Jakob Lorber

Die zwölf Stunden

Der Mittelpunkt der Erde

Ein Kulturzeiger der Menschheit und Heilswinke für alle sowie das Bild der Welt in einem Cosmorama empfangen vom Herrn durch Jakob Lorber

Niederschrift von 1859-13.01.1860

Inhaltverzeichnis

Dritte verbesserte Auflage 1895

Inhalt

Erste Stunde

Zweite Stunde

Dritte Stunde

Vierte Stunde

Fünfte Stunde

Sechste Stunde

Siebente Stunde

Achte Stunde

Neunte Stunde

Zehnte Stunde

Elfte Stunde

Zwölfte Stunde

Die „Lumpen“ des verlorenen Sohnes

Fußnoten

Erste Stunde

1. In der sogenannten bessern und gebildeten Welt, wo besonders die christliche Religion unter verschiedenen Sektenformen gang und gäbe ist, wird die Moral zumeist nur also gepredigt, wie sie in politischer Hinsicht den Machthabern entweder in weltlichen oder in geistlichen Dingen gerade am zweckdienlichsten ist.

2. Es wird dem Volke eine graue Kenntnis Gottes beigebracht, nicht darum, daß sie Selben erkennen und lieben, sondern nur als den unerbittlichen Tyrann aller Tyrannen unermeßlich fürchten sollen; und so wird die Gottheit nur als eine Geisel gepredigt, die noch fruchten solle, wenn alle andern Geiseln schon fruchtlos geworden sind.

3. Statt daß die Gottheit dem Volke zum allerhöchsten Troste bekannt gegeben werden möchte, wird sie demselben nur gegeben als Etwas, das nichts zu tun hat, als in jeder Minute Millionen von solchen moralisch verdorbenen und ungehorsamen Kindern in's ewige Feuermeer unwiderruflich zu verdammen;

4. Und so sehet euch ein wenig um, - erblicket die zahllosen Kerker, die alle voll angefüllt sind mit allerlei moralischen Verbrechern, und wie von Minute zu Minute diese Kerker immerwährend einen großzähligen Zuwachs bekommen, daß, wenn diese Kerker auf einem Punkte vereinigt wären, ihr glauben müßtet, die ganze Generation der Erde wird sich in wenigen Jahren bequemen müssen, allda hinein zu marschieren.

5. Und fraget, was geschieht denn nun diesen Menschen, die da hinein kommen? Da sehet nur ein wenig her gegen Morgen; sehet da stehen schon eine Anzahl totenbleicher Scharen, umgeben von allerlei bewaffneten Menschen und giftigen Richtern und sehet weiter da eine Anzahl Mordinstrumente, mit denen diese Unglücklichen hingerichtet werden. Allda sehet ihr brennende Scheiterhaufen, Galgen, Schaffote und vielerlei andere Mordinstrumente. Sehet, das ist die letzte Besserungsanstalt für solche moralische Verbrecher!

6. Nun werdet ihr fragen, was haben denn alle diese angestellt? Ja, sage Ich, es gibt darunter Mörder, Räuber, Diebe, Überläufer und Aufwiegler des Staates. Es gibt ferner noch eine Menge Menschen, die durch allerlei Betrügereien dem Staate großen Schaden gebracht haben; darunter, die sich gegen eine oder die andere politische oder auch moralische Anordnung schwer verstoßen haben. Sehet, da sind sonach die Verbrechen dieser Unglücklichen aufgedeckt, insoweit dieselben als wenigstens ein scheinbarer Grund dienen können.

7. Nun aber wollen wir eine weitere Frage tun, und fragen: Worin liegt denn der Grund, daß diese Menschen zu solchen Verbrechern geworden sind? Und so ihr auch jemand andern fragen möchtet um diesen Grund, so werdet ihr sicher keine andere Antwort bekommen, als: Der Grund liegt entweder in der vernachlässigten Erziehung, oder, was ohnedies Eines und Dasselbe ist, es waren schon ihre Eltern, Vor- und Ureltern also gestaltet.

8. Ich frage aber wieder, woran lag es denn, daß diese Menschen eine so schlechte Erziehung erhielten, ja daß man in der Erziehung eine ganze Generation vernachlässiget hat? Ihr dürfet gar nicht weit greifen, und die Antwort wird sich euch von selbst aufdringen: Der Hauptgrund ist kein anderer als die Politik, vermöge welcher die machthabende Menschenklasse sich um nichts so sehr kümmert, als daß die Untergeordneten ja so viel als möglich in aller Dunkelheit gehalten werden möchten, in der Furcht, wenn das Volk nähere Aufschlüsse über Mich und dadurch auch über seine eigene Bestimmung erhalten möchte, es da mit ihrer Macht und ihren zeitlichen Einkünften bald ein Ende haben dürfte;

9. Oh diese Narren! Sie sollten nur hinblicken auf meinen David, der selbst ein König und ein Prophet, und als solcher ein großer Volkslehrer war, und sie würden alsobald ersehen, daß ein Volk, das Gott und Seine Bestimmung erkennt, auch ein Volk ist voll Gehorsams und guten Willens ist;

10. Und Tausende können mit einer Federflaume leichter regiert werden, als zehn finstere Dümmlinge, die von Mir keine andere Vorstellung haben, als jene eines vielleicht existierenden Tyrannen, oder eines Wesens, das zuvor seinem Gläubigen gleich einem Vampyr den letzten Blutstropfen aussaugt, bis es ihn endlich mit dem ewigen Leben, auf einer lichten Wolke ewig kniend und anbetend, beseligt. –

11. Sehet, ist es da nicht leicht zu begreifen, daß Menschen sich von einem solchen bösartigen Gotte so viel als möglich loszumachen suchen? Und wenn sie auch noch irgend Religion besitzen, so besteht diese in einer puren Zeremonie, und diese nur aus rein göttlichen Rücksichten.

12. Die Folge davon war schon im Anfang keine andere, als daß der weltsüchtigere Teil sich endlich von aller Religion und was immer für einer christlichen Gotteslehre, wie ihr zu sagen pflegt, aus dem Staube gemacht hat;

13. Andererseits entstanden Kirchentrennungen und Sektierereien, und zwar durch Männer, die mehr oder weniger die Torheit einer solch gepredigten Gottheit einsahen, und gewisserart in ihrem Geiste sagten: Höret, mit der Gottheit, wie sie da gelehret wird, ist ja rein nicht auszukommen; wir wollen daher die reine Lehre selbst zur Hand nehmen, sie näher prüfen, und sehen, ob der Gottheit nicht irgend bessere Seiten abzugewinnen sind? –

14. Und sie fanden in solcher Prüfung auch wirklich, daß Ich denn doch kein solcher Tyrann bin; vergaßen aber auf der andern Seite, daß Ich demungeachtet Gott bin, und nahmen dann Meinen Willen ebenfalls zu lau; Andere setzten Mich wieder so hoch hinauf, und philosophierten sich auf diese Weise jede Handlung, die in ihrer Natur nur irgend eine Anregung findet, für gerecht und vollends Meinem Willen gemäß, in der irrigen Idee, daß was immer da ihnen durch den törichten Sinn fährt, ein Wille von Mir sei! und so entstanden anstatt der alten Torheit eine Menge Albernheiten und göttliche Begriffsverschiedenheiten, daß es sich wahrhaft nicht der Mühe wert lohnt, sie für euch aufzuzählen.

15. Der Grund von allem Dem war und ist kein anderer, als, wie schon oben bemerkt wurde, teils die moralische Politik, hauptsächlich aber die Trägheit und auch Furcht bei den Menschen, die vorgezeichneten Wege zum ewigen Leben im Ernste zu wandeln; denn wahrlich sage Ich, wer Mein Reich nicht nimmt, wie Ich es verkündiget habe, der wird es nicht erhalten, und sollte er auch alle Sekten in sich vereinigen, oder unter allen Sekten stehen; denn Ich allein bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Zweite Stunde

1. Da sehet her auf diese Tafel; sehet, das Land, was vor euch ausgebreitet liegt, ist Asien. Sehet da die Völker, wie sie samt und sämtlich mit dem dichtesten (Geistes=) Schleier umhüllt durch einander rennen, und nichts als Wehklagen über Wehklagen aus ihrer hohlen Brust ausstoßen.

2. Hier ist nichts zu finden, als das krasseste Heidentum, und wenn auch noch hie und da eine christliche Schar zu Mir betet, wie sich auf dem Bilde darstellt durch die kleinen nackten und blutenden Menschengruppen.

Da sehet hübsch in der Mitte von Asien eine riesenhafte Burg im Hochlande; es ist die Burg des Gottes Brama. Sehet, dieser stellt es recht an, denn er versteht die Kunst, sogar die Könige zu prellen, und sie mit Dreck zu füttern.

3. Niemand darf sich seiner Burg auf eine Stunde Weges nähern. Wehe dem Frevler; denn die "Engel" dieses Gottes stehen an allen Enden Wache haltend, als Herren über Leben und Tod.

4. Wer da hinkommt in die Nähe, und bringet Gold und Edelsteine, fette Ochsen, Kühe, Kälber und Schafe, dem tun die Engel nichts, sondern sie nehmen das Opfer in Empfang, und der Geber wird bloß mit 50 bis 100 Bambusstreichen entlassen.

5. Ihr werdet meinen, das sei etwas Arges. O nein, sage ich; wer immer da zurückkommt, und zeiget seinen von den Engeln blau geschlagenen Rücken, dem wird selbst göttliche Verehrung erwiesen, und es ist ihm ein Leichtes, sich durch diese Quittung die bedeutendsten Staatsämter zu verschaffen.

6. Allein es ist nicht das Einzige, was solchen Gebern widerfährt; denn kommt da jemand nicht recht tüchtig beladen und bepackt, so wird zwar die Gabe auch angenommen, aber der Geber wird nicht geprügelt, sondern wird von den Engeln mit allerlei andern schauerlichen Bußen belegt, welche Bußen von der Art sind, daß sie hier erzählt beinahe unglaublich oder wenigstens im höchsten Grade lächerlich klingen müßten.

7. Daß z.B. jemand Jahre lang auf einem Fuß unter einem Baume stehen muß, ist nur eine Kleinigkeit; denn diese Engel sind in dergleichen Bußwerken so erfinderisch, daß ihr, gäbe Ich sie euch alle kund, selbst Mir hart glauben würdet.

8. Ihre Grausamkeit hat in dieser Hinsicht keine Grenzen; und doch ist ihre Verfassung überall so proklamiert, daß niemand nach ihrer Lehre die ewige Seligkeit erlangen könne, wenn er diesen Brama nicht wenigstens einmal in seinem Leben ein tüchtiges Opfer dargebracht hat.

9. Allein solche Opfer sind noch nicht alles, was dieser Brama von seinen Gläubigen verlangt; er verlangt auch Menschenopfer. Fürs erste muß ihm jedes Weib nach dem Tode des Mannes geopfert werden, fürs zweite müssen ihm jährlich Mädchen und Knaben geopfert werden, d.h. die Mädchen dürfen nicht unter zwölf, aber auch nicht über vierzehn Jahre alt sein; Knaben aber müssen schon im sechsten Jahre ihres Alters geopfert werden.

10. Es versteht sich von selbst, daß die Mädchen von der ausgezeichnetsten Schönheit und die Knaben von der frischesten Gesundheit sein müssen. Wer von den Eltern ein solches Opfer darbringt, nebst noch einer andern bedeutenden Aussteuer dazu, der kann sich dann zwei Dinge erbitten, nämlich daß er fürs erste einen sogenannten Ablaß von allen seinen Kindern erlangt, und ihm alle Bußwerke erlassen werden, oder er kann sich auch, was eine besondere Begünstigung ist, von den Engeln alsogleich von seinem Körper entbinden lassen, um auf diese Weise höchst zuverlässig zu seiner Seligkeit zu gelangen?

11. Ein anderes Begnadigungsmittel ist noch das, daß, so jemand ein hübsches junges Weib genommen hat, so darf er dieselbe nicht eher berühren, sondern wenn er diese Gnade erhalten will, so muß er sie an die Grenze, da die Engel Wache halten, hinbringen. Allda muß sie sich im Angesichte der Engel ganz nackt ausziehen, in ein schon dazu bereitetes Bad steigen, und sich da waschen, und wenn sie aus dem Bade kommt, sich dann festlich schmücken, und sich von dem Wache habenden Engel drei Nächte hindurch beschlafen lassen.

12. Wenn sie dann zurückkommt, ist sie dann auch hinreichend gesegnet; und dieser Segen kann eine solche Wirkung haben, daß sie, falls der Gatte früher stürbe, sich nicht zu verbrennen braucht, sondern kann entweder eine andere Person für sich verbrennen lassen, oder sich vor dem Verbrennen mittelst einer bedeutenden Opferung gänzlich verwahren. –

13. Ja es gehen die Narrheiten oft noch weiter; so ist unter anderem auch das eine Begünstigung, welches aber nur dann vollzogen wird, wenn das dafür entsprechende Opfer verabfolgt wurde, daß einem von 1 bis 3 Jahre alten Mädchen von einem solchen Engel die Schamlippen bis auf eine kleine Öffnung zusammen genäht werden, zur Bewahrung der Keuschheit, und wenn dann ein solches Mädchen mannbar geworden ist, so wird sie dann wieder hingebracht, und ein solcher Engel macht dann wieder ihrer Mannbarkeit Luft; anderer Torheiten ohne Zahl nicht zu gedenken, die da gang und gäbe sind.

14. Sehet, solchem Unsinne muß Ich schon beinahe in das dritte Jahrtausend zusehen, wie dieses verruchte Volk im Besitze von der alten noch vorsündflutlichen Religion, davon ihr jetzt schon einige Kenntnisse habt, solchen unaussprechlichen Unfug treibet! – Da sehet her am Ende der erleuchteten Tafel: Seht, eine Sanduhr ist es, und wenige Körnchen nur sind noch zum Falle übrig. –

15. Ich will euch nicht all' die scheußlichen Bilder von Persien, Arabien, der Türkei, dem chinesischen Reiche, Sibirien und anderer kleinerer Staaten nicht zu gedenken, vorführen; denn ihr werdet nirgends etwas anderes entdecken, als den allerscheußlichsten Völkerdruck, und der überall gepredigte Gott ist wahrlich nichts anderes, als der Satan selbst in den verschiedenartigsten Ausartungen seiner Bosheit.

16. Kümmert euch aber jedoch nicht Meiner Langmut; denn die Armut des Geistes wird schon bereichert werden. Aber wehe den Dienern der Bosheit! O ihr Lohn wird groß werden! –

17. Ich sage, so erfinderisch auch der Satan ist, aber wahrlich Ich habe im Geheimen auch eine Erfindung gemacht, über die er sich bald von Ewigkeit zu Ewigkeit wird zu wundern haben. Ich habe lange geduldet, und wartete allenthalben auf Besserung; allein die Erde ist voll Eckelgeruchs geworden; darum habe Ich Meine Fackel schon angezündet, um sie in der Bälde zu verbrennen, damit ihr Eckelgeruch nicht sogar in Meine Himmel emporsteige, und die Wohnungen Meiner Getreuen verpeste.

18. Daher - sehet auch ihr zu, daß euch die Welt nicht ärgere! Denn jedes ihrer Worte ist eine Schaumblase, angefüllt mit tödlicher Pestilenz. - Daher höret Mein Wort, und befolget Meinen Rat, so wird euch das Feuer der Erde nicht brennen, wenn Ich sie anzünden werde; denn es wird dieses Feuer Leben bringen den Lebendigen, und Tod den Toten!

Dritte Stunde

1. Nun da sehet her, das Land, das sich euren Blicken auf der weißen Tafel darstellt, ihr möget es wohl erkennen, es ist Afrika. Sehet es nur recht wohl an, es ist keine Landkarte, sage Ich euch, sondern das wirkliche Land im treuen Bilde.

2. Sehet hier die nördlichen Küsten, sehet hier im Norden das alte Ägypten; sehet weiter hin gegen Westen all' die euch bekannten Raubstaaten, besehet allda die schroffen Gebirgsmassen und zwischen ihnen wieder unabsehbare Sandwüsten und Steppen. –

3. Sehet, überall herrschet der Abgott Mohamed; überall Raub, Mord, Sklaverei, und andererseits Despotismus und Tyrannei im höchsten Grade!

4. Sehet, alle diese Einwohner, die da noch irgend ein Gewerbe treiben, sind nichts als Leibeigene ihrer Herrscher; das Schwert des Despoten umschwirrt beständig ihren bloßen Nacken, so sie nicht alles beinahe, was sie sich erworben, abgeben an ihren Herrscher.

5. Sehet, wie ihre Priester ihnen von ihren Türmen Fluch und Trug, aber keinen Segen predigen, und sättigen die Armen mit ihrer elysäischen Luft; während diese ihnen für dieses Nichts noch Das, was ihnen der Herrscher gelassen, wenigstens zur Hälfte opfern müssen.

6. Sehet, wie einige wenige Christen hier eine ganz elend klägliche Figur machen, während wieder andere mächtigere Namen-Christen wohlbewaffnet in mächtigen Heeren herumziehen und die Elenden noch elender machen, als sie ohnedies sind, und bringen ihnen, wie ihr sehet, statt Meinem Segen und Meiner Gnade, Krieg, Tod, Verheerung, Hungersnot und noch andere zahllose Übel. Wahrlich, so arg hat es Saulus nicht getrieben in seiner Christen-Verfolgung, als diese Christen es treiben mit den Elenden. Jedoch lassen wir diese Küste da oben, und sehen wir ein wenig nach Ägypten.

7. Sehet dieses schöne Land, diesen einstmaligen Segen Jakobs. Sehet hin, wie es aussieht; wahrlich die Hure Babels ist eine reine Jungfrau dagegen.

8. Es bewässert zwar noch der alte Nil den Boden, da Joseph herrschte und dem Pharao alles war; aber welches Land bewässert dieser Nil jetzt?

9. Als das israelische Volk von Mir heimgeführt wurde aus diesem Lande, war dasselbe heimgesucht mit 7 harten Plagen auf eine kurze Zeit nur, bis die Kinder entlassen wurden; allein was waren diese Plagen gegen die jetzigen, deren Zahl kein Ende hat, ja sie waren ein wahres Manna des Himmels dagegen.[1]

10. Damals beherrschten dasselbe Land Heiden zwar; aber sie waren doch wenigstens Menschen, und wußten wohl zu achten den Wert des Menschen, und ihre Lehre war eine, die, wie die mittelasiatische, aus den Zeiten Noah's herrührte, und war ihnen wohl bekannt das Wesen des großen Gottes; und waren aus dieser Kenntnis in mannigfacher Weisheit, welche sie freilich nur gewissen Menschen durch ihre Mysterien lehrten, und taten dieses darum, damit der große Gott nicht durch irgend einen Unfähigen und Unwürdigen entheiliget werde; aus welchem Grunde ihr Land denn auch strotzte von den sogenannten Weltwundern aller Art, und ihre Weisheit und ihre Schule war bei allen Nationen als groß anerkannt. [2]

11. Noch heutigen Tages sehet ihr große Überreste der vormaligen Größe dieses Landes über den heißen Sand emporragen; aber nun sehet dieses Land jetzt an. Sehet dessen arme Völker, wie sie gleich andern Tieren gejagt werden; sehet da ziemlich südlich einige friedliche Hütten, eingeschlossen von beinahe unübersteigbaren Bergen.

12. Doch daher blicket, und schauet kühne, bewaffnete Kletterer des Despoten kühn ersteigen die Bergspitzen, und sehet hin, wie sie sich hinabstürzen auf die friedlichen Hütten, all' die friedlichen Bewohner übel umbringen, und ihre ganze Habe fortschleppen, und setzen andere gefangene Menschen an ihre Stelle und legen ihnen bei der fürchterlichsten Todesstrafe die saure Pflicht auf, wenigstens für 10 Jahre im Verlauf von 3 Jahren den Tribut für den Despoten zu erarbeiten.

13. Sehet hierher, da ist eine andere solche Landschaft, da vor 3 Jahren solches geschehen; sehet, wie diese Tribut-Erheber sich soeben jenen dahin gestellten Sklaven nähern, und ihnen alle ihre erworbene Habe nehmen und fortschleppen, nachdem sie sie zuvor grausam gemißhandelt, und alle ihre Weiber und Mägde genotzüchtiget haben.

14. Nun da sehet weiter herauf, sehet hier mehrere despotische Kriegsknechte mit Schlingen, Schwertern und Schießgewehren versehen; daher sehet, wie so eben die Schlingen über die flüchtigen Bewohner dieser Gebirgsgegend hin und her geworfen werden; sehet da ein wenig gegen Westen, wie einige über Felsen kletternd die Flucht ergreifen, Väter, Mütter, Kinder. Jung und Alt klimmen mit blutenden Fingern, um zu entrinnen den Wüterichen; aber sehet auch zugleich, wie ihnen diese nachsetzen, und nun Eines um das Andere von dem Felsen herabschießen; und nun seht, wie sie da schon eine Menge Gefangener, Männer und Jünglinge, zusammenknebeln, um sie auf die elendeste und niederträchtigste Weise an den Ort ihrer militärischen Bestimmung zu bringen.

15. Und nun gehet mit eurem Blicke wieder herab von den Bergen, und sehet da einen befugten Machthaber und Tributswächter des Despoten, wie er, um seine Geilheit aufzufrischen, einen ganzen Troß von Sklavinnen mit einer Peitsche durcheinander treibt, um dann wieder eine unter seinen mächtigen Hieben Blutende beschlafen zu können; anderer Greuel, die hier in diesem Lande jetzt zahlreich verübt werden, nicht zu gedenken.

16. Nun sehet, wie dieses Land aussieht; vergleichet diese Plagen mit den einstigen sieben, und wahrlich, ihr müsset es gestehen, daß sie ein reines Manna des Himmels waren; denn wollet ihr euch den höchsten Grad der höllischen Verworfenheit denken, so reiset nach Ägypten, und ihr werdet ihn buchstäblich finden.

17. Denn Ich sage, und kann euch nicht mehr sagen, so weit ist es allhier gekommen, daß sogar eine Wohltat, die alldort ausgeübt wird von den Großen dieses schönen Reiches, eine allerbarste Grausamkeit ist.

18. Da sehet nur ein wenig hierher in die Krankenhäuser, Hospitäler und Irrenanstalten; sehet, wie die Kranken mit allerlei Mitteln gemartert werden, die Armen beinahe mit Unrat gefüttert, und die Irrsinnigen gleich den Mumien in den Mauerlöchern, versehen mit einem eisernen Gitter, kauern, schreien und wehklagen.

19. Ich will euch die Sache nicht näher auseinandersetzen, und es genüge, wenn ich sage, daß alldort eine Wohltat eine barste Grausamkeit ist; denket euch selbst, unter welcher Gestalt dann erst die Grausamkeit selbst erscheint.

20. Nun lassen wir diesen nördlichen Teil dieses elenden Landes, wie auch den von ganz Afrika, und dahier sehet die unbekannte Mitte dieses Landes! Sehet hier noch hie und da die Hütten zerstreut, sehet, dieses Land ist groß und ist ringsum eingeschlossen von den unübersteiglichsten Bergen; sehet, das ist der einzige Punkt der Erde, da sich noch eine unverdorbene, höchst gutmütige Menschenklasse vorfindet.[3]

21. Sehet diese Menschen sind alle noch im innern Schauen, und außer einem von Mir abgesandten Jünger des Apostels Thomas, hat noch kein fremder Fuß dieses Land betreten, und so ist dieses freilich kleine Völklein, welches sparsam nur die heißen Gegenden bewohnt, in Meiner reinen Lehre, die bis auf diese Stunde noch nicht getrübt worden ist.

22. Das ist zugleich der einzige kleine Anhängepunkt, der die Erde noch verbindet mit Meinem Himmel, und merket euch wohl, was Ich euch soeben sagen werde: Wenn ein frecher Fuß dieses Heiligtum habsüchtig betreten wird, will Ich Meine Fackel über die Erde schleudern.

23. Aber sehet da eben von diesem Lande aus gegen Osten und gegen Westen, wie zwei Hauptnationen voll Habsucht und Gier schon alle möglichen Leitern an die Gebirge anlegen, um in diesem Lande ihren unersättlichen Durst nach dem vermeintlichen Golde zu stillen.

24. Ja, Ich sage euch, es wird ihnen auch bald gelingen, und sie sind nahe daran, da hinein zu dringen; aber wahrlich, sage Ich, sie werden kein Gold finden, darnach sie dürsten. Sie werden zwar ein Gold finden; aber dieses Gold wird mit seiner Schwere die ganze Erde übel erdrücken.

25. Und nun begebet euch noch ein wenig hierher, an die südwestliche Küste dieses Landes. Sehet da dem löblichen Menschenhandel ein wenig zu, sehet, wie allda despotische Wucherer ihre unter allen Namen verruchten Schiffe mit den armen unsterblichen Menschen vollauf bepacken; sehet ein wenig herein in dieses Schiff; sehet, wie es ringsum kaum spannhohe Brettergalerien hat, und wie da auf diese Galerien gleich Holzscheiten diese Armen neben einander hin auf dem Bauche liegend geschichtet werden.

26. Nun seht, es ist ein solches Schiff bepackt mit 600 bis 1000 solcher Unglücklichen; vor eines Jeden Mund wird zu seiner Nahrung von dieser Küste aus bis nach Amerika hin ein 4 Pfund schwerer Steinbrodziegel gelegt, vorne gegen den Mund zu läuft überall eine Rinne, da für alle einmal des Tages Wasser hineingegossen wird;

27. Sehet, mit dieser Kost muß ein so armer Mensch eine Reise von oft 2000 Meilen machen, und während der Fahrt wird täglich eine Untersuchung geführt, ob nicht einige zu Grunde gegangen sind. –

28. Wie geschieht aber diese Untersuchung? Da sehet her, da geht so eben ein sogenannter Sklavenwärter mit einem spitzigen Instrumente längs der Galerien herum, und sticht irgend einen in den Fuß, und schreit der so Gemißhandelte, so gilt das für ein Zeichen, daß er noch lebt.

