Jakob Lorber

Erde und Mond

By amc

Inhalt

T0. Einleitug zum Werk
T1. Die natürliche Erde.
T2. Die geistige Erde.
T3. Anhang zur Erde.
T4. Der Mond

T1. Die natürliche Erde.

T1.1. Der Schwerpunkt der Erde.
T1.2. Das Herz der Erde.
T1.3. Lage und Veränderlichkeit des Erdherzens.
T1.4. Vom Wesen der Materie und ihrer Urgrundgeister.
T1.5. Der innere Bau der Erde.
T1.6. Von den Schwerpunkten und den Säften der Erde.
T1.7. Ernährung und Rotation der Erde.
T1.8. Lunge und Atmung der Erde.
T1.9. Die Milz der Erde.
T1.10. Bau der Milz und Bereitung des Blutes.
T1.11. Die Leber der Erde.
T1.12. Die Niere der Erde.
T1.13. Die Erde als Mann und Weib.
T1.14. Mannweibliche Zeugungen der Erde.
T1.15. Der allgemeine Stufengang der Lebewesen.
T1.16. Material und Konstruktion der zweiten Erde.
T1.17. Die Kräftigung der Erdsäfte.
T1.18. Die Rinde der Erde.
T1.19. Die fühlende Haut der Erde.
T1.20. Wesen und Bestandteile der Luft.
T1.21. Die Wirkung des Lichtes auf die Luft.
T1.22. Die zwölf Himmelszeichen und ihre Wirkung.
T1.23. Die Erdatmosphäre und ihre Niederschläge.
T1.24. Das Auge der Erde.
T1.25. Das Wesen des Feuers.
T1.26. Erscheinungen in der dritten Luftregion.

T2. Die geistige Erde.

T2.27. Entstehung und Zweck der Materie.
T2.28. Die Geister der obersten Luftregion.
T2.29. Aufenthalt und Seligkeit der reinen Geister.
T2.30. Die zweite Luftregion und ihre Geister.
T2.31. Geistertreiben in der zweiten Luftregion.
T2.32. Die Besitznahme der Materie durch Geister.
T2.33. Naturgeister und Menschenseelen.
T2.34. Luft-, Berg- und Wandergeister.
T2.35. Von Hexen und Hexenprozessen.
T2.36. Von den Zauberbergen.
T2.37. Berge mit berüchtigten Namen.
T2.38. Die erste, unterste Luftregion.
T2.39. Die leitenden Geister der unteren Luftregion.
T2.40. Die Tätigkeit der Geister im Erdinnern.
T2.41. Substanz und Materie, Kraft und Stoff.
T2.42. Gottes Wirken durch Geister.
T2.43. Eindrücke der Materie auf Seele und Geist.
T2.44. Aufsichtsgeister im Naturreiche.
T2.45. Mineral, Pflanze und Tier.
T2.46. Die Zusammensetzung der Intelligenzspezifika in den Lebewesen.
T2.47. Kapitel
T2.48. Die Grenzen zwischen den Naturreichen.
T2.49. Die Tierseele und ihre Beeinflussung durch Geister.
T2.50. Geistereinflüsse bei der Zeugung des Menschen.
T2.51. Die Entwicklung der menschlichen Leibesfrucht.
T2.52. Seele und Geist im Menschen.
T2.53. Die Seele Satanas.
T2.54. Das Gesetz der Seelenteilung.
T2.55. Rückführung und Erlösung Satanas.
T2.56. Wesen und Namen Satanas.
T2.57. Die Wichtigkeit der Kenntnis des Bösen.
T2.58. Spuk und Besessensein.
T2.59. Von der Fleisches- und Sinnenlust.
T2.60. Vom Spielteufel und der modernen Erziehung.
T2.61. Wesen und Folgen des Zornes.
T2.62. Die Bekämpfung des Zornes.
T2.63. Von der menschlichen Rangsucht.
T2.64. Allerlei menschliche Klagen.
T2.65. Kapitel
T2.66. Das zeremonielle Kirchentum.
T2.67. Träume und ihre Deutung.
T2.68. Vom Aberglauben.
T2.69. Kapitel
T2.70. Reich Gottes und Wiedergeburt.
T2.71. Echte und falsche Propheten.
T2.72. Sündenvergebung und Bilderdienst.
T2.73. Vom werktätigen Glauben.

T3. Anhang zur Erde.

T3.74. Die Kritiker (sind Leute, die vom Schimpfen leben).
T3.75. Die Chinesen, als Zoroasterbekenner,
T3.76. In Asiens Mitte, im hohen Tibet, lebt ein Volk,
T3.77. Die jetzigen Japanesen stammen aus Mittelasien,
T3.78. Die Urbewohner von Borneo und Guinea, chinesische Abkömmlinge.
T3.79. Die anderen asiatischen Klein-Insulaner. Die Javaner,
T3.80. Die Völkerschaften von Sumatra und Celebes.
T3.81. Die eigentlichen Bewohner von Madagaskar stammen aus Asien,
T3.82. Die Völkerschaften Süd-Afrika‘s.
T3.83. Die Urbewohner von Australien, als der größten Erdinsel.
T3.84. Die Ureinwohner von Neuseeland
T3.85. Schluß

Der Mond

T4.1. Wesen und Bestimmung des Mondes.
T4.2. Die Menschen auf dem Monde.
T4.3. Die Tiere auf dem Monde.
T4.4. Die Oberfläche und die Geister des Mondes.
T4.5. Vier Fragen in Bezug auf den Mond.
T4.6. Das magnetische Fluidum.

T0. Einleitung zur Werk

T0.1. Info

Durch das Innere Wort empfangen und niedergeschrieben von Jakob Lorber.

Nach dem Nachdruck der 4. Auflage.

Lorber-Verlag – Hindenburgstraße 5 – D-74321 Bietigheim-Bissingen.

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © 2000 by Lorber-Verlag, D-74321 Bietigheim-Bissingen.

T0.2. Die Turmuhr. Ein Gleichnis

Empfangen vom Herrn durch Jakob Lorber am 4. Juni 1847

1. Auf einem hohen Turme in einer Stadt dieser Zeit ließ ein Herzog eine prachtvolle Uhr aufrichten. Da der Turm achteckig war, so ließ er an jeder der acht Flächen, die natürlich zwischen die acht Ecken fielen, ein Zifferblatt machen, auf daß jedermann von allen möglichen Punkten aus die Stunden bemerken, sehen und sich überzeugen könne, um die wievielte Tagesstunde, Minute und Sekunde es sei.

2. Nebst der genauesten Zeiteinteilung von der Stunde bis zur Sekunde zeigte die Uhr aber auch das monatliche Tagesdatum, den Stand des Mondes und auch den Stand der anderen Planeten, sowie die tägliche Dauer des Lichtes vom Aufgange bis zum Niedergange der Sonne, und danebst auch die vier Jahreszeiten, – aber natürlich alle diese besonderen astronomischen Daten auf eigenen, unter dem Hauptuhrblatte angebrachten astronomischen Zifferblättern.

3. Nebst all dem aber, was diese Uhr auf ihren Zifferblättern zeigte, hatte sie auch ein ganz vortreffliches Stunden- und Viertelstundenschlagwerk und dabei auch noch ein allerreinstes Glockenspielwerk – und für all diesen überaus kompliziert künstlichen Mechanismus nur ein einziges Triebgewicht; kurz und gut, diese Uhr suchte vergeblich ihresgleichen irgendwo in der ganzen gebildeten Welt!

4. Allein daran liegt nichts, auch daran nicht, daß sie einen so verschiedenen Dienst so überaus richtig verrichtete; aber daß da alle diese unter sich sehr verschiedenen Verrichtungen nur von einem und demselben Triebgewichte in die zweckdienlichste Bewegung gesetzt wurden, das war das eigentliche Wunderbare bei dieser Uhr.

5. Als ein Fremder in diese Stadt kam, da fiel ihm die also ersichtliche Uhr wohl zuerst auf, und er fragte den nächsten besten, wie viele Triebfedern und Gewichte wohl etwa diese Uhr habe. Als man ihn beschied: „Nur eines!“, da ward er völlig verblüfft und ungläubig und sprach: „Das ist eine Unmöglichkeit! So viele und so verschiedene Verrichtungen und nur eine Triebkraft!? Nein, nein, das geht nicht, das ist unmöglich!“

6. Wieder kam ein anderer von der Fremde und besah die Uhr und verwunderte sich über und über, als man ihm erklärte, was die Uhr alles verrichte. Er meinte, es müsse da ein jedes Zifferblatt ein eigenes Triebwerk haben, wodurch der Turm natürlich von lauter verschiedenen Uhren angestopft sein müßte. Als man ihm aber erklärte, daß da nur ein einziges Triebwerk all die Zeiger bewege, ward er völlig aufgebracht, da er meinte, daß man sich ob seiner Unwissenheit mit ihm nur einen Spaß erlaube, und er ging von dannen und erkundigte sich nicht weiter um dies Uhrwerk.

7. Und wieder kam ein anderer aus der Fremde und bewunderte diese Uhr und fragte nach dem Meister derselben und man gab ihm zur Antwort: „Der Meister dieser Uhr war ein ganz schlichter Landmann, und es ist nicht gewiß, ob er des Lesens und Schreibens kundig war!“

8. Diese richtige Antwort brachte den Fremden in eine förmliche Wut, daß er darob schwieg und bald ging, weil er nicht gekommen sei, um sich da für einen blöden Narren auf eine so plumpe Art schelten zu lassen.

9. Und so kamen noch eine Menge und fragten wie die ersten; als man sie aber näher in die Geheimnisse dieses Kunstwerkes einweihen wollte, da wurden sie alle ärgerlich und sprachen: „Bis wir das mit eigenen Augen gesehen haben, können wir es nicht glauben!“

10. Und siehe, man führte sie in den Turm. Als sie aber da das nahezu zahllose Räderwerk, die vielen Hebel, Zylinder, Haken, Stangen und noch tausend andere mechanische Vorrichtungen und Verbindungen erblickten, da wurden sie förmlich unsinnig und sprachen und schrieen: „Wer kann dieses Werk durchschauen und begreifen? Das kann kein Mensch gemacht haben! Da gehören hundert Menschenalter dazu, um nur die Bestandteile dieses Werkes abzuzählen, geschweige erst zu machen!“ – Und all diese Fremden gingen ganz unsinnig von dannen.

11. Nur wenige ließen sich über die Richtigkeit dieses Werkes belehren, obwohl den wenigen Besseren der zu schlichte und unwissenschaftlich gebildete Werkmeister ein Stein des Anstoßes blieb – mehr oder weniger.

12. Was wohl lehret dieses Bild? Was ist dessen innerer, geheimer Sinn? – Darüber denke jeder ein wenig nach und übe sich also im Aufsuchen der inneren Wahrheiten und entdecke darin so viel, als ihm möglich ist, bis seiner Zeit die vollkommene Löse gegeben werden wird! Amen.

T1. Die natürliche Erde

Natürliche und metaphysische oder geistige Darstellung des Mittelpunktes der Erde.

T1.1. Der Schwerpunkt der Erde.

28. Dezember 1846

1. Wenn ihr einen Körper, wie gestaltig er auch immer beschaffen sein mag, mit prüfendem Geiste und Auge betrachtet, so werdet ihr leicht und bald gewahr, daß an diesem Körper drei Dinge beobachtet werden, und zwar zuerst seine bildliche Außengestalt, d.i. seine Form mit all den natürlichen Attributen, als da sind sein Umfang, seine Oberfläche nach allen Seiten und die Färbung dieser Oberfläche; fürs zweite werdet ihr an diesem Körper notwendig ein gewisses Volumen wahrnehmen, das irgend einen Durchmesser nach der Länge, Breite und Dicke hat, welches Volumen des Körpers nach seiner Art irgend ein Gewicht oder eine Schwere nach irgend einer Richtung hin ganz besonders erkennen läßt.

2. So ihr z.B. irgend einen Stein oder auch einen anderen regelmäßigen oder unregelmäßigen Klumpen beobachtet, so wird es sich bald zeigen, daß dessen Schwerpunkt sich nicht an allen Teilen desselben gleich beurkundet; besonders könnet ihr das bei einem etwas unförmigen Holzpflocke dadurch am leichtesten ersehen, so ihr denselben auf das Wasser leget, wo er immer seinen Schwerpunkt sicher am tiefsten in das Wasser senken wird. Das wäre sonach der zweite Punkt, den jedermann bei jedem Gegenstande leicht finden kann.

3. Der dritte Punkt bei einem Körper ist dessen wirkliches Zentrum, welches aber jedoch niemals mit dem Schwerpunkte eines Körpers zu verwechseln ist; und es hat sonach jeder Körper zwei Mittelpunkte, nämlich einen der Schwere und einen seines körperlichen Maßes. Ihr möget auch Körper von was immer für einer Art sogestaltig prüfen, und nimmer werdet ihr es finden, daß der Schwere-Mittelpunkt und das Körpermaß-Zentrum völlig in eines zusammenfallen; nicht einmal bei einer vollkommen mathematisch richtig gegossenen Metallkugel, und das aus dem Grunde, weil durchaus kein Körper aus so vollkommen gleichen Teilen besteht, denen zufolge der Schwerpunkt mit dem eigentlichen Körpermaßmittelpunkte vollkommen in eines zusammenfallen könnte.

4. Nehmet ihr z.B. einen reinen Stahl als einen unter allen Metallen solidesten Metallkörper, brechet eine solche Stahlstange entzwei, und ihr werdet an dem weißen Bruche leicht das kristallische Gefüge erkennen, welches dem freien Auge wohl frappant gleichförmig vorkommen wird; aber mit einem Mikroskope beobachtet, wird diese Bruchfläche ein Aussehen bekommen, als wie der Anblick solches kundgibt, so jemand von einem hohen Berge unter sich allerlei größere und kleinere Erhöhungen entdeckt. So aber solch ein Unterschied in dem kristallischen Gefüge eines der solidesten Metallkörper wahrgenommen werden kann, um wieviel größer ist solch ein Unterschied erst bei jenen bei weitem unsolideren Körpern, deren kristallinisches Gefüge sich oft zwischen groß und klein, dicht und weniger dicht schon für das freie Auge leicht wahrnehmbar beurkundet; und es ist demnach obiger aufgestellter Satz um so vollkommener wahr, daß der Schwere-Punkt und der Körpermaß-Mittelpunkt niemals in eines zusammenfallen können.

5. Diesen Grundsatz könnte auch jedermann bei der Bereitung einer Waage sehr leicht erschauen. Es solle jemand aus möglichst gleich dichtem Metalle einen vollkommen mathematisch ebenmäßigen Waagbalken konstruieren, selben dann in die Waaggabel hängen, und er wird sich überzeugen, daß selbst bei solch einer höchst mathematisch richtigen Ebenmäßigkeit die beiden Waagebalken oder vielmehr die beiden Teile desselben Waagebalkens niemals vollkommen eine horizontale Ebene bilden werden, sondern der eine wird dem andern etwas vorschlagen, und der Fabrikant der Waage wird dann entweder auf der einen oder auf der andern Seite dem Waagebalken mit einer Feile oder mit einem Hammer zu Hilfe kommen müssen. Die Ursache von dem liegt natürlich in obigem Grundsatze.

6. Wie sich aber sonach bei allen Körpern dieses Verhältnis kundgibt, also ist dasselbe um so mehr bei denjenigen Körpern vollkommen eigentümlich zu Hause, die nicht durch Menschenhände eine Form erhielten, sondern die Meine Kraft so gestaltet hat, wie sie gestaltet sein müssen, um zu bestehen. Es läßt sich daher Schwerpunkt und Maßmittelpunkt so wenig auf einem und demselben Platze denken, als positive und negative Polarität.

7. Ihr werdet freilich wohl fragen: Wie ist das zu verstehen? Da frage Ich aber, euch eben darüber belehrend, entgegen: Warum finden sich bei einem magnetischen Stabe die beiden Pole nicht in der mathematischen Mitte desselben, sondern nur zumeist an den beiden Enden eines solchen Stabes?

8. Warum ist das Keimhülschen bei einem Samenkorne nicht in der Mitte desselben, sondern zumeist nur an einem Teile des Samenkornes, während desselben Mittelpunkt und dessen entgegengesetzter Pol sich zumeist um ein bis drei Viertelteile des ganzen Samenkörperinhaltes von dem Keimhülschen weiter körperein- und auswärts befinden?

9. Warum hat weder der Mensch noch irgend ein Tier das Herz nicht in seinem Maßzentrum?

10. Sehet, aus diesen Fragen geht schon von selbst erläuternd hervor, daß der Schwerpunkt eines Körpers ganz etwas anderes als wie dessen Maßmittelpunkt ist.

11. Wenn es sich demnach um die Enthüllung des Mittelpunktes der Erde handelt, so ist darunter nicht so sehr der Maßmittelpunkt, als wie vielmehr der eigentliche Lebens- oder Schwerpunkt der Erde zu verstehen; denn eine Enthüllung des bloßen Maßmittelpunktes der Erde wäre, genau betrachtet, eine überaus bedeutende Lächerlichkeit, was sich aus dem sehr leicht ersehen läßt, so man den Mittelpunkt eines jeden Körpers, somit auch den der Erde, nur als ein ideales Pünktchen annehmen muß, das schon nach euren mathematischen Begriffen richtig definiert ein Etwas ist, welches weder in die Länge, noch in die Breite, noch in die Dicke auch nur den denkbar möglich kleinsten Durchmesser zuläßt, somit sicher in seiner Art das Allerminutissimum aller Dinge ist, und ihr es sicher annehmen könnt, daß schon in einem atomistischen Tierchen, das nicht einmal das stärkste Sonnenmikroskop mehr zu entdecken imstande ist, wohl sicher noch zahllose Milliarden von solchen Punkten Platz hätten. Frage demnach: Was wohl hätten wir von diesem endlos kleinen Wesen, das so ganz eigentlich in das barste Nichts verschwindet, zu enthüllen? Man dürfte bloß sagen: Der Mittelpunkt der Erde besteht aus nichts, so wäre er auch schon vollkommen naturmäßig und geistig enthüllt. Denn das Nichts ist sowohl körperlich als geistig betrachtet gleichbedeutend; denn wo nichts ist, da hört ganz natürlich alles auf, und es ist ein Nichts natürlich und geistig auch wirklich in nichts anderem denkbar als in einem solchen mathematischen Maßmittelpunkte, – aus welchem Grunde wir uns denn auch von diesem wenigsagenden Mittelpunkte der Erde entfernen wollen und wollen uns zu dem überaus vielbedeutenden Schwerpunkte der Erde wenden, welcher natürlich voluminöser und bei einem so großen Körper, wie die Erde da ist, auch von einer bedeutend voluminösen Ausdehnung sein muß, um auf ihre eigentümliche weltkörperliche Lebenstätigkeit den entsprechend wirkenden Ausschlag zu geben.

12. Ich sehe es euch schon durch und durch an, daß ihr in euch schon fraget: Wie sieht dieser Schwerpunkt der Erde dann aus? Woraus besteht er? Ist er ein Diamantklumpen, oder ist er etwa pures Gold oder Eisen oder etwa gar Magnet? Oder ist er etwa gar ein hohler Raum, erfüllt mit nichts als einem ewig unerlöschlichen Feuer, und dient etwa wohl gar zum Aufenthalte der Verdammten und führt den respektablen Titel „Hölle“, von der die hie und da auf der Erde verstreuten feuerspeienden Berge gewisserart etwa Kamine sind?

13. Da sage Ich: Von allem dem ist im Schwerpunkte der Erde keine Rede, ebensowenig wie physisch genommen bei dem Herzen eines Menschen von allem dem die Rede sein kann. Das Herz ist weder ein Diamant noch ein Goldklumpen, noch ist es Eisen und Magnetstein und ebensowenig ein hohler, mit Feuer erfüllter Raum, sondern das Herz ist physisch betrachtet ein überaus kunstvolles Zellengewebe, innerhalb dessen die lebendige Seele, und in ihr der Geist des Menschen, wie ein Weber auf seinem Webstuhle tätig ist und auch sein kann, weil dieser Webstuhl zur Bildung des natürlichen Lebens und zur zeitgerechten Erhaltung desselben gerade so eingerichtet ist, daß durch seine kunstgerechte Konstruktion in den Händen der Seele alles das erzeugt werden kann, was zur Darstellung des physischen Lebens notwendig ist. Ist dieser Webstuhl einmal in seiner natürlichen Konstruktion in irgend etwas untüchtig geworden, so geht es dann mit dem Forterzeugen des physischen Lebens nicht mehr so ganz recht vonstatten. Ist er aber endlich vollkommen untüchtig und ungeschickt geworden, dann kann ihn die Seele auch nicht mehr brauchen, und es ist dann Zeit für sie, diese eitle Werkstatt zu verlassen.

14. Sehet, ebendasselbe ist der Schwerpunkt der Erde. Wie? Das wird der Gegenstand unserer nächsten Betrachtung sein.

T1.2. Das Herz der Erde.

29. Dezember 1846

1. Wie sieht also der Schwerpunkt der Erde aus?

2. Ich sagte schon oben, daß er eine ganz ähnliche Beschaffenheit hat, wie da ist die des menschlichen oder wohl auch eines anderen, tierischen Herzens. Es ist dieser Schwerpunkt sonach ebenfalls ein im Verhältnisse zum großen Erdkörper stehendes großes Erdherz, welches ebenso wie das Herz im Menschen der Webstuhl oder die Werkstätte des gesamten organischen Lebens der Erde ist.

3. Wie groß, fraget ihr, wohl dieses Herz sein dürfte? Ihr wisset es ja, daß bei Mir in allen Dingen diejenige Proportion getroffen ist, die da notwendig ist; also ist es auch sicher bei dem Herzen der Erde der Fall. Wie da die Erde groß ist, so muß auch ein verhältnismäßig großes Herz oder Schwerpunkt in selber vorhanden sein, damit in dessen zahllos vielen Gemächern jene Kraft erzeugt werden kann, die da hinreichend mächtig ist, alle die verschiedenartigen Lebenssäfte der Erde in die weitgedehnten Organe hinauszutreiben und, wenn die Säfte ihren Dienst verrichtet, sie dann zur ferneren Sättigung wieder an sich zu ziehen.

4. Aus dem geht hernach hervor, daß das Herz der Erde so ziemlich groß sein muß; jedoch kann selbes mit einer genauen Maßzahl aus dem Grunde nicht völlig genau bestimmt werden, weil dieses Herz der Erde je nach der Notwendigkeit bald um ein bedeutendes erweitert, bald wieder um ein bedeutendes verringert wird. Aber so im Durchschnitte kann wenigstens der Platz für diesen Schwerpunkt auf hundert Meilen im Durchmesser angenommen werden, kann sich aber bis auf zweihundert Meilen weiter ausdehnen und bis auf fünfzig Meilen im Gegensatze verringern.

5. Woraus aber besteht dieses sogenannte Herz der Erde?

6. Dieses Herz der Erde ist nicht so sehr irgend eine Materie, als wie da etwa das Herz eines Tieres oder eines Menschen, sondern dieses Herz ist mehr eine substanzielle Kraft, die in einem dazu geschickten, aber sonst festen Organismus sich wirkend bewegt und durch dieses Wirken auf den ganzen andern Organismus des Erdkörpers seine Wirkung äußert.

7. Es wird zwar jemand meinen und sagen: Wenn dieser Organismus ein fester und somit spröder ist, wie kann er sich ausdehnen, und wie kann er einer andern substanziellen Kraft durch die Länge der Zeit zum unverwüstlichen Stützpunkte dienen, ohne dabei selbst in seinen zahllosen Teilen eine Beschädigung zu erhalten?

8. Meine Lieben, dafür ist schon gesorgt! Die Knochen bei den Tieren sind auch ein fester Organismus; die Säfte und das Blut werden immer durch ihre vielen Poren getrieben, und doch halten sie am längsten alle möglichen Kraftreaktionen aus. Es kommt da nur auf eine gewisse Art der festen Materie an, und sie ist dann fest genug gegen jede in ihr entwickelte Kraftäußerung.

9. Wie z.B. die Materie in den Gedärmen der Tiere. – Wie häufig und wie gewaltig wird diese Materie genützt, und doch dauert sie, obschon sie dem Anscheine nach nur schwach ist, jenen bedeutenden Kraftäußerungen zum Trotze, eine geraume Zeit unverwüstlich fort. Wenn ihr noch ferner die viel zarteren Organe bei den Vögeln betrachtet, in denen sogar Steine zerrieben und verzehrt werden, so muß es euch noch klarer werden, wie es da einzig und allein nur auf eine gewisse Qualität der Materie ankommt, der zufolge sie fest genug gestellt ist, um die in ihr entwickelten Kräfte ohne Schaden in sich selbst wirken zu lassen.

10. Wenn aber schon diese zartere Materie von Mir aus so qualifiziert ist, daß sie als ein hinreichend fester Stützpunkt für die in ihr wirkenden Kräfte sich darstellt, um wieviel mehr wird es Mir möglich sein, in der Erde einen festen Organismus von einer solchen qualifizierten Materie aufzustellen, dem die allergewaltigst wirkenden Kräfte des Erdinnern Jahrmillionen wenig oder gar nichts anhaben können.

11. So ihr bauen würdet, saget, wie stark müßte das Gewölbe sein, um einen Großglockner zu tragen? Ein solches würdet ihr nicht zuwege bringen; allein Ich, als der Meister aller Dinge, habe schon überall also das richtige Verhältnis getroffen, daß alle die Stützpunkte fest und dauerhaft genug sind, um die auf ihnen ruhenden Lasten mit der größten Leichtigkeit zu tragen; und also ist es auch mit dem Organismus für das Walten des substanziellen Herzens der Erde der Fall.

12. Es wird euch wohl in den nördlichen Gegenden der Erde ein gewisses Metall unter dem Namen Platina schon oft vorgekommen sein. Sehet, dieses Metall ist schon etwas Ähnliches derjenigen Materie, welche als Organismus der waltenden Zentralkraft der Erde dient; jedoch müßt ihr euch dabei nicht etwa denken, als sei dieses Metall etwa ganz dieselbe Materie, aus welcher obbesagter Organismus besteht. Überhaupt müßt ihr euch das Innere der Erde nicht von gleicher materieller Beschaffenheit denken mit derjenigen Materie, welche die Oberfläche der Erde zur Schau bietet; denn diese ist nur eine äußere, unfühlbare Haut der Erde, während das Innere derselben sich wie Fleisch und Blut zur Außenhaut, ebenso zu der äußeren, unfühlbaren Rinde verhält; und sonach kann Ich euch, für euch faßlich, über die innere Materie der Erde nichts anderes sagen als:

13. Diese ist eine Art Fleisch, Blut und Knochen, welches tierische Bestandmaterial des Erdkörpers aber dennoch nicht als ein völlig Ähnliches und gleich Beschaffenes eines tierischen Körpers zu betrachten ist, sondern es ist ganz eigentümlich also nur ein Erdfleisch, ein Erdblut und Erdknochen.

14. Euch die Sache in materieller Hinsicht weiter zu erklären, wäre eine unnütze Arbeit, und zwar aus dem Grunde, weil ihr im körperlichen Zustande unmöglich je dahin gelangen könntet, um euch nach der Lehre eine überzeugende Anschauung zu verschaffen; und somit begnüget euch hinsichtlich der Qualität der Materie des Inneren des Erdwesens mit dem, was bisher gesagt wurde. In der geistigen Darstellung wird euch alles dieses schon ohnehin klarer werden.

15. Wir haben somit nur noch eine Frage, nämlich: woseitig im Erdkörper sich so ganz eigentlich dieser Schwerpunkt befindet.

16. Die bedeutend wichtige Antwort auf diese Frage wird der Gegenstand unserer nächsten Betrachtung sein.

T1.3. Lage und Veränderlichkeit des Erdherzens.

31. Dezember 1846

1. Wo also befindet sich dieser Schwerpunkt oder das Herz der Erde? In der Mitte nicht, was schon oben gezeigt wurde, wie auch zum Teile, warum nicht; welches „Warum nicht“ am rechten Platze noch deutlicher erklärt wird. Der Mittelpunkt der Erde, d. i. der Maßmittelpunkt, wäre hinsichtlich der Ortsbestimmung freilich wohl am leichtesten und am sichersten als Ort oder Platz des Schwerpunktes anzuzeigen, weil er einen sicher unverrückten Platz für alle Zeiten einnehmen muß; denn solange die Erde das bleibt, was sie ist, in gleicher Form, Größe und Gestalt, muß auch der Maßmittelpunkt stets ein und derselbe bleiben.

2. Aber nicht also steht es mit dem Schwerpunkte der Erde. Von diesem kann man nicht sagen, hier oder da befindet er sich; sondern er ist bald da und bald dort. Sein Standpunkt kann sehr bedeutenden Veränderungen unterworfen sein. Wohl ist die innere Disposition des Erdkörpers also beschaffen, daß durch sie der Schwerpunkt sowohl nördlicher, als nach Beschaffenheit auch südlicherseits seinen wirkenden Platz einnehmen kann, aber an eine Festbannung dieser wirkenden Substanz, durch die allein der Schwerpunkt der Erde bedingt wird, ist durchaus nicht zu gedenken.

3. Daß dieser eine Materie belebende Schwerpunkt nicht nur im Erdkörper, sondern auch schon bei anderen Körpern auf der Erdoberfläche in seiner Art ersichtlich wird, könnet ihr sehr leicht schon bei sehr vielen Gewächsen, als da sind Bäume, Gesträuche und anderweitige Pflanzen aller Art, ersehen.

4. Wenn ihr einen Baum betrachtet, so werdet ihr mit Leichtigkeit gewahr, daß sein Wachstum wie auch seine Fruchtbarkeit sich bald auf den einen, bald wieder auf den andern Teil hinneigt. In diesem Jahre wird er nördlicherseits üppig treiben, hingegen südlicherseits wird sich alles schwächer gestalten; in einem andern Jahre werdet ihr bei demselben Baume einen auffallenden polarischen Wechsel entdecken: seine Südseite wird die üppigste, wohingegen die Nordseite wie verkümmert aussehen wird. Auch werden sich bald auf der einen, bald wieder auf der andern Seite des Baumes mehr oder weniger abgestorbene Äste oder Zweige zeigen; also wird auch bald auf der einen, bald auf der andern Seite des Baumes das Laub zur Herbstzeit früher oder später welk.

5. Sehet, diese und noch eine Menge derartiger Erscheinungen an einem Baume haben sämtlich einen und denselben Grund, nämlich den stets veränderten Standpunkt des belebenden Schwerpunktes oder der eigentlichen belebenden positiven Polarität. Derselbe Fall findet auch natürlicherweise bei anderen Gewächsen und Pflanzen statt.

6. Ihr werdet freilich da wohl fragen, warum dieser belebende Schwerpunkt bei den Körpern also veränderlich ist.

7. Der Grund liegt sehr tief. Wäre ein Bestehen der Materie der Zweck derselben, so könnte dieser polarische Schwerpunkt auch so gestellt werden, daß die Materie stets dasselbe bleiben müßte, was sie ist. Der Apfelbaum würde Apfelbaum bleiben in Ewigkeit, und so jedes Ding als das, was es ist; aber es ginge dann dem Apfelbaume und der Pflanze nicht viel besser als wie einem Diamanten. Denn wo in einem Körper diese Polarität mehr und mehr fixiert ist und mit dem Maßmittelpunkte desselben beinahe eins ausmacht, desto fester und dauerhafter wird zwar wohl der Körper; aber dieser Körper ist dann zufolge eben solcher seiner Fixierung zu nichts anderem mehr tüchtig als eben nur für seine eigene unveränderliche Fortbestehung, und es würde mit der Kost für die lebenden Wesen auf einem Erdkörper ganz verzweifelt mager aussehen, wenn diese von diamantenen Bäumen und derart anderen Gewächsen ihre Nahrungsfrüchte ernten sollten. Ebenso würde sich's auf einem diamantenen Erdkörper gewiß sehr hart wohnen lassen.

8. Aus dieser erklärenden Darstellung wird jedermann leicht den Grund einsehen, warum aus natürlichen Rücksichten dieser polarisch belebende Schwerpunkt kein fixierter, sondern ein veränderlicher sein muß, ebenso wie das Blut bei den Tieren wie auch bei den Menschen etwas diesem Schwerpunkte Ähnliches darstellt. Mit einem fixierten Blute und noch mehr mit einem festgebannten Herzen wäre sicher keinem lebenden Wesen gedient; in den tierischen Körpern jedoch, die eine freie Bewegung haben, kann dem eigentlichen Herzen schon ein mehr bestimmter Standpunkt eingeräumt sein, weil die freie Bewegung eines tierischen Körpers, wie auch des Menschen, schon in sich selbst allerlei Reaktionen bewirkt, was, wie leicht faßlich, bei jenen Körpern, die keiner freien Bewegung fähig sind, doch sicher nicht der Fall sein kann. Bei diesen müssen dann die verschiedenartigen notwendigen Reaktionen durch den stets veränderten Standpunkt des polarischen Schwerpunktes bewerkstelligt werden.

9. Sonach macht das Tier Bewegungen, wie auch der Mensch, und hat darum einen mehr bestimmten Platz für seinen Lebensschwerpunkt, nämlich das Herz. Bei den Körpern aber, die keiner freien Bewegung fähig sind, muß daher ihr Lebensschwerpunkt im Innern herum gewisserart Reisen machen, um die zweckdienlichen Reaktionen in allen Teilen des Körpers zuwege zu bringen.

10. Aus dieser leicht faßlichen Darstellung wird auch jedermann, der nur etwas reinen Geistes ist, leicht einsehen, daß das Wo des Schwerpunktes der Erde festweg zu bestimmen nicht nur eine platterdings unmögliche, sondern eine rein läppische und närrische Sache wäre. Nur soviel kann ungefähr für jetzt und allenfalls für ein nächstes Jahr bestimmt oder wenigstens annehmbar angegeben werden, daß sich der Schwerpunkt ungefähr in der Gegend unter Island, einem Teile von Norwegen, Schweden und Lappland befindet; er ist aber dessenungeachtet so tätig, daß er gewisserart seine Pulsbewegung sogar bis unter Kamtschatka und auch südlicherseits bis in die Gegend unter das Mittelländische Meer verändert ausdehnen kann.

11. An einem freilich etwas schmutzigen Tiere, nämlich bei einer Kopflaus, könnt ihr durch ein Mikroskop an der Bewegung ihres Lebenssaftes ungefähr ein ähnliches Phänomen entdecken. Aber natürlich kann das nur im kleinsten Maßstabe als eine leise Ähnlichkeit angesehen werden; denn Tiere auf den untersten Stufen haben bezüglich auf die Unbeständigkeit des lebenden Schwerpunktes noch die meiste Ähnlichkeit mit jenen Körpern, die keine freie Bewegung haben.

12. Soviel über das Wo des Schwerpunktes der Erde. Nächstens wollen wir den weiteren Grund solcher Veränderung der Polarität in jenen Körpern bestimmen, die keiner freien Bewegung fähig sind.

T1.4. Vom Wesen der Materie und ihrer Urgrundgeister.

2. Januar 1847

1. Es ist schon oben bemerkt worden, daß der Zweck der Materie nicht im Bestehen derselben liegen kann.

2. Daß dieses richtig ist, ersieht jeder Mensch leicht an dem fortwährend neuen Entstehen und Wiedervergehen derselben Materie. Das Laub, das in einem Jahre den Baum ziert, fällt im Herbste ab, und kommt das Frühjahr, so ist schon wenig mehr vom abgefallenen Laube unter den Bäumen zu entdecken, höchstens noch einige wenige Blattskelette, von denen keines den nächsten Herbst in seiner Art erlebt. Also geht es mit dem Grase, wie auch mit den Früchten der Bäume; aber nicht nur diese vegetabilischen Gegenstände, sondern auch Mineralien und hauptsächlich Tiere jeder Gattung entstehen und vergehen. Berge, deren Spitzen vor ein paar Jahrtausenden sich über die höchsten Wolkenregionen erhoben, sind jetzt um wenigstens zwei Viertel niederer; denn die Schärfe der Winde, die auflösende Kraft des Blitzes und des Eises haben diese stolzen Spitzen verweht wie Spreu, und nichts als höchstens irgend ein zerbröckelter Felsblock löst sich noch irgend langsam in einem tiefen Graben auf, und ein nichtiges Gerölle muß sich's gefallen lassen, durch die Einflüsse von Regen, Wind und Elektrizität in den sandigen Alpentriften nach und nach verwittert und vernichtet zu werden. Alles das ist eine Folge des veränderten Schwerpunktes der Materie.

3. Es gab einst übergroße Tiere auf dem Erdkörper, sowie auch Urwälder, besetzt mit riesenhaften Bäumen. Wo sind diese nun? Wo ein Mamelhud? Wo einer von den Bäumen, die da einem Jahrtausende trotzten, wo ein Baum mehr Holz hatte als jetzt ein Wald von hundert Joch? Fluten kamen, versenkten dieses alles tiefer in den Schoß der Erdrinde, vernichteten also ein ganzes Geschlecht, ja nicht nur eines, sondern tausend Geschlechter von Bäumen und Tieren, und nichts mehr von allem dem trägt nun die Erdoberfläche.

4. Von jenen Tieren werden nur hie und da versteinerte Knochen vorgefunden und aufbewahrt in den von Menschen errichteten wissenschaftlichen Kunst- und Naturmuseen bis zu einer Feuersbrunst, welche noch die letzten Überreste von den Schwerpunkten in diesen aus der Urzeit überbliebenen Knochenresten der riesigen Urweltstiere in jene staubige Materie verwandelt, deren Dasein gewöhnlich die Wäscherinnen ein vollkommenes Ende machen; es ist nämlich die Asche, als das letzte, überaus flüchtige Überbleibsel aller Materie.

5. Was die endliche Vernichtung jener Urweltsbäume betrifft, deren Reste gegenwärtig noch häufig unter dem Namen Steinkohle angetroffen werden, braucht keine besondere Erklärung; denn alle diese feurigen und dampfenden Erfindungen dieser Zeit werden in eben nicht gar zu langer Zeit die letzten Reste aus der Erdrinde geholt und verzehrt haben. Und so verrichtet hier die neuerfundene Industrie der Menschen dieses letzte Vernichtungswerk durch Feuer und Dampf an den letzten Überresten dieser Urweltsbäume. Also verändert hier das Feuer noch den letzten Schwerpunkt dieser Materie, und sehet: von ihr bleibt nichts mehr übrig als eben wieder ein wenig Asche, welche auf Äcker und Wiesen gestreut in längstens einem Jahre durch die Einwirkung des Regens und der Elektrizität in der Luft gänzlich wieder aufgelöst wird, sodaß somit auch ein solcher Baum, der einst über hundert Morgen Landes bedeckte, in seinem letzten Reste vollkommen sein materielles Dasein verloren hat.

6. Aber, wird mancher sagen, das ist eben auch das Traurige, daß alles Dasein einer gewissen Vernichtung entgegengeht.

7. Ich aber sage: Das ist gar nicht traurig; denn die Materie ist der Tod, wie das Fleisch Sünde ist durch den Tod.

8. Soll denn der Tod und die Sünde bleiben? Ich meine, daß es wohl besser ist, alle Materie und alles Fleisch mit der Zeit zu verderben und dadurch das im Tode gefangene Leben aus der Materie wieder frei zu machen, als die Materie zu unterstützen und am Ende alles freie Leben in den Tod der Materie übergehen zu lassen, was doch in Meiner Absicht nie liegen kann, indem Ich Selbst als die ewige, allmächtige Urkraft und Macht aller Kräfte und Mächte Selbst das allereigentlichste Leben bin und somit nicht für den Tod, sondern nur für das Leben wirken kann.

9. Da sonach aber die Materie nur als ein Mittel zur Regulierung und Freimachung des freien Lebens da ist, so kann ja das unveränderliche Bestehen der Materie nie möglich ein Zweck derselben sein. Sie ist sonach nur so lange da, als sie als Mittel zum Zwecke da sein muß; ist durch sie irgend ein Lebenszweck erreicht worden, dann vergeht sie wieder also, als wäre sie nie dagewesen.

10. Überhaupt ist die Materie, wie ihr schon wisset, in sich nichts anderes als eine zweckmäßige Erscheinlichkeit Meines aus Mir Selbst fixierten Willens.

11. Aus dem aber geht hervor, daß sie eben auf die Art wieder kann aufgelöst werden, als wie sie fixiert wurde.

12. Diese Fixierung aber eben ist der Hauptschwerpunkt in der Materie, oder das belebende und erhaltende Prinzip; wird dieses nun von irgend einem materiellen Körper zurückgezogen, dann ist es mit der Materie auch gar.

13. Damit aber dennoch vor den Augen der Menschen nicht zu urplötzliche Entstehungen und Vergehungen geschehen, so lasse Ich dieses obenerwähnte Prinzip Meines Willens niemals also plötzlich zurücktreten, wie auch niemals einen Punkt also plötzlich ergreifen, daß dadurch sogleich ein Ding ins Dasein träte, wie im Gegenteile vergehe. Am langsamsten geht freilich auf diese Weise das Werden und Vergehen bei den großen Weltkörpern vor sich; das Warum könnet ihr jetzt schon leicht fassen. Also ist es aber eben auch bei der Erde der Fall, daß der Schwerpunkt, der sie belebt, nach und nach verringert wird, und so fort und fort, bis sie endlich auch das Los aller Materie teilen wird.

14. Nun wüßten wir so gründlich als möglich den Grund der Veränderung des Schwerpunktes in der Materie, wie deren dadurch bewirkte Vergänglichkeit, und wüßten auch, worin das eigentliche Hauptprinzip des Schwerpunktes in der Materie besteht.

15. Aber dennoch sehe Ich, daß ihr das Wesen dieses Prinzipes gewisserart bildlich beschauen möchtet; auch das soll hier gezeigt werden.

16. Für das materielle Auge beschaulich, wenn es möglich wäre, würde sich dieser in dem Erdkörper agierende Schwerpunkt als ein Feuer darstellen, welches in für euch unglaublicher Schnelligkeit die bestimmten Organe der Erde, die dazu geeignet sind, durchzuckt und dadurch die zur Erhaltung des Erdkörpers in allen Teilen desselben erforderliche Reaktion bewirkt.

17. Könntet ihr aber dieses Feuer mit geistigen Augen betrachten, so würdet ihr da ein zahlloses Geisterheer entdecken, das eben von Meinem Willen hier gehalten und zu der zweckmäßigen, bestimmten Tätigkeit angetrieben wird.

18. Das sind demnach die Urgrundgeister, gebannt zur tätigen Belebung jener sie umgebenden Materie, durch die sie zeitgerecht endlich selbst höher und höher aufsteigen und dann, in leichtere Materie gekleidet, von Stufe zu Stufe in das vollkommene, freie Leben übergehen können.

19. Diese Art Geister, die sich dem sinnlichen Auge als ein Feuer darstellen, bestimmen sonach den tätigen und die ganze Materie belebenden Schwerpunkt.

20. Wie gestaltig aber durch diesen Schwerpunkt durch die verschiedenen Schichtungen des Erdkörpers, d. i. durch dessen Knochen, Eingeweide, Fleisch und Blut auch die zahllosen Nebenschwerpunkte des Erdkörpers zur zweckdienlichen Tätigkeit angetrieben werden, davon wollen wir in der nächsten Mitteilung das Nähere dartun.

T1.5. Der innere Bau der Erde.

4. Januar 1847

1. Wenn ihr einen tierischen Körper, was immer für einer Art, betrachtet, so werdet ihr, ohne weiter die Anatomie aller Tierkörperwelt studiert zu haben, gar leicht begreifen und einsehen, daß entweder das Blut oder die Säfte durch alle Adern und anderen Gefäße ebenso durchgehen, als wie durch diejenigen Adern und Gefäße, die im eigentlichen tierischen Herzen vorhanden sind, und daß an allen Punkten im selben Augenblicke wie im eigentlichen Herzen der Puls- oder Triebstoß geschieht; und es ist leicht einzusehen, daß in einem tierischen Körper darum nicht mehrere Triebkräfte vorhanden zu sein nötig haben, als eben nur eine, die hinreicht für zahllose Gefäße.

2. Also ist es auch mit dem Herzen der Erde der Fall. Durch seinen Puls- oder Triebstoß, der von 6 zu 6 Stunden sich wiederholt, werden die verschiedenartigsten Erhaltungssäfte des Erdinnern in alle Teile des Erdkörpers getrieben, und es bedarf da keiner zweiten, vierten oder fünften anderartigen Triebkraft; da hängen demnach alle Erscheinungen als Erdkörper-Lebensprozeß von dieser alleinigen Triebkraft ab.

3. Flut und Ebbe und sonstige Erhöhungen der äußeren Erdrinde, wie auch die davon abgeleiteten Winde haben alle da ihren Ursprung; denn dieses Herz der Erde vertritt zugleich auch die Stelle der Lunge im tierischen Körper, woraus dann erklärlich ist, daß sowohl die regelmäßigen als auch die unregelmäßigen Ausdehnungen und Wiederzusammenschrumpfungen des Erdkörpers lediglich daher rühren.

4. Um aber dieses allgemein Vorausgeschickte desto gründlicher zu fassen, wird es sonach notwendig sein, den inneren Erdbau so viel als möglich in der Kürze zu durchblicken, um durch dieses Bild zu jener Anschauung zu gelangen, wie von dem einen Hauptschwerpunkte sowohl in dem Erdkörper selbst, wie auch in den tierischen Körpern die zahllosen anderen Nebenschwerpunkte in die gleiche Bewegung gesetzt werden.

5. Wie sieht demnach der innere Bau der Erde aus?

6. Um diesen einigermaßen gründlich zu beschauen, muß vorerst das aufgefaßt werden, wie nicht nur die Erde, sondern sogar ein jedes Gewächs, eine jede Frucht am Baume, sowie jedes Tier und endlich der Mensch selbst sich körperlich gewisserart in drei Körper in sich selbst absondert.

7. Gehen wir zu einem Baume. Was ist wohl das erste, das wir an ihm entdecken? Es ist die Rinde, die sich wieder in sich selbst absondert in die äußere, tote und in die innere, lebendige Rinde, Splint genannt; das ist der erste Baum. Der zweite Baum, von dem ersten ganz verschieden, ist das eigentliche feste Holz, eine Kombination von zahllosen Röhrchen, die da nebeneinander in der schönsten Ordnung fortlaufen. Das ist der zweite Baum. Der dritte oder der innerste Baum ist der Kern, gewöhnlich eine weitere Röhre, die durchaus mit einem schwammartigen Zellengewebe angefüllt ist, welche Zellen die Säfte aus der Erde vorerst einsaugen, in sich läutern und dann durch ihre extensive und kompressive Kraft in alle die zahllosen Organe des anderen Baumes hinaustreiben.

8. Auf diese Weise habt ihr nun bei einem Baume drei Bäume gesehen.

9. Betrachten wir eine Frucht am Baume. Was entdecken wir zuerst z.B. bei einer Nuß, Kastanie, Eichel, kurz bei was immer für einer Frucht? Das erste ist die Rinde, die ebenso wie die Baumrinde zweifach ist. Dann kommt die Schutzschale als der zweite Teil der Frucht, der gewöhnlich der festeste ist. Hinter dieser Schale ist erst der dritte und Hauptteil der Frucht vorhanden, in welchem Teile erst das Herz oder die Keimhülse wirkend rastet.

10. Gehen wir zu einem Tiere. Das erste an den Tieren ist für jedermann ersichtlich die Haut als das erste Tier, welche ausgestopft die ganze Gestalt des Tieres zur Schau stellt. Innerhalb der oft mehrfachen Haut ist das feste Gerippe mit einer muskulösen und teils knorpeligen Fleischmasse aneinander gebunden und gefestet, gleich der harten Schale bei einer Nuß, oder wie bei einem jeden Kopfe die Hirnschale. Das ist das zweite Tier, auch Knochentier genannt. Innerhalb dieses Tieres sind dessen Eingeweide, als: Lunge, Leber, Milz, Gedärme, und in diesen edleren Teilen des Tieres das lebenerzeugende Herz selbst; das ist eben wieder das dritte Tier, durch welches die beiden äußeren ihre Nahrung und Belebung erhalten, und zwar durch zahllose Organe und Gefäße, die von dem inneren Tiere in die zwei äußeren ausgehen.

11. Dasselbe Verhältnis findet ihr bei eurem Körperbaue selbst. Wollt ihr es noch deutlicher sehen, so nehmet ein Ei zur Hand, da werdet ihr wieder dasselbe finden. Kurz und gut, ihr möget von allen Gewächsen nehmen, das welche ihr wollt, und dessen Früchte oder Samen betrachten, wie ihr nur immer wollt, ebenso möget ihr das ganze Reich der Tiere durchgehen, und ihr werdet überall ein und dasselbe Verhältnis finden.

12. Warum aber ist dieses Verhältnis also gleichartig? Die Antwort darauf ist sehr leicht, und es ergibt sich aus derselben jener sehr beschauliche Grund, aus welchem Kinder ihren Eltern gleichen und die Früchte den Samenkörnern, aus denen sie wieder als Samenkörner zum Vorschein kommen, wie da z.B. das Weizenkorn ein Same ist, welches in die Erde gestreut wieder gleiche Samenkörner als Frucht zum Vorschein bringt. Also trägt auch alles organische, mehr oder weniger belebte Körperwesen auf der Erdoberfläche den Typus des Erdkörpers selbst.

13. Auch bei dem Erdkörper ist das Äußere gewisserart die tote Rinde, innerhalb welcher eine schon mehr lebendige und fühlbare Rinde sich befindet. Wie aber gleichsam die Rinde bei einem Baume, wennschon manchmal sehr zerklüftet, aber dennoch nicht so ganz tot ist, daß sie nicht vermöchte den auf ihr zum Vorschein kommenden Moospflänzchen eine genügende Nahrung zu verschaffen, und wie auch die äußere Haut bei den Tieren nicht also tot ist, daß durch sie nicht zahllose Haare und Härchen, und nicht selten auch Schmarotzertierchen ihre genügende Nahrung zu bekommen vermöchten, ebenalso ist auch die äußere, nur unter gewissen Bedingungen tote oder vielmehr unfühlbare Erdrinde nicht so ganz tot, daß durch sie alle zahllosen Gewächse und Tiere nicht die ihnen zusagende Nahrung zu bekommen vermöchten.

14. Innerhalb dieser äußeren Erdrinde, die bei zwanzig deutsche Meilen, mitunter wohl auch weniger dick ist, fängt die zweite Erde an. Das ist der eigentliche festeste Teil des Erdkörpers, freilich wohl nicht allenthalben gleichfest, aber dessenungeachtet noch überall fest genug, um die über sie ausgebreitete äußere Erdrinde mit der größten Leichtigkeit zu tragen.

15. Innerhalb dieser zweiten Erde ist endlich der eigentlich lebendige Teil des Erdkörpers oder das Eingeweide desselben, in welchem Eingeweide erst so ganz eigentlich das Herz des Erdkörpers sich befindet.

16. Wie aber nun diese drei Erden miteinander verbunden sind, wie durch sie die innere Herzenstriebkraft wirkt, das werden wir in der nächsten Darstellung näher besprechen.

T1.6. Von den Schwerpunkten und den Säften der Erde.

5. Januar 1847

1. Wenn ihr es vermöchtet, mit gleich einem starken Mikroskope vergrößernden Augen einen Baumstamm von dessen Kern bis zur Außenrinde mit einem Male zu durchblicken und so auch von der untersten Wurzelfaser bis hinauf zur äußersten Knospenspitze, so würdet ihr da neben den aufsteigenden Röhren, welche mit zahllosen Pumpen, Schlußklappen und Öffnungsventilen versehen sind, noch eine Menge kleinerer Querorgane entdecken, welche vom Kern des Baumes bis zur äußersten Rinde in den mannigfaltigsten Windungen und Krümmungen sich erstrecken und allenthalben, wo sie durch eine aufsteigende Röhre gehen, mit einer elastischen Klappenöffnung versehen sind. Alle diese Pumpen, Klappen, Ventile sind gewisserart sonderheitliche Schwerpunkte, durch welche das Lebensprinzip in den ganzen Baum verteilt wird, und alle diese Haupt- und Seitenröhren oder die euch bekannten drei Bäume sind verbunden durch die bezeichneten Querröhrchen, die sich vom Marke bis zur Rinde hinaus erstrecken. Durch diese wirkt dann das Hauptlebensprinzip des Baumes, oder gewisserart das Herz desselben, in alle Teile des eben bezeichneten Baumes.

2. Wir haben schon einmal oben angedeutet, daß neben dem Hauptschwerpunkte noch eine Menge anderer, kleinerer Schwerpunkte in der Materie vorhanden sind, jedoch das „Wo“ zur deutlichen Erklärung für die Folge vorbehalten. Eben hier aber ist der Punkt und der rechte Platz, wo sich eben dieses „Wo“ der Nebenschwerpunkte auf eine sehr beschauliche Weise bestimmen läßt. Soviel wissen wir nun schon aus dieser Mitteilung, daß der Schwerpunkt in der organischen Materie der eigentliche, dieselbe belebende Wirkungspunkt ist; ist das aber unwidersprechlich der Fall, so ist gewisserart auf jedem Platze in der Materie eben auch ein kleiner Nebenschwer- oder Wirkungspunkt, wo eben die oben besprochenen Querorgane die aufsteigenden Organe gewisserart durchbohren und in den aufsteigenden Organen eben auf dem Durchgangspunkte eine besondere Wirkung hervorbringen, was sich jemand auch durch andere Behelfe bildlich vorstellen kann.

3. Man lege z. B nur zwei Hölzer quer übereinander, so wird bei diesen Hölzern sicher auf dem Punkte, wo sie sich berühren, eine leicht wahrnehmbare Wirkung entstehen; nämlich das untere Stück des Querholzes wird im Augenblicke der Berührung des obenauf liegenden Stückes dessen Gewicht mit dem seinen vereinen. Will nun jemand den unteren Querbalken aufheben, so hat er es nicht nur mit dessen eigenem Gewichte, sondern auch mit dem Gewichte des querüber liegenden Balkens zu tun, aus welcher Erscheinung klar und deutlich hervorgeht, daß dieser neue Berührungspunkt eine offenbare Gewichtsveränderung in dem unter ihm liegenden Balken und somit einen neuen Schwerpunkt zuwege gebracht hat. Wird das obenliegende Querholz gar mit dem untenliegenden entweder mittelst Band oder Heftnagel gefestigt, so haben beide Teile ihre Schwere verändert, weil ein jeder das Gewicht des andern durch eben diesen Berührungspunkt annimmt.

4. Durch dieses Beispiel habt ihr schon einen kleinen Begriff bekommen, wie gewisse Berührungspunkte der Materie auf dieselbe wirken.

5. Hier war bloß von einer Gewichtsveränderung die Rede, welche allerdings auch eine bedeutende Veränderung ist, weil dadurch ein Doppelgewicht von diesen zwei Körpern in ein potenziertes verwandelt wird. Gehen wir aber zu einem andern Beispiele:

6. Stellt euch eine Wasserleitung vor, bei der es sich auf einem Punkte handelt, daß zwei Wasserleitungsröhren, in denen das Wasser von einem Bassin auf zwei Punkte hingeleitet werden muß, sich durchbrechen müssen. Ein Wasserstrahl muß da gewisserart durch den andern; dadurch aber hemmt auf dem Durchschneidungspunkte ein Wasserstrahl den andern. Über diesen durchschneidenden Hemmungspunkt hinaus geht dann das Wasser wieder seinen ordentlichen Weg fort, so wie es bis zu diesem Punkte her gegangen ist.

7. Was wohl wird dieser Hemmungspunkt für Erscheinungen bieten? – Es wird das Wasser beider Röhren sich erst wirbelnd vereinen, und aus diesem Wirbel wird dann das vereinte Wasser in die beiden, weiter fortgesetzten Röhren dringen, was noch dadurch ersichtlicher und begreiflicher würde, so die eine Röhre Wasser und die andere Wein leitete. Bis zu diesem Punkte würde sicher jedermann aus der einen Röhre Wein und aus der anderen Wasser bekommen; über diesen Punkt hinaus aber wird dann jede Röhre gleich einen gewässerten Wein führen.

8. Sehet, aus dem Beispiele geht schon eine bedeutend merklichere Wirkung hervor, welche durch diesen Durchgangspunkt, der sonach ein Nebenschwerpunkt ist, hervorgebracht wird. Etwas Ähnliches bewirken aber eben auch in einem Baume die Querröhrchen in den Punkten, wo sie die aufsteigenden Röhrchen durchschneiden.

9. Nachdem wir dieses Beispiel, das schon deutlicher als das erste ist, genau durchschaut haben, wollen wir noch zu einem dritten, ähnlichen, aber zusammengesetzteren schreiten.

10. Stellet euch wieder eine Wasserleitung vor, bei der aber auf einem Punkte sich eine Anzahl von etwa zehn, oder noch darüber, Röhren strahlenförmig durchschneiden möchten. Wenn in einer jeden Röhre nur Wasser geleitet würde, so würde sich das Wasser in diesem Röhrenvereinigungspunkte durch eine starke Wirbelbewegung vermengen und so erst von da weiter in die weiteren Ableitungsröhren als gemengt fortdringen, so daß jeder am Ende einer jeden Röhre gewisserart ein zehn- oder mehrfach gemengtes Wasser bekäme.

11. Um diese aber wieder deutlicher zu erkennen, lassen wir durch jede Vor- oder Einleitungsröhre eine ganz andere Flüssigkeit leiten, wie z.B. durch die eine wohl Brunnenwasser, durch die zweite einen Sauerbrunnen, durch die dritte Wein, durch die vierte Bier, durch die fünfte Milch, durch die sechste Essig, durch die siebente Spiritus, durch die achte Oel, durch die neunte Lauge und durch die zehnte gar Met. Bis zu dem vereinigten Durchgangspunkte wird ein jeder, so er die Röhre öffnen würde, die ursprüngliche Flüssigkeit erhalten; nach dem Vereinigungspunkte aber wird jede Fortleitungsröhre ganz sicher ein Gemenge von allen obgenannten zehn Flüssigkeiten haben und sicher kein lauteres Aussehen mehr besitzen.

12. Sehet, solche nun beschriebene kleine Aquädukte hat unser Baum in zahlloser Menge, und je weiter gegen die Rinde hinaus, desto vielfältiger diese Leitungskanäle, und auch desto mehrstrahliger in einem Punkte; daher gewöhnlich die Rinde eines Baumes ein ähnlicher Flüssigkeitsgemenge-Auswurf ist, und man findet in der Rinde das Schwammartige des Kernes, das Faserartige des Holzes, wie noch eine Menge anderer Bestandteile untereinandergemengt, die im inneren Baume mehr abgesondert in den verschiedenartigen Röhren aufsteigen und ihren speziellen Zweck entweder in der Bildung eines oder des anderen Teiles am Baume erreichen.

13. Nun, da haben wir wieder einen noch klarer vor uns stehenden Nebenschwerpunkt, durch den die frühere Beschaffenheit der Lebenssäfte eines Körpers in eine ganz andere übergeht und auch wieder ganz eigene Effekte zuwege bringt, was auch bei einem quer durchschnittenen Baume eben nicht schwer zu erschauen ist.

14. Diese verschiedenen Ringe, die euch unter dem Namen „die Jahre“ bekannt sind, und der zwischen ihnen liegende weichere und weißere Splint, wie auch vom Zentrum bis zur Rinde hinausgehende Strahlen bezeugen hinreichend die Wirkung obbeschriebener kleinen Nebenschwerpunkte, was freilich lauter Nachwirkungen sind von einer hauptbelebenden Wirkung, welche sich ungefähr dort in dem Baume befindet, wo aus allen Wurzeln und Wurzen die Kerne in den Hauptkern des Stammes einmünden, allwo denn auch der Hauptschwerpunkt oder das gewöhnliche Herz des Baumes seinen Sitz hat, dessen Verletzung dem Baume auch unrettbar den Tod bringt.

15. Wie ihr aber jetzt bei dem Baume gesehen habt, daß in ihm die schon bekanntgestellten drei Bäume durch diese verschiedenen Kanäle verbunden sind, und wie da die verschiedenen Wirkungen hervorgebracht werden, eben also ist es auch bei unserem Erdkörper der Fall; nur natürlich in einem verhältnismäßig größeren und ausgedehnteren Verhältnisse, was wieder leicht zu begreifen ist, weil die Erde doch sicher ein größerer Körper ist als ein Baum.

16. Wie aber bei einem Baume aus dessen Herzen zahllose Kanäle aufsteigen, und wie von dem Kerne des Baumes, der gewisserart eine Fortsetzung des Baumherzens ist, eben wieder eine Menge noch kleinerer Querröhrchen auslaufen und die aufsteigenden Kanäle, besonders gegen die Rinde hinaus, stets vielfältiger und durchkreuzter durchbrechen, eben also ist es auch bei dem Erdkörper der Fall: Je näher beim Herzen desselben die Organe liegen, desto größer sind sie; je weiter davon, desto kleiner werden sie, aber auch desto bis ins Unendliche verzweigter.

17. Aus dieser möglichst klaren Darstellung aber könnt ihr nun auch begreifen und sicher recht gut einsehen, wie die schon bekanntgegebenen drei Erden in einer miteinander verbunden sind, und wie der Hauptschwerpunkt der Erde durch die zahllosen Kanäle und durch die sich häufigere Durchschneidung derselben bis zur Oberfläche herauf wirkt, und wie gestaltig die sogenannten Nebenschwerpunkte beschaffen und eingerichtet sind.

18. Ich höre aber soeben, wie nach der Durchlesung dieser Zeilen jemand fragt: „Das ist richtig, und man kann dagegen nichts einwenden; aber woher nimmt denn das Erdherz alle die verschiedenartigen Säfte, die es ursprünglich in einzelnen größeren Kanälen fortleitet und sie erst dann bei den Durchschnittspunkten in eine zweite, gemischte Substanz verwandelt, und das – je weiter gegen die Oberfläche herauf, desto gemischter?“

19. Da, Meine Lieben, muß Ich euch diese Lehre geben:

20. Auch ein Baum saugt nichts als Regentropfen und den Tau der Erde durch seine Wurzelfasern ein; aber in seinem Herzen und Magen zugleich habe Ich schon Meine wohlkonditionierten Chemiker hingestellt, die diese eingesogenen Säfte gehörig zu sondieren und gewisserart wohl zu richten verstehen, und das zwar auf eine Art und Weise, wie solche nie auch ein allergelehrtester Chemiker erforschen und erkennen wird.

21. Eben also ist das auch mit den inneren Säften der Erde der Fall. Mögen sie in noch so einfacher Substanz in dasselbe Erdherz aufgenommen werden, so werden sie aber von den daselbst angestellten Hauptchemikern dennoch so sorgfältig geschieden und in dem gerechtesten Maße in die entsprechenden Fortleitungskanäle eingeleitet und fortgeführt, daß da nicht ein Tropfen zu viel oder zu wenig von einer oder der andern Substanz zu seiner Bestimmung gelangt.

22. Wie aber solches geschieht, kann auf dem naturmäßigen Wege niemals erörtert werden, wohl aber auf dem geistigen, auf den wir aber erst später hinauskommen werden; daher solle auch da niemand albernerweise fragen: Was sind diese Ursubstanzen in naturmäßiger Hinsicht für ein Material?“, und solle auch niemand auf Kohlen- und Sauerstoff und auf was noch für allerlei Stoffwerk raten; denn wenn es sich um Substanzen handelt, da gibt es wenig Stoffartiges dabei. So ist auch die Seele der Tiere sowie des Menschen eine Substanz, und es gibt da wenig Kohlen- und Sauerstoff dabei.

23. Da wir aber nun die Erde insoweit schon beschaut haben, daß wir nun wissen, wie deren innerer Bau im allgemeinen beschaffen ist, so wollen wir nun eben diesen Bau in der Folge mehr, insoweit es nötig ist, speziell betrachten, oder wir wollen die inneren Gemächer des Erdkörpers mit dem geistigen Auge gewisserart durchwandern und uns in jeder der vorerwähnten drei Erden überall ein wenig aufhalten, wo es etwas besonders Denkwürdiges zu beschauen gibt.

T1.7. Ernährung und Rotation der Erde.

11. Januar 1847

1. Da die Erde gewisserart ein organischer großartiger Tierkörper ist, so muß er als solcher, um fortbestehen zu können, Nahrung zu sich nehmen; um aber Nahrung zu sich zu nehmen, werden – wie bei jedem Tiere – oder wie selbst bei jeder Pflanze, entweder ein Mund oder auch mehrere Freß- oder Saugrüssel erforderlich. Gewisse Tiere, wie z. B die Polypen und noch andere dergleichen haben eine Menge solcher Saug- und Freßrüssel. Ein Saugrüssel unterscheidet sich von einem sogenannten Freßrüssel dadurch, daß der Saugrüssel bloß nur rein flüssige Substanzen in sich aufnimmt und sie zur weiteren Ernährung des tierischen Leibes in die gehörigen Verdauungsorgane leitet; ein Freßrüssel aber nimmt auch Körper, als allerlei Insekten, auch gewisse kleine Wurzelpflanzen in sich auf, zerquetscht diese durch seine sich aneinander reibenden festen Muskeln und führt sie dann erst also zermalmt in die weiteren Verdauungsorgane.

2. Dasselbe ist auch mit allen Pflanzen, Bäumen und Gesträuchen mehr oder weniger der Fall, da besonders ihre Wurzeln nichts als polypenartige Saugrüssel sind; ihre Blüten und namentlich die Staubfäden in denselben sind größtenteils als Freßrüssel zu betrachten, die, wennschon auf kurze Zeit, die befruchteten Blütenstaubeierchen in sich aufnehmen, sie alsbald zerquetschen und so den befruchteten Saft zur Belebung und ersten Ernährung der werdenden Frucht leiten. Zugleich aber hat noch jeder tierische sowohl als auch planetarische Körper eine Menge kleiner Saugspitzen auf sich, die durch ihre Beschaffenheit passendst geeignet sind, den elektrischen und ätherischen Lebensstoff aus der freien Luft in sich einzusaugen.

3. Da aber alle diese Dinge, als Tiere und Pflanzen, kleinähnlich-typische Hervorbringungen des Erdkörpers sind, so versteht es sich schon wie von selbst, daß bei dem Erdkörper alles dieses in der größten Fülle anzutreffen sein muß. Die Erde hat demnach, wie jedes Tier, einen ganz ihrem Wesen angemessenen Hauptmund, durch den sie auch die Hauptnahrung in sich aufnimmt; neben diesem Hauptmunde aber hat sie auch noch allenthalben eine zahllose Menge größerer und kleinerer Saug- und Freßrüssel, wo im Gegenteile sie dann eben wieder einen entsprechenden Hauptentleerungskanal, und neben dem auch noch eine zahllose Menge kleinerer Entleerungskanäle hat.

4. Wir werden, um bei dieser Sache nicht unnötig zu weitläufig zu werden, uns vorerst zur Beschauung an den Hauptmund und an den entsprechenden Hauptentleerungskanal machen, weil dieser auf die rotierende Bewegung der Erde den Haupteinfluß übt. Was aber ferner die zahllosen kleinen Ernährungs- und Ableitungsmünde oder Kanäle betrifft, das werden wir bloß einer kurzen allgemeinen Betrachtung unterziehen; und sonach gehen wir zu dem Hauptmunde über.

5. Der Nordpol ist des Erdkörpers Hauptnährmund, wie der Südpol dessen entsprechender Hauptentleerungskanal.

6. Wie sieht denn dieser Mund aus? Er ist ziemlich groß; sein Durchmesser am äußersten Rande, wo die Einmündung trichterförmig beginnt, hat ein Maß im Durchschnitte zwischen 20 und 30 Meilen, beengt sich aber am Ende bis auf eine Achtelmeile, in welcher Weite dann dieser Schlund bis zum Magen des Erdkörpers fortgeht, und zwar in ziemlich gerader Richtung. Die Wände dieses Schlundes sind jedoch sehr uneben und sehen sehr rissig und mitunter große Strecken fortlaufend also spitzig oder vielmehr mit Spitzen besetzt aus, als ob sie mit der Haut eines Riesenigels überzogen wären.

7. Der Magen der Erde ist gleich unter dem Herzen, so ziemlich in der Mitte des Erdkörpers. Dieser ist ein bei zehn Quadratmeilen in sich fassender hohler Raum, den aber jedoch allerlei kleinere und größere Querstreifen, manche im Durchmesser von 200 Klaftern, gewisserart säulenförmig nach allen Richtungen hin zum Teil ausdehnen und zum Teil unterstützen. Dieser Magen und diese im selben befindlichen Querstützen, die das Aussehen von ovalen Streifen, auch ovalen Säulen in obbesagtem Durchmesser haben, sind nicht von einer festen Masse, sondern sie sind ungefähr von der nämlichen Beschaffenheit als wie ein großer Gummielastikumbeutel, dessen innere Wände gegenseitig mit der gleichen Masse ausgepolzt wären, damit sie nicht über einander gedrückt werden mögen durch eine von außen auf sie einwirkende Schwerkraft.

8. Von diesem nun beschriebenen Magen geht dann ein schraubenartig gewundener Hauptkanal durch den ganzen Erdkörper hindurch und mündet dann im Südpole aus und ist von gleicher Materie wie der Magen; nur wird er gegen die Ausmündung verhältnismäßig fester und fester.

9. Daß von diesem Hauptmagen der Erde und von deren Hauptentleerungskanale zahllose Nährkanäle und Gefäße auslaufen, braucht kaum erwähnt zu werden, nachdem sich solches wohl von selbst versteht. Und so hätten wir nun den Mund, den Magen und den Entleerungskanal der Erde beschaut, und das so gut, wie es bei diesem großen Gegenstande in möglichster Kürze nur immer tunlich ist.

10. Aber da wir nun dieses kennen, nämlich Mund, Magen und Entleerungskanal, so fragt es sich nun um das Futter, womit die Erde durch diesen Mund gespeist wird; und weil das der Hauptmund ist, so handelt es sich hier auch um das Hauptfutter. Worin besteht dieses, und woher kommt es?

11. Wer je die Gelegenheit hatte, sehr tief nach Norden auf der Oberfläche der Erde fortzukommen und dabei aber auch Kenntnisse im Reiche der Natur besitzt, der wird in dieser höchsten Polargegend so manche Erscheinungen entdecken, die er sonst auf der Erdoberfläche wohl nirgends antreffen dürfte. Fürs erste eine sehr kalte Luftregion, welche besonders zur Winterszeit einen für eure Instrumente kaum meßbaren hohen Grad erreicht. Mit dieser schweren und kalten Luft wird sich eine stets dichter werdende Dunstmasse vereinen, welche gegen den Nordpol hin, besonders um die winterliche Zeit, von zahllosen sternschnuppenartigen Lichtknäueln durchzischt wird; dabei aber wird er auch noch um den weiten Polrand eine ungeheure dammartige Anhäufung von Schneekristallen und mitunter auch von ganzen mehrere Klafter hohen Eisspitzen antreffen.

12. Sehet, da haben wir das Futter schon; dieses alles zieht dieser magnetische Erdmund mit großer Kraft in sich und leitet es in den großen Magen, an dessen Wänden und Querspreizen oder Stützen sich dann dieses Futter kristallartig ansetzt; und wenn der Magen gewisserart gefüllt ist, so tritt dann die Wärme des Erdherzens hinzu, setzt diese großen Magenwände in eine vibrierende Bewegung, und die inneren Querspreizen des Magens ziehen sich dann auch bald enger zusammen und dehnen sich auch bald wieder weit aus. Dadurch wird nun diese Kost gerieben, zermalmt und durch diese Aktion ein neuer elektrischer Stoff gewonnen, der in dem Magen die nahrhaften Wasserteile zersetzt und sie in die zahllosen Nährkanäle ableitet, während dann ein ausgeschiedener, negativ elektrischer Strom die unverdaulichen Überreste in dem Magen ergreift und sie dann durch den schraubenartig gewundenen Entleerungskanal mit großer Gewalt forttreibt, auf welchem Wege diese exkrementarischen Nährteile, zufolge fortwährender mächtiger Reibung, noch die letzten Reste ihrer erdernährenden Substanz abgeben müssen, aus welchem Grunde denn auch der nördliche Teil der Erde viel kompakter ist als der südliche, weil auf diesen letzteren auch zumeist die letzten und schlechtesten Nahrungsteile kommen.

13. Durch den endlichen Abtrieb der letzten Exkremente der Erde wird auch die Rotation des Erdkörpers bewerkstelligt, und zwar dadurch, daß diese freilich sehr luftig aussehenden Exkremente in der gewundenen Richtung hinaus auf den freien Äther stoßen und der Erde dergestaltig einen Rollschwung geben, wie eine Rakete, die um ein Rad gewunden ist, das Rad in Bewegung setzt, wenn sie angezündet wird, und das aus dem Grunde, weil die aus der Rakete entweichende Luft so heftig ist, daß ihr die äußere Luft nicht in gleich schnellem Grade ausweichen oder Platz machen kann, wodurch dann zwischen der ausströmenden Luft aus der Rakete und der äußeren Luft eine ununterbrochene Drucksäule gebildet wird, die das Rad, auf dem die Rakete befestigt ist, in den notwendigen Umschwung bringt, – so wie eine sogenannte Steigrakete eben eine ähnliche unter ihr schnell wachsende Luftsäule in die Höhe trägt.

14. Aus diesem leicht faßlichen Beispiele könnet ihr nun auch ziemlich leicht ersehen, wie die tägliche Rotation der Erde durch ihren eigenen ganz natürlichen Mechanismus hervorgebracht und fortwährend gleichmäßig unterstützt wird. Und so hätten wir damit auch einen der wichtigsten Plätze des Erdinnern beschaut, und zwar in der Kürze so richtig und gut wie möglich. Auf gleiche Weise werden wir nächstens uns einen anderen nicht minder wichtigen Platz aussuchen und in ihm eine kurze Zeit betrachtend verweilen.

T1.8. Lunge und Atmung der Erde.

12. Januar 1847

1. Ihr wisset, daß zum physischen Leben nicht nur allein das Herz und der Magen, sondern auch eine Lunge notwendig ist. Jedes Tier hat ein solches Atmungswerk in sich; auch Bäume und Pflanzen müssen solche Transpirationsorgane haben, durch die sie binnen 24 Stunden ein- und ausatmen.

2. Das Atemholen des Erdkörpers verspürt jedermann leicht an den Gestaden des Meeres, so er das Meer regelmäßig anschwellen und wieder zurücksinken sieht. So aber nun einmal eine solche äußere Erscheinung vorhanden ist, da kann doch auch jedermann mit Sicherheit schließen, daß sie nur von einem inneren Grunde, nie aber von einem äußeren herrühren kann.

3. Wer dieses nicht völlig fassen sollte, dem stellet eine Wanne mit Wasser vor, wie Ich euch schon bei einer anderen Gelegenheit gezeigt habe; hänget über der Wanne Wassers etwa in einer Entfernung von 5 Klaftern eine bedeutend große Kugel auf, und diese Kugel soll noch obendrauf aus Magneteisen bestehen, bringet dann diese Kugel über der Wanne Wassers in einen Umschwung und betrachtet dann das Wasser in der Wanne, ob es sich irgend rühren werde. Ihr könnt völlig versichert sein, daß darum das Wasser ganz in der völligen Ruhe verbleiben wird. – Nun lege sich aber jemand in das Wasser hinein und atme darin wie gewöhnlich, und jeder Betrachter wird sich überzeugen, daß bei jedem Atemzuge das Wasser in der Wanne etwas steigen und beim Ausstoßen des Atems wieder fallen wird. Was wir hier im kleinen sehen können, das geschieht beim Erdkörper im großen:

4. Die Erde zieht die Luft in sich, da dehnt sich die weichere Bauchgegend der Erde, die gewöhnlich vom Meere bedeckt ist, mehr aus, und das über ihr befindliche Meerwasser steigt auf den festen Ufern höher; stößt die Erde, oder vielmehr ihre Lunge, den Atem wieder aus, dann sinkt der Bauch wieder tiefer hinab, und das Meerwasser tritt von den festeren Ufern ebenfalls wieder zurück.

5. Dieses mußte darum vorher erwähnt werden, auf daß ihr einsehet, daß die Erde atme, und daß sie zu dem Behufe auch natürlicherweise ihre Atmungswerkzeuge haben muß, welche Werkzeuge, wie noch einige andere, als Eingeweide der Erde alsonach die innere Erde ausmachen.

6. Nun fragt es sich: Wo befindet sich diese Erdlunge, wo holt sie ihren Atem ein, und wo stößt sie ihn auch wieder aus? Und endlich: Wie sieht diese Lunge aus?

7. Diese Erdlunge, die wohl einen kubischen Inhalt von tausend Kubikmeilen hat, befindet sich zunächst unter der harten und festen Erde und begrenzt eine Fläche von etwas mehr als 5000 Quadratmeilen. Diese Lunge ist ein großartiges Zellengeflecht, innerhalb welchen Geflechtes sich eine Menge Hohlkammern befinden, welche durch kleinere und größere Röhren miteinander verbunden sind. Diese Röhren haben zwei Eigenschaften: erstens die Luft in die Kammern zu führen und wieder abzuleiten, und zweitens können diese Röhren sich vermöge ihrer fühlbaren Elastizität, wie Muskeln oder Sehnadern bei den Tieren, zusammenziehen und wieder ausdehnen, welche Zusammenziehung und Ausdehnung durch den steten Polarwechsel oder durch die Verwandlung des positiven in den negativen Pol bewirkt wird, welche Verwandlung lediglich in der seelischen Substanz begründet liegt, ohne welche Verwandlung keine freie Bewegung in den Körpern denkbar wäre.

8. Wenn sich nun diese Röhren ausdehnen, so werden die Kammern beengt oder gewisserart mehr zusammengedrückt; dadurch geschieht das Ausstoßen der Luft. Ziehen sich die Röhren wieder näher zusammen, so dehnen sich natürlich die Kammern wieder weiter aus, wodurch dann das Einatmen bewerkstelligt wird.

9. Die Verkehrung der Polarität wird – so viel möglich, als es nur physischerweise erklärbar ist – dadurch bewirkt, daß, sobald die Seele den Lebensstoff aus der eingeatmeten Luft in ihre belebende Substanz aufgenommen hat, in der Lunge nur die Stickluft zurückbleibt und das bewirkt, daß der vormals beim Akte des Einatmens positive Pol alsbald in den negativen verwandelt wird, weil er mit der Stickluft in keiner Korrespondenz steht.

10. Auf diese Weise tritt dann alsbald die Zusammenziehung der Röhren ein, und es wird alsbald wieder eine neue Luft eingeatmet, wo dann natürlich wieder während des Einatmens der negative Pol positiv wird, und so umgekehrt.

11. Nun wüßten wir, wie das Atmungsgeschäft der Erde vor sich geht, und wo die Lunge ist. Wo atmet sie aber ein, und wo aus? Das tut die Erde auf dieselbe Weise wie das Tier; nämlich das Tier atmet durch Mund und Nase, sowie auch der Mensch; desgleichen auch die Erde. Durch denselben Hauptmund, durch den sie die Nahrung einnimmt, zieht sie auch den Atem ein; nur auf dem halben Wege geht von dieser Hauptmündung eine Seitenmündung, welche sich, so wie beim Tiere, beliebig öffnen und schließen kann. Diese große Seitenmündung führt in die große Lunge; von je 6 zu 6 Stunden wird da einmal eingeatmet und nach 6 Stunden wieder ausgeatmet. Während des Einatmens schließt sich der Nährschlund in den Magen; wenn eine gehörige Portion Luft einmal eingeatmet ist, schließt sich wie durch einen Kehlkopf die Lungenröhre, – dafür aber wird der Speiseschlund wieder geöffnet. Wird die Luft von der Lunge wieder hinausgestoßen, so schließt sich wieder der Nährschlund, und so ist diese Sache so eingerichtet, daß die Erde wohl durch die Lunge in obbemeldeten Perioden fortwährend genährt wird, aber durch den eigentlichen Nährschlund in den Magen nur von 12 zu 12 Stunden, und in der Zeit die Nahrung zu sich nimmt, in welcher die Lunge die eingesogene Luft in sich gewisserart chemisch zerlegt und den Lebensstoff zerteilt; und so kann man diese Bestimmung annehmen, daß die Erde in 24 Stunden zweimal ein- und zweimal ausatmet und dabei aber nur zweimal die Nahrung in den Magen aufnimmt.

12. Nun wüßten wir denn auch, wo und wie die Erde ein- und ausatmet und haben daher bloß nur einen Blick zu tun, wie allenfalls diese Lunge der Gestalt nach aussieht.

13. Die Gestalt der Erdlunge euch so recht anschaulich vor die Augen zu stellen, wird etwas schwer sein, außer ihr könntet je irgend einmal die Lunge eines Elefanten zu Gesichte bekommen; noch deutlicher und ähnlicher wäre die Lunge eines Mamelhuds, aber diese zu Gesichte zu bekommen, wäre in dieser Zeit fast ganz unmöglich, da dieses Tier gänzlich ausgestorben ist. Es gibt zwar wohl noch eine ähnliche Gattung in Mittelasiens Urwäldern; allein diese ist sehr verkümmert gegen die frühere Riesenart, und somit ist die Lunge eines Elefanten noch das Ähnlichste, die bei einem ausgewachsenen so groß ist, daß sie mit Leichtigkeit über hundert Kubikfuß Luft fassen kann. Ihre Farbe ist bläulich-grau und ihre Gestalt nahe die von einer großen, hohlen Kokosnuß, innerhalb welcher sich aber natürlich noch das Herz, der Magen, die Leber, die Milz und die Nieren befinden müssen.

14. Stellt euch nun diese Lunge in der obbeschriebenen großen Dimension vor, so werdet ihr euch so ungefähr ein ziemlich ähnliches Bild entwerfen können. Eine nähere Beschreibung davon würde euch wenig nützen, weil ihr euch dessenungeachtet dieses große Erdatmungswerkzeug niemals auf einmal übersichtlich vorstellen könntet. Da wäre schon eine Kammer dieser Lunge zu groß, als daß ihr sie auf einmal übersehen könntet. Ebenso wäre es auch unnütz, euch den elastischen Stoff der Lunge zu detaillieren, indem ihr doch den Stoff einer tierischen Lunge nicht begreifen könnet, woraus sie verfertigt ist; um wieviel weniger würdet ihr erst den Stoff der Erdlunge begreifen! Daß sie aber Ähnlichkeit hat mit dem Stoffe der tierischen Lunge, das mag daraus ersichtlich sein, weil jede tierische Lunge, freilich in sehr verfeinertem Maßstabe, aus dieser großen Erdlunge abstammt. Woher würde man aber auch den Stoff für alle die tierischen Körperteile nehmen, wenn derselbe nicht in der Erde vorhanden wäre?

15. Die Erde muß von allem dem, was in ihr ist, auf die Oberfläche durch die zahllosen Organe transpirierend ausliefern; dieses Ausgelieferte wird zunächst von den Pflanzen und endlich von den Tieren aufgenommen und wird in ihnen wieder in das verwandelt, was es ursprünglich war. Woher auch sollte das Tier das Blut nehmen, so es nicht zuvor in der Erde vorhanden wäre? Woher sollte das Wasser kommen, wenn es nicht zuvor in der Erde wäre? Kurz und gut, der Erdkörper muß alles das in sich haben, was die auf ihm lebenden Wesen haben, so wie eine Kopflaus das nämliche, natürlich in wohlverändertem und kleinerem Maßstabe, in sich hat als wie das Tier oder auch der Mensch, der diesem kleinen Tiere ebenfalls ein Weltkörper ist.

16. Ich meine, dieses Beispiel sollte euch die Sache so ziemlich anschaulich machen; und so hätten wir nun einen zweiten großen Platz in der Erde besichtigt und wollen nächstens wieder einen andern zur Beschauung wählen.

T1.9. Die Milz der Erde.

14. Januar 1847

1. Bei jedem Tiere kommt nach der Lunge als eines der wichtigsten Eingeweide, welches der eigentliche Feuerherd in jedem tierischen Körper ist, die Milz in Betrachtung. Dieses Eingeweide ist zur Erhaltung des tierischen Lebens ebenso notwendig als wie das Herz, der Magen und die Lunge; denn ohne dieses Eingeweide würden die früheren tot in jedem tierischen Körper sein.

2. Ich sagte, es ist der Feuerherd im tierischen Körper. Der Feuerherd ist in jedem Hause zum Kochen der Speisen und zur Erwärmung der Zimmer das Notwendigste; mag er wie immer gestaltig aussehen, so muß er doch da sein und war auch schon das allererste Bedürfnis der Menschen, und die allerersten Menschen der Erde lernten auch das Feuer früher kennen als alles andere, und hätten sie es nicht gekannt, so hätten Kain und Abel keine Brandopfer opfern können.

3. Die Wichtigkeit eines solchen Feuerherdes, und was eigentlich ein solcher Feuerherd ist, mit einem Beispiele aus eurer neueren Zeit so recht armdick anschaulich zu machen, wollen wir einen Blick auf die gegenwärtig bestehenden sogenannten Lokomotiven werfen.

4. Sehet, eine solche Lokomotive ist sehr kunstvoll, nach menschlicher Weise genommen, eingerichtet. Füllen wir den Kessel mit Wasser, geben aber kein Feuer unterhalb auf den Herd, durch welches das Wasser in die treibenden Dämpfe zersetzt wird, so wird es sich sogleich zeigen, daß dieser ganze Mechanismus umsonst ist. Das Feuer ist somit die eigentliche Triebkraft; es setzt zuerst das Wasser in Dämpfe, und die Dämpfe greifen dann erst mit ihrer Kraft in den Mechanismus ein, und ein solcher Dampfwagen kommt dann in seine bekannte schnelle Bewegung.

5. Ähnliche, freilich wohl unendlich künstlichere Lokomotiven sind tierische Körper; aber ihr ganzer Mechanismus, der aus zahllosen Teilen und Organen besteht, wäre umsonst, wenn in ihm der Feuerherd mangeln würde. Erst dieser zersetzt alle die zu sich genommenen Nahrungsteile und treibt sie durch seine eigene Kraft in die Gefäße weiter, wo sie ins Blut übergehen, als solches dann erst zu dem Herzen und von diesem hinaus zu ihrer eigentlichen Bestimmung gelangen.

6. Dieser Feuerherd im tierischen Körper, Milz genannt, besteht darum auch aus einer eigenen, lockeren Masse, die in ihrem kreuz und quer durchflochtenen Zellengewebe vollkommen geeignet ist, das elektromagnetische Feuer in sich zu erzeugen und zu erhalten, und zwar dadurch zu erzeugen, daß sie durch eine beständige Reibung ihres Zellengewebes dieses elektromagnetische Feuer bewirkt und dann in ihren zahllosen, beutelartigen Gefäßen wie in kleinen elektrischen Flaschen aufbewahrt und gewisserart immer damit gesättigt ist, um dadurch in jedem Augenblicke den negativen Teil dem Magen und den positiven Teil dem Herzen zuzuführen.

7. Ich weiß es wohl, daß gar viele Ärzte und Naturkundige bis auf diesen Augenblick noch nicht wissen, was sie aus der Milz machen sollen, welches zu erfahren aber auch darum schwer ist, weil niemand ein Tier im lebendigen Zustande innerlich betrachten kann, um so die Milz zu erforschen, was sie tut. Ist aber das Tier einmal tot, so setzt das ja ohnehin schon lange früher den Tod der Milz voraus; aber nun sei es euch hiermit bekanntgegeben, was die Milz ist, und wozu sie dient.

8. Wir haben sonach aus dem ersehen, daß die Milz eines der notwendigsten Eingeweide im tierischen Körper ist, weil sie gleichsam die eigentliche Triebkraft für den ganzen tierischen Mechanismus in sich erzeugt, trägt und an die anderen Teile abgibt.

9. Wie aber sonach dieses ganz unbedeutend scheinende Eingeweide eines der wichtigsten im tierischen Körper ist, ebenso ist auch in der Erde selbst ein solches Eingeweide vorhanden, das da mit gleichem Rechte die Erdmilz genannt werden kann. Diese Erdmilz ist so wie bei den tierischen Körpern zunächst an den Magen angebracht, steht aber anderseits auch mit dem Erdherzen in der nächsten organischen Verbindung, und das darum, weil der Magen von dieser Milz seine Verdauungswärme und das Herz seine pulsierende Kraft aus diesem Haupteingeweide schöpfen muß, – so wie nicht minder auch die Tätigkeit der Lunge mehr oder weniger von diesem Eingeweidestücke herrührt, obschon die Lunge auch zur Hälfte eine ganz freie Bewegung hat, welche mit dem Willen der Seele verbunden ist, aus welchem Grunde besonders der Mensch willkürlich bald schneller, bald langsamer atmen kann.

10. Da demnach die Milz, auch in unserem Erdkörper eine der wichtigsten Belebungsrollen spielt, so ist es auch nicht mehr als billig, daß man diesem Eingeweidestücke eine ganz besondere Aufmerksamkeit spendet.

11. Um dieses aber auch also einzusehen, wollen wir in Kürze die Wirkungen unserer Erdmilz ein wenig durchschauen.

12. Sehet auf alle die feuerspeienden Berge der Erde! Sie sind freilich nur ganz unbedeutende Ausläufer dieser Hauptfeuerwerkstätte, können aber dessenungeachtet einen überzeugenden Anblick gewähren, wie es in unserer Hauptfeuerküche des Erdkörpers zugeht. – Das wäre eine Wirkung, die sich auf der Oberfläche der Erde bekundet.

13. Dann betrachten wir die zahllose Menge der siedendheißen Wasserquellen, die da ebenfalls ihre Erwärmung von diesem Haupteingeweide der Erde nehmen, wenn schon nicht unmittelbar, so doch mittelbar durch jene feurigen Organe, welche mit diesem Erdeingeweidestücke in innigster Verbindung stehen. Da hätten wir eine zweite Wirkung dieses Erdeingeweidestückes auf der Erdoberfläche.

