaltung mit der Durchmusterung desselben. Ist aber merkwürdig, wie dieser Kerl gerade wie mir zum ärgerlichsten Trotze in einem fort frißt, und zu jedem Bissen einen tüchtigen Schluck Weines nimmt, und sich nach mir aber auch nicht einmal umsieht. No, der muß eine Liebe zu mir haben, wie ein Holzscheit zum andern! Anreden will ich ihn auch nicht; denn thäte ich das auch, wer steht mir dafür, daß er mir gar keine Antwort gäbe? Und das wäre für mich dann ja doch eine Kränkung, von der noch keiner Unendlichkeit etwas geträumt hätte! Was aber thun? so herlosen, bis er sich wird angefressen haben? O das ist eine verflucht dumme Situazion! Aber warte nur, du grober Esel, es solle noch ganz anders werden mit der gerechten Folge der künftigen Zeitbewegungen!« (1. April 1850)

04 Kado ißt noch immer ganz behaglich ein Stückchen Brodes um's andere fort, nimmt manchmal einen Schluck Weines dazu, und sagt nun, wie zu sich: »O Gott, das war doch ein herrlich Stückchen Brodes, und ein Wein! nein, das war ein Wein, der muß auf einer Sonne selbst gewachsen sein! Bin sonst, das ist wahr, ein grundschlechter und böser Kerl, schlechter als die ganze Hölle zusammen, und ich bilde mir darauf sogar etwas, ein, daß ich mit meiner allereklatantesten Bosheit den Herrn Satan selbst vor mir zittern mache, und gänzlich rath- und thatlos; aber jetzt wär' i lamperlfromm und gut wie ein Esel! Juche, und die Schönste, d. h. respektive den Herrn S., oder noch besser die Frau Satana, nun umgetaufte „Minerva" bei mir, mir unterthänig! Juche, itzt geht's gut! - No, no, no! was machst denn du, mein allerholdestes Minervidl, für ein saures Gesichtl dazu, so es mir nun so recht sauwohl geht? Darüber sollst du dich ja nur freuen, und kein solches Sauerampfergesicht schneiden. Geh', und sei gutes Muthes, und setze dich so recht behaglich und traulich zu mir her! So du das thust, soll's dir auch für den noch zu machenden letzten Schritt abgerechnet sein. Geh', geh', Minervidl, und mache mir einmal so eine rechte Freude! Schau! alle himmlischen Wesen freuen sich mit- und untereinander, daß es schon eine allerhellste Freude ist. Da sieh nur aufwärts, und du wirst es sogleich selbst entdecken, wie bunt es da durcheinander geht; man möchte sogar selbst unter ihnen sein! Und wir Beide, endlos edler und vollkommener als dieß ganze bunte Himmelsgesindel, hocken da beisammen, wie so ein Paar kranke Esel mit ellenlangen Essiggesichtern. Pfui! lassen wir uns doch nicht beschämen, und seien wir noch zehn male heiterer, als alle die da ober uns! Geh', geh', geh'! und setze dich nur gleich zu mir her!«

05 Spricht die Minerva ganz stolzen und beleidigten Gesichtes: »Halte dein Maul, grober besoffner Lümmel! Was der Trottel nicht alles möcht'! schauet's, nur gleich zu ihm soll ich mich setzen! es wäre für ihn so eine Unterhaltung freilich wohl so übel nicht; das kann ich mir ungefähr schon so ein Bischen vorstellen; aber nichts da, Lippl! solche Früchte, wie ich etwa bin, werden für derlei Esel wohl sicher ewig nimmer reif werden! Versteht Er das?«

06 »Nicht, nicht so, Minervidl« - spricht Kado weiter - »warum solltest du für mich nicht reif sein oder werden können? O du bist schon sehr reif! denn du bist darum auch schon schön alt geworden. Aber eine Passion wäre das, nun dich so recht con amore abzudrucken! Trillion tausend saprament! diese schönen und fetten, weißesten und zartesten Füße, diese Arme, dieser Nacken, dieser Busen! und dös Gsichtl! nein, das wäre so eine Freude für unsereinen, und nur ein einzigs Bußerl von diesen allerechtesten Rosenlippen! Oh, oh, oh! das wäre schon gar über alles! Daher, so gehe und komme! und mache meinem Herzen eine rechte Freude!«

07 Spricht die Minerva: »O gleich, gleich, mein Herr quasi Gemahl und Gebieter! Sie wissen es ja, wie gerne ich solchen Wesen, wie Sie eines zu sein die allersauberste Ehre haben, folge, so sie etwas, oder was - wünschen. O, Sie können es gar nicht glauben, wie sehr ich Sie liebe; beruhigen Sie sich daher nur noch ein wenig, so etwa auf einige wenige Ewigkeiteln, dann werde ich Ihren besoffenen Wünschen schon nachkommen. Itzt wäre ich auch noch viel zu jung für Eure Majestät. Nicht wahr, das wäre wohl lustig, mich so recht nach Herzenslust mit rinozeros-groben Händen abdrucken? Ei, ei, es ist mir wirklich leid, daß ich Ihnen nicht sogleich dienen kann. Vertrösten Sie sich daher nur auf so ein paar Ewigkeitchen, mein Lieber!«

08 Spricht Kado: »Wie es dir gefällig ist, das ist mir alles ganz ein und derselbe Teufel, ob um ein paar Ewigkeiteln früher oder später; in meiner unauflösbaren Gewalt bist du einmal, und mehr brauche ich zu meinem alleinigen Vergnügen nicht; ich kann mich mit dir unterhalten, wie es mir nur immer beliebt, und du wirst es mir nicht verwehren können, indem ich Kraft, Macht und Gewalt zur größten Uebergenüge besitze, dich äußerlich zu meinem Vergnügen zuzurichten, wie es mir nur immer beliebt. Da ich aber nicht selbstsüchtig bin, und mehr auf deine wahre Wohlfahrt sehe, denn auf die meinige; darum auch allein nur möchte ich dich aus deiner ungeheuren Thorheit heben, und dich so frei und glücklich, als nur immer möglich machen; aber so du lieber eine Sklavin deiner allerblindesten und abgeschmacktesten Thorheit verbleibest, gut, so bleibe, was du bist, nehmlich das dümmste und schlechteste Wesen in der ganzen Unendlichkeit; mich wird das äußerst wenig scheniren.

09 Hebe deine zwar überschönen, aber sonst über alle Begriffe dümmsten Augen empor, und siehe, wie sich da oben Trillionen ihres göttlichen Daseins freuen, obschon sie wohl wissen, daß du das unglücklichste Wesen in der ganzen Unendlichkeit bist; und so kann auch ich, wenn schon nicht in der edlen himmlischen Art, mich ganz prächtigst nach meiner Art ewig ohne dich beseligen. Ich muß dir auch noch das hinzugestehen, daß ich gerade von nun an gar nicht mehr darauf poche, dich für deine eigene Freiheit in Gott deinem Schöpfer zu gewinnen, und dich somit zu bekehren; denn ich weiß es ja so gut wie ein Gott, daß du ein allereigensinnigstes Luder bist, und mit dir bis jetzt weder ein Gott, noch irgend ein Teufel je etwas ausgerichtet haben; aber das alles schenirt mich nicht; denn ich habe dich einmal, wo und wie ich dich gleich uranfänglich haben wollte; ich für mich bin, wie schon öfter gesagt, ganz vollkommen zufrieden; du bist mein, und bist unschädlich gemacht wie eine Natter, der man das Gift genommen hat; willst du für dich selbst frei und glücklich werden, so weißt du nun zur Genüge, was du zu thun hast. Ewigkeitle du in deiner Dummheit nur fort; denn von nun an wirst du von mir aus keine Einladung mehr erhalten. Gehabe dich nun wohl in deinem Wahne; wie du säest, so wirst du auch ärnten! Halte nur daran fest, daß da mir alles eins ist.«

10 Nach diesen Worten fängt nun die Minerva sehr stark sich hinter den Ohren zu kratzen an, und sagt: »Was wird denn dann mit meinem höchstem Ansehen, das ich bis nun genossen habe in der ganzen ewigen Unendlichkeit?«

11 Spricht Kado: »Lasse dich um Gotteswillen doch deines eingebildetsten Ansehens wegen nicht auslachen! Da sehe auf meinen Hintern her! Dieser, wahrlich so schmutzig, wie ein Abtritt selbst, ist bisher bei aller Welt und bei allen besseren Geistern in einem unvergleichbar höheren Ansehen gestanden, als du mit aller deiner allergöttlichen Primokreatur. Denn dich beschämt ja, was die reinere Weisheit betrifft, ein jeder Esel und Ochse. Wo aber ein Wesen, so es äußerlich auch noch so schön, gar so entschieden dumm ist, wie kein zweites mehr in der ganzen Unendlichkeit, da wird es mit dem wahren Ansehen etwa wohl einen so derben Faden haben, als groß da sein dürfte der Durchmesser jenes Ankerthaues, an dem die allmächtige Gottheit das große Schiff der ganzen Schöpfung durch die Kraft ihres allmächtigsten Willens befestigt. Rede mir daher ja nimmer von einem vermeintlichen Ansehen, das du dir selbst, und sonst noch kein Wesen je gegeben hat! Bilde dir ein, was du willst; aber nur mich verschone mit derlei nahe unaussprechlichen Albernheiten!«

12 Spr. die Minerva: »No, no, sei nur nicht gar so aufbrausend! Ich glaube, so ich schon gar so dumm bin, da werde ich aber ja etwa dennoch werth sein, daß du mit mir eine kleine Mühe dir nimmst und mich belehrest, wo es mir fehlet.« - Spr. Kado: »O Liebste, dir fehlet gar viel, ja dir fehlet blos Alles; da werd' ich noch vieles zu reden haben mit dir, obschon ich kein Freund des Redens bin.«

13 Spricht nun wieder die Min.-S.: »No, no, habe nur Geduld! lehre mich recht und habe Geduld mit meiner Dummheit und Schwäche; denn ich meine, so ich dann selbst dir zum Lohne werde, da dürftest du für deine Mühe etwa ja doch hinreichend entschädigt sein?« - Spricht Kado: »O allerdings, so du je zu belehren bist; nimmst du aber wie bisher gar keine Belehrung effektiv an, so ist mir dann mein Hinterer lieber als du, trotz aller deiner noch so unendlichen Schönheit! Solches beherzige auch; denn ich bin durchaus kein sinnlicher Teufel!«

14 Die Min.-S. kratzt sich nun schon wieder sehr stark hinter den Ohren, als hätte sie Läuse, simulirt ganz gewaltig, reibt sich die Stirne, und scheint mit sich sehr uneins zu sein. - Kado aber wendet sein Gesicht nun gerade zu uns herüber, und macht eine Miene, als ob er von uns so einen Wind hätte. Was mich aber sehr wundernimmt, ist, daß er, da er doch all die Himmelsgeister ober ihm gar wohl erschauen dürfte, die zwei neben ihm Stehenden, als den Robert Uraniel, und dessen Begleiter Sahariel nicht zu ersehen scheinet; denn da macht er gar keine Miene, als nähme er Jemanden hinter sich wahr."

181. Kapitel: Bathianyi und Miklosch über diese Szene. Minerva macht den letzten Schritt. Das herrliche Himmelsgewand als Lohn. Mögliche Folgen der vollen Erlösung Satanas.

01 Sagt einmal der Graf Bath., den diese Szene schon ein wenig zu langweilen beginnt: „Freund Miklosch, du bist wahrlich ein prächtiger Wiedergeber des Geschauten, und es ist äußerst interessant dich anzuhören; aber was wahr ist, das ist wahr; diese Geschichte zwischen dem wohlkondizionirten Kado, und der sogenannten Minerva, die besser Luziferina oder gerade „Satan" hieße, wird etwas langweilig. Ich bewundere nur die ungeheuere Geduld des Herrn, wie auch die der Erzväter, der Profeten und Apostel! Diese betrachten diese nun höchst einförmig gewordene Szene, als läge da, Gott der Herr weiß es, was für eine ungeheuere Wichtigkeit daran. Ich für mich finde nun stets weniger daran; es fängt die ganze Geschichte nun stets mehr und mehr an, das Gesicht eines allerfadesten Romanes zu bekommen, der so angelegt ist, daß er sich ganz kommod eine ganze Ewigkeit fortspinnen kann. Der Kado verdient wahrlich allen Respekt, aber die Min. ist ein feines Luder, ein wahrer Proteus, der sich in alle Gestalten, Formen und Elemente verwandeln kann, und somit auch gar nie zu fangen ist. Kado ist zwar wohl ein höchst politisch feiner Kauz; aber sie ist bei all ihrer Luderei dennoch pfiffiger als er, und ich fürchte sehr, daß es ihm bei aller seiner wahrlich wunderbaren Karakterstärke nie gelingen wird, sie zu diesem letzten Schritte zu bewegen. Sie stellt sich zwar hie und da, als wäre, sie blöde; aber von ihrem innersten verborgenen Plane läßt sie ja weislich nichts merken. Er solle sie lehren. Von dem Unterrichte möchte ich mir auch ein Exemplar ausbitten. Auskosten will sie ihn ganz; dann wird sie schon wissen, was sie thun wird. O, das ist eine Kanaille non plus ultra! Gieb nun nur wieder weiter Acht, Bruder und Freund Miklosch; du wirst sehen, daß ich Recht habe!"

02 Sagt Mikl.: „Lassen wir das alles nur dem Herrn über; ich meine, daß da am Ende schon alles recht werden wird." (Am 5. April 1850) Sagt Bath.: „Ja, ja, das meine ich auch; es wird am Ende alles gut werden; aber wann wird dieß Ende kommen? Wir werden es wohl sicher erleben, weil wir ewig leben werden; aber der Faden der Ewigkeit ist ein ganz entsetzlich langer, und die Meilenzeiger sind auf diesem ewigen Fadenwege der Ereignisse und Zustände ganz entsetzlich weit auseinandergerückt. Ueber welchem dieser endlos vielen Meilenzeiger aber der Herr das große Finis coronat opus geschrieben hat, das weiß nur Sein heiliger Geist; wir Alle zusammen aber wissen so viel als nichts; und es ist unsereinem daher sehr gut zu verzeihen, so man bei der nur sicher zu sehr ersichtlichen Lumperei der schönen „Minerva" notgedrungen auf die Idee gerathet, der zufolge diese Geschichte zwischen dem Kado und der sogenannten Minerva wohl schwerlich ewig je zu einem Ende kommen werde."

03 Spr. Miklosch: „Weißt du, Brudr, was da mich betrifft, so kümmert mich das nun im Grunde sehr wenig; im Uebrigen interessirt mich diese Geschichte ganz außerordentlich; denn das ist sicher keine Alltagsgeschichte. Zwei allerdurchtriebenste Geister der Hölle liegen sich in den Haaren, und es wird sich da bald zeigen, welcher aus ihnen den Sieg davon tragen wird. Ich halte es noch immer mit Kado." - Spricht Bathiani: „Ich auch; denn am Ende, so es überhaupt ein Ende giebt, soll denn doch hoffentlich die gute Sache obenauf zu stehen kommen. Aber für diese steht die Geschichte noch ganz verzweifelt schiefrig da; siehe du aber nun nur wieder hin zu dem sonderbarsten Dunste, und erzähle uns nach deiner ausgedehnten Weise, was dort vor sich geht."

04 Miklosch schauet hin, und sagt: „Schaue auch du so wie ich gleichfort hin, und du wirst nun ja ebenfalls ersehen können, wie die Min. nun ganz freundlich dem Kado die schönste Hand reichet, und dieser dafür zu ihr sagt: »Das nützt dir nichts, denn alles, was du mir aus deinem Wollen zur Annahme anträgst, kann und darf ich nicht eher annehmen, als bis du alles Verlangte, also auch den letzten Schritt gemacht haben wirst. Hebe den Fuß, und setze ihn an den meinigen her, dann hast du deine Aufgabe gelöst, und bist zu deiner Freiheit wieder gelanget; von da angefangen werde ich dann, wie ich es dir oft genug versprochen habe, auch manches thun können, was du von mir wünschen wirst!«

05 Spricht die Min.-S.: »Nun denn, um zu erfahren, wie du dein Wort halten wirst, und was machen mit mir, so hebe ich meinen rechten Fuß vom Boden, und setze ihn an den deinigen hin! Alle Himmel und alle Höllen sollen mir ein lautestes Zeugniß geben, ob ich Jemandes Willen so weit nachgekommen bin, als dem deinigen. Aber wehe, wehe, wehe dir Kado, so du mich nur im geringsten hintergangen haben solltest, da ich dich liebe! Ich müßte an dir die fürchterlichste Rache nehmen, eine Rache, die noch nie da war!«

06 Die Minerva hebt nun ihren rechten Fuß im Ernste vom Boden, und setzt ihn ganz zum Fuße des Kado hin, und sagt: »Nun habe ich erfüllet, was du verlangtest von mir; und nun, was wohl wirst du thun?«

07 Spricht nun Kado: »Hebe auch den andern, dann erst hast du die dir gegebene Bedingung ganz gelöset, und ich werde dir dann alles sagen, was ich thun werde. Im Grunde habe ich es dir schon ohnehin gesagt, was darnach geschehen werde, so du dir meinen Willen wirst eigen gemacht haben; aber da du stets ein sehr kurzes Gedächtniß zu haben scheinst, so werde ich darnach das schon zu öfternmalen Gesagte ganz kurz wiederholen. Aber zuvor muß der letzte Schritt ganz und nicht nur blos zur Hälfte gemacht werden. Darum also noch mit dem andern Fuße aus der Gefangenschaft, und es wird dann sogleich alles Andere in der besten Ordnung sich befinden.«

08 Spr. die Minerva: »Nun, mir scheint es, daß deine sauberen Begehrungen an mich nimmer ein Ende nehmen werden. Wie kann ein ganzer Schritt, der stets nur nach der Vorwärtssetzung des einen Fußes gerechnet wird, darum nur ein halber Schritt sein? Siehe, das ist ein reinster Unsinn! Aber weil ich schon so viel gethan habe, so will ich auch noch das thun; aber siehe dich vor, daß ich dich dann ja nicht verlasse; denn du weißt es, daß mir dann der freieste Abzug und Rücktritt in meinen vorigen Zustand gestattet ist, und zwar als eine Hauptbedingung zu dieser meiner mich unter alles Luderwerk entwürdigenden Handlung nach deinem Willen.«

09 Nun hebt sie auch im Ernste den zweiten Fuß nach, und sagt (Min.-S.): »Jetzt ist es vollbracht; ich habe deinen Willen ganz erfüllet; nun was geschieht jetzt?« - Spricht Kado: »Endlos Holdeste! hier löse das Bündel auf; nehme das Gewand heraus, und bedecke deine mein ganzes Wesen zu mächtig aufregenden bloßen Reize!«

10 Die Minerva beugt sich sogleich nieder, löset das Bündel auf, und als sie im selben ein karmin-rothes mehr als die Sonne hell strahlendes Kleid mit einer schweren Menge strahlendster Diamanten und Rubinen besetzt erschauet, erschrickt sie vor dieser ungeheuern Lichtmasse, so daß sie in Anwandlung von einer barsten Lustschwäche förmlich zu Boden sinkt, und nun in einer Art Betäubung vor dem Kado nahe ohne Regung liegt.

11 Kado fragt sie nun sagend: »Nun Minerva, wie ist es dir? gefällt dir das urkönigliche Gewand? Habe ich dich angelogen, oder - habe ich dir die Wahrheit gesagt? Was hältst du nun von mir?«

12 Die Minerva vor lauter Staunen kaum der Sprache mächtig, spricht mit einer etwas bebenden Stimme: »Kado, Kado, das ist zu viel, zu groß, zu herrlich! Ich kenne doch alle Himmel, und deren Einwohner; aber mit so einem Kleide habe ich allda noch nie Jemanden angethan gesehen, nicht einmal die Gottheit in ihrem unzugänglichsten Lichte. Wie solle ich nun aus meiner ärgsten und tiefsten Verworfenheit kaum ein wenig auftauchend solch ein Feuergewand anzunehmen und am Ende gar zu tragen im Stande sein? Ich habe daran zwar eine unbeschreibliche Freude; aber anzuziehen wage ich es wahrlich nicht; denn das Tiefste der Hölle kann nicht sobald mit dem Höchsten der Himmel einen zu schnell veranlaßten Bund eingehen! Da gehört noch eine lange Dauer, in der ich über mein langes höllisch grundböses Wirken und Handeln nachdenken und mich über dasselbe mehr und mehr werde hinaussetzen können. Denn wohl bedenke, daß ich der Urgrund alles Bösen und alles Gerichtes bin. Wie und wann ich mich aber über diese meine höchst böseste Stellung werde erheben können! o Kado! wie sehr ferne noch ist eines solchen Zeitraums Herbeikommen!«

13 Spricht Kado: »Thörin! zähle die Sonnen im endlosen Raume, zähle die Planeten alle, die nicht selten zu Trillionen um eine einzige und letztere Zentralsonne wie Atome im Aether umherkreisen, die noch lange keine Haupt-Zentralsonne ist; zähle den gerichteten Sand nur eines kleinsten Planeten; summire alle die atomistischen Materiepartikeln, die im endlosen Aethermeere des ewigen Raumes als gerichtet rasten, und über ihren kleinen Rücken das Licht von einer Unendlichkeit zur andern tragen müssen; sieh', das alles ist arg gerichtet aus deinem höchst eigenen Gerichte. Wie lange wohl müßtest du da zählen, und wie viel denken, bis du den Grund eines jeden gerichteten Atomes der ganzen Unendlichkeit durchsähest und durchdächtest, um dich in dir selbst dann darüber hinaus erheben zu können! - Sieh, das wäre im höchsten Grade eitel und thöricht; daher thue du das, was ich dir zu deiner wahren Freiwerdung anrathe, und du wirst der ganzen ewigen Großrechnung nicht bedürfen, um wahrhaft frei, dadurch auch der allmächtigen Gottheit in Ihrer Jesus-Menschheit wohlgefällig zu werden.«

14 Spr. die Min.S.: »Geliebtester Kado, du hast wohl recht, ich sehe es ein; aber nur den gewissen Namen spreche mir nicht mehr aus; - denn dieser Name ist für mich im höchsten Grade unerträglich. Ich kann dir's zwar nicht sagen: Warum? aber es ist einmal so. Der Name brennt mich mehr, denn alles Feuer der Hölle.«

15 Spr. Kado: »Siehe, das ist schon wieder im höchsten Grade dumm und thöricht von dir! Gerade in diesem Namen wie ewig in keinem andern, ist für dich und mich ein ewig wahres Heil zu erringen. Deßhalb lobe und preise du in der Zukunft lieber diesen Namen, so wirst du vollkommen siegen über alles zahllose Böse in deinem Herzen, und wirst dann einen wahrsten Triumf feiern über alles, was dich je zu solch einem großen fortlaufenden Abfalle von der ewigen Gottheit mag verleitet haben.«

16 Spricht die Min.-S.: »Guter Kado! du hast wohl viel leichter reden, denn ich, und hast auch Recht in allem; aber bedenke, wie viele Eonen ärmster Wesen schmachten nun noch in größter Qual, die ich ihnen bereitet habe! Wie solle ich überhaupt je frei und wahrhaft glücklich werden können, so lange die zahllosen durch mich unglücklich Gemachten in aller Qual schmachten müssen? Ich solle nun glänzen in diesem Kleide, und zahllose Kinder aus mir sollen meinetwegen schmachten, ewig schmachten; nein, nein, das geht nicht, das kann nicht sein!«

17 Spricht Kado: »Kümmere dich um was anders! Seit die Gottheit zum Körpermenschen ward, hat Sie auch die ganze materielle Schöpfung auf ihren Namen genommen, und jeden Menschen von dir im höchsten Grade unabhängig, und dem eigenen Gewissen zinsbar gemacht; alle Welt ruht nun auf der Schulter Gottes, und auf denen der freien Menschen, und du stehest mit der Gottheit schon lange in keiner Verrechnung mehr. Daher thue, was ich dir sage, und du wirst frei sein in Allem!«

182. Kapitel: Minerva findet neue Ausflüchte, denen Cado entgegentritt. Von Buße und Bekehrung. Gleichnis vom Okulieren. Hochbedeutsame Erlösungstatsachen. Robert und Sahariel treten hinzu (Am 10. April 1850)

01 (Miklosch): „Spricht die Min.-S.: »Aber es ist von der Gottheit eine Art Buße zur Vergebung der Sünden angeordnet, ohne die kein Mensch, und somit noch um vieles weniger ein Teufel selig werden kann. Siehe, ich aber war und bin es noch aller Sünde Grund, und ein Pfeiler des Gerichtes und des Todes; wie solle dann erst ich ohne Buße frei, und endlich gar selig werden? Es müßte daher über mich wohl die größte Buße kommen, so ich im Ernste solle frei und selig werden. - Wie aber könnte ich Buße wirken in diesem Lichtgewande? Dazu gehört ein härenes Büßerkleid, und Asche und Sack; verschaffe mir ein solches Büßerkleid, und ich will und werde die ernsteste Buße zu wirken anfangen.«

02 Spr. Kado: »Du wohl du, und s'Buße wirken! Das ginge so hübsch zusammen; was verstehst denn du, was da wahre Buße wirken heißt? meinst denn du: ein härenes Kleid, Asche und Sack machen die Buße aus? Oder glaubst du etwas nach römischer Art thun zu müssen, um zur wahren Sündenvergebung zu gelangen? Möchtest du nicht etwa eine Generalbeichte ablegen, 1000 Messen zahlen, kommuniziren, auf daß in dir dann alle deine Sünden krepiren? Auf der Erd' unweit meines großen Raubgebietes war ein sogenanntes Franziskanerkloster, sehr schlecht gebaut zwar, aber dennoch tauglich zur Aufnahme von ein paar Dutzend ärgerlichster Müßiggänger, die sich Patres und Fratres nannten; aus derer Munde habe ich solch einen Unsinn von einer wahren der Gottheit wohlgefälligen Buße vernommen, ohne die Niemand selig werden könne. Ich aber habe an diesen Kerlen bei guter Gelegenheit eine ganz neue Art Buße ausgeübt, und ich meine, daß sie eben für diese Geistestodtschläger wirksamer war, als die, welche sie den armen Teufeln aufdringen wollten, und auch vielfach aufgedrungen haben. Jch, wenn schon gleich dir der Gottheit gegenüber ein Teufel, halte das für die wahre Buße, so man das Schlechte, als das der Gottesordnung Widrige, eigenwillig verläßt, und seinen Willen fest und unerschütterlich unter das Panier der ewigen Gottesordnung stellt, und dann selbst das unerschütterlich fest will, was man als solcher göttlichen Ordnung gemäß erkennt. So du so handeln wirst, aus deinem neuen in der Gottesordnung geregelten Willen, dann wirst du auch eine rechte Buße wirken; aber ein härenes Gewand, Asche, Sack, Generalbeichte, Kommunion und wegen meiner eine Million Messen gehören ins Fach der größten Menschenthorheiten, weil sie den Menschen nicht besser, sondern nur schlechter und schlechter machen. Nur durch meinen Willen allein kann ich besser werden; alles andere gehört in einen Leibstuhl, und hat keinen Werth, weder vor bessern Geistern, noch vor Gott.

03 Du weißt es, und siehst es auch ein, was ein jeder Geist durch seine höhere Weisheit genau ersehen kann; wolle sonach nichts aus dir heraus, sondern blos aus mir heraus, oder was ich will, so wirst du deines höchst eigenen Kerkermeisters alsbald loswerden; so lange du aber noch mit deinen eigenen Willensbrocken mir entgegenkommen wirst, da wird es mit dir noch sehr lange nicht besser werden. - Sieh', an der Weisheit, und an einer gediegenen Erkenntniß hat es dir nie gemangelt; aber an einem neuen guten Willen, und darum bist du zum Grunde alles Schlechten und Bösen geworden. So ein Wesen aber gut werden will und edel, da muß es mit seinem ersten wilden Willen dasselbe Experiment machen, als was da macht auf der Erde ein Gärtner mit einem Wildlinge; er schneidet ihm die Krone ab, spaltet dann den Rumpf, und setzt einen edlen Zweig hinein, und es wird dann ein neuer edler und guter Fruchtbaum daraus. So mußt auch du, wie gesagt, es mit deinem alten Wildlinge von Willen machen. Wenn es dich auch darauf eine Weile geniren wird, da du die alte Krone dir mußt völlig nehmen lassen, so mache dir aber dennoch nichts daraus; denn du wirst dafür zu einer herrlicheren, besseren und edleren Krone gelangen.«

04 Spricht die Min.-S.: »Kado, Kado! du bist zwar eigensinnig wie ein echter Teufel, aber dabei weise, wie ein Gott! hörst du, wie ein Gott!« - Spricht nun wieder Kado: »Eh! was nützt mir meine Weisheit, so sie außer mir Niemand befolgen will? Ich predige tauben Ohren, und vor blinden Augen mache ich Spektakel, und diese merken nichts. Ich habe bis jetzt, bei Gott dem Allmächtigen, geredet zur Uebergenüge; aber was nützet alles das? Du hörest mich an wie der Profet Bileam seinen Esel, wo letzterer auch weiser war als sein blinder tirannischer Herr; denn dieser sah, und wußte, warum er stehen bleiben mußte; während sein Herr dafür nur desto eifriger des grauen Sehers Rücken in die Arbeit nahm. Ich zeige dir, warum du dich gänzlich meinem Willen unterordnen sollst; aber du hast da stets tausend Ausflüchte, und so du schon was thust, da thust du die Sache aber dennoch nie sogleich, und auch nie ganz also, wie ich es haben will und haben muß. Warum denn das?! So du mich nun weise findest wie einen Gott, warum thust du denn dann nicht sogleich, was ich von dir verlange? Das herrlichste und kostbarste Kleid liegt vor dir, und wirft seinen mächtigsten Strahlenglanz gleich einer Zentralsonne in die weite Unendlichkeit hinaus; aber sein intensivstes Licht, das da bestimmt ist, nach dem Innern deines Wesens den Strahl zu treiben, muß sich noch vergeblich verzehren. Warum denn das? Gebe mir davon einen Grund an!«

05 Spricht die Minerva: »Ich habe dir den Grund ja schon angegeben; du aber hast ihn widerleget mit der Schärfe deiner Weisheit, der ich nun freilich nichts mehr entgegenstellen kann. Aber alles dessen ungeachtet bleibe ich doch bei dem, daß ich mich für dieß zu göttliche Gewand als viel zu unwürdig fühle, um es gleich so mir und dir nichts wie einen andern gemeinen Fetzen anzuziehen. Und das ist ein Hauptgrund, warum ich also mit dem Anzuge zögere. Einen andern Grund kann ich dir unmöglich angeben, und so du dich darob noch ärgern sollest. Ziehe es du an, wenn du schon so viel Muth besitzest, und gebe mir darinnen ein Beispiel, und ich werde dann diesem deinem Beispiele folgen. Apropos! noch etwas: Wie sieht es denn auf der Erde, und in allen andern Welten dann aus, oder wie wird es aussehen, so ich dieß Kleid anzöge? wird es besser oder etwa noch schlimmer den dort neu zu bildenden noch in die gröbste Materie verhüllten Geistern ergehen? Gebe mir davon eine begreifliche Erklärung, und ich werde dann sogleich alles thun, was und wie es du wünschest.«

06 Spricht Kado: »Ich habe es ja gewußt, daß sie richtig noch wieder eine die Sache verzögernde Ausflucht finden wird! O du ganz entsetzlich verzweifeltes Wesen! Was gehen denn uns nun die Erde und alle andern zahllosen Welten an! Die Gottheit wird es wohl schier wissen, was sie damit machen wird. Uns aber geht weiter weder die Erde noch der Himmel etwas an, und wir haben uns darum nicht im Geringsten zu kümmern. - Wie von nun an die Menschen auf der Erde, oder auf der Sonne untereinander leben werden, ob kriegerisch oder friedsam, das hat für uns aber auch nicht die allergeringste Beziehung. Wir leben und handeln blos nur für uns; alles andere sei und bleibe für uns eine terra incognita so lange, als bis wir zufolge etwa eines möglichen höheren Auftrages beordert werden, uns darum zu kümmern. Ich habe dir aber ja auch schon ehedem klarst gesagt, daß du außer allen Einfluß auf die Weltkörper gesetzt wurdest, seit der Menschwerdung der Gottheit, in der ein zweiter Adam in und aus Gott alle Schöpfung, und somit auch alle ihre Uebel auf die höchst eigne Schulter nahm, und nun Alles also leitet und führet, wie es Seine ewigste Ordnung verlangt. Daher hast du dich von nun an um nichts anderes mehr zu kümmern, als blos nur allein um dich selbst. Ziehe nun das Gewand an, und es wird sich dann schon sogleich zeigen, was da weiter zu geschehen hat.«

07 Spricht die Min.-S.: »O du lebendiges Buch du! du sprichst ja, als so du ein Jünger Salomons wärest! Aber ich sehe es nun rein ein, daß du eines Theiles denn doch recht hast, und so will ich denn vor dir mich zu einer Putzgredl umstalten, und eine recht dumm hochmütige und eitle Personage spielen, da du daran denn schon eine so große Freude hast. Dummer Lippel! wird's dir denn dann besser sein, so du mich vor lauter Glanz gar nicht anschauen wirst können? Ich ziehe es nun an; aber dann komme mir ja nicht sobald wieder mit einem andern Begehren.«

183. Kapitel: Minervas Herrlichkeit im Himmelskleide. Robert und Sahariel geben sich den beiden zu erkennen. Wichtige Lehre über die Erziehung zur wahren Freiheit und Selbständigkeit. (Am 12. April 1850)

01 (Miklosch): „Die Minerva zieht nun wirklich das Gewand an; ste ist nun auch schon angekleidet; O tausend, O tausend! ah! das ist stark! nein, da ist es ja gar nimmer zum Aushalten! Aber diese ungeheuere Schönheit! Herr und Vater Jesus! mein Gott, mein Gott! sei mir armen Sünder gnädig und barmherzig! nein, diese allerungeheuerste Schönheit auf eine längere Weile ansehen zu müssen, und dabei das Leben zu erhalten, das dürfte wohl kaum möglich sein. Nur diese unbeschreibbar sanftest weiche Zartheit, diese göttlichst herrliche Form ihres Angesichtes, dieser wallende Busen, dieser Arm! nein, Herr! Ich würde entweder todt, oder ein Narr, so ich diese zu allerungeheuerste Schönheit nur einige Sekunden noch anschauen müßte. Ah, ah! sie wird immer schöner und schöner! Wie aber ein Kado, und wie die zwei andern, als der Robert Uraniel und der Sahariel, die ihr doch gar so nahe gekommen sind, solch eine Nähe ohne Verlust ihres Lebens aushalten können, das ist mir ein ungeheures Räthsel. Wohl gehen den beiden Letztgenannten nahe die Augen vor lauter Glanz und Schönheit über, was da sehr begreiflich ist; aber wie der Kado es in ihrer größten Nähe auszuhalten vermag, das begreife, wer es begreifen kann; ich werde es sicher nie begreifen. Denn diese allerungeheuerste Schönheit müßte geradewegs vollends todte Statuen im Augenblicke beleben können. Bruder Bath.! Gehe, und suplire du mich nun eine Weile, denn ich kann es wahrlich nimmer aushalten."

02 Spr. der Bath.: „Mein Freund Miklosch, das kann wohl nicht ausgeführet werden; ich habe nun nur ein paar sicher sehr flüchtige Blicke hingeworfen, und bin deßhalb schon ganz schach- und matt; was würde aus mir erst dann werden, so ich mich ganz wohlbehaglich eine längere Weile in sie vergaffete? Ich bedanke mich, liebster Freund, für diesen deinen Antrag. Versehe du nur selbst diesen angenehmsten Dienst; ich werde das meinige mir schon aus deinen Worten nehmen."

03 Spr. der Miklosch weiter: „Nun gut, so werde ich ein reiner Narr. Und itzt, oh, oh, oh! Die Beiden machen gar Miene, als ob sie zu uns her sich begeben wollten. Nun, so das? da werde ich ganz bestimmt ein Narr! Aber, Gott! dir alles Lob! jetzt geben sich die beiden Engel dem Kado, und der Minerva zu erkennen, und der Kado, wie die Minerva scheinen gleichzeitig ganz verblüfft darüber zu sein, daß sie nun auf einmal, wie aus den Wolken gefallen, zwei ihnen ganz fremde Gesellschafter bekommen! Kado betrachtet die Beiden mit sehr forschenden Blicken vom Kopfe bis zur Zehe, und scheint sie fragen zu wollen, woher sie gekommen seien, ob von Oben, oder von Unten? aber aussprechen will er's noch nicht; aber in seiner höchst klassischen Miene scheint diese Frage unverkennbar zu liegen?! Bin nun höchst gespannt, was da herauskommen wird.

04 Aha, nun wischet sich der Kado mit der rechten Hand die Haare aus dem Gesichte, nimmt eine ganz famose Heldenstellung den Beiden gegenüber an, und sagt nun: »Woher seid ihr? was wollet ihr, und wer seid ihr? Pünklich genaueste und wahrste Antwort verlangt der Kado von euch. Verstehet aber wohl! Der Teufel Kado verlangt solches von euch!«

05 Tritt der Robert vor und spricht: »Wir Beide sind deine intimsten Freunde, sind von Oben, wie auch von Unten zugleich her; wir haben dich beobachtet und beschützet insgeheim, ansonst du diese Urkönigin aller Materie nicht so weit gebracht haben würdest; nun du aber sozusagen am Ende deines großen Werkes stehest, so kommen wir dir zu gratuliren, daß dir dieß schöne Werk so herrlich gelungen ist, daran die Mühe so vieler mächtiger Brüder gescheitert ist; solltest du dich in was immer, das da gut ist vor Gott, unseres Dienstes bedienen wollen, so stehen wir dir zu Gebote.«

06 Spricht Kado: »Für euren allfälligen Schutz, den ihr mir geheim geleistet zu haben vorgebet, danke ich euch, und so auch für eure Wache über mich; aber ich bekenne es euch Beiden auch ganz unverholen entgegen, daß es mir beiweitem lieber gewesen wäre, so ihr mich weder beschützet noch bewahret hättet. Denn mir genügt der Name und die Kraft des großen Einen; alles Andere ist bei mir eitel nichts; auch ihr Beide seid mir gleich einer Nulle! Einen weitern Dienst von euch kann ich von nun an nimmer in irgend einen Anspruch nehmen, da ich mir selbst zu genügen getraue. Ich ersuche euch darum, daß ihr euch alsogleich von mir entfernet, ansonst ich Gewalt gebrauchen müßte; denn diese meine heißgeliebteste Minerva ist noch lange nicht auf dem Punkte, fremde Gäste, die ein sehr schmarotzerisches Aussehen haben, zu ertragen. Wird sie einmal ganz vollendet sein, dann könnet ihr gleichwohl wieder kommen, und euch ihrer Wiedergenesung freuen. Aber nur keine weitere, weder offene und noch weniger geheime Hülfe mehr, denn das würde meine Mühe nur verzögern, und keineswegs verkürzen. Also, Gott befohlen, meine Freunde!«

07 Spricht die Minerva: »Freund Kado! da ich nun das urkönigliche Gewand anhabe, und somit alles erfüllet habe, was du von mir verlanget hast, so glaube ich hier wohl auch schon wirksam ein Wörtchen reden, und etwas frei begehren zu dürfen. Ich begehre sonach, daß diese beiden Weisen von Oben und Unten her hier verbleiben, und mir in so Manchem einen Dienst leisten können, so sie's wollen; kurz, ich will und begehre, daß hier ihrem Wunsche willfahret werde.«

08 Spricht Kado: »Nur das hat zu geschehen, was ich anordne; alles andere unterbleibt. Und muß ich dir nun nachgeben, so bist du von vornherein wieder auf wenigstens eine halbe Ewigkeit verloren samt mir. Denn vergesse du nur ja nicht, daß wir Beide Teufel sind, und eine andere Bahn zu gehen haben, um zur Vollendung zu gelangen, als die Engel Gottes, die schon in ihrer Art vollendet sind. Also, Freunde, thut mir sonach diese purste Freundschaft, und gehet! denn in eurer Gegenwart kann ich die Minerva nimmer weiter führen.« (Am 14. April 1850)

09 (Mikl.:) Spricht Robert: »Freund Kado! du kennst uns noch zu wenig, so du meinest, daß wir dir hinderlich sein könnten in Ausführung deines guten Planes mit der Minerva. Siehe, was du bisher geredet und gethan hast, das hast du durch uns gethan; denn Gott der Herr, dessen Name herrlich ist, überherrlich, hat uns eben dazu die gerechte und hinreichende Kraft und Macht ertheilt. Wärest du ganz allein vor dieser sogenannten Min. S. gestanden, da wärest du ihr auch schon lange als ein schnödestes Opfer gefallen. Wir waren es ja, die dir jegliches Wort in den Mund gelegt haben; wir haben deine Steine, die du als Waffe gebrauchtest, gesegnet und gekräftiget, und ließen die Feuerfluth nicht höher steigen, auf daß du auf diesem Hügel ein sicher's Asil finden sollest, und auch wirklich gefunden hast, während deine Feinde in den Wogen des Zornmeeres Gottes ihren erschrecklichsten Untergang fanden. Da sich aber all die Sachen also verhalten, und nicht anders verhalten können, wie sollen wir dir nun hinderlich sein können bei der fernern Fortführung deines Planes mit der nun schon sehr hold gewordenen Minerva? Förderlich, ja, das wollen und können wir dir sein bei deinem löblichsten und allen Himmeln gefälligsten Werke; aber dich irgend ableiten das Werk zu vollenden, das könnte uns auch in keinem Traume beifallen, so hier ein Traum möglich wäre. Sei du Kado daher ganz unbesorgt unsertwegen! wir werden dir sicher in etwas um so weniger hinderlich sein, da wir so ganz eigentlich selbst die Urheber davon sind.

10 Wir bleiben aber nun darum hier bei dir eine gerechte Weile, auf daß du nun wirklich frei aus dir selbst das Fernere thun wirst können, was zur Vollendung dieses Großwerkes vonnöthen ist; denn obschon wir dir auch nun mit Rath und That zu Diensten stehen werden, so wird aber unser Rath dennoch von nun an nicht mehr heimlich, sondern ganz offen, und eine That nur auf dein offenes Verlangen geschehen, auf daß du dadurch samt der Minerva wahrhaft frei werden kannst; denn du wirst ganz frei unsern Rath entweder annehmen können - oder denselben von dir weisen. Würden wir wie bisher, in dich heimlich einfließen, so könntest du nimmer frei und dadurch selig werden; denn in diesem Falle bist du blos nur ein Werkzeug in unseren Händen. Wir aber geben nun das Werkzeug frei, und machen es los von den Fesseln des Gerichtes, auf daß es dann wahrhaft frei wirke, und aus sich selbst etwas werde vor dem Herrn. Darum muß aber das an sich zwar sehr taugliche, aber durch sich bisher dennoch höchst schwache Werkzeug das erkennen, und darnach sich selbst bestimmen, so wird es denn auch in Kürze zur wahren und freien Vollendung gelangen, und nicht weiterhin in der genöthigten Knechtschaft verbleiben. Und also sei und verbleibe es, im Namen des Herrn Jesu, des einigen Gottes Himmels und aller Welten!«

11 Spricht Kado: »Wenn so, da freilich wohl bleibet ihr; denn ich muß frei handeln, und will selbst frei handeln, um frei zu werden von jeglichem Joche. Ob aber nun die Minerva, die ehedem für euer Hierbleiben sehr gestimmt war, auch noch so gestimmt sein und bleiben wird, das ist eine andere Frage.«

12 Spricht die Minerva: »Die Schritte, die ich nun vorwärts gemacht habe, die bleiben, und ich werde sicher keinen Rückgang mehr thun; aber diese beiden himmlischen Filus müssen mir aus den Augen, darum sie gegen mich nicht offen, sondern nur geheim und hinterlistig gehandelt haben. So sie hier verbleiben werden, werde ich keinen Schritt mehr vorwärts dir zu Gefallen thun.«

13 Spricht Robert: »Nicht so, nicht so, holdeste Minerva! So wir dir erweislich etwas Arges zugefüget haben, dann wollen wir auch sogleich gehen. Du aber mußt es selbst bekennen, daß wir dir dadurch nur etwas höchst Gutes erwiesen haben durch die Kraft Gottes, die in uns ist mächtig und thatkräftig, daß wir dich in soweit frei gemacht haben von den Fesseln der Hölle, und haben sie mehr und mehr verstummen gemacht in deinem Herzen, in dem ehedem der Grundkeim alles Uebels, und somit auch aller Hölle gelegen ist. Bedenke dieses ernstlich, und gedenke der schaudervollsten Zeiten Länge, durch die du der Qualen höchste freilich leider (sozusagen unglaublich) durch dein eigenes starrstes Wollen durchgelitten hast, und unsere für dein künftiges Wohl höchstbesorgte Gegenwart wird dir sicher nicht so unangenehm sein können, als wie du es dir nun einzubilden scheinst.«

14 Spricht Kado: »Ganz richtig, also denke! und es wird dann alles gut werden. Die Beiden müssen nun bleiben, weil ich's ihnen gebiete. Hast du auch gegen mein Gebot etwas einzuwenden?« - Spricht die Min. S.: »O ja, denn du gebietest, weil die Beiden dich dazu nöthigen.«

15 Spricht Kado: »Da irrst du dich sehr, ich lasse mich von Niemanden bei meinem freien Wissen und Wollen nöthigen. Bin ich aber dazu gerichtet, solches thun zu müssen, dann wirst du dich dem um so weniger widersetzen können, was da ausspricht mein gerichteter Wille, indem er da nicht mehr mein, sondern des allmächtigen Gottes ist. Und so denn bleibe es bei dem, was die Beiden ehedem selbst bestimmt, und ich nun geboten habe. Kein Jota darf daran geändert werden, verstehst du? Kein Jota!«

16 Spricht die Minerva: »Ja, ja, im Eigensinne bist du groß, und weißt die Sache also zu drehen, daß du dabei von deinem Ansehen, das du dir gewisserart erstohlen hast, ja nichts verlierest; nur ich, als der Erstling aller Kreatur, soll nun bei dir um ein Ansehen betteln. Aber sei es nun, wie ihm wolle, ich werde mich zwar äußerlich in dein Wollen fügen, wie bisher, weil ich zu schwach bin, dir einen wirksamen Kampf entgegen zu bieten; aber das Innere gehört mir, und das hat von nun an nichts als den alleinigen Fluch für dich, wie auch für diesen deinen Freundschaftsbund, Amen! Verstehst du dieses Amen?«

17 Spricht Kado: »O ja, so viel Verstand besitze ich gottlob; aber auch noch etwas mehr, gottlob! um wie viel mehr aber (?) brauche ich dir nicht zu sagen. Wird einmal nur dein Aeußeres recht durchgegerbet werden, dann wird sich auch dein Inneres dem zuwenden, was ich mit dir nach der unwandelbaren Gottesordnung will; und dazu sage auch ich ein unwandelbares Amen. Verstehst auch du, was ich mit diesem allerunwandelbarsten Amen sagen will, und gesagt habe?«

184. Kapitel: Sahariel über das 'Amen'. Minervas Liebesantrag an den Engelsboten und dessen weise Antwort. Gleichnis von den zwei Brunnen. Cado enthüllt die Sachlage.

01 (Miklosch): „Tritt hinzu der Sariel und sagt: »Höret! auch mir stehet ein Recht zu, über irgend etwas ein gar kräftigstes Amen auszusprechen; aber ich thue es dennoch nicht, weil hinter einem jeden Amen irgend ein Gericht steckt. Ich rathe euch daher, eure Amen zurückzunehmen; denn es stehet Niemanden ein Recht zu, über irgend etwas, das da mit der göttlichen Ordnung nicht in der Uebereinstimmung stehet, aus sich heraus ein Amen auszusprechen; wohl aber darf und kann ein jeder Geist in dem ein ewiges Amen in sich tragen, was da betrifft die göttliche Ordnung und den Willen Gottes. Dieß Amen ist das Urleben aller Wesen, ist ihr Werth, und ist ihre höchste Freiheit, so sie es sich aus sich heraus vollends zu eigen machen; jedes andere Amen aber ist Gericht, Tod und Hölle, und erzeuget Hochmuth, Stolz, Verachtung, Geringschätzung alles Wahren, Guten und Göttlichen, und bauet Kerker, Gefängnisse, schmiedet Ketten, und fachet an das Feuer alles Verderbens. Also nehmet darum euer Amen zurück, und begebet euch in ein wahres und ewiges Gottes-Amen, dann werdet ihr Beide am ehesten frei werden von der Hölle, die nun noch recht stark in euren Herzen tobet und pochet, wie das Feuer eines feuerspeienden Berges. Gehet, und befolget diesen meinen Rath, und ihr werdet wahrlich nicht schlecht fahren.«

02 Spricht die Minerva zum Kado gewendet: »Hast du's vernommen? du eingebildeter Weisheitspinsel, und äußerst dummer Tropf! Das sind Worte voll echter himmlischer Salbung, auf die man bauen kann; aber auf deine Worte, die keinen Anfang und kein Ende haben, kann man ja nicht einmal ein allerelendestes Kartenhaus setzen. Siehe, ich bin deinen Worten wohl gefolget, weil es sich in denselben zeigte, als wäre dahinter wirklich ein guter Zweck verborgen; aber je mehr ich sie in eine tiefere Erwägung zog, und je näher ich dir kam, desto klarer wurde es mir hernach auch, daß du blos nur so ein blinder Abenteurer bist, der zwar irgend eine Macht besitzt, sie aber blos dazu verwendet, um damit zu einem sogenannten Gauklertriumpfe zu gelangen, hinter dem aber freilich nichts ist, als die leerste Schalheit. Packe nur ein mit deinen Macht- und Weisheitssätzen; auch diese deine Davidssteine kannst du dir zum ewigen Angedenken aufbewahren; denn nicht deine Steine, sondern diese Beiden haben mir die Lanze gebrochen, und mein ewig's Szepter zerschlagen; daher gebührt auch nur ihnen, nicht aber dir der Ruhm und der Preis. Sariel! nehme mich hin; ich will dir ein Preis sein; denn du hast dich um mich verdient gemacht.« (Am 17. April 1850)

03 Spricht Sariel: »Holdeste aus aller äußeren Schönheitmitte! mir wie auch meinem Freunde Uraniel gebührt ebensowenig ein Preis, als wie dem Freunde Kado; denn wir sind nur Diener nach dem weisesten Plane des Herrn, Werkzeuge in Seiner Hand; und so wir Alles auf's Genaueste gethan haben, so sind wir darob dennoch vor Ihm nichts, als eitel unnütze Knechte. Denn so wir auch etwas thun, das da aussieht, als thäten wir es, so ist aber das dennoch nur ein Schein; indem doch nur Er es ist, Der da alles thut und vollbringet. Wie würde ich vor dem Herrn bestehen, so ich für meine nichtigen Thaten gleich mir einen so hohen Preis aneignen würde! Was daher dem Herrn wohlgefällig ist, das geschehe! Du, wie wir Alle, sind des Herrn, und sind nach dem Grade unserer Demuth vor Ihm und Liebe zu Ihm ein Preis, der allein Ihm gebührt; uns aber gebührt nichts, als was uns Seine große Liebe, Gnade und Erbarmung bietet. Du mußt dich darob aber etwa ja nicht betrüben, daß ich dich als einen zu hohen Preis meiner zu nichtigen Mühe nicht annehmen kann, indem du allein dem Herrn Gott Jesus Jehova Zebaoth angehörst; sollte aber der Herr Selbst dich mir aus Seiner zu endlos großen Liebe heraus an mein Herz binden, dann werde ich dich aber auch mit der höchsten und liebedankbarsten Würdigung annehmen für ewig! Ist dir, du gestaltlich schönste Lichtträgerin, das recht und genehm?«

04 Spr. die Minerva: »Schönster Sariel! deine Demuth und nahe unbegrenzte Bescheidenheit nöthigt mir ein gerechtes Erstaunen ab, und deine Rede fordert mein Herz zur wahren und vollsten Bewunderung auf; denn wie Milch und Honig floß deiner himmlischen Rede Süße in meine tiefbewegte Brust, und ich athme nun nur Liebe über Liebe für dich, du mein göttlich schönster Sariel! Welch' ein schöner göttlich freundlicher Ernst strahlt aus deinem ewig jugendlich zarten Jünglingsgesichte, welch' ein himmlischer Adel durchweht dein ganzes Wesen, und welch' eine sanfteste Rundung und himmlisch ästhetische Harmonie leuchtet gleich einem Morgensterne aus allen deinen Gliedern! Ich muß es dir gestehen, daß ich dich liebe über alle Maßen. Und so du mir nicht eine Gegenliebe giebst, da bin ich das unglücklichste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! Sieh' mich doch recht an! Sieh', ich bin ja auch schön! Gut freilich bin ich leider nicht! Aber wer weiß es denn, ob ich eben durch dich nicht auch so gut werden kann, als ich nun schön bin. Gerne möchte ich dir das beste und reinste Herz bieten, so ich's hätte; aber nehme es an, wie es ist, und wie ich dir's biete! Vielleicht wird es an deiner Seite auch edel und rein werden. Verschmähe diesen meinen Antrag nicht; denn er entstammt der ersten Liebe meines ewig langen Seins.« (Am 18. April 1850)

05 Spricht Sariel: »Meine allerschönste und strahlend holdeste Minerva! dein Sein ist wohl schon, der irdischen Zeit nach gerechnet, ein recht sehr langes, aber kein ewiges, vom Anfange her ist es nicht. Gott allein ist ewig; alles andere aber hat aus Ihm heraus einen Anfang genommen. Wir alle Zahllosen aus Ihm werden nun wohl ewig fortdauern, aber ewig wie Gott bestehen wir nicht; ob auch Jemand aus uns gerade um einige Dezillionen von Erdjahren länger besteht, so ist er aber deßhalb noch lange nicht ewig. Du hast dich in deinem Eifer zwar ein wenig verstiegen; aber das macht nichts; wenn du nur sonst eine wahre Liebe zu mir in deinem Herzen verspürest, woran ich zwar noch ein wenig zweifle, so kann ich über solch blos poetische Uebertreibungen schon ganz ruhig hinausschauen. - Du hast mir deine Liebe und dein Herz angetragen, und ich nehme diesen Antrag an. Aber nur eine einzige kleine Bedingung knüpfe ich daran, und diese besteht darin, daß du mir folgest zum Herrn willig und fröhlich, und den Freund Kado mitnimmst. Kannst du das thun, so sind wir quitt.«

06 Spricht die Minerva: »Freund! das ist keine kleine, sondern eine unendlich große, für mich so gut, wie rein unausführbare Bedingung. Was denkest du dir? ich zum Herrn der Unendlichkeit mit dir hinziehen, und den mir nun über alles verhaßten Kado auch dazu mitnehmen? Freund! das thut sich wohl nicht. Alles andere, nur das nicht, weil es mir nun so gut wie unmöglich ist. Du mußt mit mir eher noch sehr Mühe haben, mußt reinigen und edeln zuvor mein Herz; dann erst kannst du mir mit solchen Bedingungen kommen. Es wäre die sogleiche Erfüllung von solch einer Bedingung ja auch für dich keine Ehre vor Gott, da es entweder von einer zu geringen Achtung vor der allmächtigen Gottheit dir ein Zeugniß gäbe, oder so das nicht ist, so doch von deiner Dummheit, deren du, wie ich dich bisher kenne, wohl kaum fähig sein dürftest. Ich sage dir, nehme mich unbedingt an; kaufe die Katze im Sacke, und du wirst damit keine schlechte Fahrt machen.«

07 Spricht Sariel: »Das wird sich etwas schwer machen, weil noch zu viel Gerichtes in deinem Herzen rastet, das nur dadurch verringert werden kann, so du Holdeste ganz unbedingt dich stets mehr und mehr unserem in Gott geordneten Wollen frei und ohne Zwang unterwirfst; wird auf diese Art dein Wille vollends in den göttlichen übergehen, dann wirst auch du von mir verlangen können, was dir nur immer belieben wird, und wir werden es dann ohne Verzug sogleich in die vollste Erfüllung bringen. Aber jetzt thut es sich noch nicht; denn thäten wir nun, was du willst, so begäben wir uns selbst in dein Gericht, und würden dadurch dasselbe vermehren, und härter machen, anstatt daß wir es mildern und verringern sollen.

08 Die Sache verhält sich gleichnißweise gerade also, als wenn da zwei Brunnen nebeneinander wären, von denen der eine voll ist des reinsten Wassers, der andere aber voll Kloake; wird man das ergiebige Wasser des ersten reinen Brunnens in den zweiten unreinen hineinleiten, so wird dadurch mit der Weile der Pfützengehalt dieses zweiten schlechten Brunnens gereiniget, und am Ende selbst zu einem guten Wasser werden; so man aber die Kloake des zweiten Brunnens in den ersten reinen leiten würde, da würden dann beide Brunnen schlecht und unbrauchbar werden! würde bei solch verkehrter Arbeit wohl jemand etwas gewinnen?

09 Siehe, du hast nun ein handgreifliches Beispiel aus meinem harmlosesten Munde erhalten, aus dem du leicht ersehen kannst, warum wir das Wasser, deines Willens in den unsern nicht aufnehmen können; aber es muß dir auch sonnenklar sein, warum du zu deinem höchst eigenen Wohle das Wasser unseres Willens in das deines Willens allerreichlichst solltest überströmen lassen? thue sonach das, was wir wollen, und du wirst gereiniget werden, und voll edlen trinkbaren Wassers! - Hast du doch selbst den Wunsch geäußert, daß du durch mich rein und edel werden möchtest! Ja, du kannst das, so du's willst; aber da mußt du das thun, was ich im Namen des Herrn, wie im Namen aller Himmel dir zu thun vorgeschlagen habe!«

10 „Die M. sieht nach dieser wahrlich höchst einfach weisen Belehrung ganz wie stumm vor sich hin, und scheint nach ihren Blicken zu urtheilen, darauf zu sinnen, wie sie sich von dieser ihr sehr lästig werdenden Gesellschaft loswinden könnte!

11 Der Kado scheint das auch zu merken, und sagt nun zum Sahariel, wie auch zum Robert Uraniel: »Liebe Freunde! obschon ich als selbst ein Teufel nicht werth bin meine Augen zu euch empor zu heben, da ihr wahrlich voll seid der heiligen Wahrheit und Weisheit aus Gott; aber wie ich's nun merke, so werden wir mit dieser Schlange wenig oder nichts ausrichten; denn ihre hartnäckigste böseste Schlauheit übersteiget nun schon alle meine Begriffsgrenzen, die doch nach meinem Dafürhalten eben nicht gar zu enge aneinander geschoben sein dürften; ihr ist es eben so wenig Ernst, in ein bessres Sein überzugehen, als es uns je ein Ernst sein könnte, in ihr ärgstes Gericht überzugehen! denn dieß echte Schlangenwesen ist zu voll des Giftes durch und durch. Was sind ihr schon alles für allertriftigste Vorstellungen gemacht worden, deren Grund und wahre vollkommenste Weisheit sie ebensogut wie wir einsieht; aber ihr alter Satanswille bleibt dabei stets der gleiche. Sie thut wohl, als ob sie in unser Wollen eingehen wollte; aber das thut sie nur zum Scheine, und wendet dabei alles an, wodurch sie am Ende uns in ihren Sack schieben könnte; da sage ich: Nichts da – Satanas! - mein Auge sieht schärfer denn das deine; uns wirst du nicht lange mehr herum foppen! - denn wir kennen dich!!«

185. Kapitel: Minerva (Satana) will sich rechtfertigen als negativer Pol. Von Cado mit Hohn widerlegt, entlarvt sie sich in ihrer ganzen Bosheit. Sahariel wendet sich mit Ernst zum Gehen. (Am 22. April 1850)

01 (Miklosch): „Spr. die Min.: »Schweige! du dümmster Esel! was verstehest und was weißt du, was ich zu thun habe und thun muß! meinst denn du, die göttliche Ordnung sorgt blos nur für die positive Polarität der Wesen und Dinge?! o du finstrer armenischer Patsch du! muß denn bei den Wesen und Dingen die negative Polarität nicht im gleichen Maße ausgebildet dastehen? Ist nicht alles Leben ein fortwährender Kampf der beiden Polaritäten? Nimm du dummer Esel einem Baume die Wurzel, und frage ihn dann, wie lange er noch Früchte tragen wird? - Haue den Thieren die Füße ab, und siehe, wie sie dann ohne Füße weiter kommen werden. So durch eine sogenannte gute oder positive Kraft das Blut zum Herzen zurückgedrängt wird, und darauf durch eine sogenannte böse Kraft, die ich als negativ bezeichne, wieder vom Herzen hinausgetrieben werden muß, wenn das fisische Leben fortdauern soll, sage mir, welche Kraft ist denn dann die vorzüglichere, die anziehende oder die abstoßende? Siehst, du grober Limmel, was du in deiner unbegreiflichsten Dummheit alles zusammenredest; es versteht sich wohl von selbst, daß die negative Kraft der positiven subordinirt bleiben muß, weil sie aus ihr hervorgeht; das reine Wasser muß das trübe reinigen, und nicht umgekehrt. Aber das alles ist auch Gottes Ordnung, dummer Lippel! Wenn Rom nicht finster wäre wie eine stygische Nacht, so würde die Menschheit nicht nach dem Lichte fragen. Also bin auch ich, wie ich bin, aus Gott, und werde es auch also verbleiben, wie du sicher ein Esel in Ewigkeit."

02 Spricht lakonisch Kado: »Ja, ja, den letzten Namen auf dich angewendet, möchte es sich wohl begeben. O du Dummheits-Prinzessin aus allen Fixsternen heraus! du wirst mir was von einer positiven und negativen Kraft, und von ihrer gegenseitigen Nothwendigkeit etwas vorsagen. Ich müßte mich wahrhaftigst über die Ohren hinaus schämen, so ich darinnen von dir eine Belehrung anzunehmen genöthigt wäre, oder gar sein solle. Sage mir, du schönste Eselinerin, ist Gott eine ganze, oder nur eine halbe Macht und Kraft ohne dich? Bist du nothwendig, daß Er ist? oder könnte Er vielleicht auch ohne dich bestehen, so wie Er ohne dich Ewigkeiten bestanden hat? O du vor Gott dem Herrn gänzlich zweckloses Geschöpf, du willst mir die Nothwendigkeit des Bösen hinaufdisputiren, ohne das es unmöglich irgend etwas Gutes geben könnte. O du dümmstes und blindestes Weib-Vieh; worauf basirt denn hernach die reinste Liebe, Güte und höchste Macht Gottes? Muß etwa die Gottheit, die doch sicher in Allem das vollkommenste Wesen ist, auch zuvor böse sein, um hernach gut sein zu können? O lachet, lachet doch alle Himmel über solch eine minervische Weisheit, von der doch ein schon hundsgemeinster Hadernsammler sagen müßte: Ich sch- mir eine bessere Weisheit, als wie diese sein wollende Weisheitsgöttin sie besitzt. Man erzählt sich von der fabelhaften Minerva solches, daß sie nehmlich aus dem Haupte des Jupiter herausgesprungen sei; aber diese oder jene Minerva wirst du sicher nicht sein? denn für deine Entstehung müßte man ja nicht das Haupt des mächtigen und weisen Zeus, sondern höchstens dessen Hinterleib annehmen. Dein Kleid glänzet freilich wie eine Sonne, aber was nützet das, wenn der Rock noch so glänzt, aber im Rocke ein ganz blitzdummes Wesen steckt; bei dir kann man es wohl mit dem vollsten Rechte sagen: Es ist nicht alles Gold, was da so glänzt wie ein Gold. Hat dir der himmlische Freund Sahariel die Sache seines Verlangens nicht handgreiflich zur Uebergenüge gezeigt, wie sie nur also und nie anders vor sich gehen kann, zu deinem alleinigen Nutzen? Warum folgest du denn seinem Rathe nicht? hast du ihm doch ehedem alle erdenklichen Vorzüge eingeräumt vor mir, und scheinst ihn heimlich nun eben so zu verachten als wie mich. O du Haupt aller Bosheit! ich kenne dich nun ganz, und werde auch diejenigen Mittel anzuwenden wissen, die dich mit der rechten Weile denn doch zähmen dürften; denn auskommen wirst du mir wohl ewig nimmer, und mit deinem Zurückspringen in die alte Drachenhaut wird sich's auch nimmer thun; denn dafür ist schon durch dieses Strahlengewand gesorgt. Was aber wirst du thun!?«

03 Spr. die Minerva: »Schweige, du dümmster Esel, mit dir zu reden eckelt es mir. Meinst du denn, daß ich in diesem Gewande nicht ebensogut meine Pläne ausführen könne, als wie in der Drachenhaut? deren ich mich nur auf Augenblicke bei besonderen Gelegenheiten bediente! O da irrst du dich gewaltigst; merke es dir: Jetzt werde ich es euch erst zeigen, was ich kann. - Meine Regimenter unter der Aegide, besonders der römischen Hierarchie, habe ich noch, und ich werde sie spielen lassen; da wirst du dann sehen, was alles ich vermag; Inquisizionen, Galgen, Schaffote und auch die alten Scheiterhaufen sollen wucherisch wieder erstehen, und ihr Wesen ums hundertfache ärger treiben, als sie es getrieben haben; und die Herrscher sollen ihre Unterthanen mit glühenden Ruthen schlagen, und sie erwürgen lassen zu Tausenden; daraus wirst du bald ersehen, was ich auch ohne Drachenhaut zu bewirken im Stande bin.«

04 Spr. Kado: »Aber ich sage dazu: Aha! bis hieher und nicht um ein Haar weiter. Nun hast du deine Beichte vor uns gehörig abgelegt, und uns in deiner großen Dummheit selbst deine schönen und menschenfreundlichen Pläne verrathen; und das war sehr gut von dir; das ist dir einmal gelungen; bravo! das hast du gut gemacht; mehr brauche ich dir nicht zu sagen; das Unsrige werden dann schon wir zu thun verstehen.«

05 Spricht dazu der Robert: »Die geheimst gehaltenen Vorkehrungen sind bereits getroffen. Dießmal wird sich der Satan selbst den völligen Untergang bereiten; sein Lohn wird ein fürchterlicher sein.«

06 Spricht Sariel: »Liebe Freunde, ereifert euch nicht dieser Unverbeserlichen wegen; denn die Hauptmacht ist ihr benommen, und mit ihrer Scheinmacht wird ihr wenig geholfen sein; es wird diese alte Schlange wohl noch etliche beißen und vergiften; aber es wird ihr dann das Handwerk auf ewig gelegt werden; denn der Herr Selbst wird zu den Sterblichen kommen, und wird der Schlange das Handwerk legen! - Sie solle nun thun, was sie will; je ärger sie es anfangen wird, desto eher wird sie mit ihrer schnödesten Arbeit fertig werden. Und genug nun der Arbeit mit und in der Hölle; wir werden uns nun auf den Rückweg zum Herrn und unsern lieben Brüdern machen; diese aber solle allein und gänzlich verlassen hier machen, was sie nur immer will und mag; an uns solle sie keine Narren mehr haben, mit denen sie ihr loses Windspiel treiben könnte. - Richte dich auf, Bruder Kado! denn du hast Gnade gefunden vor Gott, darum du dein Böses in dir in Gutes und Wahres verkehret hast; du wirst nun auch mit uns ziehen hin zum Herrn, und Er wird dich annehmen, und wird dir eine große Macht geben, über die Hölle zu wachen. Diese Minerva aber wird dir unterthan verbleiben, weil du sie besieget hast mit der Waffe der göttlichen Gerechtigkeit. - Mache dich alsonach auf, und wandle in unserer Mitte vor den Herrn hin.«

07 Spricht die Min.: »So, so, mich also, mich, als die Perle der Unendlichkeit, wollet ihr nun so ganz mir und dir nichts verlassen, und gleichsam davonjagen wie eine feile Dirne vom Tanze. O das ist sehr schön und löblich von euch; früher habt ihr durch lauter Lockungen es mit mir so weit getrieben, daß ich nachgab, und zu euch her kam; und nun, wo ihr mit meinen Schwächen einige Geduld haben sollet, wollet ihr mich verlassen, weil euch irgend eine kleine Mühe zu sauer ist, und ihr der Meinung seid, daß ich rein unverbesserlich bin. Aber dem ist es nicht also; ich bin vielleicht, wie kein zweites Wesen, einer Besserung fähig; aber nur der solle über mich triumfiren, der mir die gehörige und nothwendige Geduld und gerechte Liebe erweiset. Ich bin arm geworden und sehr verwaiset, und allenthalben spricht man mit der tiefsten Verachtung von mir; solle ich da nicht voll Mißtrauens sein gegen jeglich's Wesen, das sich mir naht, da es mir noch allzeit also ergangen ist, wie nun? Allzeit wurden mir Verheißungen gemacht, auf daß ich umkehrete zu Gott; so ich aber nahe daran war, da verließen mich die anfangs stets muthigst auftretenden Bekehrer, und überließen mich meinem Schicksale, so wie auch ihr es nun machen wollet; aber thuet nur, was ihr wollt; ich werde in der Folge denn wohl auch wissen, was ich zu thun haben werde. Kado! willst du bleiben, so bleibe! und ich werde dir dann folgen; aber mit diesen Zweien ziehe ich nicht.«

186. Kapitel: Minerva disputiert und rechtet weiter. Sahariels übergroße Langmut. Graf Bathianyi ärgert sich über die Unverbesserliche und wird selbst rechthaberisch. Minervas Abgang. (Am 25. April 1850)

01 (Miklosch:) „Spricht Kado: »Was ich mit dir effektuirte bisher, das war nicht mein, sondern dieser mächtigen Gottesfreunde Werk; wenn ich nun allein mit dir zu thun bekäme, wohin würde ich kommen, da du mir allein in jeder Hinsicht zu mächtig wärest; daher thue ich nun freudigst, was diese beiden mächtigen Gottesfreunde von mir verlangen. Es giebt nichts mehr, was dir nicht wäre gesagt worden; du hast so viel Lekzionen und Witzigungen empfangen, als wie viel es der Welten im endlosesten Raume giebt, aber es war das alles vergeblich, da dir dein hochmüthigster Wahn-Sinn stets lieber war, als die strahlendste Weisheit der vielen Gottesboten an dich; deine Sache ist: Alleinherrschaft über alle Himmel, über alle Materie, und über alle Höllen; du willst drei Herrscherkronen, drei Szepter und drei Schwerter, das ist und war, wie gesagt, stets deine Sache, und ist für dich auch zugleich das unbesiegbare Hinderniß deiner von Gott zu bewerkstelligen beabsichtigten Freiwerdung, zu der du in dieser deiner Natur wohl ewig nimmer gelangen wirst. Und nun soll ich, aus mir selbst nichts als ein ärmster schwächster Teufel, allein bei dir verbleiben, und mit dir alle möglichen bereits erschöpften Bekehrungs-Versuche machen, auf daß du am Ende mich verschlängest wie eine böseste Riesenschlange ein Kaninchen, was dein eigentlichster geheimer Plan ist, den ich nun nur zu gut und klar durchschaue; o siehe, dazu wird sich ein Kado nimmer gebrauchen lassen. Darum gehe ich mit diesen beiden lieben Gottesfreunden. Du wolltest ja frei sein; und sieh', diese Freiheit ist dir nun eingeräumt, und du kannst thun, was du willst; daß du nichts Gutes thun wirst, davon sind wir alle vollkommen überzeugt; aber wir sind auch davon überzeugt, daß du dießmal dir ein Grab zum ewigen Tode bereiten wirst, dieweil du uns nicht folgen wolltest, und verlangtest von uns, das wir von dir zu verlangen von Gott das Recht hatten, zu deiner Freiwerdung. Thue nun aus deiner eigenen Macht, was du willst; aber erwarte von Gott ja nimmer eine dir zugelassene Gewalt; denn diese wird dir nimmer werden.«

02 Spr. die Min.: »So bitte ich euch alle Drei, daß ihr noch eine Weile bei mir verbleibet, und Versuche zu meiner doch noch immer möglichen Besserung machet; denn am Willen fehlt es mir ja doch sicher nicht.«

03 Spricht Sariel: »O ja, das sicher nicht; da du nur viel zu viel Willen hast; aber was für einen? das ist eine andere Frage. Aber wir wollen, da du es verlangst, deinem Begehren nachkommen, und noch einige Augenblicke mit dir die möglichste Geduld haben; sollen diese an dir nichts ändern, dann wirst du verlassen werden auf immer; also sei es.«

04 Spricht die Minerva: »Nun denn, da ihr mir das Zugeständniß gemacht habt, so bitte ich euch, daß ihr euch ganz kurz und klar erkläret, was ich zu thun habe, um frei zu werden vor Gott und aller Schöpfung.« - Spricht Sariel: »Schönste, da brauchst du gar nichts zu thun, sondern so zu bleiben, wie du nun bist; denn frei vor Gott und allen Seinen Geschöpfen warst du seit deinem Anbeginne her. Es fragt sich nur, ob du in Gott deinem Schöpfer und Herrn wahrhaft frei werden willst? Was du aber zu thun hast, um solch eine allein wahre Freiheit zu erlangen, das weißt du so gut als wir; und so kann ich dir darüber auch keinen andern Rath ertheilen, als: Handle darnach freiwillig; wolle und thue das, was wir wollen und thun, so wirst du auch das erlangen, was wir dir im Namen des Herrn verheißen haben. Willst du aber das nicht, so ist unsere Geduld an dir vergeblich.«

05 Spricht die Min.: »Ich müßte also zuvor eine Sklavin werden, um also dann erst aus der Sklaverei in die sicher sehr geknechtete Freiheit überzugehen. O das wird sich bei mir sehr schwer thun lassen, weil in mir ein gewisses Gefühl gegen jede Erniedrigung meines Wesens sich auf das allerentschiedenste ausspricht. Giebt es denn keinen andern Weg, als diesen, den zu wandeln ich unmöglich vermag?«

06 Spricht Sariel: »Wie es nur Einen Gott, Eine göttliche Ordnung und nur Eine Wahrheit giebt, so giebt es auch nur einen rechten Weg, der zu Gott und der wahren ewigen Freiheit führt; wer diesen nicht betreten und wandeln will, der bleibt ewig ferne von Gott, Seiner Ordnung, Wahrheit und Freiheit. Wer aber in der einzig alleinigen Wahrheit, die in Gott ist von Ewigkeit, nicht frei wird, der bleibt dir gleich ein elendster Sklave in Ewigkeit. Also, nun sage du aber auch uns ganz kurz, bestimmt und entschieden, was du nun thun wirst. Willst du mit uns zum Herrn Jesum hin, oder willst du nicht hin?«

07 Spricht die Minerva: »Ich wollte, so ich's könnte; aber ich kann das nicht, weil es mir vorderhand nun nicht möglich ist. Aber ich will mir, so ihr mir noch eine kurze Geduld schenken wollet, nun alle erdenkliche Mühe geben, euch folgen zu können; so ich euch in der möglichsten Kürze diese Sache bekannt geben werde, ob - oder nicht; dann könnet ihr denn auch sogleich thun, was immer euch eure Ordnung gebietet:« „Spricht Sariel: »Gut, gut; auch noch diesen Gefallen wollen wir dir erweisen. Mache dich daher nur sogleich an die Bekämpfung deines bösesten Hochmuthes.«

08 (Miklosch): „Aha, aha, da sehet nun einmal hin, wie die lose Min. nun druckt und schluckt, und die Augen verdreht, als wenn es ihr noch so ernst wäre, sich zu bessern. O das muß eine allerdurchtriebenst feinste Kanaille sein!"

09 Spricht der Gr. Bath.: „Freunde, bei der ist, wie man auf der Erde gesagt hat, Taufe samt Krisam in dem Grund und Boden verdorben; bei der alten Hure schaut keine Besserung mehr heraus. Eine dreifache Krone im Herzen und im Kopfe, und dazu eine Besserung durch die Demuth. Ich bitte euch, laßet euch nicht auslachen; so wenig ich je wieder auf der Erde einen Grafen spielen werde, so wenig wird die sich einmal bessern. Ich habe doch alles vernommen, was ehedem Kado allein, und was nun alle Drei mit dieser Prima Donna der Hölle gesprochen und verhandelt haben; wie weit sind sie denn mit ihr gekommen? Auf demselben Flecke stehen sie noch, wo sie mit ihr zu verhandeln angefangen haben. Das Strahlenkleid wohl hat sie angezogen, weil das ihren Stolz und ihre unbegrenzt herrschsüchtigste Eitelkeit erhöhet; aber zu etwas, das nach nur irgend einer geringsten Demüthigung riecht, werden die Drei sie nie bewegen; ich meine, daß sogar ein Papst Roms eher zu irgend einer Nachgiebigkeit zu bewegen wäre, natürlich durch sehr viel Gold und Silber, als wie diese echteste Zentralhöllenkanaille. Ich meine, man solle das Luder möglicherweise irgend wohin auf ewig fest bannen, und sich dann weiter nicht mehr um dasselbe umsehen und kümmern; denn bessern wird es sich wohl ewig nimmer.«

10 Spricht Miklosch: „Weißt du, lieber Freund, lassen wir das dem Herrn über; Er wird es am besten wissen, was Er mit diesem sonderbaren Wesen thun wird. Mich aber interessirt nun die Geschichte ganz besonders; für's erste die ungeheuere Geduld unseres allgütigsten, liebevollsten, heiligsten Vaters, und für's zweite aber auch die wirklich mehr als merkwürdigste Art, wie sich die Pseudominerva überall und zumeist auf eine so gar bescheidene Weise durchwindet, wenn es gilt, daß sie sich umkehren solle. Sie ist wirklich eine Minerva in ihrer freilich leider bösen Art, der keine zweite in die Nähe kommen kann. Ich begreife blos nur das nicht, wie sie bei ihrem urhäßlichsten Karakter so ungeheuer bis zum rein rasend werden äußerlich schön sein kann. Aber es giebt ja auf der Welt auch Aehnliches; die schönsten Thiere sind gewöhnlich auch die bösesten, die schönsten Blumen giftig, und die schönsten Weiber gewöhnlich eines sehr schlüpfrigen Karakters. Unter allen kirchlichen Anstalten auf der Erde steht die römische in der äußern Pracht und Schönheit sicher beiweitem oben an, und im Innern ist sie ohne Zweifel die schlechteste. Und so scheint es mir wenigstens, daß gerade in der vollendetsten lediglich äußern Schönheitsform der eigentliche Hauptkarakter des Höllenwesens zu suchen ist."

11 Spricht der Graf Bath.: „Ja, ja, da hast du ganz recht, es ist also; die schönsten Länder der Erde werden gewöhnlich von den schlechtesten Menschen und bösesten Thieren bewohnt, und das Unkraut wuchert ungeheuer. In den schönsten Palästen wohnen zwar äußerlich gewöhnlich die schönsten und üppigsten Menschen; aber welches Geistes Kinder sind sie zu allermeist? Was äußerlich zu sehr glänzt, das ist meistens des Teufels."

12 Spricht auch der nebenstehende General: „Ja wohl wahr, wohl wahr; je mehr Orden auf dem Rocke, desto mehr Menschen muß man umgebracht haben, und Tausende zu Sklaven und zu Bettlern gemacht; das weiß ich aus Erfahrung. Die Orden stehen zwar gut; aber unter den Orden das Gewissen stehet schlecht, so noch eines da ist; und das ist auch Satan in deutlichster Art, nicht wahr, lieben Freunde und Brüder im Herrn." (Am 28. April 1850)

13 Spr. Gr. B.: „Ja, ja, es ist hie und da auch manchmal etwas daran, aber freilich nicht allzeit, da es doch auch Männer giebt und gab, die ihre Ehrenzeichen sich auf die redlichste Art von der Welt erworben haben; ich habe zwar auf Orden nie etwas gehalten, und war da ein reiner Nordamerikaner; aber dessen ungeachtet giebt es neben den freilich vielleicht auf eine unrechtliche Art erworbenen Orden auch recht viele Verdienstorden, deren Besitzer rechtliche und biedere Menschen sind, und somit auch auf dem rechtlichsten Wege zu solch ihren Namen und ihre Thaten ehrenden Auszeichnungen gekommen sind; und so ist nicht anzunehmen, daß unter jeder mit Orden geschmückten Brust ein schlechtes, oder gar kein Gewissen zu Hause sei; da hast du Bruder ein wenig zu viel gesagt. In Medio beati, bleiben wir daher schön in der Mitte, so werden wir vor dem Herrn sicher am besten bestehen können."

14 Spricht der General: „Du hast in deiner Weise ganz recht, aber ich in meiner auch; denn ich verdamme ja auch nicht jede geschmückte Brust; aber der erste Schmuck jeder Brust ist und bleibt ewig die reinste und wahrste Liebe zu Gott und zu dem Nächsten; wo diese einer noch so rechtlich geschmückten Brust mangelt, da gelten bei mir alle andern noch so rechtlich erworbenen Ehrenanhängsel nichts. So aber der Herr Selbst sagte: So ihr alles gethan habt, so bekennet es in euch, daß ihr pur unnütze und faule Knechte waret; wie solle da ein wahrer Nachfolger Christi des Herrn, sich ein ehrendes Verdienstzeichen auf seinen Rock können anhängen lassen. Ich meine, gegen den wird doch Niemand etwas einzuwenden haben; denn das ist Gottes Wort."

15 Spricht Gr. B. etwas, wie man so zu sagen pflegt, touschirt: „Ja, ja, und nocheinmal ja, ja, ja; du hast recht; denn Recht bleibt Recht; und es versteht sich von selbst, daß es ohne die Liebe kein Recht, und ohne das Recht auch keine wahre Liebe giebt und geben kann."

16 Spr. Mikl.: „Brüder, wie ich's merke, so kommt ihr vor dem Herrn und allein ewig wahren Richter in eine Art Rechts-Kampfes wegen Nichts und wieder Nichts. Höret, da, wenige Schritte zu eurer Rechten stehet der Herr voll Liebe, Güte und Sanftmuth; das ist der allein wahre und vollkommene Richter; Ihn fraget um den rechten Bescheid; und ihr werdet dann sogleich erfahren, wer aus euch das vorzüglichere Recht hat. Wer aber wird hier im Gottesreiche vor dem Herrn Selbst einen irdischen Ordensstreit beginnen wollen, der gerade jetzt bei diesen vielleicht für die ganze Ewigkeit wichtigsten Betrachtungen der Erscheinung dort im Norden eben so am ungeeignetsten Platze ist, wie die Faust eines Riesen auf dem Auge eines zarten und augenkranken Kindes."

187. Kapitel: Minervas (Satanas) seltsam theatralischer Abgang zu ihrem letzten Kampfe. Die hölliche Lügnerin verschwindet. Sahariel, Robert und Cado kehren heim. Jesus nimmt Cado auf.

01 Rede Ich: „Halt, halt! nur nicht zu weit von allen drei Seiten, und nun keinen Lärm; denn die Schwangere ist in Kindesnöthen, und darf in der Geburt nicht gestört werden; Miklosch, mache dich nur wieder an dein nur mehr sehr kurz dauerndes Geschäfte, und mache den Dolmetsch. Ich sage euch, die Ernte ist zur Reife gediehen, sie ist vor der Thüre; aber die Schnitter sind auch gerüstet zur Arbeit. Ich merke auf der Erde einen starken Jammer; der Satan möchte sie schlagen mit 10 facher Finsterniß. Aber dieß und das letzte Mal wird er seine Rechnung nicht finden; denn seine Mühe sei verflucht! Passe du Miklosch nun aber nur auf; denn von nun an wird jeder Schritt des Satans auf sehr kurz von großer Bedeutung sein für die Erde, den Prüfungsort Meiner Kinder. Schaue nun nur wieder hin und rede!"

02 Miklosch sieht nun wieder hin und spricht: „Ah! was Welt und alle Wetter! Die Minerva braust nun auf einmal auf, und verlangt ein Schwert zum Kampfe auf der Erde wider den Unglauben, und wider alle Ketzerei.

03 Der Sariel aber deutet auf die Zunge und sagt: »So dieß lebende Schwert nichts fruchtet, da ist auch jedes andere vergeblich. Das lebendige, so es mit dem Herzen im Verbande steht, wirket für die Ewigkeit, wie auch der Herr sprach: Dieser sichtbare Himmel und diese Erde werden vergehen, aber meine Worte ewig nimmer! Also wenn du es redlich meinst, so wirke durch Worte; das Schwert aber lasse du stehen; denn so du mit dem Schwerte predigen wirst, da wird das Schwert auch dein sicherstes Ende sein; denn der nach dem Schwerte greift, der wird auch durch das Schwert zu Grunde gerichtet werden. Begebe dich in Frieden, sonst wird deine Zeit ganz entsetzlich verkürzt werden.«

04 Spr. die Minerva: »Ich will ein Schwert, und es geschehe darauf, was da wolle! ich will ein Schwert; ein Schwert, ein Schwert gebt mir! denn nun will ich endlich einmal mit Gewalt, und wie von heute bis morgen die Erde fegen.«

05 Spricht darauf Robert: »Nun gut denn, du verlangst ein Schwert, und hier ist eines; nimm es hin, und gebrauche es nach deinem Wissen und Gewissen; der Lohn wird dir dießmal an der Ferse nachfolgen.«

06 Robert reicht ihr ein Schwert hin. Minerva reißt es ihm völlig aus den Händen, und lacht darauf echt satanisch, höhnisch daneben sagend: »Hahaha! ist das ein Schwert! aus Blei oder Pappendeckel? Hahaha! ist das etwa ein Sinnbild eurer himmlischen Macht und Stärke und Festigkeit?« - Spr. Robert: »O nein, Holdeste; wohl aber ist es ein Symbol deiner nunmehrigen Macht. Gehe hin, und kämpfe du Elende, und erringe deinen elendesten Sieg! Willst aber du mit uns ziehen, so stehet dir auch der Weg offen. Nun denn Herkul am ew'gen Scheidewege, erkläre dich nun, was du thun wirst?«

07 Spricht Minerva: »Ich werde kämpfen auch mit diesem Schwerte; verstehst du? auch mit diesem Schwerte.« - Spricht Robert: »Nur zu mit dieser Waffe! Aber gebe Acht, daß sie dir morgen auf der Erde nicht zu kurz wird! dießmal solle dir der letzte Kampf - aber pur auf deine Rechnung - zugelassen werden. Und genug nun der Worte mit dem Satan! - Gehen wir unseres Weges. Der Herr richte dich nach Seinem Wohlgefallen!«

08 Nun verschwand Satana plötzlich, und die Drei eilen unter Vortritt des Sariel hierher. - Nun bin ich neugierig, was sie alles etwa von ihren anderweitigen Himmelsbereisungen erzählen werden! Sie kommen, sie kommen schnell!"

09 In dem Augenblicke sind die Drei auch schon hier, und der Sariel tritt vor Mich hin, verneiget sich tiefst, und spricht: „O Herr! Du allliebender, allmächtiger, bester, heiligster Gott, und unser aller Vater! mit dem Bruder Robert Uraniel allein bin ich von Dir und in Deinem Namen hinausgegangen, um ihm zu zeigen ein Fünklein Deiner endlosesten Herrlichkeit; er sah seine Urheimath, und hatte eine ungemeinste Freude daran, und Alles pries und preiset dort Deinen Namen; aber auf dem Rückwege führte uns Dein heiligster Geist zu einer großen Szene, die für Deine Himmel alle, und für die kleine Erde als Geburtsstätte Deiner Kinder von größter Bedeutung sein wird. Aber diese Szene war ein glühend heißes Werk! Die ganze Hölle empörte sich wider Dich und alle Deine Himmel! Der Satan schmückte sich gewaltig, und wurde schön wie Deine Himmel, um durch solche Schönheit alle Himmel an sich zu ziehen.

10 Aber hier steht ein starker Geist, in sich schlecht und recht, und böse und gut, ein Wesen seltener Art; dieser Geist warf zuerst frei aus seinem eigenen Willen heraus der glänzendsten Fürstin der Hölle über die glühendste Fluth ihres Grimms den Fehdehandschuh hin; kämpfte mit ihr wie einst Dein Sohn David mit dem Riesen Goliath; ihr Aeußeres bezwang er wie ein Meister; aber das Innere dieser Fürstin blieb wie bisher noch stets dasselbe. Dieser beherzte Geist stehet hier; sein Name ist Kado; und so sind ich und der Bruder Uraniel Robert um einen Bruder reicher hierher zu Dir heiligster Vater wiedergekehret; wir wollen Dich nicht bitten, daß Du ihn annehmen möchtest in Dein Reich, da Deine unendliche Güte und Liebe uns schon lange zuvorgekommen ist; aber unsere große Freude nur wollen wir hier vor Dir o heiligster Vater so ganz nach unserer Herzenslust ausschütten darüber, daß Deine Liebe und Macht uns einen so herrlichen Bruder hat finden und gewinnen lassen! Dank, Lob, Liebe, Preis und alle Ehre Dir allein dafür!"

11 Rede Ich: „Meine Liebe, Meine Gnade, und Mein Segen euch und ihm darum; denn er war schon so wie verloren; aber ein Fünklein war noch in ihm, das da lebendig ward in der Qual, die ihm sein einstig, irdischer Vorfahr bereitet hat, und das rettete sein Herz, und verlieh ihm eine große Kraft, mit der er Mir dann wahrlich unaufgefordert einen großen Dienst erwies; aber er solle dafür auch einen großen freien Lohn überkommen, und werden ein Meister im Kampfe wider die Hölle.

12 Mein geliebter Kado, Ich sage dir, trete näher zu Mir herzu; denn Ich habe dir Großes und Wichtiges zu geben!" - Kado tritt näher, verneiget sich tief, und sagt dann: „Herr! ich hatte von Dir wohl eine ganz andere Vorstellung; aber da ich Dich nun also in der schlichtesten Einfachheit treffe und sehe, so bist Du mir unter diesem Bilde auch am allerangenehmsten, und ich frohlocke tiefst in meiner Wonne, daß Du als das allerhöchste Gottwesen so höchst schlicht und einfach bist. So habe ich mir die Gottheit oft in meinem Herzen gewünscht, wenn ich mir von Ihr auch stets eine endlos glänzendst unzugängliche Vorstellung machen mußte, weil meine halb türkischen, und halb jüdisch-christlichen Begriffe von der Gottheit mir keine andere Vorstellung ermöglichten. Aber da ich nun hier meinen Gott und meinen allmächtigen Schöpfer so finde, wie ich mir Ihn gar oft im Herzen freilich ganz heimlich nur gewünscht habe, so bin ich nun über die Maßen froh, und stelle sofort Dir, o Herr, meine allerkleinste Kraftwenigkeit zum bereitwilligsten Dienste. Aber nur müßig lasse, o Herr, mich nicht sein; denn meine Freude ist etwas Gutes zu thun haben. - Was wird denn nun mit der sogenannten „Minerva" geschehen? solle sie so verbleiben? oder sollen wir etwa doch noch weitere Besserungsversuche mit ihr machen? Denn so wird sie viel Unheil auf der Erde anstiften, auf was sie auch ganz sicher ausgegangen ist."

13 Rede Ich: „Sei deßhalb ruhig, lieber Kado; dießmal ist ihr, wie allen ihres Sinnes, die endliche Falle gelegt, in der sie sich unausweichbar fangen wird; wir aber werden nun etwas ganz anders beginnen!"

188. Kapitel: Jesus mit Robert und Helena. Wiedersehen der beiden Gatten. Sie erkennen und lieben sich in ihrem beiderseits gesteigerten Werte. Ein wahres Ehepaar der Himmel. (Am 1. Mai 1850)

01 Der Herr: „Robert! sieh hierher, die du lieb hast, ist die ganze Weile an Meiner Brust gehangen, während der du auswarest. Du hast sehr viel gesehen, und hast große Erfahrungen gemacht; aber frage sie, was sie unter der Periode deines wichtigen Ausseins alles gesehen und gehöret hat! Du bist in Meine Himmel gedrungen, und diese deine Helena tief in die großen Geheimnisse Meiner Liebe. Was meinst du nun, wer aus euch Beiden an tiefen und wichtigsten Erfahrungen alles Lebens wohl die größten und weitesten Fortschritte gemacht hat?"

02 Spricht Robert Ur.: „O Herr! sicher nur diese liebste Helena hier; denn der an der Urquelle selbst schöpft, der empfängt sicher des Lebens reinstes Licht; der aber durch Umstände, wie sie Deine heiligste Ordnung erheischet, genöthigt wird hinauszugehen, und an den weitgedehnten Ausflüssen Deiner Liebe, Weisheit und Macht und Deiner Erbarmungen Wunder zu besehen, der trinket Deine Gnade nur tropfenweise, während eine Helena in den gewaltigsten Zügen ganze Ströme Deines Urlichtes in ihr Herz aufnimmt, und dadurch in den ungeheuersten Sehekreis Deiner endlosen Erbarmungen und Wunderthaten geleitet wird; eine flüchtigste Sekunde ihres ungetrübtesten Schauens in Dein Herz muß ihr ja mehr enthüllen, als mir in der sichtlichen Ferne von Dir ein ganzes irdisches Jahrtausend! aber wie werde ich denn nun vor ihr bestehen; ich ein durch winzige Lichttropfen gesättigter Geist, und sie Ströme und Meere des Lichtes aller Weisheit in sich fassend?"

03 Rede Ich: „Deß kümmere dich nicht! So Jemand auf Erden ein Weib sich nimmt, so wird sie ihm um so lieber sein, je reicher sie bei andern gleich guten Eigenschaften ist, und so wird es dir hier wohl auch sicher nicht unangenehm sein, so hier dein rechtes Weib möglichst reich ausgestattet ist, und einen derartigen Schatz von Mir überkommen hat, daß ihr Beide daran für die Ewigkeit zur Genüge haben werdet. Ihr Schatz besteht in einer unschätzbarsten Fülle der Liebe; und dein Schatz an Weisheit ist der kleinste nicht.

04 Wohl bist du nur mit Tropfen gespeiset worden, wo sie Ströme in sich eingesogen hat; aber so du einen solchen Tropfen in die Fülle ihrer Liebe tauchen wirst, so wird daraus eine Unzahl von Wundern und neuen Geschöpfen und Werken entstehen, an denen du dich nimmer satt sehen wirst können; und du wirst darinnen dann erst Meine Macht, Größe, Liebe und Weisheit in aller Fülle stets mehr und mehr zu ersehen, zu bewundern und anzubeten beginnen; denn alles, was mit dir bisher geschah, das war nur eine nöthige Vorbereitung zu all' dem, was du von nun an beginnen wirst!

05 Du sahst dein Haus zuerst von außen, und es gefiel dir ganz ungemein; als du aber in den ersten Saal deines Hauses kamst, da gefiel es dir schon beiweitem besser, da du darauf bald zu einer Gesellschaft kamst, die zwar noch sehr roh aussah, als deinem Inwendigen in Allem entsprechend; aber sie ward bald sanft, wie dein Innerstes selbst lichter und sanfter wurde; es ward daraus ein zweiter Saal geöffnet, der große Speisesaal, allwo du die Tische zu ordnen hattest, die dir viel Bangens machten; darauf traten wir in einen dritten sehr großen Saal, das Museum benamset; da lerntest du im weitsten Umfange alle deine Mängel, und des Todes Samen in dir kennen, und schafftest sie aus dir nun alle, indem du auf den Grund der Hölle zu dringen hattest, von deinem Urentstehen an, und dich zu reinigen von ihr. Und nun stehest du noch im selben Museumssaale vor Mir.

06 Aber hier ist des Bleibens noch nicht; daher werden wir uns nun in die große Schatzkammer begeben, in der dir die Schätze ersichtlich werden, die du mit der Helena als eine freie Mitgabe von Mir erhältst. Rufe daher die ganze nun sehr große Gesellschaft zusammen, und wir werden uns dann sogleich in den vierten großen Saal begeben, der da ist die große Schatzkammer dieses deines Hauses. Grüße aber vorerst deine Helena, die da ist dein himmlisches Weib!"

07 Robert Ur. grüßet nun die Helena mit wahrer Engelszärtlichkeit, und diese erwidert allerholdseligst den Gruß, ihm freundlich die Hand reichend. Robert Ur. vergehet nahe vor Wonne, und sagt: „O du meine himmlische Helena! wie groß bist du nun, und wie klein bin ich vor dir!"

08 Spricht Helena: „Liebster R. Ur.! vor Gott dem Herrn, Der da ist unser aller Vater voll der reinsten Liebe, giebt es weder irgend etwas Großes, noch etwas Kleines, sondern alles ist gleich - nur Sein Werk; Er aber giebt dem einen Werke diesen, und einem andern Werke einen anderen Zweck; wo aber der Zweck göttlich, da ist auch das Mittel, durch das irgend ein solch göttlicher Zweck erreicht wird, gut; ich bin ein Mittel, und du bist es auch in der Hand der göttlichen Liebe, und bist so wie ich weder groß noch klein, sondern gleich mit mir in der Liebe vor Gott. Daher machen wir uns gegenseitig keine Lobhudeleien mehr, sondern ergreifen wir uns dahier so recht innigst in Gott, unserem heiligsten Vater; deine Weisheit vermähle sich wahrhaft mit meiner in Gott reifgewordenen Liebe, und werden wir sodann Eins vor Gott, so werden wir ein wahrhaftiges Ehepaar im Himmel, und werden als ein solches leben und wirken nach und in der Ordnung Gottes. Meinst du nicht auch, daß es also besser sei und klüger um Vieles, als sich gegenseitig leere nichtssagende Lobhudeleien zu sagen, und sich das Herz damit zu trüben?"

09 Spricht Robert Ur.: „Du liebste, holdeste Schwester in Gott dem Herrn und Vater! und Weib meines Herzens! Du hast ganz vollkommen Recht! Also ist es, und ewig nimmer anders. Ach, wie selig doch haben mich deine Worte gestimmt! ich hätte dir wahrlich jedes deiner Worte vom Munde wegküssen mögen! denn ich sah mit deinen gar so himmlisch klingenden Worten den Geist der reinsten göttlichen Liebe mit in mein Herz herüberströmen. O welch eine liebliche Harmonie entfaltete das in meiner hochseligsten Brust! O ihr armen Schulvölker der mageren Erde, könntet ihr je so einen harmonischen Sang in euren Ohren vernehmen, da erst würdet ihr es mit euer irdisch Leben zermalmendem Staunen gewahren, welch eine Macht im himmlischen Sange verborgen ist! O Gott, welcher Masse von Seligkeiten gehe ich nun entgegen? Was alles wird meinen über die Maßen erstaunten Augen in der großen geheimen Schatzkammer des Herrn begegnen! O Gott, o Gott, was alles habe ich schon gesehen, und was werde ich noch sehen? Seligkeiten ohne Maß, jede von neuen nie geahnten Wundern der göttlichen Liebe, Weisheit und Macht begleitet." Hier fällt Robert Ur. der Helena an den Hals, und küsset sie dann auf die Stirne;

10 Ich aber segne sie abermals, und bedeute dem Robert Ur., daß er nun Alle zum Weiterzuge aufrufen solle.

189. Kapitel: Cyprian bei Jesus. Der beste Dank. Jesu Führungsweise. Wege zu Roms Gericht. (Am 4. Mai 1850)

01 Robert geht nun zu den sehr vielen Freunden hin, und verkündigt ihnen, was nun nach Meinem Willen zu geschehen habe;

02 während dem aber tritt der P. Ciprian, seine Freunde, den Dismas und den P. Thomas samt dem General verlassend - zu Mir hin, und sagt: „Herr, du bester Vater der Menschen und Engel; das rein höllische Zwischenspiel hat ein hübsches Weilchen durchgedauert. War aber eben nicht sehr amüsant. Das Beste an der Sache, ist, daß da mit dem Verschwinden jenes wirklichen Ursatans auch mein Faksimile nun aus meiner Brust gänzlich verschwunden ist; denn die beiden Brüder, der Dismas und der Thomas, haben mit mir nahe den gleichen Exorzismus ins Werk gesetzt, wie dort im Norden der famose Kado mit der Pseudo-Minerva, und ich bin nun, so weit ich mich nur immer durchforsche, wenigstens von allem dem, was in mir, wie gesagt, römisch war, rein; Geiz, Neid, Habsucht, Herrschsucht und Rechthabegier sind nun ferne von mir; mit einem leichten und freien Gemüthe stehe ich, o Herr, nun vor Dir, und bitte Dich auch um einen kleinen Segen. Es ist die Bitte wohl ein wenig verwegen; ich sehe es ein; aber da Du schon den guten Bruder Robert gar so übermäßig gesegnet hast, daß er sich nun vor lauter Seligkeit nahe nimmer zu helfen weiß, so wirst Du ja auch mir meine Bitte nicht für eine Art Vermessenheit anrechnen."