29. Es gibt auch noch andere Lebensprobiermittel, die sich solcher echt satanische Frevel dieser Menschenkaufleute erlaubt; allein wir wollen deren nicht ferner gedenken, denn das ist gewiß, daß, so diese Kaufleute Löwen, Tiger, Schlangen und Hyänen führen, daß sie diesen Bestien eine unendlichmal größere Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Pflege reichen, als ihren armen Brüdern.

30. Und damit haben wir den ganzen Weltteil kennen gelernt, so blicket noch ein wenig herab auf den südlichen Teil dieses Landes, das da Gute - Hoffnung genannt wird. Wahrlich sage Ich euch, da ist wirklich für den Satan eine gute Hoffnung; denn eben dahier ist der Handel so bedeutend, daß der Fürst der Finsternis seine Kapitalien durchgehends mit 1000 Prozent anlegt.

31. Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen; wie sehr Mir solches Tun und Treiben gefällt, namentlich von Christen zu allermeist, könnet ihr euch leicht denken. Da wird ein großer Lohn folgen!

Vierte Stunde

1. Und nun sehet her auf die Fläche. Wieder ein anderes Bild; es ist allda nichts zu sehen, als Woge an Woge, und wie eine Flut die andere treibt. Ich darf Euch nur sagen: Es ist dieses Bild nichts anderes, als ein kleiner Teil des atlantischen Meeres, und in dieser vierten Stunde wollen wir uns somit auch auf dieser großen Wasserfläche ein wenig herumtummeln, um hie und da ein wenig dem Tun und Treiben der schwimmenden Häuser zuzusehen. –

2. Nun sehet her! Da auf dem westlichen Rande der Platte zeigt sich soeben ein großes sogenanntes Linienschiff, und sehet, zu dessen Seite noch eine Menge anderer kleinerer Fahrzeuge unter verschiedenen Benennungen.

3. Nun, wir wollen dieses Schiff ein wenig verfolgen, und sehet dahier auf dieser Seite im tiefen Süden zeigt sich eine ziemlich bedeutende Insel; sehet das Schiff geht in gerader Linie auf diese Insel los. Was meint ihr wohl, was dieses Schiff im Schilde führt? –

4. Ratet ein wenig, blicket hinein in seine Vorratskammern; sehet, es ist wenigstens auf 6 Jahre verproviantiert. Schauet in die goldene Kajüte des Kapitäns; seht auf die Tische hin, und ihr werdet finden Karten der Länder und die verschiedenartigsten Meßinstrumente.

5. Nun dürftet ihr wohl schon beinahe erraten, was dieses Schiff im Schilde führt; nur wartet noch ein wenig. Betrachtet die Mienen des Observators am hohen Maste, wie er mit einem Rohre versehen nach allen Seiten herumstiert und die unübersehbare Wasserfläche von Woge zu Woge mustert; aber noch immer erblickt er kein Land.

6. Seht, wie Verzweifelnde rennen die Menschen am Verdecke des Schiffes durcheinander; denn die lange dauernde Seefahrt hat ihnen das süße Wasser aufgezehrt.

7. Nun sehet ein wenig die Szene! Sehet, dahier werden Lose in einen Topf geworfen; sehet nun ziehen sie. Ein armer Neger hat das Los gezogen; seht nun wird er entkleidet, seine Augen werden ihm verbunden; beide Arme an der Achsel fest unterbunden. Sehet, es naht sich der Scherge und öffnet ihm die Adern, und das Blut, das aus seinen Adern entströmt, wird alsogleich mit etwas Rum vermenget, zur Stillung des Durstes getrunken, der entblutete Neger aber wird alsobald über Bord in's Meer geworfen; und weil dieser Trank nicht für alle hinreichte, so wird dieses Verfahren noch an einigen vollzogen und aus ihren Adern der Bluttrank bereitet.

8. Obschon diese Szene zu den äußerst seltenen gehört, und nur in der äußersten Wassernot dazu geschritten wird, so ist sie deswegen nichts desto weniger als zu entschuldigen; ja es wäre ein anderes wenn in einer solchen Not sich einer oder der andere aus übergroßer Nächstenliebe entschließen möchte, seine Brüder zu ihrer Rettung vom Tode mit seinem Blute zu tränken, welche Tat dann wirklich für den, der solches täte, ein großes Zeugnis seiner Nächstenliebe wäre; aber auf diese Art ist es ein Greuel, und es wäre besser, Tausende opferten sich freiwillig für einen, als daß einem eine solche grausame Tat angetan wird. –

9. Aber nun sehet, der Observator schreiet "Land" vom Korbe; sogleich ist alles heiter auf dem Schiffe, alle Segel werden, wie ihr sehet, nach dieser Insel hingerichtet. Sehet, wie ein Pfeil fliegt das Schiff über turmhohe Wogen dahin, und sehet, sie haben soeben eine Bucht erreicht; die Anker werden geworfen, alle Mannschaft bis auf die nötigen Wachen eilet in die kleinen Fahrzeuge und mit diesen an die Küste.

10. Sehet wie sie da an der Küste alsobald eine frische Quelle entdecken, und es nun toll und voll zugeht, um das frische Wasser zu nehmen; und so ist in einigen Stunden das Schiff wieder mit süßem Wasser versehen, und wird jetzt alles wieder flott gemacht.

11. Langsam bewegen sich nun die Fahrzeuge längs der Küste, um zu sehen, ob dieses Land schon irgend bewohnt ist, oder nicht? Sie entdecken nun soeben einen Ort, aus einfachen runden Hütten bestehend; sogleich näherten sie sich diesem Orte.

12. Es wird gelandet und ans Land gestiegen; die Bewohner von dem Kanonendonner aufgeschreckt, ergreifen die Flucht; aber alsobald werden ihre Hütten klein durchsucht, und was da gefunden wird, wird in Empfang genommen, was es nur immer sei, und welchen Namen es auch haben möge. Sehet, da wurde schon ein armes Völklein seiner ganzen Habe beraubt; allein das ist noch nicht alles von dieser Szene.

13. Diese armen Fliehenden werden verfolgt, nicht selten fast gänzlich aufgerieben, oder, wenn es gut geht, wenigstens gefangen genommen und als gute Handelsprise nach Zeit und Gelegenheit in Amerika verkauft.

14. Sehet, nun werdet ihr schon wissen, was dies für ein Schiff war, und was es im Schilde geführt. Seht, es war ein Schiff, das auf Entdeckungsreisen ausgeht.

15. Lassen wir aber dieses Schiff nun seinen infam schlechten Weg fernerhin verfolgen, sehet, dahier ist schon ein anderes. Jedoch dieses Schiff, was ihr jetzt sehet, zeig' Ich euch im Geiste nur; denn es ist schon im Jahre 1835 im mittelländischen Meere entdeckt worden von einem andern französischen Schiffer, und wurde auch sogleich vernichtet. –

16. Jetzt aber zeige Ich es euch, wie es vor dieser Zeit im atlantischen Meere sein Unwesen trieb. Wohlgemerkt, es ist dieses etwa nicht das einzige; wohl bei 20 Schiffe der Art treiben sich noch gegenwärtig in den atlantischen Gewässern, Unheil bringend herum.

17. Die Herren dieser Schiffe sind meistens Spanier und Portugiesen, und nur 4 darunter sind muselmännisch. Und sehet, dieses Schiff läuft so eben voll mit Sklaven bepackt von der Küste Afrika's ab, um dieselben nach Amerika an einen dortigen abermaligen Sklavenhändler zu verkaufen; aber nun sehet her, kaum 200 Seemeilen von der Küste entfernt, wird es von einem englischen Schiffe entdeckt, verfolgt und gefangen genommen.

18. Die Matrosen wehren sich verzweifelt, allein es nützt nichts; die Macht des englischen Schiffes ist diesem Raubschiffe bei weitem überlegen, und so muß sich dasselbe ergeben. Die englischen Matrosen steigen nun alsobald auf das Verdeck dieses Schiffes, befreien die Sklaven, und bringen dieselben auf ihr Schiff unter eine etwas bessere Pflege.

19. Was geschieht aber mit diesem Raubschiffe? Da sehet nur recht genau her, ihr werdet es gleich entdecken. Sehet, wie emsig die englischen Matrosen, also kommandiert von ihrem Befehlshaber, die sämtliche Mannschaft dieses Schiffes ausziehen, ihre Kleider ins Meer werfen, die Menschen aber mit langen spitzigen Nägeln nach der Ordnung der Sklavenlagerung an's Verdeck annageln, den Kapitän aber auf dem Maste bei den Händen mit dem Gesichte auswärts aufhängen und seine Füße mit einem Stricke unter dem Maste befestigen; und als sie mit dieser Arbeit nun fertig sind, gehen sie in die Kajüten, nehmen noch alles Brauchbare zu sich, spannen dann die Segel dieses Schiffes, verlassen es dann, natürlich in ihr Schiff zurückkehrend, und geben es mit dem gellendsten Jammergeschrei von dem Verdecke dem Winde preis. –

20. Sehet und denket, was da am Ende herauskommen muß, wenn eine Grausamkeit gegen die andere also bloß nach grausamer Laune auftritt! - und denket, wie sich solche Szenen im Angesichte Dessen ausnehmen, der noch am Kreuze sterbend für seine Feinde den Vater um Vergebung bat! –

21. Gäbe es denn keine anderen Mittel, um das Übel des Sklavenhandels zu unterdrücken, als gerade solche, die entweder so oder so, doch stets mit dem Siegel der kaum denkbaren Grausamkeit bezeichnet sind.

22. Aber ihr werdet fragen, was haben denn die Sklavenbefreier jetzt mit den Sklaven getan? Meinet ihr, sie haben dieselben etwa zurück in ihr Vaterland gebracht; o nein, das haben sie nicht getan.

23. Sie verkauften zwar dieselben auch nicht; aber sie behielten sie in eigenen Diensten, da sie selbst Besitzungen in Amerika hatten; und auf diese Art kamen sie ihnen natürlich viel billiger, als wenn sie sie hätten kaufen müssen. –

24. Und so sehet, wird jetzt gegen diesen Sklavenhandel von Seite Englands wohl große dagegen strebende Aufsicht gepflogen. Wird nun ein solches Schiff, mit Sklaven bepackt, entdeckt, so wird es alsobald gewaltig strafend gefangen genommen, die Sklaven werden frei gemacht, und dort entweder frei zur Arbeit verwendet, häufig aber dann auch aus freier Hand verkauft; und so ist dann diese Handlungsweise nichts anderes, als was das alte römische Sprichwort sagt: Scyllam prateris, Charybdim invadis.

25. Sehet, dieses zeigte Ich euch bloß darum, damit ihr euch den wahren Begriff von der sogenannten Aufhebung des Sklavenhandels machen könnet. Und so bleibt ein schnöder Kaufmann ein Kaufmann, und scheut sich gar nicht, in Meinem Heiligtume seine schändlichen Wechselbuden und Kramläden aufzurichten.

26. Ja, wenn du einem solchen Geldhunde eine Million Goldstücke bietest, verkauft er Dir das blutende Herz seiner eigenen Tochter, und du darfst ihm nicht noch einmal so viel bieten, so ist ihm auch der Kopf seines erstgeborenen Sohnes feil. –

27. Aber ihr werdet sagen, gehet es denn auf allen Schiffen so elendiglich zu? wird nirgends in diesen schwankenden Häusern Gottes gedacht? –

28. Da sage Ich euch: es ist zwar ein jedes Schiff mit einem, oft auch mit mehreren Priestern versehen, welche der Zeremonie wegen, so wie eine Musikbande der Matrosen wegen, einem solchen Schiffe als Ballast beigegeben werden, und letztere Benennung hat auch das meiste Gewicht; denn alles andere ist nichts, als leere Form, und die Staatsfahne des Schiffes ist auf diesem Schiffe ein bei weitem größeres Heiligtum, als die gesamte Priesterschaft und ihr schwankender Gottesdienst. Bei einigen Besseren werde Ich nur dann angerufen, wenn donnernde Wasserwogen sie auf kurze Zeit von ihrem Gewinntaumel erwecken.

29. Übrigens ist auf jedem Schiffe die Tyrannei so gang und gebe, daß sie einem Herrscher Ägyptens an die Seite gestellt, selben keine Schande machen würde; und diese kalte und trockene Gefühllosigkeit der oberen Seeleute wird dann in der moralischen Welt die Schiffszucht genannt. -

30. Ich sage aber zum Schlusse dieser 4ten Stunde: Wohl bekomme es solchen gewaltigen Bemühungen; wahrlich ihr Lohn wird dereinst nicht klein sein!

Fünfte Stunde

1. Und nachdem wir uns jetzt auf dem Meere herum schiffend befunden haben, so lasset uns denn ein solches Sklavenschiff besteigen, und mit demselben unter sehr günstigem Winde ebenfalls und zwar nach Nordamerika segeln.

2. Da sehet, dieser grüne Streif, der da anfängt sich zu zeigen, ist schon ein wohlbekannter nordamerikanischer östlicher Küstenstrich.

3. Sehet, wie er immer deutlicher und deutlicher wird; sehet, schon bemerket ihr eine große Stadt, versehen mit einem großen Hafen.

4. Nun sehet, wir sind vollends da, wie es wogt und wimmelt von gewinnsüchtigen Menschen auf den Schiffen, in dem Hafen und auf den Wällen desselben.

5. Sehet jetzt, so eben werden die freien Sklaven an's Land gesetzt, alles läuft und rennt dahin; aber da kommt ein überaus wohlgenährter Zuckerplantagen-Inhaber, und verdinget die Sklaven in seinen Dienst.

6. Dem Schiffskapitän, der an diesen Sklaven ein so menschenfreundliches Werk ausgeübt hat, wird zwar für die überbrachten Sklaven kein Kaufschilling geboten, sondern es wird ihm bloß eine wohlgenährte Belohnung für seine menschenfreundlichen Gesinnungen dargereicht. –

7. Nun sehet, auf diese Weise bekommt solche grausliche Mäklerei freilich eine äußere Humanität und Schein von Menschen- und Nächstenliebe; aber im Innern ist sie nichts anderes, als derselbe Sklavenhandel, nur unter einer moralischen Politik.

8. Da sich aber die Sache so verhält, so wollen wir einen kleinen Blick auf eine solche Zuckerplantage tun; und damit wir nicht lange auf unserer Tafel herum zu suchen brauchen, so sehet nur alsogleich hierher!

9. Da unweit außer der Stadt, sehet da, in der Mitte der Tafel ist gerade die sehr bedeutende Plantage unseres früher gesehenen großmütigen Belohners der Menschlichkeit.

10. Da sehet hin auf einen kleinen Teil nur seiner Besitzung, wie da 100 solcher Armen fast ganz nackt unausgesetzt arbeiten müssen.

11. Sehet, wie hinter je zu 10 ein ebenfalls gut aussehender Sklavenvogt mit Flinte und Schwert bewaffnet, und obendrauf noch eine scharfe Hetzpeitsche in der Hand hält, und wenn sich so ein Armer nur eine Minute lang von der Erde aufrichtet, um seinen Arbeitsschmerz zu lindern, da ihm durch das beständige Gebücktsein beinahe alle Glieder steif geworden sind, sehet nur hierher, und überzeuget euch selbst, wie grausam der ehrliche sorgsame Vogt alsogleich sein Hetzwerkzeug in Bewegung setzt, in dessen Benützung er eine solche Fertigkeit hat, daß jeder Hieb reichlich das Blut aus dem Leibe des getroffenen Armen entlockt.

12. Ihr werdet aber meinen, vielleicht werden doch diese Sklaven wenigstens menschlich genährt, damit sie hinreichende Kraft bekämen für solche Arbeiten, bei denen der Satan erliegen müßte.

13. Ich will es euch nicht sagen, sondern sehet selbst daher auf diesen kleinen Fleck, und was ihr sehet, ist eben eine solche Sklaven-Mahlzeit.

14. Ihr sehet freilich nach irgend einer Schüssel; allein die Schüssel, und nicht nur eine, sondern viele für so viele Sklaven, hätte der Inhaber ja ums Geld kaufen müssen, und da fragt ein Solcher, was kommt billiger, als eine solche Schüssel und nach nicht langem Denken findet der große Spekulant einen ausgehöhlten Baumstamm, gleich einem großen langen Troge, im Hofe aufgerichtet, für zweckdienlicher. –

15. Und nun sehet in dieser langen Schüssel das Gericht, welches in nichts anderem besteht, als im Wasser nur schlecht gekochten Hülsenfrüchten, das da entweder in Linsen, Bohnen oder an Feiertagen in einer Art Feldgrütze besteht. –

16. Mit solcher Kost wird also dieser Trog gefüllt, und die Arbeiter werden dann entweder durch die sogenannte Sklavenrätsche oder auch durch Peitschenknall eingeladen.

17. Es versteht sich aber, daß zu dieser Mahlzeit nur die nahe arbeitenden Sklaven geladen werden; Diejenigen, die in der Ferne arbeiten, werden entweder mit einer Art Brot versehen, an welchem ihr wahrlich ersticken würdet, oder wenn die Arbeit in der Ferne nicht zu sehr nötigend ist, so wird ihnen gestattet, sich dort in einer eigens dazu errichteten Hütte ihr bekanntes Mittagsmahl abzukochen.

18. Aber, wohl gemerkt, über 1/4 Stunde darf die Mahlzeit außer an einem Feiertage nie dauern. Wer da allenfalls zu spät gekommen wäre, wenn das Zeichen zur Arbeit wieder gegeben wird, der setzt sich augenblicklich den derbsten Mißhandlungen aus.

19. Mit hölzernen Löffeln wird nur an Feiertagen gespeist. Nun würdet ihr fragen, was haben denn diese Sklaven für einen andern Lohn? Die gar fleißigen, die so zu sagen Tag und Nacht sich zu Tode arbeiten, bekommen dann und wann etwas Rum und einige Früchte, und sogar für Feiertage eine abgetragene Jacke anzuziehen.

20. Das ist schon so ungefähr das meiste, womit diese Armen menschenfreundlich bedacht werden; für die andern ist ein sechsstündiger Schlaf und die bekannte Mahlzeit alles, was sie für ihre Arbeit zum Lohne bekommen. –

21. Nun werdet ihr fragen, hat denn ein solcher menschenfreundlicher und großmütiger Plantagen-Inhaber in Hinsicht auf die Behandlung seiner Sklaven keinen Herrn über sich? Sehet, das kann ich euch nicht im Bilde zeigen, sondern es euch glatt heraussagen: Nein! - sondern er ist in dieser Hinsicht ein unumschränkter Machthaber über Leben und Tod seiner Arbeiter, und hat das Recht, einen ungehorsamen Sklaven mittelst jeder beliebigen Todesart hinzurichten.

22. Damit ihr aber dieses so recht einseht, wie herrlich grausam ihre Gesetze sind, so zeige ich euch ein Beispiel, dergleichen dort zu Hunderten, ja zu Tausenden erlebt werden.

23. Jüngst sind einem solchen Teufel wegen zu satanischer Behandlung zwei Sklaven durchgegangen. Ein nachbarliches Haus hatte dieselben aufgenommen; denn dieses nachbarliche Haus hatte doch wenigstens noch eine kleine Portion von menschlichem Gefühl im Leibe.

24. Alsobald begab sich der beeinträchtigte Teufel zur Behörde, und reklamierte seine Flüchtlinge; das nachbarliche Haus, der Gesetze wohl bewußt, meldete sich alsobald bei der Behörde, und führte vermöge der vernommenen bitteren Klagen von Seite der Sklaven ein Wort zu ihren Gunsten.

25. Sofort entstand ein Prozeß zwischen diesen beiden Nachbarn; und wie meinet ihr, wie die weisen Richter dieser Sache entschieden haben? Ich will euch das blanke Urteil hier kund geben, und so möget ihr es am füglichsten erschauen, wie es in dem gebildet verschrieen Nordamerika steht.

26. Da habt ihr das Urteil, welches also lautete: "Der Nachbar hat bei Vermeidung einer Strafe von 1000 Pfund die beiden Flüchtlinge dem Eigentümer entweder tot oder lebendig zu übermachen; wenn sie gehen, mögen sie lebendig dahin gebracht werden, im Weigerungsfalle aber hat sie besagter Nachbar alsogleich niederzuschießen, und entweder ihre Köpfe oder ihre ganzen Leiber dem Eigentümer zu überbringen, woselbst dann dieser nach seinem Gutdünken zu verfahren hat.

27. Sollten aber besagte 2 Flüchtlinge sich vor der erfolgten Exekution aus dem Staube gemacht haben, so hat jeder das notwenige Recht, sie auf Steg und Straße, wo sie nur immer angetroffen werden möchten, alsogleich zu erschießen." –

28. Nun muß Ich nur noch eines erwähnen, damit ihr die Schändlichkeit ganz kennet. Es war im Urteile die Rede vom Gutdünken des Eigentümers; worin besteht denn dieses eigentlich? Da sehet ein wenig auf Meine Tafel wieder her! Eine kleine Szene wird euch diese Frage zur Genüge beantworten.

29. Sehet da einen Teich, es ist ein Fischteich eines solchen Inhabers, und sehet, da in der Ecke dieses Teiches liegen eben zwei männliche und eine weibliche Sklavin geknebelt; es hat noch keines das zwanzigste Jahr erreicht.

30. An ihrer Seite liegt ein weiblicher und ein männlicher Sklave und zwar schon tot; es sind diese zwei Toten die Eltern dieser Jungen.

31. Sehet daher, der Wächter steht auf; denn es nähert sich, wie ihr sehet, der Inhaber mit zwei sogenannten Gladiatoren, seinen zwei Geschäftsführern und mehreren Sklavenvögten.

32. Sehet, nun sind sie da mit fürchterlichen Mienen; sein Befehl oder vielmehr sein Gutdünken lautet für diese Armen dahin, daß zuerst die zwei Toten in kleine Stücke zerhauen werden, und dann die Stücke in den Teich geworfen zur Nahrung der Fische, sodann soll das Mädchen geknebelt werden, von all' den Vögten, so sie Lust haben, beschlafen, und sodann erst zur Speise der Fische präpariert werden; die beiden Jungen aber sollen ein Jeder auf einen Pfahl gebunden werden, sodann zu Tode gegeißelt, und dann erst ebenfalls zum Fischfutter präpariert werden. –

33. Sehet, so sieht die so viel gerühmte Verfassung in dem hochgebildeten Nordamerika aus. – Nun urteilet selbst, mit welchem Namen möchten solche Kreaturen wohl benennet werden?

34. Wahrlich da ist mein ärgster Feind, der Fürst der Finsternis, ein elender Pfuscher dagegen; und fürwahr, ihr möget Mir glauben oder nicht, ihr habt von Besessenen gehört, daß sie besessen werden und wurden von Teufeln und Satanen; aber Ich sage euch, dazu wäre kein Satan zu bewegen, um einen solchen nordamerikanischen Menschenfreund in den innerlichen Besitz zu nehmen; denn bei solchen Umständen ist denn doch noch einem Jeden der unterste Grad der Hölle lieber, als die Wohnung in einem solchen Zuckererzeuger! –

35. Aus dieser kleinen Parallele könnet ihr euch wohl einen Begriff machen, wie solches Tun und Treiben sich in Meinem Angesichte gebärdet!

36. O, Ich sage euch: Wahrlich, ein jeder Brosame Zuckers ist von Mir aus mit tausendfachem Fluch belegt; denn wahrlich, wenn diese Unmenschen das dabei vergossene Blut nach Gewicht verkauften, so würde dieses das Hundertfache des gewonnenen Zuckers übertreffen. –

37. Und so könnet ihr mit Sicherheit annehmen, daß auf einem Lothe Zucker 100 Loth vergossenen Menschenblutes kleben. –

38. Sehet, ich habe Mir also nur, euer Gemüt schonend, vorgenommen, dieses Weltteils besten Teil ansehen zu lassen, und so möget ihr euch auch damit begnügen; denn wahrlich, zeigte Ich euch das Tun und Treiben auf der südlichen Hälfte dieses Landes, es würde euch die Feder in der Hand erlahmen, daß ihr nicht vermögen würdet, drei Sätze niederzuschreiben, und von solchen Extremitäten will Ich daher, wenn ihr euch schon mehr angewöhnt werdet haben, mit mir zu schauen Greuel aller Art, in der 12. und letzten Stunde einiges kund geben.

39. Hier will Ich euch nichts vom einstigen Lohne sprechen, sondern dafür euch etwas Neues sagen: Solche Kreaturen sollen gänzlich auf ewig vernichtet werden! Amen."

Sechste Stunde

1. Nachdem ihr euch hinreichend sattsam auf einem Punkte des nördlichen Amerika's umgesehen habt, so wollen wir unsere Blicke an der Tafel wieder zur Seeküste hinlenken und uns allda noch ein paar Augenblicke lang verweilen, bis dieses große Schiff, das ihr hier an der Küste sehet, voll bepackt wird mit Zucker: alsdann erst wollen wir mit diesem Schiffe eine Reise mitmachen, dahin das Schiff seine Segel richten wird.