14. Betrachten wir weiter die Wolken und Nebelgebilde und die Winde auch, die sie bewegen. Alles das ist ein Produkt dieses Erdeingeweides; denn dessen Hauptzentralfeuer dringt durch zahllose Organe der Erde hindurch und erwärmt diese in all ihren Teilen auf eine hinreichende Weise. Es dürfte jemand nur etwas über eine deutsche Meile tief in das Erdinnere dringen, und er würde sich überzeugen, wie mächtig schon hier dieser innere Erderwärmungsapparat wirkt. Wenn nun das Wasser in diese Tiefen dringt, so wird es bald in Dämpfe aufgelöst; diese blähen dann die Erdhaut auf und dringen dann entweder nach und nach als Gase oder Dämpfe durch die Poren, Klüfte und anderen Höhlungen der Erdrinde, erfüllen also die Luft und stören das Gleichgewicht derselben, woher dann die Winde ihre Entstehung nehmen; oder wenn diese innerlich gebildeten Wasserdämpfe und Gase manchmal zufolge einer Überfüllung einen gewaltsameren Ausweg nehmen, so wird dadurch wohl ein größeres oder kleineres Erdbeben bewirkt und in der Gegend des Ausbruches werden alles vernichtende Orkane, Wind- und manchmal auch Feuerhosen zutage gefördert. – Da hätten wir nun wieder eine dritte anschauliche Erscheinung auf der Erdoberfläche, die von diesem Erdeingeweidestücke herrührt.

15. Eben auf eine ähnliche Weise rührt die Bewegung des Meeres (doch nicht die Ebbe und Flut, sondern bloß jene wogende und stürmische), sowie auch alle die Strömungen des Meeres von eben diesem Eingeweide her. Auch das Gesalzensein des Meeres, was nur dadurch geschehen kann, wenn gewisse Substanzen zuvor durch das Feuer aufgelöst werden und dann als Salz zur Salzung des Meeres durch zahllose Organe heraufgetrieben werden, rührt daher. So rühren auch daher alle die meteorischen Erscheinungen, welche im Luftkreise der Erde zum Vorschein kommen, wie nicht minder auch alle Vegetationskraft der Erde. Nebst diesen gibt es noch eine zahllose Menge von Erscheinungen in und über der Erde, die alle von diesem Eingeweidestücke herrühren, mit deren sämtlicher Aufzählung hundert Schreiber in hundert Jahren nicht fertig würden. Daher wäre es hier auch eine höchst unzweckmäßige und lächerliche Arbeit, alle diese Erscheinungen sonderheitlich aufzuzählen und zu besprechen, und das um so unzweckmäßiger, weil alle diese Erscheinungen aus der späteren Betrachtung des geistigen Teiles ohnehin überaus leicht werden begriffen werden können. Daher ist es genug, daß wir hier diese Sache nur im allgemeinen berühren, obschon es anderseits eben auch niemandem gleichgültig sein darf, im voraus bei diesem sehr wichtigen Punkte sich eine etwas tiefere Information zu verschaffen, ohne welche er das Geistige eben nicht gar zu tief verstehen würde.

16. Wir haben nun einige Haupterscheinungen dieses Eingeweidestückes aufgezählt, und zwar aus dem Grunde, um dieses überaus wichtige Eingeweidestück desto tiefer würdigend zu begreifen; um es aber noch tiefer zu beschauen und zu würdigen, werden wir uns nächstens in dieses Eingeweidestück selbst wie persönlich begeben und werden in demselben eine recht zweckmäßige kleine Wanderung vornehmen und zugleich dahin unsere Aufmerksamkeit lenken, wie dieses Eingeweidestück gebaut ist, woher es sein Feuer und das Feuerungsmaterial bezieht.

T1.10. Bau der Milz und Bereitung des Blutes.

15. Januar 1847

1. Wenn ihr ein kleines Stückchen von einer tierischen Milz durch ein gutes Mikroskop beobachten würdet, so würdet ihr da eine Menge kleiner Kämmerchen entdecken, die zumeist viereckigen oder kubischen Inhaltes sind, manchmal aber auch dreieckige Pyramiden bildend; seltener sind diese Kämmerchen eiförmig rund. Diese Kämmerchen sind an den Ecken durch kleine Zylinderchen organisch verbunden; die Wände dieser Kämmerchen aber sind frei, daher auch eine Milz sehr weich und locker anzufühlen ist. Zwischen den Reihen der aneinandergebundenen Kämmerchen ziehen sich eine Menge Blutgefäße hindurch, welche Gefäße nicht aus gleichförmigen Röhren, sondern aus solchen nur bestehen, welche bald eng, bald weit sind und dem Auge sich ungefähr so darstellen als der Faden einer Kreuzspinne, wenn sie ihn mit ihren grauweißlichen Klebperlen besetzt hat; denn solches werdet ihr wohl schon gesehen haben, wie dieses Tier seinen elastischstarken Faden mit eigens kleinen Klebperlen schmückt, welche dazu dienen, daß ein Insekt im Augenblicke, als es den Faden berührt, wie ein Vogel an die Leimspindel angeklebt wird und sich nimmer davon entfernen kann.

2. Sogestaltig ist also ein Blutgefäß in der Milz beschaffen; noch faßlicher wird es für euch sein, so Ich es mit einer sehr feinen Schnur kleinster Zahlperlchen vergleiche. Dergleichen Blutgefäße gibt es durch die ganze Länge der Milz wie auch durch die Quere derselben eine überaus große Menge. Diese Blutgefäße beginnen in einem einzigen Gefäße, das mit dem Magen in Verbindung steht, und endigen wieder mit einem Hauptgefäße, das mit dem Herzen in der rechten Verbindung steht; zugleich ist dieses ganze Milzgewebe von einer zarten Haut umfaßt, durch welche die Milzkämmerchen und perlschnurartigen Blutgefäße wie dunkelrote Wärzchen hervorblicken. Da aber diese Milz bei den Tieren ein äußerst zartes Gewebe ist, so ist sie noch extra mit einem Fettnetze umgeben, damit sie erstens gesicherter ist und fürs zweite ihrer steten sich reibenden Tätigkeit wegen auch einen guten Fettstoff um sich hat, damit sie sich solcher Tätigkeit zufolge nicht irgend wehtue.

3. Nun haben wir so gut als in der Kürze möglich eine gewisserart anatomische Beschreibung der Milz vor uns, welche im toten Zustande freilich wohl eine von dieser jetzt beschriebenen sehr veränderte Form annimmt; nun müssen wir aber auch wissen, was sie hier so ganz eigentlich mit dieser ihrer Einrichtung für ein Geschäft verrichtet, und wie ihr zu diesem Geschäfte eben diese Einrichtung zweckdienlich ist.

4. Wir haben schon gehört, daß die Milz mit ihren Blutgefäßen mit dem Magen und mit dem Herzen zusammenhängt; warum das? Weil sie vom Magen die ins Blut übergehenden Säfte in sich aufnimmt, sie so ganz eigentlich ins Blut verwandelt und sie als solches an das Herz abliefert; daher kann es auch bei vollblütigen Menschen sehr leicht geschehen, daß die Milz zu überfüllt wird mit Blut – weil sie nicht alles ans Herz absetzen kann, was in ihr erzeugt wird –, daß dann das Blut, das sich in der Milz angehäuft hat, in den Magen zurücktritt und der Mensch dann das Blutbrechen bekommt. Und findet das Blut da den Ausgang nicht, so kann daraus sehr leicht eine Entzündung und mit der Zeit, was noch schlechter ist, eine Erhärtung dieses Haupteingeweides zuwege gebracht werden; daher kommt auch das häufig vorkommende Blutbrechen meistens nur von der Milz und höchst selten von der Lunge her.

5. Auf diese Weise aber hätten wir nun schon eine Verrichtung der Milz belauscht; nur fragt es sich jetzt, wie die Milz das Blut erzeugt. – Auch das wollen wir in aller Kürze beschauen.

6. Wenn der wie Eiweiß aussehende Saft aus dem Magen in die Milz übergeht, so bleibt er in diesen perlschnurartigen Blutadern gewisse Perioden hindurch sitzen und rückt nur mit jedem Pulsschlage um eine Perle weiter. Zu gleicher Zeit aber wird mit jedem Pulsschlage eine Reibung der Milzkammern gemacht. Durch diese Reibung füllen sich diese Kämmerchen mit elektrischem Feuer, welches sich gegen die Magengegend hin als positiv und gegen die Herzgegend hin als negativ darstellt; daher auch die Kämmerchen gegen die Magengegend viel mehr scharfkantig sind, während sie in der Gegend gegen das Herz hin sich mehr ins Eiförmige verlieren.

7. Durch dieses elektrische Feuer werden die Kämmerchen natürlicherweise bald sehr ausgedehnt, bald wieder sehr zusammengedrückt; und da diese Kämmerchen an den Kanten sowohl unter sich, wie auch mit einem jeden solchen Blutgefäßkügelchen durch kleine Zylinderchen in Verbindung stehen, so wird dadurch bewirkt, daß die Säfte in den Blutgefäßen stets mehr und mehr in eine kleine Gärung geraten. Durch diese Gärung scheidet sich der in ihnen noch etwas zu häufig vorhandene Kohlenstoff aus und wird dann durch die Kämmerchen teils an die Galle, teils aber auch an das Fett abgeliefert. Zugleich entstehen durch diese Gärung lauter kleine Bläschen, welche, wenn sie unter die Herrschaft der negativen Elektrizität gelangen, mehr zusammenschrumpfen und eine linsenartige Gestalt annehmen.

8. Als solche werden sie dann mit eben dieser negativen Elektrizität zur Hälfte angefüllt, bekommen dadurch eine safranartig gelbliche Farbe und treten also schon als Blut in die Herzkammer; denn das Blut ist nicht eine kontinuierliche Flüssigkeit, sondern es ist ein kleinlinsenförmiger Brei, welcher in seinen Kleinlinsen, die auf ihrer Oberfläche sehr glatt und schlüpfrig sind, die negative Elektrizität in den ganzen Körper herumbringt und verteilt.

9. Diese Elektrizität erwärmt dann auch den ganzen Organismus; und wo diese Linsen dann durch sehr enge Gefäße getrieben werden, da zerplatzen sie, nach welcher Zerplatzung die Hülse flüssig wird und in die sogenannten lymphatischen Säfte übergeht, während der durch dieses Zerplatzen freigewordene elektrische Stoff als ein eisenhaltiger Äther zur Belebung der Nerven verbraucht wird.

10. Nun hätten wir in möglichster Kürze unsere Milz in ihrer Beschaffenheit und in ihrer Verrichtung durchblickt; und da wir nun auf diese Art einen recht anschaulichen Grund haben, so können wir uns nun ganz wohlgemut und möglichst gut vorbereitet wenigstens vorderhand in eine freilich etwas größere Feuerkammer unserer Erdmilz wagen.

11. Der Bau derselben ist ähnlich dem Kleinbaue obbeschriebener tierischer Milz, zu der auch die menschliche gerechnet werden kann; nur ist freilich eine jede solche Kammer um mehrere Billionen Male größer als eine solche Tiermilzkammer, ja in mancher solchen Erdmilzkammer hätten wohl mehrere Millionen Menschen aneinandergestellt Platz, von welchem Verhältnisse sich schon im voraus entnehmen läßt, daß der Erdmilzbau schon ein sehr großartiger sein muß, – noch größer der einer Sonne und noch sehr bedeutend größer der einer Hauptzentralsonne, deren Bau jedoch, wie überhaupt der Bau der Sonnen, sehr verschieden ist von dem Bau eines Erdkörpers, wie schon überhaupt der Bau eines Erdkörpers mit dem Baue eines andern Erdkörpers so große Verschiedenheiten in sich hat, daß nur das Auge des Schöpfers das Allgemein-Ähnliche in ihm erschauen kann. Daher müßt ihr auch nicht denken, so ihr das Erdinnere kennet, daß ihr darum schon auch das Erdinnere eines Jupiter oder eines anderen Planeten erkennen würdet; und somit wollen wir uns nun in eine solche Erdmilzkammer begeben und sehen, wie es da zugeht.

12. Sehet die graubraunen Wände, wie sie in jedem Augenblicke von zahllosen Blitzen durchzuckt werden; da ist fortwährend ein allergrößter Millionendonner zu vernehmen. Und sehet, aus den Kammern gehen weite Kanäle; durch sie stürzt eine gewaltige Flut herein; die fortwährenden elektrischen Flammen lösen die Flut in stark spannende Dämpfe auf; mit für euch unmeßbarer Gewalt dringen diese Dämpfe mit dem furchtbarsten Toben durch andere Kanäle weiter; wieder stürzen neue Fluten in die Kammer; da ist wieder ein Sieden, Brausen und Sausen, wie auf der Oberfläche der Erde so etwas noch nie vernommen wurde. Gehet aus der Kammer hinaus und sehet die Blutgefäße an, die sich in obbeschriebener gleicher Gestalt zwischen den Kammerreihen hinziehen, und horchet, wie durch dieselben die gewaltigsten Fluten stürmen, wie sich hie und da diese Kanäle, wo sie enger sind, gleich großen, urweltlichen Riesenschlangen grauenerregend zusammenziehen, bald sich wieder ausdehnen, um dadurch die in ihnen vorhandenen gewaltigen Fluten weiterzubefördern. Sehet, wie hier im Großen ein Gleiches geschieht und geschehen muß wie in der Tiermilz im Kleinen.

13. Daß diese Säfte, so wie beim Tiere, vom Magen in die Milz übergehen und von da an das Herz abgesetzt werden, und zwar als das alles ernährende Erdblut, braucht kaum näher erwähnt zu werden.

14. Auf diese Weise hätten wir nun dieses Eingeweidestück so genau, als es in der Kürze möglich ist, kennengelernt und werden uns somit nächstens zu einem andern Eingeweidestücke der Erde begeben.

T1.11. Die Leber der Erde.

16. Januar 1847

1. Nach der Milz kommt offenbar die Leber als eines der triftigsten Eingeweidestücke zum Vorschein. Die Leber ist der Absonderungsapparat im tierischen wie in unserem tellurischen Körper und verdient daher, gleich der Milz, eine besondere Beachtung.

2. Der Mensch, wie das Tier, genießt Speisen, die ebensoviel tötenden Giftstoffes als wie des belebenden Nährstoffes enthalten; demzufolge wäre jeder Mensch, wie auch jedes Tier, nach der eingenommenen Mahlzeit dem Leibe nach getötet, wenn nicht in dem Körper ein solcher Apparat angebracht wäre, der alle diese giftigen Stoffe, als hauptsächlich den Kohlenstoff und den blausauren Bitterstoff, gierig an sich zöge und selben zum Teile in einem eigenen Behälter aufsammelte und zum Teile durch den Harngang ableitete. Dieser Apparat ist eben die besprochene Leber; ihr Bau ist dem der Milz ziemlich ähnlich, d. h. was die innere Konstruktion anbelangt; allein die Form hat mehr Ähnlichkeit mit der der Lunge.

3. Dieses Eingeweidestück besteht demnach ebenfalls aus einer Menge aneinandergereihter Kämmerlein, welche so wie die der Milz, aber nur etwas enger, miteinander verbunden sind. Nebst diesen Kämmerlein durchkreuzen die Leber hauptsächlich vier verschiedene Gefäßröhrchen, welche jedoch nicht die Gestalt haben wie jene, welche durch die Milz gehen; sondern sie sind gleichförmig fortlaufende Organe, welche untereinander mit noch kleineren Durchgangsgefäßen verbunden sind, durch welche Gefäße alle Organe dieses Eingeweidestückes in einer wechselseitigen Verbindung stehen.

4. Ein Teil dieser Gefäße geht aus dem Herzen und führt ziemlich reichlich Blut in dieses Eingeweide, damit das Blut hier mit dem nötigen Grade des Kohlenstoffs, wie auch mit einer verhältnismäßig kleinen Dosis Blausauerstoff gesättigt wird, wo es dann erst also gesättigt tauglich ist, die Verdauung in den Verdauungsgefäßen zu bewerkstelligen und von da weiter hinaus auch die äußere Haut zu bilden; denn zum innerlichen Gebrauche ist ein solches Blut nicht mehr anwendbar, daher sich auch Leberkrankheiten hauptsächlich an der äußeren Haut sehr leicht kenntlich bemerkbar machen. – Das ist eine Gattung der durchlaufenden Gefäße.

5. Eine zweite Gattung geht vom Magen in die Leber. Diese nimmt alle die wässerigen Substanzen auf, in denen eben der Blausauerstoff sehr verdünnt abgeleitet, in der Leber durch die kleinen Verbindungsgefäße in einem gerechten Verhältnisse an das Blut abgesetzt und der übrige Teil aus der Leber durch die Nieren an die Harnblase abgegeben wird, die es dann als unnützen Stoff durch die Harnröhre von sich stößt und gänzlich aus dem Leibe befördert. – Das ist die zweite Gattung der Gefäße, die dieses Eingeweidestück durchziehen.

6. Eine dritte Gattung der Gefäße geht eben wieder vom Magen aus und setzt besonders die Schleimhäute desselben mit der Gallenblase in der Leber in Verbindung. Durch diese Gefäße wird der schleimichte Kohlen- oder Gallenstoff von den Speisen im Magen abgesondert und wird zum größten Teile in der Gallenblase aufbewahrt zum Behufe, so der Mensch oder das Tier etwa zu wenig dieses Verdauungsstoffes durch die in sich genommenen Speisen in dem Magen entwickeln würde, so muß dann die Leber von ihrem Vorrate wieder etwas zurück an den Magen abliefern; denn alle Verdauung besteht in einer Art Gärung, deren bekanntlich einige Nährstoffe mehr als andere fähig sind. Wieder haben einige Stoffe sehr wässerigen Inhaltes nur sehr wenig Gärungsstoff in sich, was jeder schon in der Außennatur merken kann. Man nehme nur in ein Gefäß pures Wasser und gebe ein wenig Kleienmehl hinein, so wird das Gemisch lange stehen dürfen, bis es zum Gären kommen wird; man fülle aber ein anderes Gefäß mit Weinmost und tue zum Überflusse noch etwas Gersten- oder Reismehl hinein, so wird er in einigen Stunden eine solche Gärung bewirken, daß man sich dabei kaum zu raten wissen wird. Wenn aber daraus ersichtlich ist, daß einige Stoffe, die der Mensch wie das Tier als Nahrung zu sich nimmt, mehr oder weniger Kohlen- oder Gärungsstoff in sich haben, so muß es auch klar sein, daß für das Plus dieses Stoffes in eben unserer Leber ein Behälter sein muß, um damit dem Minus dieses Stoffes zu Hilfe zu kommen, wenn derselbe in den zu sich genommenen Nährmitteln in einem zu geringen Verhältnisse vorhanden ist. – Durch diese Gefäße haben wir nun die dritte Gattung kennengelernt.

7. Eine vierte Gattung der Gefäße, die dieses Eingeweidestück durchziehen, sind die kleinen Windadern, welche von der Lunge ausgehend durch die Leber in verschiedenen Krümmungen und Windungen geleitet sind. Durch diese Gefäße wird die Gallenblase zum Teile gebildet und zum Teile in einer fortwährend gleichmäßigen Spannung erhalten. Zugleich wird durch diese Gefäße stets eine gerechte Menge atmosphärischer Luft in die Galle gebracht und durch die atmosphärische Luft so viel Sauerstoff, damit die Galle nicht zu sehr zu gären anfängt und durch diese Gärung dann jenen bösartigen Stoff im Leibe erzeugt, aus dem hauptsächlich allerlei Entzündungen, Rheumatismen, Gicht und dergleichen mehr zum Vorschein kommen; daher es für die Menschen auch sehr schlecht ist, sich in solchen Örtern und Gemächern aufzuhalten, in denen sie statt der belebenden, rein atmosphärischen Luft nur Stickluft einatmen, in der nur sehr wenig Sauerstoff, aber desto mehr giftigen Stickstoffes vorhanden ist, und nota bene besonders in jenen verfluchten Wirtskneipen, in denen sich die Gäste durch den allerabscheulichsten Tabakrauch für den Gestank der Hölle auf das kräftigste vorbereiten.

8. Auf diese Weise haben wir nun die vier Gefäßgattungen in unserer Leber kennengelernt, deren Aktion und Reaktion eben wieder, wie bei der Milz, durch das elektrische Fluidum bewerkstelligt wird, das in den vorerwähnten Kämmerlein, so wie bei der Milz, durch eine sich reibende Bewegung dieser Kämmerchen hervorgebracht wird. Natürlich aber wird das elektrische Feuer der Leber hauptsächlich durch das Feuer der Milz angeregt; denn die Leber wäre ohne die Milz ganz tot und untätig.

9. Dieses Eingeweidestück befindet sich bei den Menschen wie bei allen Tieren um den Magen herum, weil es da auch am nötigsten ist. Eben also ist dieses Eingeweidestück in freilich größtem Maßstabe in der Erde angebracht; seine Verrichtung ist ganz dieselbe wie die der Leber bei den Tieren. Wenn es schon nur eine sekundäre Verrichtung ausübt dessen, was die Milz primo loco tut, so ist es aber dessenungeachtet ein nicht minder mächtiges Belebungsstück in jedem tierisch-organischen Körper; denn aus der Leber der Erde kommt gewisserart zunächst alles hervor, was die Erdrinde in sich und auf der Oberfläche auf sich trägt. Also ist eben auch das ganze Meerwasser daher abstammend und ist im Grunde nichts anderes als der ausgestoßene Urin des Erdkörpers, welcher Urin aber dessenungeachtet, sich wieder verdunstend, in Wolken übergeht, welche in der Luft durch die Einwirkung des Lichtes in süßes Nährwasser umgewandelt werden.

10. Wir haben nun auf diese Weise in aller Kürze so gründlich als möglich auch dieses Eingeweidestück der Erde kennengelernt und werden demnach nächstens wieder zu einem andern übergehen.

T1.12. Die Niere der Erde.

18. Januar 1847

1. Nächst der Leber kommt noch die Niere in die Betrachtung. Dieses Eingeweidestück ist in dreifacher Hinsicht ein sehr beachtenswertes Lebenswerkzeug im tierischen Organismus; denn es hat drei wesentliche und überaus wichtige Bestimmungen, ohne die das animalische Leben gar nicht bestehen könnte und die Fortpflanzung nicht denkbar wäre, so wie auch ein jedes Wesen ohne dieses Eingeweidestück nie in ein fröhliches Empfinden sich hineindenken könnte; denn eine gewisse physische Heiterkeit kommt aus den Nieren, daher auch dieses Eingeweidestück oft in der hl. Schrift besonders angeführt und benannt wird.

2. Sonach hat dieses Eingeweidestück vorerst diese Verrichtung, daß es das aus der Leber abgeführte, zum Leben des Organismus untaugliche Wasser aufnimmt, das, was bei dem Wasser noch zum Leben dienlich ist, davon absorbiert und den ganz unnützen Teil des Wassers in die Urinblase befördert.

3. Der absorbierte, edlere Teil ist der eigentlich materielle Stoff des befruchtenden Samens, der freilich wohl noch vorher vom Blute aufgenommen und dann vom selben in ganz eigene Gefäße geleitet wird, woselbst er dann als positiv-polarische Kraft durch die gleiche negative Kraft der sogenannten Beutelniere zum Zeugen unterstützt und tauglich gemacht wird. – Das ist sonach eine zweite wichtige Verrichtung.

4. Die dritte, noch wichtigere Verrichtung dieses Eingeweidestückes besteht, wie schon voraus bemeldet, in dem, daß eben dieses Eingeweidestück durch ganz eigene, sehr kleine und mehr verborgen liegende Gefäße mit Herz, Lunge, Magen, Milz und Leber in einer sehr innigen Verbindung steht und daher – mehr geistig betrachtet –, solange ein Mensch oder ein Tier lebt, der Seele zeitweilig gewisserart zu einem eben bei der Zeugung notwendigen Absteigequartier dient; und weil auf diese Weise dieses Eingeweidestück das ist, so erzeugt es im natürlichen Leben ein gewisses heiteres Wohlbefinden, welches natürlich nicht dem Leibe, sondern der Seele und noch mehr dem in ihr zugrunde liegenden Geiste zuzuschreiben ist.

5. Wer wohl weiß sich nicht zu erinnern, der je rechtlichermaßen den Beischlaf gepflogen hat, wie dieser in ihm durch seinen ganzen Organismus ein überaus wonniges Gefühl und ein überaus reizendes Wohlbehagen verbreitet hat. Wer auch weiß sich nicht zu erinnern, daß, so er längere Zeit sich des unnötigen Beischlafes enthalten, ihn dann ein fortwährendes heiteres Wohlbehagen ergriffen hat, in welchem er oft, ohne zu wissen warum, so fröhlich und heiter war, daß er an allem was er ansah, eine erbauliche Freude fand.

6. Dieses alles wird physisch in der Niere bereitet, darum dieses Eingeweidestück auch nahe das Aussehen hat wie ein wohlzubereitetes Polster, und man könnte da sagen: „Siehe, da ist ein angenehmer, weicher Sitz; auf diesem läßt sich gut ruhen!“ So ist, was die physische Glückseligkeit betrifft, durch dieses Eingeweidestück dafür gesorgt, daß die sonst nur im Herzen und Haupte tätige Seele hier einen gewissen Ausruheplatz hat und sich, wie man zu sagen pflegt, allda manchmal recht wohl geschehen läßt.

7. Auch bei dem sogenannten tierischen Somnambulismus tritt die Seele zumeist in dieses Eingeweidestück, welches durch die sogenannten Gangliennerven mit der Magengrube in der innigsten Verbindung steht, durch welche Gegend dann die Seele in solchem Zustande auch gewöhnlich schaut, hört, fühlt und sich, wenn es nötig, auch mit der Außenwelt in die Verbindung setzt.

8. Wenn aber nun dieses Eingeweidestück eine so löbliche Bestimmung hat, so wird es auch nötig sein, dessen Bau ein wenig zu durchblicken. Der Bau dieses Eingeweidestückes hat eben wieder eine bedeutende Ähnlichkeit mit dem der Milz und der Leber, nur mit dem Unterschiede, daß dieses Eingeweidestück durch die bekannte polsterartige Abteilung sich von den andern wesentlich unterscheidet; es hat zu beiden Seiten gewisse Wamssäcke, welche durch eine bedeutende Eindrückung und durch ein weißlichtes Zellengewebe voneinander geschieden sind, und hängen nur mit der Mittellinie als ein Ganzes zusammen, welche Mittellinie ebenfalls ein weißes Zellengewebe ist, durch welches die Hauptwasserkanäle sich hindurchziehen und den edlen Samenstoff in die Wämse abliefern, welchen sie, wie schon oben bemerkt, von dem aus der Leber kommenden Wasser absorbieren. In den Wämsen wird dieser Saft durch die in ihnen erzeugte Elektrizität reifer gemacht und subtiler und flüssiger, als solcher er dann in die zarten Blutgefäße in diesem Eingeweide aufgenommen und mit dem Blute vereinigt zum Herzen geführt wird, von wo aus er dann erst wieder durch ganz eigene Gefäße in die für ihn bestimmten Vorratskammern geleitet wird, allwo er dann für seine brauchbare Bestimmung fortwährend von der sogenannten Beutelniere seine Nahrung und daraus erfolgte Brauchbarkeit erhält. Nun hätten wir auch, soviel für unsern Zweck nötig, den Bau dieses Eingeweidestückes durchschaut und können nun dasselbe Eingeweidestück in unserem Erdkörper aufsuchen.

9. Dieses Eingeweidestück liegt schon ziemlich südlich, also etwas über den Äquator der Erde hinaus, und sonach näher dem Südpole als dem Nordpole. Dieses Eingeweidestück der Erde hat der Form nach eine bedeutende Ähnlichkeit mit dem gleichen Eingeweidestück einer Sau und noch mehr mit dem eines Elefanten, der im Grunde auch zum Geschlechte der Schweine gehört. Dieses Eingeweidestück hat in der Erde fast nahe ganz dieselbe Bestimmung als wie bei den Tieren; es ist fürs erste der Grundbrunnen, aus welchem das ganze Meer sein Wasser schöpft, und aus welchem auch nach und nach alles Gewässer auf der Oberfläche der Erde herkommt.

10. Freilich hat die Erde, bevor das Meer kommt, noch eine Menge Urinblasen, welche meistens zwischen der äußeren Erde – welche die Erdhaut genannt werden kann – und zwischen der zweiten, festen Erde als sehr große Wasserbassins vorkommen, von denen einige größer sind als ein ganzer Weltteil, wie da ist Europa. Aus diesen großen Erdurinblasen bekommen dann erst das Meer und die anderen Gewässer des festen Landes ihre Nahrung und ihren stets gleichen Zuwachs an Wasser. Das ist die erste Verrichtung dieses Eingeweidestückes der Erde.

11. Die zweite Verrichtung ist die Absonderung des edlen Zeugungswassers aus dem groben Erdurinwasser. Dieses edle Zeugungswasser steigt dann nicht sogleich zur Oberfläche der Erde herauf, sondern wird vorerst, so wie bei den Tieren, in das Herz der Erde zurück- und von da aus erst durch eigene Kanäle und Adern herauf zur Oberfläche der Erde geleitet, wo es sich zum Teil als süßes Quellwasser und zum Teil als der alle Pflanzenwelt am meisten befruchtende Tau beurkundet. Das ist die zweite Verrichtung der Niere. Nächstens wollen wir die dritte und allermerkwürdigste in Betracht ziehen.

T1.13. Die Erde als Mann und Weib.

19. Januar 1847

1. Manchmal wird jeder von euch schon ein Gefühl in sich wahrgenommen haben, das ihm überaus wohl behagte. Die ganze Gegend hatte ein überaus freundliches Aussehen; was einem Betrachter nur in die Augen fiel, erquickte ihn mit vielfacher Wonne. Die Wolken am Firmamente oder in der Luft hatten eine ganz besonders freundliche Gestaltung und liebliche Färbung, und die Luft fächelte einem so sanft und zart in das Antlitz und bereitete einem das Gefühl, als wenn er von tausend unsichtbaren reizendsten Engelslippen beküßt worden wäre, und dabei sprudelte die Seele völlig in Freude auf. Sehet, diese jetzt dargestellte Empfindung des Menschen zu gewissen Zeiten ist eine mitgeteilte Afterempfindung, welche sich von dem zeitweiligen Ruhe- und Wohlbehagen des Erdkörpers herschreibt und ist ähnlich jener Fröhlichkeit der Nieren im Menschen, welche auch bei Tieren leicht beobachtet werden kann.

2. Eine solche Heiterzeit auf dem Erdkörper geschieht dann, wenn die große, besser allgemeine Erdseele sich in ihre Niere setzt und allda gewisserart sich ihre nötige Erholung oder Ruhe gönnt. Zu dieser Zeit geschieht es dann auch auf der Oberfläche der Erde, daß sich da alles so gewisserart friedsam stimmt und alles einen gewissen weichen und sanften Charakter annimmt. Auf eine solche Heiterzeit der Erde aber folgt dann auch gewöhnlich ein düsteres und stürmisches Wetter, in welchem wieder alles einen widerlichen, abstoßenden und manchmal sogar schrecklichen Charakter annimmt. Das geschieht, so die allgemeine Erdseele wieder in ihre gewöhnlichen tellurischen Tätigkeitsorgane zurückgetreten ist. Bei der Erde geschieht es jedoch nie ganz so wie beim Menschen, daß die Seele völlig in dieses Ruhe- und Schlafgemach überginge; sondern nur ein Teil der allgemeinen Seele ruht allda mehr oder weniger aus, während ein anderer Teil fortwährend gleich tätig sein muß.

3. Dies ist gewisserart bildlich so zu verstehen als wie manche Handlung des Menschen, der da eine Zeitlang mit der rechten Hand eine gewisse Arbeit verrichtet hat; ist diese müde geworden, so steckt er diese Hand in die Tasche zur Ruhe und arbeitet in der Zeit mit der linken Hand so lange fort, bis sich die Rechte wieder etwas erholt hat. Oder das Bild ist auch gleich einem Menschen, der eine Zeitlang mit dem Kopfe gearbeitet hat, bis dieser müde geworden ist; dann gönnt er ihm die Ruhe und setzt dafür die Füße in Bewegung. Oder das Bild der partiellen Ruhe der allgemeinen Erdseele ist auch gleich einer Nachtwache, die zwei Menschen beziehen: der eine wacht von Abend bis Mitternacht, während welcher Zeit sein Gefährte geruht hat, dann begibt sich der zuerst Wachende zur Ruhe, und der Ausgeruhte tritt an seine Stelle und versieht die Wache bis zum Morgen.

4. Also müßt ihr euch diese Handlung der allgemeinen Erdseele bildlich versinnlichen, und sonach kann die Erde auch nie in jenes völlige, allgemeine Wohlbehagen gelangen, in welches der Mensch oder auch ein Tier durch den nächtlichen Schlaf gelangen kann, sondern nur in jenes der partiellen Ruhe des Menschen, die ebenfalls ein nicht unbedeutendes Wohlbehagen mit sich führt. Daß aber bei der Erde ein solcher völliger, allgemeiner, wohlbehaglicher Ruhestand nicht eintreten kann, dafür sorgt schon fürs erste die tägliche Rotation und fürs zweite der jährliche Umschwung der Erde um die Sonne, demzufolge bald der nördliche, bald wieder der südliche Teil der Erde dem sogenannten Winterschlafe ausgesetzt ist, während der entgegengesetzte Teil dafür sich wieder in der größten Tätigkeit befindet.

5. Da also die Erde auch diese von jedermann leicht wahrnehmbare Eigenschaft der Niere besitzt, gleichwie der Mensch und das Tier, so fragt es sich auch, ob die Erde nicht zeugungsfähig ist. Allerdings, und das bedeutend mehrfach und sehr verschiedenartiger als jeder Mensch, jedes Tier oder jede Pflanze.

6. Aus diesem Grunde aber ist die Erde gewisserart auch als ein Hermaphrodit zu betrachten, oder als Mann und Weib zugleich in einem Wesen, und ist in der Hinsicht ähnlich dem ersten Menschen, der ursprünglich auch in sich Mann und Weib zugleich war, und ähnlich den vollkommenen Geistern des Himmels, die auch männlicher- und weiblicherseits völlig eines sind.

7. Diese Vorbestimmung dieser Sache ist darum nötig, um das Nachfolgende richtiger auffassen zu können. Da demnach die Erde zeugungsfähig ist, so fragt es sich wieder; wie und was zeugt sie, und wo sind ihre hauptsächlichen Zeugungsorgane?

8. Das Hauptzeugungsorgan ist so wie bei den Tieren der stark aufgewulstete Südpol; vermöge dieses Zeugungsorganes ist die Erde weiblich, weil auch der ganze Südpol als negativ gleich dem weiblichen Wesen ist, das sich eben auch als negativ gegen das positiv-polarische Mannwesen verhält. Die Erde aber, von diesem Punkte aus als Weib betrachtet, ist dann nicht selbst zeugungsfähig, sondern bloß nur fähig zur Aufnahme der Zeugung. Hier fragt es sich dann: wer zeugt da mit der Erde? (Antwort:) Die Sonne, durch ihre entgegengesetzte polarische Kraft. Und was zeugt sie, oder was hat sie gezeugt?

9. Ein Hauptkind der Erde, auf diese Weise gezeugt, ist der Mond, und zwar das älteste Kind dieses tellurischen Weibes.

10. Hat sie nicht mehrere ähnliche Kinder? – O ja, eine bedeutende Menge Kometen, die sich einesteils in dem weiten Ätherraume hinausgeboren kreisend befinden, teils aber sind solche Kinder, die von dieser Zeugung herrühren, die fast tagtäglich und zumeist um die Äquinoktialzeiten nahe zahllos zum Vorschein kommenden sogenannten Sternschnuppen. Daß sie nichts anderes sind als kleine, von der Erde neu ausgeborene, kometähnliche Planetchen, beweist ihr allzeit elliptischer Lauf und ihre runde Gestalt, wenn sie der Erde so nahe kommen, daß die Menschen mit ihrem Auge ihren Durchmesser näher betrachten können. Diese Planetchen werden jedoch von der Erde, so wie alle ihre sonstigen Zeugungen, wieder aufgespeist, ähnlich der Fabel des Saturnus, der seine Kinder verschlang.

11. Woher und woraus werden denn diese Kinder dann von der Erde ausgeboren? – Die Erde hat eine zahllose Menge solcher Ausgeburtskanäle. Der Hauptausgeburtskanal auf der Erde jedoch befindet sich in der Mitte des stillen großen Weltozeans, nicht ferne vom Äquator, und zwar in der Gegend der Inselgruppe von den sogenannten Taiti und Otahaiti; von dort aus ward der Mond von der Erde geschieden, und noch nachträglich eine ziemliche Menge noch bestehender Kometen.

12. Das ist somit ein Hauptgeburtskanal der Erde. Andere Geburtskanäle sind eine Menge Seen, Sümpfe und Höhlen in den Bergen, aus denen nicht selten solche Planetchen in eine bedeutende Höhe durch eine polarische Kraft hinausgeschleudert werden. Da sie aber zu wenig Körper haben, so wird – durch die überwiegende polarische Kraft der Erde – ihr kleiner Reichtum von der entgegengesetzten Polarität verzehrt, und sie werden von der Erde wieder an sich gezogen, auf die sie dann bald als schlackenartige Massen, manchmal auch als Steine, herabfallen; als Steine kommen sie aber nur dann wieder herab, wenn sie vorerst im Ätherraume explodiert sind und dann als Teile des Ganzen herabstürzen.

13. Das ist eine Art der Zeugung, bei der die Erde bloß als Weib auftritt. Nächstens wollen wir die bei weitem merkwürdigere tausendfältige Zeugung betrachten, wo die Erde als Mann und Weib zugleich tätig ist.

T1.14. Mannweibliche Zeugungen der Erde.

20. Januar 1847

1. Von dieser Zeugung nimmt alles mineralische Wesen, sowie die Pflanzen- und die Tierwelt ihren materiellen Ursprung. Die Erde, als Mann und Weib in einem betrachtet, zeugt hier und gebiert auch auf die mannigfaltigste Weise, und zwar derart, daß sie einerseits gleichsam lebendige Junge zur Außenwelt bringt, dann auch wieder, wie die Vögel, Eier legt, und wieder so, wie die Pflanzen, Samen gebiert und für Mineralien gewisse Blüten hervortreibt, in denen die Kraft liegt, alles das ihnen Ähnliche an sich zu ziehen und sich als solches in weiten Kreisen auszudehnen. – Das ist die vierartige Zeugung der Erde unter beiderlei Gestalten in einer.

2. Es würde hier freilich jemand fragen: Wenn die Erde alles das tue, wozu dann die Reproduktionskraft in der Pflanzen- und Tierwelt? Und warum muß die Pflanze, wie gestaltet sie auch ist, zu ihrer Fortpflanzung den eigentümlichen Samen bringen, warum der Vogel das Ei, warum das Tier seinesgleichen und warum Amphibien ihre breiartigen Rogen, die eigentlich auch Eier sind?

3. Die Antwort auf diese Frage ist freilich wohl nicht so einfach möglich, als sich's jemand denken möchte; aber nichtsdestoweniger ist sie für den, der nur ein wenig tiefer blicken kann, schon in der ganzen Natur vollkommen ausgesprochen vorhanden.

4. Es heißt ja gleich anfangs im Verlaufe dieses Artikels, daß die Erde hier zugleich Mann und Weib ist. Als Weib zeugt sie nicht, sondern nimmt das Gezeugte nur auf und gebiert es; als Mann aber zeugt sie bloß und gebiert es nicht, sondern das Gezeugte muß erst von derjenigen Art und Gattung ausgereift und ausgeboren werden, in die es von der Erde als Mannwesen hineingezeugt wurde.

5. Um dieses deutlicher einzusehen, wollen wir zuerst einen Baum in Wechselwirkung mit dem Erdkörper betrachten. Eine nur einigermaßen gründliche Einsicht in dieses Verhältnis wird die Sache sicher sonnenklar darstellen. Nehmen wir an, daß der Same offenbar früher dasein mußte als der Baum, auf dem er sich dann wieder reproduziert, welche Annahme auch schon darum die richtige ist, weil ein Same doch für jeden Fall leichter in der Erde sich erzeugen läßt als wie ein ganzer, vollends ausgewachsener Baum. Auch kann man den leichten Samen überall hinlegen, und eine kleine Kraft wird erforderlich sein, um die leichten Sämereien von oft größten Bäumen in alle vier Weltgegenden hin zu zerstreuen; und wenn leichte Winde wehen und diese leichten Samenkörner mit sich führen, so wird durch diesen Akt nicht einmal eine Mücke beleidigt, geschweige denn ein größeres Tier oder gar ein Mensch. Wie schwer und mit welcher Kraftanwendung würde eine solche Operation, und mit welcher Gefahr daneben, mit schon vollkommen ausgewachsenen Bäumen vor sich gehen! Was würden die Menschen wohl sagen, wenn sich auf einmal so ein ganzer großer Eichwald, von mächtigen Orkanen herbeigeführt, über ihren Häuptern niederließe und in die Erde seine Wurzeln setzte? Und für einen solchen Wald können gesunde Eichelnüsse auf einem einzigen Wagen herbeigeführt werden, können dann in aller Stille in die Erde gesteckt werden, worüber sicher kein Mensch den Kopf verlieren wird, so nach der Zeit die Eichelnüsse ganz zarte Triebe über die Erde langsam werden zu erheben anfangen. Wem wohl hat es je wehgetan, der durch einen Wald gegangen ist, so ihm ein überaus leichtes Tannensamenkörnchen auf seinen Hut niederflatterte? Was für ein Gesicht aber würde ein Mensch dazu machen, so ihm statt eines so leichten Samenkörnchens ein ganz vollkommen ausgewachsener, riesiger Tannenbaum vor der Nase niederflatterte?

6. Schon aus diesen wenigen Beispielen ist es jedermann vernünftigermaßen leicht ersichtlich, daß der Same früher dasein mußte als der Baum.

7. Bei Tieren ist freilich wieder ein umgekehrter Fall. Da mußte wohl der Vogel früher sein als das Ei, weil zum Ausbrüten des Eies schon die tierische Wärme gehört; aber nichtsdestoweniger ist der Vogel gleich als Vogel dagewesen, sondern in dieser ersten Zeugungsperiode legte auch da die Erde das erste Ei, und die Erde war somit der erste, allgemeine Vogel.

8. War der erste Vogel erst einmal ausgeboren, dann legte er freilich das Ei, das etwas anders eingerichtet war als das erste, und gebar aus dem Ei einen zweiten ihm ähnlichen Vogel.

9. Man kann sonach auch bei dem Vogel, wie auch bei den Amphibien das erste Ei als den Samen annehmen, und da war wieder der Same früher als das aus ihm hervorgegangene Tier. Nur wenn man zwischen der Qualität des Erd- und des Vogeleies einen wesentlichen Unterschied findet, so war dann freilich der Vogel früher als das Ei, das er legte, und durch dasselbe er seinesgleichen wieder hervorbrachte. Aber nicht also war es mit dem Pflanzensamen; der wurde schon von der Erde also ausgeboren, wie ihn die Pflanze wiederbringt. Also ist es auch mit allen anderen Tieren der Fall; jede Gattung wurde zuerst von der Erde schon als ein Säugetier ausgeboren und bekam die Fähigkeit, sich durch ein eigenes Zeugungsvermögen wieder fortzupflanzen.

10. Wir haben, um die zeugende und gebärende Kraft der Erde zu erläutern, einen Baum als ein erläuterndes Beispiel angenommen. Diese Erläuterung mußte die gegenwärtige obige Betrachtung voranhaben, ohne welche die Sache nicht so recht klar geworden wäre. Jetzt aber, da wir eine solche Betrachtung angestellt haben, wird es euch auf einmal klar, wie einerseits die Erde als Mann zeugt und anderseits als Weib wieder gebiert, und wie sie sich zu unserem als Beispiel angeführten Baume bald als Weib und bald als Mann verhält.

11. Nehmen wir an: ein Same, der auf dem Baume reif geworden ist, wird in die Erde gelegt; da verhält sich die Erde wie ein Weib, wenn sie empfängt und das Empfangene durch die ihm eigene Kraft ausreift und ausgebiert. Wann aber der Baum dasteht, da nimmt er gegen die Erde den weiblichen Charakter an, und die Erde tritt als Mann gegen den Baum auf und zeugt in dem Baume neuen Samen für dessen Befruchtung.

12. Aus diesem Beispiele wäre nun das männliche und weibliche Wirken der Erde zum Teile schon klar ersichtlich, und es ginge aus dem hervor, daß die Erde, um solches zu leisten, notwendig die beiden Naturen in sich vereinigen muß. Aber bei diesem Beispiele tritt die Erde und der Baum in die Wechselwirkung. Das ist nicht allein genug, sondern wir müssen diese Wechselwirkung auch in der Erde selbst erschauen. Wie aber werden wir das zuwege bringen? – Das wird eben nicht so schwer sein.

13. Ihr wisset, daß die Erde einen Süd- und einen Nordpol hat. Diese beiden Pole bleiben in Hinsicht auf die Hauptwirkung der Erde stets das, was sie sind, nämlich der eine der Südpol und der andere der Nordpol, oder der eine negativ und der andere positiv, oder der eine anziehend und der andere abstoßend, – was dann zur Folge hat, daß sich zwei solche ungleiche Polaritäten notwendig sehr gut nebeneinander vertragen können; denn der eine Pol ist der Geber und der andere der Empfänger. Bei diesem Polverhältnisse tritt diese Wechselwirkung schon stark hervor. Ursprünglich oder in der Ausmündung ist der positive Nordpol der Empfänger, weil er die gesamte Nahrung für den Erdkörper in sich aufnimmt, und der Südpol ist in seiner äußeren Ausmündung derjenige, der von außen her nichts aufnimmt, sondern alles nur hintangibt; aber im Inneren ist der Nordpol gegen den Südpol der Geber und der Südpol der Empfänger.

14. Sehet, da geht schon etwas hervor, wie das Erdwesen innerlich durch seine polarische Aktion wechselweise in seinen beiden Polaritäten zum Teile männlich und zum Teile weiblich auftritt.

15. Noch auffallender geschieht diese wechselseitige, stets veränderte polarische Wirkung durch den Wechsel des Sommers und des Winters, da ein halbes Jahr auf der nördlichen Hälfte der Erde Winter ist, während zu gleicher Zeit auf der südlichen der Sommer waltet, und also im nächsten halben Jahre umgekehrt, was sich also verhält und auch also verstanden werden muß: der Winter ist der männliche Teil und der Sommer der weibliche; der Winter zeugt in dem weiblichen Sommer, und dieser gebiert dann aus, was der Winter gezeugt hat. Sonach ist zur Winterszeit die eine Erdhälfte männlich, während die andere ganz weiblich ist, und da tritt auch der sonst weibliche Südpol männlich auf gegen den weiblich gewordenen Nordpol, und also auch umgekehrt. Nur ist dabei doch immer der merkliche Unterschied, daß die Früchte von der südlichen Hälfte der Erde zwar süßer, weicher und voller, aber nicht so kräftig als die des Nordens sind, weil im südlichen Teile das Weibliche dem Männlichen vorschlägt, während im nördlichen Teile das Männliche vor dem Weiblichen sich mehr auszeichnet, und man könnte dies etymologisch also bezeichnen: Im Norden ist die Erde ein Mannweib, und im Süden ist sie ein Weibmann.

16. Aus dieser Darstellung wird das Doppelwesen der Erde sicher schon nahe ganz klar ersichtlich. Zur vollkommenen Anschauung aber gehört noch, daß man weiß, daß die Erde durch den Tag und durch die Nacht ebenalso ihr Wesen wechselt. Die Nacht ist stets weiblich und der Tag männlich; was der Tag gezeugt hat, das gebiert die Nacht in ihrem dunklen Schoße wieder aus. Demzufolge wird jeder Same von der Erde als männliches Wesen gezeugt und befruchtet und wird von derselben Erde als weibliches Wesen ausgereift und ausgeboren.

17. Daß die Erde wirklich Samen erzeugt für allerlei Pflanzen und Tiere, kann aus vielen Erscheinungen auf der Erdoberfläche abgenommen werden. Zu diesen Erscheinungen gehören die ursprüngliche Bewaldung der Gebirge wie die Moos- und Grasüberwachsung mancher früheren wüsten Steppen, auf denen ein Jahrtausend hindurch nichts gewachsen ist. Schimmel und Schwämme haben noch bis jetzt keinen anderen Samen. Dann gehören zu den diese Sache erklärenden Erscheinungen die jener – wennschon etwas seltener, aber im ganzen doch noch häufig genug vorkommenden – Art, wo es Getreide und allerlei Körner geregnet hat; und besonders sind diese Sache erklärend die nicht selten vorkommenden Fisch-, Schlangen- und Krötenregen und noch andere dergleichen Erscheinungen, von denen kein sogenannter Naturforscher sagen kann – wenn er nur einen Gran gesunden Verstandes hat –, daß sie etwa gar irgend ein Wirbelwind von der Erde aufgehoben und dann wieder niedergeschleudert hat; denn da müßte er doch irgend nachweisen können, daß auf der Erde sich ein solcher Platz vorfindet, auf dem solche Wesen in nicht selten trillionenfältiger Anzahl vorhanden gewesen sind, und würde er auch das tun können, so würde er nichts weniger tun, als eben die eigentümliche Zeugungskraft der Erde um so auffallender beweisen, wie eben die Erde aus sich selbst dergleichen hervorbringen kann. Wie aber solche Erscheinungen so ganz eigentlich geschehen, werden wir nächstens noch tiefer betrachten.

T1.15. Der allgemeine Stufengang der Lebewesen.

22. Januar 1847

1. Diese Erscheinungen geschehen scheinbar wohl also, daß jemand glauben könnte, sie seien gewisserart Sammlungen von gewissen Wirbelwinden, die sich aber dann in der Luft in irgend einen Knaul vereinigten und sodann wieder herunterfielen, so die Hebekraft des Wirbelwindes nachgelassen hätte. Allein für einen nur etwas tieferen Forscher wird diese Erklärungsweise sicher nicht genügend sein; denn um Frösche, Kröten und Schlangen zu heben, würde ein ungeheuer starker Wirbelorkan oder gar eine allerheftigste Windhose vonnöten sein. So aber diese mehr lockeren Tierkörper einer solchen zerstörenden Wut der Winde preisgegeben würden, so müßten sie fürs erste ja eher in die kleinsten Stücke zerrissen sein, bevor sie wieder zur Erde fielen, und mit dem Lebendigbleiben solcher Tiere hätte es dann sicher seine geweisten Wege. Fürs zweite müßte eine solche Windhose, um etwa irgend einen ganzen See oder einen Morast, der oft mehrere Stunden in der Länge und Breite hat, auszufischen, selbst einen ungeheuren Durchmesser haben und eine Kraftäußerung daneben, der kein Berg widerstehen könnte, was doch nicht leichtlich ein Naturforscher annehmen kann. Und fürs dritte würde ein solcher Wind oder eine solche gewaltige Windhose wohl das Wasser des Sees bis auf den letzten Tropfen oder auch einen ganzen Morast dergestalt ausputzen, daß da nicht auch nur ein lockeres Sandkörnchen zurückbliebe, wo dann, wenn es diese Tiere niederregnete, auch Wasser, Schlamm und noch eine Menge anderer Ingredienzien herabfallen müßten, was aber gewöhnlich bei diesen sogenannten Amphibienregen niemals der Fall ist. Wohl aber entstehen diese Erscheinungen auf folgende Art:

2. Die Erde zeugt als ein Doppelwesen in irgend einer Gegend aus ihren Eingeweiden heraus eine gewöhnlich zahllose Menge solcher Eierchen. Diese sind sehr klein und werden leicht durch die Poren und Kanäle der Erde hinausgetrieben. Durch den in ihnen zugrunde liegenden Gärstoff werden sie, je weiter herauf sie kommen, desto mehr ausgedehnt, wodurch sie am Ende leichter als die atmosphärische Luft werden, und steigen dann, so sie die Oberfläche der Erde erreicht haben, in der Gestalt dunkler Nebel nach Art eines Luftballons in eine bestimmte Höhe, wo sie in eine stark elektrische Strömung geraten, und das zwar leicht, weil sie von dieser eigens angezogen werden. In dieser Strömung werden sie dann schnell ausgereift und ausgeboren, und das nicht selten in einer Anzahl von vielen tausend Millionen. Weil sich diese Tierchen aber dann aus der Luft durch die elektrische Strömung einen spezifisch schwereren Leib gebildet haben, als die Luft selbst ist, so können sie sich auch in der Luft nicht mehr lange aufhalten, sondern senken sich zur Erde herab; aber, weil sie dennoch ziemlich leicht sind, nicht so schnell, daß sie durch einen solchen Fall plötzlich zerplatzten und somit natürlich alsogleich getötet würden, sondern sie kommen allezeit ziemlich wohlbehalten herab und können nach dem Herabfallen noch einige Stunden lang leben. Aber weil diese Gestaltung ein Stufenübersprung ist und nicht mit dem ordnungsmäßigen Vorwärtsschreiten geistiger Intelligenzen aus dem Erdkörper im Einklange steht, so vergehen sie auch bald wieder aus dem erscheinlichen Dasein, werden von der Erde wieder aufgesogen und in das Pflanzenreich getrieben, wobei zu bemerken ist, daß solche Erzeugnisse dann wohl früher in die vormals erscheinliche Tierstufe übergehen, als wenn solche Tierstufen nach der gewöhnlichen Ordnung vorerst eine ganze Legion Pflanzenleben durchmachen müssen. Denn man kann da sagen „Tierstufen“, weil sie schon als solche aus der Erde alsogleich als tierische Wesen in die Erscheinlichkeit treten, welche aber freilich vorher noch einen Schritt in das Pflanzliche zurücktun müssen, bevor sie den intensiv tierischen Charakter annehmen können.

3. Ganz anders verhält es sich mit den ursprünglichen Pflanzenstufen, die schon als solche in das erste Dasein treten; diese müssen vorher alle Pflanzenstufen durchgehen, die in ihrer Fortschreitungslinie stehen, bevor sie in das tierische Leben aufgenommen werden können. Da es aber auch einen gewaltigen Unterschied zwischen Pflanzen und Pflanzen gibt, als da sind edle und nicht edle, gute und nicht gute, so folgt auch daraus, daß besonders die edlen den Tierstufen und die edelsten sogar der Menschenstufe so nahe stehen, daß sie alsbald – wenigstens zum Teile – in das menschliche Wesen und zum größten Teile in das edlere Tierreich aufgenommen werden können. Von solchen Pflanzen sagt man: diese haben eine kurze Übergangslinie; aber da gibt es eine große Menge unedler Pflanzen; bei denen geht es sehr lange her, bis sie in die edleren aufgenommen werden, und da sagt man: diese haben eine lange Übergangslinie.

4. Dasselbe ist auch bei den Tieren der Fall. So wie aber derlei Tiere unmittelbar aus dem Doppelwesen der Erde gezeugt werden, so werden auch Sämereien für Pflanzen frei erzeugt. Hauptsächlich geschieht dieses in den tropischen Ländern, etwa so wie im steinigen Arabien, in einigen Gegenden Afrikas und Amerikas. Da gibt es noch heutigestags große Wüsten und Steppen. Diese Wüsten haben gewisse Ausgeburtspunkte für derlei Sämereien; allda wird man auch überall einen üppigen Pflanzenwuchs antreffen. Wo aber solche Sämereien-Ausgeburtsquellen mangeln, da bleibt die Erde wüste und leer.

5. Also haben auch die neu entstandenen Inseln den von der Erde erzeugten Sämereien ihren Pflanzenwuchs zu verdanken, und wenn dieser einmal eine hinreichende Stufenreihe durchgebildet ist, so werden sich auch Tierstufen zu entwickeln anfangen, jedoch nur bis zu den noch sehr unvollkommenen, kriechenden Tieren und Insekten; weiter hinauf reicht der freie natürliche Übergang nicht. Da muß dann schon eine höhere Kraft auftreten, um ein entsprechendes, auf einer höheren Stufe stehendes Tier zu kreieren, in das die vorhergehenden Stufen übergehen können, und so nicht selten aufwärts bis zum Menschen, der jedoch nimmer neu kreiert wird, sondern zu rechter Zeit durch Übersiedlung dahingebracht wird.

6. Ich meine, diese Darstellung wird dem inneren Denker genügen, um die Zeugungs- und Reproduktionskraft der Erde als ein Doppelwesen einzusehen, und wie diese äußeren Erscheinungen auf die vorgezeichnete Weise hauptsächlich aus der Niere der Erde ihren Ursprung nehmen, weil in derselben der allgemeine Samenstoff gebildet und zur weiteren Tauglichwerdung auf dem vorgeschriebenen Wege befruchtet wird.

7. Damit ist aber auch das eigentliche aktive Wesen des Erdinnern so vollständig als möglich erschöpft, und wenn es sich in dieser Mitteilung um die Enthüllung des Erdinnern handelte, so ist dieses Erdinnere in aller möglichsten Kürze so gut als möglich und dem menschlichen Verstande erfaßbar enthüllt. Da es aber jedoch mit der alleinigen Kenntnis des Erdinnern für die völlige Erkenntnis der ganzen Erde nicht gedient wäre, so müssen wir von diesem Erdinnern oder von der inwendigsten Erde zu der zweiten, festen Erde übergehen und diese ein wenig durchblicken, damit uns dann die äußere Erde desto leichter faßlich und begreiflich wird; denn es gibt auf der äußeren Erde eine so große Menge von Erscheinungen, von denen sich die gelehrtetsten Forscher nimmer eine Erklärung geben können. Alle diese Erscheinungen aber können erst dann ganz gut und richtig eingesehen werden, wenn man ihre Grundlage kennt; daher müßt ihr euch das feste Gebilde etwa nicht als gar zu einfach vorstellen, sondern überaus kompliziert und als den bei weitem größten Teil der Erde einnehmend. Er ist gewisserart das feste Holz des Baumes, das eben auch die größte Masse des Baumes ausmacht; und wie in dem festen Holze des Baumes eben der kunstvollste Mechanismus angebracht ist, also ist das eben auch bei der Erde der Fall. Dieser feste Teil der Erde ist daher auch als eine Schule anzusehen, durch welche die aus der innersten Erde aufsteigenden, erst plump geformten Wesen eine eigentliche Färbung und Gestaltung bekommen. Aus diesem Grunde muß diese zweite, feste Erde auch recht scharf durchblickt werden, und wir wollen darum nächstens diese zweite Erde ein wenig zu durchwandern beginnen.

T1.16. Material und Konstruktion der zweiten Erde.

23. Januar 1847

1. Diese zweite, feste Erde besteht aus einer ganz eigentümlichen Masse, die sich, so wie das Holz eines Baumes, fast durchgehends gleich ist; nur ist sie natürlich gegen das Innere zu etwas weniger intensiv; wohl aber nimmt die Intensität gegen außen immer mehr zu, was auch notwendig ist. Denn wo es sich darum handelt, große Lasten zu tragen, da muß die Festigkeit groß sein. Gegen innen zu aber, wo die polarischen Kräfte durch die Eingeweide der Erde wirken, muß die Dichtigkeit etwas abnehmen und etwas zäh und nachgiebig sein, damit sie nicht bei gewaltigem inneren Kraftandrange zerberste und die sehr fühlbaren Eingeweidestücke bei ihrem Hin- und Her- und Auf- und Abwallen durch einen anfälligen Anstoß an die sie umgebende etwa irgend zu feste Wand nicht Schaden leiden. Aber gegen oben zu, da wird diese zweite Erde in ihrem künstlichen Gefüge äußerst fest, welche gleiche Festigkeit schon durchaus einen Durchmesser von nahe 200 Meilen hat, welche Dicke hinreichend stark genug ist, um die ganze dritte, äußere Erde mit all ihren Meeren, Ländern und Bergen mit einer solchen Leichtigkeit zu tragen, als wie leicht der Elefant eine über ihn gebreitete Decke trägt.

2. Aus was für einem Materiale besteht denn demnach diese zweite, feste Erde? – Euch dieses Material zu erklären, wird wohl etwas schwer sein, weil sich davon auf der Oberfläche der Erde wohl nirgends etwas Ähnliches vorfindet und auch nicht vorfinden kann, da die Bestandteile einer jeden Erde ganz verschiedenartig sind, was ihr auch bei der Betrachtung einer Nuß recht leicht ersehet, wo die äußere, grüne Rinde durchaus nichts von der harten Schale in sich enthält, so wie der innere Kern auch nichts, und ist ein jedes, wenn schon miteinander verbunden, dennoch für sich wie ganz ausgeschieden da. Also verhält es sich auch mit der Masse dieser zweiten, festen Erde. Sie ist weder Gestein, noch Metall, durchaus kein Diamant und noch weniger irgend Gold oder Platina; denn wäre diese Masse etwas Ähnliches, so würde sie fürs erste das innere Feuer, das den Eingeweiden entströmt, nicht aushalten. Sie würde bald geschmolzen und endlich in Schlacke und Asche verwandelt sein. Ebensowenig würde sie den mächtigen Durchgang von zahllosen Quellen von Feuer und anderen zerstörenden Substanzen aushalten, würde sich bald abnützen und anderseits in diesen Durchgangsteilen verwittern, in welchem Zustande sie dann zu ferneren Operationen untüchtig würde.

3. Ist sie vielleicht eine ganz eigentümliche Knochenmasse? – Das wohl noch weniger als etwas anderes. Am ähnlichsten noch ist sie dem sogenannten Asbeste oder der Steinwolle, wenn diese in fester Masse beisammen ist; denn diese Steinwolle ist im Feuer wie in allen Säuren nahe gänzlich unzerstörbar, obschon sie doch chemisch aufgelöst werden kann; und das ist eben der Unterschied, der die völlige Ähnlichkeit zwischen der festen Masse der zweiten Erde und zwischen unserer Steinwolle bedingt. Existiert irgend auf der Erdoberfläche noch irgend etwas Ähnlicheres als die Steinwolle, so ist das eine gewisse Gattung Bimssteine, die aber nicht irgend anders als bloß nur in der Nähe des Südpoles angetroffen werden, welche Steinart jedoch bis jetzt noch in keinem gelehrten Naturalienkabinett anzutreffen ist, weil bisher noch kein Naturforscher fürs erste dem Südpol so nahe gekommen ist – und wenn es jemandem auch gelingen würde, sich diesem äußerst gefährlichen Punkte der Erde zu nähern, so müßte er sehr tief ins Eis graben, um ein solches Stück irgend zu bekommen –, und fürs zweite müßte er auch notwendigerweise vorher wissen, wo sich dergleichen Bimsstücke befinden, sonst würde er umsonst eine Mine in das Eis schlagen. Ein Gran solchen Gesteins wäre freilich mehr wert als eine zentnerschwere Perle, und zwar wegen seiner enormen, glänzenden Farbenpracht und wegen seiner gänzlichen Unzerstörbarkeit; aber dieser allerkostbarste Kot der Erde ist eben darum so sorgfältig verborgen gehalten, um die metall- und mineralsüchtige Welt nicht noch ärger als Gold und Diamanten zu verblenden. Dieses Mineral ist, wie gesagt, der Masse unserer zweiten, festen Erde am ähnlichsten.

4. Was die Farbe unseres festen Erdmaterials betrifft, so ist dasselbe gegen oben herauf mehr weiß-graulicht und würde beim Sonnenlichte ungefähr also aussehen wie eine Perle; weiter hinab aber wird es immer dunkler und hat die wunderlichsten Färbungen, fast durchgehends so spielend wie eine sogenannte Goldperlenmuschel. Zugleich ist dieses Material überaus schwer – und muß es auch sein; denn in ihm liegt der Hauptrotationsschwung der Erde, was auf der äußeren Erde, die mehr locker und schwammig ist, nicht zu diesem Zwecke dienlich vorkommen kann.

5. Nun hätten wir einiges zur Erkenntnis der Masse dieser mittleren Erde aufgedeckt und können nun auf die Konstruktion derselben übergehen. Den deutlichsten Begriff von dieser zweiten, festen Erde – was ihr künstliches Gefüge betrifft – kann euch eine tüchtige Betrachtung eines Knochens einer Hirnschale, auch die Betrachtung einer gewöhnlichen Nuß, am besten und zweckmäßigsten zeigen, und darum zeigen, weil diese Gegenstände gewisserart wie Lehrer neben euch sich aufrichten, die mit einem Finger oder Zeigegriffel euer Auge auf das Gefüge hinlenken, in welchem Gefüge und Organenwesen ihr dann leicht jenen Begriff erst findet, welchen ihr dann gewaltig ausdehnen müsset, um in dieser Ausdehnung euch erst den wahren Begriff machen zu können, wie künstlich und zweckmäßig diese feste Erde gebaut ist. Denn das müßt ihr euch schon bei allem merken, daß es sehr unrichtig wäre, so jemand behaupten möchte, wenn er zwei ähnliche Dinge vergleichend betrachtet, daß er sich darum schon einen Begriff davon machen kann, – sondern er muß zuerst durch die vergleichende Betrachtung einen Begriff finden. Hat er den gefunden, dann erst muß er ihn anatomisch auseinandersetzen und dehnen; dann erst hat er sich einen eigentlichen Begriff von der Sache gemacht.

6. Also wollen wir uns nun auch von dem künstlichen Bau der mittleren, festen Erde einen Begriff machen. Wie aber? Das wird nun eben nicht so schwer gehen. Was bei den Knochen die sichtbaren Poren sind, das sind bei dieser zweiten Erde weit ausgehende, manchmal viele Klafter im Durchmesser habende Kanäle, welche auf verschiedenen Punkten mit den mannigfaltigsten Schlußklappen versehen sind. Auf manchen anderen Orten durchkreuzen sich wieder mehrere Kanäle auf einem Punkte; ein jeder führt bis zu diesem Punkte eine eigene Flüssigkeit, welche sämtlichen Flüssigkeiten sich in einem solchen Vereinigungs-, auch Nebenschwerpunkte, zu einer ganz neuen Mischung vereinen und von da wieder in viele, weiter fortgehende Kanäle als eine und dieselbe vereinte Flüssigkeit vorwärtsdringen. Alle Kanäle aber sind fortwährend mit einer zahllosen Menge von Schlußklappen versehen, die sich nach aufwärts öffnen und nach einwärts schließen.

7. Warum sind denn diese Schlußklappen in den zahllosen Kanälen angebracht? – Diese Schlußklappen dienen dazu, daß die von den Eingeweiden verschiedenartig ausgetriebenen Nahrungs- und Belebungssäfte nicht wieder, vermöge ihrer Schwere, zurück in die Eingeweide fallen können; denn jeder Pulsschlag des großen Erdherzens treibt die verschiedenen Säfte in die zahllosen Organe. Würden nun diese Organe nicht gleich beim Eintritte der Säfte schon mit einer Schlußklappe versehen sein, so würden diese Säfte, zufolge ihrer Schwere, sich wieder zurückergießen; allein, wie sie da in die Organe aufsteigen, so öffnen sich durch den Druck von unten her diese Schlußklappen, und die Flüssigkeiten dringen hinein. Wenn aber der Stoß nachläßt und neues Material holt, da drücken die in die Organe eingestoßenen Säfte auf diese Schlußklappen zurück und versperren sich auf diese Weise durch ihre eigene Schwere den Rückweg.

8. Daß eine solche große Erdader mehrere solche Schlußklappen in ihrem, nicht selten mehrere hundert Meilen weiten Verlaufe haben muß, versteht sich schon von selbst, weil sonst ohne mehrere solcher Stützpunkte die Flüssigkeit in einer so langen Röhre zu schwer würde, um durch den Pulsstoß weiter gehoben zu werden, und durch ihre Schwere am Ende die einzige Schlußklappe durchbrechen und zerstören würde. Große Kanäle oder große Adern haben nebst solchen Schlußklappen auch noch große Fallwindungen und separate Druckpumpen, durch welche dem Pulsstoße eine große Überhilfe geleistet wird. Ähnliche Schlußklappen findet ihr auch in allen Adern der tierischen Körperwelt. Ihr dürft nur ein anatomisches Werk oder auch durch ein Mikroskop eine Holzfaser betrachten, so werdet ihr längs des Röhrchens eine Menge solcher Schlußklappen antreffen.

9. Denket über das Bisherige ein wenig nach, was den Mechanismus dieser festen Erde betrifft, so werdet ihr eine recht nützliche Erkenntnis der Dinge in der Natur bekommen; und so ihr euch in dieser ersten, mechanischen Darstellung werdet ein wenig eingefunden haben, so werdet ihr die nächste, bei weitem künstlichere Eröffnung dieses Mechanismus desto leichter fassen.

T1.17. Die Kräftigung der Erdsäfte.

25. Januar 1847

1. Wir haben in der letzten Mitteilung gesehen, wie die Säfte von dem Innern der Erde durch die Mittel- oder feste Erde heraufgetrieben werden. Der Mechanismus ist, wie ihr aus der Beschreibung leicht werdet ersehen haben, im Grunde äußerst einfach, aber dabei in seiner Einrichtung vollkommen zweckdienlich. Die Säfte aber, die durch diesen einfachen Mechanismus heraufbefördert werden, würden bald ihre ursprüngliche Kraft, die ihrer Wesenheit substantiell beigemischt ist, verlieren, – besonders bei einem Wege, der nicht selten mehrere hundert Meilen beträgt. Um diesem leicht erfolgbaren Übelstande abzuhelfen, mußte von einer andern Seite her durch einen überaus kunstvollen Mechanismus zu Hilfe gekommen werden, und das zwar also wie folgt: In der Richtung von Norden nach Süden gehen zahllose, überaus feine Mineralfäden, die von Norden nach Süden meistenteils rein eisenhaltig, und umgekehrt die von Süden nach Norden platin- und manchmal auch kupferhaltig sind. Diese Fäden sind, wie schon bemerkt, überaus fein, so zwar, daß der Faden einer Spinne geteilt netto zehntausend solcher Fäden abgeben würde, das doch sicher eine sehr feine Arbeit ist. Diese Fäden laufen nicht etwa gleichmäßig in geraden Linien fort, sondern sehr geringelt, ungefähr so, wie der Kamm einer Säge, und dabei noch in manchen anderen Windungen, besonders in den Gegenden, wo sie an die aus dem Innern der Erde aufsteigenden Adern und Kanäle streichen. Das ist aber auch notwendig; denn eben an jenen Stellen müssen diese Leitfäden ihre Wirkung am meisten betätigend auftreten lassen.

2. Diese Fäden sind nicht Röhrchen, sondern lauter aneinandergereihte verschiedenartige Kristalle, welche wie Glieder einer Kette aneinander verbunden sind. Ihre Stellung ist so, als so ihr ungefähr mehrere dreikantige Pyramiden also aufeinander setzen würdet, daß die Spitze genau in die Mitte der unteren Fläche der nachfolgenden Pyramide zu stehen kommt, und zwar die eisenhaltigen Pyramiden also gewendet, daß die Spitzen gegen Norden gerichtet sind, und die platin- und kupferhaltigen die Spitzen gegen Süden gekehrt haben. Wenn ihr euch das so recht vor Augen stellet, so habt ihr ein richtiges Bild, wie diese Leitfäden konstruiert sind. Diese Leitung muß darum also mechanisch geordnet sein, weil jede anders geordnete, glatte Leitung, wie etwa durch einen Draht, das wirkende elektromagnetische Fluidum bei einer Länge von nicht selten dreitausend Meilen verlieren würde.

3. Daß glatte Leitungen mit der Zeit das Fluidum mehr und mehr verlieren, können in diesem Manipulationsfache mehr geübte Naturkundige schon aus dem abnehmen, daß ein weitgeleiteter elektrischer Funke nicht mehr jene kräftige Wirkung hat als in der Nähe eines Konduktors, der zuerst entweder von einer geriebenen Glasscheibe oder von mehreren in die Salz- oder Schwefelsäure getauchten Kupfer- oder Zinkplatten zunächst das elektromagnetische Fluidum aufnimmt. Allein diese Pyramidallinie würde auch noch nicht für einen etliche tausend Meilen fortlaufenden Konduktor völlig dienlich sein, so sie nicht in einer eigenen Röhre fortliefe, welche von einer solchen Masse gebildet ist, durch die kein elektrischer Funke durchdringt.

4. Aus diesem könnt ihr schon ein wenig ersehen, wie überaus kunstvoll dieser Mechanismus fortgewebt ist; aber damit wäre noch wenig gewonnen, wenn diese Fäden den elektromagnetischen Stoff hin und her wechseln ließen. Es müssen daher an gewissen Punkten, besonders in der Gegend der aufsteigenden Kanäle, Sammelkammern angebracht sein, in denen sich dieser Stoff sammelt; und wenn eine solche Kammer vollgeladen ist, so wirkt sie dann auf die Flüssigkeit im Kanale und verleiht ihm wieder neue Kraft. Das ist eine Bestimmung dieser zahllosen Sammelkammern, die bald größer und bald kleiner sind, und die auch bald negativ und bald positiv sind, auf daß, wenn die Substanz in einer aufsteigenden Flüssigkeit durch die positive Elektrizität zu gewaltig heiß gekräftigt würde, die negative dann wieder das Superplus in sich aufnimmt und sogleich in ihresgleichen verwandelt, oder so ganz deutsch gesprochen: Was die positive Elektrizität zu viel erhitzt, das kühlt die negative wieder ab.

5. Eine andere Bestimmung dieser nun bekanntgegebenen Leitungsfäden ist, die vielen Triebpumpen in den Kanälen in die Bewegung zu setzen, welche Triebpumpen eine Unterstützung der ursprünglichen Triebkraft des Erdherzenspulsschlages sind; ohne diese Unterstützung würde diese erste Kraft notwendig bald erlahmen müssen, wenn sie bei jedem Stoße mit gar vielen trillionen Zentnern zu tun hätte, welches Gewicht die mit jedem Pulsschlage herausgestoßenen Säfte auch im allergeringsten Maßstabe sicher haben. Durch die obbezeichneten, in den Kanälen eigens angebrachten Druckpumpen wird der Pulskraft des Erdherzens aber so sehr geholfen, daß diese nur mit einem bedeutend geringeren Gewichte zu kämpfen hat. Euch aber den Mechanismus einer solchen Druckpumpe näher zu zergliedern, wäre eine vergebliche Mühe, und ihr würdet bei der möglich klarsten Darstellung dennoch nie eine vollkommene Einsicht in die Sache bekommen, die ein zu kompliziertes Werk ist, in welches nur ein Geist, nie aber das Auge des Fleisches vollkommen beschaulich eindringen kann, – daher sich auch dergleichen kunstvolle Präparate bei der geistigen Darstellung des Erdkörpers viel leichter und faßlicher werden darstellen lassen als jetzt bei der bloß materiellen.

6. Wir haben nun auf diese Weise einen sehr kunstvollen Mechanismus in dieser Mittelerde kennengelernt. Es geht uns zur vollen Kenntnis dieses Erdkörperteiles nur noch etwas weniges ab, dann werden wir mit ihm fertig sein. Dieses wenige besteht in den sogenannten Rückleitungs- oder Wiederaufsaugungsgefäßen, durch welche – wie bei dem tierischen Körper das Blut durch die Adern – die überflüssigen Säfte, die noch zur Ernährung der Erde nicht vollkommen präpariert sind, wieder zum Herzen derselben zurückdringen, um dort neue Kraft und Stärkung zu holen. Diese rückführenden Kanäle sind ebenfalls mit Aufhaltsklappen versehen, welche sich nur dann öffnen, wenn das Herz der Erde sich zusammenzieht. Dehnt es sich wieder aus, da schließen sich diese Klappen und lassen die rücksteigenden Säfte nicht fortsteigen; nur schließen diese Klappen nicht so genau wie jene in den aufsteigenden Gefäßen, – was aber auch nicht so notwendig ist. Fürs erste sind diese Rückleitungskanäle durchgehends enger als die aufsteigenden, daher die in ihnen enthaltene Füssigkeitssäule keine so große Schwere in sich faßt; fürs zweite ist die in ihnen enthaltene Flüssigkeit auch viel träger als die in den aufsteigenden Kanälen; und fürs dritte haben diese oberwähnten Klappen nur das zu bewerkstelligen, daß diese Kanäle beim Ausstoß nicht ganz unterbrochen, sondern nur beengt werden, – welche mechanische Einrichtung ihr auch bei den Adern tierischer Körper antreffen könnet, sowie auch in den euch bekannten Röhrchen des Holzes, wo aber jedoch die Rückleitungsgefäße zwischen der äußeren Rinde und dem Holze vorkommen.

7. Das ist nun alles, was von unserer Mittelerde in materiell-mechanischer Hinsicht noch zu sagen übrig war; und da wir auf diese Weise mit diesem Gegenstande zu Ende sind, so werden wir uns fürs nächste Mal über die dritte oder äußere Erde machen.

T1.18. Die Rinde der Erde.

26. Januar 1847

1. Nachdem wir die Mittelerde durchgemacht haben, begeben wir uns, wie schon vorerwähnt, auf die äußere Erde, die gewisserart die Haut oder die Rinde der Erde ausmacht.

2. Dieser äußere Teil der Erde hat ein am allerwenigsten mechanisch-kunstvolles Bauwerk in sich; aber was ihm in dieser Sphäre mangelt, das wird bei ihm durch andere zahllose Bildungsformen ersetzt, und es herrscht in ihm eine gewisserart gemengte Fülle von allem dergestalt, daß es keinem Menschenverstande zu fassen und zu begreifen möglich wäre, wie und was alles in dieser Erdrinde vor sich geht.

3. Bei den früheren zwei Erden haben wir alles mehr einfach gefunden, so wie die Wirkung nebst der ihr vorhergehenden Tätigkeit gewisserart eine sehr einfache ist. Man könnte die innere Tätigkeit und das innere Wirken vergleichen einem ganz einfachen Triebrade, bei dem man nichts anderes erblickt, als daß es sich fleißig und kräftig um seine Achse dreht; geht man aber dann in die Kammer, wo ein sehr komplizierter Mechanismus durch die einfache Wirkung des ersten Triebrades in die mannigfaltigste Bewegung gesetzt wird, und wo durch dieses viele Räder- und Spindelwerk die seltensten Effekte bewirkt werden, so erstaunt man, wenn man zurückdenkt, daß das alles das draußige einfache Triebrad zuwege bringt.

4. So kann man auch die einfache Tätigkeit im Innersten der Erde als ein einfaches Triebrad betrachten, durch welches aber eben auf unserer dritten oder äußersten Erde zahllose allermannigfaltigste Wirkungen hervorgebracht werden. Nur müßt ihr euch die äußere Erde nicht etwa als durch einen leeren Luftraum oder durch ein Zwischensein – etwa eines unterirdischen Meeres – geschieden vorstellen; sondern diese beiden Erden sind so innig und fest miteinander verbunden, als wie die Rinde mit dem Holze eines Baumes.

5. Zunächst an der festen Erde ruht eine noch mehrere Meilen dicke, fühlende Haut der Erde, über welcher Haut dann erst die Epidermis oder die eigentliche, unfühlende Haut der Erde folgt, in welcher sich die Wirkungen des inneren, organischen Lebens der Erde erst so recht vertausendfältigen. Allda wird erst alles geformt in sich wie außer sich, d. h. es wird der Same, wie er als Same in sich beschaffen ist, entweder frisch gebildet, wie auch in sich so dargestellt, was einst seine entkeimte Außenform sein solle; oder für den Samen wird hier die Kraft bereitet und je nach ihrer Art geschieden, wie sie tauglich zur Belebung des schon vorhandenen Samens sowohl für Pflanzen als Tiere ist, von dem sie nach und nach durch das Pflanzenreich, wie durch das Wasser und durch zahllose kleine Tierchen, aufgenommen und dann ganz intelligent verwendet wird.

6. Zu solcher Präparierung gehört sicher auch eine unendliche Kompliziertheit vorerst der mechanisch-organischen Konstruktion dieses Erdteiles. Allein mit der wäre da noch sehr wenig gedient; denn all solche Mechanik würde da sehr wenig oder gar nichts leisten, sondern die Einrichtung dieses Erdteiles muß nebst der wunderbarst kompliziertesten mechanischen Einrichtung zur Sonderung und Verteilung der aus dem Innersten der Erde aufsteigenden Säfte und Kräfte noch eine zweite, noch ins Unendliche mehr komplizierte Einrichtung zu dem Zwecke haben, vermöge welchem die gar subtilen Einwirkungen aus dem äußeren, unendlichen Weltenraume aufgenommen und der rechten Bestimmung zugeführt werden.

7. Daß für diesen Behuf mit einer einfachen Vorrichtung nicht gedient wäre, das könnt ihr euch wohl leicht vorstellen, wenn ihr nur eine einzige Pflanze recht aufmerksam betrachtet, welch mannigfaltige Teile sie besitzt, und welche Unzahl von jedem Teile an einer Pflanze vorhanden sein muß, wie z.B. Stacheln, Haare, Ecken, Winkel, Fasern, Fäden, Flüssigkeiten, Fette und dergleichen noch mehr, und das alles verbunden durch einen kunstvollsten Mechanismus bloß zur Darstellung dieser einzigen Pflanze. Wenn aber schon eine Pflanze soviel erfordert, wieviel von solcher allermannigfaltigsten Einrichtung wird da in diesem dritten Erdteile vorhanden sein müssen, wo es sich um die Bildung fürs erste des mannigfachen und reichen Außenminerales, dann um die ganze Pflanzenwelt und endlich um die zahllos vielfache Tierwelt handelt!

8. Ein Sandkörnchen, als doch sicher das einfachste Mineral, ist so kunstvoll zusammengefügt, daß ihr euch vor lauter Verwunderung ganz umkehren würdet, so ihr es also erblicken könntet, wie es in sich selbst kunstvollst zusammengefügt ist. Da würdet ihr eine Menge der verschiedenartigsten Kristalle entdecken, die so geregelt aneinandergefügt sind, daß sie der allergeschickteste Mathematiker nie so genau berechnen könnte. Das ist aber noch das wenigste. Wenn ihr dann diese einzelnen Kristalle erst genauer untersuchen würdet, so würdet ihr finden, daß sie nichts als Komplexionen von lauter tierischen Kadavern sind, und das von einer Art Infusorien, die aber viel kleiner sind als jene schon bei weitem vorgerücktere Art, die im gärenden Wassertropfen zum Vorschein kommt; und würdet ihr dann selbst wieder diese Infusionstierkadaver näher untersuchen, so würdet ihr in einem jeden solchen Kadaver eine zahllose Menge atomistischer Tierchen entdecken, welche zur Lebenszeit dieser nun in Kristallformen aneinandergeklebten Infusorien eben diesen Infusorien als Speise und Nahrung gedient haben. Und wäre es euch möglich, ein solches atomistisches Tierchen, freilich mehr mit geistigen als wie mit den schärfst bewaffneten Naturaugen, untersuchend zu betrachten, da würdet ihr in einem jeden solchen atomistischen Tierchen eine Mignon-Hülsenglobe entdecken, in welcher im kleinsten Maßstabe das ganze Universum wie abgebildet zum Vorscheine kommt. Fasset da Millionen in ein solches Kristallchen zusammen, das aus 1000 Infusorien gefügt ist, und das Sandkörnchen aus hundert solchen Kristallen, so werdet ihr euch wenigstens einen kleinen Begriff von der höchst kunstvollen Darstellung dieses allereinfachsten Mineralstückes machen, besser zeigen können.

9. Was gehört demnach dazu, um ein solch allereinfachstes Mineralstückchen zuwege zu bringen! Wie kunstvoll muß der Mechanismus sein in der Werkstätte, in der bloß nur Sandkörner fabriziert werden, da einem solchen Sandkörnchen schon zwei tierische Generationen vorangehen müssen, wo jedes Tierchen einen so kunstvollen Organismus besitzt, daß ihr euch von der allerkünstlichsten Art desselben nie einen Begriff zeigen könntet! Denn ein solches Tierchen hat Augen, hat Ohren, hat andere Gefühlsorgane und hat dazu eine ganz freie Bewegung. Hört, das darzustellen, geht schon bei weitem über alle menschlichen Begriffe! Noch mehr ans Rätselhafte geht das Bild des Universums in einem atomistischen eiförmigen Kugeltierchen. Um aus allem dem dann erst ein Sandkörnchen darzustellen, dazu gehört gewiß ein allerkunstvollster Reproduktionsmechanismus in unserer äußeren Erde. Wieviel aber gehört dann dazu, um andere Mineralien zu gestalten, ihnen die bestimmte Eigenschaft und Form zu geben, und was gehört dazu, die vielen verschiedenartigsten Pflanzen zu gestalten, und was gehört endlich zur Gestaltung der zahllos vielen Tiergattungen, wofür die Zahl „eine Million” zu wenig ist!

10. Aus dieser nur höchst oberflächlich die Sache berührenden Darstellung werdet ihr leicht begreifen, daß hier eine spezielle Darstellung dieses allerkompliziertesten Bildungsorganismus so gut wie rein unmöglich ist; und wollten wir wirklich die Sache speziell darstellen, so hätten tausend Schreiber netto eine Billion von Jahren zu tun. Und wer sich aus solch einem Werke dann informieren müßte, der müßte demnach tausend Billionen Jahre leben, um so ein Werk wenigstens einmal in solchem seinem langen Leben durchzulesen. Kurz und gut, das Lächerliche einer solcher Unternehmung muß sich schon beim ersten Anblick klar darstellen. Daher werden wir bei der Betrachtung dieses äußeren Erdstückes nur ganz oberflächlich und im allgemeinen das hervorheben, wodurch manche äußeren Erscheinungen näher erklärt werden können. Alles übrige wird sich, wie schon öfter erwähnt, im geistigen Teile leicht begreifen lassen, und wird eine Minute fruchtbringender sein als eine ganze Million irdischer Jahre. Somit nächstens bloß nur noch etwas über die besondere Einrichtung dieser äußeren Erde.

T1.19. Die fühlende Haut der Erde.

27. Januar 1847

1. Was die fühlbare Haut der Erde betrifft, so ist diese von zahllosen, kreuz und quer laufenden Kanälen durchzogen, und zwischen diesen Kanälen gibt es wieder eine Menge große und kleinere Sammelplätze oder Behälter für allerlei aus dem Innern der Erde aufsteigende Flüssigkeiten, dann auch wieder solche Behälter, welche die retrograden Säfte aufnehmen und sie dann durch die schon bekanntgegebenen Rückgangskanäle in das Innerste der Erde zurückleiten. Diese Behältnisse haben, also wie die Seen auf der Oberfläche der Erde, verschiedene Gestaltungen; die meisten jedoch sind eiförmig. Diese Behältnisse dienen hauptsächlich dazu, daß die dahin gelangten Säfte in eine Art Gärung kommen, durch welche sie wieder wie chemisch geschieden und dann als geschieden wieder zu bestimmten Zwecken weitergeleitet werden. Diese Behälter jedoch sind nicht zu verwechseln mit jenen großen, unterirdischen Wasserbassins, aus denen schon das trinkbare Wasser auf die Oberfläche der Erde zum Vorschein kommt, und welche Bassins an manchen Stellen schon mit den sogenannten artesischen Erdbohrern erreicht werden können. Diese großen Wasserbassins befinden sich schon sämtlich in der unfühlenden Erdrinde, während die vorerwähnten Erdsäftebehälter noch alle in der fühlenden Erdrinde zu Hause sind. Welchen Zweck aber diese Behälter noch haben, werden wir auch im geistigen Teile gründlich durchschauen können.

2. Das wäre einmal eine Beschaffenheit dieser Erdrinde; eine andere besteht in einer säulenähnlichen Unterstützung, auf der die ganze obere, unfühlende Erdhaut samt ihren Meeren, Seen und Bergen ruht. Diese Säulen basieren zunächst auf der festen Erde und ziehen sich von da wie ein Gerippe auf die Oberfläche der Erde herauf, sind aber nicht also fest wie die Steine auf der Oberfläche der Erde, sondern sie haben mehr eine knorpelartige Festigkeit, welche mit einem bedeutenden Grade von Elastizität verbunden ist, was auch notwendig ist, weil sich nicht selten zwischen der fühlenden und unfühlenden Haut der Erde jene euch schon bekannten Gase bilden, welche ganz bedeutende hohle Räume machen, die äußere Erdrinde oft bedeutend emporheben, diese dann nicht selten irgend örtlich auseinandertrennen und dadurch Erdbeben und gewaltige Orkane bewirken. Wären diese vorbenannten Stützen sehr fest, dann wäre es um die Oberfläche der Erde, und noch mehr um ihre Bewohner, bald geschehen; so aber, weil diese Stützen dehnbar sind, kann da weiter nichts geschehen, als daß irgend örtlicherweise auf der Oberfläche der Erde einige Sandkörner, manchmal einige Maulwurfhügel und manchmal einige gemauerte Schneckenhäuser der Menschen einen kleinen Leck bekommen.

3. Diese dehnbaren Stützsäulen werden endlich in der unfühlenden Erdrinde derartig nach und nach fester, wie bei den Tieren die festen Knochen endlich auch in die Knorpel auslaufen, und also umgekehrt, wie nämlich die Knorpel nach und nach fester werden und endlich gar in die festen Knochen übergehen. Diese festen Knochen der Erde sind dann schon hier und da auf der Oberfläche der Erde als Urgestein ersichtlich, unter dem Namen Urkalk, auch Granit, mitunter auch Quarz. Diese Steinarten werden aber jedoch, je weiter herauf, desto mehr gemengt, somit auch desto unreiner, gröber, härter und spröder; ihre Ausläufer sind gewöhnlich die hohen Urgebirge, die sich in allen Teilen der Erdoberfläche recht deutlich von den anderen, später gebildeten Gebirgen, unterscheiden durch Form, Höhe und Masse. Die anderen Gebirge sind spätere Erscheinungen, deren Art der Entstehung euch schon bekannt ist, so wie auch, daß unter diesen Gebirgen, wie auch sonstigen Ländereien, sich unterirdische Wasserbassins vorfinden, die wieder, wie euch schon bekannt sein wird, durch eigene Säulen unterstützt sind, d. h. die Decke über diesen Bassins, damit sie natürlicherweise nicht irgend einstürze und dadurch ein großes Stück fruchtbaren Landes in einen See verwandle, was schon hie und da geschehen ist.