03 Rede Ich: „Nein, nein, das ewig nicht; aber nur kommst du mit deiner Bitte etwas zu spät; denn Ich habe dich schon gesegnet." - Spricht P. Ciprian: „So ist es an mir, Dir, o Herr und Vater, zu danken."

04 Sage Ich: „Ist auch schon geschehen; denn Ich lese es in deinem Herzen, und das ist mir der gültigste und angenehmste Dank. Hast du Mir aber den besten Dank schon geleistet, wozu nachher noch einen schlechteren hinzufügen wollen?" - Spricht P. Ciprian: „Ja, aber davon weiß ich ja selbst beinahe kaum etwas; wie solle dann eine mir selbst nahe ganz unbewußte Handlung vor Dir einen Werth haben können." - Sage Ich: „Weil sie Meiner Lehre im Evangelio gemäß ist, allwonach auch die rechte Hand nicht wissen solle, was Gutes die Linke thut in Meinem Namen. Meinst denn du noch immer: Ein mir wohlgefällig werden sollender Dank muß mir - nach Roms Art - unter weithin schallendem Geläute aller Glocken, unter den gewaltigsten Tönen der Orgeln, Pauken, Trompeten und Posaunen, und unter dem gräßlichen sinnlosesten Geplärre lateinischer Hymmen dargebracht werden. O Freund! sieh', alles das ist vor Mir ein barster Gräuel. Wer Mir recht danken will, der danke Mir im Herzen, und zwar also, daß sein hochweiser Verstand dabei nicht viel mehr zu thun hat, als ein gemeiner Handlanger, bei was immer für einer Meisterarbeit. Und solch einen Dank hast du Mir schon dargebracht,- nun, so Ich damit überaus zufrieden bin, was willst du nachher denn noch?"

05 Spricht Ciprian: „Mein Gott und mein Herr! Du bist zu gut, zu gnädig und zu sehr barmherzig, daß du die puren Gedanken des Herzens als etwas Dir Wohlgefälliges ansehen magst. Ehre, Lob, Liebe und Preis sei darum dir allein ewig; Du ordnest alle Dinge richtig, und Deine Kinder führst Du den rechten Weg, daß sie nimmer irren können in der Fülle, und verfehlen den rechten Weg. Ich war zwar sehr in der Irre, und mein Herz machte seine Lebensschläge in großer Trübniß; aber Du ließest es nicht zu, daß da erstarrte mein Herz in seiner Nacht, und keiner Pulse der Liebe zu Dir mehr fähig wäre; darum ewig Dir allein allen Preis, allen Ruhm, alle Ehre, alle Anbetung, und alle unsere Liebe.

06 Es geht zwar nun wieder auf der Erde sehr traurig, düster und finster zu, wie ich es jetzt häufig merkte; aber es ist recht also, wie Du o Herr es zuläßest; denn es muß ja auch das Unkraut zur Reife kommen, und seine Wurzel dürre werden und todt, auf daß es dann vom Grunde aus zerstöret und vernichtet werden kann. Wie das Gute von Dir, so auch muß das Böse sich thatkräftig äußern, damit es als wahrhaft Böses erkannt und verworfen werden möge; und so läßest du nun auch die arge Pflanze einen Wuchertrieb thun, auf daß sie desto eher dürr und todt werde. - Ein Stein, der nie in die Höhe geworfen wird, kommt nie zum Falle; so Du aber den Pfaffen sich aufzuschwingen zuläßest höher und höher, so ist ihnen dadurch auch der Fall gegeben.

07 Das Böseste auf der Erde ist nun das römische Pfaffenthum; es erhebt sich nun unter der Maske der Frömmigkeit, und steiget und steiget höher und höher; aber so es bald mit seinem stolzen Flügelpaare an die eherne Decke Deiner Himmel schlagen wird, da werden ihm die Flügel verstöret werden, durch Feuer aus den Himmeln, und es wird da einen erschrecklichen und letzten Fall thun, nach dem keine Erhebung mehr möglich sein wird. Ein trauriger Weg zwar; aber gut, recht und gerecht ist er, und verfehlet nimmer des rechten Zieles Mitte.

08 Ich war falsch, schlecht und böse vor Dir und Deiner Erde, o Herr; und stieg und stieg höher und höher, um desto tiefer zu fallen. Aber als ich gefallen bin vollends, da erst kamst Du, o Herr, und halfst mir wieder empor, und machtest so aus einem Teufel einen Menschen nach Deinem Maße, und nach Deiner Zahl; und so thust Du o Herr fortwährend; darum sei Dir wieder aller Ruhm, alle Ehre, aller Preis, alle Anbetung und alle Liebe; denn Deine Erbarmungen sind unbegrenzt, und Deine Liebe und Gnade erfüllet da alle Räume der Unendlichkeit. Den Niedern erniedrigst Du noch mehr, auf daß er vollkommen werde, und näher käme Deinem Herzen; aber die Hohen erhöhest Du, und bereitest ihnen den vollkommenen Fall, auf daß sie dann als Gefallene ersehen mögen, wie gar so eitel da war all ihr Mühen, und wie gar nichts sie sind vor Dir, o Herr! Wohl aber Denen, die ihren sichern Fall merken werden, und werden sich demüthigen vor Dir; die aber sich in ihrem Falle werden erhalten wollen, denen ein dreifaches Wehe; denn ihr Weg wird ein heißer sein, und ihre Umkehr nahe unmöglich.

09 O Rom, o Rom! du pochest vergeblich an die eherne Pforte deiner alten Macht. Siehe, die Riegel sind verrostet, und unbeugsam die Querstangen, mit denen du selbst die Thüre zum Gottesreiche verrammet hast Allen, die da hinein wollten. Ich stehe vor Gott dem Allmächtigen, und sein Auge sagt mir: deine letzte Mühe wird dir einen schnöden Lohn bringen. Du dürstest nach Blut, und Feuer willst du speien über der Erde weite Triften; aber wehe dir! Der Herr hat da eine Nacht vorbereitet, die dich selbst verschlingen wird, wie eine hungrige Schlange einen Sperling!"

10 Sage darauf Ich: „Amen, ja, so sei es; du hast gut, wahr und weise geredet vor Meinem Angesichte, und so sei es, wie du nun geredet hast vor Mir!"

190. Kapitel: Bitte um Heil für die Erde durch die Altväter. Jesu Antwort. Von den Vorbereitungen zur Wiederkunft des Herrn. Robert und Helena mit Cado an der Pforte der Vollendung. (Am 10. Mai 1850)

01 Treten alle Profeten und Apostel zu Mir dem Herrn hin, und sagen: „Ja, Amen! Dein Name werde geheiliget, wie hier in Deinen Himmeln, also auch auf Deiner Erde, die da ist nach Deiner ewigen Ordnung eine wahre Probestätte für die Geschlechter, die da zum ewigen Dasein erkeimen unter Deinem Herzen. Aber nur das, heiliger Vater, bitten wir Dich Alle aus Einem Herzen und aus Einem Munde: Lege dem Satan einmal sein schnödes Handwerk. Nehme hinweg von Deiner Erde den Purpur; und mache verschwinden Gold, Silber und das eitle Edelgestein, auf daß die Menschen nicht mehr nach dem Schimmer dieser unfläthigen Dinge gieren sollen, sondern nach reiner Liebe und Wahrheit nur. Welche Schätze des Geistes im Menschen müssen zu Grabe getragen werden, und können nie vom Lichte Deiner Sonne bescheinet werden, weil das Jagen nach all den eitelsten Dingen die Menschheit über die Maßen hindert, ihren Geist zu erwecken nach Deiner heiligen Ordnung, und dann aus ihm zu schöpfen unvergängliche Reichthümer für Zeit und Ewigkeit.

02 Lege sonach endlich einmal dem Satan sein schnödes Handwerk. Mit seinem Verschwinden aus der Sfäre der Wirkung wird und muß die Menschheit zu allem, was da gut und wahr ist, geneigter und geneigter werden, weil wir dadurch einen freieren Wirkungsraum einnehmen können und auch sicherst werden; widrigenfalls die Menschheit stets tiefer und tiefer ins Verderben sinken muß. Wohl sind Deine Rathschlüsse unerforschlich, und unergründlich Deine Wege; Niemand außer Dir ist es bekannt, wie Du in solchen Fällen vorgehest, um alles am Ende dem einzig rechten und besten Ziele zuzuführen, aber bei manchen Wesen wird wohl eine übergedehnte Zeit erfordert, bis sie zu ihrem vorbestimmten Ziele gelangen. Also eine Abkürzung der langen Wege und der Zeiten Dauer, wie Du o Herr sie Selbst Deinen Völkern allen verheißen hast, wäre von uns allen Gleichgottgesinnten wohl das sehnlichst Erwünschteste!

03 Es ist wahrlich schade für Deine sonst so schöne Erde, daß sie ihre ihr stets neu geschlagenen Wunden nimmer zu heilen vermag, so Du, o Herr, ihr die stets gleichen Quäler nicht vom Leibe schaffest. Was Du aber thun wirst, o Herr und Vater! das thue ja bald; denn sonst verschmachten die Menschen vor der zu bangen Erwartung der Dinge, die da noch über die Erde kommen dürften. Wir warten freilich wohl leicht, da nun auch vor uns ob der zu großen Seligkeit bei Dir, heiliger Vater, 1000 Erdjahre gleich sind wie ein flüchtiger Lenztag. Aber den armen noch in sterblichen Hüllen lebenden Brüdern auf Erden werden bange Minuten zu Jahren, und Jahre zu Ewigkeiten. Daher thue auf, o Vater, den reichen Born Deiner Liebe und Gnade, und suche die Armen auf Erden gnädigst heim, und kürze ab diese arge Zeit. Dein allein heiligster Wille geschehe allzeit und ewig!"

04 Rede Ich und sage: „Ihr thuet wohl daran, daß ihr also bittet; aber es geht euch Allen bei euren Bitten stets also, wie Jenen, die überall zu spät kamen, und da vor Mir auch stets zu spät kommen müssen, weil Ich überall, und ganz besonders hier, in den Himmeln, in Allem der Erste bin und sein muß; eine Bedingung, ohne die ihr nimmer einer Bitte und irgend einer Handlung fähig wäret. Ihr seid wie Meines Leibes Glieder, die nicht eher zu handeln vermögen, als bis mein Geist sie zu handeln antreibt; so es aber allenthalben in euch Meines Geistes bedarf, wie könnet ihr es in euch wohl meinen, daß Ich durch eure Bitte erst müßte dazu bewogen werden, um etwas zu bewerkstelligen, dessen Nothwendigkeit oder Nichtnothwendigkeit Ich schon lange eher eingesehen habe, bevor noch irgend ein Geist aus Mir sich eines freien Bewußtseins erfreute? Kurz, Meine liebe Kindlein, ihr kommet denn schon allemale und überall zu spät; denn so ihr über eine Sache erst so ein wenig nachzudenken beginnet, da habe ich schon um 1000 Erdjahre vorgesorgt, und Alles so in den Gang gesetzt, daß nun die Erfolge-Effekte eben also zum Vorscheine kommen müssen, weil sonst am Ende der allgemeine Hauptzweck unmöglich erreicht werden könnte, der da ist - ein ewiges, produktives, freiestes Leben, Meiner göttlichen Gegenwart gegenüber. „Wenn nun in den meisten römisch-katholischen Staaten auf Erden die sogenannte Religion frei gegeben ist, somit auch die römische, was da bewirkt ist durch Mein Einfließen in die Verständnisse Derer, Denen das Staatsruder anvertrauet ist, und Diese dann solche Anordnungen zu treffen genöthiget sind, durch die die herrschsüchtigste Hierarchie zu Grunde gehen muß, so meine Ich, daß man da doch unmöglich mehr thun kann!?

05 Solle Ich denn alle Hirarchien durch ein Feuer vom Himmel mit einem Schlage vertilgen? O das gehet im Allgemeinen nach dem größten Werke der Erlösung wohl nicht mehr; keine allgemeine Sündfluth mehr, und kein Untergang Sodom's und Gommorrha's mehr!

06 Aber ein jedes Uebel der Erde ist nun sein eigener Richter, und die Strafe folgt der Sünde auf der Ferse. Die Hierarchen verlangten ihre alte heidnische grausame Priesterfreiheit; und sehet, sie sei ihnen, aber ohne materielle Macht; denn auch die materielle Macht des Staates ist frei unter ihrem Regenten, und kann sich nimmer von der Hierarchie knechten lassen. So aber nun die Hierarchen von ihrer grausamen Freiheit auch irgend einen geringsten Gebrauch machen werden, so werden sie dadurch Tausende bewegen, aus ihrer schlechten Gemeinde in eine bessere überzugehen, wozu nun Jedermann der freieste Weg mit guter Zurechnung für Seele und Geist gebahnet und gegeben ist; wenn solche Uebertritte von Tag zu Tag sich mehren werden, so wird die Hierarchie bald allein mit einigen wenigen Narren dastehen, und ihr sicheres Ende an den Fingern zu berechnen anfangen. Wenn Ich aber solches veranlasse, davon Jedem die sicherste Folge einleuchtend sein muß, was solle Ich denn da noch mehr thun? Während ihr hier bittet, sind schon Tausende von Rom abgefallen; kann da die Zeit noch mehr verkürzet werden? Wenn der Schlange das Gift gegeben ist, sich selbst zu tödten, da sie damit in ihrer Ohnmacht Niemand andern mehr erreichen kann, ist nicht alles gethan zu ihrem Untergange, der nun nothwendig geworden ist?

07 Wie könnte Ich verheißener Maßen je wieder zu Erde kommen, so nicht der argen Hierarchie auf diese alleinig wirksamste Weise ihr altes Handwerk gänzlich geleget würde? Käme Ich ohne dem zu den Armen, da würden sie Mich womöglich ergreifen und abermals kreuzigen mehrfältig; käme Ich aber zu den Reichen, so würden sie Mich in den Bann thun, und wider Mich alle Hölle entflammen zehnfach ärger, als sie je entflammet war, und alle Welt würde sich in einem langgräßlichsten Kriege zerfleischen. Käme Ich aber als Gott, nun das begreifet ihr doch sicher, daß da die ganze Erde gerichtet würde, und kein Wesen auf ihr eines freien Athemzuges mächtig wäre.

08 So Ich aber zur Erde komme, kann Ich nur zu den Armen kommen; darum muß früher die reiche Hierarchie in Allem in die tiefste Armuth gelangen; der Verlorne muß mit den Schweinen Kost nehmen, und die Reichen dürfen ihm sogar diese nicht gönnen. Und erst also ist eine rechte, nun baldigste Ausgleichung aller herrschsüchtigen Tendenzen auf der Erde möglich, und daneben auch Meine Entgegenkunft auf der Erde dem Verlornen.

09 Eure Bitte aber war dennoch recht, denn sie ward euch gegeben; aber Meine Handlung kam ihr viel zuvor. - Nun aber kommt Rob. Ur. mit seinen Schaaren daher; daher seid Alle bereit zum nöthigen Weiterzuge."

191. Kapitel: Aufbruch zum großen Saal der Vollendung. Robert und Helena gehen vor Cado voran und finden eine verschlossene Himmelspforte. Minerva tritt wieder auf. (Am 13. Mai 1850)

01 Alles begiebt sich nun schnell in Meinen Willen, und Robert Ur. kommt, und sagt: „Herr und Vater! es ist alles geordnet nach Deinem Willen, nach Deiner heiligen Ordnung."

02 Sage Ich: „Also gehen wir denn dorthin gen Morgen, wo du in scheinbar großer Ferne zwei mächtig große Säulen ersiehst; alldort ist der vierte Großsaal der Vollendung, wo der eigentliche Himmel erst seinen Anfang nimmt für deiner Liebe und Erkenntniß Sfäre. Nimm hier dein Weib, auf daß du als vollkommen eingehest in das Reich deiner Liebe und deiner Erkenntniß, aus Meiner besonderen Liebe in dir; also sei es!"

03 Auf diese Meine Worte umfaßt Robert Ur. mit aller Liebe seine Helena, und bittet Mich, „daß Ich, so es nach Meiner Ordnung anginge, sogleich an seiner Seite, und zwar zwischen ihm und der Helena in den Großsaal der Vollendung einziehen möchte." - Ich aber sage zu ihm: „Du mußt einmal frei zu wandeln anfangen, ansonst du stets eines Gängelbandes bedürfen würdest. Ich aber werde schon ohnehin in dem Großsaale zugegen sein, wenn du in denselben eintreten wirst; sorge dich daher nicht um Mich, und denke nicht, ob Ich hier oder dort sei; denn wo du mit der Liebe zu Mir immer dich hinbegeben wirst, da werde Ich bei dir sein, indem deine Liebe zu Mir Ich Selbst bin, und bin da gegenwärtig überall, wo die wahre und reine Liebe in irgend einem Herzen zu Mir gegenwärtig ist in gerechter Fülle. - Und so gehe denn voran, und öffne uns Allen in der Fülle die Pforte in das Reich der Vollendung deines Herzens."

04 Hier macht der Robert eine tiefe Verbeugung vor Mir, und tritt darauf sogleich seine Reise an, und wandelt wohlgemuth mit seiner Helena, - die ihn unterwegs fragt, wie es ihm denn hier im Reiche Gottes so ganz eigentlich vorkomme? Ob er sich wohl schon so ganz heimisch fühle, oder ob es ihm dennoch nicht öfter vorkäme, als ob er in der Fremde wäre? - Sagt darauf Robert Ur.: „Allerdings komme es ihm manchmal sehr fremd vor, besonders so der Herr nicht neben ihm sich befindet; aber so der Herr sich in seiner Gegenwart sichtlich befindet, da sei er wieder ganz zu Hause. Nun käme es ihm an der Seite der Helena aber dennoch weniger fremd vor, als ehedem an der Seite des Sariel; nur die Erscheinungen, die da kommen und bald wieder vergehen, kommen Mir trotzdem, daß ich sie recht wohl verstehe und begreife, noch immer sehr befremdend vor, weil ihr Auftreten oft gar so unvorbereitet zum Vorscheine kommt; aber das thut nun gar nichts; ich habe mich daran schon gewöhnt. Aber nun ist auch schon die Pforte da, und verschlossen; was nun?"

05 Spr. die Helena: „Nun, die werden wir im Namen des Herrn denn aufzumachen versuchen. Sieh', es steckt ja ein goldener Schlüssel daran; also versuchen wir's." - Robert ergreift sogleich den goldenen Schlüssel, und fängt an, ihn nach rechts und nach links zu drehen, aber die große Thüre will sich nicht öffnen; er drehet wieder, und stärker als zuvor drückt er mit aller Gewalt an die beiden Thürflügel, doch vergebens; nimmer weichen sie seiner Gewalt.

06 Darob wird ihm etwas bange, und er spricht zu seiner Helena, sagend (Robert): „Siehe, mein geliebtes Weib, da ist wieder eine lebendige Antwort auf deine Frage: Ob es mir nicht öfter vorkäme, als ob ich in der Fremde wäre. Ich muß dir hier offen gestehen, daß ich mich nun einmal wieder sehr in der Fremde fühle, ja als wie Einer, der ganz verlassen ist von allen seinen früheren Freunden und Helfern in der Noth. Sieh dich nur einmal um, und sage mir, ob du selbst in der weitesten Ferne hinter uns Jemanden erschauen kannst. Außer dem Freunde Kado, der uns ganz still aus eigenem Antriebe gefolget ist, entdecke ich keine Seele, und somit auch keinen Geist. Was sagst denn du mein Engel zu dieser nun ganz unerwarteten himmlischen Anrennerei?" - Spr. die Helena: „Ist wahrhaft sonderbar! Außer dem Kado sehe ich auch Niemanden, und das Thor läßt sich nicht öffnen, und hat uns doch der Herr Selbst da hierher beordert. Geh, versuche es noch einmal zu öffnen die Thüre; ich werde dir selbst helfen; vielleicht wird es dann gehen."

07 Robert macht sich nun wieder an den Goldschlüssel, und drehet ihn nach allen Seiten, während dem die Helena stets an die beiden Flügel recht kräftig drückt. Die Operation gehet eine gute Weile vor sich, aber ohne Effekt. - Als Beide schon etwas abgemüdet sind, sagt die Helena: „Weißt du, mein geliebter Robert Ur., über die Möglichkeit hinaus kann sich Niemand zu einer That verpflichtet fühlen. Wir haben bereits alle unsere Kräfte daran verwendet, um zu öffnen diese Himmelspforte; sie läßt sich aber durchaus nicht öffnen, wofür wir doch kaum etwas schulden können; also bleibe sie denn in des Herrn Namen verschlossen. Den Freund Kado könnten wir zwar noch um eine gefällige Mitwirkung ansprechen. Wer weiß, vielleicht weiß er damit besser umzugehen als wir Beide." - Spr. Robert Ur.: „Du hast aber auch Recht; das werde ich aber nun auch sogleich thun." (Am 14. Mai 1850)

08 Hier spricht Rob. Ur. den Kado an, und sagt: „Liebster Freund, du hast uns so zu sagen ganz allein bis hierher ein freundliches Geleite gegeben, während von all den vielen Andern nicht ein bewegliches Atom irgendwo zu ersehen ist; du hast auch des Herrn Auftrag an mich vernommen, wie ich mit meinem Weibe hierher ziehen solle, und hier öffnen dieß Thor; allein alle meine noch so kräftigen Versuche scheiterten an der Widerkraft dieses Thores; meines Weibes nicht unkräftige Mithilfe fruchtete auch nichts. Daher will ich dich hiermit ersucht haben, da du schon ohnehin hier bist, daß du mir noch einen, und zwar den dritten Versuch recht kräftig möchtest machen helfen. Vielleicht gelingt's uns Dreien, diese riesige Himmelspforte denn doch zu öffnen, dann wohl uns! Gelingt es uns aber wieder nicht, was das offenbar Wahrscheinlichste ist, nun, so mag der Herr dann thun und machen mit uns, was Ihm wohlgefällt."

09 Spricht Kado: „Lieber Freund! dieses unermeßliche Meer von Erscheinungen, die sich hier schnell aufeinanderfolgend die Hände bieten, macht aus mir eine Ohnmachtsmücke, und es wird dir mein Wirken sehr wenig Segen bringen. Quod licet Iovi, non licet bovi! Du bist dazu berufen, und auserwählt; und ich nicht einmal glattweg berufen. Aber es macht das nichts; ich werde dir dennoch die verlangte Hilfe leisten. Ob es dir aber etwas nützen wird! Natürlich, für das kann ich dir nimmer gut stehen. Du weißt es ja, daß das Himmelreich Gewalt brauchet; nur die werden es besitzen, die es mit Gewalt an sich reißen. Gewalt muß also hier geschehen dieser Pforte; und so gehen wir's denn in Gottes Namen an."

10 Robert macht sich nun abermals an den Schlüssel, und drehet ihn nach links siebenmal, und da dadurch bei allem Kraftaufwande die Pforte noch nicht aufgehet, so dreht Robert den Schlüssel nach rechts so lange um, als sich der Schlüssel nur immer drehen läßt, und es wird während des Drehens in einem fort kräftigst an die Pforte losgedrückt; allein die Pforte bleibt beharrlich verschlossen.

11 Robert Ur. kratzet sich hinter den Ohren, und Kado sagt: „Ich habe es dir früher gesagt, daß es nicht gehen wird; denn obschon ich eben noch nicht zu lange hier ein Bewohner des Geisterreiches bin, so weiß ich aber doch, daß diese geistigen Dinge um sehr vieles hartnäckiger sind, denn die irdischen; ein Berg auf der Erde ließe sich eher versetzen, als wie so ein hartnäckiges Geisterthor öffnen. Mein Rath wäre hier dieser, nehmlich: die Geschichte abwarten. Die Gegend ist hier wahrlich wunderschön, und Gärten und Früchte aller Art giebt es hier auch in großer Fülle; was wollen wir mehr? Daß unsere Bestimmung nicht darin bestehen kann, gleichfort sichtlich dem Herrn Gott Jesus auf der Nase zu sitzen, das werdet ihr hoffentlich ebenso gut einsehen, wie ich es einsehe; es ist uns demnach ein Ort im Gottesreiche angewiesen worden, wo wir so lange zu verharren haben werden, als bis uns von höheren Mächten diese große Himmelspforte aufgethan wird; denn wir werden sie wohl ewig nimmer zu öffnen im Stande sein. Was wir aber thun können, wäre meines Erachtens das, daß wir uns auch hier an den evangelischen Rath halten sollen, der nehmlich also lautet: Suchet, so werdet ihr's finden; bittet, so wird es euch gegeben, und pochet an, so wird's euch aufgethan! Wer weiß, ob das Thor nicht schon offen stünde vor uns, so wir uns statt des Schlüsseldrehens an diesen evangelischen Rath gehalten hätten. Was meinst du, mein Freund, in dieser Sache?"

12 Spr. Rob. Ur.: „Ja, ja, Freund! du hast da durchaus recht; dagegen läßt sich gar nichts einwenden; aber daß der Herr mich förmlich genöthiget hat, ja eilends voran mich hierher zu begeben, und diese Pforte zu öffnen, da uns Alle großwichtige Dinge hinter dieser Pforte erwarten. Und nun bin ich hier, erwartend die Eröffnung des Himmels, und richte mit der Pforte nichts! Siehe, das ist denn doch „bei Gott" etwas sonderbar. Aber sei ihm nun, wie's ihm wolle , ich werde deinem Rathe folgen." (Am 16. Mai 1850)

13 Spricht hinzu die Helena: „Freunde! wahrlich wahr, es gehört viel dazu, um in das Himmelreich Gottes eingehen zu können. Wenn man auch schon, wie ich selbst, in der allerwahrsten Glühhitze der reinsten Liebe dem Herrn Selbst an der heiligen Brust gelegen hat, und da als ein Säugling gesogen die Gnadenmilch des Lebens, so nützt das aber dennoch, wie es hier ersichtlich ist, eben nicht gar viel; denn kommt man dann vor die eigentliche Hauptpforte des Himmelreichs, so findet man diese ebenso gut verschlossen, als Einer, der etwa in geradester Linie von unten hergekommen. Es ist wahrlich höchst sonderbar; mich schenirt nun hier nichts, als dieß herrlichste Strahlengewand; wenn ich so ein ganz ordinäres Bauernkleid statt diesem strahlenden hätte, so würde mich diese Verweigerung des Eintrittes in das eigentliche Himmelreich beiweitem weniger scheniren. Der Sauhalter muß auch als solcher bekleidet sein, sonst wird ihm entweder sein Amt, oder er ihm selbst zu einem - Ueberdrusse werden. Wahrlich wahr, bei dieser Geschichte könnte man auf den Herrn ordentlich ungehalten werden. Früher Milch und Honig von bester Qualität, und nun eine tinctura amara darauf, und an der Stelle des Himmelsbrodes, das man ehedem schon im wahren Uebermaße genossen, kommt nun eine Hafergrütze, Prosit Mahlzeit! No, gespührest du so was, Robert!? Das wird eine sonderbare himmlische Süßigkeit abgeben. Aber wenn ich arme Närrin nur dieses dummen Kleides loswerden könnte. Mich schenirts nun schon ganz entsetzlich! Gefällt, mein geliebtester Robert, dir noch dein uranisches Sternengewand?"

14 Spricht Robert: „Wäre mir gleichwohl auch ein anderes um eine ganze Million lieber, aufrichtig wahrgesprochen; ich komme mir nun in diesem göttlichen Sternenkleide wie so ein gefoppter himmlischer Esel vor. Bei Gott, eine lederne Hose, und eine Jacke vom gröbsten grauen Tuche wäre mir um ein ganzes Leben lieber. Ich habe mich aber in meinem ganzen irdischen und geistigen Leben nie so impertinent wahrhaft bettpisserisch geschämt, als dießmal in diesem fatalen Himmelsgewande. Wenn ich es nur gegen ein anderes vertauschen könnte." - Spricht die Helena: „Ich gäbe das meine um den allerschmutzigsten Küchenfetzen her; denn es giebt wahrlich nichts Erbärmlicheres als zu tragen ein Königsgewand auf einer Sauhaulterwiese."

15 Spricht Kado: „Meine liebsten Freunde, ihr redet mir aus dem Herzen; das muß auch Christus als Gott und Herr der Unendlichkeit tief, gewollt und gefühlt haben, da Er so oft gegen die Kleiderpracht so sehr geeifert hat, und trägt auch als Herr der Unendlichkeit hier im Reiche alles Lichtes wahrlich das lichtloseste ganz allereinfachste Kleid. Ich bin selbst ein größter Feind von jeder Kleiderpracht, mag sie nun auf der Welt materiell, oder hier im Reiche des Geistes geistig sein. Wahrscheinlich sind die Prachtgewande in den Himmeln, mit denen die weisen Engel angethan sind, jene Flecken an ihnen, die das reinste Gottesauge an ihnen ersieht. Denn es heißt irgendwo in der Schrift: Auch an den Engeln erschauet Dein Auge, o Herr, Mängel! Daher gebe ich euch ganz recht, daß ihr euer für hier unpassendes, prachtvollstes Himmelsgewand verabscheuet; aber wo nun ein anderes hernehmen? Daher behaltet es, so lange kein anderes zu bekommen sein wird. Sehen kann uns offenbar doch kein Vierter, weil er nicht da ist; wir drei aber wissen es ja, was wir davon zu halten haben. Deßhalb sollen euch diese strahlenden Himmelsfetzen auch gar nicht scheniren, haben sie nur vorerst in euren Augen keinen Werth, dann ist alles wohl gut und recht; denn in meinen Augen hat solch ein selbst himmlischer Flitter nie einen Werth gehabt. Aber was werden wir nun vor dem Oeffnen der Pforte beginnen? werden wir zu bitten, zu suchen, und zu pochen beginnen?"

16 Spricht die Helena: „Ich meine, das werden wir schön fein bleiben lassen. So sie uns der Herr nicht öffnen will, so solle sie denn gleichwohl verschlossen bleiben in alle Ewigkeit, Amen." - Spr. Robert: „Hast eben nicht ganz unrecht, du meine allergeliebteste Helena; aber weißt du, so man es schon einmal bis zur - sozusagen - letzten Himmelspforte gebracht hat, da solle man sich denn doch noch einige Mühe geben, auch durch diese zu kommen. Bitten ist gerade keine Schande, suchen noch weniger, und was am Ende das Anklopfen betrifft, so will ich mich selbst gleich einem irdischen Regimentstambour auf die beiden Flügel hermachen, und einen Lärm machen, der sich gewaschen haben solle. Nein, aber das gefällt mir nun erst; ehedem machte ich schon als selbst ein Engel mit dem Sariel die gedehntesten Himmelsdurchwanderungen; und nun stehe ich wieder in eurer Gesellschaft als ein barster Ochse am Berge. Es geht uns nun nur noch die famose Minerva ab; das wäre wirklich ein Spaß, diese hier über diese Thorsperre losziehen zu hören."

17 Spricht Kado: „Nur den Wolf nicht genannt, sonst kommt er gerannt. Und so ich mich nicht irre, so kommt sie schon daher, uns eine Visite zu machen. Nun sehen wir, wie wir ihrer los werden!" - Spricht dazu die Helena ganz verblüfft über diese Erscheinung: „Aber die muß ein feines Gehör haben. Nun, nun, nun, du mein liebster Robert Ur., das wird eine hübsche Geschichte werden. Hast aber auch müssen deren Namen so gewisserart als nun in dieser unserer ohnehin zuwidern Lage wißgierig nennen. Nein, nein, das wird nun eine schöne Mette werden. Am Ende zieht sie uns noch alle Drei mit sich in die allerunterste Gott-steh-uns-bei!"

18 Spr. Kado: „Ah, von dem ist keine Rede; aber das eigentlich etwas Fatale besteht nur darin, daß man ihrer nicht so bald wieder los werden kann, so sie einmal da ist." - Spricht Robert: „Ja, so suchen wir es ihr zu verhindern, daß sie nicht her komme; denn mit so viel göttlicher Kraft und Gewalt werden wir ja etwa doch noch ausgerüstet sein!" - Spricht Kado: „Versuch' es; aber ich meine, daß dieß nichts nützen wird; denn sie wird gleich sagen, daß auch sie das vollste Recht habe, vor die Pforte des Gotteshauses zu kommen, und da zu begehren den Einlaß. Ob sie hineingelassen wird, das ist freilich eine andere Frage. Aber an die Pforte zu kommen, kann ihr nicht gewehret werden. Lassen wir sie daher ganz ungehindert fortwandeln, und thun nicht dergleichen, als ob wir sie bemerketen; wird sie sich dann etwa an uns machen, nun so werden wir ihr schon etwas zu erzählen wissen, was sie sicher nicht gerne hören wird. Nun aber dürfen wir gegen sie weder freundlich, und noch weniger wie richterlich diktatorisch uns benehmen, sondern so ganz gleichgültig, was sie am wenigsten vertragen kann, da werden wir ihrer am ersten los werden. Denn ich glaube sie so ziemlich durch und durch zu kennen."

192. Kapitel: Minerva (Satana) vor der Pforte. Derbe Begegnung mit Helena.

01 Spr. Rob.: „Ganz gut, ganz gut, dein Rath ist bei Gott wahrlich sehr gut. Das sieht man aber gleich, daß du mein geliebtester Kado kein Europäer bist; denn diese sind samt mir keiner so evident klarest weisen Ansicht fähig; aber nun nur stille, denn sie kommt schon sehr eilig in unsere Nähe. Aber das herrliche Kleid hat sie noch an, und das Pseudoschwert aus Blech und Pappendeckel; auch von ihrer enormsten Schönheit scheint sie noch nichts eingebüßt zu haben. Wahrlich wahr, das muß man aber bekennen, was da ihre Gestalt anbetrifft, so kann man sich aber wohl unmöglich etwas Schöneres vorstellen. Sie ist wirklich unendlich schön und reizend. Man könnte beinahe die Behauptung aufstellen, daß es der lieben Gottheit gar nicht möglich sein solle, eine noch größere gestaltliche Schönheit ins Dasein rufen zu können. Aber ich glaube, man darf auch ihre Gestalt nicht gar zu sehr rühmen; sie könnte dadurch denn doch noch eitler und stolzer werden, als sie ohnehin schon ist." - Spricht Kado: „Ja, ja, überhaupt von und mit ihr nicht reden, sonst bringt man sie nicht leichtlich vom Halse."

02 Spricht hinter dem Rücken des Kado schon die Minerva, sagend: „Richtig, du triffst den Nagel wohl immer auf den Kopf. O du Hascherl du; du wirst den Anderen was lehren, wie sie meiner am ehesten los werden könnten; als ob ich mich etwa Jemanden je schon aufgedrungen hätte. Dazu besitze ich wohl zu viel Ehre in mir, und bin zu stolz, als daß ich solch kleinlichster Schmutzereien fähig wäre. Und du mein Freund Kado darfst dich schon gar nicht fürchten, meiner etwa schwer los zu werden! Denn weißt du, wir kennen uns schon so hübsch - lange. Solle ich dich etwa bei deinem wahren Namen nennen?" -

03 Spricht Kado: „Schweige, sonst sollst du von meiner dir schon bekannten Höflichkeit sogleich ein neues Pröbchen erfahren. Dort ist die verschlossene Pforte; versuche, ob dich wer hineineinlassen wird; denn du gehörest etwa ja auch dort hinein, wo es sicher besser ist, als da außerhalb der verschlossenen Pforte." - Spricht die Min.: „Lecke mich, wo ich mich selbst nicht kann; ich thue, was ich will, und nie was du willst. Verstehst du das?"

04 Spricht Kado: „O das verstehe ich ganz vollkommen; denn du bist eitel und stolz, und somit auch dumm zur Genüge; wie sollst du da wollen und thun können, was dir für ewig wahrhaft frommen möchte? Im Uebrigen aber merke, daß du, seitdem dir das berühmte Schwert des großen Helden Kolofuntius Bratto, der damit ganz glücklich gegen die Gelsen gekämpft haben solle, eingehändigt wurde, an der Höflichkeit gar nicht zugenommen, sondern ganz bedeutend nur abgenommen hast; denn Unsereinem, und das in der Gegenwart einer ganz allerliebsten, schönsten, zartesten und bestgeschmückten Himmelsdame, deinen Steiß, als für deine liebe Zunge den allerunzulänglichsten Theil, belecken zu heißen, das ist, und bleibet, um gerade heraus zu sprechen - saugrob. Wenn so ein Wort aus dem Maule einer Sau gegrunzt werden würde, da ließe man sich's gefallen; denn von einer Sau läßt sich füglichermaßen wohl nichts Besseres erwarten; aber so man, verstehe, so man solch eine höchst unästethisch klingende A . . .-Sentenz von einem so weich und schönst geformten Munde eines allerschönsten weiblichen Geistwesens zu vernehmen bekommt, so wird man wahrlich sehr sonderbar unangenehm berührt. So du mit uns etwa noch etwas zu reden haben solltest, so bitte ich dich um ein wenig gewähltere und bessere Ausdrücke; denn so du schon mich nicht berücksichtigen willst, so berücksichtige unsere hier gegenwärtige allerzarteste wahre Himmelsdame."

05 Spricht die Min.: „Fahr' ab mit dieser Lerchenfelderin; das wäre eine rare Himmelsdame. Dieser Lerchenfelder Barrikadenschnepf, diese Sau aus allen Mistlachen, diese allergemeinste Proletrariertrud; vor - vor der solle ich am Ende etwa noch gar einen Respekt haben? Ich, das erste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! und die - das letzte aus dem allerlumpigst berühmten Lerchenfeld! Nun, nun! Du hast einen hübschen Begriff von einer Himmelsdame, wenn du dieses echte Wiener Mistbrettl für eine, sage, Himmelsdame ansiehst. Gratulire, gratulire; du hast es in deinem Himmel mit deiner Weisheit wahrlich schon sehr weit gebracht."

06 Hier unterbricht sie die vor Aerger nahe ganz glühend gewordene Helena, sagend: „Nun, du stolzes A -... eines auf der Simmeringer Sauhaide krepirten Pfaffenesels, weißt etwa über mich noch was Schlechteres, du aus der ganzen Unendlichkeit zusammengedroschene Sau du! schau nur gleich, daß dir die ganze Unendlichkeit nicht zu eng wird. Nein, das gefällt mir; will dieses ewige Unendlichkeitsmistviech, dieses Hauptluder aus allen Fixsternen sich über mich hermachen. Na wart'! du bist schon über die Rechte gekommen; ich werde dir deine polirte Quadrateselshaut schon etwas runzlicher klopfen, weil sie dich gar so juckt; glaubst du schön's Obers von der höllischen Rindsuppn, ich kenne dich etwa nicht! o da sei du ganz unbesorgt, du schmutzigstes Unterfutter von einer Liquorianer-Hose; schau, schau, das alte Jesuitenschnupftuch will mich eine Proletariertrud nennen. Jetzt schau nur, daß du bald weiter kommst, sonst zeig' ich dir, wo die ewigen Zimmerleut' Gottes für dich's Loch gemacht haben."

07 Spr. Robert. „Aber ich bitte dich, du meine holdeste Helena, du mein herrlichstes von Gott Selbst in den Himmeln mir gegebenes Weib, ereifere dich nicht! es wäre ja ewig schade für deinen herrlichsten schönsten Mund. Schau', mit dieser Pseudo-Minerva richtet Gott Selbst nichts, was erst sollen wir mit ihr richten? Sie ist einmal so, wie sie ist; du weißt es ja, daß auf den Disteln keine Datteln, und auf den Dornhecken keine Feigen wachsen; lasse sie daher reden, was sie will; denn in unsere Ohren dringt ihre Stimme wahrlich nicht, und somit noch weniger in unsere Herzen!"

08 Sagt die Helena: „Ja, ja, das weiß ich wohl; aber das weiß ich auch, daß man dem Teufel 's Maul stopfen muß, als ein ehrlicher Christ, wann er's z'weit aufmacht. Schau, itzt ist sie schön sauber still, weil sie sieht, daß sie nimmer gröber werden kann, als unsereins; nein, die solle aber auch nur einmal mehr sich mucksen, so will ich ihr ein echtes Lerchenfelder Liedl anstimmen, daß sie für alle Ewigkeit damit genug haben soll. Nein, dös Giftbratl vom heiligen Erzengel Michael soll mich dann erst kennen lernen. Wahrhaftig wahr, ich könnt' sogar unserm lieben Herrgott und Himmelsvater eine Grobheit um die andere in's G'sicht sagen, wann er je diesem Leibstuhle Petri eine Gnad' erweisen möchte. Die ist ja schon lange für die Hölle zu schlecht; daher leiden's die andern Teufel auch gar nicht mehr unter ihnen. Hast es aber auch hierher berufen müssen."

09 Spricht Kado zur vor Zorn ganz bebenden Minerva: „Nun, bist du mit deinem Grobheitslexikon schon zu Ende, daß du auf die würdevollen Komplimente, die dir soeben von der lieben Lerchenfelderin zugekommen, keine gleichwürdige Erwiderung zuwege bringst? Mir scheint es, daß du eine Meisterin gefunden hast, und bekennest nun durch dein Schweigen, daß die Lerchenfelderin recht habe." - Spricht die Min.: „Ich bitte dich, rede mir nur von dieser Galgenschnur nichts mehr; denn ich habe sie genossen."

10 Unterbricht sie die Helena: „Schau nur, daß du weiter kommst, sonst setzt's noch Gelsen und spanische Mucken ab. Kennst du diesen Lerchenfelder Salat? (der M. die beiden Fäuste zeigend:) „Ich sag dir's, wann's nicht bald weiter gehst, so putz ich dir so einen kleinen Tagrebell über dein rotzig's Multi-G'friß obr" (herab). - Spr. Robert: „Aber ich bitte dich, Helena, um Gotteswillen, wir kommen ja anstatt in den reinen Himmel Gottes gar zum Schmierseppl nach Oberlerchenfeld; bedenke doch, wie als ein wahrer Gottesliebling du dem Herrn Selbst an der heiligen Brust lagst, und alle Gnade von ihm einsogst, und nun bist du, bis auf ein etwas besseres Deutsch, so ganz wieder eine vollendete Lerchenfelderin in optima forma. Schau, das mußt du ganz ablegen, sonst wird die Pforte noch lange nicht aufgehen!"

11 Spricht die Hel.: „Nun, ich glaube, dir ist's etwa gar leid, daß ich dieser ewigen Mistsau ein paar Wahrheiten ins G'sicht g'sagt habe." - Spr. Rob. Uraniel: „Nein, meine allerliebste Helena, das sicher nicht; aber um deinen nun schon ganz himmlisch gewordenen Mund ist es mir leid, daß er nun wieder, nachdem er schon sogar mit Gott gesprochen, und mir manche recht herrliche Lehre in der Liebe gegeben hat, in das rein Oberlerchenfeldische übergehen solle; und das gerade hier, hier an der bedeutungsvollsten Gottesreichsthüre zum wahren ewigen Leben."

12 Spricht die Helena: „Was! Mund hin, Mund her; die Wahrheit muß einmal heraus! daß sich die Wahrheit auch aus dem schönsten Munde eben nicht am besten ausnimmt, das ist schon was Altes, ob's nun oberlerchenfelderisch, oder ob's sächsisch klingt. Aber wie kommt es denn, daß du die Wahrheit gerade aus meinem Munde als übelklingend darstellest, während du die Lüge aus dem ebenfalls sehr schönen Munde jener ewigen Teufelsgredl eben nicht als sehr häßlich gefunden zu haben scheinst. So es um meinen Mund denn dir schon leid ist, wenn er auf Oberlerchenfeldisch dieser ewigen Gottes-Gnad- und Barmherzigkeitschnipferin eine Wahrheitslektion giebt, wie sich's gehört; um wie viel mehr leid solle es dir dann erst um jenen holdesten Mund sein, über dessen Lippen wohl noch nie ein wahres Wort gekommen ist? Sage lieber ihr einige gute Rügen in's Gesicht, und laß mich reden, so ich einmal im Zuge bin."

13 Spricht die Min.: „Bist einmal fertig, du grobes ungehobeltes Lerchenholz! Du hast die Höflichkeit sicher nie auf einer hohen Schule studieret; denn etwas Gröberes ist wahrlich durch meine Ohren noch nie gedrungen." Unterbricht sie die Helena: „Nun, schau sie nur gleich, daß sie etwa kein Ohrengeschwür bekommt. Ist sie mir denn etwa gar so höflich gekommen! Ich soll etwa ihre Grobheiten nur gleich so recht von ganzem Herzen demüthig einstecken, wie so ein frommes Jesuitenbeichtkind, wann es von seinem Herrn Gottesstellvertreter mit Höll' und Fegfeuer gefüttert wird; da warte du ein Bischen! Ich sag' es dir, wenn du mir nicht sogleich aus den Augen gehst, so wird es zwischen uns Beiden noch einen ganzen Mordspektakel absetzen. Darum sage ich dir nun ein für alle Male, daß du dich nun sogleich aus dem Staube machest, sonst möcht' dein schön's Gfriß bald ein anderes Aussehen bekommen."

14 Sagt Kado: „Sei ruhig, Helena, und du auch Freund Robert! Ich werde nun mit der Minerva ganz allein reden, und mit ihr etwas sehr Wichtiges abzumachen versuchen. Vielleicht gelingt es mir, sie dem Herrn wieder um einen Schritt näher zu bringen. Aber ihr müsset euch unterdessen ganz ruhig verhalten." - Spricht Robert Ur.: „Ja, Bruder, thue das; ich wäre nun schon wahrlich sehr froh, so wir ihrer bald los werden könnten; denn es geht von ihr ein wahrer Zwietrachtssamen in die über, die ihr zu nahe kommen; ich glaube, so es ihr möglich wäre, in die Himmel Gottes zu kommen, da brächte sie in kürzester Zeit alle Engel durch- und untereinander. Ich wünsche dir aber auch zugleich sehr viel Glück zu deinem sicher höchst löblichen Vorhaben. Nur zweifle ich auch an dem geringsten Erfolge deiner vorhabenden Mühe; denn dieß Wesen wird nur als genöthigt gutthun, aber als vollkommen frei nie, ewig nie! Darauf getrauete ich beinahe meine ganze Seligkeit zu setzen."

15 Spricht Kado: „Du dürftest zwar eben nicht ganz unrecht haben; aber meine Seligkeit getrauete ich dennoch nicht darauf zu setzen. Die Ewigkeit ist endlos lang, und in solcher endlosen Zeiten- und Zustandsfolge könnte denn doch noch so Manches geschehen, von dem bis jetzt noch keinem Geiste etwas durch seinen Sinn gefahren ist. Daher nehmen wir alles als möglich an, was nicht mit der göttlichen Ordnung im handgreiflichst grellsten Widerspruche steht. Aber etwas daran setzen, ob dieß oder jenes irgendwann möglich oder unmöglich sein dürfte, wäre unweise, und hieße so viel, als in die göttliche Weisheit selbst einen Zweifel setzen. Bei Gott sind alle Dinge möglich, warum auch nicht die volle Umkehr Satans?"

193. Kapitel: Bedeutsame indische Weisheit über Satan. Mahnung zur Geduld. Ein kleines Plätzchen ist leichter gefegt als die gesamte Schöpfung.

01 (Kado): „Sieh', ich habe einmal ein Buch alter indischer Weisheit gelesen, und fand eine sehr denkwürdige Stelle, die ungefähr also lautete:

02 »Im urewigen Sein war nur Gott allein, und die Unendlichkeit und Ewigkeit war Er Selbst, im klarsten Schauen Seiner Selbst. Seiner Gedanken und Ideen war kein Ende; aber wie sich kreuzen an einem schwülen Abende zahllose Scharen von allerlei Efemeriden in einer losesten Freiheit, ohne irgend eine wahrnehmbare Ordnung, also stiegen auch die Gedanken und Ideen in der Gottheit auf und ab und hin und her, aber der endlose Raum war noch ganz wesenleer; nur Ihre großen Gedanken sah die endlose Gottheit allein in Ihr in gänzlich ungezwungenster Freiheit große Bewegungen machen. Aber der Gottheit bedünkete es, und Sie schied die Ideen von den Gedanken, und das war ein erstes Ordnen in der Gottheit Selbst. Die Ideen stellte Sie nach und nach fest; nur den Gedanken ließ Sie den freien Lauf.

03 Als aber fester und fester gestellet waren die Ideen, da zeigte es sich, daß sie nicht völlig lauter waren; da beschloß die Gottheit, Ihre Ideen Selbst zu läutern, und schied dann das Lautere von dem Unlautern; als dieses da ward vollkommen bewerkstelliget, so stellte die Gottheit all das Unlautere wie außer Sich, festete es durch Ihr allmächtig Wollen, und belebte es durch den Geist Ihrer freiesten Gedanken.

04 Und es ging da hervor ein großer Geist, voll Unlauterkeit, zur Läuterung durch sieben andere Geister, die die Gottheit aus Ihren lautern Ideen in's Dasein rief, durch den freiesten Geist Ihrer Gedanken.«"

05 Und siehe du, Bruder Robert, hier vor uns stehet eben dieser erste große Unlauterkeitsgeist, an dessen Läuterung noch immer gearbeitet wird; daher müssen wir aber auch nicht sogleich zweiflich werden, so etwas eine längere Zeit braucht, als so manches Andere. - Dieser Geist ist wohl ganz richtig das Unlauterste, was du dir nur immer vorstellen kannst, aber zu seiner Zeit einer totalen Läuterung eben nicht unfähig. Wir dürfen aber darum nicht ungeduldig werden, weil wir leichter zu läutern waren, als dieser Geist; denn ein kleines Plätzchen kann doch offenbar eher und leichter gefeget werden, als etwa der Boden einer ganzen Welt; dieser Geist aber ist in sich der Totalausdruck der ganzen Schöpfung, während die ganze Erde samt allen ihren Wesen nur kaum als ein Atom seines eigentlichen Wesens anzusehen ist; daß dann ein einzigstes Geistlein, wie du einer bist, leichter und eher zu läutern ist, als dieser allergrößte geschaffene Urgeist, als der Totalbegriff aller Schöpfung, das wirst du hoffentlich ebensogut einsehen, als wie ich; aber weil zur Läuterung einer solchen Größe etwas mehr erfordert wird, als so sich Jemand sein Gesicht wäschet, allenfalls in einer Minute Zeit, und mit einer Faust voll Wassers, so muß man aber auch diese Sache Gottes recht wohl bedenken, und sich in aller Geduld in die Anordnungen Gottes fügen. Aber einem Wesen die Möglichkeit des Reinwerdens absprechen, das wäre etwas sehr Gewagtes, und zugleich etwas sehr Kleinliches, so man die großen Naturen und Verhältnisse aus Gott nach seinem allerkleinsten und winzigsten Maße und Verhältnisse beurtheilen würde. Also, lieber Freund, das berücksichtige ein wenig, und du wirst dich dann in meine Mühen leichter fügen. - Und nun zur Minerva!"

194. Kapitel: Minervas (Satanas) Lügenlehre: "Gott ist der Töpfer, ich bin das Feuer". Cados schlagende Richtigstellung und Bedrohung der Vermessenen. (Am 21. Mai 1850)

01 Hier wendet sich Kado zur Minerva, und sagt: „Wie lange noch Satana, wirst du mißbrauchen unsere Geduld? Willst du selbst denn gar nichts thun außer Arges und Böses nur? Siehe, so die allmächtige und allgütige Gottheit erschaffen hätte einen Diamanten so groß, daß ein Blitzstrahl von einem Pole bis zum andern eine Zeit von einer Million von Erdjahren bedürfte, um solch eine weite Strecke zu durchfliehen; und erschaffete hierzu aber auch ein kleinstes Kolibri-Vöglein, und bestimmte, daß dieß Vöglein alle tausend Erdjahre einmal zu dieser Diamantkugel hinzuflöge, und stieße nur einmal mit seinem Schnabel an sie, so hätte das Vöglein der Kugel schon lange einen Garaus gemacht, indem es durch das überoftmalige Berühren die obgleich unnennbar harte Materie derselben mittelst des Schnäbelchens längst bis zum letzten Atom abgenützt hätte. An dich wurden schon tausend solche Zeitenläufe verwendet, und noch bist du ganz dieselbe, die du warest im Anfange und Beginn aller Zeiten der Zeiten. Kein Geist kann es fassen, welche Geduld dir die Gottheit stets erwies, und welche Wege eingeschlagen wurden, um dich lauter zu zeihen; aber bisher - hm - ungeheuer undankbar, bisher vergebens. Ich meine, es wäre nun wohl schon einmal an der Zeit, daß du dein ganzes Wesen in jene Ordnung brächtest, die dir von Gott schon von Ewigkeit her getreust und sichtlichst vorgezeichnet ist."

02 Spricht die Satana-Min.: „Und was that ich denn je, das da gewesen wäre wider deine Gottesordnung? Du sprichst fortwährend von einer gewissen Gottesordnung, und scheinst im Grund es selbst auch nicht einmal zu ahnen, was die eigentliche Gottesordnung ist, und worin sie besteht. Wenn ich, als der ausgeschiedene unlautere Theil, den fortwährenden Gegensatz zu dem reinen Theile der Gottheit darstelle, und das unverrückt, so wie die Gottheit Selbst unverrückt in ihrer göttlichen Reinheit verbleibet, ist dann das etwas anderes, als eben die Gottesordnung selbst in ihrer Total-Umfassung? Und was thue ich denn, das man vor Gott als Unrecht, also als etwas Arges und Böses bezeichnen könnte? - Es ist wahr, ich versuchte stets die Menschheit, ob sie in ihrer Tugend für Gott und Seine Liebe feuerprobehältig sei oder nicht. War sie es, nun so hatte meine Versuchung ohnehin für alle Ewigkeit ein Ende; und war sie es nicht, so ward ihr durch meine Versuchung nichts als eine neue Gelegenheit gegeben, sich in der wahren Tugend zu festigen und feuerprobehältig zu machen.

03 Den Stolzen machte ich noch stolzer, auf daß er durch dieses Laster am Ende in ihm selbst gedemüthigt werde; denn nichts heilt dieses Laster besser, als eben die Ueberschwänglichkeit dieses Lasters selbst; wenn nicht schon auf der materiellen Probewelt, so doch sicher hier,- früher oder später, was ein gewisser Kado an ihm selbst mag erlebet haben. Also mache ich auch die sinnlichen Gäulböcke noch sinnlicher und gäuler, als sie von Anfange her sind, und das so lange, bis sie sich in eben diesem Laster bis in ihre letzte Lebensfiber selbst gefangen haben, und ihnen eben dieses Laster zur größten Qual und Pein wird, als wann sie dann erst aus höchst eigenem Antriebe diesem Laster den Rücken kehren, und den Weg der Keuschheit zu betreten und fortzuwandeln anfangen. Schon auf der Materienwelt habe ich durch gewisse körperliche Krankheiten diesem Laster Grenzen gesetzt, und helfen diese nicht, so habe ich hier schon noch viel stärkere Mittel, den Seelen dieses Laster am Ende so verächtlich als nur immer möglich zu machen. Und wie ich's mache mit den beiden hier angeführten Lastern,

04 also mache ich es mit jedem Laster. Ich bin ein scheinbarer Beförderer des Lasters, das ist wahr; ich fühle jedem Hiob auf den Zahn; aber nie noch ist von mir aus ein Laster belohnt worden, außer der Lasterhafte war noch zu wenig lasterhaft, um das Laster zu verabscheuen; da freilich wohl mußte ich durch allerlei Lockungen den Lasterhaften noch lasterhafter zu machen streben, um ihn auf den Kulminationspunkt des Lasters zu heben, wo er dann erst das Laster als solches erkennen mußte, es dann verabscheuen und für ewig Abschied nehmen von selbem. Ich und die Gottheit verfolgen ja stets das gleiche Ziel, nehmlich die Reinigung der geschaffenen Seelen, damit sie tauglich würden, zu tragen den ungeschaffenen, reinsten und mächtigsten Geist aus Gott.

05 Gott ist der Töpfer, ich aber bin das Feuer; wie aber kein Topf zu brauchen ist zum Kochen beim Feuer, der nicht eher im Feuer selbst gefestet worden wäre, also ist auch keine Seele fähig, eher das Feuer der göttlichen Liebe zu ertragen, als bis sie nicht durch mein Feuer gefestet und als feuerbeständig gemacht ward. So ich aber das thue, was ich thun muß, wie kannst du je es nur zu sagen wagen, daß ich nicht nach der Ordnung Gottes, der ich, wie alle Dinge, ewig unterstehe, lebe und handle? Ja, so du mir je nachweisen kannst, daß ich das Laster belohnt habe, dann hast du recht; so ich aber des Lasters größte und unerbittlichste Züchtigerin bin, da ist deine Rede blind, und schabet an der Rinde nur, da sie nie des Kernes ansichtig werden kann.

06 Oder kannst du dir eine Thätigkeit denken aus purer positiver Bewegung; muß nicht ein Fuß unterdessen ruhen, also eine negative Bewegung machen, damit in der Zeit der andere Fuß die frei positive Bewegung machen kann? Ein Fuß muß also stets eine Sünde gegen die Bewegung machen, damit eben aus der Sünde gegen die Bewegung, und aus der Bewegung des je einen Fußes eine vollkommene Bewegung wird. Müssen nicht gewisse Punkte und Stellen sich im Zustande der Ruhe, also im Zustande der Sünde gegen die Bewegung sich befinden, damit sie von dem Wanderer erreicht werden können? Muß es nicht eine Nacht geben, damit der Sehende und Lichtverwandte das Licht schätzen und heiligen lernt? Muß es nicht wenigstens einen scheinbaren Tod geben, auf daß durch ihn das Leben verherrlicht wird; und was wäre denn die Seligkeit für den Geist, dem das Gefühl möglicher Unseligkeit nicht innewohnete? So es keinen Schmerz gäbe, wie sähe es da mit dem Wohlthun der Gesundheit aus? Und gäbe es wenigstens kein scheinbares Böse, wie sehe es dann mit dem Guten aus? Siehe, alles muß seinen Gegensatz haben, damit es sei; und so ich der Grund alles Gegensatzes bin, wie bin ich dann wider die Ordnung Gottes?"

07 Spricht Kado: „Meine l. Minerva, oder was anderes! so du auf einer Universitätskanzel auf der Erde, und zwar entweder in Freiburg, oder Jena, Stuttgart, oder Berlin, eine solche salbungsvolle Rede über die Gottesordnung deines satanischen Wesen gehalten hättest, wahrlich, du hättest bei diesen gelehrten Gremien ein nicht unbedeutendes Aufsehen erregt, ob sie dir schon mit der Bemerkung entgegengekommen wären: daß sie es schon wissen, daß ein Topf eher gebrannt werden müsse, bevor er zum Kochen tauglich sei, wie auch: daß man beim Gehen stets einen Fuß um den andern aufheben muß, um weiter zu kommen; aber daß du durch deine gegenwärtige Rede mich zu einer guten Ueberzeugung über dein Wesen hast zu bringen vermeint, da hast du einen äußerst lächerlich starken Fehlschuß gemacht. Denn für's Erste zeigtest du, daß du dich selbst noch nie erkannt hast, und daher auch gar nicht wissen kannst, wie du beschaffen bist, und welche Richtung du dir selbst nach der Gottesordnung geben sollest. Und für's Zweite kennest du mich gar nicht, nicht einmal dem Namen nach, daß du solch dummes Zeug vor mir dich auszusprechen getrauest."

08 Unterbricht ihn die Min.: „Du heißest Kado!" - Spricht Kado weiter: „Ja, so heißet mein Rock, den Ich nun anhabe; aber Ich selbst heiße anders! Sage, wie kann es dir je beifallen, daß Gott die Seele durch Laster bessern werde!? oder zulassen, daß sie durch Anhäufung von Lastern auf Laster rein, stark und edel werde, und kräftig zur Tragung Seines Geistes? Siehe, um dir kurz deine Narrheit zu zeigen, so sage Ich dir blos und frage dich: Ob ein Kleid dadurch besser und vollkommener wird, wenn man Tag für Tag, irdisch genommen, einen neuen Riß in dasselbe macht? oder ob ein weißes Tuch, das ohnehin schon einige Flecke hat, dadurch rein und weiß wird, so man statt es im reinen Wasser zu waschen, nur stets fort frische ganz kohl- und pechschwarze Flecke hinein macht? oder wird ein schadhaftes Haus dadurch wieder fest und bewohnbar werden, so man statt es mit neuem guten Materiale zu unterstützen und auszubessern, von dem alten ohnehin morschen Materiale stets mehr wegreißt und zerstöret, und dadurch die Schadhaftigkeit des Hauses stets mehr und mehr vergrößert? oder wird eine ohnehin schon sehr verstimmte Harfe dadurch reiner klingen, so man statt sie rein zu stimmen, sie nur stets mehr verstimmt, und ihr zu dem noch eine Saite um die andere wegnimmt und zerstört? Wird es lichter in einem Gemache, so man ein Fenster ums andere verstopfet, und ein im Gemache allenfalls noch mattglimmendes Lämpchen auch noch dazu ganz auslöscht? Werden aus einer Schule, in der nichts als huren, fluchen, stehlen, rauben, plündern und morden gelehret wird, wohl am Ende reine, zarte, sanfte, ehrliche, gute, liebe und moralisch gebildete Menschen hervorgehen? Und wird es mit einem Kranken besser werden, so man ihm durch schädliche und giftige Arzneien, und durch Schläge und gewaltige andere Züchtigungen zu Hilfe kommen wird? Oder wird ein Bettler reicher, so man ihm noch das Wenige, das er sich mühsam erbettelte, wegnehmen wird, anstatt ihm etwas zu geben?

09 O sieh, du Dummste und Blindeste! zehntausend Beispiele könnte ich dir anführen, wo eines genügt, den krassesten Unsinn deiner Rede mehr denn handgreiflich darzustellen; aber es genügen die wenigen, aus denen du hoffentlich denn doch ersehen mußt, welches dummsten Geistes deine Rede und quasi Lehre an mich war. Was wolltest denn du damit beweisen, etwa deine Unschuld? weil du kein Laster je belohnet hättest! O Unsinn alles Unsinnes! Sage mir, wie möglich könnte man denn den Todten einen Lohn geben? Wie kannst du einen Stein belohnen für einen allenfälligen Schwerdienst, den er dir, unbewußt irgend einer Eigenschaft und Kraft in ihm, blos durch seine natürliche in ihm hart gerichtete Schwere geleistet hat? oder welchen Lohn kannst du einem gebratenen Vogel darum geben, daß er sich von dir hat fangen, tödten, braten und fressen lassen? O du Unsinnigste aller Unsinnigsten!

10 In solcher Weise also willst du dennoch behaupten, daß du ganz der göttlichen Ordnung gemäß handelst! Und von dir selbst sagen: du! und Gott verfolgen stets eins und dasselbe Ziel! O du Allerelendeste! Gott willst du dich gleichstellen, ja dich Ihm sogar voranstellen, als wärest du nahe vorzüglicher denn Er!! Siehe, meine Liebe, das ist etwas zu arg; das kann für fernerhin nimmer geduldet werden! Daher wird von nun an deine Scheinfreiheit selbst wieder sehr bedeutend eingestellet werden; denn du hast dich nun an den Rechten Gottes stark vergriffen, und vergreifest dich blind auf der Erde mit deinen Baalsdienern, die im Golde und Silber Gott zu dienen vorgeben, und hast dich an den Rechten der Könige und ihrer Völker vergriffen, und darum werden sie dir bald ein vollstes Garaus machen, und dir wird nichts übrig bleiben, als mit einigen wenigen Schweinen der Könige und Fürsten, welche Schweine da sind jene blinden Anhänger deiner Götzenlehre, die du durch deine Reliquien- und Wundermärchen-Moral dazu gezogen und herbeigebracht hast, die bekannten Treber zu fressen. Hebe dich aber nun von dannen; denn deine Gegenwart ist mir zum Eckel geworden."

195. Kapitel: Minerva (Satana) und Helena. Eine heilsame Entladung. Cado über das Königtum als Zuchtrute. Wahre Achtung kommt nur durch Liebe. Minerva geht ab. (Am 24. Mai 1850)

01 Spricht die Minerva, sich vom Kado abwendend, und wie schon im sich-entfernen begriffen: „Ich werde gehen, so ich es selbst werde wollen; aber gebieten lasse ich mir's von Niemanden, weder von Gott noch von jemand Andern, der da wähnt, als habe er über mich irgend eine Gewalt! Verstanden, Herr Kado? Ich bin auch eine erste Majestät der ganzen Unendlichkeit, und alle Wesen müssen erbeben, so ich mein Haupt und meinen Arm erhebe. Verstanden, Herr Kado? Ich werde mit euch nun in einem ganz andern Tone zu reden beginnen; denn meine Macht und meine nie besiegbare Kraft ertheilen mir dazu das unbestreitbarste Recht; wo aber ist der, der es mir nehmen könnte? Ich allein bin ein Herr; alles Andere ist unter meiner guvernementalen Knechtschaft von Ewigkeit her gewesen!"

02 Unterbricht sie Helena, sagend: „Meine lieben Freunde und Brüder! Jetzt halt' ich es aber nimmer aus! Nein, was diese Ewigkeitssau sich alles zu sein einbildet, das ist ja der ganzen Unendlichkeit ungleich! Jetzt will sie sogar mehr als Gott der Herr Selber sein! Na, das gienge Unsereinem noch ab! O du Mistsau du, höllische du! jtzt schau, daß d' weiter kömmst, sonst werden meine Mandelbäume für dich bald zu blühen anfangen; o du Mistsau du!" - Spr. die Min.: „Schweige, du Lerchenfelder Jauchenkrott, sonst vernichte ich dich!"

03 Die Helena förmlich wachsend vor Aerger, spricht darauf sehr laut: „Waaaaaas sagst, unterhöllisches Zindhölzl! du wunderbare Kasernen-Sch . . . Hauslaterne, du ewige Parfümbüchse aus allen Schmutzwinkeln der ganzen Welt, du dürrster Ast am Baume der Erkenntniß, du alte Badwanne für alle venerischen A................, du übergrausliches Schwein du, du willst mich vernichten! Na warte du grausliche, aller höllischen Misthaufen stinkendste Unterlag! Nicht genug, daß sie ohnehin mehr sein will, als alle Menschen und-Engel Gottes; nicht genug, daß sie mehr sein will als Gott Selbst; nein, das ist dem Satan aller Satane noch viel zu wenig. Er oder sie, was immer ein und derselbe Satan ist, will auch dazu noch Alles vernichten, mich auch, und euch Beide sicher auch. O ganz natürlich, was solle denn so einer allmächtigen Sau nicht alles möglich sein?"

04 Spricht vor Wuth ganz bebend die Min.: „Nein, das ist zu stark! Gott, wie kannst du es je zulassen, daß Dein urerstes vollkommenstes Geschöpf von einem Dreckwurme so gräßlich verlästert wird? Stopfe diesem ekelhaftesten Wurme das Maul, sonst muß ich mich an ihm vergreifen!«

05 Bemerkt die Helena zum Robert: „Aha, läßt schon ein wenig handeln, die Mistsau! Jetzt ruft sie schon den lieben Herrgott an; aber der wird ihr was pfeifen!" - Hier tritt die Min. ganz von Wuth entbrannt zur Helena hin, und sagt mit einer gellenden Schreistimme: „Wenn du nur noch ein Wort redest, so vergreife ich mich an dir, so wahr ein Gott lebt."

06 Die Helena aber springt hier auf vor Aerger und giebt der Minerva eine derartige wohlgezielte Maulschelle, daß die Min. niedersinkt, und einige Schritte von der Helena hinweg purzelt, und da eine Weile ganz erschöpft liegen bleibt. - Die Helena aber, ganz erfreut über ihr gelungenes Zuchtwerk an der Minerva, sagt nach der wohlgeführten Maulschelle: „Da hast du stolzer Wanzenduft aus der Hölle so ein kleines Vorspielerl; wann's aber beliebt, so kann's Hauptspiel schon nachfolgen."

07 Spricht die Min., sich vom Boden erhebend und ihr Gesicht abwischend: „Habe hinreichend genug, um mir den gediegensten Begriff von der Humanität und zartesten Liebenswürdigkeit der lieben Kindlein des Herrn Himmels und aller Erden zu machen. Besonders schön aber ist das von dir Kado, der du mich auf dem bewußten Hügel dort nahe vor lauter Liebe gefressen hättest, daß du mich hier sogleich mir und dir nichts ohrfeigen läßt, als wäre ich irgend auf der Erde noch ein allerletztestes Kuhmensch, um recht gemein zu reden. Es bleibt dir aber gemerkt, verstehe!"

08 Spricht Kado: „Ist dir sehr recht geschehen; warum bist du nicht gegangen, als ich dich zu gehen beheißen habe?" - Spricht die Min.: „Aber, habe ich denn von Gott deßhalb den freiesten Willen empfangen, um ihn für ewig in des Gehorsams engste Zwangsjacke einzupferchen? Hätte es der Schöpfer gewollt, daß ich gehorchen solle, so hätte Er mich doch sicher auch gleich wie dich mit einem gehorsamen Willen begabt; aber da Er das sicher nicht wollte, da bin ich denn auch wie ich bin, nehmlich meines eigensten und Niemanden gehorchen könnenden allerfreiesten Willens; siehe, so Gott alle Wesen, und alle Geister gleich mit einem gehorchenden Willen begabt hätte, wer würde dann den blinden Völkern auf der Erde einen regierenden Kaiser, König, Herzog und Fürsten abgeben können? Denn das wirst du doch wissen, daß auf der Erde die Kaiser, Könige und Herzoge und Fürsteg Niemanden zu gehorchen pflegen (?!) außer einem guten Rathe zu ihren Gunsten."

09 Sagt Kado: „O ja, das weiß ich! Darum sprach aber Jehova durch den Mund Samuels zu den Kindern Israels: Zu allen Sünden, die dieses Volk vor Meinen Augen schon begangen hat, thut es nun auch diese größte hinzu, daß es gleich den Heiden von Mir einen König verlangt. Ja, es solle einen haben, auf daß er es züchtige und führe in die Gefangenschaft. Siehe, so lautet das Gotteszeugniß über die Könige. - Kannst du daraus wohl schließen, daß die gegenwärtigen wie vorgewesenen Regenten aus dem Willen Gottes hervorgegangen sind? Ich sage dir: Die Regenten aller Zeiten, auch die Besten, sind nicht aus dem Willen Gottes, sondern lediglich aus dem Willen der Völker der Erde hervorgegangen, und bestehen noch gegenwärtig also. Würde ein Volk irgend zu der Erkenntniß kommen, daß es Gott in aller Wahrheit zum ewigen Regenten über sich setzete, so würde Gott solch ein Volk auch sogleich von dieser Zuchtruthe frei machen, und es Selbst leiten durch Seine Engel in Menschengestalt; aber so die Völker nur um das Gegentheil, also um eine beständige Erhaltung solcher Zuchtruthe zu Gott flehen, so müssen sie sich aber auch alle die Schläge gefallen lassen, die ihnen ohne alle Schonung von dieser Ruthe zugefügt werden.

10 Dein Beispiel also fällt ins Blaue, mittelst dem du deinen Ungehorsam beschönigen wolltest; denn alle die Regenten, mögen sie gut oder böse sein, gehen nicht aus dem Willen Gottes, sondern aus dem Willen und Hochmuthe der Menschen hervor, die da groß und mächtig sein wollen, durch den Glanz ihres Königs. Aber weil die dummen Menschen lieber einen Menschen über sich gesetzt haben, als Gott, den Herrn aller unendlichen und ewigen Herrlichkeiten der Herrlichkeiten, so verleiht Gott diesem Menschen auch nach der Beschaffenheit der ihm untergebenen Menschen jene diktatorische Gewalt, mit der er sie die Untergebenen so ganz nach seinem Willen leiten und züchtigen kann, so sie irgend seine Gesetze nicht beachten; und diese Gewalt ist dann auch von Oben, und der König muß sie üben, weil er von Oben so gerichtet wird; denn es stehet geschrieben: In seinem Zorne gab Gott den Juden einen König. Der Zorn ist aber keine Liebe, die alles frei macht, sondern ein Gericht, das da alles bindet und nöthigt. Glaube du ja nicht, daß da ein König wollen kann, was er frei will, sondern glaube, daß ein König wollen muß, wozu ihn der Gotteszorn nöthigt; hat ein König auch keinem Menschen zu gehorchen, so muß er aber doch Gott wissentlich oder unwissentlich gehorchen. Aber so er Liebe übt für Recht, so wird Gott Seinen Zorn im gewalthabenden Könige auch sänftigen, und in Liebe umwandeln. Verstehst du solches?

11 So du mich verstehest, so werde sanft! und übe Liebe! so wird Gott dich ansehen, und sanfter und sanfter zeihen dein Herz; und ein sanftes Herz wird dich in alle Zukunft bewahren vor einer Mißhandlung, so wie auch sanfte Könige von ihren Völkern am wenigsten zu befürchten haben, so ihre Handlungen im übrigen den Gesetzen nach gerecht sind, und keine Blößen haben. Gehe, und werde also! so wirst du Ruhe haben, und wirst geachtet sein; denn die wahre Achtung wird nur aus der Liebe gezeiht, wie auch jede Freiheit. Der aber ihm eine Achtung erzwingen will, dem wird sie nimmer in der Wahrheit, sondern nur zum Scheine aus Furcht; und diese Achtung ist keine Achtung, sondern nur ein Fluch, und zwar derselbe Fluch, der seit deinem Beginne dein Antheil. Fasse solches, und gehe und ändere dich!"

12 Spricht die Min.: „Ja, ja, ich gehe, und werde mich bestreben, mich wo möglich zu ändern." - Hier kehret sie den Dreien den Rücken und geht von dannen, und verliert sich bald aus dem Gesichtskreise der Helena und des Robert, aber nicht auch aus dem des Kado.

13 Als aber die Helena nun von der Minerva nichts mehr ersieht, sagt sie: „Gott dem Herrn allein das Lob, Der mir in eurer Mitte den Muth gegeben hat, daß ich dieser ersten Feindin alles Lebens die Kurasche habe abgewinnen können. Ich meine, von nun an dürften wir vor ihr endlich einmal wohl Ruhe haben?" - „O ja, spricht Kado, wir wohl; aber auf der Erde wird sie noch viel Unheils stiften; aber dann wird sie mehr und mehr in sich gehen durch gewaltige Züchtigungen und Demüthigungen. - Aber nun fragt es sich, was nun wir beginnen werden. Denn sehet, die Pforte hat sich noch nicht geöffnet; was werden wir nun thun?"

196. Kapitel: Roberts und Helenas Ärger vor der Himmelspforte. Cados weiser Rat belehrt und beschämt sie. Durch die Pforte in die virtuelle Stadt Wien. (Am 26. Mai 1859)

01 Spricht Robert: „Ja, mein geliebtester Freund! da steht mein Verstand noch immer wie ein Paar junger Ochsen am Berge! Wer sich da auskennt, der muß weiter her sein als ich. Wenn der Herr gesagt hätte: Dort vor jener Pforte, die in das vierte und größte Gemach deines Hauses führt, harret Meiner, bis Ich nachkomme, und euch öffne das Thor des Lebens! da wäre dieser Wartezustand ein natürlich erträglicher, und man könnte sich ein längeres Harren wohl ganz begreiflichermaßen gefallen lassen; aber so sprach der Herr doch ausdrücklich schon von einer offenen Thüre, und daß ich mit der Helena nur alsogleich voraus eilen solle, und gewisser Art mich darinnen umsehen, und für die Aufnahme und für den Empfang der Nachkommenden da sein solle, wie ich es wenigstens aus Seiner klaren Rede entnommen, und hauptsächlich aber sagte Er ausdrücklich von der hier nöthigen Eile wegen großwichtiger Dinge, die uns da erwarten, und von uns zu versehen und abzumachen seien.

02 Wir eilten nach aller Möglichkeit hierher voran, um dem Willen des Herrn ja pünktlichst nachzukommen. Wir kamen, fanden die Pforte aber unaufmachbar, und stehen nun schon eine allergeraumste Weile vor der verschlossenen. Frage: Was ist das? was heißt das? und warum denn das also? Wie gesagt: Wer sich da auskennt, der muß von sehr viel weiter irgend woher sein als ich. Das ist denn doch wahrlich etwas zu stark! Ich lasse mir wohl auf der Erde von dummen und aberwitzigen Menschen eine Erste-Aprilsendung gefallen; aber hier im Reiche reiner Geister, und namentlich vom Herrn Selbst sieht diese für mein Erkenntniß, wie es ist, barste Fopperei doch etwas sonderbar aus. Aber: ultra posse nemo tenetur; (von Niemand kann man übers Vermögen verlangen)

03 wir erfüllten bisher, soweit unsere Kräfte genügten, des Herrn Willen doch sicher vollkommen. Es geht nun nicht mehr weiter, und so bleiben wir denn auch hier stehen. Versorgt scheinen wir gerade mit allem zu sein, was uns noth thut; um's vierte Gemach aber werde ich mich von nun an sehr wenig zu kümmern anfangen. - Freilich heißt es, daß das Himmelreich Gewalt leide, und daß man es mit Gewalt an sich reißen muß, um es zu besitzen; aber kann man dem Himmelreiche wohl eine größere Gewalt anthun, als sie einem zu Gebote steht? Ich meine: das wäre eine Kunst aller Künste. Wir haben einmal unser Möglichstes geleistet, und es ging nicht; nun solle sich jemand Anderer daran machen, und sein Glück versuchen."

04 Spr. die Helena: „Schau! aber gerade dieser Meinung bin ich auch, was einmal durchaus nicht gehen will, davon wende man sich ab, und lasse es stehen."

05 Spricht Kado: „Meine Lieben! ihr rässoniret zwar recht, wie man sagt, vernünftig; aber demungeachtet kann ich mich eurer Meinung nicht anschließen, da ich an der Möglichkeit nicht zweifle, daß diese Pforte eröffnet werden könne. Haben wir denn schon alles versucht? Ich sage: Nein, das haben wir wahrlich nicht! Und so am Ende die Pforte doch offen wäre, und ihr sie nur darum nicht hättet eröffnen können, weil ihr höchst wahrscheinlich, wie es mir nun bei genauerer Betrachtung dieser Pforte ganz klar wird, sie umgekehrt zu eröffnen euch bestrebtet!

06 Ihr habt die Pforte nach öfterer Umdrehung des goldenen Schlüssels wohl mit aller Kraft h i n e i n drückend öffnen wollen, und ich selbst half euch, nach eurem Wollen und Erkennen und Begehren; denn ihr wisset, daß hier jede Hilfe sich darnach zu richten hat, wie der, dem sie werden solle, sie geleistet zu haben wünscht, indem das die Ordnung der Himmel bedingt; aber ich sehe den Irrthum recht gut ein, konnte ihn aber auch nicht eher aufdecken, als bis ihr nicht selbst durch ein gewisses Suchen, Bitten und Anklopfen dahinter gekommen sein dürftet. Ich habe euch zwar wohl auf diesen evangelischen Rath aufmerksam gemacht; aber ihr habt ihn nicht befolget, und so habt ihr auch die Entdeckung nicht machen können, daß diese Pforte nicht nach Innen hinein, sondern nur nach Außen heraus aufzumachen ist, und das aus dem ganz natürlichen Grunde, weil die Pforte auch das Himmelreich im kleinsten Maßstabe vorstellet, das man mit Gewalt an sich reißen,- nicht aber von sich hinwegschieben darf. Es ist aber ja natürlich schon so, daß, so man etwas haben will, man dasselbe zu sich nehmen, und gewisser Art an sich ziehen muß, nicht aber von sich hinweg schieben.

07 In den Himmeln ist einmal in allem und jedem, vom Kleinsten bis zum Größten dieselbe feste, unwandelbare Ordnung, der nirgends, und sei es in noch so was Unbedeutendem, wie es nur irgend etwas Unbedeutendes geben kann, dawider gehandelt werden darf; und so ist es auch beim Thoraufmachen. Ihr habt dieser Ordnung dawider gehandelt, und habt daher nichts ausgerichtet. Versuchet es nun, im Namen des Herrn ordnungsmäßig mit der Eröffnung dieser Pforte vorzugehen, und ihr werdet das sicher erreichen, was ihr schon lange hättet erreichen können."

08 Spricht R. Uraniel: „Aber liebster Freund, ich begreife nun meinen gewaltigsten Irrthum; aber etwas anderes begreife ich nicht, und das bist du, liebster Freund, selbst! Woher du solche Weisheit nimmst, vor der ich mit der meinen nun schon zu einer Blattmilbe herabsinke; ich sage: eine Weisheit, vor der sogar der tiefweiseste Cherub einen allergrößten Respekt haben müßte, so er sie hier an meiner Seite vernähme. Wahrlich, das ist mir ein Räthsel der Räthsel! - So der Herr hier wäre, so könnte Er mich unmöglich weiser belehren, als wie du mich nun belehret hast; wahrlich, das ist mir ein Räthsel der Räthsel!"

09 Spr. auch die Helena hinzu: „Ja, ja, das ist wahr, wie der Freund Kado weise ist, das ist wahrlich allen Himmeln ungleich. Er muß es aber auch sein, sonst hätte der Teufel keinen solchen Respekt vor ihm. O das hat der Freund schon auf jenem Hügel bewiesen, wo er dem Teufel der Teufel ganz kurios die Kurasche abgekauft hat. Wenn ich auch gerade nicht, wie der Miklosch immer hingesehen habe, so habe ich aber dennoch alles gesehen, was dort vorgegangen ist; und darum habe ich aber auch einen besonders großen Respekt vor dem Kado."

10 Spricht Kado: „Aber meine liebe Freundin! weißt du denn nicht, daß Kado eigentlich selbst ein Teufel war? - und daß sonach auf dem bewußten Hügel des Nordens ein Teufel dem andern in den Haaren lag?" - Spricht die Helena: „Wenn Kado jemals ein Teufel war, so war ich sicher desgleichen zehnfach; aber Kado war nie ein Teufel im Ernste, sondern vielleicht blos nur erscheinlich, um dem andern wahren Teufel desto mehr opponiren zu können; und das ist auch eine große Weisheit, die einem wahren Teufel darum unmöglich, weil in ihm keine Liebe wohnet."

11 "Bravo", sagt Kado! „das ist dir gut gelungen; so lange im Kado keine Liebe war, war in ihm auch keine Weisheit, wie aber Kado in sich die Liebe aufnahm, da belebte er auch die Weisheit, und kämpfte dann mit dieser Waffe wider den Teufel, eine Waffe, vor der jeder Teufel den größten Respekt hat.

12 Aber nun machet euch einmal an die Eröffnung der Pforte. Denn ich sehe dort in wohl noch sehr starker Ferne die ganze große Gesellschaft sich hierher bewegen; was wird sie sagen, so sie uns noch hier vor der uneröffneten Pforte treffen wird?"

13 Spricht Rob. Ur.: „Ich habe vor der Eröffnung dieser Pforte nur noch einen einzigen evangelischen Anstand, eben mit der Pforte selbst. Es heißt im Worte des Herrn ausdrücklich: Die Pforte aber, die in den Himmel führt, ist enge, ihr müsset durch die enge Pforte ziehen, so ihr in den Himmel kommen wollt, und ungefähr so weiter im Buche des Lebens. Betrachte aber diese Pforte, welche Höhe, und welche Breite? Meinst du wohl, daß dieß ein rechter Eingang in den Himmel ist?"

14 Spr. Kado: „Freund! du hast noch manche materielle Vorstellung vom Gottesworte! Bedeutet denn die enge Pforte im Evangelio nicht die Demuth des Herzens, und nicht eine wirkliche Thüre? Aber schaue doch! Oeffne sie nur, diese hohe Pforte; sie wird dir wohl auch noch etwas enge werden."

15 Spricht Robert Ur.: „Es ist doch wahrlich manchmal im hohen Grade merkwürdig, wie dumm man zuweilen wird; ja man wird manchmal wirklich dummer als ein Ochse! Denn ein Ochse bleibt denn doch vor einem Thore stehen, aber Unsereiner wollte sozusagen mit dem Kopfe sogleich durch die Mauer rennen. Und sieh', Bruder, ich war nun unbegreiflicherweise so dumm, und wollte diese Pforte stets hinein von mir weg aufmachen; als es mit leichter Mühe nicht gehen wollte, brauchte ich Gewalt, und als es auch mit aller Gewalt nicht ging, da ward ich sogleich verdrießlich, wollte meine Kleider nicht mehr, wünschte mir die Minerva her, auf daß sie mir ein wenig im Schimpfen unter die Arme greifen möchte. Aber daß es mir anstatt all dieser Dummheiten eingefallen wäre, daß die Pforte vielleicht herauswärts zu mir aufzumachen wäre; o von dem wäre mir ja nicht eine Silbe eingefallen! Gelt Helena! du wirst mit mir eine rechte Freude haben, weil ich so schön dumm bin wie zehn Ochsen auf einmal?"

16 Ah, das ist alles eins," spricht die nun schon wieder sehr munter aussehende Helena, „ich bin ja eben so dumm; hätte es mir ja doch auch einfallen können, was der Freund Kado uns gerathen hat, aber so man schon dumm ist, da ist man dann aber auch recht dumm. Zwar wissen wir Beide noch nicht als ganz bestimmt, ob die Pforte herwärts sich öffnen werde oder nicht; aber es ist dessenungeachtet schon dumm genug, daß wir Beide damit keinen Versuch gemacht haben. Nun aber gehe doch hin und versuche die Geschichte noch einmal, und zwar nach hineinwärts, dann aber erst, wie es dir der Freund Kado gerathen hat." - Spricht Robert: „Nein, nach hineinwärts versuch' ich's nimmer, aber nach heraus zu mir solle sogleich ein Versuch gemacht werden."

197. Kapitel: Die Pforte öffnet sich und zeigt - als neue Überraschung - die Stadt Wien. Wichtige Belehrung über das Wesen jenseitiger Erscheinlichkeiten. Robert staunt über Cados Weisheit. Die Begriffe kindisch und kindlich.

01 Damit tritt der Robert sogleich zur Pforte hin, macht mit leichter Anstrengung seiner Kräfte den Versuch, und der hohen Pforte breite und schwere Flügel gehen ohne allen Anstand auf.

02 Als nun die Pforte also eröffnet dastehet, fängt der Robert an, hellauf aufzulachen, und sagt: „Nun da haben wir nun den Himmel in der für diese Welt wahrlich allerseltsamsten Art vor uns. Nein, das ist wahrlich komisch über komisch! Geh' Helena, komm' her, und schaue!"

03 Helena kommt, und sieht schnell mit großer Aufmerksamkeit durch die geöffnete Pforte, und sagt nach einer kurzen Weile: „Je, je, das ist ja Wien, wie es leibt und lebt, und wir stehen hier wie am Weinberge bei der Spinnerin am Kreuze. O du himmlische Süßigkeit übereinander! Wien, und nichts als Wien! Also das ist das glorreiche vierte himmlische Gemach deines Hauses! Ah, Respekt! Nun, itzt können wir uns nachher in Wien gleich wieder um ein Dienstl umsehen; oder weißt du was, wir fangen auf den Basteien ein Bischen zu spucken an, zünden - natürlich unsichtbarer Weise - eine Kanone um die andere los; am End' hebt so was für die armen Wiener den Belagerungsstand auf. Nein, aber Spaß bei Seite, komisch ist das wohl, Himmel erwarten, und nach Wien auf d' Erd' dafür kommen! Nun, was sagst du dazu?"

04 Spr. Robert: „Ich Hab' es dir ja ehedem gesagt, als du mit der Minerva gar so gewaltig ge-oberlerchenfeldelt hast: daß wir statt in die reinen Gotteshimmel noch ganz rein nach Oberlerchenfeld kommen werden; und da siehe, meine Profezeihung ist in die Erfüllung gegangen. Vor Wien stehen wir bereits, und so werden wir wohl auch noch nach Oberlerchenfeld kommen! Muß nun aber doch auch unsern Freund Kado herführen, damit er die liebe Wienerstadt sieht."

05 Robert beruft den Kado, der unterdessen dahin seine Beobachtungen machte, von woher die große Gesellschaft ziehe. Kado geht sogleich hin, und Robert sagt zu ihm: „No Freund! wie gefällt dir denn der Himmel des irdischen Hauses Oesterreich? A saub'res himmlisches Jerusalem das! Siehst du die Pallisaden, die Schießscharten, und die schönen Kanonen, Mörser und Bombenkessel; nimmst du die Wachen aus und ihre herrlichen Blockhäuser? Ah, das ist wirklich schön, die himmlische Stadt auch im Belagerungszustand!"

06 Spricht die Helena: „Du Freund Kado! sage mir, ob wir für die Sterblichen nicht könnten auf eine kurze Zeit uns sichtbar machen, aber gleich darauf wieder unsichtbar? Weißt du, so ein Bischen nur möchte ich mir den Spaß machen, die lustigen Wiener ein wenig zu necken; vielleicht brächte sie so eine Neckerei auch um den Belagerungszustand. Und sollen Robert, ich und du etwa gar in dieser Welt Wohnung nehmen, so werden wir etwa doch den Belagerungszustand eher kassiren?" - Spricht Kado: „Aber liebeste Helena! Meinst denn du doch im Ernste, daß dieß das wirklich irdische Wien sei? Siehe, das ist ja nur eine Erscheinlichkeit und sonst nichts! Hat doch Robert zuvor von einer engen Pforte geredet, durch die man ins Himmelreich einziehen solle; und siehe, da steht sie schon vor uns! Ihr werdet bei dem Durchgange noch auf so manche Engstellen kommen, die euch sehr scheniren werden; aber es wird dennoch zum Durchkommen sein."

07 Spricht Robert: „Das meine ich auch, aber wie? das ist wieder eine andere Frage! Wenigstens muß dieß erscheinliche Wien doch eine Abbildung vom wirklichen irdischen sein, sonst könnte es ihm doch nicht gar so auf ein Haar gleich sehen." (Am 30. Mai 1850) Spricht wieder Robert Ur. nach einer Weile, sagend: „Erlaube mir, lieber Freund, daß ich dich noch mit einer Frage belästige! Du sagtest ehedem, daß dieß Wien nur so blos eine Erscheinlichkeit ist, und sonst nichts. Und doch steht es so klar vor uns, als wie wir uns selbst klar gegenüber stehen; sind demnach wir uns gegenseitig auch nur pure Erscheinlichkeiten; oder sind wir wirklich das, was wir zu sein scheinen? Ist diese Pforte etwa auch nur eine bloße Erscheinlichkeit und sonst nichts? Ich kann mich hier in den Begriff „Erscheinlichkeit" noch immer nicht finden; denn nach meiner Beurtheilung ist eine Erscheinlichkeit nichts anderes, als entweder ein Reflex eines irgend wirklich vorhandenen Dinges oder Wesens, oder sie ist zur Erklärung eines Begriffs, oder zur Prüfung eines Geistes blos nur für einen nutzbaren Moment erschaffen; hat sie aber ihren Dienst verrichtet, so tritt sie dann wieder aus der Sfäre jedes Daseins. Das ist so meine Idee über den Begriff „Erscheinlichkeit"; und ich meine, es wird sehr schwer halten, ihr eine andere Erklärung beizulegen. Es muß mir aber darüber vollste Klarheit werden, sonst bin ich genöthigt, alles für eine bloße Erscheinlichkeit zu halten, was mir seit meinem überirdischen Hiersein nur immer unter die Augen gekommen ist."

08 Spricht Kado: „Du hast ohnehin eine ganz richtige Idee von der Erscheinlichkeit, und ich werde dir darüber dann wenig mehr zu sagen brauchen. Nur das ist etwas unrichtig, daß da eine Erscheinlichkeit etwas ganz Leeres sein solle, weil sie vorderhand nur bloß eine Erscheinlichkeit ist. Siehe, eine Erscheinlichkeit ist hier, nach meinem Urtheile, entweder wirklich nur ein Abbild eines schon in der Wirklichkeit vorhandenen Dinges; oder sie ist ein Probeplan zu einer neuen Schöpfung zuerst beschaulich dem Herrn allein, dann aber auch jedem Geiste, der seinem Innern nach mit der neu erscheinlichen Idee des Herrn in irgend einem sage wesentlichen Liebeauswirkungsverbande steht. Daß aber solch eine Idee mit der moralischen Sfäre des Beschauers auch stets in eine solch entsprechende Stellung kommt wie eine Parabel, das ordnet des Herrn unbegrenzteste Weisheit also, und das so lange fort, bis der Geist jene Kraft und Stärke erreicht, selbst in dem Erscheinlichen das Wirkliche und Unvergängliche zu konstatiren.

09 Denn der zuerst hier anlangende Geist ist gewisserart noch viel zu zart und schwach, als daß man ihm sogleich die kräftigsten geistigen Wirklichkeiten entgegen stellen könnte, weil er sich an ihnen sehr stoßen und am Ende aufreiben würde, gleich als so man auf der Erde ein neugebornes Kind, anstatt es in weiche Windeln auf hartes Holz und Steine legen würde, was ihm sicher sehr übel bekommen dürfte. Aber nicht alles, was ein noch mehr oder weniger neu hier angekommener Geist zu Gesichte bekommt, ist pure Erscheinlichkeit, sondern zumeist nach der Kraft des Geistes auch zum größten Theile Wirklichkeit.

10 Die Pforte hier ist eine geistige Wirklichkeit, und wir uns gegenüber auch; aber jenes Wien dort ist nur eine Erscheinlichkeit, aber so, als wie du es selbst bemerkt hast, also als ein Abbild der wirklichen irdischen Stadt Wien, das ihr Beide von Zug zu Zug in eurer eignen Seele beschaulich berget; dieß Bild aber gravirt eure Seele noch dann und wann, und erzeugt auch dann und wann Unlauteres in ihr, das sich in irgend einem etwas mehr gereizten Lebenszustande den Weg bahnt, und in die „redende Erscheinlichkeit" tritt; solches kann aber im reinsten Gottesliebelichte, das da ist der reinste Himmel, nicht Eingang finden und daselbst bestehen, da etwas nur im geringsten Unreines in die Himmel Gottes unmöglich eingehen kann. Und so tritt denn nun aus eurer Seele, die sich vor dem Eingange in die reinsten Gotteshimmel befindet, und schon von der reinsten Himmelsluft angewehet wird, das letzte unreine Bild der Stadt Wien heraus, auf daß ihr es beschauen, und daraus für immer aus euch verbannen möget und könnet; aber, wie schon früher einmal bemerkt,

11 es wird euch noch einige Mühe und Arbeit kosten! - Aber mit der beständigen Hülfe des Herrn wird sich auch das machen, und leichter als ihr es meinet; darum seid muthig im Herrn, so wird alles leicht und fertig gehen."

12 Spricht R. Ur.: „Aber liebster Freund! sage mir blos das noch, woher du nur deine Weisheit nimmst? Denn das war schon wieder also geredet, als wie aus dem heiligsten Munde des Herrn Selbst; geh' und erkläre mir das! Denn ich bin früher stets der Meinung gewesen, daß du darum mit uns hieher gezogen bist, auf daß du durch mich und die Helena für die Himmel Gottes möchtest vorbereitet und tüchtig gemacht werden. Und nun geschieht gerade das allerblankste Gegentheil! Du bist unser allervollendetster Meister, und wir beide haben kaum die hinreichende Fassungskraft, dich so viel als möglich zu verstehen. Sage mir, bist du wohl im Ernste derselbe Kado, der auf dem Hügel dort im Norden die Minerva schlug mit Wort und That; oder bist du blos so als ein Kado maskiret, und bist in der That irgend ein allererster Erzengel Gottes? Denn nur auf diese Art läßt sich deine Weisheit begreifen; sonst bleibt sie mir ein Räthsel. Ich bin Gott Lob doch auch gerade nicht eines total verschlagenen Kopfes und Herzens; aber so du deinen Mund nur aufmachst, da bin ich schon geschlagen wie mit zehntausend Blitzen auf einen Schlag. Also, liebster Freund, sag' es mir, woher du deine Weisheit borgest!"

13 Spricht Kado etwas lächelnd: „So es an der rechten Weile sein wird, wirst du Alles erfahren; nun aber ist das die Hauptsache nicht; darum kümmere dich vorderhand dessen nicht, indem viel wichtigere Dinge vor dir stehen. Sieh', die große Gesellschaft kommt, trete darum in die Pforte!"

14 Spricht Robert: „Ganz wohl, ganz überaus wohl, aber du allerliebster Freund mußt auch mit mir; denn du bist doch zehntausend Male reifer für die reinsten Himmel als ich." - Spricht Kado: „Nun ja, das versteht sich doch von selbst, daß ich dich nicht allein werde gehen lassen und eben so wenig die allerherzlichste Helena, die ich ebenfalls sehr lieb habe." - Spricht Robert: „Aber wie werde ich denn die große Gesellschaft nun hier in der Pforte stehend empfangen? mit welchen Worten werde ich sie anreden? was werde ich zum Herrn sagen, wie mich über meine Dummheit bei Ihm entschuldigen, wie bei den Profeten, bei den Aposteln, und wie bei den vielen andern Weisen, die auch bei dieser wahrhaft heiligsten Gesellschaft sich befinden? O Freund! helfe mir da nur ein wenig aus meiner neuen Noth!"

15 Spricht Kado: „Aber ich bitte dich, Freund Robert, sei nicht läppisch und kindisch! Kindlich magst du zwar sein, so stark du es nur immer sein kannst, aber nur kindisch nicht. Denn kindisch ist der Verstand der Kinder, und der ist kein nütze; aber kindlich ist ihr Gemüth, und das ist vom größten Werthe vor Gott. Ich werde dir es schon heimlich eingeben, was du wirst zu reden haben vielleicht, aber das Wenige muß gut sein."

16 Spricht Robert: „Ja, wie wirst du mir denn heimlich eingeben können? da müßtest du ja förmlich ein Gott sein, oder der Herr müßte dir zudem eine eigene Kraft verliehen haben." - Spricht Kado: „Ei, ei, bist du aber doch ein lästiger Grübler! Muß man denn gleich alles bis auf den letzten Grund einsehen? Schau, die Ewigkeit ist ja doch so hübsch lang, und es wird sich in ihr noch gewiß sehr viel einsehen und begreifen lassen. Gebe nun Acht, die Apostel kommen, voran Petrus, Johannes und Paulus als die ersten; mit ihnen wirst du also zuerst etwas zu thun bekommen."

198. Kapitel: Wiedersehen mit der früheren Gesellschaft. Deren merkwürdiges Verhalten gegenüber dem scheinbaren Cado. In Robert dämmert's. Er erkennt mit Helena den hohen göttlichen Freund.

01 Die drei Benannten treten nun schnell vor die Pforte hin, machen eine tiefste Verneigung ihrer Häupter, und grüßen dann den Robert und dessen Weib Helena auf das allerherzlichste, und zeigen eine große Freude, nun wieder bei Robert zu sein. Die ganze andere übergroße Gesellschaft aber fällt vor der Pforte auf's Angesicht, und rufet ein himmlisch harmonisches „Hosianna" dem Herrn entgegen.

02 Robert aber schauet sich nach allen Seiten um, um zu erspähen, von wannen etwa der Herr käme. Aber es will sich eben nun von keiner Seite der Herr sehen lassen, wohl aber ersieht er hinter der Gesellschaft noch Jemanden, der dem Kado nahe auf ein Haar gleich sieht. Aber während alledem hört das Hosianna-rufen nicht auf, und Robert merkt es auch den dreien ersten neben ihm in der Pforte stehenden Aposteln ganz genau an, daß sie in sich geheim von einer übergroßen Ehrfurcht ergriffen, und vor lauter Liebe und heiliger Empfindung kaum etwas zu reden im Stande sind.