2. Nun sehet noch ein wenig daher auf den Punkt; sehet, wie auf den vielen Karren die Sklaven große Fässer und Kisten daher an's Ufer schleppen. Sehet dahier einen schweren, Wagen ähnlichen Karren, wie er einem kleinen Berge gleich mit Kisten bepackt ist; sehet, wie vor diesem Karren bei 40 Sklaven Ochsen gleich eingespannt sind, und die Sklavenvögte sie mit Peitschenhieben zur Frachtbeschleunigung zwingen, und wie an jeder Seite dieses Wagenberges eine Menge Sklaven denselben mit Gabeln und Stricken vor dem Umfallen schützen müssen, und sobald der Wagen nur irgend eine kaum merkliche Schwingung macht, die grausame Peitsche über ihren Nacken geschwungen wird.

3. Und sehet, nun sind sie der Küste schon ziemlich nahe gekommen; es ging gut mit dem Wagen. Aber ihr habt es nicht bemerkt, ein Rad des Wagens unterlag dem Gewichte, zerbricht, und sehet bei 20 Sklaven liegen nun zerquetscht unter der großen Last des zu mächtig bepackten Wagens, und die andere Hälfte wird darob, da sie den Wagen nicht aufhielt, mörderisch mißhandelt, und auch der ziehenden Sklaven wird bei dieser Gelegenheit nicht geschont, wie ihr sehet, und weil in der Höhe des Wagens eine schlecht beschlagene Kiste durch den gewaltigen Sturz kaum 3 Lot des Zuckermehls aus einer Spalte verstreut hatte, so müssen diesen großen Schaden wenigstens 3 Sklaven mit ihrem Leben entgelten; und alle Schuld, die an diesen scheußlichen Vögten und ihrer fast ununterbrochenen Besoffenheit liegt, müssen diese unschuldigen Lämmer der Menschheit entgelten. –

4. Nun sehet, jetzt haben die Wüteriche sich satt gegeißelt; also wird erst eine neue Ordnung getroffen, neue und kleinere Karren werden herbeigeschafft, und mit denen werden nun all' diese Kisten unter Heulen und Klagen der Sklaven an's Ufer gebracht.

5. Nun seht, ist alles daher gebracht. Der Engländer übernimmt die Ware, und macht Richtigkeit dafür mit dem gegenwärtigen Buchhalter des Zuckerplantagen-Inhabers.

6. Nun müssen diese Kisten aber auch in das Schiff gebracht werden, und diese Arbeit wird in dem Handel mit verstanden, und fällt nun wieder den Sklaven zur Last.

7. Sehet, wie sie in kleine Fahrzeuge die oft viele Zentner schweren Kisten hinein heben; aber glücklicherweise fällt ihnen doch keine in's Meer, was manchmal wohl zu geschehen pflegt, besonders wenn irgend ein Sklavenvogt zu viel Branntwein in seinen Magen gegossen und seine armen Untergebenen zum Zeitvertreib mißhandelt hat.

8. Wenn dann bei solchen Gelegenheiten ein so ungeheurer Schaden geschieht, daß die geschwächten Glieder der Sklaven nicht imstande sind, eine solche Kiste vollends in's Fahrzeug zu heben, und diese ihnen in's Wasser fällt, und wenn sie auch alsobald von den Sklaven herausgefischt wird, und kein Tropfen Wasser hinein gedrungen ist zu ihrem Inhalte, so werden solche unachtsame Arbeiter entweder zu Tode fast gepeitscht, oder manchmal nach der grausamen Laune solcher Vögte auch alsogleich erschossen, und in's Meer geworfen;

9. Und diese Armen sind erst dann außer aller Gefahr, wenn alle die Ware glücklich ins Schiff gebracht worden ist, woselbst dann natürlich die Karren wieder zurückgenommen werden, statt der Kisten sich die Vögte darauf lagern, wo es dann zu ihrer Lustbarkeit und ihrem Vergnügen in beständigem Galopp gehen muß, welches Schnellfuhrwerk sie mit ihrem Peitschengeschnalze gar wohl zu bewerkstelligen wissen.

10. Ihr werdet vielleicht fragen, was geschieht denn mit den Zerquetschten? Ich sage euch: Gar nichts, sondern da sehet her und überzeuget euch mit den Augen eures Geistes, wie einige darunter mit zerbrochenen Händen und Füßen wehklagen, schreien und heulen und nach ihrer Art um Hilfe rufen; meinet ihr, es wird etwa ein Wundarzt geholt, oder sie werden in irgend ein Sklavenspital gebracht?

11. O da irret ihr euch! Diese Teufel von Menschen kennen eine viel schnellere Heilungsart, als ihr; da wird einem jeden ein steinernes Pflaster umgehängt, und endlich kommt im Grunde des Meeres noch ein allgemeiner Wasserumschlag dazu, und auf diese Art sind sie geheilt für alle ewige Zeiten. –

12. Nun dürfet ihr vielleicht noch fragen, wenn diese galoppierenden Sklaven mit ihren Vögten die Heimat erreicht haben, so wird für diese Armen doch wenigstens eine Ruhestunde, oder vielleicht gar eine Pause ausfallen?

13. O sehet, solches ist dort zu Lande nicht üblich; aber wohl geschieht es öfter, wenn der Inhaber ein gar zu großer Unmensch ist, daß sie für ihre Unachtsamkeit noch eigens unter dem Kommando des barbarischen Eigentümers zu seiner Genüge mißhandelt werden. –

14. Und wollt ihr wissen die wahre Zahl dieser Unglücklichen, deren Los in der Sphäre des Unglücks durchaus keine bedeutenden Varietäten bietet?

15. Es sind deren durch das ganze nordamerikanische Freistaatengebiet bei elf Millionen; und ihr müßt euch unter diesen Sklaven nicht nur lauter Schwarze denken, sondern darunter gibt es auch wenigstens ein Viertel Weiße. Da aber denn doch ein Gesetz die weiße Sklaverei verbietet, so werden weiße Sklaven eigens geschwärzt und "eingeschwärzt".

16. Nun, nachdem wir jetzt so ziemlich alles beobachtet haben, so lasset uns denn nun auch in das Schiff steigen, welches, wie ihr seht, so eben segelfertig aus dem Hafen läuft. Nun sehet, wie die Matrosen gleich Seiltänzern auf den Segelstangen ihre äquilibristischen Übungen machen;

17. Betrachtet ein wenig diese seeverbrannten Gesichter, deren Blöße nur von den elendsten Lumpen bedeckt ist. Sehet, wie entmenscht, wie entwest sie aussehen, als gehörten sie einer andern Wesenreihe an, als der menschlichen. Sehet, diese Menschen sind also die vielbesprochenen englischen Seematrosen.

18. O Menschheit! in welche Tiefen hat dich dein Welttum gestürzt! Wie ferne bist du Mir, dem Urquell des Lebens, und wie nahe dem Abgrunde des ewigen Verderbens! Dich schreckt nicht die Tiefe des Meeres; Meine Stürme sausen und brausen vergebens an deiner Stirne vorüber; du kennest niemanden mehr über dir, denn dich selbst! Du starrest zwar mit deinem vermeintlichen Scharfblicke weit hin über die trügerische Fläche der Wogen.

19. Du prophezeiest den Sturm, und kennest all die Klippen und Sandbänke im Meere. Sorglos schwimmst du zwischen Leben und Tod auf leichten Brettern über unabsehbare Abgründe auf der schwankenden Fläche von einer Weltgegend zur andern; aber das bedenkst du nicht, daß Ich, nicht mehr dein Vater, sondern Dein unerbittlicher Richter, Mich ebenfalls an Bord deines schwimmenden Bretterpalastes befinde.

20. Dir ist der Weg bekannt, und an den Furchen des Meeres erkennst du wohl deine Straße; siehe, deine Zeit ist zu Ende, Ich rühre mit einem Finger die Tiefen der Erde, und da du nichts ahnest, hab' Ich dir neue Klippen in deiner Straße gesetzt, die du nicht kennst, und Ich der unsichtbare Steuermann werde wohl wissen dein elendes Machwerk, diesen schändlichen Kasten, der da vollgepropft ist mit dem Unrate einer schändlichen Hoffnungen, an die neue harte Stirne der dir unbekannten Klippen zu schleudern, und so dich zu verderben. –

21. Oh sehet, dieses bepackte Schiff läuft nun eben einer solchen unbekannten Klippe in die Arme. Sehet, und erschrecket euch nicht, wie es der Wind pfeilschnell dahin treibt. Sie ahnen nichts; denn Ich habe ihnen die Klippe nicht über den Wasserspiegel erhoben.

22. Aber nun sehet, zwei Augenblicke noch, und der elende Kasten liegt mit seinem ganzen Inhalte in Trümmern. Sehet nun her! seht, jetzt schlägt es mit großer Gewalt mit der Brust an die Klippe. Seht, wie jene gänzlich zertrümmert ist, und wie das Schiff zu sinken anfängt; sehet, wie diese Matrosen sich bemühen, die am großen Schiff hängenden Kähne loszumachen, und sehet, wie einige mit größter Schnelligkeit Bretter zusammen raffen, und im Wasser schwimmend sich eine Plätte zusammenstoßen.

23. Sehet, das Wrack hängt an dieser Klippe und eine Menge Menschen klammern sich an die über den Wasserspiegel ragenden Schiffsrippen, eine kleinere Menge schwimmt auf den elenden Fahrzeugen ihrem sichern Tode entgegen; aber der Kapitän und der Inhaber der Waren kauern am hervorragenden Maste und ringen von größter Verzweiflung ergriffen nun schon am 3ten Tage nach dem Schiffbruche mit dem Tode; also auch die andern Reisenden auf dem Schiffsgerippe.

24. Meinet ihr, daß einer von diesen Menschen Mich um irgend eine Hilfe angefleht hat? sondern hinstarren sie in die weite offene See, ob nicht ein Fahrzeug sich ihren Blicken zeigen möchte.[4] Allein vergeblich ist ihr Schauen; denn weislich werde Ich die anderen Fahrzeuge also zu lenken wissen, daß sie sobald nicht in die Nähe dieser Stelle gelangen sollen.

25. Nun sehet her, wie diese zwei am Maste kauernd miteinander ringen, ihr werdet meinen, sie suchen sich durch dieses Ringen desto fester an den Mast anzuklammmern. Allein es führt dieses Ringen etwas anderes im Schilde und heißt: Hungersnot! und da will einer den andern umbringen, auf daß er etwas zu essen bekäme.

26. Und sehet hin auf die Rippen des Schiffes; da könnt ihr schon eine solche Mahlzeit sehen, wie ein anderer englischer Kaufmann seinem teuren Weibe, die an ihn sich geklammert hat, so eben ihre Brüste mit großer Gierde verzehrt.

27. Und seht, dieses Sicheinanderauffressen geht gewöhnlich bis auf Einen fort, und dieser Eine macht sich am Ende noch über sich selbst her und verzehrt sich soweit, als er sich nur erreichen kann; welche Szene nach wenigen Stunden gewöhnlich mit der Verblutung endet. –

28. Was die Knochen betrifft, so wird von diesen soviel nur möglich ist, herabgenagt, und das übrige dann häufig fluchend in's Meer geworfen.

29. Und da wir nun hier nichts mehr zu leben und zu schauen haben, so wollen wir noch unserer 3 Fahrzeuge verfolgen, und sehen, wie es da zugeht! –

30. Nun sehet, da ist schon eines; sehet, aber nur 3 mehr leichenartige menschliche Wesen kauern in demselben; das sind 3 Helden, welche sich zum Gesetz gemacht haben, da sie die andere Gesellschaft in's Wasser geworfen hatten, sich selbst unter einander nicht aufzufressen, und überlassen sich nun kaum mehr lebend ihrem blinden Zufalle.

31. Damit ihr euch nicht länger bei diesen Dreien aufzuhalten brauchet, so wollen wir's mit Diesen bald zu Ende bringen; sehet da, eine mächtige Woge schlägt an das schwache Fahrzeug, und ein gutmütiger Hai wartet schon mit Sehnsucht auf den Inhalt dieses Fahrzeuges, welches er lange schon als treuer Gefährte begleitet hat.

32. Und nun sehet, die Woge hat ihren Dienst getan, und der Hai seine mit Sehnsucht erwartete Beute verschlungen, und so gibt's auch hier für uns nichts mehr zu beobachten, und wollen wir ein anderes dieser Fahrzeuge aufsuchen.

33. Ihr werdet nun denken, wo wird sich dieses wohl befinden; Ich aber sage euch, sorget euch nicht, der mit Mir sucht, dem wird das Finden nicht schwer werden. Nun da seht her, es ist schon hier! - Zählet die Menschen, die sich darinnen noch befinden; es wird euch nicht schwer werden, die Szene zu bestimmen.

34. Warum zählet ihr denn nicht? - Ihr saget, wir sehen niemanden. Da gehet nur näher hierher, und sehet hinein in den schwankenden Nachen; sehet, nichts als abgenagte Knochen, und doch ist erst der zehnte Tag nach dem Schiffbruche! Ihr möchtet nun wohl wissen, wo denn der Letzte, der daran genagt hat, hingekommen ist, da er sich doch selbst nicht bis auf den kahlen Knochen aufgezehrt haben konnte? –

35. Nun da lenket eure Blicke ein wenig seitwärts; sehet, dahier in der mehr westlichen Hälfte der Tafel ragt eine wenige Klaftern um sich fassende bemooste Klippe über den Meeresspiegel hervor.

36. Sehet, da kauert er verzweiflungsvoll in der Mitte dieses äußerst kleinen Eilandes, und wie er das Moos und das wenige Gras zusammenraffet, und solches in seinen Mund schiebt. Sehet, das ist nun das Los dieses Letzten, und dieser ist auch der einzige, den von allen den Gestrandeten ein anderes Schiff in zwei Tagen noch lebend einnehmen wird, darum er Kunde brächte, was da geschehen; und dieser ist auch der einzige, der sich wenigstens auf dieser Insel Meiner ein wenig zu erinnern angefangen.

37. Und so lassen wir diesen allda erwarten seine Rettung, und wollen nun sehen, wo denn die Plätte sich befindet. Nun da sehet her; da schwimmt die Plätte! Sehet, auch hier ist kein Mensch mehr vorhanden, sondern einige Knochen sind mit einem Stricke an ein Brett befestigt, und gleichfalls dort in der Mitte der Plätte eine verkorkte Flasche;

38. Der letzte hat nämlich den Untergang des Schiffes, wie seinen eigenen, niedergeschrieben, und befestigte denselben samt der Flasche ebenfalls mit einem Stricke an ein Brett, bei welcher Gelegenheit er schwächlich unvorsichtiger Weise mit einem Fuß ins Wasser strauchte, und so sich noch einige Zeit mit den Händen am Brette haltend erhielt, bis ebenfalls ein feinschmeckender Hai ihm den halben Leib abriß, und endlich auch die andere Hälfte verzehrte.

39. Nun sehet sind wir mit unserer Schiffahrt gänzlich zu Ende; und da nach eurem Sprichworte sogar der Tod seine Rechte verloren hat, allda nichts mehr ist, so wollen auch wir dahier unsere Schaurechte aufgeben, wo der Tod uns alles aus den Augen geraubt hat, und uns daher ein wenig fürbaß auf unserer Wasser vorstellenden Tafel umsehen, - ob nicht für euch irgend etwas Denkwürdiges zu schauen in schon schwimmender Bereitschaft sich befindet. –

40. Nun, da sehet her! da schwimmt ja eben ein englisches Linienschiff daher; es ist außer den Matrosen und dem Steuermanne nichts Lebendes am Verdecke zu erschauen. Ihr möchtet nun wohl wissen, was seine beteerten Bretter umschließen?

41. Nun so sehet her! Ich werde nun über dieses Schiff ein Epheta donnern, und sogleich wird das Schiff, als wäre es von Glas, durchsichtig werden, und sein Inhalt wird euch schauerlich genug in die Augen springen; und so sage ich denn: Epheta!

42. Sehet jetzt, und urteilet, was es dahier ist und gibt; sehet in den untern Räumen des Schiffs eine Zahl von 300 Menschen mit schweren Ketten belegt, beiderlei Geschlechts, beinahe nackt; betrachtet ihre Leiber, wie abgemagert sie sind, zählet die blutunterlaufenen Striemen und betrachtet die elende Kost, die ihnen nicht etwas von Tag zu Tag, sondern von Woche zu Woche für die Person in einem kaum dritthalb Pfund schweren Steinbrode nebst einem Maßkruge faulen Wassers gereicht wird.

43. Sehet, wie dort in einem Winkel ein älterlicher Mann, an dessen Füßen sich schon einige Ratten versucht haben, den hereintretenden Gefangenenwärter um den Tod bittet; sehet dahin in einem andern Winkel eine wahre weibliche Venus nach eurem Schönheitsbegriffe, um ihre weichen Arme Ketten angelegt, ängstlich schreien und flehen, daß man sie doch in's Meer werfen möchte, oder ihr doch nur wenigstens eine Hand frei zu geben, daß sie den beißenden Unrat von der Nase schaffen könnte.

44. Allein was tut der Wärter? Er nimmt einen scharfen Besen, und hält ihr denselben vor die Nase, daß sie sich reinigen sollte; auf diese Art zerkratzt und beschmiert er ihr das ganze Gesicht, daß dasselbe endlich voll Geschwüre und Eiter wird. – Und wenn sie über solche Behandlung klagt, so wird sie noch obendrein gezüchtigt.

45. Sehet hinab zu ihren Füßen. O diese zarten Füßchen! wie waren sie erst vor 3 Wochen im hohen Ansehen bei einem geilen und reichen englischen Prasser; allein, da dieses Mädchen zu verführen, seine reichen Versprechungen wenig ausrichteten, so wußte die Niederträchtigkeit seiner Rache solche Luft und solchen Weg zu machen, daß er dieses arme Mädchen wegen eines erdichteten vorgegebenen Diebstahls durch eine geheime Bestechung der geschworenen Richter dahin brachte, da ihr sie soeben jetzt sehet.

46. Und so wie diese Arme hier deportiert wird als Verbrecherin, sind noch einige in dieser Gesellschaft, und sehet da gerade in dem entgegengesetzten Winkel einen noch ziemlich jungen Menschen angeheftet, der, da der einzige Erbe eines reichen Mannes war, nach dem Tode seines Vaters von seiner eigenen Mutter mit der Hilfe eines ihrer schändlichen Liebhaber auch daher gebracht worden ist.

47. Wir wollen seine Geschichte nicht weiter verfolgen, sondern einen Rückblick machen auf die schönen zarten Füße unserer schönen Gefangenen. Sehet, wie sie emsig springen, um das Schiffszugeziefer abzuwehren, mit ihren Füßen nicht allenfalls den Versuch zu machen, wie mit den Füßen jenes Alten; und sehet nur hinab noch tiefer zu ihren Füßen, wie sie sich schon durch ihren Fleiß ein ganzes förmliches Rattenpolster bereitet hat!

48. Und meinet ihr, daß die faulen Schiffspestien hinabgingen, wengistens das getötete Ungeziefer aus dem Schiffe zu räumen, o nein, das tun sie ja nicht; dafür rauchen sie diesen unglücklichen Teil des Schiffes lieber täglich mit Teer aus, um dadurch einer allfälligen Schiffskrankheit vorzubeugen.

49. Ihr werdet euch freilich denken, solche Unmenschlichkeit geht über alle Begriffe, und es müssen doch Ärzte und Priester dafür sorgen, daß die allfälligen äußeren Gesetze beobachtet werden möchten;

50. Ich sage euch aber, daß in England jedes Schiff, wie es den Hafen verläßt keine anderen Gesetze hat, als das lebendige des Kapitäns, und es dauert nicht lange, so blasen sämtliche Schiffsbehörden in ein Horn, und so herrscht auch oft nur eine Niederträchtigkeit unter einem und demselben Verdecke, auch brauchts nicht mehr, als wie es eben hier der Fall war, daß eine solche junge schöne Deportierte den wilden Leidenschaften der oft betrunkenen Befehlshaberschaft nicht Gehör gibt, und sich zu allen erdenklichen geilen Niederträchtigkeiten gebrauchen läßt, so ist ihr für diese Welt bedauerungswürdigstes Urteil schon gesprochen. – Sehet, jetzt werdet ihr schon einsehen, warum da das Ungeziefer nicht aus dem Schiffe geschafft wird. –

51. Aber das ist noch nicht das einzige, was eine solche arme Deportierte auszustehen hat; es werden ihr obendrauf noch von ihren Mitgenossen beiderlei Geschlechts oft die gräßlichsten Verwünschungen zugeheult, da es nur an ihr gelegen wäre, ihnen ihr Schicksal erträglicher gemacht zu haben.

52. Und sehet euch noch ein wenig herum in diesen Trauergemächen, und gehet jetzt mit euren Blicken herauf in die glänzenden Gemächer der Schiffsherren; sehet wie es da toll und voll zugeht.

53. Aus ihren Bechern sprüht schäumender Wein; alle schreien ein Lebehoch ihrem Befehlshaber zu, und einer darunter schreit auch: Es lebe unsere schöne Gefangene! und alle stimmten wie von einem Wahnsinn ergriffen ihm beifällig zu.

54. Und sehet, nun stecken die Häuptlinge die Köpfe zusammen; was möchten sie wohl im Sinne haben? werdet ihr fragen. Kümmert euch nicht dieses Geheimnisses; denn es enthält nichts anderes, als einen schlauen Kniff, um die arme Schöne zu gewinnen.

55. Und was meinet ihr, worin dieser Kniff wohl besteht? Seht dieser Kniff besteht in nichts anderem, als in dem: Die Holde wird nun alsobald von ihren Fesseln befreit und sogleich unter wirksame ärztliche Pflege gebracht; da sie nun wieder hergestellt ist, so wird ihr ein förmlicher Heiratsantrag gemacht, vermöge welchem sie das Weib eines oder des andern Schiffsherrn werden kann.

56. Die Arme sieht den feinen Betrug nicht ein, durch die Höllentortur der untern Gemächer zu sehr erschreckt, und verbindet sich unter einen falschen Einsegnung, nicht etwa des Priesters, sondern eines verkleideten Schiffssoldaten; auf diese Weise gebraucht sie nun ihr Scheingemahl, und zur Nachtzeit tritt an seine Stelle nach Willkür ein anderer, und also wird dann unsere arme Gefangene unbewußt zu einer Schiffshure.

57. Es geht ihr freilich für den Magen nichts ab, und sie ist in der glücklichen Idee, daß sie da ihr Glück gemacht habe; aber die Augen werden ihr erst in Botanyhai, an einer Küste Australiens, geöffnet, da sie gleich den anderen Verbrechern der lebenslänglichen Geißelung preisgegeben wird. Das Schicksal dieser Unglücklichen folgt in der siebenten Stunde.

Siebente Stunde

1. Nachdem wir das Schiff, dessen Bedeutung euch sicher nimmer fremd sein wird, in seiner greuelhaften Handlungsweise hinreichend betrachtet haben, so wollen wir dasselbe verlassend einen Vorsprung machen, und das viernamige Land, welches nach eurer Bestimmung zwischen dem 131. und 171. Grade östlicher Länge, wie auch zwischen dem 10. und 30. Grade südlicher Breite liegt, ein wenig zum Voraus in den Augenschein nehmen.

2. Denn solches ist allhier für euch notwendig, weil ihr mit der Beschaffenheit, Einteilung, wie auch mit den klimatischen Verhältnissen daselbst noch am wenigsten vertraut seid; und so sehet denn her auf diese euch wohlbekannte Tafel! –

3. Das Land, das sich euch darstellt, sehet es nur gut an ist das eigentliche Australien, Süd-Indien, Ozeanien und Polinesien. Sehet, den südlichen Teil dieses Landes, wie er noch aus unübersehbaren Pfützen und Morästen besteht, in welchen, so ihr eure Blicke recht schärfen wollet, ihr eine zahllose Menge von giftigen Ungeheuern und allerlei Geschmeiß entdecken werdet. –

4. Und sehet, wie da weiter südlich eine Menge Korallenringinseln sich fast bis zur Südpolregion fortziehen; aus welcher Ursache die südliche Küste dieses Landes nicht umfahren werden kann, wie es auch zu Lande eine Unmöglichkeit ist, diese südliche Küste, die eigentlich keine Küste ist, zu erreichen, und ihre Beschaffenheit zu erforschen.

5. Welche Bekanntschaft darob noch um so schwerer zu machen ist, da dieses Land meistens aus unabsehbaren Ebenen besteht, welche nur hie und da mit kleinen unbedeutenden Hügeln unterbrochen werden; denn bedeutende Berge gibt es in diesem Lande durchaus nicht, bis auf einige Korallen und Schiefer-Felsen an den Küsten.

6. Dieses bisher bekannte Land hat in seinem Kontinente einen Flächenraum von beinahe 200 tausend Quadratmeilen, auf welchem Flächenraume bei 2 Millionen und etliche sechzig Tausend Menschen wohnen.

7. Die bewohnbarsten Ländereien befinden sich meistens an der Ostküste, welche euch auch schon mehr oder weniger bekannt sein dürften, als z. B. die Ländereien unter dem Namen: Karpentaria, Arehmesland, Witsland, Edelsland, Eintrachtland, Leuwiesland, Ruytsland, Flintersladd, Baudingsland, Grantsland und noch einige weniger bekannte Namen, an denen freilich nichts gelegen ist. –

8. An dieser östlichen Küste befindet sich ein Landungsplatz unter dem Namen "Botanybai", an welchem Orte schon seit einem Verlaufe von kaum 10 Jahren bis auf den gegenwärtigen Augenblick bei 170,000 Verbrecher von den Engländern ausgeschifft, und von da in die verschiedenen Ländereien verteilt wurden.

9. Aber nicht allein diese östliche Küste hat eine solche Bestimmung, sondern auch im Westen werden jetzt beinahe vorzugsweise Deportierte ausgeschifft.