4. Nun wäre nur noch zu erwähnen, woher das Meer zunächst die Hauptnahrung bekommt. – Zunächst bekommt es die Hauptnahrung von den vielen Säftebehältern in der fühlenden Haut, die gewisserart die eigentliche Harnblase der Erde bilden; dann bekommt aber das Meer auch von den zuletzt besprochenen, großen Wasserbassins durch alle die großen Flüsse und Bäche einen überaus bedeutenden Zuwachs, der äußerst notwendig ist, weil die aus der eigentlichen Urinblase der Erde aufsteigende Flüssigkeit zu sehr salzig ist und ohne Beimischung des süßen Wassers bald so sehr in eine feste Masse überginge, daß an der Stelle des Meeres nichts als lauter himmelansteigende Salzberge entstehen würden, welche die Luft mit der Zeit so sehr versäuern würden, daß darob kein lebend Wesen bestehen könnte; zugleich aber würde das auch bei der Erde selbst die gefährliche Krankheit der Urinsperre bewirken, wodurch die Erde in der kürzesten Zeit in den völligen Brand überginge, dann völlig stürbe und in solchem Zustande für kein lebendes Wesen zu tragen mehr tauglich wäre, so wenig als das Polareis tauglich wäre, ein lebendes Wesen zu progenerieren und dann zu erhalten.

5. Nun wüßten wir auch das. Das Reich der Fossilien haben wir schon letzthin angezogen; so bleibt uns für die natürliche Betrachtung des Erdkörpers nichts mehr übrig als die Luft, welche die Erde in allem bis zu einer Höhe von zehn deutschen Meilen in drei hauptunterschiedlichen Sphären umgibt. Und so wollen wir nächstens diesen äußeren Teil der Erde noch durchgehen und wollen uns endlich, wenn wir den Äther werden erreicht haben, auf seinen Lichtschwingen in die Geisterwelt hinüberschwingen.

T1.20. Wesen und Bestandteile der Luft.

29. Januar 1847

1. Das Wasser des Meeres, wie auch das in den Seen des Festlandes, bildet zwar auch eine Art verdichtete Luft, in welcher Tiere leben können. Aber diese Luft gehört so ganz eigentlich noch zum Erdkörper selbst, und zwar zu dessen äußerster Rinde; daher es nicht in die atmosphärische Luft hinzugenommen werden kann, sondern zur atmosphärischen Luft kann nur jener Teil des Wassers genommen werden, welcher sich in den Nebeln und Wolken vorfindet, so wie auch das freie Wasserstoffgas in der Luft selbst, wenn es sich auch nicht als Nebel oder Wolke beschauen läßt.

2. Woraus besteht dann wohl die atmosphärische Luft in all ihren Teilen?

3. Die atmosphärische Luft oder die Einatmungsluft besteht aus einer Unzahl von allerlei Luftarten, die alle den Namen Gase oder besser einfache Luftarten haben.

4. Die Naturforscher sind zwar mit der Aufzählung der Gase, woraus die atmosphärische Luft besteht, bald fertig; nach ihnen besteht die Luft aus einem gewissen Verhältnisse von Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff und eigentlichem Stickstoffgas. Allein mit diesen vier Spezies wäre der eigentlichen atmosphärischen Luft ganz entsetzlich wenig gedient, wenn sie nicht noch andere Luftarten in sich besäße; und besäße die Luft solche andere, den Naturforschern nicht bekannte Luftarten nicht in sich, so würde es mit dem Wachstume der Pflanzen, mit der Entstehung der Mineralien, und gar überaus schlecht mit der Tierwelt aussehen.

5. Jede Pflanze saugt aus der atmosphärischen Luft die ihr allein zusagende einfache Luftart in sich und scheidet jede andere aus. Wenn das nicht der Fall wäre, so hätte nicht jede Pflanze nach ihrer Art ihre ganz eigene Gestalt, ihren ganz eigenen Geschmack und Geruch. Wenn aber jede Pflanze nach ihrer Art nur eine mit ihr korrespondierende, einfache Luftart einsaugt, so wird es wohl auch so ganz eigentlich soviel einfache Luftarten geben müssen, als wie vielfach in der Art und Weise die Konsumenten da sind.

6. Daß aber dies wirklich der Fall ist und sein muß, beweist ja schon sonnenklar der Geruch einer jeden einzelnen Pflanze und noch mehr ihr innerer Stoff. Man berieche doch eine Rose, eine Nelke, eine Lilie, ein Veilchen, dann ein Bilsenkraut, und frage sich dann selbst, ob da die eine Blume riecht wie die andere.

7. Der Geruch der Rose wird stärkend auf die Geruchsorgane einwirken und das Gesicht schärfen. Die Nelke wird zusammenziehend die Geruchsorgane berühren und das Gesicht schwächen. Die Lilie wird die Geruchsorgane schlaff machen und mit der Zeit sogar übel auf die Magenorgane einwirken, wodurch nicht selten im Kopfe ein Schmerz erzeugt wird. Das Veilchen wird erheiternd auf die Geruchsorgane einwirken und sogar das Gehirn stärken, während das schmutziggelbe Bilsenblümchen augenblicklichen Ekel und bei längerer Beriechung Schwindel und Erweiterung der Sehpupille zur Folge haben wird.

8. Frage: Kann das allein den vier bekannten, einfachen Gasarten zugeschrieben werden, oder kann das allein ihre etwa verschieden verhältnismäßige Mischung zuwege bringen? Ja, wenn diese vier Gase wirklich die vier einfachen Grundstoffe wären, aus denen endlich alle Dinge gebildet sind, da wäre es ja doch eine barste Schande für die hochgelehrten Chemiker, daß sie daraus nicht lange schon Gold, Silber und Diamanten im größten Überflusse zuwege gebracht hätten; denn zwischen vier einfachen Spezies können doch bald eine Menge allerartige Quantitätsmischungen bewerkstelligt werden, und es müßte da aus jeder Mischung, wennschon eben nicht gerade gleich das Gold, so doch vielleicht irgend eine neue Pflanze oder gar irgend eine neue Rasse von Miniaturochsen, Eseln und Kälbern oder sonst etwas dergleichen zum Vorschein kommen. Aber siehe, so etwas geschieht trotz der allergelehrtesten Gesichtsmuskelverziehungen solcher Weisheitshelden nicht und kommt nichts zum Vorschein als höchstens irgend ein weißlichter Staub, der, mit Mikroskopen untersucht, sich als kleine Kristallchen erkennen läßt, womit es aber eben nicht viel gesagt haben will, weil solchen Kristallstaub die Natur im Freien ohne die chemische Küche noch bei weitem besser und mannigfaltiger erzeugt. Ihr brauchet im Herbste nur eine reife Pflaume oder eine reife Traube, auch verschiedene Baumblätter zu beobachten, so werdet ihr zum Überfluß solchen Staub als sogenannten Reim auf den obbenannten Früchten und Blättern entdecken. Ein Mikroskop hinzugesteckt, – und es wird da von den allerschönsten Kristallen wimmeln!

9. Aus dem geht wieder hervor, daß es noch mehrere einfache Luftarten geben muß als die vier bekannten allein. So gibt es auch Pflanzen, die eine so überaus schädliche Luft aushauchen, daß in derselben Tiere und andere Pflanzen sogleich sterben müssen, wie es auch wieder andere, wundersame Pflanzen gibt, durch die sogar Tote, wenn sie nicht zu lange tot sind, wieder belebt werden könnten. Diese beiderlei Pflanzenarten – die eine überaus tötend, die andere überaus belebend – müssen doch jede nach ihrer Art einen ganz eigentümlichen Grundstoff aus der Luft einsaugen, ansonst sie das nicht würden, was sie sind.

10. Wenn aber das unleugbar der Fall ist, so geht es ja doch wieder klar hervor, wie vielartig zusammengesetzt die atmosphärische Luft sein muß, um der Vielartigkeit der geschaffenen Dinge in ihr, jedem nach seiner Art, nährend zu dienen. Wenn aber schon die Pflanzen so viele Grundarten in der atmosphärischen Luft zu ihrer Existenz vonnöten haben, um wieviel mehr muß da erst der Tiere wegen in der atmosphärischen Luft verschieden Grundstoffartiges vorhanden sein, damit jedes Tier in der atmosphärischen Luft den ihm zusagenden Einatmungsstoff findet.

11. Es atmet zwar jedes Tier das ganze atmosphärische Luftgehaltsvolumen in sich ein, behält aber nur in sich dasjenige aus dem eingeatmeten Volumen, was seiner Natur homogen ist; alles andere stößt es wieder hinaus.

12. Ich meine, für den, der nur ein wenig reifer zu denken vermag, wird es mit dem bisher Gesagten genug sein, um einzusehen, wie höchst kompliziert die atmosphärische Luft sein muß, damit in ihr alle die zahllos vielen, verschiedenartigsten Wesen das finden, was mit ihrer Natur korrespondiert. Wenn wir aber nun solches sicher leicht begriffen haben, da wird es eben auch nicht so schwer sein, die zahllos vielen und sonderlich gearteten Erscheinungen in der atmosphärischen Luft insoweit zu begreifen, inwieweit jeder nach seiner sinnlichen Wahrnehmung in der Art der Erscheinungen einen Unterschied findet und bei sich sagen muß: Diese Erscheinung hat zwar Ähnlichkeit mit einer früheren, jedoch ist ihre Formung verschieden von einer früheren, und wenn das der Fall, muß auch ein fremder, früher noch nicht dagewesener Grund vorhanden sein.

13. Und wieder werdet ihr Erscheinungen erblicken, die sich stets gleich bleiben; diese werden auch sicher den stets gleichen Grund haben.

14. Es hat einst auf der Erde Pflanzen und Tiere gegeben, die bekanntlich gegenwärtig auf diesem Weltkörper nicht mehr existieren; dafür aber sind andere Pflanzen- und Tiergattungen entstanden, die damals nicht vorhanden waren. Sehet, das sind Erscheinungen, die sich in gewissen Beziehungen wohl ähnlich sind, in gewissen aber wieder sehr unähnlich. Das Mamelhud hat Ähnlichkeit mit dem heute lebenden Elefanten, so der Riesenochs mit dem heutigen kleineren. Diese beiden Tiere haben Ähnlichkeit in einer Hinsicht: sie gehören nämlich zu einer und derselben Art, aber sie sind sich in der Größe und noch in der sonstigen Gestaltung sehr unähnlich. So hat es einst Riesenbäume gegeben, wie deren schon gleich anfangs dieser Mitteilung erwähnt wurde; auch gegenwärtig gibt es noch, besonders in den Tropenländern, eine vielstämmige Baumart, die mit dem einstigen größten Baume Ähnlichkeit hat, aber dennoch nicht mehr das ist, was einst dieser Baum war. Da ist ein großer Unterschied sowohl in der Größe als in der Gestaltung.

15. Alle diese Erscheinungen rühren daher: weil die früheren Riesenarten die ihnen entsprechende Nahrung in der atmosphärischen Luft nicht mehr gefunden haben, so sind sie am Ende gänzlich ausgestorben. Da wäre also ein Grundluftstoff nicht mehr da, der einst da war; dafür kam aber ein anderer zum Vorschein, der einst nicht da war. Ein solcher Grund liegt auch zumeist in den nicht selten neu auftauchenden Krankheiten, sowohl für Pflanzen als auch für Tiere, bei denen die Ärzte auch ein solches Gesicht machen wie die Chemiker, wenn sie sich aufs Goldmachen verlegen und am Ende statt des Goldes einen Klumpen sehr stark stinkenden Dreckes gewinnen. Es lassen sich zwar Ähnlichkeiten zuwege bringen; so können auch neu entstandene Krankheiten mit früher schon dagewesenen eine Ähnlichkeit haben, – allein, vergleicht man das künstliche Gold mit dem natürlichen, so wird da ein Unterschied wie zwischen 1000 und 1 sein. Also ist es auch, wenn man eine neue Krankheit mit jener Medizin heilen will, durch welche eine frühere, ähnliche Krankheit geheilt wurde, so wird man sich damit gewaltig schneiden; denn diese neue Krankheit ist die Folge der Ermangelung eines Grundstoffes in der Luft, wenn selber durch irgend eine Veranlassung verzehrt und alsbald nicht wieder erzeugt wurde; und da dürfte es wohl schwer sein, eine Medizin zu finden, die den abgängigen Grundstoff in sich enthielte, durch welchen die neue Krankheit freilich augenblicklich gehoben werden könnte. Da aber diese Sache für die Menschheit, wenn diese in bessere Kenntnis geleitet wird, vom wesentlichsten Nutzen sein kann, so wollen wir nächstens noch wesentlicher davon sprechen und einen Blick auf die Ursachen werfen, durch die gewisse Grundstoffe in der Luft entweder ganz oder zum Teile verlorengehen und manchmal andere an ihre Stelle treten.

T1.21. Die Wirkung des Lichtes auf die Luft.

30. Januar 1847

1. Um, wie gesagt, noch gründlicher einzusehen, daß in der atmosphärischen Luft eine zahllose Menge von Grundluftstoffen oder – wie sie die Gelehrten der Welt nennen – Spezifika vorhanden seien, muß man dahin geleitet sein, wo man zu der Einsicht gelangt und gewisserart bei sich selbst unwidersprechlich einsieht, woher diese Spezifika rühren, und was der Grund ihrer Entstehung, ihres Daseins und auch ihres Aufhörens ist.

2. Dieses alles einzusehen, ist für den gar nicht schwer, der nur einigen guten Willen besitzt und nicht ein diplomatisch begründeter Gelehrter ist, welche Diplomatie ihm wie die Decke dem Moses vor den Augen hängt, nur nicht aus gleichem Grunde, auf daß er ja das nicht erschaue und begreife, was mit leichter Mühe der einfachste Mensch erschauen, wahrnehmen und begreifen kann. Wer also nur einigermaßen – Ich sage es noch einmal – einen guten Willen und keine Decke vor den Augen hat, der wird es mit Händen greifen, daß diese zahllosen Spezifika in der atmosphärischen Luft nicht irgend aus der Luft gegriffen sind, sondern so wie jedes Ding ihren vollkommen tüchtigen Grund haben.

3. Sehet hinauf: wie zahllos prangen die Sterne in den fernen Räumen des unendlichen Äthers, der nirgends einen Anfang und nirgends ein Ende hat! Der Mensch wird ganz entzückt, wenn das Schimmerlicht von all den Millionen Sternen in sein Auge fällt; und wie traurig ist er, wenn etwa manchmal einige trübe Nächte ihm den herrlichen Anblick des gestirnten Himmels verleiden.

4. Ist das keine Wirkung, die so wohltätig begeisternd das menschliche Gemüt ergreift? Ja, das ist alles Wirkung des Lichtes aus jenen fernen Gebieten; und das Licht ist es, was die atmosphärische Luft, dieses große Weltauge, um die Weltkörper bildet, wie es das Licht nur ist, welches das Auge bildet im Menschen und es ihm verwandt macht; denn wäre das Auge nicht Licht, nimmer könnte es das Licht erschauen.

5. Wenn der Mensch mit seinem Auge, mit dieser kleinen Sonne in seinem Leibe, den gestirnten Himmel betrachtet, da wird sein Auge selbst zu einer kleinen Hülsenglobe, in der Milliarden Sonnen kreisen und Zentralsonnen ihr Urlicht in endlose Fernen hinausschleudern. Eine ganze unendliche Schöpfung trägt dann das Auge des Menschen, und das Strahlen und Widerstrahlen der Sonnen im sonnenverwandten Auge des Menschen bewirkt die wonnige Empfindung in der Seele ob solchen Wunders, wie das Größte sich im Kleinen wiederfindet und sich selbst als das erkennt, was es in sich selbst ist.

6. Wer kann das leugnen? Höchstens ein wirklich Blinder oder ein Mensch, wie es jetzt deren sehr viele gibt, dem ein stinkender Tabakzuzel in seinem stinkenden Maule mehr ist als der ganze gestirnte Himmel, den er bloß in seinem eigenen Wandspiegel ersieht, wenn er sich betrachtet, wie ihm sein enger Rock, den er dem Schneider noch schuldig ist, steht, und wie sich sein abscheulicher Tabakzuzel neben dem engen, noch schuldigen Rocke ausnimmt. Allein von solchen menschlichen Larven wird hier nicht geredet; die sind eigentlich darum auf der Welt, als warum die Schmeißfliegen auf einem Schmeißhaufen sind: ihr Schatz ist der Dreck, weil sie selbst Dreck sind. Solche Menschen sehen freilich nicht nach den Sternen und haben kein Auge für Meine Werke!

7. Aber Menschen, wie es deren auch noch so manche gibt, die doch öfter ihr Auge emporheben und bei sich selbst heimlich sagen: „O Vater, in Deinem großen Reiche sind wohl gar unzählig viele Wohnungen!“, – solche Menschen werden die obbezeichneten Wirkungen ob des Anblickes des gestirnten Himmels sicher nicht vermissen und werden auch nimmer leugnen können, daß das Licht der Sterne mächtig durch ihr Auge auf ihr Gemüt einwirkt.

8. Wenn aber das Licht der Sterne durch das Auge des Menschen im höchst verjüngten Maßstabe schon eine so entschiedene Wirkung hervorbringt, wieviel stärker wird die Wirkung des Sternenlichtes durch das große Erdauge auf die Erde selbst sein! Denn die atmosphärische Luft ist auf ihrer Oberfläche, wo der Äther auf ihr ruht, ein glänzender Spiegel, in dem sich ein jedes Gestirn schon sehr bedeutend groß abbildet. Das Bild wird nun ganz bis zur festen Erdoberfläche geleitet, und zwar in stets mehr konzentrierter Lichtkraft nach den bekannten optischen Grundsätzen. Die Einwirkung dieses konzentrierten Lichtes, oder dieses konzentrierte Licht selbst, ist in sich schon ein solches ganz einfaches Spezifikum in der atmosphärischen Luft, weil es auf die ihm zusagenden Teile in der Erde und auf der Oberfläche derselben entweder auflösend oder zusammenziehend wirkt. Nun dürftet ihr nur die zahllosen Sterne zählen – wenn ihr es könnt –, so werdet ihr sogleich auch die Unzahl der einfachen Spezifika in eurer atmosphärischen Luft haben. Alles, was körperlich auf der Erde und in der Erde vorhanden ist, ist alles gegenseitige Wirkung der Sterne, und das darum, weil Ich, der Schöpfer, den großen Weltenmechanismus also eingerichtet habe.

9. Astronomen auf der Erde haben schon zwei recht wichtige Beobachtungen gemacht. Der einen zufolge sind früher dagewesene Gestirne gänzlich verschwunden; da muß ja auch das durch sie bewirkte Spezifikum auf der Erde verschwunden sein und mit ihm jene Wesen, die durch selbes ins physische Dasein treten konnten.

10. Eine andere Entdeckung der Astronomen ist die, derzufolge das Licht von sehr entfernten Sternengebieten auf die Erde entweder jetzt oder manchmal erst nach vielen Jahren zum ersten Male eintreffen wird. Dieser Erscheinung zufolge müssen dann ja auch neue Spezifika auf der Erde zum Vorschein kommen und ihnen zufolge auch neue Gebilde auf der Erde, die für die früher schon vorhandenen Wesen entweder günstig oder nachteilig wirken, je nachdem der Stern, von dem das Spezifikum ausgeht, ein guter oder ein böser ist; denn es gibt gute und böse Sterne, so wie es ihnen zufolge gute und böse Pflanzen und gute und böse Tiere gibt.

11. Also gibt es auch Doppelsterne, die sich in gewissen Zeiträumen gegenseitig bedecken; von denen ist gewöhnlich der eine guter und der andere schlechter Natur. Ist der gute vor dem schlechten, so hebt er die Wirkung des schlechten auf; scheinen beide zugleich nebeneinander, so wird der schlechte Einfluß des schlechten Sternes durch den guten gemildert; tritt der schlechte vor den guten, so hebt er die Wirkung des guten ganz auf, und es wird sich auf jenem Teile der Erde, über dem ein solches Gestirn im Zenite steht, bald eine schlechte Wirkung verspüren lassen, die sich entweder durch übles Wetter oder durch Mißwuchs mancher Pflanzengattungen oder durch Krankheiten der Tiere und Menschen zu erkennen gibt.

12. So üben auch die Sternbedeckungen durch Planeten einen üblen Einfluß, manchmal aber auch einen guten, auf die Erde aus; und von diesem Standpunkte aus bestimmten die alten Weisen auch das jetzt nunmehr fabelhaft klingende „Regiment der Planeten“, welches nicht so leer ist, als wie es sich die neuen, bloß mit Ziffern rechnenden Gelehrten einbilden.

13. Auch alte Vorbestimmungen in der Witterungskunde hatten in dieser Betrachtung ihren Grund, worüber jetzt ebenfalls gelacht wird; dessenungeachtet aber bleibt die alte Weisheit sich noch stets gleich.

14. Auf eine gleiche Weise üben auch die Kometen und andere Lichtmeteore, wenn sie noch so kurze Zeit dauern, einen merklichen Einfluß auf die Erde aus, sowie nicht minder der Lichtwechsel des Mondes und besonders fühlbar die Lichtdauerveränderung der Sonne; denn wer den Unterschied zwischen Sommer und Winter nicht verspürt, der ist sicher im höchsten Grade zu bedauern. Daß aber auch das Licht, wenn es noch so kurz dauert, auf irgend ein Ding auf der Erde sicher einen mächtigen Einfluß ausübt, beweist das gewiß allerkürzest dauernde Licht des Blitzes, welches bekanntlich die Krebse tötet, wenn sich diese nicht vor dem Gewitter in ihre Schlammgemächer verkrochen haben. Aus dem bisher Gesagten wird dem, der nur eine kleine, aber etwas bessere Einsicht hat, sicher handgreiflich klar, woher die vielen Spezifika in der Luft rühren, wie sie bewirkt werden, und was sie selbst notwendig bewirken.

15. Da wir aber nun dieses durchgemacht und dadurch auch den ersten und untersten Luftkreis kennengelernt haben, so können wir diesen Luftkreis nun verlassen und uns in den zweiten hinaufschwingen, von welchem aus wir die Erscheinungen erkennen werden, wie sie tagtäglich in den mannigfaltigsten Wolkengebilden zum Vorschein kommen, und da werden wir auch einsehen, warum die Luft in den höheren Regionen reiner und gesünder als in den unteren ist.

T1.22. Die zwölf Himmelszeichen und ihre Wirkung.

1. Februar 1847

1. Unter so manchem andern, was ihr gelesen habt, werdet ihr auch in manchen alten Kalendern gefunden haben, daß die sogenannten zwölf Himmelszeichen auf die vegetative Kraft der Erde irgend einen Einfluß nehmen, so wie es auch hie und da gewisserart mystisch-prophetisch eingeschaltet ist, daß derlei Himmelszeichen, wie auch mit ihnen die Planeten, auf die Geburt der Tiere und Menschen Einfluß haben, und daß bei den Menschen sogar ihre Zukunft sich darin abspiegle.

2. Die Landleute halten heutigestages hie und da noch große Stücke darauf; besonders nehmen sie darauf Rücksicht, wann sie ihre Früchte aussäen und einernten.

3. So heißt es: Im Krebse, im Skorpion, in der Waage und im Wassermann ist nicht gut zu säen, weil die Früchte da gern früher zugrunde gehen, ehe sie zu keimen anfangen; dergleichen Regeln gibt es eine Menge, von denen sich auch so manche euch wohlbekannte Witterungslostage herdatieren. Daß solches unter den Leuten noch heutigestags, freilich sehr verunstaltet, vorhanden ist, unterliegt sicher keinem Zweifel. Bauernkalender sind noch heutigestags Witterungspropheten und zeigen jeden Tag an, welches Himmelszeichen auf ihn Einfluß nimmt, und das jeden Monat auf eine doppelte Weise; fürs erste, wie der Mond die Himmelszeichen durchläuft, und fürs zweite, unter welchem Zeichen sich die Sonne befindet, und in welches sie geht.

4. Sehet, an der Sache ist wirklich etwas, aber freilich nicht in der euch bekannten, sehr verunreinigten Art, sondern in einer solchen, wie sie euch in der vorherigen Mitteilung auf eine sehr anschauliche Art bekanntgegeben wurde.

5. Der Mond durchläuft richtig binnen 29 Tagen seine Bahn, die sich freilich wohl in sehr engem Kreise unter den sogenannten zwölf Himmelszeichen hindurchzieht, und es muß sich damit ereignen, daß der Mond auf diese Weise während des Verlaufes seiner Umlaufszeit ganz natürlich nach und nach unter jedes der zwölf Himmelszeichen zu stehen kommt.

6. Ebendasselbe ist scheinbar mit der Sonne der Fall, obschon da eigentlich nur die Erde der bewegte Körper ist und die zwölf Himmelszeichen durchwandert. Dessenungeachtet aber scheint es doch, daß die Sonne um ein Himmelszeichen ungefähr monatlich fortrückt; daher auch in den Kalendern in jedem Monate ein anderes Himmelszeichen angezeigt ist. Durch dieses Fortrücken unter diesen Hauptsternbildern geschieht es natürlich, daß, sowohl durch den Mond als durch die Sonne, fortwährend einige Sterne dieser Sternbilder durch diese zwei Himmelsgestirne bedeckt werden. Durch diese Bedeckung wird dann natürlicherweise auf eine kurze Zeit der Einfluß unterbrochen, welchen obige Sterne in den Sternbildern auf den Erdkörper ausüben. Zufolge solcher Erscheinlichkeit muß dann schon nach früher erwähnten Grundsätzen auf dem Erdkörper irgend eine Veränderung verspürt werden, und zwar besonders bei jenen Gegenständen, die aus dem Einflusse dieser Sterne eben mit diesen Sternen irgend eine ähnliche Beschaffenheit haben, weil ihr Bestehen ein Spezifikum vonnöten hat, das dem Lichte dieser Sterne entstammt.

7. Diese Wirkung jedoch kann von keiner Dauer sein, weil diese Sterne von den zwei Gestirnen nie auf eine lange Zeit bedeckt werden; aber eine andere Situation kommt dabei vor, aus der allerdings ein sehr fühlbarer Einfluß auf die Erde herrührt.

8. Diese Situation obbenannter zwölf Sternbilder ist jenes weniger bekannte Schwanken sowohl der Erde in ihrer Bahn um die Sonne, als auch besonders die Schwankungen des Mondes, der in vielen hundert Jahren kaum einmal vollkommen wieder jene Bahn einschlägt, die er schon einmal gegangen ist. Durch diese Schwankungen wird ganz natürlich der Zenitstand obiger zwölf Himmelszeichensterne verändert, und diese Veränderung läßt dann sehr fühlbare und empfindliche Veränderungen auf der Erde ins Dasein treten.

9. Zu diesen veränderten Situationen gesellen sich noch die steten Veränderungen der Planeten in ihren Standpunkten, welche kaum in tausend Jahren wieder vollkommen in jene Stellung kommen, in der sie schon einmal ihren Einfluß auf die Erde ausgeübt haben.

10. Nebst diesen besonders zu beachtenden Situationen sind noch die Eruptionen des Sonnenkörpers in die besondere Betrachtung zu ziehen; durch sie wird das Licht der Sonne geschwächt und kann nicht mit jener zerteilenden Kraft auf die Erde einwirken, als wenn sie ganz – ohne jene eruptiven Makeln – ihr Vollicht der Erde spendet.

11. Die Wirkungen jedoch, die von den oberwähnten Erscheinungen herrühren, werden nicht so sehr in der untersten Luftregion wahrgenommen, als vielmehr nur in der zweiten, die aber erst bei einer Höhe von manchmal fünf-, sechs- bis siebentausend Fuß über dem Meeresspiegel ihren Anfang nimmt.

12. Man wird hier sagen: Diese zweite Luftregion müßte ja wohl auch diejenigen Wirkungen in sich verspüren, welche in der untersten Luftregion in ein zahllosfältiges Dasein treten.

13. Dazu sei aber gesagt, daß solch eine Behauptung sogar mathematisch unrichtig wäre; denn die Strahlen von jenen überaus vielen, sehr weit entfernten Sternen sind in dieser Höhe noch zu wenig kondensiert, können daher dort jene Spezifika noch nicht bewirken, die sie ungefähr um 1000 Klafter tiefer sicher bewirken, was schon aus dem Umstande leicht deduziert werden kann, daß man von einer solchen Höhe zur Nachtzeit Sterne der vierten, fünften und sechsten Größe mit freiem Auge gar nicht mehr erblickt, noch weniger jene der siebenten, achten und so weiteren Größe, während jedermann mit gesunden Augen, besonders an den Meeresküsten, in einer heiteren Nacht noch Sterne siebenter und achter Größe mit freiem Auge erblicken kann.

14. Warum kann er das auf einem siebentausend Fuß hohen Berge nicht und noch weniger auf höheren Bergen? – Weil die einfallenden Strahlen von diesen sehr fernen Sternen noch zu wenig kondensiert sind; der Einfallswinkel ist noch zu spitzig, als daß ihn das Auge wahrnehmen könnte; auch hat er zu wenig Lichtkörper, um irgend eine Wirkung hervorzubringen, und je höher hinauf es steigt, desto mehr wird sich diese Theorie bestätigt finden. Daher geschieht es denn aber auch, daß auf solchen Höhen die Vegetation abnimmt und am Ende gar aufhört. Man glaube ja nicht, daß das lediglich von den alleinigen Sonnenstrahlen herrühre, welche freilich, je höher hinauf, auch desto schütterer werden. Die Sonne wirkt nur mittelbar; sie unterstützt das aus den Sternen einfallende Licht, und zwar eben mit demselben Lichte, das sie aus denselben Sternen genommen hat; sie ist also nur eine Unterstützerin, aber nicht die Alleinspenderin.

T1.23. Die Erdatmosphäre und ihre Niederschläge.

3. Februar 1847

1. Daß die Sonne leichtbegreiflichermaßen nur die Unterstützerin, nicht aber die so ganz eigentliche Selbstspenderin des Lichtes ist, erhellt leicht aus dem, daß die Sonne zuvor das Licht aus den zahllosen Sonnen auf ihrer Glanzoberfläche aufnimmt und es dann wie ein vereintes Licht in die weiten Ätherräume hinauswirft. Dieses hinausgeworfene, vereinte Vielsternenlicht begegnet allenthalben auch denjenigen Lichtstrahlen, welche unmittelbar von den Sternen auf diese Erde einfallen, vereinigt sich dann mit diesen Lichtstrahlen und fällt dann gemeinschaftlich mit ihnen auf die Erde. Darin liegt die Unterstützung, und es wäre das alleinige Sonnenlicht sehr matt, wenn das Licht der Sterne nicht mit demselben wirkte; so wie das alleinige Licht des Mondes sehr schwach wäre, wenn dasselbe nicht von dem Sonnenlichte, wie dieses von dem Sternenlichte, unterstützt würde.

2. Daß ein Licht aber das andere unterstützen kann, das beweisen euch mehrere in einem Zimmer angezündete Lichter, die doch offenbar eine größere Helle verbreiten als ein einzelnes.

3. Auf der schon bekanntgegebenen Höhe der Berge kann aber diese Unterstützung darum nicht von solcher Wirkung sein wie in der tiefer gelegenen Gegend, weil, wie schon oben erwähnt, die Strahlen noch nicht die hinreichende Dichtigkeit erreicht haben, welches daher rührt, weil der Luftkreis um die Erde ein linsenförmig runder, durchsichtiger Körper ist, gleichsam wie ein großes Brennglas, bei dem der Sonnenstrahl, wenn er durch dasselbe geleitet ist, nicht sogleich hinter dem Glase die Brennstärke bekommt, sondern erst in jener Entfernung, die gleich ist dem halben Durchmesser jener Peripherie, aus der die kugelichte Oberfläche des Brennglases genommen ist; aber der Strahl tritt hinter dem Brennglase stets enger zusammen und wird daher auch stets wirkender, bis er endlich in der Brennpunktweite seine vollste Kraft erreicht. Der Brennpunkt der großen Luftlinse wäre freilich erst im Mittelpunkte der Erde, wohin aber nie ein Sonnenstrahl gelangt; aber dessenungeachtet wird der Lichtstrahl, der auf die Oberfläche dieser großen Erdlinse fällt, innerhalb derselben, gegen die Erde zu, sich gleichsam dem Brennpunkte nähernd, stets dichter und wirksamer. Gegenstände, als da sind die Berge, kommen dann schon mehr in den weniger dichten Teil der Lichtstrahlen als die tief gelegenen Täler und besonders die Meeresgegenden der Erde; daher die Strahlen aus den entfernteren Sternen da noch keine fühlbare Verdichtung haben können und daher auch noch keinen Einfluß auf die Vegetation ausüben, oder mit anderen Worten gesagt: Diese Lichtstrahlen bilden in solchen Höhen noch keine Spezifika; daher auch jene verschiedenen Pflanzengattungen, die derlei Spezifika vonnöten haben, auf solchen Höhen nicht mehr fortkommen.

4. Aus diesem Grunde ist aber auch auf solchen Höhen die Luft in sich stets reiner und reiner, was im Grunde ganz natürlich ist; denn: je weniger Gemenge sich in einer Flüssigkeit befindet, desto reiner muß die Flüssigkeit für sich dastehen, so wie auch ein Mensch in seinem Herzen stets reiner, frischer und kräftiger wird, je mehr er das vielartige Gemenge von allerlei Leidenschaften, Begehrungen und Bedürfnissen aus sich verbannt hat.

5. Weil aber eben auf solchen Höhen oder, besser gesagt, in diesen Regionen die Strahlen aus den kleineren Sternen, wie selbst die aus der Sonne, zufolge ihrer geringen Verdichtung noch keine solche Wirkung haben können als tiefer herab, so ist eine solche Höhenregion gewisserart ein Übergangspunkt von der früheren Nichtwirkung zur gleich darauf schon mehr und mehr entstehenden Wirkung; oder: auf solchen Höhen fangen die Strahlen an, sich zu verdichten, teils durch ihre eigene Verdichtung und teils durch den Reflex oder jene zurückgehenden Strahlen, welche von der Erdoberfläche wieder abprallen. – Durch dieses Strahlen und Gegenstrahlen werden dann in dem Lichte gewisse Evolutionen bewirkt, welches in sich wie eine Art Wogen aussieht. Wenn dieses Wogen eine Zeit fortdauert, so wird durch dasselbe auch ein Spezifikum aus dem Grunde hervorgerufen, weil eben dieses Wogen schon ein, nach eurer gelehrten Art zu sprechen, chemischer Lichtprozeß ist; und dieses Spezifikum, das in sich natürlich ein gemengtes, gar vielfaches ist, tritt dann zuerst als ein Hochgebirgsnebel in die Erscheinlichkeit; und wird dieser chemische Lichtprozeß nicht durch etwas unterbrochen, so werden aus den Nebeln bald Wolkenmassen in dieser Höhenregion zum Vorscheine kommen, die sich nach und nach stets mehr verdichten und endlich gar in Regentropfen oder, in Winterszeit, auch in Schneeflocken zur Erde herabfallen.

6. Daß der Regen und alle diese aus der Luft herabfallenden Dinge aus dem Lichte hervorgehen, beweist so manche Erscheinung auf der Erdoberfläche, besonders in den tropischen Ländern, wo nicht selten ein Regen fällt, der alles mit einem phosphorartigen Lichtschimmer überzieht, worauf er nur immer fällt; sogar die Meeresoberfläche glänzt oft so stark, als wäre sie ganz glühend. Auch Gegenstände, die von dem Meere befeuchtet werden, schimmern wie Moderholz in den Wäldern.

7. Nicht minder hat der Schnee ein eigenes Licht und zeigt deutlich, daß er ein Produkt des Lichtes ist.

8. Auf diese Weise entstehen alsdann, aus natürlicher Begebnisweise betrachtet, die Nebel und Wolkengebilde in unserer zweiten Luftregion, wobei aber freilich die gegenseitig polarisch wirkende Kraft des Nord- und Südpols, die besonders in dieser Region sich tätigst kundgibt, nicht außer acht zu lassen ist; denn durch sie werden diese Neugebilde mit der tellurischen Elektrizität gesättigt und bekommen durch diese Sättigung erst jene Kondensation, durch welche sie dann dem Erdkörper als eine Nahrung für dessen Pflanzen- und Tierwelt zugeführt werden.

9. Die gesättigten Wolken, die so das Tellurische in sich aufgenommen haben, bekommen gewöhnlich eine dunkle Färbung, während die ungesättigten, reinen viel weißer und auch leichter aussehen. Diese Doppelart von Wolken bildet dann unter sich selbst eine entgegengesetzte Polarität, wo sich die gesättigte, dunkle als negativ und die ungesättigte, reine, weiße als positiv darstellt.

10. Daß da allzeit die negative das kürzere ziehen muß, versteht sich von selbst. Denn: was schwer ist und stets schwerer wird, muß herabfallen. Daher auch Menschen, die ihr Herz mit zu viel tellurischen, negativen Albernheiten sättigen und dasselbe dadurch stets mehr und mehr beschweren und es eben dadurch auch dichter, undurchsichtiger und fürs Licht untauglicher machen, nicht geschickt sind, in das Reich des Lichtes aufzusteigen, wohl aber es dadurch tauglicher und tauglicher machen für den Hinabsturz in die Reiche der Finsternis.

11. Eine gewöhnliche Erscheinung auf solchen Höhen ist das, daß Menschen, die sich die Mühe nehmen, eine solche Höhe zu ersteigen, gewöhnlich auf eben so einer erstiegenen Höhe sehr heiter und fröhlich werden und leicht aller der Beschwerden vergessen, mit denen sie in der Tiefe zu kämpfen hatten.

12. Zugleich bekommen die meisten auch eine bedeutende, starke Lust zum Essen und zum Trinken und können oft auf einer solchen Höhe Speisen genießen, ohne irgend eine Magenbeschwerde sich zuzuziehen, welche Speisen sie in der Tiefe nicht einmal anschauen durften. Die Ursache davon liegt lediglich in der größeren Reinheit der Luft und hat eine große Ähnlichkeit mit dem Zustande der Seligen, die auch alles genießen dürfen, ohne daß es ihnen etwas schadet, weil in dem Reinen alles mehr und mehr gereinigt wird und das Schädliche dort nicht mehr schädlich werden kann, wo es in Ermangelung der dazu erforderlichen Spezifika keine weiter ausbildende Nahrung mehr findet.

13. Das wäre somit eine genügende Darstellung der zweiten Luftregion, welche sich über 10000 Klafter über dem Meeresspiegel erhebt und natürlich, je weiter aufwärts, stets reiner wird. – Nächstens werden wir daher uns in die dritte Luftregion begeben und sehen, was da geschieht, und wozu diese Luftregion dienlich ist.

T1.24. Das Auge der Erde.

5. Februar 1847

1. Die dritte Luftregion ruht auf der zweiten ungefähr sogestaltig, als so jemand ein sehr reines, ätherisches Öl über ein reines Wasser geben würde, wo dieses Öl dann sich nicht mit dem Wasser vermengt, sondern, obschon knapp an der Wasseroberfläche liegend, aber jedoch nicht die Reinheit des Wasserspiegels beeinträchtigend, im Gegenteile diesem Spiegel einen doppelt schönen Glanz verleiht. Diese dritte Luftregion ist auch gleich wie ein ätherisches Öl; sie ist gewisserart das Schmalz, womit die beiden unteren Luftschichten geschmalzen werden, und ist zugleich das ätherische Salz, welches die unteren Luftschichten salzt und sie somit zum Genusse für Tiere und Pflanzen wohlschmeckend macht.

2. Alle Wohlgerüche kommen von dieser dritten Luftregion herab, wo sie durch das Licht und Salz – d. i. ein ätherisches Salz – herabgeführt werden, um durch die in der Nähe der Pflanzen angesammelte Elektrizität in die Pflanzen selbst geleitet zu werden und ihnen das ätherische Öl und mit demselben den mannigfaltigsten Wohlgeruch zu geben. Bei manchen Pflanzen kann man dieses Öl in sehr kleinen, höchst durchsichtigen Harzkügelchen mit freiem Auge, sehr gut aber mit einem Mikroskope, entdecken.

3. Kurz und gut, mit einem gesagt: Der Geruch, auch zum größten Teile der Wohlgeschmack, und die mannigfaltige schöne Färbung, besonders der Blumen wie auch der Früchte, rühren hauptsächlich von dieser dritten Luftregion her; denn der Geschmack, der Geruch, wie auch zum größten Teile die schöne Färbung, sind rein ätherische Substanzen und können daher nur von dort ihren Ursprung haben, wo sie am nächsten dem Äther sind, von dem alle diese zahllos vielen ätherischen Spezifikalsubstanzen herrühren.

4. Diese spezifikalätherischen Substanzen ergreifen sich in dieser dritten Luftregion und machen gewisserart ein Fluidum aus, welches aber in den durchgehenden, verschiedenartigen Strahlen aus den zahllosen vielen Sternen seine gewisserart chemische Verwandtschaft findet, sich mit denselben vereinigt und zu der Erde herabkommt und diejenigen Pflanzen oder Tiere substanziell erfüllt, welche mit den verschiedenen Lichtspezifikalgrundstoffen entsprechende Verwandtschaft haben.

5. Diese dritte Luftregion entspricht auch jeder Pflanze, und zwar dem Außenteile derselben; dieser Außenteil bei den Pflanzen ist allezeit die Knospe, die Blüte und auch die Frucht, sowie auch die Blätter und die elektrizitätsaugenden Spitzen an denselben. Alle diese Teile an den Pflanzen haben ein ätherisch reines Aussehen. Dieses ist gleichentsprechend der dritten Luftregion. Denn gewöhnlich ist es äußerst zart, subtil und wohlschmeckend, bei manchen Pflanzen freilich auch widerlich riechend; allein dieser widerliche Geruch ist nur eine Folge der Überwiegenheit der inneren, tellurischen Säfte, welche gewisserart von diesen reinen, himmlischen Substanzen nicht überboten werden können.

6. Bei den Tieren findet man noch auffallender die Substanzen aus dieser dritten Luftregion vereinigt. Aber freilich sind sie hier gewisserart schon in der zweiten Hand, daher auch nicht so rein ätherisch wie bei manchen Pflanzen; jedoch das Mark im Kopfe, welches gewöhnlich durch die Haare aus der Luft absorbiert wird, und ganz besonders die höchst reinen Flüssigkeiten im Auge – besonders jene unter der ersten Hornhaut, wie auch die Hornhaut selbst – werden durch die Augenbrauen und Augenlider aus der Luft absorbiert und dann in das Auge geleitet; und demnach ist diese dritte Luftregion dem Auge gewisserart ähnlich, und zwar auch aus dem Grunde ähnlich, da sie nebst den schon oben angezeigten Zwecken auch diesen Zweck hat für die gesamte Erde, welchen Zweck das Auge bei den Menschen und bei den Tieren hat.

7. Diese dritte Luftregion ist also auch so ganz eigentlich das Auge der Erde; denn hätte die Erde nicht ein solches allgemeines Sehvermögen, so würde auch kein Wesen auf ihr eines haben; denn die Sache ist ganz natürlich: Was jemand nicht hat, das kann er nicht geben; hat man es aber, so kann man es geben; wie auch: Wo nichts ist, hat Kaiser und Tod sein Recht verloren.

8. Aber nicht nur allein die Erde hat in dieser dritten Luftregion ihr Auge, welches um die ganze Erde ausgebreitet ist, sondern auch jede Pflanze hat in ihren, dieser dritten Luftregion entsprechenden Teilen ein Sehvermögen oder gewisserart ein Auge, durch welches sie das Licht in sich aufnimmt. Daß die Pflanze aber gewiß und bestimmt auch ein Auge hat oder besser ein ihr eigentümliches Sehvermögen, rührt ganz begreiflich schon aus dem Umstande her, daß die meisten, ja fast alle Pflanzen ihre Blumenkelche der Sonne zuwenden, um von ihr das Licht einzusaugen; auch kann man diese Wahrheit daraus erkennen, daß eine Pflanze, welche in einem finstern Keller emporkeimt, ihren Keim genau dahin treibt, wo sich eine Lichtöffnung befindet, und hat sie diese gefunden, dann beugt sie ihren Kopf ja nicht mehr zurück, sondern schiebt denselben fortwährend stets mehr dem helleren Lichte entgegen.

9. Es dürfte wohl mancher fragen: Wozu braucht wohl die Erde nach allem dem also ein großes allgemeines Auge? Was schaut sie damit, und kann sie sich von dem wohl eine Vorstellung machen, was sie schaut?

10. Da sage Ich: Alles nach seiner Art! Die Erde schaut fortwährend den ganzen unendlichen Raum um sich herum, und diese allgemeine Anschauung erzeugt in der Erde selbst bei allen in ihr wohnenden Geistern eine allgemeine entsprechende Vorstellung, aus welcher jedes einzelne geistige Wesen seine Intelligenz schöpft, und zwar jene für die Außenwelt. Das aber wäre unmöglich ohne das allgemeine, große Sehvermögen der Erde. Die Erde als Körper weiß in ihrem Allgemeinwesen freilich nichts von dem, was sie schaut; und es wäre auch nicht notwendig, der Erde eine eigene, sich selbst bewußte Erkenntnis zu geben, weil sie – wie wir es in dem späteren, geistigen Teile hören werden – kein für sich einzeln selbständiges Wesen ist, sondern sie ist ein endlos vielfaches Wesen und besteht aus zahllosen einzelnen Intelligenzen. Diese Intelligenzen aber sind es, die des großen, allgemeinen Erdauges bedürfen, so wie auch jeder Mensch und jedes Tier ohne dieses allgemeine Erdauge mit seinem eigenen Auge nichts sehen würde, denn durch eben dieses Auge schaut der Mensch die Sonne, den Mond und die Sterne. Denn das wird etwa doch klar sein, daß der Mensch mit seinem kleinen Auge unmöglich je die große Sonne übersehen könnte, wenn nicht zuvor das große Erdauge ein Kleinbild von der Sonne aufnehmen und dieses dann erst dem menschlichen Auge zuführen würde. Und so sieht niemand etwa die Sonne oder den Mond und die Sterne, wie sie da sind in ihrer Eigentümlichkeit und in ihrer weiten Ferne, sondern nur deren Abbilder von der Oberfläche des großen allgemeinen Erdauges, dessen Oberfläche – wie schon einmal bemerkt – noch mehr als der reinste Wasserspiegel glänzend und daher sehr geeignet zur Aufnahme der Bilder von den großen, sie umgebenden Weltkörpern ist.

11. Dieser Eigenschaft der Erde zufolge hat es dann auch wirklich schon Narren von Astronomen gegeben, welche die Sonne für höchstens zehn Meilen entfernt angenommen haben und die Sonne für ein Meteor hielten, welches leicht binnen 24 Stunden um die Erde kreise. Allein zu dieser törichten Meinung hat sie bloß die Erscheinlichkeit geleitet, derzufolge das von euch gesehene Bild der Sonne wirklich nicht viel weiter von der Erde absteht. Aber dieses Bild ist nicht die Wirklichkeit, sondern ist nur ein Kleinbild jener großen Sonne, die über 20 Millionen Meilen von der Erde absteht. Zugleich aber nimmt dieses Auge auch Bilder von der Oberfläche des Erdkörpers auf und führt dieselben weiter zu den anderen Weltkörpern, so wie auch die anderen Weltkörper ihre Oberflächen durch ihr allgemeines Auge zu dem allgemeinen Auge dieser Erde führen. Aus dieser Eigenschaft sind besonders in den tropischen Ländern die sogenannten Fata Morgana-Erscheinungen zu erklären, und in den tropischen Ländern darum, weil dort diese dritte Luftregion zuweilen sogar unter manche, nicht einmal sehr bedeutende Berghöhen sich senkt. Auch sind die in den tropischen Ländern, besonders auf den Gebirgen, nicht selten vorkommenden balsamischen Düfte ein Grund davon, daß sich diese dritte Luftregion manchmal so tief hinabsenkt; denn da würdet ihr vor lauter Wohlgeruch nicht bestehen können.

12. Was diese dritte Luftregion noch für Eigenschaften hat, welche Erscheinungen noch in ihr ersichtlich vorkommen, und wie sie manchmal von der Erde aus gesehen wird, darüber werden wir nächstens noch einige Betrachtungen anstellen.

T1.25. Das Wesen des Feuers.

6. Februar 1847

1. Diese dritte Luftregion, die, wie schon oben bemerkt, als die reinste, somit auch durchsichtigste, wie ein ätherisches Öl auf der zweiten Luftregion ruht, hat nebst den bereits schon erwähnten Eigenschaften auch diese ganz besondere, daß sie durch irgend eine Störung sich überaus leicht entzündet; besonders aber leicht entzündlich ist sie an jenen Stellen, wo irgend ein Körper, als z.B. ein Meteorit, in ihre Region gerät und sie gewisserart eine bedeutende Strecke hin durchschneidet. Diese Entzündung ist jedoch ganz eigentümlicher Art, und das darum, weil dabei kein Verbrennen stattfindet. Es ist ein Leuchten, aber kein Verbrennen. Dieses Leuchten und diese ganz besondere Art der Entzündung zu erklären, wird für eure Begriffe freilich wohl etwas schwer sein; aber dessenungeachtet werden wir trachten, die Sache so klar wie möglich zu machen.

2. Um diesen besonderen Akt zu verstehen, muß vorerst über das Entzünden oder überhaupt über die Natur des Entzündens etwas Näheres gesagt werden.

3. Was ist denn eigentlich das Entzünden? – Da würden freilich manche sagen: Wenn man brennbare Gegenstände an das Feuer bringt oder sie überhaupt einer großen Hitze aussetzt, so entzünden sie sich und verbrennen nachher. Allein mit dieser Erklärung wird niemand gar zu weit kommen, denn das weiß die einfachste Küchenmagd, daß sich Holz und andere brennbare Gegenstände entzünden, wenn man sie ins Feuer bringt.

4. Aber: Was ist das Feuer, welches in sich selbst die Entzündung ist? Das kann auf keinem physischen Wege mehr erklärt werden, weil das, was eigentlich Feuer ist, allzeit schon ins rein Geistige greift; ob gut oder böse, das ist hier einerlei.

5. In aller Materie sind Geister. Wenn diese irgend angeregt werden, so entzünden sie sich, oder sie kommen in einen stets größeren Eifer, in welchem sich ihre Tätigkeit und ihre Kraftäußerung vermehrt. In solcher Potenzierung des Eifers und der Kraft geschieht dann auch eine übergroße regsame Bewegung, welche sich wie überaus schnelle Schwingungen aufeinander folgt. Durch diese Bewegung wird die Materie zerstört, der große Eifer reißt alles in die allerkleinsten Atome auseinander. Die Geister werden endlich nach der völligen Besiegung der Materie flott und suchen in der Erscheinlichkeit der aufsteigenden Rauchsäule ihre Freiheit, und die Materie bleibt als Asche zurück.

6. Demnach ist das Entzünden ein Erregen des Geistigen in der Materie, und die Fortdauer und das stets Mächtigerwerden des Erregens ist der Akt des Verbrennens. Das Leuchten des Feuers liegt in der überaus starken und schnellen Bewegung des Geistigen, und die Fortpflanzung des Lichtes von dem Feuer ist ebenfalls eine Erregung der gleichen Geister in der gesamten Materie wie im gesamten Luftkreise. Darin besteht der Akt des Entzündens und Verbrennens.

7. Aber wohlgemerkt, hier auf der Erde geschieht das gewöhnlich durch die Erregtheit noch unlauterer und unreiner Geister; daher das Feuer gewöhnlich schmutzig und rötlich, gewisserart noch grimm- und zornsprühend, aussieht.

8. Es kann aber auch eine andere Entzündung stattfinden, nämlich durch den Eifer der Liebe; diese Entzündung ist jedoch nicht zerstörend und verderbend.

9. Etwas Ähnliches von einer solchen Entzündung ist das Widerstrahlen des Sonnenlichtes von der Oberfläche des Wassers. Durch das Liebelicht der Sonne werden die friedlichen Geister des Wassers eben auch sehr erregt, aber sie zerstören in dieser Erregsamkeit nichts. Es wird zwar die ganze Oberfläche des Wassers entzündet und sprüht weit und breit die Strahlen wieder von sich hinaus; aber dennoch verbrennt dabei nichts.

10. Gleicherweise geschieht auch im Spiegel eine Entzündung, wenn der Strahl darauf fällt; aber es geht dabei kein Akt des Verbrennens vor sich, weil da eine Anregung des Gutgeistigen stattfindet. Wird aber ein gutgeistiger Sonnenstrahl der Liebe potenziert auf Körper geleitet, die noch unlauteres Geistiges in sich haben, da entzündet er auch mit dem Akte des Verbrennens.

11. Nun sehet, da wir einmal den Akt des Entzündens für euch so faßlich als möglich erörtert haben, so ist es nun ein Leichtes, das Entzünden dieses Ätherluftgehaltes in der dritten Luftregion, wenn diese durch einen Körper in ihrer gewöhnlichen Ruhe gestört wird, zu erklären. Ein durch diese dritte Luftsphäre fallendes oder fliegendes Meteor reißt die Luft natürlich auseinander; dadurch bekommt diese Luft ob der gewöhnlich sehr schnellen Bewegung solcher Körper einen hohlen Raum. Dieser hohle Raum bildet aber eine Spiegelfläche, in welcher sich in dem Augenblicke die Lichtstrahlen von zahllosen Sternen wie in einem Hohlspiegel, oder noch besser, wie in einem Zylinderspiegel konzentrieren, und dieser Strahlenreflex hat, von der Erde aus gesehen, das Ansehen eines Feuers; allein es ist durchaus kein Feuer, sondern bloß die reflektierende, obbeschriebene Wirkung des Sternenlichtes in dem neugebildeten Luftzylinderspiegel.

12. Diese Erscheinlichkeit in dieser dritten Luftregion ist demnach eine ganz besondere Eigenschaft eben dieser dritten Luftregion, weil eine gleiche Erscheinlichkeit in den unteren Luftregionen darum nicht vorkommen kann, weil in ihnen die Luft zu schwer ist und zu schnell hinter einem sie durchschneidenden Körper zusammenfällt, während die sehr leichte Luft der dritten Region nur sukzessiert zusammenfällt, aus welcher Ursache hinter einem solchen fliegenden Meteore noch ein langer, drachenähnlicher Schweif zu sehen ist.

T1.26. Erscheinungen in der dritten Luftregion.

8. Februar 1847

1. Alle derlei Erscheinungen müssen aber dennoch nicht als völlig gleichartig betrachtet werden, da es unter den leuchtenden Meteoren auch wirklich einige gibt, die sich derart entzünden, daß da mit der Entzündung auch wirklich ein Verbrennen vor sich geht; aber dessenungeachtet rührt die Entzündung solcher meteorischer Körper dennoch von der dritten Luftregion her, wobei aber der Akt des Verbrennens erst dann eintritt, wenn ein solches Meteor von einem größeren Durchmesser in die zweite, oder manchmal wohl gar in die erste Luftregion der Erde gelangt und eine sehr schnelle Bewegung hat. Denn eine mittelschnelle oder schon mehr einer starken Verzögerung sich nähernde Bewegung bedingt die verbrennbare Entzündung nicht. Ein Meteor muß in einer Sekunde wenigstens eine bis fünf deutsche Meilen zurücklegen, wenn es sich wirklich verbrennbar entzünden soll; ist die Bewegung langsamer, so erfolgt keine Entzündung, mit der das Verbrennen verbunden ist.

2. Als eine besondere Erscheinlichkeit bei der Entzündung oder noch besser beim Leuchten der durch die dritte Luftregion fallenden Meteore ist das anzusehen, daß besonders der Kopf eines solchen Meteors am meisten leuchtet. Dieses Leuchten des Kopfes, solange derselbe die dritte Luftregion durchschneidet, ist ganz homogen dem Leuchten dessen Schweifes; es ist ein konzentrierter Strahlenreflex, und das darum, weil der feste Körper, der dazu noch gewöhnlich rund ist, um sich ganz natürlich die leichte, ätherische Luft auseinandertrennt und um sich, besonders am vorderen Teile des Kopfes, eine Lufthülse bildet, welche um den Körper eine hohlspiegelartig glänzende Fläche macht, die das Licht von den leuchtenden Weltkörpern aufnimmt und es dann weiter zur Erde herabspendet; und so jemand einen runden Stein sehr heftig in ein reines Wasser werfen möchte, der könnte sich von einer ähnlichen Erscheinung ein kleines Ebenbild machen, – denn wenn der Stein auch schwarz ist, so wird man ihn unter dem Wasser mit einem ganz weißen Kopfe vordringen sehen. Dieses Weiße des Kopfes ist nichts anderes als ein durch den schnellen Vordrang des Steines gebildeter Wasserhohlspiegel, der die in das Wasser fallenden Strahlen konzentrierter aufnimmt und wieder zurückwirft. Aus eben diesem Grunde erscheint auch der Schaum des Wasser weiß, weil die Wasserblasen gewisserart lauter Hohlspiegel sind, welche in sich eine Menge Strahlen aufnehmen und sie dann konzentriert wieder ausstrahlen lassen. Was hier das Wasser zeigt, das zeigt dort das Leuchten eines Meteors, nämlich nichts anderes als einen konzentrierten Reflex des Lichtes.

3. Wann aber ein dem Volumen nach größeres Meteor in die zweite Luftregion herabkommt, dann entzündet es sich oft wirklich, und zwar durch die Reibung in der schwereren Luftschicht. Ist die Bewegung sehr schnell, so kann ein solches Meteor sogar noch wirklich brennend auf die Erde herabkommen, was jedoch äußerst selten geschieht. Bei einer verzögerten Bewegung, welche in der dichteren Luftregion leicht erklärbar ist, tritt dann bald das Erlöschen ein, und der Körper fällt dann ganz finster irgendwo zur Erde nieder. Doch würde selbst ein größeres Meteor bei sehr schneller Bewegung sich dennoch nicht entzünden, wenn es nicht zuvor mit der sehr leicht brennbaren ätherischen Luft der dritten Region gesättigt worden wäre. Diese ätherische Luft ist dann das eigentliche brennbare Wesen eines solchen Meteors, wenn dasselbe in die dichtere Luftregion gelangt ist.

4. Das ist nun das Gesamte von der besonderen Erscheinlichkeit in unserer dritten Luftregion und auch das besonders Eigenschaftliche eben dieser Region mit in sich begreifend. Es handelt sich nun nur noch darzutun, wie diese Luft und die in ihr vorkommenden Erscheinungen von der Erde aus gesehen werden. Was das Wie-Gesehenwerden der Meteore anbelangt, das braucht wohl keine weitere Erklärung mehr; aber es gibt noch andere Erscheinlichkeiten, die aus dieser Luft herrühren, und diese müssen wir auch noch berühren, damit wir dann alles wissen, was zum Materialismus des Erdkörpers gehört.

5. Ihr werdet schon oft so ganz weiße, fein geriegelte sogenannte Lämmerwolken gesehen haben. Diese Wolken sind äußerst subtil und so durchsichtig, daß sie selbst das Licht der Sterne beinahe ganz ungetrübt durchscheinen lassen. Diese Lämmerwolken sind die höchsten, die über dem Erdkörper vorkommen; diese Wolken entstehen durch eine gewisse Art Vermählung des reinen Äthers mit der Oberfläche der dritten Luftregion; sie sind eigentlich gar keine Wolken, sondern bloß wellenartige Bewegungen auf der höchsten Oberfläche der dritten Luftregion, die dadurch hervorgerufen werden, wenn durch den weiten Äther gewisse Lichtwesen sich der Erde zu nähern anfangen, welche Lichtwesen auf euch schon bekanntem Wege den Sonnenkörpern entstammen. Da diese substanziellen Wesenheiten schon eine gewisse Ponderabilität haben, so bringen sie durch den Aufsturz auf die leicht erregbare Oberfläche der dritten Luftregion eine wellenartige Bewegung auf selbiger hervor, welche Bewegung das auffallende Sonnenlicht nicht mehr geradlinig, sondern mit manchen Brechungen durchgehen läßt; und diese verschiedenartige Brechung auf den Wellen der dritten Luftregion bewirkt dann eben jene Erscheinung, die sich wie weiße, feingeriegelte Lämmerwölkchen ausnehmen läßt.

6. Daß nach solchen Erscheinungen gewöhnlich gern Ungewitter eintreten, das rührt doch ganz klar von der Ankunft fremder Gäste her, die von den geistigen Erdbewohnern gewisserart gefragt werden, woher des Landes, und was sie hier machen. Bei solchen Fragen gibt es dann immer manche Reibungen und Anstaltenmachungen, wie solche neue Ankömmlinge auf eine für die Erde unschädliche Art allda Platz finden können. Wollen sich die neuen Ankömmlinge geduldig fügen, was selten der Fall ist, dann erfolgt auf die Lämmerwölkchen kein Ungewitter; wenn aber das nicht der Fall ist, so wird geordnete Macht für Recht gebracht, und dann muß sich das fügen, was sich früher freiwillig fügen sollte. – Das wäre demnach wieder eine eigentümliche Erscheinung aus dieser dritten Luftregion, und auch, wie sie von der Erde aus gesehen wird.

7. Endlich aber gibt es noch eine, die wohl seltener gesehen wird, aber dessenungeachtet sehr beachtenswert ist, weil sie sozusagen eine rein geistige Erscheinlichkeit ist, welche aber dennoch mit dem fleischlichen Auge wahrgenommen werden kann. Diese Erscheinung kommt nur in äußerst warmen Tagen zum Vorschein und ist in einer Art weißblauer Streifen ersichtlich. Diese Streifen sind ein Moment der seligen Geister, wo diese gewisserart gesellschaftlich zusammentreten, in der Ruhe sich vergnügen und dann weiter beraten, was sie tun werden, und wie die Ämter neuen Geistern zur Verwaltung unterbreitet werden. An solchem Tage ist dann auch auf dem Erdboden beinahe Totenstille; da regt sich kein Blättchen, kein Wölkchen von gewöhnlicher Art ist irgend zu erschauen, und auf der Erde ist es drückend heiß. Dieser Zustand aber dauert nie lange. Wird gewisserart diese Sitzung aufgehoben, dann bemerkt man schon wieder Regungen, und besonders wenn neue Geister zur Beherrschung der Luft, der Gebirge, der Meere usw. gestellt werden, dann ist es nicht selten auch der Fall, daß die neuen Besen reiner kehren als die alten; daher wird es nach solchen Erscheinungen auch bald eine Menge von allerlei Winden geben, und die Luftschweremesser werden fleißig auf „Veränderlich“ stehen, daher es bei einer solchen Erscheinung mit der Beständigkeit des Wetters auf eine Zeitlang ein Ende hat.

8. Diese obbeschriebenen weißblauen Streifen sind demnach nichts anderes als gewisserart ruhig beisammenstehende Geisterheere, und zwar auf der Oberfläche der dritten und reinsten Luftregion, welche auf diese nun beschriebene Art sogar vom fleischlichen Auge des Menschen gesehen werden können.

9. Geistig bestellte Menschen, deren Sehe eine doppelte ist, würden da mehr als bloß weißblaue Streifen sehen; allein derart Menschen sind in dieser Zeit, wo man alles aus Eisen zu modellieren anfängt, noch seltener geworden als die Diamanten in den Nordgegenden der Erde, wo sie zwar wohl auch vorkommen, aber, wie gesagt, überaus selten; und wann sie schon vorkommen, so sind sie klein, unansehnlich und somit auch von keinem besonders großen Werte, – oder: es gibt nun ganz verzweifelt wenig Paulusse und Petrusse mehr.

10. Damit ist aber auch die natürliche oder materielle Darstellung der Erde zu Ende, und wir werden somit nächstens uns über die geistige Erde beschaulich machen.

T2. Die geistige Erde

T2.27. Entstehung und Zweck der Materie.

9. Februar 1847

1. Bei der Betrachtung des geistigen Teiles der Erde werden wir, um uns gründlich zu instruieren, eine retrograde Bewegung machen und werden nicht aus der Tiefe in die Höhe, sondern aus der Höhe in die Tiefe steigen, was da ganz in der Ordnung ist, weil man nicht von innen nach außen, sondern von außen nach innen sich kehren muß, um zu dem eigentlich Geistigen zu gelangen, das da bei jedem Dinge das Tiefste und das Inwendigste ist.

2. Es ist euch schon zu oftmals gezeigt worden, daß innerhalb des Materiellen sich allezeit Geistiges birgt, und wie die eigentlich schaubare Materie an und für sich im Grunde nichts anderes ist als gefangenes, gefesseltes und fixiertes Geistiges; dennoch aber soll auch hier zur gründlicheren Erkenntnis dessen noch so manches Erläuternde folgen.

3. Ihr könnt was immer für eine Materie betrachten, so werdet ihr es dennoch nicht finden, daß diese nur irgend als vollkommen solid in die Erscheinlichkeit tritt, sondern jede Materie ist teilbar, weil sie aus Teilen besteht, und zwischen diesen Teilen sind noch immer Räumchen, die von den Naturkundigen Poren genannt werden.

4. Über die Teilung der Materie ist bis jetzt noch kein Gelehrter im reinen, und niemand kann es bestimmen, in welche endlich kleinsten Teile die Materie teilbar ist. Man nehme nur z.B. einen Gran Moschus, lege ihn in einem großen Gemache auf irgend einen Platz: in kurzer Zeit wird das große Gemach in all seinen Räumen mit dem Moschusdufte erfüllt sein, und man darf ein solches Stückchen viele Jahre liegen lassen, und es wird weder an seinem Volumen noch an seinem Gewichte etwas Merkliches verlieren; und doch mußten in jeder Sekunde viele Millionen Teilchen sich von diesem Stückchen flüchtig abgelöst haben, um fortwährend die weiten Räumlichkeiten des Gemaches mit dem Moschusdufte zu erfüllen. Dergleichen Beispiele könnten noch eine große Menge angeführt werden; allein für unsere Sache genügt dieses einzige, um einzusehen, daß es da mit irgend einer definitiven Bestimmung über die endliche Teilbarkeit der Materie sicher seine geweisten Wege hat. Wenn aber nun dargetan ist, daß wenigstens für eure Begriffe alle Materie bis in ein nahe unendliches Minimun teilbar ist, so ist es doch anderseits mehr als klar, daß die Materie notwendig aus Teilen zusammengesetzt sein muß. Wer aber zieht diese Teile zusammen und klebt sie so fest aneinander, daß sie endlich wie eine einfache Masse aussehen, die manchmal mehr, manchmal weniger fest ist? – Sehet, da ist schon die erste Stufe, auf welcher das Geistige beginnt.

5. Diese endlos kleinen Teile sind ursprünglich nichts als lediglich eine Ideenkraft aus Mir, dem Schöpfer aller Dinge; diese Ideenkraft bekommt Form, und die Form bekommt Leben aus dem Leben des Schöpfers.

6. Der Schöpfer gibt die neubelebte Form frei von Sich, gibt ihr aus Seinem eigenen Urlichte ein Eigenlicht und mit diesem Lichte, das lebendig ist, die eigene Intelligenz, durch die die neubelebte Form sich erkennt und ihrer selbst wie ein selbständiges Wesen bewußt wird.

7. Hat die Form sich also erkannt, da wird ihr die Ordnung, ein Gesetz alles Seins, gegeben, mit dieser Ordnung das innerste Feuer der Gottheit, ein Funke der ewigen Liebe; aus dem geht hervor der Wille. Nun hat die neubelebte Form Licht, Selbsterkenntnis, Selbstbewußtsein, die Ordnung und den Willen und kann ihren Willen der Ordnung gemäß einrichten oder auch dieser Ordnung dawiderhandeln.

8. Handelt und bewegt sich so ein neues Geschöpf der Ordnung gemäß, so wird es wie ein Baum erfesten und wird als ein vollkommenes, freies Wesen in dem großen Schöpfungsraume auftreten zum ewigen Fortbestehen, weil all sein Wesen aus Mir, der Ich doch sicher ewig bin und ewig sein werde, geschöpft ist; und darum ist der Mensch ein Geschöpf, weil all sein Wesen aus Mir geschöpft ist, und sein Los kann kein anderes sein als Mein eigenes, weil das seinige aus Mir geschöpft ist, so, als wenn jemand aus dem Brunnen ein Wasser schöpft, das Wasser im Gefäße gleich ist dem Wasser im Brunnen und die gleiche Bestimmung hat als das Grundwasser im Brunnen, aus dem es geschöpft wurde.

9. Wenn aber so ein neues Wesen oder Geschöpf mit seinem freien Willen der gegebenen Ordnung nicht Folge leistet, so geht es natürlich seinem Untergange oder seiner Auflösung entgegen, was ganz natürlich leicht begriffen werden kann.

10. Wenn jemand eine Pflanze in die Erde setzt, gönnt ihr aber keine Feuchtigkeit, kein Sonnenlicht und keine Wärme, – was wird wohl mit der Pflanze? Nehmen wir aber an, die Pflanze hätte freies Bewußtsein und könnte sich nehmen Wasser, Licht und Wärme, sie wollte aber nicht, – was wird aus ihr? Sie wird verdorren und vergehen.

11. Oder jemand wollte sich von einem Maler vollkommen ähnlich abbilden lassen, will aber sein Antlitz dem Maler nie zuwenden, – was wird das am Ende für ein Abbild werden?

12. Mir, dem Schöpfer, aber kann es nicht gleichgültig sein, ob ein Wesen, das nicht bloß von Mir nur wie ein Bild in der Idee gefaßt, sondern auf obbeschriebene Weise aus der Fülle Meiner göttlichen Wesenheit geschöpft wurde, nur eine Zeitlang oder ewig besteht. Das erste müßte offenbar einen Teil aus Mir vernichten können, was unmöglich ist; also es kann, wenn es einmal geschöpft ist, nur für Ewigkeiten geschöpft sein.

13. Aber ein solches Geschöpf kann sich in Meiner Ordnung verkehren, und das ist ebensoviel als gewisserart für Mich aufhören zu sein; denn der nicht für Mich ist, der ist wider Mich. Auf diesem Wege aber würde sich mit der Zeit neben Mir eine entgegengesetzte Kraft und Machtpotenz bilden, die Meinem freien Wirken Störungen entgegensetzen würde, was mit anderen Worten nichts anderes heißen würde als: Ich, die allerhöchste Vollkommenheit, müßte Selbst unvollkommen sein, um eine Unvollkommenheit neben Mir zu dulden.

14. Um diesem allerhöchsten Übel zu steuern, wird ein Geschöpf, welches sich nicht in Meine gegebene Ordnung fügen will, alsogleich gefangengenommen und wird fixiert auf einen Punkt und auf eine Stelle; und sehet, diese Fixierung ist das, was ihr als Materie kennet, sehet und empfindet.

15. In den endlos vielen Teilchen der Materie liegt die endlose Intelligenz des neugeschaffenen, aber nun gefangengenommenen Wesens zugrunde, welche Intelligenz nimmer zugrunde gehen kann; aber sie ist gefestet und gegen die Sonne des Geistes gekehrt auf so lange, bis sie zu jener Reife gelangt ist, wie ein Spiegel, der so lange das Licht der Sonne aufnimmt, bis die Sonne ihn verkehret und ihn blind macht für alles andere, als bloß allein nur am Ende noch fähig, das Licht der Sonne aufzunehmen. Dem Außen nach wird der Spiegel freilich immer matter, und seine Materie wird lockerer und poröser; aber diese Materie wird eben dadurch stets fähiger, in all ihren aufgelösten Teilen das Bild der Sonne, wenn auch höchst verjüngt, aufzunehmen, und das ist eigentlich der gute Übergang: daß ein solches Wesen anfängt, in all seinen Teilen die Gottheit aufzunehmen, und nicht nur in einem einzelnen Teile. Und so ist es nicht genug, daß da jemand sagt: „Herr, Herr!“, sondern er muß den Herrn in alle seine Lebensfibern aufgenommen haben; dann erst ist er reif, wieder dahin zurückzukehren, von wannen er gekommen ist.

16. Aus diesem Grunde muß endlich alle Materie wieder in das Minutissimum aufgelöst werden, damit kein Teilchen da mehr vorkommt, das nicht fähig wäre, das Bild der ewigen Sonne aufzunehmen; und in dieser Aufnahme des ewigen Urbildes ist dann wieder die neue Schöpfung, in der sich die vorher gefangenen, nun aber wieder frei gewordenen endlosen Intelligenzen eines Wesens wieder ergreifen, in die erste Urform zurückgehen und wieder das werden, was sie schon im Urbeginne hätten werden sollen.

17. Aus dieser Vorleitung wird euch sicher klar, daß in der Materie unmöglich etwas anderes als lediglich nur Geistiges sein kann; und wir können nun auf wohlerleuchteten Wegen unsere Wanderungen über und in die geistige Erde machen.

T2.28. Die Geister der obersten Luftregion.

10. Februar 1847

1. Wenden wir uns zuerst in die oberste Luftregion und sehen uns da um, was dahier für geistige Wesen zu Hause sind, und wie sie schalten und walten.

2. In dieser Region sind schon lauter vollkommene Geister, und lauter solche, die ehedem leibliche Menschen auf dem Erdkörper waren. Diese genießen schon fortwährend Licht; denn auch natürlichermaßen wird es in solcher Höhe nimmer vollkommen finster. Aber in der geistigen Natur ist da schon ein fortwährender, ununterbrochener Tag; denn diese dritte Region beurkundet schon ein drittes, ganz reines geistiges Stadium, während die zweite Region noch nicht rein und sehr häufigen Trübungen ausgesetzt ist; noch mehr aber ist es die erste oder unterste Luftregion, in welcher, gleichsam im ersten Stadium, Gutes und Böses wie Kraut und Rüben untereinander wallet.

3. Wir wissen nun, daß in der dritten Region die reinsten Geister von dieser Erde zu Hause sind. Warum aber? Was machen sie da?

4. Kein Geist, der von dieser äußeren natürlichen Erde auch noch so vollendet in die geistige übergeht, kann sogleich in das eigentliche große Himmelreich emporsteigen, und das darum nicht, weil zu seiner endlichen Vollendung noch immer etwas im Erdkörper zurückbleibt, was er nur nach und nach aufnehmen kann. Erst wann er den letzten Rest dessen, was ihm angehörte, veredelt und vergeistigt in sein Wesen aufgenommen hat, kann er diese Region verlassen und in eine wirkliche erste Stufe des Himmelreiches eingehen.

5. Der Geist zwar an und für sich, als das Urprinzip des Lebens aus Mir, braucht freilich wohl nichts aus dem Erdkörper zu seiner Vollendung; aber seine formelle Wesenheit, die da ist die Seele, diese muß das wieder in sich vereinen bis auf das letzte Atom, was ihr einst aus der endlosen Fülle Meiner sie formenden Idee gegeben ward. Dieses Gegebene besteht in den endlos vielen Intelligenzpartikeln, welche natürlicherweise beim Absterben des Menschen nicht auf einmal flottgemacht werden können. Da sind Teile seines Leibes und Spezifika, die er Zeit seines Lebens ein- und ausgehaucht hat, auch alle Abfälle seines Leibes, seine Tränen, auch sonstige Auswürfe seines Leibes, sogar seine Kleidung, seine Behausung; kurz alles, was er irgendwann durch seine Kraft hervorgebracht und getan hat, das alles muß mit der Zeit als gewisserart ein geläutertes psychisches Spezifikum von der Psyche aufgenommen werden, damit der Geist dann in sich selbst eine vollendete Beschauung und durch diese Beschauung eine klarste Rückerinnerung an alles das hat, was mit seiner kompletten Wesenheit vor sich gegangen ist, und wie der ganze, lange Weg beschaffen war, auf welchem er wieder zu dieser seiner urersten Vollkommenheit gelangt ist.

6. Diese gewisserart spezielle Rückerinnerung könnte aber der Geist nicht bekommen, wenn in seine psychische Wesenheit nicht alles das aufgenommen würde, was urursprünglich zu seiner Wesenheit gehörte, und was alles er auf diesem langen Kreiswege sich angeeignet hatte. Darum heißt es auch, daß alle Haare auf dem Haupte gezählt sind, und nur derjenige, der nach Meiner Lehre wandelt, der sammelt; wer aber anders handelt, der zerstreuet. Also muß der Geist noch eine Zeit warten, bis all das Seinige von seiner Wesenheit aufgenommen worden ist.

7. Wie aber erkennt da der Geist das Seinige? – Das liegt schon in der ewigen Ordnung. Wie jedes Gras sein Spezifikum aus dem endlosen Spezifikalgemenge genau herausfindet, noch genauer findet der Geist das Seinige.

8. Was tut aber der Geist unterdessen? – Er handelt nach den Gesetzen der Liebe und herrscht also in dieser Region und bewirkt durch seine Gegenwart und durch sein Liebehandeln, daß diese dritte Luft da ist, und schlichtet und ordnet die Wege fürs erste jenen, die als Neulinge in diese Region emporkommen, und weist ihnen Ort und Handlung an; dann beherrscht er belehrend die schon reineren Geister in der unteren Region; und wenn allda Reibungen und Trübungen vorkommen, so senkt er sich wie alle seinesgleichen als Friedensstifter herab und wirkt da energisch.

9. Wenn aber fremde Geister aus anderen Weltkörpern hier anlangen, da prüft er sie, und wenn er sie als tüchtig befindet, so führt er sie auf den rechten Wegen zur Erde nieder, ist bei den Zeugungen durch seinen Einfluß zugegen, hilft solchen neuen angekommenen Geistern auf den Weg des Fleisches dieser Erde und sorgt dann auch, daß diese Geister genau jene prüfenden Wege im Fleische durchgeführt werden, welche Wege sie anderweltenorts, um Kinder des Herrn zu werden, zu wandeln beschlossen haben.

10. In dieser dritten Region wandeln und wohnen dann so ganz eigentlich die euch wohlbekannten sogenannten Schutzgeister der Menschen. Doch aber sind diese reinen Geister noch nicht ledigliche Alleinherrscher und können es auch noch nicht sein, weil ihnen noch in gar vielem die vollendete Erkenntnis aus obbekanntgegebenen Gründen mangelt; daher sind auch fortwährend vollkommene Engelsgeister über und unter ihnen, welche diesen Geistern allezeit die richtige Anweisung geben, was sie zu tun und zu schlichten haben. Aber für die Geister dieser dritten Region ist eben diese dritte Region ein gar herrliches Paradies, wo sie alles haben, was nur immer ihr Herz in der Liebe zu Gott erfreuen kann.

11. Da gibt es gar herrliche Gegenden, welche sich jedoch nach der Beschaffenheit des Geistes richten; denn da wird schon jeder Geist der Schöpfer seines Fußbodens und der Gegend, in der er zu Hause ist. Diese Gegend ist überaus fruchtreich und reich an allen Dingen. Der Geist genießt da alles in der Fülle, und der Hunger in allem ist ferne von ihm. Und sehet, eben in diesem Genusse nimmt dann der Geist nach und nach alles das auf, was noch von seiner Wesenheit an der Erde kleben geblieben ist; und diese Früchte und die Gegenden werden gewisserart auf eine reflektierende Weise von der Erde aufsteigend in dieser dritten Region psychisch spezifisch gebildet, und der Geist erkennt sie als das Seinige, nimmt sie in seine Erkenntnis auf und kommt dann erst aus dieser seiner Erkenntnis in ein förmliches Schauen dessen, was das Seinige ist, genießt dann auch ebendasselbe und nimmt es völlig in seine Wesenheit auf. Wenn er nun alles dieses aufgenommen hat und er der Erde und sie ihm gewisserart nichts mehr schuldig ist, dann hat er erst seine völlige Solidität erreicht und kann dann zur höheren Vollendung in das Reich der Himmel aufgenommen werden.

12. Es kann aber jedoch auch Geister geben, die noch manches ihnen Gehörige aus euch schon bekannten Gründen in anderen Weltkörpern haben. Diese steigen dann auch zu den Sphären jener Weltkörper empor, woher sie entweder ihr Hauptspezifikum bezogen, oder wo sie einst schon körperlich gelebt haben, um auch dort das ihnen Gehörige abzuholen, – aber das alles auf dem Wege der Liebe, welche allein das anziehende Prinzip ist. Und das muß alles durch freie Wahl geschehen, in der ein jeder Geist anstrebt, in sich das zu sammeln, was Mein ist, und es Mir dann in seiner großen Liebe zu Mir vollkommen wiederzubringen.

T2.29. Aufenthalt und Seligkeit der reinen Geister.

11. Februar 1847

1. In dem Wiederbringen, und zwar in dem vollkommenen Wiederbringen, liegt eben der einstige vollkommene, vollkommenste und allervollkommenste Grad der Seligkeit; aber es wird nicht gefordert oder von dem Geiste eine Rechnung verlangt bezüglich der Wiederbringung alles desjenigen, was zu seiner Wesenheit gehörte, daß er das gewisserart auf eigene Rechnung wiederbringen sollte, was ihm ursprünglich und auf seiner ganzen Wanderung gegeben ward.

2. Was immer seinen Leib betrifft und sein Vorgängiges, überhaupt alles Spezifikalische, erhält er in der ordnungsmäßigen Zeitfolge ohne sein Zutun; aber ein anderes ist es hinsichtlich seiner Befähigung, das alles wieder aufzunehmen, was einst zu seinem Wesen gehörte. Über die Befähigung wird er gewisserart tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden, und das darum, weil sich solche Befähigung jeder Geist aus den Vorschriften der reinen Religion erwerben kann und erwerben soll. Wer da nicht will tätig sein und vergräbt sein Talent und gibt sich lieber mit dem ab, was des Fleisches als was des Geistes ist, der muß es sich dann selbst zuschreiben, wenn er gerichtet wird durch das Wort, was ihm gegeben ward aus den Himmeln als ein getreuer Wegweiser, wie er das Leben wieder sammeln und dahin wiederbringen solle, von woher er ursprünglich gekommen ist.

3. Daß darob die schon rein gewordenen Geister längere Zeit noch in dieser dritten Region verweilen müssen, um ihre psychischen Spezifika aufzunehmen, oder mehr auf deutsch gesagt: weil sie in der dritten Region so lange warten müssen, bis gewisserart ihr Irdisches verweset und aus den Verwesungen in ihr Seelisches übergangen ist, so ist das nicht etwa als eine Strafe zu betrachten, sondern als eine gleiche Notwendigkeit wie die Dauer des Leibeslebens auf der Erde, welche auch eine gewisse Zeit währen muß, bei manchem kürzer, bei manchem länger, damit in dieser Lebensdauer der Geist Zeit gewinne, sich in seinem Wesen wieder mehr und mehr zu entwickeln und zu manifestieren.

4. Wer könnte da behaupten, daß da jemand von der Zeit, die er auf der Erde im Körper zugebracht hat, irgend eine Rechnung geben müßte? Denn diese ist eine Notwendigkeit und liegt außer dem Willensbereiche des Geistes, – ebenso wie auch niemand darüber wird eine Rechenschaft ablegen müssen, wie lang etwa sein Haar gewachsen wäre oder die Nägel an seinen Fingern, sowie auch nicht über die Pulsschläge seines Herzens und über das, wie oft er Atem geholt hat; denn das alles ist eine Notwendigkeit. Die Rechnung, oder besser das Gericht, liegt lediglich in dem tätigen Willen; alles andere ist gleichgültig, ist ganz in der Ordnung und gibt sich frei, wenn nur der Wille nach der reinen Erkenntnis Meines göttlichen Willens in die Ordnung gebracht wurde.

5. Wenn manchmal solche reine Geister auch mehrere hundert Jahre in dieser dritten Region verweilen, so verlieren sie dadurch nicht nur nichts, sondern sie können nur gewinnen; denn fürs erste geht ihnen durchaus nichts mehr ab, sie sind überaus glücklich und selig. Was aber ihre stets zunehmende Intelligenz betrifft, so ist das ja offenbar ein stetes Gewinnen, und je mehr sie da gewinnen, desto vollkommener werden sie dahin kehren, wo es sich um ihre endliche und ewige Bestimmung handelt. Haben sie da nur ein kleines Geschäft über sich und haben dieses ordentlich und weise zu verwalten sich eigen gemacht, so werden sie einst desto tauglicher sein, Großes zu verwalten, wo sie als Engelsgeister nicht nur über einzelne Teile eines Weltkörpers, sondern über ganze Weltenalle und Sonnengebiete geistig, und von da aus durch und durch in die Materie, werden ihre Tatkraft ausüben müssen. Und dazu gehört sicher mehr, als hier bloß nur einzelne Gegenden zu überwachen, und das unter der Oberleitung der Engelsgeister, denen diese gesamte Erde vom Mittelpunkte aus bis zur Sonne hin zu überwachen anvertraut ist.

6. Ja, Meine Lieben, wo ihr mit euren Augen wenig oder nichts erblickt, da gehen gar große Dinge vor, und es ist also, wie einst ein Weiser sagte: Zwischen der Erde und der Sonne gehen Dinge vor, von denen sich die menschliche Vernunft noch nichts hatte vorträumen lassen.

7. Diese reinen Geister kommen auch nicht selten in die zweite, manchmal auch in die erste Region herab; hauptsächlich aber sind jene Stellen auf der Erde ihre sichtbaren Niederkunftsplätze, die ihrer bedeutenden Höhe wegen fortwährend mit Schnee und Eis bedeckt sind. Und darin liegt auch der Grund, warum solche Gegenden für fast jeden Menschen eine – wie ihr zu sagen pflegt – magische, beseligende und zugleich das ganze menschliche Gemüt erheiternde, stärkende und beruhigende Anziehungskraft haben. Wer da traurigen Herzens ist und voll Unruhe in seinem Gemüte, der begebe sich in Meinem Namen auf eine solche Höhe oder gehe wenigstens in ihre Nähe, und sein Gemüt wird wie mit einem stärkenden Balsam übergossen werden.

8. Während das Gemüt in den tieferen Regionen stets dumpfer, schwieriger und leidender wird, ähnlich dem Gefühle eines Bergschluchten- und Höhlenbesteigers, wird eben das Gefühl bei einem, der eine solche reinere Höhe erstiegen hat, heiterer und heiterer, und wer da hinaufkommt, mag füglicherweise ausrufen: „Herr, hier ist gut sein!“ – Aber da sage Ich dann dazu: „Es ist noch nicht an der Zeit für dich, hier zu bleiben!“ Aber dessenungeachtet sage Ich dennoch:

9. Gehet gerne auf Berge! Denn auch Ich, als Ich im Leibe wandelte auf der Erde, ging häufig auf Berge. Auf einem Berge ward Ich verklärt; auf einem Berge trieb Ich den größten Versucher von dannen; auf einem Berge predigte Ich das Himmelreich; auf einem Berge betete Ich, und auf einem Berge ward Ich gekreuzigt!

10. Auf diese Weise aber haben wir auch die dritte geistige Region der Erde durchwandert, und es bleibt darüber nur noch weniges zu erwähnen übrig, und dieses wenige besteht darin, daß die Erstlinge der reinen Geister sich zuerst dort aufhalten, wo sie bei Leibeslebzeiten auf der Erde gewohnt haben. Wenn sie aber schon vollkommener geworden sind, dann dehnt sich ihr Wirkungskreis über alle Punkte der Erde aus; die stärksten jedoch bewachen die Polargegenden, die weicheren, sanfteren und schwächeren die Tropengegenden der Erde, und diejenigen, die sehr regsam sind, bewachen das Meer, die Seen und die Flüsse, und den Anfängern werden größere oder kleinere Gebirge zur Überwachung anvertraut und alles was sich da befindet.

11. Dieses könnet ihr euch noch dazu anmerken, daß die weiblichen Geister zumeist das Pflanzenleben überwachen und üben auch den Einfluß auf die gesamte Vegetation der Erdoberfläche aus.

12. Nachdem wir nun auch dieses wissen, können wir uns schon in die zweite Luftregion herabsenken, allda es schon viel bunter zugeht als in der dritten Friedensregion. Nächstens also von der zweiten Region!

T2.30. Die zweite Luftregion und ihre Geister.

13. Februar 1847

1. In gleicher Weise, wie bei einem Menschen aus dem rein Geistigen in das Fleischliche der Übergang ist, ist auch zwischen der obersten und der mittleren Region ein Übergang, und es verhalten sich die beiden Regionen wie Seele und Geist. Der Geist wirkt in die Seele ein und kann dieselbe durchdringen; die Seele aber kann nie über die Schranken des Geistes hinaustreten, sondern muß dasein, um von dem Geiste durchdrungen zu werden, während der Geist nicht da ist, um von der Seele durchdrungen zu werden; aber die Seele kann von dem Geiste aufgenommen werden, wo sie selbst geistig wird.

2. In gleicher Weise können auch die Geister der zweiten Region in die dritte übergehen, wenn ihre Seelen oder gewisserart ihre substanziellen Leiber stets mehr und mehr sich vergeistigen und mit dem Geiste völlig eins werden. Die Seele für sich als ein Kompendium von zahllosen substanziellen Intelligenzpartikeln ist demnach auch angestopft von allerlei Trieben, die sie als Spezifika in sich enthält.

3. Wenn sich hie und da ein oder das andere Spezifikum mehr hervortut, so neigen sich alle anderen Spezifika auf den Punkt, wo eine solche Spezifikal-Eminenz auftritt. Eine solche Hinneigung bewirkt dann in der Seele irgend eine Leidenschaft; diese Leidenschaft aber kann alsbald mit einer andern ausgetauscht werden, wenn irgend ein anderer spezifischer Seelenintelligenzpunkt wie hervorragend auftritt, gewisserart alle anderen seelischen Spezifikalintelligenzpunkte übertäubt und überstrahlt und dieselben sich geneigt macht.

4. Es wird durch diese Darstellung jedermann leicht ersichtlich, wie manche Seele, bei der der Geist nicht wach ist, von zahllosen Leidenschaften und Begierden von einem Pol zum andern getrieben wird. Was aber da in der Seele gewisserart in einem Wesen wie in einem Punkte konzentriert auftritt, das ist im allgemeinen in unserer zweiten Region umsomehr der Fall, weil in dieser lauter Seelen wohnen, bei welchen der Geist noch nicht völlig erwacht ist. Die eine Seele hat diesen Haupttrieb, die andere einen andern, und Millionen Seelen haben eben millionenartig verschiedene Neigungen und Triebe; die eine will kämpfen, die andere will Ruhe haben; die eine sucht nichts als die Geheimnisse der Schöpfung, die andere botanisiert; eine andere wieder macht fortwährend Reisen, und so hat eine jede aus Millionen einen anders gearteten Trieb.