03 Er kann's nun nicht länger mehr aushalten, fragt eiligst den Kado, sagend (Rob.): „Aber lieber himmlischer Freund und Bruder! Diese Alle sind von einer mir unbegreiflich heiligen Scheue hingerissen; die Erzväter, die Profeten alle, die Apostel, bis auf die drei ersten bei uns in der Pforte, die aber vor lauter Ehrfurcht nicht reden können, liegen auf ihren Angesichtern, ja sogar die allerseligste und glorreichste Jungfrau Maria an der Seite ihres allerwürdigsten Josefs macht von allen Andern keine Ausnahme, und ich schaue mir nun samt meiner Helena schon beinahe die Augen nach allen Seiten aus, und sehe alles, sogar dort im Hintergrunde einen knieenden Geist, der dir frappant gleichsehend - sich auch schon vor lauter Erbauung kaum mehr zu helfen weiß. Sage mir doch, vor Wem sind denn diese Alle gar so erbaulichst hingerissen, da doch der Herr noch nirgendswo zu ersehen ist. Oder sehen Ihn diese Alle schon vielleicht irgendwo in großer Nähe, und nur mein Auge allein und etwa das der Helena auch mag noch nichts erschauen? O ich bitte dich, liebster Freund, lasse mich doch jetzt nicht sitzen!"

04 Spricht Kado: „Ja, aber du mein lieber Freund! was solle ich denn thun? Schau, schau, keine Augengläser giebt es hier mehr und Fernrohren auch nicht; was also solle ich dir thun?" - Spr. Robert: „Uns womöglich den Herrn zeigen, und sonsten nichts! Denn zum Herrn muß ich hin, und muß Ihn grüßen aus allen Kräften meines Lebens. Wo, wo, wo ist Er denn, wo steht Er, von wannen kommt Er? der Heiligste aller Himmel?"

05 Spricht Kado: „Nun, wenn du den Herrn jetzt auch noch nicht siehst, da bist du aber doch wirklich aus dir selbst heraus ein wenig blind. Da frage die Drei, vielleicht sehen diese Ihn auch nicht?"

06 Spr. Robert: „Das ist aber wirklich sonderbar von dir, daß du mir gerade jetzt so halbe Antworten giebst, wo mir gerade eine ganze am dienlichsten wäre. Du verwunderst dich auch nicht darüber, daß diese ganze große Gesellschaft hier vor dieser Pforte gar zerknirscht dahin liegt, und sich vor lauter Ehrfurcht nicht einmal aufzuschauen getrauet. Wahrlich, dich bringt nichts aus deiner Fassung, weder der offene Himmel, noch die finsterste Hölle. Wahrlich, du bist klassisch in Allem, wie in deiner mir stets unbegreiflicher werdenden Weisheit, und in deinem allerlangmüthigsten Gleichmuthe über alles, also auch nun in deinen halben Antworten, die du mir bloß darum zu geben scheinest, um etwas geredet zu haben; aber was? das scheint dir nun ganz einerlei zu sein."

07 Spricht Kado: „O nein, nicht so, mein lieber Freund und Bruder! Ich gebe dir wohl ganze Antworten, die aber du leider nur halb verstehest. Warum hast du denn für deine so überaus pressante Angelegenheit nicht, wie ich dir's rieth, die Drei befragt? Die hätten es dir schon lange gesagt, wo dieses Alles hinaus will, und wo sich allenfalls der Herr befindet. Aber da fehlet dir, wie es scheint, der Muth; was von dir eigentlich so ein wenig dumm ist. Denn sie werden doch als Bürger der Himmel nicht mehr sein wollen als unser Eins. Im Himmel ist alles gleich, und der Niederste ist der Beste, und das ist der Herr Selbst; sehe dich also nach Dem um, und du wirst Ihn bald haben, und hast Ihn eigentlich schon; aber Er ist dir zu wenig, so magst du Ihn auch nicht erkennen, obschon du Ihn schon lange siehst. Verstehst du das?" (Am 1. Juni1850)

08 Spricht Robert Ur.: „Obschon ich Ihn schon lange sähe! Ah, das wäre aber doch im Ernste etwas komisch, Ihn sehen, und nicht erkennen. Ihn nicht erkennen? Ich, der ich nun schon die geraumste Weile seit meiner höchst traurigen Ankunft in dieser Geisterwelt von der miserabeln Erde um Ihn war, solle Ihn nun auf einmal nicht mehr erkennen mögen, so Er vor mir stünde! Nein, das wäre denn doch im Ernste etwas mehr als zu viel! Freund Kado, du bist wohl sehr weise, aber diese Behauptung scheint dir denn doch auch einmal so ein wenig mißlungen zu sein. Denn nach dieser deiner Behauptung müßtest entweder du selbst, oder am Ende gar die Helena der Herr sein; denn ich bin es etwa doch ewig nicht, und die drei Apostel neben uns auch nicht; die Helena ist doch ein Weib nur, und kann's darum nicht sein und ist dazu auch eines viel zu himmlisch-reichen Anzuges; Du bist unter uns wahrlich am einfachsten; denn diese deine nach dem Oriente riechenden höchst unansehnlichen Kleidungsstücke entbehren offenbar jeder Zierde, zieren Deinen Leib auch wahrlich nicht im Geringsten, sondern decken blos nur dessen Blöße, und sind daher auch sicher wie Du selbst, im höchsten Grade einfach. Du mußt daher nach Deiner eigenen Behauptung es Selbst sein, obschon Du dem Kado noch immer wie ein Ei dem andern gleich siehst. Es hat zwar die Fysiognomie des Herrn mit deiner Kadoischen eine bedeutende Aehnlichkeit; aber du bist demungeachtet noch stets ganz derselbe Kado, der an jenem Hügel dort mit der Satana kämpfte. - Hm, hm, sollst Du also wirklich - der - Herr - Selbst es sein.

09 Nein, wenn das im Ernste so wäre, so träfe mich beinahe vor Schande ja ein Schlag, trotzdem ich nun ein Geist bin. Denn wie viel Dummes und sogar Schlechtes habe ich vor Dir durcheinander geredet, und geschimpfet wie ein Narr. Ja, ja, jetzt geht mir auch noch ein anderes Licht auf; du hast mich überall an's Evangelium hingewiesen, wo es bei mir zu stocken anfing, und nicht weiter gehen wollte; und das hätte denn der eigentliche Kado, der mit der Schrift doch unmöglich so vertraut sein kann, doch nicht so umfassend zuwege bringen können, da es sogar bei mir hie und da hapert, obwohl ich schon von der Wiege an in der Bibel bin unterwiesen worden; und dazu begreife ich nun auch deine ewig unerreichbarste endloseste Weisheit. Ja, ja, Du bist es schon, und es kann niemand Anderer sein.

10 Aber da Du es bist, und niemand Anderer es sein kann, was auch diese ganze große Gesellschaft bezeuget durch ihr unbegrenztes Ergriffensein vor Dir, o Herr! so lasse mich und meine Helena denn nun Dir auch zu Deinen heiligen Füßen hinfallen, und Dir unseren lange her schon schuldigsten Dank in aller Zerknirschung unserer Herzen darbringen! Helena, sehe hierher! Dieser unser Begleiter, dieser Freund der Freunde, dieser überweise himmlische Kado ist nicht der eigentliche Kado; bloß nur das Kleid ist wie das des dir bekannten Kado; aber im Kleide steckt vor dir und mir nahe ganz unerkennbar der Herr Selbst. Verstehst du? der Herr Selbst!"

11 Die Helena, solchen Ruf kaum vernehmend, stürzt sich jählings dem Herrn zu den Füßen, und schreit: „O Herr, verdamme mich doch nicht, denn ich war ganz entsetzlich roh und grob vor Deinen Augen; o Gott, o Gott, was habe ich gethan?" - Sage Ich noch immer als Kado: „Stehe auf, du meine liebste Tochter; denn Ich liebe dich eben deßhalb, weil du so bist und warst, wie du nach Meinem Willen sein mußt. Stehe also nur auf; denn wir müssen nun nach Wien! Verstehest du das?"

199. Kapitel: Eintritt der kleinen Geselllschaft Jesu ins virtuelle Wien. Volkstümliche, echtwienerische Szenen an der Paßschranke. Der kritische Sergeant. (Am 2. Juni 1850)

01 Spricht Robert: „O Herr! möchtest du mir denn nicht kundgeben, so ein wenig nur, was wir denn so ganz eigentlich in diesem erscheinlichen Wien machen werden, und was uns da nun alles begegnen wird? Denn wenn ich gar so unvorbereitet selbst an Deiner göttlich allmächtigen Seite in diese Stadt komme, und diese ganze große Gesellschaft mit uns, so weiß ich wahrlich nicht, wie wir da empfangen werden; oder wie ich mich bei verschiedenen Vorfällen mißlicher Art, die da wahrscheinlich nicht ausbleiben werden, zu benehmen habe, um nicht in recht allereklatanteste Verlegenheit vor Dir und vor dieser ganzen großen Gesellschaft zu gelangen."

02 Rede Ich: „Um alles das hast du dich nicht zu sorgen und zu kümmern, so Ich bei dir bin. Die ganze große Gesellschaft aber geht ohnehin nicht mit, sondern bloß nur Ich, die drei Apostel, du und die Helena; alle Andern bleiben hier, bis zu unserer Wiederkunft.

03 Sehe aber nun nach Wien hin, wie es nicht etwa leer, sondern ganz so bewohnt ist, wie auf der Erde, und zwar entsprechend von ganz denselben Menschen, die seit dem Erdjahre 48 bis in dieß gegenwärtige Jahr 50 diese Stadt bewohnt haben, und nun noch bewohnen, entweder als Geister oder als noch Materiemenschen. Gehen wir daher nun hin, auf daß du dein „enges Pförtlein" bald magst durchgemacht haben. Aber da zu euren Füßen liegen dunklere Ueberwurfskleider; diese werfet über eure himmlischen zuvor!"

04 Robert und dessen Weib thun das sogleich, und sehen nun ganz pilgermäßig aus, so wie auch die Apostel, die ganz gut dreien Pilgern allenfalls aus Jerusalem gleichsehen; Meine Kleidung aber gleicht der eines ordinärsten Juden; und also kostümirt treten wir unsere kurze Reise in das ganz vor uns liegende Wien an."

05 Bei der (Zoll)-„Linie" angelangt, und zwar bei derjenigen, die gleich zunächst der sogenannten „Spinnerin am Kreuze" sich befindet, fragt Robert, der knapp bei Mir einhergehet: „Herr! sehen bloß wir die Wachhabenden von allerlei Mannschaften, oder sehen sie uns etwa auch? Sollten sie uns etwa auch sehen, da ginge es uns schlecht, wenigstens für's Gesicht; denn wir haben keine Pässe." - Sage Ich: „Ja, sie sehen uns auch; aber nicht Alle; sondern Jene nur, die auch schon wirklich in der Geisterwelt sich befinden; aber diese werden durch ein gewisses Einfließen die noch Irdischen auf uns aufmerksam machen, und da wird es dann freilich eine kleine Hetze abgeben. Lasse aber nun nur Petrum vorangehen; der weiß es am Besten, wie man mit solchen Zöllnern und Einnehmern umzugehen hat."

06 Petrus geht nun sogleich zum Zöllner hin, und sagt zu ihm: „Freund, wir sind Reisende von für dich und deinesgleichen sehr weit her; haben aber keine Pässe, denn unserem himmlischen Reiche ist volle Freizügigkeit für ewige Zeiten gewährleistet. Wir können dir daher nicht leicht mit Reisepässen aufwarten, da wir keine besitzen; wir sind aber überaus kreuzehrliche Wesen, haben uns nirgends was zu Schulden kommen lassen, und sind sonach auch überall noch ohne allen Anstand durchgekommen; daher glaube ich, daß man uns auch hier keine Anstände machen wird."

07 Spricht der Zöllner: „Mein Freund, wahrscheinlich aus China, so ihr nichts Mauthbares bei euch habt, da könnet ihr von mir aus sogleich ohne allen Anstand weiterziehen. Da vorne weiter ist noch eine Mauth; alldort werden die Pässe den Passanten abgenommen und vidimirt. Seid ihr also im Ernste Chinesen?"

08 Spr. Petr.: „Ja, ja; also dort vorne ist das Paßamt? wir sind Ihnen für diese Auskunft sehr verbunden!" - Spricht der Zöllner: „Nun, nun, ich glaube gar, dieß zerlumpte Bettelgesindel möchte etwa gar groß thun auch noch!"

09 Spricht Petrus: „Freund! Beurtheile du die Menschen nie nach dem Rocke; denn du kannst es ja nie wissen, was vielleicht denn doch dann und wann hinter einem schlichten Rocke stecken könnte." - Spricht der Zöllner: „Sicher höchst selten etwas anderes als Lumpen und Vagabunden, die man aufgreifen muß, und per Schub dahin retourschicken, von wo sie zu Hause sind, und wo gerichtszuständig; verstanden, mein Herr?"

10 "Ja wohl (spricht Petrus): Diese Sprache ist nun nur zu häufig gang und gäbe, als daß sie die arme Volksklasse nicht verstehen sollte. Wer hier in einer Prachtschäse vorüberfährt mit portirter Dienerschaft, mit dem redest du sicher ganz anders, aber mit uns Barfüßlern redest du, als wären wir eine Gattung Thiere nur; und siehe, das ist nicht löblich von dir. Lasse uns aber nun weiter ziehen! Vielleicht werden bei der vordern Mauthe die Aufseher nicht so scharf sein als du." - Spricht der Zöllner: „Ja, ja, dort werden sie mit euch sicher nicht viele Umstände machen. Sehet nun, daß ihr weiter kommet, sonst lasse ich euch selbst arretiren!" -

11 Spricht der Robert zu Mir: „So sind sie; und das ist eher noch einer der Bessern! Wenn man mit so einem Menschen zu thun bekommt, wahrlich, vor Grimm und Aerger könnte man da gerade weg zerbersten. O Menschen! o Erde!" - Spricht auch die Helena: „Nein, wenn der noch länger uns mit seinen allerfadesten Geringschätzungsreden belästigt hätte, so hätt' ich ihm was g'sagt; denn ich kenn' diesen Dalken; ist aber gut, daß wir weiter ziehen, sonst wäre ich mit ihm wohl z'sammg'wachsen. So ein Paar Blitzschnelle hätten sich auf seinem Hottentottengesichte gar nicht schlecht g'macht; no, der hätt' sich verwundert, wenn er so ein gedoppeltes G'sicht bekommen hätt'."

12 Sage Ich: „Nur nicht gar zu laut, Mein Töchterchen! denn dieser Zöllner hat sehr lange Ohren; so er das vernähme, da bekämest du ein schweres Thun mit ihm." - Sagt die Helena: „Aber ärger o Herr, wird er doch etwa nicht sein als die Satana selbst?" - Sage Ich: „Ja, es kommt darauf an. Die Hunde, die die großen Reichen in ihren Höfen als Wächter an den Ketten halten, sind in ihrer Art böser um vieles als ihre Herren; die Herren reden bloß, aber die Hunde beißen. Daher sei du froh, daß dich der Hund seines Herrn nicht gebissen hat. Aber wir kommen nun schon zu der zweiten Mauth; Petrus fängt mit der Polizei zu reden an; wir wollen sehen, was da herauskommen wird!"

13 Sagt die Helena: „O eing'führt werden wir, und sonst nichts, so Du, o Herr, von Deiner Macht keinen Gebrauch machen wirst." - Sage Ich: „Meine liebe Tochter, sei ohne Sorge! was wär's denn auch, so uns diese Blinden im Ernste einführeten? sage, welcher Kerker könnte uns wohl festnehmen?! ein leisester Hauch Meines Mundes, und die ganze Erde samt allen ihren Kerkern ist nicht mehr; und so haben wir uns vor keinem Kerker zu fürchten." Aber nun horchen wir auf den Petrus, der so eben befragt wird: „Woher des Weges? wo sind die Pässe? Reiset die ganze Gesellschaft mit einem, oder mit mehreren Passirscheinen? Wo sind sie? her damit!"

14 Spricht nun Petrus: „Eine kleine Geduld, und eine ganz kurze Frage: Sage mir gefälligst, kann da gar Niemand, auch kein Einheimischer ohne Paß in die Stadt?" - Spricht der Polizeiserschant: „Bekannte Einheimische wohl, aber Fremde nie; seid ihr fremd und dieser Stadt Bürger nicht, da müsset ihr einen Paß haben, sonst kommet ihr nicht hinein; gehöret ihr aber dieser Stadt an, so müßet ihr euch durchexaminiren lassen, auf daß ich daraus ersehen kann, wessen Geisteskinder ihr etwa seid."

15 Spricht Petrus: „Nur zu, ich werde dir alles ganz genau angeben." - Hierauf fragt der Serschant: „Wie heißt Er?" - „Simon Juda, Jonas Sohn, genannt Petrus." - Der Examinator spricht weiter sagend: „Das klingt sonderlich; aber wer ist Er denn, was treibt Er für ein Gewerbe?" - Spr. Petrus: „Ich bin ein Fischer von Geburt aus, und gehe aber nun aufs Menschenfischen aus schon seit nahe 2000 Jahren."

16 Spricht der Serschant zu einem Gehülfen: „Bewache diesen, denn der gehört ins Narrenhaus! Der Kerl bildet sich ein, daß er Petrus, der berühmte Apostel sei. Nein, was man bei einer „Linie" doch alles erlebet!"

17 Hierauf wendet sich der Serschant an den Paulus, fragend: „Wer seid Ihr denn? und wie heißet Ihr?" Spricht Paulus: „Ich bin ein Teppichweber, dann ein Apostel der Heiden; mein erster Name hieß Saulus, und der spätere hieß und heißt noch Paulus." - Spricht der Serschant zu einem zweiten Gehilfen: „Bewahre auch den; denn auch dieser ist ganz reif ins Narrenhaus!" - Darauf sich zum Johannes wendend, und diesen fragend: „Wer seid denn Ihr? etwa auch so ein Apostel Christi?"

18 "Ich (sagt Johs.) bin der Evangelist Johannes und zugleich auch Apostel des Herrn Jesu Christi!" - Spricht der Serschant zu einem dritten Gehilfen: „Gehört auch ins Tollhaus, bewachet sie wohl! Es sind noch drei dort; die werden wohl sicher des gleichen Geistes sein; denn gleich und gleich gesellt sich gern!"

19 Hier tritt voll Aergers die Helena vor und sagt zum Serschanten in ganz echt Oberlerchenfeldischer Weise: „Sö Haupttappschädl von an böhmischen Puliquatschenfeldwebl, gebens acht, daß ehna die Drei net eper auskämen!" - Spricht der Serschant ganz spinngiftig über die Anrede der Helena: „Waaaas ist das für eine Kreatur! waaas hat sie gesagt? Na wart' du! dir werden wir das Rohr schon herabarbeiten!" - Hier springt die Helena hin zum Serschanten, und sagt: „No, no, nur geschwind, nur geschwind a Portion Laxenburger Spargel her, du alter Schwefelebertegel aus der höllischen Apotheke; schau nur glei, daß dein böhmisches Zartgefühl kan Leibschadn kriegt! schau, schau, ehrgeizig a noch mit dem Gsicht! Laßt sich der Herr 'n Grimm vergehn, sunst sog i ean was, dos ean grod net am besten schmecken möcht'!"

20 Spricht der Serschant: „Weß Landes ist sie gebürtig, sie ungehobeltstes Mensch?" - Spricht die Helena: „No denkens nach! können Sie sich noch auf das Wirthshäusl erinnern, von dem Se dreimal hinausgworfe sans wurde wegen Unzucht und Stenkerei? schans, dort bin i gebürdi!" - „Waaa-s brodelt sie daher? ist sie denn ein Oberlerchenfelder Früchtl?" - Spr. H.: „Ja, die Schwarzmaxllenerl, kennens mi denn nemmer?"

21 Spricht der Serschant: „Ja, aber sag' mir, wie kommst denn du zu dieser Narrengesellschaft? A das ist gut! die Schwarzmaxllenerl! aber sag' mir doch, wo bist denn seit der Revolution hingekommen? man hat von dir ja gar nichts mehr gehört und gesehen!" - Spricht die H.: „No, gsturbe bin i holt, und hiazt war i wieder als lebendige da, und geh' mit diese meine gute Freund' mei Hamet bsuche, waons nix dawider hobn! Daß aber die kane Noarn san, do steh i eana guat dofur!" - Spricht der Serschant etwas besänftigter: „Ah, meine Liebste, diese Drei sind ganz vollkommen Narren; diese müssen demnach ins Narrenhaus; bei den zwei Letzten aber wird es sich erst durch ein gutes Examen zeigen, wessen Geistes Kinder sie etwa sind, und ich werde sie daher auch gleich vornehmen."

22 Hier tritt Robert Ur. von selbst vor, und sagt: „Freund! du willst mich und diesen meinen heilig großen Freund vornehmen, und uns untersuchen, ob wir etwa nicht sinnesverrückt seien. O du blinder Hascher! siehe, das hättest lange schon bei dir selbst thun sollen, auf daß du wenigstens so weit es gebracht hättest in der Einsicht und besseren Erkenntniß, daß du schon lange nicht mehr dem Leibe nach lebest auf der eigentlichen Erde, und im eigentlichen Wien, sondern nur in dem entsprechend geistig Erscheinlichen auf der ebenfalls erscheinlich geistigen Erde. Meinst denn du, daß du hier der wirkliche Linien-Aufseher bist? Ja in deiner Einbildung bist es, und sonst gar nichts! Glaubst denn du, daß du irgend eine Gewalt, oder irgend ein Recht hast, uns zu untersuchen? Ich sage es dir; du hast kein anderes Recht als das Recht eines Narren, der dazu noch blind und taub zugleich ist;

23 denn du bist ja schon lange gestorben, und zwar an der Cholera im Jahre 1849 der Erdzahlrechnung nach. - Abgesandte Geister aus den Himmeln haben es dir im Momente deines Austrittes aus dem irdischen Leibesleben gesagt, daß du dem Leibe nach gestorben bist; aber du lachtest sie aus, und sagtest: Was da, ihr dummen hirnverrückten Kerls, seht ihr denn nicht, wie ich noch ganz vollkommen und rüstig erster Polizeiserschant bin? Und wollt ihr etwa das nicht einsehen, so stecke ich euch in's Loch, und ihr werdet es dann gleich einsehen, ob ich gestorben bin, oder ob ich noch lebe! Bei solcher deiner Gegensprache verließen dich dann aber auch sogleich die Boten aus den Himmeln, und ließen sonach den Narren in seiner Narrheit, in der er nun über ein Erdjahr schon hier verharret, und andere weise ihm helfen wollende Geister als Narren deklarirt, dabei aber selbst der größte Narr ist und bleibet. Meinst denn du wohl im Ernste noch, daß du ein leibhaftiger Polizeiserschant der Stadt Wien bist, die auf der Erde des österreichischen Kaisers Residenz ist? Da sehe an den Schrankenbaum! siehst du nicht, und merkest es nicht, wie er nun vor uns stets luftiger, durchsichtiger und somit auch nichtiger wird?"

24 Spricht der Serschant: „Das ist alles wie leeres Geschwätze, das eine Amtsperson, wie ich eine zu sein die hohe K. K. Ehre habe, nicht anhört, sondern ihr hohes Amt handelt, wie es ihre Amtsinstruktion ihr zu handeln strengst gebietet. Wie heißt Er denn? oder hat etwa Er einen Paß, oder irgend eine sonstige Ausweisung?" „Nein!" donnert ihm Robert ins Ohr, daß darob der Serschant ganz schwindlich wird, und um Hilfe zu rufen anfängt. Wieder donnert ihm der Robert Ur. ins Ohr: „Thor, was willst du, das ich dir thun solle? willst du leben oder sterben für ewig? denn einen zeitlichen Tod giebt es hier nimmer; wer hier stirbt, der stirbt für ewig!"

25 Hier schreit der Serschant ganz entsetzlich laut um Hilfe; und es erscheinen sogleich drei gemeine Diener aus einer Wachtstube, und wollen den Robert in Empfang nehmen; dieser aber donnert über sie so ein gewaltiges: „Halt!" daß darob Alle samt dem Serschanten also zusammen stürzen, als ob sie vom Blitze gerührt worden wären. Und als sie also da am Boden wie ganz bewußtlos dahin liegen, sagt Robert: „Herr, so es auch Dein Wille ist, da können wir nun ganz unbeirrt weiter ziehen; die Drei dort, die Petrum, Paulum und Johannem bewachen, blasen wir ein wenig hinweg, und wir haben dann den freiesten Abzug von dieser Linie."

26 Sage Ich: „Es wäre wohl alles recht; aber dieser Serschant muß noch Mich Selbst auch eher examiniren; ist dieß geschehen, dann werden wir auch, ohne viel blasen zu müssen, weiter kommen, ohne daß uns diese aber auch nur im Geringsten irgend ein Hinderniß in den Weg zu legen im Stande sein sollen." - Spr. Robert: „Ganz überaus wohl, o Herr; Dein Wille allein ist heilig!"

27 Hier erhebt sich der Serschant wieder, und sagt voll Grimm: „Wer ist hier ein Herr, und wessen Wille ist da heilig? Hier regiert allein der Kaiser, der allein ist der Herr, und sein Wille allein muß heilig sein allen seinen Unterthanen! Was darunter oder darüber, ist nichts als Asche. He Mannschaft, habt Acht! Nehmet dieß ganze Gesindl fest, und führet es vors Gericht, und saget demselben alles, wie sich dieses sozialistische Gesindel hier benommen hat. Dieser Schreier aber solle hier noch früher in der Wachtstube extra für sein tumultuarisches Schreien mit 25 wohlgemessenen Stockstreichen belohnet werden, worüber ihr eine Note von mir eigens an das Gericht zu überbringen habet, welche Note ich auch sogleich während der Exekution verfertigen werde. Ergreifet ihn, und schleppet ihn ins Wachtzimmer! Nun der solle ihm sein Schreien merken!"

28 Drei Mann umstehen nun den Robert, und wollen ihn binden und schließen; aber da springt die Helena hinzu, und sagt: „Wer es wagt, Hand an den Robert zu legen, der ist des Todes!" - Als aber Einer doch mit der rechten Hand den Robert beim Kragen packt, bekommt er im Augenblicke aber eine solche Maulschelle von der Hel., daß er sogleich wie todt auf den Boden fällt. Nun wollen die zwei andern die Hel. packen, werden aber von ihr derart bedient, daß da beide jählings die Flucht ergreifen, und sich so schnell als nur immer möglich aus dem Staube machen; auch jene drei, die da die drei Apostel bewachten, sind nun gehend geworden; und der Serschant ruft ihnen vergeblich alle Galgen und ein Mordio übers andere nach; aber es kehret sich keiner mehr um; denn diese haben es so ganz leise zu ahnen angefangen, daß es mit unserer Sechsergesellschaft eine ganz sonderbare Bewandtniß haben müsse.

200. Kapitel: Der Zollsergeant examiniert Jesus, wird von Ihm zurechtgewiesen und gibt der Gesellschaft freie Bahn. Ein Steuereinnehmer folgt Jesus. Den Sergeant sticht die Neugier.

01 Aber der Sergant ist noch ganz in Wien, und ganz von den Pflichten seines Amtes durchdrungen, und sieht und hört daher aber auch nichts anderes, als das nur, was seines vermeintlichen Amtes ist. Nur etwas bescheidener wird er nun, weil ihn alle Gehilfen rein im Stiche gelassen haben. Er begiebt daber zu Mir sich hin, und fragt Mich, wer denn Ich etwa wäre? wie Ich hieße? und ob Ich keinen Paß oder sonstige Ausweisung besäße?"

02 Und Ich sage zu ihm: „Wir kommen direkte aus den höchsten Himmeln hierher; Ich bin Christus der Herr, und bin nun gekommen hierher, die Todten zu erwecken, und die Verlornen aufzusuchen, und die Kranken zu heilen; und Allen die eines guten Herzens sind, solle ein großes Heil widerfahren!"

03 Spr. der Serschant, zu dem sich auch noch einige Individuen gesellen, die im Mauthhause sich befanden: „Gut gesprochen! Du bist noch der gescheidteste Narr aus all den frühern, in denen sich sogar wühlerische Verschmitztheit beurkundete, indem sie ihre Narrheit mehr als einen Deckmantel ihrer verbrecherischen geheimen Absichten vorschoben, und mich so sub bona fide täuschen wollten; aber da ich Argusaugen habe, und das Gras wachsen höre, so kann ich nicht so leicht übertölpelt werden. Ich kenne mich aber nun mit euch ganz genau aus, und weiß woran ich bin, und so muß ich euch wegen allerhöchsten geheimen Willens ja wohl passiren lassen. Das heilsame Placetum regii ist aufgehoben, und der katholischen Kirche freiestes Schalten und Walten in ihrer klerikalen Sfäre eingeräumt,- und so kann und darf sich auch ein exponirter Serschant auf einer Linie nicht mehr wundern, so ihm von Zeit zu Zeit nun gewisse verkappte Jesuiten und Liguorianer in allerlei Gestalten vorkommen werden! Es wird bald wieder Ablässe und Wunder zu regnen anfangen; die Jakobsleiter wird wieder reparirt, und zwischen Erd' und Himmel aufgestellt werden, aus der Engel, Apostel, die seligste Jungfrau, andere Heilige, und nicht minder auch Christus Selbst auf- und absteigen werden, natürlich um's Geld und andere kostbare Buße. Und ihr seid schon die erste Probe! Deo gratias! Ja, ja, wir kennen uns schon aus beim Herausfassen! Schön, schön, das kann sicher so Manchen sehr viel Trost gewähren! oder was?

04 Ihr könnet nun schon weiter ziehen; hätte ich das eher gewußt, von welchem Geiste ihr getrieben werdet, so hätte ich euch ja kein Hinderniß in den Weg gelegt, wozu ich auch die gemessene geheime Weisung habe. Aber die Zusammenstellung ist wahrlich als vollkommen gelungen zu betrachten bis auf den Robert Blum, und bis auf die unverkennbare Schwarzmaxllenerl, die doch sicher jeder lustige Wiener in vielfacher Hinsicht kennt. Der eigentliche Blum wird zwar von Kopf- und andern Schmerzen nicht viel mehr geplagt sein; aber die Erfindung eines Pseudo-Blums ist gut! Denn wer den rechten Paganini nicht hören konnte, der stellt sich nachher doch mit einem falschen recht gemüthlich zufrieden; und dieser Name hat noch viel geheimes Gewicht in Wien! Auch eine travestirte Barrikadenheldin aus Oberlerchenfeld ist wahrlich für eure Zwecke nicht schlecht; denn zum Gimpelfange gehört ja allerdings so ein recht niedlicher Lockvogel mit einem geisterhaft heroisch klingenden Namen. Der Zweck heiligt ja jedes Mittel. Und du bist Christus der Herr Selbst? Oh das ist sehr schön! Nun, wenn solche Christuse wie Du der römisch-katholischen Kirche nicht wieder auf die goldnen Beine helfen werden, dann ade Papst und Rom, und ade Pfaffenthum! Ein Dutzend Weihröcke noch dazu, und es wird sich schon alles wieder geben, und machen."

05 Rede Ich: "Freund! Ich weiß, daß du ein sogenannter Protestant bist, und denkst übers römische Christenthum nicht unbillig; denn dieses ist vom Grunde aus ein Gräuel in allen seinen herrschsüchtigsten Mühen vor Gott, von denen ihm aber keine gelingen wird, dafür Ich dir stehen kann; aber Mich und Meine kleine Gesellschaft verkennest du ungeheuer. Ich aber will dir von nun an nichts mehr aufbürden, indem du frei bist, und glauben und thun kannst, was du willst. Aber das sei dir noch einmal kund gethan, daß du nun nicht mehr auf der Welt der Materie, sondern ganz in allem Ernste in der Geisterwelt dich befindest, und alles das, was du außer Mir und Meiner Begleitung siehst, nichts ist, als leere Erscheinlichkeiten, die für dich aber zu geistigen Wirklichkeiten werden könnten, so du dich an Mich schlößest und in Meine Fußstapfen trätest. Aber du bist in deinem Herzen noch zu weit von Meinem Reiche entfernt, und kannst Mich daher auch nicht erkennen in deiner Blindheit. Bleibe daher nur, wo und was du bist; vielleicht sehen wir uns später noch irgendwo und irgend einmal wieder!"

06 Spricht der Serschant: „Wird mich sehr freuen, wenn nicht in dieser, so vielleicht doch möglicher Weise in einer andern Welt. Wünsche übrigens eine gute Verrichtung in der Residenzstadt! Der noch immer fest andauernde Belagerungszustand dürfte eurem löblichen Unternehmen günstig sein; darum noch einmal eine gute Verrichtung, und einen schönen Gruß nach Maria-Zell! Ade."

07 Wir begeben uns nun ohne weitern Anstand in das Innere der Stadt; aber der Serschant, uns mit seiner Gesellschaft nachschauend, sagt zu den Seinen, wie auch zu dem Einnehmer der ersten Verzehrungssteuermauth, der nun auch dazu gekommen ist, um zu erfahren, was es mit diesen sonderbaren Reisenden für ein Bewandtniß habe, und wer sie etwa seien, ob doch Chinesen, oder wenigstens Indier, - folgendes: „Das sind verkappte, feine Jesuiten als fromme Missionärs! weißt du, seit die Kirche wieder frei ist in unserem lieben väterlichen Oesterreich, haben ihre Pfaffen wieder die alte Jakobsleiter aufgefunden, und sie geradewegs am Himmel angelehnt. Mit den alten Kirchenstrafen geht es denn doch wenigstens so geschwinde nicht, und mit der goldenen Buße der Kreuzfahrer auch nicht; daher werden vorderhand Dobler und Bosko zur Leihe genommen werden, und wir werden bald von den großartigsten Wundern von allen Seiten her die rührendsten Kunden erhalten.

08 So waren z. B. diese Sechs nichts weniger als: Der Capo war höchst eigenen Bekenntnisses Christus Selbst, der nun alle Kranken gesund machen wird etc., vielleicht hilft Er auch den Finanzen auf die Beine zum Spazier nach Rom; oder was? Die drei Ersten waren Petrus, Paulus und Johannes der Evangelist. Nun! wie g'fallt dir das Gschichtl? Ein recht bildsauberes Menschl haben's auch bei sich g'habt, unter dem Namen Schwarzmaxllenerl, die Barrikadenheldin, und, itzt fall' aber nur um, und werde völlig todt vor Verwunderung, den Robert Blum auch! Nun, ist's Gschichtl nicht lustig? Wie g'fällt dir dieser Spaß? Meine Mannschaft, die etwas schwachen römischen Geistes ist, hat dir im Ernste dabei Reißaus genommen, und hat mich allein hier sitzen gelassen. Nun, Freund! - was sagst du zu dieser Errungenschaft vom Jahre 1848?" (Am 6. Juni 1850)

09 Sagt dazu der Verzehrungs-Steuereinnehmer: „Mein lieber Freund, diese Geschichte sieht wohl dem ersten Anscheine nach etwas spaßhaft aus, aber im Grunde liegt, wie es mir vorkam, und wie es mir mein inneres Gefühl sagte, doch etwas sehr Ernstes in dieser Geschichte. Ich will es schon zugeben, daß die Pfaffen bei der nun wieder erreichten kirchlichen Freiheit so Manches versuchen werden, wodurch irgend ein ihn erwünschenswerther Volksaberglaube wieder belebt werden könnte; aber auf diese Weise, Freund, Freund, das werden sie fein bleiben lassen! Es mag in den früheren Zeiten sich wohl so mancher gäule Pfaffe in nächtlichen Stunden gegenüber einer schönen jungen Nonne oder sonstigen Betschwester einen Spaß erlaubt haben, der vielleicht sehr nach einer himmlischen Maskerade roch; aber also öffentlich gegenüber offenbar amtlichen Aufsichtsmenschen, und Notabene in einer sich im Belagerungszustande befindlichen Kaiserstadt dürfte sich wohl der verschmitzteste Jesuit so was nimmer erlauben. Ah weißt du, ich bin sicher kein Freund der Pfaffen; aber ich glaube, daß sich zu solch einem Geschäfte wohl keiner herbei lassen würde, selbst so er im Ernste die bedeutendsten Vortheile davon zu erwarten hätte.

10 Aber ich halte von dieser mir wahrlich ganz chinesisch vorkommenden Geschichte ganz was anderes, und zwar: - Entweder sind diese Sechs verkleidete hohe Personen, oder sie sind am Ende im Ernste das, als was sie sich ausgegeben haben. Denn, weißt du, aufrichtig gesagt, mir kommt meine ganze Lebensgeschichte hier in Wien, so ich die Sache bei rechtem Lichte betrachte, etwas sonderbar vor; und das bringt mich heimlich immer mehr auf die Vermuthung, daß ich mich entweder in einem Traumleben befinde; oder ich werde von irgend einem sonderbaren Schwindel geplagt. Auch eine Menge anderer Bemerkungen habe ich schon gemacht, und mich dabei am Ende, wenn ich die Sachen näher beurtheilt habe, höchlichst verwundert, daß derlei Vorkommnisse mir nicht eher aufgefallen sind. So zum Beispiele habe ich dir seit ungefähr einem Zeitraume von zwei Jahren her aber auch nicht einen Fuhrwagen gesehen, und ebensowenig irgend eine Equipage, was gewiß sehr sonderbar ist. So gehen auch äußerst wenige Menschen hier vorüber, und von einem Hineintragen von den gewöhnlichen Viktualien ist auch keine Rede mehr; gewöhnlich werden seltene, mir ganz unbekannte Wurzeln und Kräuter, und geselchte Wölfe, Füchse und kleine Bären vorbei getragen, und noch eine Menge anderes so dummes Zeugs mehr, daß man darüber gerade lachen muß. Ich kann dafür auch von Niemanden eine Steuer erheben, weil derlei Dinge in keinem Steuertarife vorkommen; und verhalte ich auch Jemanden dazu, so giebt er mir gar keine Rede und Antwort, und geht unaufhaltsam seines Weges weiter; mir aber fällt es auch dann gar nicht bei, daß ich Jemanden anhalte solle.

11 Letzthin sah ich so in Gedanken vor mich hin, und bemerkte ein großes werthvolles Goldstück von neuester Präge so etliche Schritt vor mir am Boden liegen; ich eile hin, um es aufzuheben. Als ich hinzukam, ist das ganze Goldstück verschwunden, und an seiner Stelle lag eine zertretene ganz kohlschwarze kleine giftige Natter. Ich wollte sie mit meinem Visirstabe hintan schlendern; als ich sie aber noch kaum berührte, so metamorfosirt sie sich augenblicklich in einen recht sonderlich häßlichen Raubvogel, der in dem Augenblick auf und davon flog, als ich den verwunschenen Prinzen von einem Großdukaten mit meinem Visirstabe davonschleudern wollte. Letzthin war ich auch auf eine außergewöhnliche Art von einer Erscheinung affizirt worden; ich sah zum Fenster hinaus, und es regnete gewaltig stark; mir fiel es erst auf, daß ich bis dahin durch, sage 2 Jahre, weder regnen und noch weniger schneien gesehen habe. Ich eile schnell hinaus, um mich ein wenig anregnen zu lassen; wie ich aber doch sicher schnell genug hinauskam, da war dir aber vom Regen auch keine Spur mehr; und ich fing erst über die Sonderbarkeit der Witterung an nachzudenken, und es kam mir wahrlich sehr sonderbar vor, daß ich hier noch nie eine Sonne gesehen habe, und wahrlich gar nicht weiß, woher wir das Licht haben. Oder hast du schon einmal eine eigentliche Nacht erlebt, oder einen Winter, Frühling, Sommer oder Herbst? Sieh', alles dauert hier so in einem und demselben Zustande fort, und uns fällt es noch dazu am Ende gar nicht auf, daß die Sachen hier eben so sonderbar stehen, an denen wahrlich weder der Belagerungszustand, und eben so wenig irgend wo daseiende Jesuiten Schuld tragen können.

12 Siehe, aus diesen Vorkommnissen bin ich um so mehr genöthigt und geneigt zu glauben, daß wir fürs Erste nicht mehr auf der eigentlichen Erde uns befinden, und somit dem Leibe nach schon lange gestorben sind; und für's Zweite, daß die Sechse darnach sehr leicht das sein können, als für was sie sich ausgegeben haben; und, weißt du was, - ich werde ihnen nachgehen; sie stehen gerade noch dort vor einem Hause; bei denen muß ich ins Klare kommen."

13 Spricht der Serschant: „So warte, ich werde auch mit dir gehen!" - Beide machen sich sogleich auf den Weg, und gehen uns eiligst nach;

14 als sie zu uns kommen an der Stelle vor einem Hause, in das wir zuerst den Petrus sandten, auf daß er besuchete die Kranken darinnen, und heilete, die zu heilen wären, da sagt der Verz.-St.-Einnehmer: „Meine lieben erhabensten Freunde, und besonders Du Urweiser von Nazareth! Eure Rede fiel mir auf, und weckte mich insoweit, daß mir gleich darauf auch sehr verschiedenes Anderes aufzufallen begann, was mir früher lange nicht aufgefallen wäre, und auch nicht aufgefallen ist, obschon es mir und vielen tausend Andern schon lange hätte auffallen sollen; zugleich durchrieselte mich bei eurer Gegenwart an meiner Mauth ein so merkwürdig wohlthuendes Gefühl, daß ich mich kaum halten konnte, euch sogleich zu folgen. Ich kämpfte zwar eine Weile ganz männlich gegen dieses Gefühl, und schützte ihm meine K. K. Beamtenpflichten vor; aber das Gefühl sagte wie ganz mächtig laut: Was Kaiserlich, was Königlich; so Gott dich ruft, dann hört der Kaiser und der König für ewig auf. Und ich wandte auf solche Stimme meines Gemüthes meinem K. K. Mauthhause sogleich den Rücken und bin meinem innersten Triebe gefolgt, und bin nun bei euch, ihr sicher weiseren Freunde, als wie da ist Unsereins. Erlaubet mir aber nun auch, daß ich dem Drange meines Gefühles nach bei euch mich wenigstens so lange aufhalten darf, als bis ich durch euere Güte und Weisheit so viel Einsicht erlangen werde, um einzusehen, das ich bisher wirklich nicht eingesehen habe, wo und was ich denn hier so ganz eigentlich bin. Ob das Wirklichkeit oder ob das etwa blos nur so ein ewiger Traum ist? Lebe ich noch auf der Erde? was ich stets mehr bezweifle, und mich auch stets mehr und mehr Wunder nimmt, daß ich bei so verschiedenartigen von der wirklichen Erdnatur gänzlich abweichenden Erscheinungen es nicht noch beiweitem mehr bezweifle. So es euch möglich ist, was ich durchaus nicht bezweifle, da zündet mir in meinem Gehirnkasten so ein kleines Lichtlein an!"

201. Kapitel: Der Steuereinnehmer wird von Jesus aufgenommen und belehrt, der Sergeant zurückgewiesen. Missionsgang des Paulus ins Haus 'Zum guten Hirten'.

01 Rede Ich: „O ja, das thun wir recht gerne! was in unsern Kräften steht, das werden wir auch sicher thun; nur mußt auch du dann deinen Theil zu verrichten nicht unterlassen! Bleibe also deinem Wunsche nach bei uns, und gebe auf Alles acht, was wir reden und thun werden, und thue das, was dir gut dünken wird, und du wirst auf diese Art bald ins Klare kommen."

02 Hier tritt auch unser Serschant vor, und fragt: „Freund! darf auch ich bleiben? denn ich habe mich auch eines etwas Bessern besonnen!" - Sage zu ihm: „Du bist wie ein Fuchs, und trauest dir viel zu; aber es wird nicht ein Jeder angenommen, der da kommt, und sagt: Freund, auch ich will bei dir bleiben! Der bei Mir bleiben will, der muß eines reineren Herzens sein denn du! Hast du doch nie an Christum geglaubt, wie möchtest du nun Dem folgen, Den du für einen verschmitzten Jesuiten hältst? Wir werden uns wohl noch einmal wo sehen, aber für jetzt wäre es für dich und dein Erkenntniß noch zu früh; daher gehe du nur wieder auf deinen K. K. Posten zurück, und gebe zuerst dem Kaiser das Seine, und sehe, wie du dann Gott das Seine geben wirst! Es stehet aber geschrieben: Zu der Zeit aber werden Zwei in einer Mühle sein, der Eine wird angenommen, und der Andere belassen werden; und Zwei werden auf dem Felde sein, der Eine wird angenommen, und der Andere am Felde belassen werden. Du wardst geladen, und fandst es nicht der Mühe Werth, der Einladung zu folgen; darum werden die an den Straßen und Zäunen eher zu Mir kommen, und ein Gastmahl halten mit Mir, denn die zuerst Geladenen."

03 Spricht der Serschant: „Bei der Sprach' wird's einem ehrlichen Menschen ohnehin übel, und somit Gott befohlen!" - Hier geht der Serschant wieder auf seinen Posten zurück, natürlich schimpfend.

04 Der Verz.-St.-Einnehmer aber sagt: „Das hätt' ich von diesem Menschen nicht geglaubet, daß er so widerchristlicher Art wäre. Es ist wohl schwer, Christum für den allmächtigen Gott anzunehmen, da man unter dem Begriffe Gott etwas zu unendlich Großes und heiligst Erhabenstes sich vorstellet; während Christus doch nur ganz vollkommen ein Mensch war, so wie ein jedweder andere Mensch, nur mit dem Unterschiede, daß Er mit dem Geiste Gottes sehr erfüllt war; mehr noch denn ein Moses, Samuel, Elias und noch eine Menge andere Profeten. Aber Christum ganz zu verwerfen, ihm nicht einmal die Würde eines Weisen, Der Er doch sicherst war, zukommen zu lassen, das ist etwas zu stark!"

05 Sage Ich: „Gut, gut, was aber hältst du von Christo?" - Spricht der Annehmer: „O, ich halte Ihn so lange für das höchste Gottwesen, als bis sich nicht irgend ein anderer größerer, besserer und vollkommenerer Gott wird auffinden lassen. Denn mit einem Gotte, Der zu endlos großen Wesens ist, und den daher auch nie ein geschaffenes endliches Wesen erschauen wird können, ist mir wahrlich wenig gedient. Christus ja, der ist mir schon recht; aber irgendwo ein unendlich großer Gott Vater, oder ein noch unbegreiflicher heiliger Geist können von mir aus sein wie sie wollen, mich werden sie nie scheniren. Ich halte mich einmal an Christum; das andere wird dann schon Er machen!"

06 Sage Ich: „Nun recht, recht so; halte dich nur recht an Ihn, so fest als dir nur immer möglich; alles Andere wird sich dann schon von selbst finden und machen lassen. Nun aber kommt Petrus aus dem Hause; wir wollen hören, welche Effekte er darinnen zuwege gebracht hat." - Spricht Petr.: „Herr, wahrlich, da sieht es schlimm aus; ohne Gericht wird sich da wenig bezwecken lassen! Denn da giebt es eine Verstocktheit, eine Blindheit und einen Wahn, der selbst in Sodom und Gomorrha kaum anzutreffen gewesen sein möchte, als Du, o Herr, sie mit Schwefel vom Himmel vernichtet hast. Wäre ich angreifbar, wahrlich diese Brut da drin hätte mich in die kleinsten Stücke zerrissen. Herr, die Kranken bedürfen eines kuriosen Arztes, und einer eben so kuriosen Medizin."

07 Sage Ich: „Nun, gut denn, so lassen wir sie, aufdringen werden wir uns Niemanden; und so ziehen wir weiter!" - Spricht Robert: „O Wien, o Wien! auch du hast gerichtet, die zu dir gesandt waren; der Herr vergebe es dir! Ich werde keine Rache je an dir nehmen; aber da du des Herrn vergessen willst, da du dich mächtig wähnest durch die Gewalt deiner Wehrmänner und ihrer Waffen, so wirst du sehr gewaltig heimgesucht werden. Du magst den Herrn nicht annehmen, so Er dich heimsucht, und dich heilen will; darum aber wird eine große Trübsal über dich kommen, und eine große Noth und Schmach; und du wirst dann rufen: Herr, Herr, helfe mir! Aber der Herr wird verziehen, und die Hilfe wird dir zu spät werden." - Rede Ich: „Ja, ja, du sollst recht haben! Ich will hier auf diesem Wege nicht vorsehen, sondern es nehmen, wie wir's hier finden werden; aber solle uns allenthalben ein solcher Empfang werden, dann Robert sollst du vollends recht haben." (Am 8. Juni 1850)

08 Wir begeben uns nun weiter, und kommen bald wieder zu einem Hause, wo an der Außenmauer ein guter Hirte aufgemalet ist, und die Helena sagt: „Herr! sieh', hier heißt es zum guten Hirten; unter solch einem guten Aushängeschild dürften vielleicht etwas bessere Geister hausen!" - Sage Ich: „Ich will nicht vorsehen, gehet aber hinein, und erforschet es!" - Spr. der Einnehmer: „Meines schwachen Wissens hat dieß nie noch etwas Besonderes beherberget; ich meine, das wird noch schlechter bestellet sein als das frühere." - Spr. Robert: „Einen Versuch können wir ja wagen, was kann uns geschehen?"

09 Sagt Johannes: „So ihr wollt, will ich das Haus betreten." - Sagt Paulus: „Bruder im Herrn! mit Heiden kann ich am wirksamsten umgehen; daher lasse mich hier einen Versuch machen; denn du, mein geliebtester Bruder, bist viel zu sanft gegenüber solchen Wesen, und würdest auch wenig ausrichten; ich aber bin etwas barsch und ernst, und verlange, wo du zu bitten pflegest. So hier noch was zu richten ist, da werde ich sicher nicht leer ausgehen. Richte ich aber nichts, so werdet ihr, du und Petrus, auch nichts ausrichten." - Spricht Johs.: „Lieber Bruder im Herrn! sehr gerne gönne ich dir dieß Geschäfte im Hause Roberts; aber ich meine, daß hier auch deine Schritte vergeblich sein werden; denn wo die Liebe leer ausgeht, da geht der Ernst noch leerer aus."

202. Kapitel: Paulus im Proletarierklub 'Zum guten Hirten'. Reden und Gegenreden. Der Apostel als Goldmacher. Inflationstheorie, Papiergeldschwindel und Lebenstaumel. Gleichnis vom Wettrennen.

01 Paulus geht nun ins Haus, und sagt darinnen zu einem Haufen Menschen, die gerade eine geheime Berathung halten, wie sie eine großartigste Demonstration gegen das Ministerium könnten ins Werk setzen (?!): „Der Friede sei mit euch, ich Apostel Paulus, ein Knecht Jesu Christi, vom Herrn Selbst zu euch gesandt, ermahne euch in aller Liebe und Geduld, und in der wahren christlichen Sanftmuth, die da ist ein rechtes Schild, und ein fester Schirm gegen jeden Feind, daß ihr ablasset von euren bösen nichts fruchtenden Berathungen, von euren höchst unlauteren Begierden und daraus hervorgehensollenden Werken. Kehret eure Herzen dem HErrn zu, und traget Ihm vereint eure Noth vor, und Er wird euch helfen wahrhaft. Noch weiß die Geschichte kein Beispiel, daß der Herr je Jemanden, so er sich ernstlich an Ihn gewendet hat, nicht erhöret hätte; und Er wird auch vor euch Sein Ohr und Herz nicht verschließen, so ihr in eurer Noth euch an Ihn wendet, und in euren Herzen saget: Herr! Du liebevollster heiliger Vater! helfe uns aus unserer großen Noth, denn wir sind ja auch Deine Kinder! So ihr also reden werdet, da auch wird der Herr mitten unter euch sein, und wird Jedem geben das Seinige. Bedenket, daß eine jede Menschenhilfe gar keine Hilfe ist, sondern oft nur ein größerer Schade, als so sie nie einem sie Suchenden zutheile geworden wäre. Suchet also die Hilfe bei Gott dem Herrn aller Herrlichkeit, und es wird euch für ewig wahrhaft geholfen werden."

02 Tritt Einer aus dem Haufen zum Paulus vor, und sagt: „Was willst du, verkappter Pfaffe, und sicheres Mitglied des verkappten Paulus-Vereines, der nun schon auf eine allerunverschämteste Weise sein Metier zu treiben anfängt? Sehe, daß du weiter kommst, sonst sollst du hier in optima forma Jesum Christum erst kennen lernen!" - Spricht Paulus: „Lieber Freund! ich sage dir, daß du und deine ganze Gesellschaft euch ja schon durch eine geraume Weile nicht mehr auf der Welt, sondern rein nur im Geisterreiche befindet, und thuet aber noch immer, als wäret ihr in eurem Fleische auf der finstersten Welt. Lasset euch ermahnen, und werdet des wahren Zustandes inne, in dem ihr euch befindet!"

03 Schreiet der Hervorgetretene: „Hinaus mit diesem Schmafuh - Pfaffen! Da schau't einmal so eine Figur an! itzt will uns der Kerl begreiflich machen, daß wir schon gestorben wären. Ah' da geht der Spaß zu weit; daß er sich für 'n Paulus ausgiebt, das ist sicher eine schwärmerische Finte des neuen Paulusvereins, und gehört offenbar ins Narrhaus; aber daß wir schon Geister seien, das ist zu viel auf einmal, darum hinaus mit solch einem besonderen Paulus!"

04 Spricht Paulus: „Höret, ich will euch noch ein Wort sagen, und darnach könnet ihr mich hinaustreiben, oder behalten, wie es euch frei belieben wird. Ich selbst, als ich zu Gottes Berufe zu Damaskus in Asien vor nahe 2000 Jahren zu einem Gesandten Christi ward, da geschah es mir nicht selten, daß ich eben so, wie nun bei euch hier, und manchmal wohl noch ärger angefallen wurde wegen der damals bei den Erzjuden und auch andern Völkerschaften sehr verhaßt gewordenen Jesu-Heilslehre; aber so ich zu Jemanden im Vertrauen sagte: Freund! prüfe die Lehre! und behalte davon, das dir gut dünkt! sie kostet dich ja nichts, als allein deinen Willen, und ein wenig Verstandes zur Prüfung. Und sehet, dadurch ward beruhigt so Mancher, der Mich im ersten Momente vor Wuth und Aerger gleich hätte zerreißen mögen, und wurde am Ende selbst ein Eiferer für Jesu Heil- und Lebenslehre. Und also sage ich denn nun auch zu euch: Prüfet eher an euch, was ich zu euch geredet habe, und habt ihr etwas gefunden, das sich an euch denn doch erwahren solle; was kann euch dann hindern, es anzunehmen, und für die Folge euer Leben darnach zu richten? So ihr dieß euer eben nicht zu glänzend glücklich aussehendes Leben gut wähnet, Jemand euch aber ein offenbar besseres bietet, wahrlich ihr müßtet ja rein besessen und von allen Sinnen sein, so ihr das, was ihr bei einiger Prüfung als besser findet, von euch weiset, und das viel minder Gute behieltet. Darum prüfet, prüfet! und dann erst urtheilet!

05 Was aber habe ich mit dem neuen Paulusvereine zu thun? Wahrlich, ich sage es euch: Ich als der wahre Paulus, und dieser neue Verein unter meinem Namen haben wohl nichts anderes mit einander gemein, als den an sich selbst ganz todten Namen; in der Lehre, und der zwecklichen Tendenz aber ist er von mir noch weiter entfernt, als der geistigste Himmel und die materiellste Erde. Mehr kann ich, als der wirkliche, lebendige und leibhaftige Paulus nicht sagen, und ihr könnet von diesem meinem Bekenntnisse hinreichend entnehmen, daß ich weder ein finsterer Pfaffe, und noch viel weniger ein Paulusvereinler bin. Prüfet aber Alles zuvor, und thuet dann erst, was ihr wollet, und was euch am besten bedürftet."

06 Sprechen nun Mehrere so recht proletarisch rauh: „Ja, ja, die Red' war' grad' so dumm nicht; aber zwei schlawutzige Sach'n sind denn doch noch dabei, und das ist, daß du der wirkliche Paulus sein willst, und daß wir schon g'storb'n wär'n, da hätten wir ja entweder gar keinen Leib mehr, und wären pure Geister, oder wir wären wohl etwa gar nicht mehr, was das Gewisseste ist. So du aber doch nicht blind bist, da mußt du's ja sehen, daß wir Alle ganz vollkommene Leiber haben, mit Haut, Haaren, Fleisch und Knochen. Oder haben denn deine Geister auch Leiber? Wann das, dann magst du recht haben, aber sonst wohl in Ewigkeit nicht."

07 Spricht Paulus: "Ich sagte aber ja zu euch: Prüfet! und es wird sich zeigen, ob ich zu euch eine Unwahrheit geredet habe." - Sprechen Mehrere: „Prüfen, prüfen, das ist leicht gesagt; aber wie? das ist eine andere Frage. Wie sollen wir denn das prüfen? sollen wir das etwa einem Minister unterbreiten?"

08 Spr. Paulus: „Habt ihr kein Geld bei euch?" - Sprechen die Andern: „Geld!? welch ein dumme Frage! Wie kämen denn wir und s'Geld etwa zusammen, und das in Wien noch dazu, wo schon lange gar kein Geld mehr existirt. Nein, ist aber das wieder eine dumme Frage von dir gewesen! Wien, wir, und s'Geld!? Das ist ja beinahe schon gar nicht mehr wahr, daß in Wien einmal ein Geld existirt hat, und wir sollen nun ein Geld haben. Lumpen ja; aber lange schon kein Geld mehr. Wanns dir mit so einem Geldfetzen gedient ist, so können wir damit schon aufwarten." - Spr. Paulus: „Lasset sehen, es solle sich zeigen, was sich daraus machen läßt!"

09 Sprechen die Redner des Klubs: „Schau du, der du schon durchaus der berühmte Paulus sein willst, wir werden itzt auch ein wenig heiligschriftisch mit dir reden. Petrus soll einmal vor der Pforte des Tempels zu Jerusalem zu einem lahmen Bettler gesagt haben, als dieser ihn um ein Almosen anredete: Mein Lieber, Gold und Silber habe ich nicht; aber was ich habe, das gebe ich dir. Sieh nun, du lieber Paulus, das sagen wir nun auch mit sehr vielen und tiefen Gründen: Gold und Silber haben wir schon lange keines mehr; aber was wir haben, nehmlich Fetzen, das geben wir dir. Petrus gab zwar dem Bettler die Gesundheit, die wir dir darum nicht geben können, weil du für's erste ohnehin kerngesund bist; und wärest du's auch nicht, so könnten wir dir keine geben, weil wir keine solche Heilkraft in uns besitzen. Da wir dir sonach weder wirklich's Geld, noch irgend eine Gesundheit geben können, so nehme denn hin unsren Gewinn, da ist nichts drin'n. Sieh, ein barer 10-Kreuzer-Fetzen. Verwandle ihn, so es dir möglich, in 10 Dukaten dafür, und rechne dann auf unsere besondere allseitige Dankbarkeit!"

10 Paulus nimmt den 10-Kreuzer-Zettel, und verwandelt ihn augenblicklich in wirklich 10 allerschönste und gewichtigste Dukaten. Die Klubisten staunen über die Maßen, und sagen: „Nein, Freund, du kannst schon mehr als Birnen braten allein. Ah das ist wirklich mehr als zu viel auf einmal! Das übersteigt schon alle Döbler's und Bosko's! Das wär' so ein Künstler nach dem Herzen des Ministers Kraus, und nach dem Herzen Rothschilds, und noch sehr vielen Millionen Herzen. Nein, hörst du, Paulus, mit deiner Kunst könntest du auf's öst'reich'sche Papier ein wahnsinnigs Agio zuwege bringen. Weißt du was, wir behalten dich! du bist uns wie aus allen Herzen zugleich erwünscht."

11 Spricht Paulus: „Nicht so, und deßhalb wollen wir in eine näh're Freundschaft treten, sondern auf daß ihr der Kraft Gottes des Herrn in mir gewahr werden möget, und daraus ersehen, daß ich euch kein Lügner und Betrüger bin. Ich verlangte von euch ein Geldstück, und ihr Alle hattet nicht einmal einen reellen Kreuzer; das zeigt auf euer Leben hin, das ihr noch für ein irdisch materielles haltet, das im Grunde aber nun dennoch trotz aller eurer eingebildeten Behauptung und allerirrigsten Meinung eben so wenig Materielles in sich enthält, als eure Tasche Goldes und Silbers;

12 aber ihr gabet mir dennoch in der 10-Kreuzer-Note ein rechtes Zeugniß über den Gehalt eures Lebens. Euer nunmaliges Leben gleicht ganz diesem schlechtesten Papiergelde, dessen innrer Werth natürlich so gut wie gar keiner ist, nur äußerlich hin gilt es auf eine gewisse Zeitdauer so wie diese 10-Kreuzer-Note. Wie aber nun auf der Welt die Papiergeldbesitzer nichts als Tag und Nacht spekuliren und simuliren, wie sie aus ihren vielen Kreditpapieren klingends Geld machen könnten, so auch thut ihr, und möchtet aus euren falschen in sich völlig werthlosen Leben ein wirkliche herausbeuteln. Aber eure Mühe ist eine rein vergebliche; denn alles Werthlose läßt sich durch ein abermals Werthloses unmöglich verwerthen. So ihr fürs Papier wieder Papier ausgebet oder einlöset, saget, welchen Werth hat dann das Papier? Ich sage es euch: Gar keinen; denn je mehr neues Papier fürs ältere gesetzt wird, desto werthloser werden beide;

13 und gerade so ist es auch mit dem Leben. Das irdische Leben ist ohnehin an und für sich völlig werthlos; sein Werth liegt lediglich darin, daß man durch eine rechte und kluge Spekulation für's irdische nur scheinbare Leben ein wirkliches aus der göttlichen Lebenswechselbank erhalten kann. So ich aber das irdische Leben nur dadurch verwerthen will, um diesseits wieder in ein noch schlechteres und leereres Leben einzugehen, so nehme ich 's schlechte Papier für's bessre frühere, und bin somit ein Narr, und ein unsinnigster Spekulant.

14 Habt ihr aber noch nie ein Wettrennen gesehen, wo gute Läufer innerhalb gewisser Schranken einen Rundlauf machen, eines rechten Preises wegen, den Derjenige erhält, der natürlich am schnellsten laufen kann; und somit am ersten das bestimmte Preisziel erreicht. Ich sage es euch: Viele laufen in den Schranken; aber nur Einer bekommt den Preis. Ist denn der Preis nur dem Einen bestimmt? o, das sei ferne! Der Preis gilt Allen; aber die sich die Mühe des besseren Laufens nicht nehmen, die müssen sichs denn am Ende selbst zuschreiben, so sie leer ausgehen. Ich aber sage euch: Laufet Alle, der Preis ist groß, und reicht für Alle hin. So ihr aber gut laufen wollet, da müsset ihr aller eitlen dummen Dinge ledig sein, auf daß euch nichts im Laufe hindere, und die Füße nicht vor der Zeit beschwere und müde mache. Der Lauf ist ein ordentlicher Kampf; der aber da kämpfet, der kämpfe vollen Ernstes aufs Bestimmte und Gewisse hin, und haue mit seinem Schwerte nicht in die leere Luft. Der Gewinn ist eine gute Sache; aber der ihn nicht ernstlich mit aller Mühe anstrebt, bleibt ein armer Teufel ewig.

15 Ich machte aber auf euer Verlangen aus der 10-Kreuzer-Note 10 gute Goldstücke, und ihr habt darüber eine große Freude! Ich that das aber durch meine geheime Kraft, nicht um euch zu 10 Dukaten zu verhelfen, sondern um euch zu zeigen, was sich auch aus eurem papierenen Leben machen ließe, so ihr darnach auch so, wie nach den 10 Stück Dukaten in euch ein Verlangen trüget. Denn euer hiesiges materiell scheinendes Leben gleicht ganz der 10-Kreuzer-Note, die wohl einen fingirten, und durch die Umstände genöthigten, aber keinen reellen Werth inne hat, weil sie an und für sich nichts ist, und auch nichts Reelles im Rücken zur Deckung ihres Rennwerthes besitzt, auf das Derjenige, der sie in ihrem Nennwerthe annimmt, Rechnung machen könnte. Kann aber Jemand, wie ich, hinter diese Note 10 reelle Dukaten legen, dann freilich wird sie ein hohes Agio erhalten, wie ihr es selbst bemerket habt; so lasset denn auch ihr euch umwandeln; werfet von euch alles Eitle, Leere, Nichtige! machet leicht eure Füße, und tretet an - den Wettlauf nach des wahren Lebens Ziele, und es solle euch an meiner Seite ein rechter Preis werden!"

203. Kapitel: Die gewonnenen sechs Geister. Werbung des Paulus um die übrigen. Über die Zeit der besonderen Gnade und die verblendende Fleischeslust. (Am 11. Juni 1850)

01 Spricht der zuerst hervorgetretene Klubist zu den Andern: „Reden thät er aber schon wie a Buch; und so a bischen auf die Schwarzkunst verstünde er sich auch, und ein prächtig's G'müd häd er auch, und so närrisch sonst das Ding auch klingt, daß er uns für Geister, und ihn selbst für'n Apostl Paulus hält; aber wißt's, so ganz leer scheint solche seine Behauptung nicht zu sein; denn mir ist auch schon so manch's aufg'fall'n, was i euch nit hab' sagen woll'n, weil's euch so wie mich g'wiß sehr stark schenirt hätt'. Aber d' Sach ist amal so, und wir können's leid'r nicht anders mache. Darum mon i halt: Wir soll'n grod diesem Paul folg'n; denn schlecht maont er's nicht mit uns."

02 Sagen Einige: „Ja, ja, probiren können wir's ja; was kann uns dabei g'scheh'n? Ist was dran, nun, so kann's nichts Schlecht's sein; und ist nichts d'ran, so hab'n wir nichts verlor'n. Also gut, wir Fünfe sind mit dir einverstanden; was die Andern, die sich noch nicht erklärt hab'n, machen wollen, das geht uns natürlich nichts an; wir aber sind einmal dabei." - Sagt der Erste: „Wann nur noch aner wär', so machetmer grod die heil'ge Zahl aus. Nun, hat denn von euch keiner a Lust mehr dazu?"

03 Tritt Einer aus der Menge hervor, und sagt: „Nun weil ich aus Allen, die nicht mit euch stimmen, der Dummste bin, so will ich in eure heil'ge Zahl treten; und wären nun „die sieben Schwaben" wieder beisammen. Aber das müßt ihr mir schon erlauben, daß ich als der Letzte hinter euch einhergehe, und zu euch sage: Jockele, geh du voran, du hast jo Stifln an! Wißt's aber, was die heilige Zahl bedeutet? Ich seh' schon, daß ihr's nicht wißt, d'rum will ich euch's sage. Seht, Sieben bedeutet einen Esel; zwei Eselsohren, zwei ditto Augen, zwei ditto Naselöcher und ein Eselsmaul, macht gerade sieben; ich glaube, daß uns keines dieser theuern Stücke fehlet, und so sind wir denn auch ganz geeignet, alles das für bare Münze anzunehmen, was uns dieser wahrlich aus den Wolken gefallene Paulus sagt. Nur zu! so lange es gut geht, bin ich überall dabei; wann's aber dann schief zu gehen anfängt, so werde ich als nun Letzter beim Umkehren sicher der Erste sein; wie es auch irgendwo in einem Evangelium heißt: Und so werden dann die Ersten die Letzten, und die Letzten die Ersten sein, nehmlich beim Davonlaufen.

04 Ihr wisset, daß ich stets ein lustiger Kauz war und noch bin; aber daß wir schon gestorben sein soll'n, das geht mir nicht ein; denn wir müßten da ja doch etwas wissen davon. Denn das Sterben ist ja doch keine gar so unbedeutende Sache, daß sie der Betreffende gar so total vergessen solle können. Aber sei ihm nun, wie's ihm wolle, ich bin beim Dummwerden nun einmal dabei, und so sei es denn! Um 10 Dukaten für ein lumpig's 10-Kreuzer-Stück kann man ja wohl so etwas mitmachen. Ich hätte selbst noch so ein halb's Dutzend solcher 10-Kreuzer-Fetzen; vielleicht verwandelt's mir der gute Eskamotör Paul auch per Kreuzer in Goldstücke. Wenn das, da bin ich dann vollends zufrieden."

05 Hier wendet sich dieser Siebente an Paulus und spricht: „Höre, du lieber guter Freund, der du das sonderbare Vermögen besitzest, Papier in reines gediegenes Gold zu verwandeln, und zwar auf die Art, daß aus 10-Kreuzer-Scheinwerth 10 Dukaten werden; sieh, ich habe hier gerade 6 solcher Zehnkreuzer-Fetzen; möchtest du sie mir nicht auch in Goldstücke umschaffen?" - Spricht Paulus: „Warum denn nicht, so es dir nach deiner freilich offenbar höchstblinden Meinung damit gedienet ist. Wo hast du deine Fetzen?"

06 Sagt der Siebente: „Hier sind sie schon nahe jeden Zusammenhanges ledig." - Paulus rühret sie an, und es werden in dem Augenblicke 60 Dukaten daraus. Der Siebente sinkt nahe bis zum Boden vor Verwunderung, und sagt nach einer ziemlichen Staunensweile: „Ja, jetzt ist es klar, das ist ein Wunder in optima forma. Denn beim früheren dachte ich, daß du, um uns in unseren Meinungen über dich gewisser Art breit zu schlagen, blos so ein Bosko'isches Trugstückchen produziert hast; aber da höret des Bosko Kunst auf, und an ihre Stelle tritt ein reines Wunder. In meiner Hand aus den 6 Zehnkreuzer-Fetzen augenblicklich 60 Dukaten herzaubern! das geht über den Horizont alles menschlichen Wissens himmelweit hinaus. Jetzt aber glaube ich auch an die sämtlichen Wunderwerke Christi; ihre Möglichkeit liegt vor meinen Augen auf meiner rechten Hand, und so glaube ich nun Alles, was ich sonst ewig nie hätte glauben können. Sehe du guter Mann Paulus, nun glaube ich auch, daß du im Ernste der eigentliche und wahrhaftigste Paulus bist, wie auch, daß wir schon im Ernste gestorben sind."

07 Sagt der zuerst Hervorgetretene: „Ja, ja, der Meinung bin ich nun auch ganz festweg; aber wahrlich nicht so sehr dieses Wunderwerkes wegen, als vielmehr seiner frühern Rede wegen, die er, als wir ihn wegen der neupaulusvereinlichen Verdächtigung hinaus schoppten, an uns gerichtet hat; denn da hat wirklich der alte Paulus, wie er einst mag geleibt und gelebt haben, haufenweise groß und stark herausgeleuchtet. Mir ist die Rede erst nach und nach so recht in den Leib gedrungen, und jemehr ich bei mir darüber nachdenke, desto mehr Paulus finde ich darinnen, und desto mehr Wahrheit. Das Dukatenmachen aus den Fetzen ist wohl sehr blendend und breitschlagend; obs aber deßhalb auch gut und wahr ist, das ist eine ganz andere Frage. Ich setze den Fall, daß wir schon ganz sicher in der Welt der Geister uns befinden, in der doch sicher allerlei zauberhafte Dinge zum Vorscheine kommen dürften, da wäre es mit dem Dukatenmachen ein Spaß. Denn der gute Paulus darf sich recht fest zum Beispiele 100 oder 1000 Dukaten denken, und da die Geister Gedanken sehen können, so werden auch wir, so wir im Ernste Geister sind, des Paulus Dukatengedanken beschauen können."

08 Sagt der Siebente: „Ja, aber wie kommt es denn, daß wir als Geister auch schon seit einer geraumen Zeit her uns mit lauter klingenden Gedanken beschäftigten, und es kam anstatt der Fetzen auch nicht ein schlechtester kupferner Pfennig zum Vorscheine, geschweige ein Dukaten. Siehst du, da bin ich mit dir nicht so ganz einverstanden; es muß also hinter der Pauli'schen Dukatenmacherei ganz was anderes stecken, als blos nur feste Dukatengedanken."

09 Sagt der Erste: „Ist nicht in Abrede zu stellen; aber dabei bleibe ich dennoch stehen, daß seine Rede besser war als seine Dukatenmacherei." - Sagt der Siebente: „Allerdings; aber er hat in seiner Rede eben gar herrlich auch gezeiget, was so ganz eigentlich seine Dukatenmacherei für uns bedeutet, und wir können sie sonach so ziemlich der Rede gleichstellen."

10 Spricht Paulus: „Eure ganze Gesellschaft besteht aus 120 Menschen; sieben haben sich meinen Worten und Thaten gefügt; somit blieben noch 113, die sich nicht gefügt haben; was ist mit ihnen?" - Sagt Einer aus den 113: „Wir bleiben, und brauchen nichts mehr von deiner Lehre, und von deinem Golde."

11 Spricht Paulus,: „Nun ist geöffnet die Pforte zum Reiche Gottes; wer da hinein will, der wird auch hinein kommen; wer aber nun nicht will, der wird dann, so die große Pforte der besondern Gnade wieder geschlossen wird, schwer hineinkommen. Denn obschon der Herr stets unveränderlich ist in Seiner Liebe und großen Erbarmung gegen und für alle Seine Geschöpfe und Kinder, so ist Er aber dennoch in der Gabe Seiner besondern Gnade nicht allzeitig gleich; denn für's erste giebt Er diese nicht jedermann gleich, und nicht jedweder bekommt sie, sondern nur Wenige, die da erwählet sind vom Anfange an, und dazu schon also geschaffen und zugerichtet, die besondere Gnade in sich ohne Nachtheil für ihr Sein fassen und ertragen zu können. Aber zu allen Zeiten sind die Profeten nicht da; nicht jedes Erdjahr bringet seine eigenen zum Vorscheine; da gilt es kaum von 100 zu 100 Jahren irdischer Zeitrechnung für die Zulassung besonderer Gnaden in den Profeten, die da sind nach dem Willen des Herrn aus Seiner besondern Gnade, auf daß sie schauen Dinge des Geistes, und hören das Wort aus dem Munde Gottes, und dann verkünden beiden - den Schwachen und den Blinden der Erde; damit diese denn auch selig werden mögen, und eingehen in die Gnadenhimmel Gottes.

12 Und also höret ihr Tauben! und sehet ihr Blinden! nun ist wieder eine solche zugelassene Epoche der besondern Gnade Gottes des Herrn; Boten aus den höchsten Himmeln durchziehen nach allen Richtungen die unteren und untersten Sfären der finstern Geisterwelt; ja der Herr Selbst thut dasselbe, um die Unglücklichen glücklich zu machen; und auf der Erde, und in allen Weltkörpern werden nun besondere Profeten und Knechte des Herrn erwecket, und geben den andern Menschen das Licht und das Wort aus den Himmeln.

13 Aber leider kehren sich nur Wenige daran; viele aber thun, was ihr thut: sie lachen den Profeten ins Gesicht, und spotten ihrer, oder drohen ihnen gar. Aber diese Zeit wird bald wieder vergehen, und die besondere große Gnadenpforte Gottes wird wieder auf lange hin verschlossen werden den Kindern der Welt, und des Gerichtes, und so ihr dann rufen werdet in eurer großen Noth, da wird euch keine Antwort werden, und so ihr auch suchen werdet, da werdet ihr aber dennoch nichts finden, und durch all euer Bitten und Flehen werdet ihr dann nichts bekommen. Jetzt aber, da noch die Zeit der besonderen Gnade währet, brauchet ihr weder zu suchen, noch zu rufen, zu bitten und zu pochen, sondern blos einfach zu wollen nur, und ihr werdet angenommen; denn nun werdet ihr gerufen, gesucht, gebeten, und an die Thüre eures Herzens wird von uns aus gepochet, und ihr brauchet blos ernstlich „herein" zu sagen, und die Aufnahme ins Gottes-Reich ist bewerkstelligt. Was wollet ihr mehr? Nun thut der Herr Alles, das ihr wollet zu eurer Beseligung für ewig; aber nach dem baldigen Ablaufe dieser besonderen Gnadenzeit werdet ihr alles Mögliche thun können, und werdet dennoch nichts erlangen, wie ich es euch schon im Verlaufe dieser meiner Belehrung und Beredung gezeiget habe.

14 Aber ich sehe euren Sinn, und darnach wollet ihr nicht dem Geiste angehören, und nicht folgen seiner sanften Stimme aus den geöffneten Himmeln, weil ihr auf die todte Stimme eures vermeintlichen Fleisches höret, und wollet Weiber, um mit ihnen den Rest eures Lebens zu verbuhlen. Aber eure bocksgaile Gestalt will den Weibern nicht mehr gefallen, und nach denen ihr gieret wie eine Hyäne nach einem Leichname, die haben vor euch einen Ekel wie vor der Pest; und die an euch noch irgend ein Vergnügen fänden, die wollen eurem Sinne nicht behagen, weil ihr zu gaile Fleischböcke seid, und nur junges und fettes Fleisch wollt.

15 Wartet aber nur noch ein wenig; denn diese besondere Gnadenzeit wird nimmer lange währen, und es werden dann Weiber über euch kommen, denen ihr werdet dienen über alle die Maßen. Da werdet ihr dann zu heulen und zu weheklagen anfangen, und werdet euch vom Fleische der Weiber entfernen wollen; aber all euer Bestreben und all euer Heulen und Weheklagen wird dann vergeblich sein. Die Weiber werden um euere Lenden glühende Fesseln aus Schlangen gemacht, schlagen, und werden euch also versenken in die Grube des Verderbens für ewig, daraus euch dann auch keine künftige Gnadenzeit mehr wird befreien können. Wehe euch und Jedem hier in der Geisterwelt, wie auch jedem Gailbocke auf der Welt, so er seinen Sinn von der Gnade abwendet, und seine Augen nach dem fetten und jungen Fleische der Weiber richtet! Wahrlich wahr, so wahr ein Gott lebet, und so wahr Sein Wort durch meinen Mund nun an euch ergehet, so wahr und gewiß wird, das eurer Gailheit nun wie ein Himmel voll Lust und Wonne sich zeiget, und euer Herz verlocket, in aller Kürze für euch und für alle, eures Gleichen eine Hölle gräßlichster Art werden.

16 Ihr schimpfet darum auch in einem fort über die Regierungen der weltlichen Fürsten, weil ihr Aufwand zu viel der Schätze benöthigt, und ihr dabei zu kurz kommet; aber dieß Zu-kurz-Kommen schenirt euch nur hauptsächlich eures zu unbefriedigten Fleisches wegen. Hättet ihr Millionen, bei Gott dem Herrn, euch wäre jede Regierung recht; denn da würdet ihr euch schon einen Fleischhimmel non plus ultra einrichten können; aber weil eure Finanzen nicht auslangen, und ihr gewisserart mit den Schweinen die gemeinen Treber speisen müsset, und das nur selten, so seid ihr darob voll Grimmes gegen die Fürsten, die da die schönsten Weiber haben können, so viel sie nur wollen, mögen und können.

17 Aber das sehet ihr nicht ein, daß das Gott der Herr Selbst also anordnet und geschehen läßt, auf daß ihr zu euch kommen sollet, und erkennen, daß euch Gott der Herr für etwas Besseres erschaffen und bestimmet hat, als blos für die gailsten Werke des Fleisches nur, die der Mann wohl auch, so lange er auf einer Welt lebt, im wahren Fleische des Todes, zu verrichten hat, nach weisem Ziele und Maße, aber nie anzusehen hat als eine Bestimmung seines Seins, sondern als eine zufällige allzeit nüchterne natürliche Verrichtung, wie es deren zur Bedienung des zeitweiligen todten Fleisches mehrere giebt, von all denen diese die unwesentlichste ist.

18 Denn wer da auf einer Welt es thut nach Maß und Ziel, der thut wohl; wer's aber ganz unterläßt, der thut besser. Denn der Herr gab diesen Sinn dem Fleische nicht zu einem Bedürfnisse, sondern als eine Eigenschaft zum nüchternsten und weisesten Gebrauche. Wer aber daraus ein Bedürfniß sich macht, der ist ein elender Sünder, und die Gnade Gottes weicht aus seinem Herzen, da er dem stummen Gesetze des Fleisches gehorcht, und ihm in diesem Gehorsame einen Himmel der Böcke und Hunde nach der Gerechtigkeit des Todes und des Gerichtes erbaut.

19 Fasset es, wer es fassen kann! Wer immer an einem Gesetze, auf dem ein Gericht lastet, eine Wollust findet, und das Gesetz der Wollust wegen beobachtet und darnach thut, der hat das Gericht schon in ihm; wer aber das Gericht in sich trägt, der ist ein Sklave, und ist für die Freiheit in Gott und aller Wahrheit verflucht.

20 Und darum sollet ihr über dem Gesetze des Fleisches stehen, durch die freie Macht der Selbstverleugnung und durch die Liebe und den lebendigen Glauben an Gott den Herrn, auf daß ihr alles Gesetzes und alles Gerichtes ledig werden möget; denn ein Sklave des Gesetzes, ob natürlich oder moralisch, kann in das Reich Gottes nicht eher eingehen, als bis er jedes Gesetzes ledig geworden ist; denn Niemand wird nach dem Gesetze gerichtet; denn das Gesetz selbst ist schon das Gericht; nur wer sich in der Liebe zu Gott über alles Gesetz frei erhebt, der wird auch frei werden in Gott, und in aller Wahrheit; denn die Liebe in Gott ist die alleinige Wahrheit.

21 Nun habet ihr es Alle gehöret, und Niemand kann sich entschuldigen, als ob er es nicht vernommen hätte; thuet daher nun, das euch bestens bedünket!"

204. Kapitel: Gute Antwort Eines aus der Schar. Letzte Worte des Paulus an die Hartnäckigen. Der lustige Wiener und die derben Tiroler. Paulus ordnet den Wiener. Alle ziehen weiter. Die Ahnen des Hauses Habsburg in der Kapuzinergruft. (Am 14. Juni 1850)

01 Sagt Einer aus der Mitte der 113: „Diese Rede war gewichtig, und deckt mir manches Geheimniß des Lebens auf; denn wer am Gesetze hängt, der hängt auch wie am Galgen des Geistes, und die Sünde wie nach ihr die Strafe, sind nichts als Kinder des Gesetzes; je mehr es irgend Gesetze giebt, desto mehr giebt es auch Uebertretungen und Strafen. - Warum sind denn nun in Europa nahe alle Kerker mit Verbrechern angestopfet? Weil die Belagerungsstände eine Menge neuer Gesetze erfunden haben, und die Menschheit - der allgemeinen Ordnung und Vermögens- und Lebenssicherheit wegen zur Darnachachtung genöthigt, - hat aber vom Anfange an dieses Joch abschütteln wollen, und so sind die Menschen dann dafür in die Löcher hineingeschüttelt worden, und sind richtig durch das Gesetz verflucht zur Strafe. Das Gesetz ist für Gesellschaften zwar nöthig, aber dabei doch stets ein Uebel und ein Fluch in der Gesellschaft.

02 Denn wären die Menschen, wie sie sein sollen - als wahre Menschen, da benöthigten sie sicher keines Gesetzes, und stünden dadurch weit über jedem Gesetze; aber da die Menschen eigentlich, wie die allzeitigen Erfahrungen es nur zu hell zeigen und gezeiget haben, mehr Thiere und oft von der bösesten Art, als Menschen sind, so bedarf es da freilich auch entsprechender Gesetze, durch die die wilden Leidenschaften der bildungslosen Menschheit gezügelt und gebändigt werden. Was wäre eine Schule ohne Schulgesetze? Was eine große Menschengesellschaft ohne dieselben! Daher müssen wohl Gesetze sein, als ein Uebel gegen ein anderes Uebel; aber demungeachtet läßt sich immer eine weise Gesellschaft von Menschen denken, die keine Gesetze bedarf, und dadurch auch vollends frei und glücklich ist und sein muß. Das also sehen wir Alle hoffentlich recht gut ein, und können diesem Paulus nur alles Recht zu- und nachsagen.

03 Aber wie kann sich ein Mensch, oder 100 Menschen von noch so verschiedener Weisheit übers Gesetz hinaussetzen, mag das Gesetz ein natürliches, oder ein moralisches, oder politisches sein? Hält man das Gesetz, so ist man doch offenbar ein Sklave des Gesetzes; und hält man es nicht, und setzet sich darüber hinaus, so wird man vom Gesetze vor's Gericht gezogen, allwo Einem des Gesetzes Fluch zu Theile wird. Macht man aber das Gesetz gewisserart zur zweiten Lebensnatur, und hat an der Erfüllung desselben eine förmliche Lust, gleich wie ein Scharfrichter an der Hinrichtung eines armen Sünders, auf die sich mancher Henker oft schon Wochen lange freut, so ist man dadurch sich selbst zum lebendigen Gesetze geworden, und weil das Gesetz selbst ein Fluch ist dem Menschen, so muß ja denn auch ein Mensch, der es zum Selbstgesetze gebracht hat, der hartnäckigste Fluch sein. Wahrlich, da heißt es wohl: Herr! wer wird mich vom Gesetze je erlösen können?!

04 Wir sind aus lauter Soll und Muß zusammengesetzt. Das Muß ist rein des Teufels, und das Soll ist nun nicht vieles besser; denn was einmal geschehen muß nach dem Willen einer allmächtigen Gottheit, das ist schon gerichtet; was aber als dem eigenen menschlichen freien Willen anheimgestellet geschehen soll, das ist zwar noch nicht gerichtet, aber es stehet in der beständigen Erwartung des Gerichtes.

05 Nun frage ich euch als einer eurer besten Freunde: - Was thun wir, oder was wollen wir thun? Dieser Mensch mit dem Apostelnamen, oder meinetwegen auch derselbe Apostel selbst, so wir hier schon durchaus in der Geisterwelt uns befinden müssen (was mir im Grunde, offen gesagt, gar nicht unangenehm wäre; denn der Gedanke an den Tod war doch stets meine größte Qual) hat uns diese Geschichte wahrlich sehr klar und wahr auseinander gesetzt. Was ist's denn? folgen wir ihm. In die Hölle, die es sicher nirgends giebt, wird er uns nicht führen, und vor kein Gericht auch nicht, und so können wir ihm folgen ja auf die Gasse hinaus; da wird sich's wohl zeigen dann, was er eigentlich mit uns will."

06 Sagen die Andern: „Ja, ja, wenn wir schon wirklich in der lieben Ewigkeit sein sollen(?), da wär' es sogar dumm von uns, wenn wir einem g'scheidten Kampl von einem Paulus nicht folgen möchten. Nun, und g'fällt es uns draußen nicht, da können wir ja immer wieder umkehren; denn gezwungen können wir draußen doch ebenso wenig werden, als wie herinnen."

07 Spricht nun wieder Paulus, der sich unterdessen ganz ruhig verhielt: „So frei ihr hier seid, eben so frei, und noch um vieles freier sollet ihr in dem Befolgen meiner Lehre, und meines guten Rathes an euch Alle sein. Ich sage euch Allen, meinen lieben Brüdern in Gott dem Herrn: Was verlieret ihr eigentlich hier, so ihr diese Stube verlasset? nichts als eine ekelich leere Erwartung einiger gailer Dirnen, die euch blos eure dumm, d. i. so viel als blind erhitzte Einbildung vormalt, sonst aber für euch und für gar viele eures Gleichen in solchem naturmäßigen Zustande nirgends in der Wirklichkeit weder zu finden und noch viel weniger zu haben sind. Was ist ein leerstes Fantasiebild gegen die Wahrheit? Ich aber will euch für all das ekelhafte Leere die vollste Wahrheit geben; was solle euch denn hernach noch abhalten können, mir zu folgen in die heiligen Sfären des Lichtes, der Wahrheit und des Lebens, welches ist die Liebe in Gott, der da ist Christus, der Ewige, der Wahrhaftige.

08 Ihr seid nun schon eine geraume Weile leibesledig hier, in eurer einbilderischen Erwartung; aber welche Erfolge sind euch geworden? Sehet! gar keine, außer daß sich euch dann und wann ein nebliches Gebilde irgend eines weiblichen Wesens auf einige Augenblicke gezeiget hat, und dann wieder in nichts verrann. Diese Augenblicke sind aber auch alles, was ihr hier als euch Beseligendes aufzuweisen habt; nicht einmal einen schlechtesten Wein, und nicht einen Bissen Brodes, und kurz gar nichts habt ihr noch genossen, und dennoch wolltet ihr anfangs nichts hören vom Verlassen dieses leeren Ortes, der zu sonst nichts taugt, als zum noch dummer und noch elender werden, als ihr es ohnehin schon lange seid.

09 Aber wohl euch nun, daß ihr in euch den guten Entschluß gefaßt habt, mir zu folgen; denn nun werdet ihr erst dahin gelangen, wo die Urwahrheit und Urwirklichkeit alles Seins und Bestehens zu Hause ist. In aller Welt ist alles Lüge und Täuschung, das euch je irgendwo vorgekommen ist; euer Leben selbst, euer Besitze eure Wissenschaft, alle eure Künste, und Schätze, nichts als Lüge und Trug war es; und wäre die materielle Welt was Besseres, so müßte sie beständig sein, wie die Wahrheit selbst für ewig eine und dieselbe beständig ist und bleibet; was aber bleibet in der Welt als beständig? Ich sage es euch - nicht einmal „das Wort Gottes! Denn auch dieses wird so viel nur immer möglich von der Lüge der Welt durchtrübet, und dann in allerlei Dummes, Falsches und Böses verkehret. Darum ist es aber den Menschen verhüllt gegeben, auf daß es in seinem Heiligsten nicht verunreinigt werden kann. Die Welt ist nichts als eine gerichtete Lüge, auf eine bestimmte Probezeit; so diese beim Menschen aufhört, dann erst beginnt das Gottesreich der ewigen Wahrheit. Und so machet denn nun auch ihr in euch der Welt ein Ende, auf daß dann in euch das Gottesreich anfangen kann Platz zu greifen. Und so denn folget mir Alle!"

10 Sagt Einer, der seiner Natur nach eines guten Humors ist, stets mehr lustig als traurig. „So 'leb' denn wohl du stilles Haus, wir zieh'n von dir vergnügt hinaus! Sollten wir uns irgend wann in der allerliebsten Ewigkeit wiedersehen, so werden uns beiden die Augen offen stehen. O du liebes Gebäude du! wie schön haben wir in dir Hunger und Durst, und an durchaus keinem Geldüberflusse gelitten; ja, wie oft sind wir vor allerlei Rührung zwischen deinen 4 Wänden zu Thränen gekommen, an denen aus purer freisinniger Oekonomie nur zwei schmale und niedere Fenster angebracht sind, jedes aus 6 kleinen Glastafeln bestehend, die aber so vielfach mit Blei durchzogen sind, daß dein Lichte nur sehr kleine Flächen zur beschmutzten Durchpassirung belassen sind. O, das ist rührend! Freunde! daß wir beim Verluste dieses Hauses nicht nur nichts verlieren, sondern nur ungeheuer gewinnen, das wird hoffentlich doch jedem von euch bestens und klarst einleuchtend sein. Mit dem Haus' - ist's also aus; nun werden wir sehn, wie es uns geh'n wird drauß.

11 Das Späßigste bei der Sache aber ist und bleibt das, daß wir schon sämtlich, wie wir hier sind, unsere Madensäck' abgelegt haben, und blos Seelen sind, mit Haut, Haaren, Knochen, Hintern und noch was. Auch müssen wir als Seelen die gewöhnlichen Nothdurften verrichten, und Hunger und sehr viel Durst verspüren, haben aber wenig, um sie zu stillen. Merkwürdig! daher wird's wahrscheinlich kommen, daß man auf der Welt schon oft sagt: Das ist aber eine arme, hungrige und durstige Seel! Ja, ja, über ein elendes Leben in Wien steht denn doch nichts auf; das dumme Völkl singt mit hungrigem Magen noch immer ein lustig's Liedchen vom Tod. Die Reichen geben nichts her, die Minister schreiben Steuern aus, der Kaiser weiß sich vor lauter Unterhaltungen nicht zu helfen, und schaut nur, was der Kaisergroßpapa im Eisbärenlande spricht; das Einzige hat ein G'wicht, alles andere ist nichts; und wer da was dawider spräche in seiner Noth und Schwäche, der kann's verspüren bald, ob jung er oder alt, mit wem er's hat zu thun im Belag'rungsstande nun; der Kaiser ist nicht faul - und giebt ihm Ein's auf Maul. O Nikolaus, o Nikolaus, du großer Mann! Nach Sestreich hast dir g'baut die Bahn, und Preußen in der großen Noth leckt schon jetzt an deinem Koth; was wird's erst später werden auf der lieben Erden! Das Deutschland in Wirr'n schon schmeißet Zwirn, und's liebe starke Frankreich, wird auch schon todtenbleich; wenn England sich nur rührt, wird Europa gleich verwirrt. O, das sind schöne G'schichten! sei'n wir froh, daß wir nimmer leben auf der Erd'. O Wien, o Wien, o Wien, wohin, wohin, wohin treibt dein Unsinn, Unsinn, Unsinn?

12 Aha, schau, schau, schau der Mensch! - während meines Geplausches sind wir nun auch samt und sämtlich auf die Gasse gekommen. Wie war denn das möglich? denn ich kann mich ja gar nicht erinnern, daß ich aber auch nur einen Fuß in die Höhe gehoben hätte."

13 Sagt sein Nachbar, so ein recht derber Patron: „Wie kannscht du aber a so dumm sein, und um so wos frogn? Siegscht denn nit, wos dös ischt? Dös ischt hold ane Zauberei, Gott schteh uns bei!" - Sagt der Humorist: „Wenn nur ein Tiroler nie sein Maul aufthät'! denn, wenn ein Tiroler zu reden beginnt, so bebt die ganze Erde vor Dummheit!" - Sagt der Tiroler: „Dös loß du schtean, daß du mi schimpfscht, süscht (sonst) krieagst mi a Fauntsche auf dei Gfriesch, dosch dir die roate Supn obedreantsche (herabrinnen) wird."

14 Sagt der Humorist: „O du dummer Kerl von einem Tiroler! siehst denn nicht, daß wir itzt Geister sind, die blos Willen und Verstand, aber keine Leiber haben! Wir sind nun so etwas außerordentlich Luftiges. So du mir nun eine allerechteste Tirolerflauntsche gäbest, vor der sonst das gesamte Rindvieh von ganz Europa eine besondere Achtung haben sollt', so würdest du damit dich aber nur lächerlich machen, denn da schlügest du mit deiner Luft auf die meine, und es schlüge da eine Dummheit die andere. Petter! Stecke daher ein dein Schwert, es hat ja keinen Werth. Denn wer mit dem Schwert umgeht, der kommt auch durch's Schwert um. Siehst du, das steht geschrieben in der heiligen Schrift, hast du sie einmal gelesen?" - Sagt der Tiroler: „Ober bischt du dümm! Wia kunnt iachs denn lösen, bin do nia in a Schul gongen. Ober dös wäß i wohl, daß iach von da heilge Schrift meh woaß als du!"

15 Sagt der Humorist: „Nun, nun, werde nur nicht so massiv wie deine Berge in deinem Landl! schau lieber dorthin, wo unser Paulus dort nun gar so freundlich mit einem lieben schlichten Manne sich bespricht, und wie ihm Jener die Hand drückt, aus lauter, wie dankbarer Freude! - Und dann schau dort weiter rechts hin - ein Mädchen, wie's keine zweite mehr wo giebt! - No du, dös war a so a rechte tausend element Lisl! du, dös wär ein anders Früchtl als deine fünfzähnluckete Nazi beim gschecketen Hirschen! du! da gehen wir ein wenig näher hin! Meiner Seel, die wär' mir schon lieber als wie die österreichische Staatsschuld! was meinst du blatterstepziger Tiroler?" - Sagt der Tiroler: „Du bischt di hold noch immer a tamasches Luder von an Menschn. Siagscht denn not, doß af solchen Bahnern für ünsch kane Feige woxn! Bleibmer, wo wir san, do isch viel gschieder für ünsch." (Am 17. Juni 1850)

16 Spricht der Humorist: „Gelt, du hast nur keine Kurasch nicht, sonst gingest du schon hin. Ja, ja, die Kurasch, die Kurasch - die fehlt dir wohl sehr stark; denn ich habe es immer gehört, daß die Tiroler nur hinter den Felsen, wo sie schußsicher sind, kuraschirte Leute seien; aber im offenen Felde der Davonlauferei sehr ergeben, so es irgend wo ein wenig hitzig herzugehen beginnt. Und so wirst du davon wohl etwa auch keine Ausnahme machen. Ich aber werde wohl hingeh'n, und werde pflichtgemäß dem guten Paul meinen Dank abstatten, daß er uns so gut und zu unserem Wohle ins Freie heraus geführet hat. Wir sind freilich nun noch in unserm lieben Wien, aber da doch wenigstens in einer der belebtesten Straßen, wo es stets sehr lebhaft zugeht, und das ist schon ein ungeheurer Profit, und steht viel höher, als das Hocken in einer solchen wahrhaftigen Bleikammer, und sich in derselben von allen Trutten abdrucken lassen. Kurz und gut, Paul hat an uns Großes gethan; ich muß ihm darum meinen Dank abstatten." - Spricht der Tiroler: „Siagscht, Siagscht, wosch du vor a Haupts......... bischt! Moanscht, iach kenn' dich epes nöt! Dös Menschle schticht dich in d' Augn, und dößhalben mögschd hingeahn, nöt ober epes n'Paul z'dank'n. Ober schau nuar, döß d'weiter kimmscht, sünscht wirsch dö bald seahn, obs die T'ruller a Kurasch hobn oder nöt; versteascht mi?"

17 Spricht der Humorist zu einem andern Nachbar: „Freund! magst du mit mir hingehen, dem Paulus zu danken, daß er uns aus dieser Bleikammer befreit hat; denn mit diesem vierschrötigen Tiroler ist nichts anzufangen; sagt man ihm etwas, so wird er gleich schlagsüchtig, und gebährdet sich wie ein Stier, der gerade im Begriffe ist, seinen Hörnern so ein kleines unschuldiges Stoßvergnügen zu verschaffen. Also, wanns dich nicht schenirt, so gehe mit!" -Spr. der Angeredete: „Ich geh' auch nicht; denn du hast auch mich beleidigt, indem ich auch ein Tiroler bin, freilich mehr gebildet als der andere. Wenn du den Tirolern Mangel an Kurasche vorwirfst, so bist du ein dummer Mensch, der das nicht weiß, daß die Tiroler die allertapfersten Krieger sind und allzeit waren. Schau, du tamischer Wiener, wann du ein rechter Mensch wärst, der Kopf und Verstand hat, so nähmest du schon von weitem den Hut vor jedem Tiroler ab; denn das sind noch Leute, die in die Welt taugen; ihr Wiener seid sonst nichts als allergemeinste Mistkäfer; und es ist für längere Zeit für keinen ehrlichen Mann eine Ehre, mit euch in Familie zu leben."

18 Spricht der Humorist: „O je, o je; itzt hab' ich's gut gemacht. Zwischen zwei Feuern vom gröbsten Kaliber! Jetzt habe ich aber auch die höchste Zeit, daß ich weiter kömme, sonst entleert sich noch ehestens ein echtes Tiroler Hochgewitter über mein Haupt."

19 Hier verläßt der Humorist seine Hochgebirgsgesellschaft, und begiebt sich schnell zum Paulus hin, und sagt: „Liebwerthester Freund! du hast uns Allen eine große Wohlthat erwiesen, und wie ich's bemerke, so ist es noch keinem eingefallen, daß er sich hier draußen im Freien bei dir bedanket hätte, darum du uns durch die Wahrheit deiner Rede aus unserer wahren Bleikammer befreiet hast. Ich habe daher vom tiefsten Dankgefühle gedrungen mir als erster die Freiheit genommen, dir als unserem allerwerthesten Freunde hiermit meinen tiefsten und wärmsten Dank darzubringen."

20 Sagt Paulus ein wenig lächelnd: „Schön, schön von dir, aber nur hättest du hier auch den Hauptgrund angeben sollen, der dich vorzüglich ganz besonders zu diesem deinem Dankgefühlsaufschwunge vor mir genöthigt hat. Sieh' der grobe Tiroler hatte recht, als er zu dir sagte: nicht der Paulus, sondern das Menschle sticht dir in die Augen. - Also in Zukunft nur alles, was wahr ist; denn hier, vor uns, ist es wohl keiner Seele möglich, sich zu verstellen. Gehe aber nun nur auch zum Menschle hin, und mache ihr dein Kompliment! Aber vergesse es nicht, daß sie schon ein Weib eines Mannes ist, und zwar eben desjenigen, der neben ihr stehet."