10. Da sehet einen Fluß, der sich dahier in das Meer ergießt; es ist der so benannte Schwanenfluß, und an seinen Ufern seht ihr auch eine ziemliche Stadt erbaut, von welcher aus nun eine Kolonisierung durch dahin gebrachte Verbrecher bewekstelligt wird; aber mit viel schlechterem Erfolge, denn auf der Ostküste; denn hierher werden gewöhnlich nur die allerschlechtesten Spitzbuben Englands gegen eine Contreprise der Holl- und Niederländer, denen diese Küste gehört, verkauft, um dahier die höchst unwirtbare Gegend zu kultivieren.

11. Auf der Ostküste ist längere Zeit schon, nämlich auf Botanybai, eine Stadt erbaut; sie wird Sidney genannt, wie die ganze Küste Neusüdwales.

12. Merket euch aber für jetzt nur den westlichen Punkt; denn nachdem wir unser Schiff werden in Botanybai landen sehen, wollen wir uns hierher verfügen, allwo die Menschenmaterei ums Undenkliche ärger ist, als auf der Ostküste.

13. Bevor wir aber diese Hauptspektakel in Augenschein nehmen wollen, will Ich euch noch mit dem Lande selbst näher vertraut machen, damit ihr euch dann desto leichter einen wirklichen Begriff machen könnet, was das heißt, und sagen will, entweder schuldig oder wohl gar unschuldig als Deportierter dahin gebracht zu werden. –

14. Nun sehet her, wie es aussieht im Innern des Landes! Ihr meinet, diese unabsehbaren Gefilde für euer Auge sind nichts, als lauter Gebüschwälder.

15. O nein, sage Ich; es ist das Gras und muß es euch nicht wundern, wenn ihr da stellenweise 3 bis 4 Mann hohes Gras erblicket.

16. Es gleicht dieses Gras dem sogenannten Seerohre, und ist auf keine andere Weise auszurotten, als wenn es trocken geworden ist, durch's Feuer. Das Feuer muß aber zu einer Zeit angezündet werden, wenn von Norden Winde wehen; denn Winde aus dem Süden ersticken das Feuer.

17. Ihr möchtet sicher auch einen Baumwald sehen; allein solcher Wälder gibt es hier nur sehr wenige, und die Bäume, die da besonders gegen die südlicheren Regionen wachsen, sind oft kaum so groß und hoch, als manches Gras, und bringen sehr wenig genießbare Früchte zum Vorscheine.

18. In dem nördlichen Teile, wie auch an der östlichen Küste gibt es freilich schon häufig anderartige Anpflanzungen, welche aber samt und sämtlich nicht gar wohl fortkommen, und verändern nach und nach auch merklich ihre Natur.

19. Und so werden die Birnen oft ganz holzicht, und an dem Stiele breiter, denn an der Krone. Den Kirschen wachsen die Steinkerne oft auswendig an der Haut, und die Frucht selbst wird wässrig; u. dergl. euch vielleicht sonderbar klingende Veränderungen erleiden noch verschiedene andere Anpflanzungen. Am besten kommen noch die euch noch wenig bekannten Schlangennüsse fort, wie auch an der nördlichen Küste Kokosnüsse, indianische Feigen, das sogenannte Johannisbrot und eine Art Melonenpflaumen.

20. Es muß aber viele Sorgfalt getragen werden, daß die gewissen Schlangennüsse nicht von einem gewissen roten Insekte angestochen werden; fällt dann eine solche angestochene Nuß in die Erde, so wird eine Afterpflanze von höchst giftiger Art aus ihr, welche noch um's Zehnfache ärger ist, denn der sogenannte Bohonupas; denn wie sie nur 1 Schuh hoch ihre Blätter über die Erde getrieben hat, so haben diese Blätter eine so heftige verheerende Giftausdünstung, daß sie nicht nur alle Tiere und Menschen, die sich ihnen nahen, töten, sondern sie richten auch oft in einem Umkreise von 1 Stunde unter den Pflanzen eine so heftige Verheerung an, daß in kurzer Zeit nicht einmal eine Steinmoospflanze fortkommt, sondern es verdorrt alles, und wird zu einer Art Asche.

21. Das Glück ist bei dieser Pflanze noch das, daß sie nicht über 1/2 Jahr vegetiert. sondern mit dem Winter alsobald wieder verdirbt, und somit unschädlich wird.

22. Und da wir nun die Pflanzenwelt ein wenig angeschaut haben, so wollen wir noch einen kurzen Blick auf die Tiere werfen. –

23. Zuerst sehet, wie die Luft wimmelt von großen weißen Adlern, die an Kraft und Behendigkeit alles in ihrer Art weit übertreffen; ihre Raubgierde ist besonders zur Winterszeit so groß, daß sie mehr im Innern des Landes die Menschen gleich fliegenden Wölfen anfallen.

24. Nebst ihnen gibt's noch eine andere Gattung bösartiger Vögel, welche fast das Aussehen von einem Strauße haben; sie haben statt der Federn Haare, und haben einige gar keine Flügel, andere aber haben Flügel gleich einer Fledermaus. –

25. Diese Vögel haben oft über klafterlange Beine, und können mittelst denen so schnell laufen, daß es ihnen ein Leichtes ist, in einer Stunde 10 Meilen zurückzulegen. Wenn sie ihre Beute erreicht haben, so schlagen sie diese mit einem Beine nieder, und machen sich dann über ihre bereitete Mahlzeit. Anderer Heere von kleineren und unschädlicheren Vögeln nicht zu gedenken. –

26. Unter andern ist noch zu bemerken ein vierfüßiges, mit einem starken Schnabel versehenes Säugetier; Vogelwolf wäre sein richtiger Name. Dieses Tier ist in seiner Art grausamer, denn jeder Tiger.

27. Was aber den Boden und die Sümpfe betrifft, so ist dieses ein wahres Vaterland von Schlangen, aller Arten Eidechsen, darunter sehr viele Gattungen mit Flügeln versehen sind, welche freilich nicht alle giftiger Art, aber doch mehr oder weniger schädlich sind.

28. Im Innern kommt häufig eine große Art Fledermäuse vor, die sehr giftig sind, und haben noch ärger denn die Klapperschlange eine betäubende Wirkung in ihrem Blicke, so daß jemand, den eine solche Fledermaus in's Auge gefaßt hat, sobald wie von einem starken Getränke betäubt zur Erde fällt, und wenn ihm niemand zu Hilfe kommt und die hinzu flatternde Fledermaus erlegt, ihm diese sobald den letzten Blutstropfen aussaugt und dann gesättigt hell pfeifend davon fliegt. –

29. Was das Klima aber anbelangt, so ist dieses ein wahres Kamäleon; denn außer einigen östlichen und nördlichen Gegenden ist dasselbe so veränderlich, daß in manchen Gegenden jemand an einem Tage alle fünf Zonen zu kosten bekommt.

30. Warum alles dieses hier so sonderbar gestaltet ist, wird euch zu seiner Zeit schon bekannt gegeben werden; aber so viel könnet ihr euch im Voraus merken, daß Ich mit gewissen Ländern der Erde ganz andere Zwecke verbunden habe, als daß sie von der schändlichen Habsucht der Menschen sollten vor der Zeit genotzüchtiget werden.

31. So aber die Menschen in ihrer Tollheit vor der Zeit dringen in Länder, die noch nicht reif geworden sind, so geschieht es ihnen ja recht, wenn es ihnen ergeht wie verwahrlosten Kindern, die da unreifes Obst und giftige Beeren verzehren.

32. Jedoch, wie schon gesagt, bei einer nächsten Gelegenheit wird euch davon mehreres kund gegeben werden. Und nun sehet, während der Zeit wir uns so in diesem Lande herumgetummelt haben, hat das euch schon bekannte Schiff in dem Hafen von Botanybai seine Anker geworfen, und nun sehet, da ist es schon! Denn, wenn man alles in einem Bilde vor sich hat, braucht man keine lange Reise, um am bestimmten Orte zu sein. –

33. Nun sehet nur recht genau! Ich spreche wieder das Epheta, und sehet, das Schiff ist schon wieder bis zum Grunde durchsichtig geworden. Vor allem andern sehet unsere holde Gleichsamgemahlin recht genau an! Sehet, wie schwach sie ist, daß sie sich kaum von ihrem Sitze zu erheben vermag. Nun gehet ein wenig in das Kabinett des Kapitäns.

34. Sehet, wie da schon drei Kolonisten mit demselben die Listen durchmustern, und zwar in Gegenwart des dortigen Gouverneurs. Nun sehet, 20 sind durchgestrichen, darunter auch unser alte sich befindet, aber unsere Holde ist nicht ausgestrichen.

35. Sehet, nun werden sie, nämlich die Listen, von dem Gouverneur und den Kolonisten unterschrieben und bestätigt, und die Gefangenwärter verfügen sich nun hinab, machen die Gefesselten frei, nachdem sie ihnen die Hände an den Rücken zusammenbinden, und treiben sie so gestaltet hinauf auf das Verdeck des Schiffes. –

36. Nun sehet, diese Gefangenwärter treten nun auch in das Gemach unserer Schönen, verkünden ihr ihr Los, berauben sie der Kleider, und binden der darüber in verzweifelnde Ohnmacht Gesunkenen ebenfalls die Hände auf den Rücken und schleppen sie zu den andern hinauf auf's Verdeck.

37. Sehet, wie sie hier vor ihrem vermeintlichen Gemahl niederfällt, und denselben bittet mit aller Macht und Kraft, die einem weiblichen Herzen nur möglich ist, und ihm alles Mögliche vorstellt, wie unschuldig sie auf diesen Schreckensort verurteilt wurde, und wie schändlich er ihr Unglück benützt hatte, sie, die so rein wie die Sonne war, zu benützen ärger, denn eine englische Matrosen-Bordellshure. –

38. Sehet hin, und nehmet euch ein Beispiel von einem Menschen, der sich zur christlichen Religion bekennt!! - Sehet, wie er großherrlich dem Gefangenenwärter befiehlt, der schreienden Bestie den Mund zu stopfen, und sie, so sie nicht wie die andern ganz ruhig sich verhalte, alsogleich mit 30 Peitschenhieben zu belegen.

39. Allein sehet her, die Wirkung ihrer Bitte! Seht, wie sie zwei Schergen an den kleineren Mast mit einem Stricke anbinden über die Brust und über die Füße, und sehet, wie schändlich grausam die arme Unglückliche von dem Gefangenenwärter ungezählt gepeitscht wird. –

40. Nun sehet, nachdem ihre Füße ganz von oben bis unten mit der scharfen Peitsche zerhauen sind, wird sie losgelöst und alsogleich mit den andern Verbrechern auf Stricken über Bord in kleinere Fahrzeuge gelassen, und also blutend und ans unglückliche Land gebracht und sogleich zur Verfügung dem betreffenden Kolonisten vom Gouverneure zugeteilt.

41. Meinet ihr, daß man sie alldort in irgend ein Spital gebracht hat? Da irret ihr euch! Das Pflaster auf solche Wunden besteht in nichts anderem, als daß eine solche eine halbe Stunde lang sich in's Meer, wo es sehr seicht ist, setzen darf. Das ist die berühmte Heilart dort zu Lande. Es hilft zwar! aber denket euch den brennenden Schmerz, besonders bei einem so reizbaren Mädchen!

42. Nun hier sind wir fertig. Wir wollen nur noch einen kleinen Blick machen, was mit diesen Unglücklichen nun ferner geschieht. Seht, da mehr im Innern, ungefähr nach eurer Rechnung hundert Meilen von der Küste, da sehet, wie diese Armen mit ihren Werkzeugen unter der Leitung mehrerer Aufseher mit allen den euch von der Beschreibung dieses Landes ein wenig bekannten Übeln kämpfen müssen; wie sie gleichsam zwischen zwei Feuern stehen.

43. Da heißt es wahrlich nach eurem Sprichworte: Vogel friß oder stirb! Was macht sich da ein solcher Hauptkolonist daraus, ob 20 oder 30 seiner meistens noch mit Fesseln belegten Untergebenen von Schlangen verzehrt werden, oder ob sie oft in dem klafterhohen Grase in plötzlich durchbrechende Sümpfe versinken, oder ob einer oder der andere von den bekannten Adlern angefallen und zerfleischt wird; oder wenn zur Ausrottung einer irgendwo aufkeimenden euch bekannten Giftpflanze noch mehrere zu Grunde gehen.

44. Sehet, aus allem dem macht sich ein solcher Kolonist wenig oder gar nichts; denn für sein Haus ist er hinreichend versorgt, auch ohne solche neu hinzugekommene Arbeiter.

45. Wenn er allenfalls durch solche neue Vordrangsversuche dem Lande wieder einen bedeutenden Teil abgewinnen kann, so ist es ihm recht; wenn aber solches durch alle die grausamen Versuche fehl schlägt, so macht er sich auch nichts daraus; denn er ist, wie er selbst sagt, ohnehin versorgt.

46. Ihr werdet vielleicht meinen, daß, so diese Verbrecher ein neues Stück Landes urbar gemacht haben, dasselbe werde dann vielleicht einem oder dem andern zum zinsbaren Eigentum eingeräumt.

47. O nein, sage Ich; ein solcher Kolonist benützt das Land zu ganz andern Zwecken. Er läßt wohl hie und da Arbeitshütten errichten; aber was immer der Boden trägt, gehört von A bis Z sein.

48. Die Arbeiter haben nichts als die elendste, kaum genießbare Kost, und wenn sie manchmal nicht völlig verhungern wollen, fangen sie Schlangen und Eidechsen zusammen, schlagen ihnen die Köpfe weg, und braten sie am Strohfeuer und verzehren dieses Fleisch mit dem größten Appetite; denn da heißt es wahrlich auch wieder nach eurem Sprichworte: der Hunger ist der beste Koch. –

49. Ja dieser Hunger geht oft bei einigen so weit, daß sie sich nicht einmal die Zeit nehmen, eine solche Schlange zu braten, sondern, wenn der Kopf, Haut und Eingeweide abgenommen sind, so wird sie alsobald verzehrt.

50. Eine neue Plage für diese Armen ist noch das, daß sie besonders im nördlichen Teile auf Ureinwohner stoßen, welche gute Bogenschützen sind, und mit vergifteten Pfeilen sie zurücktreiben, oder sie nehmen solche gefangen und verzehren sie roh.

51. Sehet, solche Annehmlichkeiten ohne Zahl und Maß haben diese Armen hier zu erleiden; und die Züchtigungen, die sie noch obendrauf von ihren Befehlshabern und Vorstehern empfangen, welche noch weit unmenschlicher sind, als wie bei den Nordamerikanern, können hier im Vergleich mit den Landplagen in kein Verhältnis gestellt werden. –

52. Und sehet, so ist auch unsere Arme schon auch hier bei einer Grasabschneiderischen Arbeit. Bei euch ist das Grasmähen eine belustigende Arbeit; aber dahier haben die Arbeiter mit förmlichen Grasurwäldern zu tun, innerhalb deren undurchdringlichen Dickichten besonders zur Sommerszeit eine Unzahl von gewaltig stechenden Insekten hausen, welche dann über diese nackten Arbeiter dergestalt herfallen, daß nach einigen Tagen nichts mehr zurückbleibt, als zusammenhängende Gerippe.

53. Geschieht diese Kultivierung aber im Winter, und zwar durch's Feuer, so geschieht es nicht selten, daß das Feuer oft so gewaltig wird, daß sich die Flammen auf dem Boden oft stundenweit durch das dürre Gras hinwälzen; und wenn die armen Brandleger nicht schnell genug ihre Flucht ergreifen, so werden sie entweder ganz verbrannt, oder doch oft am ganzen Leibe stark feuerverwundet.

54. Das ärgste aber ist das, wenn irgend das Feuer erstickte, so müssen dann die armen Brandleger oft stundenlang über solche oft noch glühheiße Asche laufen, um daselbst, wo das Feuer erstickte, dasselbe wieder neu anzufachen.

55. Es ist ihnen zwar wohl gestattet, eine gewisse Art Brettchen an die Fußsohlen anzubinden; aber oft verbrannten diese Brettchen schon im halben Laufe, und dann ist es einerlei, ihre Fußsohlen werden ihnen demungeachtet noch gar oft bis zum Bein verbrannt. –

56. Anderer noch unzähliger Leiden und Krankheiten, die in diesem Lande heimisch sind, nicht zu gedenken! Von der Westküste brauche Ich euch nichts mehr zu sagen, als das einzige, daß es dort noch zehnmal unmenschlicher zugeht, als im Osten, aus welchem Grunde die Kolonisierung daselbst sehr schlechte Fortschritte macht. –

57. Sehet, von allem diesem ist nichts als die schändliche Habsucht der "moralischen" und sogar "christlichen" Menschen die Schuld.

58. Daß Ich nun solchen Greueln nicht lange mehr zuzusehen vermag, werdet ihr ohne großes Nachdenken leicht begreifen; denn wahrlich, die Menschen türmen ihre Sünden bereits bis in den dritten Himmel.

59. Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen. Und somit Amen für heute; die achte Stunde wird euch noch Größeres und Merkwürdigeres verkündigen!

Achte Stunde

1. Nachdem wir das Festland Australien über- und durchblikket haben, so wollen wir noch den bedeutenderen Inseln einen kurzen Besuch abstatten, um auch da zu sehen, wie es alldort zugeht.

2. Ich sagte nur die bedeutenderen Inselstaaten; denn es gibt noch eine Menge von unzähligen kleinen Inseln im Weltmeere, welche aber samt und sämtlich entweder von den Festlanden, oder aber auch von den größeren Inselstaaten aus beherrscht werden.

3. Denn wahrlich, ihr dürftet nicht viel über tausend kleine Inselchen in dem Weltmeere ausfindig machen, welche nicht von der euch bekannten europäischen Hauptdespotie wären benagt und beschnüffelt worden.

4. Und diese Haupt-Weltstöberische Nation hat nur jene Inselchen mehr oder weniger ungeschoren gelassen, wo sie sich nach der allergenauesten Durchforschung überzeugt hat, daß es alldort für ihr Rattengebiß nichts zu nagen gibt. –

5. Sehet nur her auf die Tafel; Ich will euch die ganze Erde von Pol zu Pol vor euren Augen ausbreiten, und es soll kein Punkt verschwiegen werden.

6. Sehet her! Die große Strecke zwischen Asien, Australien und Amerika; sehet die Menge der Inselchen, wie sie über den großen Wasserspiegel gleich den Sternen am Firmamente hervorblicken! Damit ihr euch aber von der kaufmännischen Habsucht dieser weltstöberischen Nation einen Begriff machen könnet, so will Ich auch die Namen schriftlich zu einer jeden Insel hinzusetzen, wie sie gesetzt wurden von den habsüchtigen Entdeckern.

7. Nun jetzt leset! Sehet alle auch noch so unwirtbaren, entlegensten Schlupfwinkel der Erde! Sehet nur auf die Schrift, und ihr werdet euch gleich überzeugen, für welche Nation der Erde alle Klimate zugänglich sind. Denn diese Menschen machen sich nichts daraus, ob ihnen unter dem Äquator die Segel vor Hitze brennend werden, oder ob sie auf der andern Seite den dreivierten Teil des Jahres zwischen Eisbergen einfrieren, und ihre Schiffe oft viele Klafter unter dem Schnee begraben liegen.

8. Kurz und gut, ihr werdet wenig andere Namen finden, als die dieser Weltwechsler. Daher wollen wir uns noch zu den bedeutenden Inselstaaten machen, um da das Tun und Treiben dieser Nation in Augenschein zu nehmen.

9. Sehet daher über den östlichen Teil nördlich eine bedeutend große Insel unter dem Namen Neu-Guinea. Diese Insel wird ebenfalls zu Australien gerechnet. Sie hat auch nur wenige Berge, und ist der Entstehung nach jünger noch als Australien; denn Australien ist erst kaum etwas über 3000 Jahre alt: die Insel Guinea aber ist nahe 700 Jahre jünger denn Austalien.

10. Dieses Land wurde jedoch von einigen asiatischen Völkern um vieles früher entdeckt, denn Australien; und so haben es die Engländer und auch Holländer schon bei weitem kultivierter gefunden, denn später das Festland Australien selbst. Was war nun natürlicher, als daß durch den Kanonendonner dieser weltsüchtigen Nation ein solcher Fund ohne weiteres in den vollen Besitz genommen wurde.

11. Hier werden freilich keine Deportierten abgesetzt; aber die armen Einwohner dieser Insel sind selbst beinahe um kein Haar besser daran, als die Sklaven in Nordamerika.

12. Diese Menschen werden zwar einigermaßen kultiviert; aber nicht etwa darum, daß sie gebildet würden ihrer selbst willen in der sogenannten christlichen Religion, oder in andern Wissenschaften, sondern nur aus der Ursache werden sie gebildet, aus welcher Ursache bei euch die Pferdewildlinge abgerichtet werden, d.h. um geschickter und tauglicher zu werden, englische Lasten zu tragen, für sie zu arbeiten und zu kämpfen, und wenn die Herren prassen, diesen hernach ebenfalls ein Lohn zum Teil wird, der nicht besser, sondern oft schlechter ist als der, den bei euch das Zugvieh nach getaner Arbeit erhält;

13. denn diese Hauptweltmäkler wollen durchaus nicht das Brot im Schweiß ihres Angesichts essen, sondern sie stellen sich mit müßigen Händen an allen Enden der Erde auf, reißen ihr Maul weit auseinander, und lassen sich von den ungerecht unterjochten Völkern, wie ihr zu sagen pflegt, die gebratenen Vögel ins Maul jagen. –

14. Nun sehet nur hierher in die Mitte der Tafel; da ist die Insel ganz ausgebreitet. Sehet die Arbeiter an, wie sie beinahe ganz nackt unter den glühenden Strahlen der Sonne die schwersten Arbeiten verrichten müssen.

15. Sehet, da steigen viele auf den Bäumen herum, und müssen von selben eine Art Wolle sammeln, die allda viel schöner und feiner ist, denn eine ähnliche in Ostindien; wieder sehet hier andere, die sich mit dem Anbau des Zuckerrohres beinahe Tag und Nacht beschäftigen. Sehet hier wieder andere, die da in den Tiefen der Erde nach Gold und allerlei Edelsteinen wühlen müssen.

16. Sehet hier wieder andere, die gleich Lasttieren ihre müßigen Herren in Sänften herumtragen müssen; und sehet hier wieder andere, welche beim Baue von Befestigungswerken und großen Magazinen verwendet und um den schlechtesten Sold oft jämmerlich mißhandelt werden.

17. Es wären noch eine Menge elender Situationen zu betrachten; allein wenn ihr dieses wenige in den rechten Augenschein nehmet, so mag es euch genügen, wenn ihr noch das hinzusetzet, daß diese weltsüchtige Nation fast mit allen den eroberten Inselstaaten auf eine solche politische Weise zu Werke geht, wie es einst die Römer in Hinsicht auf das Fremdgöttertum gemacht haben.

18. Denn, wenn sie sich überzeugen, daß irgend ein heidnisches Volk auf einer Insel gutmütiger Art ist, da wird vom Christentume nicht viel Erwähnung gemacht, sondern sie lassen sich dafür unterrichten in dieser heidnischen Religionsform; und wenn sie nun dadurch zur Einsicht gekommen sind, daß eine solche armselige Religion für ihren großen Weltbeutel besser taugt, denn die christliche, so sagen sie, gleich Meinem lieben Paulus: Wir wollen alles mit allen sein, um von allen etwas zu gewinnen; freilich nicht wie Paulus, der allen alles sein wollte, um sie für Mich zu gewinnen, sondern wie schon gesagt, von allen alles.

19. Nur wenn irgend eine heidnische Religion sehr eigennützige Grundsätze hat, da wird freilich die christliche Religion mit dem schwersten Kanonenkaliber gepredigt; und hat diese heidnische Nation die christliche Religion angenommen, da versteht sich dann schon von selbst, welcher alles umfassende Lohn - den Heilsverkündigern gebührt.

20. Und so sehet her denn wieder auf die Tafel. Sehet, wieder eine andere Insel. Sie wird Neu-Britannien genannt, und da sehet etwas weiter herauf noch eine Insel, man nennt sie Neu-Irland. Ich meine, da werdet ihr nicht lange herumfragen dürfen, wer die Herren dieser bedeutenden zwei Inseln sind.

21. Seht, weiter da unten wieder eine bedeutende Insel, umgeben von mehreren kleineren Inseln: Neu - Caledonien. Braucht nicht zu fragen, wer die Herren dieser bedeutenden Ländereien sind, und wie es dort zugeht; sehet nur teilweise nach Nordamerika, Australien und Neu-Guinea.

22. Nun sehet da herab südlich im östlichen Teil von Australien eine bedeutende, aber sehr magere und schwer zugängliche Insel: Van-Diemens-Land genannt. Sehet, da sieht es ziemlich mager aus; daher wird auch sogar den Holländern gestattet, daß diese Insel, wenn auch sonst nichts, so doch einen holländischen Namen trägt.

23. Trotz dieses holländischen Namens haben aber doch auch die Engländer sich den allerbesten Landungsplatz ausersehen. Nur der westliche Teil steht den Niederländern zollfrei offen.

24. Was aber den bedeutenden Fischfang im Osten anbelangt, so wissen da die Engländer recht wohl ihre Netze in's Meer zu tauchen. –

25. Nun verlassen wir diese Insel, und wenden uns ziemlich südlich herab; da sehet zwei sehr bedeutende Inseln nebeneinander, welche nur durch die sogenannte Koksstraße getrennt sind.