5. Welch ein buntes Seelengewirre muß daher in dieser zweiten Region zusammenkommen, und welche zahllosen, verschiedenartigsten Erscheinungen müssen da bewirkt werden, welche Erscheinungen endlich gleichsam wie verdichtet in die naturmäßige Welt, für fleischliche Augen sichtbar, übergehen müssen! Und also ist es auch. Alle die verschiedenartigsten Wolkengebilde und noch eine zahllose Menge anderer Erscheinungen in dieser mittleren Region rühren daher, und da bringt kein Tag und keine Nacht vollkommen ganz wieder dasselbe der Gestalt nach, was schon einmal da war.

6. Betrachtet nur einmal an einem Tage die Wolkenformation und zeichnet sie euch ab; ihr möget da wohl hundert Jahre und viel länger noch an jedem Tage die neuen Wolkenformationen mit dieser von euch einmal gezeichneten vergleichen, – und nie werdet ihr dieselbe ganz wieder also zu Gesichte bekommen, als wie sie einst schon da war! So werdet ihr auch noch eine Menge anderer Erscheinungen entdecken, welche sich stets der Art nach zwar wiederholend gleichbleiben, jedoch der Form nach nie. Und da sieht nicht eine Schneeflocke der andern vollends gleich, und kein Regentropfen ist gleich so groß wie der andere, und wenn es hagelt, da vergleichet einmal zwei Hagelkörner, ob sie einander völlig ähnlich sind! Es wird sich sowohl in der Gestalt als im Gewichte ein Unterschied finden lassen. Eis wird zwar Eis sein, – allein das ist die Art; aber die Weise, wie sich das Eis gestaltet, ist eine ebenso ungleiche, als wie ungleich die leidenschaftlichen Gestaltungen aus den Seelenwesen sind. Das läßt sich aber auch schon auf dieser Erdoberfläche erkennen bei noch lebenden Menschen.

7. Betrachtet nur die Häuser in einer Stadt: In der Art sind sie sich zwar alle gleich, sie müssen Wände, Fenster und ein Dach haben; aber nicht leichtlich werdet ihr irgend zwei Häuser treffen, die sich einander völlig ähnlich waren. Das eine ist etwas höher, das andere etwas niederer; das eine so, das andere ist so gefärbt; und so noch eine zahllose Menge Verschiedenheiten.

8. Diese Verschiedenheit in der Gestaltung rührt von der verschiedenen Seelenneigung dessen her, der ein oder das andere Haus hat erbauen lassen. Also hat auch ein jeder Mensch einen andern Rock, und kein Schneider macht denselben gleich wie ein anderer. Und so ist auch eine große Verschiedenheit in anderen Kunstprodukten der Menschen; ein jeder, der schreiben gelernt hat, hat eine eigentümliche Schrift, die mit der andern nichts gemein hat, da sicher kein Strich auf den Strich der andern paßt. Die Gestaltung ist sonach überall anders, wenn auch die Art die gleiche bleibt.

9. Oder lasset von mehreren, gleich geschickten Malern einen und denselben Gegenstand malen; es wird ihn zwar ein jeder treffen, aber die Art der Darstellung, d. i. die Form, wird überall eine ganz eigene sein. Oder gebet zehn Tondichtern ein und dasselbe Gedicht, jeder solle in seiner Art und Weise eine Musik darauf setzen; da wird es sich gar auffallend zeigen, wie ein jeder eine ganz andere Melodie auf das Gedicht gefunden hat.

10. Alle diese Verschiedenheiten in der formellen Darstellung liegen in den zahllos verschiedenartigen Spezifikalintelligenzpunkten in der Seele. Je nachdem einer oder der andere von diesen Punkten vorherrschend ist, je nachdem auch richtet sich die Handlungsweise der Seele. Da geht also fortwährend ein anderer Wind; da kommen fortwährend neue Erscheinungen zum Vorscheine, und nie findet ein schon Dagewesenes eine vollkommene Wiederholung, besonders da schon am allerwenigsten, wo die produzierenden Intelligenzen sich unter keinem positiven Gerichte befinden, was eben bei den Seelen der Menschen der Fall ist, weil sie sich in die ursprüngliche Freiheit wieder hineinarbeiten müssen. Nur ist zwischen einer abgeschiedenen und einer noch im Leibe lebenden Seele der Unterschied:

11. Die Seele im noch lebenden Leibe kann eine Menge Leidenschaften durchwandern, und so ist der Mensch fast jeden Tag ein anderer; heute fühlt und denkt er so und macht sich diese oder jene Vorsätze, morgen ist das wie weggewischt, und er handelt schon wieder nach einem andern intellektuellen, substanziell-spezifischen Seelenschwerpunkte. Heute ist jemand freigebig, – ein jeder Arme hätte es gut, so er heute zu ihm käme; morgen tritt an die Stelle dieses liberalen ein filziger Schwerpunkt auf, und dem heute Freigebigen ist morgen jeder Bettler zuwider, und es reut ihn sogar seine vortägige Liberalität.

12. Aber bei der abgeschiedenen Seele ist es anders: Bei dieser tritt gewöhnlich nur eine Hauptleidenschaft auf, beherrscht die Seele stets mehr und mehr und zieht nach und nach alle Intelligenzpartikel in ihr Bereich; darum auch ein Paulus spricht: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen!“, – was eben nicht sagen will, daß eine abgeschiedene Seele gewisserart unverbesserlich ist, sondern nur, daß sie in einer ihrer Hauptleidenschaften gefangenbleibt, bis diese alle anderen Spezifikalintelligenzpartikel gewisserart aufgezehrt hat, was dann eine große Armut der Seele bewirkt, und diese dann in einen Zustand des Abödens übergeht, wo sie sich wie völlig nackt und in Nacht und Nebel befindet. In dieser Abödung kann dann erst der Geist frei werden und seine Seele zu durchdringen anfangen, und das ist dann der Übergang von der zweiten in die dritte Region. Aber bevor dieser Zustand nicht eingetreten ist, kann der Geist sich nicht ausbreiten und kann die Seele nicht durchdringen, weil deren Spezifika noch zu materiell und somit noch zu ungeistig sind.

13. Da auf obige Art sonach eine Menge verschiedengestimmter Seelen in der zweiten Region zusammenkommt, wo eine jede ihre Hauptleidenschaft in sich trägt und nach derselben lebt und wirkt, so ist es diesem leicht faßlichen Grundsatze zufolge ja überaus leicht ersichtlich, daß die Erscheinungen, die in dieser seelischen Mannigfaltigkeit ihren Ursprung haben, der Form nach ja eben auch höchst verschieden erscheinend auftreten müssen. Daher hat ein jeder Blitz einen anderen Zickzack, daher jede Wolke und jedes Wölkchen eine andere Gestaltung und Bewegung; daher Winde kreuz und quer, und aus eben diesem Grunde bald ein Wolkenbruch, bald ein Platzregen, bald ein Hagel, bald ein Staubregen, bald große, bald mittlere, bald kleine Schneeflocken und dergleichen tausend Erscheinungen mehr, welche besonders in den Tropengegenden und in den Polarländern der Erde überaus häufig vorkommen.

14. Dies also als eine notwendige Vorleitung im allgemeinen; nächstens werden wir die Sache mehr speziell betrachten.

T2.31. Geistertreiben in der zweiten Luftregion.

15. Februar 1847

1. Hier läßt sich gleich anfänglich die Frage anbringen: Ist das Geisterwesen dieser zweiten Region gut oder böse, und ist es im Aufsteigen oder im Abwärtsgehen begriffen?

2. Diese Frage wird eben durch einige spezielle Betrachtungen des Geisterwesens in der zweiten Region hinreichend klar beantwortet, und es wird da jeder leicht herausfinden können, was daran entweder gut oder böse ist, und wohin es geht.

3. Diese zweite Region gleicht am meisten dem irdischen Leben der Menschen auf der Erdoberfläche. Da ist ein fortwährendes Hin- und Herrennen, ein Zusammenrotten der Gleichgesinnten, Krieg, Mord, Gefangennehmung, Besiegung, Durchgehen, Stehlen und Rauben, Böses tun, wieder Gutes zufügen. Das alles kann man in dieser zweiten Region haben. Sie ist der eigentliche Kampfplatz der Geister; daher auch Gebirge, die sich zumeist in dieser Region befinden, gewöhnlich höchst zerstört aussehen, gleich einer Festung, die mehrere Jahre eine Belagerung ausgehalten hat.

4. Schon der Anblick dieser Höhen zeigt hinreichend, wie streitend und kämpfend es in dieser Region zugeht. Da herrscht aber auch eine Freiheit, wie sonst nirgends, – und das darum, weil eben da der Vorbereitungsplatz ist, wo die Geister entweder für den Himmel, oder aber auch für die Hölle vorbereitet werden; denn eines jeden Verstorbenen Seele und Geist kommt gleich nach dem Tode zunächst in diese Region, in welcher er gerade so fortlebt, als wie er auf der Erde fortgelebt hat. Er genießt die volle Freiheit und sucht sich da ganz natürlich seinesgleichen auf; da geschehen dann vereinliche Zusammenrottungen, und wo mehrere einmal in einem Vereine beisammen sind, da werden bald Pläne geschmiedet, wie dieses oder etwas anderes, gewöhnlich durch Gewalt oder durch List, erreicht werden könnte.

5. Unter solchen Vereinen gibt es dann auch wieder Verräter, die einen Plan ihres Vereines einem andern, mächtigeren Vereine verraten. So zwei Vereine, oder manchmal auch mehrere, durch die Verräter in die Kenntnis gegenseitig arg gefaßter Pläne kommen, da gehen schon Rüstungen vor sich, welche in der naturmäßigen Welt sich als stets zunehmende Wolkentrübungen erschauen lassen. Es dauert nicht lange, und die erbitterten Heere ziehen gegen einander. Allein über ihnen sind leider die alles durchblickenden, mächtigen Friedensgeister; diese senken sich herab, nehmen die erbitterten Heere so ganz solo gefangen und schmeißen sie zur Erde herab, allwo es dann wieder eine Zeit dauert, bis sie sich sozusagen wieder zusammengeklaubt und Kraft und Mut gesammelt haben, um wieder nach und nach so ganz piano dorthin wieder zurückzukehren, von wo sie wie ein schlechter Gast aus einem Wirtshause hinaus- und herabgeworfen worden sind, welches sich aber in der geistigen Sphäre nicht also ausnimmt, wie es hier in der materiellen Welt in die Erscheinlichkeit kommt, sondern also, als wenn hier so ein rechtes Lumpengesindel von der Polizeiwache gefangengenommen, gebunden und dann in einen gehörigen Arrest eingesperrt wird. Der Arrest ist die Materie, in der sie wieder eingefangen werden, und die Polizeiwache sind die Friedensgeister aus der dritten Region. Wenn nach einer solchen kräftigen Zurechtweisung die Geister sich demütigen und durch diese Demütigung in den Stand gebracht werden, Meinen Namen aussprechen zu können und zu wollen und in diesem Namen Hilfe, Rettung und Heil zu suchen, so werden solche Geister alsbald von den Friedensgeistern ganz überaus freundlich begrüßt, schnurgerade in die dritte Region geleitet und dort, freilich im Anfange zu unterst, in diese Region einquartiert, wo sie dann schon fortwährend in Konnexionen mit diesen reinen Geistern leben und von da nach dem Grade der Zunahme der Liebe zu Mir und Meiner Ordnung stets höher und höher aufsteigen.

6. Ein solcher Akt kann auch von der naturmäßigen Welt aus gesehen werden, und zwar in der nicht selten vorkommenden Erscheinlichkeit des Wolkenverschwindens am Firmamente, – wo im Gegenteile, wenn böse Zusammenrottungen im Anzuge sind, sich plötzlich frei am Firmamente, besonders um die Spitzen hoher Berge, Wolken zu bilden anfangen, wo früher noch die reinste Luft zu sehen war.

7. Diese Erscheinlichkeit rührt daher, weil solche Geister stets leidenschaftlicher und leidenschaftlicher werden, wodurch sie sich eben in dem Grade mehr und mehr materialisieren, je kombinierter und aneinandergedrängter in ihnen die bösen Leidenschaften aufsteigen; denn alle Materie ist am entferntesten und am weitesten von Mir und ist in sich nichts als der Abdruck der verkehrtesten Leidenschaft.

8. Wenn demnach ein Geist wieder von der Leidenschaftlichkeit seiner Seele gefangengenommen wird, so entfernt er sich von Mir; und je mehr er sich von Mir entfernt, desto plumper und materieller wird er, bis er endlich sogar auf der materiellen Welt unter irgend einer, seiner Leidenschaft entsprechenden materiellen Form sichtbar wird, wo er dann bald, zu schwer für diese zweite Region, wie ein gefangener, grobmaterieller Körper herabgeworfen wird durch seine eigene Schwere, die da gleich ist dem Willen der Friedensgeister, wie dieser gleich dem Meinen; denn Mein Wille ist die eigentliche Schwere aller Körper.

9. Daß dann solche Geister oft ganz materiell bleiben und aus ihrem eigenen bösen Willen lieber Schmeißhaufen, die schmutzigsten Tiere und häßlichsten Pflanzen bewohnen, als daß sie sich demütigten, davon zeugen zu allen Zeiten eine Menge Beispiele, und es muß hier eine gute Direktion gehandhabt werden, auf daß solches herabgeworfene Geschmeiß sich in seiner Bosheit nicht auf edle Früchte und edle Tiere wirft; denn geschähe das, so würden Frucht und Tier zugrunde gerichtet.

10. Einen ganz gleichen Ursprung hat die vorjährige Erdäpfelseuche; wenn manchmal Korn- und Weizenfelder plötzlich brandig werden, so ist das wieder eine Frucht, die durch die Besitznahme solcher argen Geister materiell zum Vorschein kam. Nicht selten werfen sich solche Unholde auch über allerlei Tiere; da gibt es dann bald eine Art Seuche unter den Tieren, sogar die Fische im Wasser sind von ihnen nicht verschont. So ist auch meistens die eigentliche Pest, wie auch andere epidemische Krankheiten bei den Menschen, eine Folge solcher böser Geister, die die Menschenleiber irgend in Besitz nehmen und durch diese Besitznahme den Leib auf eine oder die andere Art gewisserart zerstören, auf welche Zerstörung leicht der natürliche Tod erfolgt, wenn nicht alsbald solche Spezifikalmittel in Meinem Namen angewendet werden, denen solche Unholde weichen müssen.

11. Nun wisset ihr schon so manches, ob diese Geister gut oder böse sind, und wohin sie sich begeben und wie. Auf daß ihr aber auch so recht augenscheinlich begreifet, wie solche Geister mit ihrer Intelligenz sich in die scheinbar tote Materie bannen lassen können, und wie sie diese gewisserart dämonisch in Besitz nehmen, davon werden wir nächstens noch speziellere Betrachtungen anstellen.

T2.32. Die Besitznahme der Materie durch Geister.

16. Februar 1847

1. Es ist freilich wohl schwer, sich vorzustellen, daß in so einem Regentropfen, in einer Schneeflocke, in einem Hagelkorne oder gar in einem Wölkchen ein oder mehrere Geister sollten gewisserart zusammengeknebelt und zusammengepreßt sein und in einem solchen Volumen irgend ein Gewicht bekommen, vermöge dessen sie leichtlich herabfallen oder herabgeworfen werden können; allein eine nähere Beschreibung wird euch die Sache ganz klarmachen und wird euch zeigen, wie die Sache möglich ist.

2. Ihr müsset euch nicht etwa denken, der Geist mit seiner Seele wird da etwa wie ein Bogen Papier zusammengeknetet, bis er endlich wie ein etwas ungeschicktes Kügelchen aussieht. Das ist mitnichten der Fall. Die menschliche Form des Geistes bleibt unversehrt, nur das Seelische, und eben auch nicht ihre Form, sondern ihre Spezifika werden in der Gegend des Herzens zusammengedrängt und kommen dann in dieser Zusammendrängung, je nachdem diese mehr oder weniger heftig ist, unter obgenannten meteorischen Gebilden in die Erscheinlichkeit.

3. Also müßt ihr euch nicht etwa vorstellen, daß in so einem Hagelkorne irgend ein ganzer Geist mit seiner Seele zusammengeknault herabfällt, sondern nur seine materiellen Wünsche. Diese werden endlich wegen ihrer materiellen Sinnlichkeit von den Friedensgeistern zusammengedrängt und werden materiell und schwer. Da diese aber lebendiger Besitz des Geistes und seiner Seele sind, so wird der Geist mit seiner Seele selbst mit diesem seinem neugebildeten, materiellen Schwerpunkte dahin gezogen, wohin dieser ob seiner materiellen Eigenschaft seine notwendige Richtung nehmen muß.

4. Um euch die Sache noch deutlicher vorzustellen, wollen wir ein euch leicht begreifliches Bild vorstellen. Denket euch eine menschliche Form, welche aus den sogenannten Goldschlägerhäutchen zusammengefügt wäre, gleichsam zu einem Luftballon, der ebenso wie ein anderer Ball mit Wasserstoffgas angefüllt werden könnte und, so er angefüllt wäre, eine menschliche Form hätte und sicher alsobald aufstiege in die höheren Luftregionen. Wenn dieser mit Wasserstoffgas gefüllte Ballonmensch in sich aber auf einmal eine Zusammendichtung des Wasserstoffgases bekäme, da würde so ein allfälliger Wasserknaul natürlich schwer werden und würde vermöge seiner Schwere auch natürlich zur Erde herabfallen; da er sich aber nicht außerhalb, sondern innerhalb unseres Ballonmenschen befindet, der durch eben diese innere Zusammenraffung des Wasserstoffgases an der notwendigen Expansion verloren hat, so wird dann auch dieser Ballonmensch mit seinem schweren Wasserknaul wieder mit zur Erde herabgezogen werden. Die Form des Ballonmenschen hat nichts verloren, als daß sie hie und da eingeschrumpft und gewisserart magerer geworden ist, konnte sich aber vermöge ihres neugebildeten Schwerpunktes nicht mehr in der hohen Luftregion erhalten. Wenn aber auf der Erde unten, also auf dem materiellen Boden, sich der verdichtete Wasserknaul durch eine neue Wärme wieder in das vorige Gas auflöst, so wird der Ballonmensch wieder aufsteigen.

5. Sehet, das ist, obschon ein ganz materielles, aber doch entsprechend das Geistige darstellend, ein recht wohl treffendes Bild, aus dem ihr entnehmen könnet, wie sich gewisserart der geistige Mensch, dessen Seele eine geistig ballonartige Außenform ist, in seinem Inwendigen verdichtet, dadurch schwer wird und von seiner Höhe zu der wirklichen Materie seine Richtung nimmt, wo aber diese materielle Verdichtung seiner sinnlichen Wünsche durch das Feuer seiner in der Demut erwachten Liebe bald wieder aufgelöst wird und er dann mehr gedemütigt wieder allgemach dahin aufsteigt, wo seines Wesens entsprechender Ort ist.

6. Sehr arg Gesinnte werden oft zu Steinen verdichtet und fallen als solche herab, wo es dann mit der Auflösung schon sehr bedeutend länger hergeht, als wenn diese Verdichtung bloß unter der Erscheinlichkeit obangeführter Meteore in das materielle Dasein tritt. Manche werden aber selbst unter obiger Erscheinung lange gehalten, welche über hohen Gebirgen und besonders über den Polargegenden der Erde zum Falle gebracht werden; allein das müssen schon so ganz besonders bösgesinnte Geister sein, in denen viel Hochmut waltet, der natürlich schon Höllisches in sich trägt.

7. Was mit den Geistern nach solchen Lektionen vor sich geht, das wird noch die Folge deutlicher zeigen; vorderhand aber ist es genug, daß ihr euch davon einen möglichst klaren Begriff machet, wie und warum hinter den natürlichen Erscheinungen, die dem fleischlichen Auge sichtbar sind, sich allezeit Geistiges befindet. Und so werden wir über eben dieses Wie und Warum nächstens noch mehrere Betrachtungen anstellen.

T2.33. Naturgeister und Menschenseelen.

18. Februar 1847

1. Der Regen fällt in Tropfen zur Erde, bald in kleineren, bald in größeren; so ebenfalls der Schnee. Desgleichen findet man auch beim Hagel, wo manchmal nur kleinwinzige Körnchen herunterfallen, manchmal aber pfundschwere, ja auf Hochgebirgen manchmal sogar zentnerschwere Schloßen, und gewöhnlich in einer überaus großen Anzahl, die manchmal so groß sein dürfte, daß sie kaum auszusprechen wäre. Da läßt sich denn hernach fragen: Wie, – wenn ein jedes Regentröpfchen, eine jede Schneeflocke oder ein jedes Hagelkorn einen Geist mit sich zieht, woher eine solche Unzahl von Geistern? Und wann es zu Adams Zeiten geregnet hat und geschneit und gehagelt, woher damals die Geister, so noch niemand auf der Erde aus der Zahl der Menschen gestorben war? Allein, wer die Sache von diesem Standpunkte aus betrachten würde, der müßte in einen noch bei weitem größeren Irrtum verfallen, als wie groß da ist die ganze Erde.

2. Was die Geister der auf der Erde verstorbenen Menschen betrifft, so können sie solcher Begebnisse teilhaftig werden, welche an jenen geistigen Wesen ausgeübt werden müssen, die erst die Wanderung durch das Fleisch antreten. Wenn es demnach schneit, so sind in den Schneeflocken allezeit geistige Potenzen, d. h. neu anlangende Geister, die mit den aus der Erde befreiten Seelen Gemeinschaft machen und mit denselben die Wanderung durch das Reich der natürlichen Erscheinungen zu machen beginnen.

3. Das sind demnach nicht Geister verstorbener Menschen, sondern sie sind gewisserart neue Ankömmlinge, oder wenn man noch bezeichnender sagen möchte: sie sind neue Auftauchlinge aus dem langen Schlafe der Erdmaterie.

4. Aber es können auch Geister verstorbener Menschen, welche sich die fortschreitende Ordnung nicht gefallen lassen wollen, wieder auf demselben Wege zurückgedrängt werden, welchen die neuen Auftauchlinge zu gehen haben; aber die neuen bleiben in der Erde und müssen da ihren bestimmten Weg antreten, die Geister der Verstorbenen dagegen kehren nach einer kurzen Demütigungsfrist wieder zurück, was sich auch schon in der naturmäßigen Welt beschauen läßt. Denn so es regnet, da dringt der Regen in die Erde und wird dort von Pflanzen und Tieren, wie auch von Mineralien verspeist; aber hie und da sieht man schon, entweder während des Regens oder nach demselben, wie sich besonders in höheren Gegenden weißlichte Nebelchen erheben und aufwärts ziehen. Das ist wohl freilich der kleinste Teil eines solchen Regenherabfalles, der da wieder in diesen Nebeln zurück in die Höhe steigt. Es ist aber dies auch jener kleinste Teil der Geister, welche von verstorbenen Menschen herrühren, gegen den großen Teil jener Geister, welche neu ankommen.

5. In der Erscheinlichkeit ist da gar kein Unterschied; aber in der Art und Weise, wie die Erscheinlichkeit bewirkt wird, und wie sich das Geistwesen an die Erscheinlichkeit bindet, da ist ein überaus großer Unterschied. Bei den neu anlangenden Geistern und neuen seelischen Auftauchungen ist das Geistige wie das Seelische noch vollkommen in die Materie eingeschlossen. Da ist die Materie nicht ein zur Erscheinlichkeit kommender innerer Schwerpunkt, der den Geist, wie der Wasserknaul in unserem Ballonmenschen, herabzieht; sondern da ist das Geistige wie das Seelische noch sehr zerteilt, so daß kaum in einer Million Regentropfen, Schneeflocken oder Hagelkörner das Wesen eines einzigen Geistes und dessen Seele vollständig in die Erde gesäet wird, – wo hingegen bei einem schon kompletten Geist es ein ganz anderer Fall ist, da bei ihm nur seine materiellen Wünsche und Neigungen in solch materieller Form, in eins zusammengedrängt werden und dann auf eine kurze Zeit das sehr herbe Los mit jenen geistigen Potenzen teilen, welche unter obigen Erscheinlichkeiten den großen Kreis zu ihrer Freiwerdung beginnen.

6. Es wäre sehr schwer zu ermitteln, in welchem Regentropfen oder in welcher Schneeflocke ein natürlicher oder ein schon alle Natur verlassender Geist herabfiel, denn die äußere Erscheinlichkeit ist gleich; aber das kann ungefähr als etwas angesehen werden, wenn entweder die Regentropfen, Schneeflocken oder auch Hagelkörner größer und gewichtiger sind. In einem solchen großen Hagelkorne ist nicht selten ein gedemütigter Geist, der schon seine irdische Bahn durchgemacht hat. Was aber die kleineren Erscheinungen sind, das sind lauter sogenannte Naturgeister, deren es natürlich eine unaussprechlich große Anzahl geben muß, weil sie nicht als ganz, sondern als in unendlich viele geistig-spezifische Partikel geteilt zur Erde kommen, so wie nie eine ganze Seele mit all ihren geistigen Spezifiken der Erde entsteigt, sondern allzeit im höchsten Grade geteilt; und warum denn eigentlich so geteilt?

7. Diese Teilung hat einen doppelt wichtigen Grund: Der erste liegt in dem urgeistigen Wesen selbst, wo sich ein jeder Geist durch sein Großwerdenwollen bis ins Unendliche zerteilt und zerrissen hat; und der zweite Grund liegt darinnen, weil durch eben diese Teilung ein solcher urgeschaffener Geist sich ganz natürlich auch bis auf den letzten Tropfen seiner Kraft geschwächt hat, zufolge welcher Schwächung er dann auch seine Hochmutspläne nimmer ausführen konnte.

8. Eine solche Zerstreuung des Geistes hat Ähnlichkeit mit der babylonischen Sprachenverwirrung. Wie sich dort die Völker zerstreuen mußten, so mußten sich bei einem Geiste seine Begriffe zerstreuen, so daß er nimmer einen vollen Gedanken, noch weniger irgend einen Plan in sich fassen konnte.

9. Aus diesem Grunde ist der Satan noch heutigestags auf das allereifrigste bemüht, in den einzelnen Menschenseelen und Geistern sein eigenes Urwesen wieder in eins zusammenzufangen, um dadurch zu jener Kraft zu gelangen, die ihm uranfänglich eigen war.

10. Damit er aber zu dieser Kraft nimmer gelangen kann, so ist er geteilt und zerstreut durch die ganze Schöpfung, und sein Geistiges ward verkehret in Materielles, daraus nun das Seelische eines jeden Menschen hervorgeht, welchem Seelischen ein neues Geistiges eingehaucht wird, damit da aus einem jeden solchen Teile ein ganzes Wesen hervorgehe, welches gleich sei demjenigen urgeschaffenen Wesen, das sich durch seine Hoffart oder Ideenausdehnung über Gott erheben wollte, sich aber dadurch gewisserart selbst zersprengt und in Unendliches zersplittert hat, so daß nun von ihm nichts übrig blieb als sein Ich und mit demselben sein grundböser Wille; aber alle seine Fähigkeiten, alle seine Ideen und zahllosen Begriffsvollkommenheiten sind ihm genommen worden, und diese sind es eben nun, die da fortwährend zu den Weltkörpern gelangen, zum größten Teile schon in den Weltkörpern selbst gebannt gegenwärtig sind und sich dadurch in Seelisches und Geistiges abteilen, da in dem Seelischen das gegebene Ich und das Selbstbewußtsein wieder auftaucht aus der Materie, und in dem Geistigen die Erkenntnis Gottes wieder in das Seelische eingepflanzt wird, ohne dem die Seele, wie die Pflanze ohne Regen und Sonnenschein, bald verdorren und ersterben würde.

11. In der Pflanze taucht, wie ihr wisset, zuerst das seelische Leben auf; dieses kann nicht fortkommen, wenn es nicht geistige Nahrung aus der Luft bekommt.

12. Daraus aber wird ersichtlich, wie und warum so viel Geistiges in obbeschriebenen Erscheinlichkeiten zur Erde herabkommt, und es kann auch leicht begriffen werden, daß es zu der Vielheit dieser Erscheinungen nicht notwendig ist, daß auf Erden darum schon so viele Menschen müßten gelebt haben; wohl aber geht hervor, daß auf ihr noch sehr viele leben werden. – Wenn aber einmal alles Geistige und Seelische dieser Erde erschöpft sein wird, dann wird an der Stelle der natürlichen eine vollkommene geistige Erde Platz nehmen, welche nicht mehr aus gebannten, sondern aus freien Geistern und Seelen bestehen wird.

13. Daß die Erde aber jetzt aus lauter gebannten Seelen und Geistern besteht, das zeigen nicht nur die tagtäglich häufig wiederkehrenden meteorischen Erscheinungen, sondern das zeigen auch besonders für jene einfachen Menschen, die das Vermögen haben, Geistiges und Seelisches zu schauen, jene oft zahllosen Heere von Wasser-, Erd-, Berg- und Luftgeistern, die noch zu allen Zeiten von einem oder dem andern gesehen worden sind.

14. Die gelehrte Welt sieht dergleichen freilich nicht; aber sie sieht auch so manches andere nicht, was ihr noch näher und nötiger wäre, als zu schauen derlei in der Erdmaterie gebannte Geister. Aber ob Glaube oder Nichtglaube bei den Weltgelehrten, deswegen bleiben die Urdinge doch wie sie sind, und der Vogel kann heutigestags so wie vor Urzeiten die Luft bemeistern, obschon er nie auf einer Pariser Universität in der Aerostatik (Luftschiffahrt) die strengen Prüfungen gemacht hat.

15. Also gibt es denn auch heutzutage noch eine Menge ganz einfache Menschen, die in ihrer Einfalt mehr sehen und nicht selten mehr wissen als eine ganz gelehrte Fakultät. Es gibt wohl auch bessere Gelehrte, die solches wenigstens nicht bezweifeln; aber zum Schauen bringen es doch wenige.

16. Auf dieses nun können wir noch so manche nützliche Betrachtung hinzufügen, aus welchen Betrachtungen es uns dann ein sehr leichtes sein wird, die ganze übrige geistige Erde mit einem Blicke zu übersehen. Nächstens somit einige Betrachtungen derart weiter und manche Denkwürdigkeiten dazu!

T2.34. Luft-, Berg- und Wandergeister.

19. Februar 1847

1. Die Nebelchen, die so hie und da, besonders auf hohen Steingebirgen bald über einem oder über dem andern Felsenkranz, sich entwickeln, sind, wenn kein Regen vorhergegangen ist oder auch kein Schnee und dergleichen, zumeist Naturgeister, die nicht von verstorbenen Menschen herrühren, sondern erst nach Zeiten Menschenseelen und Geister werden können.

2. Diese Geister, die sich so gern in die Luft erheben, ja manchmal dieselbe sogar ganz überziehen, sind die sogenannten Luftgeister, die schon mehr Freiheit als die festeren Erdgeister genießen, aber dennoch in diesem ihrem freien Zustande von den reinen Friedensgeistern sorgfältigst überwacht werden müssen, ansonst sie leicht irgend einen großen Schaden anrichten könnten.

3. Diese Geister werden selten von Menschen gesehen, und die Geister verhüten das auch auf das sorgfältigste, weil sie eine große Furcht vor allem haben, was Materie heißt, vor allem aber vor derjenigen, bei der sie ein starkes Wahrnehmungsvermögen verspüren. Eben diese Furcht aber flößt ihnen auch eine Art Haß gegen die Materie, in der sie so lange gefangengehalten waren, ein, aus welchem Grunde dann eine sorgfältige Überwachung dieser Geister sehr begreiflich ist; denn jeder Geist, wenn er einmal von der Materie losgeworden ist, ist um keinen Preis mehr irgend der Materie nahe zu bringen. Selbst die Geister verstorbener Menschen haben einen großen Ekel davor, obschon bei ihnen eine vollkommene Intelligenz vorhanden ist. Wie groß erst ist vor der Materie die Scheu jener Geister, die erst vor einigen Augenblicken durch besondere Zulassung aus den Banden der härtesten Gefangenschaft zu der verlangten Freiheit gelangt sind, in welcher vollkommen zu sein sie vorgaben, ohne den fatalen und mühsamen langen Weg des Fleisches zu durchwandeln.

4. Solch ein Begehren wird ihnen gewährt, nach welcher Gewährung aber gewöhnlich nie Wort gehalten wird; denn diese Geister werden aus Abscheu und Haß gegen die Materie entweder boshaft und rachsüchtig, oder sie rotten sich zu vielen Millionen zusammen und wollen hinaus in die weite Unendlichkeit entfliehen. Die Boshaften und Rachsüchtigen werden wieder gefangengenommen und unter obigen meteorischen Erscheinlichkeiten zur Erde herabgeführt, wo sie alsbald in den Pflanzenregionen zu arbeiten angewiesen werden. Haben sie aber dazu keine Lust, so werden sie in der Erscheinlichkeit des Wassers in Bäche, Flüsse, Seen und Meere getrieben, wo sie dann auch, euch schon bekanntermaßen, nicht selten ihr mannigfaltiges Unwesen treiben. Sind sie aber äußerst boshaft geworden und haben sich darinnen mit den herben Geistern des Meeres vereinigt, da kann es sogar geschehen und geschieht es auch gar häufig, daß solche arge Patrone wieder in das Innerste der Erde zurückgetrieben werden, was ein höchst bedauernswürdiges Los ist. Geben sich aber diese Geister fleißíg mit dem Betriebe des Pflanzenwuchses ab, so können sie entweder den Weg des Fleisches antreten, oder sie können nach einer gewissen zurückgelegten Dienstperiode, welche sich längstens bis zweihundert Jahre und etwas darüber erstrecken kann, wieder in ihren vorigen freien Zustand zurückkehren, in welchem freien Zustande sie dann entweder die Luft, die Gebirge, das Erdreich, Wälder, manchmal auch Seen und Flüsse bewohnen können.

5. Diese Art Geister hat dann eine vollkommene Intelligenz; sie sind in den Dingen der Natur äußerst bewandert und können alles sehen und hören, was auf der Erde geschieht, und was da geredet wird.

6. Diese Geister können sogar mit Menschen umgehen und ihnen manchmal entschiedene Dienste leisten, nur muß sich ein jeder hüten, ihnen in was immer zu nahe zu treten; denn da werden sie leicht erbittert und können jenem, der sie erbittert hatte, einen bedeutenden Schaden zufügen, und das darum, weil, obschon sie die Materie bewohnen, sie aber dennoch Todfeinde derselben sind.

7. Gegenden, in denen sie vorzugsweise wohnen, müssen abgelegen und ruhig sein; in einer solchen Gegend ist es auch niemandem zu raten, laut zu schreien, zu pfeifen, noch weniger zu fluchen und zu schelten, weil dadurch die noch in der Materie gefangenen Geister angeregt und rebellisch werden könnten, was dann den schon freier gewordenen in ihrer Idee Schaden bringen könnte.

8. Um das zu verhüten, suchen sie die Wanderer in solchen Gegenden durch allerlei Erscheinlichkeiten zu schrecken, damit diese ja so schnell wie tunlich eine solche Gegend räumen möchten. Besonders heiklich sind sie in den Bergen, und namentlich in den Stollen und Schachten, wo sie schon oft für die in den Bergen Arbeitenden die größten Unglücke bewirkt haben. Hie und da ein plötzliches Zusammensinken der Schachte und Stollen, böse Luft in denselben, oft plötzliche Überschwemmungen, Verschwinden der Metalladern und dergleichen tolles Zeug mehr ist alles ein Werk solcher Geister, wie auf hohen Bergen auch Erdabstürze und große Schneelawinen zumeist von diesen Unholden bewerkstelligt werden.

9. Wenn diese Geister manchmal in irgend etwas den Menschen wohlwollen oder ihnen wenigstens nichts Arges anzutun im Sinne haben, so erscheinen sie gewöhnlich in einer Zwerggestalt, und zwar entweder in ganz dunkler, grauer, blauer oder grüner Farbe. Diese kleine Form zeigt an, daß sie sich zu den Menschen herabwürdigen, um ihnen Gutes zu tun, weil sie in ihnen den gebannten Geist gewisserart bedauern. Wann aber ein Mensch sich dann gegen solche Geister ungebührlich benimmt, so wachsen sie nicht selten zu einer ungeheueren Riesengröße an, in welcher Gestalt es dann nicht mehr gut ist, in ihrer Nähe zu verweilen, – und ohne Anrufung Meines Namens schon gar nicht.

10. Daß solche Geister aber also vorhanden sind, ist schon in der letzten Mitteilung dargetan worden. Es fragt sich demnach nur noch, ob solche Geister auch den Weg des Fleisches durchwandern werden oder nicht.

11. Wenn sie sich auf der Erde sehr nützlich und tätig zeigen, so kann ihnen auf der Erde das Fleisch wohl nachgesehen werden; dafür aber kommen sie entweder in den Mond oder in einen anderen Planeten, wo sie dennoch eine Inkarnation annehmen müssen, und auch meist williger annehmen, weil die Inkarnation auf den anderen Weltkörpern gewöhnlich flüchtiger und leichter ist.

12. Diese Geister werden dann gewöhnlich Wandergeister genannt, indem sie von einem Planeten auf den andern kommen, mit welcher Wanderschaft nicht selten auch Geister verstorbener Menschen eine gemeinschaftliche Sache machen, zu welcher sich besonders die sogenannten Naturphilosophen und Astronomen bekennen, denen diese Wandergeister, welche auf der Welt nicht inkarniert wurden, gewöhnlich erwünschte Dienste leisten. Denn die Geister der Verstorbenen könnten ohne Hilfe dieser wandernden Naturgeister auf den anderen Weltkörpern nichts zu Gesichte bekommen. Da verhelfen ihnen aber diese Naturgeister zu dem Wege in die Menschen anderer Weltkörper und machen, daß solche Geister dann durch die Augen jener Menschen die Dinge auf den fremden Weltkörpern beschauen können.

13. Wenn dergleichen Naturgeister mit der Länge der Zeit des Herumgaffens müde werden, dann geschieht es gewöhnlich, daß sie doch wieder zur Erde zurückkehren und sich dann die schwere Inkarnation gefallen lassen, ohne welche nie an eine Kindschaft Gottes zu denken ist; denn alles, was Kind Gottes werden will, muß auch von A bis Z den Weg Gottes gehen, aus welchem Grunde – wie euch schon bekanntgegeben wurde – Geister aus zahllosen anderen Weltkörpern zu der Erde dringen, um da die Inkarnation des Menschensohnes durchzumachen. Denn so wie es nur einen Gott, eine Wahrheit und ein Leben gibt, so gibt es auch nur einen Weg dazu, wovon es aber nicht eine notwendige Folge ist, daß darum alle Bewohner anderer Weltkörper diesen Weg machen müßten, um in ihrer Art selig zu sein, – wie es auch bei einem menschlichen Leibe eine zahllose Menge anderer gesunder Nerven und Fibern geben kann, ohne daß sie Nerven und Fibern des Herzens sind.

14. Durch diese Betrachtung und denkwürdige Anführung wird sich ein jeder in der zweiten geistigen Region sicher schon ganz leicht zurechtfinden. Nächstens daher nur noch einige denkwürdige Histörchen, und dann geschwind in die erste Luftregion herab!

T2.35. Von Hexen und Hexenprozessen.

22. Februar 1847

1. Es wird kaum einen Menschen geben, der noch nie von den sogenannten Hexen etwas gehört hätte; denn es ist von der Zeit eben noch nicht gar so lange her, in welcher noch Gerichte Hexenprozesse führten und unter diesem Namen eine große Menge der allerunschuldigsten Menschen mit dem schmerzhaftesten Tode aus dieser in die andere Welt beförderten.

2. Wie kam aber die Menschheit zu den Hexen? – Diese Frage wollen wir mit einigen Histörchen beantworten.

3. In den früheren Zeiten, in denen die Menschen noch viel einfacher lebten als jetzt, gab es häufig solche, die das sogenannte doppelte Gesicht hatten und ganz naturgemäß in den beiden Welten lebten. Es könnten auch Menschen in dieser Zeit gar leicht dahin gelangen, so ihre Kost einfacher wäre; aber zu allermeist schadet ihnen die gegenwärtige, komplizierte Kost. Mit der Kost verpatzen und verdummen sie ihre Natur so, daß in selber die Seele wie ein Vogel unter den Leimspindeln sich verwickelt und verkleistert, daß sie unmöglich zu jener Regsamkeit und Gewandtheit gelangen kann, in der ihr ein freier Auf- und Ausflug möglich wäre.

4. Worin bestand denn dann die Kost jener früheren, einfachen Menschen?

5. Die Kost bestand zumeist in Hülsenfrüchten, die ganz einfach, weich gekocht, etwas gesalzen und dann nie in heißem Zustande genossen wurden. So war auch einfaches Brot, Milch und Honig ebenfalls eine gar uralte, einfache Kost, bei welcher die Menschen zumeist ein sehr hohes Alter erreichten und fortwährend bis zum letzten Augenblicke ihres Lebens im Besitze des zweiten Gesichtes waren.

6. Wohl kann jedermann dann und wann mäßig den Wein genießen, jedoch nie soviel, daß er sich berauscht fühlen würde.

7. Fleischspeisen sollten nur zu gewissen Zeiten, und da nie länger als sieben Tage nacheinander, sehr mäßig und allezeit von frisch geschlachteten Tieren genossen werden, und da ist das Fleisch der Fische besser als das Fleisch der Tauben, das Fleisch der Tauben besser als das der Hühner, das Fleisch der Hühner besser als das Lämmerfleisch, dieses besser als das Ziegenfleisch, und dieses besser als das Kälber- und Rindfleisch, – wie unter den Brotarten das Weizenbrot das dienlichste ist; jedoch soll von den angezeigten Speisen nie mehr als eine mit etwas Brot genossen werden, so wie auch das Obst allezeit nur mäßig und allezeit von bester Reife nur sollte genossen werden, desgleichen auch einige Wurzelfrüchte, aber nur eine auf einmal.

8. Bei solcher Kost würde der Leib nie zu jener Wülstigkeit gelangen, in welcher er träg, schläfrig und schwerfällig wird, daß dann die Seele über Hals und Kopf zu tun hat, solch eine schwerfällige Maschine in der Bewegung zu erhalten, geschweige, daß sie sich neben solch einer Arbeit noch mit etwas anderem beschäftigen könnte.

9. Sehet, so einfach lebende Menschen, wie schon oben bemerkt, gab es in der früheren Zeit viele, und besonders einfach lebten jene Menschen, die sich an Bergen ihre Wohnstätten aufgerichtet hatten. Diese Menschen hatten denn auch beständig das zweite Gesicht, hatten bei Tag und Nacht einen ganz natürlichen Umgang mit den Geistern und ließen sich von ihnen in den mannigfachsten Sachen belehren. Die Geister zeigten ihnen die Wirkungen der Kräuter und zeigten ihnen auch an, wo hie und da das eine oder das andere edle oder unedle Metall in den Bergen verborgen lag, lehrten sie auch das Metall aus den Bergen zu bekommen und durch Schmelzen und Schmieden zu allerlei nützlichen Dingen brauchbar zu machen.

10. Kurz und gut, es war da selten ein Haus auf den Bergen, das da nicht seine eigenen Hausgeister gehabt hätte, die wie ein anderes Hausgesinde ganz gewöhnlich zum Hause gehörten. Dadurch aber gab es denn auch eine Menge Weiser, namentlich auf den Bergen, welche mit den geheimen Kräften der Natur, mit unseren Geistern nämlich, in der größten Vertrautheit lebten, – oder diese Kräfte oder Geister standen ihnen sozusagen fast allezeit zu Gebote.

11. Wenn dann Menschen aus den tieferen Gegenden, als wie aus größeren Dörfern, Märkten und Städten, zu diesen weisen Gebirgsmenschen kamen, so mußte ihnen da freilich so manches für sie Unheimliche und Geheimnisvolle überaus auffallen, und besonders, wenn oft Bösgesinnte es mit einem solchen Bergbewohner in irgend einer Sache streitend aufnehmen wollten; denn so ein Streiter bekam sicher irgend einen für ihn unbegreiflichen sogenannten Merks-Tölpel, von dem er freilich nichts anderes halten konnte, als dieser sei ihm von dem leibhaftigen Satan oder wenigstens von seinen Helfershelfern beigebracht worden.

12. Was war die Folge? – Der auf diese Weise gewitzigte Märktler, Dörfler oder Städter ging sogleich zu seinem Ortsgeistlichen, der in der Zeit gewöhnlich entweder noch dümmer oder doch wenigstens boshafter als der Kläger war. Da wurden Messen, Prozessionen und Exorzismen angeordnet, natürlich fürs bare Geld, welches allezeit eine ganz tüchtige Summe, wenn nicht das sämtliche Vermögen samt Haus und Hof des in jedem Falle verhexten, wo nicht schon durch und durch verteufelten Klägers ausmachen mußte.

13. Hatte der Kläger seinem Geistlichen auf diese Weise Genüge geleistet, so wurde der Fall dem weltlichen Gerichte angezeigt. Dieses ging dann mit allerlei, von dem Geistlichen verordneten, geweihten antihexischen und antiteuflischen Apparaten zu dem Hause, wo der Kläger vermeintlicherweise verhext oder verteufelt worden war. Dieses weltliche Gericht nahm dann gewöhnlich die ganze Einwohnerschaft auf eine scheußliche Weise gefangen, führte sie oft ohne weiteres Verhör schnurgerade auf den brennenden Scheiterhaufen und nahm alle Schätze samt Haus und Grund – aber freilich nach vorhergehender siebenmaliger exorzistischer Weihe – in den Beschlag, für welche Weihe aber freilich wieder ganz tüchtig bezahlt werden mußte.

14. In der späteren Zeit trieb man es oft noch ärger; denn da wurde am Ende schon ein jeder, der außer dem geistlichen Stande im schwarzen Rocke gesehen ward und schneller gehen konnte als ein anderer, für einen baren Teufelskerl gehalten, und es brauchte nur eines einigermaßen boshaften Klägers, und der Schwarzberockte ward vor das Hexengericht gestellt, – bis in der jetzigen neueren Zeit die Naturforscher und Chemiker es endlich doch dahin gebracht haben, daß die überaus dumme Menschheit einzusehen angefangen hat, daß ihre vermeintliche Hexerei eine allerbarste Dummheit ist.

15. Aber man ging da von einem Extrem zum andern und vergaß des Sprichwortes: In medio beati; denn so gefehlt es ist, sich als natürlicher Mensch ganz mit Geistern herumbalgen zu wollen, so und noch mehr gefehlt ist es, das ganze Geisterreich zu verbannen und als null und nichtig zu erklären.

16. Es ist freilich wohl nicht zu leugnen, daß sich in dieser früheren Zeit manchmal Menschen mit bösen Geistern in einen Konflikt gesetzt haben, mit deren Hilfe sie manchmal irgend einen örtlichen Schaden angerichtet haben; aber eben diese Bösen hatten allezeit eine ganz tüchtige Kontrolle und ganz tüchtige Zuchtmeister an ihren guten Nachbarn, welche auf ein Haar wußten, was irgend ein Böser in seinem argen Sinne hatte. Allein darauf nahm damals die Geistlichkeit, so wie jetzt, gar keine Rücksicht, und es mußte, ob Engel oder Teufel, alles ins Feuer; denn da sah man nicht, ob gut oder böse, sondern nur ob es was einträgt. Hatte der Kläger kein Vermögen und der vermeintliche Zauberer auch keines, so war es: Requiescant in pace! Nur wenn bei einem oder dem anderen Teile einiges Vermögen verspürt wurde, da lief die Sache freilich nicht so gut und friedlich ab. Es war damals mit diesen Hexen fast also, als wie gegenwärtig mit den Begräbnissen, wo bei dem Reichen alle möglichen Zeremonien und Gebete verrichtet werden, und der Arme muß sich bloß mit einem Pater noster und requiescat in pace begnügen; und kann der Arme durchaus nichts zahlen, so mag er sich bloß mit der geweihten Erde begnügen!

17. Heißt das nicht auch Zauberei treiben? – Ah nein! Da heißt es: Der Arme kommt ohnedies in den Himmel; nur der Reiche soll noch vorher etwas schwitzen, bevor ihm die Himmelspforte aufgetan wird! – Oh, das wird im Geisterreiche ganz hübsche Komödien abgeben!

18. Diese Handlungsweisen hält jedermann für ehrbar und rechtlich, während sie in geistiger Hinsicht noch viel ärger sind als alle früheren Hexenprozesse; den deren Grund war gewöhnlich Dummheit, hier aber ist es reine Habsucht, und ein Hexenprozeß aus Habsucht ist viel ärger als einer aus Dummheit. Und was ist so ein Exequienwesen anderes als ein Hexenprozeß, durch den man an dem Verstorbenen noch so manches Teuflische wegzuexorzieren wähnt.

19. Ich meine, diese Sache ist klar; daher fürs nächste nur noch ein paar Histörchen hinzu, und dann weiter!

T2.36. Von den Zauberbergen.

23. Februar 1847

1. Daß in der früheren Zeit ganz zuverlässig sicher auf den Bergen hellsehende Menschen gewohnt haben, die mit den Geistern Umgang pflogen, davon zeugen noch heutigestages, wenn sonst auch nicht viel mehr, so doch noch die eigentümlichen Benennungen der Berge.

2. In eurem Lande gibt es eine Menge solcher Berge, die in ihrem Namen noch das bergen, was sich in der früheren Zeit zutrug. In Kärnten, in Tirol und in der Schweiz, in Savoyen, auf den Bergen Deutschlands und allenthalben, wo Berge sind, gibt es eine Menge Berge, aus deren Namen leicht zu entnehmen ist, was sich einst auf ihnen zutrug. So ist euer Schöckel schon ein solcher Berg, der seinen Namen von daher hat; denn nach einer alten Landessprache bedeutete das Wort „Schögeln“ soviel als Wettermachen. Es hieß aber auch bei einem Menschen, der so einige Naturkünste zuwege brachte etwa in der Art wie die heutigen Taschenspieler, daß er ein Schögler ist. Auch Menschen, die auf dem Seile tanzten und sonst gewaltige Sprünge machten, wurden Schögler genannt. Dieses Wort „Schögeln“ ist ein gar uraltes, asiatisches Wort, nach welchem die dortigen Zauberer auch Jongleurs, Jogles heißen.

3. In der deutschen Sprache ist noch heutigestags ein gangbares Wort, aber freilich etwas veraltet, das von diesem abstammt, nämlich das Wort „Schock“, z.B. ein Schock Menschen oder ein Schock Garben. Man benannte ein gewisses Häuflein Menschen darum einen Schock, weil man darunter gewöhnlich einen Menschen vorhanden glaubte, der etwas mehr weiß als die anderen, der sonach sicher ein Schögler war und die Menge daher von ihm den Namen Schock hatte. Auch sah man die Menschen auf den Bergen gewöhnlich schockweise beisammen, was auf den Bergen ganz natürlich ist, da es nicht ratsam wäre, wenn so hie und da vereinzelte Menschen Arbeiten vornehmen, zu denen fürs erste eine einzelne Menschenkraft nicht hinreichen würde, und fürs zweite, wenn sie auch noch hinreichte, so könnte dem Arbeiter doch etwas zustoßen, wo er dann niemand zur Hilfeleistung um sich hätte. In dieser früheren Zeit aber dachten da die Talbewohner alsogleich, wenn sie so ein Schöckchen Menschen auf einem Berge erblickten und etwa zufälligerweise irgend ein Wölkchen über dem Berge, daß sich nun diese Menschen schon mit der Zauberei abgeben und auf jeden Fall ein Wetter zu machen anfangen. Auf diesem eurem Schöckel war dieses in früherer Zeit, wie noch jetzt, bis aufs Wettermachen, der Fall.

4. Dieser Berg war bei weitem eher bewohnt als die Talgegenden, und sein urerster Name war „Freitauer“; als aber in späterer Zeit die Täler von verweichlichteren Menschen bewohnt wurden, da fingen bald die Talbewohner diese Bergler als Zauberer zu verdächtigen an, und der Name „Freitauer“ hat sich bald in den Namen „Schöckel“ oder „Zauberberg“ umgewandelt, und es hat Zeiten gegeben, von denen kaum noch hundert Jahre her sind, wo dieser Berg noch so berüchtigt war, daß sich kein ehrlicher Christ wagte, seinen obersten Scheitel zu besteigen, weil jedermann, der einigen katholisch-christlichen Sinn hatte, vor der Schöckelhexe auf das eindringlichste gewarnt wurde. Man hat darum auch seine höchste Kuppe entwaldet, um dadurch der Schöckelhexe die Schlupfwinkel wegzunehmen, damit sie sich nicht verbergen könnte, wenn von allen Seiten mittelst geweihten Pulvers auf sie geschossen wurde. Das Wetterloch ist noch zu sehen; daß daraus aber nie ein Wetter kam und noch weniger je eine Hexe den Schöckel bewohnt hat, das braucht euch kaum näher gezeigt zu werden; daß aber in der früheren Zeit dieser Berg, wie auch noch jetzt, von sehr vielen sogenannten Berggeistern bewohnt war, mit denen die alten Bewohner dieses Berges nicht selten ganz natürlichen Umgang pflegten und darum auch um vieles weiser waren als die Talbewohner, das könnt ihr ganz unbezweifelt annehmen, sowie auch, daß dieser Berg einst ein Feuerspeier war und seine Wetterlöcher nichts als noch offengebliebene Krater sind.

5. So aber wie der Schöckel haben noch eine Menge Berge von Steiermark ihre geheimnisvollen Namen, welche alle erörternd herzusetzen der Raum dieser Mitteilung nicht gestatten würde. So ist die „Raxalpe“ eben ähnlichen Ursprungs; denn das Wort „Rax“ ist gewisserart apostrophiert von „Racker“, der so gewisserart ein halber Teufel ist. – Das „Tote Weib“ hat schon in dem Namen das tüchtigste Kennzeichen, was dieser Berg einst war, nämlich ein Boden voll Hexen, durch die einst ein Weib, welches von ihnen abgefangen wurde, sich aber ihrem Willen nicht fügen wollte, in einen Stein verwandelt ward. Mit dieser Verwandlung war sie natürlich auch tot.

6. In der späteren Zeit hat man tiefer unten eine Eremitage eingerichtet, in welcher auch einmal ein Weib tot gefunden wurde, und wie sich noch mehrere dergleichen Sagen an diesen Berg knüpfen, welche aber natürlich ebensoviel Wahres an sich haben als die Lüge selbst; sondern der Grund der Verdächtigung und der üblen Benennung solcher Berge ist der gleiche, wie er schon im ganzen Verlaufe dieser beigefügten denkwürdigen Histörchen angegeben ist.

7. So ist der „Hohe Schwab“ ebenfalls gar überaus berühmt als ein Zauberberg. Sein Name rührt von einem Abkömmlinge oder Auswanderer Schwabenlands her, welcher als einer der berühmtesten Zauberer in dieser Gegend existierte und dort sein Unwesen trieb, bis ihm dann der nahe errichtete Wallfahrtsort, den ihr wohl kennet, ein Ende machte. So existiert auch ein „Teufelsstein“; diesen weiter zu erkären ist unnötig. Der „Predigerstuhl“ ist gleichen Ursprungs; denn da soll einst der leibhaftige Satan den Hexenmeistern die Verhaltungsregeln vorgepredigt haben.

8. So ist der „Grimming“ auch in einem gleichen verdächtigen Ansehen. Besonders verdächtig aber war das ziemlich weit und breit gedehnte „Tragelgebirge“, welches die Grenze zwischen Salzburg, Oberösterreich und Steiermark bildet. Dieses Tragelgebirge war gewisserart die Hochschule für alle Zauberer und Hexenmeister von ganz Steiermark, Österreich und Salzburg; denn der Name ist noch heutigestags überaus verdächtig, und noch ist kein Bewohner etwa von Altaussee oder von der Ramsau leicht dazu zu bewegen – besonders wenn er mehr der sogenannten unteren Volksklasse angehört –, auf dieses kahle Gebirge zu gehen, außer Raubschützen, die freilich wohlweislichermaßen auf die Hexen nichts mehr halten, aber um desto mehr auf die fetten Gemsen, die auf diesem weitgedehnten Bergstocke so ganz eigentlich zu Hause sind.

9. Wir brächten noch wenigstens ein paar hundert solcher Berge in Steiermark zusammen, wollen uns aber mit den bis jetzt angeführten begnügen und fürs nächste noch über ein paar Berge Kärntens, Tirols und auch einen aus der Schweiz in obiger histörchenartiger Hinsicht uns besprechend hermachen, welche Berge noch vor ungefähr hundertzwanzig Jahren eine ganz außerordentlich mystische Rolle gespielt haben.

T2.37. Berge mit berüchtigten Namen.

24. Februar 1847

1. In einer Gegend des oberen Kärntens, und zwar unfern des Draustromes, befindet sich ein Berg unter dem Namen der „Hohestaff“. Dieser Berg beherrscht mit seiner Spitze das Drautal beinahe von der Grenze Tirols bis gegen Klagenfurt, d. h. bis in die Nähe dieser Stadt; zugleich ist südwestlicherseits an dessen Fuß der sogenannte „Weiße See“ angelehnt. Er hat eine Höhe von 8000 Fuß, und von seiner Spitze genießt sicher jeder, der ihn bestiegen hat, die bezauberndste Aussicht. Dieser Berg war einst überaus berüchtigt und war sozusagen ein Hauptsammelplatz für die Hexen und deren Meister, – natürlich nach der Sage der noch jetzt lebenden Landleute, welche diesen Berg nach allen Seiten herum bewohnen. Seine Ausläufer hatten die noch jetzt führenden Namen von seiner einstigen zauberischen Berühmtheit erhalten; so nennt man einen Ausläufer nach Norden den „Goldeck“, einen nach Nordwest die „Siflitz“, einen nach Westen „Bärenbuck“, einen nach Süden das „Silberne Grab“; den senkrechten Felsen der höchsten Spitze nennt man die „Hohe Freiung“ und eine etwas unter dieser liegende Wand die „Unterfreiung“, so wie der Sattel zwischen dem Hohen und Niederen Staff manchesmal „Hexen-“ und manchesmal „Teufelsritt“ heißt. So ist auch vor eben diesem Sattel ein nackter Steingraben, welcher das „Rutschbrett des Teufels“ genannt wird; auch ein anderer Graben, der sich gegen Westen neigt, heißt das „Wilde G'jad“. Diese Benennungen und noch mehrere dergleichen, die sich an diesen Berg anreihen, als: ein „Hexensprung“, „Teufelsritt“, „Wehrwolfsnest“ und dergleichen noch eine Menge, bezeichnen hinreichend, in welchem Ansehen einst dieser Berg gestanden ist. Abgesehen aber von allen diesen Seitenbenennungen genügt schon der Name „Staff“, um zu sehen, daß das ein Hauptzauberberg war.

2. Das Wort „Staff“ war bei diesen früheren Gebirgsbewohnern ein Ausdruck, durch den sie die Eigenschaft eines außerordentlichen Dinges bezeichneten. Außerordentlich aber war bei ihnen dasjenige, was sowohl für die Elemente, als da sind Luft mit ihren Erscheinungen und das Wasser mit den seinigen, sowie auch für Menschen und Tiere als ein Richtpunkt diente, aus welchem Grunde man in späterer Zeit diesem Berge einen neuen Namen gab, welcher den ersten nur gewisserart in ein mehr neues Deutsch übersetzte.

3. Der neue Name war und ist noch jetzt „Landschnur“, von welchem Namen später die sich dort aufhaltenden Franzosen einen „Landjour“ gemacht haben. Sonach bezeichnet das Wort „Staff“ in dieser alten Bergsprache gewisserart ein Gericht und „Hochstaff“ ein hohes Gericht, und das darum, weil jeder Unbefugte, in die Zaubermysterien dieses Berges nicht Eingeweihte, alsogleich auf das schrecklichste gerichtet wurde, natürlich von den Hexenmeistern, wenn er sich erdreistete, diesen Berg nur so hoch zu besteigen, wo die Waldregion aufhört; denn ein solcher Gast wurde plötzlich von unsichtbaren Händen ergriffen und in Blitzesschnelle, wie die Sage lautet, auf die höchste Spitze entrückt. Dort wurde er von ebenfalls unsichtbaren Kräften mehrere Stunden lang auf das schmerzvollste und grausamste gequält und mit Donnerstimme genötigt, dem Hexenbunde beizutreten; wollte er das nicht, so ward er von dem höchsten Punkte, der darum die „Hohe Freiung“ hieß, auf die „Untere Freiung“ geworfen, jedoch so zauberhaft, daß er nicht getötet wurde. Auf der Unteren Freiung kamen dann die zauberhaft reizendsten Sylphiden über ihn und berauschten ihn durch den Reiz ihrer Gestalt; hat er sich ihnen da ergeben, so ward er plötzlich wieder auf die Hohe Freiung gehoben und daselbst in ihre Mysterien eingeweiht. Wollte er aber sich durch den Sylphidenreiz nicht berücken lassen, so kam er auf das Rutschbrett des Teufels und mußte dort eine schreckliche Reise in das Tal herab machen, bei welcher Reise freilich alle Glieder, wie ihr zu sagen pfleget, komplett aus dem Leim gingen. Hatte er aber bei dem Sylphidenreize so einen halben Willen gezeigt, so wurde er auf den Goldeck gestellt, wo er von dem enormen Reichtume, der in Massen blanken Goldes bestand, geblendet ward. Und war das auch noch nicht genug, so wurde er südwärts in die Gegend des Silbernen Grabes geführt. Dieses war eigentlich kein Grab, sondern eine feenhaft wunderschönste Gegend dieses Berges, welche diesen Neugeworbenen so bezauberte, daß er nun nicht mehr umhin konnte, dem Hexenbunde vollkommen beizutreten.

4. Natürlich ist alles dieses bloße Volkssage, und zwar zumeist des Volkes, welches die unterste Talgegend bewohnte.

5. Die weiseren Bergbewohner, die wegen der Dummheit der unteren Talbewohner nicht selten ein schändliches Strafgericht aushalten mußten, wußten von all dem Hexenwesen nichts, wohl aber von den Geistern, die diesen Berg nach allen Richtungen, wie sonst selten einen andern Berg, überschwenglich reichlichst bewohnten. – Warum denn gerade diesen Berg? – Der Grund, warum solche Wesen oft einen Berg mehr als einen anderen in Besitz nehmen, ist verschieden; teils hängt es von der Lage und von einer gewissen Höhe des Berges ab, teils von dem Inhalte eines solchen Berges, meistens aber von einer ziemlich freien Stellung, nach der ein Berg von anderen Bergen von allen Seiten herum gewisserart abgeschnitten ist, damit die Geister anderer Berge, die oft böser Natur sind, nicht leichtlich zu diesen Geistern gelangen können und Unordnung unter ihnen stiften. Hauptsächlich aber wird ein solcher Berg aus dem Grunde von obbeschriebenen Geistern in Besitz genommen, wenn er infolge seiner freien Stellung eine reizende Aussicht nach allen Gegenden herum unbeschränkt gewährt. Denn auch diese Geister haben sämtlich das Vermögen, so sie wollen, die naturmäßige Welt anzuschauen; und indem sie auch zum sogenannten Wettermachen verwendet werden und fortwährend ein wachsames Auge auf die benachbarten Gebirgsgeister haben müssen, so sind ihnen auch solche Berge am liebsten, wo sie in ihrer Wachhabung durch nichts beschränkt werden können. Solchen Geistern sind freilich auch schon vollkommenere Geister beigegeben, die sie beherrschen und leiten; aber dessenungeachtet wird keinem Geiste für seine eigene Individualität seine Freitätigkeit und die mit ihr verbundene Wonne benommen.

6. Das wäre sonach ein hauptberühmter Berg dieses Landes. Ein zweiter seines Gelichters ist der „Unholde“, der noch ärger als der Hochstaff berüchtigt war; denn schon die Benennungen, die diesem Bergstocke noch heutigestages ankleben, wie auch seine beinahe ins Mystische gehende wildromantisch-groteske Gestaltung sind mehr als sprechende Beweise von seiner einstigen zauberischen Berühmtheit. Wir wollen nur einige Namen seiner Ausläufer und seiner Räumlichkeiten anführen, die uns hinreichend belehren werden, wie es einst mit diesem Berge ausgesehen haben soll, aber natürlicherweise nie also ausgesehen hat.

7. Die höchste Spitze dieses Berges heißt der „Hohe Stadl“, d. i. soviel als ein hoher Platz und eine hohe Wohnung, in der die Hexen Winter und Sommer zugebracht haben. Eine Seitenspitze dieses Berges heißt auch die „Niedere Freiung“ und eine sich über diese erhebende Spitze die „Hohe Freiung“. Eine Freiung ist ein Platz, auf welchem auf früher beschriebene Weise ganz unschuldige Menschen zu Zauberern geworben wurden. Gleich unter diesen beiden Freiungen ist ein ziemlich gedehnter Platz, wo die neuen Ankömmlinge zaubern lernen mußten; dieser Platz heißt noch heutzutage „Zaubrad“ oder der „Zauberplatz“.

8. Über diesem Zauberplatz erhebt sich mehr südlich eine andere Felsenkuppe unter dem Namen „Ruhdnik“; das war der Platz der Erholung für die neuen Schüler der Zauberei. Unter dem Ruhdnik noch mehr südlich befand sich ein großer, freier Platz unter dem Namen „Gerlize“. Das Wort „Gerlize“ hat in der damaligen dummen Zaubersprache so viel geheißen als: ein Platz der ausgelassensten Freude und sogleich auch ein Platz des Zauberspieles; daher noch heutigestags sich gegen die Felswände des Hohen Stadels hinzu mehrere Quellen befinden, die nur genau um ½12 Uhr einen Wasserstrahl hinausstoßen, von welchen Quellen sich bis jetzt nur eine noch erhalten hat und „Halbzwölfuhrbrünndl“ heißt.

9. Noch mehr südlich von diesem Platze erhebt sich die noch heutigestags so genannte „Hohe Truth“, deren Name bezüglich der einstigen Bedeutung kaum näher beschrieben werden darf. Über dieser Hohen Truth kommt die sogenannte „Rote Wand“ auch „Blutwand“ genannt, und an diese sollen Abtrünnige oder Verräter des Zaubertums von den Teufeln geschleudert worden sein.

10. Wieder über dieser hohen Roten Wand befindet sich die sogenannte „Dreihexenspitze“, nach der jetzigen Sprache auch „Dreihexenköffel“, welche fortwährend von den drei ärgsten Hexen bewohnt war, die da Wache halten mußten.

11. Ober dieser Dreihexenspitze erhebt sich der ziemlich steile Rücken bis zum Hohen Stadl unter dem Namen „Hexenstieg“, welcher sich – wie schon bemerkt – bis zur höchsten Spitze hinanzieht, auf welche der Stadl oder die Burg des Hexenkönigs war. Nördlich, parallel mit der höchsten Spitze, läuft ein zehn Klafter langer und bei drei Klafter breiter Felsenkamm; dieser hat jetzt den Namen „Hohebrüstung“, früher aber hieß er „Hexentrui“. „Trui“ heißt soviel als „Trieb“; da wurden sie hinausgetrieben in die freie Luft und mußten die Nebel ergreifen, die aus der Spitze, namens „Deuwand“ (in neuere Sprache übersetzt: „Teufelswand“) aufstiegen.

12. Mehr nördlich von der Deuwand ist die Deudreispitz'; noch mehr nördlich der Böse Sieg, und noch etwas mehr nördlich die hohe Siebenwand, auch „Hohle Spitze“ genannt, welche von den allerärgsten Geistern sollte bewohnt worden sein.

13. Mehr südlich vom Hohen Stadl befindet sich eine sehr steile Spitze unter dem Namen: die „Verdammte Bucht“, in der neueren Zeit auch „Sandriß“. Noch mehr südlich, aber etwas tiefer unten, ist der Teufelsgalgen, und von da etwas mehr südwestlich das Böse Weib.

14. Aus diesen Namen geht ganz klar hervor, in welcher Berühmtheit einst dieser Gebirgsstock gestanden ist. Schon der alleinige Name „Unholden“ zeigt hinreichend den einstig gekannten Charakter dieses Gebirges, welches zum Teil Kärnten, zum Teil Tirol und auch einen tüchtigen Teil von Welschland beherrschte.

15. Daß hinter diesen Sagen wieder nichts anderes steckt als was Ich nun schon bis zum sonnenklarsten Anschauen erklärte, versteht sich von selbst.

16. Eben dieser Hochstadl ist auch ein so frei gestellter Berg und daher ein Lieblingsaufenthalt solcher euch schon bekanntgemachter, mehr frei gewordener Naturgeister, welche mit den am Fuße dieses Berges wohnenden Landleuten in euch schon bekanntem Konflikte standen. Daß sich aber an den Namen dieses Berges und seiner Ausläufer so manche traurige Hexeninquisitionsgeschichte knüpft, das braucht kaum einer näheren Erörterung; denn an der Drau ist noch heutigestags die Hexengerichtsstätte der alten Herrschaft Flaschberg ersichtlich, deren Name schon eine hinreichende Beschreibung von dem in sich schließt, was einst hier verübt wurde.

17. Ähnliche Berge gibt es in Tirol noch eine Menge; so ist die Gantspitze, der Hohe böse Ring, der Böse Stein, der Hohe Helm, der Brenner, der Ötzer, die Vintschgauer Hochkuppe, das Wurmserjoch und dergleichen noch mehrere, überaus berüchtigt, in der Schweiz das bekannte Wetterhorn, das Finstere Achhorn, der Hohe Mönch, das Wöllerhorn, die Pilatusspitze, auch der Bernhardsberg, die Teufelsbrücke und dergleichen noch eine Menge, – lauter Berge von gleichem Kaliber.

18. Doch im höchsten Grade berüchtigt sind die Berge Savoyens. Denn da waren nach den Volkssagen die höchsten Häupter der bösen Geister zu Hause, und jeder Savoyarde war noch vor eben nicht gar zu langer Zeit mit einer derartigen Verachtung angesehen, daß man ihn kaum für etwas höher hielt als die Tiere, so wie auch noch vor nicht gar langer Zeit die Bewohner der Pyrenäen unter dem Namen „Chacots“ von den Spaniern mehr als der gemeinste Hund verachtet wurden.

19. Nachdem wir nun zur Beleuchtung des Daseins der Geister in unserer zweiten Region durch diese Histörchen hinreichend viel erörternd dargetan haben und nun sehen, wie es in dieser zweiten Region zugeht, so werden wir uns fürs nächste sogleich in die erste Region herabbegeben und sehen, wie es da geistig zugeht.

T2.38. Die erste, unterste Luftregion.

25. Februar 1847

1. Die erste Region, welche natürlicherweise die unterste ist, nimmt eben da Platz, wo die naturmäßige atmosphärische Luft, in welcher Pflanzen, Tiere und Menschen leben, über der Erdoberfläche rastet. Das Geistige ist mit dem Naturmäßigen so eng verwebt, daß ein Weiser offenbar also reden müßte:

2. „Ich finde in dieser ganzen untersten Luftregion nichts als Geistiges; nur das, was durch die geistige Aktion fixiert wird, entweder momentan oder sukzessiv, das allein hat das Ansehen des Naturmäßigen unter der formellen Erscheinlichkeit; im Grunde des Grundes aber ist dennoch alles vollkommen geistig.“

3. Warum sagt man hier „geistig“ und nicht komplett „Geist“? – Weil in dieser Region die geistigen, also auch seelischen einzelnen Spezifikalintelligenzen sich erst nach und nach ergreifen, vereinen und in eine ganze, vollkommene geistige Form wieder als komplett und als ein Wesen, seiner selbst bewußt, sich finden müssen.

4. Wie ist denn dieses so ganz eigentlich zu verstehen? – Ich sage euch: leichter, als ihr es meint.

5. Überall ist für die komplette Vereinigung aller der geistigen Spezifika ein gewisses Zentrum gegeben. Dieses Zentrum ist der eigentlich engst gefesselte Urgeist oder der Liebesfunke aus Mir. Dieser zieht mächtig all dasjenige an sich, was seines Wesens ist; und möge dieses noch so zerstreut sein, so wird es sich gerade an jenes geistige Zentrum anfügen, zu dem es gehört, und wird, wenn auch von gleicher Qualität, bei jedem Zentrum andereigenschaftlich.

6. Ein Beispiel wird euch die Sache vollkommen klarmachen.

7. Betrachtet z.B. die Bildung eines Menschen oder mehrerer Menschen in einer Schule. Hundert Schüler haben einen und denselben Meister, sie lernen aus denselben Büchern, sie lernen alle nach einer Vorschrift schreiben, – und betrachtet sie hernach als Menschen, die in dieser Schule gebildet wurden, da werden nicht zwei die vollkommen gleiche Denkweise haben, nicht zwei die gleiche Schrift, und dergleichen Unterschiede mehr! Und doch war die geistige Bildungsspezifikalkost die gleiche; aber jeder Geist dieser Schüler hat von dieser allgemeinen Unterrichtskost sein eigenes, ihm zusagendes Spezifikum genau herausgefunden, ohne daß für diesen Zweck der Lehrer nur im geringsten etwas beigetragen hat.

8. Aus diesem Beispiele läßt sich nun ganz klar erschauen, wie ein jedes geistige Zentrum ganz genau aus der unendlichen Vielzahl der Intelligenzspezifika sein Eigentümliches findet, ebenso, wie das in einem jeden Samenkorn gegebene Zentralseelenspezifikum aus demselben Wasser, aus derselben Luft, aus derselben Erde, wie auch aus demselben Lichte genau dasjenige findet und an sich zieht, was zu seinem Wesen gehört.

9. Also konzentrieren sich die seelischen Intelligenzen um das ihnen eigentümliche geistige Zentrum oder sie strömen dahin, wo ihr geistiges Zentrum ist, ergreifen sich da zu einer intelligenten Form und eigenschaften sich nach dem Grundwesen ihres geistigen Zentrums, welches gewöhnlich im Menschen vor sich geht, weil das eigentliche geistige Zentrum erst in der Form des Menschen wieder gegeben wird.

10. Auch ist das Wort ein gar treffliches Beispiel zur Beleuchtung dieser Sache.

11. Ein Wort wird gegeben, und dieses Wort, wie es gegeben ist, zieht in dem Augenblicke all dasjenige an sich, was zur Erfüllung seines Begriffes notwendig ist.

12. Nehmen wir das Wort „Gebot“; dieses Wort ist ein Zentrum, zieht aber in dem Augenblicke alles dasjenige an sich und vereinigt es ebenfalls sogleich in sich, was es vonnöten hat, um ein Gebot zu sein.

13. Daß aber, um den Begriff „Gebot“ in eins aus den vielfachen Begriffen zu komplettieren, es etwas Außerordentliches ist und durchgehends keine so leichte Aufgabe, als sich jemand denken würde, das versteht sich von selbst; denn was gehört zu einem Gebote? Fürs erste ein weises gebietendes Wesen, das eine große, in allen Dingen durchgreifende Einsicht hat, warum es ein Gebot gibt und wem. Zweitens muß ein freies Wesen dasein, begabt mit vieler Einsicht und damit gebundener Willenskraft, damit es das Gebot annehmen, verstehen und halten kann. Was gehört dazu, um ein solches Wesen zu erschaffen, und welche Eigenschaften muß der Schöpfer haben, um ein solches Wesen erschaffen zu können?! Drittens: das Gebot muß auch sanktioniert sein; was gehört wieder dazu, um ein Gebot weise, gerecht und werktätig sanktionieren zu können?!

14. Sehet, was für eine unendliche Anzahl von Begriffen und Grundideen und Kräften mit dem einzigen Begriff „Gebot“ verbunden ist, so zwar, daß jemand sagen könnte: „Ja, wenn dieses Wort „Gebot“ das alles als eigentümlich in sich schließt, was bleibt dann für ein anderes nicht minder vielbedeutendes Wort übrig?“

15. Da kommt es eben jetzt zu der Haupterklärung. Jedes Wort bildet für sich ein gewisses geistiges Zentrum, zieht von einer und derselben Unzahl der Begriffe an sich und vereinigt dieselben ganz für sich eigens eigenschaftlich, so daß dieselben Begriffe sich in diesem Worte zu etwas ganz anderem qualifizieren müssen, als zu was sie sich in einem anderen, früheren Worte qualifiziert haben.

16. Es ist nicht nötig, euch zu dem Behufe noch eine Menge Worte oder Begriffe herzusetzen, um diese Sache noch klarer zu machen, als sie es ohnedies schon ist; das könnt ihr euch selbst tun. Denn zu dem Begriffe „Liebe“, „Tugend“, „Demut“, „Gott“ und dergleichen mehr, gehört ebensoviel als wie zum „Gebot“; aber was im Gebote zu Gebot wird, dasselbe wird in der Liebe zur Liebe, in der Tugend zur Tugend, in der Demut zur Demut und in Gott zu Gott, – so wie dieselben Elementarspezifika im Klee zu Klee, in der Rübe zur Rübe, in dem Weinstocke zum Weinstocke usw. werden.

17. Wenn ihr nun dieses jetzt Gesagte nur einigermaßen aufgefaßt habt, so werdet ihr es kinderleicht einsehen, ja sogar mit den Händen greifen, daß diese untere Region so ganz eigentlich und gewisserart die Reproduktions- und Wiedervereinigungswerkstätte des vereinzelten Geistigen und Seelischen in einen kompletten Geist ist und mit all dem die höchste Ähnlichkeit hat, was hier vor jedermanns Augen in die vegetative und produktive Erscheinlichkeit tritt, wo überall – wie sich jedermann überzeugen kann – aus endlos vielen Partikeln ein sonderheitliches Ganzes dargestellt wird. Kurz und gut: hier ist der Platz für die Aussaat, es ist der Acker, wo in einem jeden geistigen Samenkorne eine ganz eigentümliche geistige Ideenassoziation (Ideenverbindung) in eine Form zusammengefaßt wird, – oder es ist der Sammelplatz alles zerstreuten Seelischen um ein gegebenes, geistiges Zentrum.

18. Da ihr nun dieses sicher und leicht aufgefaßt habt, so wird es für die nächste Mitteilung ein leichtes sein, sich in dieser Sphäre weiterzubewegen.

T2.39. Die leitenden Geister der unteren Luftregion.

27. Februar 1847

1. Überall, wo nur immer ein großes Geschäft betrieben wird, mag es wie immer gestaltet sein, müssen Geschäftsleiter bei dem Geschäfte angestellt sein, welche alles ordnen, leiten, die Maschinen in der Ordnung erhalten und die Kräfte in denselben bemessen. Ohne solche Direktoren würde was immer für eine Arbeit entweder gar nicht oder nur höchst schlecht vonstatten gehen. Also ist es auch in unserer unteren geistigen Luftregion.

2. Es ist wahr, daß diese eigentlich nur der Sammelplatz ist, wo vereinzelte und zerstreute seelische Intelligenzen sich um ein geistiges Zentrum gewisserart instinktmäßig ansammeln, weil sie dieses als das ihnen Eigentümliche erkennen. Diese Ansammlung aber würde dennoch äußerst plump und klumpenhaft ausfallen, wenn sie nicht nach einer festgesetzten, bestimmten Ordnung geschähe. Es wäre gerade also, als wenn jemand alles Baumaterial, das für ein Haus bestimmt ist, übereinanderwerfen ließe. Dadurch würden wohl auch Steine, Kalk, Mörtel, Holz, Läden, Dachziegel und alles, was zu einem Hause gehört, in einen Haufen zusammenzuliegen kommen; aber welch ein Unterschied wäre da wohl zwischen einem solchen Haufen und zwischen einem ordnungsmäßig aufgeführten Hause, wo ein jedes Material seinen ordnungsmäßigen und baukunstgerechten Platz einnimmt.

3. Wie es aber bei einem Hause, das erbaut werden sollte, der Fall ist, so das Material einmal vorhanden ist, ebenso ist es auch in geistiger Hinsicht in unserer unteren Bausphäre. Es ist hier Material im Überfluß, Intelligential-Seelenspezifika und geistige Zentra in Überfülle vorhanden; aber das Material, wennschon in einem jeden Partikel eine eigene lebendige Intelligenz ruht, kann sich doch nicht selber zu einem vollkommenen Menschenwesen erbauen, und das darum nicht, weil eine jede einzelne Intelligenz auch nur in sich ein Einziges aus dem zahllos Vielen erkennt. Wenn die zahllos vielen, zu einem Wesen erforderlichen Intelligenzen erst unter einer Form und in einem Wesen durch die geistigen Baumeister verbunden werden, sodann erst kann ein solches Wesen nach und nach auch zu einer allgemeinen, alle Ordnung übersehenden Erkenntnis gelangen, was aber freilich erst nach und nach geschehen kann, wie es euch eure eigene Erfahrung lehrt, derzufolge – wie ihr sagt – noch nie ein Gelehrter vom Himmel gefallen ist, noch weniger ein Weiser.

4. Was heißt aber „Lernen“? – Das heißt nichts anderes, als die einzelnen Intelligenzen der Seele wecken und sie dann miteinander zu einem gemeinsamen Wirken verbinden.

5. Je mehr solcher Intelligenzen jemand durch Fleiß und Eifer in sich geweckt und miteinander verbunden hat, desto gelehrter und desto vielwissender wird er. Aber diese Gelehrtheit ist noch lange keine Weisheit; denn die Weisheit ist eine Erweckung des Geistes, welcher, so er einmal völlig erweckt wurde, alle zahllosen Intelligenzen seiner Seele in einem Nu durchdringt, sie erweckt und alle in sich selbst zu einem vollkommenen, gottähnlichen Wissen vereinigt.

6. Es ist damit der gleiche Fall, als so jemand bei stockfinsterer Nacht in ein großes Kunstmuseum hineingeführt würde. Wenn ihn da auch jemand darin herumführt und ihn die Kunstgegenstände betasten und fühlen läßt und erklärt ihm dabei den befühlten Gegenstand noch so klar, so wird der in das Museum Geführte dennoch eine sehr matte Vorstellung – und das nur von wenigen Gegenständen des Museums – bekommen; denn wo ein zahlreicher Kunstreichtum vorhanden ist, wieviel davon läßt sich wohl in einer kurzen Zeit von dem ins Museum Geführten betasten und wie viele Kunstschätze können da erklärt werden? Sicher wird der Hineingeführte zu seinem Professor sagen: „Herr, wenn da nur Licht wäre, so würden wir ja mit der größten Leichtigkeit gar vieles mit einem Blicke übersehen können, das wir hier im Finstern mühsam und unsicher mit unserem groben Tastsinne erkennen!“ Dieser hat recht; denn also fragt auch der Geist im Menschen, und also ist dann ein solcher aus der Finsternis des Museums Unterrichteter ein Gelehrter.

7. Wann aber für jemanden, der sich in diesem Museum befindet, auf einmal die Sonne aufgeht und das Museum in allen Räumen durch und durch beleuchtet, wird er wohl auch noch herumzutappen notwendig haben, um die Gegenstände zu erkennen? O nein, er übersieht sie ja auf einmal mit einem Blicke und übersieht alles, was im Museum ist, und nicht nur teilweise. Und sind die Gegenstände des Museums geordnet, so wird er auch mit leichter Mühe den Hauptzweck der in diesem Museum aufgestellten Kunstgegenstände, wie auch den speziellen Zweck eines jeden einzelnen Gegenstandes mit großer Leichtigkeit erkennen.

8. Sehet, da ist die erste Bildung gleich dem mechanischen Lernen, und eine aus diesem Lernen möglichst vielfache Sichzueigenmachung der Gegenstände in dem Museum ist dann gewöhnlich die Gelehrtheit der Weltmenschen.

9. Die Weisheit aber ist das Zweite; sie schaut das endlos Viele auf einmal im klarsten Lichte, was die Gelehrtheit nur teilweise in der Nacht betappt.

10. Aus dem geht aber hervor, daß mit der ordnungsmäßigen Zusammenfassung aller der zu einem Wesen gehörigen seelischen Partikelintelligenzen noch bei weitem nicht jene allgemeine Erkenntnis verbunden ist, welche dazu erforderlich ist, um eben in unserer unteren Wesenbauregion die einzelnen seelischen Intelligenzen um ein geistiges Zentrum so zu ordnen und zu verbinden, daß daraus mit der Zeit wirklich ein vollkommenes Erkennen hervorgehen kann. Es ist daher auch begreiflich, daß sich unsere oberwähnten Seelenintelligenzpartikel nicht von selbst ordnen können, sondern es müssen da solche Wesen fortwährend gegenwärtig sein, die über solche Wesenbauordnung zu wachen und dieselbe zu leiten haben.

11. Wer sind aber diese Baumeister? – Das wird sehr leicht zu erraten sein. Das sind zuerst als oberste Leiter die Engel; also gibt es in eurer Region sehr häufig und sehr viele Engel.

12. Als der oberste Leiter dieses großen Geschäftes bin Nr. 1 Ich Selbst, der Ich sicher nicht weit von euch sein kann, indem Ich eben hier Selbst euch in eurem Kunstmuseum ein Licht um das andere aufstecke und anzünde, – und da, wo Ich Mich aufhalte, halten sich noch gar viele auf, die gerne um Mich sind und zu allen Zeiten gern um Mich waren.

13. Aber es ist hier eben darum auch ein großer Konflikt; denn wo der Himmel seine größte Tätigkeit entwickelt, da ist eben auch die Hölle nicht minder tätig. Es muß aber auch hier also sein; denn sonst wäre keine Freischwebe zwischen diesen beiden Polarpunkten denkbar.

14. Wie aber Engel unter Meiner Leitung und andere gute Geister unter der Leitung der Engel obbesagten Wesenbau von der Pflanze bis zum Menschen fortführen, das wird der Gegenstand unserer nächsten Betrachtung sein.

T2.40. Die Tätigkeit der Geister im Erdinnern.

1. März 1847

1. Ihr habt schon bei der natürlichen Darstellung der Erde gesehen, wie die Erde als ein organisch lebendes Wesen ihre Nahrung nimmt, dieselbe in sich verdaut und die Nährsäfte dann durch zahllose Organe hinaus bis zur Oberfläche leitet, und wie anderseits die gröberen, unverdaulichen Exkremente gegen den Südpol hingeleitet werden. Diese Nahrung oder Kost der Erde ist, wie ihr nun leicht begreifet, nur dem Sehen nach materiell, dem Wesen nach aber ist sie geistig; denn da dringen fortwährend eine zahllose Menge Geister und geistige Spezifika von besserer Art in das Innerste der Erde, wo gewöhnlich die ärgsten Geister gebannt sind.

2. Dieses Hineindringen der besseren Geister in das Innerste des Erdwesens hat einen mehrfachen Zweck. Fürs erste werden die Seelen und Geister böser Menschen dahin gerichtet und einer – wie ihr zu sagen pfleget – ewigen höllischen Gefangenschaft preisgegeben; denn solche Meuterer gegen die göttliche Ordnung müssen tief und fest verwahrt werden, damit sie die göttliche Ordnung fürder nicht stören können, indem vor solcher Einkerkerung viele tausend Besserungsversuche fruchtlos geblieben sind.

3. Ein zweiter Grund dieses Hineindringens der Geister und geistigen Spezifika in das Innerste des Erdwesens ist der, daß es in diesem Innern wieder Geister gibt, die – so wie ihr zu sagen pflegt – für ihre Tollwut in dieser Gefangenschaft schon ein gehöriges Lehrgeld bezahlt haben, sehr stark gewitzigt worden sind und wieder einen sehnlichsten Wunsch haben, in die Freiheit zu gelangen. Solche Geister werden dann durch die hineingedrungenen besseren Geister auf den ordnungsmäßigen Wegen von ihrer Gefangenschaft befreit und herauf zu der größeren Freiheit geführt, wo sie dann wieder zur Tätigkeit verwendet werden. Da müssen sie zuerst, weil noch etwas Böses in ihnen ist, sich an die Giftpflanzen wie auch an giftige Tiere machen und die zum Wachstume erforderlichen psychischen Urspezifika ordnen und dadurch solch einer giftigen Pflanze oder giftigen Tiere jene Gestalt und Beschaffenheit geben, in der sie fortwährend ordnungsgemäß in die Erscheinlichkeit treten müssen. Tun solche Geister dann gut, so werden sie zu der Direktion besserer Pflanzen und Tiere geleitet; tun sie aber nicht gut – da sie oft ausarten und die schädlichen Spezifika, statt selbe in die Pflanzen zu leiten, sogleich in die Tiere oder Menschen leiten, wodurch dann epidemische Krankheiten entstehen –, so werden sie von solchem Geschäfte wieder weggenommen und in die Erde in engere Haft getan, wo sie sich mit der Bildung der Metalle und der Steine abgeben müssen, welche Arbeit natürlicherweise viel schwerer und langwieriger ist. Eine Befreiung von solch einem Zustande kann erst dann erfolgen, wenn ein solcher Geist nach sehr vielen Jahren sein angewiesenes Geschäft getreu und zum Nutzen für die Erlösung in der Materie gefangener Seelen vollführt hat. – Das ist also wieder ein Grund, aus welchem die besseren Geister in das Innere der Erde sich hinabbegeben.

4. Ein weiterer Grund ist der, daß die gefangenen Urseelen befreit und als freilich noch sehr stark geteilte Spezifika in der Erscheinlichkeit von allerlei Flüssigkeiten auf die Erdoberfläche heraufgeleitet werden und da ihren Erlösungsweg durch die euch bekannten Stufen des Pflanzen- und Tierreiches nach der Leitung der dieses Geschäft überwachenden und leitenden Geister geführt werden; denn in der Erde gibt es allenthalben gefangene Geister, die entweder schon den Weg des Fleisches durchgemacht oder die sich ohne diesen Weg als komplette Geister manifestiert haben, welche Geister euch schon näher bekanntgegeben worden sind. Es sind nämlich Erd-, Berg-, Wasser-, Feuer- und Luftgeister. – Neben diesen zwei Arten von Geistern aber gibt es noch eine zahllose Menge von Seelenspezifika, die erst flottgemacht und dann gesammelt und geordnet werden müssen in ein Wesen, das ihnen auf jeder Stufe ihres Emporsteigens ordnungsmäßig entspricht.