21 Spricht der Humorist: „Lieber Freund! ich danke dir auch für diese Belehrung, denn sie ist wahr, und durchaus wahr; aber daß ich nun dieser wahrlich allerholdesten Dame sogleich ein Kompliment machen solle, während sie mit ihrem Gatten in ein tiefes Gespräch versunken dort stehet, dürfte denn doch ein wenig unschicklich sein. Je mehr ich sie aber betrachte, desto bekannter kommt mir ihr Gesicht vor, wie auch das Seine; es hat, so ich mich nicht irre, eine ganz außerordentlich frappante Aehnlichkeit mit dem berüchtigten, hm - hm - fällt mir aber gerade jetzt der Name nicht ein - no, no, no - kurz, er sieht einem Hauptdemokraten gleich, den ich vor ein paar Jahren oft oft - in Wien gesehen habe. Vom Sehen aus sind mir also er und sie bestens bekannt, aber natürlich die Namen können mir nicht bekannt sein."

22 Spricht Paulus: „Daran liegt auch sehr wenig vorderhand, und wir haben nun gar um sehr Vieles wichtigere Dinge zu thun, als uns mit ein paar Namen herumzubalgen, und uns dann drei Tage lang nach ird'schem Gebrauche zu verwundern, daß diese die und die seien. Ich werde dir aber nun einen andern Rath geben; den befolge du, und es wird dein Schade nicht sein! - Falle du nun vor diesem meinem höchsten und allerbesten Freunde auf deine Kniee nieder, und sage: „O Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig! nehme mich als ein sehr mächtig verloren gewesenes Schaf in deiner großen Gnade auf, und lasse auch mich genießen die Ausflüsse deiner Liebe und Erbarmung! - Sage aber solches mit aller Wärme deines Herzens aus, und dir solle dafür ein Heil widerfahren!"

23 Spricht der Humorist: „O Freund! du verlangest sehr viel von mir! Bedenke, wie mich alle meine Bekannten auslachen werden, und ansehen für einen barsten Trottl; und so mich dann Jemand fragen wird, und sagen: Warum thust du wohl solches? - Wer ist denn Der, vor Dem du wie vor dem allerheiligsten Altarssakramente bei der Wandlung auf die Kniee gerutschet bist, und hast vor ihm schon gethan, als so er unser Herrgott wäre? - was werde ich solch einem Fragsteller zur Antwort geben?" - Sagt Paulus: „Nichts als: Thue auch du desgleichen, so wird es für dich besser sein, als solch ein leeres Fragen! Denn Der, vor Dem ich niederfiel, ist Jesus Christus der Herr - Himmels und aller Welten."

24 Hier fällt unser Humorist am Boden nieder, und sagt hell lachend: „Nein, was z'viel ist, ist z'viel! entweder bist du zeitweilig ein Narr, oder dir beliebt es, mich und uns Alle dafür zu halten, und dich also an unserer Schwäche zu belustigen. Es ist genug, daß wir dich unter dem Namen eines alten berühmten Apostels verehren, weil du uns wirklich durch deine Lehre zu einem wahren Apostel geworden bist; aber daß nun dieser dein noch schlichter denn du aussehender Freund nun so ganz mir und dir nichts Christus der Herr sei, und die andern zwei höchst wahrscheinlich auch ein paar Apostel, und jene Dame etwa gar die allerseligste Jungfrau mit dem hl. Josef, (oder was beißt mich da unter der Achsel,) sein solle, sieh, das geht vom Himmelblauen schon rein ins hell Kirschrothe über! Lieber Freund, ist das wirklich dein Ernst, oder machst du einen Spaß mit uns?

25 Ich sage dir, Freund, aber nun ganz freundlich ernst: Mit derlei Spässen bleibe du uns vom Halse; denn sie könnten dir mit der Zeit ganz verdammt übel bekommen. Denn wisse du, mein sonst allerhochschätzbarster Freund; obschon ich zwar kein Farisäer bin, das ist, in der neuen römisch-katholischen Art, die Christum aus Stärkmehl backt, und vor einer Oblate auf's Gesicht fällt, im Herzen aber Christum und Sein heilig Wort haßt und verachtet, wie auch jeden, der sich rein nach der Gotteslehre Jesu hält; so bin ich aber dennoch ein wahrer innerer Verehrer Christi, und bekenne vollkommen Seine unbestreitbare Göttlichkeit; aus welchem Grunde Er mir denn doch viel zu erhaben und zu heilig ist, als daß ich Ihn hier in den weltberühmt allergemeinsten Wienerstraßenkoth herabziehen solle. - Glaube mir, obschon ich zwar in manchen Punkten, besonders im Punkte des schönen Geschlechts kein Trapist bin, und kein Plato und kein Sokrates, aber demungeachtet bin ich ein großer Freund und Verehrer und Anbeter Christi. Daher bitte ich dich wohl, mit diesem Namen aller Namen ein wenig behutsamer umzugehen."

26 Sagen nun auch die Sieben, die sich zuerst an den Paulus angeschlossen haben: „Ja, ja, der Pepi hat recht; Christum den Herrn muß man höher achten, und es ist nicht schön von unserem sonst sehr achtbaren Freunde, daß er den Gottessohn in so einen ganz gewöhnlichen Menschen herabziehen will." - Sagt Paulus: „Seid nur ruhig! es solle sich übrigens bald zu zeigen anfangen, ob ich recht habe oder nicht! - Ziehen wir nun weiter; denn hier sind wir bereits vollends fertig! Der Herr geht, und so denn gehn auch wir!"

205. Kapitel: Phantasievolle Vermutungen der Mitläufer. Neue sonderbare Begegnungen im virtuellen Wien. Die längst erworbenen Ahnen des Hauses Habsburg-Lothringen.

01 Sagt im Gehen der Humorist: „Was solle das wieder heißen? der Herr geht, also gehen auch wir! Wer ist denn der Herr, was ist er als Herr, warum ist er ein Herr? Der Mensch wird doch etwa nicht im Ernste behaupten wollen, daß dieser echte polnische Schachermann am Ende dennoch Christus der Herr sein solle." - Sagt ein Anderer neben dem Humoristen: „Du Sepl! itzt wird mir die ganze Sache klar, was da mit dieser Gesellschaft es für eine Bewandtniß hat." - Sepl fragt: „Nun, was denn? Rede!"

02 Redet der Erste weiter: „So höre denn! - Das sind feine russische Spions unter dem Deckmantel von einer gewissen transzendentalen Pietistik, mit der sie die Menschheit blenden. Es ist wahr, der sogenannte Paulus sprach wie ein Buch, und seine zwei Geldwechslungsgeschichtchen sind von einer Art, hinter der sich entweder wenig oder wohl auch gar kein Betrug solle denken lassen. Aber ich denke da viel schärfer, und sage: Eine plumpe Maske ist schlechter als gar keine; daher haben diese Russitschkis eine gar feine Maske gewählt, durch die man sicher ohne sehr vergrößernde Augengläser nicht leichtlich wie durch ein holes Faß schauen wird. Christus, Paulus, sicher auch Petrus, Jakobus oder Johannes, und gar etwa auch Josef und Maria! O wie denn anders? - ein recht rares Sextett! Der Christus wird so ein Hauptmagier sein, und sehr hieroklifenartig reden, so er überhaupt etwas redet. Denn gewöhnlich sind solche Hauptmagier stumm gleich wie ein altes Stück Bauholz. Der sogenannte Paulus wird sein nächster Helfers-Helfer sein; auch in der Magie nicht unbewandert, aber hauptsächlich beim Redezeug zu Hause. Die andern Zwei scheinen mir mehr so Taschenspiels-Adjutanten zu sein, und der ganz Voranige mit der schönen Zirkassierin ist höchst sicher so ein feiner Pfiffikoni, und kennt sich überall aus; und seine Holdeste ist so ein Lockvögelein und manchmal gegen natürlich viel Geld, so ein liebes Zugpflästerchen für gewisse Schmerzen und Anschoppungen im Unterleibe. Zwar alles menschlich, aber der Art nach doch sogar für unser großes Wien etwas selten. Nun Sepl, fangst nun schon an, dich ein wenig auszukennen?"

03 Sagt der Humorist: „Ja, ja, die Geschichte hat wohl ein solch's Gesicht, daß man schier so was glauben solle; aber für ganz wie für alle Zeiten abgemacht möcht' ich die Sache denn doch nicht annehmen. Denn der Paulus ist wirklich ein Weiser, wie es in ganz Wien keinen Zweiten irgendwo mehr geben dürfte; und der sogenannte Christus zwar ganz ein polnischer Jude, scheint aber sonst ein überaus guter Mann zu sein, ohne die geringste kaufmännische Tücke; und die andern Vier, die Zirkassierin mitgezählt, sehen wenigstens sehr honett aus, und man entdeckt nichts Gemein's an ihnen. Auch der Verzehrungssteuereinnehmer geht an der Seite des seinsollenden Christus ganz allerbehaglichst mit, und scheint sich um sein Amt gar nicht mehr umsehen zu wollen. Also laufen auch wir mit, als ob wir bezahlet würden, ohne daß uns wer bemüßigte. Das sind denn auch Zeichen, die irgend ein Gewicht haben; was meinst du, mein Freund? Die Sache fängt an, für mich ein sehr bedeutend anderes Gesicht zu bekommen, als das im Anfange der Fall war. Schau hinauf an's Firmament! Der Himmel ganz rein, keine Sonne, und doch ist Tages-Helle vorhanden! Gelt, das frappirt dich nun! Schaue aber diese uns nur zu bekannte Gasse an! Siehst du außer uns aber auch nur Eine bekannte Seele wandeln? Siehe, alles ist leer, die Häuser wie ausgestorben, und auf der Straße wächst – incredibile dictu - das schönste Gras! sage mir, fällt dir diese Sache nicht auf?"

04 Sagt der Erste: „Allerdings hat die Sache etwas für sich! am sonderbarsten sieht aber wirklich das Firmament aus, der Himmel ist förmlich lichtindigo-blau, und alles ist ganz so beleuchtet, als wie von der Sonne am hellen Mittage; aber nirgends ist etwas zu entdecken, das da der Sonne gleichen möchte; kein Gegenstand wirft einen Schatten, überall gleiches Licht, und nirgends ein leuchtender Körper, weder eine Sonne, noch ein Mond, noch ein Stern! Ja, ja, du hast recht; das ist schon sehr merkwürdig!" (Am 20. Juni 1850)

05 Sagt der Humorist: „Nun, ich glaub's auch, daß die Sache so ein wenig merkwürdig sein könnte. Die Stadt, die Häuser und Gassen und Plätze sind wohl ganz vollkommen Wien; auch der Belagerungszustand mit seinen verpallissadirten Bastionen und Kanonen dauert in völlig gleicher Gestalt fort; nur ist das Wache habende Militär nicht so strenge gegen die Besucher der Bastionen, und läßt sie wandeln ihre Wege; aber sehe dir einmal die Menschen an, so dir irgend welche unterkommen; da kann man wohl mit allem Rechte sagen: S'Mandl und s' Weibl ist nimmer zum auseinander kennen; und sie sind meistens weltfremd, wild und dumm wie die Chinesen, und traurig und wehmüthig, als wenn sie schon halben Theils die Cholera hätten. - Dort schaue hin! vor einem Hausthore stehen so einige Zigeuner, schaue sie nur an, was die für echte Froschgesichter machen, und wie sie sich dann und wann einander beriechen als wie die Sultl und Spitzl im Frühjahre, oder als wie die echten Meckeljuden, die ihre Schuldner, die als zahlungsunfähig vor sie um eine Prolongirung flehend sich demüthigst hinstellen, am Ende zu beriechen anfangen, ob kein Silber oder Gold aus ihnen röche. Sage! hast du so was sonst je im lieben Wien gesehen? Gelt, das ist rar."

06 Sagt der Nachbar: „Ist wahr, ist wahr, merkwürdig, sehr merkwürdig! Aber, he, he! dort, dort, wo sich die Gasse etwas beugt, was wandert denn dort wahrlich Wien ganz was Fremdes uns entgegen? Beim Kuckuck! das sind ja große schwarze Straußvögel! haben ungeheuer lange Hälse, und noch längere Beine; und es giebt ihrer eine Masse. Sie kommen uns näher; wahrlich mit denen möchte ich gerade nicht einen Gassenkampf beginnen! Du Freund Sepl, zupf' du da ein wenig den Herrn Paul; er wird dir darüber wohl etwa eine Auskunft zu geben vermögen." - Sagt der Sepl: „Zupf du ihn! warum solle das gerade ich thun? Die Vögel werden etwa wohl einer großen Menagerie ausgekommen sein! Der Herr Vetter Holzbamer wird sich doch etwa vor diesen afrikanischen Kapäunen nicht fürchten."

07 Sagt der Vetter Holzbamer: „Nein, das gerade nicht; aber wissen möcht' ich's doch, wo etwa diese Viecher her san. Vielleicht sein's etwa gar böse Geister? So wir nun etwa doch in der Geisterwelt uns befinden könnten, da wäre so was ja gar leicht möglich!" - Spricht der H. Sepl: „Warum nicht gar! Geister werden's wohl sein, aber keine bösen; denn Geist muß alles haben, was da lebt. Aber nun machen die Luder förmlich Front vor uns, und aus ihren sonderbaren Mienen ist eine gewisse Kampfgier gerade nicht unverkennbar. Der Herr Vetter könnt' am Ende mit seinen bösen Geistern noch recht haben auch! Nun muß ich denn doch im Ernste den guten Paulus ein wenig zupfen gehen."

08 Hier zupft der Humorist den Paulus und sagt: „Höre, edler Freund! was hat's denn da mit den schwarzen Straußen für eine verzweifelte Bewandtniß? werden sie uns fressen, oder was?" - Sagt Paulus: „O nein! sorget euch um nichts, diese werden uns nichts thun! sie ziehen uns nur in Parade entgegen, um uns zu ersuchen, daß wir sie in ihrem Palaste besuchen sollen. Daher seid ganz zuversichtsvoll ruhig! In der Kürze aber werdet ihr es schon ohnehin erfahren, was es mit diesen Eisenfressern für eine Bewandtniß hat."

09 Der Sepl giebt sich nun ruhig, und sein Vetter auch, und diese Beiden beruhigen auch die Andern, die auch mehr oder weniger über diese Erscheinung stutzen. Als wir aber ganz in die Nähe dieser Vögel kommen, so verlieren sie mehr und mehr ihre Straußgestalt, und werden zu sehr hager aussehenden Menschen, von denen ein Paar vortreten, und den Robert ersuchen, daß er die ganze Gesellschaft in ihren alten höchst adeligen Palast führen möchte.

10 Robert sagt darauf freilich wohl, daß er der Herr nicht seie, und weiset die Beiden an Mich; aber die Beiden sagen: „Wonn du nöt Herr, worum voron gahn?" - Und Robert sagt: „Weil es also des Herrn Wille ist; und also ist es auch des Herrn Wille, daß ihr euch an Ihn wenden sollet, so es euch in irgend etwas wahrhaft geholfen werden solle. Wir alle Andern können euch nicht helfen, außer durch Lehre und Rath; die That ist des Herrn allein; darum wendet euch an den Herrn; was Er anordnen wird, das wird geschehen."

11 Auf diesen Bescheid vom Robert verfügen sich die Beiden zu Mir, und sagen: „Wonn du Herr, so gah mid ons sämtlich deiner Gesellschaft; wür bitten Di dorom!" - Sage Ich: „Was sollen wir bei euch? wer seid ihr Hohen denn? daß Ich euch nicht kenne? Was waren eure Thaten? - Ich kenne die Geister nur nach ihren Thaten, und nie nach ihrer Gestalt."

12 Sagen die Zwei: „Wür sund kane Geister noh, wür sund Herzog, und Erzherzog, und König und noh mehr; und wür wohnen alle in einem Höchstadlings-Palast, und do sollst Du mid ons gahn, ond wür werden ons dort besser verstahn." - Sage Ich zum Robert: „Also führe uns denn dahin, und wir werden sehen, was sich dort alles offenbaren wird."

13 Robert sagt nun zu den Zweien: „So ihr es vernommen habt, was der Herr nun geredet hat, so tretet vor mich hin und führet uns Alle in euer Haus." - Sagen die Beiden: "Wür hohn kan Haos, wür hohn nur ann Höchstadlings-Palast, weil wür sund von de höchste Adl."

14 Sagt die Helena, die schon etwas pitzlich wird über die höchst langweilige Gesprächsweise dieser Höchstadeligen: „No, no; schauts nur gleich, daß euer Höchstadlings-Palast am End' etwa gar so ein recht schmutzigs Saustallerl ist. Jtz wollen die einen Palast, nein, das ist wohl zum Lachen; so graupige und klein zerlumpte Kerls, und einen Höchstadlings-Palast; no, no, wir werden es wohl sehen, was da für ein Palast herauswachsen wird." - Sagt Einer der Höchstadlings: „Mane Jongfr, sa se stad mid Maul, sonst leg i ane Schlos af ihr Maul! Se moß froh san, wonn sie onser Herrgott lebe laht; had se verstahn?"

15 Sagt die Helena: „Sie, sagen's mir, wie lang ist's denn schon seither, als sie g'storbn sind? Sie müssen ihrer Sprache nach zu urtheilen doch noch so hübsch viel vor'n Adom auf der Welt g'lebt habn? Nein, ist aber das eine Sprache, bei der man alle Zustände bekommen möchte, besonders so man sie längere Zeit anhören müßte. Nun; wie ichs merke, so geht der Weg ja zu den Kapuzinern? Soll etwa dort der Höchstadlings-Palast sein?" - Sagt der Eine Höchstadlings: „Stad sei mid dan Maul! du verstahn ons nöt, du best su jong, dorom hold stad dane Maul! Ba de Kopozenr son mer wohl, obr nöt of de Erd', sonde ondr de Erd, verstahn du Jongfr!"

16 Sagt die Helena: „Ja, ja, mir kommt es auch so vor, daß ihr noch so hübsch fest unter der Erde zu Hause sein werdet; das wird wohl s' erste Mal sein, daß ihr euch über der Erde befindet." - Sagt der Eine wieder ganz zornig: „Jche hohn de scho gsagt, daß dei Maul holde sulst, ob du thost de nöt fulge man Word, so werd i de muße ane obe schloga! Host du me verstahn?"

17 Sagt Robert zur Helena: „Meine Geliebteste! Mußt nicht gar zu viel reden mit diesen Wesen; denn sie sind sehr roh, und könnten dir am Ende im Ernste etwas Leids anthun. Ich sehe aber ja ohnehin, wohin sie uns führen werden, und so braucht man weiter nicht mehr darum zu fragen. Sieh, das sind lauter längst verstorbene Regenten des Hauses Habsburg und Lothringen; nun ruhen sie in der Herrschergruft bei den Kapuzinern, theilweise auch bei den Augustinern, wie auch einige in den Stefansdom-Katakomben, das ist ihr Höchstadlings-Palast. Wir werden nun sogleich bei ihren Särgen uns befinden; daher sei nur ruhig und stille!"

206. Kapitel: In der Kaisergruft bei den Kapuzinern. Viel Totes in den Särgen! Lebensweisheit des Humoristen, die Hauptfrage ist - Jesus! Verschiedene Ansichten über das Papsttum.

01 Mittlerweile kommen wir aber auch wirklich bei den Kapuzinern in der Gruft an, was Einigen von unsern neuen Begleitern eben nicht gar recht zusaget; denn unser Humorist macht gleich die Bemerkung, und sagt: „Nun frage ich jeden von euch noch so Unbefangenen aus euch: Was haben wir denn nun bei der Geschichte gewonnen? Gar nichts; von einem Loche hat uns der gute Paulus herausgefoppt, damit wir nun in ein noch ärgeres gesteckt werden mögen. O das Leben ist denn doch schön! Freunde, höret, eine Preisfrage: Was ist das Leben? Da die Antwort euch denn doch einige Mühe kosten könnte, so will ich als Fragsteller zugleich auch selbst die Antwort bringen. Seht! das Leben ist eine eingehülste Beweglichkeit, aus Hunger, Durst und allerlei anderem Elende zusammengesetzt; dieß eingehülste Elend, was man Leben nennt, wird stets von einem Loche in ein anderes versetzt, und darin scheint auch die Bestimmung des Lebens zu sein! - Bei der Zeugung nimmt die Lochwanderschaft ihren Anfang, und hört nachher auch ewig nimmer auf; nur so schön fort von einem Loche ins andere in Ewigkeit Amen;

02 dahier in der alten Fürstengruft werden wirs fangen; da können wir den alten Habsburgern ein bischen herumspuken helfen. Denn sie allein werden ohnehin keine Spukerei mehr zuwege bringen; und so eine Spukerei von einem Karl oder Rudolf oder Leopold wäre doch sicher ein wahres Labsal für die hungrigen Mägen einiger Kapuziner, denen nun die Messen trotz ihres Kanzellärmens nichts mehr eintragen wollen, und für die freien Zustände der Alleinseligmacherin und Versetzerin und Erheberin der seligst im Herrn Entschlafenen in den Bauernkalenderhimmel. Wenn so eine Geisterspukerei von Vielen gesehen und beobachtet werden könnte, und das in der Fürstengruft, welchen Glauben an die Messen würde das wieder mit sich bringen, und an die vollkommenen Ablässe? Also, vivat! Freunde, den Kapuzinern soll's geholfen werden!"

03 Sagt ein Anderer: „Aber Freund! hast du nun aber wieder einen Siefel zusammen geredet! Wo aber steht denn das geschrieben, daß wir hier deßhalb schon bei den Fürstensärgen in der Kapuzinergruft verbleiben sollen, oder gar müßten, weil wir hierher gekommen sind mit den Freunden, die uns ehedem aus dem ersteren Quasi-Arreste befreit haben? Das war wohl wieder schwach, mein lieber Freund Sepl! Ich aber meine, diese Fürsten werden wohl auch den Wunsch haben, von ihrem langen Schlafe einmal erweckt zu werden, und haben sich, so gut es ihnen möglich war, an diese sehr wundermächtigen Freunde Gottes gewendet; daß wir denn nun aber auch mit hierher gezottelt sind, das ist unsere Sache, indem wir auch eben so gut hätten draußen bleiben können. Da wir nun aber schon hier sind, so seien wir auch ruhig,- und hören, was Alles die Wunderfreunde Gottes mit diesen alten Fürsten-Geistern thun werden."

04 Sagt der Zöllner: „Nun, das ist einmal ein Wort, das sich auf so einem ernstvollsten Platze hören läßt! Ein jeder dieser Särge ist eine Weltgeschichte von Völkern, die unter einem oder dem andern dieser Regenten gelebt, gewebt, gewandelt und gehandelt haben. - Und wo Gott Selbst leibhaftig so einen Ort besucht, da müssen solche Protzer und Patzer, wie wir beide es sind, wohl schön fein s' Maul halten; sonst könnte es für sie am Ende nicht am Besten gehen. Dort schau hin, wie Paulus und der Herr Jesus nebst den zwei noch andern wahrscheinlichst auch Aposteln die alten Särge ganz wehmüthig betrachten, und ein Paulus nun sagt: »O Herr, Deine Liebe, Gnade und Erbarmung hat keine Grenzen; aber da giebt es noch sehr viel Todes in den Särgen!« „Hörst du Sepl? sehr viel Todtes gebe es noch in diesen Särgen!"

05 Spricht der Sepl: „No ja, das wird doch ein jeder Mensch wissen, daß so in einem Sarge keine Tanzreunionen gegeben werden, und es bedarf da keines Paulus, um so was einzusehen. Daß aber diese alten Fürsten mit ihrem oft sehr tirannischen Herrschen über die armen Völker so manchs Stückchen einer haarzubergtreibenden Geschichte zuwege gebracht haben, das Freundchen, weiß ich so gut wie du; und in wie weit diese Särge ehrwürdig, oder nicht ehrwürdig sind, das weiß ich auch. Ob aber jener schlichte Jude, mit dem der sogenannte Paulus sich bespricht, Jesus, der bekannte Gottessohn ist oder nicht, das ist eine ganz andere Frage! Möglich ist alles; aber hier mangelt uns noch sehr das, was man für lieber wahr als für unwahr halten möchte. - Meinst du denn, daß ich etwa ein Feind Christi bin, oder an Ihn nicht glaube? O, da irrst du dich sehr! - Ich verehre Ihn unendlich hoch; - und eben deßhalb trage ich noch immer Bedenken mit diesem Juden da. - Ich gebe auf Alles acht; sehe ich aber, daß Er es etwa doch sei, dann sollst du Wunder schauen an meinem Benehmen gegen Ihn; denn weißt du, ich liebe Ihn unendlich."

06 Sagt der Zöllner: „Das ist sehr schön von dir, so das dein Ernst ist; aber aus deinen früheren Reden hätte das wohl nicht leichtlich wer herausgefunden!" - Sagt Sepl: „Ja, ja, weil ich über die römischen Pfaffen nicht zu honnett gesprochen habe, so hast du geglaubt, ich sei etwa auch so ein halber Fetzen von einem Antichristen! Aber Freunderl, da hat's Zeit! Wenn der Freunderl n' Antichrist sehen will und den Herrn Teufel, sein'n Bruder, so gehe der Freunderl nach Rom; dort kann er ganze allerechteste Antichristenklumpen beisammen finden, als wanns die Tauben zusammen getragen hätten. Ja du mein Lieber, man kann eben dadurch erst ein lebendiger Verehrer und Anbeter Christi sein, so man im Herzen ein Feind des Papstthums ist; denn Christenthum und Papstthum verhalten sich gerade wie Ja und Nein. Was das eine ist, dem ist das andere schnurgerade entgegengesetzt. Wann du mir das nicht glaubst, so gehe hin zum Paulus; der wird es dir auf Hebräisch sagen, wenn du 's Deutsche nicht verstehen sollt'st."

07 Sagt der Zöllner: „Ich habe die römische Religion wieder nicht gar so schlecht gefunden; und man kann in ihr auch selig werden." - Sagt der Sepl: „O ja, wenn man mit dem Bauernkalenderhimmel zufrieden sein will; aber hübsch viel Maxen kostet es, und Zeit und Geduld. Nun aber heißt uns Paulus stille sein, und so gehorchen wir ihm!"

207. Kapitel: Anliegen der Geister der Regenten. Ihre Erzählung vom feurigen Reiter und dessen Weissagung über Weltende und Wiederkunft. Die Regenten erbitten irdische Hilfe, Paulus verheißt geistige. (Am 22. Juni 1850)

01 Paulus richtet sich nun auf, und sagt zu den Bewohnern der Gruft: „Ihr habt uns von unserer Bahn abgeleitet und berufen, euch gewisserart dringend nöthig hierher zu folgen. - Was wollet ihr denn, daß wir euch nun hier thun sollen? - Welches Thatenvermögen trauet ihr uns wohl zu? - und wodurch waret ihr denn genöthiget, zu uns zu kommen? - Redet nun, auf daß wir euch helfen nach eurer Noth und nach der Rührigkeit eures Gemüthes!"

02 Tritt der Eine vor und sagt: „Ich bin ein Römisch-Deutscher (die Würde wird bei irdisch höchstgestellten Personen im Geisterreiche nicht leichtlich genannt, manchmal auch die Namen nicht), bin hier meines Namens und der Würde der erste, und heiße R.; ich sah letzthin eine große Bewegung in der Luft, und ein feuriger Reiter trat zu mir hin und sagte: Dieß euer Haus wird euch wüste gelassen werden, und kein Stein auf dem andern. Die Erde wird durch Feuer und Blut gesäubert werden; ein großes Wehe wird erschallen aus dem Munde der Großen, und Feuer und Pest wird zu Millionen hinraffen die Armen, und es solle kommen der Welt Ende. - Das waren die Schreckensworte des feurigen Reiters. Und als der feurige Reiter also geredet hatte, da hat uns Alle eine sehr große Furcht angewandelt, so daß wir zu schreien anfingen vor zu großer Angst.

03 Aber der feurige Reiter sagte darauf zu uns: »Es wird aber zuvor noch berufen Gott der Herr Alle, auch die Verworfensten; im Geisterreiche wird der Herr Selbst kommen, und wird Sich zu erkennen geben Allen, die ihre Nacht gefangen hält; die sich an Ihn wenden werden, die wird Er auch erhalten. Es werden Ihm aber vorangehen Seine Knechte Petrus, Paulus und Johannes, und werden den Gefangenen verkünden das Licht, welches da kommt aus dem Namen des allmächtigen Gottes. Und die den Namen aufnehmen werden in ihr Herz, die werden selbst einen neuen Namen bekommen, und der Herr wird wieder aufrichten ihre morschen Vesten und zerfallenen Burgen.

04 Also wird der Herr auch kommen auf die Erde, und zwar zuerst auch nur durch's Wort, aus dem Herzen und Munde der Weisen, die Er erwecket hat, und noch mehrere erwecken wird; dann aber, so die Erde geläutert wird sein, auch in Seiner allerhöchstheiligsten Person, zu allen Denen, die Ihn lieben und eines reinen erbarmenden Herzens sind." - Darauf verließ uns der feurige Reiter, fuhr wie ein Blitz von dannen, und wir sahen ihn dann nicht wieder.

05 Nun aber haben wir vernommen ein Gerücht, daß und zwar in diese unsere alte Residenzstadt Wien über die 'Spinnerin am Kreuze' Menschen angekommen seien, die sich für Gottesboten ausgeben, und auch Wunderthaten verrichten, um durch sie für die Blinden die Wahrheit ihrer Sendung zu bekräftigen; wir sind auch bei dieser Kunde, sogleich diesen unsern Höchstadlings-Palast verlassend, in guter Ordnung hinausgeeilet, um womöglich mit solchen Boten selbst zusammenzukommen; wir sind mit ihnen wirklich zusammengekommen und haben sie hierher geführet. Ihr selbst seid unleugbar solche Boten!

06 Wir Fürsten legen darum unser Anliegen dahier zu euren Füßen, daß ihr unsere alten Vesten und Burgen wieder aufrichten und derart befestigen möchtet, daß sie nimmer von irgend einem Feinde wieder möchten erobert und zerstöret werden. Auch diesen unsern Höchstadlings-Palast möget ihr derart festen, daß ihn nimmer Jemand solle verwüsten können. Das ist nun aber auch unser ganzes Anliegen, dessentwegen wir euch entgegenkamen und hierher geführet haben. Denn könnte diesem unsern Höchstadlings-Palaste irgend etwas Uebles zugefüget werden, so wäre das auch rück- und vorwirkend ein großes Unglück für die hohe Habsburg-Lothringer Dinastie, und es stünde bald sehr am Spiele um ihren Fortbestand.

07 Im Erdjahre 1848 ward in diesem unsern Höchstadlings-Palaste nur ein einziger Stein ein wenig locker, und sehet, die Dinastie hatte zu thun, um sich in ihrem uralten Ansehen zu behaupten. Sie hat sich nun wieder gefestet und hat den gerechtest redlichen Sinn - ihre Unterthanen bestens zu regieren und zu leiten, die Guten zu belohnen, und die Bösen ganz rücksichtslos zu bestrafen, nach dem Maße ihrer Vergehen, was gewiß vollkommen dem Willen Gottes gemäß ist und sein muß, weil Er Selbst es also thut und also haben will; es wäre darum wahrlich ein unberechenbares Uebel für alle ihr untergebenen Völker, so sie (die Dinastie) nun könnte in irgend etwas gefährdet werden, oder am Ende gar um ihren alten Thron kommen.«"

08 Sagt Paulus: „Freunde! die Profezeihung des feurigen Reiters ist richtig wohl, doch noch nicht „gerichtet"; aber eure Bitte und eure Sorge, die euch zu bitten nöthigt, ist eitel, übereitel und sehr thöricht. - Was können euch die allen Vesten und Burgen auf der Erde mehr nützen, deren viele Tausende durch der Zeiten Walten in Schutt verwandelt worden sind? Es hat wohl der feurige Reiter von der Aufrichtung eurer Vesten und Burgen geredet; aber es sind darunter nicht zu verstehen eure alten irdischen Vesten und Burgen, sondern euer Glaube und eure Hoffnung durch die Macht der Liebe zu Jesu, Gott dem Herrn. Das ist die Veste und die Burg; diese will der Herr bei euch, die ihr hier zufolge eures höchst eignen Wollens in tiefer Geistesnacht schmachtet, schon lange Zeiten, aufrichten und neu beleben. So ihr das wollet, da sage ich zu euch – im Namen des HErrn, Der auch hier ist, aber ihr Ihn nicht erkennet, und noch nie erkannt habt: Das wird der Herr euch auch thun, so ihr Ihn darum bitten werdet;

09 auch die irdische Dinastie wird Er erhalten, so lange Er es für gut finden wird, und so lange diese so handeln wird, daß die Völker von ihr aus in keinerlei zu große Noth gerathen. Sollten die Völker aber in ihrem Herzen zu sehr laut zu klagen anfangen, dann wird der Herr der Dinastie auch sobald ein volles Ende zu machen verstehen. Denn die Dinastie ist vor Gott nichts, und ihr Thron ist auch nichts; und sie ist nicht da des Thrones wegen, und der Thron nicht der Dinastie wegen; sondern sie ist da als ein weise sein sollender Hirte der Kinder Gottes. Kann oder will sie diese Gottes-Heerde nicht hüten vor allerlei Uebeln, und nimmer Gott geben, was Dessen ist, da ist sie nicht mehr zu brauchen; der Herr wird dann auch wissen einer hochtrabenden Dinastie ein völliges Ende zu bereiten und zu geben.

208. Kapitel: Weitere Belehrung der Dynasten. Gleichnis von den faulen Hirten. Dynastien sind nur der Völker wegen da. Mahnung zur Demut und Hinweis auf Jesus. (Am 25. Juni 1850)

01 „Ich Paulus, ein wahrer Knecht des Herrn Jesus, sage es dir und euch Allen: Vor Gott dem Herrn sind alle Throne und Dinastieen ein Gräuel. Aber so die Dinastie den Willen des Herrn achtet, und handelt nach solchen Grundsätzen, die aus dem Worte Gottes, und aus Seiner Liebe und Erbarmung abgeleitet sind, dann ist die Dinastie über den Thron, und dem Herrn recht und genehm; mit solch einer Dinastie ist dann des Herren Gnade, Macht, Kraft und Stärke, und wehe dem Feinde, der sie angriffe; wahrlich, er wird zu Staub und Asche zermahlen werden. Merket euch das, ihr alten, selbst in eurem Geiste tiefst eingefleischten Dinasten! „Keine Dinastie ist an und für sich etwas, und kein Thron hat einen Werth und einen Bestand, so da nicht Jemand hauptsächlich von Gottes Gnaden darauf sitzet.

02 Eine Dinastie, die der Herr aber - wie die Habsburger - so lange auf dem Throne beläßt, muß dem Herrn im allgemeinen doch recht sein, ansonst sie schon lange gleich andern Dinastieen sich auf keinem Throne mehr befände. - Ihr aber seid eben deßhalb hier so lange in eurer Nacht und Blindheit, weil ihr in euren Herzen, die Dinastie als etwas ansehet und für etwas haltet, das da auf der Erde und auch noch in der Geisterwelt das Allerhöchste sei, für dessen Erhaltung und Befestigung der Herr alle Seine Allmacht verwenden solle. - O sehet, das ist ein großes Irrsal in euren Eingewaiden. Der Herr ist freilich wohl die alleinige Stärke und Macht jeglicher Dinastie und jeglichen Thrones, aber nicht der Dinastie und des Thrones wegen, das vor Ihm nichts ist, sondern der Völker wegen, die vor Ihm allein etwas sind.

03 Gott der Herr thut gegenüber einer jeden Dinastie, was da thut ein Haus- und Grundherr, der viele Waideplätze, und viele Heerden hat. Wenn ein oder mehrere Schafe seiner Heerde schlecht sind, so wird sie der Besitzer dennoch pflegen mit aller Sorgfalt, auf daß sie gut werden mögen; aber so der Hirte faul wird und schlecht, so wird er mit dem Herrn der Heerden übel zu thun bekommen; und bessert er sich nicht, so wird ihn der Herr aus dem Dienste jagen, und ihm nimmer eine Heerde zur Hut anvertrauen. - Wenn der Herr aber auch hundert Hirten vom Dienste hinweg thut, darum sie schlechte Hirten waren, so wird er aber dennoch nicht ein Schaf darum wegthun, weil es schlecht geworden ist, sondern er wird es behalten und pflegen, aber einen schlechten Hirten wird er nimmer behalten und pflegen, sondern ihn waidlich vom Dienste entfernen.

04 Sehet hin über die ganze Erde; die Völker sind noch dieselben; aber wo sind alle die Dinastieen, die einst diese Völker beherrschten? Sie sind schlechte Hirten geworden, und somit auch ihres Dienstes verlustig. - Entfernet sonach ihr aus euren Herzen das, was da thöricht ist, und überaus eitel, und nichtig vor Gott! - Ziehet aus wie ein schlechtestes Kleid eure Dinasten, und ziehet an ein neues Gewand der wahren Demuth und Erkenntniß, auf daß ihr dadurch möget in die Zahl der Gotteslämmer, die da sind die wahren Gotteskinder, aufgenommen werden!

05 Ihr habet aber Alle die Worte vernommen, die der feurige Reiter an euch gerichtet hat. Da hieß es auch, daß bald auf die Boten, denen ihr entgegengegangen seid, der Herr-Selbst kommen wird, und aufrichten eure zerstörten Vesten und zerfallenen Burgen. Ich Paulus aber sage euch noch sehr viel Mehreres denn jener feurige Profet zu Pferde:

06 Sehet, der HErr, der da nach uns kommen sollte, ist gleich mit uns da! - Dieser hier an der Seite meines Herzens ist es. Zu Diesem gehet hin, und traget ihm die Anliegen eurer Herzen vor! - Er allein besitzt die Urquelle des lebendigen Wassers; - so ihr das trinken werdet, da wird es euch nimmer dürsten ewig. - Ich habe euch zwar ein gutes lebendig's Getränke dargereicht; aber es stillet dennoch nicht des Lebensdurstes heißes Verlangen. Aber das Wasser Seines Mundes stillet jeden Durst für ewig. Darum also, da Er Selbst hier ist persönlich wesenhaft gegenwärtig, so gehet hin vor Ihn! - Er allein kann und wird euch helfen; wir Andern haben keine Hülfe in unserer Macht, wohl aber die Eigenschaft, unsere blinden Brüder für die Hülfe aus Gott vorzubereiten."

07 Sagt darauf der erste Dinast R.: „Vom Anfange her war deine Rede gut, und du hast uns die rechte Sache recht gezeigt; aber daß Dieser hier an deiner Herzseite Christus der Herr sein solle, also Gott Selbst von Ewigkeit, das ist dumm von dir. - Wenn ein Herrscher auf der Erde kein Abzeichen, als etwa einen Hausorden u. dgl. trägt, und einhergeht wie ein geringster Stallknecht eines gemeinen Bürgers, dann mag er sich es selbst zuschreiben, so er mit Koth beworfen wird. - So aber ein irdischer König stets auch durch äußern Glanz zeigen muß, wer er ist, um so mehr wird das wohl beim ewigen Herrscher aller Herrscher der Fall sein. Zudem heißt es ja auch: Gott wohnt im unzugänglichen Lichte."

08 Spricht Paulus: „O ja, das ist auch also, aber nicht für Jedermann. Siehe hin! gerade das Licht, in dem sich der Herr nun befindet, wird für dich und Deinesgleichen wohl schier das unzulänglichste sein. Denn das Licht der Demuth und der Selbsterniedrigung ist für Wesen Eures-gleichen wohl schier das unzugänglichste. O, ich Paulus sage es euch, wäre der Herr strahlend wie eine Sonne zu euch gekommen, so hättet ihr Ihn sogleich anerkannt; aber in diesem Kleide ist Er euch unzugänglich. Es wird euch aber fürder schwer werden, in solche Seine Nähe zu kommen. - Ihr wisset nun Alles; thuet sonach, was ihr wollt; ich habe ausgeredet vor euch."

209. Kapitel: Ein alter Dynast und Jesus. Erzählung vom Wunder-Merkur. Der Dynast bittet um ein echtes Wunderzeichen.

01 Hierauf tritt einer dieser noch (geistig) todten Dinasten vor Mich hin und sagt: „Du hast es vernommen, was jener Paulus und der alte R. von dir geredet haben. - Siehe, die Sache klinget selten und nahe unglaublich; aber ich will mich an alle dem nicht stoßen, und komme daher zu Dir, um von Dir Selbst zu vernehmen, ob vom Zeugnisse des Paulus über Dich etwas Wahres sei im Grunde des Grundes. Ich will jenen guten Mann, der sonst viel Weisheit besitzt, gerade nicht als einen Lügner ansehen, da er mir dazu viel zu ehrlich aussieht; aber gar leicht kann er für Dich zu sehr eingenommen sein, und Dich deßhalb in seiner zu starken Liebe zu Dir rein vergöttern; eine Erscheinung, die auf der Erde besonders bei den feurigeren Bewohnern des Südens, tausendfach vorgekommen ist.

02 Ich aber will ihn deßhalb weder loben noch tadeln, daß er solches von Dir aussagt, dieser gute Mann. Aber prüfen will ich die Geschichte denn doch, da es ja sogar geschrieben stehet, daß man Alles prüfen, und das Gute behalten solle. - Sage mir daher denn Du Selbst, was ich, und respektive wir Alle, von Dir halten sollen. - Kann Gott wohl in Deinem Anzuge Seinen Geschöpfen erscheinen? - oder kann Gott der Unendliche überhaupt von Seinen Geschöpfen gesehen und gesprochen werden?"

03 Sage Ich: „Freund, du verlangest von Mir nicht Worte, sondern Thaten! Handle Ich vor dir aber wie ein Mensch in seiner Ohnmacht, so wirst du sagen: Das kann Jedermann thun, ohne darum ein Gott zu sein; thue Ich vor dir aber Ungewöhnliches, so wirst du Mich entweder für einen Magier halten, oder für einen Naturgelehrten und sagen: Das geht ganz natürlich zu, so man von den dazu erforderlichen Vortheilen die rechte Kenntniß und Praxis hat; und man ist deßhalb noch lange kein Gott, so man auch anscheinende Wunder an's Tageslicht fördert. Würde Ich vor deinen Augen aber im Ernst eine That verrichten, deren ausschließend nur ein Gott fähig sein kann, so würde sie dir aber dennoch nichts nützen, sondern nur ungemein schaden; denn da wärest du gerichtet zum zweiten Male, und zwar sehr leicht zum ewigen Tode. Denn ein Gefesselter kann in Mein Reich, spricht der Herr, nicht eingehen. Glaube also den Worten Pauli, so wirst du leben. - Mehr von Mir sagen aber kann Ich vor dir auch nicht, indem du noch lange nicht reif dazu bist!"

04 Sagt darauf der Dinast: „Du hast wohl recht; aber das sehe ich gerade nicht ein, warum und wie mir ein wirklich's Wunder, als eine von Deiner sein sollenden Gottheit zeugende That, schädlich, ja sogar tödtlich sein oder werden solle. - Ist doch alles ein Wunder der Allmacht und Weisheit Gottes, was ich nur immer anschaue, und ich bin zunächst mir das größte; und siehe, das alles bringt mich nicht um's Leben. Also, ob nun von Gott zu den zahllosen Wundern eines hinzukommt, oder eines weniger wird, das solle bei Gott denn doch eins und dasselbe sein. Denn mich tuschirt das wohl gar nicht, in welcher Gestalt die Gottheit Sich ihren Geschöpfen zeigen wolle, und wirken vor ihren Augen ein außergewöhnliches Werk; ich werde dadurch in meinem Geiste dennoch ganz ungebunden bleiben, und denken und handeln wie jetzt, wo ich von Deiner Gottheit noch keine andere Ueberzeugung habe, als die: so ich daran glauben will oder kann.

05 Du kannst vor mir thun, was Du willst, und ich werde stets derselbe in meinem Thun und Lassen bleiben, der ich nun bin und allzeit war. Bist Du Gott, so bin ich Dein Geschöpf, und werde eine große Freude haben, meinen Schöpfer personaliter kennen zu lernen; und bist Du es aber nicht, nun, so würde ich Dich für keinen schlechten Menschen, wohl aber hie und da für einen überspannten halten, und das wird hoffentlich weder Dich noch mich tuschiren.

05a] Als ich noch Herrscher war, siehe, da kam einmal ein sonderbarer Mensch am Wege einer erbetenen besonderen Audienz zu mir; und als ich ihn in meiner gewöhnlichen jovialen Weise fragte: Was wollt Ihr von mir? Geld, Welt, Land, Sand, eine Ehrenstelle oder meine Seele; wollt ihr auf Erden ein Minister werden, oder gar ein Hofnarr? - Da sagte er: Ich bin der Gott Merkur, und leiste große Wunderdinge. Wollt ihr Gold? es steht in meinem Sold; wollt ihr Perlen und Edelgestein, wollt ihr Ambra und feinsten Wein? Wollt ihr den Mond auf Erden? es soll nach Wunsch euch werden; wollt eure Feind' ihr sehen? vor euch sie sollen stehen. Wollt Frieden oder Krieg? ich gebe euch den Sieg. - Darauf schwieg er, und ich sagte zu ihm: Vor allem, Freund, ich muß es euch gestehen, möcht ich allein nur meine Feinde sehen, und wissen auch nach altem Brauch, was ihr von mir verlangt dafür? Da sprach er: Ihr seid der Herr, und euer ist das Land; gebt bloß den Glauben mir zum Lohn und Pfand! 05b] Ich reichte ihm die Hand und sprach: Wird euch das Werk gelingen, und ich die Feind' bezwingen, dann soll an euch den Glauben kein Wesen mehr mir rauben. Und er bat mich darauf, daß ich in einen großen Spiegel hineinsehen möchte. Ich that es, und sieh! merkwürdig, übermerkwürdig! Ich ersah auf der Stelle ganz klar und deutlich eine große mir wohlbekannte Menge derselben Menschen, die mir bekanntermaßen abhold waren, und im Geheimen fortwährend gegen mich wühlten. Und ich sahe aber auch noch Andere, die ich sonst für meine besten Freunde hielt, unter Denen, die mich haßten; das war Mir etwas zu arg doch. Und ich sagte darauf in großer Erregtheit meines Gemüthes: Wenn dir, mein Freund Merkur, schon wirklich irgend ein göttlicher Funke innewohnt, und du im Ernste daraus deine Macht ziehest, so schaffe mir diese Feinde vom Halse; und was nur immer in meiner Macht stehet, will ich dir darum thun. 05c] Da sprach er: Das soll geschehen, doch nicht auf eine übernatürliche Weise, sondern auf die natürlichste und zugleich angenehmste Weise von der Welt. Ihr veranstaltet ein großes Fest, aber lasset am Plafond eures größten Speisesaales eine starke Oeffnung machen; und sehet, daß die Thüren und Fenster wohl zu versperren sind. Lasset die Tafeln mit Speisen und Getränken bester Art reichlichst besetzen, und vergesset nicht die Spieler, Gaukler und Pfeifer, so auch die Sänger und Harfner; so lange ihr an der Tafel bei diesen Gästen sein werdet, solle die vollste Heiterkeit herrschen; aber nach ein paar Stunden lasset ihr die Harfner, Spieler, Gaukler und Sänger abtreten; darauf entfernet auch ihr euch! Lasset darauf den Plafond öffnen, und vorerst einen Sfärensang durch die Oeffnung ertönen, darauf aber sogleich große Massen von den allerwohlriechendsten Blüthen, als Rosen und Hiazinthen, durch die Oeffnung über die Gäste ausschütten, dann diese Oeffnung wie alle Thüren wohl schließen; und in einer Stunde werden die Feinde im Dufte dieser Blumenblüthen ersticken. 05d] Und ich fragte den Merkur: Und was verlangst du für diesen Rath? - Und er sprach wieder: Nichts als deinen Glauben! Ich aber sagte: Was solle ich denn so ganz eigentlich von dir glauben? Und er erwiderte: Daß ich in aller Wahrheit der Gott Merkur bin, dem du einen Tempel bauen sollest in großer Pracht; an Gold und andern Schätzen sollest du keinen Mangel haben; denn ich verstehe mich darauf, Schätze der ganzen Erde auf einen Punkt znsammenzubringen. - Ich aber sagte: Du bist ein närrischer Kauz. Ziehe mir den Mond herab, wie du es sagtest, und ich will dir dein Verlangen erfüllen. - Da zog er einen runden Spiegel hervor, stellte ihn auf einen Tisch, der an einem offenen Fenster stand, durch das gerade der Mond hereinzuscheinen begann, indem es schon sehr Abend geworden war; er stellte mich in eine gewisse Entfernung vor den Spiegel, und bei Gott und allen Heiligen, - ich sah den Mond, wie er ist, freischwebend in meinem Audienzsaale so natürlich, wie er am Firmamente zu sehen ist. 05e] Und ich sagte darauf zu ihm: - Daß du etwas mehr bist denn ein gewöhnlicher Mensch, das sehe ich nun schon ein, und glaube fest, daß du so ein von Gott begabter Weiser bist, wie sie zu Zeiten die Erde getragen hat; aber für einen vollkommenen Gott kann ich dich darum nicht halten, weil du dich bisher, um etwas zu effektuiren, äußerer Mittel bedienet hast; sieh', ein Gott muß aus nichts eine Welt erschaffen können, ansonst er kein Gott ist. Du hast aber auch gesagt, daß du Gold und Edelsteine mir schaffen könntest, so viel dessen, als ich wollte. Also schaffe mir zum Beweise deiner Göttlichkeit aus nichts Gold und Edelgestein. Da sagte aber der Merkur: Meine Gottheit kannst du nicht schauen und danebst behalten dein Leben, darum darf ich vor dir denn auch kein unmittelbares Wunderwerk verrichten, da es dich tödten würde. Mit den leichten äußerlichen, sage, nur bloßen Scheinmitteln aber verhülle ich meine Gottheit vor deinen sterblichen Augen. Ich will dir Gold und Edelgestein geben in aller Hülle und Fülle; aber dafür schaffe du mir her Eisen, guten Kalk und viel Kohle. 05f] Ich ließ das alles sogleich herbeischaffen; er aber nahm dann aus einer Tasche ein Fläschchen, und benetzte das Eisen mit einigen Tropfen von der Flüssigkeit, die er im Fläschchen hatte; und siehe, das Eisen ward zu blankem Golde. Darauf legte er Kalk und Kohle in ein ziemlich großes Gefäß, und begoß es mit einer andern Flüssigkeit aus einer andern großen Flasche, und es fing an zu zischen und zu brausen im Gefässe; und ein sonderbarer Geruch erfüllte bald den großen Saal. Er aber sagte: Dieser Geruch sei unschädlich, und ich möge nur eine halbe Stunde Geduld zu Hülfe nehmen; - ich that seinem Verlangen Genüge, ging aber unterdessen dennoch in ein Nebenzimmer, da mir der Geruch doch etwas unangenehm war. Nach einer halben Stunde aber rief er mich; ich kam und sahe im Ernste die schönsten Diamanten im Gefässe, darin früher Kalk und Kohle gelegt ward, vom Kalke und von der Kohle aber war keine Spur mehr zu entdecken, und der Saal war vom besten Geruche erfüllt. 05g] Ich ließ sogleich meinen Hofjuwelier kommen und untersuchen das Gold und die Edelsteine, und der Juwelier fand zu seinem größten Erstaunen alles echt. Das machte mich stutzen, und ich sagte bei mir selbst: Wahrlich, so dieser Wundermann nicht mehr ist als ein gewöhnlicher Mensch nur, so wird das sehr viel sein; denn so was ist mir noch nie vorgekommen. Alle meine Hofchemiker und Apotheker machten große Augen, und wußten sich die Sache nicht zu erklären, und drangen in den Wundermann, daß er ihnen das Geheimniß kund thäte. Er aber sprach: Das Geheimniß besteht in Dem, daß ich ein Gott bin, ihr aber nur blinde, schwache und sterbliche Menschen. Da zuckten die Apotheker und die Chemiker mit den Achseln, und sagten: Ob du ein Gott oder ein Mensch seist, wäre so schwer zu entscheiden nicht; man solle ihn tödten, wie einen Verbrecher, und der Tod würde da ein ganz unpartheiischer Richter sein; stürbe er, so ist er auch ein ganz gewöhnlicher Mensch; und könnte man ihm aber den Tod nicht geben, dann wäre er offenbar ein Gott. 05h] Er aber sagte: "Ersparet euch diese Probe an mir! Bedenket, daß es mit Göttern nicht gut ist zu hadern oder zu scherzen! Denn ehe ihr euch's versehen möchtet, würdet ihr auch schon verwandelt sein in Asche und Staub." Da wollten ihn die Leute ergreifen. Er aber verstieß sie wie Mücklein von sich,und entschwand plötzlich aus dem Saale, und ward nachher nicht mehr gesehen. 05i] Freund, das war doch eine sehr seltene Erscheinung; und dennoch blieb ich, was ich war, und mein Glaube nahm keinen Zwang an. Ich dachte mir: Es ist wohl möglich, daß du etwas mehr bist als ein gewöhnlicher Mensch; aber es ist auch möglich, daß du auf Kosten irgend einer geheimen Wissenschaft, die uns fremd ist, dich als ein Gott uns aufdrängen willst, um auf diese Art dann ein Herrscher über die Herrscher zu werden, was dir dann freilich eine bessere Rechnung trüge, als so ich dich für deine Wunderthaten noch so kaiserlich belohnen möchte. Und so konnte ich diesen Gott recht gut ansehen samt seinen Wundern, und dennoch leben dabei; warum nicht auch bei Dir, mein geehrtester Freund?

06 Zeige mir denn auch Du etwas Wunderbares; erschaffe mir eine Welt vor den Augen, und ich werde dabei gerade so mich verhalten, wie ich mich bis jetzt verhalte; denn bei mir ist kein Wunder größer oder kleiner; und Gott ist und bleibt Gott, ob Er eine Mücke oder einen Elefanten erschaffet, und ob Er im endlosesten Lichtgewande der Sonnen oder in dem eines Bettlers Sich Seinen Geschöpfen offenbaret.

Was machte denn Christus mit all seinen Wunderwerken für einen Effekt bei den Juden? Sieh', nahe gar keinen, außer bei einigen für blind gehaltenen Fischern und Anverwandten, alle Uebrigen hielten ihn für einen Magier, Arzt und alles andere eher als für einen Gott; und doch war Er wirklich Gott Selbst."

210. Kapitel: Jesus über Wunder und ihre Wirkung. Der Dynast erkennt Jesu Weisheit. Sein Christusbekenntnis und seine Vorbehalte. Die Dynasten beraten sich. (Am 29. Juni 1850)

01 Rede Ich: „Freund, was ein Wunder auf dich für einen Eindruck machen würde, das weiß wohl nur Ich am besten; daher solle dir auch keines erzeiget werden! Daß übrigens die gesamte materielle Schöpfung, die Erhaltung und Führung derselben allerdings ein bleibend großes Wunderwerk göttlicher Macht und Weisheit ist, das die Bewohner der Erde tagtäglich schauen und bewundern können, das ist in jedem Falle wahr und richtig. Aber weil die Bewohner der Erde wie aller anderen Weltkörper eben solche Wunder schauen, die daselbst freilich wohl die sprechendsten Gotteszeugen sind, so müssen sie aber auch in diesen Wundern sterben dem Fleische nach, das eben auch ein gleiches Wunder ist.

02 Jedes Wunder ist für die dasselbe beschauende Seele ein Gericht, von dem die Seele nur durch die Macht der möglichst größten Selbstverleugnung wieder befreit werden kann. Nun aber kann diese nur in Dem bestehen, daß der Seele Alles, was nur immer nach einer Nöthigung den leisesten Geruch hat, hinweggenommen wird. Diese Hinwegnahme aber ist eben das, was ihr das Sterben, oder den Tod des Leibes, oder der Materie nennet.

03 Es muß aus der Seele alles hinaus- und hinwegsterben, was nicht des Geistes ist; denn so lange irgend eine äußere Nöthigung die Seele noch in einigen Lebensfibern gefangen hält, kann der freie Gottesgeist sich nicht in ihr völlig ausbreiten und die Seele frei machen von jeglichem Gerichte.

04 Die Gottheit an und für sich kann freilich wohl, um eine Seele zur Ueberzeugung zu bringen, Wunder wirken; aber diese Wunder, da sie nur von Außen her auf die Seele einwirken können, binden und knebeln dann die Seele aber auch derart, daß diese an eine freie Bewegung sich gar nicht mehr erinnern kann, die doch die alleinige Bedingung des Lebens vor Gott ist; daher muß dann die Seele in einen solchen Zustand kommen, in welchem sie aller Aeußerlichkeit ledig wird, auf daß in ihr dasjenige Gott ganz gleiche Wesen, das ist der Geist, sich ausbreiten kann, und die Seele für ewig als beständig zeihen vor Gott; denn Gott gegenüber kann nichts bestehen, als nur das, was Selbst Gott ist.

05 Verstehst du nun, warum ich dir Wunder vorenthalte? Sieh, wenn Gott in die schon vernünftige und einsichtige Seele nicht den Geist gelegt hätte, so könnte sie keinen Augenblick bestehen als ein freies Wesen; es würde ihr ergehen wie einem Wassertropfen auf weißglühendem Eisen; die Thiere aber müssen eben darum ganz dumm und nahe ohne alle Erkenntniß einhergehen, weil sonst ihr Bestehen eine Unmöglichkeit wäre. Verstehst du solches?"

06 Sagt der Dinast: „Ja, Freund, mir kommt es vor, als sollte ichs verstehen, und doch verstehe ich es nicht; denn derart Dinge zu begreifen, dazu gehört mehr, als daß man einige Jahre auf der Erd' die Krone und den Szepter getragen hat. Uebrigens aber sehe ich das nun sehr wohl ein, aus was für einem Grunde Du der eigentlich Erste Deiner kleinen Gesellschaft bist. Denn Du bist beiweitem der Weiseste unter ihnen; Du kennst die Natur dieser Geister- und der Materienwelt aus dem Salze, und siehst die wechselseitigen Beziehungen wohl bestens ein; das muß man offen gestehen; ob aber deßhalb Du auch schon Christus der Herr Selbst bist? das ist wieder eine leider freilich wohl ganz andere Frage." (Am 1. Juli 1850)

11 Hierauf wendet sich der Dinast an die gesamten Familiengruftbewohner, und sagt: „Ihr Alle habt es vernommen, was dieser Freund hier geredet hat, und ich brauche es euch deßhalb nicht zu wiederholen; ich aber bin der Meinung, indem wir hier wahrhaftigst je fernerhin etwas zu gewinnen, und an diesem unserem Zustande noch um Vieles weniger zu verlieren haben, so sollten wir gut gläubig den Antrag annehmen. Berathet euch deßhalb, und gebet mit eurer gesamten Einstimmung mir euren Willen und Entschluß kund, und wir werden dann entweder diesen Ort auf immer verlassen, oder aber auch, was sehr traurig wäre, Gott weiß es, wie lange noch in diesem wahrlich nicht angenehmen Orte verbleiben.

12 Ich war und bin noch ein fester Christ, und meine Loosung war stets: Christus; oder alles ist verloren. Und so glaube ich denn auch jetzt: Christum müssen wir um jeden Preis des Lebens uns zu erringen streben; denn ist Der nicht unser, oder solle Er nach einiger Meinung uns auch blos nur eine Fabel sein, dann sind wir die allerunglücklichsten Wesen. Denn wer ist dann Gott, und wie, wann und wo? Wann aber Christus Gott ist und ein Herr Himmels und aller Welt, so haben wir an Ihm einen sichtbaren ewigen Vater voll Liebe, Güte und Erbarmung, Der Seine Kinder nicht so leicht verstoßt, als ein irgendwo seiender allmächtiger gerechtester Gott allein, in Dem wohl die höchste Weisheit sein müßte, aber keine Vaterliebe und keine Erbarmung.

13 Ich, der erste aus Habsburg, aber denke so, und habe bei mir stets so gedacht: - „Wer in sich selbst voll Stolzes und Hochmuthes ist, der will auch einen allerhöchst stolzen und hochmütigsten, und allerunzugänglichsten Gott, eine Sünde des Stolzen, die manchmal auch meine Seele beschlichen hat. Aber dieser weiseste Freund hat mir ehedem begreiflich gemacht, worin die Unzugänglichkeit des Lichtes besteht, in welchem Gott wohne, nehmlich in der Demuth und unbegreiflich tiefsten Herablassung Gottes, die dem Stolzen ein Greuel ist. Und ich sage nun nach meiner eigenen Denkweise: Mea culpa, mea maxima culpa! Ich war einst als Kaiser auch in der Werkthat so, obschon ich immer den Hauptgedanken hatte, daß nur der Stolze und Hochmüthige sich Gott also denkt; aber nun ist der Gedanke in mir zur Wahrheit geworden, und ich mache euch Allen meinen irdischen Kindern den Antrag, diesem guten Freunde zu folgen. Er sagt von Ihm Selbst aus, daß Er Christus sei; allein das lassen wir aber unterdessen noch. Möglich ist alles; aber des Evangeliums wegen, das in der Hinsicht die möglich größte Behutsamkeit anrathet, wollen wir diese Sache noch sehr scharf prüfen. - Also was dünket euch? ihr meine lieben Freunde und irdischen Kinder, was werdet ihr thun?"

14 Sagt Einer aus der Mtte: „Ich und wir wissen's, daß du Rudolf bist von Habsburg des Namens und der Würd' der Erste; aber dein Höchstadlingspalast ist nicht hier, sondern wo anders; du bist hier nur ein Einwohner, und sollst daher hier nicht das Haupt- und Vorwort führen. Uns Vielen behagt es hier; wir sind gerecht, sind auch Christen; daher werden wir denn auch bleiben, bis uns die Posaune zum jüngsten Gericht hinausrufen wird, allwo uns der liebe Herrgott gnädig und barmherzig sein wolle. - Wir waren zwar nach unserem Gewissen, und nach der Möglichkeit der Sachen und Dinge, die wir schlichteten, gerecht und strenge gegen Jedermann, der gegen uns gesündigt hatte; aber wir übten auch Gnade sehr oft für Recht; und so möge uns auch der liebe Herrgott Gnade fürs Recht ergehen lassen am jüngsten Tage; bis dahin wir in aller Ruhe verharren wollen."

15 Fragt der Dinast R. I.: „Warum seid ihr aber dann mit uns ausgezogen, als wir diesen Sechsen entgegengezogen sind?" - Sagen einige Hauptthronisten: „Das thaten wir allein nur der Parade wegen, und auch aus etwas Furcht ob der tamischen Profezeihung des feurigen Reiters. Allein da wir nun sehen, daß da an der ganzen Sache nichts ist, so bleiben wir wieder in diesem unserm Höchstadlings-Palaste, verstanden? Wir bleiben hier fest."

211. Kapitel: Maria Theresia und einige andere Dynasten stimmen dem Stammvater Rudolf bei. Jesu gutes Zeugnis über Rudolf. (Am 3. Juli 1850)

01 Sagt darauf der Dinast R. I.: „Ich hoffe, daß da unter euch vielen Narren doch einige Gescheidte sein werden, und werden mir nachfolgen. Es ist übrigens wahr, es geht in diesem Höchstadlings-Palaste niemanden etwas ab, außer eine gewisse Lebensfreiheit und Lebenslust; indem dieß Leben so ganz eigentlich einem Brutleben gleicht. Aber ich für mich bedanke mich für ein solches Schlaraffenleben. Lieber wäre ich ein Schafhalter (Hirte), als solch ein stummer Einwohner solch eines dummen Hochadlings-Palastes. Ihr drei edlen letzten Lothringer, und du auch meine Tochter Theresia, was ist denn mit euch? Werdet auch ihr hier verbleiben, bis zum wahrscheinlich nie erfolgenden jüngsten Gerichtstage?"

02 Sagt die Theresia: „Lieber Urgroßohm! ich werde dir folgen, und meine Söhne auch; auch wir sind satt geworden dieses Maulwurfslebens; werde aus uns, was da wolle; nur einmal eine Veränderung, sonst werden wir noch zu lauter Statuen." - Sagt Josef: „Bin auch vollkommen dieser Meinung. Man muß den Augenblick sich zu Nutze werden lassen; wer diesen versäumet, der hat Krone und Szepter von sich geworfen, und keine Zeit bringt sie ihm je wieder zurück; und so will ich nun denn auch nicht der Letzte sein, diesen günstigsten Augenblick zu ergreifen und ihn treu zu benützen." - Sagt d'rauf Leopold: „Bin auch so gestimmt; einmal muß es ja doch anders werden; denn mit dieser Hockerei und mit diesem Blindenmausfangen heißt es nichts; auf der Erd' ein Sündenbock, und hier ein ew'ger Stock ohne Hemd und Rock, das wird öd' und fad. Darum bin auch ich so frei, und schließe mich der Auswanderung bei."

03 Sagt dazu auch Franz: „Das werden auch wir machen, und mögen die Andern lachen, so viel sie immer wollen, wir werden uns dennoch davon trollen. Auf der Welt ging's mir schlecht; meine Jugend bestand aus Krieg, Verfolgung, Aerger, Furcht und Zorn; und mein Alter aus Mühseligkeiten aller Art, aus Krankheiten, und endlich aus einem herben Leibestode; hier in der Geisterwelt, eigentlich in diesem Höchstadlingselisium verzehrt einen die tödtlichste Langeweile. Daher nur hinaus aus diesem Langweilsloche; und das je eher je desto lieber. Ich möchte nun schon lieber fliegen, als gehen von hier." -

04 Sagt darauf R. I. zu Mir: „Freund! wir sind beisammen, die wir hinaus mit Dir wollen; einige wenige Verwandte werden sich noch anschließen, und so könnten wir, so es Dir genehm ist, uns schon auf den Weg machen."

05 Rede Ich: „Gleich wird es werden, mein nun wie allzeit recht schätzbarer Freund; Ich sage es dir, daß du Mir stets ein lieber Mann warst, und hast dir nicht zu Schulden lassen kommen je eine Ungerechtigkeit; denn du hattest eine große Liebe zu Gott Jesu dem Herrn; darum du denn auch gesalbet warst zum Leiter der Völker, und hast von der Gotteskraft das Erbrecht für deine Nachkommen erwirkt und erhalten, so daß nun nach etlich hundert Jahren noch immer deine Nachkommen wenigstens mütterlicherseits auf dem dir von der Gotteskraft verliehenen Throne sitzen, und die Völker leiten gut, recht und schlecht, je nach dem Thun der Völker.

06 Weil du Mir denn aber schon stets ein lieber Mann warst, und geleitet hast die Völker gut, recht und schlecht, je nach ihrem Thun und Lassen, so solle dir denn aber nun auch der Lohn dafür werden, auf den du nun schon etliche Hunderte von Jahren gewartet hast. Es erscheint ein solch langes Harren als eine Art Ungerechtigkeit von Seite Gottes des Herrn; allein es ist dem nicht also. Ein jeder Herrscher, wenn noch so gerecht, kann auf der Welt unmöglich das Hohe seines Standes in den Staub der Demuth herabziehen; er muß wie ein Gott sich ehren und förmlich anbeten lassen; ansonst er kein rechter Herrscher wäre. Das Reich Gottes aber kann nur von denen in Besitz genommen werden, die sich bis in die letzte und kleinste Lebensfiber herab gedemüthiget haben.

07 Wer auf der Welt eine höchst geringe Stellung einnahm, dem ist es auch ein Leichtes, in der Demuth Tiefe hinab zu steigen; aber nicht so für Den, der nothwendig den höchsten Gipfel der menschlichen Würde und Größe in der Welt eingenommen hat. Die gelehrten Menschen auf der Welt haben z. B. das Meer für die am niederstes stehende Fläche der Erde angenommen, und haben jede Gehirgshöhe von dem Meeresspiegel aus bemessen und ziemlich genau bestimmet, und Ich sage dir, daß sie da den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Wer nun am Meere wohnt, der hat wenige Schritte nur, und er befindet sich am Ufer der Segnungen des niedern Meeres; aber wer sich zu gleicher Zeit noch auf einer höchsten Bergspitze der Erde befindet, der wird schon bedeutend länger brauchen, bis er zu den Segnungen des Meeres hinab gelangen wird.

08 Die Herrscher aber befinden sich geistig auf solchen Höhen, und es braucht da mehr, um an's Meer zu kommen, als bei denen, die schon am Meere wohnen. Sieh', David war ein König ganz nach dem Herzen Gottes; er war vollkommen gut, recht und schlecht; und doch mußte er in der Geisterwelt mehrere hundert Jahre harren, bis zu ihm die volle Erlösung kam; und so mußt auch du es nehmen, so wirst du darin die vollste Rechtfertigung der göttlichen Gerechtigkeit, Gnade und Liebe und Weisheit finden zu deiner vollsten Beruhigung.

09 Das aber, was Ich nun dir gesagt habe, gilt Allen, die auf der Erd' die Krone über Meine Völker getragen haben; wer aus euch sich darinnen finden will, der finde sich bald, und folge Mir! wer aber nicht will, der bleibe! - Leider giebt es noch manche hier, die sich noch lange nicht finden werden, weil sie sich eigentlich gar nicht finden wollen. Ich aber will nun noch, bevor wir diesen Ort verlassen, durch den Paulus, der da ist Mein Rüstzeug, über diesen Schlaf der Blinden eine Erweckungsstimme erklingen lassen; vielleicht werden davon doch noch Einige erwecket. Ihr Wille ist frei wie ihr Geist; darum kann und darf Ich Selbst nicht bestimmen, und sagen: diese und so viele! Denn Ich will hier nicht vor-, sondern bloß nur nach-sehen, und mild sein und voll Erbarmung; denn Denen Ich viel zu tragen gab, muß Ich auch eine große Nachsicht erweisen; darum sie sehr müde und schläfrig geworden sind, unter ihrer großen Bürde.

10 Darum Paule! erhebe dich! und erwecke sie! die sich wollen erwecken lassen!"

212. Kapitel: Erweckungsrede des Paulus an die noch schlummersüchtigen Dynasten. Der Apostel zeigt ihnen ihre Regierungs-Untaten und verheißt Jesu Nachsicht und Gnade. Erfolg der Rede.

01 Hier erhebt Paulus sich, und richtet folgende Worte nun an die Höchstadelings, sagend: „Meine geliebten Freunde und Brüder, in Gott Jesu dem Herrn!"

02 Hier wird er sogleich vom Vater der Theresia unterbrochen, der ihm bitter höhnisch also sagend vorhält: „Wann denn haben wir Schweine miteinander gehalten, daß er, als ein gemeiner Judensohn, sich erfrecht, mich per Bruder nur so gleich mir und dir nichts anzureden? Weiß er denn nicht, wer wir sind? Also mehr Art, er hundsgemeiner Judenpatzen, sonst wird man ihm zeigen, wer da ein Kaiser ist."

03 Paulus aber achtet nicht darauf, sondern fährt mit seiner Rede fort und sagt: „Es stehet geschrieben: Denen wenig anvertrauet ward, die werden über Weniges die Rechnung zu geben haben, und denen Vieles, wie euch, anvertrauet ward, die werden über sehr Vieles die Rechnung zu legen haben! - Ihr aber gehöret allesamt zu Denjenigen, denen Gott der Herr sehr Vieles anvertrauet hat, und so habt ihr nun auch eine übergroße Rechnung vor Gott dem Herrn zu legen; denn ich Paulus sage es euch, die ihr da noch voll alten verrosteten höchstadeligen Starrsinnes seid, daß für euch Alle nun ein eigentlichster jüngster Tag herbeigekommen ist, an dem man von euch die strengste Rechnung fordern wird, so ihr von eurem Starrsinn nicht lassen werdet; denn Gott Jesus, unser Herr und Vater, obwohl die höchste Liebe, Sanftmuth und Geduld, läßt mit Sich nicht spassen, indem Er allzeit und ewig nur das Allerbeste seiner Kinder will, und dieser Jesus, der uns Alle durch Seinen Kreuzestod der Macht des Satans entwunden hat, stehet hier vor euch, zwar noch immer so duldig und sanft wie ein Lamm; aber Seine Sanftmuth und Geduld ist nicht ohne Grenzen. Wehe euch! so Er einmal mit euch wird zu rechten anfangen! Nicht Eins werdet ihr Ihm auf Tausend antworten können; denn ihr seid allesamt große Sünder vor Ihm.

04 Wie Viele habt ihr bloß eures überschwenglichen Hochmuthes wegen hinrichten lassen, nicht selten auf eine grausame Weise; wie hart habt ihr stets einen erleuchteten Geist verfolget! Welcher allerschonungslosesten Grausamkeiten habt ihr euch gegen die evangelischen Brüder bedienet, welchen namenlosen Jammer habt ihr nicht selten in tausend mal tausend Familien gebracht! wie habt ihr in dem dreißigjährigen Religionskriege gewüthet, und wie viele andere Ungerechtigkeiten habt ihr auf eurem Gewissen! - Wie sehr habt ihr stets darnach gestrebet, euren Glanz zu erhöhen auf Kosten des Lebens und Blutes von Millionen, die eben so gut Gottes Kinder sind und waren, wie ihr. Wie viele Tausende schmachteten in den Kerkern schuldlos, durch die Trägheit und Ungeschicklichkeit eurer Richter, die sich unter eurem Protekte gut geschehen ließen, während eure und ihre armen Brüder - sage noch einmal - häufigst schuldlos in den finstersten Kerkern verschmachten und verzweifeln mußten. Sehet! solche und noch tausend andere allergröbste Sünden habt ihr auf eurem Gewissen. Ströme von ungerecht vergossenem Blute schreien um Rache wider euch zu Gott; und der Herr, so Er nach der ausschließenden Gerechtigkeit richten wollte, müßte euch ja für jede Ungerechtigkeit und herrscherische Grausamkeit, die ihr begangen habt, und begehen habt lassen, eine Ewigkeit um die andere im Feuer der Hölle allerschärfst büßen lassen.

05 Aber Er hat bei Sich beschlossen, nun Allen Gnade für Recht angedeihen zu lassen, indem Er keine Freude hat an den obschon wohlverdienten Qualen der Sünder. Er betrachtet euch als sehr Kranke, und will euch helfen, und kam daher (als Heiland) Selbst hierher zu euch. Was hält euch denn ab nun, ihr Blinden, daß ihr Seinem Rufe nicht folgen wollet? was habt ihr hier? Nichts, als was euch eure alte herrscherische Einbildung schafft, und dennoch wollt ihr dem Beispiele jener eurer wahrhaft hohen Brüder nicht folgen, die, wohl wissend, daß vor Gott alle irdische Größe ein purstes Nichts ist, sich sogleich an den Herrn, obschon sie Ihn noch nicht ganz erkennen, angeschlossen haben.

06 Sehet an einen Rudolf, der da war ein Regent nach dem Herzen Gottes, die Theresia, den biedern Josef, den herzlichen Leopold und den leutseligen Franz, und noch einige ihrer Brüder und Schwestern; sie haben auch Manches begangen, wie einst ein David,das da nicht in der Ordnung der Gottesliebe war; aber Gott der Herr erwog ihre Bürde, die sie zu tragen hatten, erließ ihnen wie einem David jegliche Schuld, und hat sie nun schon in Sein Reich aufgenommen; denn die bei Ihm sind, die sind auch in Seinem Reiche. Der Herr aber will auch euch Allen gnädig sein; warum wollet ihr Seine endlos große Gnade denn nicht annehmen? Ist es denn nicht besser, dem Gnadenrufe des Herrn zu folgen, als sich langsam durch einen unbeugsamen Starrsinn für die Hölle vollends reif zu machen?"

07 Durch diese Rede werden bis auf Einen - Alle erschüttert, und fangen an nachzudenken; nur der Eine sagt: „Ich bleibe ein Kaiser ewig, auch vor Gott ein Kaiser ewig!"

213. Kapitel: Ein hartnäckiger Kaiser. Rede des Paulus an ihn und Widerspruch des Starrsinnigen.

01 Sagt darauf Paulus: „Mein Freund! du magst mit deinem 'Kaiser' einen noch viel höheren Begriff verbinden, als wie du ihn schon ohnehin verbunden hast; sage es dir aber selbst, was ein Kaiser ist - ohne Land, Volk und Macht! Ich sage dir, nichts anderes als ein Thor! Ist denn ein Kaiser je aus seinen eigenen Gnaden Kaiser geworden, oder aus Gottes Gnaden? Wer giebt denn dem Menschen Macht zu herrschen, und den Willen den Völkern, daß sie ihm gehorchen? Siehe, das thut Gott, der allein der ewige Herr ist aller Macht und Kraft. Wer machte dich zum Kaiser, du dich selbst, oder Gott? So dich aber Gott zum Kaiser machte, als der alleinige Herr der Unendlichkeit, was pochst du denn hernach auf deine Kaiserwürde, als hättest du dich selbst zum Kaiser gemacht?

02 Siehe, wenn es so leicht wäre, ohne göttliche Kraft und Macht ein Kaiser zu werden, da gäbe es eine große Menge Kaisers auf der Erde. Das wäre aber vor Gott ein Gräuel der Gräuel; deßhalb setzt Er über viele Länder nur Einen Kaiser, und versieht ihn mit Macht, Kraft und großem Ansehen, aber nur auf seine herrschensfähige Lebensdauer;

03 nach dem Leibestode hört der Kaiser für ewig auf! und der Mensch, der da auf Erden ein Kaiser war, wird gleich einem seiner geringsten Unterthanen. Er kann aber im Reiche Gottes wieder etwas werden durch die Demuth und durch große Liebe - zu Gott dem Herrn vorerst, und dann zu allen Brüdern und Schwestern; aber solch starres Beharren auf dem, was Jemand auf Erden war, bringet nicht Leben und Wirkung des Lebens, sondern den wirklichen Tod nur, und die Wirkung des Todes. Ich sage dir daher: Bedenke dir's wohl, was du thun wirst! Denn siehe, das Thor der besonderen Gnade und Erbarmung des Herrn ist nicht in einem fort offen, wie es auf Erden auch nicht immer Tag und Sommer ist; im Sommer kannst du den Samen legen in die Furche der Erde, und er wird dir aufgehen und viele Frucht bringen; im Winter aber magst du säen wie du willst, so wird der Same nicht aufgehen, und wird dir auch keine Frucht bringen; denn im Winter ist für einen Theil der Erde das Thor der besondern Gnade verschlossen, und wird im Frühjahre erst wieder eröffnet; auf der Erde geschieht dieß Schließen und Oeffnen zwar regelmäßig, weil der Herr, alldort die Natur also eingerichtet hat; aber nicht so allhier, wo alles frei ist, und am freiesten sicher der Wille Gottes. Da kann Niemand zum voraus sagen: Sieh', nun kommt bald das Frühjahr und dann der Gnadensommer, sondern das liegt im Herrn verborgen; wann Er will, so ist es da; Er allein schließet und öffnet, wie und wann Er will.

04 Nun ist es da offen vor euch Allen; darum ergreifet und benützet es! Es wird aber wieder verschlossen werden, da wird dann wieder Niemand etwas zu ergreifen und zu benützen bekommen. Glaubst du denn, daß der Herr Tag für Tag auf die Erde körperlich von Seinen allerhöchsten Himmeln herabkommet, und lehrt, heilet und begnadigt Seine Geschöpfe, und macht aus ihnen Seine Kinder? O sieh', das thut der Herr nicht, und Er weiß es allein, warum Er so was thut oder nicht thut. - Er ist zwar stets die Liebe Selbst, und Erbarmung Selbst; aber Seine besondere Gnade giebt Er nicht allzeit gleich, und nicht Jedem gleich.

05 Sieh', ich war einst der größte und wüthendste Verfolger; und Er erwies mir dafür die höchste Gnade, und stärkte mich zu einem Weltapostel, während Er Seine andern Apostel nur für die Juden zu allermeist gestellet hat; und gar viel, ja ums tausendfache bessere und edlere Menschen hat Er irgend einer besonderen Gnade nicht gewürdigt; den Weisen enthielt Er es vor, und den unmündigen Kindern offenbarte Er Sein Reich und Seine besondere Gnade.

06 Aus dem aber gehet abermals hervor, daß der Herr nach Seiner innersten Weisheit thut, was Er will; Er giebt niemals in großer Ueberfülle, und entzieht es ein anderes Mal ganz und gar. Der sich oft am sichersten wähnt, ist von tausend Gefahren umringt, und der Furchtsame, der jeden Augenblick fürchtet, von tausend Gefahren verschlungen zu werden, den beschützet der Herr nicht selten derart, daß ihm auch dann nichts geschehen würde, so die ganze Erde in kleine Splitter auseinander gerissen würde. Also thut der Herr, was Er will, und bedarf nie eines Menschen Rath; es ist aber dann auch die größte und unverzeihlichste Thorheit, die Gnadengeschenke aus Seiner höchstheilig eigenen Hand nicht anzunehmen, so Er sie Jemanden freiwillig verabreichet.

07 Lasse also fahren nun deinen Kaiser, und nehme dafür hin des Herrn Gnade, so wirst du leben, sonst aber sterben in deinem Wahne."

08 Sagt der Starrsinnige: „Du redest wohl recht weise wie ein Minister; aber welch ein Unterschied ist dennoch zwischen einem Minister und einem Kaiser! Führe mir den Herrn Selbst vor; ich will Ihn in Gnaden anhören und Ihm ausnahmsweise eine längere Audienz ertheilen."

09 Spricht Paulus: „Und hast du sonst keine Schmerzen? ah, das ist wirklich auch schon alles, was man alles über alles von deiner Gnade erwarten kann. Du wolltest also sogar dem Herrn eine Audienz ertheilen, so ich Ihn dir aufführete! o du unsinniger Thor du! Gott deinem Herrn - im Gnadenwege noch dazu - eine Audienz ertheilen! Nein Freund, das geht etwas zu weit. Ich ein Paulus erbebe vor diesem Gedanken, und du kannst ihn denken und solches verlangen? - Nein, das kann unmöglich dein Werk, sondern nur ein Werk des Satans sein. Ermanne dich daher, und stehe ab von deiner zu ungeheuer großen Thorheit! Ich bitte dich, werde ein Mensch - vor Gott!"

10 Spricht der Starrsinnige: „Ein Regent spricht nach seiner gewohnten Weise, und ein Apostel nach der seinen; ich verstehe aber unter einer Audienz nicht gar so etwas Himmelschreiendes, als wie er; und ich meine, daß das unmöglich gar so hoch gefehlt sein kann, so ich den Herrn zu mir bitten lasse; denn auf der Erde schickt man ja auch um einen Geistlichen, daß er dann komme mit Christo dem Herrn, indem man selbst als ein Kranker nicht zu ihm kommen kann. Mache daher keinen solchen Lärm, als ob deßhalb schon Himmel und Erde eingestürzet wären!

11 So du schon ein weiser Lehrer bist, so bedenke dabei, daß zwischen einem Kaiser, der freilich auch nur ein Mensch ist, und einem gewöhnlichen Menschen doch immer ein himmelhoher Unterschied obwalten muß. In welcher Sfäre Jemand lebt, in der bildet sich auch sein Leben zu seiner eigentlichen Natur aus; der Adler horstet ganz heimisch und gemüthlich auf den schwindelndsten Höhen; trage eine Haushenne hinauf auf eine Felsenspitze, deren Höhestand über die Wolken hinausragt, und sie wird lebendig nimmer in's tiefe Thal hinabkommen; dem Fische ist das Wasser sein Lebenselement; einem Erdthiere ist es der Tod. Was aber fisisch sich bewähret, das findet auch fisisch unter den Menschen statt; so ich also hier vor dir meiner hohen Seelennatur nach rede, da wird das ja doch nicht so weit gefehlt sein können, als wenn ein anderer gewöhnlicher Mensch sich also zu reden unterfangen würde.

12 Ich war einmal ein Kaiser; das kann mir kein Gott nehmen, so lange Er mir die Rückerinnerung beläßt, und sonach bleibe ich denn ein Kaiser auch vor Gott ewig - in meiner Erinnerung. Daß ich aber hier weiter nichts mehr zu gebieten habe, das weiß ich schon lange, so wie er, mein polternder Freund! Ich brauche daher aber auch nichts Weiteres mehr von ihnen; ich werde mich schon selbst weiter fortbringen. Ich habe von jeher nichts weniger leiden können, als irgend Jemanden, der mir etwas und wenn es selbst das Beste gewesen wäre, hatte aufdringen wollen; und so bin ich noch ein abgesagter Feind von allem Aufgedrungenen. Wolle mir also gar nichts aufdringen, so werde ich das Gute und Wahre von selbst aufnehmen, und darnach thun und handeln; sonst aber bleibe ich, wie ich bin, ob gut oder schlecht, das ist eines; verstanden, er Polterpatron?"

13 Sagt Paulus: „O ja, sehr gut; bemerke aber blos ganz einfach nur hinzu: So lange der Ego (dein ich) als maßgebend und vorwaltend dir zu einem Richter dienen wird, so lange wird das Ego des Herrn nicht Wohnung nehmen in deinem Herzen. Die äußeren Lebensverhältnisse und Unterschiede allein für sich berücksichtigend, hast du recht in allem, was du, wenn auch gegen meine Person sehr anzüglich, in deiner dich entschuldigenden Rede mir vorgesaget hast; aber die inneren Lebensverhältnisse sind von einer ganz andern Art; diese, weil sie dir ganz fremd sind,- mußt du dir vorerst aufdringen lassen, sonst kommst du in der Geisterwelt, deren Einwohner du nun schon nahe ein paar hundert Erdjahre bist, nimmer auf ein grünes Plätzchen. Ich bin ja dein Feind nicht, darum ich dir die volle Wahrheit offenbare, nach der Beheißung des Herrn; so ich aber dein Feind nicht bin, warum behandelst du mich aber, als so ich dein Feind wäre?"

14 Sagt der Harte: „Ich behandle dich nicht als Feind; aber du gefällst mir nicht; darum will und muß ich einen Andern haben, und ihn hören, auf daß ich recht weiß, was ich zu thun habe."

214. Kapitel: Lebenszeitrechnung im Jenseits. Ein weltgeschichtliches Verlangen. Gleichnis vom Taschenspieler. Der wahre Hofglanz. (7. Juli 1850)

01 Spricht Paulus: „Du wirst auch einen Andern erhalten; aber jetzt noch nicht, wo du nahe wie ein Stein materiell in allem deinem Denken, Sinnen und Trachten bist; ich Paulus aber bin darum ein Paulus, der winzige Apostel, weil ich zuerst von den Kindern das grob Materielle hinwegrasple, und von ihnen den ersten Unrath schaffe gleich einer Hebamme, und taufe die schwachen Kinder gewisser Art schon im Mutterleibe, auf daß sie dann um desto eher fähig werden möchten, die mächtige Taufe des Geistes zu empfangen; so lange du daher nicht deine zu sehr Materie-vollen Gedanken und Begierden gegen geistige vertauschen wirst, wirst du des Paulus nicht los; denn wie gesagt, das ist des Paulus Geschäft, daß er zuvor den Platz reinigt, auf daß hernach die rechten Bauleute das Gebäude aufführen können, welches dann vom großen Baumeister eigenhändig die entsprechenden Verzierungen und allerlei innern herrlichen Einrichtungen erhält.

02 Sei du daher anfänglich nur zufrieden mit mir; denn wer einmal den Paulus annimmt, der kommt dann auch zum Petrus, zum Johannes und endlich zum Herrn Selbst; aber Jeder, der da anfängt, der fängt mit Paulus an, sonst kommt er nimmer an den Petrus und noch weniger an den Johannes; wer aber nicht an den Johannes kommt, der kommt auch nicht an den Herrn; denn Johannes ist gleich der Liebe des Herrn zu Seinen Kindern."

03 Sagt der Harte: „Ganz wohl; aber du bist nicht getreu in deinen Angaben, und so kann ich mich auf dich nicht verlassen. Denn „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht." Du sagtest, daß ich schon nahe an zweihundert Jahren nach irdischer Rechnung hier in der Geisterwelt mich aufhielte; und siehe, das ist vollkommen erlogen, denn ich bin erst kaum bei 110 Jahre hier, und es fehlen sonach noch 90 nach deiner Angabe. Sollen denn Geister deiner Art nicht genau anzugeben im Stande sein, wie lange irgend ein Geist als ganz bestimmt hier wohnt? Putze dich nun aus dieser Sohse, so du's kannst, und ich will dich behalten." .

04 Sagt Paulus: "Das ist eine Schafwoll-Locke, um die du hier mit mir rechten möchtest; aber es solle dir sehr schwer fallen ein solcher Streit; denn wisse, der Paulus ist ein gewaschener und kein ungewaschener Jude, und mit denen ist es nicht gut Kirschen essen; denn da bekommt der in der Wette Mitessende sehr leicht alle Stengel und Steine ins Gesicht. Sag' mir, du ausgehölter Hohlborer der hohlsten Materie, wann du in der Geisterwelt das Rechnen gelernet hast, indem du mich einer Lüge beschuldigen willst. Siehe, du Thor, wir rechnen hier in der Geisterwelt also: Von dem Augenblicke an, als vom Herrn deiner Seele der Geist eingelegt ward, was sobald geschieht, als die Seele eines Kindes des ersten Gedankens fähig wird, was bei manchen Kindern schon im ersten Jahre der Geburt geschieht. Vor der Zeit der Einlegung des Geistes in die Seele aber ist jeder Mensch auch schon ein Bewohner der Geisterwelt und lebt und webt stets die halbe Lebenszeit vollends in der Geisterwelt, was ihm seine Träume nur zu klar sagen; nur die naturwache Tageszeit ist er zum größten Theile seines Wesens in der Materiewelt, obschon Mancher durch geistige Gedanken, Betrachtungen, Gebete, Liebe zu Gott und edle Handlungen sich auch am hellsten Tage rein in der reinen Geisterwelt befindet. Und sieh, von da an beginnt auch die Rechnung, wie wir hier zu rechnen pflegen; und so du das addirst zu deinen 110 Jahren, so wirst du die Annäherung an die 200 Jahre wohl doch sicher nicht gar so lügenhaft finden, als wie du es mir, deinem Freunde, keck und grob genug ins Gesicht sagtest."

05 Sagt darauf der Harte: „Das habe ich aber nicht gewußt, daß man hier also rechnet; hättest du mir davon früher eine Anweisung gegeben, so hätte ich dich keinen Lügner genannt, und du mich auch nicht einen ausgehöhlten Hohlbohrer der hohlsten Materie, was auch kein Kompliment ist; und weil du grob wardst, da ich grob war, so glaube ich, daß wir uns gegenseitig quittirt haben, und sind demnach einander nichts mehr schuldig. Ich bin nun gut; bist du es auch?"

06 Sagt Paulus: „Ganz vollkommen; aber jetzt mußt du dir von mir dafür aber schon noch einige Worte gefallen lassen." - Sagt der nun etwas Weichere: „Rede nur, so viel du magst und kannst; ich will dich anhören; sage mir aber auch, wie es nun in der Welt aussieht, und was da meine Nachkommen machen, und wie es ihnen ergeht. Ich habe vernommen, daß es in Oestreich große Bewegungen gegeben habe. Sage mir auch darüber noch etwas Näheres, so du das kannst."

07 Sagt Paulus: „Wir sind nun in Wien selbst, und werden in dieser Stadt noch Manches zu schlichten bekommen, und bei der Gelegenheit auch so Manches erfahren, wie es nun auf der materiellen Außenwelt aussieht; vorderhand aber heißt es sich mit dem befassen, was uns viel näher als die Materienwelt. Du bist noch ganz von der spanischen, zumeist durch den damals höchst und reichst-gestellten Priesterstand promulgirten Hofgrandezza der dortigen Herrscher durchdrungen, und meinst, daß alles Hohle nur durch einen möglichst erhöhten Glanz, der im Golde und allerlei eitelsten Zeremonien bestehet, aller Welt imponiren kann, um das gemeine Gesindel zum blindesten Gehorsame zu nöthigen. Ich aber sage dir, daß es auf der ganzen Welt nichts Grundfalscheres und Irrigeres geben könnte, als eben diese über alle Maßen dumme Annahme.

08 Siehe, ein Taschenspieler unterhält seine geblendeten Zuseher nur so lange, als diese nicht hinter das Nichtige seiner Kunst gelangen; werden sie aber von einem Sachkundigen aufgekläret, dann kann der falsche Zauberer schauen, wie er ein Loch zum Durchgehen findet, sonst werden ihm die Zuschauer etwas erzählen, und sich bei ihm auf eine sicher sehr energische Weise zu bedanken wissen, darum, daß er ihnen eine falsche für eine wirkliche Zauberei verkauft hat. Ah, klar und gewiß etwas anderes ist's, so ein Falschmagier sich auch als solcher ankündigt; da wird ein jeder Zuschauer es wissen, daß diese Zauberei eine reine natürliche ist, und wird ganz vergnügt, den Falschkünstler sogar ehrend und lobend, den Schauplatz verlassen; und wird sich auch um die Art und Weise nicht viel kümmern, wie der Falschzauberer ein oder das andere Zauberstück hervorgebracht hat; denn der Zuschauer weiß es ja, daß das Ganze nur ein recht fein und pfiffig ausgedachter Sinnentrug ist, und keine Realität. Aber so der Falschkünstler ankündigte, daß er eine wirklich altegiptische Zauberei ohne alle Apparate zum Besten geben wird, und man entdeckt aber dann bei der Produktion dennoch allerlei Behelfe, und entdeckt in dem angekündigten wirklichen Zauberer nur einen ganz gewöhnliche sogenannten Hokuspokuskünstler, da wird dieser einen schweren Stand haben, sich vor seinen betrogenen Zuschauern zu behaupten.

09 Und siehe, ebenso verhält es sich auch mit dem Hofglanze; dieser kann ein wirklicher, und auch ein falscher sein; wehe aber dem Regenten, der da durch einen falschen Hofglanz seine Unterthanen hat täuschen wollen! So sie dahinter kommen, wie es in Spanien und Frankreich, und in vielen andern Staaten schon gar oft der Fall war, da wird es solch einem Falschglänzer schlecht und übel ergehen.

10 Der wahre Hofglanz aber besteht vorerst in der Weisheit und Herzensgüte des Regenten, in einem gut vertheilten und zweckmäßigen Wohlstande der Unterthanen, in einer festen und guten Disziplin eines nicht unnöthig, blos der Parade wegen, großzählig gehaltenen Wehrstandes, und in allerlei weisen Staatseinrichtungen, vor denen die ganze Welt einen tiefen Respekt bekommen muß; und nachher auch erst in dem, daß der Regent seiner Würde nach in seiner Wohnung als das erscheint, was er eigentlich ist, nehmlich: Ein weiser Regent eines wahrhaft glücklichen großen Volkes.

11 Was nützt es aber einem Regenten, in goldnen Staatswägen herumzufahren, so sein Volk in dürftigste Lumpen gehüllt, traurig, matt und hungrig seufzet, weinet, klaget und von einer Verzweiflung in die andere dahin schmachtet! Was nützt es, den Schwachen alle Bürden aufzulegen, von denen sie erdrückt werden, selbst aber als ein stolzer Aar in hohen Lüften, - der armen Menschheit am harten Erdboden spottend - herumzuschweben, und sich zu ergötzen am Elende der schreienden Armuth? Die Armuth wird sich in ihrem Todeskampfe entsetzlich rächen an solch einem Regenten, der füglicher ein Volksvampir als ein Volksregent genannt zu werden verdiente.

12 Siehe an solch stolze Herrscher, wie da Spanien, Frankreich und England schon einige getragen haben; sie fielen endlich als traurige Opfer einer entfesselten Volkswuth! - Du bist aber im eigentlichsten Sinne noch ganz befangen von dieser Hofgrandezza, die weder vor den Menschen, und noch viel weniger vor Gott einen Werth hat; lasse sie fahren; denn sie hat dir nie einen Segen gebracht, und wird dir noch weniger für die Ewigkeit je einen bringen; siehe, wäre deine Tochter nicht von einem ganz andern Geiste durchdrungen worden, als wie von dem deinen, da bestände schon lange kein Oestreich mehr; von allen Seiten wären sie über es hergefallen, wie die Raben über ein Aas, und hätten es zerrissen nach allen Seiten, wie sich's hernach auch unter deiner Tochter, ihrem Sohne, unter dem Leopold und Franz praktisch in theilweisem Maß gezeigt hat; und siehe, zu all diesen Uebeln hast du den Samen gelegt. Und so lange die nachfolgenden Regenten in deinen Goldwägen fahren werden, werden sie von Prüfungen mancher trüber Art nicht befreit sein. Der Herr kann es zwar ändern, und kann die veränderten Wägen segnen; aber leicht geht das nicht, besonders wo ein solches Geräthe zu sehr aus den Thränen geheim weinender Völker geschaffen ward.

13 O Karl! du warst ein harter Regent; werde daher nun weich, vor Gott deinem Herrn, auf daß du jene Wunden heilen magst, die dein übertriebener Hochmulh den Völkern geschlagen hat. Warst du auch gerade kein böser Regent, so warst du aber dennoch ein harter; und darum werde nun weich vor Gott! und ein Balsam allen, die unter dir stark verwundet in eine krasse Nacht gelanget sind; denn es schmachten ihrer noch viele hier im Geisterreiche, die unter dir geblendet worden sind. Gehe daher nun her vor den Herrn, deinen Gott und unser aller Gott und Vater; lege deine große Schuldenlast zu den Füßen Jesu des Herrn, auf daß Er dich stärke und gesund mache, in allem, wo du als höchst krank vor Ihm erscheinst. Denn bei Ihm sind alle Dinge möglich."

215. Kapitel: Der stolze Kaiser Karl in Verlegenheit. Sein Lebensbericht. Paulus rüttelt den Hochmütigen. Regenten vor Gott. Zwiegespräch Karls mit Jesus. Endlich Gnadenbitte und Verlassen der Gruft! (Am 9. Juli 1850)

01 Spricht K.: „Wo ist der Je--Je-J- no, no, no, itzt bring' ich den Namen nicht heraus! Wie, wie heißt er denn noch anders?" - Spricht Paul: „Jesus Christus, d. h. der Heiland, der Gesalbte. Du kannst diesen Namen nur deshalb nicht aussprechen, weil nichts von Ihm in deinem Herzen ist. Du brauchst aber nicht zu fragen, und stolz zu fragen: Wo ist denn Jesus, zu dem ich hingehen solle? denn Er stehet ja ohnehin hier knapp bei mir, und ist mir stets der Allernächste! Du brauchst nicht einmal einen Schritt zu thun, sondern dich bloß nur an Ihn zu wenden, und du bist dann schon bei Ihm, so gut als es dir möglich ist, in diesem deinem Zustande dich Ihm zu nahen. Sage wenigstens in deinem Herzen: „Herr! sei mir großem Sünder gnädig und barmherzig; nicht Werth bin ich, meine Augen zu Dir empor zu heben! - Und der Herr wird dir thun, was da des Rechtes und der milden Gerechtigkeit ist."

02 Sagt Karl: „Also dieser ganz ordinäre Jude solle der Herr sein?"- Sagt P.: „Ja Dieser ist es, und das einzig und alleinig!"

03 Hier fängt der Karl an sich hinter den Ohren zu kratzen, und sagt bei sich so mehr in seinen Gedanken: „Also das solle der Herr und der Schöpfer Himmels und der Erde sein! Nun, nun, das geht gut, also, so sähe der Herr aus, nicht übel, gar nicht übel! Dem hätte ich ja gleich wie einem gemeinsten Bettler etwas geschenket, und das solle - solle - solle wirklich Gott der Herr sein? Zwar manchmal reisen ja auch die hohen Regenten der Erde im strengsten Inkognito; warum solle so was Gott unmöglich sein? Nicht auf meine, sondern auf dieses Paulus Verantwortung will ich es aber dennoch gleichwohl annehmen, obschon mir diese Annahme äußerst fade vorkommt, wie mir auch auf der Welt überhaupt jeder gemeine Kerl unendlich fad vorgekommen ist. Ich habe deßhalb auch nur einer Messe beiwohnen können, die mit dem höchsten Pompe aufgeführt worden ist, und wo kein Plebs in die Kirche eingelassen wurde, sondern allein nur der höchste und glänzendste Adel, und die höchsten Staatsbeamten in den glänzendsten Staatskleidern. Ich ertheilte darum dem gemeinen Volke des Jahres auch nur Eine bis höchstens 4 Audienzen, weil mir dieß gemeine Gesindel über alles fade war. Ich errichtete darum auch stehende Heere, damit ich nicht mit dem gemeinen Trosse des Volkes, das gewöhnlich meine Adelinge im Nothfalle zusammenrafften, in einem oder dem andern Gefechte in Berührung kam. Ich verlieh darum auch dem Hofe den größten Glanz, um mich vor der unerträglichen Fadheit zu verwahren; so war mir der eheliche Beischlaf das Unerträglichste, weil ich darauf von einem allermarterlichsten Fadheitsgefühle gequälet worden bin. Und nun solle ich dennoch wieder in die Fadheit mich hineinwerfen gleich wie eine Sau in eine gemeinste Froschlacke! In Gottes Namen denn; so ich schon mich der Fadheit ergeben muß, so sei es denn! O du entsetzliche Fadheit! Dieser gemeine Jude - überhaupt ein Jude - das ist mir schon das Allerunerträglichste! Ich hätte als Kaiser alle Juden können hinrichten lassen, und itzt solle ich einen gemeinen Juden als Gott den Herrn anerkennen und anbeten und lieben? - o du entsetzliche furchtbarste Fadheit aller Fadheiten!"