26. Es ist Neu-Seeland; und sehet noch ein wenig südlicher, eine nicht unbedeutende Insel unter dem Namen Cornwallis. Sehet, diesen Inseln haben die Engländer gegen einen bedeutenden Getreidetribut eine freie Souveränität gelassen. Das heißt, die Beherrscher dieser Inseln sind noch in ihrem Amte gelassen, und zwar aus verschiedenen Gründen.

27. Der Hauptgrund ist dieser, weil den Engländern auf diese Weise die Regierung dieser äußerst weit entlegenen Ländern nichts kostet, und weil sie ihnen vermöge ihrer äußerst gastfreundlichen Gesinnung, wie schon früher erwähnt wurde, sehr zusagt, aus welchem Grunde das Christentum hier auch sehr magere Fortschritte macht.

28. Der zweite Grund, warum diese weltsüchtige Nation gegen diese Länder noch keine stärker donnernden Expeditionen unternommen hat, sind die damit verbundenen großen Unkosten.

29. Der dritte Grund ist dieser, weil dieses Land großen Schiffen vermöge der häufigen Stürme und der vielen Klippen und Sandbänke nicht leicht zugänglich ist. –

30. Und so gäbe es noch verschiedene andere eigennützige Gründe, warum diese entfernten, aber doch sehr fruchtbaren Seeländer noch nicht vollends in die despotischen Klauen dieser weltberühmten Nation gekommen sind.

31. Aber nun sehet, da fahren eben einige englische Schiffe, welche da sind ein Mittelding zwischen Kauffahrtei- und Kriegsschiffen, wie ihr sehet, gerade nach diesen Ländern; denn jetzt ist alldort schon das Getreide und andere brauchbare Früchte eingebracht. Denn ihr werdet wohl wissen, daß euer Frühling alldort der Herbst ist.

32. Sehet, und so werden diese Schiffe gerade zur rechten Zeit dahin gelangen. Zählet sie einmal, wie viel ihrer sind? Sehet eine ziemliche Karawane mit groß und klein gerechnet 170 an der Zahl; aber damit ihr ihr Tun und Treiben alldort in den Augenschein nehmen möget, so will Ich im Geiste diese Schiffahrt beschleunigen.

33. Nun sehet her; wir sind schon an Ort und Stelle. Sehet, wie diese armen Völker, meistens noch echte Kainiten, vollbeladen mit Körben und von den Engländern eigens dazu hinterlassenen Säcken und Kisten an die Küste eilen, um den vermeintlichen Göttertribut abzustatten; denn diese Armen halten die Weltsüchtigen für Wesen höherer Art, die zur Erde mittels solcher schönen schwimmenden Häuser von den Wolken gestiegen sind, auf daß sie nach ihrer Meinung am Ende ihrer Welt die Opfer empfingen, die ihnen gebühreten.

34. Daß sie solche höhere Wesen sind, schließen sie daraus, weil sie von diesen Häusern eben so gut blitzen und donnern, und gewaltige Donnerkeile werfen, wie aus den Wolken.

35. Da nun die Tributsnehmer mit solchen Volksschwächen vertraut sind, so geben sie ihre Ankunft auch durch den Kanonendonner zu erkennen, und wenn sie nach einem Aufenthalte von einigen Wochen alles in ihre Schiffe eingepackt haben, so wird dann als Bezahlung diesen armen Völkchen noch ein großartiges Kanonen- und Raketen-Spektakel gegeben und dieses Spektakel sagt dann den Einwohnern, daß die Götter hinreichendes Opfer bekommen haben.

36. Damit aber einen solchen Gratisfund auch nicht irgend eine andere Nation macht, so sind kleine Inseln, die diese großen Inseln umgeben, gar wohl mit englischen Forts versehen.

37. Und so sind dadurch diese großen Länder selbst als wie immerwährend gefangen; denn an einigen Punkten, da diese Länder landungsfähig sind, haben die Engländer ihre Feuerschlünde kreuz und quer eingepflanzt.

38. Wo aber das Land, wie schon gesagt, unzugänglich ist, da bedarf es auch keiner Wachen. Und so sind diese Welt- und Wassersüchtigen trotz der Souveränität dieser Länder als die Beherrscher von der Küste bis in's Innerste anzusehen.

39. Hier üben sie freilich keine Grausamkeit aus, d.h. sie schwingen nicht ihre Sklavenpeitsche und Höllenfackel über diese Armen; aber Ich sage: Eben hier ist der Ort, wo diese Menschen sich selbst zu den größten Scheusalen der Erde herab stempeln;

40. Denn so lange irgend ein Mensch aus Habsucht und Geiz seine Mitmenschen tyrannisiert, so ist er wohl zu vergleichen mit einem Teufel, der ein barer Diener des Satans ist; denn mag die Tyrannei noch so arg sein, so ist doch wenigstens gewiß, daß der gemißhandelte Teil wenigstens bis in den innersten Tropfen des Marks gedemütigt wird, und es wird ihm, wenn auch auf tyrannische Weise, doch wenigstens ein Begriff vom Christentume beigebracht, in Folge dessen solche Arme im Hinblicke auf Mein Kreuz ihr Elend erträglich erdulden.

41. Aber wo aus schändlicher Habsucht ein Volk von allem höheren Lichte gänzlich ab- und ausgeschlossen wird, und auf der andern Seite aber dessenungeachtet lügenhafterweise aller Welt ausposaunt wird, welche segenvolle Fortschritte solche Nation macht, während sie im Geheimen in der schändlichen Finsternis gelassen wird; höret, solche Kunststücke vermag kein Teufel auszuführen, sondern da muß ein Großmeister Hand an's Werk legen. –

42. Sehet, das ist und gehört zu den größten Greueln der Erde! Wahrlich, so ein Tyrann tausend unschuldige Menschen durch ein ganzes Jahr hindurch mit den schauerlichsten Marterwerkzeugen möchte um das Leben bringen, daß seine Marterei eine wäre, wie sie keines Menschen Zunge auszusprechen vermöchte, so möchte Ich ihm eher Gnade erzeigen, als solchen Scheusalen aus dem A.... des Höllenfürsten.

43. Ihr sehet diese unaussprechliche Grausamkeit freilich wohl nicht gar so ein, als wenn ihr sehen würdet, wie auf einer andern Insel die Menschen bei den Füßen an einen Baumast aufgehängt werden, so daß der Kopf zur Erde hinab reicht, allda sie dann von einer eigenen Art kleiner grüner Ameisen verzehrt werden, und oft am 6ten oder 7ten Tage unter den unaussprechlichsten Schmerzen ihr Leben aushauchen, und dann erst so lange hängen bleiben, bis der letzte Marktropfen aus ihren Gebeinen von den besagten Ameisen verzehrt worden ist;

44. Ja Ich sage, euch würden die Haare an der Stelle schneeweiß zu Berge steigen, wenn ihr auf einem andern Orte sehen würdet, wie die Menschen an große Schleifsteine gehalten bis auf die letzte Faser zusammen geschliffen werden, ja ihr würdet eure Augen unvermeidlich schließen, wenn ihr auf einer andern Insel Menschen mit geknebelten Armen und Füßen auf Baumästen an den Geschlechtsteilen würdet aufgehängt antreffen, und das weibliche Geschlecht aber, durch die Schamlippen einen Strick gezogen, hernach erst an den Füßen des männlichen Geschlechtes hängend. –

45. Ich könnte euch dergleichen Grausamkeiten noch in einer Unzahl anführen; allein ihr würdet darinnen nichts erblicken, als allerlei Kreuzigungen, durch welche den Menschen das irdische Leben genommen wird. –

46. Aber sehet, alle diese Grausamkeiten sind kaum als ein Tautropfen gegen das Weltmeer zu betrachten, was eigentlich eine solche geistige Mißhandlung der armen Menschheit ist; denn mag jemand vom Leibe ein Glied nach dem andern trennen, so wird der Leib eine solche Marter nur bis auf einen gewissen Grad aushalten.

47. Ist es der Seele einmal zu bunt geworden, dann löst sie sich alsobald von ihrer Hülle in Vereinigung mit dem Geiste ab, und da mag hernach der Tyrann den Leib zwicken, geißeln, brennen, schleifen, und kurz was für grausames ihm noch beliebt, mit denselben vornehmen, so ist das nicht viel anders, als so jemand von euch seinem ausgezogenen Rocke solches antun möchte; denn der Leib ist nur so lange schmerzfähig, als die Seele in selbem haftet.

48. Hat sich diese empfohlen, wenn es ihr zu bunt geworden ist, so hat auch, wie schon gesagt, aller Schmerz aufgehört. –

49. Allein eine solche Mißhandlung der Seele und des Geistes, eine solche gewinnsüchtige Anlegung der Sklavenketten dem unsterblichen Geiste, das ist mehr, ja Ich sage unendlichmal mehr als alle körperlichen Grausamkeiten, die auf der ganzen Erde verübt werden. Denn meint ihr, es sein ein Leichtes, solche Sklaven-Geister in ihrer Freiheit hernach zu bekehren? –

50. O sehet, der menschliche Geist ist ein freier Geist; wenn er aber einmal eine Richtung genommen hat, wer vermag sie zu ändern, um den Geist nicht zu vernichten? –

51. Und denket euch, wie es um das Herz des Vaters sein kann, wenn er gleich einem sorgsamen Hauswirte untätig zusehen muß, wie ihm der Hagel Seine Früchte vernichtet.

52. Daher sage Ich: Wehe euch Tyrannen, ihr werdet mit euren Brüdern, den Teufeln, ihr Los teilen; aber unendlichmal wehe euch, die ihr Macht in den Händen habt, allen Völkern der Erde ein wahres Licht zu bringen, und ihr tut es nicht, sondern schleudert dieselben aus schnöder Habsucht und Weltgierde noch in größere Labyrinthe der Finsternis, als sie zuvor in ihrer Unschuld gelegen sind.

53. Ja, Ich sage noch einmal: unendlichmal wehe euch, wenn der zahlende Tag für euch kommen wird: wahrlich, ihr werdet empfangen, was Meine Gottheit in Ihrer allerinnersten Tiefe ihres Zornfeuers zu erfinden und zu erdenken vermag! - Mehr brauche Ich nicht zu sagen.

54. Denn einen Menschen um seinen Gott zu bringen, ist der Greuel höchster; mehr brauche Ich euch nicht zu sagen.

55. Mein Wort zu den niedrigsten, habsüchtigen und geizigen Zwecken zu gebrauchen, ist eben so, wie alles vorhergehende, der Greuel höchster; mehr brauche Ich euch durchaus nicht zu sagen!-

56. So auch, was die andern Inselstaaten bis auf Japan, darüber die neunte Stunde handeln wird, betrifft, so ist bis auf eine Insel in der Mitte des Weltmeeres unter dem Namen Otaheity beinahe dasselbe, wie bei den früheren Inseln der Fall.

57. Mit dieser Insel geht es auch beinahe wie mit Neuseeland; nur daß man hier auf einigen Punkten derselben für's erste europäische Waffenübungen eingeführt hat, und hie und da auch das Christentum; denn diese Insel, so klein sie auch gegen die andern ist, so versieht sie jetzt beinahe die sämtlichen englischen Inselstaaten mit Schwefel und besten Salnitersalze, aus welcher Ursache dort auch sehr bedeutende Pulverfabriken angelegt sind; denn der Boden dieser Insel ist beinahe pur Schwefel, aus welchem Grund sich alldort auch einer der größten Feuerspeier befindet, dessen Krater mehrere Stunden im Umfange hat, und stets voll glühender Lava ist.

58. Und somit genüge es euch für die heutige 8te Stunde; denn vermöge der kleinen Einleitung, die ich euch in dieser Stunde sowohl körperlich als geistig gegeben habe, wird euch die nächstfolgende 9te Stunde anschaulichere Aufschlüsse verschaffen. Amen.

Neunte Stunde

1. Nachdem wir den Süden der Erde durchwandert haben, und du die Verhältnisse durchschauet, wohlgemerkt, mehr dem Innwendigen, denn dem Äußern nach, so wollen wir nun wieder zur nördlichen Erdhälfte zurückkehren, und, wie schon vorläufig erwähnt, dem Inselstaate Japan einen kurzen Besuch abstatten.

2. Doch, wie schon bekannt, werden wir keine Jahre und Monate brauchen, um dahin zu gelangen, sondern sehet nur her auf die euch schon wohlbekannte Tafel, der ganze heidnische Inselstaat liegt schon ausgebreitet vor euren Augen.

3. Betrachtet nur einmal die Küsten; sehet, wie schaurig sie von ihren hohen Klippenzinnen hinab auf die sturmbewegte See starren. Sehet ringsum, und ihr werdet wenig Punkte antreffen, die mit der Fläche des Meeres in gleicher Ebene lägen.

4. Sehet, hier im Süden ist ein einziger Punkt, der landungsfähig ist, zu dem auch vermöge der innern Verfassung einige fremde Nationen ihre Schiffe steuern können.

5. Was die andern wenigen Landungspunkte für Inländer betrifft, so sind diese für's erste weniger oder oft gar nicht zugänglich, und für's zweite ist es von der dortigen sogenannten allerstrengsten und allergerechtesten Regierung auch aus folgenden Gründen nicht gestattet, daß Ausländer irgend anderswo landen dürfen, denn auf den bestimmten Landungsplatze,

6. Damit für's erste diese Orte von den ausgearteten Menschen nicht entheiligt werden möchten, und für's zweite, da die Fremdlinge der großen Gefahren dieser andern kleinen Landungspunkte nicht bewußt sind, und daher unvermeidlichen Schaden und Untergang finden würden.

7. Der dritte Grund aber ist der, weil sich eben dieser Regent im alleinigen Besitze aller Künste, Gewerbe und Geheimnisse wähnt, so ist er in der beständigen geizigen Furcht, daß, wenn solches den Fremdlingen bekannt werden möchte, es mit seinem Wohlstande geschehen wäre; daher hat er auch nur einen einzigen Landungspunkt bestimmt, allda solche nach seiner Meinung außerordentliche Produkte aus besonderem gerechten Mitleiden verhandelt werden.

8. Denn er ist fest der Meinung, wie auch seine ganze Nation, daß er allein sich im Mittelpunkte der Welt befindet, und daß alle Fremdlinge von der ganzen Welt zu ihm kommen müssen, um von seinen außerordentlichen Landesprodukten zu kaufen, dadurch zu einem Besitze zu kommen, und aus diesem Besitze sich einen Begriff machen zu können, zu welcher Vollkommenheit das Centralfürstentum der Welt gediehen ist; ja er ist wirklich der Meinung, daß die Menschen auf den übrigen Punkten der Erde gar nicht die Fähigkeit besitzen, nur zu ahnen, wie ein gar simples Binskörbchen verfertiget wird.

9. Wenn er auch Kunde erhält, daß die Schiffe der Fremden außerordentlich künstlich gebaut wären, so werden auf eine solche Nachricht die Berichterstatter allzeit geprügelt, da ein solcher Bericht als eine offenbare Majestätsbeleidigung angesehen wird; und wenn er dann einen oder zwei Kommissäre dahin beordert, um sich heimlich zu überzeugen, ob die Sache sich wirklich so verhält,

10. Und kommen diese dann mit der Nachricht zurück und bestätigen den Bericht, so wird eine solche Bestätigung als ein förmlicher Landesverrat angesehen; denn es spricht dieser Monarch: Wenn solches nicht durch irgend einen meiner Untertanen an die Fremden wäre verraten worden, wie wäre es sonst möglich, daß diese dummen Fremden in den geheimnisvollen wissenschaftlichen Besitz gekommen wären, sich Häuser aus dem Holze zu erbauen, die sie über die Fluten des Meeres zu tragen vermöchten; denn solches verstehen nur wir, das auserwählte Volk der Mitte der Erde,

11. und sogleich werden dann von der Haupt- und Residenzstadt abgeordnete Untersuchungs - Kommissäre in alle drei Länder beordert, die Küstenvölker in aller Strenge zu untersuchen, von wo aus ein solcher Verrat gegangen ist;

12. Und wenn die Kommissäre nichts gefunden haben, so werden sie nach ihrer Rückkunft ebenfalls tüchtig durchgeprügelt, und auf drei Jahre ihres Dienstes entlassen, binnen welcher Zeit sie dann über Hals und Kopf studieren müssen, und zwar unter den allerrigorösesten Professoren von der Welt.

13. Nach beendeter Studienzeit erfolgt dann eine außerordentlich strenge Prüfung; wer die Prüfung besteht, wird wieder angestellt, wer sie aber nicht besteht, der wird abermals geprügelt, und muß die Studien wieder von vorne anfangen. –

14. Während der Zeit aber solche Kommissarien ihre Strafstudien durchmachen müssen, werden sogleich Stellvertreter allergnädigst ernannt.

15. Diese Ernennung geschieht auf folgende Weise: Es werden nämlich neun sogenannte Praktikanten von seiner gerechtesten und allerstrengesten Majestät vorgerufen, und von derselben mündlich geprüft.

16. Diese Prüfung besteht darin, daß sie für's erste alle Fabrikate des Landes aufzählen müssen, und wie diese bereitet werden; dann müssen sie alle Berge, alle Flüsse, alle Täler und Ebenen, alle Tiere, seien es zahme oder wilde, alle Bäume, Pflanzen und Kräuter buchstäblich benennen und aufzählen; Ferner müssen sie die Namen von allen Untertanen genau angeben, und wo jeder sich befindet, und was er besitzt;

17. Und schließlich müssen sie noch den ganzen Namen des Kaisers hersagen, was eigentlich das Allerschwerste für die Praktikanten ist; denn dieser Name ist so lang, daß ihr denselben nach einer mittelmäßig großen Schrift auf einen wenigstens eine Meile langen Papierstreifen mit einer Zeile kaum aufschreiben würdet, und enthält alles, als da ist die eingebildete unendlich lange Stammlinie, dann alle Dinge und Gewerbe des Landes, und so auch die Namen von allen seinen Untertanen.

18. Wenn ihr nun das bedenket, so werdet ihr wohl einsehen, welche Anstrengung des Gedächtnisses dazu erfordert wird, um sich diesen Namen, wie ihr zu sagen pfleget, auswendig zu merken. Ihr werdet nun fragen, wozu ein so langer Name? –

19. Dieses kann euch sehr leicht erörtert werden, weil er, der Monarch nämlich, darinnen seine ganze Herrlichkeit, Geschichte und Besitztum aufgezeichnet hat.

20. Es haben zwar auch andere Personen im Lande sehr lange Namen; aber länger darf bei Strafe des Todes keiner sein, als der des Monarchen.

21. Daher wird auch in dieser Hinsicht sehr viel Studium auf den Namen des Monarchen gesetzt, damit sie ihre eigenen Namen mit dem Namen des Monarchen der Länge nach vergleichen können;

22. Und wenn da jemand wegen ebenfalls sehr alter Herkunft findet, daß sein Name noch länger ist, als der des Monarchen, so nimmt er das Namensprotokoll, und trägt es heulend mit zerrissenem Gewande hin vor den Monarchen, und bittet um die Strafe und um die gänzliche Vernichtung seines Namens;

23. Und wenn der Monarch den Namen mit einem Zirkel ausgemessen und gefunden hat, daß er wirklich um 2 Klaftern länger ist, so werden 6 Klaftern von dem Namen abgestochen, und verbrannt; dem Bittsteller wird dann allergnädigst die gehörige Anzahl Prügel verabfolgt, und sonach ihm erst der verkürzte Name überreicht. –

24. Und nun gehen wir wieder auf unsere Praktikanten zurück. Haben drei oder vier die Prüfung bestanden, so wird ihnen sogleich auch nach eurer Sprache das Anstellungsdekret überreicht, und mit dieser Überreichung aber auch sogleich die Pflicht, sich als Kommissarien an Ort und Stelle zu begeben, um den früher besprochenen Landesverrat zu entdecken, auferlegt. –

25. Diese aber sind dann gewöhnlich um ein Haar klüger, als die früheren; sie verweilen bei dieser Untersuchung gewöhnlich 1,2 bis 3 Jahre, und sinnen während dieser Zeit auf eine kluge Finte, um ihren Monarchen zu übertölpeln, und wenn sie da zurückkehren, bringen sie gewöhnlich mehrere bestochene Zeugen mit, welche dann aussagen, daß nach diesem schauerlichen Ereignisse der Blitz noch dreimal in die Stelle einschlug, und daß darauf alle Anwesenden den großen Gott in der Sonne gepriesen haben, daß er ein so großes Zeichen zur Verherrlichung des großen Fürsten vor dessen Volke getan hat.

26. Jetzt werdet ihr vielleicht fragen, warum waren denn die ersten drei nicht so pfiffig, als die Nachfolger? –

27. Und ihr werdet euch wundern, wenn Ich euch sage, daß die ersten drei noch pfiffiger waren, als ihre Nachfolger; denn sie werden nun alsogleich von ihren Studien befreit, und als vollkommen rechtliche, gestrenge und wohlwissenschaftliche Staatsmänner von dem Monarchen mit eigenem Munde anerkannt, und gelangen auf diese Art zur höchsten Würde, vermöge welcher ihnen sogar gestattet wird, viermal im Jahre das Kleid des Monarchen anrühren zu dürfen, und sind dadurch von aller ferneren Prügelei befreit; denn wenn sie auch den Tatbestand nicht so erhoben haben, wie ihre Nachfolger, so macht das nichts, sondern hier gibt einzig und allein die große Treue den Ausschlag.

28. Die Nachfolger aber kommen dann als wirklich angestellte Staatsbeamte auf die Stufe ihrer Vorgänger. Ihr müßet euch nicht etwa denken, das sei dort zu Lande etwas unbedeutendes.

29. Ein Beamter, der viermal im Jahre das Kleid des Monarchen berühren darf, ist etwas so außerordentliches im Lande, daß, so er auf der Straße wandelt, oder in einer Sänfte getragen wird, alles Volk bei Strafe des Lebens auf das Angesicht vor ihm niederfallen muß; und ein Wort von ihm zu jemanden gesprochen, ist etwas so außerordentliches, daß der Betreffende oft drei Tage lang die Stelle nicht verläßt, wo ihm eine solche Gnade zuteil geworden ist;

30. Und ist das Wort ein ungünstiges gewesen, hat der Beamte dem Betreffenden etwa einen Verweis oder eine andere Unannehmlichkeit, als etwa einen Tiernamen oder eine sonstige unehrbare Sache zugesprochen, so fängt der Betreffende augenblicklich an zu heulen und zu wehklagen, und bittet den hohen Beamten um eine gnädigste Strafverleihung, welche ihm auch ohne viel Umstände bewilliget wird;

31. Und sofort setzt er seine Bitte an den hohen Staatsmann, daß derselbe ihm die Strafe ja nicht zu glimpflich verhängen solle, sondern ihn nach seiner Strenge, Gerechtigkeit und Lust möchte vollprügeln lassen.

32. Wenn dann der Staatsbeamte solche Bitte in sein allergnädigst geneigtes Ohr vernommen hat, so befiehlt er alsogleich seiner sehr reichlichen Dienerschaft, den betreffenden Supplikanten an den Händen und Füßen zu erfassen, ihn von der Erde zu heben; und wenn dieser sich hernach in der Mitte von 8 Dienern in der Luft schwebend befindet, so kommt dann der Prügelmann mit der Bambusknute, und prügelt diesen Supplikanten so lange, bis der hohe Staatsmann ihm ein Zeichen gibt, daß mit diesem Streiche seine Gnade zu Ende ist.

33. Sodann wird der Supplikant, halb zu Tode geprügelt, wieder auf die Erde niedergelegt, und seine Nachbarn kommen hinzu, und preisen um dem Geprügelten die hohe Weisheit, Gerechtigkeit und Strenge des Beamten.

34. Ihr werdet vielleicht auch von dem Volke dafür dem Monarchen einen Preis dargebracht zu sehen wünschen; allein solches geht in diesem Lande nicht; denn alldort steht der Monarch zu hoch, als daß er dürfte von dem gemeinen Volke gepriesen werden. –

35. Solches und noch einiges dergleichen ist eigentlich der beste Teil dieser Verfassung; wenn wir solchen haben kennen gelernt, so ist es auch füglich, daß wir den schlimmen Teil ein wenig beleuchten.

36. In dieser Hinsicht geht es hier wahrlich wie nirgends anders in der Welt zu. Für's erste hat in diesem Lande niemand ein Eigentum, sondern alles ist ein ausschließendes Eigentum des Monarchen.

37. Jedem Menschen oder vielmehr jeder Klasse ist genau vorgeschrieben, was er und wie viel er arbeiten muß.

38. Es ist ihm vorgeschrieben die Kost, wie auch die Kleidung; es ist ihm vorgeschrieben die Wohnung und der Bezirk, aus dem er sich außer einem besondern Staatsbefehle nie entfernen darf.

39. Ferner ist ihm vorgeschrieben, wie viel Weiber er haben und wie viel Kinder er mit seinen Weibern zeugen darf.

40. Es ist ihm vorgeschrieben, was er von dem Erzeugten beim letzten Tropfen des Gesetzes abzuliefern hat.

41. Den Bewohnern der Küste ist auf das strengste vorgeschrieben, außer dem bestimmten Handelsplatz für Fremde nichts hintan zu geben; es ist ihnen vorgeschrieben, einen Fremden außer dem bestimmten Platze, unter was immer für einer Bedingung, nie das japanische Land betreten zu lassen.

42. Und so sind auch alle Handelsartikel genau vorgeschrieben, was da an Fremde darf hintan gegeben werden, und was die Fremden dafür bieten dürfen; und ist ihnen ferner noch auf das strengste vorgeschrieben, daß von den Fremden nie mehr als einer in dem Orte als Dolmetsch verbleiben darf, welcher aber von den Augenblicke, da er als solcher angenommen wurde, sich nie mehr von der Küsteentfernen darf.