5. Da dergleichen Geister und Seelenatome, je tiefer in die Erde hinein, auch desto ärger sind, so muß da eine übergroße Aufsicht geführt werden, daß besonders bei den Seelenpartikeln, die von aller Erde auf der Oberfläche derselben zusammenkommen, ja nur die reinsten zu der Komplettierung der eigentlichen Seele verwendet, die gröberen und böseren aber zur Gestaltung der materiellen Körper beschieden werden.

6. Also besteht auch der menschliche Leib aus puren Seelenpartikeln; aber jene, die den Leib machen, sind noch grob, arg und unlauter, daher sie auch noch zuvor wieder in die Erde kommen, dort verwesen müssen und dann erst von da auf die euch schon bekanntgegebene Weise aus der Verwesung aufsteigen, um sich zur Komplettierung desjenigen Wesens, dem sie einst leiblich angehörten, anzuschicken. Dies ergibt sich gewöhnlich – wie euch schon bekanntgegeben – in der dritten oder obersten Erdgeistersphäre, wodurch dann natürlich erst ein jeder reine Geist vollkommen wird, wenn er nämlich all das Seinige wieder in sich aufgenommen hat, – welches Aufnehmen die sogenannte Auferstehung des Fleisches ist und den Spruch Pauli rechtfertigt, der da spricht: „Ich werde in meinem Fleische Gott schauen.“

7. Daß dabei die in dieser ersten Region angestellten Geister über Hals und Kopf zu tun haben, versteht sich von selbst; es sind auch aus diesem Grunde auf der Erde Ruhezeiten anberaumt, in denen solche geschäftige Geister Ruhe und Erholung haben, d. h. sie haben da eben nicht so viel zu tun als wie in einer Geschäftszeit.

8. Eine solche Ruhezeit ist der Winter, der aber freilich unter dem Äquator viel kürzer dauert, als gegen die Pole hin. Darum aber werden auch, je mehr gegen die Pole, sowie auch auf den höheren Gegenden der Erde, schwächere Geister angestellt; und je tiefer herab, desto kräftiger müssen die Arbeiter sein, – was auch die Produkte gar anschaulich zeigen.

9. Nun wisset ihr schon etwas, wie Engel, Geister und auch Naturgeister bei der Gestaltung der Wesen tätig sind. Weil aber dieses Geschäft mit überaus großen Schwierigkeiten und Kombinationen verbunden ist, so werden wir eben über diesen Punkt noch so manches sprechen müssen, bis die Sache euch vollends klar wird; daher nächstens in dieser Sphäre weiter!

T2.41. Substanz und Materie, Kraft und Stoff.

2. März 1847

1. Ein sogenannter Sittenspruch, freilich etwas schlecht und die Sache nicht ganz richtig bezeichnend, lautet bei euch: Memento homo, quia pulvis es, in pulverem reverteris. – Dieser Spruch bezeichnet zwar in dem Worte „Staub“ wohl auch eine Totalauflösung des Leibes, ist aber in der Bedeutung unrichtig, weil jedermann unter „Staub“ jene zermalmten Erd- und Steinpartikelchen versteht, welche der Wind leicht aufhebt und in die Luft trägt. Auch kann darunter der noch feinere Sonnenstaub gemeint sein, welcher freilich etwas feiner als der Straßenstaub ist. Würde der Leib in einen solchen Staub aufgelöst, da wäre ihm und seiner Seele wenig geholfen; denn der allerfeinste Staub, der noch in der naturmäßigen Welt erschaut werden kann, ist dennoch immer Materie und kann sich so lange mit der Seele und dem Geiste nicht vereinen, als er noch Materie bleibt. Besser als „Staub” wäre: „spezifisches Seelenatom“; ein solches ist nicht mehr materiell, sondern substanziell. Zwischen Materie und Substanz ist aber ein himmelhoher Unterschied.

2. Um das Ganze so recht zu fassen, müßt ihr diesen Unterschied so recht genau kennen. Nehmet einen Magneten; was an ihm ersichtlich ist, das ist Materie; was aber in dem Magnete anziehend oder abstoßend wirkt, das ist Substanz. Diese Substanz kann mit dem fleischlichen Auge nicht gesehen werden; allein das Auge ist ja auch nicht der alleinige Fühler und Ansager des Daseins seelischer oder geistiger Dinge, sondern der Mensch hat ja noch andere Sinne, die der Seele näher liegen als das Gesicht, welches ungefähr der alleräußerste Sinn des Menschen ist. Das Gehör ist schon tiefer, der Geruch und der Geschmack noch tiefer, und ganz mit der Seele vereint ist das Gefühl oder der Tastsinn.

3. Wenn jemand dann zwei Magnete einander näher bringt, so wird er alsbald den gegenseitigen Zug fühlen, und das ist genug, um daraus auch für seine äußeren Sinne den Schluß zu ziehen, daß da eine besondere, wenn auch unsichtbare Kraft oder Substanz in dem Magnete vorhanden sein muß, die solchen Zug bewirkt.

4. Hier merkt ein jeder leicht den Unterschied zwischen Materie und Substanz. Auch bei einer sogenannten Elektrisiermaschine unterscheidet jedermann leicht das Materielle von der Substanz. Materie dabei sind: die Glasscheibe, die Reibpolster, der metallene Konduktor und noch einige Flaschen. Wenn die Maschine ruhig steht, empfindet nichts, was sich der Maschine nähert, irgend eine Regung; wird aber die Maschine in den Umschwung gebracht, dann wird die in ihr und in der Luft ruhende Substanz aufgeregt, und so sich da jemand der Maschine nähert, da empfindet er gleich ein Ziehen an seinen Haaren, und wenn er sich noch mehr nähert, wird er auch die Substanz in knisternden Funken, die manchmal bedeutend stechen – und wenn sie stärker sind, Muskelschläge bewirken – erblicken. Ein solcher elektrischer Funke, obschon in der materiellen Zeit und im materiellen Raume ersichtlich, ist aber jedoch keine Materie mehr, sondern seelenähnliche Substanz oder Kraft, welche in der Materie ruht; wenn sie aber erregt wird, so äußert sie augenblicklich eine alles durchdringende Kraft, der kein materielles Hindernis als hemmend entgegengestellt werden kann.

5. Hier habt ihr wieder ein gutes Beispiel von Materie und Substanz. Betrachtet das euch wohlbekannte Schießpulver, welches aus Schwefel, Salniter und Kohlenstaub besteht. Das Körnchen ist ruhig und fällt wie jede andere Materie von der Höhe in die Tiefe; aber es ist in dem Körnchen eine Menge substanzieller Kraft gebunden. Wird diese Substanz durch etwas ihr Ähnliches erregt, da reißt sie in Blitzesschnelle ihr Gefängnis in atomkleine Stücke und tritt dann in die Sphäre ihrer Freiheit. Das Feuer ist dieser Substanz verwandt und ist daher das Erregungsmittel für dieselbe; da zeigt sie sich ebenfalls als eine substanzielle Kraft, der kein Naturhindernis Schranken setzen kann. – So ist in dem Wasser ebenfalls die substanzielle Kraft vorhanden, welche durch einen hohen Grad von Wärme erregt wird. Will diese Kraft nun jemand einsperren, so wird sie jedes noch so starke Sperrgefäß zersprengen und sich dann ausdehnen in ihrer Freiheit. Also ist aber auch fast in jeder Materie eine Substanz vorhanden; nur kommt es darauf an, wie und wodurch sie erregt werden kann, um sich wirkend kundzutun.

6. Die Naturforscher, diese nicht selten sehr eitlen Naturgecken, haben wohl in aller Materie gewisse Grundkräfte entdeckt, als da sind die anziehende und die abstoßende Kraft, wovon die anziehende als die Kohäsions- oder Schwerkraft, und die abstoßende als die Zentrifugalkraft als bekannt angenommen wurde. Daneben ist noch die Elastizität oder die Expansivkraft, die Teilbarkeit und die Durchdringbarkeit der Materie ganz gelehrt abgehandelt und ebenfalls unter die grundeigenschaftlichen Kräfte der Materie eingeteilt worden. Allein, hätten diese gelehrten Naturgecken, als selbst lebende Wesen, nur einen einzigen Schritt weiter getan und hätten der alles beherrschenden und alles erfüllenden Lebenskraft einen Platz in ihren Faszikeln eingeräumt, so hätten sie schon lange in ihrem Wissen eine ganz gewaltige Stufe vorwärts gemacht und hätten nicht notwendig, tote Kräfte – was ein allerbarster Unsinn ist – abzuwägen und zu zergliedern, sondern sie hätten alsogleich mit jener Grundbedingung alles Seins zu tun bekommen, in welcher sie sich selbst und alle Materie vom rechten, allein wirkenden, wahren Standpunkte schon lange vollkommen und leicht erkannt hätten; aber so tappen – was eigentlich das Allerdümmste und Lächerlichste ist – die Lebendigen in lauter toten Kräften herum und wollen am Ende etwa gar noch beweisen, daß die lebende Kraft ein Mixtum und Kompositum aus lauter toten Kräften ist!

7. O schaudervoller Unsinn über allen Unsinn! In welcher Logik kann denn eine wirkende Kraft als tot angesehen werden? Kann es etwas Unsinnigeres geben, als gewissen ersichtlichen Wirkungen einen toten Grund zu unterbreiten, was ebensogut wäre, als wenn man von jeglicher Wirkung gar keinen Grund annähme; denn tot ist in gewisser Rücksicht noch weniger als nichts, und nur eine Sache kann als tot betrachtet werden, und zwar so lange, als sie aus irgend einer Wirkungssphäre verbannt wurde; und des Menschen Seele und Geist können tot sein, wenn sie sich durch die schlechte Anwendung ihrer Freiheitsprobe die ordnungsmäßige Notwendigkeit zugezogen haben, wieder in jene Gefangenschaft zu geraten, in der sie von jeder effektiven Wirkung abgeschnitten sind.

8. Wenn aber in und an der Materie wirkende Kräfte entdeckt werden, so sind sie nicht tot, sondern lebendig und intelligent; denn ohne Intelligenz in einer oder der andern bestimmten Art läßt sich ebensowenig eine Wirkung denken, als ohne Kraft.

9. Wie sich aber die Kraft aus der Wirkung erkennen läßt, so läßt sich auch die Intelligenz der Kraft aus der stets gleichmäßig geordneten planimetrischen Theorie erkennen. Geht nicht der Graswuchs und der Wuchs jeder anderen Pflanze nach einer inneren planmäßigen Theorie vor sich, die sich doch leicht erkennen läßt von jedem, der nur je eine Pflanze gesehen hat. Ebenso ist es mit der Verwesung der Fall und mit allen Erscheinungen, denen Kräfte unterbreitet sein müssen, woraus jeder leicht den Schluß ziehen kann:

10. Wo nichts als lauter Wirkungen erschaut werden, da muß es auch ebenso viele Kräfte als Wirkungen geben; und weil alle diese Wirkungen geordnete und planmäßige sind, so müssen auch ebenso viele Intelligenzen als Kräfte vorhanden sein. Und aus diesem Schlusse wird dann auch begreiflich, daß die Materie aus lauter Seelen, also Intelligenzen besteht, welche von höheren Kräften und Intelligenzen nach Ordnung und Notdurft zeitweilig festgehalten werden können. Wenn aber die Zeit des Festhaltens aus ist, da erwachen die einzelnen Intelligenzen und einen sich als Ursubstanz wieder in jenem Wesen, in welchem sie uranfänglich aus Mir, dem Schöpfer, gestaltet worden sind; und diese Wiedereinigung ist dann zum Teil das Werk der Intelligenzen selbst und zum Teil aber der euch schon bekannten höheren Geister.

T2.42. Gottes Wirken durch Geister.

3. März 1847

1. Es kann demnach, so jemand die Sache nur ein wenig aufgefaßt hat, im eigentlichsten Sinne gar keine Materie geben, indem die Materie selbst nur eine Wirkung der Kräfte ist, welche Wirkung in einer Art, Beschaffenheit und Form in die Erscheinlichkeit tritt und eben dadurch an sich selbst erkennen läßt, daß die wirkenden Kräfte nicht ohne Intelligenz wirken; denn wo immer an einer Sache oder an einem Wesen eine bestimmte Form, Art und Eigenschaft zu entdecken ist, da kann auch niemand die Intelligenz der darin wirkenden Kraft leugnen.

2. Freilich wird da ein frommer Pilger – etwa nach Mariazell – die Bemerkung machen und sagen: „Das tut ja alles unser lieber Herrgott; wozu da noch andere Intelligenzen?“ – Das ist sicher ganz richtig; denn also spricht ja der Herr: „Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, habe Ich gemacht und – nota bene! – mache es noch jetzt; aber wenn man es mit diesem Machen zu weit treibt, da müßte Ich auf der Welt auch noch manches machen, was Ich eigentlich nicht gemacht habe und jetzt auch nicht mache, sondern habe solches Machen den Menschen anheimgestellt, damit sie auch etwas zu tun hätten. Sie machen es freilich nur mit Meiner ihnen verliehenen Kraft, und Ich mache dasselbe demnach mittelbar, – und das ist auch soviel, als so Ich es gemacht hätte. So wie ich aber durch die Hände der Menschen zahllose Dinge machen lasse, ebenso lasse Ich auch durch die Kraft der Liebe und Weisheit in Meinen Engeln und Geistern diejenigen Dinge auf der Erde, wie auch auf anderen Weltkörpern, machen, die von den Menschen nicht gemacht werden können.

3. Die Menschen können wohl Häuser bauen, Kleiderstoffe bereiten und Werkzeuge machen; aber die Materie dazu können sie nicht machen. Sie können kein Gras machen, kein Gesträuch und keinen Baum und ebensowenig ein Tier; aber die durch und durch lebendigen Geister und Engel können das wohl, weil sie zu dem Behufe mit jener Kraft aus Mir ausgerüstet sind, um solches in Meinem Namen vollführen zu können.

4. Wie aber einzelne Intelligenzen in einer und derselben Art wirken können und wirken, andere Intelligenzen wieder in einer anderen Art – und das alles unter der Direktion höherer Geister –, wollen wir in mehreren leicht faßlichen Beispielen sonnenklar und handgreiflich dartun.

5. Betrachtet einmal eine Spinne! In diesem Tierchen werdet ihr zwei vereinigte Intelligenzen finden. – Die erste ist die Erkennung der ihr zusagenden Nahrung; diese Nahrung in sich zu einem doppelten Zwecke zu benützen, nämlich zur Ernährung ihres Tierwesens und zur Bereitung jenes klebrigen Saftes, aus dem sie ihr Netz spinnt, das ist nämlich eben die eine Intelligenz. Die zweite Intelligenz ist die eigentümliche Kunst der Spinne, den Faden aus sich herauszuziehen, ihn an kleine Häkchen anzuhängen und ein Netz zu spinnen oder vielmehr zu flechten, dieses Netz dann mit einem perlartig klebrigen Safte zu überziehen, um dadurch jene Tiere zu fangen, die ihr neue Nahrung geben. Aus dieser Handlungsweise muß doch ein jeder ersehen, daß der Spinne doch offenbar eine Intelligenz innewohnen muß; und es ist da die Intelligenz dasselbe, was die Naturforscher – freilich etwas unrichtigerweise – „Instinkt“ nennen; denn Instinkt ist gewisserart ein innerer Trieb, eine gewisse Verrichtung in einer bestimmten Art ins Werk setzen zu müssen. Allein das, was die Gelehrten Instinkt nennen, das ist nicht mehr Intelligenz des Tierchens, sondern das ist schon Direktion oder Richtung von seiten höhergestellter Geister; denn es ist doch offenbar zweierlei: irgend eine bestimmte Fertigkeit zu besitzen, und: nach dieser Fertigkeit ein bestimmtes Geschäft zu vollführen. Mit dem Besitze solcher Fähigkeit ist die notwendige Vollführung noch nicht verbunden, sondern dazu muß ein anderer Trieb kommen, und da ist der Besitz solcher Fähigkeiten und Fertigkeiten in einem Wesen oder in einem psychischen Spezifikum eben die Intelligenz, während die Nötigung, nach solcher innewohnenden Intelligenz tätig zu sein, nicht in dem Wesen selbst als ein Instinkt niedergelegt ist, sondern das ist nötigende Leitung von seiten höherer und vollkommener Geister, die z.B. eben unserer Spinne den Ort, wo, und die Zeit, wann sie ihre eigentümlichen Fertigkeiten ins Werk setzen soll, anzeigen. Denn wäre das nicht der Fall, da würde eine Spinne entweder gar nie oder fort und fort spinnen und würde sogar das Gesicht des Menschen nicht verschonen und ihm ein Netz über die Augen herspinnen, was aber nie der Fall ist, sondern sie muß spinnen, so sie zu spinnen genötigt wird, und wo ihr Spezifikum zweckdienlich ist, so es sich mit dem Spezifikum der dortigen Materie in Verbindung setzt und dasselbe in sich sammelt zu einen höheren Leben.

6. Also spinnt auch die Seidenraupe ihren Faden, und das darum, weil sie in sich aus der Kost und aus dem freien Spezifikum in der Luft jene Intelligenzen in sich zusammensammelt, aus welchem sie dann jene Fertigkeit erreicht und gewisserart zu jener Einsicht kommt, aus der zu sich genommenen Nahrung zuerst in sich jenen zähen Saft zu bereiten und diesen Saft dann, wenn er zur rechten Reife gelangt ist, um sich herum wie ein Ei zu spinnen.

7. Hier ist ebenfalls überaus deutlich, daß die Fähigkeit zu solcher Arbeit und die Nötigung, solche Arbeit zu rechter Zeit und am rechten Orte zu vollbringen, wesentlich zweierlei sind, wie dies auch sicher zweierlei ist, so jemand unter den Menschen ein Künstler ist, entweder ein Musiker oder ein Maler. Der Musiker trägt immer die Fähigkeit in sich, ein Konzert oder ein anderes Musikstück zu spielen, so wie der Maler, ein Stück zu malen; aber spielt darum der Musiker wegen solcher künstlerischen Fähigkeit in sich Tag und Nacht fort und fort ein Konzert aufs andere, und legt der Maler nie den Pinsel und die Farben je auf die Seite? – Sehet, obschon beide Künstler fortwährend die gleiche Fähigkeit in sich tragen, so wird aber der Tonkünstler doch nur bei einer gegebenen Gelegenheit aus seiner permanenten künstlerischen Fähigkeit etwas produzieren, so wie der Maler nur dann ein Stück malen wird, so jemand ein solches bei ihm bestellt hat, oder wann er eines so entweder für den Verkauf oder für sein eigenes Vergnügen zu malen sich die Pflicht auferlegt. Das erste ist hier gleichwie die Intelligenz des Künstlers, das zweite aber eine Aufforderung von was immer für einer Seite her, solche Intelligenz ins Werk zu setzen.

8. Wenn aber schon Menschen für größere Produktionen der Kunstfähigkeiten einzelner Menschen Direktoren aufstellen, welche z.B. die Zeit eines Konzertes festsetzen, Stücke bestimmen und dann dieselben dirigieren, – um wieviel notwendiger sind da erst unter so zahllosartigen künstlerischen Intelligenzen Direktoren nötig, wo es sich um die Erhaltung und zweckdienliche Fortführung ganzer Weltenalle handelt!

9. Da dieser Gegenstand für eure klare Erkenntnis in dieser Sache von höchster Wichtigkeit ist, so werden wir in diesem Gebiete noch sehr bedeutend weiter fortfahren.

T2.43. Eindrücke der Materie auf Seele und Geist.

4. März 1847

1. Ihr möget die Tierwelt wie die Pflanzenwelt durchgehen, ja selbst die Mineralwelt nicht außer acht lassen, – und überall werdet ihr eine selbständige Intelligenz, neben dieser Intelligenz aber auch eine Nötigung finden. Diese selbständige Intelligenz läßt sich nicht nur aus dem verschiedenartigen eigenschaftlichen Charakter erkennen, sondern auch – was besonders für Psychologen wichtig ist – aus dem Eindrucke, den die verschiedenen Dinge und Sachen auf das menschliche Gemüt machen.

2. Auf wen kann der Eindruck gemacht werden? – Auf einen Menschen, und zwar allein nur auf die Seele und auf den Geist desselben.

3. Wie muß aber der Mensch eigenschaftlich beschaffen sein, damit er für Eindrücke aufnahmefähig ist?

4. Er muß lebendig und vollkommen intelligent sein; und damit auf ihn alles einen Eindruck machen kann, so muß er schon vorher alle Intelligenzen in sich, d. i. in seiner Seele vereinigen, – also er muß lebendig und komplett intelligent sein.

5. Frage: Wie kann aber dann eine tote Sache oder ein totes Ding auf den Menschen irgend einen Eindruck machen, da der Eindruck ja eine Wirkung ist? Wie kann aber ein totes Ding oder eine tote Sache wirken?

6. Wie kann ein totes Wesen in dem lebendigen Wesen sein ähnliches Ebenbild hervorrufen? Hieße das nicht das Leben foppen und für einen Narren halten, wenn man im Ernste so toll sein könnte zu behaupten, der Tod als ein Objekt kann sich aus dem Leben eines anderen Objektes wieder einen Tod erwecken?

7. Wenn aber von der Erweckung die Rede ist, wie kann da ein Tod erweckt werden, wenn er tot ist? Der Begriff „Tod“ setzt entweder eine gänzliche Wesenlosigkeit oder wenigstens eine vollkommene Wirkungslosigkeit eines Wesens voraus, was im Grunde eines und dasselbe ist; denn gar kein Wesen kann sicher auf niemand einen Eindruck machen, weil es gar nicht da ist, ebenso auch ein völlig wirkungsloses Wesen; denn würde solch ein Wesen auf jemand einen Eindruck machen können, da wäre es doch sicher nicht ganz wirkungslos, weil der Eindruck doch sicher eine Wirkung ist.

8. Aus dem geht aber hervor, daß all dasjenige, was auf die menschliche Seele irgend einen Eindruck macht, nicht tot, sondern insoweit intelligent lebendig sein muß, um in der lebendigen Seele sein gleichlebendiges Intelligenzspezifikum zu erregen und es als das ihm Ähnliche vor die Augen der Seele zu einer beschaulichen Vorstellung zu bringen, welche Vorstellung dann eben der obbezeichnete Eindruck ist, den irgend ein Ding oder eine Sache auf den Menschen gemacht hat. Aus dem aber geht auch noch hervor, daß es – was schon einige bessere Naturforscher schwachweg gefunden haben – in der Körperwelt selbst nirgends einen Tod gibt; sondern das, was der kurzsichtige Mensch „Tod“ nennt, ist nur ein Übergang von einer weniger intelligenten Form in eine höhere, wo die Intelligenzen schon vielfacher vereinigt sind.

9. Sicher bemächtigen sich des Menschen verschiedene Gefühle beim Anblicke von Steinmassen. „Ja, die Steine sind ja tot, –“ sagt man; „wie können sie dann in der lebendigen Seele ein Gefühl hervorrufen? Sollten etwa die toten Bilder in der Seele gleiche lebendige hervorrufen?“ – Eine solche Behauptung oder Mutmaßung wäre noch ums unvergleichliche dümmer, als so jemand behaupten wollte, daß, wenn man Samenkörner über einen ruhigen Wasserspiegel hielte, in dem sie sich abspiegelten, diese abgespiegelten Samenkörnerbilder im Wasser zu keimen anfangen werden und wahrscheinlich die Wurzeln in die Luft hinaustreiben und Früchte unter dem Wasserspiegel reifen lassen. Allein, dieses wäre nicht einmal so dumm; denn da wäre das Objekt, das sich im Wasserspiegel abspiegelt, nicht tot, und es wäre von ihm eher zu vermuten, daß es imstande wäre, durch sein Ebenbild im Wasser etwas Lebendiges seinesgleichen hervorzurufen, als daß ein vollkommen totes Objekt es vermöchte, in der lebendigen Seele eine lebendige Vorstellung zu erzeugen.

10. Steingruppen und Felsenmassen bewirken aber in der menschlichen Seele lebendige Gefühle, die manchmal voll Anmut, manchmal voll Begeisterung und voll Bewunderung sind. Sollte wohl der tote Stein diese lebendigen Gefühle hervorrufen können? – Da sage Ich auch: Wer Ohren hat, der höre, und wer Augen hat, der schaue, was der lebendige Geist zu dem lebendigen Geiste spricht!

11. Diese Steinmassen sind so gut wie der allerlebendigste Cherub aus der allmächtigen ewigen Kraft Gottes hervorgegangen. Wie könnte denn auch wohl das ewige Urleben alles Lebens sage „tote“ Steine erschaffen?!

12. Ich als der Urschöpfer kann wohl die endlose Fülle Meiner Ideen fixieren – also spricht der Herr – und kann die lebendigen Intelligenzen wie gleichsam einzelne Gedanken in der erscheinlichen Materie des Steines festhalten, sie nach und nach frei machen und in der Fülle und Herrlichkeit beschaulich Mir, dem Schöpfer, und denen, die aus Mir sind, vorführen, auf daß nicht alle endlose Fülle Meiner Ideen als wie ein ganzes unveränderliches Bild vor Meinen Augen schwebe; denn eben in dieser materiellen Schöpfung sperrt Sich der Schöpfer Selbst die zu endlose Ideenfülle ab und führt sie Sich durch das Freiwerden und Auflösen der Materie wieder wie einzelne Gedanken zu Seiner göttlichen Beschaulichkeit vor.

13. Wenn aber demnach der Schöpfer Seine Ideen und Gedanken, die sicher nicht tot sind, in der Erscheinlichkeit der Materie gewisserart wie der Buchbinder ein Buch eingebunden hat, so dürfte wohl auch in dem Steine Leben vorhanden sein, also eine große Menge Intelligenzen, welche sich in der lebendigen menschlichen Seele, die ihren lebendigen Teil davon schon genommen hat, wieder finden, um sich gewisserart als lebendig wieder in der Seele zu regenerieren.

14. Sehet, das ist die Charakteristik, die aus jedem Dinge oder aus jeder Sache in die lebendige Seele des Menschen hineinstrahlt, und diese Charakteristik rührt von den lebendigen intelligenten Kräften her, welche in der Materie festgehalten sind.

15. Diese Charakteristik beurkundet die freie Intelligenz, durch die ein jedes Ding in seiner Art einer oder mehrerer Fähigkeiten und Fertigkeiten gewisserart sich selbst bewußt ist. Neben dieser Charakteristik aber beurkundet sich auch eine Nötigung, wie z.B.: daß der Stein fest sein muß, die Pflanze unter dieser oder jener Gestalt wachsen und Früchte tragen muß, sowie das Tier in seiner Art das sein und tun muß, wozu es bestimmt ist. Diese Nötigung liegt nicht in der Materie, sondern das ist ein Werk der vollkommenen Geister, denen solches Geschäft gegeben ist.

16. Wie aber die Geister solches Geschäft hier in dieser Region verrichten, werden wir in der Folge durch gewisserart dramatische Darstellungen und Erzählungen so klar als nur immer möglich beleuchten.

T2.44. Aufsichtsgeister im Naturreiche.

5. März 1847

1. Ihr wisset, wie zu gewissen Zeiten Gärtner und Ackersleute den Samen in die Erde streuen, und daß bald darauf jedes in die Erde gestreute Samenkorn anzuschwellen anfängt, endlich an der Stelle, da der Keim sich befindet, aufspringt und ein kleines, weißgrünliches Spitzchen aus dem Samenkorne hervorkommt. Das ist der Keim. Fast sichtbar wächst dieser Keim ganz zart weiter und weiter empor, und da, wo früher nur ein Spitzchen zu sehen war, entfalten sich jetzt schon zwei, drei und mehrere Blätter, und fort und fort dehnt sich das Gewächs mehr aus, gewinnt an Festigkeit und Kraft, und bald darauf erblickt man auch schon die Blütenknöspchen. Von Stunde zu Stunde werden sie strotzender, springen endlich auf, entfalten sich, die Blüte kommt zum Vorschein und in ihrem Kelche sitzt schon die neue Frucht, wie eine junge Biene in ihrer Zelle, und wird zuerst als Säugling genährt von dem ambrosischen Dufte der Blume; und ist die neue Frucht durch diese Himmelskost zur gerechten Stärke gelangt, dann empfängt sie ihre Nahrung vom Stamme und ihr Leben vom Lichte.

2. Sehet, das ist so der natürliche Verlauf während des Wachsens einer Pflanze; denn das Wachsen beginnt mit der ersten Einlage des Samenkorns in die Erde und endet mit der Reife der Frucht.

3. Das Samenkorn für sich hätte wohl so wenig die Kraft, sich selbst die Nahrung zu suchen, als ein neugeborenes Kind, ja noch weniger als ein Kind im Mutterleibe, wenn nicht Geister da wären, die jenen seelischen Intelligenzspezifika jene Richtung gäben, durch welche eben diese Spezifika sich auf den bestimmten Punkt begeben müssen, allwo für sie der eigentümliche Wirkungskreis angewiesen ist.

4. Um dieses so recht bildlich zu sehen, nehmen wir nun ein Weizenkorn. Das Weizenkorn hat folgende Intelligenzspezifika in sich: zuerst Teilchen der Liebe, d. i. der eigentliche Nährstoff in dem Samenkorne des Weizens. Ein zweites Spezifikum ist das geistige oder eigentlich spirituelle Substrat, vermöge dessen aus dem Weizenkorne auch, so wie aus anderen Früchten, der Alkohol gewonnen werden kann. Ein weiteres Spezifikum ist der Kohlenstoff, der beim Verbrennen augenblicklich ersichtlich wird, daher es auch oft geschieht, daß, wenn in einem Halme zu viel dieses Spezifikums aufsteigt, das Samenkorn schon auf dem Felde brandig und endlich schwarz wird. Wieder ein anderes Spezifikum in diesem Korne ist der Sauer- auch Braustoff, vermöge dessen aus diesem Samenkorne auch, so wie aus Gerste, Hafer und Korn, ein wohlschmeckendes Bier bereitet werden kann. Noch ein anderes Spezifikum ist der ätherische Schwefel, welcher eben die Verbrennbarkeit des Samenkorns bewirkt. Und wieder ein anderes Spezifikum ist der Ölstoff, demzufolge aus dem Weizen-, wie aus jedem anderen Korne, ein recht wohlschmeckendes Öl gezogen werden kann. Wieder ein anderer Stoff ist der Zuckerstoff, der in dem Weizensamenkorne sehr reichlich vorhanden ist. Und noch ein anderer Stoff oder Spezifikum ist der gummiartige Schleimstoff, demzufolge das sogenannte Stärkemehl aus diesem Samenkorne gewonnen werden kann.

5. Dann ist noch in dem Samenkorne eine ganz tüchtige Portion des ganz reinsten und einfachsten Wasserstoffgasspezifikums, welches überhaupt einen Hauptbestandteil des Weizenhalmes, wie auch von allen anderen Pflanzengattungen, ausmacht; denn dieser Stoff oder dieses Spezifikum füllt fortwährend die hohle Röhre des Halmes aus und hält ihn eben aufrecht. Ohne diesen Stoff könnte der Halm nicht in die Höhe wachsen, und so ist demnach der hohle Halm ein an seine in der Erde steckende Wurzeln angebundener Ballon, der das Fleisch der Pflanze aufrecht hält, solange diese nicht die eigene notwendige Festigkeit bekommen hat. Hat aber diese einmal ihre nötige Festigkeit erlangt, dann zieht sich dieses Spezifikum stets mehr und mehr in das reifer und reifer werdende Samenkorn und wird da als ein Grundspezifikum aufbewahrt, um bei der nächsten Aussaat als erste Hauptsache beim Geschäfte des Wachsens in gerechtem Maße vorhanden zu sein.

6. Aus dieser Aufzählung der Spezifika in unserem Weizenkorne haben wir gesehen, wie vielerlei Grundspezifika vorhanden und tätig sein müssen. Wie werden sie aber angeführt? – Durch zu dem Behufe angestellte Geister, wobei aber immer eine Unterabteilung der Geister stattfindet, die ihr Geschäft territorialweise unter sich haben.

7. Von der untersten Art der Geister hat ein jeder nur etwa einen Acker, ungefähr so, wie die natürlichen Äcker unter die Menschen auf der Oberfläche der Erde ausgeteilt sind. Ein solcher Geist hat die dazu nötige Weisheit und Kraft und leitet die einzelnen Spezifika bloß mit seinem Wollen, und dieses Wollen ist wie ein Gericht für die freiwerdenden Seelenspezifika. Dieser Geist kennt genau die Spezifika in dem in die Erde gelegten Samenkorne; er kennt, wieviel davon aus der Erde, wieviel herab aus den Sternen vorhanden ist, und in welcher Art und in welchem Verhältnisse.

8. Wenn dann das Samenkorn in die Erde gelegt wird, so haucht er über den Acker seinen Willen, welcher Wille, homogen mit den bestimmten Spezifiken, diese Spezifika ergreift und sie dahin nötigt, wo für sie die bestimmte Stelle ist. Da strömen sie dann nach ihrer auf diesen Punkt gerichteten Intelligenz und beginnen da in der Form infusionstierchenartiger Wesen ihr Geschäft, zu dem sie Intelligenz und die angemessene Kraft besitzen. Da bilden sie die Wurzeln, die Röhren; andere steigen wieder in diese Wurzeln hinein und nähren oder vergrößern dieselben; andere steigen wieder durch die Wurzeln in den Stamm; es ergreifen sich da die Gleichen und Gleichen in der Ordnung ihrer Intelligenz, und eine Art von ihnen bildet die Röhrchen im Stamme, die andern bilden Klappen, Pumpen und Ventile; wieder andere und reinere steigen durch diese Röhren auf und bilden Blätter in der Ordnung und Form ihrer Intelligenz; wieder noch reinere steigen wieder höher durch die Röhren und bilden die Knospe, die Blüte; und die reinsten und durch diesen Akt selbst geläutertsten bilden die Frucht, und die gar geistigen, gewisserart Zentralintelligenzen vereinen sich in der Frucht zum Keime und umschließen sich mit einem Gewebe, durch das die äußeren und noch nicht so reinen Intelligenzen nicht dringen können.

9. Ist durch dieses Geschäft mit der Zeit die Reife bewirkt worden, dann hat der Geist dieses Ackers seine Arbeit auch verrichtet und überläßt das Weitere den Menschen und etwas dabei den Naturgeistern, welche dann die Verwesung, oder besser, die weitere Auflösung jener Teile bewirken, welche nicht zur Frucht gehören, damit diese Spezifika dann im nächsten Zeitraume in eine feinere Form aufsteigen können.

10. Nun denkt euch ebensoviel solcher Geister, als es da Äcker und verschiedene Pflanzengattungen gibt; ein jeder bekommt eine bestimmte Gattung auf einem bestimmten Territorium und muß da sorgen, daß diese Gattung in der fortwährend gleichen Beschaffenheit und Form fortkommt.

11. Die geringste Unaufmerksamkeit von seiten eines solchen geschäftsführenden Geistes hat einen Mißwachs und eine Mißernte zur Folge, was manchmal bei den Geistern eben nichts Seltenes ist, indem sie hinsichtlich dieses ihres Wirkens eben keinen gerichteten, sondern einen vollkommen freien Willen haben, was notwendig ist, weil in einem gerichteten Willen keine Kraft liegen kann. Daher braucht es nichts mehr und nichts weniger, so die Menschen mit einer Mißernte sollen gezüchtigt werden, als dieses Geschäft mehr lauen Geistern anzuvertrauen, die sich selbes nicht so sehr angelegen sein lassen, – und die Mißernte ist fertig. Denn wenn diese über die Vegetation wachenden Geister die ordnungsmäßig entbundenen Seelenspezifika nicht in rechter Ordnung und Anzahl gewisserart unters Dach bringen, so steigen die unbeschäftigten sogleich auf in die zweite Region, vereinigen sich da zu Selbstwesen und zu Naturgeistern, bewirken dann üble Witterungen, schlechte Miasmen, und das alles wirkt schlecht auf das Pflanzenwachstum.

12. Damit aber dies doch so selten wie möglich und nur an wenigen Orten geschehe, so haben diese Geister wieder einen höheren und vollkommeneren Geist über sich, der schon ein viel größeres Territorium zu überwachen hat. Ein solcher Geist ist gleichsam wie ein Gutsherr und hat schon vieles unter sich. Stellt euch die einzelnen Geister wie Untertanen und den über sie Gestellten wie einen Gutsherrn vor, und ihr habt ein so ziemlich richtiges Verhältnis, – oder wie da ist ein Herr, der in seinem Bezirke verschiedene Geschäfte hat und eingeweiht ist in jedes einzelne Geschäft. Seine Arbeiter verrichten jeder nur ein einzelnes; er aber übersieht sie alle und teilt ihnen die Arbeiten nach ihren Talenten aus.

13. Ein Gutsherr oder ein solcher Herr seines Bezirkes aber greift nicht hinüber in den Bezirk eines anderen. Damit aber doch in allen Bezirken eine gleiche Ordnung herrsche nach der Art der Bezirke, so ist über die Bezirksherren wieder ein geistiger Gouverneur gestellt, der gewisserart schon ein ganzes Land in allem übersieht und leitet. Das ist schon ein Geist aus der dritten Region. Ihr wisset aber, daß mehrere Länder ein Reich ausmachen; darüber wacht ein Engelsfürst. Über alle Reiche aber wacht der Fürst der Fürsten, wie Er auch wacht – was kein Geist tun kann – in einem jeden einzelnen Spezifikum; und es ist darum, daß des Herrn Auge überall sieht, was da ist und geschieht.

T2.45. Mineral, Pflanze und Tier.

6. März 1847

1. Das Pflanzenreich, über dessen Entstehung wir soeben gesprochen haben, ist gewisserart der Übergangspunkt vom Mineral und dem Äther, welcher aus den Gestirnen darniedertaut, in das Tierreich.

2. Im Grunde des Grundes aber gibt es weder ein Mineral- noch ein Pflanzenreich; denn sowohl das Mineral- als das Pflanzenreich ist im eigentlichsten Sinne auch ein Tierreich, und es besteht ein jedes Mineral aus ebensoviel sogenannten infusorischen Tiergattungen, als an ihm für den Geist der Weisheit einzelne psychische Spezifikalintelligenzen entdeckbar sind, was für den gewöhnlichen Verstandesmenschen freilich wohl etwas Undenkbares ist. Aber so jemand nur irgend etwas von der wahren Weisheit und Klugheit des Geistes besitzt, für den wird es eben nicht zu schwer sein, in jedem Mineral wie in jeder Pflanze die intellektuellen, psychischen Grundspezifika herauszufinden, und zwar auf dem Wege, wie er bisher gezeigt wurde.

3. Ihr dürft nur an einem Mineral oder an einer Pflanze alle möglichen Eigenschaften herausfinden, so werdet ihr damit auch ebenso viele Grundspezifika auffinden, von denen ein jedes ein ganz eigenartiges ist und daher auch nur mit einer Intelligenz einen bestimmten Zweck in dem Mineral erfüllt.

4. Damit aber ein Mineral das werde, was es ist und sein soll, so müssen eben die zu ihm gehörenden verschiedenartigen Spezifika sich wie in eins vereinen, um durch diese Vereinigung eben jenes Mineral darzustellen, welches der Ordnung gemäß notwendig darzustellen ist.

5. Um das so ganz gut einzusehen, werden wir zu einem Beispiele schreiten.

6. Nehmen wir das Eisen an! Wie viele Spezifika werden zur Herstellung dieses Metalles wohl erforderlich sein? – Wir werden durch die Aufzählung der einzelnen Eigenschaften dieses Metalles sehen, was zu seiner Darstellung vonnöten ist.

7. Einmal ist das Eisen schwer. Wodurch wird diese Schwere bewirkt? – Durch ein Spezifikum, das aus den innersten Gemächern der Erde aufsteigt, daher es, wennschon hier an dieses Metall gebunden, noch immerwährend seinen intelligenten Zug dahin richtet, wo es durch so lange Zeiten gebannt lag. Es ist gleichsam in diesem Spezifikum die Liebe nach unten.

8. Weiter bemerkt man die Eigenschaft der Härte an dem Eisen. Dieses eigenschaftliche, einzeln für sich dastehende Spezifikum birgt in sich die ledige Intelligenz der völligen Selbstsucht und somit Härte und Unbestechlichkeit gegen jede Nachbarschaft. Dieses Spezifikum ist, so wie die Schwere, von unten.

9. Ferner entdecken wir an dem Eisen eine geschmeidige Biegsamkeit. Das ist ein Spezifikum oder eine seelische Intelligenz, die, vielseitig durchgeprüft, in sich die Willfährigkeit trägt. Dieses Spezifikum ist darum auch schon mächtiger als die beiden ersten. Sie verlieren zwar durch das Beisein dieses Spezifikums in ihrer Eigentümlichkeit nichts, aber dennoch müssen sie sich nach diesem Spezifikum richten, das da eine demütige Willfährigkeit in sich birgt, – daher das Eisen auch um so beugsamer und geschmeidiger wird, so es erhitzt ist, und dieses Geschmeidiger- und Biegsamersein des Eisens im erhitzten Zustande entspricht um so mehr der willfährigen Demut, weil die Demut und der Wille desto geschmeidiger werden, je mehr sie durch die Feuerprobe versucht oder geprüft worden sind. Dieses Spezifikum ist zwar auch noch von unten, aber schon von guter Art, weil es sich fügt, da es durch viele Prüfungen sich fügen gelernt hat.

10. Ein weiteres eigenschaftliches Spezifikum ist die Auflösbarkeit; denn ihr wisset, daß sich das Eisen auflösen läßt durch Säuren, wie durchs Feuer. In diesem Spezifikum liegt die Intelligenz des Freiseins, welches Spezifikum alle die früher benannten mit sich reißt, wenn es in seiner Intelligenz die Unterstützung gefunden hat, sich frei zu machen und frei zu werden. Zugleich entspricht dieses Spezifikum auch in naturmäßiger Hinsicht der Zentrifugal- oder ausdehnenden Kraft, die, so sie keine Beschränkung hätte, sich bis ins Unendliche ausdehnen würde.

11. Damit aber das nicht geschieht, so entdecken wir gleich wieder eine andere Eigenschaft daneben oder ein Intelligenzspezifikum, welches gewisserart den ledigen Stoizismus in sich enthält. Dieses will sich daher auf das Minutissimum zurück zusammenziehen. Dieses Spezifikum ist daher der Kontrolleur für das frühere und beschränkt es in seinem Ausdehnungsdurste, während im Gegenteile aber auch das frühere Zentrifugalspezifikum dieses letztere Zentripetalspezifikum kontrolliert.

12. Wieder bemerken wir eine andere Eigenschaft dieses Metalles: es ist das leichte Glühendwerden am Feuer. Dies ist ein Zornspezifikum im Eisen, welches zwar sonst gewöhnlich ruht; wenn es aber erregt wird, dann tritt es mächtigst auf, verschlingt alle früheren Spezifika und setzt sie in seinen Zustand. Diese Spezifika, die wir bis jetzther an diesem Metalle aufgezählt haben, sind sämtlich von unten her und würden das eigentliche Eisen noch lange nicht darstellen, so sie nicht mit den edleren Spezifiken aus den Sternen gesättigt wären.

13. Wie aber kann man diese Spezifika erkennen? – So wie die früheren durch die noch weitere Aufzählung der verschiedenen Eigenschaften dieses Metalles.

14. Wenn das Eisen gerieben wird, so gibt es einen eigenen, metallsäuerlichen Geruch von sich. Dieser Geruch ist ein Spezifikum mit einer Intelligenz, in welcher sich schon tätige Liebe ausspricht; denn so wie in aller Säure oder in dem eigentlichen Sauerstoffe die euch bekannte Lebensluft vorhanden ist, ebenso ist es in geistiger Hinsicht die tätige Liebe, welche – wie ihr schon lange wisset – im ganz eigentlichsten Sinne das Leben ist. Dieses Spezifikum ist das hauptvereinende Prinzip dieses Metalles; denn es durchdringt dasselbe nicht nur ganz, sondern umgibt dasselbe auch wie eine eigene Atmosphäre; daher auch der Geruch des Eisens.

15. Eine andere Eigenschaft dieses Metalles ist, daß es zur Aufnahme der Elektrizität eine große Bereitwilligkeit zeigt. Die Ursache davon ist das gleiche Spezifikum in diesem Metalle; es ist die Intelligenz der Beweglichkeit und mit ihr der Durst nach gesellschaftlicher Vereinigung. Dieses Spezifikum ist ebenfalls nicht so wie die früheren ein festgebundenes, sondern, so wie das vorhergenannte, nur ein dieses Metall durchdringendes und umgebendes. Da es aber doch mit den früheren Spezifiken mehr oder weniger verwandt ist, so hält es bei ihnen gewisserart ein Standquartier und ist fortwährend bemüht, sie frei zu machen und sie dann für sich zu gewinnen. Es tritt gewöhnlich in der Erscheinlichkeit des Rostes auf, welcher Rost, wie ihr schon oft werdet erfahren haben, mit der Zeit das ganze Eisen in sich verkehrt und nach und nach ganz auflöst.

16. Der Rost für sich ist nicht das eigentliche elektrische Spezifikum, welches fortwährend frei bleibt, sondern das sind die anderen früheren, schon gewisserart an dieses freie Spezifikum angeschlossenen Spezifika, welche sich bemühen, jedes in seiner Art, diesem Spezifikum gleich zu werden. Sehet, dieses Spezifikum ist demnach auch von oben.

17. Wieder eine andere Eigenschaft ist das Schimmern oder Glänzen des Eisens, und zwar in einer weißlicht-grauen Farbe. Dieses Spezifikum faßt den Begriff „Ruhe“ in sich; nur in der Ruhe kann sich alles ausgleichen, und wenn alles ausgeglichen ist, dann tritt eine gleiche Fläche in Vorschein, und diese ist fürs Licht aufnahmefähig so wie die Fläche eines Spiegels. Dieses Spezifikum ist dem ganzen Eisen eigen; aber es ist kein an dasselbe fest gebundenes, sondern vereinigt sich erst dann mit demselben, sobald dieses auf seiner Oberfläche rein geputzt, geflächt und dann geglättet wird. Würden aber seine Teile, die auf der Oberfläche in die größte gleichmäßige Ruhe getreten sind, durch irgend etwas in derselben gestört, so ist dieses Spezifikum schon dahin, – und wenn nicht ganz, so doch teilweise, woraus aber auch hervorgeht, daß auch die Seele des Menschen in ihrer Komplettheit nur dann fürs Licht aufnahmefähig ist, wenn sie sich in die Ruhe ihres Geistes begibt. Denn der Geist ist das Hauptprinzip der Ruhe, aus welchem Grunde auch die alten Weisen einer abgeschiedenen Seele nichts außer Ruhe und Licht nachwünschten.

18. Um alle die Spezifika in diesem Metalle noch weiter aufzufinden, dadurch den Weg dieser wichtigen Arbeit noch mehr zu bezeichnen, das Tierreich im Mineral- und Pflanzenreiche recht erschaulich zu machen, und wie dann das Tierreich aus diesem hervorgeht, werden wir nächstens des Eisens siderische Spezifikaleigenschaften noch weiter verfolgen.

T2.46. Die Zusammensetzung der Intelligenzspezifika in den Lebewesen.

8. März 1847

1. Wenn das Metall, Eisen nämlich, gehämmert wird, so wird es elastisch. Die Elastizität ist ebenfalls ein Spezifikum von oben und ist gleich einer geordneten Willenskraft, die nicht heute das und morgen etwas anderes will; sondern mag da diese Kraft beugen wollen, was da will, so bleibt sie aber dennoch niemals in dieser Richtung, sondern nimmt allezeit die früher geordnete wieder ein. Diese Spezifikalkraft ist eine der häufigsten, die sich in dieser unteren Luftsphäre aufhält und jedes Luftatom durchdringt, daher auch die Luft selbst im höchsten Grade elastisch ist.

2. Diese Kraft, obschon von oben herabkommend, durchdringt zugleich auch den ganzen Erdball und ist die Hauptursache aller Bewegung in und an demselben; sie ist auch das eigentliche Grundwesen, welches in allen Körpern die Bewegung und ihre eigene, mit der Hand fühlbare Elastizität bewirkt. Nur im Feuer läßt sie nach, weil sie durch dieses in eine zu große Tätigkeit gesetzt wird, aber zugrunde gehen mag sie wohl nimmer, diese allerwichtigste Kraft; denn wenn schon das glühende Eisen diese Kraft scheinbar verloren hatte, so darf man aber das kaltgewordene Eisen nur wieder hämmern, und siehe, die scheinbar verlorengegangene elastische Kraft ist so wie zuvor wieder vorhanden.

3. Dieses Spezifikum ist dem Lichte nächstverwandt und besteht aus lauter Lichtatomen. Der Form nach ist es kugelförmig oder noch besser gesagt: Dieses Spezifikum wird in einem freilich wohl überaus kleinen und höchst durchsichtigen Bläschen getragen, welches in alle Poren der Materie hineindringt. Werden nun die Poren, wie beim Eisen, durch das Hämmern verrieben und verschlossen, so daß diese elastischen Spezifikalbläschen beim Beugen dieses Metalles nicht entweichen können, so lassen sie sogleich ihre kräftige Anwesenheit merken, wenn das Eisen gebogen wird, und lassen es nicht in der Richtung ruhen, in die es gebogen ward, sondern treiben es sogleich wieder in jene Richtung zurück, welche ihrer gedrückten Lage am entsprechendsten ist.

4. Diese Lichtatome werden von einigen Naturforschern auch ätherische Lichtmonaden genannt, welcher Name ziemlich gut ist, weil durch den Ausdruck „Monade“ gewisserart ein Einzelnes oder ein Alleiniges in seiner Art bezeichnet wird. Dieses Spezifikum ist, weil dem Lichte entstammend, höchst eigentümlich in seiner intellektuellen Sphäre. Es liebt die Ruhe und sucht dieselbe mit der größten Beharrlichkeit; aber eben darum, weil es in sich selbst gewisserart das Gesetz der Ruhe selbst ist, so übt es in jeder Beschränkung und Bedrückung, den vorigen Ruhestand suchend, die größte bewegende Kraft aus, welcher Kraft ebenfalls nichts widerstehen kann, wenn sie durch irgend etwas aus ihrem Gleichgewichte gebracht wurde.

5. Sehet, das ist sonach wieder ein neues Spezifikum, also eine neue Intelligenz in diesem Metalle und beurkundet sich in dem scheinbar toten Metalle, auf eine gleiche Weise wirkend wie bei den Pflanzen und Tieren, – woraus aber wieder hervorgeht, daß das Eisen unmöglich ein toter Körper sein kann, da in ihm eine und dieselbe intellektuelle Kraft ebenso wie bei den Tieren tätig wird, wenn sie durch die rechten Mittel erregt wird.

6. Worin besteht denn so ganz eigentlich dieses Spezifikum? – In einem für euch unbegreiflich kleinen Lichtfünkchen in dem vorerwähnten Bläschen. Dieses Lichtfünkchen ist eine psychische Willensbeharrlichkeitsintelligenz und bleibt so lange ruhig in seinem Kerkerchen, solange es nicht durch irgend einen Stoß oder Druck beleidigt wird; wird es aber beleidigt, dann erwacht es in seiner Hülse und treibt die Wände derselben auseinander, wie die Luft die Wände einer Blase, wenn sie in dieselbe kommt. Ist der Druck oder ein Stoß nur gering und schwach, da beurkundet es sein Dasein durch ein Zittern, von welchem gewöhnlich der Ton herrührt; wird aber der Druck oder Schlag heftiger, dann zerreißt es seine Hülsen und sprüht als helleuchtende Feuerfunken hervor, – daher auch im Feuer dieses Spezifikum frei wirkend in die Erscheinlichkeit tritt und alles zerstört, was ihm unterkommt.

7. Ich meine nun, nachdem ihr diese Spezifika kennengelernt und eingesehen habt, daß sie wirklich in diesem Metalle vorhanden sind – gleich so, wie sie in dem Pflanzen- und Tierreiche vorhanden sind –, was soll uns demnach hindern, mit gerechtem Grunde anzunehmen, daß das tierische Leben auch in den Metallen und anderen Mineralien so gut vorhanden ist als wie bei den Tieren selbst? Denn die einzelnen Intelligenzen sind immer dieselben, ob in Mineralien, Pflanzen oder Tieren, nur mit dem Unterschiede, daß in den Mineralien nur noch ganz wenig Intelligenzen vereint in die Erscheinlichkeit treten, während in den Pflanzen und besonders in dem ausgebildeteren Tierreiche schon eine bei weitem größere Menge wirkend vorhanden ist. Wo das Mineral etwa acht, neun, zehn, höchstens bis zwanzig Intelligenzen zählt, da sind bei mancher Pflanze schon viele Tausende, bei manchem Tiere viele Millionen und millionenmal Millionen und bei dem Menschen zahllose aus allen Sternen und aus allen atomistischen Teilchen der Erde.

8. Das Mehr oder Weniger aber schließt das tierische Lebendigsein in den Mineralien nicht aus, und das darum nicht, weil fürs erste diese intellektuellen Spezifika sich selbst in allerlei lebendigen tierischen Gestalten dem bewaffneten Auge eines Forschers offenbaren, und weil fürs zweite diese Intelligenzen in den Metallen und Mineralien auf ein Haar dieselben sind wie in den Tieren.

9. Wer da ein solches Mikroskop hätte, das da die Gegenstände gegen sechs millionenmal vergrößern würde, der würde mittelst dieses Mikroskopes in einem einzigen Wassertropfen eine ungeheure Menge von den allerseltensten tierischen Gestalten entdecken. Diese Gestalten sind nichts als Träger von verschiedenen einzelnen Intelligenzen, welche sich fortwährend feindlich begegnen, sich ergreifen und scheinbar zerstören; aber an ihre Stelle tritt dann bald eine neue Gestalt, die alle die früheren in sich aufnimmt und sie gleichsam verzehrt. Hat eine solche Gestalt sich hinreichend gesättigt, dann kommt sie zur Ruhe und sinkt zu Boden.

10. Wenn aber dann eine zahllose Menge solcher Gestalten zur Ruhe und zum Sinken gekommen ist, so kleben sie sich dann in der Ruhe als höchst verwandte Wesen fest aneinander, und siehe, daraus wird für euer Auge eine scheinbar tote Materie. Allein das ist sie mitnichten; sie ist nur eine Anzahl von gefangenen einzelnen Intelligenzen, welche, wieder aufgelöst, lebendig werden und verbunden werden können zu einer anderen Form, welche Arbeit – wie ihr schon wisset – unsere schon sehr wohlbekannten Geister eben also verrichten, wie wir sie in dem Pflanzenreiche in ihrer Tätigkeit belauscht haben.

11. Und nachdem wir diese Vorleitung gründlich durchgemacht haben, so wollen wir fürs nächste uns in das Tierreich begeben und sehen, wie dort die Geister wirken.

T2.47. Kapitel

9. März 1847

1. Es ist manchmal nicht überflüssig, um das Folgende desto mehr anschaulich und begreiflich zu machen, eine Wiedererinnerung dessen, was schon gesagt wurde; und so wollen auch wir über die verschiedenen Qualitätsverhältnisse der Spezifikalintelligenzen aus den drei Reichen einiges erwähnen. Es ist nämlich oben gesagt worden:

2. Wenn in der Materie, im Metall- oder Mineralreiche, zehn bis zwanzig Intelligenzen vorkommen, so kommen sie im Pflanzenreiche tausend bis tausendmal tausend vor, im Tierreiche auf höherer Stufe millionen- und millionenmal Millionen, im Menschen aber gehen sie ins unendliche. Daß dies wirklich so der Fall ist, wollen wir durch eine vergleichende Beispielsweise näher vor die Augen stellen.

3. Man kann das Eisen glühend machen, es umschmieden, das, was früher vorne war, wegnehmen und rückwärts anschweißen und dergleichen Veränderungen mehr, – und das Eisen bleibt Eisen nachher wie zuvor; der gleiche Fall ist es mit allen anderen Metallen.

4. Die Steine stehen dem Pflanzenreiche schon etwas näher, haben auch schon mehr Spezifika als die Metalle, und zwar je gemeiner sie sind, desto edler und reichhaltiger in spezifischer Hinsicht, – daher, wenn man sie zerstört, sie nicht leichtlich in ihren früheren kompletten Zustand gesetzt werden können. Sie bleiben zwar auch als zerbröckelte Teile eines früheren kompletten größeren Steines noch dieselbe Materie, können aber nicht, so wie die Metalle, durch das Feuer zu einer und derselben materiellen Masse zusammengefügt werden; denn das Feuer versetzt sie schon in einen ganz andern Zustand, welcher dem früheren nimmer gleicht.

5. Die Ursache dieser Erscheinung ist die Mehrzahl von Spezifikalintelligenzen, welche schon in einer größeren Ordnung sich ergreifen müssen als wie in den Metallen; und wird diese Ordnung durch irgend etwas gestört, wodurch oder wobei sich mehrere Intelligenzen empfohlen haben, so wird die Materie nicht mehr dieselbe, als sie früher war.

6. Nehmet nur einen Kalkstein im rohen und dann im gebrannten Zustande. Im rohen mag er wohl tausend Jahre im Wasser liegen, so wird er sich nicht nur nicht auflösen, sondern nur fester werden, weil sich im Wasser mehrere Spezifika mit ihm vereinen. Werfet aber einen gebrannten Kalkstein ins Wasser, so wird er sich in wenigen Minuten in einen ganz weißen Brei auflösen. Die Ursache von dieser Erscheinung ist, weil durch das Feuer eine gewisse Anzahl von Spezifiken entwichen ist, welche früher dem Steine Dichtigkeit und Festigkeit gegeben haben; kommt endlich noch vollends Wasser dazu, so werden dadurch noch mehrere Spezifika frei, und die wenigen sich noch haltenden verlieren den nötigen Zusammenhang und fallen dann als ein Brei auseinander. Wird dem Brei das Wasser wieder genommen, so treten dann wieder einige frei gewordene Spezifika in den Brei zurück und bewirken, daß dieser Brei wieder zu einer größeren Festigkeit kommt, aus welchem Grunde er dann auch bei Mauerwerken als Bindungsmaterial gebraucht wird.

7. Aus diesem Beispiele haben wir nun gesehen, daß die Steine nicht mehr so wie die Metalle mit sich manipulieren lassen, ohne ihre vorige Eigenschaft zu verlieren. Noch mehr ist das mit dem Ton der Fall, der, so er einmal gebrannt ist, ganz und gar seine frühere Eigenschaft verliert; denn aus einem gut gebackenen Ziegel wird nimmer Tonerde, noch weniger ein sogenannter Tonschiefer. Mehr aber noch als der Ton ist der Lehm heiklig; denn ein Lehmkuchen, in das Feuer gelegt, verglüht beinahe so wie Torf oder Steinkohle; nur versteht sich das vom reinen Lehm. Der Lehm aber läßt sich noch durch das Wasser erweichen und in verschiedene Formen kneten und bleibt ebenfalls noch Lehm, was auch beim Ton der Fall ist.

8. Aber welch ein ganz anderer Fall ist das schon bei der gemeinsten Pflanze; da ist schon eine so feste Ordnung, daß sie auch nirgends um ein Atom verrückt werden darf, ohne der Beschaffenheit der Pflanze zu schaden. Der Grund liegt darin, weil in der Pflanze, selbst von der allereinfachsten Art, schon alle Spezifika wohlgeordnet vorhanden sein müssen, welche sonst in dem ganzen Mineralreiche verschieden geteilt und gesondert anzutreffen sind.

9. Nehmen wir z.B. einmal eine Moospflanze her, oder gar einen von heute bis morgen wachsenden Schwamm. Da kann nicht das, was in der Wurzel ist, den Stengel bilden, und selbst in der Wurzel ist schon eine so feste Ordnung, daß ein Spezifikum, welches gegen Mittag in der Wurzel tätig ist, gegen Mitternacht am ungeeignetsten Platze wäre und in dem Gewächse eine solche Unordnung bewirken würde, daß es verdorrete und abstürbe.

10. Daher sollten sich auch die Gärtner, wenn sie ihre Bäume gut versetzen wollen, genau die Himmelsgegenden merken, unter denen ein Bäumchen mit seinen Wurzeln und Ästen früher gestanden ist; denn verkehren sie diese Ordnung, so wird das übersetzte Bäumchen entweder schwer oder gar nicht fortkommen, und das darum, weil zwischen den nördlichen und südlichen Spezifiken ein bedeutender Unterschied ist. Besonders heiklig sind in diesem Punkte die Nadelhölzer. Wenn bei diesen die Himmelsgegend nicht getroffen ist, so dorren sie ab. Dasselbe ist auch bei den Pfropfreisern der Fall. Ein Pfropfreis von einem nördlichen Zweige auf einen südlichen Zweig eines anderen Bäumchens gepfropft, wird allezeit verdorren, weil die Spezifika nicht homogen sind.

11. Aus diesem aber könnt ihr ersehen, mit welcher großen Genauigkeit die Ordnung in Hinsicht der Stellung der Spezifika gehandhabt werden muß; denn da hat ein jedes atomgroße Plätzchen eines Blattes schon ein anderes Spezifikum, welches zwar mit seinem Nachbar die größte Verwandtschaft hat, aber dennoch nicht völlig dasselbe ist. Denn wäre das nicht der Fall, da könnte nie ein Blatt konstruiert werden; und wer dieses bezweifeln möchte, der solle nur versuchen ein gleich rundes Stückchen aus einem Blatte herauszustechen und es auf einen gleich großen Ausstich desselben Blattes anzufügen, und er wird sich überzeugen, daß da nimmer eine Verbindung vor sich gehen wird. Ja, Ich sage euch, da ist schon eine so große Ordnung vorhanden, daß sie keine menschliche Weisheit je in der Fülle erfassen kann, solange der Geist des Menschen in seiner sterblichen Hülle wohnt. Und je weiter in die Extremitäten (äußerste Enden) einer Pflanze hinaus, desto reichhaltiger ist die Zahl der Intelligenzen und desto unverrückbarer ihre Ordnung, welche eben in den Zweigen, besonders junger Bäume, noch nicht so ausgebildet ist, – daher diese auch übersetzt oder ineinandergepfropft werden können.

12. Wenn aber schon bei Pflanzen eine so große Ordnung gehandhabt werden muß, damit sie das werden, was sie sein sollen, nämlich verschiedene Erlösungsanstalten zur Freiwerdung seelischer Intelligenzen –, wie groß muß dann erst die Ordnung dort sein, wo das Pflanzenreich in das Tierreich übergeht!

13. Um diese Ordnung so gründlich als möglich einzusehen, werden wir nächstens durch lauter anschauliche Beispiele diese Sache beleuchten und die Tätigkeit und Weisheit der hierbei angestellten geschäftsleitenden Geister bewundern.

T2.48. Die Grenzen zwischen den Naturreichen.

12. März 1847

1. Noch bis zur heutigen Stunde haben es die Naturforscher nicht ausgemacht, wo das Mineralreich ins Pflanzenreich und dieses in das Tierreich übergeht, oder: Wo hört das eine Reich auf und wo fängt das andere an? Wo ist wohl die letzte und vollkommenste Pflanze, nach der keine Pflanzenstufe mehr kommt, sondern sogleich ein erstes, freilich sehr unvollkommenes Tier an seine Stelle tritt? –

2. Sehet, das sind noch Sachen, die bis jetzt noch in großer Dunkelheit stehen; denn es gibt auf der Erdoberfläche eine große Menge Pflanzen, die eher tierischer als pflanzlicher Natur zu sein scheinen, und wieder gibt es Tiere, die bei weitem eher einer Pflanze als einem Tiere gleichsehen. Also gibt es auch Mineralien, die eher für Pflanzen als für Mineralien gehalten werden könnten, und wieder gibt es Pflanzen, die eher für Mineralien als für Pflanzen gelten könnten; und so gibt es auch viele Tiere, die noch pflanzenähnliche Extremitäten zur Schau tragen, und wieder gibt es Pflanzen, aus denen ein beinahe ganz gut ausgebildetes Tier herausschaut.

3. Da die Sachen sich so verhalten, so wird jedermann leicht einsehen, daß da eine genaue Grenzermittlung ein überaus schweres Stück Arbeit für jeden Naturforscher sein dürfte, und das hauptsächlich auch aus dem Grunde, weil es noch eine ungeheure Anzahl sowohl von Tier- als Pflanzengattungen gibt, die den Naturforschern noch gar nicht bekannt sind und schwerlich je werden bekannt werden; denn die größte Anzahl der merkwürdigsten Pflanzen und Tiere wächst und wohnt in den Tiefen des Meeres. Die großen unterseeischen Flächen aber sind für Botaniker und Zoologen etwas schwer zugänglich, daher auch eine Bekanntschaft mit den Tieren und Pflanzen dieses feuchten Bodens schwer zu machen ist.

4. Zudem aber gibt es auch noch eine Menge Tiere und Pflanzen auf der Erdoberfläche selbst, die den Naturforschern darum unbekannt sind, weil diese, für ihren Forschungsgeist etwas unbequem gelegenen Ländereien selbst noch nicht bekannt sind.

5. Die Naturforscher wundern sich schon über die Korallen, und noch ist es nicht völlig ausgemacht, ob sie zum Mineral-, Pflanzen- oder Tierreiche gehören; denn es weiß ein jeder Naturforscher, daß die Korallen durch eine Art Würmchen gebildet werden, welche sehr klein sind, sich aneinander kleben und also einen Korallenzweig ausbilden. Die Würmchen sind sicher Tiere; wenn sie aber verhärten, da ist ihre Masse so fest wie Edelgestein. Die Form aber, in der diese Tierchen durch ihr Aneinanderkleben nach und nach sich ausbilden, gleicht einem entlaubten Bäumchen, das Äste, Zweige und ganz kleine Zweige hat. Also ist dieses Gewächs der Bildung nach ein Tiervolumen aus zahllos vielen Tieren, als Masse ein Mineral und als Bild und Form ein Bäumchen.

6. Was demnach die Koralle eigentlich ist, wäre mit einem Ausdrucke schwer zu bestimmen; aber daß die Koralle das ist, als was sie vorhin bestimmt wurde, kann jeder leicht einsehen und annehmen: also zum Teile Tier, zum Teile Mineral und zum Teile Pflanze.

7. Diesem Gewächse ähnlich sind auch die verschiedenartigen Metallblüten, die samt und sämtlich auf gleiche Weise entstehen. Im Meere aber gibt es noch eine Menge kleiner und großer Tiere, die mehr noch als die Korallen die drei Reiche auf das augenscheinlichste in sich schließen.

8. Betrachten wir beispielsweise den großen Kraken. Dieser ist wohl das größte Tier der Erde; denn er ist in seinem völlig ausgewachsenen Zustande über fünfhundert Klafter lang und bei hundert Klafter breit und dick. Dieses Tier hat keine bestimmte Gestalt, sondern sieht, wenn es manchmal auf die Oberfläche des Meeres kommt, einer ziemlich plumpen Insel gleich, welche hie und da eine recht üppige Vegetation zeigt. Auf seinem Rücken wächst nicht selten Moos, Meergras und sogar kleine Seebäumchen, die sogar eine runde, rote Frucht tragen, die ihr schon selbst öfter gesehen habt und namentlich bei den Goldarbeitern, die diese Frucht in Gold faßten und sie als Zierde eines Uhrbandes verkauften.

9. Diese Frucht, welche öfter an den Meeresufern frei schwimmend angetroffen wird, wächst und reift meistens auf dem Rücken unseres Kraken, den nur ein böses unterseeisches Wetter auf die Oberfläche des Meeres treibt. Nebst diesen Gewächsen aber findet man auch eine Menge roter, felsartiger Erhöhungen auf dem Rücken dieses Tieres, welche nicht selten abgeworfen werden und eine Zeitlang, solange sie noch nicht völlig gefestet sind gleich dunkelroten Bimssteinen auf der Oberfläche des Meeres herumschwimmen und häufig an manchen Meeresufern, manchmal wohl auch auf festem Lande, wo einmal ein Meer gestanden ist, unter dem Namen „Drachenblut“ aufgefunden werden. Dieses Drachenblut hat eine große Ähnlichkeit mit dem Roteisenstein, manchmal auch mit der quecksilberhaltigen peritomischen Hornblende. Dieses Blut ist ganz Mineral, welches auf dem Rücken dieses Tieres einzig und allein echt vorkommt.

10. Dem Ansehen nach ist dieses Tier somit Pflanze und Mineral zugleich; aber wenn unglücklicherweise etwa ein Schiff, oder manchmal auch mehrere, über dem Rücken dieses ungeheuren Tieres zu stehen kommen, dann taucht das Tier schnell aufwärts, hebt ganze Schiffe über den Meeresspiegel hinaus, daß sie bald umstürzen und, außer dem Wasser zu stehen kommend, sich nicht mehr von diesem Boden des sicheren Unterganges flüchten können; denn so das Tier einmal gewahrt, daß die Schiffe auf seinem Rücken umgestürzt liegen, so erhebt es von allen Seiten tausend blendendweiße Arme, gleich großen Elefantenrüsseln, in eine Höhe von dreißig Klaftern und in einer Dicke von nicht selten acht Schuh im Durchmesser.

11. Hat es die Arme einmal, wie die Schnecke ihre Fühlhörner, weit genug hinausgetrieben, so beugt es dann diese fürchterlichen Arme zu den Schiffen, die auf seinem Rücken liegen, hinab, zerquetscht sie in einem Nu, trägt dann mit diesen tausend Armen das zerquetschte Schiff unter sich in seinen unmäßig weiten Schlund und verzehrt auf diese Weise das ganze Schiff mit allem, was darinnen war. In seinem Magen liegt eine solche Verdauungskraft, der gar nichts widersteht; Steine, Metalle, Holz, sogar Diamanten verzehrt es so ganz und gar, daß da nicht das kleinste unverdaute Restchen überbleibt.

12. Weil aber dieses Tier so viel Verschiedenartiges verdaut, so ist es dann auch erklärlich, daß auf seiner Oberfläche, wie auf der Oberfläche eines kleinen Wasserplaneten, eine Menge vegetabilischer und mineralischer Aftergebilde zum Vorschein kommt.

13. Da ließe sich denn auch fragen, zu welchem Reiche man dieses Tier zählen solle: zum Tier-, Pflanzen- oder Mineralreiche? Denn vermöge seiner Gestalt ist es ganz mineralisch aussehend, wie ein Stück Erde oder ein Stück Landes, auf dem ein recht üppiger, verschiedenartiger Pflanzenwuchs vorkommt; da aber auf diesem Wesen verschiedenartige Pflanzen vorkommen, so könnte man es auch für eine große Meerpflanzenwurzelknolle halten oder gleichsam für eine übergroße, unterseeische Mimose, welche da Schiffe, wie die kleine Mimose auf dem Lande einzelne Insekten, umschlingt und dann in ihren Blumenkelchrachen hinabzieht.

14. Wenn jemand diese Punkte so recht kritisch beleuchtet, so wird es ihm ebenso schwer werden, dieses Wesen in ein bestimmtes Reich einzureihen, als wie schwer es jedem Naturforscher fallen dürfte, die Erde selbst in eine bestimmte Klasse einzuteilen. Denn die Erde selbst ist allem Anscheine nach doch sicher Mineral, weil sie auf ihrem Rücken eine so ungeheuere Menge Mineralien erzeugt; aber sie ist auch ebenso sicher Pflanze, weil sie so viele Afterpflanzen gebiert, und noch sicherer ist sie ein Tier, weil sie ein so ungeheuer reichhaltiges Tierleben produziert.

15. Aus allemdem geht aber etwas, für euch freilich auf den ersten Anblick Sonderbares hervor. Denn im Grunde des Grundes gibt es weder ein Mineral-, noch ein Pflanzen-, noch ein Tierreich als abgesondert für sich, sondern es gibt im ganzen nur ein Reich, und das ist das Wesenreich unter allerlei Formen, und alles ist ursprünglich Tier und nicht Mineral und nicht Pflanze. Darin liegt der Grund, warum die Unterscheidungsmerkmale zwischen den drei vermeintlichen Reichen auf fortwährend gleich lockeren und unhaltbaren Füßen stehen.

16. Nur in der Ordnung des Aufsteigens der Wesen sind gewisse Stufen gestellt, die jedermann leicht als gesondert ersieht; denn wer einen Felsen von einem Baume, einen Baum von einem Ochsen und endlich einen Ochsen von einem Esel nicht unterscheiden kann, bei dem ist – wie ihr zu sagen pflegt – Taufe und Chrisam verdorben, und mit der Astronomie wird er sich schwer abgeben und noch schwerer mit unserer Theorie über die geistige Erde.

17. Da wir aber das nun wissen, so wird es uns von nun an immer leichter, die Tätigkeit unserer schon oft besprochenen Geister zu belauschen.

T2.49. Die Tierseele und ihre Beeinflussung durch Geister.

13. März 1847

1. Wie die Geister beim Mineralreiche und Pflanzenreiche die Spezifikalintelligenzen zu einem Wesen ordnen, und wie sie die siderischen und tellurischen miteinander verbinden, das haben wir bereits schon zur Genüge abgehandelt; es bleibt uns da nur noch der Übergang oder so ganz eigentlich das Werden des Tieres aus dem früheren Reiche zu betrachten übrig und zu beobachten, was alles hier die Geister dabei selbst zu beobachten und zu tun haben.

2. In einem jeden Tiere ist schon eine mehr oder weniger ausgebildete Seele wirksam zugegen, welche durch den sie allezeit umgebenden sogenannten Nervengeist in ihrem Körper, der eine noch grobe Materie ist, wirkt. Und darin unterscheidet sich auch so ganz eigentlich das Tier- von dem Pflanzenreiche und noch mehr von dem Mineralreiche: daß das Tier schon eine freie Psyche hat, während diese im Pflanzen-, und besonders im Mineralreiche noch mit der Materie also verwebt und geteilt ist wie etwa der Weingeist in der Traube, da auch jemand sehr viele Trauben verzehren kann und nicht rauschig wird, während der Spiritus aus zwanzig Trauben genügte, zehn Menschen zu berauschen. Man versteht hier von selbst große, gute und reife Trauben.

3. Wo hält sich wohl dieser Spiritus in der Traube auf, dieser feuriggeistige Äther? – In der Traube ist er noch sehr geteilt und kann nicht eine Wirkung äußern, da in einem jeden Traubensaftbeerchen unter tausend Spezifikalien auch ein solches ätherisches Spezifikum beigemischt ist. Wenn aber durch einen euch bekannten Sonderungsapparat dieses einzelne Spezifikum aus den vielen anderen Spezifiken herausgezogen und in ein Gefäß gesammelt wird, so äußert es dann erst seine Kraft.

4. Also ist es auch mit der Tierseele der Fall. Sie ist eine Ansammlung von einer Menge ätherisch substanzieller Spezifika, welche schon für sich ein insoweit intelligentes freieres Wesen bilden, je mehrartig sie sich zu eben diesem Wesen vereinigt haben.

5. Wenn bei den Tieren der Akt der Zeugung eintritt, so treiben die Geister durch ihren Willen diese psychischen Tierwesen in die materiellen Zeugungsorgane der Tiere und umschließen sie im Augenblicke der Zeugung mit einem materiellen Häutchen; in diesem Häutchen wird dann diese Psyche tätig und fängt an, nach der Komplettheit ihrer Intelligenz sich selbst zu ordnen.

6. Hat die Seele oder die Psyche in dieser ersten Behausung und in sich selbst die bestimmten Anordnungen getroffen, so sorgen dann die Geister, daß diese Psyche durch neue, eigens dazu gebildete Organe aus dem Mutterleibe die entsprechende Nahrung und damit das Baumaterial für ihren künftigen Leib erhält, den sie zu bewohnen und durch den sie zu wirken hat.

7. Diesen Leib bildet die Seele selbst; aber freilich unter fortwährender Leitung der Geister, die dabei zwar keine Hand, sondern bloß nur ihren Willen ans Werk zu legen haben.

8. Die Ausbildung des Leibes geht aber auf diese Weise vor sich:

9. Die ätherisch-substanzielle Psyche hat zuerst ihre Intelligenzen geordnet, oder diese Intelligenzen ordnen sich vielmehr von selbst nach den in ihnen wohnenden Gesetzen der Assimilation, da sich Schwarz eint mit Schwarz, Weiß mit Weiß, Rot mit Rot, Grün mit Grün, Blau mit Blau, Hart mit Hart, Weich mit Weich, Zähe mit Zähe, Süß mit Süß, Bitter mit Bitter, Sauer mit Sauer, Licht mit Licht usw. Da aber ein jedes solches ätherische und nun schon substanzielle Intelligenzspezifikum eine vollkommene Idee in sich trägt, welche Idee sich in einer bestimmten Form plastiziert, so geht diese Eigenschaft der Seele in der Bildungsperiode des Leibes eben auf den Leib über, und der Leib ist dann bei seiner vollen Ausbildung nichts als die typische Form der ganzen Seele, die da bei der Zeugung in den Mutterleib eines Tieres im Augenblicke der Zeugung gegeben ward.

10. Ist die Form im Mutterleibe einmal vollends ausgebildet, und hat die Seele nach ihrer Gestaltung sich gewisserart in der Form des Leibes wiedergestaltet, dann hat sie auf eine gewisse Zeit Rast, und der Leib bildet dann durch die noch im Mutterleibe ferner eingenommene Nahrung sich weiter aus, freilich durch Unterstützung der Seele insoweit, als diese dann bloß nur in den Haupteingeweiden ihre neue Tätigkeit beginnt.

11. Da fängt nämlich der Pulsschlag an, und die Säfte fangen in dem neuen Leibe zu zirkulieren an; die neue Nahrung wird schon in den Magen aufgenommen, der sein Verdauungsgeschäft damit beginnt.

12. In dieser Zeit wird der sogenannte Fötus im Mutterleibe leiblich lebendig.

13. Wenn dann der Leib durch diesen Vorgang ganz geregelt wird, alle Organe sich geöffnet haben, Pulsschlag und Verdauung in den geregelten Gang getreten sind, die Nerven gesättigt wurden und in ihnen sich ein der Seele nächstverwandter Nervengeist durch einen eigenen, elektromagnetischen Gärungsprozeß gebildet hat, so treten dann wieder Geister mit ihrem Willen hinzu, lösen die Bande zwischen dem Fötus und dem Mutterleibe und treiben dann das neue Wesen aus dem Mutterleibe hinaus, und das ist die Geburt.

14. Nach der Geburt muß das neugeborene Tier noch eine kurze Zeit aus dem Mutterleibe genährt werden, wie z.B. bei den Säugetieren durch die Milch, beim Geflügel durch die Überschleimung der Nährmittel, womit die Alten die Jungen in den Nestern füttern, bei den Wasseramphibien ebenfalls durch einen Schleim, den diese im Wasser unter einer milchigen Gestalt von sich lassen und bei den Amphibien am Lande durch einen Saft, den die Alten entweder aus ihren Warzen oder wohl auch aus ihrem Rachen ausfließen lassen. Bei dieser Nahrung wird der Leib dahin weiter ausgebildet, daß er dann die ihm bestimmte Nahrung selbst suchen, finden und verzehren kann.

15. Von dem Augenblicke an, wo der Leib seine Nahrung frei findet und genießt, fängt die in ihm wohnende Psyche nach der Leitung der Geister die materiellen Spezifika des Leibes in substanzielle zu verkehren an und bildet sich auf diese Weise durch die Lebensdauer ihres Leibes zu einer reicheren und somit auch vollkommeneren Seele aus, welche, wenn sie in einem Leibe die höchstmöglichste Ausbildung erreicht hat, dann denselben nach und nach stets mehr außer acht läßt.

16. Durch diese Außerachtlassung siecht der Körper stets mehr und mehr, bis er der Seele vollends lästig und zum weiteren Wirken untauglich wird, was der Seele zwar durch den Nervengeist einen Schmerz verursacht, welcher Schmerz aber dann eben dazu beiträgt, daß die Seele sich solch ihrer Last endlich gänzlich entledigt; dann fällt der Leib wie tot und regungslos dahin, die Seele aber wird wieder frei, wird durch die Geister wieder gefangen und zu der Zeugung einer höheren Tierstufe genötigt, wo sie dann auf eine ganz gleiche Weise, wie sie jetzt beschrieben ward, nur komplizierter, tätig wird.

17. Die Spezifika des abgelegten Leibes aber müssen wieder aufgelöst werden, weil sie noch nicht in eine bestimmte, sondern in eine nur notfällige Ordnung von der Seele zusammengerafft worden sind. Durch die nochmalige Auflösung aber werden sie dann in eine bestimmtere Ordnung gestellt und bilden im Verlaufe der fortrückenden Tierstufen die weibliche Psyche, während die freie, eigentliche Psyche, von der wir jetzt gehandelt haben, die männliche ist: und so kommt die „Eva“ überall aus den Rippen des Mannes hervor.

18. Man könnte hier freilich fragen: Was geschieht denn dann mit den Spezifiken abgelegter weiblicher Leiber? –

19. Sie werden mit den männlichen vereinigt; durch diese Vereinigung sind sie dann erst in einer nächsten Stufe fähig, in sich Weibliches und Männliches auszubilden. Denn daß aus einem und demselben Mutterleibe Männlein und Weiblein hervorgehen, braucht kaum mehr erwähnt zu werden; denn soweit hat es von euch wohl jeder schon in der Zoognosie gebracht.

20. Wenn aber die Mutter nicht zugleich weibliche und männliche Spezifika in ihrem Leibe vereinigte, woher würde sie das Weiblein und woher das Männlein ernähren? Ich meine, diese Sache ist schon so klar, daß es eine förmliche leere Mundwetzerei wäre, ein mehreres davon zu sagen, und lächerlich und über die Maßen langweilig, so Ich euch speziell alles durch Worte zeigen möchte, wie allenfalls dem Vogel die Federn wachsen, der Sau die Borsten, dem Ochsen die Hörner und dem Esel die langen Ohren; denn das alles liegt in der Ordnung der Seele, wie nämlich diese auf vorbezeichnete Art ihre Intelligenzen nach den Gesetzen der Assimilation ordnet.

21. Da wir aber nun das Wirken der Geister auch bei diesem Reiche – wennschon durch wenige Andeutungen, aber doch klar genug – gesehen haben, so werden wir nächstens noch den Übergang in den Menschen besichtigen und uns dann bald etwas tiefer in der Erde umsehen, d. h. in der geistigen Erde.

T2.50. Geistereinflüsse bei der Zeugung des Menschen.

15. März 1847

1. Es ist euch zwar schon über das Wesen des Menschen, dessen Seele und Geist so viel gesagt worden, daß ihr sozusagen schon fast das meiste wisset, was das ganze Wesen des Menschen betrifft; auch die Zeugung ist euch schon auf die mannigfaltigste Weise gezeigt worden. Es bleibt demnach nur noch übrig, euch den Einfluß der Geister zu zeigen, den diese bei der Zeugung des Menschen haben.

2. Was die materielle Zeugung betrifft, so unterscheidet sie sich von der gemein-tierischen wenig oder gar nicht; der Unterschied liegt mehr im Innern.

3. Die Seele muß natürlicherweise schon vor der Zeugung komplett da sein, d. h. sie muß alle substanziellen Spezifika in sich vereinen, welche sonst im ganzen Universum verteilt sind und ihr von allen Seiten zugeführt werden.

4. Ein solches vollkommenes substanzielles Spezifikalkompendium ist dann schon die Seele; nur sind die Spezifika in ihr gewisserart chaotisch also untereinandergemengt, daß man allenfalls sagen könnte: die Seele ist vor der Zeugung ein Knäuel, ein sogenannter gordischer Knoten, der erst entwirrt werden muß, um zu einer Form zu gelangen. Die Entwirrung dieses Knotens beginnt eben mit dem Akte der Zeugung; denn da wird dieser gordische Seelenknoten in den Mutterleib getrieben und umhülst.

5. Innerhalb dieser Umhülsung fangen dann die korrespondierenden Intelligenzen an sich zu erkennen, sich einander zu nähern und einander zu ergreifen. Damit sie aber das können, verschaffen ihnen die Geister in ihre Umhülsung Licht, in welchem Lichte sich diese substanziellen Spezifikalintelligenzen erkennen, aussondern, sich dann einander annähern, ergreifen und verbinden, und das alles durch die Nötigung aus dem Willen jener Geister, denen dieses Geschäft anvertraut ist. Diese Geister aber sind das, was ihr „Schutzgeister“ nennt, und es sind Engel und große Engel, die alle da Einfluß nehmen: und da gibt es keinen Menschen, der nicht wenigstens drei Schutzgeister, zwei Engel und einen großen Engel hätte, über die noch ein Siebenter wacht, Den ihr schon wohl kennet!

6. Diese Schutzgeister und Engel sind vom Augenblicke der Zeugung fortan um die neugezeugte Seele und sorgen unablässig für die ordnungsmäßige Ausbildung derselben.

7. Hat die Seele einmal in ihrer Umhülsung die menschliche Form wieder bekommen, so werden ihr dann aus dem Mutterleibe entsprechende Spezifika zugeführt. Diese Spezifika verwendet endlich die Seele zu ihrer eigenen festeren Aneinanderbindung ihrer Intelligenzen.

8. Ist das geschehen, so strömen aus dem Mutterleibe schon wieder andere und neue Spezifika in den Ort der neuen Menschwerdung im Mutterleibe; diese werden schon zur Bildung der Nerven verwendet. Die Nerven sind gewisserart Stricke und Schnüre, die von der Seele überall ergriffen und angezogen werden können, um dadurch dem nachfolgenden Leibe eben durch diese Schnüre und Stricke jede mögliche Bewegung geben zu können.

9. Sind die Nerven in ihren Grundlagen und Verbindungen fertig, dann strömen schon wieder neue Spezifika nach. Diese werden zur Bildung der Eingeweide angeordnet; und sind die Haupteingeweide in den ersten organischen Grundlagen dargestellt, so werden sie dann sogleich mit den Hauptnerven verbunden.

10. Nach dieser Arbeit geht es dann mit schon wieder etwas anderen Spezifiken an die völlige Ausbildung der Eingeweide. Da aber natürlich in dem Kopfe die meisten Nerven zusammenlaufen, und zwar hauptsächlich im Hinterhaupte, in dem auch die Seele ihren Kopf hat, so beginnt zugleich mit der Bildung der Eingeweide auch die Bildung des Kopfes, welcher das entsprechendste Bild der Seele ist, weil alle Intelligenz der Seele sich durch gewisse Hauptausstrahlungen im Kopfe konzentriert. Und weil die Augen das allervollkommenste Symbol der Intelligenz sind, so wird auch der Kopf und besonders die Augen am ersten ersichtlich sein; denn in den Augen strömen alle Ausstrahlungen der einzelnen Intelligenzen der Seele durcheinander und bilden durch eben dieses Durcheinanderströmen die naturmäßige Sehkraft der Seele, mittelst welcher sie die Außenwelt in sich selbst hineinschauen kann.

11. Ist die Seele mit dieser Arbeit durch die Willenshilfe der Geister fertig, so werden ihr wieder neue Spezifika zugeführt; aus denen werden dann schon allerlei Dinge des menschlichen Leibes geordnet. Es braucht hier nicht des Machens oder Schaffens; die Sache macht sich von selbst, wenn ihr nur der Weg in die Ordnung angezeigt ist. Und so wird hier Fleisch, Knorpel, Muskeln, Sehnadern und Knochen gestaltet, und es ergreift sich von selbst, was zu einem und demselben gehört; nur würde die Richtung verfehlt sein, und dadurch auch die Form, wenn die Geister den Intelligenzspezifiken durch ihre weise Willenskraft nicht den rechten Weg vorzeichneten, was sogar manchmal geschehen kann, wenn sich die Mutter, die so ein Kind in sich trägt, manchmal in ihrem Gemüte in die Hölle begibt, wo dann freilich Meine guten Geister und Engel nicht volle werktätige Gesellschaft leisten können. Die Folge solchen Übels ist gewöhnlich eine Mißgeburt oder manchmal gar ein Einschiebling aus der Hölle, welchen das sogenannte gemeine Volk einen „Wechselbalg“ nennt, – daher es jeder Mutter zu empfehlen wäre, sich während der Schwangerschaft so christlich tugendhaft als möglich zu betragen.

T2.51. Die Entwicklung der menschlichen Leibesfrucht.

18. März 1847

1. Wenn die Seele obbeschriebene Knorpeln, Muskeln, Knochen und Sehnadern ausgebildet hat, so wird von ihr weitere Sorge dahin getragen, die äußersten Extremitäten durch richtige und ordnungsmäßige Verwendung der dazu gehörigen Spezifika zur völligen Vollendung zu bringen.

2. Wenn auch das getan ist, dann zieht sich die Seele in die Eingeweide zurück und beginnt die Muskeln des Herzens in Bewegung zu setzen, durch welche Bewegung zuerst durch eigene, wasserklare Säfte die Organe geöffnet und gewisserart durchstoßen werden.

3. Ist dieser Durchstoß geschehen, dann setzt die Seele alsbald die Milz in Tätigkeit; dadurch wird sogleich das Blut erzeugt und in die Herzkammern geführt, von denen aus es dann auch alsbald in die durchstoßenen Organe getrieben wird.

4. Hat das Blut einmal den ersten Kreislauf gemacht, so wird der Magen in Tätigkeit gesetzt und beginnt sogleich die in ihm liegenden Nährsäfte in eine größere Gärung zu bringen, wodurch dann schon die edleren, mehr substanziellen Spezifika ausgesondert, die gröberen, unverdaulichen, schleimigeren Flüssigkeiten aber hinausgestoßen werden durch den natürlichen Entleerungskanal, wodurch dann auch die Flüssigkeit in der Mutterblase herkommt, welche gewisserart nichts anderes ist als der Unrat des nun schon im Mutterleibe leiblich lebenden Kindes.

5. Wenn diese Frucht im Mutterleibe dem Leibe nach lebend bei drei Monate zugebracht hat, so wird der ruhig gewordenen Seele, deren seelisches Herz eine gewisse Solidität erreicht hat, durch einen Engelsgeist ein ewiger Geist in eben das Herz der Seele unter siebenfacher Umhülsung eingelegt; natürlich muß sich hier niemand eine materielle Umhülsung denken, sondern eine geistige, welche viel kräftiger und haltbarer ist als eine materielle, – was sich auch schon aus vielen Dingen auf der Welt ersehen läßt, wo es ein leichteres ist, einen materiellen Kerker zu durchbrechen, als einen geistigen.