04 Sagt Paulus: „Siehe zu, daß dir am Ende nicht etwas anderes fade wird! Meinst denn du, der Herr ist etwa auch ein solcher Erzaristokrat wie du, und findet alles fade, was sich nicht als hochadelig legitimiren kann! Ich aber sage dir etwas anderes: Siehe zu, daß du dem Herrn nicht fade und unerträglich wirst! Denn so der Fall eintreten würde, da wärest du das unglücklichste Wesen unter den zahllosen! Denn wer Gottes Einrichtungen und Anordnungen fade findet, der ist ein Kind des Hochmuthes und des Stolzes, und also ein Gräuel vor Gott dem Herrn. - Der Herr ist stets dem Kleinen zugewendet; und wer da nicht wird wie das Kind eines gemeinsten Bettlers, wird nie einen Theil an dem Reiche Gottes haben.

05 Meinst denn du, der Herr liebe die Regenten der Erde? - O da irrst du dich sehr! Sieh, der Herr duldet sie wohl, als ein Uebel den Völkern, die selbst übel und böse sind; aber Seine Liebe sind sie nicht, sondern Sein gerechter Zorn. Denn Er Selbst sprach durch den Mund eines Profeten (Samuel), als das jüdische Volk auch einen König von Gott verlangte: Zu allen Sünden, die dieses Volk vor Mir beging, thut es auch diese hinzu, das es einen König verlangt. Ich werde ihm auch einen König geben in Meinem Zorne. - Sieh', nicht in der Liebe, sondern im Zorne gab Gott den thörichten Juden, die auch durch eines Königs Glanz ein großes Volk sein wollten, einen König, der sie hernach knechtete, und zu lauter gemeinen Dienern und Sklaven machte. Daraus aber gehet hervor, daß die Könige dem Volke nicht so sehr ein Segen, als vielmehr eine Strafe sind, weil die Menschen noch immer die Welt mehr als Gott lieben.

06 Da es aber also ist, was bildest denn du dir hernach gar so viel ein, auf das, daß du auf der Erde ein Regent warst? Gott allein ist Regent; alle Menschen aber sind Brüder und Schwestern! - Gehe hin und bekenne vor Gott deine Schuld, sonst sieht es schlimm aus mit dir!"

07 Sagt K.: „Warum solle es übel mit mir aussehen! Ich habe als Regent so gelebt und gehandelt, daß mir alle Weltgeschichte ein rühmendstes Zeugniß vor Gott und den Menschen geben muß; was solle ich deshalb dann zu fürchten haben? Besaß ich nicht die Liebe meiner Völker und zwar in dem Maße, daß ich sie buchstäblich mit ins Grab nehmen konnte, und wurden meine Anordnungen nicht pünktlich befolgt? Was Arges habe ich denn hernach angestellet, weßhalb ich ein Uebel zu erwarten haben solle?"

08 Sagt Paulus: „Was deine Regentschaft betrifft, so war sie - wie jede andere - eine von Gott zugelassene, zur Züchtigung eines stark entarteten Volkes, und wir wollen darüber keine weitere Kritik anstellen; denn es handelt sich hier weniger darum, was du deinen Unterthanen gegenüber, als vielmehr, was du dir und deinem innersten Leben selbst warst; sagst du: Ich habe geherrschet aus meiner Macht! dann war deine ganze Herrschaft schlecht! Sagst du aber: Gottes Kraft und Macht hat mich so und nicht anders zu herrschen bestimmt! dann hat die Sache sogleich ein anderes Gesicht, denn der Herr sieht nie auf die Handlung allein, sondern hauptsächlich auf den Grund, und auf die Absicht der Handlung.

09 Mag eine Handlung an und für sich noch so gerecht sein, der Vollführer derselben aber verrichtet sie auf seine Ehre und nicht auf die Ehre Gottes, so ist sie schlecht für den Vollführer; denn der Herr Selbst sagt es: Und so ihr alles gethan habt, so saget: Wir sind unnütze und faule Knechte gewesen! So der Herr Selbst aber ein solches Bekenntniß von uns verlangt, was können wir Ihm dawider entgegnen? So du sagst: ich war ein Regent, da handelst du schon wider Gott, und giebst dir selbst ein arges Zeugniß wider dich; sagst du aber: ich war nur ein schlechtes Werkzeug in der Hand Gottes, und der Herr war der Regent durch meinen Willen, und machte aus meinem schlechten Samen eine gute Frucht, dann bist du gerechtfertigt vor Gott, wie ein David, der aus sich auch war schlecht, und allein nur durch Gott recht und gerecht. Sieh', - du hast durch deine mehrjährigen Kriege nicht so viele Menschen geschlachtet, als David oft an einem Tage; und doch war David ein Mann nach dem Herzen Gottes, du aber nicht; weil du aus deiner eigenen Kraft und Macht zu handeln wähntest, während David sich solch eines Vergehens nur ein einziges Mal zu Schulden hatte kommen lassen, wegen des Urias Weibe, dafür er aber dann auch viel Buße that.

10 Du besaßest wohl deines Volkes Gunst, besonders des hochadeligen; aber es wäre besser gewesen, so du die Gunst und Liebe des Herrn besessen hättest. Also Freund! nicht wir, sondern der Herr allein ist alles in allem, und ganz und gar nichts sind alle Menschen vor Ihm. - Dieß fasse in dein Herz, und wende dich also an den Herrn, so wird es mit dir vorwärts gehen! Ich habe nun geredet; der Herr sei mit dir!" -

11 Karl, über diese Worte sehr zum Denken getrieben, wendet sich nach einer Weile zu Mir, und sagt: „Du wärest nach der Aussage dieses Paulus also wirklich Christus der Herr, der einst zu Jerusalem gekreuziget wurde von den bösen Juden, die noch deßhalb fortwährend meine größte Antipathie sind, und zwar derart, daß es mir nun noch leid thut, daß ich diese Brut wenigstens in meinem Reiche nicht vertilgt habe." - Sage Ich: „Ja; hast du aber dagegen etwas einzuwenden, so rede, und sage, was Mir noch abgeht, um vor dir, du großer Herr, würdig als Christus auftreten zu können."

12 Sagt Karl: „Das ist eine sehr sonderbare Frage, die einem Menschen wohl kaum in einem Traume einfallen könnte. Nach meiner irdischen Art zu urtheilen ginge dir wohl gar Vieles ab, um vor mir würdig als Christus, ein Herr Himmels und der Erde - auftreten zu können, und von mir als solcher auch anerkannt zu werden. Aber hier bin ich nun nicht mehr gar so delikat, und nehme bald irgend einen Prügel für einen Szepter, und eine Schlafmütze für eine Krone an, warum denn, nicht auch Dich für Christum den Herrn! So lange bis mir irgend ein Besserer vorkommt, bin ich mit dir ganz vollkommen zufrieden; kommt aber irgend wann ein anderer und ein tüchtigerer vor, nun, so läßt sich die Sache dann ja auch sehr leicht ändern; der Rechte wird angenommen, und der Falsche sitzen gelassen werden. Aber übrigens muß ich dir sagen, daß Du mir unterdessen als Christus recht gut gefällst; wenigstens verstehst du so recht gut die Rolle desselben zu spielen. Dein gewisser leutseliger Ernst, und Dein recht majestätisch schöner Kopf mit großen blauen Augen macht sich sehr gut, und Du bist somit ein recht würdiger Repräsentant Dessen, was Du hier vorstellest; ob Du nun auch möglicher Weise wirklich das bist, was Du vorstellest, das zu bestimmen und zu behaupten vermag ich nimmer; aber auf die Gefahr dessen, der Dich mir als den wirklichen Christum anzeigte, will ich auch das annehmen, und falle daher als der größte gewesene Kaiser des römisch-deutschen Reichs Dir zu den Füßen, und sage: „Herr, sei mir Sünder vor Dir gnädig und barmherzig!"

13 Sage Ich: „Freund, Ich bin zufrieden, daß es nun mit dir so weit gekommen ist, und wir nun aus dieser Gruft der Todten hinaus ins Freie uns begeben können; denn hier wo die Todten hausen, kann man nicht viel vom Leben sprechen. Draußen, wo ein reineres Licht das endlose All der Geisterwelt durchdringet, läßt sich auch reiner schauen und wahrnehmen und empfinden, Wer Der ist, Der hier nun mit dir redet; und so verlassen wir denn nun diesen Ort, und begeben uns ins Freie."

14 Schreien nun Alle: „Heil Dir, o Herr, daß Du solches an uns thust! denn nun fangen wir erst an einzusehen, wo wir waren, und wie es uns ergangen ist; Du allein bist unser Erlöser! - Dir ganz allein daher auch alle unsere Liebe, Ehre und Anbetung; denn Du allein bist es würdig, dieses alles von uns Allen zu empfangen und allergnädigst hinzunehmen." - Sagt Karl, sich nun vom Boden wieder erhebend: „Herr, bei diesem Gruße bin auch ich vollkommen dabei, und das nun wirklich aus vollem Herzen; aber wohin wirst Du uns nun führen?"

15 Sage Ich: „Nun hinaus in die Gassen Wiens, und da wird es sich dann schon zeigen, wo wir etwa einkehren werden. - Robert, gehe nun mit der Helena wieder voran!"

216. Kapitel: Geldgierige Bettelmönche am Gruftausgang. Hohe Kleriker im Stephansdom.

01 Robert geht nun voran, und am Eingange der Gruft stehen zwei Mönche mit einer tüchtigen Geldbüchse, und reden den Robert um ein Trinkgeld für die armen Seelen im Fegfeuer an. Robert entschuldigt sich und sagt, daß er kein Geld habe. Die Mönche schmunzeln und sagen ganz heimlich: „Ja, ja, holt wieder an Schmutzpak mehr auf der Welt!" - Kommen nun die Dinasten an den Ausgang, und werden auch angesprochen, die den Mönchen aber auch nichts geben, natürlich aus dem Grunde, weil sie nichts haben, und die Mönche sagen: „Ja, ja! bei diesen muß man holt allzeit bittschriftli einkummen, und nochher kriegt mon erst noch nix, ols höchstns an obweislichen allergnädigsten Bescheid um a paar Joahrlen später; no, dös kennen wir schon; ober hiazt kummen die vier ganz Fremden; vielleicht lossn döi a Bisserl ani Hoar!"

02 Komme nun Ich mit Paulum, Petrum, und Johannem, und wir werden auch sogleich um einen Beitrag für die armen Seelen im Fegfeuer angeredet. Paulus aber fragt die Mönche, „wo denn das Fegfeuer für die armen Seelen wäre." - Und ein Mönch sagt ganz gravitätisch: „Zweihundert Meilen tief unter der Erd, und noch um 100 Meilen tiefer kummt dann d' Höll mit den Verdammten, die dort ewig brennen, weil sie nie für d'armen Seelen im Fegfeuer was thun wollten."

03 Sagt Paulus darauf: „Und gelt, da habt ihr wohl eine rechte Freude darüber!" - Sagen die beiden Mönche: „O ja, das wuhl sicherli, und won mer ihne a helfe kunnte, so that mers deno nit; denn die schmutzgn hartn Ludern sulln nur ewig brennen; wir möchten jo kannen Vaterunser beten für sener." - Sagt Paulus: „Aber ihr seid eben nicht gar sehr barmherzig, wie ich es sehe; wie wäre es denn, so ihr in der 400 Meilen tiefen Höll unter der Erd' wäret? Wäre es euch angenehm, so Jemand gar so unbarmherzig mit euch umginge? Möchtet ihr euch so ewig sieden und braten sehen?" - Sagt der Eine: „I bitt Ihnen, euer Gnodn, dos war aber a dumme Frag'. Wie kann mer ober so wos frogn, wos net gschehen kann? ei Mönch' kimmt jo net so leicht in d'Höll, wie an onderer Mensch, denn den schützen schon die vielen heiligen Messn, die er für d'armen Seele glesn hat; verstandn euer Gnodn!" (Am 12. Juli 1850)

04 Sagt Paulus nothgedrungen etwas scherzhaft: „Ah, das ja, das ist freilich etwas ganz anderes, richtig, richtig, an die heiligen Messen habe ich gar nicht gedacht; ja, ja, die mögen wohl freilich für alles mögliche gut sein. Habt ihr Beiden schon so recht viele heilige Messen gelesen, und das mehr gezahlte, oder mehr ungezahlte?"

05 Sagen die Mönche: „Dös is scho wieder ani ung'schickte dumme Frog. Wer wird denn in Wean ani ungezohlte Meß lesen! Mer wird mit de g'zohlten net firti, nocher soll mer epers a noch ung'zohlti lesen. Waß der gnäd'ge Herr dös net, daß sich die Reichn n' Himmel kaufen müssen, und nur d' armen Teufel werdn umsonst hineingeloss'n. Jo mein lieb'r gnädger Herr! d' reich'n Luidern sulln nur zohln, wonns a in Himml inein kumme wulln, sonst wird wuhl a Komel ehenter durch a Nodlloch schliefen, als a Reicher ins Himmelreich! Wer 'n Himml af der Erd hot, dem g'bührt in d'r and'rn Welt die Höll, und waon er scho a durt den Himml hobn will, so müaß ern ihma kaufe, und dös net epers wuhlfli, sondern so theuer, als nuar immer migli is. Und mer Priestr Gottes hob'ns Recht, den Himml aufz'than, ode zu z'mochn; daß wir ihn ober für d' Reiche net umsist aufthun werdn, dös werdn d' gnäd'gen Herrn doch epers begreife! De schmutzgen Luidern sulln zohln, doß inna d' Augn übergeahn, befur sie in den Himml inein g'lossn werdn. Jo, dös thuan wir, und wir hobn's Recht dozu!"

06 Sagt Paulus: „Und wer hat euch denn das Recht gegeben?" - Sagt der Mönch: „Na, is ober dos wieder a Frog! Wer wird's denn gebe hobn? der Popst, ols der Stellvertreter Christi auf Erdn; und der hots Recht von Gott. Dos werdns jo epers doh wissn, wonns kan Erzketzer san!"

07 Sagt Paulus: „Nun gut, gut, wir verstehn uns schon, und benöthigen deßhalb keines Lärms; aber das einzige sagt mir noch, ob ihr das wisset, daß ihr euch nun nicht mehr auf der Erde, sondern rein nur in der Geisterwelt befindet." - Sagen die Mönche laut lachend: „Uns scheints, doß beim gnädgen Herrn, wie wir so urdinär weg sag'n, es z'rapln anfangt. Won wir in dr Giest'rwelt war'n, so warn wir entweder im Himml, oder im Fegfeuer, oder gor in d'r Höll, und thät mer neamer ane heilge Meß les'n; do ober sicht (sieht) der gni Herr jo do, doß mer hiazt in aner Kirchn san, und sonst nirgends; und do ist kane Giesterwelt, hod der gnä Herr dos verstaonden?" '

08 Sagt Paulus: „Ja ich habe euch verstanden, und eingesehen, daß ihr noch für eine lange Zeit unheilbar seid, daher wir euch auch so belassen wollen, wie wir euch gefunden haben. Ich bin zwar Paulus, der weltbekannte Apostel des Herrn; die zwei hinter mir sind Petrus und Johannes, und in ihrer Mitte ist Christus, der Herr Selbst, Der euch helfen wollte; aber ihr seid dafür noch viel zu blind; euch wird nur das Loch des äußersten Abends heilen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird. Gehabt euch wohl! in einigen Hundert von Erdjahren werden wir uns wieder sehen."

09 Paulus geht nun; und als Ich mit Petrum und Johannem zu den Mönchen komme, so reden sie auch Mich um ein Almosen für die armen Seelen im Fegfeuer an; Ich aber gebe ihnen keine Antwort, und gebe ihnen auch nichts, wie auch meine Begleiter nichts; da fangen die beiden Mönche uns in die Hölle zu verwünschen an, und heißen uns schmutzige Luder hin und her und auf und ab. - Da kommen aber alle die Wiener nach, die wir schon früher gewonnen haben, packen die beiden Mönche, und wollen sie recht wacker durchprügeln. Ich aber sage zu ihnen: „Lasset sie! diese sind geschlagen zur Genüge; alle ihre Mühe sowohl auf Erden, als wie besonders hier im Geisterreiche ist von nun an eine vergebliche; sie werden langsam verdorren wie ein gemähtes Gras, und werden zu Futter für die Thiere aufgespeichert werden im äußersten Abende. Gehen wir nun hinaus! Ich sehe noch einige fruchtbare Gärten; in denen müssen wir noch eine Ernte machen."

217. Kapitel: Vor dem Stephansdom. Bittrede der erlösten Dynasten zum Heile ihrer kirchlichen Amtsgenossen. Jesus über die schwierige Heilung geistlichen Hochmuts.

01 Wir gehen nun vorwärts, und befinden uns nach einigem Gehen vor dem sogenannten Stefansdome;

02 da treten einige Dinasten zu Mir, und sagen: „Herr, da es Dir schon Wohlgefallen hat, diese unsere Residenzstadt zu besuchen, und die in ihr noch vielfach hausenden und herumirrenden blinden Geister zu beleben mit Deiner Liebe, Gnade und Erbarmung, und sie zu befreien aus der Nacht des Todes; o, so wolle denn du nun auch noch dieser Armen gedenken, die hier unter diesem Bethause in den Katakomben fisisch und geistig begraben liegen; wir sehen es jetzt nur schon zu klar ein, daß bei Dir alles, was auf der Welt niedrig gestellet war, einen leichten Vorgangsstand hat; denn aller niedergestellten Menschen Vergehen liegen zumeist in dem Mangel an einer rechten zweckmäßigen Erziehung; aber bei den Hochgestellten rühren ihre Sünden sicher nicht von einer verwahrlosten Erziehung, sondern wohl lediglich von ihrem Hochmuthe und schnöden Eigennutze her, und sind daher auch sicher hartnäckiger als bei den Niederen; daher bedarf es hier aber auch ausschließend eines Arztes, wie Du, o Herr, Selbst es bist, damit solchen schwer Kranken geholfen werde. Besuche daher auch diese Armen hier unter den Katakomben; vielleicht, Dir, o Herr, ist ja nichts unmöglich, werden auch hier Einige sich erwecken lassen."

03 Sage Ich: „Meine recht sehr lieben Freunde, die ihr auf der Welt sehr vielfach nach Meinem Herzen gelebt und gehandelt habt; von euch freuet es Mich ungemein, daß ihr euch dieser Todten hier erinnert, und Ich werde auch sogleich dem schönsten Wunsche eures Herzens nachkommen; aber nur das sage Ich im Voraus: In diesem Garten werden wir eine sehr magere Ernte halten. Denn nichts ist schwerer aus einer Seele zu bringen, ohne ihr zu schaden, oder sie auch ganz zu vernichten, als der sogenannte theosophische (theologische) Hochmuth.

04 Ein Kaiser, ein König, ein Fürst dünkt sich wohl unter den Menschen der Höchste und der Unantastbarste zu sein; das aber liegt seinem Stande auch natürlich höchst nahe, der von ihm das zu sein auch naturgerecht und pflichtgemäß verlangt. Aber ganz anders ist es bei Diesen da unten. Das sind zumeist alte eingefleischte Hierarchen aus den finstersten Zeiten. Diese halten sich fortwährend für Wesen, denen die Gottheit Selbst gehorchen muß. Zu dieser wahnsinnigsten Idee kamen sie meist durch die Irrlehre Roms, die jeden Priester als zwei Male höher stellt als die Mutter Maria, und diese an der Macht zwei Mal über Mich Selbst, und das also, daß Ich nur durch sie zu etwas zu bewegen sei. Dazu kommen ihre Messen, in denen sie mit Mir gewisser Art machen können, was sie wollen, und dabei wie ein Papst Alexander ausrufen: Wer kann es wagen, mit mir zu rechten? Die ganze Erde, die ich trete, erbebt unter meiner Sohle, und Gott habe ich in meiner Rechten.

05 Ihr könnet aus dem leicht begreifen, wie schwer es dann ist, solche Geister zur rechten Demuth zurückzuführen, die sich selbst nicht nur als Selbst-Götter, sondern als barste Gebieter über Gott halten. Und eben solche hausen recht Viele da unten. Es wird daher recht schwer gehen, bei ihnen etwas auszurichten; vielleicht ein Paar, diese dürften etwas sanfter sein; aber die andern! Da werdet ihr alle Wunder der Hartnäckigkeit sehen! Aber ärgern dürfet ihr euch nicht, sondern euch gerade so benehmen, als ob ihr in einem Irrenhause unter lauter Irrsinnigen euch befändet. Auch sollet ihr in keine Furcht gerathen; denn sie werden auch Zeichen thun durch Fixirungen ihrer Fantasie; aber ihr müsset das alles als ein Trugwerk ansehen, das da vollends nichts ist, und keine Realität hat und haben kann. Und so denn, da ihr das wisset, wollen wir uns ganz ruhig da hinab begeben. Es sei!"

06 Wir gehen nun hinab in die finstern Katakomben, und lassen nur so viel Licht in denselben entstehen, als es nöthig ist für die neuaufgenommenen Dinasten, auf daß sie sehen können die Einwohner dieser unterirdischen Gewölbe.

07 Als wir nun Alle im Zentrum der Gewölbe uns befinden, kommt Robert mit der Helena zu Mir, und sagt: „Herr, Du unser aller heiliger liebevollster Vater! Erlaube uns nun ganz nahe bei Dir zu sein; denn ich muß Dir bei meiner unbegrenzten Liebe zu Dir gestehen: Weder je auf der Erde, noch in der Geisterwelt, die ich doch schon in so manchen Nüansen durchgekostet habe, hat mich so eine Furcht angewandelt, als hier in diesen Gewölben. Ich sehe noch Niemanden; nur hie und da grinst uns irgend ein halbverfaulter Todtenschädel aus einem zerfallenen Sarge an, und ein höchst unangenehmer Moderduft beschleicht unsere Nüstern; und doch durchrieselt ein sonderbares Bangen mein ganzes Wesen; sogar die Haare am Haupte kommen in eine gewisse bergansteigende Bewegung. Das ist wahrlich höchst sonderbar! Als ich vor ein paar Erdjahren vom G. Windischgrätz bin zum Tode verurtheilt worden, habe ich keine solche Angst empfunden, als nun. Nun, da wird es gut werden! Du lieber Vater erlaubst es wohl, daß wir uns bei dieser Expedition in Deiner nächsten Nähe befinden dürfen!"

08 Sag Ich: „Ganz in der Ordnung, mein lieber Sohn Robert! Denn das will Ich ja stets, daß da ein jeder zu Mir kommen solle, der irgend wo belastet ist, auf daß er bei Mir erquicket werde. Bleibe also nur hier; denn der Haupttanz wird bald angehen."

218. Kapitel: Kaiser Joseph über seine Erfahrungen mit dem kath. Klerus. Grund des frühen Todes dieses Kaisers, welcher nun als Engel des Gerichts gegen das Papsttum bestellt wird.

01 Hier tritt der Kaiser Josef hin zu Mir, und sagt: „Herr, sei mir Sünder gnädig! Ich sollte zwar nicht über Andere etwas reden; denn ich bin selbst noch voll von allerlei Schulden; aber da es sich hier um den römischen hohen Klerus handelt, da, Herr, vergieb mir alle meine Sünden, kann ich unmöglich schweigen. Ich habe diese Brut kennen gelernt, wie keiner vor, und nicht leicht Einer nach mir; sie ist aber von mir auch auf eine Art gesalbt worden, die ihr in ewigem Angedenken bleiben dürfte. O Herr! es ist mir vor Dir nahe unmöglich, alles zu beschreiben, was ich als Kaiser mit diesen Wesen alles erlebt habe. Die Schändlichkeit und barste Gewissenslosigkeit erreicht bei dieser Kaste einen solchen Grad, daß man, um sie zu beschreiben, wahrlich keine Worte finden kann; denn ihre Betrügereien auf Kosten Deines allerheiligsten Namens sind wahrlich von der Art, daß sie bisher noch mit keinem tauglichen Namen bezeichnet werden.

02 Wahrlich, so ich hätte thun können und dürfen, wie ich es als höchst nöthig angesehen haben mußte, da es mir als Bekenner Deiner reinen Lehre, in der ich wohl bewandert war, nur zu grell einleuchtend war, welch ein Unterschied zwischen der Lehre Roms und zwischen Deiner reinsten hervortrat, so hätte ich der allerfalschesten Römerin für alle Zeiten ein Garaus gemacht; und wäre es mir vergönnt gewesen, nur noch 10 Jahre zu leben auf der Erde, bei Deinem heiligsten Namen, da hätte ich's auch gethan! - Aber eben diese Luder, denen ich zum ärgsten Steine des bittersten Anstoßes geworden bin, haben gewußt, sich wie ein böses Krebsgewürm hinter meinen irdischen Lebensfaden zu schleichen, und ihn vor der Zeit, durchzunagen, und so mußte mein Vorhaben unterm Wege verbleiben.

03 Aber es freuet mich dennoch, daß ich wenigstens den Weg zu ihrem Verfalle gebahnt habe, und er hat gute Folgen; denn so oft ich nur in dieser Welt von der Erde Kunde erhalte, so heißt es allzeit, daß die Hure Babels an der unheilbarsten Abzehrung leide; und das ist für mich eine Wonne, ja ein völliger Himmel. „O Herr! segne Du meine Arbeit, auf daß sie auf Deiner Erde gute Früchte trage; das wird meine größte Freude sein, so Du es mir sagst, daß ich Dir auf der Erde kein ganz unnützer Knecht war."

04 Sage Ich: "Mein liebster Bruder Josef! Ich kann dir vor der Hand nichts anderes sagen, als: Du warst Mir ein Knecht wie wenige vor, und bisher keiner mehr nach dir; du handeltest ganz nach Meinem Herzen, und warst treu in dem dir anvertrauten Haushalte; daß ich es zuließ, daß du nur eine kurze Zeit auf der Erde Mir zu dienen hattest, das hatte seinen Grund darinnen, weil die Menschheit deiner nicht werth war; denn sie war zu schlecht; darum Ich sie aber dann auch durch Kriege und allerlei andere Nöthen und Trübsale heimgesucht habe, wodurch sie durch die Bank hoch und nieder gedemüthigt ward, wie nicht leichtlich irgendwann vorher; und diese Demüthigungen sollen fortdauern, bis der letzte böse Same von der Erde vertilgt wird.

05 Dir aber werde Ich erst jetzt ein rechtes Schwert geben, mit dem du der Hure Babels ganz anders wirst zusetzen können, als du es auf der Erde je hättest zu thun vermocht; denn du bist Mir ein rechter Kämpfer für diese allerwichtigste Sache. Was aber Babel und dessen schwarze und scharlach- und purpurrothe Knechte alles für Gräuel getrieben haben, brauchst du Mir gar nicht hier wieder zu erzählen; denn alles das weiß Ich am allerbesten, darum aber nun auch die Zeit des Gerichtes über sie gekommen ist.

06 Jetzt aber gebe Acht; dort aus einem überaus finsteren Gewölbe trabt ein Erzbischof aus deiner Zeit zu uns hervor; du wirst ihn sogleich erkennen; auch er dich; dem gebe eine gemessene Antwort, wie Ich sie dir in den Mund legen werde.

219. Kapitel: Jesus über das wahre Wesen des Erzbischofs Migatzi. Zwiegespräch zwischen letzterem und Joseph. Blick in tiefste Priesternacht. Römische Geistesschlaf-Politik. (Am 16. Juli 1850)

01 Spricht Josef: „Ja, ja, ich erkenne ihn an seinem Gange, er ist es. O Herr, wie sieht der aus! Das ist ja eine wahre Schreckensgestalt! Ueber ein förmliches Todtengerippe hängt ein alter sogenannter Vespermantel, und auf einem Todtenschädel klappert eine Bischofsmütze voll Schmutzes und Unflathes; so trabt diese Schreckensgestalt langsamen und sichtlich überaus wankenden Schrittes auf uns zu. Nun, nun, da bin ich denn doch neugierig, was dieses Monstrum vor uns thun wird."

02 Sage Ich: „Es wird dir zu schaffen genug geben; aber nur mußt du dich über nichts ärgern; denn alle diese Wesen sind mehr oder weniger als Irrsinnige anzusehen."

03 Spr. Josef: „Aber was mich bei diesem Menschen wundert, ist, daß er auf der Welt gerade einer von den hellsten Köpfen, und mit mir mehr als alle andern Bischöfe meines irdischen Regierungsreiches - einverstanden war; mir haben die Erzbischöfe von Salzburg, Prag, Olmütz, Gran-Erlau, Agram, Triest, Venedig, Trient und Mailand beiweitem mehr Mucken gemacht, als mein Wiener; ja ich muß es offen gestehen, daß er mir in mancher Hinsicht bei meiner Purifikationsarbeit viele gute Dienste geleistet hat; und ich kann eben deßhalb schwer begreifen, wie dieser Mann in einen so jammervollen Zustand gerathen ist."

04 Sage Ich: "Mein lieber Bruder, dieser Erzb. M. war Einer, der es am meisten verstand, den Mantel nach dem Winde zu drehen, und sah sich die Prügel wohl an, und beurtheilte scharf, ob sie über's Knie zu brechen wären oder nicht; war ihm einer zu massiv und stark, so legte er ihn ja nicht an's Knie, sondern ließ ihn als ganzen vergolden, damit für's erste ja keine Seele merken solle, daß so ein gewaltiger Prügel auch zu der Zahl derjenigen gehörte, die ihm unter die Füße geworfen wurden; und zweitens, daß dann beim Anblicke solch eines gewaltigen vergoldeten Prügels jedermann nur eine neue Macht in seinen Händen ersehen und erkennen möchte; denn wer auf der Erde mit einem gewaltigen Kaiser Hand in Hand einhergehet, vor dem hat jedermann schon nahe eben so viel Respekt, als wie vor dem Kaiser selbst.

05 Unser Erzb. M. sah es recht gut ein, daß man unter deiner Regierung sich nur lächerlich machen würde, so man mit dem Papste, der damals sehr von Oesterreich abhing, und dir auch beispielloser Weise selbst persönlich noch einen für's zeitliche Wohl der Hierarchie wohlberechneten Besuch abstattete, zu sehr Hand in Hand ginge; daher schloß er sich lieber an dich an, und wurde geheim ein Gesetzgeber des Papstes! Denn er korrespondirte fleißig mit dem Stuhle, und sagte diesem, was er zu thun habe, um sich gegenüber deiner Macht und Erkenntniß aufrecht zu erhalten. Weil aber der Papst sich darnach richten mußte, so war das unseres Erzb. M. größter Triumpf, daß er alsogestaltig gewisserart ein Papst über den Papst war. Und er hatte seine größte Freude daran, daß endlich einmal einer in Rom tanzen mußte, wie ein Erzb. M. in Wien pfiff.

06 Sieh', das war der Grund, warum Wiens Erzb. M. mit dir hielt. Die Prügel, die du ihm legtest, wußte er sehr gut aufzuklauben, und sie allesamt zu vergolden; und machte sie dann zu lauter Szeptern, die ihm große Zinsen trugen, und eine große Macht und großes Ansehen verliehen. Aber so du meinen würdest, daß er auch innerlich also gesinnt gewesen sei, als wie er sich äußerlich zeigte, da wärest du in einer großen Irre; denn da war er mehr Papst als der Papst selbst, und beiweitem mehr ultra-montan als alle seine Kollegen. Ja, Ich sage dir, daß er dich insgeheim haßte mehr als den Tod; aber weil er durch dich gewisserart ein Gesetzgeber dem Papste geworden ist, so hielt er es mit dir, und unterstützte dich in deinen Unternehmungen. - Kennest du nun den Mann, der mit dir auf der Erde Hand in Hand ging?"

07 Spricht Jos.: „Ah, so stehen die Akzien! o du verschmitzter Kerl! nein, da hätte ich mir doch eher alles, als wie so was von diesem Manne eingebildet! Ja, ja, wer die sogenannte schwarze Politik erlernen, und darinnen ein Meister werden will, der gehe zu den schwarzen und scharlachrothen und zu allen den Purpurmäntlern, da findet er sie sicher in einem so hohen Grade ausgebildet, wie sie kaum im Kopfe des Satans zu Hause sein dürfte. - Nun warte, du Schwarzpolitiker, du sollst an mir einen sehr harten Knochen zum abnagen bekommen!"

08 Sage Ich: „Gebe aber ja wohl Acht darauf, daß er dir nicht um vieles härter wird, als wie du ihm! Denn Ich sage dir, daß dieß Einer ist, der sich mit allen Salben gesalbet hat, und es für jeden noch so durchleuchteten Geist wahrlich keine geringe Aufgabe ist, einen also gesalbten auf einen rechten Weg zu bringen. Fasse dich aber nun, er kommt uns schon sehr nahe; sogleich wird er deiner und auch unser ansichtig werden." - Jos. faßt sich;

09 der Erzb. M. wird nun seiner ansichtig, tritt rascher zu ihm hin, und sagt mit einer stark kreischenden Stimme: „Ich grüße dich, Bruder Josef! aber wie kommst denn du hieher in dieses elendste Loch?" - Sagt Jos.: „Um dich zu besuchen, Bruder." - Sagt der Erzb. M.: „Das ist sehr schön von dir; aber wenn du noch also ein Erzketzer bist, wie du es auf der Erde warst, da wirst du hier ganz verdammt übel aufgenommen werden."

10 Spr. Jos.: „Das macht einem Josef nichts; denn du weißt es ja, daß sich ein Josef überall eine gute Aufnahme zu verschaffen versteht. Du magst mir sagen, was du willst, und ich werde dir stets jene Antwort geben, die ich dem Patriarchen von Venedig gab, als er mir ein Gemälde zeigte, das da die merkwürdige Szene vorstellte, wo der Papst über den Nacken eines schwachgewordenen Kaisers auf sein Maulthier steigt, und den Kaiser mit dem stolzesten Gesichte verächtlich anblickt." - Fragt der Erzb. M.: „Und wie lautete diese Antwort?" - Sagt Jos.: „Tempi passati! - d. h. das sind vergangene Zeiten. Jetzt diskurirt man anders; und solch eine Antwort wirst auch du von mir erhalten, so du mir mit etwas kommen solltest, was mir nicht munden sollte; denn weißt du, ich habe dir gegenüber noch nicht aufgehört, ein Kaiser zu sein. Sage mir aber nun, wie es dir hier geht, und was du hier machst."

11 Spricht der Erzb. M.: „Eine dalkete Frage, wie's Unsereinem hier ginge, und was man mache. Sehe mein Gesicht an, das bis zu den Knochen herabgemagert ist, und dir muß die Antwort doch von selbst werden, meine Arbeit aber siehst du doch an meiner Kleidung. Mundus vult decipi, ergo decipiatur! (Die Welt will ja betrogen sein, also betrüge man sie!) das ist unser Geschäft von jeher gewest, und ist es daher auch noch jetzt. Die Menschheit will vom größten Wunder in ihr, das da ist die göttliche Vernunft, und der ihr gleich göttliche Verstand,- keinen Gebrauch machen; ein noch so dumm angestelltes Spektakel ist ihr lieber, sie will nicht denken, ist lange zu träge dazu; sie will einen durch Wunder hineingezauberten Glauben, damit sie dabei das mühsamere Denken entbehren kann. Also ist es ja klar, daß sie betrogen sein will; volenti autem non fit injuria, also sei sie denn auch betrogen! Lasse du Musiker, Maler, Dichter und Schauspieler bester Art in einem Saale spielen, malen, dichten und deklamiren, in einem andern Saale aber vom berühmten Magier Philadelfus Zaubereien aus dem Gebiete der ganz natürlichen Magie produziren; ich versichere dich, der Zauberer wird das allermeiste und größte Auditorium haben, während die wahren Verstandes- und Gemüthskünstler ihr Publikum sehr leicht werden überzählen können.

12 Jedes Stück des Magiers ist ein Trug, aber das macht dem dummen Menschen nichts, wenn er nur etwas Wunderähnliches angaffen kann, so geschieht es ihm schon leichter; wie ein Ochse tritt er die Großwunder Gottes leichtsinnigst mit seinen schmutzigsten Füßen, die machen auf ihn nahe gar keinen Eindruck; die Sonne, der Mond, die Sterne, die herrliche Erde mit ihren Wundern ohne Zahl und Maß, das ist dem ochsigen Menschen rein Pomade; aber in einen scheinbar leeren Becher eine Kugel hineinwerfen, und hernach à la Hokuspokus drei herauswerfen; das ist Wunder über Wunder. Und siehe, so war die Menschheit, so ist sie jetzt, und so wird sie sein, so lange auf der Erde Menschen existiren werden; daher ist der Grundsatz der Jesuiten das Beste, was je die menschliche Vernunft erfunden hat; denn er ist von der eigentlichsten Natur der Menschheit herausgenommen.

13 Die weisen Egipter haben eine der besten Religionen aufgestellt, weil sie rein auf Misterien und Zaubereien aller Art basiret war. Sie hielt sich aber deßhalb auch über zweitausend Jahre; als aber gewisse Volksfreunde unter dem Volke aufgestanden sind, und dasselbe über den Betrug ihrer heiligst gehaltenen Religion aufzuklären angefangen haben, da gab es dann nur zu bald auch eine Masse Feinde der Priester und ihrer Religion; die Tempel wurden zerstört, und die Priester häufig getödtet, oder im besten Falle aus dem Lande vertrieben; frage: Was aber hat das Volk dabei gewonnen? Nichts, als: Noth, Elend, Trostlosigkeit, Verzweiflung, und am Ende den totalen Verfall ihrer Nationalität und ihrer uralten nahe göttlichen Berühmtheit. Wäre es denn nicht besser, so diese unzeitigen Volksbeglücker mit ihrer Verstandesschärfe unter dem egiptischen Volke nie aufgestanden wären? Das Volk wäre bei seinen wunderreichen Festen in seiner Dummheit glücklich geblieben, und die Priesterschaft, die eigentlich allein weiß, daß der Mensch nichts ist, und auch ewig nichts zu erwarten hat, hätte dafür, daß sie die Sicherheit und das traurige Gefühl für sich allein in die Verwahrung nimmt, daß nach dem Tode jeden Menschen die ewige Vernichtung erwartet, aber dabei doch unermüdlich bestrebet ist, den Glauben an einen Gott, und an die Unsterblichkeit bei dem blinden Volke durch jedes taugliche Mittel aufrecht zu erhalten, und ihm dadurch eine recht hoffnungsreiche und fröhliche Existenz zu sichern, wohl ihre Einkünfte ungestört genießen können, indem sie von dem Volke denn doch die größte Last auf ihren höchst eigenen Nacken nimmt, und allein mit jedem Tage, und mit jeder Minute der ewigen Vernichtung entgegen sieht.

14 Lasset beim Volke die Einsicht lebendig und überzeugend aufkommen, daß es nach dem Tode kein Leben mehr giebt, und ihr werdet dann das Volk sogleich in alle erdenklichen Entartungen übergehen sehen; ja in einigen Augenblicken werden Viele aus dem Volke zu Tigern und Hyänen. Der Priesterstand nimmt das alles auf seine Haut; er allein sieht der ewigen Vernichtung muthig entgegen, weil er allein den großen Vortheil des Nichtseins vor dem Sein allerklarst einsieht; und sonach ist es wohl der größte Undank gegen diese größten Wohlthäter der Menschheit, so sie von gewissen Volksaufklärern entlarvt und als offenbare Betrüger dem Volke denunzirt werden. Sie sind es allerdings, aber nicht zum Nachtheile, sondern nur zum entschiedensten Wohle der Völker.

15 Warum sind die Chinesen, und hauptsächlich die Japanesen nahe die glücklichsten Völker der Erde? weil sie in ihrer Dummheit noch nie gestört worden sind, indem ihre weisen Regenten dafür eine Hauptsorge tragen, daß ihre Völker ja nie zu irgend einer Aufklärung gelangen; einige wenigen, die es wagten, diesen Völkern ein sogenanntes Lichtlein anzuzünden, wurden arg bedienet, und so haben sich denn doch nicht so leicht wieder Andere eingefunden, die es gewagt hätten, dem Volke ein Licht anzuzünden.

16 Du mein sonst überaus schätzbarer Freund hast aber als Regent selbst, statt mit der Priesterschaft ungestört Hand in Hand zu gehen, ihr eine Wunde geschlagen, die ihr schwerlich je eine Zeit wieder verheilen wird; was solle da ein wahrer Erzb. von dir urtheilen? ja, was die ganze vernünftigere Menschheit? Du nahmst ihr das eine, und gabst ihr nichts Besseres dafür.

17 Wenn ein Mensch in seiner Dummheit glücklich ist, warum ihn aufwecken, auf daß er unglücklich werde? Alle Menschen sind zum Tode ausgesetzte Delinquenten; wenn der Delinquent aber schläft, so ist er glücklich in seinem Traume; wird er aber wach, was dann? Sieh' da faßt der Todesgedanke ihn, und er ist sogleich unaussprechlich unglücklich. Sage, hat der dem Delinquenten eine Wohlthat erwiesen, der ihn aus dem Schlafe gerüttelt hat?

18 Nicht umsonst nennt sich die Kirche eine Mutter; denn sie ist den Völkern wirklich das, was die Mutter ihren Kindern ist; sie giebt den Völkern allerlei sanft zum Schlafen lockende Speisen und Getränke, auf daß sie der Welt gräßlichsten Jammer nie fühlen und schmecken sollen; denn wer fest an der Kirche hängt, und ihre Mittel gebraucht, der wird wahrlich den eigentlichen Todesschmerz nie empfinden; wehe aber jedem Volksaufklärer! Der Tod wird sich schrecklich rächen an ihm. Was bedünket dich nun? Wirst du mir da auch mit deinem thörichten tempi psssati kommen können?"

19 Sagt Jos. ganz kurz und lakonisch: „Freund! durch diese deine sehr gehaltlosen Worte hast du eigentlich nichts anderes gesagt als: daß eben die Priesterschaft sich stets in ihrer krassesten Ignoranz befindet, und diese ums theure Geld auch allen Völkern aufzubürden bemühet ist. Sieh, ich und Tausende, die so dachten wie ich, haben an der Unsterblichkeit unserer Seelen nie gezweifelt, obschon wir Gott Lob sehr aufgeklärt waren; aber unser Glaube war kein blinder, sondern ein hellstsehender. Wir empfanden aber, daß alle Menschen das einsehen könnten, so sie nicht von der blindesten Geistlichkeit davon abgehalten würden; und das, Freund, war der Grund zu unserem „tempi passati," und es freuet uns nun sehr, daß wir die „tempi passati," so viel als nur möglich war, an das klare Licht gestellt haben."

220. Kapitel: Kaiser Josephs Beispiel von der Stecknadel. Er verweist den Erzbischof Migatzi an Jesus. Migatzi erklärt das Jenseits für Trug und Joseph für geisteskrank. Joseph über die Ursache seines Todes. (Am 18. Juli 1850)

1.(K. Josef:) „Schaue Freund, wie dumm und gänzlich gehaltlos deine Gründe sind, mit denen du deine Kirche - natürlich nur mir gegenüber beschönigen willst, erhellt aus dem allein schon zur Uebergenüge, daß Gott Lob wir beide dem Leibe nach schon vor 60 Erdjahren gestorben sind, und nun nach diesem Leibestode hier ganz wohl erhalten frisch und gesund fortleben. Würde das Volk im wahren lichten Glauben unterwiesen sein, so würde es sich auch leichter leiten lassen, und wäre muthiger in allen seinen Unternehmungen, und emsiger in allem Guten, Wahren und Schönen; da es aber statt zu wachen und zu schauen alle Dinge in ihrer Wirklichkeit, nur schläft, und sich von einem Traume in den andern hineinschnarcht, so ist bei solch einem Volke an einen wahren geistigen Fortschritt gar nicht zu gedenken. Wie schnell erblühten in England die zweckmäßigsten Erfindungen aller Art, als der Geist dieses Volkes nur zu einiger Freiheit gelanget war; was aber haben wir in Oesterreich unter der Regierung meiner Mutter aufzuweisen? Nichts, und noch tausendmale nichts; wir können nichts als schlechte Taschenveitel fabriziren. Mein erster Minister fragte mich einmal, als er zuvor eine zeitlang eine Stecknadel betrachtet hatte, ganz im Vertrauen, wie etwa doch diese beknöpften Stifte verfertigt werden. Und, so wahr ich da stehe, ich konnte ihm selbst keine Antwort geben; denn ich sogar als Kaiser hatte davon wirklich keinen Begriff, dachte aber bei mir: Mit der Aufklärung meines großen Staates muß es verdammt schlecht stehen, da sogar ich als Kaiser nicht weiß, wie eine wahrlich lausige Stecknadel geschaffen wird.

02 Zudem habe ich auch noch in die Erfahrung gebracht, wie ein Kapuziner gegen den Gebrauch der Stecknadeln mit höllischem Morde und Brande auf der Kanzel geeifert hatte, indem er sie als eine reine Zauberei ansah. Der hat doch sicher auch keinen Begriff gehabt, wie die Stecknadeln verfertigt werden. Er habe es selbst einmal versucht, und hätte eine ganze Woche sich die unsäglichste Mühe gegeben, eine solche Nadel zu verfertigen, wäre aber um alle Welt nicht im Stande gewesen, auch nur eine zu Wege zu bringen; aber in seiner thörichten Mühe sei der leibhaftige Gottsb. zu ihm gekommen und habe gesagt: Verschreib mir deine Seel', und ich will dir die Kunst lehren, Stecknadeln tausendweise zu machen. Darüber habe er sich so gewaltig erschreckt, daß er vor Angst umgesunken sei, und wäre ihm nicht die allerseligste „Maria auf der Stiege", die er stets am meisten verehrt habe, zu Hülfe gekommen, so wäre er offenbar verloren gewesen.

03 Wenn nun das arme Volk solchen ungeheuren Ochsen von Geistlichen überlassen ist, frage: welche Früchte lassen sich von solch' einem Volke erwarten? Und siehe, dieser und 10.000 ähnliche Anlässe sind mir zu Ohren gekommen, und bestimmten mich denn auch nothwendig, solchem krassesten Unfugs für alle Zeiten ein Ende zu machen. Und Gott Lob, der Herr hat meine Mühe gesegnet, und sie mir zu keiner Sünde gerechnet. Der Papst bekommt nun eine Ohrfeige um die andere von der lieben Welt, und hat bei Millionen bereits Gott Lob alles Ansehen waidlichst verloren; ja ein Prinz Schnudi und Piripinker stehen in einem größeren Respekte als der Papst mit allem seinem Anhange, und dazu habe ich den ersten Hauptgrundstein gelegt, den freilich früher ein Luther, Calvin, Huß und Melanchthon schon behauen haben. Bin dafür von Rom aus freilich wohl etliche Millionen Male bis in die unterste Hölle verdammt geworden; aber Gott Lob, es brachte mir das keinen Schaden; denn da sieh' her, der hier fest neben mir stehet, ist Christus der Herr, Himmels und der Erde Selbst, und ich glaube: wer so, wie ich, bei Ihm ist, der wird, ja etwa doch so ein Bischen selig sein."

04 Sagt nun der Erzb. ganz aufgeregt: „Du warst schon im Mutterleibe ein Ketzer, und wirst als solcher in der Hölle auch verbleiben in Ewigkeit. Du meinst, daß wir schon gestorben sind. O du Narr! für die Welt politisch genommen sind wir freilich gestorben, weil wir uns in den Ruhstand zurückgezogen haben; aber nicht so in der Wirklichkeit, da wir doch noch Alle in dem sichtbaren Wien leben, und herumgehen und fahren, so wir eine Gelegenheit bekommen, bin ich doch erst unlängst in Hiezing gewest; und habe mir dort recht wohl geschehen lassen, und das wird doch nicht etwa in der Geisterwelt, - so du es mir erlaubst zu sagen - gewesen sein! Oder giebt es etwa auch in der Geisterwelt ein natürlich's Wien, ein Hiezing, einen „Heurigen" und „bach'ne Handln" mit einem delikaten Häupelsalat? Geh', laß dich nicht auslachen! Ich als ein Erzb. werde es doch besser wissen, was es mit der Geisterwelt für eine Bewandtniß haben müßte, so es eine gäbe; aber da es nach dem Tode kein Leben mehr giebt und geben kann, so fällt die ganze Geisterwelt ja von selbst ins rein Blaue hinein, und mit der Gottheit Christi wird's etwa doch den allerallmächtigsten Faden haben. Wie weit aber mußt du es in deiner Narrheit gebracht haben, daß du einen echt polnischen Zinbeljuden für den Nazarener hältst, der am Kreuze lange gut gestorben ist, und in alle Ewigkeit nimmer lebendig wird. Es ist wirklich viel, daß du dich nicht selbst schon lange für Christum gehalten hast; denn ein Narr zur Genüge wärst du schon lange dazu gewest.

05 Weißt du denn nicht, und hat dein traurig leidender Zustand dir denn dein Erinnerungsvermögen so ganz und gar verstöret, daß du nun dich nimmer entsinnen kannst, daß du ein Narr geworden bist, und als solcher gekommen in die geheime k. k. Irrenanstalt! Sieh, dieß Ereigniß wird dir das Gefühl gemacht haben, als seiest du gestorben; aber dem ist nicht also; du bist nur irrsinnig geworden, was du noch mehr oder weniger bist, und das erzeugt in dir das Gefühl des schon Gestorbenseins. - So du aber wolltest, da könnte ich dich bald heilen, auf daß du dann wieder des Lebens goldne Freiheit genießen könntest; du weißt es ja, so dir noch irgend eine Erinnerung geblieben ist, daß ich nie ein sogenannter Zelote war, am wenigsten dir gegenüber. Geh, biedrer Freund, und laß dich kuriren!"

06 Spricht Josef: „Mein Freund! du behauptest Dinge hier, die einem Spinoza, den doch die Kirche selbst, nachdem er schon mehrere Jahre begraben war, wieder ausgraben, öffentlich verdammen und dann verbrennen ließ, wahrlich keine Schande gemacht hätten. Ich ein Narr!? Nein, das ist alles, was man sagen kann! Das ist dir gelungen. Schau', ich habe doch schon so Manches über mich lügen gehört; aber so was ist mir noch nicht vorgekommen; daß du die Unsterblichkeit, und an Christum nicht glaubst, und - salva venia - auch nie geglaubt hast, das schnirt mich eigentlich gar nicht, und ich will mir da auch keine Mühe geben, dich in diesen Glauben einzuführen; aber daß du behauptest, Ich sei auf der Welt irrsinnig geworden, das schenirt mich, indem ich nur zu bestimmt weiß, wie und auf welche Weise ich so ganz eigentlich das Zeitliche mit dem Ewigen vertauscht habe.

07 Siehe, durch nur zu gewisse Sorge von eurer kirchlichen Seite habe ich höchst wahrscheinlich entweder durch das Beriechen eines seltenen Blumenbukets, oder einer Prise Spaniols ein Uebel in meinem Kopfe wahrzunehmen angefangen, das sich wie ein starker Kopfkatarrh zu äußern begann; ich achtete dieser Sache nicht, und dachte, dieser Schnupfen wird so vergehen, als wie sonst bei mir noch jeder vergangen ist; aber dem war es nicht so. Als der Schnupfen mir zu lange andauerte, und statt besser nur von Tag zu Tag schlimmer ward, ließ ich natürlich meinen Hofarzt kommen, der aber auch nichts anderes sah als ich, nehmlich einen recht hartnäckigen Kopfkatarrh; ich mußte ins Bett, mußte schwitzen und Thee saufen, und allerlei Dunst in die Nase ziehen; es ward mir darauf wohl etwas besser; aber einen gewissen Druck gerade wie auf's Gehirn im Oberhaupte verspürte ich von Tag zu Tag fühlbarer, den ich aber anfangs auch zu wenig achtete, bis sich nahe an derselben Stelle auch äußerlich ein Tuberkulum malum (bösartiges Geschwür), wie es meine Hofärzte nannten, zu entwickeln begann, und trotz aller ärztlichen Mühe und emsigster Behandlung von Tag zu Tag schlimmer ward.

08 Man tröstete mich, so gut man konnte, berief aber endlich doch ein Aerzte-Consil zusammen; das Consil erkannte an meinem Kopfabszeße nichts Gefährliches bis auf einen gewissen schlichten Arzt Namens Quarin; dieser schüttelte hinter der Thüre mit seinem Kopfe verneinend, wurde von mir im gegenüberhängenden Spiegel entdeckt und sogleich hervorgerufen und gefragt, ob das Uebel zu heilen sei. Und Quarin sagte entschieden: Nein, wofür er von mir auch geadelt und bestens dotirt ward. Von da an ward es mit meinem Leibe von Stunde zu Stunde schlechter, und ich starb bald darnach bei meinem vollsten Bewußtsein, ohne die geringste Furcht vor dem sichersten Tode; als ich starb, da kam es mir vor, als ob ich ganz süß eingeschlafen wäre; erwachte aber bald darauf, nur Gott Lob, nicht mehr in der materiellen, sondern in der geistigen Welt, in der ich noch zu sein und ewig zu verbleiben die Ehre habe.

09 Ich meine, aus dem dürfte dir denn doch klar sein, daß mein Erinnerungsvermögen nicht so ganz und gar pfutsch ist, als wie du es soeben behauptest hast. He, was meinst du da? rede nun!"

221. Kapitel: Migatzi gibt für die Todeskrankheit Josephs eine andere Erklärung. Er beharrt bei der Behauptung, noch im Leibesleben zu sein und verlangt Beweise über Jesus. Joseph über den Geist der Liebe als einzigen Gotteszeugen. (Am 20. Juli 1850)

01 Spricht der Erzb. M.: „Mein lieber guter Freund, du kannst zwar reden, was du willst, und magst und kannst, das macht mir nichts; denn ich war keiner von jenen Pfaffen, die dir bei deinen kirchlichen Purifikationsarbeiten je irgend in den Weg getreten wären, obschon ich als Erzb. und Kardinal zugleich es hätte thun können; kurz, alles was du mir hier gesagt hast, beleidigt mich nicht; aber daß du mich so gewisserart eines Attentats auf deine Persönlichkeit beschuldigst, das ärgert mich. Denn ich meine, daß ich wohl dein intimster Freund, und ganz im strengsten Inkognito eben so gut ein Freimaurer war, als wie du es warst, und daher auch wohl wußte, warum ich auf der Welt war, und warum einverstanden mit deinen Purifikationen. Ich erkläre es dir daher als ein allzeitig helldenkender Ehrenmann, daß du mit deinem Attentatsglauben rein am Holzwege bist(?).

02 Sieh', das Ganze deines Uebels war fürs erste schon ein angeborner Organfehler, bestehend in einer Art Kopf-Skrofeln, die aber dir so lange gerade keine besondern Anstände machten, als du hinsichtlich der Venus dich mehr zurückhaltend benahmst; als du aber dieser sehr zu huldigen angefangen hast, und letzterer Zeit auch von einer gewissen Reizendsten so comme il faut angesteckt worden bist, da hat dein Kopfübel von diesem Gifte etwas eingesogen; du achtetest die Sache zu wenig, und die Aerzte haben wie gewöhnlich das Uebel nicht erkannt, und dich ganz falsch behandelt, und so war es denn auch nicht anders möglich, als daß du am Ende ein Opfer deines Uebels werden mußtest. Also du selbst, und niemand Anderer war schuld an deinem entweder eingetretenen Irrsinne, oder, so du schon gestorben sein willst, an deines Leibes Tode. Beschuldige also fortan die Kirche nicht mehr; denn sie ist ganz unschuldig an deinem Uebel, das dich so oder so zu Grunde gerichtet hätte.

03 Mir wäre es im höchsten Grade angenehm gewesen, wenn wir noch viele Jahre miteinander hätten Oestreichs Völker leiten können; aber ein Fatum hat es so gewollt, daß du, und ich samt dir vom großen Schauplatze unseres Wirkens haben abtreten müssen. Wir können die Gesetze der Unendlichkeit und ihrer Zeiten nicht verändern, und so sind wir Beide entweder, wie du behauptest, gestorben, oder nach meinem richtigeren Dafürhalten pensionirt, und in eine geheime Irrenanstalt gebracht worden, aus der wir im strengsten Inkognito alle Jahre ein paar Male in's Freie hinaus einen Spaziergang machen dürfen, und allein etwas genießen. Josef, sei gescheit! und halte diese Juden doch nicht für mehr als sie sind! Sollte dieß aber auch die Geisterwelt, und an Christo etwas gelegen sein, so wird sich Dieser, gegenüber einem Kaiser und einem Kardinale, doch anders präsentiren, als wie ein gemeinster Binkeljude. Was für Beweise hast denn du für deine Behauptung? Christus, ein Binkeljude! Aber ich bitte dich!" (Am 21. Juli 1850)

04 Spricht Josef: „Aber ich bitte dich auch, eben in der allerhöchsten persönlichen Gegenwart Jesu des Herrn, dich ein wenig anders zu benehmen, sonst wird es mit deiner Kardinalschaft bald aus sein. Die Geduld des Herrn muß zwar unergründlich groß sein, daß Er so gelassen solch einen Unsinn, wie er zwischen uns Beiden zum Vorscheine kommt, anhören mag und kann; aber ob sie grade ohne alle Grenzen ist, das möchte ich wohl äußerst stark bezweifeln; denn so oft Menschen und Geister zu lange, zu grell und zu hartnäckig zu sündigen anfangen, und von ihren thörichten Bosheiten sich nimmer abwenden wollen, dann, glaube ich, wird Er solche Späße nicht gar zu lange Sich gefallen lassen. Hätte z. B. ich selbst auf der Erde den Anreizungen der Venus ein paar Jahre früher schon kein Gehör gegeben, wie der gute himmlische Vater mich durch allerlei Vorkommnisse meines Lebens davor wohl zu öftern Malen hatte nur zu deutlich wahrnehmbar machen lassen, so hätte ich vielleicht trotz allen Nachstellungen aller meiner Feinde um etliche zehn bis zwanzig Jahre länger leben und die Völker im Namen Gottes bestens regieren können; aber da ich diese heilsamsten Mahnungen des Herrn nur zu leicht in den Wind schlug, so ist dem Herrn über mich die Geduld nur so um ein ganz geringes ausgegangen, und Ich mußte ohne Gnade und Pardon dem Leibe nach ins Gras beißen, und das schmerzlich und bitter genug. Also, Freund, setze die Geduld des Herrn nicht auf eine zu lange Probe!"

05 Sagt der Erzb. M.: „Aber lieber Freund! Das mag ja alles sein, aber bevor ich mich vor Ihm als Christo dem Herrn gehörig zusammennehmen kann, muß ich ja doch erst einsehen, daß Er es wirklich ist. Was nützt mir dein Reden? Beweise mir's zuvor, daß Er es wirklich ist, dann werde ich gleich anders zu denken und zu reden anfangen; ich habe dich ja nur um den Beweis gebeten; nicht aber daß ich von dir erführe, wie kurz oder wie lang etwa die Geduld des Herrn ist. Gebe mir Beweise, und es solle sich dann zeigen, ob ich da auch noch so dumm in den Tag hinein reden werde, wie nun."

06 Spricht Josef: „So lange es dir dein eignes Herz durch den Geist der Liebe nicht sagen läßt: Dieser ist es! so lange nützen dir auch alle Beweise nichts. Wird es dir aber dein Herz sagen: Dieser ist es! dann bedarfst du aber auch keines andern Beweises; denn wer Jesum erkennen will, der muß Ihn lieben; wer aber Jesum liebt, der hat Ihn auch lebendig in sich, und das ist eben der alleinige Beweis, durch den jedermann Christum am ersten und am ungezweifeltsten erkennen kann und erkennen muß. Liebe Christum in diesem dir so sehr gering vorkommenden Juden zuvor aus allen deinen Lebenskräften, und es wird sich dann ja zeigen, ob hinter diesem Juden blos ein Jude, oder vielleicht denn doch etwas mehr steckt."

07 Sagt der Erzb. M.: „Du bist aber doch ein närrischer Kauz. Wie kann denn ich in diesem Juden zuvor Christum zu lieben anfangen, als ich es weiß, daß Er es wirklich ist. Hieße denn das nicht die Gottheit Christi, so Er schon wirklich also Gott ist, wie es die alte Mithe uns tradirte, tiefst herabsetzen und entheiligen, so man gleich ohne alles weitere Forschen und Denken in jedem nächstbesten Juden Christum de Herrn zu lieben und zu verehren anfinge? Christum unter jenen Gestalten des Brodes und Weines zu lieben, zu verehren und anzubeten, da thut sich's, indem Er Selbst diese Gestalten an seine Stelle als äquivalent eingesetzet hat; aber Christum in einem ganz gewöhnlichen Menschen, und Juden noch dazu, zu lieben, zu verehren und anzubeten anfangen, das Freund, hieße mit der Liebe zu Christo wahrhaftigst Schindluder treiben. Das werde ich wenigstens nicht thun; denn ist entweders Christus bloß nur eine fromme Volksfabel, so ist das eine wie das andere eine Dummheit; ist aber Christus im Ernste das, was uns die Mithe von Ihm überliefert hat, so wäre ein Nachkommen deiner Allforderung doch offenbar die gräßlichste Gotteslästerung, die mit der untersten Hölle bestraft werden müßte." (Am 22. Juli 1850)

08 Spricht Josef: „So, wäre nicht übel! Was lehrt denn Christus Selbst? Sieh du echter Farisäer Roms! Er sagt: So aber Jemand ein armes Kind, oder einen armen Bruder aufnimmt in Meinem Namen, wahrlich, Ich sage es euch: Der nimmt Mich auf; wer aber Mich aufnimmt, der nimmt auch Den auf, Der Mich gesandt hat. So aber also der Herr Selbst Sich mit unsern armen Brüdern identifizirt, und sie Ihm Selbst wie unter Eins gleichstellt, was sollen denn hernach wir eines andern Sinnes sein? Ich sage es dir: Nichts als unser Hochmuth ist es, der einen allerglänzendsten und allergrößterhabensten Gott sich einbildet, und läßt Christum in einer niedrigeren Bekleidung fahren, weil des Menschen hochmüthige Seele nichts Niederes und Demüthigaussehendes ertragen kann. Der Hochmüthige nur wünscht sich einen Gott mit Krone und Szepter; der Demüthige aber also, daß auch er sichs getrauen könnte, die Augen zu seinem freundlich und mehr ihm gleich aussehenden Gott zu erheben, und zu sagen: O Herr! wohl kommst Du im Kleide der herzlichen Demuth zu mir armen Sünder; aber dennoch bin ich ewig nicht werth, meine Augen zu Dir emporzuheben. Was meinst du wohl, welcher aus Beiden dürfte Christo dem Herrn der beiweitem Angenehmere sein?"

222. Kapitel: Selbstgespräch und stille Beichte Migatzis. Er ersieht sein Nichts, möchte sich zum Herrn bekennen, fürchtet aber seine Amtsgenossen. Kaiser Joseph, in treuer Bruderliebe, hilft ihm zurecht.

01 Sagt der Erzb.: „Wart' ein wenig; da muß ich ein wenig Nachdenken, um dir eine würdige Antwort geben zu können." - Hierauf legt der Erzb. drei Finger der rechten Hand auf seine Stirne, reibt diese recht tüchtig auf und ab und hin und her, und sagt in sich zu sich: „Bei meinem armseligsten Leben, dieser Josef ist am Ende orthodoxer als ich, der ich doch ein Erzb. und Kardinal zugleich bin; und so ich mich nicht schenirete, wär' ich beinahe genöthigt, das anzunehmen, was er mir von diesem Juden vorsagte. Wenn ich allein wäre, so wärs auch schon geschehen; aber meine sehr zahlreichen Kollegen, die hier mit mir diesen Vatikan bewohnen, würden über mich ja alle Teufel aus der Hölle heraufbeschwören, wenn ich so was thäte. Hm, hm, hm! wenn ich nur wüßt', was da des rechtens zu machen wäre. Meine Kollegen, die ohnehin immer einen Spitz auf mich haben, bewachen mich mit Argusaugen, und behorchen mich mit Midasohren; ich dürfte nur eine Miene machen, mich an diese Gesellschaft anzuschließen, so würden die Kerls sogleich also über mich herfallen, wie die hungrigsten Hunde über einen schweißenden Hasen. O Josef, du hast ganz recht in allem, was du über Rom gesagt; es ist also, und nicht anders, das weiß ich am besten; aber was kann Einer machen, der eben auch zu ihrem Gremium gehört?

02 Man muß dem Volke einen großartigen blauen Dunst vor die Augen machen, Handlungen verrichten, die einem zum Speien fade und dumm sind, und dem Volke etwas glauben machen, was man selbst doch um alle Schätze der Welt nicht glauben könnte; man muß sich ferner mit einem gottähnlichen Nimbus umgeben, während man im Grunde beiweitem unter dem Werthe eines Sauhalters steht. Denn was ist man denn als ein Erzbischof und Kardinal? Nichts, gar nichts! Man kann nichts, man weiß fast nichts mehr von allem dem, was man in den Studien gelernt hat, und auf der erzbischöflichen Höhe lernt man auch nichts mehr, als höchstens seine Finanzen in der sehr interessirten Ordnung zu erhalten, und sein hochkirchlichcs Regiment mit einer alles zermalmenden Hochwürde zu versehen, und die Hölle stets offener zu halten als den Himmel. Das ist das hohe Amt eines Erzbischofs, man stellt einen Apostelissimus vor, dem schon quasi vor dem natürlich blinden Volke die Gottheit Selbst gehorchen müßte, und ist aber in und bei sich selbst in re vera im Grunde des Grundes gar nichts, ja ein diplomirtes Nichts, das vor allem Volke in den höchsten gottähnlichen Ehren dastehet, vor sich selbst sich aber doch offenbar insgeheim ärger schämen muß, als ein Bettpisser, indem man sich doch bei nur irgend einem Gewissen alle Tage hundert Male ins Ohr raunen muß: Du bist nichts! Denn das was du vorstellst, ist an und für sich nichts; ohne Schuster und Schneider könnten die Menschen schwer bestehen, aber ohne einen Erzbischof unendlich leicht. Das ist eine unbestreitbare Wahrheit; aber wer dürfte es wagen, sie offen auszusprechen? Darin liegt eben der große Höllenhund begraben, daß selbst des redlichsten Priesters Mühe dahin gerichtet sein muß, das Nichts als ungeheuer Großes aufrecht zu erhalten, und es stets für großes Geld an das dumme Volk zu verkaufen. Wahrlich, ein schönes Geschäft für einen Ehrenmann!

03 O Josef, du hast Recht; aber ich darf dir nicht Recht geben. Denn gäbe ich dir Recht, so werden sie über mich herfallen von allen Seiten und Winkeln, und mir den Mund gehörig zu stopfen verstehen. Hm, hm, hm, wenn ich nur wüßte, wie ich mich aus den Schlingen dieser meiner Lauskollegen los machen könnte; mit dem größten Vergnügen thäte ich's. Nicht nur diesen recht ehrlich aussehenden Juden, der neben Josef stehend sich mit einem Manne und Weibe bespricht, sondern einen jeden Schusterjungen möchte ich als einen Halbgott mir gegenüber verehren und anbeten, der ich im Grunde gar nichts bin; aber meine allerfinstersten und bösesten Kollegen! O Gott, wie würde mir's da ergehen? ich weiß, mein lieber Freund Josef, so gut als du, daß ich dem Leibe nach gestorben bin; und mich schon bei 60 Jahren und vielleicht schon darüber hier in der Geisterwelt befinde, obschon ich auf der Welt nicht daran geglaubet habe, daß so 'was möglich wäre; aber wehe mir, wenn ich vor meinen Kollegen so 'was fallen ließe; ich glaube, die Kerls würden mich vor Wuth und Grimm in Stücke zerreißen, weil sie noch immer in der vollen Idee leben, daß sie noch Erzbischöfe und Kardinäle auf der Erde sind.

04 O Josef, helfe mir von meinen Kollegen, und du sollst deinen Migatzi gleich in einem andern Lichte erblicken. Migatzi war nie ein Freund Roms in seinem Herzen; mußte aber äußerlich thun, als wäre er es. Auch du, guter Josef, kanntest deinen Migatzi nicht; aber dein Migatzi kannte dich, und bot dir auch stets, so viel es möglich war, die hülfreiche Hand. Aber es ist traurig, daß ich mit dir anders reden muß, als ich denke, und so ganz eigentlich mitdir reden möchte. Du kennest Rom wohl; aber ich kenne es besser; du kennst nur, was du gesehen und gehört hast; aber ich kenne den Grund, auf dem Rom steht; den kannst du nicht kennen, und siehe, eben darin liegt der große Höllenhund begraben. So lange über den nicht ein Herkules kommt, und ihn um seine Köpfe kürzer macht, wird es nie vollends Tag auf der lieben Erde werden."

05 Auf dieß Selbstgespräch macht der Erzb. einen Seufzer, und sagt zum Josef: „Lieber Freund, ich habe dich auf eine würdige Antwort ein wenig zu warten geheißen; du hast darauf auch ganz geduldig gewartet; aber ich kann dir dennoch trotz all meines Denkens keine Antwort geben; denn es giebt Dinge zwischen dem Monde und der Sonne, von denen sich noch keine menschliche Weisheit etwas träumen hat lassen; ich hoffe, du wirst mich verstehen?"

06 Sagt Josef: „Ja, ja, ich verstehe dich, und in diesen Räumen giebt es noch eine große Menge Erzpfaffen, vor denen du eine unsägliche Furcht hast, die aber eben so eitel und leer ist, als deine Erzbischöfliche Hochwürde. Siehe, der Herr hat mir das Ohr meines Herzens aufgethan, und ich vernahm deine Gedankenrede; daher du mir nun denn auch keine Antwort mehr zu geben brauchst, indem ich die Antwort schon habe. Von nun an aber bist du auch ganz mein liebster Freund, und der Herr hier wird das an dir gut machen, was dir noch fehlet. Lasse aber ab von der thörichten Furcht vor deinen finstern Kollegen; sie werden dir nichts thun; dafür steh' ich dir! Ihretwegen sind wir auch nicht hierher gekommen, sondern deinetwegen, weil ich dich kenne; bist du unser, dann sind wir hier aber auch schon fertig; wende dich aber nun an den Herrn; Er wird dich mit einem Worte ganz gesund machen. Gehe, und thue das!" (Am 23. Juli 1850)

07 Spricht der Erzb.: „Lieber Freund Josef! du weißt, daß ich mit dir in allem, was mein Innerstes betrifft, vollkommen einverstanden bin, was du als recht, gut und wahr erkennst: nur mit dem, daß dieser dein sonst überaus bieder aussehender Abrahamssohn - Jesus der göttliche Meister aus Nazareth sei, kann ich mich noch nicht ganz einverstehen; Jesus der Herr sollte denn doch etwas von der Herrlichkeit Seines himmlischen Vaters durchblicken lassen. Aber bei Diesem da schaut doch eben so wenig irgend etwas Göttliches heraus, als wie bei sonst was immer für einem ganz gewöhnlichen Menschen.

08 Aber, sei ihm nun, wie ihm wolle. Christus, der Gesalbte Gottes, der wahre Hohe-Priester in Ewigkeit, ist die Liebe Gottes zu den Menschen; so Er mir armen Sünder vor Ihm die Liebe erweisen wird, so ist Er dann aber auch um alles, was du haben willst, mein Christus und mein Heiland in Ewigkeit, und wäre Er auch im Kostüme eines Schusterjungen vor mir. Erweiset Er mir aber keine Liebe, und wird Er mit mir verfahren wie ein römischer Pfaffe, dann gebe ich nichts für Ihn.

09 Leider war ich selbst auch ein römischer Hochpfaffe, und mußte auch von der alleinseligmachenden Kirche predigen, und alles verdammen, was nicht vor der Tiara die Knie beugte; aber Gott Lob, wie du's immer sagst, mir war es bei solchen Verdammungen wohl eben so wenig Ernstes, als wie bei einem Vater, der auch zu seinen Kindern äußerlich hindonnert: Wenn ihr nicht brav sein werdet, so werde ich den schwarzen Juden kommen lassen, der wird euch mit Ketten binden, und euch in einen finstern Wald bringen, und daselbst umbringen. So ungefähr war es mir bei solch einer Verdammungspredigt zu Muthe. Denn für's erste glaubte ich doch durch mein ganzes Leben nie an ein Fegfeuer, und noch weniger an eine Hölle, weil ich weder das eine und noch weniger das andere mit der göttlichen Liebe und Weisheit in eine Uebereinstimmung bringen konnte; und fürs zweite liebte ich die Menschen zu sehr, als daß es mir je Ernst sein könnte, auch den bösesten aus ihnen auf ewig zu verdammen;

10 denn auch der Böseste hat nur eine gewisse Zeit hindurch böse sein können, und besaß höchst wahrscheinlich ein solches Naturell, nicht anders handeln zu können; wird ein solcher Bösewicht nach genauer Durchsuchung seiner Natur, seiner Erziehung, der Handlungsbeweggründe, der Umstände, in denen er sich befand, zu einer zweckmäßigen Strafe zeitlich verurtheilet, entweder auf der Erde schon, oder nach dem Abfalle des Fleisches hier im Reiche der Geister auf so lange, als er sich vollends bessert, dann ist eine Strafe gut und gerecht; aber eine ewige Strafe für ein zeitliches Vergehen kann doch unmöglich je angenommen und noch viel weniger von der höchsten Weisheit und Liebe Gottes angeordnet sein; denn so was ziemte wohl einem Erztyrannen, aber einem Gott der Liebe ewig nimmer.

11 Du siehst hieraus, daß ich in mir durchaus kein eigentlicher Pfaffe war; denn davor bewahrten mich meine durch und durch filantropischen Grundsätze; finde ich nun Christum, wie Er ist, und nicht wie Ihn Rom predigt, so ist Er Christus auch im Gewande eines Schusterjungen. Ist Er aber Christus nach römischer Art, dann sei uns gnädig und barmherzig wer da wolle; denn dann ist unser Loos entschieden: dir ewig lichterlohbrennende Hölle, aus der natürlich ewig kein Ausweg mehr zugelassen wird. Guten Appetit! wem solch eine Gerechtigkeitskost schmeckt. Ich für meinen Theil schaffe ewig nichts davon, und wünsche mit dem vollsten Ernste von der Welt aller Geister mit solch einem Christuse ewig nicht zusammenzukommen. Denn der kann mir, wie die lustigen Wiener sagen, mit Haut und Haaren gestohlen werden."

12 Sagt Josef: „Bin ganz deiner Ansicht, und deines Verlangens; aber bei eben Diesem wirst du das finden, was du finden willst, einen Herrn, der dir wie uns Allen vollends ans Herz gewachsen ist. Kurz, einen weiseren und besseren Christus kannst du dir in Ewigkeit nicht denken, und noch viel weniger wünschen, als wie dieser allein Wahre und Einzige es ist. Daß aber auch ich keinen rachesüchtigen Strafegott mir je denken habe können, sondern nur einen weisen und milden Vater voll ernster Liebe, beweiset ja mein mildes Strafgesetz, da ich die entsetzliche Todesstrafe gänzlich aufhob, und selbst die gröbsten Verbrecher nur mit solchen Strafen belegte, durch die sie wieder zu Menschen werden konnten; die Todesstrafe ließ ich bloß im Anfange an ein paar gar zu teuflisch muthwillig allergräßlichst bösesten Verbrechern vollführen; der Eine hatte sein Weib, oder Geliebte, was sie sein mochte, bloß aus Muthwillen bei lebendigem Leibe anatomirt, und die Leibstheile dann zur nächtlichen Weile auf den Gassen herum zerstreuet; und der andere war ein Herzblutsauger, ein Vampyr in optima forma. Bei diesen Beiden mußte ein Beispiel statuirt werden. Und dennoch gereuete es mich nach der Hand; hätte ich sie zum Galeerenzuge gegeben, so hätten sie vielleicht auch noch können zu Menschen umwandelt werden; aber nicht so sehr ich, als vielmehr das Volk verlangte die Hinrichtung dieser Ungeheuer, und so dachte ich: Vox populi, vox dei, und ließ sie exemplarisch töten. Ob ich da vollends recht gehandelt habe, weiß ich kaum; aber das weiß ich, daß ich dabei durchaus keinen argen und rachesüchtigen Willen hatte. Du siehst also hieraus" -

13 hier unterbricht den Josef der Erzb., und sagt: „Ja, ja, ja, ich sehe, daß du ein vollkommen edelster Regent warst, und ein echter Mensch nach dem Willen Gottes; und so denn nehme ich denn auch diesen deinen Freund als Christum an, und möge mir nun schon geschehen, was da nur immer wolle. Meine Kollegen werden nun bald ein Zetergeschrei erheben, und wie die Teufel über mich herfallen; aher Migatzi wird bleiben bei dem, was er nun angenommen hat. Ich höre sie schon kommen; nun, das wird eine saubere Mette werden!"

223. Kapitel: Migatzis Amtsbrüder. Der eselhafte Präsident. Migatzis feuriges Bekenntnis zu Jesus. Jesu Urteil über das Papsttum. Antwort der Bischöfe.

01 Es stürzen nun auf einmal bei 100 skelettartige Wesen in sehr zerfetzten Vespermänteln und zerquetschten Bischofsmützen aus allen Winkeln hervor, erheben in größter Aufregung ein Zetergeschrei, und Einer, mit einem mehr einem Esel als einem Menschen ähnlichen Gesichte, der zugleich ihr Präsident ist, zwar der dummste aus allen, aber das macht dort nichts; denn sie ernennen deßhalb immer den Dummsten, damit sie selbst desto unumschränkter thun können, was sie wollen, wie es auch bei der Wahl der Päpste noch stets der Fall war, wo die pfiffigen Kardinäle sich auch allzeit den schwächsten und bornirtesten Ultramontanisten herausgestochen haben. Also solch Einer springt hastigst zum Migatzi hin, macht ein ernstes Gesicht, das aber erst in solch einer Position am allerdummsten auszusehen anfängt, so daß darob die ganze andere Gesellschaft in ein helles Lachen ausbricht; als der hervortretende Präsident sich auslachen ersieht, da wird sein Gesicht noch ernster, und daher auch lächerlichst dummer anzusehen, was das Lachen der Gesellschaft überaus befördert, daß sie wirklich aus vollem Halse zu lachen anfängt.

02 Aber nun wird es völlig aus beim Präsidenten; er reißt das Maul gut eine halbe Spanne weit auf, und strengt sich an, einen so recht römisch-apostolisch kräftigen Fluch herauszustoßen; aber ich mache ihm einen kleinen Strich durch die Rechnung, und der Herr Präsident bringt nichts als ein sehr heiser knurrendes i-a, i-a, i-a heraus; Helena und Robert ersticken fast vor Lachen, sogar Petr., Paul, und Johs. können sich des Lachens nicht ganz enthalten; die Monarchen lachen auch über Hals und Kopf, und Josef macht die Bemerkung, daß ihm durch sein ganz ganzes Leben nie eine lächerlichere Missasche untergekommen ist, als die dieses zornvollen Präsidenten.

03 Auch Robert sagt zu Mir: „Herr, ich begreife aber nur das nicht, wie ich mich beim Eintritte in diese Gruft gar so scheußlich fürchten habe können; und nun muß ich fast zum Zerbersten lachen über diese unendlich dumme Fisiognomie und über's ganz vollkommen allerechteste Eselsgeplärr. Das ist aber in der Entsprechung auch so höchst wahr bezeichnend, daß man sich schon nichts treffender Wahreres vorstellen kann; wie mächtig hat Rom geschrieen vor Grimm und Wuth zu Luthers Zeiten, und wie mächtig schreit es nun den Rongeanern gegenüber; aber das Geschrei ist immer gleichfort nichts, als das ganz unveränderte Eselsgeplärr! Und dieser Präsident, ein so gelungenes und getreuestes Bild des Papstthums, wie man sich aber schon nichts Gelungeneres und Getreueres vorstellen könnte!"

04 Sage Ich: „Das wird auch der Effekt der gegenwärtigen Mühe und des Eifers des Papstthums sein; die Menschen werden die Diener waidlichst zu belachen anfangen, und je mehr sich diese ärgern werden, desto mehr werden sie verlachet werden, bis sie am Ende ihr eigener Grimm verzehren wird; was du hier siehst im Kleinen, das wird auf der Erde geschehen im Großen. Die Diener Balaams werden alles aufbieten, werden Wundermagie treiben und schreien und plärren, wie dieser hier, und das Volk aber wird sich erbauen, wie diese unsere Gesellschaft nun hier im Angesichte dieses i-a- plärrenden Esels. Und diese Demüthigung wird das beste Heilmittel für diese Narren sein.

05 Aber du wirst es nun auch bald sehen, warum du dich ehedem gar so gefürchtet hast. Es wird nun bald das Innere dieser Pfaffen heraustreten, und du wirst dich hoch erstaunen über die Trugkünste, die dir diese Wesen produziren werden; Ich aber werde die Gesellschaft beleben dahin, daß sie sich gegenüber solchen Trugkünsten benehmen wird wie ein muthwilliges Publikum in einer schlechten, mißlungenen Komedie; und das wird von gutem Erfolge sein."

06 Hier tritt Migatzi vor Mich hin, und sagt: „Herr Jesus, Du bist es wahrhaftig; nun erst erkenne ich Dich vollkommen; Ehre sei Dir allein ewig!" - Ich aber fasse ihn bei der Hand, und sage: „Bruder, werde vollkommen!" - Und Migatzi bekommt sogleich ein recht gutes und gesundes Aussehen. (Am 25. Juli 1850)

07 Als er (Migatzi) sich nun also in einem bessern Aussehen befindet, da wird es ihm auch überaus wohl, er fühlt sich ganz leicht und gestärkt, und heller und heller wird sein Auge; nur das Gewand bleibt noch dasselbe sehr zerlumpt erzbischöfliche, was ihn sichtlich stets mehr und mehr schenirt; er beschauet sich, und sagt nach einer Weile zu Mir, voll der innigsten Liebe und des festesten Vertrauens: „Herr Jesus, Du wahrhaftigster Gott und ewiger Sohn Deines ewigen Vaters! Da Du mir schon ohne alle Verdienste um Deine Ehre und um Deinen allerheiligsten Namen so gnädig bist, und hast mich erlöset aus diesem wahrhaftigsten Pfuhle des Verderbens, so erlöse mich auch von dem Reste, der einen widerlichen Anblick meinen Augen und einen eckeligen Geruch meinen Nüstern bereitet. Siehe dich mich im höchsten Grade anwidernde Gewand, ein Gewand des Hochmuthes und des Truges! Befreie mich davon, und gieb mir dafür ein allergemeinstes Bettlergewand, und ich werde mich darinnen ganz selig fühlen!"

08 Sage Ich: „Sieh', mein lieber Bruder, dieß Gewand ist ein Gewand des Hochmuths und des Trugs zwar gewesen für den, der es hochmüthig und übellästig trug; du aber hast es nicht in dieser Art getragen, sondern nur des vorgeschriebenen Ritus wegen, weil es die römisch-kirchliche Regel also vorschreibt, und so war es für dich ein wahres Ehrenkleid, und somit nicht verächtlich, wie du es meinst;

09 denn sieh, gar alles ist nicht schlecht an der Römerin; nur das ist ein Gräuel, so sie des irdischen Mammons wegen zu Mitteln greift, die rein höllischer Natur sind, als falsche Wunder, falsche Heilmittel, Ablässe, Reliquien und Bilderdienst, Amuletes, frömmlich klingende Zaubersprüche, allerlei blinde Zeremonien, Gnadenwallfahrtsorte, Kirchenschätze blos für leeren kirchlichen Luxus, hohe Aemter und Ehrenstellen, und die ausgedehnteste Herrschsucht, und die hartnäckigste Alleinrechthaberei. Ich will von ihren Meßopfern nichts sagen, nichts von ihrer Ohrenbeichte, nichts von ihren Tempeln, Glocken und Orgeln, nichts von würdigen Kunstwerken, nichts von der Heilighaltung ihrer Bethäuser, und nichts von den pombhaften Begräbniß-Zeremonien ihrer Verstorbenen; denn dieß alles im reinen Sinne würdig benützt ist eben nicht untauglich, das menschliche Gemüth zu erheben und zu veredeln; aber daß die Römerin diese an und für sich reinen Dinge dazu mitgebraucht, das menschliche Herz zu verdummen und blind zu machen, und zu glauben, daß man durch den sorgfältigsten Gebrauch alles dessen zum Leben in den Himmeln, und nur durch sie zu Meiner Gnade gelangen könne, das ist schlecht; denn dadurch werde Ich bei den Kindern als Vater zu einem Tirannen, den die Dummheit wohl fürchtet, aber nie liebt; die Verständigen und Gelehrten, und Weltläufigen aber fangen dann Meiner sich zu schämen an, und wollen oft von einem solchen Erlöser, wie Ihn die Römerin schildert, nichts mehr hören und wissen, und verwerfen sodann das Kind samt dem Bade; und sieh, das bewirkt die römische Kirche durch ihre eigenmächtigen Lehren, Satzungen, Zugeständnisse und Privilegien, die sie als von Mir empfangen vorgiebt, und durch allerlei geduldeten und gepredigten Aberglauben. Und das ist es aber auch, wodurch sie selbst sich zu Grunde richtet, und eigentlich schon zu Grunde gerichtet ist.

10 Das alles aber liegt nicht am Kleide, sondern am gewaltigen Mißbrauche desselben; daher behalte du nur unterdessen dein Gewand; so wir bald von diesem Wien uns hinweg begeben werden, und werden unterwegs noch einem Orte einen kleinen Besuch geistig abstatten, da wird sich dein Kleid schon in ein anderes umstalten." - Damit gibt sich M. auch ganz zufrieden, und dankt Mir sehr über diese ihn über alle Maßen tröstende Belehrung.

11 Zugleich aber ertönt aus den finstern Winkeln ein gellend Geschrei: „Hinaus mit diesen Ketzern, mit diesen Gottesleugnern, mit diesen Vermaledeiten in Ewigkeit!" - Migatzi fällt in eine förmliche Ohnmacht, und sagt ganz bebend: „Aber, o Herr, um Deines allerheiligsten Namen Willen, kannst du das anhören, ohne sie Alle mit Feuer und Schwefel zu vernichten? O um Deines allerheiligsten Namens willen! was wird daraus werden!"

12 Sage Ich: „Gar nichts! denn sieh, Ich bin ja nicht wie ein Mensch, der gleich alles mit Feuer und Schwert verheeren möchte, so ihm etwas in die Quere kommt. Welche Menschen und Geister trägt die Erde? Und dennoch lasse ich täglich die Sonne auf und niedergehen, und beleuchten und erwärmen die Erde an allen ihren Punkten nach dem Maße der natürlichen Nothwendigkeit. Siehe, in der Geduld und Liebe liegt die größte Kraft; wer diese nie aus den Augen läßt, wird große Dinge erreichen; und so müssen denn auch wir Geduld und Liebe haben mit allem, was schwach ist, so wird unsere Mühe stets der beste Effekt lohnen; lassen wir sie schreien, sie werden schon aufhören, so sie genug sich werden ausgeschrieen haben. Und somit keine Furcht und keinen Aerger mehr!"

13 In diesem Augenblick, als Ich das letzte Wort dem Migatzi sage, fängt es im Hintergrund zu blitzen und ganz gewaltig zu donnern an; glühende Riesenschlangen fangen an, aus verschiedenen Winkeln hervorzukriechen, und wüthende Krümmungen zu machen; feurige Todtengerippe klappern, und Nachteulen und Fledermäuse fehlen nicht, und im Hintergrunde ist ein gräßlichst aussehender riesigster Rachen mit furchtbar großen und nahe weißglühenden Hauzähnen zu erschauen; aus dem Rachen schlagen fortwährend Rauch und Flammen empor, und auf der Stirne dieses Höllendrachen stehet es mit rothglühender Schrift geschrieben: Ich bin der ewige Höllendrache, zu verschlingen alle frechen Ketzer! Alle Lutheraner, alle Calviner, alle Melanchthoniden, alle Hussiten, alle nicht unirten Griechen, alle Herrnhuter, alle Quäker, alle Mährischen Brüder, alle verfluchten Freimaurer und andere ketzerischen Pietisten, alle fluchwürdigen Puritaner und Anglikaner, so wie auch alle Sofisten, und Gelehrten, die auf die römische alleinseligmachende Kirche nichts halten, und ihre heiligen 5 Gebote belachen, und sich darüber lustig machen, dann alle Neukatholiken, Heglianer und Straußianer, alle Mathematiker, Mechaniker und Astronomen werden von mir auf ewig gefressen.

14 Ueber solche Inschrift geschieht schon eine gewaltige Lache, und sogar die anfangs sehr furchtsame Helena fängt zu lachen an, und sagt: „Diese Szene würde im Prater, und zwar im Affentheater recht viel Aufsehen machen. Aber der Stefansdom steht ja auf einem recht schönen Grund. Nein, wenn ich aber auf der Welt davon nur eine schwache Ahnung gehabt hätte, so wäre ich doch bei Deinem heiligsten Namen die erste gewesen, die so einen Tempel mit einer brennenden Fackel heimgesucht hätte; da schaue man einmal diese Kerls an, was die alles treiben, um arme und schwache Geister in ihre hab- und herrschsüchtigsten Netze zu treiben! Ah, ah, da kommen sie nun in einer großen Schaar, in ihren erzbischöflichen Ornaten, und eine große Menge Dienerschaft mit ihnen; was sie etwa nun thun werden!" - Sage Ich: „Sei ruhig, meine Tochter, und horche und siehe!"

224. Kapitel: Ohnmächtige Wut der römischen Kleriker. Ihre Unbarmherzigkeit, Habgier und Schwindelei. Donnerworte des 'Ketzerkaisers' vertreiben sie in ihre Winkel.

01 Hier weicht auch der vielbelachte i-a Schreier von uns zurück; Alle machen eine tiefe Reverenz vor ihm, und sagen: „Allerhochwürdigster apostolischer Nunzius des heiligen Vaters aus Rom! Wie kannst du zaudern noch mit diesen Ketzern? Verfluche sie, und treibe sie alle in die Hölle ohne Gnade und Erbarmen!" -

02 Sagt Dieser mit einer häßlich kreischenden Stimme: „Ich hab's ja schon gethan, was ihr wollt, und darnach ihr fraget; aber die Teufel sind euch ganz entsetzlich hartnäckig, und wollten nicht thun, was ich ihnen gebiete, sondern lachen mich oben darauf noch recht brav und tüchtig aus. O, das sind harte Teufel!" (Am 29. Juli 1850) Auch vor unseren Blitzen und Donnern, wie auch vor unsrer Höll' haben sie keine Furcht, sondern schauen diese doch allererschrecklichsten Dinge so ganz gleichgültig an, als wann gar nichts daran wäre; o, o, das sind schlimme, harte und unverbesserliche Teufel!

03 Und Einen haben's uns doch wegg'fischt; o du armer Teufel, wie bist du jetzt auf ewig verloren, und wenn du dich auch itzt eine Zeit lang wehrest vor der Höll', was dir nichts nützt, so wirst du aber mit der Zeit dennoch ohne Gnade und Barmherzigkeit samt diesen deinen Gesellen hinein müssen auf ewig. Ja, ja, hinein, hinein werden die alle müssen! Da ist keine Gnade und kein Erbarmen inehr."

04 Hier tritt K. Josef vor und sagt: „Hört, meine Hochwürdigen. Wäre es denn nicht genug, so ihr uns bloß nur so auf einige Erdentage lang ins Fegfeuer werfen möchtet? Denn sehet: uns sogleich mir und dir nichts in die Hölle hinein verdammen, von der ewig kein Auskommen mehr sein solle, ist denn doch von euch Allen zu hart. Habt daher Gnade und Erbarmen für uns! Bedenket doch, wie einem armen Teufel das höllische Feuer gar unbeschreiblich schreckliche Schmerzen bereitet! Es geht einer armen Seele im Fegfeuer zwar auch durchaus nicht gut; aber von da heraus ist doch eine Erlösung zu erhoffen; aus der Hölle aber ewig keine. Darum erbarmet euch unser, und befreiet uns von der Hölle!"

05 Schreien darauf Alle: „Nichts da, ihr Vermaledeiten! nur hinein mit euch in die Hölle, und das in die allerunterste, wo vor lauter Hitze der Diamant und s'weiße Gold schmilzt. Bei uns ist kein Erbarmen mehr für euch Teufel. Wir werden euch schon lehren, was es heißt, die heilige römische, alleinseligmachende Kirche verspotten und verlachen. Darum nur geschwind hinein mit euch Allen!" - Spricht Josef: „So wir für uns aber, sage zehntausend allerkräftigste sogenannte 100-Dukaten-Messen zahleten, saget, ginge da die Geschichte auch nicht mit der Höllenbefreiung?" - Schreien Alle: „Das ist viel zu wenig, um von der Hölle befreiet zu werden; da müßtet ihr gerade zehnmal so viele Papstmessen lesen lassen; da wäre vielleicht noch was zu machen; aber wohlfeiler auch um keinen rothen Heller; denn das wissen wir, was es heißt, einen Teufel aus der Hölle zu erlösen."

06 Spricht Josef: „Was müßten denn unterdessen wir thun, bis die, also 100,000 Hundertdukatenmessen könnten gelesen werden, - etwa hier verbleiben?" - Schreien wieder Alle: „Dummer Teufel! Wenn ihr derweil da verbliebet, und nicht in die Hölle hineinginget, wie kunnten wir euch denn da aus der Hölle erlösen, waon ihr nicht in der Höll' wäret? Waon ihr aus der Höll' erlöst werden wullt, so müßt ihr früher drein sein. Zohlts also früher die 100,000 kräftigsten Papstmessen, und gehet dann geschwind in die Höll', sunst könnt ihr nicht erlöset werden!"

07 Spricht Josef: „Aber wie lange wird es denn hergehen, bis die 100,000 Messen gelesen werden?" Schreien die Erzbischöfe und die andern ihnen dienenden Pfaffen alle: „Von sulchene allerheiligsten Messen können nur drei, und zwar unmittelbar vom heiligen Vater selbst in einem Jahre gelesen werden; nur er allein hat da das ausschließende Recht und die Macht dazu. Itzt rechnets selber z'sammen, wie lang's da hergehn kann. Unter 30,000 Jahren ist gar keine Rede; denn die Hölle ist und bleibt Hölle; wer amol drinnen ist, der kummt nicht so leicht wieder heraus." -

08 Sagt Josef: „Nun, nun, nun, jetzt bin ich schon im Klaren mit euch und den 100,000 Messen; nur den Grund möchte ich noch wissen, warum denn gerade die drei Papstmessen von einer so ungeheueren Kraft sind. Denn man sollte es ja doch glauben, daß da, was die Würde und den Werth eines Meßopfers betrifft, eine Messe so gut ist wie eine andere." - Sagt nun der frühere i--a Plärrpfaffe: „Das ist so; und das weiß nur ein Nunzius: Bei der Messenlesung durch die andern Geistlichen, welcher Würde sie auch sein mögen, opfert sich nur allein der Gottsohn seinem himmlischen Gottvater auf für die armen Seelen im Fegfeuer und für bußfertige Sünder auf Erden; da ist in der Hostie nur Gottsohn ganz allein gegenwärtig; bei der Papstmesse aber tritt die ganze allerheiligste Dreifaltigkeit in die Hostie, und darin liegt dann die ungeheure Kraft einer Papstmesse, bei welcher nur die Erzengel ministriren dürfen, und zwar nur dann, wenn sie von der allerseligsten Jungfrau Maria zu diesem allerheiligsten Dienste auserkoren werden. Also darin liegt es, und daher können nicht mehr als eigentlich gültig in einem Jahre nur drei solche Messen gelesen werden. So ist es; hat mich der Herr Kaiser verstanden?"

09 Sagt Jos.: „Beinahe, aber doch noch nicht ganz, und darum möchte ich denn auch noch das wissen, warum denn ein Papst nicht mehr als drei Messen lesen darf, und das eigentlich nicht ganz, indem er eigentlich nicht selbst die Messe liest, sondern nur bei derselben, die entweder von einem Kardinal, oder von einem kardinalisirten Erzbischöfe gelesen wird, glorificaliter assistiret. Das möchte ich noch, so recht klar von dir erfahren." - Sagt der Nunzius: „Ist aber das eine verfluchte ketzerische Frage! Auf der Welt könnte ich Ihm darauf gar keine Antwort geben; aber hier, wo Er schon ohnehin mit Haut und Haaren dem Teufel zugehört, und sich im nächsten Augenblick in der Höll' befinden wird, da kann ihm so was schon g'sagt werden, damit Er dadurch desto tiefer in die Höll' kommen kann. Und so merke sich der Herr Kaiser! - Der Papst kann deßwegen nicht mehr als drei Messen lesen, weil dadurch die allerheiligste Dreifaltigkeit als lebendig für alle Zeiten der Zeiten auf der Erde in der alleinselig-machenden Kirche dargestellt und erhalten wird. Daß aber der Papst nicht unmittelbar ganz selbst die allerheiligste Dreifaltigkeits-Messe liest, sondern dabei pontifizirt, glorifizirt und assistirt, kommt daher, weil er ein Knecht der Knechte Gottes, und der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist, der allen dient, und sich nicht darf bedienen lassen. So ist die Sache! itzt wird Er's doch verstehen."

10 Sagt Josef: „Ja jetzt bin ich im Klaren, und weiß nun vollkommen, was ich vom Papstthume zu halten habe." - Sagt der Nunzius: „Nun, und was haltet man denn nun vom Papste?" - Sagt Josef: „Nichts anderes, als: daß gerade er der vollkommene Antichrist ist, und ihr alle seine getreuesten Helfers-Helfer seid. Denn wäret ihr Christen, so wie es sich gebührt, und nun auch Gottlob ich einer bin, so würdet ihr Christum den Herrn, Der hier fest neben mir stehet, sicher sogleich erkannt haben, aber da ihr in aller Fülle die vollendetsten Antichristen seid, so verdammt ihr uns, samt Christum, in die Hölle, während ihr selbst schon sehr lange euch darinnen mit Haut und Haaren befindet.

11 O ihr elenden Schurken! ihr habt Christum, der als die ewige reine Liebe, als Gott und Schöpfer in die Welt, die Er gemacht hat, kam, um allen Blinden die Augen zu öffnen, nach - eurem eigenen Urtheile zu einem Teufel umstaltet, und habt Ihn, den Rechten, verflucht. Denn euer Christus, den ihr ehret und begehret, heißt Gold und Silber; der wahre aber, der am Kreuze für alle Menschen blutend Seine göttlichen Arme ausgestreckt hat, und allen Seinen Feinden vergab, und den ewigen Vater in Ihm für sie um Vergebung bat, ist euch zum Ekel geworden derart, daß ihr alle, die Ihm und nicht euch, die ihr euch frechst und gewissenlosest Seine Diener nennt, anhangen, ohne alles Bedenken mordet, senget und brennet, und am Ende noch in die unterste Hölle verdammet. O ihr Schlangen und Otterngezüchte! Welcher Teufel hat euch denn gezeuget? Wahrlich, wäre der Herr nicht von einer endlosen Geduld, Sanftmuth und Liebe, welche Hölle gäbe es denn, die schlecht genug wäre euch aufzunehmen!