43. Er muß seine Sprache noch obendrauf dreien japanesischen Kommissären beibringen, und darf aber dessenungeachtet sich nie auch eine Stunde Weges in das Innere des Landes begeben. –

44. Sehet, das ist ungefähr der Auszug der japanesischen Verfassung; Ich sage: ungefähr, weil dieses Land durchaus kein sogenanntes bestehendes Staatsgesetz hat, sondern das lebendige Staatsgesetz ist der jewaige bestehende Fürst und seine obersten Staatsbeamten, und es liegt beinahe ganz in ihrer freien Willkür, für jeden vorkommenden Fall alsogleich ein neues Gesetz zu machen;

45. Denn ihr könnet euch wahrlich keinen Begriff davon machen, nach welchem kleinlichen Umstande alldort das Gesetz eine ganz andere Strafe über irgend ein Verbrechen verhängt. Ich will euch nur ein einziges kleines Beispiel anführen. Es ist jemanden sein Bezirk ausgemessen angewiesen, außerhalb dessen er sich nicht bewegen darf.

46. Jemand hat sich die Grenze nicht genau gemerkt, und nur einen halben Fuß über den Faden gesetzt; wenn solches sein Nachbar bemerkt, so meldet er es wieder seinen nächsten Nachbar, und dieser wieder seinem nächsten, bis er dann an die Wohnung des sogenannten Bezirkswächters gelangt.

47. Dieser begibt sich dann mit einem Zirkel sobald an Ort und Stelle, und bemißt genau den Übertritt; ist der Übertritt etwas über den halben Fuß, so sind dafür sofort 100 Prügel als Strafe dem Übertreter zu verabfolgen.

48. Wenn aber der Bezirkswächter befunden hat, daß wenigstens 3/4 des Fußes über die Linie gesetzt worden sind, so erhöht dieser Umstand die Strafe beinahe um's Doppelte.

49. Wenn aber jemand den ganzen Fuß über die Grenze gesetzt hat, so bekommt er für's erste eine ungezählte Masse Prügel, und dann wird er erst durch drei Tage an einen Pfahl gebunden, um daselbst die engste Grenze sich anzugewöhnen.

50. Wenn ein solcher Fall siebenmal vorkommt, so wird ihm alsobald der Fuß, so weit er denselben außer der Grenze gesetzt hat, abgehauen.

51. Wer aber ohne gerichtliche Erlaubnis sich unterfangen hätte, nur einige Schritte außer seinem Grenzbezirke zu tun, der wird entweder im Wege der Gnade aufgehängt, oder zu Tode geprügelt. Und geht es nicht auf dem Wege der Gnade, so wird er nackt auf ein Kreuz gebunden, und da so lange oben gelassen, bis er gestorben ist; jedoch steht ihm selbst am Kreuze noch vermöge gewaltiger Bitte die Gnade offen, durch einen Lanzenstich getötet zu werden. –

52. Sehet, aus diesem kleinen Beispiele könnet ihr euch schon einen Begriff machen, wie es in diesem Lande aussieht; und es ist die Einrichtung so getroffen, daß da außer den bekannten hohen Staatsbeamten niemand von der Todesstrafe ausgenommen ist.

53. Und so treibt hier gewissermaßen ein Keil den andern. Nie wird man einen Fall erleben, daß ein unterer Beamter wegen allfälliger Grausamkeit zur Verantwortung und Strafe gezogen wird; wohl aber, wenn er sich nur im Geringsten irgendwo eine Fahrlässigkeit erwiesenermaßen hat zu Schulden kommen lassen.

54. Daher bildet dort der Zirkel und die Waage den Hauptteil der Staatsverfassung; denn da wird alles abgezirkelt und abgewogen.

55. Wenn ihr euch nun denket, daß bei allen diesen ungefähr bekannt gegebenen Grundvorschriften die Todesstrafe mit allerlei Martervariationen die Hauptrolle spielt, so wird es auch nicht schwer werden, euch einen ziemlichen Begriff zu machen, wie es in einem Lande zugeht, wo die Despotie den höchsten Gipfel der Tyrannei erklommen hat.

56. Denn wahrlich, es dürfte auf der Erdoberfläche kaum ein zweites Land geben, das diesem in seiner willkürlichen grausamen Unart gliche.

57. Nun habe Ich euch von diesem Lande auch für euch genügend den schlimmen Teil bekannt gegeben. Es gibt aber noch einen schlimmsten. Ihr werdet jetzt freilich denken, kann's in einem Lande etwas ärgeres geben, als wir schon vernommen haben? – Hier sage Ich euch für den Augenblick nichts, sondern bescheide euch bloß, einen Blick auf Meine Tafel zu machen.

58. Sehet daher, dieses Gebäude ist ein Tempel! Ich sage auch zu diesem Tempel: Epheta! - Und nun blikket hinein. Sehet, wie da in einer seitwärts abgelegenen runden Zelle mehrere Mädchen und Jünglinge gefüttert werden, damit sie schön und recht fett werden sollen. Sehet, die zwischen ihnen in gelben und blauen Kleidern sitzenden Männer sind die Opferpriester. –

59. Wenn ein Mißjahr dieses Land heimsucht, so wird dann sogleich geprediget, daß Gott sich erzürnt habe über dieses Land, und daher muß ihm, um ihn zu begüten, ein Opfer gebracht werden.

60. Und sobald werden auf Befehl des Oberpriesters 6 männliche und 6 weibliche Individuen aus dieser Zelle gewaschen und nach ihrer Art gar zierlich angelegt, und sodann stellt sich ein Priester auf einen sogenannten Weisheitsstuhl; von diesem bestimmt er dann mit zornigen Worten, gleichsam als spräche die erzürnte Gottheit aus ihm, wie derselben sollte das Opfer dargebracht werden.

61. Sind die Mädchen sehr schön und üppig geworden durch diese Fütterung, dann verschmäht die Gottheit die Opferung derselben, und gibt sie zum lebenslänglichen Eigentume seinen Priestern zurück;

62. aber mit den Jünglingen, wenn einer nicht von gar ausnehmender Schönheit ist, geht die erzürnte Gottheit nicht so schonend zu Werke, sondern sie werden gewöhnlich zur Opferung bestimmt, welche darin besteht, daß sie entweder bei lebendigen Leibe verbrannt, oder früher enthauptet und dann erst verbrannt werden, oder sie werden auf einen Felsen, der irgend ins Meer hinausragt, geführt, und von da in's Meer geworfen. –

63. Freilich geschieht solche Menschenopferung nur selten; aber genug, wenn sie irgend noch vorkommt, so ist ein solches Land schon dessentwegen in der allertiefsten Finsternis, und hat von einem wahren Gott die schändlichsten und elendsten Begriffe.

64. Zu diesem allerschlimmsten gehört auch die Ermordung überzähliger Kinder; und derjenige, der über die Zahl Kinder gezeugt hat, wird an seinen Geschlechtsteilen verstümmelt.

65. Ferner gehört zu dem Allerschlimmsten auch das, daß in diesem Lande gegen das Eindringen des Christentums mit unerhörter Grausamkeit verfahren wird.

66. Denn in dieses Land darf sich nicht einmal ein mit aller Wundertätigkeit ausgerüsteter Wiedergeborener wagen; denn er wird sofort als Fremdling, Unheilbringer und Aufwiegler des Volkes mit der grausamsten Todesart bestraft. –

67. Es hat auch wirklich schon Fälle gegeben, daß Christenboten daselbst durch die verschiedensten Todesarten gehend von Mir am Leben erhalten wurden; allein diese Unmenschen haben das alles für null und nichtig betrachtet, und haben an solchen Christenboten unersättlich alle erdenklichen Todesarten versucht, bis nach Meiner Ordnung die Zahl voll war, und Ich Meinen Abgesandten abrufen mußte, um nicht noch längere Zeit das Heiligtum solcher namenlosen Verachtung preisgegeben zu sehen.

68. Aber nun merket euch dieses: Nicht ferne mehr ist der vernichtende Moment dieses Freisitzes des Satans; wenn ihr hören werdet, daß die Monarchie preisgegeben wird fremden Völkern, so denket, daß da das Ende der Dinge nicht ferne sei. –

69. Sehet, in diesem äußersten Morgenlande gibt es noch manche Völkerschaften, die von Mir nichts wissen wollen; allein, Ich werde ferner wenig Boten mehr dahin senden, sondern Boten Meines nahen Gerichtes; und es wird sein, wie mit einem Fruchtbaume im Herbste, da das unreife Obst mit dem reifen herabgenommen wird.

70. Das reife wird aufbewahrt für die Tafel des Herrn, das unreife aber auf die Kelter geworfen, und allda zerstoßen, und wird der wenige Saft noch genommen zur Säuerung, die Trebern aber werden vorgeworfen den Schweinen; und es wird da sein wie bei einem Hausvater, auf dessen Acker der Weizen reif geworden ist.

71. Wahrlich, es wird da nicht geschaut auf die Reife des Unkrautes, sondern dieses wird mit dem Weizen vom Acker genommen werden; dann aber wird es geschieden werden durch die Diener vom Weizen.

72. Diese werden es in Bündel zusammen binden und vertrocknen lassen auf dem offenen Felde und werden es dann anzünden und verbrennen bis auf dem Grund, damit aller Same des Unkrauts vernichtet werde; Meinen Weizen aber werden sie bringen in die Scheuern des ewigen Lebens.

73. Sehet, daher sollet ihr euch auch nicht daran stoßen, wenn ihr auf der Erde noch so viel unreifes Obst und so viel Unkraut unter dem Weizen findet.

74. Denket nicht, daß Ich darob Meinen Tag verzögern werde, sondern wahrlich sage Ich euch: Nur beschleunigen will Ich ihn, der Auserwählten willen; denn wenn zur Zeit dieser letzten vorbestimmten Trübsale diese Tage nicht möchtet verkürzet werden, wahrlich selbst die Lebendigen verlören das Leben!"

75. Daher seid unbesorgt, und benützet diese Mitteilung nicht zu sehr als buchstäbliche Anschauung der unratübervollen Welt, sondern benützet sie vielmehr zur eigenen innern Anschauung; denn darum gebe Ich solches euch, daß ihr die Welt in euch erkennen, sie verachten und aus Liebe zu Mir fliehen sollet.

76. Doch erst am Schlusse der letzten Stunde will Ich euch die Decke von den Augen ziehen, wo ihr dann vollends ersehen werdet, wohinaus Ich mit diesen zwölf Stunden eigentlich will. Amen.

Noch etwas über Japan, als Nachtrag zur neunten Stunde.

77. Japan besteht aus den Inseln: 1. Sachalin, 2. Jesso, 3. Niphon oder Nypon, 4. Xikoko oder Likok, 5. Kinsin oder Ximo, und ist das bevölkertste Land auf der Erde.

78. Der Flächenraum beträgt kaum so viel als der von Großbritannien. Die (heutigen) Japaner bestehen nur aus Mongolen, Malayen und einigen wenigen Ureinwohnern, sie sind durchaus nicht verwandt mit den Chinesen, und übertreffen diese in allem, sowohl in der Bildung - als in der Grausamkeit. –

79. Was auch sehr viel dazu beiträgt, daß sie in den verschiedensten Wissenschaften die Chinesen bei weitem überragen, ist das, daß sie in ihrer Sprache nur 48 einfache Buchstaben haben, wogegen die Chinesen bei 50 000. Ihre Sprache ist sehr weich und biegsam; ihre Religion ein raffiniertes Heidentum; ihre Gesetze im höchsten Grade tyrannisch. –

80. Es gibt zehn sogenannte Kasten unter den Bewohnern, für jede (Kaste) sind einige feste unabänderliche, und dazu noch willkürliche, abänderliche Gesetze.

81. Jedem ist sein Bezirk strenge zugewiesen, von dem er sich vor der Freigabe nicht entfernen darf; die Freigabe besteht in einer Art Arbeits-Vakanz.

82. Die vorzüglichsten Ortschaften sind: Jeddo-Edo, am Fluße Tonkai mit 280.000 Häusern, und über 1 Million Einwohner (anno 1841); das ist zugleich beinahe die volkreichste Stadt auf der Erde (anno 1841). Rio oder Miako mit 140.000 Häusern und mit fast 1 Million Einwohner; Nagasake, eine Hafenstadt, mit 10.000 Häusern und gegen 100.000 Einwohnern; Mastmai oder Matsumai mit 6000 Häusern und 60.000 Einwohnern. –

83. Die nördlichste Spitze der Insel Saghalin heißt von Engländern Kap Elisabeth, in der westlichen Hälfte dieser Insel ist das Kap Patience. Diese nördlichste und auch ärmste Insel wird durch die Straße La Peyrouse von der Insel Jesso getrennt.

84. Auf der Insel Jesso's südöstlicher Spitze liegt die Stadt Mastmai oder Matsumai. Die Insel wird durch die Straße Sangar von der Insel Niphon oder Nipon getrennt. Diese mittlere und größte Insel ist zugleich die Residenz-Insel.

85. Auf ihr befindet sich ein großer Hafen mit dem Namen Namba ohne Stadtrecht; dann die Residenzstadt Jeddo oder Edo (jetzt Tokio) mit einem großen Hafen, welcher geschützt wird durch das schauerliche Kap Ring; dann die Gebirgsstadt Rio oder Miako, als die größte Fabrikstadt der Japanesen; diese Insel ist zugleich die allergebirgisgste, wie die nördlichste Insel Saghalin – die am meisten vulkanische.

86. Die Insel Sikok ist sozusagen fast nur ein Berg aus dem Meere, und daher auch wenig bevölkert. Jedoch die Insel Kinsing mit der Hafenstadt Nagasaki ist dafür wieder übervölkert, diese Insel hat die strengsten Gesetze, und ist allein den Niederländern zugänglich, und das nur auf dem vor Nagasaki liegenden Inselchen unter dem Namen Guelport, der von den vertriebenen schlechten Portugiesen und Spaniern abstammt.

87. Über der nordwestlichen Hälfte der Insel Nipon befindet sich noch eine etwas bedeutende Insel Sado, als Zufluchtsort der Ureinwohner, welche hier einige Vorrechte genießen; auch haben sich einige Portugiesen auf diese Insel verkrochen; jedoch dürfen sie sich nimmer entfernen, und müssen alles Japanesische und den Vollmond anbeten. –

88. Die ganze Bevölkerung Japans beträgt bei 40 Millionen Menschen, 4/7 davon ist weiblich. Außer der Mechanik, Mathematik, Nautik, Geographie und Astronomie - sind sie in aller Industrie den Völkern der Erde vor, und sind im Besitze von großen Reichtümern und manchen Geheimnissen.

89. Die Sadoer besitzen noch hie und da das zweite Gesicht, und haben noch Wissenschaft aus den Urzeiten des Meduhed.

90. Ihre Zahl beträgt 3 Millionen Menschen ohne die Portugiesen, deren Zahl nur einige Tausende ausmacht. Dieses alles diene euch zur genaueren Übersicht dieses Landes, und kann in der "Neunten Stunde" beigefügt werden. Amen!

Zehnte Stunde

1. Nachdem wir die Ausländer in Hinsicht auf den moralischen Kultus ein wenig überblicket haben, so wollen wir uns auf unseren heimatlichen Boden wenden; Ich sage darum heimatlichen, da für's erste ihr daselbst geboren seid, und hauptsächlich aber für's zweite, weil Ich auf diesem Boden doch am meisten bekannt werde durch das freilich sehr zerstückte und gänzlich entartete Christentum.

2. Es gäbe wohl auf der Erde noch viele Ländereien, sowohl auf den Kontinenten, als auch auf den Inseln; allein da es hier nicht zu tun ist euch eine neue Statistik und Erdbeschreibung in die Hände zu liefern, sondern vielmehr euren Geist zu wecken, damit er desto leichter seine eigene inwendige Statistik erschauen und begreifen möchte, und erkennen die entsprechenden Bosheiten seiner eigenen nächsten Umgebung; und so denn genügt das von den Fremdländern bisher Bezeichnete.

3. Was aber in's Sonderheitliche noch andere wohlbekannte große Länder und Reiche betrifft, als dergleichen das Kaisertum China, wie auch noch andere, teils zu diesem Reiche, teils aber zum Weltteil Asien, Australien, wie auch Afrika gehörige Inseln sind, so auch der große Kaiserstaat Brasilien mit dem übrigen Südamerika und all' den Inseln, die entweder zu diesem Weltteile gerechnet werden, oder auch unter einem andern Namen existieren, sehet, dieses alles könnet ihr, so viel es nötig ist, ohnehin erfahren.

4. Ich aber kann es euch aus mehreren Rücksichten nicht auf die Tafel bringen; denn wenn in solchen Ländern die Abgötterei in einem zu hohen Grade die Völker verpestet hat, ihr würdet wahrlich keinen Nutzen daraus schöpfen, sondern da könntet ihr sogar durch den Anblick des Bildes mehr Gift in euch aufnehmen, denn des Segens.

5. Und einer andern Rücksicht zu Folge kann ich es auch darum nicht tun, weil es Meiner Heiligkeit nicht wohl ansteht, und vermöge Meiner Ordnung auch nicht möglich ist, das Auge der Liebe an eurer Seite dahin zu wenden, weil vom Anbeginne, da ein solches Land von einer Mir verhaßten Nation entdeckt wurde, solche Länder mit Meinem Fluche belegt wurden; oder sie haben sich von alten Zeiten her schon so entartet und vergreuelt, daß ein Blick von Mir auch nur auf das entsprechende Bild sie augenblicklich vernichten würde.

6. Denn die Scheußlichkeit der Handlungsweisen auf diesen Ländern ist von einer solchen unerhörten Art, daß ihr euch bei einer nur einigermaßen auseinander gesetzten Schilderung, besonders den inwendigen Verhältnissen nach, solchergestalt entsetzen möchtet, daß auch nicht einer die Kraft hätte, die Feder weiter zu führen. –

7. Daher lassen wir sie unangetastet, und wie schon gesagt, nehmen wir das in den innern Augenschein, was euch und Mir in jeder Hinsicht näher liegt.

8. Es wird euch schwer sein zu glauben, daß es unter diesen benannten und teils auch absichtlich nicht benannten Ländereien Gegenden gibt, für die sogar mein Fluch zu heilig ist, und sind daher auch im buchstäblichen Sinne desselben nicht wert. – Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen.

9. Warum Ich Mich daher über solche Punkte der Erde in eine nähere Auseinandersetzung nicht einlasse, werdet ihr nun wohl einsehen; - denn wo der Satan in allem und jedem seine Herrschaft vollends aufgerichtet hat, wahrlich, da ist nicht gut hinzublicken.

10. Und würde Ich euch auch solche Gegenden über Meine Tafel ausbreiten lassen, wahrlich ihr würdet nichts erschauen, denn einen schwarzen und hie und da ganz glühenden Erdraum. Mehr brauche Ich euch nicht zu sagen. Darum sehet lieber her auf die Tafel, und versuchet euch, zu erkennen das Land, was sich nun euren Blicken darstellt.

11. Sehet nur genau. Auf welcher Seite bemerket ihr das Land? Nicht wahr, es liegt ganz nördlich; nun seht, ihr habt es schon. Wie hättet ihr es auch nicht alsogleich erkennen sollen; die weit gedehnten Eis- und Schneefelder verkünden euch ja laut den Namen Rußlands.

12. Sehet, wie dieses weitgedehnte Reich sich beinahe über drei Weltteile ausbreitet, und was den Flächenraum anbelangt, auch wohl das größte Land der Erde ist, das da von einem Alleinherrscher regiert wird.

13. Sehet, wie es hier aussieht, besonders in den nördlichen Teilen, als wenn der ewige Friede allda seinen Sitz aufgerichtet hätte.

14. Aber es ist eben nicht allzeit dem Scheine zu trauen; denn auch hier gibt es manche Stürme in den Gemütern der Nordbewohner, nicht nur, daß sie in der Bildung den übrigen Völkern Europas nachstehen, sondern sie stehen noch in so manchen andern Verhältnissen dem bessern Teile Europa's nach, und dieses ist, daß man dort von Seiten der Regierung noch viel zu wenig getan hat, um wenigstens jenes christliche Licht, das diesem Reiche im Allgemeinen eigen ist, in einem intensiveren Maße leuchten zu lassen. –

15. Dieser benannte Unfriede ist also vielmehr ein moralischer Unfriede, als ein politischer; denn es kann für den Menschen in geistiger Hinsicht keinen be"un"ruhigenderen Zustand geben, als wenn mit einigen Fünkleins des Christentums ein ganzer Feuerstrom des schmutzigsten Aberglaubens verbunden wird; denn da ist es leichter, die stockfinstersten Heiden sowohl hier als jenseits für die reine Wahrheit zugänglich zu machen, als solche verheidnete Christen.

16. Und dieser Zustand, sehet nur her auf die Tafel, zieht sich beinahe ununterbrochen über den ganzen nördlichen Teil dieses Landes.

17. Bei allem dem aber ist dieses Reiches Verfassung noch eine solche, dahin die Wahrheit noch, freilich unter gewissen Bedingungen, den ungehinderten Zutritt hat:

18. Denn wo immer ein Herrscher ein Land regiert, und sucht immer in dieser seiner großen Wirkungssphäre dasselbe so viel nur möglich in sich zur Einheit zu bringen, so ist dieses mehr, ja Ich sage euch, bei weitem mehr, als wenn in irgend einem andern noch so gebildeten Staate ein Herrscher bloß ein Namensträger ist, und seinen Untertanen Konstitutionen über Konstitutionen zugesteht, um nur nicht von seinem vielgeliebten Throne vertrieben zu werden. –

19. Wahrlich, ein solcher Herrscher ist nicht viel besser daran, denn ein Verbrecher im Arreste; denn nur seine Blindheit läßt ihn nicht sehen, in welche Sklavenketten ihn seine bekonstitutionierten Völker geworfen haben.

20. Er sieht in der goldenen Kette nicht, daß er ein Gefesselter ist; aber auch die goldene Kette ist eine metallene Kette, und bei so massiven Gliedern wahrlich oft ums Zehnfache schwerer, denn die eiserne eines Verbrechers. –

21. Und somit gibt es für uns auf diesen erfrorenen Flächen nicht gar zu viel mehr Bemerkenswertes zu schauen, außer daß ganz nördlich gegen das Gebirge, welches der Ural genannt wird, einige ganz vereinzelte Familien wohnen, welche mit dem zweiten Gesichte begabt sind.

22. Es ist aber dieses zweite Gesichte nicht etwa ein Zeichen von einem geweckteren Geiste, sondern es hat seinen Grund bloß nur in einem etwas erhöhteren Seelenleben, und ist überhaupt ein Eigentum feiner Menschen, die stets in großer Not und natürlicher Abgezogenheit von der Welt zu leben genötigt sind.

23. Daß dieses zweite Gesicht mit der geistigen Gewecktheit gar keine Verwandtschaft hat, kann euch auch dieser Umstand hinreichend erweisend bezeugen, daß eines solchen zweiten Gesichts auch sogar die Tiere fähig sind, deren Individualität durchgehends nichts Geistiges in sich trägt, wohl aber eine Seele zur ferneren Ausbildung. –

24. Ihr werdet nun freilich fragen, welche Realität dasjenige hat, was sich im zweiten Gesicht beschaulich darstellt? Allein es wird auch gar nicht schwer sein, diesen Knoten für euch zu lösen.

25. Wenn ihr noch im tiefen Winter begraben seid, und euch von allen Seiten die starren Schnee- und Eisfelder schaurig anblicken, ja wenn ihr noch dazu in kalten Gemächern zu wohnen genötigt wäret, saget, werdet ihr euch da nicht nach dem Frühlinge und nach dem Sommer ganz gewaltig zu sehnen anfangen? Und wird nicht die Phantasie eurer Seele sich vorzugsweise damit beschäftigen, euch bildlich den Frühling und den Sommer vorzuführen?

26. Sehet, dieses sehnsüchtige, gleichsam plastische Vorgefühl ist die erste Stufe des zweiten Gesichts, und hat seinen Grund in dem leisen ätherischen Überwehen dessen, das die Seele in ihrem gedrückten Zustande wohltuend erwartet.

27. Wenn nun jemand sich mehr und mehr vertiefen würde, so möchte er wenigstens zur Nachtzeit nicht selten die Situationen des Frühlings und des Sommers gleich matten Traumbildern vor sich vorüberziehen sehen.

28. Wenn aber irgend eine Seele noch mehr beengt wird durch leidende Verhältnisse, so geschieht mit ihr durch solchen Druck dasjenige Experiment, als wenn die Luft in einem zu hohen Grade gedrückt wird; sie entzündet sich, und tritt außer die leibliche Sphäre hinaus.

29. Es gibt aber in dem sichtbaren Raume eben so gut seelische Wirkungen und Bewegungen, wie's in dem weiten Lichtraume Wirkungen und Bewegungen des Lichtes gibt; nur mit dem Unterschiede, daß die Schwingungen es Lichtes sich auf dem natürlichen Wege nicht anders als geradlinig fortpflanzen können; wogegen die seelischen mehr ähnlich sind den Schwingungen des Schalles, und können sich nach allen erdenklichen Richtungen, wie auch in allen erdenklichen Krümmungen mit mehr denn elektrischer Schnelligkeit fortpflanzen.

30. Jetzt denket euch irgend ein Faktum welcher Art es auch immer sein mag, so hat es denn immerwährend drei Bedingungen zum Grunde: eine materielle, eine seelische und eine geistige.

31. Was demnach die erste Bedingung betrifft, so kann das Faktum von den leiblichen Augen erst dann erschauet werden, wenn es gerade eben geschieht, und zwar in einer solchen Entfernung, die von der leiblichen Sehkraft erreicht werden kann.