6. Nehmet nur einmal einen dürftigen und dann einen überaus reichen Menschen! Stellt den dürftigen Menschen zu einer dicken Mauer hin und sagt ihm, daß er diese Mauer durchbreche, – und er wird ein Brecheisen und einen starken Hammer nehmen und wird damit Meister der starken Mauer. Wenn er aber zu dem reichen, hartherzigen Menschen kommt, da wird er weder mit Brecheisen noch mit dem Hammer und noch weniger durch Bitten das Herz des Reichen bemeistern; denn dieses ist mit geistigen Banden umschlossen, die keine irdische Macht zu durchbrechen vermag. Das vermag allein nur der Geist aller Geister!

7. Nach der Einlegung des Geistes in das Herz der Seele, welche Handlung bei einigen Kindern früher, bei anderen später geschieht, bei vielen drei Tage vor der Geburt, wird der Leib schneller ausgereift, und die Geburt wird vor sich gehen.

8. In dieser Zeit soll eine Mutter sich überaus von allen Reizungen und Begierden enthalten; denn diese Begierden und Reizungen stammen meistens von der Hölle ab, und wo immer sich die Mutter in einem solchen Reizzustande berührt, da erregt sich als entgegengesetzter Pol der in die Seele gelegte Geist und zeichnet die Seele durch Entsprechung an der erregten Stelle. Diese Zeichnung der Seele aber reproduziert sich dann auch auf dem Leibe; daher haben auch die sogenannten Muttermale der Kinder ihren Ursprung.

9. Daß ein solches Zeichen nur eine örtliche, kleine Stelle einnimmt und nicht anfänglich die ganze Seele und nachträglich den ganzen Leib, das bewirken die Geister; denn würde das nicht der Fall sein, so könnte durch eine solche unvorsichtige Berührung und darauf erfolgte gänzliche Brandmarkung der Hölle eine ganze Verderbung der Seele und mit derselben der Tod des Leibes erfolgen, und das wäre eben, was die Hölle bezwecken möchte.

10. Daher sollte sich auch jedermann vor solchen Menschen, die viele und ansehnliche obbeschriebene Muttermale am Leibe tragen, ein wenig in acht nehmen; denn nicht selten werden die höllischen Spezifika in einem solchen Wesen mehr oder weniger wach, – und wenn sie wach sind, dann ist dasjenige Individuum, das mehrere solche und ansehnlich große Zeichnungen am Leibe trägt, nicht selten böse in einer oder der anderen Sphäre. Entweder glauben solche Menschen nichts, oder sie sind der Unzucht oder bösem Leumunde ergeben, und es kann in einer Hinsicht auch hier die Warnung gelten: „Nehmet euch in acht vor den Gezeichneten!“ Denn die Hölle zeichnet alles, was sie gibt, damit es ihr nicht abgenommen werden könnte und sie das Ihrige wieder nach abgelaufener Frist wohl erkennend rechtwähnig zurückfordern möchte.

11. Es geht da fast so zu wie auf der Welt. Die himmlischen Menschen geben auch von ihrer Habe ihren Brüdern und Schwestern ohne Schuldschein und Siegel; denn sie geben es, um es nicht wieder zu nehmen, – und da gibt es nie einen Prozeß.

12. Die Weltmenschen geben zwar auch, aber niemals ohne Schuldschein und Siegel, auf daß sie es nach abgelaufener Frist wieder nehmen können; und können die Schuldner es ihnen nicht wieder zurückbezahlen, so gibt es Klage und Prozeß, – und das ist höllisch, denn die Hölle klagt und prozessiert ewig.

13. Jedoch müßt ihr diese Muttermalzeichnung nicht so genau nehmen; denn wenn diese Male nur wenige und sehr klein sind, so haben sie entweder nur sehr wenig und zumeist auch gar keinen Bezug auf obige Beleuchtung. Wie es schon oben gezeigt wurde, so verhindern die schützenden und werkführenden Geister die Hölle an solch argem Tun und Treiben; und wenn auch ein Kind da während des Kampfes der guten Geister mit den bösen einige Zeichen bekommt, so sind aber das dennoch nur Zeichen, die keine Folgen in sich tragen, weil die höllischen Spezifika von ihnen weggeschafft sind.

14. Es könnte hier freilich ein Psychologe fragen und sagen:

15. „Wie kann aber der Herr, so Er einer ist, samt Seinem zahllosen Engelgeisterheere, das mit aller Macht und Weisheit ausgerüstet ist, zulassen, daß die scheußliche Hölle solches verübe an der unschuldigsten Frucht im Mutterleibe? Das ist ja höchst unweise und klingt sehr stark nach einer Ohnmacht!“

16. Da aber sage Ich: Jedem das Seinige! Lasset das Unkraut mit dem Weizen wuchern bis zur Zeit der Ernte; dann wird man alles Höllische von dem Himmlischen höchst genau sondern, das Himmlische zuführen dem Himmel und das Höllische wieder der Hölle. Und darob wird keine Seele verlorengehen, und ob sie schon tausend höllische Marken in sich trüge; denn diese werden ihr genommen und der Hölle zugewiesen werden. Alles aber wird davon abhängen, daß die Seele sich durch die Demut über die Befreiung ihres Geistes hergemacht hat. Hat sie diesen frei gemacht, dann wird auch sie frei von allem durch ihn; hat sie aber das nicht, so wird sie selbst gefangen bleiben so lange, bis der Geist seine siebenfache Umhüllung verloren hat und darnach eins geworden ist mit der Seele.

17. Wenn das Kind vom Mutterleibe ausgeboren wird, so wird die Lunge in die Tätigkeit gesetzt, und das Kind fängt dann an, aus der Luft durch jeden Atemzug eine zahllose Menge Spezifika in sich aufzunehmen, welche sofort zur Bildung des Nervengeistes und zur Kräftigung der Seele verwendet werden, d. h. was ihr substanziell-formelles Wesen betrifft. Was aber ihre innere Spezifikal- und Intelligenzialnahrung betrifft, das bekommt sie durch die Sinne des Leibes, und das alles geordnet von den guten Geistern in dieser Sphäre.

18. Mit dieser nunmaligen Aufklärung habt ihr die geistige Sphäre der ersten Region, was darinnen ist und geschieht, so klar als für euch möglich, enthüllt bekommen.

19. Eine größere und gründlichere Enthüllung dieser Sache läßt sich aus dem Grunde nicht denken, weil das Geistige durch irdische Worte nimmer in der Klarheit gegeben werden kann, als es in sich selbst ist; wer aber ein rechtes Gefühl besitzt und mit demselben hören, schauen, tasten und fühlen kann, der wird mit großer Leichtigkeit darinnen die gründliche Überzeugung dessen unwidersprechlich in größter Klarheit finden, was hier gesagt wurde.

20. Somit aber wären wir auch mit dieser ersten Region fertig, und werden uns fürs nächste noch ganz kurz in das Innere der Erde begeben und damit diese Mitteilung schließen.

T2.52. Seele und Geist im Menschen.

20. März 1847

1. Was die natürliche Erde betrifft, das haben wir in dem natürlichen Teile dieser Mitteilung so genau als möglich abgehandelt; daß aber diese scheinbar natürliche Erde nichts weniger als natürlich, d. h. materiell ist, werden wir eben durch die gegenwärtige weitere Enthüllung noch genauer erkennen, als wir es bisher erkannt haben.

2. Um aber in dieser Sache zu einer gründlichen Kenntnis zu gelangen, müssen wir das wohl recht fundamentalisch verstehen, was so ganz eigentlich Seele und Geist ist.

3. Es ist zwar dieser Unterschied schon gezeigt worden, und für sehr lichte Gemüter wäre das bereits Gesagte hinlänglich, um das Wesen des Geistes und der Seele voneinander gehörig zu sondern; aber für euch, die ihr in dem Fache des inneren Lebens noch nicht die richtige Beschaulichkeit habt, muß die Sache schon noch etwas klarer abgefaßt werden, damit ihr dadurch zu einer richtigen Beschaulichkeit gelangen könnet.

4. Die Seele ist das Aufnahmeorgan für alle endlos vielen Ideen des Urgrundes, aus dem sie wie ein Hauch hervorgegangen ist. Sie ist der Träger der Formen, der Verhältnisse und der Handlungsweisen. Alle diese Ideen, Formen, Verhältnisse und Handlungsweisen sind in ihr in kleinsten Umhüllungen niedergelegt.

5. Ein gerechtes Maß von allem dem in ein Wesen zusammengefaßt bildet eine vollkommene Menschenseele. Weil die Seele aber eben ein Kompendium von einer zahllosen Menge verschiedenartiger substanzieller Intelligenzpartikeln ist, so kann sie als ein Zusammengesetztes auch wieder getrennt werden in ihren Teilen, gleichsam wie die Luft, die zwar auch ein Kontinuum bildet und darstellt, aber dennoch einer unendlichen Trennung fähig ist.

6. Daß die Luft in größeren, kleineren und kleinsten Partien voneinander abgesondert werden kann, das beweist euch der nächste beste Schaum, der aus nichts als aus lauter Luftbläschen besteht, die durch die Bewegung einer etwas zähen Flüssigkeit entstanden sind. Wenn die Bläschen vergehen, so ist die darin verschlossene Luft gleich wieder eins mit der ganzen Masse; solange aber die Bläschen bleiben, schließen sie einen Teil Luft in sich und sondern diese durch die durchsichtige Wand von der äußeren Luft – wie ihr zu sagen pflegt – hermetisch geschlossen ab.

7. So ist auch das ganze Universum, ja die ganze Unendlichkeit erfüllt mit den Ideen der Gottheit, und dieselben, die die ganze Unendlichkeit ausfüllen, sind auch in einer Monade alle anzutreffen, aber natürlich in dem möglichst verjüngtesten Maßstabe, gleichwie die Luft im kleinsten Seifenbläschen alle dieselben Teile in sich faßt, welche in der allgemeinen Luft anzutreffen sind. – Das wäre sonach die Seele.

8. „Ja, was ist denn hernach der Geist?“ wird mancher Psychologe fragen. –

9. Der Geist ist in sich zwar keine Form, aber er ist eben dasjenige Wesen, das die Formen schafft; und erst, wenn die Formen geschaffen sind, kann er in eben diesen geschaffenen Formen selbst als Form wirkend auftreten, – was ebensoviel sagen will als:

10. Jede Kraft, wenn sie sich als solche beurkunden soll, muß sich eine Gegenkraft stellen; erst zufolge dieses geschaffenen Stützpunktes kann die Kraft ihre Wirkungen äußern und zur Erscheinlichkeit bringen.

11. Der Geist ist demnach gleich dem Lichte, welches in sich selbst zwar ewig Licht bleibt, aber als Licht so lange nicht bemerkbar auftreten kann, solange es keine Gegenstände gibt, die es erleuchtete.

12. Das Licht geht, wie ihr z.B. auch schon bei der Sonne seht, fortwährend gleichmäßig von ihr aus; aber ohne Gegenstand kann kein Auge sein Dasein merken. Eine mondlose Nacht hat ebensoviel von der Sonne ausgehendes Licht als eine mondhelle; aber im ersten Falle hat das Licht keinen Gegenstand droben im hohen Äther, und darum merkt es niemand, daß es vorhanden ist. Steht aber der Mond als ein tüchtiger Körper zur Nachtzeit im hohen Äther, da wird das ausgehende Sonnenlicht gleich sehr gewaltig wahrgenommen, und jedermann, der nur einigermaßen mit der Sternkunde vertraut ist, wird es leicht merken, wie und woher der Mond von der Sonne beschienen wird.

13. Die geistige Wirkung des Lichtes möget ihr sehr leicht in der Natur schon merken. Es liegt zwar in der Erde und in der Luft alles vorhanden, alle Formen des Seins und Werdens liegen in der scheinbaren Materie bewegungs- und regungslos beisammen, und es rührt sich nichts in ihnen; aber wenn das Licht kommt, da bekommen die wie tot beisammenliegenden Formen Leben, ergreifen sich und werden zu neuen Formen. Vergleicht nur den Winter und den Sommer miteinander, und des Lichts geistiges Wirken kann euch nicht entgehen!

14. Nun wisset ihr auch, was so ganz eigentlich der Geist ist: er ist das Licht, welches aus seiner eigenen Wärme sich von Ewigkeiten zu Ewigkeiten erzeugt, und ist gleich der Wärme die Liebe und gleich dem Lichte die Weisheit.

15. So ein Mensch auch eine noch so vollkommene Seele hat, hat aber wenig oder gar kein Licht, so wird er in seiner Seele und auch in seinem Leibe wenig oder gar keine Tätigkeit besitzen. Kommt aber in diese Seele Licht, so wird sie tätig nach dem Maße des Lichts in ihr.

16. Die Seele z.B. eines Kretins ist in sich ebenso vollkommen als die eines Doktors der Philosophie; aber der Leib dieser Seele ist zu plump und schwer und läßt nur äußerst wenig oder gar kein Licht in die Seele, – oder der Lichtfunke, der in die Seele gelegt ist, kann nicht auflodern, weil er zu sehr gedrückt wird von der plumpen Fleischmasse. Die Seele eines Philosophen aber läßt viel Licht durch; die Fleischmasse ist durch das viele Lernen lockerer geworden und drückt nicht so sehr die geistige Flamme auf einen Punkt zusammen.

17. Aus diesem Grunde wird man im ersten Falle entweder gar keine oder nur sehr wenig Tätigkeit finden; im zweiten Falle aber wird das erleuchtete Individuum vor lauter Tätigkeit fast keine Rast und Ruhe haben.

18. Es ist hier freilich noch nicht von der Weisheit die Rede, wo in der Seele alles licht wird, sondern es ist hier nur die Rede von wenig oder gar keinem Lichte und von mehr und viel Licht, daraus sich auch schon ganz klar ersehen läßt, daß ohne Geist oder Licht alles tot und keiner weiteren Entwicklung und Vervollkommnung fähig ist, während im Lichte alles lebendig tätig sich ausbildend und vervollkommnend wird.

19. Licht hat für sich sicher ebenfalls keine Form; aber es schafft die Formen und wirkt dann selbst als Form in den Formen. Die Formen können getrennt oder zusammengebunden und neue Formen zahllosartig gestaltet werden; das Licht aber kann nicht getrennt werden, sondern es durchdringt alles ohne Unterbrechung, was fürs Licht aufnahmefähig ist; was aber fürs Licht nicht aufnahmefähig ist, das bleibt in sich finster und tot, – denn ein lichtloser Zustand der Seele ist ihr Tod.

20. Es versteht sich nämlich von selbst, daß hier von dem ewigen, gleichen Lichte die Rede ist, welches allein das Leben bedingt, und nicht von einem Schuß-, Blitz-, also Zornlichte, welches nur auf Augenblicke eine zweifelhafte Erleuchtung gibt; wann es aber aufhört, dann wird es zehnfach finsterer denn vorher. Ein solches Licht ist gleich dem höllischen Lichte. Da gibt es auch solche Aufloderungen; aber nach jeder gibt es allezeit eine zehnfach größere Finsternis.

21. Da wir nun den Unterschied zwischen Seele und Geist hoffentlich klar genug gesehen haben werden, so können wir dann auch leicht fassen, daß die Erde in ihrer Feste nichts als die gefangene Seele Satans ist, während dessen Geist in neue, undurchdringliche Bande gefesselt in ihr haftet.

22. Nächstens wollen wir diese Sache näher beleuchten.

T2.53. Die Seele Satanas.

23. März 1847

1. Wir haben schon letzthin berührt, daß eine Seele, indem sie aus zahllosen substanziellen Intelligenzpartikeln besteht oder, noch deutlicher zu sprechen, aus zahllosen Miniaturbegriffsbildern, ebenfalls wieder geteilt werden kann, entweder zu einer gänzlichen Auflösung oder in gewisse Kompendien, die je nach der verschiedenen Zahl und Art der in ihnen zusammengefaßten einzelnen substanziellen Intelligenzpartikeln verschiedene entsprechende Gestaltungen und Formen abgeben können.

2. Beispiele davon existieren auf der Erdoberfläche und in der Erde selbst eine zahllose Menge. Seht nur die verschiedenen Metallgattungen und die verschiedenen Pflanzen und Tiere an, da habt ihr sogleich plastische Beispiele in Menge, zu welch seltenen Formen seelische Kompendien sich ausgestalten können.

3. Es sind das freilich wohl materielle Typen; allein sie sind eben materielle Außenbilder oder Typen der inneren Seelenformen. Denn die äußere Form kann keine andere sein als eine solche nur, die in plastischer Hinsicht ganz der inneren entspricht, – oder: wie die innere Kraft, so die äußere Wirkung.

4. Eine solche Seelenteilung geschah auch bei der Erschaffung des ersten Menschenpaares, da aus einer Seele zwei wurden. Denn es heißt nicht, daß der Schöpfer auch der Eva einen lebendigen Odem in ihre Nüstern blies, sondern die Eva ging samt Leib und Seele aus dem Adam hervor; und in diese zweite Seele wurde auch ein unsterblicher Geist gelegt, und so wurden aus einem Menschen und aus einer Seele zwei und waren dennoch ein Fleisch und eine Seele. Eine solche Seelenteilung kann man auch an den Kindern der Eltern gar leicht erkennen; denn daß die Seele der Kinder auch zum Teil aus der Seele der Eltern genommen ist, beweist die physiognomische Ähnlichkeit der Kinder mit den Eltern. Was darin fremdartig ist, das bleibt fremdartig und physiognomisch unähnlich den Zeugern; was aber aus den Zeugern ist, das spricht sich ebenbildlich durch das Ebenbildliche mit den Zeugern sympathetisch aus, und die Eltern erkennen daran ihre Kinder. – Aus diesen angeführten Beispielen läßt sich die Teilbarkeit der Seele leicht erkennen und begreifen.

5. Noch auffallender aber stellt sich diese Teilbarkeit in der geistigen Welt durch zahllose allerseltenste Erscheinlichkeiten dar. Eine Seele, die durch einen solchen Lebenswandel die irdische Zeit durchlebt hat, der nicht in den strahlenden Paragraphen des Lebensbuches geschrieben ist, oder welcher Lebenswandel nicht nach dem Evangelium in allen Teilen genügend durchgeschult ist, erscheint in der geistigen Welt notwendig unter den mannigfachsten Gestaltungen, welche sich bis zu den scheußlichsten Tiergestalten zurückerstrecken. Der Grund davon ist, weil die Seele durch das irdische Leben eine Portion zu ihrer Vollgestaltung nötiger Spezifika vergeudet hat. Diese sind nach der Abscheidung der Seele vom Leibe nicht mehr da, daher die Gestalt der Seele außerhalb des Leibes nur eine höchst unvollkommene sein muß, – so wie auch einige und gar viele Seelen sich auf ein oder das andere sinnliche Wesen zu sehr hinneigen und dadurch ein zu großes Übermaß der für ihr Wesen nicht mehr tauglichen und nötigen Spezifika erlangen. Solche Seelen bekommen dann in der geistigen Welt, sobald sie außer dem Leibe sind, eine Menge der seltensten und zumeist grausigsten Auswüchse. Stützköpfe z.B., weil das noch eine tierische Eigenschaft ist, bekommen nach dem Maße ihrer Stützigkeit Geweihe oder Hörner; Unzüchtige, die nur mit den weiblichen Genitalien sich beschäftigen, strotzen oft am ganzen Wesen von lauter weiblichen Genitalien, so auch umgekehrt das weibliche Geschlecht von den membris virilibus.

6. Je nachdem hier irgend ein Mensch vorzugsweise eine sinnliche Neigung hat, eben nach dem wird sich diese ausprägen in der Seele, und dies ob des Übermaßes solcher substanzieller Intelligenzspezifika, die nach der Regel des Lebensbuches und nach dessen festgestellter Ordnung nicht mehr zur rein menschlichen Form der Seele gehören.

7. Bei manchen Menschen sind ähnliche Abnormitäten der Seele schon im noch irdischen Leibe ersichtlich, was freilich nicht immer der Fall ist, weil der Leib nicht so leicht fremde Spezifika so empfindlich aufnimmt wie die Seele; nur wenn die Seele schon zu frühzeitig oder manchmal auch zufolge der elterlichen Sünden untaugliche Spezifika aufgenommen hat, so werden sie auch, wenn der Leib noch aufnahmefähiger ist, auf denselben wohlmerklich übertragen.

8. Aus dieser bisherigen Darstellung wird hoffentlich überaus klar dargetan sein, daß die Seele nicht nur materiell ersichtlich gefestet, sondern sowohl als gefestete und auch schon als freie Seele geteilt werden kann.

9. Wir sagten aber oben, daß die ganze gefestete Erde eine Seele des Satans ist; ja, nicht nur die Erde allein, sondern auch alle anderen zahllosen übrigen Weltkörper sind gestaltet aus dieser einen Seele, welche eben in diesen Weltkörpern schon in zahllose Kompendien geteilt wurde.

10. Der Geist aber ist nicht teilbar; sondern wo er als eine Einheit in eine große oder kleine Seele gelegt wurde, da bleibt er auch als eine Einheit. War einst die Seele des Luzifer auch noch so groß, so konnte in ihr aber doch nicht mehr als ein Geist wohnen; und dieser eine, durch sich selbst gefallene Geist kann nicht in all den zahllos geteilten Kompendien seiner einstigen konkreten Urseele wohnhaft sein. Seine Wohnung ist lediglich auf diese von euch bewohnte Erde beschränkt. Alle anderen Weltkörper, obschon Teile dieser einstigen Seele, sind von dieser Einwohnerschaft frei; daher können aber auch die Menschen jener Weltkörper, obschon in ihrer Natur gewöhnlich besser als hier auf der Erde, dennoch nie zu jener vollkommen gottähnlichen Höhe gelangen wie die Kinder aus dieser Erde, welche zwar das im Geiste von Gott Allerentfernteste und das Allerletzte ist, aber eben darum im Besserungsfalle das Allerhöchste und Allergottähnlichste werden kann.

11. Und aus eben diesem Grunde wählte auch Ich als der Herr diese Erde zum Schauplatze Meiner höchsten Erbarmungen und schuf auf ihrem Boden alle Himmel neu.

12. Jeder Mensch, der hier geboren wird, bekommt einen Geist aus Mir und kann unbestreitbar nach der vorgeschriebenen Ordnung die vollkommene Kindschaft Gottes erhalten.

13. Auf den anderen Weltkörpern aber bekommen die Menschen Geister aus den Engeln. Denn ein jeder Engel ist ein Kind Gottes und mußte auf dieser Erde, so wie Ich Selbst und wie jeder Erzengel, den Weg des Fleisches durchgemacht haben, aus welchem Grunde er dann auch die schöpferische Kraft in sich hat, die er aus dem Überflusse seiner Liebe und seines Lichtes nehmen, sie in die neu werdenden Menschen anderer Planeten legen und sich auf diese Weise wie ein Gott Kinder seines Namens ziehen kann. Diese Kinder sind demnach nur Afterkinder, aber nicht wirkliche Kinder aus Gott, können aber wohl auch auf dem Wege einer Wiederfleischwerdung auf dieser Erde zur Kindschaft Gottes gelangen.

14. Sehet, das ist einerseits für die Menschen dieser Erde zwar ein Nachteil, weil sie so nahe dem Bösesten aller Geister wohnen, der ihnen viel zu schaffen macht; aber auf der anderen Seite haben sie auch den unendlichen Vorteil, daß sie fürs erste einen kräftigen Geist aus Gott haben, mit dem sie leicht, wenn sie nur wollen, die Bosheit des Bösesten bekämpfen können, um dadurch fürs zweite vollkommene Kinder Gottes zu werden.

15. Es dürfte hier freilich jemand den schwachen Einwurf machen: Woher sind denn Geister für andere Planetarmenschen genommen worden zur Zeit, als die Erde noch keinen Menschen trug, wo doch vorausgesetzt werden könnte, daß andere, viel ältere, besonders Sonnenweltkörper, sicher schon um einige Billionen Jahre früher als die Erde menschliche Wesen trugen? – Diesem schwachen Einwurfe kann man auch nur schwach entgegnen: Jene viel älteren Weltkörper entstammen fürs erste, wie schon oben bemerkt, einer und derselben Seele; dann: je größer die Pflanze, desto längere Zeit braucht es, bis sie Frucht bringt.

16. Legt ein Weizenkorn und eine Eichelnuß in die Erde und fragt euch dann selbst, welcher Same hier früher die Frucht bringen wird! Das Weizenkorn wird in einigen Monaten sein Gleiches hervorbringen; bei der Eiche werden viele Jahre dazu erforderlich sein. Infusionstierchen können in einer Minute einige hundert Generationen erleben; der Elefant braucht über zwei Jahre, bis er ein Junges zur Welt bringt, und bis er zeugungs- und empfängnisfähig wird, dürften wohl einige 20 Jahre erforderlich sein. Stellt dann den Unterschied zwischen dem Infusionstierchen und zwischen dem Elefanten fest; wieviel Generationen der Infusorien dürfte wohl eine Elefantengeneration zählen?

17. Ich meine, dieses Beispiel ist handgreiflich genug, daß ihr durch selbes einsehet, daß, obschon allenfalls eine Ursonne um mehrere Dezillionen von Erdjahren älter ist als die Erde, welche doch auch schon einige Quintillionen von Jahren alt ist, sie aber dennoch, da sie viel größer ist als die Erde, in eben dem Maße auch viel später ihre Aussaat zur Reife bringt; und für diesen Fall ist schon von Mir ganz wohlberechnet vorgesehen worden, daß die Früchte aller Weltkörper bis dahin die Ausreifung bekommen können und bekommen müssen, bis der Zentralpunkt der geistigen Schöpfung so weit gediehen ist, seine geistige Lebensüberschwenglichkeit den Früchten anderer Weltkörper einpflanzen zu können.

18. Es ist wahr, daß z.B. namentlich auf der euch bekannten Urzentralsonne Urka menschliche Wesen eher existiert haben, als die Erde noch aus ihrer Sonne getrennt ward; aber diese Menschenwesen haben auch eine andere Lebenszeit als die Menschen dieser Erde. Denn wenn ein solcher Urkamensch nur zehn Urkajahre alt ist, so ist er schon älter als diese ganze Erde, woraus aber sehr leicht zu erkennen ist, daß die Erstgeborenen dieses Weltkörpers noch ganz wohlerhalten bis zu dieser Stunde leben können, und noch einige, die jetzt geboren werden, so lange leben werden, als diese Erde stehen wird. Hieraus kann dann ebenfalls leicht eingesehen werden, daß es da mit der Zeit ein leichtes hat, in welcher alle Engel samt Mir den Weg des Fleisches durchgemacht haben und nun schon lange als Meine Kinder aus dem großen Überflusse ihres Lebens nehmen und einpflanzen können in solche Kinder anderer Weltkörper.

19. Aus allem ist nun für jedermann, der Geist und Licht hat, ersichtlich, daß fürs erste die Seele teilbar ist, und somit ganz besonders die Urseele des erstgeschaffenen Urgeistes; und fürs zweite haben wir auch eingesehen, daß eben diese Erde jener Teil aus jener Urseele ist, der noch allein von dem urgeschaffenen Geiste bewohnt wird.

20. Nächstens wollen wir daher, da wir nun dieses wissen, über die eigentliche Art der seelischen Teilung uns hermachen und sehen, wie aus dieser einen Seele nun fortwährend eine zahllose Menge neuer Seelen genommen wird.

T2.54. Das Gesetz der Seelenteilung.

24. März 1847

1. Es ist euch schon zum Teile gezeigt worden, und zwar in der Darstellung des Mineral- und Pflanzenreiches, wie da fortwährend eine zahllose Menge tellurischer Spezifika aufsteigt, die sich ergreifen und verbinden und sich ordnen nach dem dazwischenkommenden Willen der Geister, welche dies Geschäft zu besorgen haben, und daß gewisserart alles Seele ist, was immer nur auf der Erde in die Erscheinlichkeit tritt. Dieses brauchen wir demnach nicht mehr zu wiederholen; aber etwas Selteneres und überaus Denkwürdiges kommt hier als ein heller Zuwachs.

2. Diese Teilung ist, was euch sicher etwas rätselhaft klingen wird – also geordnet nach einem geheimen Gesetze, das man gewisserart göttliche Politik nennen könnte, vermöge welcher der Satan selbst zum ersten Handlanger dieser Teilung genötigt wird.

3. Er will seine Seele durch seine Kraft frei machen und ihr wieder die vorige Ausdehnung geben; daher erbrennt er fortwährend im Innern seiner zusammengedrückten tellurisch-spezifischen Totalseele. Durch dieses fortwährende Aufbrennen will er die scheinbare Materie ganz zur subtilen Substanz machen. Diese seine Bemühung wird unter ordnungsmäßiger Beschränkung fortwährend zugelassen, und zu diesem Behufe ist auch der Organismus des Erdwesens also gestellt und geordnet, daß der böse Geist in solcher seiner Beharrlichkeit fortwährend gleich tätig bleiben muß.

4. Er ist auch wirklich in diesem Wahne, daß er durch solche seine Tätigkeit schon beinahe seine ganze gefangene Seele frei gemacht hat; darum treibt er fortwährend die psychischen Spezifika aus dem Innern der Erde heraus. Daß aber diese Spezifika dann hier von den mächtigeren Geistern aufgefangen und zu neuen, vollkommenen Menschengestalten eingeordnet werden, von dem weiß er wenig oder nichts.

5. Aber eben diese Spezifika, die von dorther kommen, sind natürlich ganz höllischer Art und sind grundböse; daher sie durch eine übergroße Wesenstufenreihe aufsteigen und durchgären müssen, bevor sie zur Konsistierung eines Menschen tauglich sind.

6. Das Höllische dieser Spezifika zeigt sich an den vielen Wesen ganz klar, die dem Menschen vorangehen. Betrachtet das giftige Wesen fast sämtlicher Metalle, das Gift in den Pflanzen, dann das Gift in den Tieren, die große Wut derselben, besonders bei den reißenden Tieren, und die gräßliche Verschmitztheit und Tücke des giftigen Gewürms, – und es wird euch das höllisch Böse in diesen Wesen nicht entgehen. Ja selbst bei den Menschen äußert sich dieses Böse, rein Höllische, oft noch in einem so hohen Grade, daß nicht selten zwischen manchem Menschen und zwischen dem Fürsten der Finsternis wenig oder gar kein Unterschied vorhanden ist.

7. Dieses rein höllisch Böse wird erst durch die Dazwischenkunft des mächtigsten Spezifikums, des Wortes Gottes, einer neuen Gärung ausgesetzt, in welcher erst dann das Höllische gesänftet und in Himmlisches verkehrt wird, – aber auch nicht mit einem Male.

8. Die Spezifika in der eigentlichen Seele des Menschen werden zwar für sich schon rein himmlisch, wenn sie von dem Geiste im Leibe durchdrungen worden sind, aber der Leib oder das Fleisch des Menschen ist in all seinen Teilen noch eitel böse, also noch immer höllisch; daher muß dieses Fleisch noch eine Menge demütigende Prüfungen erleiden, bis es erst nach und nach ein übereinstimmender Teil der schon früher reineren Psyche werden kann.

9. Aus diesem Grunde muß der Leib noch einmal sterben oder, besser gesagt, aufgelöst werden, muß in allen seinen Teilen in allerlei Gewürm übergehen, in diesen wieder sterben oder aufgelöst werden und geht nach dieser Auflösung in zahllose Infusorien über. Diese gehen wieder ins Pflanzenwesen über; die Pflanzen erst verwesen dann in allerlei Zuständen zum Teile in der Erde, zum Teile im Feuer, zum Teile in den Magen der Tiere, und das so lange fort, bis das letzte Atom frei aufgelöst wurde, wozu bei manchem Menschen mehrere hundert Jahre erforderlich sein werden, bei manchen eitlen, ihr Fleisch liebenden Toren wohl gar etliche tausend Jahre, bis ihres zurückgelassenen Leibes völlige Auflösung erfolgen wird. Es wird zwar von jedem Leibe die eigentliche, rein höllische Hefe für alle Zeiten unverweslich bleiben als das eigentlichste Grundangehör des Satans, damit demselben ein fortwährender Körper bleibe; aber was nur immer als ein Minutissimum seelischer Substanz an demselben klebt, wird davon genommen und der eigentlichen Seele des Menschen einverleibt werden. Und so wird nach und nach die ganze Seele des Satans auferstehen in vielen Menschen, davon ein jeder vollkommener sein wird denn der ganze frühere große Geist. Und damit eine jede Seele ein vollkommenes göttliches Ebenmaß bekomme, wird einer jeden Seele ein neuer Geist aus Gott eingepflanzt, und sie dadurch eine neue Kreatur werden. Und das ist die neue Schöpfung, die durch das Feuer der göttlichen Liebe ganz und gar umgestaltet wird; die alte Schöpfung aber wird zurücksinken in ihren Staub und in ihre stets größer werdende Ohnmacht und wird verhärten und zu einer Unterlage und zu einem Schemel der neuen werden.

T2.55. Rückführung und Erlösung Satanas.

26. März 1847

1. Wenn sich die Sache so verhält, da dürfte wohl mancher sagen: „Auf diese Weise sieht es mit der gewünschten Besserung des ersten gefallenen Geistes und seiner Helfershelfer sehr schmal aus. Denn wenn gewisserart der verworfenste Teil seiner Seele als Bodensatz und Schlacke aller Materie zurückbleiben wird, als ein Untergrund einer neuen Schöpfung, da wird innerhalb dieser Schlackenerde doch wohl auch der Geist gefangen bleiben; denn es verläßt ja nie ein Geist seine Seele, mag diese substanziell oder materiell sein.“

2. Ja wohl, sage Ich; mit der Besserung und Rückkehr dieses Geistes und seiner Helfershelfer wird es schier etwas schmal aussehen! Es ist wohl gerade noch ein Funke Möglichkeit vorhanden; aber dieser Funke ist so klein, daß er kaum mit einem Mikroskope, das wenigstens eine trillionenmalige Vergrößerung hätte, wahrgenommen werden möchte. Das wird sich erst nach einer Hauptprüfung dieses Geistes zeigen, und zwar nach einer derartigen, durch die dieser Geist in die klarste Erfahrung bringen wird, daß all sein Seelisches ihm genommen wurde und sich in die Herrlichkeit Gottes begeben hat. Da wird keine Sonne mehr sein und keine Erde irgend im weiten Schöpfungsraume; denn da werden alle sichtbaren Körper ihre Gefangenen schon völlig ausgeliefert haben, und da wird keine Materie irgend mehr zu finden sein – außer die geistige eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Die alte Erde aber wird zusammenschrumpfen wie ein Apfel, so er faul geworden ist und in seiner Fäulnis nach und nach eindorrte; und das aber wird auch alles sein, was von aller Materie übrigbleiben wird, nämlich die letzte Schlacke echt satanischer, psychisch allerbösester Intelligenzpartikel, welche der Geist des Satans nicht verlassen wird samt seinen Spießgesellen.

3. Wann aber dieses eintreffen wird, das zu bestimmen würde niemandem etwas nützen; denn auf dieser naturmäßigen Erde wird es wohl kein Mensch erleben, und in der geistigen Welt aber wird es jeden vollkommenen Geist spottwenig kümmern, was mit dem Unrate geschehen ist, – so wie es schon auf dieser Welt sicher unter einer Million von Menschen kaum einen geben wird, der sich ängstlich und trauernd um den Kot erkundigen würde, der vor dreißig Jahren seinem Leibe entfiel. Dieser Unrat wäre aber noch besser als der andere.

4. Das aber wird geschehen: daß dann dieser Geist mit seiner allerfestesten Schlackenumhüllung geworfen werden wird in alle Unendlichkeit, und sein Fall wird nimmer ein Ende finden.

5. Aber in aller Tiefe der Tiefen wird er fallen in das Zornmeer, in das er immer tiefer und tiefer dringen wird, und wird stets mehr und mehr Qual finden, je endlos tiefer er in das stets heftigere Zornmeer, das kein Ende hat, dringen wird.

6. Obschon aber dieses Zornmeer ist ein Feuer alles Feuers, so wird es aber dennoch diese Behausung nimmer auflösen, – und da wird es sein, wie es geschrieben ist:

7. „Alle Bosheit ist hinabgesunken in den ewigen Abgrund und wurde verschlungen auf ewig, und fürder wird nimmer eine Bosheit sein in allen Räumen der Unendlichkeit!“

8. Solange aber noch die Erde besteht, ist es jedem Geiste möglich, den Weg der Reue, Demut und der Besserung zu ergreifen, – somit auch dem ärgsten Geiste. Wenn aber die Zeit verrinnen wird, dann wird auch die Möglichkeit einer Zurückkehr auf ewige Zeiten verrammelt sein.

9. Es wird noch hübsch lange dauern, bis die Erde alle Gefangenen ausliefern wird; denn sie ist noch ein bedeutend großer Klumpen. Ja es werden noch einige Millionen der Erdjahre verfließen, wo die Erde ihre letzte Feuerprobe im Feuer der Sonne machen wird. Was da noch wird aufgelöst werden können, das wird zur Freiheit gelangen; was aber das Feuer der Sonne nicht wird auflösen können, was nicht flüssig wird in diesem Feuer, das wird Schlacke bleiben ewiglich, als ein Gefängnis des Allerärgsten, – und das wird sein der letzte und der ewige Tod.

10. Da wir aber jetzt schon so manches von dem in dieser Erde gefangenen bösesten Geiste gesprochen haben, so wird es für euch, wenn auch eben nicht so sehr nützlich, aber doch denkwürdig sein, zu erfahren, wo in diesem Erdkörper der eigentliche Aufenthaltsort des bösesten Geistes ist. Dieses euch zu sagen unterliegt keiner großen Schwierigkeit. Ich darf euch nur in den Mittelpunkt der Erde hineinführen, so habt ihr den Wohnplatz dieses Geistes schon. Es ist nicht etwa das Herz, noch ein anderes Eingeweidestück der Erde; denn diese Eingeweidestücke bestehen sowie alles andere aus Seelen, in welche jedoch zum Teile dieser bekanntgegebene böseste Geist einwirkt, zum Teile aber auch – und zwar stets im Übergewichte – die guten Geister, die eben das Wirken des Bösen dadurch beschränken.

11. Der Sitz dieses bösen Geistes ist der eigentliche festeste Mittelpunkt, auf den alles eindrückt, auf daß er sich nicht allzu gewaltig bewege und zerstöre all das Wesen der Erde; denn man dürfte ihm nur ein wenig Luft lassen, so wäre er in einem Augenblicke nicht nur mit dieser Erde, sondern mit der ganzen sichtbaren Schöpfung fertig. Es liegt nämlich in ihm eine ungeheure Kraft, welche nur durch die allerschwersten Bande, die allein Ich als der Herr schmieden kann, niedergehalten werden kann. Wenn er aber auch schon noch so sehr gebunden ist, so verabsäumt er aber dennoch nie, sein Erzböses in die aufsteigenden Spezifika zu hauchen, welcher Willenshauch noch mächtig genug ist, den Tod in alle Seelenspezifika einzupflanzen, welcher Tod sich an allen Kreaturen der Erde noch gar getreulich beurkundet; denn alles Organische ist zerstörbar, und alle Materie ist fähig, den Tod zu geben und die Zerstörung zu bewirken. Das alles rührt her von dem Willenshauche des Allerbösesten, dessen Bosheit oder Böses in sich so unbeschreiblich schrecklich ist, daß ihr euch davon nimmer einen nur geringsten Begriff zu machen imstande wäret; denn der kleinste Begriff von dem eigentlichen Bösen dieses Geistes wäre selbst schon dergestalt tödlich, daß ihn kein Mensch denken und leben könnte. Und würde Ich euch nur eine höchst kleine Beschreibung von dem eigentlichen Bösen dieses Geistes machen, so würde sie euch im ersten Augenblicke töten; denn alles, was ihr über diesen Geist schon gehört habt, sind nur allerleisteste und allerentfernteste Schattenbilder und sind von Meiner schützenden Gnade nach allen Seiten umhüllt und reichen hin, um dieses Wesen für euer Bedürfnis zu ahnen.

12. Eine nähere Bekanntschaft mit diesem Wesen wäre höchst verderblich. An der Unerbittlichkeit und an der schrecklichsten grausamen Bosheit seines Wesens könnt ihr euch schon an manchen Erscheinungen auf der Oberfläche dieser Erde ein freilich allerwinzigkleinstes Schattenbild nehmen. Betrachtet jene vehementen giftigen Gewächse der tropischen Länder! Wie schaudererregend ist ihre Wirkung, und niemand kann hinzu, solch ein Gewächs zu zerstören; denn wer sich nur auf etliche Stunden so einem Baume oder Gewächse nähert, fällt alsbald tot darnieder. Und doch hat so ein Gewächs nur ein unendlich kleinstes Spezifikum in sich, das aus der Nähe des Aufenthaltes dieses bösen Geistes heraufkommt zur Oberfläche und in die Ordnung eines solchen Baumes tritt. Bei dem Anblicke eines solchen Gewächses, das außer sich kein Leben duldet, kann sich schon jedermann einen Begriff machen – freilich nur in kleinster umhüllter Potenz –, wie des Satans eigentliches Böse aussieht.

13. Auch der Anblick eines Tigers ist in dieser Hinsicht belehrend. Dieses Tier hat ebenfalls nur ein Äonstel Spezifikum aus der psychisch-spezifischen Nähe des Aufenthaltsortes dieses allerbösesten Geistes in sich, und dieses Spezifikum genügt, dieses Tier zu dem grausamsten aller vierfüßigen Tiere zu machen; denn dieses Tier ist schlau, hat keine Furcht und schont nichts, was ihm unterkommt.

14. Desgleichen die Schlangen und die Nattern; wenn es sie hungert, dann greifen sie alles an, was ihnen unterkommt. Auch ein von der Höhe herabstürzender Stein verschont nichts; mit toter, blinder Wut zertrümmert er alles, was ihm im Wege steht.

15. Aus derlei Gegenständen läßt sich etwas Allergeringstes von der unerbittlichsten Grimmwut dieses allerbösesten Geistes erkennen.

16. Ich will euch ob der Schädlichkeit auch seinen Aufenthaltsort nicht näher beschreiben; es ist genug, daß ihr wisset, wo, wie und warum, – und wir wollen, anstatt eine nähere Bekanntschaft mit diesem Geiste zu machen, fürs nächste noch andere nützliche und wichtige Dinge in dieser Sphäre betrachten.

T2.56. Wesen und Namen Satanas.

27. März 1847

1. Ihr werdet schon öfter gehört und gelesen haben und hört und lest es noch, wie eben dieser böse Geist unter allerlei Namen vorkommt – und neben ihm noch eine Menge Gesellen gleichen Gelichters, die man „Teufel” nennt. Ich will bei dieser Gelegenheit eine genaue Erklärung geben, woher und warum der erzböse Geist alle die verschiedenen Namen bekommen hat, und wer so ganz eigentlich die Teufel sind.

2. „Satana“, „Satan“, „Leviathan“, „Beelzebub“, „Gog“, „Magog“, die „Schlange“, der „Drache“, das „Tier des Abgrundes“, „Luzifer“ und dergleichen noch einige Namen mehr sind es, welche ihn angehen und ihn verschiedenartig bezeichnen. „Luzifer“ oder „Lichtträger“ war sein ursprünglicher, eigenschaftlicher Name. „Satana“ war soviel als der Gegenpol gegen die Gottheit. Als Satana war dieser Geist von Gott aus wirklich also gestellt gegen die Gottheit, wie das Weib gestellt ist gegen den Mann. Die Gottheit hätte in sein Wesen ihre ewigen Ideen ohne Zahl hineingezeugt, daß sie reif geworden wären in seinem konzentrierten Lichte, und es wäre dadurch eine Wesenschöpfung aus dem Lichte dieses Geistes in höchster Klarheit hervorgegangen, und die ganze Unendlichkeit wäre fort und fort aus eben diesem Lichte stets mehr und mehr bevölkert worden; denn im unendlichen Raume hätte auch Unendliches Platz, und Ewigkeiten würden nie diesen Raum so erfüllen können, daß in ihm irgend einmal ein Wesengedränge werden könnte.

3. Aber wie ihr wisset: da dieser Geist eine so endlos große Bestimmung hatte, ein zweiter Gott neben Mir zu sein, so mußte er auch eine seiner Bestimmung entsprechende Freiheitsprobe bestehen, welche er aber eben auch, wie ihr wisset, nicht bestanden hat, weil er sich über die Gottheit erheben und diese sich unterwürfig machen wollte.

4. Ein Rangstreit also war das erste, was eben dieser Geist gegen die Gottheit verbrochen hatte. Da er aber die Gottheit nicht dahin stimmen konnte, ihm den Vorrang zu erteilen und sich ihm selbst vollends unterwürfig zu machen, so erbrannte er in seinem Grimme und wollte die Gottheit förmlich vernichten, zu welcher Tat es ihm an der Kraft wirklich nicht gemangelt hätte, wenn die Gottheit nach ihrer ewigen Weisheit nicht zeitgerecht diesen Meuterer in all seinen Teilen hart gefangen hätte. Es klingt freilich etwas rätselhaft, daß in diesem Geiste eine solche Kraft solle vorhanden gewesen sein, um der ewigen Gottheit dahin zu trotzen, daß diese seiner Kraft endlich nachgeben, sich endlich völlig gefangennehmen lassen und dadurch für alle Ewigkeiten untüchtig werden müßte, was so gut wäre als: vernichtet sein; aber die Sache wird begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Gottheit in eben diesen Geist sozusagen ein vollkommenes zweites Ich hineingestellt hat, welches, wennschon gewisserart zeitgemäß geschaffen, aber dennoch in allen Räumen der Unendlichkeit gleich kräftig der Gottheit gegenübergestellt ward.

5. Dieser Geist, in dem die Gottheit selbst ihr Licht konzentriert hatte, war durch die ganze Unendlichkeit gleich der Gottheit ausgebreitet, daher es ihm auch wohl möglich gewesen wäre, vice versa die Gottheit allenthalben zu ergreifen und untüchtig zu machen; allein in diesem Gedanken der Selbstsucht erwachte in ihm die große Eitelkeit und das Selbstwohlgefallen an seinem Lichte und an seiner endlosen Erhabenheit und Kraft. In dieser Selbstsucht und in diesem Wohlgefallen an sich selbst vergaß er der alten, ewigen Gottheit, entbrannte in seiner Eitelkeit und festete sich selbst. Da ergriff die Gottheit in allen Teilen sein Wesen, nahm ihm alle spezifische Wesenheit, bildete daraus Weltkörper durch die ganze Unendlichkeit, umhüllte den Geist dieser endlosen Wesenseele mit den allermächtigsten Banden und band ihn in die Tiefe der Materie.

6. In dieser Stellung heißt dieser Geist dann nicht mehr „Satana“, sondern, weil er sich gewisserart selbst emanzipiert hat von der ewigen, göttlichen Ordnung, „Satan“, das ist soviel als: gleicher Pol mit der Gottheit. Ihr wisset aber, daß sich gleiche Polaritäten nie anziehen; sondern allezeit nur abstoßen. Darin liegt auch der Grund, daß dieses Wesen in allem von der Gottheit am allerentferntesten und eben am entgegengesetztesten ist; darin und dadurch auch sein Erzböses. – Nun wisset ihr, warum man diesen Geist auch „Satan“ nennt.

7. Durch den Ausdruck „Leviathan“ wollte man bloß nur seine Kraft und Macht bezeichnen, und zwar nach dem Begriffe eines einstmaligen Meerungeheuers, das wohl das größte, kräftigste und unverwüstlichste Tier der ganzen Erde war. Seine Größe war wie die eines Landes, seine Gestalt wie die eines Riesendrachen, der solche Kraft besaß, daß er in seinen Eingeweiden ein starkes Feuer erleiden konnte, ohne einen Nachteil davon zu haben, wenn dieses Feuer nicht selten in dem gräßlichsten Flammensprühen durch seinen Rachen und durch seine Nüstern drang. Aus eben dem Grunde wurde unser böser Geist auch nicht selten der „Feuerdrache“, auch der „Drache des Abgrundes“ genannt. Dieser also entblödete Geist – d. h. soviel als: der von all seiner Seele entbundene und lediglich in seinem geistigen reineren Wesen freilich sehr gebundene Geist – machte Miene zu verschiedenen Malen, so ihm dies oder jenes gestattet würde, sich zu bessern, was er auch allerdings hätte tun können, da er, soweit es nur tunlich war, von all seinen bösen Seelenspezifiken entblödet wurde. Also dieser entblödete Geist verlangte, daß man ihm gestatten solle, auf eine Zeitlang göttlich verehrt zu werden, und so er es einsehen würde, daß ihm diese Verehrung nicht mehr munde, da würde er völlig umkehren und ein reinster Geist werden. Das wurde ihm denn auch gestattet. Das ganze Heidentum, das nahe so alt ist als das Menschengeschlecht, gibt dafür Zeugnis; daher Sich auch der Herr ein einziges kleines Völklein auf der Erde ursprünglich ausgesucht hat; alles andere, jedoch unbeschadet der Freiheit, konnte dem Wunsche dieses Geistes gleich den Tieren ungestraft nachkommen.

8. Aus diesem Verhältnisse sind dann die verschiedenartigsten Benennungen dieses als Gott verehrten Wesens entstanden.

9. Da sich dieses Wesen aber damit nicht begnügte, sondern statt der versprochenen Besserung nur stets größere Eingriffe in die göttliche Ordnung machte, so wurde es in sehr enge Haft getrieben. Da es sich aber schon in solcher Zeit eine Menge gleichgesinnter Geister aus dem menschlichen Geschlechte herangebildet hatte, so wirkte es dann durch diese seine Engel; denn ein Diabolus oder Teufel ist nichts anderes als ein in der Schule des Satans herangewachsener und ausgebildeter Geist.

10. Das muß nicht etwa also verstanden werden, als wären solche Geister wirklich in einer Schule des Satans gebildet worden, sondern sie bildeten sich selbst zufolge jener Spezifika, die sie aus den Banden dieses Geistes in sich aufgenommen haben. Diese Geister, weil sie ebenfalls Grundböses in sich haben, heißen zwar „Teufel“, soviel als „Schüler des Satans“, unterscheiden sich aber dennoch gewaltig von ihm; denn bei ihnen ist nur das Seelische homogen mit dem bösen Geiste, aber ihr Geist ist, obschon hart gefangen, dennoch rein, während der Geist des Satans das eigentliche Böse ist. Daher wird und kann es geschehen, daß alle Teufel noch gerettet werden, bevor der Satan in sich selbst die große Reise zu seinem ewigen Sturze zu unternehmen genötigt wird.

11. Nun wißt ihr, welcher Natur so ganz eigentlich Satan und Teufel ist. Nächstens daher zur kräftigeren Beleuchtung in dieser Sache mehrere Denkwürdigkeiten.

T2.57. Die Wichtigkeit der Kenntnis des Bösen.

29. März 1847

1. Ich weiß es wohl am besten, daß manchen diese etwas stark teuflischen Erzählungen eben nicht am besten munden werden, weiß es auch, daß mancher darin auf irgendeinen scheinbaren Widerspruch stoßen wird; allein das tut nichts zur Sache. Wer da sitzt, ist besser daran, als der stehen muß; ein weiches Bett ist auch besser als ein Stein unter dem Haupte. Wer demnach sitzt und liegt im weichen Bette, der bleibe, weil es ihm wohl dabei ergeht; wir aber wollen weder sitzen, noch liegen, noch weniger stehenbleiben, sondern gehen, und das vor- und nicht rückwärts. Daher muß uns das auch nicht genieren, wenn wir so manches erfahren, was dem Gemüte freilich etwas bitter zusagt, aber dabei desto heilsamer für den Geist ist. Wenn es aber schon schwer ist, mit einem Feinde zu kämpfen, den man sieht und kennt, um wieviel schwerer ist ein Kampf mit einem Feinde, den man weder sieht noch kennt! Also ist es auch notwendig, den Feind zu kennen, damit man wisse, wie man ihn anpacken solle, um mit ihm den bevorstehenden Kampf glücklich zu bestehen.

2. Ist das Getreide einmal von dem Stroh ausgedroschen und in die Kornspeicher gesammelt, dann mag man das Stroh sengen und brennen, und es wird dem Korne und Speicher nichts machen. So aber jemand bei Mir Gnade gefunden hat, der ist als geistiges Lebensweizenkorn in die besten Speicher aufbewahrt worden, und wenn sein leibliches Stroh auch einige Risse von seiten des Satans bekommt, so wird das dem Geist nicht schaden.

3. Daß es sicher weder für den Zuhörer noch für den Geber des Wortes etwas Angenehmes ist, satanische Situationen und Wirkungen vor die Augen der Lebendigen zu bringen, das bedarf keines Beweises; aber ein guter Apotheker muß nicht nur allein mit lauter Lebensessenzen, sondern auch mit allerlei Giften geschickt umgehen können, sonst wird er kein geschickter Apotheker sein. Also ist es auch für das ewige Leben des Geistes von größter Wichtigkeit, die Hölle gleichwie den Himmel vom Grunde aus zu kennen.

4. Wer aus euch aber wird wohl der Tor sein und wird holen eine Wäscherin für frische Wäsche? Sondern jedermann holt die Wäscherin für die schmutzige Wäsche; diese zu reinigen ist in der Ordnung und Pflicht.

5. Also sind die Engelsgeister auch nicht da, und die Menschen auch nicht, auf daß sie den Himmel reinigen und fegen sollen, sondern das nur, was von jeher und allezeit schmutzig war.

6. Darum ist es auch nötiger, den Ort des Schmutzes genauer zu kennen als den Ort der Reinheit selbst. Denn nur der erste muß bearbeitet werden; ist er einmal im reinen, so kommt der Himmel von selbst.

7. Es wäre auch eine überaus alberne, törichte Lehre, so man an irgendeine menschliche Gesellschaft ein Gebot ergehen ließe, daß diese beständig nur ihr Gutes hervorheben und dasselbe loben solle über die Maßen; über das Böse aber solle sie nie nachdenken und es etwa gar tadeln an sich. Das Gute bedarf weder, daß man es heraushebe, noch daß man es lobe, denn es hebt sich von selbst hervor und lobt sich von selbst; aber überaus notwenig ist es, daß ein jeder Mensch nach seinen bösen Gedanken, Begierden und Werken Jagd mache und diese wie ein böses Wild jählings erlege in dem weltlichen Forste der Unordnung, auf daß in ihm der Spruch sich bewähre: „Und so ihr alles getan habet, da bekennet, daß ihr unnütze Knechte seid!“

8. Und es ist auch wirklich viel besser, zu sagen: „Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig!“ als: „Herr, ich danke Dir, daß ich nicht so bin wie andere Leute, etwa wie Zöllner und allerlei Sünder von verschiedenartigem Kaliber!“; – sonst gleicht man wirklich entweder solch einem hochmütigen Pharisäer oder gar einem überaus dummen Betbruder und Wallfahrer zu einem Gnadenbilde, welcher im Ernste vor dem Teufel wie vor dem Kruzifix ein Kreuz schlägt.

9. Oder urteilet selbst, was von beiden wohl nötiger ist: den Boden zu kennen, auf dem man herumgeht, oder das Firmament, an dem sich sicher noch nie jemand eine blaue Kopfwunde geschlagen hat!? Der Boden ist der Träger; da muß man wissen, wie fest er ist, ob keine Abgründe, in die man hinabstürzen könnte, vorhanden sind, und wenn sie vorhanden sind, wie man ihnen ausweichen muß.

10. Was würde es aber jemandem nützen, wenn er den ganzen Himmel wie eine Realenzyklopädie enthüllt vor seiner Nase hätte, stieße aber auf dem Wege auf den nächsten besten Stein und fiele dann samt seinem Himmel auf die Nase?

11. Es ist freilich viel ergötzlicher, erheiternder und erbaulicher, mit den Augen am gestirnten Himmel herumzureisen als auf dem Erdboden, der voll Schmutzes und Unflates ist; aber wer sich zum erhabenen Gesetze machte, stets nur mit seinen Augen unter den Sternen herumzufahren, fiele aber dabei in eine recht derbe Kotlache, da ließe sich wohl fragen, ob er den Schmutz in den Sternenregionen oder auf dem Erdboden mittelst eines reinen Wassers von seinen Kleidern entfernen wird. Ich meine, bei dieser Arbeit werden alle die zwölf Himmelszeichen, auch Orion, die Kassiopeia, Kastor und Pollux nicht vonnöten sein, sondern entweder Wasser oder, wenn der Schmutz nicht gar so arg ist, bloß nur eine Bürste, ein Werkzeug aus Holz und Schweineborsten, die von dem unreinsten Tiere herstammen, aber doch zur Reinigung beschmutzter Kleider bei weitem tauglicher sind als Orion, Kassiopeia, Kastor und Pollux.

12. Es ist freilich nichts Angenehmes – wie schon oben bemerkt –, mit Hölle, Teufel und Satan irgendeine Bekanntschaft zu machen, aber wenn jemand in dem Hause eben dieser Herrschaften eine Zeitlang zubringen muß, um den Platz seiner künftigen Beschäftigung kennenzulernen samt der bösen Herrschaft dieses Hauses, da wäre es doch sicher die größte Eselei, da ein Kreuz zu machen, um sich durch dasselbe irrgläubig wie eine Raupe vor aller Teufelei einzupuppen, wo man eigentlich nur alle seine Aufmerksamkeit verzehnfachen sollte, damit einem keine Eigenschaft dieses Hauses entginge.

13. Wer das Böse meiden will, der muß es doch zuvor kennen; sonst bleibt er gleich einem unmündigen Kinde, das zwischen Kot und Brot und Schlange und Fisch keinen Unterschied macht und eines wie das andere in den Mund steckt, wenn es hungert.

14. Ich will euch aber sagen, daß derlei Furcht bei euch lediglich darin ihren Grund hat, weil ihr früher weder von dem Himmel, noch viel weniger von der Hölle eine andere Vorstellung hattet als die, welche euch entweder der liebliche, sehr menschenfreundlich gesinnte Pater Kochheim oder der h. Ignatius von Loyola und, nach diesen zwei Weisen – nicht etwa aus dem Morgenlande, sondern sehr stark vom Abendlande – die sämtliche katholische, uniformierte und nichtuniformierte Priesterschaft beigebracht hat. Diese können ihre Predigten freilich nur dadurch imposant, romantisch, interessant und das Zwerchfell der überaus stumpfen Kirchenläufer erschütternd machen, wenn sie in einer einzigen Predigt wenigstens dreißigmal die ganze armselige Zuhörerschaft in die Hölle hinunter verflucht haben, welche sie vorher samt ihren Ureinwohnern auf eine sehr handgreifliche Weise beschrieben und dergestalt heißgemacht haben, daß, wenn so ein Prediger à la Ignatius und Kochheim am Nordpol seine Predigt losgelassen hätte, er das Eis wurz wegputzen würde. Solch eine Predigt, vor der sogar der Satan seinen Respekt hat, in ein kindliches Gemüt hineingeschlagen, muß freilich wohl die seltsamsten Wirkungen hervorbringen.

15. Das beste bei der Sache ist, daß eben eine Sache, die selbst keinen Grund hat, auch nirgends einen Grund finden kann, – woher es dann auch nicht selten kommt, daß unter 500 Zuhörern einer solchen höllischen Donnerwetterpredigt wenigstens 200 recht festweg schlafen; 200 merken sowieso nicht auf die Predigt, und 100 haben sich von der ganzen Predigt bloß das Amen gemerkt. Das alles aber bewirkt der Geist einer solchen Predigt; darum ist es nun gut, das Böse zu erkennen in seinem Grunde, damit es dann jeder in sich leicht erkennt, wenn sich solches in seiner Nähe befindet. Und zu diesem Zwecke werden euch eben mehrere, darauf Bezug habende Denkwürdigkeiten gegeben werden, von denen ihr euch nach dieser Vorinstruktion nicht zu fürchten habt.

T2.58. Spuk und Besessensein.

30. März 1847

1. Ihr habt von allen Zeiten, in denen Schriften verfaßt wurden, merkwürdige Fälle von verschiedenartigem Besessensein in eurer gegenwärtigen Lage und Sphäre gelesen. Wißt ihr aber auch so ganz gründlich, wie dieses Besessensein den Ursprung nimmt, und von woher, und bei welchen Gelegenheiten? – Dieses theoretisch zu erörtern, wäre darum eine überflüssige Arbeit, weil ihr in dieser Sache ohnehin schon mehrere Belehrungen empfangen habt; aber diese Sache denkwürdig dramatisch darzustellen, wird jedem, der es lesen wird, viel Licht geben. Lassen wir demnach sogleich eine solche Denkwürdigkeit vor unseren Augen vorübergehen.

2. Der Satan, der schon eine sehr große Menge seiner bösen Anhänger zählt, läßt seine Helfershelfer zu gewissen Zeiten unter das menschliche Geschlecht treten mit dem Auftrage, alles zu fangen, was nur immer zu fangen ist, und kein Mittel unversucht zu lassen, durch welches irgendeine Seele für den Hofstaat des Fürsten aller Bosheit und Lüge samt Haut und Haar zu kapern wäre. Auf solch einen Auftrag begeben sich dann die bösen Spießgesellen auf allen möglichen Schleichwegen zur Oberwelt herauf und maskieren ihre Absicht so fleißig als nur immer möglich, damit ja kein ihnen begegnender besserer Geist irgendeinen Argwohn gegen sie schöpfen möchte. Werden sie um den Grund befragt, da geben sie allezeit einen respektablen an und bitten die mächtigeren Wächter flehentlichst, sie heraufzulassen, auf daß sie mehr Erfahrung machen und Gelegenheit finden, manches frühere Übel gutzumachen, sich zu bessern und so nach und nach in das wahre Licht des Lebens einzugehen.

3. Da aber im Reiche der Geister, ob der guten oder bösen, nichts so sehr respektiert werden muß als der freie Wille, insoweit dieser nicht gar zu Arges im Schilde führt, so werden sie auch heraufgelassen, aber natürlich unter fortwährender, heimlicher Aufsicht, auf daß sie zu seiner Zeit nicht sagen könnten: „Wir wollten ja den Weg der Besserung betreten, aber man ließ es nicht zu!“

4. Da man es ihnen aber zuläßt und häufige Gelegenheit dazu gibt, welche zu allermeist mißbraucht wird, so haben sie aber hernach auch nichts einzuwenden, wenn sie in einem schlimmeren Zustande, als der vorige war, zurückkehren müssen.

5. Was tun nun solche böse Spießgesellen, wenn sie auf die Oberwelt heraufkommen? – Sie ergreifen wirklich alle möglichen Mittel, ihr heimliches Vorhaben für den Hof des Satans zu realisieren. Einige, die allenfalls von solchen Menschen abstammen, die früher bei Leibesleben hoffärtige und reiche Gutsbesitzer waren, begeben sich in ihre hie und da noch vorfindlichen scheußlichen Burgen, spuken da und wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, daß in solch einer Burg noch irgendein Schatz begraben und vorhanden ist. Sind zufolge solcher Spukhandlung einige dumme Menschen wirklich darauf aufmerksam gemacht worden, so fangen sie auch bald unter allerlei magischen Zeichen, Instrumenten und Formeln den spukenden bösen Geist zu beschwören an, auf daß er ihnen anzeige, wo der Schatz begraben ist, und wie und wann man graben müsse, um ihn zu bekommen.

6. Wenn ein solcher böser Bewohner einer solchen alten Burg dann leicht merkt, daß er die dummen Menschen durch solche lose Spukereien angezogen hat, so gewährt er auch nicht selten den Beschwörern und zeigt ihnen durch allerlei Erscheinlichkeiten an, wo etwa so ein Schatz begraben ist; und die Menschen fangen dann zu graben an und finden gewöhnlich nichts, wodurch sie aber gewöhnlich nicht gewitzigt werden, sondern ihre Arbeit mit größerem Eifer fortsetzen. Bei solchen Gelegenheiten geschieht es dann, daß sich solch ein höllischer Sozius wie eine Tigerkatze ein Opfer aussucht, es ergreift und sich auf jede mögliche Art in das Fleisch hineinpraktiziert, was entweder durch zu sich genommene Speisen oder Getränke am leichtesten geschieht, besonders, wenn solche schatzsüchtige Arbeiter ihre Speisen und Getränke nicht zuvor in Meinem Namen segnen. Hat ein solcher arger Spukgeist seinen Zweck erreicht, dann ist's gewöhnlich auch mit der Spukerei in einer solchen alten Burg zu Ende.

7. Ist aber dann ein solcher Spukgeist in eines Menschen Fleisch hineingedrungen, so laviert er dann wie eine Katze um das Herz des Menschen. Er kennt bald die Schwächen desselben und fängt an, seine bösen Neigungen, Wünsche und Begierden hineinzuhauchen. Werden diese vom menschlichen Herzen beifällig aufgenommen, so bleibt dieser Patron ganz ruhig im Fleische und macht bloß einen feinen Zuseher, wie solch ein Mensch nach und nach so schön fleißig nach diesen höllischen Inspirationen zu handeln anfängt.

8. Hat dann ein solcher Mensch das Maß des Willens eines solch bösen innewohnenden Geistes erfüllt, dann bewirkt dieser Geist in dem Fleische gewöhnlich eine tödliche Krankheit und sucht so geschwind als möglich die also verdorbene und seiner Bemühung anheimgefallene Seele dem Fleische zu entreißen, um sie dann als eine gute Prise seinem Herrn und Gebieter zu Füßen zu legen.

9. Allein es geht die Sache dann nicht nach dem Plane eines solchen Patrons; denn sobald die Seele das Fleisch verläßt – mag sie gut oder böse sein –, so wird sie aber dennoch von den Engeln alsogleich in Empfang genommen. Der böse Jäger aber wird auf das empfindlichste gezüchtigt und ganz mutterseelenallein an seinen Herrn und Gebieter zurückgestoßen, wo es dann abermals eine sehr starke Züchtigung absetzt; und ein solcher Geist, der sich einmal so ungeschickt aufgeführt hat, wird dann nicht sobald wieder herauf ins Jagdrevier abgesendet.

10. Die Seele aber wird von den Engeln samt dem ihr innewohnenden Geiste in einen solchen Zustand versetzt, in dem sie nach und nach erkennt, wie es mit ihrer weltlichen Aufführung gestanden hat. Will sie sich bekehren, so kommt sie höher und höher; ist sie aber hartnäckig, dann kommt sie wohl auch immer tiefer und tiefer bis zu den empfindlichsten Strafen. Bewirken auch diese noch keine Rückkehr, dann erst mag sie frei nach ihrem eigenen Willen eine Probefahrt in die Hölle machen. Gefällt es ihr da, so bleibe sie nach ihrer Liebe; gefällt es ihr nicht, so mag sie wieder zurückkehren, – was gewöhnlich selten geschieht, weil die Hölle zu angestopft von den allerbetrüglichsten, alles verheißenden, aber nichts realisierenden Lockmitteln ist. Denn da gibt es Trugkünste in zahlloser Menge, welche darauf berechnet sind, solch eine Seele stets näher und näher dem eigentlichen Wesen des Satans zu bringen, auf daß sie da mit ihm ein kongruierender Teil werde, was aber nimmer geschehen kann, da eine jede Seele schon einen eigenen Geist in sich enthält und seiner nicht loswerden kann, – welcher Geist das Entgegengesetzte des Satansgeistes ist.

11. Will sich so eine Seele dem Satan nähern, dann tritt ein solcher Geist in ihr selbst als Richter, Rächer und Strafer auf und peinigt die Seele als ein unerlöschliches Feuer von innen aus, durch welche Pein die Seele von dem Satan wieder – soweit es nur möglich – entfernt wird, wo sie dann wieder zu einer Art Besserung übergeht. Will sie dieser Besserung folgen, so wird es ihr auch leichter und leichter, je mehr sie sich der Reinheit ihres in ihr wohnenden Geistes nähert.

12. Und wenn diese Besserung stets fortschreitet, so kann sie auch zur Seligkeit gelangen, wenn sie wird wie ihr Geist. Denn das ist der Unterschied zwischen der Seligkeit und zwischen der Verdammnis: In der Seligkeit geht die Seele ganz in den Geist über, und der Geist ist dann das eigentliche Wesen; in der Verdammnis aber will die Seele den Geist ausstoßen und einen anderen, nämlich den des Satans, annehmen. In diesem Falle wird sie das Unähnlichste dem Geiste, daher der Geist in ihr die vollkommen entgegengesetzteste Polarität ist. Als solche übt er dann jene Gegenkraft aus, welche von dem Satan fortwährend allergewaltigst abstößt; je näher eine Seele dem Wesen des Satans kommt, desto heftiger ist die Reaktion des Geistes in ihr gegen den Satansgeist. Diese Reaktion aber ist für die Seele die allerschmerzlichste Empfindung, und daher datiert sich auch das Leiden und die Pein der Hölle, wie sich auch eben diese Reaktion als das unerlöschliche Feuer in der Erscheinlichkeit kundgibt. Und das ist eben auch der Wurm in der Seele, der nicht stirbt, und dessen Feuer nicht erlischt; und es ist dann ein und dasselbe Feuer, welches im Engel die höchste Seligkeit und im Teufel die höchste Unglückseligkeit gebiert.

13. Aus dieser denkwürdigen Darstellung könnt ihr euch schon so einen recht tüchtigen Betriff über das Wesen der Hölle und über die Handlungsweisen des Satans machen. Aber das ist nicht das einzige, wodurch der Satan durch seine Spießgesellen, die zumeist aus solchen argen Seelen bestehen, irgend eine Seele für sich zu erbeuten sucht.

14. Sind solche Seelen, als einstweilige satanische Spießgesellen, etwas besserer Art, so werden sie auch nicht gehindert, nicht selten das Fleisch von unschuldigen Menschen, sogar das Fleisch der Kinder, in Besitz zu nehmen. Allein bei solchen Menschen wird die Seele auf das sorgfältigste geschützt und das Herz vor Einflüsterungen verwahrt.

15. Will ein solcher, etwas weniger bösartiger, zeitweiliger Höllenemigrant guttun, so kann er teilhaftig werden der Gnade und Erbarmung, die ein solcher unschuldiger Mensch fortwährend genießt; benimmt er sich aber ungebührlich und treibt allerlei Unwesen mit dem Fleische, das er besitzt, so wird er entweder bald hinausgeschafft oder auf eine sonstige Weise im selben zur Ruhe gebracht.

16. Manchmal können ein Fleisch auch mehrere Geister in Besitz nehmen, wo sie jedoch vorher freiwillig anzeigen müssen, daß sie darin einzig ihre Heilung suchen, – und es wird ihnen dann gewährt, wie sie es wünschen, und das darum, weil solche Geister dem Rate der Engel, sich lieber gleich an den Herrn zu wenden, nicht folgen, sondern gewöhnlich hartnäckig darauf bestehen, behaupten und beweisen, daß sie nur durch diesen Weg zu dem Herrn gelangen können. Und so wird es ihnen denn auch zugelassen, wie sie es wollen; denn die Engel unterrichten alles auf empirische Weise.

17. Gewöhnlich geht es auf diesem Wege sicher nicht, obschon manchmal wohl; daher auch solche Zulassung, welche aber nur einmal gestattet wird, höchstens und höchst selten zum zweiten Male! Dann kommt ein anderer Weg, nämlich der Weg des Gerichtes, der Strafe, der Pein und der Qualen. Die stolze Seele erträgt sehr viel; aber wenn es ihr dann doch etwas zu stark wird, dann kehrt sie wieder um, auf eine Zeitlang wenigstens.

18. Das Hauptübel der Seele aber besteht darin – was eigentlich von der Einflüsterung des Satans herrührt –, daß sie sich dann, wenn es ihr etwas besser geht, Vorwürfe macht, nicht etwa reuige, sondern: daß sie sich von der Qual hat einschüchtern und zurücktreiben lassen; hätte sie die Qual ausgehalten, da wäre sie mit der Macht des Satans eins geworden, und mit der Herrlichkeit des Herrn hätte es ein Ende. Durch solchen Wahn kehrt sie dann gewöhnlich wieder in noch größere Bosheit zurück, und es gibt wirklich in der untersten Hölle solche, welche diesen Wahn gegen eine fortwährende, stets sich steigernde Qual und Pein nicht fahren lassen und gewisserart darin einen Triumph finden, dem Herrn auch in der größten Qual zu trotzen. Allein das tut nichts zur Sache; es wird schon noch eine Zeit kommen, die sie zu Paaren treiben wird. Und deren Hartnäckigkeit aber so groß ist, daß sie auch das Vollmaß des Zornfeuers nicht zur Umkehr bringen kann, diese werden sich denn einst auch gefallen lassen müssen, mit ihrem Zentrum nach Hinwegnahme ihres Geistes die euch bekannte Reise des ewigen Verderbens zu machen, woran wirklich kein großer Schade sein wird; denn Ich kann dem Abraham auch aus Steinen viel bessere Kinder erwecken!

19. Über das Besessensein müsset ihr euch aber überhaupt nicht zu sehr entsetzen; denn fast ein jeder Mensch hat dergleichen Gäste in sich, d. h. in seinem Fleische. Warum und wie solches, das werden wir in einer nächstfolgenden Denkwürdigkeit erschauen.

T2.59. Von der Fleisches- und Sinnenlust.

31. März 1847

1. Ihr wisset, daß gewisse Menschen mit fleischlicher Lust sehr behaftet sind, sowohl weiblicher- als männlicherseits, während es doch wieder andere Menschen gibt, bei denen das sinnlich-fleischliche Wesen beinahe ganz stumpf ist; solche Menschen rühren sich deswegen nicht, und obschon ihnen gegenüber das reizendste Fleisch aufgestellt würde. Ein üppiger Weiberfuß, ein Arm, eine Brust, als die gewöhnlichen Aushängeschilder des weiblichen Geschlechts zur Erweckung des sinnlichen Triebes bei den Männern, rühren einen nicht Fleischsüchtigen oft so wenig als ein dürrer Baumast, – wogegen wieder andere beim Anblicke dieser weiblichen Reizaushängeschilder ganz rasend werden. Ja, es gibt Narren, die sich in einen weiblichen Arm dergestalt verlieben können, daß sie ganz toll werden, wenn sie so ein Frauenzimmer nicht zum Weibe oder doch wenigstens zum zeitweiligen sinnlichen Genusse bekommen können.

2. Der Grund also von solcher fleischlicher Neigung, besonders wenn diese sich sehr heftig ausspricht, liegt gewöhnlich im Besessensein von einem oder auch mehreren geilen Fleischteufeln.

3. Aber wie kommen diese wieder in das Fleisch eines solchen Menschen? – Dazu bereiten die Menschen selbst Gelegenheiten ohne Zahl und Maß. Solche Fleischteufel wohnen zuerst in den hitzigen Getränken, im Weine, auch im Biere, und besonders in den gebrannten Wässern. Wenn sich Menschen mit derlei Getränken stark berauschen, so haben sie in diesen Getränken sicher einen, wo nicht mehrere Fleischteufel in ihr Fleisch aufgenommen. Sind sie aber einmal im Fleische, da jucken und quälen sie die Genitalien auf eine so arge Weise, daß der Mensch nicht umhin kann, solche Juckerei durch den sinnlichen Genuß des Fleisches entweder mit den Weibern oder manchmal sogar mit den Tieren zu befriedigen. Diese Fleischteufel sind natürlich nichts anderes als unlautere Seelen solcher verstorbener Menschen, welche ebenfalls entweder dem Trunke oder der fleischlichen Sinnlichkeit sehr ergeben waren. Sie treten zwar aus einem Besserungsgrunde in das Fleisch eines noch lebenden Menschen über; aber weil das Fleisch eben ihr Element war, so treiben sie es nicht selten in solch einem Menschen, den sie besessen haben, noch ärger, als sie früher es im eigenen Fleische getrieben haben.

4. Ebendiese verdorbenen Fleischseelen, wenn sie es zu toll treiben und sich stets mehr und mehr in ihrer unreinen Lust entzünden, bewirken auch zu allermeist die abscheulichen und sehr gefährlichen sogenannten syphilitischen Krankheiten, was von den schützenden Engelsgeistern darum zugelassen wird, auf daß die Seele des eigentlichen Menschen nicht gänzlich zugrunde gehe in der tobenden Wut ihres Fleisches.

5. Also solche hitzige Getränke sind der erste Weg, auf welchem diese Fleischteufel in das Fleisch des Menschen kommen.

6. Der zweite Weg, ebenso gefährlich wie der erste, sind die öffentlichen Tanzbelustigungen, wo ihr immer annehmen könnt, daß auf einem Balle oder sonstigen Tanzunterhaltung sich auch allezeit zehnfach soviel unsichtbare fleischsüchtige, unreine Seelen einfinden, als sonst Gäste auf einem solchen Balle beisammen sind. Auf diesem Wege kommen sie am leichtesten in das Fleisch, welches hier sehr aufgeregt wird und daher überaus stark aufnahmefähig ist für derlei schmutziges Seelengesindel. Aus diesem Grunde empfinden denn auch Menschen nach einem solchen Balle für alles Höhere und Erhabenere einen förmlichen Widerwillen, was in den Städten, besonders bei Studierenden, von jedermann leicht beobachtet werden kann, da nicht selten früher recht fleißige Studierende nach einem Balle, anstatt an ihre Bücher zu denken, nur fortwährend den weißen Nacken, Busen, Arm und die Augen ihrer Tänzerin vor dem Gesichte haben und ihr Sinn sich fast mit nichts anderem mehr beschäftigt als bloß nur mit dem Gegenstande, der auf dem Balle ihnen eine so große Lust bereitet hatte.

7. Mancher Studierende läßt darob das Studieren gar sein; mancher aber studiert darauf statt der Wissenschaft nur das Brot, um sobald als möglich mit seiner lieblichen Tänzerin ein Paar zu werden – und gehe es ihm schon wie es wolle. Und wird so ein Paar auch wirklich ein Ehepaar, so ist das aber auch ein Ehepaar, welches einem eigentlichen Ehepaar ebensowenig gleichsieht als die Nacht dem Tage.

8. Die erste Zeit wird bei einem solchen Ehepaare bloß mit der sinnlichen Lust zugebracht, so daß binnen kurzer Zeit fast alle Spezifika, die dahin bestimmt sind, um Zeugungskraft zu bilden, bis unter Null verbraucht werden. Dann tritt gewöhnlich bald eine gänzliche Erschlaffung des Fleisches und besonders der Genitalien ein. In solchen Fällen sucht dann der solchen Leuten innewohnende Fleischteufel darin einen Regreß, daß er der Seele, besonders durch die Nieren, einflüstert – wie gewisserart ein Hausarzt –, sich an anderes Fleisch zu wenden. Dadurch wird dem Manne sein Weib bald zum Ekel – und der Mann seinem Weibe. Sie fängt an, nach und nach sich nach jugendlichen Hausfreunden umzusehen; er aber geht gewöhnlich abends frische Luft suchen, und wenn er vermögender ist, so macht er Reisen wegen größerer Luftveränderung. Und so geht die Sache fort, bis sich mit der Zeit ein solches Ehepaar dergestalt überdrüssig wird, daß es sich bald scheiden läßt, oder es läßt einander ohne gerichtliche Scheidung sitzen; oder wenn es in einem Hause mehr nobel und adlig zugeht, so wird dahin eine Konvenienz getroffen, daß ein jeder Teil bezüglich seiner sinnlichen Lust tun kann, wie es ihm am besten gefällt. – Derlei Erscheinungen, die gegenwärtig sehr an der Tagesordnung sind, sind lauter Früchte der Ball- und Tanzunterhaltungen und sind Folgen vom Besessensein von oberwähnten argen Fleischpatronen.

9. Dieses Besessensein äußert sich anfänglich zwar nie mit der Heftigkeit als wie bei manchen, die durch hitzige Getränke derlei unreine Geister in sich aufgenommen haben – die Geister aus den hitzigen Getränken werden jedoch leicht durch ein kräftiges Gebet der Seele durch ihren Geist hinausgeschafft, worauf dann wieder der normale Zustand des Fleisches eintreten kann –; aber die Besitzungen auf dem Wege öffentlicher Tanzbelustigungen sind nicht so leicht hinauszubringen, und es wird dazu schon sehr viel Fasten, Beten und Selbstverleugnung erfordert, wodurch die Seele sich mehr und mehr mit ihrem Geiste vereinigt, dieser dann durch sie greift und das arge Gesindel aus dem Hause der Seele schafft.

10. Aber wo ist nun ein solcher Tänzer und eine solche Tänzerin, die das täten? – Gewöhnlich fressen sie schon während und nach dem Tanze noch mehr als vorher und wollen sich dadurch wieder restaurieren, was ebensoviel heißt, als dem Fleischteufel leibeslebenslängliche Pension und Unterkunft mit Seele und Blut zu garantieren.

11. Manche Tänzerin und mancher Tänzer, wenn sie zuviel solcher Gäste in sich aufgenommen haben, gehen auch ihrem Leibe nach in kurzer Zeit zugrunde; denn diese argen Fleischbolde, wenn sie in den Nieren und in den Genitalteilen nicht Platz finden, richten auch ihre Wohnungen in der Milz, Leber oder auch in der Lunge auf. Wo aber ein solcher Höllenemigrant seine Wohnung aufrichtet, da tötet er gewisserart das Fleisch, und die Folgen davon sind Milz- und Leberverhärtungen und in der Lunge Lungensucht, Abzehrung oder auch, wenn zwei oder mehrere sich auf die Lunge geworfen haben, die sogenannte galoppierende Lungensucht.

12. Ich sage euch, und ihr könnet es sicher annehmen:

13. Die meisten Krankheiten rühren bei den Menschen von ihrer höllischen Einwohnerschaft her, der sie selbst den Weg in ihr Fleisch bahnten.

14. Das sind demnach wahre Kinder der Welt, und es beginnen gar viele schon in der Jugend die Schule für die Hölle. Damit sie aber ja nicht merken sollten, daß sie in ihrem Fleische fremde Gäste der schmutzigsten Art beherbergen, so suchen diese Geister nicht nur allein das Fleisch ihrer Hausherren so sinnlich als nur tunlich zu stimmen, sondern sie wirken auch dergestalt auf die Seele, daß diese sich in allerlei weltlichen Dingen sehr wohlzugefallen anfängt.

15. Diese weltlichen Dinge sind: Mode; das reizende Fleisch muß nach der Mode emballiert sein, die Haare gebrannt, die Haut mit wohlriechenden Spezereien eingerieben; und bei den männlichen Individuen darf der höllische Zigarrenzutzel nicht fehlen, und mancher junge Modetölpel, wenn er nur einiges Geld besitzt, verraucht nicht selten in einem Tage so viel, daß sich davon zehn Arme hinreichend Brot kaufen könnten.

16. Wisset ihr aber auch, was diese Rauchmode zu bedeuten hat? Die bösen Einwohner bemühen sich, die Seele schon bei Leibesleben an den höllischen Dampf und Gestank zu gewöhnen, damit sie nach dem Austritte aus dem Leibe ihrer stinkenden Gesellschaft nicht sobald gewahr werde und auch nicht allzubald empfinde, wenn diese saubere Gesellschaft sie ganz unvermerkt in die dritte Hölle führt.

17. Es ist zwar wohl schon gesagt worden, daß jede Seele nach dem Tode zuerst in die Gesellschaft der Engel kommt, wo ihre böse Gesellschaft augenblicklich weichen muß. Das geschieht zwar auch hier in diesem Falle; allein solch eine Seele bleibt nicht fortan in der Gesellschaft der Engel, sondern wird von denselben in eine solche Lage versetzt, wo es ihr möglich wird, sich zu ergänzen, – noch deutlicher gesprochen: sie wird auf einen solchen Ort gestellt, wo sie durch eine gewisse freie Tätigkeit jene zu ihrer Ergänzung nötigen Spezifika wieder gewinnen kann, die sie auf dieser Welt vergeudet hat.

18. Ein solcher Ort ist dann derjenige, auf welchem sich einer solchen Seele die frühere, arge Fleischgesellschaft unvermerkt nahen kann. Obwohl diese höllischen Wesen für eine nur einigermaßen reinere Seele ganz gewaltig pestilenzialisch stinken und die Seele ihre Gegenwart leicht merkt, so ist aber in diesem Falle der Geruchsinn der Seele oft so verdorben, daß sie derlei Annäherungen nicht merkt; denn vom Sehen ist ja ohnedies nicht viel die Rede, da fürs erste die Seele noch viel zuwenig Licht hat und das Schauen der Seele ohnehin nur von innen ausgeht, sie sonach nur das sehen kann, was in ihr ist, und nicht was außer ihr ist.

19. Solche Geister aber sind außerhalb einer solchen Seele; daher sieht sie dieselben nicht, aber durch den Geruchsinn kann sie ihre Gegenwart empfinden und ihren Standpunkt genau ermitteln, und hat sie das, da kann sie sich in ihren Geist zurückziehen, der sie sobald erleuchtet, wodurch sie dann alsbald auch schauen kann, wo sich ihre Feinde befinden, und was sie tun wollen. Und sehen die Höllischen einmal das Angesicht der Seele, da fliehen sie jählings; denn alles kann ein höllischer Geist eher vertragen als das Auge einer reinen Seele, noch weniger aber natürlich das eines Engels; und um sie vor Meinem Auge zu schützen, werden Berge zur Deckung gerufen!

20. Aus dem aber könnt ihr leicht entnehmen, warum Ich schon zu öfteren Malen gegen das höchst abscheuliche Tabakrauchen geeifert habe; zugleich habt ihr aus dieser Denkwürdigkeit gesehen, wie die übermäßige fleischliche Lust im Menschen entsteht, wozu sie führt, und wie sich Menschen vor derselben auch leicht verwahren können. – Nächstens werden wir wieder eine andere Denkwürdigkeit betrachten und uns das geziemende Notabene herausnehmen.

T2.60. Vom Spielteufel und der modernen Erziehung.

1. April 1847

1. Eine andere Art Menschen hat schon von Jugend auf, was gewöhnlich ein großer Schnitzer in der Erziehung ist, einen besonderen Hang zu allerlei Spielerei; sie können die Zeit nicht anders zubringen als bloß mit Tändeln und Spielen. Dieser Hang zum Spielen wird von seiten kurzsichtiger und dummer Eltern dadurch geweckt, daß sie schon den kleinen Kindern fortwährend eine ganze Menge sogenannter Kinderspielereien anschaffen, um die Kinder durch derlei Spielzeug, wenn sie noch sehr klein sind, zum Stillschweigen zu bringen, und wenn die Kinder etwas erwachsener sind, sie durch eben ein solches Spielzeug zu einer Tätigkeit anzuleiten.

2. Behufs solcher Kinderspielereien gibt es in den Städten sogar eigene Handlungen, und noch mehr: es gibt sogar Märkte, wo dergleichen Dummheiten in möglichst verschiedener Auswahl nicht selten unter den skandalösesten Formen zum Verkaufe geboten werden.

3. Sehet, da haben wir eine Quelle und wieder einen neuen Weg, auf welchem die bösen Seelen abgeschiedener Menschen in das Fleisch solcher Kinder gelangen.

4. Was wird wohl die Folge davon sein? – Diese Kinder schon werden von diesen in ihnen wohnenden Geistern dahin angetrieben, stets mehr und nur stets mehr Spielzeug zu besitzen; ja mancher Eltern Kinder haben so viel Spielzeug, daß dieses schon ein tüchtiges Kapital ausmacht. Die Kinder vertiefen sich endlich in diese Spielerei und haben beinahe keine Rast und Ruhe, etwas anderes zu denken als nur an ihr Spielzeug. Die Knaben haben Reiter, hölzerne Reitpferde, papierene Soldatenhelme, blecherne Schießgewehre und Säbel; wenn sie aber herangewachsen sind, wollen sie die hölzernen Pferde in lebendige umgestaltet haben, und statt der blechernen werden wirkliche Gewehre beigeschafft, – denn es ist ja notwendig, daß ein junger Mensch vor allem tanzen, reiten, fechten und schwimmen lernt. Auch eine Übung, mit Pistolen zu schießen, kann nicht schaden. Nebst dem versteht sich von selbst, daß ein junger Mensch cavalièrement – wie ihr zu sagen pflegt, – bevor er noch seine Muttersprache kennt, auch ein paar moderne fremde Sprachen würgen lernt, natürlich sich dabei auch im Modejournal auskennt, die Glacéhandschuhe schon in der ersten Jugend sich so fest an die Hand zu pressen gewöhnt, daß die Finger darin wie Prügel steif sind! Und glücklich der, der schon als Knabe auf einem Kinderballe den ersten Vortänzer machen kann, worüber die Eltern eines solches Genies manchmal beinahe vor lauter Entzücken krank werden und viele Freudentränen vergießen, welche Tränen freilich als aufgelöste Spezifika bei der Seele jene merkwürdige Wirkung verursachen, welche darin besteht: weil eben diese Tränen so einen lächerlichen Abschied von den Augen nehmen mußten, so suchen sie hernach bei den Ohren derselben Seele ihre Zuflucht, wodurch aber eben die Ohren an der ungewöhnlichen Verlängerung sehr stark zunehmen.

5. Aus solchen, nicht hoffnungsvollen, sondern hoffnungslosen Söhnen solcher wahrhaft mehr als eselhaften Eltern werden Gecken, die nichts wissen, weil sie nie etwas gelernt haben, was die guten Verstandeskräfte ihrer Seele nur im geringsten hätte bereichern können.

6. Damit aber ein solcher Geck vollkommen wird, so muß er auch schon in frühester Zeit seines Lebens alle noblen Spiele radikal verstehen, worüber in der Zeit sogar die allernützlichsten – für die Hölle nämlich, das versteht sich von selbst – Anleitungen und sogar philosophische Betrachtungen geschrieben und gedruckt vorhanden sind.

7. Geschichte wäre freilich besser, auch die Geographie; denn vom Evangelium – da seien wir lieber still! Denn der Welt kann man nur einen weltlichen, aber keinen göttlichen Rat erteilen.