12 Ich will und darf euch kein Richter sein; der Herr thue euch nach euren schändlichsten Verdiensten. Würde ich euch aber richten, wahrlich, ich sage es hier laut im Angesichte Gottes, ich würde über euern Nacken eine Züchtigung verhängen, daß sich darüber die ganze Unendlichkeit Gottes verwundern solle. Bei Deinem allmächtigsten Namen, o Herr, Du kennst mich; ich habe allzeit alle Geduld und Nachsicht gehabt mit den Schwächen meiner mir untergebenen Brüder; aber bei dieser Brut der Hölle, bei diesem Auswurfe Deiner Schöpfung erschaudere ich, und alle meine Geduld und Nachsicht hat da ihr entschiedenstes Ende gefunden.

13 Schon auf der Erde, wo sich diese Brut maskirte, wo sich diese reißendsten Währwölfe in Schafspelze verkrochen, und nur ganz im Geheimen ihr schnödstes Unwesen trieben, habe ich sie von einer Seite kennen gelernt, die ganz vollkommen der untersten Hölle glich; ich habe selbst mit eigener Hand ein Kruzifix, das ums theure Geld Blut schwitzte, und ein anderes, das sich immer den Bart wachsen ließ, zerstöret. Denn es war doch zu heillos zu sehen, wie diese besoldeten Knechte des Antichristen den armen blindesten Menschen den letzten Kreuzer aus dem Sacke herauspreßten durch allerlei Lug und Trug. Ich that dagegen mein Möglichstes. Aber auf der Erde sah nach der Zurechtweisung doch noch bei manchem Pfaffen so ein Mignionmensch heraus, und man hatte mit ihm dann auch eine gerechte Geduld. Hier aber zeigt sich diese Brut in ihrer wahren Gestalt, ist gräßlichst anzuschauen, und noch gräßlicher anzuhören. Herr, Dein Wille geschehe, aber meine Geduld ist da zu Ende!"

14 Sage Ich: „Mein Bruder, sei nur ruhig, und ärgere dich nicht; denn sieh, es muß alles so kommen, sonst wären Daniel und Jesajas, ja Lügner. Die haben von ihnen geweissaget, und ihre Weissagung muß erfüllet werden; in der Folge wirst du es einsehen, warum alles dieß also kam und kommen mußte. Nun aber gebe nur weiter Acht; denn es wird nun gleich eine andere Szene zum Vorscheine kommen, von der du recht viel lernen wirst; aber ärgern darfst du dich fürder nicht."

15 Auf obige energische Rede Josefs haben sich die Pfaffen alle, samt ihren untern und viel niedern klerikanischen Helfers-Helfern in ihre Winkel zurückgezogen, um allda über die ihnen angethane Beleidigung sich zu berathen, mit welch einer gelingbaren Rache sie uns für den ihnen angethanen Frevel bedienen sollen, und wie sie uns wirksam in ihre vermeintliche Hölle hineinbringen könnten.

225. Kapitel: Magische Maßnahmen der Kirchenhäupter. Jesus über Glaubenserweckung. Niederlagen als Arznei gegen Hochmut. Josephs Ärger muß sich Luft machen.

01 Nach einer Weile vernehmen wir Orgeltöne, und zwar die Melodie des sogenannten Tedeum laudanum. Josef fragt Mich, sagend: „Herr, Du bester heiligster Vater, was solle denn das bedeuten? welchen Gott loben denn diese, Deine offenbarsten Widersacher? Denn von Dir kann da doch ewig keine Rede sein, welchen Gott also haben sie denn?"

02 Sage „Ja du, Mein lieber Bruder, meinst denn du, daß sich die je um irgend einen Gott bekümmert haben? Sieh, Gott ist ihnen ganz etwas Gleichgültiges; dieß Loblied gehört zu ihrer leeren Zeremonie, und hat für sie als Sache selbst gar keinen Werth, außer daß es ihnen, so es außerordentlich geschieht, Geld, und das nicht wenig trägt. Hier aber soll es bloß als ein Schreckmittel Dienste thun, um uns als vermeinte Teufel in die Flucht zu treiben, indem sie der Meinung sind, daß die Teufel überaus dumm sind, und sich auch schon durch scheinbar frömmliche Dinge sogleich in die Flucht treiben lassen. Auf diese Dinge halten zwar die meisten Pfaffen bei ihnen selbst nichts; aber sie üben sie dennoch deßhalb aus, um damit die Dummheit noch breiter zu machen, als sie es ohnehin schon ist. Also das ist der Grund denn auch nun, daß wir bei solchen geweihten Tönen sogleich davon laufen sollen."

03 Sagt Josef: „Nicht übel, nicht übel! Aber giebt es denn nichts, um diesen Kerlen einen so recht derben Schabernack entgegen zu senden, so daß sie vor Angst speien sollen? Vielleicht könnte so etwas diese Wesen auf andere Gesinnungen bringen."

04 Sage Ich: „Das darf aus zwei Hauptgründen nicht geschehen; Erstens: Um sie nicht in ihrer Freiheit zu stören, da kein gebundener Geist mehr irgend etwas zu seiner Besserung leisten kann, und an und für sich so gut wie todt ist; und Zweitens könnte man diese Geister, die selbst an gar kein Wunder glauben, obschon sie das Volk durch lauter Wunder blenden möchten, auch durch was immer für ein auch noch so reines Wunderwerk nie zu irgend einem Glauben bringen; denn sie würden die großartigsten Wunder gerade so ansehen, als wie zu Meiner Zeit auf der Erde die Priester und Schriftgelehrten alle Meine Wunderthaten aufgenommen und angesehen haben.

05 Siehe, bei Meinem Tode zerriß der Vorhang im Tempel von oben bis unten in zwei Theile; die Bundeslade verschwand, und ward hernach nicht mehr irgendwo gesehen; Sonne und Mond verloren ihr Licht; die Gräber öffneten sich, und die Verstorbenen kamen aus den Gräbern, und verkündigten Vielen Meine Ehre; viele Heiden schlugen sich an die Brust, und sagten: Dieß war wahrhaftig ein Gott! und glaubten darauf fest an Meinen Namen. Aber die Priester und Schriftgelehrten wurden darauf nur noch härter, und verfolgten mit aller Energie Meine Schüler und Meine Lehre. Mehr kann man denn doch nicht thun, als einen Lazarus, der bereits vier Tage im Grabe gemodert hatte, vom doch gewiß sichersten Leibestode erwecken, und ihn frisch und gesund den Seinen wieder geben. Welchen Effekt aber hat diese gewiß keinem Menschen mögliche That bei den Priestern, Farisäern und Schriftgelehrten zuwege gebracht? Nichts anderes, als daß sie hernach desto energischer zu berathen anfingen, Mich aus der Welt zu schaffen. Aus dem kannst du, Mein lieber Bruder, schon ersehen, wie wenig bei diesen Wesen, die noch zehnmal ärger sind als die jüdischen Priester, Schriftgelehrten und Farisäer zu Jerusalem es je waren, ein wie immer geartetes Wunder wirken würde. Eine gute, wahrheitsvolle Rede ist und bleibt noch immer das beste und allerunschuldigste Mittel, um solche Wesen auf einen bessern Weg zu bringen, obschon vorderhand bei diesen hier nicht viel zu erhoffen sein wird."

06 Sagt Josef: „Ja, das ist gewiß und wahr, bei diesen wird sich wenig machen lassen! Neugierig aber bin ich doch, was die Kerls nun machen werden, und womit sie zum Vorscheine kommen." - Sage Ich: „Siehe nur hin dort, wo noch der Höllenrachen in künstlicher Gluth sich befindet; von dort aus wird nach plötzlicher Verwandlung dieser höllischen Spektakelszene die neue Prozedur beginnen; aber nur mußt du dich nicht ärgern; denn diese legen es geflissentlich darauf an, daß wir uns wohl recht in die Haut hinein ärgern sollen, und so wir uns darob wirklich ärgern würden, so würde das für sie gerade ein Triumpf sein. Diesen aber ersparen wir ihnen, so wir uns auch nicht im geringsten ärgern, und dafür den Aerger zu ihnen selbst zurückkehren lassen, der ihnen dann am ersten ihre vollste Ohnmacht zeigt, und sie zu demüthigen beginnt.

07 Einen stolzen Geist kann man durch nichts eher zur Demuth bringen, als wenn man ihm von allen seinen Plänen aber auch nicht einen gelingen läßt. Siehe an die stolzen Feldherren, welch eine ungeheure Meinung haben sie von sich, wenn sie irgendwo über den Feind einen Sieg erfochten haben; trete wer zu ihnen, und sage es, daß der Sieg nur ein zufälliger war, und durch ein glückliches Ungefähr herbeigeführt wurde; von Mir darf da freilich schon gar keine Erwähnung geschehen. Nun, der einem Feldherrn so was sagen würde, dem möchte es doch nicht am besten ergehen. Ich aber lasse so einem Feldherrn hernach eine Niederlage um die andere überkommen, und der große Mann sitzt dann bald irgendwo ganz ruhig, und verzehrt ganz gemächlich seine Pension, und vergißt anm Ende alle seine Heldenthaten, und wird oft ein recht lieber und artiger Mensch. Und so wollen wir es auch nun mit diesen Pfaffen, wie mit Allen auf der Erde machen, und du wirst es sehen, das wird die möglichst beste Kur für sie sein. Darum denn nur keinen Aerger über sie, lieber Freund und Bruder!" (Am 1. Aug. 1850)

08 Spricht Josef: „O Herr, ich sehe es nun klarst ein, daß Du ganz vollkommen allein in allen Punkten Recht hast; ja, so ist es am besten, und so allein nur kann es gehen; aber wegen dem Sich-Aergern oder Nicht-Aergern, da hat es seine geweisten Wege. Wenn Du, o Herr und Vater, nicht Jemandes Herz ganz mit Deiner Sanftmuth erfüllest, der kann thun, was er will, mag und kann, und denken, so viel es ihm nur immer möglich ist, so wird er sich vor dem Aerger dennoch nicht völlig enthalten können, wenn er diese Wesen so schmähliche Sachen und Dinge durch lauter selbstsüchtigsten Trug, und die eigennützigste Lüge zuwege bringen sieht. Habe ich doch auf der natürlichen Erde viele Hunderte von den miserabelsten Gelegenheiten gehabt, wie eben die Pfaffen von Oben bis Unten mir am meisten mit ihren Gesuchen und Rekursen in den Ohren gelegen sind, und mir aus den selbstsüchtigsten Gründen, die man von Weitem erkennen mußte, derart lästig geworden sind, daß ich sie alle hätte todtschießen mögen. Jeder andere Mensch hatte vor mir, als einem Kaiser, seinen gemessenen Respekt und die möglichst höchste Achtung; - aber diese Brut, besonders so es etwas Kirchliches galt, woraus für ihren Sack ein bedeutender Vortheil heraussah, war dir doch so dreist, als wie eine Sommerfliege, und gab eher keine Ruhe, als bis sie, so es nimmer gerade gehen konnte, auf den allerverschmitztesten Kriech-, Schleich- und Krummwegen am Ende dennoch das erreichte, was sie hatte erreichen wollen. Und so ich dann hinter so etwas kam, ja da mußte ich mich denn doch wieder ärgern bis zum Grün- und Gelbwerden. Hier in dieser Welt aber kommt das noch viel ärgerlicher heraus, indem man sogleich bei jeder geringsten Bewegung nur zu klar einsieht, welch eine allerniedrigste Absicht diese geistigen Lumpen und Spitzbuben mit jeder ihrer Handlungen, ja mit jeder ihrer Mienen verbinden.

09 Sie spielen die Frommen, ums' zahlende Vertrauen ihrer Schafe zu wecken; sie gehen barfuß einher, um den Schafen glauben zu machen, daß sie demüthig sind, und daß ihre Demuth sehr viel Geld werth ist; sie beten öffentlich mit andachtsvollen Mienen, um die Goldminen ihrer gläubigen Schafe locker und transzendent zu machen; sie machen bei ihren Messen ganz entsetzlich tiefe Referenzen; und beugen ihr Haupt nahe bis zur Erde, um den Schafen zu zeigen, von welch einer allerunbegrenztesten Hochachtung und Ehrfurcht sie vor dem Tische Gottes durchdrungen seien; aber bei ihnen selbst glauben sie nichts, und thun das nur, um desto mehr Meßopfer anzulocken; denn die Blindschafe meinen, daß eine Messe mit solch einer sichtlichen Andacht gelesen schon für alle Uebel, die nur immer auf der Erde gang und gäbe sind, gut sein muß. So sind die sogenannten schönen und gewöhnlich neueren kirchlichen Parimente viel stärker geweiht, und haben die geheime doppelte Weihe, weil sie angerührt sind; deßhalb aber kosten sie auch mehr, als die alten schon mehr zerlumpten und beschmutzten.

10 O Herr, eine zahllose Menge solcher Dinge giebt es bei dieser echten Gespensterkaste, über die, so man auf ihren Grund gekommen, man sich über alle Maßen ärgern muß! aber was kann man dabei thun? Nichts als zusehen eine zeitlang, und wenns einem am Ende zu arg wird, drein schlagen wie ein egiptisches Donnerwetter. Es ist richtig, daß diese Lumpen es darauf anlegen werden, uns zu ärgern, und wir uns aber dennoch nicht ärgern sollen, um ihnen keinen Sieg über uns einzuräumen. Aber der Kuckuk halte es aus! So ich nur Einen sehe, da dreht sich bei mir schon alles fest weg um und um. Wie gesagt, Herr und Vater, so Du mich nicht besonders hältst, kann ich nicht gut stehen, ob ich mich nicht ärgern werde.

11 Aha, aha! nun ist die Hölle schon ganz verschwunden, und wir stehen nun auf einmal ganz in optima forma inmitten des Stefansdomes, der noch ganz so aussieht, wie er bei meinen Lebzeiten ausgesehen hat. Jetzt kommen die berothmäntelten Kirchendiener, um Kerzen anzuzünden; sie zünden alle Kerzen an, und decken den Hochaltar ab. Nun, am Ende werden sie uns gar mit einem levitirten Amte hinausheizen wollen. Die Geschichte wird ja recht lustig und possirlich. Freund Migatzi, wie kommt denn dir diese Geschichte vor?"

12 Sagt M.: „Wie solle sie mir wohl je anders als dumm überdumm vorkommen! Aber ärgern kann ich mich wahrlich nimmer darüber, weil die Sache zu ungeheuer dumm ist; aber lachen, ja, so viel du nur immer willst. Denn darüber kann sich kein Mensch mehr ärgern, so diese allerbornirtesten römischen Dummköpfe sich auch als Geister nicht wollen kuriren lassen. Lassen wir das alles unserm lieben guten Herrn und Vater über, und seien wir guten Muthes und guter Dinge; diese Wesen aber lassen wir ungestört machen, was sie wollen: das wird für sie auch sicher die beste Kur sein. Was nützt uns da all das Aufzählen von den allerungebührlichsten Sachen und Dingen, von allen den Lügen und Betrügereien, von alle den Filustückeln und Grausamkeiten dieser Wesen und ihrer Konsorten? Sie sind darum dennoch, wie sie waren, und wie sie auch höchstwahrscheinlich verbleiben werden: denn wir Zwei werden nichts ändern an ihnen."

13 Sagt Josef: „Da hast du allerdings recht; denn an diesen ist im buchstäblichen Sinne des Wortes und der Bedeutung nach die Taufe und das Krisam lange total verdorben, und es wird an ihnen darum auch schwerlich je etwas zu bessern sein; aber ich selbst bin von der Art, daß es mir gerade leichter geschieht, wenn ich mich so ein wenig meines Aergers dadurch entledige, wenn ich hier vor dem Herrn, und eben auch vor den Ohren jener Weltlumpen ihre Hauptstückchen ihnen ins Gedächtniß zurückrufe, auf daß an ihnen erfüllet werde, was der Herr Selbst auf der Welt allen solchen Hauptlumpen verheißen hatte, da Er ganz ausdrücklich sagte: Von den Dächern herab wird man's euch laut verkündigen, was ihr im Geheimen Arges gethan habt! Sie halten nun ein gespenstisches Hochamt; bis sie fertig werden, kann ich mich noch von so manchem entledigen, was mich drückt."

226. Kapitel: Jesus über das katholische Meßopfer und über die angeblich ewige Verdammnis.

01 (Josef:) „Herr, Du bester Vater aller Menschengeister, sage es mir doch, so Du mich als irgend dafür werth findest, ob denn an dem sogenannten Meßopfer, von dem einem Petrus doch sicher nie etwas geträumet hat, und in keiner hl. Schrift etwas davon stehet, denn doch etwas daran sei? Denn es könnte vielleicht, wie ich es mir oft auf der Erde gedacht habe, doch wohl etwas daran sein, besonders wenn so recht stillen Orts ein recht herzlich guter Priester gläubig und in der besten Meinung von der Welt Dir Gott dem Herrn ein wahrhaft andächtiges Meßopferchen darbringet, das er aber umsonst verrichtet, da sich ganze Monate lang kein Zahlender einfindet, der Priester auch überhaupt von dem Schrote und Korne ist, sich kein Meßopfer zahlen zu lassen, weil er es wirklich als zu heilig erachtet, und seinen lieben Heiland um keine Silberlinge mehr verkaufen will. Ich meine, so ein Meßopfer dürfte bei Dir, o Herr, denn doch nicht ganz ohne Werth sein!"

02 Sage Ich: „Mein liebster Freund! Was kann wohl bei Mir ohne Werth sein, so es im rechten Sinne verrichtet wird? So Ich dir einen jeden Becher frischen Wassers, den du einem Durstigen reichtest, so er unvermögend war, ihm selbst ein Wasser an irgend einer Quelle zu schöpfen, hundertfach belohnen will, um wie viel mehr werde Ich ein andächtig verrichtetes Meßopfer eines wirklich frommen und edelherzigen Priesters, deren es aber freilich leider nur sehr wenige giebt, mit dem wohlgefälligsten Herzen ansehen, und werde segnen den Priester, wie sein Opfer. Denn Ich sehe ja nur allzeit auf's Herz und nie auf die Form. Denn durch ein liebevolles und gerechtes Herz wird auch jede äußere Form, wie sie auch immer beschaffen sein möchte, gerecht und gut vor Mir, obschon an der Form, möge sie was immer für ein Gesicht haben, gar nichts liegt; und sie auch keinen Werth hat und haben kann, weder äußerlich noch innerlich.

03 Ich habe nur einmal, und das für alle Menschen gleich, Mich Dem geopfert, Der in Mir ein heiliger Vater von Ewigkeit ist; von diesem einigen und einzigen Opfer an giebt es für ewig kein zweites, und diesem ähnliches mehr. Aber so irgend gute und wahrhaft fromme Kinderchen eines großen Helden nach ihrer Erkenntniß und Fähigkeit eine größte Heldenthat ihres Vaters in eine entsprechende Szene bringen, und sie dem Vater mit wonnetrunkenen Augen vorführen, sage selbst, ob so was den Vater freuen wird oder nicht! Sieh, er wird sicher eine recht große Freude daran haben, obschon durch diese Aufführung kein gedrücktes Volk mehr vom harten Joche eines Tirannen befreiet wird. Und sieh, gerade also ist es auch bei Mir. Durch's Meßopfer wird nichts zuwege gebracht; aber durch das edle Herz dessen, der es verrichtet, sehr vieles; denn da wird es von Mir wahrhaft gesegnet, nicht aber etwa als ein Opfer, sondern als eine Szene Meines Erdenlebens; denn ein Opfer kann es nimmer geben, weil, wie gesagt, dieses schon einmal als gültig für ewig vollbracht wurde, weßhalb Ich auch am Kreuze zum letzten Male ausrief: Es ist vollbracht! Was aber einmal vollbracht und vollendet ist für alle Zeiten der Zeiten, das kann dann nie wieder noch einmal vollbracht und vollendet werden.

04 Ist aber an und für sich ein rechtschaffener Priester vermöge des erhaltenen Unterrichts dennoch der Meinung, daß er ein gleiches Opfer in seiner Messe verrichte, wie Ich es verrichtet habe am Kreuze; nun, so werden wir ihm das wohl zu keiner Sünde anrechnen, sondern zu ihm sagen: Es sei dir vergeben; denn du wußtest es ja nicht, was du gethan hast! Wohl aber solle es Jenen angerechnet werden, die bei sich übers ganze Opfer lachten, und sagten: Mundus vult decipi, ergo decipiatur! Denn wer Jemanden des eignen Vortheils wegen will etwas unter Hölle, Mord und Brand glauben machen, worüber er bei ihm selbst lacht, der ist kein Priester, sondern wahrhaft ein Teufel; dessen Lohn wird gleich sein seiner falschen Mühe, und seinem falschen Eifer. Hast du das alles wohl verstanden, Mein lieber Bruder Josef?"

05 Spricht Josef: „Ja, mein Herr und Vater, wie solle ich das auch nicht verstanden haben, indem Du die Sache mir nahe auf ein Haar also gezeiget hast, als wie ich mir sie oft vorgestellt habe. Also ist es, und kann unmöglich je anders sein. O ich danke Dir, daß Du Deine Ordnung gerade also eingerichtet hast, als wie ich sie bei meinen irdischen Lebzeiten gar oft gedacht und mir vorgestellt habe.

06 Nur Eines geht mir noch ab zur vollen Ruhe meines Herzens, und das ist eine Aufhellung über den fast in allen christlichen Religionssekten vorkommenden Begriff von einer sogenannten ewigen Strafe. - Giebt es eine solche, oder giebt es keine? Denn so man für die irdischen Minuten ehrlichen und rechtlichen Lebenswandels eine ewige Belohnung erhält, so kann man nicht leichtlich umhin auch anzunehmen, daß es gegenüber einer ewigen Belohnung auch füglicherweise eine ewige Strafe geben müsse; denn gebührt hier im Reiche der Geister einer kurzen edlen That ein ewiger Lohn, so gebührt dem gegenüber auch für eine kurz dauernde böse That ein ewiger Strafzustand in der Hölle, oder wo immer? Ich finde diese Annahme ganz logisch richtig."

07 Sage Ich: „Du schon, aber Ich nicht, indem Ich mit all dem, was Ich geschaffen habe, doch unmöglich mehr als nur einen Zweck vor Augen haben konnte. - Der Ich Selbst nur das ewigste Leben bin, so konnte Ich ja nie Wesen für den ewigen Tod erschaffen haben. Eine sogenannte Strafe, wo sie auch immer vorkommen mag, kann daher nur als ein Mittel zur Erreichung des einen Grund- und Hauptzweckes, ewig nie aber als ein quasi feindseligster Gegenhauptzweck sein; daher denn auch von einer ewigen Strafe nie die Rede sein kann. Verstehst du, lieber Bruder, nun dieses?"

08 Spricht Josef: „Ja, Dir o Herr ewig Dank, Liebe, Lob und Ehre, das verstehe ich nun ganz; und es wäre mir nun nahe unmöglich, es nicht zu verstehen; aber in der Schrift, und zwar aus Deinem allerheiligsten Munde selbst stehet es nur zu deutlich geschrieben von einem ewigen Feuer, das nimmerdar erlischt, von einem Wurme, der nimmer stirbt; ja es stehet geschrieben: Weichet von Mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Dienern bereitet ist. Ja Herr, ich kenne eine Menge Texte, wo der Hölle und ihres ewigen Feuers sehr handgreiflich gedacht wird. So es nun denn aber keine ewige Strafe giebt, ja, so dieses sogar von dem Sträfling selbst abhängt, in derselben zu verbleiben, so lange er mag und will; da sehe ich denn durchaus nicht ein, wie da von einem ewigen Feuer, das nimmer verlischt, und von einem Wurme, der nimmer stirbt, die Rede in der Schrift sein kann."

09 Rede Ich: „Mein liebster Freund und Bruder! Es steht wohl geschrieben von einem ewigen Tode, welcher da ist ein ewig festes Gericht, und dieses Gericht geht hervor aus Meiner ewig unwandelbaren Ordnung, und diese aber ist das sogenannte Zorn- oder besser Eiferfeuer Meines Willens, der ganz natürlich also für ewig unwandelbar verbleiben muß, ansonst es mit allem Geschaffenen auf einmal gar aus wäre.

10 Wer sich aber von der Welt und von ihrer Materie hinreißen läßt, der ist freilich so lange als verloren und todt zu betrachten, als wie lange er sich von der gerichteten Materie nicht trennen will. Es muß also der Geschaffenen wegen wohl ein ewiges Gericht, ein ewiges Feuer und einen also lautenden ewigen Tod geben; aber darin liegt eben so wenig die Folge, daß ein darin gefangener Geist so lange gefangen verbleiben muß, als wie lange dieses Gericht an und für sich dauern muß; wie auch, so du auf Erden ein allerfestestes Gefängniß erbaut hättest, das gleich einer egiptischen Piramide Jahrtausenden trotzen solle, die Gefangenen deshalb nicht auf die ganze mögliche Dauer des Gefängnisses verurtheilt werden sollen.

11 Ist denn Gefängniß und Gefangenschaft nicht doch für Jedermann ersichtlich zweierlei? Das Gefängniß ist und bleibt freilich ewig, und das Feuer Meines Eifers darf nimmer erlöschen; aber die Gefangenen bleiben nur so lange im Gefängnisse, als bis sie sich bekehrt und gebessert haben.

12 Uebrigens steht in der ganzen Schrift aber auch nicht eine Silbe irgendwo von einer ewigen Verwerfung oder Verdammniß eines Geistes, sondern nur von einer ewigen Verdammniß der Nichtordnung gegenüber Meiner ewigen Ordnung, die nothwendig ist, weil sonst nichts bestehen könnte. Das Laster als Unordnung oder Widerordnung ist wahrlich ewig verdammt, aber der Lasterhafte nur so lange, als er sich im Laster befindet. Also gibt es auch in aller Wahrheit eine ewige Hölle, aber keinen Geist, der seiner Laster wegen ewig zur Hölle verdammt wäre, sondern nur bis zu seiner Besserung. Ich habe wohl zu den Farisäern gesagt: Darum werdet ihr desto mehr, oder eine längere Verdammniß überkommen; aber, nie: Darum werdet ihr auf ewig verdammt werden. - Verstehst du nun deine so gefährlich aussehenden Schrifttexte? Oder verstehst du etwa noch etwas nicht?"

227. Kapitel: Trostvolle Aufklärungsrede Jesu über die 'unübersteigliche Kluft' und über die Vergebung von 'Todsünden'. (Am 5. Aug. 1850)

01 Spricht Josef: „O HErr, was du nun geredet hast, habe ich wieder ganz vollkommen verstanden; aber noch einen einzigen kleinen Punkt in der Schrift verstehe ich nicht ganz, wie man ihn eigentlich verstehen solle, und das ist die unübersteigliche Kluft in der Parabel vom reichen Prasser, den Du, o HErr, vor den Augen der Welt in die Hölle gestellt hast; das ist eben dieser fragliche Punkt. So denn zwischen denen, die im Schoße Abrahams, Isaaks und Jakobs im Himmel sich befinden, und zwischen denen, deren schrecklichstes Loos die Hölle ist, eine ewig nimmer übersteigbare Kluft sich befindet, darüber Niemand mehr weder hin- noch Herkommen kann, wie wird dann wohl eine Erlösung aus der Hölle möglich sein? Daß aber aus der Hölle schwerlich je eine Erlösung stattfinden dürfte, leuchtet auch noch aus einem andern Lehrtexte der Schrift hervor, wo nehmlich den Sündern gegen Deinen heiligen Geist (Mark. 3,29) entweder eine nur sehr schwere, oder auch gar keine Erlösung zugesichert ist, und das ausdrücklich, o HErr, aus Deinem heiligsten höchst eigenen Munde. Was hat es sonach mit der unübersteiglichen Kluft, und mit den Sündern gegen Deinen heiligen Geist für eine Bewandtniß?"

02 Sage Ich: „Dasselbe, wie da die sogenannten Rechtsgelehrten in der Welt sagen: Volunti non fit injuria. Wer es selbst also will, dem geschieht kein Unrecht. Die Kluft aber bedeutet wieder den nie übersteigbaren Unterschied zwischen Meiner freiesten Ordnung in den Himmeln, und der ihr in Allem schnurgerade widerstrebenden Unordnung in der Hölle. Dieser Text bezeichnet also nur die Unvereinbarkeit der Ordnung und der Unordnung, nicht aber eine quasi ewige Thorsperre für denjenigen, der sich darin befindet.

03 Daß aber Einer, der schon so schlecht ist, daß er ihm sich selbst schon vollkommen zur Hölle wird vermöge seines freiwilligen Uebergehens aus Meiner freiesten Ordnung in die nothwendigst für ewig gerichtete Widerordnung, eben nicht gar zu bald und gar zu leicht aus der Hölle kommen wird, das versteht sich von selbst, indem es dir nur zu bekannt sein muß, wie schwer und hart es einem Bösestolzen und in allem Herrschsuchtshochmuthe Gefangenen ist, in die Sanftmuth und Demuth der Himmel überzugehen. Es ist so was gerade wohl keine Unmöglichkeit, aber dennoch eine große Schwierigkeit. Du wirst in der Zukunft es nur gar zu oft noch erfahren, wie schwer es hergeht, Jemanden vollends aus der Hölle zu heben. Der Stolze kehrt immer wieder zum Stolze zurück, der Unkeusche zur Unkeuschheit, der Träge zur Trägheit, der Neider zum Neid, der Geizhals zum Geize, der Lügner zur Lüge, der Prasser und Schwelger zum Prassen und Schwelgen, der Dieb zum Stehlen, der Räuber zum Raube, der Mörder zum Morde, der Rohe zur Roheit, der Wollüstling zur Wollust u.s.w. Wenn mau ihnen die unordentlichen Eigenschaften auch tausendmal rügt, so verfallen sie alsobald wieder in die gleichen sündigsten Leidenschaften, als ihnen zu ihrer nöthigsten Sichselbstrichtung die für's ewige freie Leben bedungene Freiheit gegeben wird; und je öfter sie wieder in einen Rückfall kommen, desto schwächer werden sie stets, und desto schwerer wird es ihnen auch, sich aus den bösen Leidenschaften zu erheben und als lautere Geister in Meine wahre ewige göttliche Freiheit überzugehen.

04 Aber bei den Menschen-Geistern ist wohl gar Vieles unmöglich, was aber Mir am Ende dennoch gar wohl möglich ist und sein wird; denn bei Mir sind alle Dinge möglich. Verstehst du dieses?"

05 Spricht Josef: „Ja, mein HErr, mein Gott, mein heiliger Vater! Jetzt sind mir alle jene Texte klar, die ich auf der Erde wohl geglaubt habe; aber sie haben auf mich nie einen wohlthätigen Eindruck gemacht, obschon ich als ein irdisch plenipotenter Kaiser selbst alles auf die gewissenhafteste Gerechtigkeit halten mußte, und durfte nicht Gnade üben, wo mir irgend ein harter Sünder unterkam.

06 Merkwürdig aber war das doch stets in meinem Gemüthe, daß ich keinen harten und strengen Richter leiden konnte. Wer aus meinen vielen Amtsrichtern die in dem ihm angewiesenen Bezirke vorkommenden Sünder zu scharf richtete, dem war meine Gunst ferne; wer aber die Sünder nach ihren Vergehungen also richtete, daß er dem Sünder wohl die Größe und Schwere seiner Sünde recht genau zeigte, wie auch aus dem Strafkodex zeigte, welcher Strafe er verfallen, darauf aber bei den Reuigen auf meinen Namen hin den Akt der Gnade übte, und dem Sünder statt fünf Jahre schweren Kerker nur ein Jahr im milderen und leichteren Kerker als korrektive Strafe gab, der wurde bei mir im weißen Buche vorgemerkt, und hatte an mir seinen sicheren Freund;

07 und so war es denn auch, wenn ich das Evangelium las. Wenn ich die Verse durchging vom verlornen Sohne, vom guten Hirten; wenn ich die Ehebrecherin in dem Tempel vor Dir betrachtete, den Zachäus vom Baume herabrufen hörte, den gerechtfertigten Zöllner im Tempel sagen hörte: O HErr! ich bin nicht werth, meine Augen zu Dir emporzuheben; und Dich, o HErr, mit dem samaritanischen Weibe am Jakobsbrunnen allerbedeutungsvollste heilige Worte tauschen vernahm, da konnte ich mich nie der Thränen erwehren. O welch ein Gefühl hat Dein Wort am Kreuze: „HErr! vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun," in mir stets rege gemacht. Aber die Stellen, wo Du, wenn schon gerechtester Maßen, die Sünder mit schärfsten Fluch-Sentenzen zur Hölle wiesest, und wo ich überhaupt von Deiner Seite (HErr! vergieb mir, daß ich so frei vor Dir mir zu reden getraue) eine gewisse Unversöhnlichkeit entnahm, machten auf mein Gemüth wahrlich keinen guten Eindruck. Ich sah darin wohl einen gerechten, allmächtigen Gott walten, aber Ihm gegenüber nichts als allerohnmächtigste Wesen, die sich die endloseste Machtschwere ihre Schöpfers und ewigen Richters müssen gefallen lassen.

08 Ich zwang mein Herz, diesen allmächtigen Gott wohl aus allen Kräften zu lieben, und stellte mir auch die schrecklichsten Folgen so recht lebendig vor, so mein Herz Gott nicht über Alles liebete; aber ich muß zu meiner Schande und meinem Aerger gestehen, mein Herz wollte sich in dieser Liebe nicht finden; und so ich ein hübsches gemächliches Mädchen vor mir sah, und mein Herz emsiger pulsen vernahm, so fragte ich mich gleich wieder: Wie sieht es nun mit deiner Liebe zu Gott aus? Ist sie stärker oder schwächer, als die zu diesem Mädchen? Und das zartfühlende Herz, ich muß es offen gestehen, fand in dem holden sanften Mädchen unwillkürlich mehr Anziehendes, als in der die schärfste Gerechtigkeit donnernden Gottheit. Ich wurde durch solche Selbstprüfungen und Vergleiche denn auch ein Freimaurer, um da zur tieferen Kenntniß Gottes zu gelangen. Ich habe dabei wohl recht viel gewonnen, aber der allmächtige schärfest gerechteste Richter wollte um keinen Preis ein sanfteres Gesicht mir zeigen. Ich las viel von der reinen Liebe zu und in Gott; aber der ewig unerbittliche Richter wollte durchaus nicht untergehen, und die Hölle nicht verlöschen.

09 So stellte ich mir auch oft recht lebendig Dein Leiden und Sterben vor, und wie Du, Der Du aus Liebe zu den Menschen so viel leiden wolltest, um sie glücklich zu machen, eine gerechteste Ursache haben magst, mit den Sündern unbarmherzig zu sein, und ihre Sünden, die ein Grund Deiner Leiden waren, unerbittlich strenge zu ahnden; aber mein dummes Herz wollte sich alles dessen ungeachtet in die non plus ultra Liebe zu Dir dennoch nie ganz finden.

228. Kapitel: Der große 'Exorzismus' und die säumende Hilfe der 'Schmerzhaftesten'. Missionswerk des einfachen Kirchendieners. (Am 8. Aug. 1850)

01 „Aber nun, o HErr, Dir allein alle Liebe, alles Lob, bin ich erst auf dem rechten Wege; jetzt verstehe ich Dein heiliges Wort, und Du, o HErr, bist mir nun erst die Liebe aller Liebe! Kurz, ich bin nun ganz geheilt, und wollte, daß alle Menschen es also wären. - Aber nun geht das Meßopfer dieser Pfaffen auch zu Ende; was wird darauf etwa nun geschehen?"

02 Sage Ich: „Mein lieber Bruder! du wirst es sogleich sehen, wie sie nun einen sogenannten Exorzismus an uns ausüben wollen werden; aber wir werden ihn nicht annehmen, und dafür an ihnen einen sonderlichen Gegenexorzismus in die Anwendung bringen, und da wirst du deine Wunder sehen, was da alles zum Vorscheine kommen wird. Aber, wie gesagt, nur keinen Aerger dabei; das ist eine Grundbedingung, ohne die wir wenig oder nichts ausrichten würden; denn bei Diesen bedarf es einer scharfen Feile."

03 Nun ist der letzte Monstranzensegen mit seinem nichtssagenden "Genitori, Genitoque" zu Ende, und wir als die vermeintlichen bösen Geister sind nicht geflohen. Das ärgert nun die Pfaffen ganz entsetzlich, und ihre reichliche und zahlreiche Dienerschaft fängt an, gegen dieß gehaltene Hochamt verschiedene Verdächtigungen zu machen. Einige meinen, daß das heilige Geschirr eher von ungeweihten Händen angerührt worden sei, und daß deshalb das ganze Amt vor Gott keinen Werth haben kann, und somit auch keine Kraft. Ein Anderer sagt, vielleicht habe etwa die heilige Wäsche eine Hure oder eine Ehebrecherin oder gar eine Lutheranerin gewaschen, und dadurch das heilige Meßgeräth tiefst entheiliget, und da könnte der Teufel freilich lachen, wenn er solch ein Meßopfer verrichten sieht. Ein Anderer meint, der Hauptfungirende habe zu wenig tiefe Reverenzen gemacht, und sich dadurch der allerheiligsten Himmelskönigin mißfällig erwiesen; sie habe darum ihre Gnade nicht hinzugegeben, und so sei das Meßopfer ohne Kraft und Wirkung gewesen. Man solle nur noch ein Amt halten, aber mit den allertiefsten Reverenzen, was der allerseligsten Himmelskönigin am besten gefiele, und er stehe dafür, daß bei einem solchen tiefst reverenzirten Amte die Teufel nicht gegenwärtig bleiben werden.

04 Ein Anderer wieder will bemerkt haben, daß ein Ministrant beim Confiteor und namentlich beim "Mea culpa" zu wenig an die Brust geschlagen habe; ja, einen Schlag habe er sich etwa eines teuflischen Flohes wegen auf den Bauch gegeben, und das zerstöre etwa auch die Wirkung der Messe; denn man solle es kaum glauben, von welcher Kleinigkeit oft die Wirkung oder Nichtwirkung einer Messe abhänge; ihm habe das einmal ein alter frommer Kapuziner ganz haarklein auseinandergesetzt.

05 Einer bemerkt gar etwas Lächerliches, und sagt: Der Epistelpolster sei beim Infundiren verkehrt worden, was er wohl bemerkt habe; und wenn so etwas geschieht, so ist die Messe ohne Kraft; denn auf den Epistelpolster legt die glorreichste Mutter, so das heilige Meßbuch auf den Evangeliumspolster übertragen wird, das Christkindlein; wird aber der Polster verkehrt, so nimmt sie das Christkindlein wieder weg, und die Messe ist ohne Wirkung. Daher sei es auch nothwendig, daß diese heiligen Polster, und zwar der linke mit dem Namenszeichen Jesu, und der rechte mit dem der allerheiligsten Jungfrau Maria mit Gold gestickt bezeichnet sind, auf daß da ja keine Verwechslungen und Verkehrungen statthaben können, weil so was dem Meßopfer einen entschiedenen Nachtheil brächte.

06 Ein Zeremoniarius fragt, ob nicht etwa Jemand die Stola verkehrt übers Kreuz mit dem Cingulum überbunden habe? Man untersucht und findet richtig bei einem bevespermantelten Assistenten, daß der linke Stolatheil über dem rechten, statt unter demselben liegt, und diesem Umstande wird nun die Mißwirkung der Messe zugeschrieben; und dieser Assistent, so er nicht ein Kardinal wäre, hätte in jedem Falle eine Strafe erhalten; aber einem Kardinale kann man so was denn doch nicht mehr anthun. - Aber ein Kapuzinerprior sagt doch: Ja, wenn man bei der heiligsten Handlung so unvorsichtig ist, da könnte sich unser einer zu Tode ministriren, so würde das aber dennoch nichts nützen. Nein, die Stola verkehren! das ist ja schon was Altes, daß da sogleich alle Engel, die unsichtbar bei der heiligsten Handlung ministriren, vom Altäre zurücktreten, und ihre heiligen Gesichter abwenden, und die heiligste Mutter Gottes kann da gar nicht zum Altare kommen, weil durch eine solche Unvorsichtigkeit sie alle ihre sieben Schmerzen wieder empfindet.

07 Hier wird es Meinem lieben Josef förmlich unwohl; auch der Robert und die Helena können sich hellen Lachens kaum mehr enthalten. Hier tritt auch der Kaiser Franz zu Mir hin, und sagt: „HErr! ich habe zwar nie viel gehalten auf die Pfafferei; nur des blinden Volkes willen mußte ich so manches thun, was diese Brut von mir verlangte, denn ich kenne den Papst und seinen Stuhl besser, als tausend Andere. Aber hätte ich diese Dummheiten je auf der Erde gehört, wie hier nun, da hätte ich sicher das vollendet, was mein Onkel Josef begonnen hat. Nein, aber so was wäre mir auch im Traume nie eingefallen!"

08 Sage Ich: „Seid nur ruhig; das ist Alles noch nichts. Bei dem bald über uns ergehenden Exorzismus werdet ihr erst die großartigsten Wunder der Dummheit der Pfaffen kennen lernen; denn von der römisch-katholischen Teufelaustreiberei habt ihr Alle keinen Begriff, besonders so nach ihren dummsten Begriffen die Teufel irgend einen sogenannten Gottestempel in den Besitz genommen haben. Habet nur auf Alles Acht! Die Sache wird zwar von keiner langen Dauer sein, aber für euch Alle dennoch sehr belehrend; denn ihr Kaiser müsset das vorzugsweise sehen, weil ihr solche Dummheiten, die ihr leicht hättet abstellen können, für nichts und wieder nichts geduldet, und hie und da sogar kräftigst befördert habet. Gebet nun nur Acht; der famose Exorzismus wird sogleich beginnen." (Am 9. Aug. 1850)

09 Ein Levit entfernt sich nun, und mit ihm einige Dienstbare. In wenigen Augenblicken bringt er ein schwarzes Buch, das auf beiden Deckeln äußerlich mit einem weißgrauen Todtenkopfe geziert ist; die Diener aber bringen eine Menge schwarzer sogenannter Requiem- und Exequiem-Gewänder. Diese werden nun unter einigen lateinischen Murmeleien gewechselt, und in wenig Augenblicken steht die ganze Hohepriesterschaft ganz schwarz vor uns. Es wird auch ein sogenannter Katafalk aufgerichtet, aber verkehrt, und eine Menge schwarzer Kerzen werden auf schwarze Leuchter so unordentlich als nur möglich gesteckt; ein schwarzes Rauchfaß und ein ebenso schwarzer Weihbronnkessel fehlt nicht samt einem ganz schwarzborstigen Sprengbartstocke.

10 Nun tritt der Hauptfungator vor und murmelt aus dem ihm ehrerbietigst vorgehaltenen Buche, und die Andern sagen alle Augenblicke Amen dazwischen. Nach solcher ziemlich lange anhaltenden Murmelei wird die Hälfte der Kerzen angezündet, mit dem Rauchfasse beraucht und mit dem Weihwasser besprengt. Dieß Murmeln, Rauchen und Besprengen geschieht noch zweimal; darauf wird ein schwarzer Strick hingelegt; der Hauptfungator tritt im Namen Mariä auf den Strick, andeutend, daß er nun der Schlange den Kopf zertritt. Darauf wird eine große schwarze Schüssel mit glühenden Kohlen von den Dienern herbeigeschafft; das Feuer wird dreimal verflucht, und der Strick wird darauf in dieses Feuer geworfen. Nach dieser Operation wird wieder aus dem Buche gemurmelt, und darauf das Feuer mit dem verbrannten Stricke aus der Kirche geschafft. Nun aber werden eine Menge Knittel aus der Sakristei gebracht; ein Jeder nimmt einen solchen in die Hand; bei dieser Gelegenheit wird auch die andere Hälfte der Kerzen angezündet, aber dafür die schon brennende zuerst angezündete Hälfte ausgelöscht. Nach diesem Akte werden die Knittel geweiht, beräuchert, besprengt und angerührt. Als dieß beendet ist, sagt der Hauptfungator: Hiscum fustibus percuntiatur omnia! Das heißt: Mit diesen Stöcken muß jetzt Alles zerschlagen werden, was die Teufel entheiliget haben. Auf dieß Wort werden zuerst die Leuchter umgeschlagen; darauf wird der Katafalk ganz zertrümmert, und das Bahrtuch in Stücke zerrissen; zugleich macht auch der Hauptfungator einen kleinen Riß in das weiße Unterkleid. Darauf beginnt ein wilder Lärm; ein Jeder schreit, was er nur kann, natürlich uns Quasiteufel aus der Kirche hinaus verfluchend. Daneben wird mit diesen Knitteln auf allen Bänken herum geschlagen, was nur immer möglich ist; nur die Altäre werden geschont und die Orgeln; aber die armen Bänke müssen bei dieser Operation viel aushalten. So lange die Knittel nicht ganz zerschlagen sind, wird mit dieser Agitation nicht innegehalten,

11 aber als nach ein paar Stunden irdischer Zeitrechnung die Knittel zu Ende sind, und wir denn doch noch fest dastehen und nicht um ein Haarbreit weichen wollen, beruft der Hauptfungator alle die Teufelaustreiber zu sich, und sagt: „Höret! Wir haben nun Alles gethan; mehr können wir nicht thun; aber leider hat all' unsere Mühe nichts gefruchtet. Ich bin daher der Meinung, daß wir noch die große lauretanische Litanei beten sollen, und zwar vor dem Bilde der allerschmerzhaftesten Mutter Gottes. Holet sie aus der geheimen Kammer der Schätze Maria's und stellet sie gerade vor das Tabernakulum hin; zündet nun alle Kerzen an, auf daß wir mit der Litanei sogleich beginnen können. Maria ist und bleibt unser Schutz und Schirm, und unsere letzte Zuflucht."

12 Sagt Einer aus der Mitte: „Wenn aber das etwa auch nichts nützen sollte, was werden wir dann thun? Denn so dieser Generalexorzismus nichts gefruchtet hat, der doch ganz auf den Namen der allerseligsten Jungfrau sich fußet, was wird dann das todte Bild der Schmerzhaftesten und die große Litanei fruchten? - Ich bin gar nicht mehr dafür; übrigens kommen mir diese Wesen auch gar nicht als Teufel vor. Man betrachte sie nur genauer, und man wird sich bald überzeugen, daß da hinter ihnen gar nichts Teuflisches zu stecken scheint." - Sagt der Hauptfungator: „Teufel können auch Engelsgestalten annehmen; darum heißt es hier Alles versuchen, und daraus das Gute behalten. Darum gehet nur ganz geschwinde, und bringet mir die Allerschmerzhafteste herbei! Amen dico vobis!" (Am 10. Aug. 1850)

13 Ein paar Diener begeben sich nun sogleich nach dem Orte hin, Wo sich das Bild der allerschmerzhaftesten Mutter befindet. Als sie aber das scheinbar hölzerne Bild herbeischaffen, da zeigt es sich, daß es ganz außerordentlich schadhaft ist. Es fehlen dem Bilde die sieben Schmerzen, die gewöhnlich durch sieben in den Leib der Maria hineingestoßene Schwerter ausgedrückt werden; dann fehlt dem Bilde die Krone, der halbe Kopf, eine Hand, und der ganze todte Heiland, den sie auf ihrem Schoße trägt. Von einer Farbe und Vergoldung ist keine Rede mehr; dafür aber ist das, was noch von der Allerschmerzhaftesten da ist, desto wurmstichiger, und die ganze Figur wäre kaum mehr zur Beheizung eines kleinen Kamins zu gebrauchen.

14 Als der Großfungator dieß zerstörte Bild ansieht, sagt er ganz verdrießlich: „Aber um des Himmels willen! Was ist denn mit diesem glorreichen außerordentlich mirakulösen Gnadenbilde geschehen? Das sieht ja doch so jämmerlich aus als wie die sieben theuren Zeiten in Aegipten. Mein Gott und mein Herr! Wie hast denn Du dieß heilige Bild Deiner allerseligsten Mutter gar so zu Grunde können gehen lassen? Ei, ei, ei! Was wird nun da zu machen sein? Saget mir, giebt es denn nirgends eine andere? denn mit dieser ist es nichts mehr."

15 Sagt ein Diener: „Eure Eminenz! Da unten in einer Seitenkapelle ist wohl eine ohnehin zur öffentlichen Verehrung Ausgestellte. Wie wäre es denn, so wir uns dahin begäben?" - Sagt der Großfungator: „Das ist nichts! Es muß eine Uebertragbare sein, damit man sie vor's Tabernakulum stellen kann. Die Festangemachte auf einem Altare ist wohl für eine allgemeine Verehrung gut genug; aber für außerordentliche Gelegenheiten muß auch etwas Außerordentliches da sein, sonst macht es keine Wirkung. Traget dieß Bild weg, und sehet, daß ihr mir ein anderes herbeischaffet. Das wäre nicht übel, wenn in dieser Kirche weiten Räumen nicht noch irgend eine besser erhaltene Schmerzhafteste solle aufzufinden sein. Gehet und durchsuchet mir alle Winkel!"

16 Die Diener tragen das zerstörte Bild wieder hinaus, kommen nach einer Weile mit ganz betrübten Gesichtern, und vermelden allerehrfurchtsvollst, daß sie alle Winkel durchsucht haben und nichts Schmerzhaftes irgendwo antreffen können. Darob wird der Großfungator ganz unwillig, und macht die Dienerschaft zum Zerfallen aus, sagend: „So ist es, wenn lauter Esel man zu Kirchendienern hat! Wie die Ochsen rennen sie von einem Winkel zum andern, und finden halt nichts! Dumme Tölpel! Gehe wer Anderer suchen; es muß noch was geben."

229. Kapitel: Aufklärung und Wahrheitsrede des ketzerischen Kirchendieners.

01 Sagt einer von den Kirchendienern: „Ja, ja, 'sollen nur suchen gehen, werden halt auch einen D-k finden, so wie wir ihn gefunden haben! Da könnt' einer ein ganzes Jahr in allen Winkeln und Löchern dieser großen Kirche herumsuchen, und am Ende dennoch nichts finden. Ich finde das schon jetzt selbst dumm, daß sich eure Eminenz gerade auf so eine Mutter Gottes kapriziren, als wenn zwischen der Maria und wieder ganz derselben Maria ein Unterschied wäre. Die Bilder können ja ohnehin keine Wunder wirken, und der wirklichen Mutter Gottes wird es wohl vernünftigermaßen ganz gleich sein, ob sie durch was immer für ein Bild verehrt wird. Ich muß es hier offen gestehen, daß ich nie etwas Besonderes auch selbst bei den besten Bildern gefunden habe.

02 Ein Bild ist wohl dazu gut, daß man durch dasselbe an so manches Würdige der heiligen Religion erinnert wird; aber den Bildern eine gewisse Wunderkraft zuzuschreiben, das ist heidnisch; und da kann mir einer sagen, was er will, und wenn's der Papst auch selber mir in's Gesicht sagen möchte, daß die todten Bilder Wunder wirken können, so glaubete ich ihm nicht. Können die lebendigen Menschen kein Wunder wirken, wie hernach erst die todten Bilder? Ich meine, daß das sogar ein Stockblinder einsehen müßte, um wie viel mehr so hochgelehrte und hochstudirte Herren. Was ist denn mehr, so ein oft sehr schlechtes entweder geschnitztes oder gemaltes Bild, oder ein Mensch? Der Bilder wegen ist unser lieber Herrgott gewiß nicht auf die Welt gekommen, sondern blos nur der Menschen wegen, und darum müssen die Menschen doch mehr Werth sein, als so ein dummes todtes Heiligenbild.

03 In der Wirklichkeit ist mir ja eine Schmeißfliege lieber, als das schönste Bild; denn die erste hat Leben, und ist wirklich ein wunderbares Werk der göttlichen Allmacht, Liebe und Weisheit, während ein Bild nichts ist, als ein Werk der grellsten menschlichen Dummheit, die einen ewig lebendigen Gott und die das ewige Leben habenden reinen Geister durch vollends todte Bilder vorstellen will. Das ist meine Ansicht und mein Glaube; und die Herren können mit mir machen, was sie wollen; das ist mir gleich. Daß ich aber kein altes Bild mehr irgendwohin suchen gehen werde, darauf schwör' ich! Von nun an bleibe dumm, wer da will; ich aber werde Niemanden mehr einen Narren machen."

04 Jetzt fahren Alle über diesen Ketzer her, und drohen ihn zu züchtigen auf das Schauderhafteste; und der Großfungator sagt in einem ganz profetisch-pathetischen Tone: „So das am grünen Holz geschieht, was wird es mit dem Reisig werden? darum muß ein solcher Ketzer zum abschreckenden Beispiele gezüchtiget und sodann öffentlich den Teufeln zur ewigen Pein und Marter übergeben werden; denn er hat die Heiligthümer der Kirche Gottes beschimpfet, und ist dadurch ein Sünder wider den heiligen Geist geworden; ein Sünder wider den heiligen Geist aber hat weder hier noch jenseits eine Vergebung zu erwarten. Daher hinaus in's Gerichtshaus mit ihm; von dort in die geheime Todtenkammer, und von dieser zu allen Teufeln mit ihm. Fiat!"

05 Hier wird der Kirchendiener ganz entsetzlich rabbiat, hebt einen tüchtigen Stock vom Boden und sagt in einem all' den Pfaffen Respekt einflößenden Tone zum Großfungator: „He da! (mit dem keulenartigen Stocke drohend) wenn du, böser Pfaffe, es wagen solltest mich anrühren zu lassen, so sollst du und jeder, der seine Hand an mich legen sollte, mich von einer Seite kennen lernen, daß euch Allen auf ewig das Hören und Sehen vergehen solle. O ihr vermaledeiten Lumpen und Spitzbuben der allerersten Klasse! Ihr alten Gott-, Kaiser- und Volksschänder! Mich wollt ihr in euer schmählichstes Richthaus schicken? Mir den Tod und die Hölle geben deshalb, daß ich nun die Wahrheit vor Gott und aller Welt euch in's Gesicht gesagt habe?

06 Wer seid ihr denn, ihr schlechten Kujons?! Meinet ihr denn, man hat eine Achtung etwa vor euren Goldborden und heidnischen Bischofsmützen? Ja, man achtet sie wohl, aber also wie einen wüthenden Hund, oder wie den Biß einer Klapperschlange. Ihr wollet mich allen Teufeln übergeben? Wer seid denn ihr? Kann es noch irgend ärgere Teufel geben, als ihr es seid? Ihr seid die reißenden Wölfe in Schafsfellen, ihr - ihr die verkleideten Teufel! Ihr wollet jene allerachtbarsten Menschen als Teufel aus dieser Kirche treiben, und ihr selbst seid die allerärgsten Teufel?! Treibet euch selbst aus, dann werdet ihr des Rechtens handeln; aber nicht jene sichtlichsten Ehrenmänner, die Hunderttausendmal eher verdienten als Heilige auf die Altäre gesetzt zu werden, als eure schlechten Götzenbilder!

07 Heißt denn das Gott dem reinsten Geiste dienen, so man vor geschnitzten Bildern die Knie beugt, um das Volk zu täuschen und ihm glauben zu machen, daß man als ein Gottesgelehrter selbst daran glaubt, während man von der hochgeistlichen Seite doch nicht ein Jota glaubt von Allem, was man dem Volke zu glauben aufbürdet. Ihr seid es, von denen Christus im Tempel sagte: „Ihr bürdet den Armen und Schwachen unerträgliche Lasten auf, aber ihr selbst wollet sie auch nicht mit einem Finger anrühren. Ihr schützet den armen Witwen und Waisen lange Gebote vor, auf daß sie könnten in's Himmelreich kommen, ein Reich, an das ihr noch nie geglaubt habt, und verzehret dafür ihre Häuser und ihr Vermögen! Ihr seid es, die da die Mücken säugen und dafür Kameele verschlingen. Dafür solle aber auch desto mehr Verdammniß über euch kommen!

08 Euer Gottesdienst ist und muß allzeit ein Gräuel vor Gott gewesen sein, denn Christus Selbst hat ausdrücklich gesagt: „Was ihr den Armen thut, das thut ihr Mir." So ich aber nicht ginge an einem Sonn- und Feiertage in euren Gottesdienst, besuchete aber dafür die Armen, und thäte ihnen Gutes nach meinen Kräften, beichtete aber hernach, so würdet ihr mich richten; und doch kann nur das ein rechter Gottesdienst sein, wenn man den Armen dient im Namen Gottes des HErrn. Wessen Diener aber seid ihr, so ihr den wahren, von Gott Selbst klarst bestimmten Gottesdienst richtet, und gleichwohl heuchlerisch saget, man solle das eine wohl thun, aber das andere darum nicht weglassen, weil eines ohne das andere keinen Werth hätte? O ihr Thoren! Also redeten auch die Farisäer. - Was ist denn vor Gott besser, das thun, was Er Selbst angeordnet und geboten und gerühmt hat, oder Ihn mit den Lippen ehren, das Herz aber ferne halten von den Armen und Leidenden? Ich habe mich selbst überzeugt, wie man in der Stadt die Bettler mit Gerichtsknechten abfangen und ihnen Strafe geben ließ, so sie irgend während des sogenannten Gottesdienstes Jemanden um ein Almosen anflehten; und so hat man die wahren und lebendigen Gottesaltäre, an denen allein man den wahren Gottesdienst hätte verrichten sollen, zur Strafe eingesperrt, und dann schmählich per Schub fortgeschickt, und brachte dafür Götzen ein Opfer! Meint ihr wohl, daß an solch einem Opfer Gott je ein Wohlgefallen hat haben können? O ihr blindesten Thoren! Wann habt ihr wohl Gott gedient, da ihr Sein Wort und Sein Gesetz noch nie angenommen habet? - Ihr seid allezeit selbst- und herrschsüchtige blinde Blindenleiter gewesen, und seid am Ende mit ihnen in die Grube gefallen.

09 Ihr habet an Christum nie geglaubt; denn hättet ihr an Christum je geglaubt, so hättet ihr das gethan, was Er gelehrt hat; ihr aber hieltet nur auf eure Satzungen, diese waren euch ein kostbares Bild, zu dem Christus blos eine schlechte, abgeschabene Rahme abgeben durfte. O ihr schändlichen Volksbetrüger und Volksverführer! Ihr haltet euch Göttern gleich und verdammet Alles, was da eurem großen Geldbeutel als gefährlich erscheint; und so verdammet ihr auch das Wort Gottes selbst, so es nicht für euren Beutel taugt.

10 O ihr Heuchler! Warum enthaltet ihr denn das reine Wort Gottes den Gläubigen vor, und verdammet den, der es läse? Ihr saget wohl heuchlerisch genug, daß dieß wegen der falschen Auslegung geschähe, und nur der Priester es dem Volke vorzutragen habe. „O ihr Heuchler! Wisset ihr den Grund, warum ihr dem Volke das Gotteswort vorenthaltet? Sehet, des Geldes wegen thut ihr das, und aus Furcht, das Wort Gottes könnte dem Volke die Augen öffnen und euch entlarven vor ihm; darum verbietet ihr es, und weil ihr selbst es nicht glaubet. Aber darum kommt das Wort doch unter's Volk, und dieses kennt nun nur zu gut, wessen Geistes ihr seid.

11 Greifet mich, so ihr euch getrauet; ich werde mich gegen euch zu stellen wissen! (Am 13. August 1850) Warum zaudert ihr denn nun? Hat Seine Eminenz doch eher - als ich mich wider das gräßliche Bilderwesen ausgesprochen habe, sogleich wahrscheinlich aus purer christlicher Nächstenliebe, wornach man dem Nächsten nichts wünschen und thun solle, was man sich selbst sicher nicht gewünscht und gethan haben möchte, - zu allen Teufeln haben wollen; warum zaudert Sie denn jetzt? Ich werde es der Eminenz aber sagen, worin der Grund davon steckt: - Die Eminenz hat nun, da ich so frei war, Ihre Schande und Bosheit vor jenen Ehrenmännern, die die Eminenz als Teufel aus der Kirche exorzismisiren hat wollen, aufzudecken, die sogenannte ganz eigenthümliche Spitzbuben-Trema bekommen, und traut sich daher nichts mehr zu unternehmen gegen einen Mann, der ihr sehr in Allem, was Kraft und Verstand heißt, überlegen ist. Die Eminenz wirft wohl Blicke auf mich, wie so ein hungriges Krokodil, und möchte mich gerne zerreißen; aber es thut sich denn doch nicht mehr; ja, ja, die Diebe und Räuber sind auch von größter Wuth beseelt, so sie verrathen und ertappt werden; aber das macht nichts; im Kerker werden sie hernach schon sanfter.

12 Siehe die Eminenz! Warum hat Sie denn so ganz eigentlich diese mißlungene exorzistische Handlung gegen jene Ehrenmänner vorgenommen, die Sie als Teufel deklarirt hat? Sie wird es freilich nicht sagen; aber dafür werde ich so frei sein, es ihr gerade in's Gesicht zu sagen. Sehe Sie, diese Ehrenmänner, die dort stehen und entweder die Kirche, oder unsere unbegrenzte Dummheit in den Augenschein nehmen, hat Sie bei sich selbst durchaus nicht als Teufel angesehen, da Sie doch selbst nie an einen Teufel geglaubt hat, sondern für höchst weise, und in allen Dingen wohl erfahrene Leute, denen es vor jeder Dummheit ekeln muß. Obschon eine lateinische Messe mit allerlei Zeremonie und Geplärr zwar für einen wahren und reinen Christen des Dummen schon so viel enthält, daß es ihm dabei übel werden muß, so er die Sache nur einigermaßen beim Lichte des helleren Verstandes betrachtet;

13 so hat aber diese Dummheit, da sie etwas Alltägliches ist, und durch die Gewohnheit erträglich geworden ist, auch den von der Eminenz erwünschten Erfolg nicht gehabt. Die Ehrenmänner haben sie ganz geduldig angehört, und ganz im Stillen unter sich ihre Bemerkungen gemacht. Das machte die Eminenz beinahe schäumen vor Wuth, und eine ungebührlich über's Kreuz gelegte Stola mußte am Ende den Sündenbock machen, obschon die Eminenz bei sich gar wohl gewußt hat, daß sich solche Männer nicht mehr vor einem Fetzenkrampus fürchten werden, wohl aber sich vor einer zu grellen Dummheit werden zurückziehen müssen. Die Eminenz suchte also nur durch eine Exzentrizität der Dummheit auf jene Ehrenschaar natürlich so widrig als nur immer möglich einzuwirken, da sie früher durch alle die falschen Höllenspektakel nichts hat ausrichten können, da diese Ehrenmänner die pappendeckelne Hölle und die Kolofoniumflamme nur zu geschwinde gemerkt haben. Aber mit der großen Plärrmesse ging es wie Figura zeigt, durchaus niche, sagen die Preußen; es ward daher zum echt römisch-katholischen Exorzismus geschritten, der in seiner Art einzig als Krone aller menschlichen Dummheiten dasteht, und als das auch auf jene weisesten Ehrenmänner einen entschieden alleranekelndsten Eindruck hätte machen sollen; aber die Ehrenmänner müssen sich zum Grundsätze gemacht haben, auch vor der größten Dummheit nicht zu weichen, und sie blieben denn auch so zu Seiner Eminenz größtem Aergernisse hier. Was blieb der Eminenz nun noch übrig?

14 Die Eminenz dachte bei sich: Der Exorzismus ist zwar wohl aller Dummheit Krone; aber da es dabei so misteriös spektakelhaft zugeht, so kann auch der Gebildetste solch eine Obszönität sich einmal ganz behaglich mit ansehen; denn es fehlt dieser Handlung das eigentliche fade Element. Das Fadeste des Fadesten und das Langweiligste des Langweiligsten ist und bleibt denn doch ewig eine langsam herabgebrodelte Lauretanische Litanei und ein altes Mirakelbild; das halten diese Weisen nicht aus, da werden sie gehen müssen, so sie nicht von der allerfadesten Langweile getödtet werden wollen. Aber oha! hat der gute Zufall dazu gesagt. Das alte Mirakelbild, durch den Zahn der Zeit zu sehr entstellt, obschon es zu den Meisterwerken ohnehin nicht und nie gehört hat und sonach ohnehin ein wahres Schmafubild war, an dem sich auch nicht einmal ein allerdümmster Kerl hätte je erbauen können, konnte wegen zu schreiender Miserabilität denn doch nicht mehr vor's Tabernakulum gestellt werden, das die Protestanten schon lange den römisch-katholischen Herrgottsarrest genannt haben, und so blieb denn auch bis jetzt das Fadeste des Fadesten, die Lauretanische Litanei bei Seite; und wie es sich nun zeigt, werden diese Ehrenmänner auch nicht mehr damit geplagt werden. Wie befinden sich nun Eure Eminenz? Werden Sie mich nicht in die Höll' hineinschieben?"

230. Kapitel: Der Kirchendiener erteilt Roms Eminenz weitere herbe Wahrheiten.

01 Spricht ein dem Kardinal zunächst stehender Pfaffe: „Elender! Nur der unendlichen Sanftmuth und Geduld der alleinheiligen und seligmachenden Kirche hast du es zu verdanken, die im Stillen für dich verlornes Schaf zu Gott betete, während du dich bemühtest, ihr tödtliche Stiche beizubringen; höre aber nun auf, die festlich geschmückte Braut Gottes zu verunglimpfen, sonst wird die Kirche dich in ihrem beständigen Gebete um dein Seelenheil fallen lassen; dann wird sich der Erdboden unter deinen Füßen öffnen, und dich auf ewig verschlingen!"

02 Hier fängt der Kirchendiener hell zu lachen an, und sagt dann in einem ganz lakonischen Tone: „O, du allersanftmüthigstes Mutterl du!! Oh, oh, oh! Wenn sie mit der höllischesten Grausamkeit, und solle diese nichts fruchten, darauf mit der Dummheit nichts ausrichtet, dann wird der Wolf sogleich wieder in das zarteste Lammfell eingenäht, und muß ein so sanftes Gesicht machen, als wie die Naturgeschichte vom Kuckuk erzählt, daß er die Vögelein blos durch seine Sanftmuth vom Nestchen treibe, um dann ungestört ihre Eier austrinken zu können, und dann seine eigenen dafür einzulegen. O über so eine Sanftmuth und Geduld steht doch wohl nichts auf!

03 Wie sanft ist die Kirche geworden bei den berühmten Kreuzzügen? Wie freudig hat sie die verlassenen Witwen und Waisen, deren Männer sie im Morgenlande durch die damals übermächtigen Sarazenen umbringen ließ, in wohlverwahrte Klöster ausgenommen, nachdem sie sich vorerst ihre Güter und Schätze schenken ließ, um keine Erbsteuer zahlen zu dürfen. O du göttliche Sanftmuth, die du der heiligen Kirche um's bare Geld noch nie gemangelt hast! Als ich noch auf der Welt gelebt habe (denn das werden die Herren doch hoffentlich wissen, daß wir Alle schon lange nicht mehr auf der eigentlichen materiellen Erde im Fleische uns befinden)" -

04 sagt ein Pfaffe dazwischen: „Das ist erlogen! Wir leben noch Alle in der Welt, denn sonst müßten wir entweder in der Hölle, oder im Fegfeuer, oder gar im Himmel uns befinden."

05 Spricht der Kirchendiener: „Das ist nun gleich, wir sind einmal in der Geisterwelt, ob ihr es glaubet oder nicht, und darum sage ich: Als ich noch auf der Welt war, da glaubte ich der Kirche auch so Manches; aber als zu uns die Nachrichten von der heiligen spanischen Inquisition gekommen sind, wie zart und sanft sie daselbst mit ihren verlornen Lämmern umgehe, da habe ich von der heiligen Kirche sogleich ganz andere Begriffe bekommen. Was haben denn Hunderttausende verschuldet, daß sie so grausamst ad majorem dei gloriam mußten verbrannt werden? So fragte ich ganz erstaunt um den Grund solch eines Attentates auf die Menschheit; und die Antwort auf solch meine Frage lautete schroff und laut genug, um sie vom Nordpol bis zum Südpol der Erde vernehmen zu können: „Weil sie die Bibel gelesen haben, und somit zu den allerverdammlichsten Ketzern geworden sind! - O HErr! rief ich in mir aus, ist es denn möglich, daß Menschen, die sich um Dein heiligstes Wort bewarben, von den römischen Bestialpfaffen solch einen Lohn auf dieser Welt finden müssen? HErr! Hast Du keinen Schwefel, keine Blitze und keine Sündfluth mehr, um Spanien und Rom zu vertilgen für ewig?

06 Aber die Antwort Gottes kam langsam, aber sicher aus den hohen Himmeln. Ich erlebte sie auf der Erde zwar nicht mehr, aber dafür desto heller in dieser Geisterwelt. Wo ist nun das stolze übermüthige Rom? Was ist nun der Papst? Bis auf einige wenige stockblinde Esel und Ochsen, die ihm, dem stolzesten Stellvertreter Gottes, noch anhängen, lacht man ihm ihm in's Gesicht, und hat vor ihm gerade einen solchen Respekt, wie vor der schwarzen Pest, und haßt und verachtet ihn aller Orten. Dieser primo Padrone aus den Abruzzen kann nun die Sanftmuth predigen, wie er will; die wahren Vöglein des Himmels kennen nun nur zu gut ihren Kuckuk; und wie er sich einem Menschen nur nähert, so werden ihm sogleich eine Masse Federn von den kleinen, aber scharfen Schnäbelchen ausgerupft, die ihm dann wohl nimmer wachsen dürften, und er dadurch von Tag zu Tag unfähiger wird, sich in die hohen Lüfte von Neuem emporschwingen zu können.

07 Schon fängt man selbst in Italien einen Erzbischof um den andern einzunähen an, und das mit vollstem Rechte; denn für die Herrscher aus den Abruzzen gebührt sich nichts Anderes; denn sie waren allezeit und sind noch immer die größten Feinde der Menschheit, aber dafür desto größere Freunde des Goldes und des Silbers, und der kostbaren Perlen und Edelsteine.

08 Ein Petrus, als dessen Nachfolger sich ein jeder Papst ausposaunt, sagte einst zu einem armen Teufel, der - ich weiß es nicht recht genau - lahm oder blind war, und den guten Petrus um ein Almosen anging: „Gold und Silber habe ich nicht; aber was ich habe, das gebe ich dir." Könnte das wohl ein Papst, ohne bis zur kleinen Zehe schamroth zu werden, auch einem Armen sagen? Und er nennt sich einen Nachfolger Petri! O du verfluchte Nachfolgerschaft Petri! So ein sauberer Nachfolger Petri könnte nur sagen: „Ich habe zwar des Goldes und des Silbers im höchsten Ueberflusse, aber das gebe ich dir nicht, sondern meinen apostolischen Segen, der mich nichts kostet, den gebe ich dir, und dann fahre hin im Frieden! So du unterwegs auch vor Hunger stirbst, so wird deine Seele aber dennoch nach einem dreitägigen Fegfeuer sogleich in's Paradies kommen, wo es dir dann gut genug gehen wird." - Und so ein Papst also sagen würde, so redete er einmal die einzige Wahrheit, die je über seine Lippen gekommen ist; denn sonst darf ein jeder Papst die Wahrheit, die er vor dem Volke geredet hat, mit allen Laternen suchen gehen, und er wird sie nicht finden, dafür stehe ich ihm.

09 Hat der große Paulus nicht geeifert wie ein Löwe wider die Feiertage und verbrämten Kleider, so über jede Würde, die sich die Menschen nur gar zu gern beilegen? Wann hat Christus, Der Selbst sagte: „Es kommt die Stunde, und ist schon da, wo man Gott weder im Tempel zu Jerusalem, noch auf dem Berge Garizim anbeten wird; denn Gott ist ein Geist, und muß im Geiste und in der Wahrheit angebetet werden" - anbefohlen, Tempel und Bethäuser um's sündigst theure Geld zu erbauen, und dafür tausend Arme verhungern zu lassen? Welcher Apostel hat die lateinische Sprache denn zur göttlichen erhoben, als ob Gott der HErr, Der sicher alle Sprachen versteht, nur blos an der lateinischen das größte Wohlgefallen hätte? Beweiset mir das aus der Schrift, dann will ich's euch glauben; könnet ihr aber das nicht, wie ich's zu Gott hoffe, so seid ihr die leibhaftesten Antichristen, wie sie Daniel und der Apostel Johannes in seiner Offenbarung nur zu klar beschrieben hat."

10 Sagt darauf ein vor geheimer Wuth stark schnaubender, sehr alt aussehender Erzbischof: „Hat Christus der HErr nicht Seiner Kirche, d. h. Petro und all' dessen Nachfolgern, vor Seiner Aszension die ausschließende Macht zu lösen und zu binden gegeben? Er hauchte Seine Apostel an und sprach: „Nehmet hin den heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sollen sie auch erlassen sein; denen ihr aber die Sünden vorenthalten werdet, denen sollen sie auch vorenthalten sein." - Und ein anderesmal sagt Jesus ebenfalls zu Seinen Aposteln: „Was ihr lösen oder bindet werdet auf Erden, das solle auch im Himmel gelöset oder gebunden sein." Ich meine, darin liege des Beweises zur Genüge, daß es da der wahren Kirche von Gott aus ganz übervoll rechtlich zusteht, neue Gesetze zu geben, so sie es für nöthig erachtet, und andere selbst von Gott dem HErrn gegebene aufzuheben, so sie sieht, daß sie unter gewissen Verhältnissen dem Heile der Seelen nicht gedeihlich sind.

11 Daß die Kirche aber in ihrem gottesdienstlichen Ritus sich der lateinischen Sprache bedient, hat einen höchst weisen Doppelgrund: Für's erste ist das allezeit die ausgebildeteste Sprache gewesen, somit auch die einstimmig würdigste, um Gott besonders damit zu ehren und anzubeten; und für's zweite ward die lateinische Sprache gegenüber dem gemeinsten und ungläubigsten Pöbel als eine Schutzwehr für die besonders heiligen Kraftgeheimnisse des Wortes Gottes aufgestellt, auf daß solche Kraftgeheimnisse vom Pöbel nicht könnten profanirt werden. Das sind die zwei Kardinalgründe; ein dritter aber besteht in der Plenipotenz der Kirche, der zufolge sie auch gesetzlich die lateinische Sprache zur allgemeinen Ritualsprache fest und unabänderlich bestimmen kann. Ich meine, das wird etwa doch aus der h. Schrift genug erwiesen sein, mein hochweiser Herr Kirchendiener!"

12 Sagt der Kirchendiener: „Aus der h. Schrift waren die zwei angeführten Texte wohl; nur haben sie Alles eher bewiesen als das, was Eure Eminenz damit entweder gern bewiesen hätten, oder beweisen haben wollen. Hätte Christus der HErr auf die Art, wie Eure Eminenz es auffassen, der Kirche eine Plenipotenz (Vollmacht) ertheilen wollen, da hätte Er wahrlich nicht nöthig gehabt, drei volle Jahre und vielleicht auch schon bei früheren Gelegenheiten im Schweiße Seines Angesichtes die Apostel und noch gar viele andere Jünger zu lehren das große Gesetz der Liebe, das Gesetz des Lebens und die großen Geheimnisse des Himmelreiches; sondern da würde Er blos Seinen Aposteln und Jüngern ohne vorhergehenden Unterricht die Plenipotenz in dem Maße ertheilt haben, daß sie als von Ihm blos Aufgenommene nun thun können, was sie wollen, und es wird dem Vater im Himmel Alles ganz vollkommen recht sein. Sagen Eure Eminenz sich selbst, ob es wohl von einer Gottheit möglich zu denken ist, daß Sie so eine unter aller Kritik elendeste Plenipotenz Ihren Jüngern je habe ertheilen können in dem Sinne, wie Eure Eminenz es verstehen? Ich frage dabei blos, zu was die Gottheit Selbst ehedem durch drei Jahre ein weisestes Lehramt ausgeübt habe? zu was eine heilige Lehre des Lebens den Menschen durch Ihren höchst eigenen Mund geoffenbart, so Sie, die Gottheit nehmlich, hernach durch einen einzigen Text, der quasi eine unumschränkte Gewalt den Jüngern einräumt, alles dieß über den Haufen würfe,

13 wie es sich auch bei der römischen Kirche buchstäblich zeigt, da eben in dieser Kirche außer dem Namen des HErrn und Seiner Jünger nichts mehr anzutreffen ist; keine Demuth, keine Sanftmuth, kein Funke von einer Geduld, und noch weniger von einer Liebe zu dem Nächsten. Vom Glauben reden wir ohnehin keine Silbe mehr; von einem Glauben an die Macht des Goldes und des Silbers ja; der steht noch fest; nur solle er jetzt auch schon sehr schwach geworden sein, weil etwa die Menschen glauben sollen, daß das Papier auch Silber oder Gold sei. Auch der gegenwärtige Papst solle von einer gewissen Noth gedrungen sein, sich solch einem papiernen Glauben in die Arme zu werfen. - Vielleicht ist so ein papiernes Glaubenspflaster gerade dazu gut, um den Papst einmal zu dem Glauben zu bringen, daß das Reich Gottes nicht in den großen Schätzen der Welt, sondern allein nur in denen eines reinen, demüthigen, mit Liebe erfüllten Herzens besteht.

14 Die Plenipotenz, die der HErr Seinen Jüngern scheinbar ertheilt hat, war und ist nur eine Plenipotenz des heiligen Geistes Gottes im Menschen. Wer nach dem Worte Gottes lebt, durch das alle Dinge und Wesen gemacht worden sind, der überkommt auch den Geist Gottes; denn Gottes Wort ist eben der heilige Geist, aus dem Munde Gottes in alle Menschenherzen übergehend, die das Gotteswort werkthätig in sich aufnehmen. - Mit solchem Besitze des Gottesgeistes, der mein Herz zu einem Tempel der tiefsten Weisheit aus Gott macht, kann ich dann gleichwohl zu einem sündigen Bruder sagen, so er Reue und Besserung zeigt: Deine Sünde ist dir vergeben! Ist er aber hartnäckig, und will nicht lassen von der Falschheit und Bosheit, die gewöhnlich eine Tochter der ersteren ist, so kann der vom Gottesgeiste Erfüllte auch sagen: Freund! bei solch deiner bösen Beharrlichkeit kann dir die Sünde nicht erlassen werden. - Aber zu glauben, man überkomme den heiligen Geist durch eine gewisse sakramentalische Zeremonie, als da ist die nichtige leere Wassertaufe, die Backenstreichfirmung und gar die allerläppischeste auf eine pure Zeremonie berechnete und darauf beruhende Priesterweihe, nach der der Neugeweihte eben so ein Strumpf bleibt, als er ehedem war, das gehört doch auf den allermorschesten Holzweg, und hat nichts als eine schmählichste und unerträgliche rein egiptische Kastenbildung zur Folge, von der der hl. Geist bei weitem ferner ist, als Himmel und Erde von einander abstehen. So ein neugebackener Alumnus hat noch nie aus höchst eigenem Ernste auch nur einen einzigen Vers des Evangeliums, außer dem der vermeintlichen Plenipotenz, zu seiner Lebensrichtschnur gemacht und auch nicht machen können, da er für's erste Alles unter einem gewissen kirchlichen Kastenzwange hat studiren und thun müssen, und für's zweite gar noch nie eine volle heilige Schrift zu Gesichte bekam, aus der allein er die Wege zum Empfange des h. Geistes hätte ausfindig machen können.

15 Der HErr sagt: „Seid nicht eitle Hörer, sondern Thäter Meiner Lehre, Meines Wortes, so werdet ihr erst in ihr die Kraft des Gottesgeistes erkennen lernen." Wie solle aber solch ein neugeweihter Alumnus je zu dieser heiligen Erkenntniß gelangen, so ihm das Lesen der Bibel sogar bei scharfer Ahndung untersagt ist? - Er kann sonach nicht einmal auch vielleicht beim besten Willen ein eitler Hörer, geschweige denn erst ein Thäter des Wortes Gottes werden. So er aber dieser bedingenden lauten Anforderung Christi nicht Folge leisten kann, sage, woher solle ihm dann jener mächtige Geist, Gottes werden, ohne Den man sich nur als ein Frevler alles Frevels, eine göttliche Plenipotenz usurpatortisch anmaßen kann, aber in der Wirklichkeit von ihr unendlich weit entfernt ist und bleibt?

16 O du meine liebe Eminenz! Denke nach, wie schlecht jene Texte auf die heidnischeste Kastenkirche in Rom passen, und sage: Mea culpa, mea quam maxima culpa! Ich bin leider auch so ein recht bocksbeinfester heiligen Geistes Usurpator gewesen; HErr! vergib es mir, denn ich war stockblind, geblendet von allerlei Anlockungen der Welt und des Teufels, und wußte daher auch nicht, was ich that! - Vielleicht erbarmt sich der HErr deiner armseligsten Menschheit, wenn schon sicher nimmer deiner kardinalischen Eminenz; denn Eminenzen hat Christus der HErr wohl nie eingesetzt; auch der Petrus und der Paulus nicht."

231. Kapitel: Der Kirchendiener über christliche Gleichheit und kirchliche Ungleichheit. Der Katholik verdammt den 'Ketzer' zur tiefsten Hölle.

01 Nach dieser Rede kratzt sich die Eminenz, aber nicht der Großfungator, bei den Ohren, und sagt nach einer Weile zu seinem Kollegen: „Dieser Kirchendiener ist ein ganz verdammter Kerl; bei meiner armen Seele, so ich kein Kardinal wäre, möchte ich ihm beinahe Recht geben. Aber natürlich, als Kardinal kann man sich denn doch nicht von einem Meßner belehren lassen." - Spr. der Meßner: „O meine liebe Eminenz! Wir sind hier, so wahr ein Gott lebt, nicht mehr auf der Erde, sondern wie ich schon ehedem einmal erwähnt habe, wir sind samt und sämtlich mit Haut und Haaren in der Welt der Geister, was Eure Eminenz aus gar mancherlei Erscheinungen und Vorkommnissen gar leicht hätten merken können, so Sie es hätten merken wollen."

02 Sagt die Eminenz inzwischen: „Wie hätte ich denn das sollen merken können? Ich müßte ja doch davon aus einer wohl wahrnehmbaren Empfindung etwas verspürt haben, daß ich gestorben bin, das doch offenbar vorausgehen muß, bevor man in irgend eine Geisterwelt kommt; und so man dann in einer Geisterwelt sich befinden würde, da würde man sich doch als ein Geist, nicht aber als ein rein materieller Mensch mit Haut, Haaren und Knochen befinden? Das Alles aber trifft bei keinem von uns ein und zu; wie könnten wir dann in einer Geisterwelt uns befinden? Mein lieber hochweiser Meßner! Wie es mir immer klarer wird, so ist er ein Narr, und gehört in ein Narrenhaus."

03 Sagt der Meßner: „Das hat nicht noth, denn so lange ich mich unter euch befinde, bin ich in einem ganz vollkommen ausgebildeten Narrenkollegium, und somit auch in optima forma in einem Narrenhause. Denn wenn Sie das nicht einsehen, daß Sie sich schon lange in der Geisterwelt befinden, so müssen die Eminenzen erstens stockblind, und zweitens vollends begriffsunfähigste Narren sein.

04 Sagen Sie mir: Wie viele Erzbischöfe und Kardinale waren denn auf der Welt auf einmal am Stefansdom zu Wien angestellt? Hier seid ihr als Hochgeistliche allein nahe an Hundert knapp beisammen; wann wären denn in Wien einmal so viele Erzbischöfe und Kardinäle auf einmal effektiv angestellt gewesen? Ich weiß nur von Einem auf einmal; von mehreren auf einmal meldet keine Geschichte, auch die der römischen Kirche und Päpste nicht eine Silbe. - So die Eminenzen aber hier schon so eine geraume Weile von einigen Hunderten von Jahren der Erde beisammen hocken, wie die Frösche in ihrem Winterschlafe in irgend einem Schlammwinkel einer zugefrorenen Pfütze, so wird ja so was etwa doch nicht auf der natürlichen Welt stattfinden können, sondern rein nur in der Geisterwelt;

05 und da sage ich als ein von Eurer Eminenz deklarirter Narr: Hier sind wir uns Alle gleich, wenn auch die Narrheit der Welt uns auf der finstern Erde dem Stande nach außerordentlich hoch und weit geschieden hat, was freilich nach der reinen Lehre Jesu auch nie hätte geschehen dürfen; denn Jesus der HErr hat Seinen Jüngern, als diese Ihn thöricht genug angegangen sind, wer da unter ihnen der Erste sein solle, ausdrücklich gesagt und geboten: „Wer unter euch der Geringste ist und euch dienet, der ist vor Mir der Erste. Wahrlich sage ich euch: Wer in seiner Einbildung, Idee und handelnden Wirklichkeit nicht einem Kinde gleichen wird, wird keinen Theil am Reiche Gottes haben. Nur Einer ist euer HErr; ihr Alle aber seid ganz gleiche und unterschiedslose Brüder! - Daran aber wird man euch erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, daß ihr euch untereinander als wahrhaft vollends gleiche Brüder liebet. - Ein Jeder aber, der den Nebenmenschen als Bruder liebt und sich über ihn nicht erhebt, außer allein in der Liebe zu ihm, der ist Mein Jünger und hat das Reich Gottes schon in sich.

06 Meine Eminenzen! das sind Worte Christi des HErrn, in denen nur zu klar dargethan ist, daß es auf der Erde selbst nie, besonders in geistigen Dingen hätte Standesunterschiede geben sollen. Nie hat Christus der HErr von einer geistlichen Eminenz etwas gesagt, noch weniger je etwas von einem Papste. Alle sollen gleich sein vor Ihm, indem Er allein der HErr ist über die totale Unendlichkeit materiell und geistig.

07 Woher und wie entstanden denn sonach in der sogenannten allein wahren Kirche so ungeheure Standesunterschiede, wie sonst in der ganzen Welt nirgends, da doch das offenbare Gebot des HErrn jeden Standesunterschied zwischen Seinen Jüngern verbietet? Sehen die Eminenzen! Das bewirkte die Hölle! - Der von Oben kam, Der diente Allem, und opferte Sich für Alle, und das war Gott Jesus, der HErr der Ewigkeit Selbst! Der aber als ein schroffester Gegner des heiligsten Ersten von unten heraufkam, der will von Allen bedient sein, und macht solcher Standesunterschiede so viele, damit sein Stand desto höher erscheine und desto unerreichbarer. Daß der HErr aus Seinen Kindern die besten und weisesten zu Königen über Sein Volk mit aller Macht ausgestattet und gesalbt hat, das wissen wir, und sind daher auch verpflichtet, diesen von Gott gesalbten Königen und Herren der Erde zu gehorchen, denn ihre Macht ist von Oben her;

08 aber die Macht, die sich die Päpste selbst usurpatorisch gegeben haben, ist nicht von Oben, sondern von Unten her; denn sie sind eben die Ersten, die die heiligsten Brudergesetze mit den Füßen zertreten; denn wer kann, wer darf sich einem Papste gleichstellen? Wer kann, wer darf zu ihm „Lieber Bruder!" sagen? Muß nicht ein jeder Katholik den Namen des Papstes gleichwie den Gottesnamen mit der größten Hochachtung und Ehrfurcht aussprechen, und so er nach Rom käme, sich's zur allerhöchsten Gnade rechnen, zum Pantoffelkusse zugelassen zu werden? Fraget euch selbst: Wo sind da die Gebote Christi: „Ihr Alle seid Brüder, und nur Einer (Christus) ist euer HErr?"

09 Die Eminenzen werden daraus leicht ersehen, daß sie auf der Erde von der größten antichristlichen Thorheit gefangen genommen worden sind, und sind in dieser Thorheit denn auch Bürger der Geisterwelt geworden. Diese Ihnen noch fest anklebende Thorheit ist aber auch hauptsächlich der Grund, aus dem Sie noch immer in dem Wahne leben, als wären Sie nicht gestorben. Ich aber sage Ihnen: Legen Sie ab diesen Wahn, der der heiligsten Absicht Christi des HErrn schnurgerade zuwider ist;

10 und Sie werden dann auch leicht einsehen, daß ein schlichter Meßner eben so gut eine Eminenz belehren kann, wie eine Eminenz einen Meßner; und ich möchte behaupten, daß ein Meßner größeres Recht hat nach der heiligsten Lehre, einen Kardinal zu belehren, der so lange blind und dumm bleibt, als ihm an der großen Würde, die er widerchristlich auf der Welt begleitet hat, etwas gelegen ist. Der Meßner hingegen ist tief genug, Gottlob, unter der Würde eines Kardinals, und ist daher auch der christlichen Anforderung näher, als jeder noch so kleine Kaplan, und ungeheuer um sehr Vieles näher als eine über alles hochmüthige Eminenz."

11 Sagt die Emineuz: „Wer sich selbst erhöht, der wird erniedriget werden. Das steht auch geschrieben. Versteht er das, er naseweiser Meßner, er?" - Sagt der Meßner: „O ja, ich verstehe das sehr gut, und habe es schon lange an mir selbst praktisch verstanden; denn bei mir war von einer Erhöhung wohl nie die Rede. So ich aber Christum rühme und Sein heilig Wort Eurer sehr unchristlichen Eminenz gegenüber, so ist das doch sicher keine Erhebung meiner selbst, sondern eine Erhebung Christi vor euren Augen. Sie lassen sich noch immer Eminenz tituliren, und wissen, daß Christus der HErr doch ewig nie eine Eminenz eingesetzt hat. Das ist eigenmächtige Selbsterhöhung, und somit ein Gräuel vor Gott. Aber ein allen Kirchenstaub schluckender Meßner ist und bleibt eine Null, und das ist viel christlicher als eine Eminenz. Verstehen Sie das?"

12 Spricht der Großfungator: „Ich bitte euch, meine lieben Brüder, die ihr samt mir auf der Erde schon auf den goldenen Thronen der Himmel Gottes sitzet, gleich den zwölf heiligen Aposteln, um zu richten die Geschlechter der Erde, lasset ab, mit diesem Ketzer euch zu zanken! Ihr wisset ja, welche Macht Ihr habet. Was nützt es dem Juden, so er uns höhnt und zerlästert? Wir verdammen ihn im Conklave und er ist für ewig des Teufels. Was nützt es allen Protestanten, daß sie wider uns sind? Wir haben sie Alle verdammt, und sie sind des Teufels zeitlich und ewig. Was hat Martin Luther davon, daß er sich einer Hure wegen von uns losgemacht hat und gestiftet das Ketzerthum? Millionen, die seiner Lehre wegen gefallen sind, schreien fortwährend um Rache gegen ihn, und er sitzt in der ärgsten Hölle, und verflucht fortwährend den Tag, an dem ihm das Dasein gegeben ward. Warum ist er in der Hölle? Weil wir ihn im heiligen Conklave für ewig in die Hölle verdammt haben. Kurz, was nützt es all' unseren Widersachern, daß sie wider uns sind? Sie sind Alle sämtlich von uns per Bausch und Bogen verdammt, und können daher unmöglich je in das Himmelreich gelangen.

13 Also verdammen wir denn auch diesen alleranmaßendsten verfluchten Ketzer, und er solle dann nur sehen, wie er in die Himmel Gottes kommen wird. Ich sage nun in eurer Mitte: Heretice infames! Esto maledictus per omnia saecula saeculorum! Und ihr habt dazu „Amen" gesagt, und er hat schon seinen Theil in der Hölle! Sehet, so müssen wir handeln, und nicht irdisch zanken, sondern sogleich von der uns von Gott verliehenen geistigen Waffe ohne alles Bedenken bei solchen Ketzern den vollsten Gebrauch machen; dann werden wir am meisten ausrichten. Sie sollen gleichwohl auf der Welt noch herumlaufen wie herrenlose Hunde; in der anderen Welt aber werden sie in der Gesellschaft der Teufel schon zu verspüren anfangen, was die alleinseligmachende Kirche ihnen nützen hätte können, so sie ihr getreu geblieben wären, und welchen ewigen Schaden sie nun erleiden, so sie von allen Teufeln in die Hölle gezogen werden. Da werden sie dann ihre Hände nach uns ausstrecken, daß wir ihnen hülfen; wir aber werden zu ihnen sagen: Nichts da! Ihr habt uns auf der Welt nicht hören wollen, und nun hören wir euch auch nicht. Weichet von uns auf ewig, ihr Verfluchten! Dann werden sie schreien: „O helfet uns, ihr heiligen Päpste, Kardinäle, Erzbischöfe und Weihbischöfe, und alle ihr heiligen Priester Gottes! Wir waren auf der Erde ja blind, und wußten nicht, was wir an euch gethan haben. Nun sehen wir erst ein, was heilig Großes ihr bei Gott seid, und was für ein scheußliches und elendes Nichts wir vor euch sind. Gebet uns auf hunderttausend Jahre in's ärgste Fegfeuer; nur die Hölle, die ewig allerschrecklichste, erlasset uns!"

14 Aber dann werden wir zu ihnen sagen: Wir haben euch auf der Welt gelehrt, und ermahnt genug; wir sandten einen Hirtenbrief um den andern an euch, gaben euch um kleine Opfer, die ihr allezeit leicht hättet erschwingen können, Ablässe in Hülle und Fülle, und wiesen euch allerernstlich zu den Beichtstühlen und zur Buße; aber ihr habt uns nur ausgehöhnt, ausgelacht und beschimpft, denn ihr waret ja großentheils freie und große Herren, und thatet, was ihr gewollt habet; nun hier in der Geisterwelt vor Gott aber sind wir zu großen und allmächtigen Herren geworden, und könnten euch helfen, so wir wollten; aber wir wollen es nicht, und so will es auch Gott nicht; und somit weichet von uns, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, was den Teufeln und all' seinen ketzerischen Dienern bereitet ist. Da wird sich der Boden unter ihren Füßen öffnen und der ewige Abgrund wird sie samt den Teufeln verschlingen und ihrer Namen wird dann ewig fürder nicht mehr gedacht werden. Amen dico vobis! Sehet, das thun wir; das ist unser Schild; und das haben wir auch bereits gethan an diesem vermaledeiten Ketzer; er solle nur schauen, wie er der Hölle entrinnen wird."

15 Sagt darauf der Meßner: „Aber ein bischen werdet ihr ja doch handeln lassen mit euch; ich nehme ja auch ein hunderttausendjähriges Fegfeuer anstatt der ganzen Hölle; gebt mir also das Fegfeuer anstatt der Hölle. Was wird es denn sein, ob so ein Lauskerl, wie da unsereins ist, mehr oder weniger in der Hölle siedet oder bratet?" - Schreit der Großfungator: „Aha, bestia infamis infernalisque! Das Höllenfeuer fängt schon an seiner verdammten Seele zu lecken an, und das verspürt er, und möchte nun eine Erlösung von uns; aber nichts da; fort mit ihm zur Hölle und zu allen Teufeln!"

232. Kapitel: Jesus nimmt den guten Meßner auf und beginnt eine gewaltige Flammenkur an seinen Verdammern. Wirkungsvoller Schluß dieser Szene im Stephansdom.

01 In diesem Momente trete Ich zum Meßner hin, der Mich sogleich erkennt, und sage: „Mein lieber Bruder Johann! Es ist genug; diesen ist nun Alles gesagt worden durch deinen Mund; aber sie sind geblieben, wie sie allezeit waren; daher komme du zu Mir in Mein Reich! diese aber sollen sich ihren Himmel und ihren Gott suchen und machen, wie es ihnen beliebt. Zu Mir werden sie schwerlich je kommen! Was sie aber dir vermeinten, das sollen sie eine Weile selbst genießen, auf daß sie es an ihnen selbst erfahren, wie gut sie es mit ihren Brüdern meinen."

02 Hier zeige Ich Mich auch diesen harten Pfaffen nach ihrer Vorstellung als der HErr Himmels und der Erde, und sage in einem geflissentlich sehr ernsten Tone „Kennet ihr Mich nun?"

03 Sie sagen Alle bebend: „Ja, nun erkennen wir Dich erst, Du erschrecklicher Richter! Sei uns, Deinen Dienern, gnädig und barmherzig!"

04 Ich aber sage sehr ernst zu ihnen: „Habt ihr nie gelesen, wo es steht: „Seid barmherzig, so werdet auch ihr Barmherzigkeit erlangen?" Wie sah es mit eurer Barmherzigkeit aus? Habet ihr je die Hungrigen gespeiset, die Durstigen getränket, die Nackten bekleidet, die Gefangenen erlöset, und die Kleinmüthigen getröstet? Nein, das habt ihr nie gethan, Mit der Hölle ja, und mit dem nicht viel besseren Fegfeuer aber nur diejenigen, die euch recht viele Opfer brachten. Ihr waret allezeit waidlichst wider Mich, tratet Meine Lehre mit Füßen, und setztet dafür nur dümmstes Zeug auf den Altar. Darum denn, weil ihr also hart und unverbesserlich seid, so geschehe euch, was ihr aus eurer unbegrenzten Herzenshärte diesem Meinem wirklichen Bruder gegeben habt. Und dazu sage Ich: Amen dico vobis!"

05 Hier öffnete sich plötzlich der Boden der Kirche; Flammen schlagen empor aus der weiten Kluft, mehrere dienstbare Geister erscheinen, die sogleich bei der Hand sind, und die harten Pfaffen gegen die flammende Kluft langsam hinzudrängen beginnen, die dabei ein allerjämmerlichstes Geheul anfangen, und den Meßner Johann um Erbarmen und Fürbitte anflehen.

06 Der Meßner aber sagt: „Ihr habt doch immer gesagt, gelehrt, und von allen Menschen verlangt, daß sie bei Strafe der sicheren ewigen Verdammniß das von euch glauben sollen, daß ihr ganz allein die Schlüssel zum Himmelreiche und auch die zur Hölle habet. Sperret euch nun die Himmel auf, und verschließet die offene Pforte der Hölle, die Christus, der HErr von Ewigkeit, vor euch aufgethan hat, damit sie euch aufnähme in ihren sanften echt römisch-katholischen Schooß. Habt ihr mich doch erst vor einigen Minuten für ewig in die Hölle verdammt; wie solle denn nun ich für euch einen Fürbitter bei Gott machen? Die Verdammten stehen ja doch nicht in eurer Fürbitterlitanei?! Der HErr thue mit euch nach Seinem heiligsten Willen, und nach Seiner Liebe und Gerechtigkeit. Ich bin euch um ein besseres Loos sicher nicht neidig, will auch nicht unbarmherzig sein gegen euch; aber Besseres als vom HErrn sollet ihr von mir ewig nimmer erwarten. Gott allein ist gut, wir Alle aber sind schlecht und können daher unmöglich Ihm in dem vorgreifen, wozu Ihm allein das ewige Recht zukommt, nehmlich gut und barmherzig zu sein." (Am 19. August 1850) Daher wendet euch an Ihn; Er ganz allein kann euch helfen!"

07 Nun heulen die schon stark zur flammenden Kluft hingedrängten Pfaffen: „Lieber Johann! Bei Gott gibt es ja für die, so von Ihm verdammt worden sind, keine Erbarmung mehr; wie könnten wir da an Ihn uns wenden? Sagt der Johann: „Ihr Narren! So ihr von Gott dem HErrn keine Erbarmung erwartet, wo solle ich sie dann hernehmen, da ja doch das höchst Wenige in mir rein nur aus Gott ist?" - Heulen die Pfaffen: „Nein, nein, bei Gott kann keine Erbarmung jenseits des Grabes über eine Seele ausgegossen werden; denn die Liebe Gottes dauert nur bis zum Grabe; nachher nimmt Seine allerstrengste Gerechtigkeit den Platz der Liebe ein." -"

08 Sagt Johann: „Ihr dummen Narren! Hat denn Gott der HErr zwei Herzen, ein kleines voll der höchsten Liebe und Erbarmung, und ein großes dann voll Zorn, und gerechter, ewiger, allerunerbittlichster Strafgier?! Habt ihr doch selbst gelehrt, daß Gott ewig unveränderlich ist; wie könnt ihr Ihm dann gleich daneben solch eine allerentsetzlichste Veränderlichkeit beilegen? Wie kann Gott, das urallervollkommenste Wesen der Wesen, zu gleicher Zeit aus einem und demselben Herzen den höchsten, nie versöhnbaren Zorn, und die allerhöchste Sanftmuth und Liebe ausfließen lassen? Wie kann Gott einen Geist nur so lange lieben, als derselbe im sündigen Fleische gefangen lebt und webt, nachher aber ihn ewig hassen wegen einiger Fehler, zu denen ihn sein Fleisch als die von Gott angeordnete Freiheitsprobenatur verleitet hat?