32. Was die seelische Bedingung anbelangt, so werdet ihr es ohne viel Nachdenken leicht einsehen, daß ein Faktum fürs erste in der Seele voran gehen muß, bevor es erst in die Körperwelt übergeht.

33. Ist aber nun die Seele ihrer Decke enthoben, so kann sie ein solches Faktum vermöge der schnellen seelischen Fortpflanzung oft schon eine bedeutende Zeit früher ersehen, als solches erst zur materiellen Objektivität gelangt; oder sie kann auch ein verübtes Faktum nachträglich erschauen, gleichwie ihr einen fernen Nachhall vernehmet.

34. Zum größten Überflusse will Ich auch noch drei kleine Beispiele von dem menschlichen Schauen hinzufügen.

35. Es sieht z.B. ein solcher mit dem zweiten Gesichte Begabter eine unbekannte Leiche vorüber ziehen, wo der Bekannte noch ganz frisch und gesund ist und erst in einigen Monaten darauf stirbt, so geht das auf folgende leicht faßliche Weise vor, nämlich:

36. Die Seele des zu Sterbenden ahnet die nahe Auflösung ihrer Hülle, besonders zu einer Zeit, wenn sie ebenfalls durch ein merkliches Heraustreten ihr zum Zusammenfallen reifes Haus reiner und richtiger beschauet.

37. In diesem Zustande ordnet sie dann schon alle betreffenden Vorkehrungen und Zeremonien zum Übergange; zu gleicher Zeit ist aber auch die Seele eines andern Menschen in solchem erhöhten Zustande, und sieht da das ganze Faktum, was sich die Seele des andern schon vorgeordnet hat, und zwar das alles auf die euch nun schon bekannte seelische Mitteilungsweise. –

38. Nun sehet, auf diese Weise werden von der Seele dergleichen Dinge vorgesehen, wie von dem körperlichen Auge diejenigen, die so eben geschehen. Als zweites Beispiel: Eine Seele sieht in irgend einer weiten Entfernung etwas geschehen.

39. Auch dieses Schauen geschieht auf dieselbe Weise; denn wo immer etwas geschieht, da Menschen zugegen sind, entweder bloß als Zuschauer oder als glücklich oder unglücklich Mitbeteiligte, so ist dann ja auch nichts natürlicher, als daß ein solches Faktum in das Seelenleben der andern alsogleich aufgenommen wird, und pflanzt sich dann in der seelischen Sphäre gleich einem allerzartesten magnetischen Fluidum je nach der Größe und Art des Faktums oft mehrere tausend Stunden fort,

40. und wenn dann irgend ein Mensch in einem solchen erhöhten Seelenzustande sich befindet, so nimmt er solche Schwingungen alsogleich wahr, und bekommt das Bild durch die Parietät der Schwingungen auf dieselbe Art zu Gesichte, als irgend ein materielles Bild durch die Parietät der Schwingungen des Lichts von dem Gegenstande, von dem sie ausgehen, zur körperlichen Anschauung durch das fleischige Auge gelangt. –

41. Als ein drittes Beispiel ist dieses anzunehmen, wenn irgend ein Faktum, bei welchem mehrere Menschen verunglücken werden, noch nicht erfolgt ist. Dieses Gesicht ist zwar etwas seltener, kommt aber dessen ungeachtet gleich den übrigen Fällen vor.

42. Dieses Gesicht ist auf folgende Weise einzusehen: Wenn irgend eine Seele bei besonderen Fällen in einen erhöhten Zustand gelangt, so wird auch der innewohnende Geist, freilich nur auf kurze Perioden, geweckt. In der geistigen Bedingung aber liegen alle Fakta, sowohl die vergangenen als die zukünftigen, unvergänglich zu Grunde. Nun kann da das Schauen auf eine zweifache Art geschehen, nämlich der Betreffende erschaut es zuerst aus seinem Geiste.

43. Dieses Erschaute geht natürlich in die Seele über; wie es aber in die Seele übergegangen ist, so pflanzt es sich auch schon nach den euch bekannten Gesetzen weiter, und so dann irgend ein Mensch im erhöhten Seelenzustande sich befindet, so erschaut er auch ein solches gewisserart prognostisches Faktum nebst allen den Umständen, die sich da zutragen werden, und dieses Erschauen ist dann eben die zweite Art, ein solches Faktum, welches erst geschehen wird, zu erschauen.

44. Daß ein solcher Mensch auch Seelen verstorbener Menschen sehen kann, wenn diese sich wollen oder dürfen sehen lassen, braucht gar nicht mehr näher erwähnt zu werden.

45. Nun sehet, da habt ihr das ganze Wesen des zweiten Gesichtes, und könnet aus demselben zugleich ersehen, daß dazu gerade keine Geistesgewecktheit erfordert wird; denn das Schauen des Geistes ist auch ein ganz verschiedenes von dem der Seele. Wie sich aber das Schauen des Leibes zu dem Schauen der Seele verhält, so verhält sich auch das Schauen der Seele zum Schauen des Geistes.

46. Wie aber das Schauen des leiblichen Auges kann verschärft werden durch materielle Mittel, dergleichen da sind: allerlei optische Werkzeuge, so kann auch das Schauen der Seele erhöht werden durch jene Mittel, welche natürlicherweise der Seele entsprechen.

47. Diese Mittel sind natürlich ein starker ungeheuchelter Glaube, ein festes Wollen und eine dadurch wenigstens zur Hälfte geistige Gewecktheit; wie aber das seelische Schauen dadurch erhöht werden kann, ebenso kann auch die Sehe des Geistes bis ins Unendliche gestärkt werden, und zwar mittels derjenigen Mittel, die euch der große Seher durch Seine Lehre gelehrt hat, welcher große Seher eben derjenige ist, Der euch jetzt daran erinnert.

48. Ihr werdet euch denken, wo bleiben denn bei dieser Erklärung die von euch schon im Voraus erwarteten europäischen Staatsverhältnisse?

49. Da sage Ich euch nichts als das: So ihr die andern Greuelverhältnisse habt zur Genüge kennen gelernt, so möget ihr euch wohl begnügen, wenn's in euren Landen eben auch nicht gerade am besten zugeht, aber dessen ungeachtet die Verhältnisse noch so gestaltet sind, daß der Besserwollende eben kein Hindernis findet, besser zu sein, besser zu handeln, und Gutes zu tun.

50. Ein Paradies auf dieser Erde besteht nirgends mehr körperlich und geistig zugleich.

51. Ein jeder aber kann es im Geiste erreichen, wenn er es nur will; denn wenn es auch noch in irgend einem Lande Finsternisse gibt, so tut das nicht viel zur hindernden Sache und wenn auch die Finsternisse der Nacht noch so arg sich über die Täler und Berge gelagert haben, so werden sie doch nichts vermögen, wenn die Sonne einmal ihren Aufgang begonnen hat.

52. Aber arg nur ist es in solchen Ländern, wo durchaus keine Freiheit gang und gebe ist, wie in den unterirdischen Gewölben, Klüften und Gängen. Da mögen tausend Sonnen statt einer aufgehen, so wird ihr Licht dessenungeachtet nicht vermögen eher in solche verkrustete Tiefen zu dringen, als bis des Strahls höchster Brenngrad die Erde bis zum Mittelpunkte in den Äther umwandelt hat. –

53. Und so werden wir auch für die noch übrigen zwei Stunden ganz andere Dinge finden, als ihr sie schon im Voraus erwartet habt, und am Ende werdet ihr selbst eingestehen müssen, daß derjenige, der zuletzt lacht, am besten daran ist.

54. Wenn ihr dann alle diese Stunden in einem ganz andern Lichte erblicken werdet, welches Ich durch eine kleine Vorrichtung in Meiner Kamera bewirken werde, so werdet ihr erst einsehen, daß ich euch nicht einen Professor der Statistik habe machen wollen, sondern einen ganz andern, der weit über das Fach der Statistik hinauszublicken vermag.

55. Was somit in der nächsten Stunde vorkommen wird, werdet ihr eben erst in der nächsten Stunde erfahren. Plaget euch nicht ab mit Raten, machet auch keine Vergleichungen mit Meinen statistischen Angaben; denn alles dieses werdet ihr dann als gänzlich fruchtlos anerkennen müssen.

56. Wenn ihr aber schon etwas denket, so denket, daß Mir an Europa, Asien, Afrika, Amerika, Australien und all' den angeführten Inseln und ihren sämtlichen moralischen und politischen Verhältnissen so viel als gar nichts gelegen ist; sondern wozu Ich deren Bilder, soweit als nötig ist, für euch, sage nur für euch, benützet habe, sehet, dieses werden euch die noch folgenden zwei Stunden treulich, wie in dieser das zweite Gesicht, und noch treulicher kund geben. Amen.

Elfte Stunde

Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.

1. Ihr habt gelesen in Meinem Buche (Ev. Luk. 15) die Geschichte des verlorenen Sohnes und werdet diese Geschichte nicht nur einmal, sondern öfter schon gelesen und gehört haben. Aber Ich sage euch, es gibt wohl in dem ganzen Buche keinen Vers und kein Kapitel, das da Größeres in sich fassen möchte denn der verlorene Sohn

2. Auch wird es nicht leichtlich eine Stelle geben, die für euch schwerer zu verstehen sein möchte, denn eben diese. Und das zwar aus der Ursache, die ihr wissen sollet, da sie von größter Wichtigkeit ist und ist als solche ein unerläßlicher Schlüssel zur inneren Beschauung.

3. Es ist aber diese Ursache und lautet also: Oft rede Ich aus Meiner Weisheit durch die Liebe erhabene Dinge; oft aber aus der Liebe durch das Licht der Weisheit kleinlich Scheinendes. Nun merket, im ersten Falle wird euch nur soviel geboten, als es eurer jeweiligen Individualität zu ertragen möglich ist; im zweiten Falle aber wird euch eine verhüllte Unendlichkeit gegeben, mit deren endlicher Entwicklung Ewigkeiten nicht fertig werden. -

4. Und sehet, eine eben solche kleinlich scheinende Gabe ist auch der verlorene Sohn; ja, Ich sage, wüßtet ihr, was alles hinter dem verlorenen Sohne steckt, wahrlich, es würden Erzengel zu euch in die Schule kommen.

5. Ich habe auch in den vorhergehenden zehn Stunden so manches gezeigt, wie es in der gegenwärtigen Zeit auf der Erde zugeht, wobei Ich euch freilich noch die allergrößten Schändlichkeiten verschwiegen habe. Ich habe euch gezeigt das Mangelhafte der Jurisprudenz im allgemeinen; Ich habe euch gezeigt die Tollheit Asiens wie die Barberei Afrikas; Ich habe euch gezeigt die Schändlichkeiten Amerikas, freilich nur einen sehr geringen Teil davon; Ich zeigte euch die Rechtspflege Englands vorzugsweise in seinen äußeren Verhältnissen, wie auch die Behandlung der Verbrecher auf denen euch bekannt gegebenen Küsten Australiens. So habe Ich euch auch im tiefen Süden gezeigt ein mißhandeltes Land, wie es war und wie es größtenteils noch jetzt ist; jedoch eben bei diesem Lande muß Ich euch auf etwas aufmerksam machen, und zwar zuerst vorzüglich auf das, daß ihr auf dieses eben von diesem Lande Ausgesagte eine doppelte Aufmerksamkeit richten, und für's zweite, daß ihr eben das von diesem Lande Ausgesagte am allerwenigsten buchstäblich nehmen sollet; warum, wird euch die Folge zeigen. Ferner habe Ich euch noch gezeigt die höchst tyrannisch strengen Verhältnisse anderer Inselstaaten und vorzugsweise des japanischen, und so noch einiges in Kürze über den nördlichen Staat Rußland.

6. Obschon zwar sich die Sachen in der Welt so verhalten, so sind aber dessenungeachtet diese Verhältnisse von Mir euch nicht deswegen kundgegeben worden, damit ihr daraus ersehen sollet, wie es allenfalls in der Welt zugeht, denn solches und noch tausendmal Ärgeres werdet ihr ohnehin künftig nur zu oft zu lesen bekommen, sondern die Ursache, darum ich euch solches kund gegeben habe, ist keine andere als diese, daß ihr daraus das große Geheimnis des verlorenen Sohnes ein wenig zu eurem größten Nutzen tiefer erkennen möchtet.

7. Ihr denket euch jetzt freilich, was hat denn der verlorene Sohn mit all' diesen Weltgrausamkeiten zu tun? - und seid voll Neugierde, wie sich aus all' diesem Weltlabyrinthe der verlorene Sohn zurechtfinden wird. Aber Ich sage euch: Es ist denn doch noch leichter, aus allen diesen Szenen den verlorenen Sohn herauszufinden und selben zu ergreifen, denn der Durchgang eines Kamels durch ein Nadelöhr.

8. Um das ganze zu verstehen, ist es nötig, daß ihr vor allem erfahret, wer dieser eigentliche verlorene Sohn ist. So Ich euch den verlorenen Sohn zeigen werde, auch nur dem Namen nach, wahrlich ihr müßtet mit mehr denn siebenfacher Blindheit geschlagen sein, so ihr nicht im Augenblicke merken würdet, daß euch eine große Decke von den Augen genommen wurde; und nun bereitet euch vor und vernehmet den Namen!

9. Sehet, er heißt "Luzifer!" - Sehet, in diesem Namen steckt das ganze für euch ewig unerfaßliche und endlose Compendium des verlorenen Sohnes.

10. Nun denket euch, daß die gegenwärtige beinahe gesamte Menschheit nichts als Glieder dieses einen verlorenen Sohnes sind, und zwar namentlich vorzugsweise diejenigen Menschen, welche aus Adams ungesegneter Linie abstammen. Sehet, dieser verlorene Sohn hat alles Vermögen, das ihm gebührte, herausgenommen und vergeudet nun dasselbe durch für eure Begriffe zu endlos weit gedehnte Zeiträume.

11. Ihr wisset aus der Geschichte des verlorenen Sohnes, wie es mit seinem Endschicksale ging. Nun sehet all' diese Verhältnisse der Welt durch; und wahrlich, ihr werdet nichts anderes erblicken als die Endschicksale des verlorenen Sohnes im ausgedehnten Maßstabe.

12. Sehet die mangelhafte Rechtspflege; was meinet ihr, worin diese wohl ihren Grund haben möchte? Wahrlich nirgends anderes als im Leichtsinne und der daraus hervorgegangenen Gewissensstumpfheit. -

13. Nun sehet wieder den verlorenen Sohn an, ob das nicht der erste Fall mit ihm ist, als er das väterliche Haus verläßt? Betrachtet ihr die Tollheiten Asiens! Was sind sie, als die natürliche Folge, die die Zeitfolge nach und nach bis auf den gegenwärtigen Kulminationspunkt der Scheußlichkeit ausgebildet hat?-

14. Nun gehet weiter hin auf Afrika: Führet den verlorenen Sohn bei der Hand mit, und wenn ihr nun einen einigermaßen geschärften Geistesblick dahin richtet, so werdet ihr nicht nur in der gegenwärtigen Lage, sondern in allen erdenklichen Situationen dieses Landes, ja Ich sage, nicht nur Ägyptens, sondern ganz Afrikas mit wunderbarer Treue entdecken, -

15. und das zwar nicht nur in dem und aus dem, was die gegenwärtige Zeit bietet, sondern durch alle Zeitperioden, dahin nur irgendeines Menschen Gedanke zu reichen vermag und darüber hinaus noch, daß da der verlorene Sohn in demselben Verhältnisse, als er sein Vermögen vergeudet hatte, sich befand, allda er ebenfalls auf allen möglichen Wegen gedachte zu irgend einem Besitztume, das dem früheren gliche, sich wieder zu erheben; allein, sehet nur all' die fruchtlosen barbarischen Bemühungen dieses ganzen Weltteils, wozu es eigentlich alle, die daselbst reich werden Wollenden, bringen?

16. Vieles wird euch die Geschichte der Vergangenheit zeigen und eben dasselbe zeigt euch unwiderruflich auch die Gegenwart dieses gesamten Weltteils. Denn Ich sage euch, nicht nur ein jeder einzelne Mensch, nicht nur ein jedes Volk, sondern der ganze Weltteil vom ersten bis zum letzten Sandkörnchen, ja vom ersten bis zum letzten Sonnenstrahle, in allen einzelnen Ländereien, Gebirgen, Flüssen, Wüsteneien, Tieren, wird das Verhältnis des verlorenen Sohnes treulich dargestellt, wie auch von der Urgeschichte angefangen bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt und noch fernerhin.

17. Jetzt erfasset den verlorenen Sohn wieder bei der Hand, aber vergesset nicht, ihm bei dieser Reise Sklavenketten anzulegen und gehet mit ihm nach Amerika: Wahrlich ihr müßtet blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, wenn ihr denselben alldort nicht in allen erdenklichen Nuancen vertausendfältigst antreffen möget. Hier brauche Ich euch nichts weiteres zu sagen als, daß das nördliche Amerika sein Inneres, das südliche aber sein Äußeres darstellt, aus welcher Ursache auch dieses Land schon in seiner Form eine insektartig ausgehungerte Gestalt des verlorenen Sohnes darstellt.

18. Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der sehe. Ihr werdet alle wissen, wie es dem verlorenen Sohne in seiner letzten Periode gegangen ist, da der euch bekannte innere geheiligte Funke Afrikas in ihm erweckt wurde; in Australien findet er einen Dienstgeber, der ihm nicht einmal das Futter der Schweine gestattet, so daß er genötiget ist, seinen Magen zu füllen mit allem, was ihm nur vorkommt.

19. Jetzt werdet ihr denken, was wird denn der verlorene Sohn wohl in Neuseeland machen? Wir brauchen ihn auch gar nicht nach Neuseeland zu schicken, sondern es wird uns wahrlich keine große Mühe kosten, das Neuseeland im verlorenen Sohne selbst zu erkennen.

20. Merket denn: Der Süden bedeutet das Allerauswendigste des Menschen. Nun betrachtet ein wenig den verlorenen Sohn, wie er in dieser seiner letzten Schauerprüfungsperiode eben nicht nach dem neuesten Pariser Journale gekleidet ist; nur höchst dürftige und schmutzige Lumpen bedecken seine Schamteile.

21. Nun sehet, da haben wir ja schon die getreue Landkarte, die um die Blößen unseres Verlorenen flattert; dehnen wir, oder vergrößern wir unseren verlorenen Sohn und machen bei der Gelegenheit auch eine kurze beobachtende Visite der gegenwärtig bestehenden christlichen Kirche. Gleicht sie nicht diesem Lande? Möget es betrachten, wie ihr wollt, entweder geistig, wie Ich es euch gezeigt habe, oder auch materiell, wie ihr es nur immer irgendwo beschrieben finden möget; wahrlich ihr müßtet schon wieder blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, wenn euch die auffallende Ähnlichkeit dieses Landes mit den Fetzen des verlorenen Sohnes und diese mit der Kirche entginge.

22. Wie dort von den Winden die Armseligkeit dieser Bewohner, wohlverstanden, verwehet werden, dasselbe tat der Wind mit den morschen Lumpen des verlorenen Sohnes, und dasselbe tun jetzt die heilig wehenden Winde von Oben mit denen samt und sämtlich mehr heidnischen denn christlichen Kirchensekten. -

23. Es wird nun von eurer Seite keiner all zu tiefen mathematischen Kenntnisse bedürfen, um heraus zu bringen, um welche Stunde des großen Tages es nun sei! - Wenn ihr noch einen Blick auf Japan werfet, das wird euch auf den Fingern vorzählen und mit den allerdeutlichsten Zeichen die innere Beengung des verlorenen Sohnes wie auch der gegenwärtigen kirchlichen Verhältnisse, was ihr Inwendiges betrifft, mehr denn sonnenklar anzeigen.

24. Mehr brauche Ich euch da nicht zu sagen. Was sagt ihr aber zu einem sehr kranken Menschen, wenn seine Füße kalt geworden sind und auf seinem Haupte kalte Schweißtropfen sitzen? Wahrlich, es bedarf dazu keines medizinischen Rigorosums, um gewisserart in prophetischem Geiste aussprechen zu können: nur einige wenige schwere Pulsschläge noch, und der Qual- und Lebensmüde hat ausgerungen! -

25. Für's erste befühlet die Füße des verlorenen Sohnes im Süden der Erde, für 's zweite befühlet sein Haupt in des Nordens großem Reiche, dann leget die Hand auf das alte müde Kirchenherz; wahrlich ihr müßtet schon wieder blinder sein denn der Mittelpunkt der Erde, so ihr nicht an den Fingern ausrechnen möchtet, um die wievielte Stunde des großen Tages es nun sei?

26. Ihr werdet euch von der letzten Stunde noch gar wohl erinnern können, wie euch kund gegeben und erläutert wurde "das zweite Gesicht." Ihr werdet euch jetzt wohl denken, sollte dieses zweite Gesicht auch noch mit dem verlorenen Sohne irgend eine Wahlverwandtschaft haben? -

27. O Meine Lieben! Wenn Ich jemandem etwas gebe, so gebe Ich es nicht so, wie die Menschen, die da selbst bei dem besten Willen nie etwas Ganzes geben können, sondern Ich gebe allezeit etwas Ganzes, und so sage Ich euch: Eben in diesem zweiten Gesichte wird euch erst der ganze Knoten gelöset werdet, und ihr werdet nach dieser Lösung euch in eurer Rechnung nicht mehr um eine Minute verirren.

28. Kehren wir nun wieder zu unserem verlorenen Sohne zurück, - und sehen ein wenig zu, wie er mit des Todes größter Not ringt. Sehet seine Seele, wie sie gedränget ist bis auf einen Punkt; und wahrlich, so weit muß es auch kommen!

29. Aber sehet, jetzt geschieht mit der Seele des verlorenen Sohnes, was Ich euch kundgegeben habe von den Seelen, denen das zweite Gesicht dadurch wird. Sehet, ihre große Not breitet sich jetzt in schnellen Schwingungen aus, und diese gelangen hin vor das große Vaterhaus, und die Schwingungen des lieb' erfüllten Vaters liebwechseln mit den Angst-, Elend- und Notschwingungen des verlorenen Sohnes.

30. Die Seele des verlorenen Sohnes empfindet ein solch heiliges, sanftes Wehen vom Hause des großen Vaters. Sie kehret aus diesen heiligen Schwingungen mutbeseligt wieder in ihr morsches Haus zurück, erhebt dasselbe wieder, und kehret dahin in der größten sich selbst vernichtenden Demut, dahin, da ihr wisset, daß der verlorene Sohn gekehret ist.

31. Was geschieht aber dort? - Sehet, die Lumpen nur werden dem Sohne ausgezogen und verbrannt; allein der Sohn wird, wie ihr wisset, wieder aufgenommen werden.

32. Sehet, nun habt ihr das ganze bis auf diesen gegenwärtigen Augenblick unenthüllte Geheimnis der prophetischen Zahl des Menschen vor eueren Augen enthüllt. Wenn ihr nur einigermaßen die Verhältnisse der Zeit durchgehet, wahrlich, ihr müßtet mehr denn tot sein, wenn ihr jetzt noch nicht gewahren solltet die heiligen Gnadenschwingungen, die da ausgehen in Strömen nun von dem heiligen Vaterhause! -

33. Auch ihr seid Glieder des verlorenen Sohnes! Dehnet euere Seele weit aus, und lasset erwecken den Geist in eurer Seele, und kehret in aller Demut gleich dem verlorenen Sohne getrost hin in das große Gebiet eures liebevollsten Vaters; wahrlich sage Ich euch, Er wird euch auf dem halben Wege entgegenkommen!

34. Sehet, die Zeit Meiner Gnade ist nahe herbeigekommen, und darum habe Ich euch auch Solches gegeben, daß ihr sie erkennen sollet, daß sie jene große Zeit ist, von der die Propheten gesungen haben, ja, jene Zeit, die aus Meinem Munde selbst voraus verkündigt wurde.

35. Darum verharret nur noch eine kurze Zeit, und freuet euch in großer Zuversicht! Denn wahrlich, das große Vaterhaus ist euch näher gekommen, als ihr es ahnet! -

36. Wie ihr aber den verlorenen Sohn und alle diese Zeitverhältnisse in euch erkennen möget, und wie dieser verlorene Sohn in einem jeden Menschen wiedergefunden wird, oder wie er vielmehr sich erst wieder findet, wie "der große Mensch" im Kleinen gewonnen wird, liebe Kinder! davon wird euch die letzte Stunde getreue Kunde bringen. Amen![5]

Zwölfte Stunde

Der große Schöpfungsmensch und seine Rückkehr. – 25. März 1841, von nachmittags 4 Uhr bis abends 1/4 9 Uhr

Schreibende: K. G. L. – F. S. – Andr. und Ans. H.

1. Nachdem wir in der elften Stunde den verlorenen Sohn von seinem Aufgange bis zu seinem Niedergange begleitet und beleuchtet haben und haben auch die Zeit berechnet und die Stunde nahe bestimmt, die da zeugen solle von seinem Untergange, so wollen wir in dieser zwölften Stunde sehen, wo und wie dieser verlorene Sohn wieder zurückkehren wird, durch und durch gedemütiget in das große Vaterhaus.

2. Um aber dieses vollends zu verstehen, ist es nicht nur hinreichend, daß wir das Weltstäublein, Erde genannt, ein wenig durchschauet haben; sondern, da Ich zu diesem Zwecke in der euch bewußten Camera obscura des Geistes eine schon erwähnte kleine Vorrichtung hinzugegeben habe, noch einmal in dieser neu vorgerichteten Kammer einen etwas weiter gedehnteren Blick zu tun. - Ich sage euch aber zum Voraus, machet euch gefaßt; denn dieser Anblick wird euch etwas vor eure Augen führen, das noch bis auf diese Zeit in keines Menschen Sinn gekommen ist.