8. Geschichte und Geographie würden solche Leute doch wenigstens dem Göttlichen näher bringen, während sie durch oben gezeigte moderne Erziehung mit Haut und Haaren ohne Gnade und Pardon schnurstracks der untersten Hölle zugeführt werden. Und das ist alles Folge des schon in frühester Jugend eingewurzelten und das Fleisch in Besitz genommen habenden Spielteufels, welcher zu den allerhartnäckigsten gehört; denn er vereinigt in sich Spielsucht, Gefallsucht, fortwährende Unterhaltungssucht, materielle Gewinnsucht und mit ihr verkappte Herrschsucht. Dieser Teufel ist am allerschwersten aus dem Menschenfleisch hinauszubringen und geht beinahe auf keine andere Weise hinaus, als wie er gegangen ist beim Judas Ischariot, der noch bei weitem besser war als der beste gegenwärtige Modegeck.

9. Gleicherweise wird auch das weibliche Geschlecht dergestalt verbildet, daß nicht selten schon die Seele eines zwölfjährigen sogenannten Fräuleins gerade so aussieht wie Proteus. Ein solches Fräulein ist schon in der Wiege eine Modistin; denn zu dem Behufe bekommt sie schon mehrere Kinderdocken, damit sie dieselben frisiert, neue Kleider macht und ihnen auch gewisse Haltungen geben lernt, wie sie solche in irgend einem Journale erblickt. Daneben muß sie freilich auch schon entweder französisch oder englisch zu reden anfangen, wo vom Beten noch lange keine Rede ist; auch der Tanzmeister bekommt bald Beschäftigung, darauf der Klavier- und Zeichenmeister.

10. Auf diesem Wege wird mit rechter Handhabung instruktorischer Methoden aus dem Wiegenkinde, das sich kaum noch selbst zu schneuzen imstande ist, zuerst ein Wunderkind, und wenn ein solches Mädchen nur fünf Spannen lang geworden ist, dann ist es schon ein Engel, wenn nicht gar eine Göttin.

11. Es versteht sich von selbst, daß der Katechet nicht der Religion wegen, sondern nur des bon ton wegen in einem solchen Großhause den Hofmeister spielen muß.

12. Wird ein solches Mädchen dann etwa mit 13 oder 14 Jahren reif, dann wird es auch schon nach dem großen Modejournal geputzt und in die sogenannte große Welt eingeführt, bei welcher Gelegenheit es natürlich wieder Freudentränen bei den Eltern gibt, wenn so eine zum ersten Male in die große Welt eingeführte Tochter Beifall in derselben gefunden hat.

13. Diese Tochter kennt zwar, trotz des katechetischen Hofmeisters, oft nicht einen Text aus der Schrift, auch das Vaterunser und die Zehn Gebote nicht; denn das Beten ist ja etwas Gemeines und gehört nicht in die eigentliche sogenannte haute volée. Da wird nur zuerst auf die Stellung, auf den Gang, auf die Haltung beim Gange, ob diese journalmäßig ist, dann auf ein hübsches Gesicht, auf einen stark bloßgegebenen Nacken, zarte, weiße, weiche und runde Hände und womöglich noch mehr auf einen ziemlich umfangreichen Fuß gesehen, und auch, ob so ein Mädchen in der edlen Koketterie bewandert ist, – und natürlich, daß ihr Anzug, wie man zu sagen pflegt, sehr gewählt ist. Unter solchen Umständen ist dann ein solch weibliches haute voléeisch-modernes Prachtexemplar fertig.

14. Wie glücklich, wähnt da mancher Esel, wäre er, wenn er so ein weibliches Prachtexemplar zum Weibe bekommen könnte! Ja wohl, glücklich wäre ein solcher Esel; denn ein solches Prachtexemplar könnte ihn in kurzer Zeit zu der höchst nüchternen Überzeugung bringen, daß er fürs erste wirklich ein großer Esel war, und fürs zweite, daß sein entzückendes weibliches Prachtexemplar nichts als ein übertünchtes Grab war oder eine von außen vergoldete Bildsäule, deren inwendiges Holz nicht einen Groschen Wertes in sich faßt.

15. Was aber ist wohl die Ursache solcher Entartung? – Die Ursache ist schon oben gezeigt: sie ist das Besessensein von einem sogenannten Spielteufel, der sich mit der Menschheit das zu machen erlaubt, was die Kinder, besonders Mädchen, mit ihren Docken machen.

16. Wäre es denn nicht besser, wenn schon Kinder Spielereien haben müssen, daß man ihnen solche Sachen zum Spielzeug gäbe, die in einer oder der anderen Beziehung auf Meine Kindheit auf der Welt Bezug haben? Dadurch würde den Kindern ein guter Trieb eingepflanzt, und sie würden, wenn sie mehr erwachsen sind, sich um nähere Daten und Begebnisse freudig erkundigen, was alles ihr Spielzeug vorstelle und zu bedeuten habe. Unter solchen Umständen hätte dann ein wahrer Katechet sicher eine sehr erfreuliche Arbeit in der Anlegung eines jungen Weingartens und würde auch bald erstaunliche Früchte ernten.

17. So aber ist hier der ganz umgekehrte Weg. Statt für den Himmel wird das Kind schon in der Wiege für die Hölle eingeschult, welche dann am Ende auch triumphiert.

18. Von diesem Kaliber werden die meisten der Hölle zugeführt; denn solche Menschen halten sich für sehr gut, gerecht und nach ihren Begriffen für die Welt vollkommen tugendhaft, – daher da an eine Besserung auch nie zu denken ist. Solche wäre nach dem Begriffe solcher Menschen nur ein Rückgang und eine Verschlimmerung ihrer feinen Sitten.

19. Ein Dieb und ein Mörder kann Reue fühlen; ein Hurer, Ehebrecher und auch ein Säufer kann durch gewisse Umstände dahin geleitet werden, daß er seine große Torheit einsieht und man zu ihm sagen kann: „Deine Sünden sind dir vergeben; gehe aber hin und sündige nicht mehr!“ Was sollte man aber zu dieser feingebildeten, hochmütigen, überaus stolzen hohen Welt sagen? Sie hält sich für gerecht, für überaus zivilisiert und hält die Gesetze des feinen Tons und Geschmacks; sie unterstützt auch die Armut, wenn es der feine Geschmack erlaubt, geht auch in die Kirchen – zu der Zeit natürlich, in welcher sich darin bloß die elegante Welt einzufinden pflegt –, wohnt auch einer Predigt bei, wenn der Prediger ein Mann von feinem Geschmacke ist und so hübsch theatralisch seine Predigt vortragen kann, natürlich auch eine angenehme Stimme hat und eine hübsche Person ist. Von der Predigt wird freilich nicht viel gemerkt; ist sie aber dem feinen Tone und Geschmacke angemessen, so kann sie der Prediger dann ja ohnehin in einem zierlichen Duodezformate durch den Druck herausgeben, sie einer großen Dame dedizieren, wo dann diese Predigt dem Prediger wenigstens einige Dukaten, manchmal auch eine höhere Anstellung, und dem Buchhändler – nicht etwa der Predigt, sondern des guten Geschmacks und der noblen Dame wegen, der so etwas gewidmet ist – einen recht erklecklichen Absatz, freilich nicht zum Wiederlesen, sondern nur für eine zierliche Hausbibliothek, zuwege bringt.

20. Aus dem aber geht hervor, wie schwer oder gar nicht solche Menschen gebessert werden können; denn bei denen ist im Ernste – wie ihr zu sagen pflegt – Taufe und Chrisam verloren. Es wird in der Geisterwelt sehr viel brauchen, um solche Menschen auf den Weg des Lebens zu bringen; denn solchen Menschen – ihr sollt es kaum glauben! – ist Mein Name zum Ekel, und Ich Selbst bin für sie so gut wie entweder gar nicht oder höchstens wie ein armseliger Moralist der alten Zeit, welche Moral aber jetzt keinen Wert mehr hat, weil man in Paris eine viel bessere erfunden hat.

21. In der geistigen Welt, wohin natürlich die Pariser Modejournale nicht mehr dringen, geht dann freilich ein anderer Wind. Er ist zwar ein Gnadenwind, riecht aber für solche Seelen ärger als die Pest; daher fliehen sie schon lange zuvor von der Stelle, an der sie etwa doch von solch einem Gnadenwind begegnet werden könnten. – Ich sage euch: Aus dieser Klasse Menschen werden viele in das ...loch des Satans gelangen, was soviel heißt – als in jenen letzten Unrat der Materie, welcher als Umfassung mit seinem Zentrum die euch schon bekanntgegebene letzte Reise machen wird.

22. Diese Denkwürdigkeit ist klar und euch über manches belehrend. Es wäre unnötig, darüber etwas Weiteres zu sagen; daher nächstens zu einer anderen!

T2.61. Wesen und Folgen des Zornes.

6. April 1847

1. Da wir schon von den Besitznahmen in unseren vorangehenden Denkwürdigkeiten gesprochen haben, so wollen wir in diesen auch noch fortfahren und eben in dieser Denkwürdigkeit eine sehr gefährliche Art von Besessensein enthüllen. – Worin wird wohl etwa diese bestehen?

2. Diese besteht in der Besitznahme des irdischen Fleisches durch den Zornteufel. Dieses Besessensein ist das allergefährlichste, weil ein solcher Zornteufel nie allein ein Fleisch besitzt, sondern allzeit noch eine Legion dienstbarer böser Geister mit ihm.

3. Zorn ist der allerschroffste Gegensatz der Liebe und bildet den eigentlichen Hauptbestandteil des Satans. Der Zorn aber kann ohne Nahrung nicht bestehen; daher hat er allezeit eine zahllose Menge Nährgeister um sich, an denen er saugt und zehrt. Gleich also wie die Liebe nicht ohne Nahrung, die da ist die Gegenliebe, bestehen kann, also kann auch der Zorn nicht ohne Gegenzorn, der da ist seine Nahrung, bestehen. – Lasset uns aber sehen, was für ein ihn nährendes Hilfsgesinde er um sich hat.

4. Haß ist ein Haupternährer der Zornes, dann die Hoffart, daraus hervorgehende Selbstsucht, Neid, Geiz, Ehebruch, Hurerei, Verachtung alles Göttlichen, tiefe Geringschätzung seinesgleichen, Mord und Totschlägerei, Herrschbegierde – und am Ende gänzliche Gewissenlosigkeit. Das sind nur so die Nebenhäuptlinge dieses Zornteufels, von denen ein jeder noch eine bedeutende Anzahl untergeordneter schlechter Geister hat, die sich in den mannigfachsten Leidenschaften eines vom Zorne besessenen Menschen leicht erkennen lassen.

5. Dieser böse Geist, wenn er ein Fleisch in Besitz genommen hat, ist ebenso schwer aus dem Fleische eines Menschen zu bringen, als wie schwer es da ist, ein großes Haus zu löschen, das schon in all seinen Teilen vom Brande ergriffen worden ist. Da ist kein anderes Mittel, als es bis auf den letzten Balken zusammenbrennen zu lassen und mit der Zeit die abgekühlte Asche zu untersuchen, ob in ihr sich noch etwas vorfindet, was die grause Glut nicht verzehrt hätte.

6. Da aber dieser Zornteufel gar so arg ist, wie er sich zeigte bei den zwei besessenen Gergesenern, so müssen wir doch sehen, wie dieser Auswurf der Hölle in das Fleisch des Menschen kommt.

7. Dieser Geist kommt nicht wie andere etwa mit der Zeit erst in das Fleisch des Menschen, sondern der wird schon bei der Zeugung als ein Same der Hölle in dasselbe gelegt und muß auch da sein, weil eben dieser Same das Fortkommen des Fleisches bedingt; aber der Same gerät zu keiner Selbständigkeit, wenn der neugeborene Mensch zu dem Behufe keine Erziehung bekommt.

8. Erst durch eine gewisse Erziehung sammelt sich dieser böse Stoff in der Leber, und wenn er da einmal im Vollmaße vorhanden ist, so erweckt eben dieser Stoff in ihm selbst die Selbständigkeit des Zornteufels; ist dieser aber selbständig geworden, so nimmt er alsbald die ganze Seele gefangen und zieht sie in sein Bereich, durch welchen Akt dann der ganze Mensch in kurzer Zeit darauf zu einem förmlichen Teufel wird.

9. Es ist aber bei vielen Menschen gerade nicht notwendig, daß dieser Fleischteufel die eigene Selbständigkeit völlig erlangt; sondern die böse Spezifikalausdünstung pflanzt sich durch den ganzen Leib fort, und zwar zunächst durch das Blut, welches sehr leicht aufbrausend wird, wenn es mit diesem Spezifikum schon ziemlich gemengt ist. Durch das Blut gelangt es in die Nerven, durch diese in den Nervengeist und durch den Nervengeist in die Seele.

10. Hat dieses böse Spezifikum auch die Seele durchdrungen, dann ist der Mensch auch schon wenigstens ein halber Teufel, und es ist nicht gut, mit solch einem Menschen Gemeinschaft zu machen.

11. Diese Art Menschen ist daran zu erkennen, daß sie über jede Kleinigkeit, die sie nur irgend im geringsten berührt, überaus heftig aufbrausen und gleich mit Fluchen und Schlagen fertig sind. Sie gleichen einem rotglühenden Eisen, welches für sich selbst ganz solid und ruhig zu sein scheint; man werfe aber nur die leichtesten Sägespäne darauf, und es wird gleich Rauch und Flamme zum Vorschein kommen!

12. Das alles aber kann durch eine gerechte und gute Erziehung bei den Kindern vermieden werden; wenn auch bei einem oder dem andern eine größere Anlage da ist, so kann sie aber doch durch eben die vorerwähnte gute Erziehung und daneben auch durch eine gerechte Lebensdiät also geordnet werden, daß mit der Zeit aus ihr nur Gutes und nimmer Böses hervorgehen kann.

13. Das größte Übel aber ist dabei die Verzärtelung; durch diese Untugend wird dem kleinen Kinde jede Unart durch die Finger gesehen. Das Kind wird von Tag zu Tag älter und merkt es, wie es Unarten und allerlei kleine Bübereien, ohne gestraft zu werden, begehen kann. Da versucht es dann, stets größere sogenannte Bubenstücke zu unternehmen; bleiben auch diese von seiten der Eltern nur wenig oder gar nicht geahndet, so hat das Kind in sich schon eine gewisse Zornsolidität erreicht, wirft sich bald zu einem ungestümen Forderer auf und gebietet förmlich, daß man ihm das gebe, wonach es verlangt. Gibt man ihm das nicht, oder läßt man ihm etwas Gewisses nicht angehen, so wird es bald glührot vor Zorn und nicht selten unerträglich roh und grob.

14. Lassen sich die Eltern durch dieses Benehmen einschüchtern und geben dem wilden Verlangen des Kindes nach, dann hat dasselbe schon den ersten Grad der teuflischen Selbständigkeit erlangt. Bald darauf fängt dann das stets mehr erwachsene Kind an, sich zum brutalen Gesetzgeber seiner Eltern aufzuwerfen, und den Eltern würde es wirklich nicht gut bekommen, wenn sie einem solchen wie ein Gesetz aussehenden Verlangen ihres ungeratenen Kindes nicht alsbald nachkommen möchten.

15. Wird nun ein solches Kind älter, größer und stärker, da wären so manche Eltern mit ihrem Leben nicht sicher, wenn nicht Ich durch so manche Krankheiten diesen Fleischteufel bändigen würde in dem Fleische solcher ungeratenen Kinder. Nur diese Krankheiten treiben diesen bis zu einem gewissen Grade wieder aus, besonders in der Zeit, wenn er sich des Blutes bemächtigt hat. Scharlach, Friesel, Flecken, Blattern und noch andere Krankheiten sind Abtreibmittel des Verderbers der menschlichen Natur. Sie treiben aber natürlich dieses böse Spezifikum nicht ganz aus, sondern nur insoweit es sich in das Blut gewagt hat.

16. Wenn aber Eltern nach einer solchen überstandenen Krankheit der Kinder, durch die Ich ihnen zu Hilfe gekommen bin, vernünftig wären und würden dann das Kind ordnungsmäßig und gehörig diät behandeln, dann wäre es gut für sie und das Kind, geistig und leiblich.

17. Aber darauf verzärteln sie es gewöhnlich noch einmal so stark wie früher, und dann wird gewöhnlich der zweite Zustand ärger als der erste; denn hat dieser Fleischteufel im Kinde gemerkt, daß der Weg durch das Blut nicht geheuer ist, dann geht er, das Blut beseitigend, schnurgerade auf die Nerven los. Sind diese ergriffen, da wird das Kind äußerst empfindlich, was die Eltern gewöhnlich für einen krankhaften Zustand ansehen und geben dann dem Kinde ja alles, was es nur immer verlangt, um es wegen vermeintlicher schwacher Nerven ja nicht zu sehr zu reizen.

18. Da muß wieder Ich ins Mittel treten und das Fleisch des Kindes mit einer Ruhr oder starkem Husten heimsuchen, damit dieses Spezifikum von den Nerven wieder abgeleitet wird, wodurch dann dem Fleische des Kindes, wenn es derlei Hilfsmittel auszuhalten imstande ist, wieder eine Zeitlang geholfen ist, – wo es aber schon beinahe allezeit besser ist, wenn der Seele des Kindes solch ein impestifiziertes Fleisch früher genommen wird, bevor noch durch dasselbe der Fleischteufel die Seele hat ergreifen können.

19. Daher nehme Ich auch gewöhnlich solchen Eltern die Kinder ab, welche dieselben zu sehr verzärteln, was gewöhnlich bei jenen Eltern der Fall ist, die wenig Kinder haben, und daher auch nicht selten die Klage: „Ich habe nur ein einziges Kind, und das ist fortwährend kränklich!“, oder: „Mein einziges Kind mußte sterben; mein Nachbar aber hat eine ganze Butte voll Kinder, und die laufen oft halb nackt herum, haben keine Wartung und keine Pflege und sind kernfrisch und gesund, und nicht eins stirbt!“

20. Das ist ganz sicher, sage Ich, und darum ganz sicher, weil es einen guten Grund hat. Das einzelne Kind würde zu sehr verzärtelt werden und mit der Zeit völlig getötet für Mein Reich, weil dessen Eltern Narren sind und haben eine Affenliebe, mit der sie ihr Kind für die ganze Ewigkeit erdrücken würden, so Ich mit ihnen ein gleicher Narr wäre und es ihnen beließe zum Zeitvertreib, auf daß sie sich damit unterhalten könnten, wie sich eitle Stadt- und Schloßdamen mit Papageien, kleinen Hündchen und Vögelein unterhalten.

21. Da Ich aber mit der Menschheit einen höheren Zweck habe, als daß sie bloß ein eitles Spielzeug dummer, alberner Eltern sein solle, so bleibt natürlich kein anderes Mittel übrig, als solchen Eltern die Kinder schnurgerade wegzunehmen und sie Meinen Engeln zur weiteren Erziehung zu geben.

22. Ich suche Mir daher auch allezeit diejenigen Kinder aus, die von den Eltern, wenn sie auch mehrere Kinder haben, zuviel gehätschelt und geliebt werden; denn eine zu große Liebe der Eltern zu ihren Kindern ist gewöhnlich der Tod derselben.

23. Ließe Ich sie dem Leibe nach leben, da wäre ihre Seele unwiderruflich verloren; sonach ist besser der Tod des Leibes, damit die Seele für den Himmel das Leben erhalte. Darum darf sich auch niemand wundern, wenn so viele Kinder in der Jugend und oft schon in der Wiege sterben; denn Ich weiß es am besten, warum Ich sie schon so früh von der Welt wegnehme. Es ist besser, daß sie schwache Himmelsgeister werden, als daß sie sonst auf der Welt zu starken Höllengeistern würden.

24. Hie und da aber geschieht es dennoch wohl und muß es auch der Welt wegen geschehen, daß dergleichen Zorngeister aufwachsen. Wenn die Eltern noch zeitlich genug den Zorn und Eigensinn solcher Kinder energisch bekämpfen, so können aus ihnen recht brauchbare, in einem oder dem andern Fache sehr eifrige Menschen werden; wird aber ihrem Zorne und Eigensinn nicht eifrig begegnet, so werden aus ihnen Raufbolde, Meuterer und womöglich nicht selten gräßliche Peiniger der Menschheit. Daher ist das allen Eltern ans Herz zu binden, die bei dem einen oder bei dem andern ihrer Kinder Zornsucht, Eitelkeit, Eigendünkel, Selbstsucht und eine gewisse Zierbengelei entdecken, diesen Leidenschaften mit aller Energie zu begegnen. Die Folge davon wird sein, daß sie daraus recht tüchtige und brauchbare Menschen gewinnen werden, weil dadurch das böse Zornfeuerspezifikum in ihnen in ein gutes verkehrt wird durch einen eigenen psychisch-chemischen Prozeß.

25. Diese Denkwürdigkeit ist überaus wichtig und wohl zu beachten, – daher wir nächstens noch einiges darüber ad memorandum geben werden.

T2.62. Die Bekämpfung des Zornes.

7. April 1847

1. Da eben dieser Zornteufel ein so gefährliches Wesen ist, so er sich im Besitze des menschlichen Fleisches befindet, und es gar oft notwendig ist, Kinder leiblich sterben zu lassen, ja nicht selten auch ganze Generationen durch Pest und andere verheerende Krankheiten dem Leibe nach zu töten, bevor es diesem Teufel noch möglich wird, die Seele völlig in sein Wesen zu ziehen, so ist es aber auch vor allem von höchster Wichtigkeit für jeden Menschen, der seine eigene Seele und – so er Vater oder Mutter ist – auch die Seelen der Kinder zu verwahren hat, daß man die gerechte Diät kennt und dann befolgt, durch welche nicht nur die Seele gerettet werden, sondern auch der Leib des Menschen für die ewige Wohlfahrt seiner Seele ein möglichst höchstes Alter erreichen kann, – was aber nicht geschehen kann, wenn die Menschen diese Diät zum größten Teil nicht wissen, und so sie solche auch wissen, aber dennoch nicht befolgen.

2. Wie muß sich demnach ein Mensch schon von seiner Geburt an verhalten, oder wie muß er anfangs gehalten werden, damit er in der Reife seiner Jahre jene psychische und leibliche Diätordnung beachten kann, durch die allein es ihm möglich wird, ein ruhiges, hohes Alter zu erreichen und eben durch dieses hohe Alter seiner Seele einen wahren, festen, für die Ewigkeit dauernden Bestand zu sichern?

3. Das Kind, wenn es sich schon in der Wiege zeigt, daß es sehr empfindlicher Natur ist und leicht durch allerlei Einflüsse gereizt werden kann, sollte, solange es noch kein Gedächtnis hat, durch solche Mittel genährt werden, die das Blut nicht erhitzen, sondern nur sanft kühlend herabstimmen.

4. Säugt die Mutter das Kind an der Brust, so enthalte sie sich von geistigen Getränken und hauptsächlich von Gemütsbewegungen; denn durch alles das setzt sie Spezifika in ihre Brust, die eine Nahrung dieses Feuergeistes sind, – kurz und gut, sie enthalte sich von solchen Speisen und Getränken, die zu sehr die Galle erzeugen oder die schon erzeugte aufrütteln. Hülsenfrüchte, besonders Bohnen, sind einer solchen Mutter durchaus nicht zu empfehlen, wohl aber mäßige Fleischbrühen, auch Braten vom Fleische reiner Tiere und Mehlspeisen von Weizen, Roggen und weißem Mais; auch Wassergerste oder Reis ist einer solchen gedeihlich in nicht fetter Milch gekocht.

5. Wenn aber eine Mutter das Kind nicht selbst säugt, sondern es an der Brust einer sogenannten Amme trinken läßt – was zwar nie recht gut ist –, da soll fürs erste die Amme wohl erkannt sein, wessen Geistes Kind sie ist, und hat sich's herausgestellt, daß sie eine gute und sanfte Seele ist, so muß sie dann fürs zweite dieselbe Diät im Essen und Trinken und die Zügelung ihres Gemütes beachten, wie eben diese Diät der Mutter vorgeschrieben ist.

6. Säugt die Mutter oder die Amme das Kind, so soll es alsbald von der Brust abgespent werden, wenn sich die ersten Zähne zeigen; denn mit den Zähnen beginnt auch das Gedächtnis bei dem Kinde. Am besten wäre jedoch für ein solches Kind die Auferziehung ohne Brust.

7. Weizenkleie gekocht und mit etwas reinem Honig gemengt, wäre die beste uranfängliche Kost für ein hitziges Blutkind. Man kann aber wohl auch Gerstenwasser, mit etwas Honig oder Zucker versüßt, nehmen; ebensogut und manchmal noch besser sind gekochte Feigen und gekochtes Johannisbrot.

8. Bei manchen Kindern, besonders in späterer Zeit, würde auch ein leichtes Linsenmus eine sehr beachtenswerte Kost sein, wenn jene, wie gesagt, im Alter schon etwas vorgerückt sind.

9. Tierische Milch ist anfänglich nicht zu empfehlen, weil Tiere manchmal selbst nicht vollkommen gesund sind und somit auch keine gesunde Milch liefern können, – was gewöhnlich zur Winterszeit der Fall ist. Manchmal sind aber auch schon Tiere vollblütigen und heftigen Temperamentes, deren Milch also einem solchen hitzigen, vollblütigen Kinde sehr übel zustatten kommen würde. Erst wenn Kinder ein bis zwei Jahre alt geworden sind, können sie mit leichter, durch Wasser verdünnter Milch bedient werden.

10. Dagegen wird es ihnen aber nie schaden, manchmal ein gekochtes Obstmus zu genießen; denn das Obst, besonders gute Äpfel und feinere Birnen, sind sehr tauglich, das Blut zu reinigen und herabzustimmen.

11. Fleisch kann solchen Kindern erst dann gereicht werden, wenn sie die Zähne gewechselt haben. Bekommen die Kinder, besonders obenerwähnte, früher Fleischspeisen, so wird dadurch ihr Blut zu sehr genährt, ihr Fleisch selbst zu fett und dadurch werden ihre Transpirationswerkzeuge zu sehr verschleimt, woraus dann bald eine Menge gefährlicher Krankheiten für dergleichen Kinder entstehen.

12. Wenn solche Kinder bis dahin ausgereift sind, daß sie einmal gehen und reden können, dann sollten sie mit allerlei mehr ruhigen und für das kindliche Gemüt nützlich-erhebenden Spielereien beschäftigt werden und es sollte dabei fortwährend die Aufmerksamkeit gehandhabt werden, daß solche Kinder sich nie zu sehr erhitzen, weder durch Bewegung, noch viel weniger durch einen Gemütsaffekt; es muß alles hinweggeräumt werden, was sie nur im geringsten ärgern könnte.

13. Wird aber bei einem oder dem andern trotz all der Vorsichten bemerkt, daß nicht selten Gemütsaufbrausungen vorhanden sind, da ist eine zweckmäßige Strafe nie zu versäumen, welche jedoch nicht so geschwind mit Schlägen sondern viel wirksamer und gedeihlicher mit zweckmäßigem Fasten bei der Hand sein sollte; denn nichts heilt den Zorn besser als der Hunger, und Hungernde sind am wenigsten zu einer Revolution aufgelegt, während, wenn sie satt sind, ihnen durchaus nicht zu trauen wäre.

14. Sehr gut für Kinder ist, wenn man sie dergleichen Ursachen wegen zu strafen nötig hat, daß man ihnen begreiflich macht und ihnen sagt, daß der himmlische Vater, weil sie schlimm waren, ihnen kein Brot geschickt habe. Wenn sie aber wieder vollends brav würden und den himmlischen Vater um Brot bitten würden, so werde Er ihnen gleich wieder eines geben. Dadurch werden dergleichen Kinder auf Gott aufmerksam gemacht, und es wird sich ihrer jungen Seele stets tiefer einprägen, daß sie in allem von Gott abhängt, und daß Er der getreueste Vergelter ist für alles Gute und Schlechte.

15. Sind solche Kinder aber dann recht ruhig und sittsam geworden, dann soll es aber auch nicht versäumt sein, ihnen recht begreiflich zu zeigen, wie der himmlische Vater eine recht große Freude an ihnen hat und ihnen tagtäglich am Morgen, Mittag und Abend zuruft: „Lasset diese lieben Kleinen zu Mir kommen!“

16. Wenn die Kinderchen so geleitet werden, dann wird es späterhin wenig Anstände mit ihnen haben; werden sie aber nicht also geleitet, so wird es schon etwas schwerer sein, sie in späterer Zeit auf den rechten Weg zu bringen, und es wird da das Sprichwort in Erfüllung gehen, laut dessen sich ein alter Baum nicht mehr beugen läßt, außer manchmal durch Blitz und Sturm, – wobei aber ein solcher Baum selten ohne Schaden davonkommt.

17. Sind dergleichen Kinder völlig erwachsen und haben schon eine vollkommene Selbsterkenntnis erlangt – d. h. insoweit als man in natürlicher Hinsicht diesen Begriff ausdehnt – und zeigen sich bei ihnen noch hie und da merkliche Symptome von übertriebener Gemütsreizbarkeit, da ist ihnen vor allem anzuempfehlen, daß sie in allem sehr mäßig leben, früh schlafen gehen, aber noch früher aufstehen, von geistigen Getränken sich längere Zeit enthalten, wie auch vom Fleische unreiner Tiere, und ja keine solchen Orte besuchen, wo allerlei toller Spektakel zur schlechten Belustigung der Zuseher aufgeführt wird, besonders aber jene Orte nicht, wo getanzt und gespielt wird. Dergleichen muß von solchen Brauseköpfen auf längere Zeit, wenn nicht bei manchen auf immer, gemieden werden.

18. Sehr gut ist für solche Menschen beiderlei Geschlechts auch, wenn sie bald ehelichen; denn die Brunst eines Brausekopfes ist viel ärger als die eines sanften Menschen. Hauptsächlich aber sollen solche Menschen nebst dieser naturgemäßigen Diät auch recht oft beten und geistige Bücher lesen oder sich vorlesen lassen, wenn sie selbst nicht lesen könnten. Das wird ihre Seele stärken und ihrem Geiste die Fesseln lösen, welcher leicht völlig frei wird, wenn dergleichen Menschen Meine Liebe ergreifen. Denn weil solche Menschen einer größeren Versuchung ausgesetzt sind wie andere, so sind sie aber auch eben darum Meiner Gnade um soviel näher, als um wieviel größer ihre Versuchung ist. Eben diese Menschen sind es, aus denen etwas Großes werden kann, wenn sie auf den rechten Weg gelangt sind, weil sie den gerechten Mut in sich haben. Aus diesen Menschen werden, geistig genommen, Schiffe und Paläste wie aus Eichenholz und Marmor gebaut in Meinem Reiche; aus Schwämmen und Schilf wird nicht leichtlich etwas Besseres, als es ist in seiner Art.

19. Diese Diät war noch notwendig dieser Denkwürdigkeit hinzuzufügen; und da wir sie nun klar dargestellt haben zur sicheren und nützlichsten Beachtung für jeden Menschen, so wollen wir fürs nächste noch zu einer anderen Denkwürdigkeit übergehen.

T2.63. Von der menschlichen Rangsucht.

8. April 1847

1. Etwas fast noch Ärgeres und Schädlicheres als die Zornmütigkeit oder der Zornteufel im menschlichen Fleische ist die Rangsucht, welche zwar mit dem Zorne gleichen Schritt geht, aber dennoch die Basis vom ihm ist; denn ein Demütiger wird nicht leicht zum Zorne gereizt, während bei einem Hochmütigen alsogleich, wie ihr zu sagen pflegt, Feuer im Dache ist. Diese Rangsucht ist der eigentliche Hauptteufel bei den Menschen und ist mit dem Satan schon fast homogen. Von diesem bösen Geiste werden die Kinder jedoch erst dann in Beschlag genommen, wenn sie zu einiger Selbsterkenntnis gelangt sind.

2. Anlagen dazu aber merkt man schon früher, wenn die Kinder noch kaum reden können. Stellt nur einmal mehrere Kinder zusammen und beobachtet sie bei ihren Spielhandlungen, – und ihr werdet sogleich bemerken, wie sich da bald eines vor dem andern wird hervortun wollen; denn schon einem solchen, kaum reden könnenden Kinde gefällt es, wenn ihm von den übrigen gehuldigt wird.

3. Besonders stark ist dieser Trieb beim weiblichen Geschlechte zu Hause. Dieses wird sich sehr bald schön finden und sich zu putzen anfangen, und wer sich bei einem solchen Mägdlein einschmeicheln will, der darf es nur recht oft seiner Schönheit wegen beloben. Das kleine Mägdlein wird darüber bald wie etwas verlegen zu lächeln anfangen, und es wird nicht gut aufgelegt sein, wenn sich noch ein zweites sehr hübsches Mädchen in seiner Gesellschaft befindet. Ganz gefehlt aber würde es sein, wenn man ein zweites Mädchen etwa gar noch schöner finden möchte; da wird es gewiß heimliche, wo nicht öffentliche Tränen absetzen.

4. Bei den Knaben, wenn sie noch Kinder sind, hat die Schönheit des Leibes nicht soviel Einfluß, aber dafür die Kraft. Da will ein jeder der Stärkere sein und mit seiner Kraft seinen Kameraden total besiegen und wird ihm auch womöglich ohne Gnade und Pardon mit seinen Händen und Füßen darüber nicht selten einen nahe mörderischen Beweis liefern, um nur als der Stärkste und deswegen der Gefürchtetste in der Knabengesellschaft dazustehen.

5. Bei solchen Anlässen merkt man die Gegenwart des satanisch-bösen Dämons gar leicht schon in den Kindern.

6. Daß dieser Dämon sogleich bekämpft werden sollte, dafür gibt die Natur schon den Wink – auch wenn niemand eine höhere und tiefere Kenntnis in dieser Sphäre hätte –, weil dergleichen Ranglust ja doch augenscheinlich nur gar zu bald in die größten Laster ausarten kann.

7. Ein gefallsüchtiges Mädchen wird in frühester Zeit eine Kokette und sogleich auch eine Hure, und in dem Zustande ist sie gewisserart auch schon auf dem Punkte, wo sie der Herr Satan haben wollte. Und der Knabe wird bald ein Grobian, Raufer und überhaupt ein Mensch, dem nichts mehr als nur er sich selbst heilig ist.

8. Bald werden aus solchen Menschen Stänker, Räsoneurs über Gott und alle Verhältnisse; sie wissen bald alles besser als ein anderer, verstehen alles besser, und ihr Urteil muß das richtigste sein, bloß weil sie es von sich gegeben haben. Wer sich einem solchen Urteile nicht unterziehen will, der ist im glimpflichsten Falle ein Esel; in einem etwas mehr demonstrativen Falle aber wird er geprügelt.

9. Was soll hernach aus einem solchen Menschen werden? Wer soll den belehren, der alles besser weiß als jeder andere? Und wird ihm auch von einem andern seine Torheit klar gezeigt, so wird er hitzig, und was er dagegen mit dem Munde nicht mehr auszurichten vermag, das überläßt er der Schwungkraft seiner Hände, die gewöhnlich stärker sind als die Zunge des Gegners. Ein paar mächtige Rippenstöße und ein paar ebenso kräftige Backenschläge mit der Faust wirken für den Augenblick mehr als das schönste Kapitel aus den Briefen Pauli und mehr als alle Weisheit des Sokrates. Denn wo ein Pferd ausschlägt, da geben Sokrates und Cicero nach; da könnte höchstens der Simson und auch der David als Kämpfer eine tüchtige Gegenwirkung zuwege bringen.

10. Das liegt alles in der Ranglust, nach der ein jeder der Vorzüglichere sein will, und wenn er auch wirklich der Allerletzte wäre; versagen ihm beiderlei Waffen, so bleibt ihm noch ein Mund zum Fluchen und ein unauslöschlicher Rachedurst übrig. Natürlich gehen bei solcher Gelegenheit dann schon die Ranglust und die Zornmütigkeit miteinander einher; ihr Bedienter ist dann Hinterlist und Verstellung.

11. Dieser allerböseste Teufel im menschlichen Fleische ist die Quelle alles Übels unter dem menschlichen Geschlechte und ist vollkommen gleichartig mit der untersten und tiefsten Hölle; denn in ihm sind alle Übel vereinigt.

12. Würde es wohl je einen Krieg gegeben haben, wenn dieser Dämon das menschliche Fleisch nicht so verdorben hätte? – Kein Laster kann so viele in sein Verderben ziehen wie dieses! Ein Mensch, der sehr viel dieses Dämons in sich hat, wird sich bald Unterwürflinge bilden, – anfangs freilich unter dem Namen „Freunde“; aber diese Freunde werden aus lauter Freundschaft das tun müssen, was ihr gebietender Hauptfreund will, und das darum, weil er sie in seinen rangsüchtigen Dämon hineingezogen hat. Diese seine Freunde werden wieder Freunde wählen und in den nämlichen Dämon hineinziehen, in den sie selbst hineingezogen wurden. Dadurch aber wird der Haupträdelsführer schon ein Oberhaupt, und weil die Sache gut geht, so fängt er an zu gebieten, und sein Dämon wird bald Tausende in sein Garn ziehen, und sie alle werden tanzen, wie er pfeift.

13. So entstehen dann Dynastien. Da steht einer an der Spitze, diktiert und gibt Gesetze, wie sie ihm nur seine Laune gebietet, und Tausende müssen sie befolgen, ob unter blutigen Tränen, ob willig oder nicht willig, das ist gleich; denn wo einmal eine Macht sich zu einem Knäuel vereinigt hat, da scheitert jeder spezielle Widerstand, und Vernunft, Verstand und Weisheit müssen weichen, wo tyrannischer Despotismus den Thron bestiegen hat. Beliebt es dem Tyrannen, seine Untertanen blind zu haben, – er darf nur gebieten, daß ihnen die Augen ausgestochen werden. Und seine Helfershelfer, vom gleichen Dämon beseelt, tun ja alles, was der Gebieter wünscht. Aber es geschieht den Menschen recht, daß Tyrannen über sie herrschen; wenn sie gerade auch keine Tyrannen sind, so sind sie doch wenigstens hartnäckige Despoten, die aber ebenso wie der Tyrann den pünktlichsten Gehorsam fordern, den leisesten Widerspruch als eine Majestätsbeleidigung erklären und ihn – wenn nicht mit dem Tode, so doch wenigstens mit einem zeitweiligen, schweren Kerker bestrafen. Aber, wie gesagt, es geschieht den Menschen recht, daß es so ist.

14. Die Menschen selbst haben Gott auf die Seite und ihren eigenen Hochmutsdämon auf den Thron gesetzt, und was sie einst taten, das tun sie noch; denn überall sorgen die Eltern ja bei ihren Kindern, daß sie etwas Besseres und Höheres werden als sie selbst. Der einfache Bauer, wenn er auch seinen Wunsch nicht ausführen kann, so hat er ihn doch wenigstens im Herzen, demzufolge sein Sohn ein großer Herr und seine Tochter, wenn sie nur irgend ein weicheres Gesicht hat, wenigstens eine Bürgersfrau in einer Stadt oder das Weib irgend eines Landbeamten werden möchte. Ein Schuster ist weit entfernt, seine Kinder sein Handwerk lernen zu lassen; und hat er eine etwas mehr schöne als häßliche Tochter, da wäre es keinem seines Handwerks zu raten, sie zum Weibe zu verlangen, weil sie leicht eine Beamtenfrau, wenn nicht noch mehr werden kann. Der Schuhmacherssohn muß natürlich studieren und dann je mehr desto besser werden. Ist die Tochter eines solchen Toren wirklich eine Rätin geworden und der Sohn etwa gar ein Kriminalaktuar, dann darf es der Vater ja nicht gar zu keck weg mehr wagen, sich seinen hochgestellten Kindern mit aufgesetztem Hute zu nahen. Es kränkt ihn zwar sehr, und er weint oft gar bittere Tränen, daß ihn seine Kinder nicht mehr kennen wollen; aber es geschieht ihm recht. Warum war er ein solcher Esel und hatte Freude daran, sich statt zwei Stützen für sein Alter nur zwei Tyrannen heranzubilden?!

15. Darum geschieht es jedermann recht, und der ganzen Menschheit geschieht es recht, daß sie von oben bis unten und über und über tyrannisiert wird; denn sie selbst hat ja die größte Freude daran, Tyrannen aus ihren eigenen Kindern zu bilden.

16. Wer läßt denn die Kinder studieren? Die Eltern. – Warum? Damit die Kinder etwas werden sollen. – Und was sollen die Kinder werden? Ganz natürlich, wenn es möglich ist allezeit mehr als die Eltern; denn überall heißt es: „Ich lasse meinen Sohn studieren, auf daß er einst entweder ein Geistlicher oder ein Staatsbeamter werden möchte, und wenn er es zu einem Hofrate oder gar zu einem Minister bringen könnte oder als Geistlicher womöglich zu einem Bischofe, so wäre es mir wohl am liebsten.“ Also spricht das Gemüt eines Vaters, und ebenso das Herz einer Mutter. Aber daß ein Vater sagen möchte: „Ich lasse meine Kinder nur darum studieren, daß sie sich recht nützliche Kenntnisse sammeln sollen, um dann mit weisem Vorteil das zu sein, was ich selber bin oder auch etwas Geringeres, – aber gut und recht!“, das wird nicht leichtlich gehört werden, noch weniger Mein Wort: „Wer unter euch der Erste sein will, der sei der Letzte und euer aller Knecht.“

17. Das habe Ich geboten und siehe, kaum ein Bettler befolgt dieses Gebot; aber was der Satan befiehlt durch seinen Dämon, nach dem rennt klein und groß, Kind und Greis. Daher geschieht aber der Welt auch zehnmal und hundertmal recht, daß sie mit Schwert und Feuer tyrannisiert wird; denn sie hat ja selbst das größte Wohlgefallen daran.

18. Hört auf, aus den Kindern Tyrannen zu erziehen, und werdet selbst lieber die Letzten als die Ersten, dann werden die Tyrannen auf den Thronen bald allein dastehen; und weil ihr tief drunten stehen werdet, so werden auch sie tief herab von ihrer Höhe steigen müssen, um nicht auf selber verlassen zugrunde zu gehen.

19. Aber wenn ihr aus euren Kindern stets mehr und mehr Staffeln zu dem Throne bauet, da muß dieser ja stets höher werden, und je höher er wird, desto weiter kann er die Steine schleudern von seinem erhabenen Standpunkte, und desto härter treffen sie auch euch Untenstehende. Und Ich lasse es recht gerne zu, daß der Höheren Macht wachse, damit die Narren unten doch etwas haben, das sie demütigt und ihnen zeigt, was sie sein sollen und nicht sind. Und so sind die Regenten nunmehr von Mir bemächtigt und tun sehr recht, wenn sie die dumme Menschheit drücken soviel als nur möglich; denn sie verdient nichts Besseres.

20. Läßt der Vater seinem Sohn nicht einen besseren Rock machen, als er ihn trägt? Und die Mutter geht mit ihren Töchtern in die Modeläden und sucht stundenlang Zeuge aus, in denen sich ihre Töchter desto besser ausnehmen möchten, um dadurch mehr „Eroberungen“ zu machen. Warum denn Eroberungen? Erunterungen wären's nach Meinen Worten, nach denen die Menschheit streben sollte! Weil aber Eroberungen, – da sind die Tyrannen recht; ja sie sind sogar Engel, weil sie die Eroberungssucht soviel als möglich durch Steuern und andere lästige Gesetze herabdrücken.

21. Also spricht der Vater zu seinem Sohne: „Du mußt dir ein solches Benehmen aneignen, daß du alle Augen und Ohren auf dich ziehst und dadurch unentbehrlich wirst einer ganzen Gesellschaft, oder mit anderen Worten gesagt: Suche der Erste in der Gesellschaft zu werden!“ – Warum sagt der Vater nicht lieber: „Sohn, ziehe dich zurück! Es ist besser, daß du vom untersten Standpunkte deine Augen auf die Gesellschaft richtest, als daß die Gesellschaft auf dich alle ihre Augen richte!“ – Oder was ist wohl besser: der Grundstein eines Gebäudes oder ein Dachgiebel desselben zu sein? Wenn aber ein Sturm kommen wird und wird zerstören Dach und Haus, wird er wohl auch den Grundstein von seiner Stelle bringen?

22. Wer am meisten unten ist, der ist auch am meisten sicher; die Spitze eines Turmes aber ist ein Spielzeug alles Gewitters.

23. Darum gehet nach unten! Die rechte Demut sei der feste Standpunkt eures Seins. Dort wird jeden der böse Rangdämon verlassen, und mit der Tyrannei wird es für ewige Zeiten ein Ende haben.

24. Oder meinet ihr, einem Fürsten läge etwas daran, daß ihn das gemeine Gesindel als Fürsten erkennt? Daran wird er wirklich seine Fürstenehre nicht knüpfen; sondern als Fürst verlangt er nur von den höheren Kreisen und von den Kreisen seinesgleichen die Anerkennung seiner Hoheit.

25. Wenn demnach die Menschheit samt und sämtlich herabstiege auf den Grund der Demut, da mag dann der Fürst mit Laternen seinesgleichen und seine Hoheitsanerkennung bei selben suchen, und er wird sie so wenig finden als geschliffene Diamanten in einem Flußschottergerölle.

26. Sehet, das ist der Weg zur Glückseligkeit hier und jenseits; dadurch kann Menschheit und Fürst gebessert werden, – nicht aber durch Widerspenstigkeit, und noch weniger durch allerlei meuterische Aufstände gegen eine geordnete Macht. Von unten muß es angefangen werden, so jemand ein Haus bauen will; mit dem Dache anzufangen, geht durchaus nicht. Oder wie will man zuerst eine Fahne oder ein Kreuz auf der Spitze eines Turmes zurechtbringen, wo einem ganzen Turmbau noch nicht einmal der Grund gelegt ist?

27. Wer andere bessern will, der bessere zuerst sich und lebe gerecht, – so werden die anderen ihm nachfolgen, wenn sie den Vorteil ersehen werden. Und wer andere demütigen will, der demütige sich zuerst, so wird er seinem Nachbar durch sich selbst eine Stufe wegnehmen, auf welcher der Nachbar höher gestiegen wäre. Wenn aber schon jemand seinen Bruder trägt, wird sein Bruder wohl vom Berge herabkommen, wenn sich sein Träger nicht herabbegeben will? Der Träger richte daher seine Schritte zuerst nach abwärts, so wird auch der hinabkommen, den er trägt; geht aber das Lasttier aufwärts, so geht sicher auch der mit ihm höher, der darauf sitzt und dasselbe drückt.

28. Solange demnach nicht Meine Lehre vollkommen in allem beachtet wird, wird es weder hier noch jenseits – im einzelnen, wie im allgemeinen – besser werden. Wenn aber jemand Meine Lehre vollends befolgen wird, der wird es gut haben hier und jenseits; denn eine demütige Seele findet sich bald in allem zurecht, und weil sie Mir am nächsten ist, so hat sie auch allezeit die allersicherste und allerbeste Hilfe bei der Hand.

29. Aber leider ist jedes Übel leichter als dieses auszurotten, und das darum, weil die Menschen selbst das größte Wohlgefallen daran haben; und ein jeder will lieber ein hochgeehrter Herr als im wahren Sinne des Wortes ein untergebenster Knecht und Diener sein. Die Menschen grüßen sich zwar wohl mit einem „ergebensten Diener“; aber das tun sie nicht, als wollten sie das sein, sondern nur höflichkeitshalber, damit sie ihr Gegner für desto mehr ansehen solle.

30. O entsetzlich dumme Menschheit! Wann wirst du zur Einsicht gelangen, daß ohne einen festen Mittelpunkt keine Welt denkbar ist? Der Mittelpunkt ist doch das Tiefste bei jedem Weltkörper; warum will denn der Mensch nicht sich in seine Tiefe begeben, auf daß er da die wahre Lebensassekuranz finden möchte für ewig, welche in Meiner Lehre so klar und deutlich angezeigt ist?

31. Aber was nützte Meine Lehre, was soll sie sein, wenn Jesus, ihr Stifter, nunmehr Selbst die Ehre hat, nichts zu sein – oder höchstens nur noch ein Zipfel von einem Sokrates oder Plato? Oder man wandelt Jesus in einen eitlen Götzen um, an dem nichts als bloß der Name übriggeblieben ist und einige Bruchstücke Seiner Lehre in der Form ägyptischer Hieroglyphen, über die nachzudenken noch obendrauf streng verboten ist. Kurz, man hat sich den Jesus moduliert, wie man Ihn brauchen könnte, damit Er was einträgt und nicht austrägt, wie Er es geboten hat, da Er sagte: „So dich jemand um einen Rock bittet, so gib ihm auch den Mantel!“ – Derjenige aber, der der Letzte und aller Knecht sein sollte, der sitzt unter Millionen zu oberst! Ein schlechtes Beispiel für die Demut! Aber es kann nicht anders sein; denn es gibt ja noch heutigestags viele tausend Menschen, deren sehnlichster Wunsch es wäre, daß ihre Söhne Päpste werden möchten. Also noch sehr viel Liebe fürs Papsttum! – Solange das, kann's nicht besser gehen!

32. Nächstens noch so manches über diesen Punkt!

T2.64. Allerlei menschliche Klagen.

9. April 1847

1. Es sind allerlei Klagen unter den Menschen. Dem einen sind die Zeiten zu schlecht; es wird alles teurer und dabei auch schlechter. Wieder andere haben eine förmliche Wut auf die Regierungen und wälzen alle Schuld auf sie. Wieder andere sind nicht zufrieden, wenn zu lange Frieden und kein Krieg ist. Andere wälzen wieder alle Schuld auf das Pfaffentum; wieder andere auf allerlei Luxus und besonders auf die gegenwärtig neu entstandenen Eisenbahnen. Kurz, ein jeder sucht den Grund des Übels dieser Zeit bald bei einem, bald im andern; aber daß sich einer von all diesen Klägern bei der eigenen Nase nähme und sich fragen möchte, ob nicht etwa auch er irgend zur Verschlimmerung solcher Zeit irgendwann beigetragen habe und vielleicht noch beiträgt, das fällt keinem ein! Ein jeder empfindet das Übel nur von außen; aber in sich selbst erschaut er es nicht.

2. Da sehe Ich einen Familienvater gewaltig über den Luxus dieser Zeit losziehen, wie er gerade in einem Verkaufsgewölbe sich befindet und seinen Töchtern teure, funkelnagelneue, allermodernste Zeuge für Kleider kauft. Was sollte man zu solch einem Luxusankläger sagen? Nichts als: Du Dummkopf, wenn dir der Luxus so mißfällt, was läßt du dich von deinem Luxusteufel dahin antreiben, dergleichen maliziöse Sachen für deine Töchter zu kaufen? – Kaufe ihnen linnene Gewänder, oder noch besser, kaufe Riste und lasse deine Töchter spinnen, so wirst du für deine Töchter ein Gewand schaffen, das ihnen viel mehr nützen wird als dein modernes Zeug, das dich so ärgert, daß du es vor lauter Ärger kaufst, um nur deine Töchter auf den Glanz herzustellen, damit man an ihnen deinen Wohlstand erkennen möchte, und damit sie günstige Eroberungen machen könnten. O du Narr, für dich ist noch viel zuwenig Luxus da, noch viel zuwenig Modewechsel; und wenn die Mode des Tages zweimal wechseln wird, so wirst du noch der alte Esel sein, – wirst zwar noch mehr schimpfen als jetzt, aber dessenungeachtet dem fortschreitenden Geiste der Zeit huldigen, wie sich's gebührt. Nun aber frage Ich: Wer sonst – als solche Dummköpfe wie du öffnen dem Luxus die Türen, weil sie ein Wohlgefallen an dem chamäleonartigen Aussehen ihrer Töchter haben!?

3. Fange anstatt deines Schimpfens in deinem Hause an, den Luxus werktätig zu verachten! Kleide deine Kinder wie oben angezeigt; vielleicht wirst du einige Nachahmer finden, und diese wieder etwelche andere! So wird sich nach und nach der Luxus selbst verlieren, wenn er keinen Absatz finden wird. – Also gibt es auch Zeitungsschreiber, die fortwährend über den Luxus losziehen, während sie sich in allem fortwährend nach der neuesten Mode tragen, wodurch ihr Geschreibsel natürlich allezeit ohne Erfolg bleibt; denn wer sich selbst nicht bessert, wie soll er einen andern bessern?

4. Andererseits sieht man wieder Landleute und Wirte ganz gewaltig über die Verzehrungssteuer losziehen, schimpfen und fluchen; diese bedenken aber dabei nicht, daß sie die ersten Erfinder dieser Staatsplage sind, indem sie ihren Abnehmern durch die Tat eine noch zehnmal größere Verzehrungssteuer diktieren, als wie groß sie der Regent von seinen Untertanen verlangt.

5. Als diese Steuer noch nicht bestand, nahmen alle Gastwirte schon eine ganz unmenschliche Verzehrungssteuer von ihren Gästen; gar mancher mußte vor lauter Verzehrungssteuer seinen Rock dem Wirt überlassen. Da frage Ich: Wie kann so ein Mensch über eine Steuer klagen, die er schon lange früher gehandhabt hat als der Staat an eine solche Steuer dachte? Ward sie in seinem Hause für billig geachtet, warum soll sie nicht fürs ganze Land billig sein? Verlangt nicht ein Wirt für ein Stück Brot zwei Kreuzer, das ihn kaum einen kostet? Das ist eine Verzehrungssteuer zu 100 %! Soviel verlangt der Staat nicht und ist viel billiger, und der Wirt mag sich die Staatsverzehrungssteuer wohl gefallen lassen; denn er hatte ja schon lange das größte Wohlgefallen an diesem Monopole.

6. Also auch der Landmann, so er einen Korb Obst in die Stadt bringt und zahlt dafür einige Kreuzer Staatsverzehrungssteuer. Wie bringt er aber diese ein? – Was er für den ganzen Korb zahlte, das schlägt er auf zehn Stücke auf, hat aber nach diesen zehn Stücken noch neunzig im Korbe! Diese wären demnach verzehrungssteuerfrei! Verkauft er sie aber auch also? O nein; er hebt sie, die Steuer, noch neunmal ein! Frage: Hat der Mensch nicht ein werktätiges Wohlgefallen an dieser Steuer? Wie mag er schimpfen darüber? Hat er mit 900 % noch nicht genug, der Wucherer, dem Ich umsonst seine Bäume mit Obst gefüllt habe? – Darum nur zu; nur noch mehr Verzehrungssteuer, und die soll nicht aufhören, bis sie aufgehört hat in den Herzen der Brüder gegen Brüder!

7. Wer jemanden etwas aus gutem Herzen schenkt, da erinnere Ich Mich, hat der Staat wenig oder gar keine Steuer darauf gesetzt, nota bene! So aber der Mensch gegen seinen Nebenmenschen kein Herz mehr hat, wie mag er das vom Staate verlangen, das ihm so ganz und gar fehlt? Und Ich sage dazu: Die Menschen richten sich selbst; aber den Staat richte Ich nach den Menschen.

8. Woran sie die größte Freude haben werktätig, darnach soll auch der Staat von Mir gerichtet sein! Wer nimmt eine größere Verzehrungssteuer als der Getreidewucherer von seinen Brüdern? Von dem sollte der Staat tausendfältige Steuern fordern, so würde kaum das Gleichgewicht hergestellt sein!

9. Ihr ersehet daraus, daß die Menschen allzeit selbst Schöpfer von den Übeln unter ihnen sind; daher sollen diese Übel auch so lange unter ihnen sein, als sie fortwährende Schöpfer derselben bleiben. Die Armen aber seien allezeit eine Zugabe als Plage für dergleichen Anordnungen! Denn: wer macht Arme? Die große Habsucht und allgemeine Verzehrungssteuersucht der Vermögenden! Darum sollen sie selbe auch erhalten: denn was ein Mensch selbst erzeugt, das soll er auch haben und tragen.

10. Also klagen die Bürger einer Stadt auch ganz gewaltig über ihre Hauszinssteuer; aber was ihre Zinsparteien sagen, das hören sie nicht. Wenn zufälligerweise manchmal eine Partei ihre Miete nicht pünktlich entrichten kann, so wird bald Klage und Pfändung gegen sie eingeleitet. Daher nur noch mehr Hauszinssteuer – so lange, bis das Herz des Hausbesitzers weicher wird und er in seinem Hause für Arme auch ein Stübchen unentgeltlich wird einräumen können und mit seinem Hauszinse mehr herabsteigen! Dann werde ich auch den Herzen der Regenten mildere Gesinnungen einflößen; sonst aber, wie gesagt, nur noch höher mit den Steuern! Anstatt seidene Gewänder und anderartigen Luxus der hausbesitzerischen Familie lieber ein sanftes Herz und Billigkeit im Hauszinse, dann wird es schon besser werden!

11. Gar entsetzlich wird auch über die gegenwärtigen Eisenbahnen geflucht und geschimpft. Es ist wahr, sie sind den Menschen ein böses Zeichen dieser Zeit, und Ich wollte, daß sie nicht wären; aber die Menschen wollten es, und so will Ich es auch. Sahet ihr nie früher, wie die Großen und Reichen Equipagen hielten und gefahren sind kreuz und quer? Wenn aber ein Armer des Gehens müde, sie anflehte, daß sie ihn möchten ein wenig aufsitzen lassen, da ward er bei nur einiger Zudringlichkeit mit der Peitsche zurechtgewiesen; ja, selbst wenn er noch zahlen wollte, wurde er nicht angenommen. Jetzt sitzt in einem und demselben Wagen ein stinkender Bauer, auch ein anderer sogenannter Vagabund, und neben ihm muß sich eine feinnasige Stadtdame placieren, und beide fahren um denselben Preis und genießen die gleichen Rechte. Das oftmalige städtische „Fi donc!“ neben einem Roßknecht hat ganz aufgehört, und den Dienst der früheren Wohlgeruchsflakons verrichtet der Kesselrauch. Dadurch werden die feinen Nasen etwas durchgeräuchert und empfinden den unangenehmen Geruch des Bauern nicht mehr so sehr. So konnten auch früher die Kavaliere und neben ihnen die großbürgerlichen Fashionables nie geschwind genug fahren. Unglücklich der, der sich auf der Straße befand; es wurde rücksichtslos über ihn hinweggefahren. Nun gibt es Geschwindigkeit genug; ein solcher Schnellsegler kommt auf der Eisenbahn wenigstens zu der Besinnung, daß sein Pferdefuhrwerk dagegen doch nur eine reine Pfuscherei ist. Daher läßt er seine Equipage zu Hause und fällt auf der Straße nicht mehr so oft den Wanderern lästig; denn er selbst fährt nun lieber auf der Eisenbahn als in seinem Wagen. Welch eine große Wohltat aber ist es für jene Straßenräuber von Wirten, denn diese fangen jetzt erst an, ein wenig Menschen zu werden! Und welch eine gerechte Zuchtrute für allerlei Fuhrleute, die für eine einzige Fuhre von wenig Posten nicht selten zweimal soviel verlangten, als was ihr Wagen und ihre Pferde wert waren! Die Schmiede an den Straßen, die für einen Nagel oft soviel verlangten, als wenn er von Gold wäre, kommen jetzt erst zur Einsicht beim Anblicke ganzer eiserner Straßen, daß das Eisen denn doch nicht gar so teuer sein kann! Auch Wagner, Sattler und Riemer wissen erst jetzt, was ihre Ware wert ist; denn früher glaubten sie lauter Gold- und Silberwaren zu verkaufen. Auch die Haferwucherer werden nach und nach zu der Einsicht kommen, daß sie bei weitem weniger von dieser Frucht werden vonnöten haben! Und die Stadtkutscher, die früher nie wußten, was sie für ein schlechtes Fuhrwerk verlangen sollten, können jetzt um zwei Groschen fahren, und wer mehr verlangt, der kann sich selbst spazierenfahren bis zum Bahnhof hinaus, wo irgend einer ist, und dort wehmütig zusehen, wie Hunderte von Reisenden um einen geringen Fuhrlohn sich schnell weiterbewegen. Auch die Posten, die früher nie wußten, für wieviel Pferde sie einen Stall mieten sollten, haben jetzt an wenigen sogenannten Kleppern hinreichend. Und die Aktionäre werden dadurch auch, und hauptsächlich ob des sehr schnellen Beförderungsmittels, ehestens zur Einsicht gelangen, daß sie sich hier sehr gewaltig verspekuliert haben; denn da wird ihr vermeintlicher Gewinn doch sicher gehend werden so wie der Schnee an der Sonne, und sie werden auch erkennen, daß in den Wasserdämpfen nebst der mächtigen Triebkraft sich auch die vermögenauflösende befindet.

12. Eine solche Eisenbahn ist streng genommen freilich so wenig in Meiner Ordnung als der babylonische Turmbau; aber dieser Turmbau hatte auch sein entschiedenes Gute. Er führte die Völker auseinander und brachte sie mit der Zeit zur Überzeugung, daß der Mensch auch anderorts und nicht bloß in Babylon leben kann, und daß Gott überall Seine Sonne scheinen und Seinen Regen fallen läßt; und so haben am Ende doch alle gewonnen, die der Turmbau von Babylon weggetrieben hat. Desgleichen wird es auch mit den Eisenbahnen sein, da wird am Ende ein jeder gewinnen. Der Hauptaktionär gewinnt materiell; denn er säckelt die anderen aus. Die anderen aber gewinnen an der Einsicht und bald darauf an Menschlichkeit; denn wenn Reiche zu Bettlern werden, so werden sie dann recht sanfte und demütige Menschen. Die Wirte an den Straßen gewinnen auch; denn sie verlieren das Straßenräuberische und gewinnen das Menschliche. Die Landleute, über deren beste Gründe nicht selten die Eisenbahn geführt wurde, gewinnen auch. Denn früher besteckten sie ihre Wiesen und Äcker mit Zäunen und Dornen, und wenn ein Mensch einen Tritt auf ihre Wiesen getan hatte, ward er oft malträtiert; jetzt aber ist es gut, wo er eine so breite Eisenstraße auf seinem Grunde dulden muß: er gewinnt nun an Geduld und daneben an Menschlichkeit, – und das ist auch ein großer Gewinn. Die Reisenden gewinnen; denn sie kommen bedeutend billiger und schneller an den Ort, wohin sie wollten, und lernen wenigstens in dem Wagen, daß sie nicht mehr wert sind als andere, – denn ein jeder zahlt die gleiche Fracht. Aber ungeachtet alles dessen schimpfen die Menschen über diese Zuchtrute, die sie selbst durch allerlei Mittel zuwege gebracht haben; aber: selbst getan, muß man auch selbst haben und leiden! Wenn aber Wirte, Fuhrleute und anderartige Professionisten und die Aktionäre menschlich werden, wie sich's gebührt, dann solle es auch mit der Zuchtrute besser aussehen; denn alles liegt in Meiner Hand, und Ich kann es so und so gestalten und verändern. Ich habe einmal gesagt, daß Ich an diesem Werk kein Wohlgefallen habe, und also ist es auch; denn Mich freut die Zuchtrute nicht. Aber da sie einmal da ist, wie sie die Menschen wollten, so solle sie den Guten frommen und den Schlechten zu einem Fluche gereichen. Ihr möget euch nun ganz ruhig ihrer bedienen, und Ich will noch den obendrauf segnen, der sich ihrer bedient, damit die Straßenräuber eine volle Züchtigung erhalten.

T2.65. Kapitel

10. April 1847

1. Es ist zwar wahr, daß man dadurch einer Menge sogenannter Gewerbsleute das Brot geschmälert oder sogar entzogen hat, und daß manche aus ihnen zu Bettlern werden; auch ist manchem Landmanne ein gutes Stück Grund weggenommen worden, wodurch er in der Erzeugung seiner Feldfrüchte sehr benachteiligt wurde; auch haben arme Fuhrleute ihren sonst gewöhnlichen Fuhrlohn eingebüßt, und manche Wirte, die etwas menschlicher waren als andere, kamen mit den unmenschlichen zugleich unter die Scheibe; allein dies alles, wohl erwogen, läßt sich ganz anders berechnen, als es sich uranfänglich dem Auge eines oberflächlichen Beobachters darstellt. Denn hier hat in materieller Hinsicht nur der viel verloren, der sehr viel hatte; der aber ohnedies wenig hat, der konnte dabei auch nicht viel verlieren.

2. Schmiede, die früher fast nicht zu bezahlen waren, arbeiten jetzt viel billiger, – wenn sie nur Arbeit bekommen. Hat zuvor einer sein Geschäft schon im großen betrieben, so schadet es ihm nicht; denn er hat sich schon etwas erworben, und will er ferner noch eine Arbeit, so muß er billig sein. Dabei wird er aber auch menschlicher; sonach hat er nicht viel verloren. Hat aber jemand aus dieser Professionistenklasse nur ein sehr kleines Geschäft geführt, das ihm nicht viel mehr als einem Bettler das Betteln eingetragen hat, der hat ebenfalls nicht viel verloren, und die Kluft zwischen ihm und einem früheren Großmeister ist um ein sehr bedeutendes kleiner geworden; also wieder ein Gewinn! Desgleichen ist es der Fall mit allen anderen Professionisten, ebenso auch mit den Landleuten, die an Grund verloren haben; denn wer nur einen kleinen Grund hatte, der konnte keinen großen Fleck davon hergeben, und was er hergab, wird ihm wohl vergütet. Der große Grundbesitzer konnte auch einen größeren Fleck seines Grundes hergeben, der ihm zwar auch vergütet wird mit der Zeit, worauf er aber leicht warten kann, weil er ohnehin noch mehr hat, als was er braucht. Derselbe Fall ist auch mit den Groß- und Kleinwirten. Die großen haben ihren Schnitt schon gemacht, und es wäre zu himmelschreiend, wenn man sie noch länger hätte schneiden lassen. Bei den Kleinwirten aber war es ohnehin nur ein erbärmlicher Kreuzererwerb, den sie leicht verschmerzen können; und nachdem sie ganz natürlicherweise für wenig Geld auch nur Schlechtes den Gästen darreichen konnten und sich nach und nach mehr mit Betrug als mit Ware behelfen mußten, so ist das für sie und für ihre Gäste ein physischer und geistiger Gewinn.

3. Aus dem aber stellt sich heraus, daß bei dieser Gelegenheit niemand auch in materieller Hinsicht zuviel verloren hat; und die Zuchtrute ist somit gut und wird nach und nach noch immer besser. Wie aber – wie ihr wißt – die Hanochiten zu Noahs Zeiten selbst die Wasserschleusen der Erde öffneten, von denen sie dann verschlungen wurden, so haben sich auch hier diese Leute selbst die Laus in den Pelz gesetzt. Ich aber sage: Nur zu in dieser Weise! Wem der ruhige und fruchtbringende Boden der Erde nicht genügt, der gehe aufs Meer und lerne da den Unterschied zwischen Frieden und Ruhe und zwischen Bewegung und Sturm. Wenn es ihm beliebt, und wenn ihn die Stürme noch nicht verschlungen haben, mag er ja wieder zurückkehren; denn neben dem Wasser geht auch noch immer der feste Boden fort, so wie neben diesen Neuerungen auch das alte Wort Gottes gleich fortbesteht und Meine Gnade für jedermann, der sie sucht. Wem aber an der nichts, sondern alles nur an den Neuerungen liegt, aus lauter entweder allgemeiner oder spezieller Ranglust, der mag sich immerhin in einen allerschnellst fahrenden Dampfwagen setzen und damit zu seinen Teufeln fahren, und er kann versichert sein, daß in Meinen Himmeln ihm kein mitleidiges Ach nachfolgen wird; denn dumme Gecken sind auch für Meine Himmel ein ekelerregender Greuel, und überall ist die große Lache über sie.

4. Was das Schimpfen und Klagen über das Pfaffentum betrifft, so dringen dergleichen Klagen und Schimpfereien gar nicht an Mein Ohr. Ich habe es soweit eingeleitet, daß jedermann Mein Wort haben kann, wenn er es nur will.

5. Daraus aber wird jeder leicht ersehen, daß bei Mir nichts gilt als ein reines, liebevolles Herz und ein rechter Glaube an Mich. Wem das nicht genügt, wem das Wort eines gelbsüchtigen Kanzelredners heiliger ist als das, was Ich Selbst gesprochen, der bleibe in seiner Dummheit. Wem die Geißel lieber ist als Meine Gnade, der lasse sich geißeln. Wem ein mit vielen Kosten prachtvoll erbautes Bethaus heiliger und erhabener ist als ein reines Herz, das da ist ein Tempel des heiligen Geistes, der gehe in sein Bethaus, lasse sich an jedem Sonntage oder sonstigen Feiertage zuerst mit der Monstranz segnen, dann von der Kanzel darauf wenigstens siebenmal in die Hölle verfluchen und auf die Verfluchung – respektive in die Hölle hinein – am Ende der Messe da capo mit der Monstranz segnen.

6. Die Menschen haben ja eine große Freude an der blinden Zeremonie, sie reden und schreiben sich Mund und Finger wund über die Pracht des Domes zu Rom und andere überaus prächtige Münster und verwenden dazu noch ungeheure Summen zu deren Erhaltung und Ausschmückung, gewöhnlich unter dem Titel: „Alles zur größeren Ehre Gottes!“ Recht so, recht! Wer ein Esel sein will, der mag ja in alle Ewigkeit einer bleiben. Was sollte so ein armseliges Münster und alle Münster der Erde Meine Ehre vergrößern?

7. Fürs erste habe Ich auf der Welt nie Meine Ehre gesucht, sondern Glauben und Liebe nur. Laut dessen aber ist jede andere, eitle Ehrenbezeugung, die aus Mir, dem einigen, ewigen, lebendig wahren Gotte, einen Götzen macht, ein Greuel; denn Ich will im Geiste und in der Wahrheit, welche ist im lebendigen Herzen des Menschen, nicht aber in einem Münster, angebetet sein, und die wahre Anbetung im Geiste und in der Wahrheit besteht aber darin, daß Mich die Menschen als ihren Gott und Vater erkennen, dann als solchen über alles lieben und die Gebote der Liebe auch gegen ihre Brüder halten. Das ist eine rechte Gottesverehrung; aber ein Münster ist ein Greuel und kann zur größeren Verherrlichung Meines Namens nichts beitragen, da es doch sicher nicht zeigt, was Ich, sondern nur was eitle und hochmütige Menschen vermögen.

8. Wer aber schon Meine Kraft und Größe bewundern will, der gehe zu den natürlichen Münstern, gehe zu der Erde selbst und blicke auf zu Sonne, Mond und Sternen, und er wird sicher genug haben, woraus er die Allmacht Gottes, seines Vaters, erkennen kann.

9. Bei der Betrachtung eines Berges läßt sich freilich wohl weder eine gotische noch maurische, ebensowenig eine römische, jonische, phrygische und gar babylonische Bauart erkennen; auch sind da nicht Statuen und sonstige Gemälde und Schnitzwerke von allerlei sogenannten berühmten Meistern zu erschauen; dafür aber läßt sich an diesen großen Naturmünstern die Hand des Vaters erkennen, und anstatt der Statuen und der Malereien wohnen auf solchen Münstern wirkliche, lebendige Menschen und andere Geschöpfe, und statt all der Verzierungen sind auf diesen Münstern herrliche Wälder und mit gutem und nährendem Grase bewachsene Wiesen zu sehen, die alle von der Macht, Größe und Weisheit ihres ewigen Meisters zeugen.

10. Solche Betrachtung kann das menschliche Herz wohl ad majorem Dei gloriam stimmen; aber die Betrachtung eines Münsters erhebt das Herz eines Esels nur zur größeren Bewunderung seiner noch größeren Mitesel, welche offenbar auch sehr große Esel sein mußten, weil sie glaubten, durch ihrer Hände Werk, durch allerlei Schnitzereien, Malereien und Vergoldungen, durch Wachskerzenlicht, reiche Kleider und wildes Geplärre dazu – könnten sie Den ehren, der Erde, Sonne, Mond und Sterne erschaffen hat!

11. Die Menschen verwenden noch heutigestags große Summen, machen Stiftungen und Vermächtnisse, und es darf nur irgendein neues Götzenbild eingeweiht oder etwa gar ein heiliger Leib in einer sogenannten Kirche unter dem Titel „Gotteshause“ eingesetzt werden – natürlich als eine Gnade von Rom um einige hundert Stück Dukaten gratis –, oder es darf, was noch viel außerordentlicher ist, ein Leibrock Christi, Windeln, Gürtel etc. zur Schau ausgestellt werden, und wenn solches in zwölf Kirchen zugleich geschehen möchte, was ganz natürlich zwölf Leibröcke etc. erfordern würde, das macht aber alles nichts; die Dummheit glaubt es, wenn sie auch schimpft, und opfert dann reichlich, und das alles ad majorem Dei gloriam. Was sollte man denn dazu sagen? Sollte man die Dummheit noch mehr strafen? Ist nicht vonnöten; denn sie straft sich ja eben dadurch von selbst!

12. Wollte man ihr etwas Besseres dafür geben, würde sie es wohl annehmen? Man müßte Wunder wirken! Der Leibrock aber wirkte auch Wunder. Würde die Dummheit wohl unterscheiden das betrügerische, künstliche Wunder von einem wahren, natürlichen? O nein! Sie würde das wahre, weil es in keinem Münster geschah, für ein Werk des Teufels halten, und den, der es wirkte, für einen Erzketzer! Was wäre ihr also damit geholfen?

13. Daher bleibe die Dummheit, was sie ist: eine fortwährende Strafe der dummen Esel und Narren; wer aber Weisheit sucht und ihren Lohn, der weiß auch, wo sie zu finden ist.

14. Es wird daher wohl gar bald die Weisheit über die Dummheit siegen; aber glaubt es dann nicht, daß darob die Dummen weiser werden, – denn dieses Gelichter wird bleiben, solange die Hölle bleiben wird.

15. Man fragt zwar, wie Ich so vielen Greueln so lange zusehen könne!? Warum lasse Ich nicht mit Blitz und Feuer vom Himmel dieses alte Götzentum vernichten!? Konnte Ich es doch in den alten Zeiten tun; warum jetzt nicht? –

16. Es ist wahr: Sodoma und Gomorra gingen unter; dafür aber ging Babel auf. Auch hier ist schon viel Feuer in das Götzentum geschleudert worden, wie zu allen Zeiten; aber es geht wieder auf. Darum lassen wir den Weizen mit dem Unkraute aufwachsen; es wird schon die Zeit der Sonderung kommen! Warum sollte man auch mit einem Geschäfte sich auf eine Minute Zeit binden, wofür man eine ganze Ewigkeit übrig hat? Daher nur zu – hier! Wer dumm sein will, der bleibe es; und wer weise sein will, der weiß, wo er anzuklopfen hat.

T2.66. Das zeremonielle Kirchentum.

13. April 1847

1. Was nützt da das eitle Klagen, was das lose Schimpfen und Hecheln und was das törichte Sich-Freisagen von all dem, was eine solche mit Götzentum angestopfte Kirche zu halten und zu beachten vorschreibt?

2. Das alles nützt nichts! Wenn einmal irgendein Strom geht und kräftig geworden ist, da ist es zu spät, ihn einzudämmen und ihn aufzuhalten in seinem Laufe, da er dadurch nur noch mehr anschwellen, die Dämme zerreißen und alles Land, das er überflutet, verwüsten wird. Das Vernünftigste dabei ist, dem Strome seinen Weg zu lassen; wenn er das Meer erreicht haben wird, wird sich seine Wut schon abkühlen und gänzlich vermindern.

3. Ebenso töricht wäre es, in einem solchen Strome aufwärts schwimmen zu wollen. Da würde wohl niemand um ein Haar weiter kommen; denn je kräftiger er den ihm entgegengehenden Wogen Trotz bieten wollte, desto kräftiger und heftiger werden sie an seine Stirne schlagen und ihn bald in den Grund hinabwirbeln. Am besten ist es, den Strom fließen zu lassen, wo und wie er fließt, – sich selbst aber vom Strome soweit als möglich zu entfernen im Herzen und den trockenen aber sicheren Weg der reinen Wahrheit zu verfolgen.

4. Das Sich-Auflehnen gegen etwas, was sich einmal in bestimmten Normen jahrhundertelang mehr und mehr begründet hat, wäre wohl die größte Tollheit; es wäre ein Krieg zwischen einem und tausend Soldaten! Was wird der eine wohl gegen tausend ausrichten? Dasselbe ist gerade mit einem solchen der Fall, der sich gegen eine wie immer beschaffene allgemeine Ordnung auflehnen wollte; seine Ansichten mögen noch so richtig sein, – was will er aber machen, wenn die große Masse blind und taub ist? Da heißt es klug sein und den Mantel redlicherweise nach dem Winde und nicht gegen denselben kehren, da es ihm wenig nützen würde.

5. Ich aber sehe ohnehin nie auf das Äußere, sondern allezeit nur auf das Inwendige im Menschen; und so kann ein jeder ehrliche Christ in einem Bethause ganz wohlgemut dem sogenannten zeremoniellen Gottesdienste obliegen, in seinem Herzen aber bei Mir sein, so wird ihm das nicht den allergeringsten Schaden bringen.

6. Wen aber dieser Gottesdienst ärgert, der bleibe draußen; denn bei den Ohren wird niemand hineingezogen. Und wäre auch letzteres der Fall, so wird es niemand schaden, wenn er hineingeht; denn besser ist es doch noch immer, sich in einem Bethause zu befinden und eine gewisse Andacht zu verrichten, als an den allgemein gebotenen Fest- und Feiertagen sich entweder auf eine Jagd zu begeben oder in ein Spielhaus zu gehen oder wucherische Geschäfte zu machen, Ränke zu schmieden, Huren zu besuchen und derlei Lumpereien mehr.

7. Neben den Zeremonien werden ja auch noch Predigten gehalten, vor welchen doch wenigstens einige Verse des Evangeliums vorgelesen werden! Will schon jemandem eine Predigt nicht munden, der bleibe bei den vorgelesenen Versen aus dem Evangelium, und er wird aus solchen Versen so viel herausnehmen können, daß er daran hinreichend haben wird, das ewige Leben zu erlangen, wenn er nur den wenigen Versen eine richtige Folge leistet. Demzufolge kann nicht leichtlich jemand etwas verlieren, wenn er sich auch in ein solches Bethaus begibt, wo er noch immer etwas finden kann, das ihn an Mich mahnt; aber so sich jemand aus bloßem Hasse gegen ein solches Götzentum davon losmacht, ergreift aber dafür nichts Besseres, sondern gewöhnlich nur Schlechteres, da frage Ich: Wird ihm das wohl nützen? – Ich meine es kaum.

8. Der Tempel zu Jerusalem war bei Meinen Leibeslebzeiten auf der Erde völlig ganz ein Götzentempel. Von einem Hause Gottes war sicher keine Rede mehr; denn da war Jehova nicht mehr im Tempel, außer Er kam dann und wann in denselben und lehrte darinnen.

9. Aber Ich als der Jehova, so spricht der Herr, untersagte es niemandem, den Tempel zu besuchen und seine Gabe zu opfern, und Ich selbst ging zu öfteren Malen in denselben und lehrte darinnen und ließ auch der Ehebrecherin darinnen ihre Schuld nach. Auch Meine Schüler hatten nie ein Verbot erhalten, den Tempel zu besuchen, obschon er ein vollkommener Götzentempel war. Warum sollte sich denn hier jemand ärgern, in ein Bethaus zu gehen? Denn geht er wahrhaft in Meinem Namen hinein, so bin Ich bei ihm und gehe mit ihm; und so wir darinnen sind, wird uns wohl niemand hinauswerfen. Solange Ich es darinnen aushalten werde, wird es der wohl aushalten können, mit dem Ich darinnen bin.

10. Überhaupt solle da niemand eher Blitz und Schwefelfeuer vom Himmel rufen, als bis Ich es ohnehin von Selbst dahin schleudern werde. Wann aber dieses notwendig sein wird, das weiß Ich am besten.

11. Ich meine aber, solange eine gar große Menschenmenge noch eine große Freude daran hat, dieses Götzentum auf alle mögliche Weise zu unterstützen, Messen und Ämter zu zahlen, Stiftungen zu machen, Bethäuser und andere Kapellchen zu bauen, die Opferstöcke zu sättigen, Orgeln bauen zu lassen, Glocken anzuschaffen, reiche Begräbnisfeierlichkeiten begehen zu lassen, sowie sehr teure, sogenannte Paramente herzustellen, auch kostspielige Wallfahrten zu verrichten und sich in geldmäkelnde Brüderschaften einzulassen, – solange geht es ja noch recht gut. Warum solle man das wie eine Schaumblase mit einem Hauche vernichten, woran die Menschheit bis dato noch eine große Freude hat? Wer dumm und blind sein will und wer an diesen rangsüchtigen Zeremonien von großem Gold- und Edelsteingeprunke ein großes Wohlgefallen hat, der bleibe dumm, blind und ein Narr!

12. Was liegt Mir wohl an einer Welt voll Narren? Ich sage euch: viel weniger als einem Töpfer an einem schlechten Topfe, den er zusammenschlagen kann, wann er will, weil er ihm nicht geraten wollte! Wie aber der Töpfer um so einen dummen Topf keine Traurigkeit haben wird, wenn er ihn zusammengeschlagen hat, so wenig werde auch Ich irgend ein Leid nach einer Welt voll Narren in Meinem Herzen tragen, als wäre es Mir etwa etwas Schweres, eine andere Welt voll der weisesten Engel dafür zu erschaffen.

13. Wenn aber jemand Mich sucht, der wird Mich auch finden; Ich werde ihn annehmen, und er wird Mir lieber sein als eine Welt voll Narren, und Ich werde für ihn allein auch mehr tun, als wie für eine ganze Welt voll Narren.

14. Wenn Ich Mich demnach nicht allzugewaltig rühre ob des allgemeinen überdummen Standes der Dinge und lasse sie gewisserart gehen, so sei das euch ein Zeichen, daß Mir an all diesen Dingen, wie sie jetzt in der Welt sind, und an all den Narren, die ihnen huldigen, ganz überaus wenig liegt.

15. So Ich aber hie und da einzelne finde, denen an Mir allein alles gelegen ist, an denen liegt aber auch Mir mehr als an der ganzen Welt. Ich will den einen schwelgen lassen in aller Fülle Meiner Gnade, und der Welt in ihrer Narrheit will Ich Treber reichen; denn, wie gesagt, Mir liegt an einem Guten mehr, ja bei weitem mehr – ja es liegt Mir alles an ihm – als an einer gepfropft vollen Narrenwelt, an der Mir gerade soviel liegt als an einer faulen Pflanze, die an der Straße wächst und von den Wanderern in den nichtigen Staub zertreten wird. Wie oft ist schon von einer Wiese das Gras abgemäht worden; was liegt wohl daran? Es wächst wohl wieder ein anderes nach; so ist es mit den Menschen auf der Erde der Fall, die da Narren sind und Narren sein wollen.

16. Man kann auch da sagen: Für ein hungriges Vieh ist bald ein Futter gut; die Schmeißfliege schlürft den Saft vom Kote, der Wurm frißt Schlamm; die Schweine sind eben auch keine Gourmands und Feinschmecker, und der Esel begnügt sich bekanntlich mit dem schlechtesten Futter. So aber dergleichen Menschen gleich sind wie solche Tiere, – gut, so sollen sie auch mit gleicher Kost genährt werden; denn eine andere würde ihnen nicht schmecken. Und wenn sie zu sonst nichts mehr taugen, so werden sie einst drüben dazu dienlich sein, daß bessere Geister an ihnen die schönste Gelegenheit finden werden, die hier vernachlässigte Zoologie nachzuholen; denn die Zoologie ist eine äußerst wichtige Wissenschaft. Und da eben, wie in diesem Werke hinreichend gezeigt ist, die vollkommenen Geister das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich zu besorgen haben, so versteht sich von selbst, daß sie in der Zoologie keine Laien sein dürfen. Aber freilich ist das eine andere Zoologie als wie hier auf der Welt, wo schon jeder ein guter Zoologe ist oder wenigstens sein will, wenn er die Tiere nur nach dem Balge kennt, – daher in den zoologischen Lehranstalten und dazu erforderlichen Museen meistens nur ausgestopfte Bälge den Schülern vorgestellt werden.

17. Ich meine nun über diesen Punkt mehr als hinreichend gesprochen zu haben, – daher wir fürs nächste zu noch einer ganz geheimen Denkwürdigkeit übergehen wollen.

T2.67. Träume und ihre Deutung.

14. April 1847

1. Woran und worin wird sich das wohl erkennen lassen, was Ich hier unter der vorangekündigten geheimen Denkwürdigkeit verstanden haben will? Hat diese Denkwürdigkeit äußere Zeichen?

2. Sie hat dergleichen nicht, und wenn sie schon solche hat für einen feinen Beobachter, so wird ihnen wenig oder gar kein Glaube geschenkt.

3. Diese geheime Denkwürdigkeit besteht gewöhnlich in gewissen Visionen, welche bei guten Menschen, wie auch bei schlechten, entweder vom Himmel oder von der Hölle herrühren können, daher es höchst notwendig ist, über diesen überaus denkwürdigen Punkt rechte Aufschlüsse und die richtigen Verhaltungsmaßregeln zu bekommen, damit man wisse, wie man sich bei dergleichen geheimen, oft kaum glaubwürdigen Erscheinlichkeiten zu benehmen habe.

4. Die Visionen sind verschiedener Art. Die gewöhnlichste und jedermann wohlbekannte Art von Visionen sind die nächtlichen Träume.

5. Hier läßt sich fragen: Wer träumt eigentlich, und was sind die Bilder des Traumes?

6. Im gewöhnlichen Schlafe träumt bloß die Seele, und dieses Träumen ist nichts anderes als ein wirres Schauen der Seele in ihre eigenen Verhältnisse, die aber keinen Verband haben, sondern ungefähr so wie die Bilder in einem sogenannten Kaleidoskope mit jeder Bewegung sich verändern und als völlig dieselben nie wieder zum Vorscheine kommen.

7. Dieses verbandlose Schauen der Verhältnisse und Zustandsbilder in sich hat darin seinen Grund, daß die Seele selbst sich außer Verband sowohl mit der Außenwelt als auch ganz besonders mit ihrem Geiste befindet.

8. Diese Art Visionen haben für die Seele keinen andern Nutzen als den bloß, daß sie sich nach einem solchen Traume erinnern solle, wie es mit ihr in einem absoluten Zustande noch steht.

9. Wenn sie die Träume zusammenfaßt, ja, wo tunlich, sogar aufschreibt, so kann die Seele an ihnen ein gutes Porträt ihrer selbst haben; denn sie zeigen ihr, wie sie in sich selbst ist, was ihre Hauptbegierden, was ihr Streben, und wie überhaupt ihr gesamter Zustand beschaffen ist und auch beschaffen sein wird, wenn sie sich völlig außer dem Fleische befinden wird.

10. Diese Art Träume werden weder von höllischen, noch weniger von himmlischen Geistern in der Seele hervorgerufen, sondern sie sind ganz eigene Produkte der Seele, deren sie sich bald mehr, bald weniger, bald gar nicht erinnert, was bei einem noch ganz natürlichen Menschen hauptsächlich davon abhängt, wie sein Nervengeist beschaffen ist. Neigt er sich mehr zur Seele über, so wird sich der Mensch fast jedes Traumes genau erinnern; neigt er sich aber mehr dem Fleische zu und schläft gewöhnlich mit demselben, wo wird der Mensch auch wenig oder gar keine Rückerinnerung an seine Träume haben, – was gewöhnlich bei jenen Menschen der Fall ist, die sehr sinnlich und grobmateriell sind.

11. Aber ganz anders verhält es sich mit gewissen hellen Träumen, in welchen es dem Träumenden also vorkommt, als wäre die Erscheinung Wirklichkeit, so daß er darob beim Erwachen sich selbst kaum Bescheid geben kann, ob es ein Traum war oder Wirklichkeit. Derart Visionen oder Träume gehören nicht der Seele an, sondern den sie umgebenden Geistern, mögen diese guter oder böser Art sein. Sind sie böser Art, so wird die Seele, und durch sie auch ihr Leib, wie ganz erschöpft aus einem solchen Traume erwachen; sind diese Visionen aber ein Werk guter Geister, dann werden sich beim Erwachen Seele und Leib in einem gestärkten Zustande befinden.

12. Beide Arten dieser Visionen werden nur zum Nutzen, aber nicht zum Schaden der Seele zugelassen; in den schlechten Visionen solle sie eine Warnung, in den guten eine Stärkung finden.

13. Diese Visionen werden darum so lebhaft, weil da die Geister, die solche bewirken, zuerst den Nervengeist von seiner materiellen Dienstleistung ablösen und ihn mit der Seele verbinden. In einem solchen Zustande hat die Seele das Gefühl der Natürlichkeit, weil sie sich im Verbande mit ihrem Nervengeiste befindet, daher kräftiger ist, um die kräftigeren und bedeutungsvolleren Bilder in sich aufzunehmen und zu behalten.

14. Zu dieser Klasse von inneren Visionen gehört auch das Schauen der Somnambulen, wie auch – was euch schon einmal erklärt wurde – das Schauen in der sogenannten Schwefeläther-Narkose. Diese Visionen haben daher auch schon in sich einen gewissen Verband und eine gewisse Ordnung, weil hier der Seele von den sie umgebenden Geistern schon ein mehr reiner Wein eingeschenkt wird.

15. In solchen Visionen werden der Seele von den Geistern nicht selten künftige Begebnisse vorgeführt, was für die Geister eben nichts Schweres ist, indem sie fürs erste die Ordnung der Dinge kennen, in welcher sie unabänderlich aufeinander folgen müssen, und fürs zweite, weil sie selbst die Darsteller dieser Ordnung sind.

16. Es ist gerade so, als wenn jemand von euch in ein fremdes Haus käme: da wird er wohl nicht wissen, was der Hausherr dieses Hauses heute, morgen und übermorgen tun wird; aber der Herr dieses Hauses wird es wohl wissen, weil er in seine Geschäftsverhältnisse eingeweiht sein muß. Wenn er euch aber sagt, was er tun wird, so werdet ihr es auch wissen. Also könnet ihr es auch nicht wissen, was die Geister in diesem Jahre noch alles zustande bringen werden, weil ihr im Hause der Geister noch Fremdlinge seid; wenn es aber die Geister einer Seele kundgeben, so wird auch sie wissen, was da geschehen wird. Damit aber die Geister der Seele so etwas kundgeben können, muß sie von ihnen vorerst behufs dessen vorbereitet sein, und diese Vorbereitung ist eben die, welche hier oben angezeigt wurde.