09 Ich aber sage euch: Der HErr und Gott Jesus Christus von Ewigkeit, Der hier dreimal überheilig vor mir und euch leibhaftigst gegenwärtig, ist zeitlich und noch mehr ewig die reinste Liebe und die höchste Erbarmung Selbst. Nur euer römisch-katholischer Dreipersonen-Gott ist so gesinnt, wie ihr es seid. Bei Dem gibt es wie bei euch keine Gnade und keine Erbarmung. Wohl mir und Allen meines Gleichen, daß solch ein Gott sonst nirgends als allein nur in eurem bösen und überharten Herzen zu Hause ist!"

10 Hienach drängen die dienstbaren Geister die Pfaffen wieder etwas näher zu der stets stärker flammenden Kluft, und Ich lasse es zu, daß die sich sträubenden und über alle Maßen heulenden Pfaffen der Flammen mächtige Hitze zu verspüren anfangen. Da schreien sie: „Jesus, Maria und Josef! Jesus, Maria und Josef! Ihr alle lieben Heiligen und Märtyrer Gottes, kommet uns zu Hilfe! Helfet uns armen Teufeln! Wie erschrecklich heiß ist doch das Feuer der Hölle, und wir sollen nun ewig darinnen brennen?! O Jesus, Maria und Josef! O Jesus, Maria und Josef! O Jesus, Maria und Josef! O Christe Jesu! Erbarme Dich unser! O sancta Maria mater alma, ora pro nobis!"

11 Hier gebe Ich den die Pfaffen drängenden Geistern den Wink, sie nicht mehr zu drängen, und es tritt Petrus vor, und sagt zu den Pfaffen: „Sehet mich an! Ich bin der leibhaftige wirkliche Petrus, der Fels des Glaubens, den der HErr Himmels und aller Welten dazu erwählt und bestimmt hat. Ihr und euer Papst nennet euch meine Nachfolger. Wann aber habe ich euch ein Richteramt übertragen, und wie hätte ich als ein Fels im Glauben an das Wort Gottes euch auch je ein Richteramt übertragen können, indem ich doch selbst nie eines vom HErrn überkommen habe, und überkommen konnte, da uns Allen der HErr das Richten bei Strafe des Gerichts über uns selbst verboten hat, indem Er ausdrücklich sagte: „Richtet nicht, auf daß ihr dereinst nicht gerichtet werdet!?" So der HErr aber Selbst also lehrte, und solches strenge von uns bei Ahndung eines Gegengerichtes forderte, wie solle Er uns dann zu Richtern über unsere Brüder gemacht haben? So aber wir nie auch nur im Traume ein Richteramt ausgeübt haben, wie hätten wir es dann auf euch übertragen können? Ihr wäret als meine Nachfolger so gut wie meine Erben; so ihr das seid, wie möchtet ihr denn von mir mehr geerbt haben, als ich euch hinterlassen konnte?

12 So aber der HErr Selbst von Sich aussagte, daß Er nicht gekommen sei, um die Welt zu richten, sondern selig zu machen Alle, die nur immer durch den Glauben an Ihn selig werden wollen, woher habet denn hernach ihr euch das Recht genommen, eure schwachen Brüder zu richten, und - kaum glaublich zu sagen - für ewig in die Hölle zu verdammen? Sehet, das habt ihr euch selbst angemaßt aus Herrschsucht und unbegrenzter Geldgier, und es thut denn nun auch der HErr an euch, was ihr allerwiderrechtlichster Maßen an euren armen Brüdern gethan habet. Denn mit welchem Maße ihr ausgemessen habet, mit demselben Maße wird euch nun wieder eingemessen werden. Verstehet ihr das?"

13 Sagt der ehemalige Großfungator unter größter Angst und unter dem furchtbarsten Beben: „O heiligster Apostel Petrus! Du Fels Gottes! Bitte doch du den HErrn für uns arme Sünder, daß wir doch nicht in die Hölle, sondern dafür lieber auf eine ganze Million Jahre möchten in's Fegfeuer geworfen werden. Wir sehen es jetzt ja Alle ein, daß wir Alle gräuelhaft gesündigt herben, wir empfinden auch die tiefste Reue über unsere so große irdische Verblendung; wir wissen es aber auch erst jetzt, daß wir dem Leibe nach wirklich gestorben sind. Hätten wir das eher gewußt und eingesehen, so hätten wir auch gewiß die ganze Weile in dieser Welt uns der allermächtigsten Reue und der strengsten Buße unterzogen; aber wir wußten ja nichts Anderes, als daß wir noch immer auf der Welt wären, und blieben daher auch bisher die alten verstockten Sünder. Du siehst ja doch, daß wir Alle hier nun voll der tiefsten Reue sind. - Sei uns daher auch doch nur ein wenig gnädiger und barmherziger! Wir wollen ja Alles thun, was nur immer der HErr von uns verlangen möchte, aber nur mit der Hölle möchte Er uns verschonen."

14 Sagt darauf Petrus: „Ja, ja, das wissen wir Alle lange schon, was du nun geredet hast; daß ihr eine brennende Reue empfindet, das muß so kommen; denn eben die in Ewigkeit stets wachsende und brennender werdende Reue gehört ja - nach eueren Dogmen - sogar mit zur Höllenqual, und meldet sich nun vor der Pforte der Hölle schon bei euch an, und wird euch sogestaltig auch ewig nicht mehr verlassen; und solch eine Reue, die da von der Furcht vor der Strafe erzeugt wird, hat ja ohnehin keinen Werth vor uns, denn die vor uns giltige Reue muß der Liebe zu Gott, nicht aber der Furcht vor der Hölle entstammen.

15 Also steht es auch mit der Buße. Vor uns hat nur die freie Buße, die da entspringt aus dem lebendigen Glauben, und der wahren Liebe zu Gott und zu allen Menschen einen Werth; die von der Furcht vor der Hölle erzwungene ist vollends ohne Nutzen und Werth, und wäre sie selbst ärger um Vieles, als alle die erschrecklichsten ewigen Qualen und Martern der Hölle, die ihr, so Gott der HErr es will, bald werdet zu verkosten bekommen."

16 durch diese wenig Trost einflößenden Worte Petri werden die Quasi-Adspektanten der Hölle in eine solche Angst versetzt, daß sie allesamt zu Boden sinken, und da nur stöhnend die Worte: O Je-sus, Maaaarri-a - und Jo-sef! - Gna-de! - Gna-de! - heraus-bringen.

17 Während sie da so in einer Betäubung am Boden liegen, lasse Ich die Erscheinlichkeit der flammenden Kluft verschwinden, und an ihre Stelle einen großen Becher Wein hinstellen, und sieben große Laibe des besten Brodes mit einer schriftlichen Anweisung, daß sie sich daran ohne Unterschied erlaben und stärken, und sodann auf alle Zeiten der Zeiten diese Kirche verlassen sollen, deren irdische Großartigkeit blos dazu dient, den Hochmuth der in ihr fungirenden Pfaffen in's kaum Glaubliche zu erhöhen. So sie aber im Freien sein werden, da wird schon Jemand zu ihnen kommen, der ihnen angeben werde, was sie zu thun haben werden, um den Strafen der Hölle zu entrinnen.

18 Nachdem dieses Alles also bestellt ist, entfernen wir uns von dieser vor Angst halbtodt darniederkauernden Pfaffenrotte, und gehen in's Freie; auch der Meßner Johann natürlich als ein von Meiner Liebe und Weisheit durchglühter Bruder.

233. Kapitel: Weiteres über das Geschick der Domkleriker. Über das Wesen der Weisheitsgeister und ihre schwere Bekehrung zur Liebe. Die Militärpatrouille im Jenseits. Militär in der geistigen Welt. (Am 21. August 1850)

01 Als wir draußen auf dem sogenannten Stefansplatze uns befinden, zieht gerade eine Rotte Militärs an uns vorüber.

02 Robert tritt zu Mir und sagt: „Lieber Vater! Dieß Militär sieht doch etwas sonderbar aus; ist es aus einer früheren, oder aus der jetzigen ? Wahrlich, das wäre schwer zu bestimmen. Aus meiner Erdenzeit ist es einmal nicht; damals war die Adjustirung eine ganz andere; aus den älteren Zeiten scheint es auch nicht zu sein, da mir die Adjustirungen aus jener Zeit aus gar vielen Gemälden und Zeichnungen nur zu bekannt sind. Es muß denn etwa doch aus der Jetztzeit sein, etwa so nach dem Geschmacke des jungen Kaisers, der jetzt in Oesterreich das Szepter führt."

03 Sage Ich: „Ja, ja, also ist es; in diesem Jahre sind Viele aus dem Militärstande durch die Tyfusseuche und durch die Kolera und durch noch eine Menge anderer Krankheiten aus ihren Leibern erlöst worden. Da sie aber einmal schon zu dem Militärstande gehörten, so bleiben sie nach der Ablegung des Leibes auch noch diesem Stande getreu und erscheinen hier als Soldaten. Sie wissen auch nichts von dem, als wären sie gestorben. Wohl wissen sie, daß sie als Kranke in's Spital gekommen sind, und daß sie sich vor dem Sterben gefürchtet haben. Aber auf eine gute Medizin seien sie in einen stärkenden Schlaf gekommen, und hätten recht tüchtig geschwitzt, und seien dann am Morgen so ganz frisch und gesund aufgestanden, als ob ihnen nie etwas gefehlt hätte.

04 Von dem aber, daß sie gestorben sind, wissen sie keine Silbe. Es ist auch gut also, daß sie es nicht wissen, weil das Wissen für sie ein Gericht wäre. Sie müssen erst, nachdem sie hier ihren Dienstabschied erhalten haben werden, nach und nach ganz unvermerkt eingeleitet werden, und das Anfangs nur durch Erscheinlichkeiten, durch die sie so gewisse Stupfer bekommen werden, daß ihnen dadurch die Welt, in der sie nun leben, stets mehr und mehr befremdlich vorkommen muß. Das macht sie stutzen, und ihr Gemüth wird unruhiger und unruhiger. Sie kommen dann auch in allerlei Unannehmlichkeiten und scheinbare Gefahren, suchen dann Schutz und Hilfe, und suchen sich oft vor scheinbaren Verfolgungen zu retten; aber sie finden keinen rechten Zufluchtsort, und sind dann nicht selten genöthiget, sich an die Verfolger zu ergeben. Manchmal aber verlaufen sie sich in unabsehbare Wüsten, auf denen sie dann kaum ein Ende finden, und kommen sie schon zu irgend einem Ende, so ist dieses gewöhnlich noch um Vieles ärger, als die Wüste selbst. Kurz, alle diese noch ganz in der Naturmäßigkeit sich befindenden Seelen müssen noch eine Art förmlichen Todes durchmachen, bis ihr Geist in ihnen frei wird.

05 Also hast du es nun auch bei diesen Pfaffen gesehen; die Angst vor der Erscheinlichkeit der flammenden Höllenpforte hat sie beinahe wie ganz todt gemacht; nach einer Weile werden sie wieder erwachen, und sich in der Kirche zwar noch befinden, aber das Geschehene wird ihnen wie ein heller schrecklicher Traum vorkommen. Sie werden da Wein und das Brod antreffen, und da sie sehr hungrig und durstig sein werden, was stets der Fall ist, so der Geist in der Seele freier wird, und wacher und wacher, so werden sie auch gierig darnach greifen und es verzehren. Die offene Schrift, die sie auch sogleich neben den Broden ersehen werden, wird ihnen schnell die Anweisung geben, was sie zu thun haben, um der Hölle zu entrinnen, vor der sie eine ganz entsetzliche Furcht haben, weil sie sich diese Hölle also ganz lebendig vorstellen, als sie sich dieselbe auf der Erde gläubig oder auch selbst als ungläubig vorgemalt haben; denn ob einige bei ihren irdischen Lebzeiten an die Hölle auch nicht geglaubt haben, so blieb ihnen aber doch das Bild. - Nun haben sie den geöffneten Rachen gesehen, und die ihnen ganz entsetzlich vorkommenden Flammen aus denselben schlagen, und somit ihr böses Bild in der Verwirklichung wahrgenommen. Dadurch ist ihr Unglaube an die Hölle wieder zum Vollglauben geworden. Darum aber werden sie nach der abgelesenen schriftlichen Anordnung sich auch keine Sekunde mehr aufhalten in der Kirche, sondern eiligst aufbrechen und sich in's weite Freie machen.

06 So sie aus der Kirche treten, werden sie auch sogleich keine Stadt irgend mehr ersehen, sondern blos nur ein offenes freies Land; allda werden sie dann schon hie und da auf gewisse Reisende stoßen, die sie weiter zu ihren Bestimmungen leiten und führen werden in Meinem Namen. Um diese haben wir uns denn nun auch gar nicht mehr besonders zu kümmern; in einigen und dreißig Jahren werden sie für den unteren Weisheitshimmel ganz geeignet sein. - Höher hinauf aber werden sie wohl schwerlich je kommen, weil bei ihnen das Organ der Liebe, weil es nie geübt und gestärkt worden ist, zu unentwickelt und schwach ist. Dafür aber hat freilich das Organ der weitwendigen Weisheit eine viel zu große Ausdehnung, und kann daher nie von der enorm schwachen Liebe überwältigt werden. Denn so bei Solchen die Liebe, so zu sagen, um sieben Ellen wächst, so wächst die Weisheit daneben schon um's Dreifache, und es kann daher nie jenes Verhältniß zwischen Liebe und Weisheit hergestellt werden, welches nothwendig ist, um in einen höheren Himmel aufsteigen zu können.

07 Es ist zwar wohl gerade keine absolute Unmöglichkeit, daß auch Geister des untersten Weisheitshimmels in einen höheren Himmel übergehen können; aber es geht so was immer sehr schwer, weil die Weisheit sich stets mehr in der Spekulation, als in der wirklichen That gefällt. Der Weise hat nur ein Wohlgefallen, so er vor Anderen seine tiefen Einsichten auskramen kann, während der eigentliche Liebegeist nur nach dem Guten und Wahren handeln will. Der pure Weisheitsheld ist gewisserart das, was das Publikum in einem Theater ist. Er hört die Komödie an, und betrachtet mit scharfem Kennerauge Alles, was oben auf der Bühne vor sich geht. Er versteht auch gewöhnlich Alles besser, als der auf der Bühne handelnde Komödiant; man stelle ihn aber nur einmal auf die Schaubühne, und er wird kaum einen letzten sogenannten Statisten vorzustellen im Stande sein. Da aber das Zuschauen, Betrachten und darnach Raissoniren viel leichter als das Handeln ist, so sind die Geister des untersten Himmels auch stets sehr schwer in einen höheren Himmel zu bringen; denn die meistens thatlose Bequemlichkeit ist ihnen lieber, als die schönste und beste Handlung. Solche Geister können nur durch eine gewisse Einförmigkeit der ihnen vor die Augen gestellten Erscheinungen, dann aber auch durch erweiternde Handlungsexempel zur That angespornet werden. Sind sie einmal beim Handeln, wenn Anfangs auch noch so spießig, so geht dann die Sache schon vorwärts; aber nur im Anfange wehrt es sich ganz entsetzlich.

08 Und so, Mein lieber Robert, wird es auch mit diesen Pfaffen gehen, wenn es gut geht, wie man so sagt; aber eher wird es also sein, wie Ich es ehedem, dir gezeigt habe. Sie werden zwar noch manchen Brocken zum Verschlucken bekommen, bis sie in den untersten Weisheitshimmel gelangen werden.

09 Mit dieser Rotte werden wir es viel leichter haben. Sie hat nun nach einigen Hinundherschwenkungen vor uns Halt gemacht, da wir ihr aufgefallen sind. Sie übt hier eine Art Patrouille aus, und hat nun den Sinn gefaßt, uns zu fragen, was wir hier vorhätten, weil unsere Gesellschaft auf einem Flecke des Platzes ihr ein wenig zu stark vorkommt, besonders in einer Stadt, die sich leider noch im Belagerungszustande befindet. Bei der Gelegenheit ihrer Anfrage an uns werden wir ihr denn auch sogleich der Wahrheit getreuest kundthun, wer wir sind, und was wir so ganz eigentlich hier wollen, und werden sie dann auch sogleich unter Einem einladen, uns zu folgen in das Reich des Lebens. Aber da kommt, Mein lieber Robert, die Reihe wieder einmal an dich. Du mußt hier für uns Alle den Wortführer machen; daher nimm dich nur recht zusammen!"

234. Kapitel: Neue Aufgabe Roberts. Jesus über den Soldatenberuf. (Am 24. August 1850)

01 Spricht Robert: „O HErr! Das wird, wie ich es so im voraus betrachte, eben von meiner Seite aus nicht am besten gehen, denn der Soldatenstand ist eben meine schwache Seite nie gewesen; und wo ich nur immer einen Soldaten gesehen habe, da hat sich auch allezeit ein ganz eigener Ingrimm meines Herzens bemächtigt, dessen ich beim besten Willen nicht Meister werden konnte. Denselben Ingrimm empfinde ich auch jetzt noch, obschon ich mich durch Deine Gnade zu wenigstens halbvollendeten Geistern zählen darf. Solle ich nun diese Soldaten bekehren, so müßte ich irgend eine Liebe, oder doch wenigstens einen gewissen Geschmack ihnen abgewinnen können; das aber scheint mir, je mehr ich mich mit meinem Herzen berathschlage, eine reine Unmöglichkeit zu sein; denn diese Art Menschen sind nichts als pure Maschinen, die sich wie abgerichtete Thiere nach einem gewissen Kommando bewegen; was ihnen befohlen wird, das thun sie, ohne sich auch nur zu fragen, ob es recht war oder nicht. Nehmen wir den Belagerungszustand an; jede Wache hat die Weisung, Jedermann ohne Ausnahme, der auf ein dreimaliges Anrufen keine Antwort gibt, sogleich niederzuschießen. Setzen wir aber den Fall, der sehr möglich ist, und sich auch schon öfter wirklich ereignet hat, daß ein Taubstummer sich einem besonders heiklichen Posten der Wache unwissend über die Gebühr nähert; die Wache ruft ihn nach Vorschrift dreimal an; der Angerufene kann ihr natürlich keine Antwort geben, was geschieht nun? Der Posten oder der Wachesoldat zielt, und schießt den Taubstummen ohne weiteres Knall und Fall über den Haufen. Frage: Wie ist solch eine Handlung zu betrachten? Was für ein Herz gehört dazu, das nach einer Hinrichtung eines armen Bruders so ganz mir und dir nichts seinen mechanischen Dienst weiter fort verrichten kann, als ob da gar nichts vorgefallen wäre?

02 Ich weiß wohl, daß der Soldat gezwungen ist, also zu handeln, aber das entschuldigt die Sache bei mir durchaus nicht; denn es ist schlecht, daß man Menschen als Hunde gebraucht, und eben so schlecht ist es, daß sich Menschen als Hunde und reißende Wölfe gebrauchen lassen. Leider, daß da Millionen denselben Weg wandeln, und bis jetzt noch keine Abänderung weder von der einen, noch von der anderen Seite geschehen ist.

03 Du siehst also, wie Du es schon lange gesehen hast, daß ich unmöglich ein Freund des Soldatenstandes werden kann, und somit auch mit dieser vor uns stehenden Truppe sicher sehr schlechte Geschäfte machen würde, so ich mit ihr belehrend zu unterhandeln anfinge; darum bitte ich Dich, o HErr, übertrage dieß Geschäft an irgend jemand Tauglicheren; denn mein ganzes Gemüth sträubt sich ganz gewaltig dagegen, besonders hier in dieser Stadt, in der ich, wie Dir die Gründe nur zu bekannt sein müssen, eben den Soldatenstand von einer zu elenden und überschmählichen Seite habe müssen kennen lernen. Ich habe es ihnen wohl vergeben, die an mich die Hand gelegt haben, aber dem Stande selbst kann ich nimmer ein Freund werden."

04 Sage Ich: „Eben deshalb, weil dir dieser Stand noch gleichfort ein Dorn in den Augen ist, übertrage Ich dir dieses Geschäft. - Ich sage dir, Mein lieber Sohn, du könntest nicht wahrhaft eingehen in Mein Reich, so du diesen Dorn nicht aus deinen Augen brächtest. In Meinem Reiche herrscht nichts als nur die allerreinste Liebe, die vollends frei sein muß von Allem, was auch den allerleisesten Schein nach irgend einer Unversöhnbarkeit hat. Du mußt der Welt, was ihr angehört, eher Alles bis auf den letzten Heller zurückerstatten, bevor du ein Bürger Meines Reiches in Hülle und Fülle werden kannst.

05 Weg also mit Allem, das nach irgend einer Unversöhnbarkeit nur allerleisest riecht! In jeder Sekunde mußt du aus deinem ganzen Gemüthe deine Arme für Millionen ausbreiten können; dein Bruderkuß muß allen Wesen der ganzen Schöpfung gelten, ob sie dir genehm oder nicht genehm sind; ob Freunde oder Feinde, das muß dir vollends ein ganz Gleiches sein; denn so es in Meinem reinsten Liebereiche auch gewisse bedenkliche Rücksichten gäbe, wie sähe es dann bald mit der Weltenregierung aus?

06 Auf der Erde hast du oft sehen können, wie Ich Meine Sonne über Gute und Böse habe scheinen lassen, ohne den geringsten Unterschied, und den Regen goß auf das Feld Meiner Verächter eben so gut, wie über's Feld Meiner intimsten Verehrer und Anbeter. Warum aber that Ich das? was Ich auch recht gut hätte anders machen können; weil Ich Selbst die allerreinste Liebe bin, und in Mir ewig nie eine Rache, oder auch nur der leiseste Schein von irgend einer Unversöhnlichkeit Platz greifen kann. Mein innerster Wunsch und Wille geht unverwandt dahin aus, alle Wesen so frei und so selig als nur immer möglich zu machen! und solle, so es möglich wäre, dieß auch auf Kosten Meiner höchst eigenen Seligkeit geschehen, wie es auch zeitweilig schon geschehen ist, und noch geschieht. Ich gehe nun schon eine geraume Weile mit dir um, und du kannst nicht sagen, daß Ich Mich oft dir entzogen habe.

07 Für Mich als das urvollkommenste Wesen der Wesen ist es sicher nicht so selig unter unvollendeten Wesen, die Mich nur zu oft gar nicht erkennen, und nicht erkennen wollen, zu weilen, und sie mit aller Geduld und zartesten Sanftmuth zu leiten, als so Ich Mich unter Meinen vollendetsten Söhnen und Brüdern befinde, in Meinem Reiche der reinsten Liebe und des hellsten Lichtes, aus dem Zentrum Meines Herzens ausstrahlend; aber Ich thue es dennoch, weil Meine höchst eigenste reinste Liebe es Mir zu einer Pflicht auferlegt. Also mußt auch du dir so Manches gefallen lassen, und stets dahin trachten, Mir in Allem vollends ähnlich zu werden.

08 Siehe, ein Soldat ist zwar an und für sich ein Feuer, welches zerstört, tödtet und verwüstet; aber denke dir ein Land, in dem es durchaus unmöglich wäre, ein Feuer zu erhalten und zu unterhalten; könnte in solch einem Lande wohl Jemand bestehen? Sicher nicht, denn wo kein Feuer bestehen kann, da gibt es auch keine Lebensluft, und ohne' die kein animalisches Leben. So aber in einem großen Volksstaate es keine Waffenleute gäbe, wo wäre da die Sicherheit des nöthigen Eigenthums, des Lebens, und der Aufrechterhaltung der Ordnungsgesetze zu suchen? Siehe, das was dem Leben zwar im Uebermaße gefährlich werden kann, das muß auch hauptsächlich das Leben erhalten, und deshalb ist der Soldatenstand durchaus nicht so schlecht, als wie du es meinest; im Gegentheile ist der Soldatenstand für jeden Völkerstaat nur sehr nützlich und unentbehrlich, und daher mußt du ihn durchaus nicht mehr mit feindlichen Augen betrachten, sondern mit den Augen der reinen Liebe, der wahren Gerechtigkeit und Ordnung, und dir dabei denken: Auch ein Soldat ist mein Bruder! Daß er eine Maschine des Gesetzes ist, das geht dich nichts an, und darf dich nichts angehen; denn es muß ja Maschinen des Gesetzes geben, auf daß aus und unter dem Gesetze eine wahre und für ewig dauernde Freiheit erkeimen und erwachsen kann.

09 Muß von Mir aus nicht ein jeder Weltkörper eine Gesetzesmaschine sein, auf daß auf demselben freie Wesen ungestört zum wahren Leben heranreifen können? Was wäre aber mit den Menschen, so die Weltkörper keine Gesetzesmaschinen wären? Denke dir eine freischwebende Erde voll freien und unbeschränkten Willens, wie würde die mit ihren Schmarotzereinwohnern verfahren, so sie ihr fühlbar lästig werden würden? Also Freund! Bedenke das Alles, und du wirst dem Soldatenstande sicher geneigter werden, als wie du es bis jetzt warst, und wirst dich nun auch leichter an das dir anbefohlene Geschäft machen, was unumgänglich nöthig ist zu deiner gänzlichen Vollendung, ohne die du in Mein Reich nicht eingehen könntest. Denn siehe, darin liegt eben der Hauptgrund, warum du noch einmal mit Mir Selbst nach Wien dich hast begeben müssen. Fasse dich, und mache dich an das Geschäft; Ich sage dir, daß es besser gehen wird, als du es meinst; denn Gesetzesmaschinen sind allezeit leichter zu leiten, als jene, die da Gesetze geben."

235. Kapitel: Robert hält nach anfänglichem Zaudern eine Ansprache an die Truppe und sucht ihr Klarheit zu geben über das geistige Reich.

01 Robert etwas betroffen über solche Meine Zurechtweisung dankt Mir zwar recht inbrünstig dafür; aber er hat dennoch keinen rechten Muth, eher mit den vor uns stehenden Soldaten ein Gespräch anzuknüpfen, als bis sie ihm dazu einen Anlaß geben würden. Die Soldaten aber merken das, denn sie haben Meine Worte vernommen, die ihnen gefielen, und sind darum stille und warten, bis Robert sie angehen würde; und so schaut nun Robert die Soldaten an, und die Soldaten den Robert; kein Theil will die Offensive ergreifen.

02 Nach einer Weile tritt die schöne Helena, die stets voll der innigsten Liebe zu Mir ist, hervor und sagt zum Robert: „Aber lieber Robert! Bist du ein Hasenfuß, oder bist du keiner? Wie könnte ich aber auch nur eine Sekunde es auf den Vollzug des Willens des HErrn anstehen lassen? Schau, hätte der HErr mir so einen Auftrag gegeben, ich wäre damit schon lange zu Ende; du aber bringst erst eine lange Wurst von eitlen Entschuldigungen vor, obschon du weißt, daß der HErr niemals mit Sich handeln läßt, und lassen kann, denn Sein mildestes Wort geht allezeit aus Seiner liebweisesten Ordnung hervor, und muß erfüllt werden, ohne welche Erfüllung unmöglich je an ein Heil zu denken ist, wie es dir soeben der allgütigste HErr und Vater nur zu klar gezeigt hat. So du aber das aus dem Munde Gottes Selbst vernimmst, was zauderst du denn hernach, den allerheiligsten Willen in den Vollzng zu bringen? Rühre dich doch, daß die achtbare Truppe es merke, daß du ein Leben hast! Es wäre mir sonst wirklich zum Aerger, so einen Mann zu haben; denke bei solchen Gelegenheiten an den muthigsten Kado zurück, der selbst dem Satan seine Kurasche ganz kurios abgekauft hat. Damals hast du schon den schönen Dienst eines Schutzgeistes versehen, und nun hast du eine Trema (Zagen) vor dieser kaum hundert Mann zählenden Truppe! O das ziert den großen Namen Robert Blum wohl gar nicht."

03 Als die Truppe den Namen 'Blum' vernimmt, da tritt sie uns näher, und sagt und fragt ganz barsch: „Was ist das für ein Blum? Doch nicht der große Staatsverbrecher, den der Fürst General von Windischgrätz hat erschießen lassen?"

04 Diese Frage entzündet den Robert, und er tritt sogleich ganz keck vor die Truppe hin, und sagt mit einer sehr lauten Stimme : „Ja, derselbe Blum steht vor euch; aber nicht mehr sterblich, sondern ewig unsterblich! Robert Blum aber war nie ein Staatsverbrecher; das Zeugniß dafür gibt mir der HErr, und das ganze Königreich Sachsen, und das ganze bessere Deutschland. Aber der General, der mich hier in Wien hat erschießen lassen in seinem übertriebenen Hochmuthseifer, ist wohl gar nicht lange darauf zu einem wirklichen Staatsverbrecher geworden. Nur sein alter hoher Adel und einige patriotische Vorthaten haben ihn vor dem Kerker verwahrt. Wäre er nun kein Fürst Windischgrätz, so hätte er sein Vergehen in Ungarn gewiß auf eine härtere Art zu sühnen bekommen, als so. Tausende hier in Wien können mir das Zeugniß geben, daß ich am Ende, als Wien ohnehin schon so gut' wie verloren war, Allen abgerathen habe, sich fernerhin über die nur zu sichtliche Uebermacht zu erheben; aber man schalt mich dafür einen Feigling; da ergriff ich wieder das Schwert, und sprach: So ziehe denn mit mir, wer den sichern Tod nicht scheut. Ist das bei euch ein Staatsverbrechen? Redet, und glaubet nicht, daß Robert Blum je ein Feigling war!" .

05 Auf diese scharfe Rede Blums tritt der Offizier zu ihm hin, und sagt: „Mein Freund! Es hat sich zu der Zeit des Jahres 1848 die Sage verbreitet, daß Er nicht erschossen, sondern vom Fürsten heimlich in die Freiheit gesetzt wurde, und ein anderer Verbrecher in Seinen Kleidern erschossen worden sei unter dem Namen Blum; Er aber sei dann in fremden Kleidern mit strengster Weisung über Berlin und Hamburg für ewige Zeiten nach Amerika unter einem fremden Namen und zugleich rasirt und geschoren transportirt worden. Sein Wiedererscheinen in dieser Stadt gibt für mich der Vermuthung Raum, daß an dieser Mythe etwas Wahres sei. Sage Er mir genau, getreu und wahr, wie sich Sein wirkliches unverkennbares Wiedererscheinen in dieser Stadt mit der Ihm nun kund gegebenen Mythe verhält. Rede Er mir aber die reine Wahrheit, sonst -!"

06 Spricht Robert: „Freund! diese Mythe ist nichts als ein leeres Geplausch alter müßiger Weiber, besonders in Sachsen und Preußen. Ich bin so gut wie tausend Andere im Angesichte von vielen Zuschauern, die mich gar wohl kannten, erschossen worden, worüber hoffentlich auch in ganz Europa und Amerika kein Zweifel mehr obwaltet. Das, was du nun aber hier vor dir siehst, ist kein irdisch Fleisch und Blut mehr, sondern das ist Robert Blums ewig lebender Geist, hier dazu von Gott dem HErrn berufen, wie du es ehedem selbst vernommen haben wirst, euch dahin zu belehren, daß auch ihr Alle das seid, was ich nun bin, nehmlich blos unsterbliche Geister im großen Reiche der Ewigkeit.

07 Ich selbst konnte nach dem mir gewaltsam entrissenen Leibe lange nicht inne werden, ob ich wohl gestorben sei oder nicht. Lange umgab mich eine dichteste Finsterniß; ich erinnere mich ihrer noch stets mit einem nicht unbedeutenden Grauen. Nur Gottes Allgüte und Erbarmung führte mich aus solcher Nacht zum heiligen Lichte alles Lebens empor, und ich ward erst in solchem Lichte inne, daß und wie so ganz eigentlich und sicherlichst ich gestorben bin.

08 Derselbe HErr und Gott ist seit derselben Zeit noch immer beinahe unverwandt bei mir; mehrere tausend von der Erde abgeschiedene Geister haben bei dieser meiner Gelegenheit und unter diesem heiligsten Panier die vollste Freiheit des ewigen Lebens erreicht. Viele bewohnen schon die allerfreiesten Staaten der Himmel Gottes, die wahrlich keine Chimäre sind, wie wir es auf der Erde leider gedacht, und am Ende für wahr gehalten haben. Nur eine geringste Anzahl in der beständigen Gegenwart Gottes des HErrn ist vor dem vollen Eingange in die freiesten Himmel hieher nachgekommen, um allen Guten die Erlösung zu bringen und zu geben.

09 Die keineswegs geringe Gesellschaft, die ihr hier erschauet, sind schon lauter Erlöste dieser Stadt, in der Manche, noch von irdischem Wahne belebt, schon einige Hunderte von Jahren traurig und elend genug zugebracht haben. Durch die alles durchleuchtende Kraft des göttlichen Wortes sind sie ihres Irrwahnes inne geworden, haben das wahre Licht des Lebens erkannt, und sind dann freiwillig durch ihre eigene Ueberzeugung gedrungen Dem gefolgt, Der allein ein HErr alles Lebens ist von Ewigkeit.

10 Thuet ihr desgleichen; denn auf der Erde, die ihr noch zu bewohnen wähnet, ist ewig kein Heil mehr für euch. Glaubet es mir; ich würde es euch sicher nicht sagen, wenn es nicht also wäre. Leget ab eure Waffen! ihr werdet in der Art keine mehr gebrauchen, denn in alle ewigen Zukünfte wird allein des HErrn Name euere mächtigste Waffe sein. Brüder! Bedenket euch kurz, und folget mir! ich habe euch die vollste Wahrheit gezeigt."

236. Kapitel: Anwort des ungläubigen Offiziers. Helena mischt sich auf lerchenfelderisch ein. (Am 27. Aug. 1850)

01 Spricht der Offizier: „Du bist zwar ein guter Mensch, aber dabei ein närrischer Kauz! Du sagtest, daß wir schon lange gestorben wären, und nun hier nur als Geister herumwandeln; aber schau, schau! da steht der herrliche Stefansdom, wie er so zu sagen leibt und lebt; der hohe gothische Thurm, gerade so, wie er seit seiner nothwendigen Restauration ausgesehen hat; nicht einmal ein Schwalbennest fehlt unter seinen vielen Gesimsen und durchbrochenen Verzierungen. Da rings herum die seit Alters her nur schon zu bekannten Häuser; dort der unverkennbare Stockameisen. Das Alles müßte denn auch Seele und Geist haben und gestorben sein, und auf der Welt gar nicht mehr vorhanden sein, um hier, also in deiner Geisterwelt, für ewig fortbestehen zu können. Schau, schau, für so dumm mußt du unsereins denn doch nicht halten, und verlangen, daß man dir so etwas sogleich mir und dir nichts glauben könnte.

02 Also schwärmtest du auch von Gott, daß Er Sich hier unter euch befinde, und hier in Wien die altgebannten Geister aus ihrer Nacht befreite, um sie dann in die Himmel aufwärts zu führen. Aber wo thust du dich hin mit solch allerburleskesten Behauptungen? Das gehört ja doch in einen siebenten Stock des allerersten Irrenhauses.

03 Gott, das unendliche, für kein endliches Geschöpf je begreifliche Wesen, ist eine heiligste Urkraft, die die ganze Unendlichkeit durchdringt, und solle hier in der höchst beschränkten Gestalt eines Menschen und noch dazu in einer sterblichen Umhüllung Sich befinden?! Mein Freund! so was zu glauben, wäre ja noch bei weitem über eine Mariazeller Wallfahrt ob irgend einer Gnade. Du bist doch, so du im Ernste der berühmte Blum bist, kein Mensch eines echt römisch-katholischen Leicht- und Aberglaubens gewesen; denn du warst ein Deutschkatholik. Wie möglich kamst du, wahrscheinlich in Amerika oder England dazu, solch ein Zelot zu werden? Haben dich denn etwa gar die Irländer, die wahrlich nicht umsonst diesen Namen tragen, dazu umwandelt? Haha, es ist wahrlich schon zum Tollwerden! So etwas zu glauben!

04 Schau, Freund, ich könnte dich nun zwar samt deinem lieben Herrgott arretiren, aber ich unterlasse das; denn du bist mit deinen echt irländischen Ideen keinem Menschen mehr gefährlich. Sogar die Liguorianer und Jesuiten können mit dir Arm in Arm herumwandeln, und haben von dir bei so bewandten echt irischen Umständen nichts zu befürchten; dein lieber Herrgott scheint auch ein wirklich ganz unschuldiges Lamm zu sein, so wie die ganze übrige für eine Mariazeller Wallfahrt ganz reife Gesellschaft. Das Beste, nicht an dir, sondern bei dir, hörst du, wäre dein allerliebstes Weiberl. Beim Styx! der zu lieb machete ich am Ende noch selber eine Mariazeller Wallfahrt mit. Ist das etwa auch eine Irländerin? sie wird es wahrscheinlich sein, sonst hätte sie bei ihren gewaltigen Schönheitsvorzügen unmöglich dich geheirathet, vorausgesetzt, daß ihr wirklich verheirathet seid. Sage mir doch, was sie für eine Landsmännin ist; ist sie eine Inglismännin, oder was sonst?"

05 Sagt die Helena: „Ich heiße Helena, und bin aus echt Oberlerchenfeld gebürtig, waon's was gspürn! Das ist das gewöhnliche „Irland" für die armen Wiener Sünder! Verstehn's mich?" - Sagt der Offizier: „O Kotz Kreuz Bomben und alle Granaten! Potz Blitz und alle Elemente zu Wasser und zu Lande! Also eine Lerchenfelder Zirkassierin! O verfluchte Geschichte! Aber wie kommt denn das, daß Sie nun sein Weib sein sollen, indem meines Wissens er ja ohnehin ein Weib und mit demselben auch mehrere Kinder in Sachsen hat?"

06 Sagt die Helena ganz echt wienerisch: „No wissen's denn das nicht, Sie Kreuzblitzer von an' Offizier? So lang' man auf der Erd' ist, hat man freilich ein gültig's Weib, und soll für Rechtswegen ka zweite daneben haben; verstehn's mich? Wenn man aber amal g'storben is, und mit Gottes Gnad' und Barmherzigkeit in den Himmel kommen is, da kriegt man nachher gleich an anders Weiberl, aber halt von der Erd' ani; denn im Himmel droben wachsen kani Madeln, wann's nit ehender aus der Erd' geboren worden san. - Schaun's nur, daß a bald in Himmel eini kommen, da wird sich vielleicht für Ihnen a no so a recht sauber's Weiberl auftreiben lassen; aber unsern allerliebsten Herrgott müssen's ehender wohl über Alles recht lieb haben, sonst is nix, mein lieber Herr Offizier!"

07 Sagt der Offizier: „Schade um das schöne Kind, daß sie eine gar so hundsgemeine Sprache spricht. Das ist ja ein schrecklicher Dialekt der edlen deutschen Sprache. Sagen Sie, echte Lerchenfelderin, sprechen im Himmel alle Frauenzimmer so wie Sie? Wenn das der Fall wäre, da bliebe ich schon lieber in gebildeten Zirkeln auf der Erde. Nein, ist aber das doch eine Hundssprache, wie es nur immer irgendwo eine geben kann."

08 Spricht die Helena: „No, ich bitt' Sie, was meinen's denn, was Sie für a politirtes Deutsch sprechen? schaun's, a jede Sprach' is schön und gut, wann's nur aus an ehrlichen Herzen und Mund kommt; aber wann a Sprach' a noch so politirt ist, und kommt aber aus an rechten Spitzbubenherzen, was is sie nachher werth? Was war' Ihnen denn lieber, wann ich so recht hochdeutsch redete, Sie aber dann auch auf hochdeutsch anschmierete, oder wann ich so recht gemein weg oberlerchenfelderisch red', und es dabei mit Ihnen kreuzehrlich mein'? Schaun's, a so a recht hochdeutsche Sprach', besonders hier in Wien, is g'wöhnlich a Verstellung. Der red't hochdeutsch, weil er möcht' die Leut' von ihm meinen machen, daß er a G'lehrter is, bei ihm selber aber is er an Esel in allen 4 Elementen. Sagen's, is so was nit a rechte Spitzbüberei, wann man die Leut' mehr von sich meinen machen will, als man is? An Anderer spricht hochdeutsch, um beim schönen G'schlecht Eroberungen zu machen, hat dabei aber g'wöhnlich die schmutzigsten Absichten, wie ich's nur gar zu oft erfahren Hab'. Sagen's, is das nit wieder a recht grausliche Spitzbüberei? An And'rer is blos nur a Kommis in einer Zeughandlung; wann recht noble und schöne Mädchen und Damen hineinkommen, um was zu kaufen, so kegelt er sich völli den Mund vor lauter Hochdeutsch aus, und lobt sein' Waar' auf echt sächsisch, oder gar preußisch, um die Mädchen und Damen ja für sein 'Waar' und vielleicht für noch was zu g'winnen. Sagen's, is dann so a Sprach' nit schon wieder a recht hochdeutsche Spitzbüberei? So geht's auch in den Aemtern und Kanzleien zu; diejenigen Beamten, die so recht hochdeutsch reden, sind g'wöhnlich die gröbsten, stolzesten und dümmsten zugleich, und wollen durch ihre hohe Sprach' nix als ihre Fehler unsichtbar machen. Sagen's, is so was nit schon wieder a rechte Spitzbüberei? Und das heißen Sie a gebildete Sprach', die die Leut' brauchen, um anander recht tüchtig anzuschmieren? Jetzt hören's mir nur bald auf, sonst wird's mir übel!"

09 Spricht der Offizier: „Nein, nein, mein liebes Kind, so meine ich es aber ja auch nicht! Sieh', ich meine es nur also, daß man in einer gebildeten guten Welt wenigstens also reden solle, wie man schreibt, aber nicht gar also provinzialisch, was einem gebildeten Ohre gerade so unangenehm klingen muß, als wie schlechte, und im Grund und Boden falsche Musik. Schau, du bist, je länger ich dich betrachte, ein schönes Kind, daß ich wahrlich in meinem ganzen Leben noch nie ein schöneres Wesen gesehen habe, was doch gewiß sehr viel sagen will, da ich in der Art beinahe in ganz Europa sehr viel gesehen habe. Hättest du auch eine mehr gebildete Sprache, so wärest du eine reine Göttin; aber wann du redest, so streifst du den ganzen himmlischen Schönheitsnimbus herab, und man wird dadurch von der höchsten göttlichen Poesie in die alleralltäglichste Prosa versetzt. - Schau, du hast dich ehedem als eine Himmelsbewohnerin ausgegeben, was ich dir deiner Gestalt nach auch gar nicht in eine Abrede stellen möchte; denn sie ist schön genug, um auch in einem noch so fantastisch schönen Himmel Aufsehen zu erregen, schön genug, um in den goldenen Gärten der Hesperiden zu glänzen. Aber so du dann mit deiner hundsgemeinen Sprache kommst, so fällt dann ein hochlirisch-poetisches Gemüth, wie das meine, ja gleich von einem siebenten Himmel in den schmutzigsten Patsch der Erde zurück. Daher, so du schon durchaus ein himmlisches Wesen sein willst, so mußt du auch wirklich durchaus himmlisch sein, in der Sprache, wie in der Gestalt, sonst glaubt dir's ewig kein Kuckuk, daß du eine Bewohnerin des Aethers menschlich lirischer Fantasie bist."

10 Spricht die Helena: „Ich bitt' Ihnen, reden's nit gar so g'schwollen und lahmlaket; mit Ihren Komplimenten können's Ihnen a bald hamleuchten laßen. Manen's denn, ich bin etwa a so ani, die sich mit so an Komplimentenköder fangen laßt? Sie, wann's das meinen, da sag' i Ihnen glei: Da schaut unser liebe Herrgott zum Fenster hinaus, und sagt, es wird nix draus. Sie, i bin a Durchg'wixte! Verstehn's mich? Auf der Simringer Haid' gibt's Waisen g'nug, die Sie fangen können; aber in Oberlerchenfeld muß man anders reden, wann man so noch wo an überblieb'nes Ganserl fangen will. Meinen's denn, ich kenn' etwa Ihre Begierden nit? Gehn's und schaun's, daß Sie mir nit g'stohlen werden! Ihnen g'fallt nur mein G'frieß, mein Herz aber g'hört vor Ihren Augen der Katz' zu! Das scheinet Ihnen freili, daß ich nit so fein gesprächig bin wie so an aufgeputzte Stadtfräule, aber das is justament gut für unser an's, denn dadurch verschaff' i mir a Ruh vor Ihnen. Da reden's mit mein' Mann; der kann schon besser hochdeutsch, als wie i. Glauben's aber, was er Ihnen sagt, sonst werden's no lang kan Himmel zu sehen bekommen!"

11 Spricht der Offizier, sich die Ohren zuhaltend: „Gottlob, daß sie ausgeredet hat! Die treibt einen gebildeten Mann bei Gott zur Verzweiflung mit dieser Hundesprache. O du verzweifelter allerechtester Lerchenfelder Rostbraten mit Knoblauch und echt böhmischem Rapunselsalat! O Gott, o Gott! Mann! Robert! Freund! Bruder! Bist du taub? Was sagen deine Ohren zu solcher Aesthetik? Du feingebildeter Sachse, du Hofmann! Du kannst selig sein an der Seite dieses Rostbratens? Gott verleihe dir die höchste Geduld dazu! Mich brächte so eine Ehehälfte in wenigen Stunden zur Verzweiflung! Nein, hörst du diese Sprache! Und je länger sie spricht, desto hundsgemeiner! Hier könnte ich mit dem göttlichen Schiller ausrufen: „Das Leben ist der Güter höchstes nicht," aber der Uebel größtes ist ein dummes ungebildetes Weib! Sage, Freund, wie wird es dir denn, so sie mit dir spricht, obschon du ein ziemlich starker Irländer geworden bist? Wahrlich, so diese sonst ganz überirdisch schönste Gestalt ganz stumm wäre, und durch Zeichen und Mimik redete, wäre sie beiweitem interessanter, als so mit solch einer Hundesprache. Nein, hörst du, die ist fest assekurirt vor mir, und du darfst dich durchaus nicht fürchten, daß die je Jemand zu irgend einer Untreue bereden wird; denn die ist zu ungeheuer dumm!"

12 Spricht Robert: „O da irrst du dich sehr; die ist nur zu durchtrieben gescheidt, und hat dir einen Muth über zehn ganze Husarenregimenter! Sie redet auch nicht immer also, sondern nur wann sie will. O sie kann dir auch gar wunderschön reden, so es ihr am rechten Orte und Platze zu sein dünkt; ergibt sich aber dann wieder eine sie etwas schenirende Gelegenheit, da wird sie wieder ganz Lerchenfelderin. Füge du dich nur dem, was ich dir gesagt habe; gehe hin, und rede mit Gott, dem HErrn, Jesu Christo Selbst, überzeuge dich von Allem selbst, dann erst rede und handle nach deiner subjektiven Ueberzeugung."

13 Spricht der Offizier: „Weißt du, das klingt Alles wohl sehr närrisch und räthselhaft, aber führe mich doch hin, ich will mich von Allem überzeugen. Sollte es so sein, wie du mir sagtest, so sollet ihr an mir den wärmsten Theilnehmer finden, im Gegentheile aber einen, der sich auch der Narren annehmen kann und wird."

237. Kapitel: Der Offizier als kräftiger Heilverkünder an die Menge. Er treibt ihre Zweifel aus und führt sie aus dem 'Tale Josaphat' zu Jesus. (Am 29. Aug. 1850)

01 Robert führt den Offizier zu Mir hin, und sagt (zu ihm): „Dieser ist es, von Dem die großen Schöpfungen zeugen, alle Profeten und Sein eigenes heiliges Wort, ein Wort aller Worte, das große Wort vom Vater, von der ewigsten reinsten Liebe!"

02 Spricht der Offizier: „Aha, also Dieser solle es sein?! Ja, ja, das ist ja Derselbe, Der ehedem den Soldatenstand, als du über denselben losgezogen hast, sehr lobend in den Schutz nahm. Ah, der Mann gefällt mir sehr wohl, auch ohne deshalb ein Gott sein zu müssen! Schau, Robert, wenn aus eines Mannes Brust Gerechtigkeit, richtige Beurtheilung jedes Standes und jeder Sachlage, gute Gesinnung, Liebe für Ordnung und Recht, und rechte Liebe zum Nächsten wie aus einem reichen Borne hervorquillt in stets gleicher ungeschwächter Kraft und Fülle durch Wort und That, so ist er, wenn auch gerade selbst kein Gott, aber dennoch sicher erfüllt von einem starken Geiste aus Gott, und verdient daher die höchste Achtung und Liebe eines jeden rechtlich und bieder denkenden Mannes; und diese zolle ich auch diesem Manne, bei Dem ich ehedem solche Eigenschaften hocherfreulich entdeckt habe, aus allen Kräften meines Lebens.

03 He! Soldaten, habt Acht! Präsentirt vor diesem Manne! Er trägt zwar kein goldenes Porte epée auf dem Degengriffe, aber dafür ein zehnfaches in seinem Herzen, und vor so einem Manne muß man dreimal „Gewehr aus!" rufen, den Grenadiermarsch schlagen, und dreimal präsentiren; denn derlei Männer sind in der Zeit rar geworden. - Komm' her an meine rauhe Soldatenbrust, du biederer Ehrenmann! Die Brust eines Kriegers ist zwar rauh anzufühlen; sie ist eine wahre Gesetzesmaschine; aber hinter der Maschine schlägt oft ein Herz sehr warm für Gott, Kaiser, Vaterland, Recht und Ordnung, und an so ein Herz in meiner Brust drücke ich denn auch dich, du Edelster der Edelsten!"

04 Hier umarmt er Mich, und küßt Mich, so zu sagen, klein ab, und sagt darauf: „O du selten heiliger Genuß! Wahrlich, es gibt viel Schönes auf Gottes weiter Erde, und viel, was so manches Herz oft mit Wonne, oft mit süßer Wehmuth erfüllt, aber das Herrlichste des Herrlichsten ist doch der erste warme Freundschaftskuß zweier sich wohl erkannt habenden Biedermänner. Darum sei du mir auch so warm als nur immer möglich gegrüßt; denn deine früheren Worte an den Robert haben dich mir als einen Mann gezeigt, der Kopf und Herz am rechten Flecke hat. He! Soldaten, noch einmal - dreimal Gewehr aus! Grenadiermarsch! und präsentirt!"

05 Bei dieser etwas lärmenden Gelegenheit werden mehrere Menschen beiderlei Geschlechtes aus den Häusern gelockt, und die Neugierde treibt sie an, sich an Ort und Stelle zu begeben, um zu sehen, was da geschähe. - Als wir so ziemlich von Zuschauern aller Art umlagert sind, will der Offizier den Soldaten befehlen, die gafflustige Menge auseinander zu treiben; Ich aber sage zu ihm: „Freund! Lasse das; auch diese Müßiggänger und Pflastertreter sollen sehen, wie da aussieht das Heil der Welt! Das sind halbtodte Wesen, die Niemanden etwas nützen, noch eben auch etwas schaden können; lassen wir sie daher gaffen!"

06 Der Offizier befolgt Meinen Rath, und sagt zu Mir: „Mein herrlichster Freund! Es thut mir sehr leid, daß ich dich verlassen muß; aber du weißt, daß des Kriegers Zeit auf die Minuten berechnet ist, und ich daher mit meiner Truppe weiterziehen muß, nach dem Orte unserer militärischen Bestimmung. Lebe daher wohl! und meine größte Freude wird es sein, dich ehestens irgendwo wieder zu treffen!" - Hier umarmt Mich der Offizier noch einmal, und küßt Mich mit thränenfeuchten Augen, und will sich darauf entfernen mit sichtlich schwerem Herzen.

07 Ich aber sage zu ihm mit weitgeöffneten Armen: „Mein Sohn! Ich sage dir: Du bleibst hier! denn du hast nicht umsonst solche Liebe zu Mir empfunden, die dich an Meine Brust gezogen hat. Ich bin ja dein wahrer Vater von Ewigkeit. Die Binde, die deine Augen hinderte, Mich sogleich zu erkennen, sei dir für ewig genommen! Und der Vater freut Sich nun, einen so lieben Sohn an Seine Brust drücken zu können! Dieß steht allezeit beim Sohne, und nicht beim allmächtigen Vater. Der Sohn muß frei sein, sonst erträgt er nicht die Allmacht des Vaters! Du bist aber nun frei geworden, daher komme her an die lang' ersehnte Brust deines ewigen, allmächtigen, allein wahren Vaters!"

08 Hier erkennt Mich der Offizier, stößt einen Schrei der höchsten Freude aus, und fällt vor Mir auf den Boden hin, und sagt: „O Du mein großer Gott! Ich bin ja ein Sünder; wie solle ich nun an Deine heiligste Brust kommen?!" Ich aber sage:

09 „Stehe auf, Mein Sohn, und komm! So Ich dich „Sohn" heiße, da bist du ohne Sünde; denn wer so wie du in seinem Herzen Liebe trägt, der hat keine Sünde mehr, und hätte er Sünden gehabt, so viel des Sandes ist im Meere, und des Grases auf der Erde, so sind sie ihm alle vergeben darum, weil er die Liebe hat in seinem Herzen!"

10 Nach diesen Worten erhebt sich der Offizier vom Boden, sieht wie trunken nach Mir hin, und sagt mit hoher Begeisterung: „Es ist ja dieselbe heilige Brust, die ich früher unwürdigster Weise als Blinder zweimal umarmt habe; warum solle ich mich nun fürchten vor ihr, da ich sie erkenne?! O Du mein heiligster Vater! Du bist ja mein, mein, mein lieber, guter, heiliger Vater ewig!" - Hier fällt er Mir wieder an die Brust und sagt: „O welch ein Glück, welch eine Seligkeit, den wahren Vater gefunden zu haben! O Vaterliebe, du heiligstes, größtes Wort! Was birgst du in deinen ewig unergründlichen heiligen Tiefen!" Hierauf weint er vor Liebe zum Vater; Ich aber stärke ihn, daß er Meine Liebe ertragen kann.

11 Nach einer Weile läßt er Mich wieder aus, und sagt mit ganz verweinten Augen (Offizier): „O lieber Vater! Du heilige, ewige Güte! Siehe, ich bin zwar nun so selig, als nur je ein Wesen selig sein kann, aber da sieh' gnädig hin auf meine recht brave Truppe! Nimm sie auch an; denke nicht ihrer Gebrechen; sei ihr wie mir gnädig und barmherzig!"

12 Sage Ich: „Mein geliebtester Sohn! Bist schon etwas zu spät gekommen mit deiner Bitte; denn Ich habe sie schon Alle angenommen. Du aber wirst auch in Meinem Reiche ihr Führer und Lehrer sein, und wirst an diesen deinen Waffenbrüdern Freude haben für ewig. Sie haben viele Schätze in sich, die du erst wirst kennen lernen, so du sie von Stufe zu Stufe höher erheben wirst. Ich sage dir: Einer schon faßt mehr in sich, als Alles, was dein irdisch Auge in Meinen Schöpfungen je geschaut hat!"

13 Der Offizier aber bemerkt auch, wie die herbeigeeilte schaulustige Menge ganz gerührt diese Szene zwischen Sohn und dem wiedergefundenen Vater betrachtet (denn die Menge meint, dieser Offizier habe etwa seinen natürlichen Vater, den er schon lange nicht gesehen und gesprochen hatte, gefunden, und sei darob nun so gerührt), und sagt dann zu Mir (Offiz.): „Vater, sieh' hin! die Halbtodten scheinen lebendiger werden zu wollen, wie wäre es denn, so wir auch sie bei uns bleiben hießen? Mich dauern sie von ganzem Herzen; ich möchte sie gleich auch Alle zu mir nehmen. Ist auch irgend ein etwas räudiges Schäflein darunter, das wird sich ja wohl etwa mit gerechten Mitteln reinigen lassen."

14 Sage Ich: „Mein geliebtester Sohn! Auch das ist schon geschehen, und du sollst sie Alle unter dein Regiment bekommen und ihr Führer und ihr Lehrer sein. Ich ließ sie deshalb von dir ja nicht auseinandertreiben; gehe hin und sage ihnen, was du nun gesehen und erfahren hast, und sie werden dir folgen."

238. Kapitel: Zug des Herzens des Offiziers zu dem ihm noch unbekannten Jesus, der sich dem Liebenden offenbart. (Am 30. Aug. 1850)

01 Der Offizier verneigt sich tiefst vor Mir und all' den Anderen, und geht unter die Menge, und verkündet ihr das Heil auf eine sehr kräftige und energische Weise, so daß darob Alle in eine Art Schwindel gerathen, und die Weiber zu schluchzen und zu weinen anfangen. Denn einige Schwache meinen, es werde nun offenbar der jüngste Tag kommen, an dem sie erweckt und gerichtet werden.

02 Aber der Offizier herrscht sie ordentlich an und sagt: „O ihr albernen Weiber und Betschwestern übereinander! Wie fällt euch denn gar so etwas Dummes ein? Glaubet ihr denn, daß der jüngste Tag gerade so aussehen muß, als wie die Pfaffen ihn euch vorgemalt haben? Es ist hier allerdings ein jüngster Tag für uns Alle, weil wir bis jetzt in der stockfinstersten Nacht gelebt haben, und Gott der HErr Selbst hat uns auferweckt an diesem Tage, ansonst wir in der ewigen Nacht der Weltirrthümer geblieben wären; und sehet, das ist ein rechter jüngster Tag, an dem uns Heil für ewig widerfahren ist. Es ist und gibt auch wohl ein Gericht zum Tode, in dem wir eben ohnehin mit Haut und Haar gesteckt sind; aber das ist ein Gericht aus uns selbst, und nicht aus Gott. Das Gotteswort selbst, durch das wir geworden sind, und die uns verliehene Willensfreiheit sind das, was uns richtet, und richten muß, ansonst wir Steine ohne Leben wären. Haben wir uns aber aus unserem höchst freien Willen den Todesstoß gegeben, und können uns dann im Tode von selbst nimmer helfen, so kommt dann der Vater von Oben mit Seinen Engeln, und hilft den Todten wieder zum Leben. Wenn die Todten im Geiste dann wieder erwachen im neuen Tage zum ewigen Leben, so ist das für jeden Erweckten und Erwachten dann ein wahrhaftester jüngster Tag, so wie auch für ein jedes neugeborne Kind jener Tag, an dem es in die Welt hinausgeboren ward, ein irdischer „jüngster Tag," wie dieser für uns Alle nun ein geistiger ist zum ewigen unvergänglichen Leben in und bei Gott! Darum fürchtet euch nicht mehr so albern vor einem gewissen Schreckenstage, der wenigstens in dieser geistigen Welt ewig nimmer zum Vorscheine kommen wird und kommen kann. Heißt es denn nicht in der Schrift, so viel ich mich derselben noch entsinnen kann: „Und Ich, spricht der HErr, werde ihn am jüngsten Tage erwecken;" und nicht: Und Ich werde ihn am jüngsten Tage umbringen und verdammen. Schauet, schauet, wie albern ihr doch seid. Hätte Gott je gewollt, daß eine gewisse Art Wesen die Gräber der Todten bewohnen solle und gleich daneben die Hölle, so hätte Er diese Wesen auch sicher also eingerichtet, daß sie für Tod und Hölle ganz geeignet wären, so wie der Fisch fürs Wasser, und der Vogel für die Luft.

03 Uns Menschen aber hat Gott der HErr für's Licht erschaffen, und nicht für eine ewige Todes- und Qualnacht; und so erweckt Er Selbst auch Alle, die im Tode noch begraben darniederliegen. Seid daher weise und lasset euch belehren! Der HErr hat allen Menschen durch Seine göttliche Lehre das Beste vermeint; daß sie die Menschen aus Thorheit und noch mehr aus Habsucht grundfalsch ausgelegt haben, da kann der HErr nichts dafür, denn Er läßt jedem den freien Willen. Also weg mit allen Skrupeln, und folget mir zum HErrn hin! Er wird euch Alle selig machen, nach dem Maße der Fähigkeit eines jeden aus euch."

04 Sagen die Weiber: „Aber lieber Freund! Es steht ja ausdrücklich in der h. Schrift, daß nach der Auferstehung Alle im Thale Josafat werden zusammengetrieben werden, von Adam angefangen bis auf den letzten Menschen, der auf der Erde leben wird; und dort werden sie sehen den Sohn Gottes ankommen in der Mitte Seiner heiligen Apostel, aller sonstigen Heiligen und Märtirer, begleitet von zahllosen Engelschaaren, und da wird sich dann der erschreckliche Richter auf den Richterstuhl setzen, und richten die Todten und die Lebendigen. Siehe, das steht auch in der h. Schrift. Wie erklärst denn du dir solche Schreckensworte?"

05 Sagt der Offizier: „Meine lieben Weiber! Könnet ihr es glauben, daß unser lieber Gott und Vater eine viereckige Kugel erschaffen kann oder machen, daß ein Kinderröckchen, ohne daß es größer wird, einem Riesen am Leibe schlottern werde? Ohne den Riesen so klein zu machen als ein Kind, oder das Kleid riesenhaft auszudehnen wird es sich nicht thun. Was meinet ihr?" - „Ja, ja," sagen die Weiber und Männer: „das möchte sich freilich nicht thun, und mit einer viereckigen Kugel möchte es doch auch etwas hart hergehen."

06 „Gut," sagt der Offizier weiter; „wir sind nun schon Geister in der Geisterwelt; kommet ihr euch größer und kleiner vor, als wie ihr auf der Welt waret?" - Sagen Alle: „Da finden wir gar keinen Unterschied, vorausgesetzt, daß wir denn in Gottesnamen schon wirklich gestorben sein sollen." - Sagt der Offizier: „Nun gut; nur eine kleine Geduld! jetzt werden wir bald dort sein, wo wir sein müssen, um das Thal Josafat besser zu begreifen. Daß wir Gottlob Alle wirklich in der Geisterwelt uns befinden, welche besser „die Welt der Wahrheit" heißen sollte, ist nun schon zu evident hell und klar, und bedarf durchaus keines Beweises mehr; aber ob wir auch wirklich so groß sind, als wie groß wir auf der Welt waren, das muß sich ein wenig vergleichsweise erörtern lassen; aber wie? Ich meine, das solle eben nicht eine zu schwere Aufgabe sein. Versuchen wir die Geschichte!

07 Sehet, da steht der Stefansthurm, der Dom, die Häuser alle noch gerade also vor uns, als wie wir sie aus der Welt in unseren Leibern viele tausend male gesehen haben, und wir stehen hinsichtlich unserer Größe im selben Verhältnisse zu ihnen, als wie wir auf der Welt zu ihnen gestanden sind. Ich habe noch meine fünf Schuhe und etliche Striche, als wie ich sie auf der Welt gehabt habe. Also bemerke ich auch bei euch die ganz natürliche Größe, wie ihr sie auf der Welt gehabt habet. Kurz und gut, wir sind hier der Gestalt nach eher größer als kleiner geworden. Der größte Beweis aber liegt darin, daß dort Gott der HErr Selbst, Dessen Gestalt sicher kein Trug ist, eben so groß ist, als wie wir es sind. Nun, auch über diesen Skrupel wären wir hinaus. Jetzt aber gebet Acht, denn nun werden wir ein wenig rechnen.

08 Ich war noch als Kadett einmal bei einer Expedition in Asien, und habe das gute Thal Josafat gesehen, es liegt eben nicht sehr ferne von Jerusalem, und ich dachte mir so meinen Theil dabei; denn die Thäler des gelobten Landes sind durchaus schmal, ziemlich steinig, und gar nicht lang. Ein Thal von mehreren Meilen Länge und etwa von einer halben Meile Breite gehört dort zu den größten Seltenheiten. Weiter über Damaskus hinaus gegen Babilonien und gar Persien hin gibt es dann schon sehr lange und breite Thäler; aber im gelobten Lande, als Judäa, Mesopotamien, und wie die einzelnen Striche alle heißen, findet man nur mehr schmale Schluchten und Gräben; selbst das Thal am Jordan, eines der ansehnlichsten, ist durchaus nicht breit, und eben auch gar nicht lang; und das ist eben auch das Thal Josafat.

09 Wenn ich in das Thal 200tausend Mann lege, so darf die Mannschaft sich schon um einen Platz umschauen, wo sie ihr Lager aufrichten wird. So ich aber erst eine ganze Armee von 5-6mal hunderttausend Mann hineinlegete, so würden die Soldaten wie die Pikelhäringe beisammenstehen, und das ganze Thal so ausfüllen, daß sich wegen des Gedränges kaum Jemand würde umdrehen können. Eine Million Menschen im Thale Josafat müßte vor lauter Gedränge Blut zu schwitzen anfangen. Nun denket euch aber hundert Millionen Menschen ins Thal Josafat hinein! Frage, wo würden diese Platz finden? Seht, mit hundert Millionen Menschen bevölkere ich das ganze große Kaiserthum Oesterreich so, daß es ob der Häuseranzahl einer nahe kompleten Stadt gleichen wird. Wohin also mit hundert Millionen im Thälchen Josafat? Nun denket euch aber erst tausend Millionen Menschen, die fest aneinandergestellt wenigstens einen Flächenraum von sieben Quadratmeilen vollends bedecken würden. Wir rechnen aber jetzt wenigstens 5000 Jahre, während welchem bedeutenden Zeitraume auf der Erde in runder Zahl genommen wenigstens zwei bis dreimal hunderttausend Millionen Menschen gelebt haben; und wie viel noch darauf leben werden, das wird unser lieber Herrgott wohl am besten wissen! Und diese erschreckliche Menschenmasse solle im Thälchen Josafat am jüngsten Gerichtstage natürlicher Maßen Platz haben?!

10 Schaut, schaut, Leutchen! und denket nur ein kleines Bischen nach, und euch muß ja doch die große Ungereimtheit auffallen! Wenn so was möglich sein solle, so müßte entweder die ganze Erde zum Thale Josafat umwandelt werden, oder die Menschen müßten in die Größe der Infusionsthierchen zurückgedrängt werden, um im Thale Josafat auf einmal Platz zu haben; den lieben Engeln Gottes müßte aber dann gerathen werden, sich ja mit den besten Himmelsmikroskopen zu versehen, um bei dem Absonderungsgeschäfte nach dem ergangenen erschrecklichsten Urtheile die Guten von den Bösen zu scheiden; und das wäre wirklich eine kurios saure Arbeit für die guten lieben Engel Gottes. Würde aber die ganze Erde zum Thale Josafat umwandelt werden, da könnten ja dann nicht Alle zugleich den allergestrengsten Richter sehen, und das schreckliche Urtheil auch nicht auf einmal vernehmen, sondern erst nach dem Ablaufe von 24 Stunden, und der HErr müßte da das Urtheil wenigstens alle Sekunden einmal aussprechen, und schon mit einer ungeheuer starken Stimme, denn die Erde macht in jeder Sekunde eine Rotationsbewegung von ungefähr fünf deutschen Meilen, und es gehört, wenn man die ganze Schriftsache materiell auslegen will, so ein hübsches Kanonenstimmchen dazu, um auf nur wenigstens drei Meilen vernommen zu werden.

11 Ihr sehet nun leicht ein, welche Albernheiten da am Ende heraus- kommen müssen, wenn man das Wort Gottes, das doch nur den allerreinst geistigen Sinn haben muß, ganz buchstäblich, und somit materiell nimmt. Man muß das Wort Gottes, weil es durchgängig geistig ist, auch stets geistig nehmen, so man zur Wahrheit gelangen will, die allein erst das menschliche Gemüth von allen Albernheiten und absurdesten Dummheiten frei macht.

12 Sehet, das Thal Josafat seiner besonderen Lage und Charakters wegen, und auch wegen der geringen Fruchtbarkeit ist häufig zu Begräbnissen von angesehenen Familien benützt worden, und wie man bei uns sagt: Am Friedhofe kommen am Ende Alle zusammen, Groß und Klein, Reich und Arm, Jung und Alt, und Freund und Feind; das Gleiche bezeichnet man auch mit dem „Thale Josafat". Auch bezeichnet im engeren Sinne dieses Thal wegen seiner Enge und Unwirthlichkeit das Grab selbst, und im geistigen Sinne die Geisterwelt in so weit, als wie wir uns bis jetzt in derselben befunden haben; denn auch die Geisterwelt ist so lange ein Todtengrab für den Geist des Menschen, bis diesen Gott der HErr durch Seinen heiligen allmächtigen Liebewillen, wie nun uns, daraus erweckt hat.

13 Wir waren also bis jetzt im eigentlichen Thale Josafat; nun kam aber der HErr mit aller Herrlichkeit Seiner unbegrenzten Liebe und Erbarmung, und hat uns durch Seine Gnade eine lebendige Richtung gegeben. Daher sollen wir denn nun auch nicht mehr an das denken, was nichts ist, sondern wie wir Ihm danken sollen für solche endlose Gnade. Kommet daher nun mit mir, und gebet dem HErrn die Ehre, da Er euch nun aus dem Thale des Todes und Gerichtes erlöset hat!"

239. Kapitel: Allerlei Leute aus dem Volk stellen mit ihren Fragen und Anliegen die Geduld des Offiziers auf die Probe. (Am 1. Sept. 1850)

01 Tritt ein Mensch, mehr dem Landvolke als dem der Stadt gehörig, ziemlich ältlichen Aussehens und durchaus kein Genius, zum Offizier hin, und sagt in einer Art süßem Bauerntrema: „He, he, he, Sö san a g'waltige g'scheidta Mann! Sö hab'n g'sagt, daß unsa liabi Herrgott da war! He, he, he, sag'ns ma, der welche war's denn? Bitt' um Verzeihung, Euer Gnoden!" - Der Offizier kommt hier beinahe aus der Fassung vor Unterdrückung der Lache, die sich seiner hier bemächtigen will ob der komischen Frageweise dieses Landmannes; aber er erholt sich bald und sagt darauf: „Mein lieber Freund! Da seht hin; Derselbe, Der nun dort unter der Ecke des Hauses steht, und Sich mit einem gewissen Robert Blum und gleich daneben auch mit dem seligen Kaiser Josef bespricht, und sehr schöne blonde Haare hat, wie sonst kein Anderer um Ihn herum. No, wie gefällt Er euch denn?"

02 Sagt der Landmann: „He, he, he, was sogen Sö? Das wär' unser liabi Herrgott?! Du mein Gott, du mein Gott! Hätt' mir Ihn a ganz anderst vorg'stellt! Nix größer, als unser ans, und denno so allmächti dabei! Wahrhaftig, das is rar! So a klaner Herrgott, und doch so allmäch'ti! Das is wirkli rar! Wer sähet' Ihm das an?! Aber nix für unguet, Euer Gnoden, i red' halt, wie ich's versteh'n thu!"

03 Sagt der Offizier: „Ja, ja, mein lieber Freund, so ist es denn; man sieht es Ihm freilich nicht an, aber Er ist es dennoch. Aber nun seid ihr nur schön still, und begebet euch mit mir samt den Andern hin zu Ihm; ich werde euch Alle Ihm vorführen, wie Er mir auch den Auftrag an euch Alle gegeben hat. Er Selbst wird euch am allerbesten und am allerschnellsten belehren und euch eurer Bestimmung am schnellsten zuführen. Lasset Ihn aber ja nicht lange warten, weil Ihm sonst am Ende denn doch die Geduld ausgehen könnte, und das wäre dann wahrlich kein Spaß mehr für uns; verstehet das wohl, meine lieben Freunde!"

04 Treten ein paar Andere hinzu, und sagen: „Wir haben nur zu Hause, wie wir da den Lärm gehört haben, Alles in der Unordnung verlassen; die Unsrigen wußten nichts, wo wir hingekommen waren. Wenn wir nur einen Sprung noch nach Hause machen könnten, um den Unsrigen etwas davon zu sagen, sonst werden sie in großen Sorgen sein, und werden nicht wissen, ob wir in die Luft oder in's Wasser gekommen sind."

05 Sagt der Offizier: „Ihr Thoren! So ihr zu Gott dem HErrn kommen könnet, was kann euch wohl noch mächtiger am Herzen liegen? Euer ganzes Haus ist hier ja so nichts anderes, als eine eitel genug eingebildete nichtigste Chimäre. Die Wahrheit und Wirklichkeit fängt ja ohnehin erst hier an; alles Bisherige war ja sonst nichts als ein eitel nichtiger Traum! Wollt ihr also den Traum pflegen, und dafür die große heilige Wirklichkeit auf's Spiel setzen? Habt ihr denn nicht gelesen, wo es geschrieben steht: Wer zu der Zeit aus dem Hause ist, der kehre nicht zurück, seinen Rock zu holen; wer auf dem Dache ist, der steige nicht herab, u.s.w. Wenn Gott der HErr uns beruft, so müssen wir augenblicklich Alles verlassen können und Ihm folgen, sonst sind wir Seiner ewig nicht Werth. Versteht ihr dieses? Sehet, ich bin ein Offizier; wie oft habe ich mich in einer oder der andern Station, in der Meinung, da werde ich nun etwa ein paar Jahre verbleiben, ganz kavalierment eingerichtet, um mir da recht gütlich thun zu können; in sechs Tagen in der Nacht kam der Befehl: Binnen drei Stunden muß Alles marschfertig dastehen. Was habe ich machen wollen? Ich mußte, ohne auf einen Ersatz Rechnung machen zu dürfen, alles stante pede verlassen, und meine Füße nach der Trommel zu rühren anfangen; und was war am Ende der Grund von solch schneller Translozirung? Nichts als Laune eines Kriegsministeriums-Praktikanten oder Adjutanten. Und ich mußte mich zufriedenstellen.

06 Hier aber ruft Gott der HErr alles Lebens Selbst, und will uns für all' das Nichts, das wir je als etwas zu besitzen wähnten, Unaussprechliches für ewig geben. Ihr Thoren! Was könnet ihr wohl verlassen Gott zu liebe, das Er euch nicht tausendfältig wieder zu ersetzen im Stande wäre. Verstehet doch die Ordnung Gottes einmal; lasset ab von euren Thorheiten, und erkennet was falsch und was wahr ist. Lasset Liebe zu Gott in euer Herz! und kommet mir mit keiner Thorheit mehr, sondern folget mir zu Gott dem HErrn hin, sonst lasse ich euch stehen und sitzen in eurem Thale Josafat."

07 Sagt noch eine alte Dame, die ein Gebetbuch und einen Rosenkranz in der Hand hält: „Aber Sie, gnädiger Herr Offizier! Glauben Sie denn nicht, daß man unterwegs die 30 Schritte, zum wenigsten die heiligen Tagzeiten zu der allerseligsten Jungfrau Maria beten solle, oder zum wenigsten einen halben Rosenkranz vom bitteren Leiden?"

08 Sagt der Offizier: „O Gott! verleih' mir Geduld; jetzt kommt die alte Betschwester auch noch mit ihren Anständen!" (Zu der Alten:) „Möchten's nicht noch etwa auch beichten und kommuniziren früher? Wenn der wirkliche HErr und Gott da vor uns steht, werden wir doch hoffentlich keinen Gebackenen mehr brauchen! Schau, du alte Schlafhaube, ich bin nur ein bischen gescheidter als du, und mir kommt dein Antrag schon sehr dumm und fade vor; wie dumm und fade muß er erst vor unserem lieben und allerweisesten HErrn und Gott erscheinen?

09 Werfet von euch alle die Geist und Seele tödtenden Pfaffen-Instrumente, und gehet mit uns zu Dem hin, Der allein das Leben ist, und das Leben gibt aus Sich. Der wird es euch sagen, was ihr thun sollet. Glaubet ihr denn, der HErr habe eine Freude an solchen Dummheiten? Er hat mit den Thorheiten der blinden Menschen wohl alle mögliche Geduld und Nachsicht, aber von einer Freude und von einem Wohlgefallen kann da doch ewig keine Rede sein; denn in der Geduld, die eigentlich nichts als ein von der großen Liebe gesänfteter und unterdrückter Aerger ist, kann keine Freude stecken. Geduld kommt vom Dulden her, und Dulden heißt Leiden aus Liebe, so der göttlichen Weisheit die zweckwidrigsten und dümmsten Sachen vorgemacht werden, und daran kann Gott ewig kein Wohlgefallen haben. Ich habe es euch aber schon früher gesagt, daß ihr mir mit keinen Dummheiten mehr kommen sollet, sonst lasse ich euch stehen. Nun sage ich's euch zum letzten Male, wenn mir Jemand noch mit einer Dummheit kommt hier in diesem allerheiligsten und wichtigsten Momente für die Ewigkeit, der wird ohne weiters von dieser Gesellschaft ausgewiesen werden, und kann nach seiner Fantasiebehausung zurückkehren und sich für die ganze Ewigkeit Fantasie-Erdäpfel sieden und braten!"

10 Sagt die Alte: „No, no, no, bitt' um Verzeihung, Herr Offizier! Ich hab's ja nicht gewußt, daß das Beten gar so was Gefehltes wäre. Ich hab's in meiner Meinung ja nur gut gemeint; ich weiß das wohl auch, daß das Beten gerade nichts Angenehmes ist, und daß man damit keinem Menschen eine besondere Freude machen kann; aber eben deßwegen hab' ich gemeint, weil s'Beten was Unangenehmes ist, daß man sich selbst verläugnen solle, das Kreuz des Betens auf sich nehmen, und Christo dem HErrn nachfolgen; und die vermöglichen Stadtleut' haben sonst halt wohl kein anderes besonderes Kreuz gehabt, als das liebe Beten; und wenn wir halt das auch nicht getragen hätten, da hätten wir dann ja gar kein Verdienst vor Gott! Und wann wir halt das Wegerl dahin auch noch so ein Bissel von einem Kreuzerl getragen hätten, da hab' ich halt gemeint, hätten wir dann auch noch so ein kleines Verdiensterl dazu. Aber ich sehe jetzunder schon, daß der Herr Offizier die heiligen Sachen besser verstehen, als unsereins, und so thun wir denn auch das, was der Herr Offizier wollen!"

11 Sagt der Offizier: „Bleibet mir ewig mit dem „Herr" weg; denn nur Gott allein ist der HErr; wir Alle aber sind Brüder und Schwestern. O HErr! Wie entsetzlich dumm sind doch Deine Menschen geworden! Das Gebet, die über Alles entzückende Erhebung des Herzens zu Dir, heiliger Vater, den himmlischesten Akt des armen Menschen auf Erden wie hier in der Welt der Geister, halten sie für eine Art Bußkasteiung, für ein drückendes Kreuz. Ah, das ist denn doch etwas zu stark! Aber leider, ihre höchst geist- und sinnlose Art zu beten, wodurch der Geist nicht belebt, sondern nur getödtet wird, ist auch im Grunde bei Gott nichts Anderes. Die Leute urtheilen wenigstens über ihr Beten ganz richtig. Diese Menschen meinen es nach ihrem freilich höchst beschränkten Verständnisse nicht schlecht, und so muß man mit ihnen ja Geduld haben; aber so ein bischen aufrütteln muß man sie denn doch, sonst würden sie schimmelig vor Dummheit. HErr, habe Geduld mit der Dummheit der Armen! Schlecht sind sie gerade nicht, aber dumm wie die Nacht. Das solle aber nichts machen, denn sie lassen sich ja belehren, nur muß man oft wider Willen einen etwas festeren Rüttler über sie kommen lassen, dann lassen sie ihre Dummheit um desto eher fahren. Vielleicht kommen noch so ein paar alte Weiber her? Nun, ein bischen rütteln; nachher thut es sich schon wieder."

12 Kaum hat der Offizier diese Worte so mehr vor sich hin ausgesprochen, so kommt schon wieder eine andere Alte mit einem silbernen Reliquienkreuze zu ihm und sagt: „Verzeihen Sie eine Frage! Das Kreuz da, vom Papste selbst dreimal geweiht und angerührt, hat mir ein hochwürdigster Pater Quardian der Kapuziner gegen dem verehrt, daß ich eine Schuld für's Kloster, es waren blos so bei 600 Gulden C. M., bezahlt habe; und in diesem Kreuze sind blos nur Reliquien von Christo dem HErrn drinnen. Was meinen Sie denn, könnte ich etwa dieses mein theures Kleinod nicht Christo dem HErrn nun als eine Art Präsent vermachen?" - Der Offizier springt hier förmlich auf vor Aerger, und sagt: „Nur zu so in der Dicke! O Gott, o Gott! sind diese Menschen aber doch so unbegreiflich dumm, wie man sich's aber schon nicht noch dummer vorstellen kann!" (Zum Weibe:) „Macht's nur immerhin euer Präsentl! In Gottes Namen! Nur so fort in der Dicke!"

240. Kapitel: Weitere Frauen stellen mit ihren Lebensgeschichten und allerlei Anständen eine weitere Geduldsprobe für den Offizier dar. Begegnung Mathildes mit dem Offizier Peter. (Am 3. Sept. 1850)

01 Es kommt aber auch sogleich ein drittes Weibsbild zum Offizier hin und sagt: „Sie, Herr Offizier!" - Der Offizier: „Was gibt es noch in Gottes Namen?"

02 Spr. das Weibsbild weiter: „Sehen Sie, ich bin halt richtig gestorben auf der Welt in meinem 27. Lebensjahre, und zwar im Kindbett'; aber ich war nicht verheirathet, sondern war nur Köchin und Stubenmädl in einer Person bei einem Witwer, und stellen Sie sich vor, bei der Nacht hab' ich dann dem Witwer auch müssen ein Weib abgeben, und er hat mir immer gesagt, wenn ich ein Kind mit ihm bekäme, so thät' er mich hernach sogleich heirathen, aber der alte Kerl, schon bei den Sechzig, hat nichts mehr vermocht, er hat wohl alle Tag' bei der Nacht mit mir herumg'frett, daß es schon eine helle Schand' war, aber es war rein Alles umsonst. Ich hätt' aber den alten Schippel doch heirathen mögen, weil er viel Geld gehabt hat. Ich hab' aber auch einen andern festen Liebhaber gehabt, den ich noch nie d'rüber lassen habe, damit er von mir eine bessere Meinung haben soll; weil ich aber jetzt den Alten hab' heirathen wollen, so ist mir am G'schatz des Jungen nicht mehr so viel gelegen gewesen, und ich hab' ihm halt das gethan, was er lange schon gerne gehabt hätt'. Da bin ich denn hernach auch schwanger worden, und hab' dann die Schuld auf den Alten geschoben, damit er mich heirathen soll; aber bei der Geschicht' hab' ich mich selbst ganz abscheulich angeschmiert. Der alte Schippel hats auch richtig geglaubt, und hätt' mich auch geheirathet; aber da hat der liebe Herrgott uns Beiden einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich bin im Kindbett' gestorben, und der Alte hat sich nachher gewiß eine Andere genommen.

03 Wie ich aber in diese Geister-Welt gekommen bin, da hat mir sogleich eine Andere gesagt: „Du nimm dich zusammen, denn du bist gestorben auf der Welt, und von nun an wirst du ewig nimmer auf diese materielle Welt zurückgesetzt werden, auf der du bis jetzt über 26 Erdjahre lang in jeder Hinsicht schlecht genug gelebt hast. Fasse, daß du nun für alle Ewigkeit eine pure arme Seele bist, voll Sünden groß und klein! Was wirst du nun thun?" - Nach dieser schrecklichen Frag' bin ich ohnmächtig geworden, daß ich eine Weile nichts von mir selber gewußt habe, aber nach einer Weile ist mir die Besinnung schon wieder gekommen. Die schreckliche Person, die mir eine solche Nachricht gegeben hat, war unterdessen verschwunden, und ich hab' mich wieder ganz gut auf der Erd' und zwar in Wien, wie jetzt, befunden; nur das kam mir etwas spaßig vor, daß ich mein Quartier und meinen Dienstgeber noch bis zur Stunde nicht habe ausfindig machen können, wie auch meine Freundinnen nicht, mit denen ich doch immer den schönsten Umgang gehabt habe. Ich war bis jetzt so halb hin, halb her; ich weiß es, daß ich in der Geisterwelt bin, und doch weiß ich es wieder nicht! Denn Manches hat mich immer befremdet; Manches ist aber dagegen wieder ganz natürlich; jetzt aber, mein bester Herr Offizier, kommt erst das Wahre!"

04 Sagt der Offizier: „Was? noch nicht gar? No, so rede nur zu!" - Spricht sie: „Sehen Sie, mein bester Freund! Ich bin halt eine große Sünderin worden, und da hab' ich halt die Höll' verdient, und den Himmel verscherzt; denn ich hab' das Handwerk der schlechten Lieb' schon in meinem dreizehnten Jahr' ganz heimlich ang'fangen und gleich von Anfang mit einem Soldaten von der Artillerie; und das, wie oft ich allerlei Leut' in einem Jahr' nur hab' bei mir schlafen lassen, das ging schon ins Unglaubliche. Auf der Erd', wie ich also gestorben war, ist die Geschicht' halt gar so geschwind gegangen, daß ich nicht einmal mit den Sterbsakramenten habe können versehen werden. Hier in dieser Welt bin ich nun schon in allen Kirchen, die noch ganz die alten sind aus und inwendig, herumgerennt, und hab' beichten und kommuniziren wollen, aber da ist nirgends ein Geistlicher anzutreffen gewesen; blos Einen Hab' ich gefunden, und der hat aber dafür so viel Geld verlangt, daß ich es wahrlich in Ewigkeit nicht zusammen hätte bringen können; und so bin ich halt noch voller Sünden da, und trau' mir nicht zu unserem lieben Herrgott hin; ich hab' wohl schon oft die lebendigste Reu' und Leid erweckt, aber was hilft das, wenn man halt nicht gebeichtet und kommunizirt hat, und auch keine letzte Oelung hat kriegen können? O du mein Gott! o du mein Gott! was wird jetzt aus mir werden?

05 Das thut mich halt am meisten drucken, daß ich meinen guten Liebhaber, der es so gut mit mir gemeint hat, ganz hinterlistig hab' aufsitzen lassen wegen dem alten Schippel; dieser alte Esel aber hätt' mich so gewiß nicht geheiratet; denn dem war's nur um's umhergaulen zu thun. Schaun's, Herr Offizier! Ein arm's Madl ist und bleibt halt a dumm's Vieh bis an ihr letztes End'. Ich hätt's ja lang' schon mit Händen greifen können, daß mich der alte Schippel nie heirathen wird, und wenn ich auch schon zehn Kinder mit ihm gehabt hätt'; aber dennoch hab' ich müssen versuchen, den alten Saumagen d'ranzukriegen. O ich arme Seel', wer wird mir jetzt helfen? Wann aber nur unser lieber Herrgott solchen alten gewissenlosen Saukerl'n doch schon auf der Erd' a rechte Straf schickete, daß sie leiden müßten wie ein schäbiger Hund, weil sie sich gar kein Gewissen daraus machen, ein armes Mädel mit ihrem tausendmal verfluchten Geld unglücklich zu machen.

06 Hätte dieser alte Saumagen mich denn nicht also heirathen können, ohne daß er zuvor eine Todsünd' als Bedingung hat setzen müssen? Der hat recht wohl gewußt, daß er nichts mehr machen kann, d'rum hat er eine solche Bedingung gesetzt, aus der nie was hätt' daraus werden können, und er hätt' da schön sein Lebtag mit mir herumgäulen können. Wie ich nachher wirklich schwanger war, o da hat er schön sauber vom Heirathen kein Wort mehr gered't. Wenn ich ihn daran gemahnt hab', da hat er sich immer mit allerlei entschuldigt, wegen der Welt, wegen seiner Stellung, wegen seinen Verwandten, wegen seiner Tochter, die wo in Ungarn verheirathet war; und dann hätt' er einen Prozeß, den er noch eher gewinnen muß, was schon bei einer nächsten Tagsatzung hätt' ausgemacht werden sollen; aber diese nächste Tagsatzung ist halt immer überlegt worden, und so bin ich denn eher gestorben, als bis die erlog'ne Tagsatzung gekommen ist.

07 Ich sag' Ihnen, Herr Offizier, mich hat eigentlich so mehr die Gall' über diesen alten Lumpen umgebracht, als das Kindbett. Und glauben Sie, daß ihm etwa leid war um mich? O da sein Sie ruhig! Er hat nur eine große Freude d'ran g'habt, daß er meiner auf so eine unschuldige Art los worden ist. Na, ich bin noch so giftig auf diesen Schweinekerl, daß ich ihn quintelweis zerreißen könnt', wenn ich ihn nur so wo erwischen könnt'. Wann ich ihn so bei den Haaren packen könnt' und mit ihm in die Höll' fahren, ich machete mir aus der ganzen Höll' nichts draus."

08 Sagt der Offizier schon ganz halbsteif vor Ungeduld und zugleich auch vor Aerger über den Alten, der dieß Mäd'l so mißbraucht hat: „Ich bitte euch um Gott, des HErrn willen! Höret einmal auf! Daß es euch unrecht ergangen ist, das ist ganz klar, aber ganz unschuldig seid ihr denn bei dieser Geschichte doch auch nicht; für eueren schlechten Theil seid ihr bereits durch die gnädigste Zulassung Gottes gezüchtiget worden, und habet sonach die Folgen eures schlechten Antheils genossen, und ihm (dem Alten) wird der HErr auch nicht ein Haar schuldig bleiben. Daher sei du nur ruhig. Vergieb dem Alten von ganzem Herzen, und komme nun mit mir zu Gott dem HErrn hin; Er wird schon Alles wieder gut machen. Denn Er Selbst spricht ja: „Kommet Alle zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid; Ich werde euch Alle erquicken!" Aber Zorn dürfet ihr nicht haben in eueren Herzen, sondern Liebe sogar zu den größten Feinden, dann werdet auch ihr volle Liebe bei dem HErrn unserem Gott finden."

09 Sagt das Mädchen: „Ja, ja, Sie, Herr Offizier, sind wohl ein recht guter und gescheidter Herr! Mit Ihnen könnt' ein ehrlich's Mädl schon a rechte Freud' haben! Schaun's, es ist halt doch gut, daß ich mich vor Ihnen so recht ausgered't hab', denn jetzt ist mir viel leichter um's Herz, und ich hab' auf den dummen Alten auch gar keinen Zorn mehr. Unser liebe Herrgott wird schon wissen, was Er mit ihm thun wird. Ich bedank' mich recht gehorsamst für die schöne Lehr', die Sie mir gegeben haben." - Sagt der Offizier: „Ist schon gut, schon gut; sehen wir jetzt nur, daß wir zum HErrn kommen! So ihr Alle bereit seid, da gehen wir; denn ich stehe schon auf Nadeln vor Ungeduld!"

10 Es kommt aber noch eine vierte Alte hin zum Offizier, und sagt: „Monsieur! Je vous prie;" sagt der Offizier: „Nur deutsch, und kein Wort französisch mehr; denn wir sind nun in Wien und nicht in Paris!"

11 Sagt die Alte: „Ja, ja, Herr Offizier, es ist nur so meine Gewohnheit; denn ich kann weiter so kein Wort französisch mehr, und verstehe sogar von den vier Wörtern nicht alle. Wir haben einmal so eine französische Amme gehabt, und die hat immer diese Worte gesagt, und da habe ich es mir denn so gemerkt. Aber jetzt ist's schon gut von dem, und daher nun von etwas Anderem. Sehen Sie, Herr Offizier, wie ich noch auf der Welt war, da habe ich ein kleines Hündchen gehabt, und das habe ich denn wahrlich ganz förmlich geliebt, weil es ein gar so rares Thierl war, und hab' es im Winter sogar bei mir im Bette schlafen lassen, und hätte es mir nie im Traume einfallen lassen, daß so 'was eine Sünde sein solle. Aber da ist einmal ein Liguorianer zu mir gekommen, und hat das Hunderl im Bette liegend gefunden; na, hören Sie, da war's aus. Der Liguorianer hat darum über alle Maßen zu fulminieren angefangen, und ich hab' müssen das Hunderl gleich wegthun, beichten und kommunizieren, und zehn schwere Messen zahlen. Ich hab' das Alles wohl gethan, und habe meine Sünd' bereut, aber manchmal ist's mir denn doch um's Hunderl leid gewesen, und da meine ich denn, daß das eine Sünde wäre, und habe kein ruhiges Gewissen. Sagen's mir, was ich da thun solle, um ein ruhiges Gewissen zu bekommen."

12 Der Offizier springt hier völlig auf vor Ungeduld und sagt: „O HErr! Du hast wahrlich ganz kuriose Kostgänger; nein, das ist für einen ehrlichen Menschen auf einmal zu viel. Eine Hundskomödie ist schon da; am Ende kommt noch eine Katzenmusik auch zum Vorschein. Ich gehe, machet ihr alten Weiber, was ihr wollt. O du verzweifelte Hexengeschichte! jetzt macht die sich ein Gewissen daraus, daß es ihr um ein Hündchen leid war, trotzdem, daß sie gebeichtet und kommuniziert hat, und wenigsten eine gute halbe Million Rosenkränze heruntergeschnattert, denn die hat ein vollendetes Rosenkranzgesicht. O HErr! ich bitte Dich, lasse mich prügeln, aber nur kein Rosenkranzgesicht mehr; denn das ist für mich das Allerfurchtbarste. (Zum Weibe): „Gehet zum Plunder mit euerem Finnetterlgewissen, und werdet gescheidter, sonst muß man einen Ekel vor euch bekommen. - Jetzt gehen wir, sonst kommen wir richtig noch auf eine Katzengeschichte, denn da hinterher lugt schon wieder so eine Alte herüber auf mich. Die könnte sehr leicht so eine Katzbalgerei zuwege und zum Vorschein bringen. Wer mir folgen will, der folge mir; denn von nun an harre ich keine Sekunde mehr!"

13 Der Offizier macht sich nun auf den Weg, aber eine fünfte Alte vertritt ihm den Weg, und bittet nur sie noch gütigst anhören zu wollen; denn sie habe ihm 'was ganz Wichtiges anzuvertrauen.

241. Kapitel: Mathildes denkwürdige Lebensgeschichte interessiert den Offizier Peter. (Am 6. Sept. 1850)

01 Der Offizier bleibt stehen, und fragt sie hastig und geflissentlich noch ungeduldiger scheinend, als er im Grunde ungeduldig ist, was sie denn für ein sicher ebenso wichtiges Anliegen habe, wie es die früheren Viere gehabt haben.

02 Sagt die Alte: „Mein bester Herr Offizier! Das Leben auf der Welt war für mich stets eine Sache des größten Ernstes, und ich habe in meinem Hauswesen Gottlob alles also eingerichtet, daß da Alles, was sich nur immer in meinem Hause dienstlich befand, das Leben also in der besten Ordnung voll Ernstes nehmen mußte, wie ich es selbst genommen habe. Die Dienstleute murrten zwar, besonders Anfangs; aber wann sie sich einmal in die Ordnung so zu sagen hineingewöhnt und hineingelebt haben, dann konnten sie es sonst nirgends so leicht aushalten, als wie eben bei mir.

03 Viele Leute hielten mich zwar für eine Pedantin, wo nicht gar für eine Halbnärrin; aber das machte auf mich gar keinen Eindruck, und ich blieb bei meiner Ordnung nagelfest, und wich nicht um ein Haar breit davon ab; denn ich habe in meiner Jugend einen sehr weisen Lehrer gehabt, der die Fähigkeit hatte, sogar sich zu gewissen Zeiten in den Verkehr mit guten Geistern zu setzen, von denen er mir nicht selten Wunderdinge erzählet hat. Obwohl ich mich aber Anfangs vor solch unheimlichen Gästen meines Lehrers sehr gescheut habe, so wußte er mir aber nach und nach dennoch so viel Muth und Begeisterung für die Bewohner der reinen Lichtsfären einzuflößen, und schilderte mir ihre Schönheit, Anmuth und Grazie derart anziehend, daß ich bald alle Furcht vor den Geistern verlor, und in mir eine große Sehnsucht rege wurde, selbst mit den Bewohnern der Lichtsfären Gottes konversiren zu können.

04 Mein Lehrer war zwar ein Mann in die 40 von Jahren, aber wohlgestaltet, ward mir aber auch derart zu einem Bedürfnisse, daß ich ohne ihn mir das Leben für rein unmöglich vorzustellen begann, obschon ich damals erst 14 Frühlinge zählte. Für die eigentliche Welt taugte ich zwar durchaus nicht, was mir meine ziemlich weltlich gesinnten Eltern von Tag zu Tag mehr auszustellen begannen; aber das war mir gleichgiltig, denn ich fand ja in jedem Worte meines heißgeliebten Lehrers aus seinem schönen Munde den tausendfachen Ersatz für jeden eitlen Verlust der Welt, die mir gegen das, was mir mein Lehrer bot, so trocken und leer vorkam, als wie ein altes Faß, in dem über hundert Jahre kein Tropfen Wein mehr existirt hat.

05 Wie aber auf der bösen Welt alles Erhabene, Wahre, Große und Edle angefeindet wird, und am Ende sogar wo möglich gekreuzigt und getödtet, so erging es denn auch nur zu bald mir und meinem, ich könnte sagen, beinahe heiligen Lehrer. Meine sonst guten Eltern, freilich mehr von ihren superklugen Freunden aufgehetzt, fingen an, bedeutenden Verdacht zu schöpfen, als würde sich zwischen mir und meinem Lehrer eine feste Liebe zu entfalten beginnen, beriefen heimlich, daß ich es nicht merken und hören solle, den guten Lehrer auf ihr Zimmer, und hielten ihm die Sache ganz ernstlich vor, was ich in einem Nebenzimmer aufmerksamst und ängstlichst lauschend genau vernahm.

06 Der Vater, ein ziemlich barscher Mann, sagte: »Mein Freund! Sie sind zwar ein äußerst und wahrlich seltner geschickter Mann, wohlunterrichtet in allen möglichen Künsten und Wissenschaften; aber eine scheint Ihnen zu mangeln, und das ist die Kenntniß der Welt und dessen, was sie von uns Menschen von einem gewissen Stande zu fordern sogar berechtigt ist. Sie machen aus unserem schönen und guten Kinde zwar wohl eine ganz förmliche Gelehrte, aber leider in einer Art, wie sie für die hohe Welt, der wir angehören, am allerwenigsten taugt. Das Mädchen schwärmt nun schon wie eine Safo in Gott weiß was für Regionen herum, und stellt uns tausend Dinge aus, die sie des unsterblichen Menschen für unwürdig findet. Ja, sie lacht uns manchmal sogar aus, besonders so wir von den vor aller Welt anerkannten historischen Vorzügen des Adels sprechen. Mein Freund! so Sie unserem Kinde solche Ideen beibringen, da können wir Sie in keinem Falle mehr brauchen. -

07 Und zudem sind wir noch hinter ein anderes Geheimniß gekommen, was uns Anfangs zwar unmöglich geschienen, da Sie ein Mann von etlichen 40 Jahren sind, und unsere Tochter erst ein Mädchen von 14 1/4 Jahren ist, und schön und reizend wie ein Engel. Aber festere und anhaltende Beobachtungen haben dieß Räthsel in ein völlig klares Licht gestellt, und zwar derart, daß das arme von Ihnen im buchstäblichen Sinne verführte Mädchen in Sie mehr verliebt ist, als Sie in das Mädchen; denn Sie verstehen es mehr aus alter Erfahrung, Ihre Liebe zu maskiren, und es scheint daher, daß Sie in das Mädchen weniger verliebt sind, als das Mädchen in Sie; aber das entschuldigt Sie vor uns nicht, denn Sie müssen dem Kinde ganz kurios das Köpfchen verrückt zu machen gewußt haben, daß es nun blos nur nach Ihnen seufzet, und ohne Sie ihm die Welt zu einer Null wird.

08 Sie werden also einsehen, daß wir unter solchen nur zu klaren Umständen das Mädchen nicht mehr unter Ihrer Leitung belassen können, sondern es andern Händen anvertrauen müssen, so wir das Mädchen in kurzer Zeit nicht zu einer barsten Närrin gemacht sehen wollen. Verlassen Sie daher heute noch unser Haus, und empfangen Sie hier die Remuneration für Ihre wahrlich nicht nach unserem Sinne angewandte Mühe an unserem Kinde. Hüten Sie sich aber, irgend auf Schleichwegen unserem Kinde sich zu nahen, denn eine solche Keckheit könnte Ihnen theuer zu stehen kommen; für das Bisherige aber sei Ihnen hiermit volle Amnestie gewährt. Hier ist Ihr Geld, und somit Gott befohlen!«

09 So ward mein Engel in meinem elterlichen Hause abgefertigt; der göttliche Mann, von dem ein Hauch seines Mundes bei weitem mehr wog in der Schule der göttlichen Wahrheit und Gerechtigkeit, als tausend Weltgecken, die bei meinen leider hochadeligen Eltern aus und ein liefen, wie die Schmarotzerfliegen, wurde also, wie eine feile Dirne vom Tanze, aus meinem elterlichen Hause gejagt, und ich Arme bekam dann Lehrer und Meister, vor denen mir stets mehr eckelte und graute, je mehr ich sie nur zu bald kennen lernte!" -

10 Spr. der Offizier: „Sagen Sie mir, l. Frau, hat denn Ihr Lehrer die Geschichte wohl so mir und dir nichts hingenommen? Erzählen Sie mir das umständlich, denn Ihre Sache fängt an mich bedeutend zu interessiren."