3. Vermöge dieser neuen Vorrichtung wird die Tafel zur Aufnahme eines so großen Bildes auch wohl natürlicherweise selbst etwas vergrößert werden müssen und statt der früheren waagrechten Lage eine senkrechte annehmen. Nun sehet, unsere Vorrichtung ist getroffen; so richtet denn eure Blicke hin auf die weitgedehnte Tafel, und sogleich werdet ihr das große Bild auf derselben erblicken. Denn nur auf diese einzig und alleinige Art ist es möglich, die endlos ausgedehnte Schöpfung unter einem Bilde euch vor die Augen zu stellen.

4. Nun sehet nur genau hin auf die Tafel, und sobald ich das Wort "Epheta" aussprechen werde, da werdet ihr das großartige Bild auf der Tafel erschauen. Und nun denn, da eure Blicke dahin gerichtet sind, sage Ich: Epheta!-

5. Nun, was saget ihr zu dem Bilde? Nicht wahr, ihr erblicket auf dieser Tafel nichts mehr und nichts weniger, als die deutliche Figur eines Menschen, dessen Lenden nur kaum von einigen Lumpen bedecket sind und dessen Haare zottigen Aussehens ihm bis über den halben Leib vom Kopfe herabhängen.

6. Nicht wahr, ihr werdet euch wohl denken, - "an diesem Bilde ist gerade nichts Besonderes zu sehen, außer daß es auf dieser Tafel in einer sehr kolossalen Form dargestellt ist. Übrigens aber hätte ein solches Bild auch ein jeder nur einigermaßen bewanderte Figurenzeichner mit einer weißlichten Farbe auf eine schwarze Tafel entwerfen können" - und Ich kann euch nichts anderes dazu sagen, als daß euer Schluß vor der Hand seine Richtigkeit hat; so ihr noch etwas tiefer denken wollet, so möchtet ihr auch wohl bald in dieser weißlichen Figur die Gestalt des verlorenen Sohnes erblicken.

7. Aber sehet, Meine lieben Kinder! Die Tafel ist ein wenig zu weit weg gestellt für eure Augen, daher gehen wir vollends an die Tafel hin; denn die ganze Gestalt habt ihr jetzt schon gesehen, daher wollen wir die Farbe, mittelst welcher diese Figur an diese Tafel aufgetragen ist, ein wenig näher untersuchend beschauen.

8. Nun, jetzt sind wir an der Tafel. Seht, diese klafterbreite schimmernde Fläche ist ein Teil des Fußes dieser ganzen Figur. Sehet nur recht nahe hin und saget Mir, was ihr darauf entdecket. Seht nur recht genau, nicht wahr, ihr entdecket nichts, als lauter nahe aneinander gereihte kleine schimmernde Kügelchen. Ihr wisset, daß dieses Bild kein gemaltes, sondern nur ein Lichtbild ist eines äußeren Gegenstandes.

9. Was meinet ihr wohl, was diese Kügelchen in der Wirklichkeit sind? Sehet, Ich will euch nicht lange herumraten lassen, aber, wenn ihr meinet, daß diese Kügelchen etwa Abbilder sind von entfernten Sonnen, Planeten, Monden und Kometen, höret, da müßte Ich euch wohl sagen: Kinderchen! Urteilet nicht zu vorschnell, sonst möchtet ihr euch gar gewaltig irren! Jedoch bevor Ich euch das Wesen dieser kleinwitzigen Kügelchen enthülle, bemühet ihr euch auf einem linsengroßen Flecke diese Kügelchen zu zählen! -

10. Nun, seid ihr schon fertig?- Ja, ja, Ich sehe schon, ihr werdet damit nicht leichtlich fertig; denn es ist eine für euch kaum aussprechbare Zahl solcher Schimmerpünktchen auf dieser linsengroßen Fläche vorhanden, und möchten ihrer wohl mehr als eine Trillion sein; und da ihr euch so ein wenig vertraut gemacht habt mit der Farbe, so sage Ich euch, wovon ein solches Pünktchen eigentlich ein Abbild ist. Wie schon gesagt, nicht etwa von einer Sonne, oder von einem andersartigen Weltkörper, sondern ein jedes solches Pünktchen, oder wie es sich euren geistigen Augen darstellt als Kügelchen, ist nichts mehr und nichts weniger als das Abbild einer Hülsenglobe; was es aber mit der "Hülsenglobe" für eine Bewandnis hat, brauche Ich euch nicht mehr zu erklären.

11. Nun treten wir wieder ein wenig zurück und schauen uns wieder die ganze Figur an. Sehet, wie es ist eine vollendete Menschengestalt; und da ihr nun diese Figur hinreichend beschauet habt, so sage Ich euch: Diese Figur stellet aus und nach Meiner ewigen Ordnung das Universum dar; und ist in seiner Art von niemanden, außer von Mir, in der Wirklichkeit also erschaulich. Auch hat dieses Bild, wie ihr es jetzt erschauet habt, noch nie ein erschaffener Geist gesehen.

12. Aber Ich sehe schon wieder, was in euch steckt. Ihr möchtet wohl gerne eure Erde in diesem Menschen erblicken. Solches euch zu zeigen kann wohl nicht sein, solange die ganze Figur auf der Tafel pranget. Aber wartet ein wenig; denn sehet, Ich bin ein sehr guter Optiker, daher will Ich in unserer Camera erst eine kleine optische Veränderung vornehmen, nach welcher Veränderung von dieser ganzen Figur nichts als nur ein einziges leuchtendes Pünktchen zurückbleiben wird.

13. Nun sehet, die Figur ist verschwunden; es ist bereits alles in der Ordnung. Treten wir jetzt nur wieder näher der Tafel und suchen unser Pünktchen auf. Nun, habt ihr es schon gefunden? - Eines allein gibt freilich nicht viel Licht; aber strenget eure Sehe nur an, ihr werdet es schon finden.

14. Ihr müsset nicht hinaufschauen auf die hohe weitgedehnte Tafel, sondern da ganz zu unterst sehet hin, da ihr früher den linken Fuß der ganzen Figur gesehen habt, und da zwar am äußersten Ballen des kleinen Zehens. Dieses Kügelchen ist diejenige Hülsenglobe, innerhalb welcher sich auch eure Erde befindet.[6]

15. Damit wir aber zu unserer Erde gelangen können, werde Ich denn schon auch wieder mit Meinem Epheta über das Schimmerpünktchen kommen müssen, und so spreche Ich denn "Epheta!" Nun sehet, wie dieses Kügelchen auseinandergegangen ist und nimmt nun beinahe die ganze große runde Gestalt der Tafel ein.

16. Sehet die zahllosen leuchtenden Pünktchen nun wieder durcheinanderschimmern. Suchet nun euch eure Erde heraus. Nicht wahr, ihr möget sie nicht finden aus der großen Unzahl dieser Schimmerpünktchen heraus. Ja, Ich sage euch, ihr würdet euch auch vergebliche Mühe machen; denn diese Pünktchen, die ihr da sehet, sind schon wieder keine Sonnen, sondern sind ganze Sonnenwelten-Gebiete;

17. daher werde Ich nun wieder ein Pünktchen, und zwar das rechte heraussuchen und alles übrige auslöschen von der großen Tafel. Nun, da ist das erwählte Pünktchen, und damit wir schneller zum Ziele gelangen, sage Ich alsogleich wieder "Epheta!"

18. Nun sehet, unsere Tafel ist schon wieder voll neuer leuchtender Pünktchen. Allein diese leuchtenden Pünktchen sind noch wieder keine Sonnen, sondern sind lauter Sonnenwelten-Alle; daher wird es mit der Auffindung der Erde sich hier nicht tun.

19. Und so will Ich aus diesen Pünktchen auch wieder das rechte erwählen und alles Übrige von der Tafel löschen. Nun, da ist das Pünktchen. Sehet, wie es einsam matt schimmert auf der großen Fläche! Aber nun Mein Epheta! und das Pünktchen soll gleich eine größere Ausdehnung bekommen; darum "Epheta!"

20. Nun sehet, unsere Tafel ist denn schon wieder voll von lauter glänzenden Pünktchen. Möchtet ihr euch da nicht die Erde heraussuchen aus all diesen trillionenmal Trillionen Pünktchen? Allein ich muß euch schon hier auch wieder sagen: Gebet euch keine Mühe; denn auch diese Pünktchen sind noch keine Sonnen, sondern einzelne Sonnengebiete und sind das, was ihr unter einem sogenannten Sternen-Nebel begreifet.

21. Allein damit wir schneller zum Ziele gelangen, will Ich euch da das rechte Pünktchen erwählen und alles Übrige von der Tafel löschen und zugleich das "Epheta" hinzufügen.

22. Nun sehet hin auf die Tafel. Nicht wahr, ihr seht eine Schimmergrieswolke, die sich horizontal über die ganze Tafel verbreitet, und ist siebenmal so lang als breit. Nun sehet, da hübsch gegen die Mitte wollen wir uns wieder ein solches Schimmergrieswölkchen wählen, und alles übrige wieder auslöschen von der Tafel. - Nun, es ist schon alles wieder geschehen, wie ihr sehet, und Mein Epheta gebe diesem Pünktchen wieder seine rechte Gestaltung.

23. Nun sehet hin recht genau; jetzt werdet ihr euch wohl schon auskennen. Sehet, da in der Mitte ein leuchtendes linsengroßes Scheibchen; seht, es ist das Bild eurer Sonne, und seht nun genauer hin; der dritte schimmernde Punkt von der Sonne auf der linken Seite etwas abwärts ist eure Erde.

24. Ich brauche euch nun dieses Bild nur ein wenig zu vergrößern, und ihr werdet eure Erde sogleich erkennen; und so tue du Erdenpunkt dich auf, auf daß dich Meine Beschauer erkennen mögen. Und sehet, wie nun dieser Punkt sich allmählig ausdehnt und nun denjenigen Durchmesser erreicht hat, der da hinreichend genügt, zu erkennen euer naturmäßiges schmutziges Wohnhaus. -

25. Da wir nun jetzt alles gesehen haben, so kehren wir wieder zu unserem verlorenen Sohne zurück. Und sehet hin auf die Tafel; schon wieder prangt unsere erste Figur auf derselben. Aber sehet, jetzt wird diese Figur kleiner und kleiner, und sehet, jetzt hat sie nur kaum noch die Größe eines Kindes, und sehet abermals hin, nun ist auch dieses Kind zu einem Punkte zusammengeschmolzen; aber sehet, auf der rechten Seite der Tafel fängt ein anderes großes Menschenbild an aufzutreten; und nun ist es auch in der Mitte der Tafel, und unter seinem linken Fuße entdecket ihr noch das früher eingegangene Pünktchen, welches da ist im rechten Verhältnisse seiner Größe zur Größe dieses neuen Bildes.

26. Was meinet ihr wohl, was dieses neue Bild vorstellt? Ihr werdet euch vielleicht denken, die ihr mehr oder weniger den großen Menschen in den Schriften Swedenborgs habet kennengelernt, das sei dieser größte Mensch. Ich aber sage euch: Weit fehl geschossen! Dieser Mensch, den ihr da sehet, ist nichts mehr und nichts weniger als der sich selbst wiedergefunden habende verlorene Sohn, aber nicht etwa in seiner Allheit, sondern es ist derjenige verlorene Sohn, der sich in einem jeden einzelnen wiedergeborenen Menschen wiedergefunden hat; oder mit andern euch leichter verständlichen Worten gesagt: Das ist ein Allergeringster in Meinem neuen Reiche, und es ist hier in diesem Bilde euch ein gerechtes Verhältnis dargestellt und zeigt euch das vollkommene Maß eines Menschen, welches unendlichmal erhabener ist, denn das ganze euch durch die frühere Zergliederung gezeigte endlos scheinende Universum in der Gestalt des verlorenen Sohnes!

27. Wenn ihr nun so dieses Bild ein wenig beherziget, so dürftet ihr auch schon ein wenig zu begreifen anfangen, was es mit der Rückkehr des verlorenen Sohnes für eine Bewandtnis hat.[7]

28. Ihr müsset euch nicht etwa denken, dieser euch in der elften Stunde bekanntgegebene gefallene Luzifer wird als Ganzer wieder zurückkehren; wenn solches möglich gewesen wäre, wahrlich, es hätte nie eine materielle Schöpfung stattgefunden, sondern

29. in einem jeden einzelnen Menschen, der nach Meinen Worten lebt und wiedergeboren wird durch das Wort und durch die Erlösung, wird dieser Verlorene wiedergefunden und wird zurückkehren in das große Vaterhaus! -

30. Ich sage euch nicht umsonst: in das große Vaterhaus; denn für so groß gewordene Menschen muß auch ein gar großes Haus bereitet sein, allda sie werden Wohnung nehmen können wieder bei ihrem Vater. --

31. Daß es aber also ist, könnet ihr aus all' dem Vorhergegangenen ja klar und deutlich abnehmen; denn leidet nicht bei den allgemeinen Drangsalen ein jeder Mensch in sich selbst, und wird jeder geschlagen für seine eigene Person? Es gelten aber alle diese Schläge einem und demselben verlorenen Sohne.

32. So aber ein Mensch geschlagen wird, ist es nicht also, daß nur er als der Geschlagene den Schmerz empfindet, während der Ungeschlagene oft genug nur zu schmerzlos zusieht? Oder so da mißhandelt wird eine ganze Nation in einem andern Weltteile, saget, ob ihr je einen Peitschenhieb auf eurer Haut wahrgenommen habt? So aber jemand stirbt, stirbt er für sich oder für andere? Oder könnet ihr behaupten, daß je jemand für einen andern zur Welt geboren worden ist? Oder gilt Meine Erlösung und Mein Wort nicht ebenso gut einem jeden Menschen einzeln für sich, wie für ganze Völker? Und kann nicht jeder Mensch für sich Mich mit seiner Liebe und dem lebendigen Glauben daraus völlig aufnehmen, daß Ich in ihm und er in Mir wohne? -

33. Wenn ihr nun alles dieses betrachtet, könnet ihr nach dem allem nur die entfernteste Behauptung aufstellen, Ich sei in einem Menschen weniger, denn in allen zusammen? -

34. So aber Ich mit einem Menschen eins geworden bin und er mit Mir, saget, was gehet da noch ab von der Wiederfindung des verlorenen Sohnes in einem einzelnen Menschen?

35. Hat der nicht alles empfangen und in sich aufgenommen, der Mich aufgenommen hat? Wahrlich, ein jeder einzelne Mensch, der mit Mir eins geworden ist, ist mehr, ja, Ich sage, unendlichmal mehr, als der große Luzifer es je war in seiner euch auf natürlichem Wege unbegreiflichen Größe! -

36. Sehet unter diesem verlorenen Sohne, der da Luzifer heißt, wird demnach jeder einzelne Mensch für sich verstanden; und so ein ganzes Volk mit Mir eins geworden ist, so wird dieses ganze Volk ebenfalls nur ein Mensch mit Mir; und alle Menschen, die je auf der Erde gelebt haben und noch leben werden, wenn sie eins geworden sind mit Mir, so werden auch sie nur sein ein Mensch in Mir; d.h. sie alle wird beseelen und beleben ein und derselbige heilige Geist aller Liebe und aller Wahrheit und aller Macht und aller Kraft, und werden nicht sein viele mehr denn einer und einer weniger denn viele, sondern alle werden sein vollkommen eins in Mir; und werden nicht haben viele mehr Macht und Kraft denn einer, und einer nicht weniger denn viele, sondern alle werden leben wie einer, aus derselben Kraft und Macht des heiligen Geistes aller Liebe und aller Wahrheit aus Mir!

Die „Lumpen“ des verlorenen Sohnes

– 25. März 1841 (Fortsetzung)

1. Ihr habet aber gehört, daß die Lumpen des verlorenen Sohnes von den Winden zerstreuet wurden wie Spreu, und die übrig gebliebenen aber wurden ihm ausgezogen, und verbrannt. Wisset ihr, was unter diesen Lumpen zu verstehen ist?

2. Es ist darunter nichts anderes zu verstehen, als der eingegangene frühere Universalmensch auf unserer Tafel; denn durch die Gewinnung eines jeden einzelnen Menschen ist das Edle, von Mir Ausgehende oder Mein verlorener Sohn wieder gewonnen. Die Lumpen oder das eigentliche Erzböse wird verworfen werden in das Feuer, daraus es eigentlich hervorgegangen ist. Es ist aber dieses Feuer dasjenige in der Gottheit, aus welchem alle Dinge ihr materielles Dasein haben.

3. Wer somit sich an die Welt hängt und klebet an der Materie, der klebet an den Lumpen des verlorenen Sohnes; wie aber alle Materie euch schon ihre große Feuerverwandtschaft zeigt, dasselbe sind auch die Lumpen an den Lenden des verlorenen Sohnes.

4. So wird es aber geschehen! Damit Gott werde wieder ein freier Gott, in dem keine Materie mehr wallet, so wird das Feuer oder Zornverwandte wieder dahin kehren müssen, daher es als das, was es ist, gekommen ist; und wird gerade also geschehen, als so ihr an eurem Leibe habet irgend eine Verhärtung und leget da heiße Breiumschläge auf, damit sie wieder erweichet werde; also auch wird Mein ewiges Feuer diese erzböse Verhärtung in seiner Allheit erfassen, um es dadurch wieder seinem eigenen Wesen selbst zu assimilieren.

5. Es ist noch eine Frage in euch vorhanden, ob diejenigen Wesen, die unter den Lumpen verstanden werden, auch ein fortwährendes Selbstbewußtsein haben werden oder nicht? Ich aber sage euch: Die Frage beantwortet sich schon beinahe von selbst, da ihr doch unmöglich annehmen könnt, daß es in der Gottheit irgendeinen sich unbewußten Punkt geben sollte.

6. Diese Frage löst sich somit von selbst; aber eine Frage, ob dieses Sichselbstbewußtsein ein leidendes ist oder nicht? Sehet, das ist eine andere Frage. Um aber diese richtig zu verstehen, müsset ihr zuvor begreifen, daß jedes Bestreben, um sich selbst zu finden, ein gewisses Leiden in sich selbst notwendig begreifen muß; nur hängt es jetzt einzig und allein von dem ab, ob dieses Leiden ein schmerzliches oder ein wohltuendes ist?

7. Wenn dieses Leiden darin besteht, daß sich das Wesen in sich selbst immerwährend ergreift und durch dieses Ergreifen sich zur Einheit immerwährend zu bilden bemühet ist, dann ist ein solches Leiden ein höchst wohltuendes und die Empfindung aus dem klarsten Selbstbewußtsein eine höchst beseligende.

8. Wenn aber das Leiden, oder die selbstbewußte Empfindung eines Wesens in sich ein zerreißendes und zerstörendes ist, dann ist es auch ein höchst schmerzliches, was ihr auch aus der Natur sehr leicht abnehmen könnet, wenn ihr nur je irgend eine entzündliche Krankheit beobachtet habt, welche in nichts anderem besteht, als daß sich gewisse Teile im Körper mehr und mehr auszudehnen anfangen. Je heftiger ein solcher Akt vor sich zu gehen anfängt, desto schmerzlicher wird er. Aus allem diesem geht dann heraus, daß der sich selbst bewußte wesenhafte Zustand des feuerverwandten Erzbösen ein eben auch höchst leidend schmerzlicher sein muß.

9. Ihr werdet nun vielleicht meinen, daß die Gottheit dadurch gewisserart in ihrem Zornteile selbst immerwährend höchst schmerzlich leidend sein müsse. Allein es ist nicht also! Sondern es ist gerade so, als wenn Speisen in eurem Magen verkochet werden; da bersten auch die Hülschen der zu sich genommenen Nahrung, getrieben durch das Feuer des Magens. Aber fraget euch selbst, ob im natürlichen Zustande dieser schauerliche Zerstörungsprozeß im Feuer eures Magens euch je geschmerzet hat? -

10. Jedoch, da Ich euch schon so weit geführt habe, so will Ich euch bei dieser Gelegenheit einen noch nie ausgesprochenen Wink geben! Wollet ihr die Endursache solches Zustandes aller weltlich materiellen Erzbosheit erschauen, so blicket in euren Magen und sehet alldort zu, was da mit der in sich genommenen Speise geschieht, wie und warum? so werdet ihr eine große Strecke Meiner Wege erschauen, das da geschehen wird; jedoch die Zeit steht nicht geschrieben in eurem Magen, und es genügt euch, daß Ich euch gezeigt habe den Zweck. -

11. Nun sehet, liebe Kinder! Das ist alles, was euch gegeben werden kann; das ist alles, was ihr zu ertragen vermöget; mehr brauchet ihr nicht zu wissen, sondern beachtet dieses von Punkt zu Punkt, und das zwar von der euch gegebenen ersten Stunde bis zur letzten Stunde; durchwandert auf diesem Wege die ganze Erde in euch, und findet auf diese Art in euch selbst den verlorenen Sohn.

12. Tuet dasselbe, das dieser getan hat und noch immer tut in jedem einzelnen Sünder, der nach Meinem Reich trachtet. Lasset in der inneren Kammer eures Geistes auf der Tafel eurer Weltbegierden mit der Welt das geschehen, was ihr zuletzt geschehen sahet auf der euch gezeigten Tafel mit dem Universalmenschen; so wird in einem jeden von euch der verlorene Sohn wiedergefunden werden und wird werden sein Verhältnis, wie Ich es euch gezeigt habe, da ein anderer Mensch an die Stelle des früheren, der da auf einen Punkt zusammengeflossen, getreten ist;

13. dann erst werdet ihr als Wiedergefundene die große Wahrheit des euch in diesen zwölf Stunden Gegebenen in euch selbst im hellsten Lichte erschauen und erkennen;

14. denn, wie früher gesagt wurde, daß alle Menschen auch einen Menschen ausmachen, wie einer alle, so suchet denn auch all' das Übel in euch; und habt ihr es gefunden und mit Meiner kräftigen Beihilfe aus euch geschafft, da werde Ich als euer heiliger Vater, der Ich schon über den halben Weg euch entgegengekommen bin, vollends zu euch kommen, euch dann gänzlich von euren Lumpen befreien und dann aufnehmen in das große Vaterhaus Meiner ewigen Liebe!

15. Schließlich mache Ich euch nur noch darauf aufmerksam, daß Ich derzeit nicht nur euch, sondern auch schon vielen anderen verlorenen Söhnen entgegengekommen bin.

16. Merket aber in euch selbst vorzugsweise auf Meine Ankunft, und kümmert euch weniger um die allgemeine. Was ihr aber für's Allgemeine empfindet, das traget Mir betend in eurem Herzen vor, um alles andere kümmert euch nicht; denn das große Wann, Wie und Warum ist in den besten Händen wohlverwahret. Amen. Das sage Ich, Euer großer, heiliger, liebevollster Vater. Amen.

Fußnoten

[1] Zur Beschreibung der 10 Plagen Ägyptens als 7 Plagen siehe auch. Entsprechungen: Das 10nerPrinzip

[2] Siehe 4 Zeiten: Die Entwicklung der Lehren

[3] Sieh das Buch Leopold Engels "Das Tal der Glücklichen", das dieses Tal und seine Bewohner dargestellt in dem Reisebericht eines Europäers beschreibt. Es liegt in der heutigen Zentralafrikanischen Republik und entspricht dem linken Auge des Brillenknochens

[4] Der Text wechselt hier der Errugung wegen in die echte himmlische Grammatik "hinstarren sie in die ... " ist Verb Subjekt Objekt. Siehe "Die Geschichte der Originalschriften"

[5] Interessant ist hier der Zusammenhang mit den Schöpfungsperioden. Wie schon der Charakter der Neuoffenbarung, als große Offenbarung der 4. Schöpfungsperiode ( Wassermannzeitalter in der esoterischen Terminologie ) zeigt, geht das Bewußtsein mehr zum Jenseitigen über. ( Es gibt mehr Literatur und es wird mehr über das Jenseitige nachgedacht. Dies entspricht dem Eintritt in des Erdmenschen in die Phase der Reife, in der Mensch sich schon mehr zum Jenseitigen orientiert. Dies wird entsprechend dem natürlich nicht so harmonischen Verlauf in der Realität des Verlorenen Sohnes in diesem Bild dargestellt ( Diese Entwicklung endet tatsächlich mit dem Übergang des Erdmenschen in ein jenseitiges Leben siehe auch 5.2 Politik und die Lebensphasen des Erdmenschen S.64 )

 [6] In der Beschreibung hier ist eine Hülsenglobe ein Atom des großen Schöpfungsmenschen und besteht in sich aus 5 Hierachien von Sonnen mit jeweils sie umkreisenden Systemen, der Reihenfolge nach Die Hülsenglobe selbst mit der Urzentralsonne, die Galaxienhaufen, Galaxien, Kugelsternhaufen, Sonnensysteme und natürlich Planeten und Monde, von denen wissenschaftlich nur die Größe der Galaxienhaufen bekannt ist die sich aber auch in großen Verschätzungen der Entfernung befindet. ( Namen eintragen )

[7] Diese Sternensysteme entsprechen wissenschaftlich vom Größten zum kleinsten System gezählt: Das Atom ( die Hülsenglobe ) ist ein Galaxienhaufencluster, dann kommt der Galaxienhaufen als Sonnenweltengebiet, dann die Sonnenweltenalle als Galaxien, dann die Kugelsternhaufen als Sonnengebiet, in der unsere Sonne zu Hause ist ( hier der Sirius mit seinen ihn umkreisenden Sonnen ).