11 Sagt die Frau: „Mein hochschätzenswerthester Freund! Was hätte der Edelste wohl darauf sagen sollen? Er wußte ja nur zu gut, wie viel mit Aristokraten, besonders in solchen Dingen, zu reden ist. Das Einzige, was ich mit dem gebrochensten Herzen vernehmen konnte, war, daß er sich für alles Gute, das er in diesem Hause genossen habe, weinend bedankt hat, und am Ende hinzufügte: „Gnädigste Eltern des besten und edelsten Kindes! Ich habe es euch ja gleich Anfangs gesagt, daß ich mit meinen der Welt leider völlig fremden Grundsätzen und Lehrmaximen für euch schwerlich taugen werde; ich habe euer Haus, Gott weiß es, nie gesucht. Ihr habet mich durch allerlei glänzende Versprechungen, und als diese bei mir kein Gehör fanden, durch andere meinem Gemüthe mehr zusagende Vortheile für euch, so zu sagen um jeden Preis zu gewinnen gesucht, und habet mich denn auch gewonnen. Als ich dann mit Sack und Pack in euer Haus kam, legte ich euch als ein ehrlicher Mann meine Erziehungsmaximen sonnenklar vor euere Augen, und ihr waret, bis zu Thränen gerührt, damit zufrieden, und sagtet dann, mich an euer Herz drückend: „Freund! wir sind reich und haben Güter; Sie sind bei uns für Ihr ganzes Leben versorgt.

12 Allein ich lebte nun kaum nur drei Jahre in Ihrem Hause, und habe meinen Grundsätzen und Maximen als Mensch und Lehrer vor Gott und der Welt nach meinem durch nichts befleckten Gewissen derart getreuest gehandelt, daß ich davon aber auch nicht um ein Haar groß etwas wegnahm, noch hinzufügte; denn Wahrheit gibt es nur Eine, die weder einen Zusatz, noch eine Wegnahme duldet; und nun werde ich unter einer gewiß höchst unliebsamen, weil höchst ungerechten Anschuldigung aus diesem Hause, das mir ein volles Jahr nachrannte, hinausversorgt. - Allein das macht mir nichts; denn ungerecht dulden und leiden war in der Welt ja stets der Gerechten und Reinen Loos. Und ich freue mich deshalb; denn das gibt mir ja wieder einen neuen Beweis, daß mich Christus der HErr, in Dem ich lebe und sterbe, für einen Seiner Jünger als würdig befunden hat. Er, der HErr der Unendlichkeit, hat ja Selbst den Lohn des schwärzesten Undankes von den Menschen geärntet, und Er vergab es ihnen, weil Er wohl wußte, daß sie nicht wußten, was sie thaten. Warum solle ich, ein sündiger Mensch, es auch für übel nehmen, so ihr an mir nun eine Handlung begehet, die mir auf der Welt zwar zum offenbaren Nachtheile gereicht; aber ich, der ich nie den Vortheilen der Welt nachgejagt habe, sondern allein denen, die mir mein Gott und mein Erlöser gezeigt hat, verschmerze das leicht, was ich ohnehin nie gesucht habe, und auch künftighin nie suchen werde.

13 Daß Sie mir Ihr Haus verbieten, schmerzt mich wohl am meisten; denn ich habe mir an Ihrer Tochter eine wahre Freundin des inneren Lebens in Christo dem HErrn erzogen, ein Etwas, das in der gegenwärtigen Welt schwer irgendwo mehr zu bewerkstelligen ist. Aber auch das macht nichts; denn wer immer um des HErrn willen etwas verliert, wird es zu seiner Zeit tausendfach wiedernehmen können.

14 Dieß armselige Geld aber, auf das Ihr einen besonderen Werth leget, behaltet, und thuet damit, was Ihr wollet; denn das, was ich durch die Gnade Gottes eurer Tochter gab, ist mehr werth, als eine ganze Welt voll Goldes! Ihr kennet zwar den Werth nicht; aber eure liebste Tochter kennt ihn; und so wahr ein Gott lebt, so sie auch alle Schätze dieser Welt verlöre, die ohnehin eine eitle Chimäre sind, so wird sie mit dem Schatze des Geistes, den sie von mir empfing, glücklicher sein als ein Krösus, der sich durch seine unermeßlichen Schätze goldene Paläste bauen konnte! - - O Menschen, o Menschen! Wie blind und schwach seid ihr doch! Die Sonne glänzt euch zu mächtig, und wärmet zu sehr das Feld der Gottessaat, darum sehnet ihr euch nach den Irrlichtern der Nacht, denn diese blenden und wärmen nicht. - Leben Sie wohl; vielleicht sehen wir uns in der anderen Welt wieder!"

15 Der Vater, etwas ungehalten über diese rein himmlischen Worte meines göttlichen Lehrers, nahm das Geld, was ich aus dem Geklinge rückgefallener Münzen wahrnahm, und wollte es mit Gewalt dem guten Lehrer aufdringen, dieser aber wies es zu meiner Freude entschieden zurück, und ging zur Thüre hinaus, das Haus für immer verlassend. So war die Endgeschichte mit meinem Lehrer, den ich dann leider nie wieder zu Gesichte bekam.

16 Wie ich aber schon früher bemerkt habe, so waren meine nachherigen Lehrer und Meister wirklich so dumm, so aufgebläht, und dabei aber auch so höchst interessirt, daß es wahrlich eine allerbarste Schande war. Sie bewegten sich so gefühllos wie eine Maschine, und ich doch ein Mädchen von der zartesten und weichsten Art machte auf sie gerade so viel Eindruck, als wie eine Erbse an eine Marmorwand geworfen in den harten Marmor. Ich war ihnen blos ein Mittel, durch das sie recht viel Geld erwarben und sonst nichts. - Aber ich lernte auch darnach zur leidigen Galle meiner blinden Eltern. Aber dafür strebte ich, je älter ich wurde, desto inniger allen jenen Grundsätzen nach, um sie in mir zu verwirklichen, die mir mein himmlischer Lehrer und Meister auf eine wahrhaft allezeit himmlische Weise beigebracht hat; denn seine Lehrstunden waren für mich ein wahres Sein in dem Paradiese Gottes. -

17 In meiner späteren Zeit, wo ich leider schon Witwe geworden bin, habe ich in die Erfahrung gebracht, daß dieser mein göttlicher Lehrer durch eine besondere Verwendung als Offizier zum Generalkommando gekommen ist, und von da zur Armee als Hauptmann; wohin aber, und ob er noch lebe, konnte ich nicht mehr erfahren. Er hätte damals kaum etliche und 60 Jahre alt sein können; denn ich habe mit meinem achtzehnten Jahre leider heirathen müssen, und ward aber auch in meinem 35. Jahre eine Witwe. O hätte ich da meinen Lehrer irgendwo finden können! Wie glücklich wäre ich dann geworden! Aber Gott der HErr ließ es nicht zu; ich blieb hernach unverheirathet mit einer Tochter, die so ziemlich in Allem mein Ebenbild war, bis an mein irdisches Lebensende. Vor ein paar Jahren habe ich, das Zeitliche verlassend, diese ewige Welt betreten, und erkundigte mich hier überall nach meinem Lehrer, ob er möglicherweise auch schon da wäre; konnte aber leider bisher noch keine Silbe von ihm erfahren. Er hieß Peter und abermals Peter. Ob er noch irgend einen anderen Namen hatte, konnte ich nie von ihm erfahren, auch meine Eltem nicht. Die einzige Sonderbarkeit, die dieser Lehrer der Lehrer besaß. - Nun hier in der Geisterwelt, so es möglich wäre, möchte ich denn doch von diesem Lehrer etwas erfahren. Sie sind ein so weiser Mann, ganz wie mein Peter Peter; vielleicht könnten Sie mir von ihm eine Auskunft geben. O wenn ich nur mit diesem edelsten Geiste noch einmal zusammenkäme!" -

18 Der Offizier wendet sich nun ein wenig ab von dem Weibe, und sagt staunend zu sich selbst: „Wäre es denn möglich?! Dieß gar armselig aussehende Weibsbild solle jene einst auf der Welt so herrliche Mathilde sein?! Die beinahe himmlische Tochter eines bornirtesten reichen Erzaristokraten, ein so gutes und edles, geistvolles Kind, wie es in Wien sicher kein zweites gegeben hat? Und hier in einem so miserablen Zustande!? - O Gott, du bester Vater aller Menschen und Engel! Was hat denn dieser Engel verbrochen, daß er hier gar so armseligst ankommen mußte?! Die Stimme und das Benehmen sind noch so ziemlich erkenntlich; aber die Gestalt! Was wären da die sieben mageren Kühe vom Traume Pharaos gegen diese entsetzliche Magerkeit? O das wären gemästete Ochsen dagegen! O du arme Mathilde! der HErr möge dir gnädig und barmherzig sein! Wahrscheinlich wird ihre für sie sicher allerungünstigste Ehe sie dahin gebracht haben. Aerger, Unmuth über nichtigste aristokratische Dummheiten, die unheilbar sind, eine unsanfte Behandlung, Untreue und Rohheit von Seite ihres Gemahles mögen zu solch einer Abmagerung ihrer sonst so schönen Seele wohl das meiste beigetragen haben. Nun, bei Gott sind ja alle Dinge möglich. Sie gehört ja nun auch zu den vom HErrn Berufenen; Er wird sie schon wieder zurechte bringen.

19 So aber hier auch so ganz eigentlich „himmlische Ehen" statthaben sollen, so werde ich sie auf jeden Fall vom HErrn Selbst zum Weibe erbitten, und solle sich auch ihre Gestalt um gar nichts ändern, denn ihr Geist ist noch ganz so voll hoher Ideen, als er war zu den Zeiten, als sie meine Schülerin war. Ah, das war wahrlich wahr eine herrliche Zeit! Damals konversirte ich mit Geistern aus den Himmeln; ja mit Engeln führte ich Zwiesprache. Damals war sie ein Engel mit; denn die Lehre der Engel strahlte erst dann ganz himmlisch, wenn ich sie in ihre unvergleichlich schöne Seele legte. O was war das für ein herrliches Strahlen und Wiederstrahlen des Lichtes aus den Himmeln! Da empfand ich in solch seligen Momenten so ganz, was ein Engel empfinden kann, wenn er vom süßen Geschäfte der Liebe müde hinsinkt an des allmächtigen Vaters heilige Brust, um sich da neue Kräfte und neue ungeahnte Seligkeiten zu holen. O heilige Momente des Erdenwallens! Die Himmel Gottes müssen zwar von unnennbarer Schönheit sein; aber auch die Erde Gottes ist schön für Den, der in seinem Herzen ohne falsch ist, der seinen Gott erkennt, und Ihn aus allen seinen Kräften wahrhaft liebt. O Mathilde! Was warst du auf der Erde? Eine Sonne unter den holdesten Wesen deines Geschlechtes. Und was bist du nun? Nichts als ein erbärmlichster Schatten einer dürren Distelstaude, vom Halblichte des letzten Mondviertels beschienen. O HErr! o HErr! Wesen, die nach einem Jahrhunderte dem Grabe entsteigen, könnten doch unmöglich elender aussehen."

20 Nach diesen Worten kehrt er sich wieder zur Mathilde, und sagt laut (Offizier): „Ich habe jetzt nachgedacht über dein Anliegen, und bin dem gewissen Manne im Ernste auf die Spur gekommen; er ist auch schon hier, und wir werden ihn sicher finden, nur mußt du M- (leise zu sich: hätte mich bald verschnappt) dir eine recht große Portion Geduld aneignen, und Alles, was nur immer nach einer Leidenschaft riecht, rein aus dir verbannen. Alles aber, was Liebe heißt, mußt du dem HErrn zuwenden, und den Peter Peter ganz Peter Peter sein lassen; so wird dann schon der HErr dafür sorgen, daß du ganz glücklich wirst; denn siehe, bei Gott sind ja alle Dinge möglich. Du hast einst Gott gefürchtet, und das war gut; denn Gottesfurcht ist die erste Stufe zur Weisheit. Nun mußt du aber Gott lieben - über Alles, und das wird dir geben die höchste Seligkeit und eine himmlische Schönheit für ewig!"

242. Kapitel: Mathildes Lebensgeschichte traurigster Art. Ihre herbe Seelenführung. (Am 6. Sept. 1850)

01 Spricht die Mathilde, so wie in sich, etwas abgewendet vom Offizier: »Bei Gott sind alle Dinge möglich!« Das war sein Wahlspruch! Dann der herrliche Satz: »Gottesfurcht ist die erste Stufe zur Weisheit. Gott über alles lieben aber ist der Weisheit Vollendung und somit die höchste Seligkeit!« ist ja wieder ganz der meines Lehrers. Er sieht ihm auch so ziemlich ähnlich; nur etwas zu jung kommt er mir vor, sonst wäre alles ganz frappant übereinstimmend. So mag er ausgesehen haben, als er etliche und zwanzig Jahre alt war. Ich möchte schon alles darauf setzen, daß er es ist; aber nur stille, mein armes Herz! Du darfst ihn ja nicht merken lassen, als ahntest du, daß er es ist; befolge aber seine göttliche Lehre, und du wirst sie dann sicher ärnten - die goldene Frucht, die aus den vom himmlischen Lichte umstrahlten Aesten solcher Lehre, so sie befolgt wird, reichlichst hervorknospet. Ach Gott, ach Gott! Das kann nur er sein, nur in seinem engelreinsten Herzen können solche Lehren gleich den hellsten Sternen der Himmel Gottes emporkeimen, und in seines Geistes Gotteslichte und Lebenswärme schnell heranreifen zur gesegnetesten That, zur heiligen Gottähnlichkeit."

02 Der Offizier sagt bei sich, da er diese Worte in sich auch vernimmt: „O welch ein herrlicher Geist in dieser aber gar so entsetzlichen Seele! Wenn ich aber nur erfahren könnte, wo es denn bei der stecken muß! Wie kann ein solch herrlicher Geist voll Liebe, Wahrheit und Demuth seine Seele denn gar so entsetzlich vernachlässiget haben? Man sollte ja doch der Meinung sein, daß vor Gott dem HErrn ein reines Herz, ein Herz voll Liebe, Wahrheit, Duldsamkeit und Demuth schon die vollste Vollendung der Seele zur Folge haben müßte, aber wie Figura zeigt, ist es hier durchaus nicht der Fall; sonderbar, sonderbar! Es muß mit ihr in der späteren Zeit, die mir nicht mehr bekannt ist, etwas vorgefallen sein, sonst könnte ich mir die Sache unmöglich erklären. Nein, wenn ich so zurückdenke, wie dieß Wesen zwar freilich noch in ihrem Fleische als Mädchen doch gar so strotzend üppig war! Kurz, sie hätte jedem Maler, dem eine Aufgabe würde - die reizendste Schönheit in der blühendsten Fülle der Gesundheit zu malen, als ein bestes Modell dienen können, und jedem Engel als Gesellschafterin; und nun hier, o Gott, o Gott, ist sie ein Bild des größten Elends und der größten Noth! - Dürftigste Lumpen bedecken ihre Skeletform, kaum hinreichend ihre Scham zu verbergen. Mein Gott, mein Gott, sei doch diesem armen Wesen gnädig und barmherzig!"

03 Nach diesen Worten wendet er sich wieder ganz freundlich zur Mathilde, und sagt (Offizier): „Höre, du meine liebe Freundin! Möchtest du mir denn nicht so im Vertrauen sagen, wie es denn doch etwa kommen konnte, daß du gar so in deiner Seele, wie man sagt, ganz rein auf den Hund gekommen bist? Denn ich erinnere mich, dich in der Blüthe deiner irdischen Jahre hier in Wien irgendwo gesehen zu haben; da warest du ja ein Muster weiblicher Fülle und Ueppigkeit, und Alles war glücklich, dich nur von Ferne ansehen zu dürfen; und nun? Kurz, da ist gar nichts zu reden; ich mache dich nur traurig, ja über die Maßen traurig, so ich dich daran erinnere. Also, so es dich nicht etwa zu sehr schenirt, da gib mir den Grund an, wie und warum du gar so herabgekommen bist in deiner Seele bei einem so herrlichen Geiste."

04 Sagt die Mathilde: „Edler Freund, der du mit mir viel Mitleid zu haben scheinst, ich habe hier wohl keinen Grund mehr, mich irgendwie beschönigen zu wollen, denn das Elend ist der Tod der Schamhaftigkeit schon an und für sich, und hier in der Geisterwelt gar, wo einem von den Dächern verkündet wird, wie man auf der Erde im Fleische gelebt hat. Es ist wahr, daß mein Geist gewiß zu denjenigen gehört und gehört hat, die wahrlich der schlechtesten Gattung nicht angehören: aber diesem Geiste ward leider eine zu üppige Fleischmasse gegeben, die, je ausgebildeter sie wurde, auch desto sinnlich begehrender ward. - Mein Stand erlaubte es aber nicht, mein Fleisch auf jene natürliche Weise zu befriedigen, auf welche Weise tausend gemeine und feile Dirnen dem Begehren ihres Fleisches zu Hilfe kommen. Ich war theils durch einen verderblichen Umgang mit Mädchen meines Standes, Wesen, die schon frühzeitig die schlechte Pariserschule müssen durchgemacht haben, und theils durch meine sehr gail gewordene Natur auf Mittel gekommen, mich künstlich zu befriedigen. Das schadete aber meiner Natur derart, daß ich in kurzer Zeit darauf die sogenannte Bleichsucht über alle Maßen bekam. Die Eltern wußten sich nicht zu helfen, noch zu rathen. Ein Arzt um den andern ward geholt und gefragt; da regnete es Rezepte und Medizinen, durch die meine Natur noch aufgeregter ward, als sonst, und ich desto anhaltender mit der künstlichen Selbstbefriedigung, deren ich mich heimlich bedienen mußte, um nicht zu verzweifeln.

05 So wahr ich lebe, zweimal war ich daran, mir das Leben zu nehmen! Schon in meinem 17. Jahre hat mein Fleisch einen solchen Grad der Gailheit erreicht, daß ich mir aus purster Geilheit mit einer unbeschreiblichen Wollust hätte mögen selbst ein Stück Fleisch um das andere vom Leibe schneiden. Wenn ich mir dann und wann mit einer Hundspeitsche auf die nackte Haut nur einige Schläge, die mich zwar sehr schmerzten, habe versetzen können, so geschah mir sogleich leichter. Kurz, wenn ich nicht nach dem Rathe eines vernünftigen Arztes noch im selben Jahre geheirathet hätte, so wäre ich im nächsten Jahre darauf sicher als eine verstümmelte Leiche irgendwo aufgefunden worden. Es ist merkwürdig!

06 Mein Geist blieb dabei stets hell und voll der besten Vorsätze, aber sie waren leider zu ohnmächtig, um den Stürmen des Fleisches Widerstand zu leisten, wann dieselben zu toben und zu wüthen begannen. Ich weinte oft wie ein Kind im Geheimen über meine Unnatur; aber das half alles nichts; es mußte ein Mann mir werden, sonst gab es keine Ruh' und keine Rast in meinem Fleische. - Wie schon gesagt, ich bekam zum Glücke meines Fleisches einen sehr sinnlichen Mann; der heilte zwar mein Fleisch mit dem, daß er mich im ersten Jahre schwängerte, und somit aus meinem entarteten Fleische die letzte doch noch übrig gebliebene Frucht sich holte, und in kurzer Zeit darauf den Tod.

07 Ich ward darauf zwar nüchternen Fleisches, und bekam auch wieder ein recht gutes Aussehen, aber in meiner Seele gewahrte ich dennoch fort und fort ein gewisses ganz unbehagliches Siechen, das sich durch eine gewisse Unlust zu allem Schönen, Guten und Wahren nur zu fühlbar aussprach. - Ich besuchte Gesellschaften, Theater, Konzerte, reiste im Sommer von einem Bade zum andern, versammelte im Winter um mich einen Kreis von den geistreichsten Damen und Männern; aber es war umsonst, meiner Seele Zehrfieber war nimmer zu verscheuchen.

08 Nur der geheime Gedanke an meinen einstigen Lehrer vermochte allein meine Seele auf Augenblicke in eine bessere Stimmung zu bringen, aber leider nur auf Augenblicke, die sehr jenen wärmlichen sonnigen Mittagsstunden des Novembers glichen, auf die nur zu bald Frost und Kälte und der starre Winter folgen. Mein Geist war wohl der gleiche, voll des besten Willens, aber das Fleisch der Seele ist ganz impertinent schwach geworden, und ich konnte mich trotz des besten Willens nicht mehr erholen, weder auf der Erde, und noch weniger diesseits in der Geisterwelt, die zwar bis jetzt der Naturwelt so gleich gesehen hat, wie beinahe ein Auge dem andern, aber nichts weniger als eine Naturwelt ist, weil es denn doch nebst dem, daß die Formen ihr Aussehen behalten, recht viele und manchmal nur zu handgreifliche Unterschiede gibt zwischen den Erscheinungen dieser und zwischen jenen der früheren Naturwelt.

09 Nun wissen Sie alles, und ich meine, Sie werden nun leicht den Grund einsehen, warum ich zu dieser elenden Gestalt gekommen bin. Wäre mein Lehrer nie von meiner Seite gekommen, da stünde es um mich nun sicher anders; aber Gott dem HErrn gefiel es wahrscheinlich nicht, einen Engel in einem Hause des Hochmuthes und des Stolzes fallen zu lassen; daher nahm Er dem Hause den Schutzengel, und das Haus verfiel darauf bald in allerlei Laster der Großen und der Thoren, und ich, dessen einzige Tochter mit. - Ich bin zwar nun da, so elend als möglich; wo aber etwa meine Eltern sich befinden, und wie es ihnen etwa ergeht, und auch meinem Gemahle, das wird der Vater im Himmel sicher besser wissen, denn ich arme, elende Seele. Ich wünsche zwar Allen ein besseres Sein, als wie da ist das meinige; aber leider, mein Gefühl sagt es mir, wird es ihnen wohl kaum besser ergehen, denn mir. Wenn sie nur samt und sämtlich nicht irgend ganz und gar verloren sind!"

10 Sagt der Offizier: „Meine Liebste! Da hat es mit dir leider eine schlimme Bewandtniß gehabt, aber verzweifle deshalb nicht, sondern gehe nun sogleich mit mir zum HErrn hin, Der hier ist, um Allen zu helfen, die Seinen Namen anrufen, und sich an Ihn wenden. Folge mir aber ohne Furcht und Scheu, denn Niemand kann dir helfen, als Gott der HErr allein; denn nur bei Ihm sind alle Dinge möglich; darum also folge mir."

11 Der Offizier eilt nun mit der Mathilde schnell zu Mir hin, und sagt: „HErr, Du allerheiligster bester Vater! Ich brauche Dir sicher nicht kundzuthun, was diesem Wesen fehlt; denn Du, Dem alle Dinge, Sachen und Verhältnisse schon von Ewigkeit her bekannt sind, weißt es am besten. Ich kann darum auch hier nichts anderes thun, als Dich, o HErr, kniefälligst mit dem theilnehmendsten Herzen bitten, daß Du diesem Wesen, diesem armen Weibe gnädig und barmherzig sein wollest. Dein heiligster Vaterwille geschehe!"

12 Sage Ich: „Weib, was willst du denn, daß Ich dir thun solle? Rede!" - Sagt die Mathilde: „HErr! Du allmächtiger ewiger Gott, Schöpfer aller Kreatur, und heiligster Vater aller Menschen und Engel! Du siehst hier eine große geheime Sünderin vor Dir. Du wirst am besten wissen, welche Geister, ja welche Teufel mein Fleisch und mit diesem auch die Seele so übel zugerichtet haben. Ich war es nicht; denn mein Wille war nach meiner reinen Erkenntniß stets dagegen, und ich warnte jeden Menschen vor dem großen Uebel der Selbstbefriedigung; und doch war aber ich gerade wie ausersehen für dieß fürchterliche Uebel; ich - im Geiste die größte Feindin davon - mußte dem Drachen des Fleisches geradewegs zum Opfer werden.

13 O HErr, das ist hart; das ist sehr hart! Wer pflanzte denn solch einen verderblichen Stachel in mein Fleisch? Ich selbst unmöglich! Ich war ja nur das höchst leidige Opfer dieses Stachels. Ich ward getrieben, wie mit glühenden Ruthen, und gerade wann ich mir oft die ernstesten Vorsätze gemacht habe, dieß Uebel um Deines heiligsten Namens willen nicht mehr zu begehen, da erst erwachte bald die Gier des Fleisches mit zehnfacher Heftigkeit, und ich unterlag dem Drange ärger denn irgend ein früheres Mal. Nach solch satanisch stummer Befriedigung kam dann freilich allezeit die Reue, diese höchst stiefmütterliche Elegie armer unglücklicher Herzen, über mich, und zerfleischte jede Regung in mir, die mein Innerstes auch nur mit dem leisesten Strahle einer besseren Hoffnung hätte emporrichten können. O HErr, o heiliger Vater! Warum, warum mußte denn gerade ich gar so unglücklich werden? (Es ist doch viel Eigenliebe noch da.)

14 Ich war ja doch bis in mein beinahe 16. Jahr eine so reine Unschuld, wie es deren wenige geben dürfte. Warum mußte ich meinen wahren Schutzgeist von einem Lehrer verlieren? Warum durfte denn der Satan gerade gegen den Mann, der ein Engel war, in der aristokratischen Brust meiner blinden Eltern Verdacht und Haß erregen, und hernach an des Engels Statt und Stelle mir Geister aus der Hölle zu Lehrern geben? O Gott, o Gott, Du Barmherziger! Warum mußte denn ich so unglücklich sein und noch mehr werden zeitlich, und vielleicht auch ewig?"

15 Rede Ich: „Ja, Meine liebe Tochter! Wie es mit dir steht, und wie es mit dir gestanden ist, das habe Ich wohl gar lange schon gewußt, und wie und warum und wodurch auch. Ich fragte dich also nicht darum, sondern nur: „Was willst du, daß Ich dir thun solle; und siehe, auf diese Frage hast du Mir noch keine Antwort gegeben. Das also, Meine Liebe, rede zuvor; hernach wird sich in der Ewigkeit noch Zeit genug finden, wo du über alle deine irdischen Lebenserscheinungen in's Klare kommen wirst." - Sagt die Mathilde: „O HErr, Du heiligster Vater! Du siehst es ja am besten, wo es mir fehlt. So es Dein heiligster Wille ist, so hilf mir da, wo es mir fehlt; denn nur Dir allein, o heiligster Vater, sind alle Dinge möglich!"

16 Rede Ich: „Aber, glaubst du es wohl, daß Ich eben der so ganz eigentlich wahre, ewige Gott, Schöpfer und Vater bin, bei Dem alle Dinge möglich sind? Denn siehe, Ich bin ja nur ein Mensch, wie du deren hier Viele sichst; wie kann denn ein Mensch Gott sein, oder ist denn Gott auch nur ein Mensch?!"

17 Sagt die Mathilde: „Du bist Christus, genannt Jesus, der Heiland der Menschen, und jedes Wort aus Deinem Munde hat das Leben in sich, und dem Du Dein Wort gibst, der hat von Dir auch das ewige Leben empfangen; denn Deine Worte sind nicht wie die Worte eines Menschen, die da todt sind, und kein Leben haben. So aber Deine Worte das Leben in sich tragen, und Jedem, der sie aufnimmt, das ewige Leben geben, wie sollest Du hernach nicht Derjenige sein, Dem alle Engel, Sonnen und Welten als ihren alleinig wahren, ewigen, heiligen Vater, Gott, Schöpfer und Richter im Staube ihrer Nichtigkeit anbeten?! Denn ihr Sein bist ja nur Du durch Dein allmächtiges Wort!

18 Als Du, o HErr und Vater, auf der Erde den Weg des Fleisches aus Deiner unendlichen Machtvollkommenheit, Weisheit und Liebe durchmachtest, da sagtest Du eben als auch nur ein Mensch: „Wer Mich sieht, der sieht auch den Vater!" „Denn Ich und der Vater sind Eins." So Du, o HErr Jesus, damals im Fleische Eins warst mit dem Vater wie sollest Du es nun nicht sein? Du allein bist es, und Niemand mehr ist Dir gleich! Mein Herz sagt es mir, daß Du die ewige Liebe bist! O so nimm mich in Deine Liebe gnädig auf, Du heiliger Vater!"

243. Kapitel: Jesu Gnade und Barmherzigkeit erquickt die Elenden. Zwei durch die Welt Getrennte dürfen sich selig wiederfinden vor Gott. Von der Wonne des höchsten Himmels. (Am 11. Sept. 1850)

01 Rede Ich: „O Weib! O Tochter! Dein Glaube ist groß, und viel Liebe wohnt in deinem Herzen; dir werde es nach deinem Glauben, und nach der Macht deiner Liebe! - Meine liebe Tochter, du stehst nun hungrig, durstig und nackt vor Mir, denn das, mit dem du auf der Erde deine Seele gesättiget hast, war eine schlechte und magere Kost. Wärest du nicht in der ersteren Zeit deines Erdenlebens im Geiste vorgenährt worden, und wäre deine Seele mit ganz stummem Geiste in das Pfützen- und Kloakenleben des gemeinsten und ekelhaftesten Gewürmes übergegangen, so wärest du wohl verloren, und es wäre beinahe unmöglich geworden, dich je retten zu können; denn so unmöglich es ist, einen Fisch außer dem Wasser in der freien Luft am Leben zu erhalten, eben so unmöglich ist es auch, Seelen, die sich selbst zum Pfützen- und Kloakengeschmeiß hinab- und hineingelebt haben, in dem Lichtäther der Himmel am Leben zu erhalten; denn wo der Drache lebt ein todtes Leben, da lebt dem Tode auch sein Gewürm.

02 Aber du bist in deinem Geiste vorgenährt worden, und die nachträgliche Kloakenkost, die deiner Seele gereicht wurde, war nicht vermögend, deine Seele ganz zu verderben; denn die Vornahrung deines Geistes würzte nach Möglichkeit und äußerst nöthigem Bedarfe die elendeste Weltkost deiner Seele und benahm ihr das tödtende Gift. Daß aber deine Seele bei solcher Kost sich kein Fett sammeln konnte, das wirst du nun hoffentlich einsehen. - Nun aber will Ich dir Nahrung geben aus den Himmeln, und ein besseres Kleid wegen deines Glaubens und wegen deiner Liebe, und das wird dir dann schon zu einem besseren An- und Aussehen verhelfen. - Robert! Schaffe Brot und Wein, und ein neues Kleid her!"

03 Als Ich solches kaum ausspreche, ersieht Robert hinter sich wie eine Krämerbude, die beladen ist mit Brot und Wein, und ein Bündel, darinnen sich das verlangte Gewand befindet. Er bringt Brot und Wein, und sein Weib das Bündel mit Gewand. - Ich segne Brot und Wein, und lasse es verabreichen der Mathilde und dem Offizier. Als sie mit unaussprechlichem Dankgefühle mit dem Offizier das Brot und den Wein verzehrt, wird sie augenblicklich voller und voller, bekommt ein wundervoll schönes jugendliches Aussehen, und weiß sich aus lauter Dank nicht mehr zu helfen. Nun bekommt sie auch ein schönes azurblaues Kleid mit purpurrother Verbrämung, was sie sehr schön zieret.

04 Als sie nun so versorgt dasteht, fängt sie an laut zu weinen vor Dankbarkeit, Liebe und Seligkeit. Sie fällt nun, schon so schön wie eine schöne Blume der Himmel, vor Mir auf ihre Knie nieder, breitet die Hände weit aus und sagt schluchzend (Mathilde): „O Du heiligster Vater! mein Herz kann es nur fühlen, aber die noch viel zu matte Zunge nimmer aussprechen, was ich nun für Dich, o Du heiligster Vater, fühle! Deine Liebe, Deine Gnade ist zu endlos groß, als daß sie eine geschaffene endliche Zunge je auszusprechen vermöchte; so weit aber nun das Gefühl und die Empfindung dieses von Dir, o heiligster Vater, mir nun neu gegebenen und durch Deine Gnade neu erweckten Lebens reicht, fühle und empfinde ich nur Dich, Du heilige, ewige, weiseste Liebe! O Vater, o Vater, o Du lieber heiligster Vater! Dein heiligster Name Jesus werde geheiligt ewig, ewig, ewig!!!" - Bei diesen Worten übermannt sie ihre Liebe zu Mir so mächtig, daß sie vor Mir mit dem Gesichte ganz auf den Boden niedersinkt;

05 aber auch der Offizier wird so von der Liebe übermannt, daß auch er zu weinen beginnt. Aber Ich ermahne ihn, sagend: „Freund! Ermanne dich; denn die Beseligte wird bald deiner Kraft bedürfen. Du hast sie bis hierher gebracht, und wirst daher ihr weiterer Führer sein. Achte ihren Geist!"

06 Spricht der Offizier: „Ja, Du mein ewig bester Vater, HErr und Gott! Dein Wort, allezeit neue Seligkeit schaffend, soll ewig das alleinige Leben im Zentrum meines Herzens sein! Es ist zu viel Liebe und Gnade von Dir, o heiliger Vater, auf uns niedergegangen, so daß wir in unserem Gemüthe noch viel zu klein und schwach sind, solch eine Masse von Seligkeit zu ertragen; aber Deines ewigen Reiches heilige Zeit, eine Zeit, die kein Ende hat, und auch keinen materiellen Anfang, wird uns mit Deiner zu großen Liebe, Gnade und Huld schon vertrauter und kräftiger machen; mein ganzes Wesen aber sei ein ewiger Dank für solche Liebe und Gnade von Dir an uns arme Sünder. Was können wir Dir Anderes, o Du heiliger Vater, wohl thun, als Dir ewig danken, und Dich lieben, und loben und preisen über Alles! Und so sei denn unser nun so überseliges Leben Dir, o lieber, heiliger Vater, ein ewiger Lobgesang! Große Weisheit wird zwar unsere Sache nicht sein, denn dazu hast Du, o heiliger Vater, Dir Engel geschaffen aus der Flamme Deines Lichtes, von dem der Welten Sonnen ihre gebrochenen Schimmer borgen, daß sie die unendliche Majestät Deiner Werke besingen, und allezeit lobpreisend sagen: Heilig, heilig, heilig ist unser HErr und Gott Zebaoth; die Himmel sind Seiner Ehre voll, darum ewig Ehre, Lob und Preis Ihm, ewig! Wir aber wollen Dich dafür preisen über Alles in unseren Herzen; denn Du allein bist alle unsere Liebe und all' unser Leben!" - Hierauf wendet er sich zur Mathilde und sagt: „Liebste Schwester Mathilde! Stehe auf, und schaue, wie gar so endlos gut, liebevoll, mild und sanft unser alleinig wahrer heiliger Vater ist!"

07 Hierauf erhebt sich die Mathilde, sieht ganz wonnetrunken um sich her, und erkennt nun in dem Offiziere sogleich ihren Lehrer Peter Peter, und sagt, noch auf ihren Knieen am Boden ruhend: „O Gott, o Vater! Du bist denn doch wahrlich zu ungeheuer gut und liebvoll! Nicht nur, daß Du mich hier als eine unwürdigste Sünderin namenlos selig gemacht hast dadurch, daß Du mir ein unnennbares Uebermaß Deiner Gnade, Liebe und Erbarmung hast zukommen lassen, sondern ich darf auch den Lehrer hier vor Deinem allerheiligsten Angesichte treffen, der mir schon auf der Erde zuerst die Wege zu Dir gezeigt hat. Diesem Lehrer werde ich nun von Dir zur weiteren Ausbildung übergeben; o welch eine Wonne, welch eine Seligkeit. Wie Herrliches, Schönes und Erhabenes werde ich von ihm erfahren, reiner und reiner werden, und würdiger anzuschauen Dein allerheiligstes, allergöttlich-schönstes Angesicht! Noch bin ich zwar hier in der Stadt, in der ich geboren und endlich irdisch und auch seelisch unglücklich geworden bin; aber der Ort macht für mich nicht den Himmel aus, sondern Deine sichtbare allerheiligste Gegenwart. Wo Du bist, o HErr, da ist auch der höchste Himmel! Mein Herz, mein ganzes Wesen sei Dir, o heiligster Vater, allein geweiht! Dein heiligster Name Jesus werde geheiliget!"

08 Tritt aus dem Hintergrunde zu Mir hin der Erzbischof Migatzi, und sagt. „HErr und Vater, heilig, überheilig! Dieses Wesen, nun so hold und schön, wie ein schönster Stern Deiner Himmel, beschämt uns wirklich Alle, wie wir da sind. Wie die Stöcke stehen wir hier, während diese nunmehrige Blume der Himmel in der Deiner würdigen Lobpreisung wahrlich einen David zu Schanden reden würde. Nein, das habe ich noch nie gesehen und gehört. Diese Anmuth, diese feierlichste Würde, dieser echt himmlische Anstand vor Dir, diese heilige Reinheit in ihrer Sprache, diese englische Wahl der Worte, ihre unbegrenzte Liebe und Dankbarkeit, kurz, in allen ihren nunmehrigen Gebärden liegt eine so wahrhaft magische Würde, daß wir Alle ganz hingerissen sind. Sie lehrt uns Alle Dich erst so ganz und recht erkennen. Ah, das ist ja ein rein himmlisches Wesen, an dem sich nun nichts Mangelhaftes mehr zeigt. O HErr, Du ewige reinste Liebe! Welch' großen Dank sind wir Alle Dir für diese Verklärung schuldig! O Du liebstes, holdestes, rein himmlisches Wesen! Und ihr Lehrer neben ihr nicht minder!"

09 Sage Ich zum Migatzi: „Mein Freund und Bruder! Das gibt nicht die Weisheit, sondern allein nur die Liebe; daher haltet euch Alle an die Liebe, wollet ihr in den Himmeln bei Mir sein. Ihr werdet zwar in jedem der drei Haupthimmel bei Mir sein, und leben und wandeln vor Meinem Angesichte, aber so wie hier nur in und durch die alleinige Liebe. Diese Mathilde aber hat den rechten Grad der Liebe, und wird demnach auch so wie hier in den Himmeln bei Mir sein, allwohin wir nun bald gelangen werden. Gehe aber hin und verkünde das Allen, die hier sind!"

10 Migatzi dankt Mir inbrünstigst für diese Belehrung, und geht sogleich hin zu der großen Menge, und verkündet das Allen.

11 Der Offizier aber sagt zu Mir in seiner großen Liebe: „HErr, siehe, wir sind nun so selig als nur immer möglich; aber da stehen noch in Reih' und Glied meine Soldaten. Was solle nun mit ihnen geschehen?" - Sage Ich: "Gehe hin und lasse sie die Gewehre ablegen; denn fortan werden sie diese Waffen nicht mehr gebrauchen; denn in Meinem Reiche kämpft man allein nur mit den Waffen der Liebe ewig!"

244. Kapitel: Der jüdische Feldwebel, ein feuriger Messiasfreund und großer Redner im Geiste Davids.

01 Der Offizier geht nun sogleich hin zu den in Reihe und Glied stehenden Kriegern, und sagt: „Habet Acht, Brüder! Bisher war ich noch immer euer Hauptmann, und ihr gehorchtet mir, wie es biederen und rechtlichen Kriegern gehört; denn der pünktlichste Gehorsam des Untergebenen gegen seinen Vorgesetzten ist die eigentliche Hauptmacht, mit der ein weiser Feldherr jeden Feind besiegen kann. Weil ihr aber eben in der Tugend des Gehorsams groß waret, und ich über euch, die ihr hier stehet, nie eine Klage zu führen bekam, so hat es Gott dem HErrn also Wohlgefallen, daß Er euch auch nach eures Leibes Tode in der Geisterwelt so lange unter meinem Kommando beließ, bis ihr durch meine oft an euch gerichteten Lehren und Ermahnungen auf den Punkt gebracht worden seid, von dem aus ihr einer anderen freieren Lebensanschauung fähig wurdet. In dieser Anschauung habe ich euch, selbst nicht wissend wie und warum, auf diese Stelle gebracht, wo ihr noch stehet.

02 Wir waren Alle mehr oder weniger noch von den Pflichtverhältnissen der Welt befangen gehalten, obschon wir gar wohl wußten, daß wir uns in der geistigen Welt schon seit einer geraumen Zeit befanden. Wir dienten noch dem Kaiser, obschon wir keine Pflicht mehr gegen ihn zu beobachten gehabt hätten, und wir leisteten ihm sogar gute Dienste, denn die geheimsten Verschwörungen entdeckten doch nur wir zuerst, und wirkten dann auf die noch auf der Welt lebenden Invigilanten leicht also ein, daß diese dann alsbald auf die auch noch so heimlich gehaltenen Machinationen bösgesinnter Gesetzes- und Ordnungsfeinde, gewisserart mit der Nase stoßen mußten. Wir konnten dafür vom auf der Erde lebenden und herrschenden Kaiser freilich wohl keinen Sold mehr beziehen; aber dafür erhielten wir von unserem Gewissen den schönsten Lohn, und zwar in dem sicheren Bewußtsein, so manches sehr gräßlich werden könnende Unheil von dem Staate abgewendet zu haben, der uns geboren, ernährt und erzogen hat; und so übten wir denn noch als Geister für den irdischen Staat einen guten Dienst, bis zu diesem Zeitpunkte, in dem wir uns jetzt befinden.

03 Aber von nun an tritt für uns Alle ein ganz anderes Lebensverhältniß ein. Der Weltdienst hört nun für ewig auf! und ein rein geistiger im Namen Gottes des HErrn, tritt an seine Stelle. Diese Waffen, wie ihr sie nun traget, werdet ihr fürder nimmer gebrauchen. Wir werden zwar fortan auch kämpfen im Reiche Gottes, aber nicht mehr mit den Waffen zum Tode, sondern mit den Waffen zum Leben; und diese neuen, herrlichsten und mächtigsten Waffen heißen die Liebe zu Gott dem HErrn, und die Liebe zu unsern Brüdern und Schwestern, die noch irgendwo in großer Armuth ihres Geistes stecken. Leget daher nun diese Waffen ab; sie sind ohnehin nichts als pure Gedankenstriche unserer noch von der Erde her mitgenommenen Einbildungskraft, und es liegt daher an ihrem scheinbaren Verluste um so weniger etwas, da sie an und für sich nichts sind.

04 Dort aber sehet hin! Ein herrlichst gestalteter Mann, Der soeben Sich mit einer himmlischen Jungfrau bespricht, die vor Ihm wie von der Wonne aller Himmel auf einmal durchglüht also überselig steht, - dieser Mann ist Jesus, der große Heiland der Welt, und ist zugleich in einer und derselben Person Gott, das allerhöchste Wesen Selbst, der alleinige Schöpfer aller Geister- und aller Materiewelten. Dieser ewige und alleinige HErr der Unendlichkeit läßt euch nun durch mich zu Sich rufen, auf daß Er euch gäbe das ewige Leben. Leget also nun sogleich die Waffen ab, und folget mir zu Gott, dem allmächtigen Vater und Schöpfer der Unendlichkeit."

05 Auf diese wirklich kräftige und geistvolle Rede des Offiziers legen Alle die Waffen vor sich auf den Boden hin, und begeben sich sogleich mit dem Offizier zu Mir hin. Als sie in einem ziemlich gedehnten Halbkreise um Mich gestellt sich befinden, segne Ich sie sogleich Alle, und Alle loben Mich nun einstimmig mit den herrlichsten und rührendsten Lebensworten, ganz besonders aber darunter ein Feldwebel, der auch bei dieser Gelegenheit einen glänzend vollendeten Vorredner und Vorsprecher macht. (Am 14. Sept. 1850)

06 Dieser Feldwebel war auf der Erde seinem Glaubensbekenntnisse nach ein Jude, und hielt fest dafür, daß der Messias erst kommen werde, und daß nun eben die Zeit gekommen sei, nach einer mystischen Berechnung, der jüdischen Cabala, in der der Messias ganz unfehlbar in die Welt kommen müsse, um Sein Volk, das die Juden seien, wieder zusammenzubringen in das gelobte Land, und es da zu erheben zum ersten und mächtigsten Volke der Erde. - Mit solchem Glauben ist also auch unser Feldwebel in die Geisterwelt übergegangen, und wartete da auch sehnsüchtigst auf den großen Messias. - Als der Offizier aber der noch unter Waffen stehenden Mannschaft von Mir die Kunde brachte, und die Berufung in Mein Reich, so meinte der Feldwebel Anfangs, daß Ich der erwartete große Messias der Juden sei, nur frappirte ihn das, daß Ich auch die Anderen berief, die da keine Juden waren.

07 Als aber der Offizier vor der Truppe Meinen Namen nannte, da ging dem Feldwebel ein mächtiges Licht auf, und er sagte zu einem Kameraden, der auch ein Jude war und ein eifriger Erwarter des Messias: „Du! Mir scheint nun nur zu klar, wir haben Ihn denn doch verpaßt. An dem Jesus fanden sich am meisten und am leichtesten die Weissagungen zurecht; aber die Dummheit: »Aus Galiläa steht kein Profet auf!« hat Millionen geblendet. Es mag ja so sein, daß aus Galiläa kein Profet erstehe; aber warum solle deshalb der Messias, Der mit dem Profetenthume nichts gemein hat, nicht aus Galiläa gekommen sein? Der Messias ist nach David Jehova Selbst, und braucht nicht unter dem Mantel eines Profeten zu Seinem Volke zu kommen, sondern alsogleich als Jehova; und dazu kann Er gerade Galiläa wählen, damit die Menschen, die dummen Menschen, nicht verleitet werden sollen, am Ende auch den HErrn aller Menschen und Profeten, für einen Profeten zu halten, weil Er gerade von dort herkam, von woher nie ein Profet kommen kann. Kurz und gut, Jesus aus Nazareth in Galiläa gebürtig war der erwartete Messias; aber wir haben Ihn allezeit verpaßt, und unsere Brüder werden Ihn noch gar oft verpassen; wir Beide aber werden Ihn nicht mehr verpassen. So wir hin vor Ihn treten werden, da lasse mich reden; ich werde Ihm unsere grobe Blindheit gehörig darstellen, und dann für Alle ein gebührlich Lob ganz nach Davids Art aussprechen."

08 Darnach hat denn hernach aber auch er, wie schon früher erwähnt, den Hauptvorredner gemacht, und ist nun eben einer Meiner glühendsten Anbeter, so daß sich Alles hoch verwundert über seine echt orientalisch erhabenste Wohlredenheit."

09 Der Offizier sagt nach einer Weile: „Ich war auf der Erde, und auch hier in dieser Welt sein Vorgesetzter, und er ist nun in der Weisheit ein Seraf, und ich bei all' meiner auf der Erde erworbenen theosofischen Kenntniß, die dazu hier noch eine große Ausbildung bekam, ein Esel, ganz glattweg! Seht nur diese herrlichen Bilder, diese Weichheit, Zartheit, dieser ungezwungenste Schmelz seiner so herrlich angebrachten historischen Episoden. Nein, so man ein Stein wäre, so müßte man bei solch einer Rede ätherweich werden! O wenn er diese Rede nur aufgeschrieben hätte; wahrlich ich könnte sie gerade tausendmal nacheinander lesen. Wie herrlich ist z. B. doch der Satz:

10 »Dorthin, Du ewiger Vater, wo der Sterne zahllose Miriaden von heiligem Schauer gedrungen ihr reines Angesicht mit dem dunklen Schleier der Nacht umhüllen, wo der lichte Aar und der glanzvolle Schwan an dem Gotteswege ewige Wache halten, und ewig erstaunt in die nie gemessenen Tiefen Deiner Werke schauen, dorthin war auch oft mein mattes und von heiliger Wehmuth thränenfeucht gewordenes Auge gerichtet, und harrte also mit Adler und Schwan am großen Wege Jehova's, des großen Verheißenen!« Und so weiter;

11 das habe ich mir so gemerkt, und durchdachte nur so ganz flüchtig dieß eine Bild, und fand eine Größe, eine Tiefe, und eine so hohe Weisheit und Wahrheit darinnen, daß es mich geradewegs zu schaudern begann! „O HErr, Du heiligster Vater! Wie kam denn dieser Jude nun auf einmal zu solch einer Weisheit und echt himmlischen Lyrik? Nein, auch das Bild von der alten Zeder Libanons, von der Zinne Ararats, vom Eufrat und Ganges, von der Wiege Juda's, von der Blume der Wüste, o Gott, was liegt da in solchen Bildern. O HErr, gib mir auch nur etwas Weniges von der Weisheit meines früheren Feldwebels!"

245. Kapitel: Liebe als Grundquell aller wahren Weisheit und Ausdruckskraft. Dichtkunst des Verstandes und des Gemüts. Bitte des Offiziers um mehr Liebe und Jesu Antwort. Die Liebe als Grundkraft der Lebensvollendung.

01 Sage Ich: „Mein Freund! Hast du auf der Erde es nie gemerkt, daß Menschen, die so recht kernfest in der Liebe stecken, die zartesten Dichter sind? Also ist die Liebe die eigentlichste und beinahe stets alleinige Mutter der wahren Lyrik. Ein David brannte vor Liebe zu Mir, wie auch zu den Menschen, und ward darum auch einer der größten Lyriker, die je auf der Erde gelebt haben. Sein Sohn Salomon war, so lange er liebte, auch weise dem wahren Sinn des Wortes und der Bedeutung nach; als er aber dann seine rechte Liebe in die Gailheit der Weiber versenkte, ward er bald dumm und schwach in Wort und That.

02 Betrachte Meinen Johannes! Dieser Apostel hatte die mächtigste Liebe zu Mir, und darum auch die größte Gluth in der Darstellung Meines Wortes; und in seinen Worten liegt auch die größte Weisheit, wie bei keinem anderen Apostel; ihm ward darum auch die tiefste Offenbarung gegeben; und du kannst die ganze Geschichte der Erde durchgehen, und du wirst stets und nie wandelbar bei jenen Menschen die wahre Lyrik- und Weisheit antreffen, die das Herz, wie man zu sagen pflegt, am rechten Flecke haben.

03 Es dichten wohl auch die Verstandesmenschen, und machen ein Langes und Breites; aber in dem Langen und Breiten steckt nichts als ein höchst mühevolles Suchen eines verlornen Groschens in der Nacht ihres Herzens. Sie kommen wohl manchmal dem Groschen auf die Spur, so sie ihn aber ergreifen wollen, da gleiten sie aus, weil der Grund, auf dem sie stehen, ein höchst lockerer ist, und verlieren auf die Art auch nur zu bald alle Spur, da etwa der verlorne Groschen liegen könnte.

04 Daher ist denn auch alle die sogenannte Weltweisheit eine größte Thorheit vor Mir; denn was der Mensch mit dem Verstande in hundert Jahren bei aller Mühe kaum erreicht, das gibt dir die rechte Liebe in einer Sekunde; denn die Liebe bin Ich Selbst im Menschen! Je vollkommener seine Liebe wird, desto entfalteter auch Mein Ebenbild in ihm.

05 Der Verstand aber ist nur ein Schrank, in dem die Liebe ihre erworbenen Schätze aufbewahrt. Was kann aber die Seele in dem Schranke finden, so die Liebe zuvor nichts hineineingelegt hat? Oder was solle die Seele in dem Schranke finden, so das, was noch irgend eine vergangene oder erloschene Liebe in einer früheren und besseren Zeit hineingelegt hatte, in solch unerleuchteten Gemächern höchst zerstreut und verrostet daliegt, daß auch die mühevollste Arbeit der Seele entweder nur höchst wenig, oder auch wohl gar nichts effektuiren kann? Gehe du in einen finstern Keller, und suche darin einen verlornen Groschen, und du wirst ihn nicht finden. So du aber ein gutes Licht anzündest, so wirst du den Groschen bald finden, so du recht suchest und eine rechte Geduld im Suchen hast.

06 Also siehe nun, Mein lieber Freund! Dieser Feldwebel hatte allezeit eine rechte Liebe zu Gott dem HErrn, Den er nur also kannte, wie er Ihn aus der Schrift des Vorbundes kennen lernte. Er liebte also die Gottheit, ohne Sie zu kennen, schon über die Maßen; wie groß muß dann erst seine Liebe zur Gottheit werden, so er mit Derselben volle persönliche Bekanntschaft macht, wie es nun der Fall ist?! Und diese Liebe gibt ihm eine solche lyrische Weisheit; willst du aber auch solch eine Weisheit, so mußt du auch solch eine Liebe dir aneignen, dann wird es schon gehen. Du liebst Mich wohl sehr mächtig; aber der Feldwebel liebt Mich mehr. Wie dieß aber möglich ist, das Alles wird dir die nächste Folge klar darstellen."

07 Sagt der Offizier: „HErr! das verstehe ich wahrlich nicht, wie das möglich sein könnte, Dich noch mehr zu lieben; denn bei Deinem heiligsten Namen, ich liebe Dich aus allen meinen Kräften über Alles, und ich könnte mich nun rein auf den Kopf stellen, so wäre es mir allerreinst unmöglich, Dich, o HErr und Vater, noch mehr über Alles zu lieben. Mir käme überhaupt ein solche Liebe so vor, als so ein Mensch eine Tausentzentnerlast mit der ihm verliehenen puren menschlichen Kraft weiterschaffen sollte. - HErr, erweitere mein Herz, und vermehre die Liebelebensflammen im selben, dann werde ich auch in der Liebe zu Dir werden gleich einem Atlas, der nach der Fabel bestimmt war, den ganzen Himmel auf seinen Schultern zu tragen."

08 Sage Ich: "Mein lieber Freund! Das, was du von Mir willst, ist dir selbst anheimgestellt, denn von nun an wirst du allein der Schöpfer und Umstalter deines Wesens und deiner Liebe sein. Frage aber den Feldwebel: wie? und er wird es dir sagen."

246. Kapitel: Der Feldwebel über die Quelle der höchsten Weisheit. Wink zur Sammlung des Himmelsschatzes - der Gottesliebe.

01 Der Offizier wendet sich nun an seinen ehemaligen Feldwebel, und sagt zu ihm: „Höre du, mein allerschätzbarster Freund! Du warst einige Jahre direkte bei meiner Kompagnie, und versahest deinen Dienst stets zu meiner vollsten Zufriedenheit. Hätte uns im Felde der Tod nicht ereilt, so wärest du zufolge meiner Verwendung ohne weiteres Offizier geworden. In dieser Welt aber, in der wir Alle ex propriis dienten, war natürlich schon nach der göttlichen Ordnung, die gleich beim ersten Eintritte in diese Welt überaus fühlbar vorzuwalten beginnt, an kein Avancement eher zu gedenken, als bis derjenige HErr, Dem alle Welt- und Himmelsämter der ganzen Unendlichkeit untergeordnet sind, uns zu einem Avancement verhelfen werde.

02 Wir sind nun glücklich vor das allerheiligste Angesicht des großen Alleinbeherrschers der Unendlichkeit gelangt durch Seine alleinige Güte, Gnade und Barmherzigkeit. Wir haben Ihn kennen gelernt von einer Seite, von der Ihn wohl die ganze Erde im Allgemeinen, wie im Besonderen kaum kennen dürfte, und haben Gnade, ohne die geringsten Verdienste - vor Ihm gefunden.

03 Du aber, wie es scheint, bist Ihm vor uns Allen sicher am nächsten gekommen; denn als du mit Ihm in einer noch nie dagewesenen allererhabensten Art ehedem geredet hast, habe ich selbst Thränen im allerheiligsten Auge Gottes entdeckt; und Freund, das ist etwas, was die ganze Unendlichkeit kaum je fassen wird.

04 Sage mir denn, wie du es denn angestellt hast, daß dir solch eine ungeheure Weisheit zu theil geworden ist. Hast du diese etwa schon gar auf der Welt besessen, und ließest davon nie etwas merken, oder ist sie dir erst nach und nach in dieser Welt zu Theile geworden, durch den allmächtigen Einfluß Jesu Christi, des HErrn von Ewigkeit? Wohl weiß ich es auch aus dem allerheiligsten Munde Gottes Selbst, daß dir deine große Liebe zu Ihm zu solcher Weisheit verhalf; aber nun erst kommt die Hauptfrage:

05 Wie bist du zu solch einer immensesten Liebe gelangt? aus der in deinem Herzen eine solche Weisheit sprühet, wie sie kaum in der Flammenbrust des feurigsten Cherubs anzutreffen sein dürfte? Der HErr Selbst hat mich in dieser Angelegenheit an dich gewiesen. Sei demnach so gut, und gib mir dazu eine gehörige Anleitung; denn ich liebe Jesum den HErrn wahrlich über Alles, aus allen meinen Kräften, und ich wüßte wahrlich nicht, wie ich Ihn noch mehr lieben könnte. Du aber wirst es wohl wissen, weil dir der HErr Selbst darinnen das Zeugniß gibt. Weil du es aber weißt, so sage es mir, wie das mir bisher unmöglich Scheinende am Ende doch noch möglich sein kann."

06 Sagt der Feldwebel: „Mein Hauptmann, mein Freund! Dein eigener Wahlspruch: „Bei Gott sind alle Dinge möglich" sollte dir ja doch am ersten zeigen, daß die Liebe zu Gott dem HErrn eben so wenig zu begrenzen ist, als die Erkenntnisse über Gott Selbst, die auch ewig keine Grenzen haben können. Wie möglich kommst du zu solch einer Frage? Kannst du denn irgend mehr sehen, als das Licht es dir gestattet? Und kann das Licht stärker sein, als das, was das Licht erzeuget? So du aber ein Material hast, zu erleuchten ein großes Gemach, dessen allein du bedarfst zu deiner Arbeit, warum zertheilst du dann das Material, zu erleuchten auch andere Gemächer, in denen du vorderhand nichts zu thun hast?

07 Sammle das Material nur allein für die Erleuchtung bloß des einen Gemaches, und ist das einmal also erleuchtet, daß du darinnen Alles wie am hellsten Tageslichte ausnehmen kannst, dann öffne Thüren und Fenster, und es wird aus dem einen Hauptgemache von selbst ein hinreichend Licht in die Nebengemächer dringen, und dieselben erleuchten zur Genüge. So du nicht sammelst, da zerstreuest du schon deshalb, weil du nicht sammelst. Sammle also, auf daß dir ein reicher Schatz werde. Wer nicht sammelt und sparet, kommt nie zum Reichthume. Du mußt also sammeln und sparen, so du zu einem großen Reichthume gelangen willst.(echtjüdisch.)

08 Die Liebe ist der Himmel größter Reichthum; nach der muß man geizen, und hat man sie, da muß man sie nicht sogleich aller Welt preisgeben. Die Nächstenliebe ist zwar gleich der Gottesliebe; aber sie muß nur wegen Gott in Werken bestehen, nie aber in der Flamme des Herzens unmittelbar an den Nächsten selbst gerichtet, sondern nie anders wie allein nur durch Gott, denn sonst schwächt das die Liebe zu Gott. Sieh' an deine schönste Mathilde! Siehe, siehe, die hat (bei dir) drei Viertel von dem, was der HErr allein haben solle! Merkst du den Grund deiner Liebesschwäche?" '

247. Kapitel: Liebe zu Gott und Weibern. Alle Liebe soll von der Gottesliebe ausgehen.

01 Sagt der Offizier: „Ich danke dir, lieber Bruder, für deine gar sehr herrliche Erklärung. Nun ist es mir schon klar, wo es bei mir steckt. Ja, ja, du hast ganz vollkommen recht; die geschöpfliche Liebe ist bei mir noch bei weitem stärker, als die Liebe zu Gott dem HErrn, Der doch der Urgrund aller Liebe ist. - Die Weiber aber haben es auch mit der Liebe zu Gott dem HErrn viel leichter, als wir rein männlichen Wesen, denn sie lieben in Gott wohl doch den endlosest vollkommenen Mann, das sich ganz mit ihrer antimännlichen Polaritätsnatur sehr wohl verträgt; aber bei uns Männern ist die Sache ein wenig anders. Wir können in ein noch so vollkommenes Mannswesen nie so ganz radikal verliebt werden, wie in ein weiblich Wesen, weil das schon so in der Natur gegründet ist.

02 Daher meine ich, obschon ich nun einsehe, wo es bei mir so ganz eigentlich steckt, daß da zwischen der Liebe zum Weibe, und der zu Gott ein bedeutender Unterschied sein müsse? Man wird Gott, das höchste Urwesen, denn doch ganz anders lieben müssen, als ein Weib; und so glaube ich denn, daß eine höchst bescheidene Liebe zu einem wunderlieben Weibe gar wohl neben der allmächtigsten Liebe zu Gott existiren kann. Die Liebe zu Gott muß von höchster Reinheit sein, während die Liebe zum Weibe immer etwas, wie man zu sagen pflegt, mehr schmutzig sein kann, das heißt: Die Liebe zum Weibe hängt größtentheils an der Form, also an etwas, was mehr den äußeren Sinnen entspricht, während die Liebe zu Gott eine rein allerinnerste Beschauung der unendlichen Vollkommenheiten der Gottheit ist, eine entzückende Bewunderung alles dessen, was die Gottheit aus Ihren Macht- und Weisheitsvollkommenheiten in das beschauliche Dasein aus Sich Selbst hervorrief, und ein erhabenstes Lob der reinsten Liebe und Güte der Gottheit? Ich meine, daß das im Grunde eine wahre Gottesbeleidigung wäre, so man Gott eben mit der Empfindung liebete, als wie man ein Weib liebt?

03 Ich bin daher auch der Meinung, daß die nun gerettete Mathilde mir in der Liebe zum HErrn nicht den geringsten Eintrag machen kann, im Gegentheile mir nur zu noch größerer Liebe zu Ihm verhelfen kann."(?)

04 Spr. der Feldwebel: „Glauben und stark meinen macht zwar auch selig; aber ich halte es mit der Seligkeit der reinen Liebe zu Gott und in Gott ganz allein. Weil der Mensch nur ein Herz und somit auch nur Eine rechte Liebe haben kann, aus der hernach, so die Hauptliebe reif geworden ist, alle anderen Seitenliebearten in der reinsten göttlichen Ordnung hervorgehen können, so bin ich der maßgeblichen Meinung, man müsse zuvor in der Liebe zu Gott vollends fest stehen; dann erst läßt sich alles Andere in der schönsten Ordnung ergreifen. Ist man aber in der Liebe zu Gott noch schwankend, und weiß man es etwa kaum erst, wie man Gott mehr solle lieben können, als ein schönst gestaltetes Weib, da, Freund, ist die rechte Weisheit des Geistes noch etwas fern, und du wirst sie noch nicht so bald überkommen.

05 Siehe, das Herz hat nur eine Kammer für die Liebe, und diese muß gleich sein wie für Gott, also auch für den Nächsten; ebenso auch umgekehrt. So du recht liebest, da kannst du Gott nicht anders als wie ein Weib lieben, und ein rechtes Weib nicht anders lieben, als wie Gott, weil das Herz des Menschen nur einer rechten Liebe fähig ist. Was daneben ist, gehört dann schon zur Selbstliebe, und taugt nicht in das Reich Gottes.

06 Siehe hin! wie hat denn ein Johannes, ein Jakobus, ein Petrus, wie auch ein Paulus den HErrn geliebt? Wie liebte z.B. eine Magdalena und tausend Andere mehr? Siehe, diese waren in den HErrn ganz vollkommen verliebt, ungefähr noch um einige Grade stärker, wie du nun in deine allerholdeste Mathilde; und siehe, eben solch ein förmliches Verliebtsein in den HErrn hat in diesen obbenannten Wesen, und zwar deutlich, den dir gezeigten Grund gehabt, daß sie als solche rechte Liebhaber des HErrn hernach auch ehestmöglich zu Seinen intimsten Freunden und zu Meistern in der rechten Liebe und Weisheit geworden sind. Dort gleich hinter dem HErrn stehen ein Petrus, Paulus und Johannes; gehe hin, und frage sie, ob ich nur in einer Silbe unwahr geredet habe."

07 Sagt der Offizier: „Was sagst du? Paulus, Petrus und Johannes, der die berühmte Offenbarung geschrieben hat, wären da, und zwar die drei ernsten Männer hinter dem HErrn?" - Sagt der Feldwebel: „Ja, ja, und noch einmal ja! Sie sind es, wie sie geleibt und gelebt haben." - Spricht der Offizier weiter: „No, da muß ich ihnen freilich sogleich mein Kompliment machen gehen. Ich halte zwar nichts auf die Komplimente; aber wo sie einen Grund haben, da sind sie auch ganz in der Ordnung, und dürfen nicht ausbleiben. Ehre Dem, dem sie gebührt!"

08 Sagt der Feldwebel: „Freund! hier aber, soviel es mir mein Herz sagt, gibt es nur ein Kompliment, und das besteht für Alle in der reinen Liebe. Hast du aber Liebe zu Gott dem HErrn, was allein ein ewig wahrstes und bestes Kompliment ist, so fassest du in dieser Liebe auch den Petrus, Paulus und Johannes, wie auch alle Himmel ein. Mit den sonstigen irdisch gearteten Komplimenten und Aufwartungen aber ist's hier nichts; daher meine ich, daß du allein nur dem HErrn die Aufwartung zu machen hast; alles Andere macht sich dann schon wie von selbst."

09 Sagt der Offizier: „Ja, ja, du hast recht; du hast ganz vollkommen recht; und du mußt auch in Allem recht haben, weil du in der wahren Weisheit so tief eingeweiht bist, um Alles was hier recht heißt, bis auf den innersten Grund einzusehen, aber schaden, glaube ich, könnte es denn doch gerade nicht, so man sich mit jenen drei ersten Aposteln des HErrn in ein freundlichstes Einvernehmen setzen würde; denn das müssen wir denn doch immer annehmen, daß diese Drei nach Gott dem HErrn die ersten Geister in der ganzen Unendlichkeit sind, daher es denn meiner Meinung nach sich denn doch schickete, ihnen eine Aufwartung zu machen, d.h. sich ihnen doch wenigstens vorzustellen, und sie als die ersten Freunde des HErrn freundlichst zu begrüßen!"

10 Spricht der Feldwebel: „Thue du, was du willst; ich habe dir nur gesagt, was hier ganz allein noth thut. - Nun winkt dir aber der HErr Selbst! Gehe hin; aus Seinem Munde allein strömt die höchste Weisheit in den klarsten bescheidenen Bächlein. Fasse sie recht in's Herz und lebe darnach!"

248. Kapitel: Jesus belehrt den Offizier Peter über die rechte, ausschließliche Liebe zu Gott. Gleichnis vom engen Pförtchen und der großen Bürde. Ein himmlisches Vaterunser-Gebet.

01 Der Offizier begibt sich nun schnell zu Mir hin und sagt: - „Heiligster, bester Vater! Du riefst mich, und ich stehe in aller Liebe zu Dir, vor Dir, und erwarte aus Deinem heiligsten Munde Deinen hochheiligsten Willen an mich zu vernehmen."

02 Rede Ich: „Mein lieber Peter Peter! Du mußt fürs Erste nicht immer heilig und allerheiligst vor Mir im Munde führen; und für's Zweite mußt du dir die ganz irdisch klingende Komplimentensprache vollends abgewöhnen; denn hier, wo Alle gleich sind, wo es nur Einen HErrn gibt, alles Andere aber vollends gleich ist, da ist jedes Kompliment eine Thorheit. Der Feldwebel hat dir ganz richtig und recht die Sache und das Lebensverhältniß Meiner Himmel erörtert; aber du hast so ganz leiseweg denn doch immer etwas dagegen einzuwenden gehabt; und siehe, das ist nicht recht. - So Ich Selbst dir Jemanden anempfehle, daß er dich belehre in dem, was dir noch fremd ist, so mußt du ihn blos hören, und nach dem, was du gehört hast, dein Leben einrichten; aber so du immer mit Einwendungen kommst, und auch was anderes für recht und gut darstellst, was nach Meiner ewigen Ordnung dennoch nie vollends gut und recht sein kann, so wirst du mit dir selbst nie ins Klare kommen.

03 Der Feldwebel hat dir unter Anderem auch gesagt, wie die Liebe zu Mir beschaffen sein muß, so sie dir die rechten Früchte tragen solle, aber du meintest dann wieder anders; und siehe, dennoch muß es also sein, wie es der Feldwebel dir ganz einfach erklärt hat.

04 Siehe, die holde Mathilde liebst du nun ganz leidenschaftlich; Ich begreife das wohl, daß du dich solcher Liebe nun kaum erwehren kannst; aber du mußt vorderhand dennoch die Mathilde ganz aufgeben! und mußt für deinen Theil ganz Mir allein angehören, so wie die Mathilde für ihren Theil; sonst könntest du samt der Mathilde nimmer in Mein Reich einziehen! -

05 So du die Mathilde nicht aus Meinen Händen bekommst, kann sie dir nicht zum Heile und zur Kraft aus Mir behülflich sein, wohl aber nach und nach zum Unheile, und zur bedeutenden Schwäche.

06 Daher gehe hin, führe sie zu Mir, und übergib sie Mir! dann erst wirst du frei sein - zur Aufnahme einer rechten Liebe aus Mir zu Mir." (Am 19. Sept. 1850)

07 Spricht der Offizier: „HErr und Vater! daß ich Deinem Worte auf das Allerpünktlichste nachkommen werde, das versteht sich lange schon von selbst; aber nur um das möchte ich Dich bitten, daß Du mir, weil Du mir nun schon die höchste Gnade mit mir zu reden erwiesen hast, aber auch noch nur mit wenigen Worten hinzufügen möchtest, warum, ganz aufrichtig gesprochen, ich so ganz eigentlich die Mathilde eher zu Dir führen und sie Dir ganz übergeben muß, bevor sie hernach erst durch Deine Hand vollends mein werden kann. Zum Weibe kann ich sie hier im Geisterreiche ja ohnehin nie nehmen, indem hier nach Deinen Worten Niemand freien und sich freien lassen kann. Zur weiteren Fortbildung in diesem Deinem Reiche, o HErr, hast Du mir sie aber ja Selbst übergeben, und ich habe sie denn auch mit tausend Freuden übernommen. Daß ich sie erstens als eine Gabe aus Deiner Hand, und zweitens als ein wirklich himmlisch allerliebstes Wesen liebe, und zwar himmelweit entfernt von jedem sinnlichen Gedanken, das finde ich doch so in der Ordnung, als nur immer etwas, das sich mit dem besten Gewissen Ordnung nennen läßt.

08 HErr! Vergieb mir armen Sünder solche Fragen; aber ich kann wahrlich nicht dafür, daß ich so denke, und von Allem eher den Grund sehen will, bevor ich zur Handlung schreite. Ich weiß zwar nur zu überzeugend klar, daß man Deinem Willen ganz unbedingt darum nachkommen solle, weil Du allezeit das Beste Deiner Kinder willst, und daß man nicht erst fragen solle, warum; aber alles dessen ungeachtet finde ich in mir dennoch den Trieb, von Allem, was ich thun solle, den Grund und das Ziel zu erforschen, um hernach die Handlung desto energischer beginnen zu können. Wenn es also Dein Wille wäre, mir davon etwas kund zu thun, wäre es mir wohl äußerst erwünscht!"

09 Rede Ich: „Mir aber nicht, Mein lieber Freund und Sohn! Denn so es nöthig wäre, dir davon den Grund zu sagen, so hätte Ich ihn dir schon sogleich vollauf kund gethan; denn für so weise wirst du Mich hoffentlich wohl halten, daß Ich wohl einsehen werde, was da nöthig und nicht nöthig ist. - Ich sage dir aber den Grund davon aus dem besten Grunde nicht. Hast du etwa da auch noch irgend etwas einzuwenden?

10 So du aber eine Bürde trägst, die einen bedeutenden Umfang hat, und kommst damit zu einer engen Pforte, durch diese Pforte aber mußt du gehen, so du das Ziel des Lebens erreichen willst; nun ist aber hinter dir deine umfangreiche Bürde, die du auf deine Schultern geladen hast; sage Mir, was wirst du nun thun, um das hohe Ziel deines Lebens zu erreichen?"

11 Der Offizier macht hier etwas große Augm, und sagt nach einer Weile: „So ich die Bürde durchaus nicht durch die enge Pforte bringen kann, so werde ich auf jeden Fall die Bürde vor der Pforte niederlegen, und mich ganz ohne sie durch die Pforte zu zwängen versuchen; denn das Ziel des Lebens steht höher, als jede noch so werthvoll scheinende oder auch seiende Bürde." - Sage Ich: „Gut, Mein Sohn! Gehe hin, und thue also, so wirst du leben!"

12 Hier begibt sich der Offizier sogleich zur Mathilde, und sagt zu ihr: „Mathilde! der HErr will dich; so komme denn mit mir, auf daß ich dich in Seine heiligsten Hände übergebe." - Sagt die Mathilde: „Auch ich bin nur eine zwar unwürdigste Magd des HErrn; Sein allezeit heiligster Wille geschehe!"

13 Mit diesen Worten führt er die Mathilde hin zu Mir und sagt (Peter): „Mein HErr, mein Gott, und mein heiliger Vater! Hier ist sie, die Du verlangtest; ich übergebe sie Dir mit großer Freude meines Herzens; denn ich weiß es, daß du mit ihr die besten Absichten hast, und daher auch zu ihrem ewigen Lebensglücke das Beste verfügen wirst. Dein Name werde geheiligt, und Dein allein heiliger Wille geschehe!"

14 Die Mathilde aber voll Furcht und Liebe zu Mir, sagt: „Heiliger Vater, Der Du in den Himmeln wohnest, Dein heiliger Name werde allezeit und ewig stets mehr und mehr erkannt und geheiligt! Dein Reich der Liebe, der Weisheit und des ewigen Lebens komme zu uns Allen! Dein allein heiliger Wille werde von allen freien Geistern, Wesen und Menschen in den Himmeln wie auf allen Weltkörpern auf das Pünktlichste befolget! Gib, o heiliger Vater, allen Kindern dein Himmelsbrot alles Lebens zu essen mit reinem Munde! Vergib uns Allen unsere Schwächen und Sünden, gleichwie wir all' Denen vergeben, die uns je beleidiget haben! Lasse auch nicht zu, daß wir - mit noch allerlei Schwächen behafteten Kinder - über unsere Kräfte irgend sollen versucht werden; so aber ein Uebel Deine Kinder zu verderben droht, da wende es ab, und befreie sie von Allem, was ihnen Uebles zufügen könnte! Denn Dein allein ist alle Macht und Kraft ewig! Dir sei aller Ruhm, aller Preis, alle Ehre und Anbetung; Dir allein alle unsere Liebe, und alles Lob ewig. Amen!"

249. Kapitel: Jesus über das Vaterunser-Gebet. Weiblicher Platzstreit an der Vaterbrust. Helena über Gottes- und Bruderliebe. (Am 20. Sept. 1850)

01 Sage Ich zur Mathilde und auch zugleich zum Offizier: „So ist es recht, und solch ein Gebet gefällt Mir; denn da ist Alles vorgetragen, was jedem Menschen nöthig ist, auch jedem Geiste und jedem noch so vollkommenen Engel. Komme her, Mathilde, an Meine Brust, und stärke da dein Leben; denn siehe, aus dieser Brust ist Alles, das erfüllt den unendlichen Raum, und der unendliche Raum selbst hervorgegangen. Alles saugt an dieser Brust, und sättiget sich; so komme denn auch du, Mein Töchterchen, her, und sauge ein - in starken Zügen das ewige Leben voll Liebe, Weisheit und Macht!"

02 Siehst du, Mein Sohn Peter Peter, die Mathilde hat vor Mir die beste Rede gehalten, und ist daher auch am weitesten gekommen. Du aber wolltest eher weise werden, bevor dein Herz noch fähig war, die rechte Weisheit zu ertragen; daher bist du nun ziemlich weit hinter der Mathilde, obschon du ehedem vorne warst. Siehe aber, daß deine Liebe zu Mir gleich wird der mächtigen Liebe dieser Mathilde, dann wirst auch du dahin gelangen, wohin nun die Mathilde gelangt ist.

03 Du, Meine holdeste Tochter aber, habe keine Furcht vor Mir, darum daß Ich das allerhöchste Gottwesen bin, denn siehe, eben darum, da Ich das bin, bin Ich der sanfteste, demüthigste, freundlichste, herablassendste, liebevollste und allerbeste Geist und Mensch zugleich. Komme nur her und fürchte dich nicht!"

04 Die Mathilde bebt vor süßer Furcht und brennendster Liebe, kann sich aber dennoch nicht Muth genug verschaffen, um an Meine ihr zu heilig vorkommende Brust zu fallen. Ich aber berufe die Helena, und sage zu ihr, daß sie dieser Mathilde zeigen solle, wie es die Auserwählten im Himmel machen.

05 Diese fällt sogleich mit offenen Armen an Meine Brust und sagt (Hel.): „O Du mein süßester Vater! Das ist mir so schon unaussprechlich stark abgegangen! O Du lieber Vater! O Du meine einzige Liebe! Du meine unaussprechliche Schönheit aller Schönheiten! Du ewiger Honigseim aller Süßigkeiten des Lebens! O wie süß ist es an dieser Deiner Brust zu ruhen, und einzusaugen des Lebens höchste Kräfte!" - Nach solchen Worten fällt Mir die Helena an die Brust, und verbeißt sich, wie man sagt, förmlich vor Liebe in dieselbe.

06 Als die Mathilde das sieht, sagt sie: „Aber mein Gott und mein Vater! Hat aber diese doch einen Muth, der dem Erzengel Michael sicher nicht eigen ist. Mit welch einer Heftigkeit sie doch hingestürzt ist, und thut nun, als ob sie schon ganz und gar in die allerheiligste Brust hineinsteigen wollte. Ah, ah, das ist denn doch ein wenig zu stark! Ich möchte das freilich auch thun, wenn ich dazu nur den erforderlichen Muth hätte. Nein, aber die treibt mir's denn doch einmal zu bunt!"

07 Sage Ich: „Nun, Mathilde, so komme und thue wie diese!" - Nun läßt sich die Mathilde nicht mehr zum zweiten Male rufen, und fällt ebenfalls an Meine Brust. Da aber die Helena sich beinahe über die ganze Brust her breit macht, so findet die Mathilde etwas zu wenig Platz, und sagt gar sanft zur Helena: „Aber liebe, holdeste Schwester! So lasse doch mir auch ein Plätzchen übrig; ich bin ja auch dir gleich hierher berufen worden."

08 Sagt darauf die Helena: „Siehe, wer zuerst kommt, der mahlt denn auch zuerst! Wenn man zu etwas so Gutem berufen wird, o da muß man sich durch nichts abhalten lassen; und fehlt einem die Kurasche, so muß man sie von irgend woher zur leihe nehmen. Komme nur her da; wir werden schon Platz finden; denn schaue, an dieser Brust haben gar Viele auf einmal Platz!"

09 Sagt die Mathilde, die nun auch schon ihr Köpfchen an Meine linke Brustseite gelegt hat: „Jetzt ist es schon gut! O Gott, o Gott, welch eine süße Ruhe! Ja, ja, wer wahrhaft ruhen will, der ruhe in Gott! O Du heilige Brust! Was fühle ich nun! Ach mein Herz ist viel zu enge, um zu fassen die Fülle dieser heiligen zu großen Empfindung. Wer könnte aber auch solcher Gnade und Liebe Tiefe je fassen und ergründen!"

10 Sagt die Helena: „Ist auch gar nicht nöthig; denn schau! die rechte Liebe will nichts ergründen, und nichts bis auf den Grund erschöpfen. Wenn wir da ergründen wollten, wie heilig und erhaben diese Brust ist, an Der wir nun ruhen, da hätten wir Ewigkeiten um Ewigkeiten zu thun! Und das wäre denn doch sicher eine noch talketere Arbeit, als die eines hungrigen Filosofen, der das Brot zuvor in seine Atome zerlegen wollte, ehe er sich seinen Hunger damit zu stillen begann, aber dabei verhungerte. - Wer da fragt, was etwa doch die Liebe sei, der liebt gewiß ganz verzweifelt wenig. Die wahre Liebe ist stumm, und redet nicht viel um einen Groschen, sondern sie faßt ihren Gegenstand wie ein Polyp seine Beute, und saugt so lange daran, bis sie satt geworden ist. Hernach kommt dann schon auch wieder die Filosofie. Darum mußt du jetzt nicht viel reden, sondern blos genießen, da dir die Gelegenheit geboten ist; sonst kommst du neben mir offenbar ein wenig zu kurz."

11 Sagt die Mathilde: „Sorge dich nicht darum, ich verstehe es schon auch, wie man lieben muß. Schaue nur, daß am Ende du nicht zu kurz kommst! Ich bin auf der Erde von der Liebe ganz kurios geplagt worden, rein und unrein, und habe nirgends eine rechte Sättigung finden können. Nun aber empfinde ich alle Sättigung in mir, und mein Herz leidet keinen Hunger mehr. Daher sorge dich nicht um mein Zukurzkommen; denn so ich an der Tafel bin, da verstehe ich schon auch zu essen, und besonders an dieser, an der zahllose Miriaden ihren belebenden Nektar saugen!"

12 Sagt die Helena: „Nur nicht gar so poetisch, meine liebe Schwester! Denn schau', ich bin eine ganz gemeine Person von meiner irdischen Geburt her, und verstehe mich nicht auf so hohe Ausdrücke; und schau! der HErr hat das nicht einmal gar zu gern; je einfacher, desto lieber ist es Ihm, weil in einer so hohen Sprache oft auch eine Art Eitelkeit zu Grunde liegt. Daher nur so hübsch ordinär weg, meine holdeste Schwester! Das ist dem HErrn am liebsten!"

13 Sagt die Mathilde: „Ja, ja, du hast recht, ganz recht; aber nur ein bischen mehr Platz lasse mir noch!" - Sagt die Helena: „Ei, ei, liebste Schwester! Hast denn noch nicht Platz genug? Ich glaube, daß du diese ganze heilige süße Brust allein in den Besitz nehmen möchtest? - No dir zulieb, weil du gar lieb und herzig aussiehst, mache ich noch einen kleinen Rücker; aber hernach mußt du mich in meiner Seligkeit nicht mehr stören, liebe holdeste Schwester!"

14 Sagt die Mathilde: „Nein, nein, jetzt haben wir Beide Platz genug; ich bin dir sogar sehr vielen Dank schuldig, daß du mir den Muth gemacht und den Weg gezeigt hast. Ich habe von dem, wie man eigentlich würdigster Weise Gott lieben müsse, mir nie eine rechte Vorstellung machen können. Ich meinte bei mir nur zu oft und sogar hier noch, Gott müsse man blos in einer Art allererhabenster und frömmster Schwärmerei lieben. Ich machte denn daher aber auch sonderbar große Augen, als der HErr Gott und Vater mich vor dir berief, an Seine seligkeitsvollste, heiligste Brust zu kommen. Ich stellte mir solch eine Annäherung für ewig unmöglich vor. Aber nun sehe ich erst recht klar ein, wie bei Gott dem HErrn am Ende dennoch alle Dinge möglich sind. Ihm darum ewig alle meine Liebe!"

15 Sagt die Helena: „Also für deinen Peter Peter nichts mehr? Wie wird denn ihm hernach die Sache schmecken? Oder sollen etwa in diesem Punkte für dich bei Gott auch alle Dinge möglich sein?" - Sagt die Mathilde: „Aber liebe, schönste Schwester, warum mußt denn du aber auch stets ein wenig sticheln auf mein Herz? Macht dir das denn irgend ein Vergnügen? Ich meine, der Peter Peter wird hoffentlich wohl selbst meinem Beispiele folgen; denn er sieht sicher besser als wir Beide ein, daß man Gott den HErrn und alleinig wahren Vater mehr lieben müsse, als alle noch so vollkommenen Geschöpfe. So lange man Gott nicht hat, muß man leider die Geschöpfe wegen ihrer formellen Aehnlichkeit mit Gott lieben. Hat man aber den wahren urewigen Grund der Liebe, ja die reinste und die wahrste Liebe Selbst gefunden, dann ist es mit der geschöpflichen Liebe für ewig gar! Verstehst du mich?"

16 Sagt die Helena: „O ja, das verstehe ich wohl; aber so ganz und gar aus ist es dennoch nicht; denn die Nächstenliebe, die Bruder- und Schwesterliebe hört darum nicht auf, weil eben in der Liebe zu Gott die Liebe des Nächsten eine vorzügliche Bedingung ausmacht. Denn so wenig man Gott lieben könnte, so man hassete seinen Bruder, eben so wenig kann man den Bruder wahrhaft lieben, so man zu Gott keine oder wenigstens eine dumme Liebe hätte, wie solche bei vielen bornirt zelotischen römischen Katholiken anzutreffen ist, die da besser den Namen Gotteshaß als Gottesliebe verdienete. - Aber diese Menschen können nicht dafür,daß sie so sehr dumm sind; denn sie werden schon von Kindheit an also erzogen.

17 Ich war einmal selbst so dumm, und glaubte eine Zeitlang, daß einem ein Pfaffe den Himmel zubringen kann. Als ich mich aber hernach nur zu bald überzeugte, welches Geistes Kinder die Pfaffen sind, da hat sich natürlich auch mein Denken in Allem geändert. In dem berühmten Jahre 1848 stand ich wohlbewaffnet selbst allen Feinden der Wahrheit und der göttlichen Freiheit auf den Barrikaden gegenüber, und fand da auch den Tod meines wenig werthen Leibes.

18 Also meine liebste und lieblichste Schwester! Es ist sehr recht, daß du nun Gott den HErrn, unseren allerliebsten heiligsten Vater, also liebst, daß du darob aller geschöpflichen Liebe bar bist; aber du mußt dabei denn doch noch stets so viel Besinnung behalten, daß du in solcher Liebe auch der ärmeren Brüder und Schwestern nicht vergißt, die noch lange das Glück nicht haben, also an der Quelle der Liebe höchste und belebendste Segnung und Seligkeit zu genießen. Verstehst du, meine, lieblichste Schwester, das?"

19 Sagt die Mathilde: „O und ob ich dich verstehe! Du hast schon recht, und bist schon sehr weise geworden, das ich noch lange nicht bin; aber ich hoffe, daß auch ich bald so weise werden werde; aber jetzt ist mein Herz zu voll von Liebe zum HErrn, und die Weisheit hat daher nun gut ruhen bei mir."

250. Kapitel: Robert belehrt Peter über die rechte Liebesreife. Beispiele vom Phönix und der Weinkelter.

01 Der Offizier sieht dieser Szene zu, und bewundert die ihm wohlbekannte Helena, daß diese eine so ganz gebildete Sprache spricht. Er wendet sich zum Robert, und sagt: „Nun, du mußt unterdessen deiner Helena schön zugeheizt haben, daß du ihr ihre frühere allerhäßlichste Lerchenfelder Proletariatssprache ordentlich wie Wanzen aus einer alten Bettstätte hinausgebrannt hast; denn wahrlich, sie spricht nun ein ganz gutes und schönes Deutsch." - Spricht Robert: „Freund! Das hat sie früher auch schon gekonnt; sie spricht aber nur dann ihren Lerchenfelder Dialekt, so es ihr darum zu thun ist, jemanden um Gottes willen so recht zu demüthigen. Sie ist sonst das sanfteste, zarteste und vom HErrn Selbst best- und feinstgebildete Wesen, schön wie eine Morgenröthe, und herzlich und lieb wie eine Taube."

02 Sagt der Offizier: „Ja, ja, das sieht ihr nun wohl alles gleich. Aber lieber Freund! Nun noch eine Frage: Ich liebe Jesum so mächtig nun wegen Seiner unbegreiflichen Liebe zu uns, Seinen Geschöpfen. Diese Liebe drängt mich sehr; was solle ich denn thun, um mein Herz zufriedenzustellen?" - Sagt robert: „Thue das nicht, lasse dein Herz vor Liebe zerbersten, dann wird dadurch dein Geist frei werden, der nun noch in deinem Herzen eingeengt ist. Wird aber dein Geist frei, dann wirst auch du frei in allem deinem Wesen, was dir vor Allem notthut, so du dich dem HErrn vollends nähern willst.

03 Das Herz vor der Zeit beruhigen und zufriedenstellen heißt seinen Geist wieder schlafen legen, und ein schlafender Geist hat dann wenig Hand zum Freiwerden. Man hat schon auf der Erde ähnliche Miniaturbeispiele. So Jemand zum Exempel in ein liebes gutes Mädchen so recht sterbensverliebt ist, bekommt aber keine Gelegenheit, seine Liebe auf dem gewöhnlichen Sinnlichkeitswege zu befriedigen und ihre stark gespannten Saiten herabzustimmen, so wird dessen Liebe stets intensiver, und er wird dann alle Mittel anwenden, um sein liebes Mädchen zum Weibe zu bekommen. Ist er aber früher zu einer Befriedigung gekommen, so wird dann sein matrimonielles Bestreben um sehr vieles kühler werden, wo nicht gar am Ende ganz erlöschen; und siehe, also ist es auch hier der Fall. Man muß hier im Gnadenreiche der Liebe die Liebe ganz frei walten lassen; was da aus ihrem Walten auch immer herauskomme, kann nicht anders als nur gut sein, weil die Liebe eine heilige Kraft ist aus Gott, und nur die besten Effekte des Lebens in's Werk stellen kann. Lasse dich daher nur drängen von der Liebe des HErrn! Sie wird dein ganzes Wesen ganz zurecht umstalten. Hast du mich wohl verstanden?"

04 Spricht der Offizier: „Freund! Du hast nun freilich gut predigen, und predigest auch in der größten und wahrsten Ordnung, weil du die Schule schon durchgemacht hast; aber Unsereiner, der sich gerade im Glühofen der Liebe befindet, findet in einem solchen Geduldszustande ein ganz absonderlich unhehagliches Drängen, und kann die Sache nicht so leicht ertragen, als ein freier Geist ihm vorpredigt. Du wirst es zwar auch so gut empfunden haben, als wie ich es nun empfinde, aber das mildert meine Sache nicht im geringsten. Mache lieber, daß ich Jesum umarmen kann, so hast du mir mehr geholfen, als mit der schönsten Lehrpredigt. Rede die herrlichsten Worte in ein brennendes Haus, und du wirst damit das Feuer nicht löschen. So du aber statt der Worte einen Wassereimer nimmst, und begießest damit fleißig die Gluth, so wirst du dadurch einen offenbar besseren Zweck erreichen."

05 Sagt Robert: „Lieber Freund! Das ist es aber eben, daß ich dein Feuer nicht löschen, sondern nur vielmehr anfachen will; denn du mußt in diesem Feuer gleich einem Phönix zuvor völlig verzehrt werden, und aus der Asche deiner Demuth neu erstehen, ehe du ohne Schaden an deinem Wesen dich Gott in der Fülle nähern kannst.

06 Hast du denn auf der Erde nie dem Weinkeltern zugesehen? Sieh, die Traube kommt unter eine ganz entsetzlich schwer drückende Presse, durch die sie ganz zerquetscht wird und ihr der letzte Tropfen ihres edlen Saftes genommen wird. Daß die Traube eine Empfindung hat, daran haben wenigstens wir frei stehenden Geister keinen Zweifel, indem alles, was durch einen offenbaren Lebensprozeß in's Dasein gelangt, und ein belebendes Prinzip in sich enthält, das zu einem anderen Leben sich gesellend dasselbe stärkt und erhöht, auch selbst ein Leben haben muß, das ohne eine bestimmte Empfindung kein Leben wäre, und daher auch nichts beleben könnte. Mag nun unter der schweren Presse die schöne Traube einen noch so mächtigen Druck wie immer schmerzhaft empfinden, so ist dieser Druck aber dennoch für die rechte Erhaltung und Vermehrung ihres belebenden Geistes höchst nöthig; denn würde diese drückende Operation an der Traube nicht verübt, so würde ihr Geist nimmer frei, und könnte nicht den ganzen Saft also durchsättigen, daß dann ein jeder, der den Saft zu sich nimmt, den belebenden Geist im selben gar bald in seinem ganzen Wesen verspürt, und manchmal, so man zu viel des reinen Saftes zu sich nimmt, nur zu heftig.

07 So du aber den Wein liebst, und dessen entzückend belebende Kraft, kannst du dann ein Feind des Kelterns sein? Ich sage dir, ohne Druck geht es nicht; der belebende Saft verkümmert in der Hülse, und gelangt nie zu einer selbstthätigen Kraft. Nur wenn durch den Druck auch der Geist genöthiget wird, in den seelenartigen Saft überzugehen, dann wird erst die Seele selbst Leben im eigenen Besitze der Kraft und Macht. Verstehst du dieß Bild?"

08 Sagt der Offizier: „Ja, nun verstehe ich dich, und werde mich auch darnach benehmen. Ich danke dir, lieber Bruder, für diese wahrlich sehr weise und praktische Belehrung."

09 Darauf bescheide Ich die Helena und die Mathilde hin zu jenen Weibern, mit denen eher der Offizier Peter-Peter seine Anstände gehabt hat, und von denen Eine Mir mit einem Reliquienkreuze aus Silber ein Präsent machen will. Die Beiden küssen zuvor Meine Brust klein ab, und begeben sich dann sogleich an das ihnen anvertraute Liebeswerk, und machen auch die besten Effekte.

251. Kapitel: Peter Peters feuriger Liebesausbruch gegenüber Jesus. Abschied vom virtuellen Wien. Wer wird sich der unerweckt Zurückbleibenden annehmen?

01 Unterdessen aber berufe Ich den Offizier zu Mir, und frage ihn, sagend: „Wie ist dir nun wohl zu Muthe?" - Er antwortet: „Heiliger Vater! Du Urquell der reinsten und mächtigsten Liebe! Mir ist überaus himmlisch wohl zu Muthe; aber ich kann es nun vor Liebe zu Dir nicht mehr aushalten. O lasse Dich auch von mir umarmen! Mich drängt es mächtig zu Dir hin! Ich vermag es nun nimmer, diesem Drange zu widerstehen. Thue, o Vater, mit mir denn, was Du willst; strafe mich mit der Hölle für meine Vermessenheit! Aber wehre es mir nicht, Dich, Du Liebe aller Liebe, nach dem Drange meines Herzens zu umarmen."

02 Hier fällt der Peter Peter unaufhaltsam an Meine Brust, und weint vor größter Liebe. Ich aber umarme ihn auch und sage zu ihm: „Mein Bruder! Du liebst Mich mächtig; aber Ich liebe dich noch viel mehr! Und siehe, diese Erwiderung Meiner Liebe für die deine ist Meine süße Strafe für dich! Sage Mir, bist du mit deiner Strafe zufrieden?"

03 Sagt der Offizier: „O HErr und Vater! Also ist es, wie man es von Dir erwarten kann und muß. Du bist ja die ewige allerreinste, von jeder Rache, von jedem Zorne, Aerger, von jeder Ungeduld, und von jedem Zwange endlos weit entfernte Liebe. Wie könnte man von Dir je etwas anderes erwarten, als allein das nur, was die reinste Liebe in Dir und aus Dir heraus schaffet.

04 Du bist der alleinige Rettungsanker für alle Verirrten, und für Alle, die auf des Lebens sturmbewegten Wogen von einer wüsten Klippe zur andern geschleudert werden. Du lässest Niemanden zu Grunde gehen, und den Abtrünnigen setzt Deine ewige Liebe und Weisheit Dämme, auf daß sie nicht gleich einem angeschwollenen Strome die edle Saat verderben können, und am Ende ihres Tobens selbst in ein Meer verlaufen müssen, wo ihrem Treiben ein Ziel gesetzt ist, und sie in der Ruhe zur Einsicht gelangen, daß man gegen Deine ewige Allmacht nicht zu Felde ziehen kann. Und so ist Dein Bestreben nach Deiner urewigsten heiligen Ordnung, den Verderber zur rechten Erkenntniß zurückzuführen, und Alles zurechtzubringen, was da schon verdorben war; kurz, mein heiligster, liebevollster Vater, Du suchest stets das verlorne Schaf, und nimmst Tag für Tag eine Unzahl von verlornen Söhnen auf, und rufest ebenso todte Lazaruse aus den Gräbern zum Leben hervor.

05 Darum aber ist es auch billig, daß Dich ein jedes Herz liebe über Alles; denn Du ganz allein bist gut und heilig, überheilig; alle anderen Wesen aber nur allein durch die Liebe zu Dir. Liebt ein Wesen aber irgend etwas Anderes mehr denn Dich, heiliger Vater, so ist es schon schlecht; denn alle Liebe muß Dir zugewandt sein. Liebe ich ein Geschöpf des Geschöpfes wegen, so ist meine Liebe schon eine Sünde; liebe ich aber ein Geschöpf allein Deinetwegen, dann ist meine Liebe eine rechte Tugend, und giebt dem Herzen eine bleibende Seligkeit. - Du bist allein Liebe, und hast uns aus Liebe und für die Liebe geschaffen; daher gebührt Dir allein auch alle unsere Liebe. - - Wer Dich liebt, der betet Dich auch recht an, und eine Null ist jedes andere Gebet.

06 Nicht umsonst sprachst Du schon durch den Mund des Profeten Jesaias: „Dieß Volk verehret Mich mit den Lippen, aber sein Herz ist ferne von Mir." - Nicht umsonst ertheiltest Du der Sünderin Magdalena große Gnaden; denn sie hatte ihr Herz Dir zugewandt; und nicht umsonst riefest Du den Sünder Zachäus vom Maulbeerbaum, denn die Liebe zu Dir hieß ihn den Baum ersteigen. Du, o Vater, warst allezeit Liebe, und alle Sünder, die in ihrem Herzen Deinen Namen anriefen, sind nicht zu Schanden geworden. Darum sei Dir allein alle meine Liebe, denn Du allein bist werth, alle Liebe zu nehmen von Menschen und Engeln. Weinen, heulen und wehklagen aber sollen Alle, die ihre Herzen von Dir abgewandt haben, und sie nicht wieder zu Dir wenden wollen, das sie doch leicht könnten."

07 Sage Ich: „Ganz gut, ganz gut, Mein lieber Bruder! Du hast den rechten Weg gefunden. Leider aber leben in dieser Stadt gar Viele, denen dieser Weg fremd ist, und was aber das Traurigste ist, das ist - daß er ihnen noch lange fremd bleiben wird. Was da reif war, das habe Ich nun geärntet; alles Andere aber ist noch unreif, und muß daher auch noch am Felde belassen werden.

08 Wir werden uns daher auch nicht länger mehr an diesem Orte aufhalten, sondern sogleich nach der Beilegung unserer Geschäfte, die in etwas ganz Geringem noch bestehen, in eine andere Stadt verfügen, deren Namen Ich euch aber erst dann nennen werde, so wir uns in ihrer Nähe befinden werden."

09 Spr. der Offizier etwas wehmüthig: „O du heiliger lieber Vater! Diese Stadt zählt nun mehrere Hunderttausende von Einwohnern, und unser werden hier samt und sämtlich kaum etwas über Tausend sein. Wenn ich dazu noch alle Jene bedenke, deren Staub die Asche der Friedhöfe deckt, also eine Verwesung die andere; was wird mit denen Allen geschehen? Es mögen darunter wohl Einige sich schon lange im ewigen Lebenslichte sonnen, aber Millionen sicher nicht aus diesem Orte. Was geschieht mit diesen? wo sind sie? was wird aus ihnen? werden sie je erstehen?"

10 Sage Ich: Sorge dich um alle Diese nicht! Ich habe gar viele Diener, die diese Schafe waiden und zu führen haben. Es ist daher auch nicht an dem, daß gerade wir Alle führen sollen, sondern nur Jene, die bei ihren Lebzeiten auf der Erde sich hauptsächlich um Meinen Namen bekümmert haben, ob auf falschen oder rechten Wegen, das ist hier gleich. Wenn nur ein Glaube da war, so können wir diesen immer brauchen, ihn zurechtbringen, und d