17. Von dieser Vision ist alsonach auch schon sehr viel zu halten; jedoch soll niemand auf sie, wie einst die Heiden auf ein sogenanntes umwandelbares Fatum, halten; denn darob soll dessenungeachtet niemand in seiner Willensfreiheit beeinträchtigt sein. Will jemand ernstlich etwas anderes, als was ihm die Geister in dieser Vision gezeigt haben, so darf er sich nur an Mich wenden, daß die Sache anders würde, und sie wird anders, so derjenige glaubt und vertraut, darum er sich an Mich gewendet hat; denn Ich allein kann alle Dinge in jedem Augenblicke verändern.

18. Und so Ich Selbst sagen würde: „Siehe, morgen werde Ich dies und jenes tun!“, du aber fassest Liebe und Vertrauen zu Mir und bittest mich, daß Ich damit einhalte, so werde Ich es tun, wie du bittest, und es wird darob für niemand ein Nachteil werden; denn Ich kann alle Verhältnisse, Zustände und Dinge so und so gebrauchen, und da müssen Mir tausend wie einer dienen und ein Tag sein wie ein Jahr und tausend Jahre wie ein Tag.

19. Daher soll ob solcher eben nicht selten vorkommender Visionen niemand zu sehr erschrecken; denn sind sie gut, so braucht niemand davor zu erschrecken, und sind sie böse, so können sie wohl abgeändert werden. Natürlich, wer aber fest daran glaubt und mutet Mir nicht mehr Kraft zu als seiner Vision, dem mag es dann freilich wohl „fiat“ heißen.

20. Das menschliche Gemüt ist aber freilich wohl so schwach, daß es schon aus den ganz einfachen Träumen gern und oft sehr gläubig allerlei zukünftige Begebnisse folgert, und die Menschen haben sich schon eine gewisse Regel gemacht, nach der nach gewissen Träumen gewisse Sachen geschehen müssen; welche Regulierung der Träume und ihrer gewissen Folgen ganz natürlich ebenso außerordentlich dumm ist als derjenige, der sie reguliert hat. Da gibt es Wasserträume, die bringen den Tod irgend eines Verwandten oder eines sonstigen Bekannten. Feuer bringt entweder eine Lüge oder eine Freude. Brot-, Mist- und Hochzeitsträume werden für Sterbepropheten in der Familie gehalten. Wenn einem von Bienen träumt, so wird ein Feuer; träumt es einem von Ameisen, so wird darauf eine Überschwemmung, oder der Mensch hat viele Sorgen bekommen. Wenn einem von Heuschrecken, Grillen und fliegenden Vögeln träumt, so bedeutet das Krieg, und dergleichen noch eine Menge Albernheiten, der Lotterieträume gar nicht zu gedenken.

21. Diese Bilder, die sich der Seele im Traume darstellen, sind wohl Entsprechungen des Seelenzustandes, aber keineswegs Propheten zukünftiger Begebnisse.

22. Wieviel gehört denn dazu, daß irgendein Mensch im ganzen gar leicht so viele Verwandte, Freunde und Bekannte hat, als da sind Tage in einem Jahre, manchmal auch zehnmal soviel, und daß aus einigen Hunderten oder Tausenden in einem Jahre leicht einige sterben? Nun träumt es einem dazu von Wasser, Brot, Mist oder Hochzeit, so hat dieser Traum sicher dem Verstorbenen gegolten, ob der nun um 14 Tage früher oder um 14 Tage später gestorben ist. Desgleichen sind alle anderen Träume. Da hatte jemand von einer Menge Heuschrecken geträumt, und er war nun halb ängstlich und halb sehnsüchtig nach einem Kriege. Weil sich aber in seinem Lande nichts rühren will und allenfalls in den nachbarlichen Ländern auch nichts, so geht er und liest sorgfältig die Zeitungen, und siehe da, er liest in einem Artikel „Krieg zwischen englischen Seefahrern und ihren Kolonisten mit Ureinwohnern auf Seeland!“, und er schlägt sich pathetisch auf die Stirne und spricht ganz ernst: „Da sehet, mein Traum ist schon ausgegangen! Mir hat jüngst (NB. in Steiermark) von Heuschrecken geträumt; das bedeutet Krieg, – und richtig: es ist Krieg auf Neuseeland!“ Wenn sich unser Leser ein bißchen mehr Mühe gegeben hätte, so wäre er wohl noch auf mehrere Kriege zu gleicher Zeit in den Zeitungen gestoßen.

23. Sehet, dergleichen Glauben ist dann ein Übel, welches der Seele sehr schaden kann, weil die Seele sich dadurch angewöhnt, ob solcher Momente das Vertrauen auf Mich ganz fahren zu lassen! Und je mehr von solchen prophetischen Visionsskrupeln in der Seele irgend Wurzel fassen, desto mehr schwächen sie den Glauben, das Vertrauen, wie auch die Liebe zu Mir. Wennschon dergleichen einfache Träume bloß der Seele angehören, so gehören aber darnach die dummen Deutereien einem argen Geistergesindel zu. Dieses bekriecht das Fleisch bei solchen Gelegenheiten wie die Schmeißfliegen einen Schmeißhaufen, saugt aus demselben dergleichen seelische Traumvisionen und beschwatzt dann die Seele wieder mit solchen albernen Propheteleien, die an sich nichts als Unrat solcher argen geistigen Schmeißfliegen sind, durch den sie nicht selten geradeso überkleistert wird wie manche Stubenfenster von den Fliegen, durch welche am Ende der Sonnenstrahl nicht mehr durchdringen kann oder nur sehr schlecht, – wie auch eben darum der Gnadenstrahl aus Meiner Sonne in die Seele nicht einwirken kann, weil diese zu sehr mit dergleichen Dummheiten überkleistert ist.

24. Ich gebe aber eben darum hier dieses, auf daß ihr wisset, was ihr in der Zukunft von den Träumen und auch daneben von anderartigen Visionen, die im Verfolge noch weitläufiger besprochen werden, im Punkte der Wahrheit zu halten habt. Jede Erscheinung hat zwar sicher ihren entsprechenden Grund, wie auch einen entsprechenden Zweck; aber von irgendeiner eingebildeten Dummheit soll dabei nicht die Rede sein. Nächstens daher in dieser Denkwürdigkeit weiter!

T2.68. Vom Aberglauben.

16. April 1847

1. Eine dritte Art von sogenannten Visionen ist jene aus dem Heidentume herübergebrachte höchst dumme, abergläubische Annahme, nach der gewisse, ganz natürliche Erscheinungen irgendeinen prophetischen Zusammenhang haben sollen mit einem Faktum, das sich darum in der Zukunft ereignen solle. Ich habe zwar in der Hinsicht schon bei einer anderen Gelegenheit so manches gesagt; aber weil diese Sache eben zu den größten Albernheiten und daraus hervorgehenden Bosheiten gar nicht selten den Anlaß gibt, so soll hier am rechten Platze ihre Scheußlichkeit noch einmal so recht vor die Augen gestellt werden.

2. Es kann euch nicht unbekannt sein, zu welchen überaus und ganz unbegreiflich dummen Manipulationen manche Menschen ihre Zuflucht nehmen, um von der leidigen Zukunft, versteht sich von selbst ganz irriger Weise, etwas herauszuzwicken.

3. Die ersten Narren davon sind die Kalendermacher, die, ohne einen Funken Weisheit zu besitzen, auf die lächerlichste Weise von der Welt die Witterung auf jeden Tag vorausbestimmen. Einige darunter datieren dieselbe nach gewissen, überaus läppischen und über die Maßen lächerlichen, sogenannten Lostagen. Was kann denn solch ein Lostag dafür, wenn nach ihm gutes oder schlechtes Wetter eintritt? – O du eselhaftes Volk der Erde! Wer ist denn der Herr des Wetters, Ich oder der Lostag? Oder kann Mich wohl jemand für so unweise und blöde halten, daß Ich gewisse Tage im Jahre bloß zukünftiger Witterung halber geschaffen habe? Oder hat es nicht schon zu den Zeiten geregnet, geblitzt und gedonnert, gehagelt und geschneit, als die Menschen noch nicht von einem Maria Lichtmeßtage, von den 40 Märtyrern, vom Medardi, von der Margareta und von Portiunkula etwas gewußt haben? Wer machte diese Tage erst pro primo zu gewissen Festtagen? Die Dummheit der Menschen. Und wer hernach zu Lostagen? Die sehr übergroße Dummheit der Menschen.

4. Haben aber diese Tage nicht Ähnlichkeit mit der Zeichendeuterei der Heiden und Juden, von denen Ich gesagt habe, wie sie an der untergehenden und aufgehenden Sonne wohl erkennen, was für ein Tag darauf folgen wird, und zu denen Ich sagte: „Du verkehrte Art! Die Zeichen des Himmels könnet ihr wohl beurteilen; aber die Zeichen dieser Zeit, die Zeichen, die Ich vor euren Augen wirke, diese erkennet ihr nicht!“

5. Was Ich damals sagte, das sage Ich auch jetzt. Die Lostage beurteilen die Menschen und schließen daraus aufs zukünftige Wetter; aber den großen Lostag ihres Herzens kennen sie nicht, der ihnen das Hauptwetter ihres zukünftigen, ewigen Lebens enthüllen würde.

6. Der Mensch würde aber erst dann nur recht handeln, so er die Witterungszustände seines Herzens mehr beachtete und in sich die Einsicht bekäme, daß darin fortwährend ein gar übles Wetter ist, welches wohl von den häufigen Lostagen herrührt, die da sind Spieltage, Freßtage, Sauftage und fast alle Tage Hurentage, darauf Tuenichtstage, hartherzige Tage, ehrabschneiderische Tage und noch eine Menge dergleichen lumpiger Lostage.

7. Diese Lostage soll der Mensch berücksichtigen, so wird mancher dumme Sturm, Blitz, Donner, Regen und Hagelschlag, Schnee und Eis seines Herzens unterbleiben. Und wenn dergleichen Stürme und böse Gewitter im Herzen unterbleiben werden, so würde sich der Geist aus seinem Kämmerlein in die freie Welt des Herzens zu treten getrauen und würde der Seele den Lostag des ewigen Lebens verkünden! Solange aber im Herzen fortwährend allerlei böse Ungewitter toben, die aus den bösen, lumpigen Lostagen herrühren, da bleibt der Geist in seinem Kämmerlein, und der Mensch bleibt, was er war, bloß nur ein verächtliches Tier, das schwerlich je in den himmlischen Tierkreis aufgenommen wird.

8. Also auf die Lostage, von denen das Wetter des Herzens abhängt, sollte der Mensch achthaben; aber Lichtmeß, 40 Märtyrer, Margareta, Portiunkula und Medardi, die gehen niemanden etwas an, – denn das Wetter der Welt mache Ich ohne Lichtmeß, Portiunkula und Medardi!

9. Es gibt auch Kalenderfabrikanten, die ihr Wetter noch auf eine andere Weise vorausbestimmend zustande bringen. Diese rechnen so: „Der Winter ist so lang, der Frühling so lang, der Sommer ebenso lang, und der Herbst ebenso lang. Im Winter setzen wir sechzehnmal Schnee, und zwar zu den Zeiten, in denen nach Erfahrung es sonst noch allezeit geschneit hat. Den halben Frühling hindurch lassen wir auch einige Male den Schnee, Wind und Regen los, – im Sommer gegen 10 Donnerwetter und etliche Landregen, Hitze und manchmal auch Winde; im Herbst lassen wir noch 2 Donnerwetter auftreten, dann kalte Winde, Regen, Reif und zuletzt einige Male Schnee!“ – Das heißt doch recht: Quia mundus vult decipi, ergo decipiatur.

10. Ich würde aber zu dergleichen Dummheiten eben nichts sagen, weil sie von keiner albernen Begründung herrühren; aber weil sie eine Prellerei sind, so kann es Mir nicht einerlei sein, ob solche dummen Wetterprophezeiungen dem Volke durch die Kalender verkündet oder nicht verkündet werden, – durch welche Verkündigung das Volk in seinem Glauben von Mir abgelenkt und zum dummen Kalenderglauben hinübergeleitet wird. Denn da gibt es dann Menschen, die es dem Kalender so fest glauben, daß, wenn derselbe ein Wetter anzeigt, selbes so sicher kommen muß, daß sogar Ich dasselbe nicht abzuändern vermöchte. Was ist das für eine Frucht?

11. Wieder gibt es andere Menschen, die die Kalendermacher entweder für eine Art Halbgötter oder für eine Art Zauberer oder wenigstens Schwarzkünstler halten, die mit gewissen Beelzebübchen oder Hexelchen in einer löblichen Verbindung stehen, die den Kalendermachern, wenn ihnen diese ihre Seele verschrieben haben, das Wetter auf jeden Tag voraussagen.

12. Das ist ja auch wieder eine herrliche Frucht, welche die Menschheit, statt aufwärts zum Lichte, schnurgerade abwärts zur Finsternis treibt! Also sollen die Kalendermacher in ihre Kalender das hineinsetzen, was sie mit ihrer Wissenschaft und mit ihrem Gewissen verbürgen können; aber mit dergleichen volksprellerischen Wetterindizien sollen sie fein daheim verbleiben! Und weil sie schon in dieser Hinsicht so sehr an den alten Ägyptern, Griechen und Römern hängen und ihnen ihre Zeichendeuterei als etwas historisch, altertümlich Erhabenes vorkommt, da sollen sie sich auch den eben nicht schlechten römischen Sittenspruch auf sich beziehend recht tief einprägen, welcher Spruch also lautet: Quod licet Jovi, non licet bovi, d. h. auf gut deutsch übersetzt: Über das Geschäft, das Sich Gott allein vorbehalten hat, soll sich der Ochs von einem Menschen nicht hermachen, besonders so lange nicht, als er ein purer fleischlicher Ochs ist und bleibt.

13. Ich mache die Barometer zuschanden, die mit der atmosphärischen Luft näher verbunden sind als der Geist eines Kalendermachers samt seinem Kalender; um wieviel mehr wird dann erst der Kalendermacher samt seinem Kalender beschämt, besonders wenn er so dumm ist, schöne Osterferien zu prophezeien, und Ich sie dann weiß mache!

14. Auf diese Witterungsvordeutung folgen dann noch eine Menge Narrheiten unter dem Titel: „Gegenmittel für die Witterung, oder: Mittel durch die man Ungewitter, die entweder in den Kalendern vorhergesagt sind oder auch schon wirklich herannahen, vertreiben kann“. Zu diesen Wettervertreibungsmitteln gehören an erster Stelle die sogenannten Wettermessen in der römischen Christenheit. Wenn Landpfarrer recht viel Wettermessen bezahlt haben wollen, so dürfen sie sich nur für den Fall mit einem Kalendermacher oder sonstigen Wetterpropheten ins gütliche Einvernehmen setzen, damit dieser recht viel Blitz und Hagel prophezeit; dann gibt es Wettermessen in Menge!

15. Ein zweites Gegenmittel ist das sogenannte Feldersegnen, entweder von der Ortsgeistlichkeit, die aber freilich nicht so kräftig ist, oder von einem Bettelmönche, dessen Segen viel kräftiger sein soll.

16. Ein drittes Gegenmittel, besonders gegen schon herannahende Ungewitter, ist hauptsächlich das sogenannte Wetterläuten, das eben jetzt wieder sehr in Schwung kommt, dann das Schießen mit geweihtem Pulver, dann das Räuchern mit den sogenannten Palmweiden, das Brennen geweihter Kerzen, das Aushängen des echten Tobiassegens, das Bespritzen der Felder mit Weihwasser und endlich, nebst manchen noch gemeineren Torheiten, das Aufstellen von ungeheuer hohen, rot angestrichenen Wetterkreuzen, an welchen die Wetterhexen anstoßen und dann herabfallen sollen.

17. Welch ein schauderhafter Unsinn! Aber alles das rührt hauptsächlich von den Wetterpropheten her, die selbst für eine Art Hexenmeister gehalten werden, durch welches Dafürhalten der gemeine Mensch ganz davon abkommt, Gott für den Wettermacher zu halten und bei Ihm sich ein gutes Wetter zu erbitten; sondern er hält nun das Wetter rein für ein Hexenwerk, dem er bloß mit antihexischen Mitteln begegnen muß. Und da kommt es dann, daß ein Keil den andern treibt und eine Dummheit die andere, – aber gewöhnlich unter dem Titel: Omne ad majorem Dei gloriam! Für diese Ehre aber bedanke Ich Mich; sie mag einst den ehernen, steinernen und hölzernen Göttern gemundet haben und mag noch jetzt den hölzernen, bronzenen, hie und da auch steinernen und zumeist gemalten Heiligenbildern munden, – Ich aber schaffe nichts von solcher Verherrlichung!

18. Sehet, alles das gehört ebenfalls in das Reich der Visionen, aber wohl in das schmutzigste, und hat ebensoviel Realität als die Taschenkünste eines Eskamoteurs.

19. Diese Art Visionistik hat aber das sehr bedeutend Schlimme, daß die in ihrem Herzen noch bessere Menschlichkeit von dem Vertrauen auf Gott gänzlich abgeleitet wird und all ihr Vertrauen am Ende auf die Kalender, auf die Wettermessen, aufs Wetterläuten u. dgl. m. setzt; und das ist eine Wirkung der Hölle, welche auf diesem Wege die Gemüter nicht nur einzelner Menschen, sondern ganzer Völker in den schändlichsten Besitz nimmt und diese nicht selten zu den schändlichsten Ausartungen gegen ihre armen, unschuldigen Brüder verleitet und besonders in den früheren Zeiten verleitet hat.

20. Und es ist nun eben wieder nahe daran, wenn es möglich wäre, ein Gleiches zu tun. Denn Hexengeschosse gibt es schon wieder, welche von der Geistlichkeit geduldet werden; aber Ich werde daran bald satt werden! Man soll wohl einem Volke Licht, aber nicht Finsternis geben; man gibt ihm aber Finsternis! Nur zu! Ich aber werde zu rechter Zeit den Völkern schon Selbst ein Licht anzünden, und diese werden sich dann bei den Finsternisspendern gebührend zu bedanken wissen.

T2.69. Kapitel

17. April 1847

1. Eine noch andere Art von überaus läppischer Vision besteht darin, daß fast alle Menschen, besonders aber in der römisch-katholischen Religion, an gewisse Glücks- oder Unglückszeichen halten und glauben und man findet dergleichen Narrheiten von den höchsten Zirkeln abwärts bis in des geringsten Keuschlers Hütte.

2. So ist ein solches Zeichen für Glück oder Unglück das erste Begegnen, so jemand aus dem Hause geht. Begegnet dem Ausgehenden ein Mann, so ist dies ein gutes Zeichen; begegnet dem Ausgehenden aber ein ganz unschuldiges weibliches Individuum, so ist das ein ungünstiges Zeichen. Der Glaube daran ist bei manchen so eingewurzelt, daß sie ein armes Weib, die das Unglück hat, solchen Ausgehenden zuerst zu begegnen, zu verfluchen anfangen, – wennschon nicht so laut, so doch im Herzen. Wie oft heißt es darin ganz deutlich: O du verfluchte Alte, Luder, Bestie! – und dergleichen löbliche Ausdrücke mehr. Besonders die Jäger, wenn sie auf die Jagd gehen, halten eine solche Begegnung für ein allerschlechtestes Omen, und wenn sich derlei Jäger nicht vor dem weltlichen Gerichte scheuten, da wäre solch ein unschuldiges weibliches Wesen sicher dasjenige, das mit dem ersten Pulver und Blei des Jägers etwas zu tun bekäme! Die Narrheit, die schon oft die schlimmsten Folgen hatte, ist eben auch ein heidnisches Überbleibsel und wird geduldet; nur gar wenige, etwas bessere sogenannte Seelsorger lassen manchmal, wenn sie besonders gut aufgelegt sind, einige Wörtlein gegen sogestaltigen Unsinn von Ihren Kanzeln fallen, – was aber bei weitem nicht genügt einen so alten Krebsschaden in der Wurzel zu vertilgen.

3. Die Ursache aber liegt darin, daß derlei Narrheiten nicht in ihrem Grunde eingesehen werden, wie sie da sind eine Krankheit der Seele, welche bewirkt wird von dem argen Geschmeiß jener Geister, welche, dem Heidentume entstammend, nicht völlig für die Hölle reif sind und daher noch den Freipaß auf der Erdoberfläche zu dem Behufe genießen, zur rechten Erkenntnis zu gelangen und bessere Wesen zu werden.

4. Die Geister gesellen sich zu allerlei Menschen, kleben sich an ihr Fleisch und wirken mit ihrem Heidentume in die Wurzeln der Seele, wo sie mit dem Leibe zusammenhängt, wodurch dann die Seele zu derlei albernen Annahmen gelangt.

5. Viele Menschen sehen es zwar recht gut ein, daß daran unmöglich etwas gelegen sein kann; wenn ihnen aber ein Fall vorkommt, so glauben sie bei sich dennoch daran oder geraten wenigstens in eine Art Verlegenheit, in der Meinung, daß denn etwa doch etwas daran sein könnte.

6. Bei einem ordentlichen Christen aber sollte so etwas wohl nie zu treffen sein, weil es nie zu etwas Gutem, sondern nur zu etwas Schlechtem führen kann.

7. Ein anderes solch prophetisches Zeichen besteht darin, daß einige meinen und manchmal fest glauben, wenn da vor ihnen eine Katze, ein Hase, auch ein sonstiges ganz unschuldiges Tier über den Weg geht, daß sie da in ihrer Unternehmung unglücklich werden. Was sollen denn diese Tierchen für einen Einfluß haben auf einen guten oder schlechten Erfolg dessen, was der Mensch unternehmen will? Das ist ebenfalls gleichen heidnischen Ursprungs wie das frühere und hat den gleichen Entstehungsgrund in der menschlichen Seele, daher es sorgfältigst zu vermeiden ist.

8. Eine andere derartige Torheit besteht darin, daß manche alberne Menschen aus gewissen sogenannten Lesselungen ihre Zukunft erforschen wollen. Da wird Blei ins Wasser gegossen, auch ein neugelegtes Ei ins Wasser geschlagen, dann durch gewisse Wünschelruten ein verborgener Schatz gesucht, auch Gold in Gläser gehängt, damit es entweder die Lebensjahre eines Menschen oder Ja und Nein durch den Anschlag oder Nichtanschlag über eine gestellte Frage hervorbringe.

9. Dergleichen die Zukunft enthüllen sollende Mittel sind eigentlich zu dumm, als daß man darüber ein Wörtlein verlieren sollte.

10. Welcher nur einigermaßen halbvernünftig Denkende wird seinem eigenen Geiste eine solche Schmach antun wollen, ihm selbst gegenüber so ganz geheimnisvoll dumm anzunehmen, daß ein totes Metall mehr Einsicht habe als er selbst!? Läßt der Mensch doch eben nie zu gerne zu, daß sich an seiner Seite ein Gescheiterer befindet, als er selbst ist, weil er dadurch in der Meinung ist, an seinem Geiste eine Beeinträchtigung zu erleiden! Wenn aber ein totes Metall mehr Einsicht haben soll als er, wie sieht es dann mit der Ehre seines Geistes aus!? Wenn der Mensch, wie gesagt, als ein geistig lebendes Wesen aus der Zukunft nicht herauskitzeln kann, wie sie sich gestalten wird, wie solle das dann erst ein totes Metall zu bewerkstelligen imstande sein!?

11. Lassen wir aber diese Sache ruhen; denn ihre Nichtigkeit ist zu einleuchtend! Zum größten Glücke, daß diese Lesselungen mehr als Spielerei denn als eine wirkliche Aberglaubenssache unter den Menschen gang und gäbe sind!

12. Über eine viel schlimmere Art, die Zukunft zu enträtseln, ist das sogenannte Kartenaufschlagen. Durch dieses böse Spiel sind schon viele Menschen zeitlich und ewig unglücklich geworden. Daher soll jedermann eine solche Kartenschlägerin fliehen wie die Pest; denn in der Wohnung einer solchen, die das als Handwerk betreibt, wohnen ebensoviele Hauptteufel, als sie Karten besitzt. Und wenn schon eine solche Kartendeuterin manchmal etwas errät, so geschieht dies wirklich nur durch die Hilfe des Beelzebub. Daher, wie gesagt, und wie es schon im alten Bunde gesagt wurde: Fliehet wie die Pest solche Prophetinnen, sonst seid ihr Gefangene der Hölle!

13. Nebst dieser kartenaufschlägerischen Art, die Zukunft zu enthüllen und sonstige geheime Dinge aufzudecken, hat man in neuerer Zeit sogar zum Somnambulismus die Zuflucht genommen.

14. Bei dieser Behandlungsweise, wenn ein Magnetiseur der Somnambule helfen will, soll er derselben nie eigenliebige Fragen setzen, sondern sich nur das notieren, was die Somnambule freiwillig spricht; und soll sie nicht zum Reden zwingen, was der Somnambule sehr nachteilig ist. Der Magnetiseur warte geduldig ab, bis sich die Somnambule selbst im Kreise des Sprechens befinden wird; da wird sie ohnedies reden, soviel es nötig sein wird, und eine Frage ist nur dann anzubringen, so sich die Somnambule etwa zu undeutlich, manchmal auch zu unvernehmlich über einen Gegenstand ausgesprochen hat. Überhaupt ist diese Heilart der Händeauflegung nur von Gläubigen wieder an Gläubige zu überbringen; so aber irgendein eingebildeter, dummer Geck von einem Arzte ohne Religion und ohne Glauben bloß nur durch die künstliche Manipulation irgend ein schwaches weibliches Wesen in den magnetischen Schlaf versetzt, um von ihr gewisse Dinge zu erfahren oder an ihr gewisse wissenschaftliche Proben zu machen oder gar ums Geld sie von anderen Menschen begaffen und befragen zu lassen, solch ein Magnetiseur ist ein Teufel unter menschlicher Larve, und für die Somnambule wäre es ebensogut, wenn nicht besser, so sie von einem wirklichen Teufel besessen worden wäre, als daß sie sich von einem solchen gott-, religions-, ehr- und gewissenlosen Magnetiseur hätte magnetisch behandeln lassen.

15. Für dergleichen Menschen sollten, gleichwie für die ärgsten Straßenräuber und Mordbrenner, die schwersten Kerker erbaut sein, denn das Scheußlichste aller Scheußlichkeit und scheußlicher als aller Sklavenhandel ist, so ein Mensch sich unterfängt, nicht nur allein den Leib seines Bruders oder seiner Schwester, sondern auch dessen Seele und Geist um den schnöden irdischen Gewinn, zum Teile an die Menschen, zum Teile an die Hölle zu veräußern.

16. Dergleichen Frevel, wo sie gang und gäbe werden, sollen aber auch durch Meinen Antrieb hier und dort die gerechteste Züchtigung finden!

17. Ich zeige euch dieses darum an, damit ihr bei hie und da vorkommenden Fällen wisset, wie ihr euch zu benehmen habt.

18. Ich will jeden Magnetiseur segnen, der in Meinem Namen den Kranken die Hände auflegt, um ihnen Heilung zu bringen; aber Ich will einen gleicherweise verfluchen, der sich aus dem nur ein geckenhaftes Taschenspielerhandwerk, an das er nicht den geringsten Glauben hat und haben kann, zu bereiten sucht, um aus demselben einen schnöden Gewinn zu ziehen. Dergleichen Wundertäter und Zukunftsenthüller sollen Mir für ewige Zeiten vom Halse bleiben!

19. Überhaupt soll es sich ein jeder merken, und ihr selbst möget jedermann dahin verweisen, ja nicht je sich beifallen zu lassen, durch was immer für ein außerordentliches Mittel die Zukunft enthüllen zu wollen, solange der Mensch für dieselbe noch nicht reif ist; denn es ist nicht nur allein im höchsten Grade für jede Seele schädlich, sondern auch höchst unsinnig und dumm, da es ewig nirgends eine bestimmte Zukunft gibt. Diese richtet sich ja allezeit nur nach dem freien Willen der Menschen, die darum hier auf der Erde leben um ihren freien Willen zu ordnen. Nach der Ordnung des freien Willens der Menschen auf Erden wird ja erst die Zukunft bemessen! Wie kann dann ein Dummkopf, und das ohne Glauben noch dazu, andere schwache Menschen glauben machen wollen, was da geschehen wird!?

20. Ich habe aber ohnehin jedem Menschen den freien Geist gegeben, um dessen Wiedergeburt sich jeder bekümmern soll; wenn diese erfolgen wird, dann wird auch für den Menschen die Zukunft enthüllt sein. Solange das aber nicht der Fall ist, da hat es für den Menschen so ganz eigentlich auch noch keine Zukunft! Wozu dann solch eine dumme Zukunftserforschung? – Suchet nur vor allem das Reich Gottes; alles andere kommt schon von selbst hinzu!

T2.70. Reich Gottes und Wiedergeburt.

20. April 1847

1. Es sind da freilich viele, die da sagen: „Das Suchen des Reiches Gottes wäre schon recht, wenn es irgend leichter und effektvoller zu finden wäre, und wenn irgendwo in einer Kirche oder sonstigen christlichen Gemeinde ein eigentlicher rechter Weg zum Reiche Gottes anzutreffen wäre; aber so spricht Rom: ‚Ich bin der alleinig rechte Weg!‘; desgleichen sagt auch eine jede andere Kirche von sich. Wandelt man aber einen oder den andern Weg, der zum Reiche Gottes führen soll, so findet man sicher alles andere, nur das verheißene Reich Gottes nicht, wenigstens nicht also, wie es sich bei jedem äußern sollte, der es im Ernste gefunden hätte!“ Ich aber sage dazu: Der also spricht, hat freilich eben wohl gerade nicht unrecht; denn so jemand eine wenn auch noch so kostbare Sache gar zu lange sucht und doch von ihr nichts findet, so gibt er mit der Zeit das Suchen samt der kostbaren Sache auf. Wer aber ist daran schuld? Der Suchende selbst, wenn er das Reich Gottes nicht da sucht, wo es zu finden ist und nicht in dem, worin es zu finden ist.

2. Freilich ist Rom durchaus nicht der Weg dazu, London und Berlin nicht, und Petersburg auch nicht; denn es steht ja doch wohl deutlich genug geschrieben, daß das Reich Gottes nicht irgend mit äußerem Schaugepränge zum Menschen kommt, sondern es ist inwendig im Menschen. Sein Grundstein ist Christus, der einige und alleinige Gott und Herr des Himmels und der Erde, zeitlich und ewig im Raume wie in der Unendlichkeit.

3. An Den muß das Herz glauben, Ihn lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst.

4. Hat der Mensch diese ganz einfache Forderung in seinem Herzen vollends erfüllt, so ist das Reich Gottes schon gefunden. Um das Übrige und das Weitere hat sich der Mensch dann nicht mehr zu bekümmern; das wird jedem hinzugegeben, wenn er irgend etwas benötigt.

5. Wer Weisheit benötigt, dem wird sie gegeben, wann und wo immer er derselben bedarf. Benötigt jemand irgend gewisser äußerer Hilfsmittel zur Fristung seines irdischen Lebens, so werden sie ihm in gerechter Zeit und im gerechten Maße zugewiesen werden. Benötigt jemand bei einer besonderen Gelegenheit einer besonderen Kraft, so soll sie ihm zuteil werden, wann er ihrer am meisten benötigt. Bedarf jemand eines Rates oder eines Trostes, – sie sollen ihm zuteil werden, wann immer er ihrer bedarf.

6. Würde jemand bei einer besonderen Gelegenheit einer fremden Zunge bedürfen, – auch damit solle ihm gedient sein; und will er Kranken helfen, so braucht er nichts als Meinen Namen und seine Hände.

7. Diese Vorteile aber – das versteht sich von selbst – kann kein Mensch, solange er im Fleische wandelt, und wenn er schon hundertmal wiedergeboren wäre, vollkommen eigenmächtig in seiner Hand haben, sondern nur dann, wenn er des einen oder des andern wirklich im Ernste benötigt.

8. Das wird wohl jedermann einsehen, daß Ich niemanden gewisserart zum Spaßmachen Meine Gnade erteilen werde; denn der Wiedergeborene, und wenn er das Reich schon zehnmal gefunden hätte, muß so gut wie jeder andere zu Mir kommen, wenn er irgend etwas haben will, so wie auch Ich Selbst, als Ich im Fleische auf der Erde wandelte, nicht tun konnte und durfte, was Ich wollte, sondern was Der wollte, der Mich gesandt hat. Dieser war zwar in Mir, wie Ich in Ihm; aber er war der Geist Gottes als Vater von Ewigkeit, Ich aber war und bin dessen Seele. Diese besitzt zwar ihre eigene Erkenntnis und Fähigkeit, als die höchste Seele und die vollendetste Seele aller Seelen; aber dennoch durfte diese Seele nicht tun, was sie wollte, sondern nur, was Der wollte, von dem sie ausgegangen ist. Wollte die Seele auch den letzten bittern Kelch zur Seite schieben, so wollte aber solches dennoch nicht Der, der in Mir war; darum tat demnach Meine Seele auch das, was Der wollte, der in Mir war.

9. Darum aber müsset auch ihr euch unter einem wiedergeborenen Menschen nicht irgendeinen permanenten Wundertäter in allen Dingen vorstellen und auch nicht einen solchen, der ob der Innehabung des Reiches Gottes mit irgendeinem erlogenen, nie dagewesenen, sogenannten Heiligenscheine weder um den Kopf, noch weniger um den Bauch umflossen wäre, wie ihr eure Heiligen malt.

10. Auch sind nach dem Tode des Leibes eines Wiedergeborenen keine, besonders in der römischen Heiligenlegende gepriesenen Wunderzeichen der Heiligkeit zu entdecken, also kein alle Jahre wenigstens einmal aufsprudelndes Blut des hl. Januarius, keine frische Zunge Petri, Antonii und Nepomuceni, auch keine wundertätigen Ketten, Kleider und Sandalen, noch weniger irgendeine seligmachende Kapuziner-, Franziskaner-, Minoriten-, Serviten- und dergleichen Kutte; ebenso auch keine mumienartige Unverweslichkeit des abgelegten Leibes. Das alles ist an den Wiedergeborenen nicht zu entdecken, und wenn es zu entdecken wäre, so frage sich nur jeder Verständige selbst, wozu diese Sache gut wäre! Was würde der selige Geist eines Wiedergeborenen wohl dadurch gewinnen, so ihm auf der Erde solche wunderbaren, aber dabei dennoch nichtssagenden Auszeichnungen zuteil würden, die fürs erste ihm nichts nützen, seinen noch lebenden Brüdern aber recht viel schaden könnten? Also von allem dem tragen die Finder des Reiches Gottes nichts an sich, sondern, wie vorhin gezeigt, Meine alleinige Gnade nur dann ersichtlich, wenn sie ihrer benötigen.

11. Auch müßt ihr euch die wiedergeborenen Auffinder Meines Reiches nicht als eine Art Karthäuser oder Trappisten vorstellen, die in allem und jedem für die Welt vollkommen gestorben wären, sich mit nichts mehr beschäftigen als mit Rosenkranz, Messe und Litanei, mit lächerlichem Fasten, mit Verachtung des weiblichen Geschlechtes, strengster Verfluchung der Sünder und als Zeitvertreib mit der Betrachtung ihres Grabes und Sarges.

12. Oh, das sind keine Zeichen der Wiedergeburt, sondern im Gegenteil Zeichen der Ausgeburt aller Finsternis in ihnen! Das Licht der Wiedergeborenen kennt keine Nachtseiten des Lebens; denn in ihnen ist überall Tageshelle.

13. Grab und Sarg sind nicht Embleme eines Wiedergeborenen, der das Reich Gottes gefunden hat; denn dort gibt es weder Gräber noch Särge, weil es keine Toten gibt, sondern dort gibt es nur eine ewige Auferstehung und ein ewiges Leben, und dazu werden weder Grab noch Sarg erforderlich sein. Denn der Wiedergeborene lebt schon fortwährend in seinem Geiste und betrachtet den Abfall seines Leibes ebensowenig mehr für einen Tod, als irgendein Mensch das für einen Tod halten kann, wenn er abends seinen Rock auszieht oder, noch besser, als wie ein Lastträger, den seine Last sehr drückt, bis er am Ziele endlich diese Last einmal ablegt.

14. Aus diesem Grunde gibt es für einen Wiedergeborenen dann keinen Tod mehr. Dies ist zwar ein herrliches Zeichen der Wiedergeburt, ist aber nur innerlich im Menschen und wird nicht äußerlich wie ein moderner Pariser Rock öffentlich zur Schau getragen; auch wird dieses herrliche Zeichen nicht wie ein sogenannter Leibrock zu Trier ausgehängt, sondern, wie gesagt, dies Zeichen ist inwendig.

15. Desgleichen sind auch die übrigen Zeichen der Wiedergeburt bloß nur inwendig im Menschen und werden äußerlich nur dann ersichtlich, wenn es vonnöten ist.

16. Wer die Gabe der Weissagung hat, hat sie nur dann, wenn er sie braucht, und wenn er allezeit Mich zuvor darum bittet; denn niemand kann weissagen – denn Ich allein.

17. Wenn Ich dann die Worte dem Wiedergeborenen ins Herz und auf die Zunge lege, so wird er weissagen; sonst aber wird er reden wie jeder andere Mensch. Desgleichen verhält es sich auch mit den übrigen Gaben, wie schon früher bemerkt.

18. Aus dem allem geht aber auch hervor, daß das Reich Gottes eben nicht so schwer zu finden und zur Wiedergeburt auch eben nicht so schwer zu gelangen ist, als so mancher glaubt oder wenigstens der Meinung ist.

19. Menschen mit dem sogenannten zweiten Gesichte sind nicht als Wiedergeborene zu betrachten bloß wegen ihres zweiten Gesichtes, das nur eine Folge ihres Nervensystems ist, durch das die Seele leicht – vermittelst des Nervengeistes – Anschauungen aus ihrem Seelenreiche in den Leibesorganismus überträgt, weil eben dergleichen leicht erregbare Nerven in dieser Sache nicht hinderlich wirken. Starke Nerven können das freilich nicht, daher auch starknervige Menschen selten oder gar nie das sogenannte zweite Gesicht haben.

20. Das zweite Gesicht ist daher bei einem Menschen, der es besitzt, weder als etwas Gutes, noch als etwas Schlechtes zu betrachten, sondern es ist eine Art Krankheit des Leibes, zu welcher die Menschen meistens durch allerlei widrige Ereignisse im Verlaufe ihres irdischen Lebens gelangen. Große Traurigkeit, lange anhaltende Angst, große Schrecken u. dgl. m. sind gewöhnlich die Ursachen davon, manchmal aber auch künstliche Mittel als: Magnetismus, Berauschung und dann und wann Betäubung durch eigene narkotische Kräuter. Kurz und gut: dergleichen Zeichen sind durchaus nicht als Zeichen der Wiedergeburt zu betrachten, was schon aus dem zu entnehmen ist, daß dergleichen Visionäre ihre geschauten Bilder wohl ungefähr also erzählend darstellen, wie sie ihnen zu Gesichte kamen; aber es liegt in all ihren Erzählungen nirgends ein Grund vorhanden, auf den sie gebaut wären, und dann entbehren dergleichen Erzählungen, wenn sie auch noch so seltsam klingen, allen Zusammenhang und liegen untereinander wie Blätter in einem Walde, wenn sie den Bäumen entfallen sind.

21. Der Grund aber liegt darin: Weil bei dergleichen Individuen ihr Geist und ihre Seele noch nicht miteinander verbunden sind, so liegt auch in ihren Anschauungen kein Grund und keine Verbindung als anschaulich und wohlbegreiflich vor jedermanns Augen, während aus dem Munde eines Wiedergeborenen, wenn auch zum Teile nur erst, jede Darstellung geistiger Dinge den rechten Grund und den vollsten Zusammenhang bekundet.

22. Das ist demnach auch ein Zeichen der eigentlichen Wiedergeburt und ein sehr bedeutender Unterschied zwischen einem bloßen Visionär. Daher muß man aber auch als Folge der Wiedergeburt nicht irgend läppische Wunderdinge erwarten, sondern ganz natürliche Früchte eines gesunden Geistes und einer durch ihn gesund gewordenen Seele; alles andere gehört ins Narrenhaus.

23. Der Wiedergeborene weiß es, daß man mit den Gaben des hl. Geistes keinen Taschenspieler machen darf; daher wendet er dieselben nur dann an – und gewöhnlich im geheimen nur –, wenn sie vonnöten sind.

24. Wer aber die Wiedergeburt erreichen möchte wegen wie immer gearteter kenntlicher Wundereigenschaften, der darf versichert sein, daß ihm diesseits solche Gnade nicht zuteil wird; denn das hieße buchstäblich die alleredelsten Perlen den Schweinen zum Futter vorwerfen.

25. Liebe zu Mir, große Herzensgüte, Liebe zu allen Menschen, das ist in einem Bündel beisammen das richtige Zeichen der Wiedergeburt; wo aber dieses fehlt, und wo die Demut noch nicht für jeden Stoß stark genug ist, da nützen weder Heiligenschein, noch Kutte, noch Geistervisionen etwas, und alle dergleichen Menschen sind dem Reiche Gottes oft ferner als manche andere mit einem sehr weltlich aussehenden Gesichte; denn, wie gesagt, das Reich Gottes kommt nie mit äußerem Schaugepränge, sondern lediglich inwendig, in aller Stille und Unbeachtetheit, in des Menschen Herz.

26. Dies prägt euch so tief als ihr nur immer könnt in euer Gemüt, so werdet ihr das Reich Gottes viel leichter finden als ihr es meinet. Aber wenn ihr unter dem „Reiche Gottes“ euch allerlei lächerliche Wunderdummheiten vorstellt, dieselben erwartet – und sie doch nicht kommen, so müßt ihr es euch selbst zuschreiben, wenn bei einem oder dem andern aus euch das Reich Gottes verzieht. Denn in dergleichen Albernheiten ist das Reich Gottes ja doch nie verheißen worden; in dem es aber verheißen ist, in dem läßt es sich auch leicht finden. Aber es gibt da viele, die sich beim Suchen des Reiches Gottes geradeso verhalten wie manche Zerstreute, die ihren Hut suchen, während sie ihn schon auf dem Kopfe haben.

27. Dergleichen Visionen, die ein Wiedergeborener hat, sind allein gerecht; alle anderen aber können erst dann zur Gerechtigkeit gelangen, wenn sie von einem wiedergeborenen Geiste erleuchtet werden. Darauf ist zu gehen und zu halten; aber auf alle anderen Visionen, Träume und andere Wahrsagungsmittel ist nichts zu halten, weil sie lediglich von dem argen Gesindel herrühren, was bei zahllosen Gelegenheiten das menschliche Fleisch bekriecht und durch dasselbe die leichtgläubige Seele mit allerlei Schmutz und Unflat bekleistert.

28. Wie aber jedermann auf dergleichen Torheiten nichts halten soll, so soll er aber doch alles halten auf das Wort eines wahrhaft Wiedergeborenen, weil dieser nichts gibt, als was er empfängt, – der andere aber nur gibt, was er selbst zu schaffen wähnt.

29. Wer da großartig sagt: „Ich sage es, und dies ist mein Werk!“, dem glaubet es nicht; und so jemand spricht, als spräche er im Namen des Herrn, tut es aber eigentlich doch nur seiner Ehre und seines Vorteiles wegen, dem glaubet auch nicht!

30. Wer aber da spricht ohne Eigennutz und ohne eigene Ehrsucht: „Der Herr spricht es!“, dem glaubet es, – besonders wenn dabei nicht auf das Ansehen der Person geachtet wird; denn der Wiedergeborene kennt nur das Ansehen des Herrn; alle Menschen aber sind seine Brüder!

T2.71. Echte und falsche Propheten.

22. April 1847

1. Es könnte hier wieder jemand fragen und sagen: „Also kann man einem Wiedergeborenen doch allezeit den vollsten Glauben schenken, so er zukünftige Dinge voraussagt!? Oder soll man auch solche Voraussage in einen kleinen Zweifel ziehen? Darauf sage Ich: Wenn der Wiedergeborene spricht: „Das tuet“, so tuet es. Wenn er aber spricht: „Dies oder jenes wird geschehen!“ und hat kein Wenn dazu gesetzt, so glaubt es ihm nicht; denn da ist er schon kein rechter Wiedergeborener. Denn alles, was da geschieht und geschehen soll, geschieht bedingungsweise, daher auch hinsichtlich des Geschehens nirgends eine feste, unabänderliche Voraussage geschehen kann; würde nämlich etwas bestimmt vorausgesagt werden, was da geschehen müßte, da wäre die Welt im tiefsten Gerichte, und alle Freiheit wäre verloren. Dies weiß ein echter Wiedergeborener sehr wohl und müßte daher wider seine reinste Erkenntnis prophezeien, also offenbar lügen, so er etwas bestimmt voraussagen möchte, was da geschehen wird.

2. Ich Selbst war doch sicher der erste Prophet in der Welt; wer aber kann Mir nachweisen, daß Ich, außer Meiner Auferstehung, etwas ganz bestimmt vorausgesagt habe? Ich sagte wohl, daß Ich sterben und am dritten Tage wieder auferstehen werde; aber Zeit und Stunde weder des Sterbens noch des Auferstehens ist niemandem vorhergesagt worden.

3. So habe Ich auch Meine Wiederdarniederkunft vorhergesagt, aber – wohlgemerkt – mit dem Beisatze: „Zeit und Stunde ist niemandem bekannt außer nur Mir allein und dem auch, dem Ich es offenbaren will!“ Ich habe es aber auch schon geoffenbart, aber nicht bezüglich auf Zeit und Stunde, sondern nur bezüglich der Zeichen, an denen man Meine Wiederkunft erkennen sollte.

4. Also haben auch alle Propheten geweissagt; aber alles, was sie geweissagt haben, war bedingungsweise, damit durch eine solche Weissagung ja niemand gerichtet werden sollte, sondern die Freiheit habe, das Angebotene zu tun, um dem angedrohten Gerichte zu entgehen, oder das Angebotene zu unterlassen, um gerichtet zu werden.

5. Jeremias prophezeite jahrelang und harrte selbst, manchmal bitter klagend, auf den Erfolg der Prophezeiung; denn was er auf morgen prophezeite, geschah erst nach Jahren; ja bei 23 Jahre mußte er warten, bis seine Prophezeiung hinsichtlich der 70jährigen babylonischen Gefangenschaft an dem jüdischen Volke in volle Erfüllung ging.

6. Jonas harrte gar vergeblich auf den Untergang von Ninive, so daß er am Ende ganz ärgerlich Mir Meiner Güte wegen Vorwürfe machte. Die Ursache alles dessen aber liegt, wie schon vorhin einmal bemerkt wurde, lediglich in dem Benehmen der Menschen; denn so ihnen ein Gericht angedroht wird, sie aber sich ändern – wenn auch nicht alle, so doch wenigstens einige –, so wird das Gericht aufgehoben.

7. Wenn unter hunderttausend Menschen nur zehn gerecht werden, so will Ich dieser zehn wegen auch die hunderttausend mit dem Gerichte verschonen. Und wenn unter einer Million hundert Gerechte sind, so will Ich ihretwegen eine ganze Million mit dem angedrohten Gerichte verschonen.

8. Wenn natürlich die Zahl der Gerechten dabei noch höher steht, so wird das Gericht um desto sicherer aufgehoben, und statt eines allgemeinen Gerichtes wird nur ein spezielles die Hartnäckigsten treffen. Wenn aber weniger Gerechte da sind, dann freilich wird nach einigen noch nachträglichen Ermahnungen das angedrohte Gericht nicht aufgehalten werden.

9. Nach diesem wohl auseinandergesetzten Sinne kann und darf dann auch nur einzig und allein ein Wiedergeborener zukünftige Ereignisse vorhersagen. Haben die Prophezeiungen nicht dieses Gesicht, so sind sie falsch, und der Prophet war weder ein Wiedergeborener noch ein Berufener, sondern er tat es aus seiner eigenen Macht, wofür er auch seinen Lohn finden wird. Und wenn er auch dereinst zu Mir sagen wird – wie es dergleichen jetzt gar überaus viele gibt –: „Herr, das habe ich ja alles in Deinem Namen und alles zu Deiner größeren Ehre getan!“, so werde Ich ihm aber dennoch entgegnen: „Hinweg mit dir; denn Ich habe dich nie gekannt!“, d. h. als Propheten und als solchen, den Ich berufen hätte, in Meinem Namen zu weissagen; denn ein Prophet, der ums Geld prophezeit, ist gleich wie einer, der Gott ums Geld dient und Ihn ums Geld anbetet. Solche haben ihren Lohn schon genommen. Daher habe Ich mit ihnen nichts Weiteres mehr zu tun; denn sie waren allezeit falsche Propheten, nur Augendiener und Diener des Mammons und des Beelzebub.

10. Ihr sehet aber, daß aus dem klar hervorgeht, daß sich jedermann mit dem Prophezeien wohl gar sehr in acht nehmen sollte, der Wiedergeborene und der Berufene so gut wie der Nichtwiedergeborene und Nichtberufene; denn der Prophezeiung wegen lasse Ich wohl niemanden die Wiedergeburt erreichen, sondern allein des ewigen Lebens wegen.

11. So Ich aber jemanden berufe zu prophezeien, der sei ja nicht so keck und setze eigenmächtig etwas hinzu oder nehme eigenmächtig etwas hinweg; denn so er das täte, so würde es ihm einst gar übel bekommen! Daher ist es durchaus kein leichtes Geschäft, ein Prophet zu sein, und ein gar sehr nutzloser und schädlicher Mensch ist derjenige, der aus eigener Macht prophezeit oder sich wohl gar dabei ein göttliches Richteramt anmaßt.

12. Wer das tut, der ist ein eitler Täter des Übels und wird in eben dasselbe Gericht kommen, in welchem er seine Brüder gerichtet hat. Wer da verdammt, der wird verdammt werden, und wer da verflucht, der wird verflucht werden. Wer mit der Hölle richtet, der wird sein Gericht in der Hölle finden. Wer mit dem Tode richtet, der wird den Tod finden; wer mit dem Schwerte, der wird mit dem Schwerte gerichtet, und wer mit der Finsternis richtet, der wird in die äußerste Finsternis hinausgestoßen werden, da wird sein Heulen und Zähneknirschen; – wer aber nicht gerichtet sein will, der richte auch nicht.

13. So aber jemand sagen möchte, er habe Macht von Mir, zu richten, dem sage Ich, daß er ein Lügner ist in Ewigkeit; denn Ich habe Meinen wiedergeborenen Aposteln und Jüngern nur eine Macht der höchsten Nächstenliebe gegeben, die Ich der Liebe zu Mir gleichgestellt habe. Und dieser höchste Grad der Nächstenliebe ist Mein Geist in dem Herzen jedes Wiedergeborenen, wie auch im Herzen derjenigen, die an Mich glauben, Mich lieben und ihre Brüder Meinetwegen. Kraft dieser Liebe, die da ist Mein Geist im Menschen, hat jedermann das pflichtschuldigste Recht, seinen Feinden, sooft er will von ganzem Herzen zu verzeihen; und sooft ein Mensch seinem Feinde verziehen hat durch Meinen Geist in ihm, sooft soll es auch in allen Himmeln demselben Sünder verziehen sein.

14. Wenn es aber einen bösen Feind gibt, an dem alle Verzeihung fruchtlos ist, da solle der Mensch sagen: „Der Herr vergelte es dir nach deinen Werken!“, – und darin besteht die Vorenthaltung der Sünde.

15. Ich frage: „Ist diese Vollmacht wohl ein erteiltes Richteramt?“ – O nein, das ist nur eine Vollmacht der höchsten Nächstenliebe oder einer Liebe, die Meiner göttlichen gleichkommt, – aber ewig nie ein Richteramt, welches Ich Selbst von Mir hintangeschoben habe und habe es darum um so weniger einem Menschen erteilt.

16. Ich habe aber diese höchste Liebesvollmacht eben aus Meiner höchsten Liebe darum den Menschen gegeben, damit die Menschen untereinander selbst sich desto leichter wahrhafte Brüder in Meinem Namen werden könnten; denn bei den Juden konnte niemand, außer allein der Hohepriester, eine Sünde, die ein Mensch an dem andern beging, wieder sühnen, und das nur zu gewissen Zeiten und durch bestimmte Opfer. Zwei Menschen, die gegeneinander gesündigt hatten, blieben so lange Feinde, bis sie der Priester und das Opfer versöhnt hatten.

17. Wie mißlich war dieser Umstand – der freilich mehr eine falsche Auffassung des Gesetzes, als das Gesetz selbst war – für solche Menschen, welche nicht selten viele Tagereisen von Jerusalem entfernt lebten! Um diesem alten Mißbrauche des Gesetzes kräftigst zu begegnen und den Menschen ihre Bürde möglichst zu erleichtern, habe Ich demnach jedem Menschen die höchste göttliche Liebesmacht damit gegeben, daß jeder seinem Beleidiger von ganzem Herzen verzeihen kann, und daß diese Verzeihung auch für alle Himmel gültig ist.

18. Wer wohl kann daraus eine Vollmachtserteilung herausbringen, die sich ein Richteramt aneignet? Oder wenn Ich so etwas getan hätte, hätte Ich da nicht Mir Selbst widersprochen, so Ich auf der einen Seite alles Richten verdammte, auf der andern Seite aber es dennoch als unerläßliche Bedingung zur Seligwerdung anbefohlen hätte?! So etwas ließe sich wohl kaum von einem blöden Menschen erwarten, geschweige erst von der allerhöchsten Weisheit Gottes.

19. So Ich sage: „Nehmet hin den heiligen Geist!“, so hieß das soviel und heißt es noch: „Nehmet hin die höchste Kraft Meiner göttlichen Liebe! Was ihr löset auf Erden, das soll gelöset sein, und es bedarf da weiter keines Opfers und Hohenpriesters mehr; und was ihr bindet an euer Herz, und was ihr bindet in der Welt, das soll auch im Himmel gebunden sein!“

20. Hier ist unter „Lösen“ und „Binden“ nicht einmal die Vergebung und Vorbehaltung einer Sünde zu verstehen, sondern das Lösen ist ein Freimachen und das Binden ein Annehmen.

21. Wenn z.B. jemand mir etwas schuldet als ein Mensch einem Menschen, so kann der Mensch den Menschen von der Schuld frei machen. Oder so da wäre irgendein Heide, so kann ein Christ ihn, wenn er Christum bekennt, vollkommen frei machen und kann ihn alsogleich in die Gemeinde aufnehmen oder ihn binden im Herzen mit der Allkraft der göttlichen Liebe. Das zu tun hat jeder rechtgläubige Christ, der an Mich glaubt, Mich liebt und in Meinem Namen getauft ist, vollgewichtig das Recht, ohne darob sich an den Hohenpriester zu wenden, dem allein es früher zukam, fremde, heidnische Menschen in das Judentum aufzunehmen durch die Beschneidung.

22. Solche Vollmacht geschah darum – wie schon oben gezeigt –, daß dem Menschen das Leben soviel als möglich erleichtert würde und er sich allenthalben sein Gewissen reinigen und ein wohlgemütliches Leben führen könnte.

23. Wer aber kann da ein noch lästigeres Richteramt herausleiten, als es das frühere jüdische war? Wo solches besteht, besteht es wider alle Meine Anordnung, und wer daran teilnimmt, der richtet sich selbst, so er meint, dadurch seiner Sünden ledig zu werden, wenn er sich freiwillig hat richten lassen. Eine solche Richteranstalt wird für ihn zu einer wahren Sündensparkasse; denn wie kann ein Dritter jemandem eine Schuld erlassen, die ein Zweiter an den Ersten schuldet? Der Erste kann wohl die Schuld dem Zweiten nachlassen, aber der Dritte in Ewigkeit nie. Ein Dritter aber kann, wenn ein Erster und Zweiter oder der Gläubiger und der Schuldner dumme Menschen sind, wohl einen Rechtsfreund machen und kann sie ausgleichen durch guten Rat und durch gute Tat; aber von Sündenvergeben kann da nie eine Rede sein, – außer der Gläubiger hätte ihn aus dem Grunde seines Herzens dazu bevollmächtigt.

24. Wenn aber Jakobus aus Meinem Geiste ein Sich-gegenseitiges-Sündenbekennen anempfiehlt, so ist darunter noch lange keine Beichte zu verstehen, sondern nur eine gegenseitige vertrauliche Mitteilung eigener Gebrechen und Schwächen, um dafür von dem stärkeren Freunde und Bruder ein recht stärkendes Gegenmittel im Geiste und in der Wahrheit zu bekommen. Sehet, dazu braucht jemand weder priesterliche noch exorzistische Weihen, und das Apostelamt selbst ist nur ein brüderliches Lehramt, aber kein hebräischer und heidnischer Gold-, Silber- und Edelgesteinpomp.

25. Daß die Lehrer der Gemeinde sich im höchsten und reichsten Pompe zeigen sollten, hat Jakobus sicher nicht gemeint, da er den Gemeinden ein gegenseitiges Gebrechen- und Schwächenbekenntnis anriet; er wollte damit nebst dem ärztlichen Zwecke auch den der gegenseitigen Demütigung erreicht haben, daß sich nicht ein Bruder vor dem anderen wie der Pharisäer im Tempel hervortun, sondern dem demütigen Zöllner gleich sein sollte.

26. Da ist also von keiner Beichte, wie schon oben bemerkt, die Rede; wohl aber ist es nicht nur den Aposteln, sondern jedermann anbefohlen, wenn es nötig ist, einen ungerechten Haushalter zu machen, welcher nebst anderem sich hauptsächlich darin kundtun solle: So da irgend sehr schwachsinnige Menschen an ihren Brüdern gesündigt haben, diese aber gestorben wären, entweder leiblich oder geistig – bei welchem Umstande an eine Schuldnachlassung gegen ihre schwachsinnigen Beleidiger nicht mehr zu denken ist –, da wohl kann ein Dritter zu den Schwachen treten und ihre vermeintliche große Schuld ganz klein schreiben. Der wird an ihnen ein Werk der wahren christlichen Barmherzigkeit ausüben, besonders wenn er sie zu Mir wendet; in jedem anderen Falle aber soll sich ein Dritter nicht als Schuldnachlasser zwischen zwei Brüder mengen. Wenn er das tut, so soll alle Sünde der zwei auf ihn gelegt sein, weil er sie richten, aber nicht bessern wollte.

27. Dies ist ganz gründlich das leichte Verständnis davon, was es mit der anbefohlenen Sündenvergebung für eine Bewandtnis hat. – Nächstens noch etwas darüber und mehreres vom falschen Prophetentume.

T2.72. Sündenvergebung und Bilderdienst.

24. April 1847

1. Es sind einige von den sogenannten modernen Philosophen, die Mich auch freilich nicht für mehr als nur für einen Philosophen ansehen; diese behaupten, daß ein jeder Mensch nach dem christlichen Sinne das Recht habe, Sünden zu erlassen, indem Ich, als der Stifter dieser Lehre, auch Sünden nachgelassen habe – und nota bene solchen Menschen, die Mich zuvor doch sicher nie beleidigt hätten.

2. Ich aber sage dazu und sage solchen Philosophen ungefähr das, was Ich zu jenen Juden gesagt habe, die die Ehebrecherin vor Mich gestellt haben:

3. „Wer aus euch ohne Sünde ist, der mag desgleichen wohl tun, und es soll seine Handlung in allen Himmeln genehmigt sein.“

4. Ich konnte wohl als Mensch jedermann Sünden nachlassen, weil Ich völlig ohne Sünde war; wer aber nicht ohne Sünde ist und, wenn auch sonst keine, so doch die fleischliche Zeugungssünde in sich als erblich wohnend hat, der kann desgleichen nicht tun.

5. Denn ohne Sünde sein heißt: sich im höchsten Grade der Demut und der Liebe befinden. Das Gesetz Gottes muß die eigene Natur eines solchen Menschen sein. Sein Fleisch muß von Kindheit an in allen seinen Begehrungen bis auf den tiefsten Grad verleugnet sein, auf daß Gottes Kraft vollends in demselben wohnen kann; dann könnte solch ein Mensch wohl auch zu diesem oder jenem sagen: „Deine Sünden sind dir vergeben!“, und sie werden ihm vergeben sein; aber da vergibt nicht der Mensch die Sünden, sondern allein die göttliche Kraft, der es allein möglich ist, die Herzen derjenigen, die gegeneinander gesündigt haben und in Feindschaft geraten sind, auszusöhnen und auszugleichen, d. h. die Herzen mit ihrem göttlichen Feuer zu durchglühen und zu durchleuchten und dadurch zu ersticken allen Zorn, allen Hochmut und allen Neid. Daß aber solches nur Gottes und keines Menschen Kraft vermag, das versteht sich von selbst; daher ein Mensch auch nur zu Gott sagen kann:

6. „Herr, vergib mir meine Sünde, die ich an vielen meiner Brüder begangen habe, welche Brüder ich nun nicht mehr um die Vergebung der an ihnen begangenen Sünden angehen kann; Deiner Kraft, o Herr, aber ist es für allezeit, wie für ewig, vorbehalten, dasjenige in aller Wirklichkeit zu bewerkstelligen, was ich wohl selbst bewerkstelligen möchte, so ich es nunmehr könnte!“

7. Sehet, auf diese Art kann also nur allein die Kraft Gottes Sünden nachlassen, welche sich Menschen gegenseitig nimmer vergeben können, entweder zufolge solcher örtlicher Entfernungen, vermöge welcher zwei Menschen, die sich einmal beleidigt haben, auf dieser Welt schwerlich mehr zusammenkommen können – außer auf dem Wege toter Briefe –, oder aber auch, so ein oder der andere Teil gestorben ist und somit der Leibestod eine undurchdringliche Wand zwischen zwei Menschen gezogen hat, die gegeneinander gesündigt haben. In solchen Fällen kann sonach im eigentlichsten Sinne nur Gott die Sünden vergeben, obschon daneben sich ein sogenannter schlechter Haushalter an den Sündern solcher Art ein Verdienst in Meinem Namen sammeln kann. Was ein schlechter oder ungerechter Haushalter ist, wisset ihr schon. Er hat zwar kein Recht, die Schuld nachzulassen, weil er selbst ein großer Schuldner ist, – da er aber dadurch ein Werk der Barmherzigkeit ausübt, so reicht er durch diese Ausübung einen Trunk frischen, stärkenden Wassers, der ihm nicht unvergolten bleiben wird.

8. Ich will gegen einen solchen Gebrauch eben nicht zuviel sagen, so ein Mensch seine Fehler und Gebrechen einem sogenannten Seelenfreunde unter vier Augen kundgibt, um von ihm einen Trost zu bekommen und eine mittelbare Versicherung, daß ihm die Sünden nachgelassen werden, wenn er sich an Mich wendet mit dem ernstlichen Vorsatze, solche Sünden nicht mehr zu begehen und die begangenen womöglich an seinem Bruder wieder gutzumachen durch eine aufrichtige Reue und womöglich durch eine liebfreundliche Genugtuung für die angetane Beleidigung.

9. Ein solcher Beichtvater wird Mir allezeit recht lieb, wert und köstlich sein. Freilich braucht es dazu gerade keines Geistlichen; aber weil schon ein Geistlicher der Ausspender des Abendmahles sein will, so kann er freilich wohl auch des ungerechten Haushalters Amt auf obbeschriebene Weise auf sich nehmen, ohne jedoch ein gleiches Amt, wenn es von einem anderen Bruder gegen einen Bruder verrichtet wird, zu mißbilligen, – vorausgesetzt, daß selbes in obbesagter Ordnung vor sich gegangen ist. Aber so ein solcher ungerechter Haushalter von einem Beichtvater wähnt, er habe ausschließlich die Macht und die Gewalt, Sünden nachzulassen oder gar dieselben einem Sünder, der sich ihm anvertraut, vorzuenthalten, ihn zu richten und sich im sogenannten Beichtstuhle sogar als „Stellvertreter Gottes“ titulieren zu lassen, der ist ein Täter des Übels und ein Seelen- und Geistestotschläger, da er eigenmächtig sich vor die Pforten des Himmels hinstellt, selbst nicht hinein will und sonst auch niemanden hineinlassen will.

10. Ein solcher ist gleich jenen Pharisäern, Schriftgelehrten und Priestern der Juden, die dem Volke die größten und schwersten Lasten aufbürdeten, durch deren unmögliche Tragung das arme Volk einzig und allein den Himmel gewinnen könnte; sie selbst aber rührten solche Lasten nicht mit einem Finger an. Diese sind es, die die Pforten des Reiches Gottes versperren, jeden, der hinein möchte, mit höllischem Zornfeuer hintantreiben und selbst auch nicht hinein wollen; dafür aber werden sie auch, wie es geschrieben steht, dereinst desto mehr Verdammnis empfangen.

11. Zu dieser Klasse gehören aber auch jene falschen Propheten, die den armen, einfältigen Menschen predigen mit großem Ernste und Eifer: „Gehet dahin oder dorthin und verrichtet zu diesem oder jenem Gnadenbilde eine sogenannte Wallfahrt und vergesset ein nach Kräften reichliches Opfer nicht zu Hause, so werdet ihr bei jenem Bilde – gewöhnlich eine Maria vorstellend – die Vergebung eurer Sünden und noch andere unbeschreibliche Gnaden für euren Haushalt in großer Menge erlangen!“

12. Wenn dann das arme, blinde Volk einem solchen Eselsgeplärre von einem falschen Propheten, wie die Erfahrung lehrt, wirklich scharenweise folgt und am Orte, wo die Gnaden ausgeteilt werden, noch gewöhnlich ein größeres Eselsgeplärre von Mirakeln und zahllosen Gnadenausspendungen vernimmt und auf diese Weise in seinem Geiste nicht selten ganz totgemacht wird, da sage Ich: Solch falsche Propheten sollen einst ihren gehörigen Lohn finden; denn diese wissen nichts und wollen nichts wissen, wie man Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten soll. Sie sind nichts als von der Welt privilegierte Diener des Mammons. Ihr Gnadenbild, von Menschenhand gewöhnlich schlecht und unästhetisch verfertigt, ist ihnen bei weitem mehr als Gott; denn das Bild trägt ihnen Geld ein, – Gott aber nicht, weil Er ohnehin überall der Gleiche sei.

13. Diese werden einst sehr viel Lohn der Pharisäer bekommen! Alle, die dergleichen lehren und das Volk zu den Bildern kehren, sind die vollkommensten Antichristen und falsche Propheten, vor denen sich jedermann wie vor der Pest hüten solle, weil sie die Kunst verstehen, durch allerlei Prunkwerk das Volk zu berücken und durch falsche Wunderwerke im Geiste zu töten.

14. Daher sollt ihr dergleichen Orte nicht besuchen; denn sie sind voll von ansteckender Geistespest.

15. Glaubt es nicht, daß da irgend jemand Hilfe finden kann; denn helfen kann ja doch nur Ich allein, der Ich ein ewiger Feind alles Götzentums bin. Wie möchte Ich da wohl einem hölzernen Bilde, von Menschenhand verfertigt, Wunderkraft verleihen? So Ich schon jemandem eine verleihen möchte, so wäre es einem rechten Menschen, nicht aber einem Schnitzwerke, das viel niedriger ist als das allergeringste Tier, welches doch Leben und Bewegung hat; ja es ist viel weniger als ein Grashalm und weniger als ein Stein. Dieser ist, was er ist, somit in seiner Ordnung; aber ein Bild ist das nicht, was es vorstellt. Denn das Bild ist Holz, stellt aber einen Menschen dar und wird darum verehrt und angebetet, weil derjenige, den es darstellt, ein Tugendheld war.

16. Also ist der Bilderdienst eine noch abscheulichere Abgötterei als jene der alten Heiden. Diese machten sich wohl Götter aus Metall, Stein und Holz, weil sie den wahren Gott nicht kannten – ein inneres Bedürfnis für einen wahren Gott zwang sie also zu diesem Machwerke –; die gegenwärtige Menschheit aber hat und kennt Gott und weiß, daß Er der alleinige Herr ist, verehrt aber dennoch Schnitzwerk. Was soll man zu solchen Menschen sagen? Nichts als: Sie sind dem Erzfeinde Gottes gleich, der Gott auch gar wohl kennt; aber statt Ihn zu lieben und allein anzubeten, verachtet er Ihn und feindet Ihn allwegs an.

17. Den Dummen aber soll die Dummheit dennoch nicht angerechnet sein, – dafür aber desto mehr denen, die sehen und Licht haben, aber dennoch nicht sehen wollen und das Licht, wo es nur immer ist, auslöschen.

T2.73. Vom werktätigen Glauben.

27. April 1847

1. Dieses gilt aber nicht bloß dem Papsttume, sondern allen sogenannten Sekten oder Konfessionen; denn wo nicht Christus gepredigt wird in Seinem wahren Geiste und in Seiner Wahrheit, da ist falsches Prophetentum an der Stelle einer wahren Kirche.

2. Wenn eine oder die andere Sekte auch spricht: „Siehe, ich habe keine Bilder, also muß mein Bekenntnis das reinste sein!“, so sage aber Ich: Bild oder nicht Bild entscheidet gar nichts, sondern allein das Leben nach dem Worte! Denn eine Lehre in sich selbst noch so sehr von allem Zeremoniellen reinigen, um sie zur Aufnahme der reinen Vernunft tauglicher zu machen, heißt mit anderen Worten nichts anderes, als über eine gegebene Lehre fortwährend räsonieren, aber nie darnach leben, – gleich als so jemand ein Haus kaufte und möchte es fortwährend aus- und inwendig putzen und polieren, um es immer tauglicher und tauglicher zu einer Wohnung zu gestalten, aber vor lauter Putzen und Polieren und vor lauter fortwährend besserem Herstellen zur Bewohnbarkeit käme nie ein Einwohner hinein. Ist da nicht die nächste Hütte, die fortwährend bewohnt wird, besser als ein solches Haus?

3. Also verhält es sich auch mit der Kirche. Da ist noch immer diejenige, die irgend eine Norm hat, in welcher deren Gläubige irgendeinen Bestand finden, besser als wie eine solche Kirche, in der nichts als nur fortwährend gefegt und gekätzet wird. Ihre Bekenner stehen daneben und sehen zu wie müßige Menschen bei einem Hausbaue, die auch kritteln und Glossen machen; aber dabei fällt es keinem ein, nur einen Ziegel und einen Schöffel Mörtel zugunsten des Hausherrn einem arbeitenden Maurer zu reichen, und da halten sich die Müßiggänger für viel besser als die Arbeitenden.

4. Sehet, das ist ein rechtes Bild von den vielen Konfessionen! Sie tun aus lauter Vorbereitung und Kritisieren nichts, begeifern fortwährend diejenigen, die nicht ihrer Konfession sind, machen sich über ihre Blindheit lustig und schreien fortwährend: „Kommet her, daß wir euch den Splitter aus den Augen nehmen!“; aber des Balkens in dem eigenen Auge werden sie gar nicht gewahr.

5. Es ist wohl wahr, daß es in der römisch-katholischen Kirche tausend gewaltige Mißbräuche gibt; aber es gibt darin doch auch wieder manches Gute, denn es wird von der Liebe und von der Demut gepredigt. Und so jemand sonst nichts als nur das befolgt, so wird er nicht verloren sein.

6. Aber was soll Ich denn von einer Sekte sagen, die nichts als den Glauben lehrt und die Werke verwirft? Da ist, wie ihr zu sagen pflegt, Taufe und Chrisam verdorben; denn es steht doch laut und offen geschrieben, daß ein Glaube ohne die Werke tot ist, und Ich Selbst habe offenkundig und zu öfteren Malen gesagt: „Seid nicht eitle Hörer, sondern Täter Meines Wortes!“ Dadurch ist ja offenbar angezeigt, daß der Glaube allein nichts nützt, sondern das Werk.

7. Was nützt der Erde das Licht der Sonne, wenn es nicht mit der tatkräftigen Wärme verbunden ist?

8. Was nützen einem Menschen alle Kenntnisse und Wissenschaften, wenn er sie nicht anwendet?

9. Oder was nützt es, im kalten Winter bloß zu glauben, daß ein brennendes Holz im Ofen das Zimmer erwärmen kann? Wird das Zimmer durch den Glauben warm? Ich glaube es nicht.

10. Kurz und gut: der allerfesteste Glaube ohne Werke ist gleich einem törichten Menschen, der sich im kalten Zimmer bloß mit einem warmen Gedanken zudecken will, um sich zu erwärmen. Freilich ist das wohl die wohlfeilste Decke; aber ob diese Decke jemanden erwärmen wird, darüber mögen diejenigen Armen urteilen, die in strengen Wintern nicht selten starr erfroren in ihren Zimmern gefunden worden sind – und meistens aus dem Grunde, weil sie keine andere Decke hatten als eine barste Gedankendecke.

11. So wie diese Gedankendecke ohne eine wirkliche Decke nichts nützt, also nützt auch der Glaube ohne die Werke nichts. Der Glaube ist nur das Aufnahmeorgan einer Lehre, die zu einer gewissen Tätigkeit anleitet. Wer diese Anleitung in seinen Glauben bloß aufnimmt, aber nicht darnach tut, da frage Ich: Wozu dient ihm dann diese Anleitung? Ich sage: Zu nichts anderem als zu einem naseweisen Kritisieren, – gleichwie alle Regeln der Tonkunst allein einem nichts nützen und man nicht imstande ist, auch nur das Leichteste und Einfachste zu leisten! Aber ein solcher bloßer Regelinhaber ist dann naseweis und bekrittelt jeden Künstler, als könnte er wirklich selbst das Ausgezeichnetste leisten! Ich aber sage: Da ist ein Bettelmusiker noch immer mehr wert als ein solcher Kritiker, der selbst nichts kann, aber über alles urteilen will.

12. Also ist Mir auch eine solche Kirche lieber, wo doch noch etwas geschieht, als wie eine, wo nichts geschieht; denn es ist besser, jemandem ein Stück Brot zu geben, als tausend Pläne für Armenversorgung zu machen und dem Armen aber dennoch nichts zu geben, wenn er zu einem solchen Plänemacher kommt. Pläne sind schon recht; aber das Geben muß auch dabei sein, – sonst ist der Glaube wieder ohne Werke, bei dem die arme Menschheit zu Hunderten verhungert.

13. Wer aber recht leben will, der kann es in jeder Kirche; denn eine Hauptregel ist: Prüfet alles, und das Gute davon behaltet!

14. Wenn ihr ein Kind gebadet habt, so schüttet bloß das Badewasser weg, das Kind aber behaltet, – und das Kind ist die Liebe!

15. Ich sage zu niemandem: Werde ein Katholik oder werde ein Protestant oder werde ein Grieche, sondern: was einer ist, das bleibe er, – wenn er will. Sei er aber was er wolle, so sei er ein werktätiger Christ, und das im Geiste und in der Wahrheit; denn jeder kann, wenn er es will, das reine Wort Gottes haben.

16. Ich bin nicht wie ein Patriarch und bin nicht wie ein Papst und bin nicht wie ein Generalsuperintendent und nicht wie ein Bischof, – sondern Ich bin wie ein überaus guter und gerechtester Vater allen Meinen Kindern und habe nur Freude daran, wenn sie tätig sind und wetteifern in der Liebe, aber nicht daran, daß sie einander „Narren“ schelten und ein jeder aus ihnen der Weiseste und Unfehlbarste sein will – mit lauter Räsonieren, aber dabei nichts tut.

17. Mein Reich ist ein Reich der höchsten Tatkraft, aber kein Reich eines müßigen, naseweisen Faulenzertums; denn Ich sagte zu den Aposteln nicht: „Bleibet daheim, denket, brütet und grübelt über Meine Lehre nach!“, sondern: „Gehet hinaus in alle Welt!“

18. Dasselbe sage Ich auch zu allen Seligen. Da heißt es tätig sein; denn immer ist die Ernte größer als die Zahl der Arbeiter. Darum ist es auch besser, in irgendeiner Ordnung tätig zu sein, als bloß allein des reinsten Glaubens zu sein. Und tätig sein nach Meiner Lehre ist dann sicher unendlich besser, als die ganze Bibel auswendig zu wissen und zu glauben.

19. Der bloße Glaubensmensch ist dem gleich, der sein Talent vergrub; wenn aber jemand aus der Schrift nur wenig weiß, aber darnach tut, der ist dem gleich, der über das Wenige eine treue Haushaltung führte und dann über vieles gesetzt wird.

20. Aus dem bisher Gesagten wird sicher jeder, der guten Willens ist, leicht herausfinden können, was er zu tun hat, um ein rechter Mensch zu werden. Was er für seine Tatkraft zu wählen und zu meiden hat, das alles findet er hier sonnenklar dargestellt. Es ist demnach in dieser Hinsicht alles erschöpft. Und somit – Amen!

T3. Die Erde - Anhang

Anhang zur Erde. Allgemeiner Blick auf die verschiedenen nicht-christlichen Bewohner der Erde, mit hauptsächlicher Berücksichtigung des geistigen Verbandes zwischen ihnen und dem Himmel.

T3.74. Die Kritiker (sind Leute, die vom Schimpfen leben).

„Heu“ für die Ochsen und Esel. Die geistige Erde wird nur von Christen-Geistern geleitet. Die jetzigen Juden, saftiger Vergleich der Untermischung der Menschheit mit Juden (vom geistigen Standpunkte). Ihre Rolle im Geisterreiche. Die großen Anlagen derselben sind noch vorhanden, aber mißbraucht. Die Mohamedaner, Abart von Juden und arianischen Christen, ihre Haupttugend ist Handel und Krieg. Ihre Vorstellung vom Jenseits, und ihre Rolle dort. Die Braminen, geheimnisvolle Wundermänner, wo die schwarze Magie eine Rolle spielt. Das Kastenwesen ein trauriges Zeugnis niederer geistiger Kulturstufe. Von deren (schlechtem) Zustande drüben.

(Den 28.April 1847)

1. Wir werden freilich nicht alle die Wohnparteien der Erde speziell betrachten, da solches zu viel Zeit und zu viel Raum erfordern würde sondern wir werden nur einen allgemeinen Blick auf die sogenannten Verhältnisse lenken, in denen sich die verschiedenen Einwohner der Erde hauptsächlich in Rücksicht dessen befinden, was den geistigen Verband zwischen ihnen und dem Himmel bewerkstelliget.

2. Da wir bis jetzt nur den „Christen“ unser Augenmerk geschenkt haben, und die anderen Bewohner der Erde unberührt ließen, so möchte es mit der Zeit irgend einem Leser beifallen, in dieser Hinsicht, wo es sich um die Totaldarstellung der Erde handelt, einige beißende Bemerkungen zu machen, an denen es zwar ohnehin nicht fehlen wird.

3. Die sogenannten „Kritiker“ von Profession müssen ja alles bekritteln und beschnüffeln und beschimpfen; denn das sind Leute, die vom Schimpfen leben, und da die Welt gegenwärtig allezeit lieber und viel aufmerksamer Beschimpfungen, als Belobungen liest, so ist diese böse Eigenschaft der Welt ein ganz besonders mächtiger Hebel, die Kritiker dahin zu vermögen, daß sie über alles schimpfen.

4. Gelobt werden von ihnen nur Werke und Handlungen von machthabenden Menschen, denen es ein Leichtes ist, die über sie schimpfenden Kritiker durch allerlei sehr empfindliche Mittel zu Paaren zu treiben. Dafür aber lassen dann diese schimpflustigen Weltweisen desto mehr ihre Galle an allem aus, von dem sie keine Prügel zu befürchten haben, daher ist es notwendig, ihnen schon im voraus soviel als möglich ihr Eselsmaul zu stopfen, und mitunter in eine solche Mitteilung auch etwas Heu einzumischen, damit diese armen Tiere etwas zu fressen haben. -

5. Es wäre ob der Mitteilung der Erde nicht weiter zu fragen, was mit den anderen Einwohnern es für eine Bewandnis hat, da die Hauptsache doch immer die Christen bleiben, und die geistige Erde nur von Christengeistern und nie von heidnischen beherrscht und geleitet wird; - aber es handelt sich hier bloß um einige Portionen Heu für die Kritiker, damit sie auch etwas dabei zum Fraße bekommen. -

6. In den Tropenländern aber ist bekanntlich der Graswuchs bei weitem stärker als in den gemäßigten, wo schon die christliche Fahne zu allermeist weht; daher dürfen wir auch versichert sein, daß wir eben in den Tropenländern von allerlei Heu einen Überfluß finden werden, und so wollen wir uns denn in dieser Absicht zu den anderen Einwohnern der Erde wenden.

7. Zu allernächst den vielen christlichen Sekten leben in der ganzen Welt zerstreut die Juden; diese gleichen jenen Speckschnitten, mit denen die Köche das magere Wildpret spicken. So sind auch allerlei Menschen, welche zumeist ein sehr mageres Wild sind, auf der ganzen Erde mit den Juden unterspickt.

8. Juden gleichen dann zumeist den Schweinen, welchen die Menschen überall etwas Speck wachsen lassen, damit, wenn es ihnen mager geht, sie sich wieder von dem goldenen und silbernen Fette der Juden können unterspicken lassen.

9. Ein Jude, wie er jetzt beschaffen ist, ist vollkommen ein Schwein; schon das Äußerliche beurkundet für jedermann, zu welcher Tierklasse diese Menschenrasse gehört. Ein Jude sieht nun im allgemeinen aus wie ein Schwein, und stinkt wie ein Schwein, und wälzt sich überall in den allerverächtlichsten Weltschlamme wie ein Schwein, um seinen Gold- und Silberdurst zu stillen.

10. Ihm ist, geistig genommen, jede Kost recht; er ist dem Christen Christ, mit dem Türken Türke, mit dem Heiden Heide, mit dem Chinesen ein Chinese, und den Fetischdienern ein Fetisch, um nur sich aller derer Gold, Silber und Edelsteine verschaffen zu können.

11. Ein Schwein kann ebenfalls jede Kost genießen; selbst der barste Kot ist ihm nicht unwillkommen, wenn er nur warm ist. - Das ist auch beim Juden der Fall; wo er nur irgend eine Wärme oder Neigung für sein Interesse findet, das frißt er, denn das sind eben die Menschen, die um‘s Geld für alles zu haben sind, und unter ihnen selbst gibt es sehr wenige Ausnahmen. Die Besten sind, wie ihr zu sagen pfleget, in geistiger Beziehung keinen Schuß Schießpulvers wert.

12. Sie warten noch immer auf einen Messias, der sie einmal wieder in ihr altes gelobtes Land zurückführen möchte, und aus ihnen machen ein großes wundermächtiges Volk; aber dieser Messias wird nimmer kommen, und sie werden bleiben bis an‘s Ende der Zeiten, was sie sind; daher sie auch, was leicht zu begreifen ist, im Geisterreiche eine überaus niedrige und keiner Beachtung werte Rolle spielen.

13. Sie sind dort, was sie hier sind, Schacherer nämlich, nur mit dem Unterschiede, daß sie hier in menschlicher Form unter den Menschen wandeln, jenseits aber meistens in der ihnen aller verhaßtesten Gestalt der Schweine zum Vorscheine kommen; freilich nicht für jedermann ersichtlich, auch unter ihnen nicht, sondern nur vom reinen Lichte der Wahrheit aus betrachtet. (D.h. aus der Sphäre des Herrn.)

14. Da also mit den Juden nicht mehr viel zu machen ist, und es jedermann weiß, daß sie in der ganzen Welt unter allen Nationen anzutreffen sind, und allenthalben das gleiche Geschäft führen, so wollen wir auch von ihnen nichts Weiteres mehr sagen.

15. Es sind in ihnen zwar die großen geistigen Anlagen noch vorherrschend vorhanden, aber diese Anlagen werden zu eitel Schlechtem verwendet. Daher bleiben sie auch was sind, und in der Geisterwelt gibt es keinen magereren Himmel, als da ist der jüdische, denn sie schachern auch dort, und des Goldes Glanz ist ihnen mehr, als das intensivste Licht der Wahrheit. -

16. Den Juden zunächst kommen die Mohamedaner, die einen kleinen Teil von Europa, ein Fünftel von Asien, und ein Achtel von Afrika bewohnen. Diese Mohamedaner sind eine Abart der Juden und der Arianischen Christen, ihre Haupttugend aber ist Handel und Krieg. Was sie durch den Handel nicht bekommen können, das kaufen sie mit Waffen in der Hand; ihre Zeit wird aber bald zu Ende sein. –

17. Den höchsten Lohn ihrer kaufmännischen und kriegerischen Bemühungen setzen sie in lauter sinnliche Genüsse; daher ihr Elysium, wie sie sich‘s einbilden, von lauter allerschönsten jungen Mädchen und Frauen strotzt, mit denen sie dann in Ewigkeit ihr unzüchtiges Wesen zu treiben hoffen, ohne dabei in ihren sinnlichen Gefühlen abgespannt und müde zu werden.

18. Einige unter ihnen stellen sich ihr Elysium so vor, daß der Boden desselben mit lauter allerweißesten und allerschönsten Weiberbrüsten gepflastert ist, auf welchen sie so ganz behaglich herumwandeln werden, und die Frauen und die Mädchen wachsen in stets frischer Gestalt wie die Pilze aus der Erde; und sie können sich derselben, so oft sie wollen, bedienen, und dabei in vollster Entzückung ausrufen: Wie herrlich und groß ist unser Allah!

19. So stellen sie sich auch die Bäume in ihren elysischen Gärten als lauter schöne Weiberkörper vor, ungefähr wie einst die Griechen und Römer sich ein gewisse Göttin Daphne vorstellten, nachdem sie der Apoll in einen Lorbeerbaum umwandelt habe. Diese Baumweiber sind voll Genitalien und lassen sich auch gebrauchen; das sind so ungefähr die Himmelsbegriffe der meisten Mohamedaner, wobei, versteht sich, die ausgezeichnetsten Lieblingsspeisen und Getränke mit zu verstehen sind.

20. Daß mit ihnen in der Geisterwelt sehr schlechte Aspekten zu erwarten sind, versteht sich von selbst; daher wäre es um Papier und Tinte schade, da noch ein Mehreres davon zu berühren.

21. Es versteht sich aber auch von selbst, daß sie darum nicht zu verdammen sind, weil sie sich auf diesem Irrwege befinden, und es wird in der geistigen Welt für sie gesorgt sein, daß sie auf dem rechten Weg kommen; nur so lange sie „Mohamedaner“ bleiben, gibt es für sie keine Bestimmung im Geisterreiche. Was sollen sie auch tun? Das, was sie glauben, darf nicht zugelassen werden; daher sind sie Drüben wie Irrende, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen. –

22. Neben den Mohamedanern befinden sich die Braminen, welche ihr Unwesen in Mittelasien und auch in einem Teile Südasiens treiben. Diese Menschen sind lauter geheimnisvolle Wundermänner, bei ihnen ist nichts als Wunder über Wunder, sie selbst wirken nichts als Wunder, und ihr Hauptstudium ist, der guten wie der bösen Gottheit ihre Wunderkräfte abzuspicken, und selbst allerlei Wunder zu wirken.

23. Jedermann sieht leicht ein, daß da schon viel satanische Machination mit im Spiele ist; denn bei ihnen ist das Kastenwesen noch vollkommen zu Hause. Der gemeine Mensch ist verdammt, ewig dumm zu bleiben, damit er die taschenspielerischen Wunderwerke seiner geistlichen Kaste nicht durchschaut.

24. Wehe dem, der es da wagen möchte, einen Bramasdiener zu befragen, wie er ein Wunderwerk verübt hat; denn für‘s erste Vergehen dieser Art wird der Vorwitzige bloß mit einer Unzahl Prügel zurückgewiesen, ein zweites Betreten aber kostet ihm schon das Leben, oder wenigstens die Augen und die Zunge.

25. Daß diese überaus schmutzige Erdeinwohnerschaft im Geisterreiche eine noch schlechtere Rolle spielt, als die Mohamedaner, braucht kaum näher erwähnt zu werden. Geister von diesen Braminenmenschen müssen ganz in die Polargegenden der Erde versetzt werden, wo es die größte Öde gibt, wenn sie nach vielen Jahren sollten für Christum aufnahmefähig werden. Das ist aber auch alles, was man von ihnen sagen kann; daher nächstens zu einer anderen Partei.

T3.75. Die Chinesen, als Zoroasterbekenner,

etwas besser, doch Fatalisten und Linealisten, daher dort alles klassenmäßig. Radikale Kuren daselbst. Sie (die Chinesen) haben neben dem großen Gotte kleinere Hausgötter. Schöne (!) nützliche bürgerliche Einrichtungen neben den Dummheiten, manch musterhaft Gutes derselben. Sie sind das zahlreichste und meist begüterte Volk. Als Stoiker alla Confuze sind sie Drüben schwer fortschrittlich. Ihre diogenische Selbstzufriedenheit verachtet alle Himmel, und selbst die Herrlichkeit der ewigen Liebe des Allmächtigen.

(Den 30.April 1847.)

1. Neben den Braminen stehen fast auf gleicher Stufe die Chinesen, welche die sogenannte Religion des Zoroaster haben. Diese Menschen sind zwar nicht so wundersüchtig, und daher in ihrer Art um ein Haar besser, als die Braminen; aber dessen ungeachtet sind sie in der eigentlichen Bildung gegen wahre Christen doch überaus weit zurück, denn sie sind einerseits Fatalisten, und andererseits aber dennoch selbst die strengsten Linealisten, welche in allem ihrem Tun und Lassen das „bis hierher und nicht weiter“ festgestellt haben.

2. Ihre Wohnhäuser, ihre Kleidung müssen stets dieselbe Form haben; also auch sind Speisen und Getränke für jede Klasse und für jedes Fest genau bestimmt, wie auch ihre Komplimente und ihre Reden. Es darf nicht vervollkommnet, aber auch nichts verschlechtert werden.

3. Die Krankheiten werden klassenmäßig behandelt; die gemeinste Volksklasse wird allezeit durch‘s Prügeln kuriert, denn sie sagen: Eine innere Krankheit wird dadurch auf die Haut gelockt; diese darf dann, wenn sie einmal gehörig blau geprügelt worden ist, nur auf mehreren Stellen aufgeschnitten werden, so geht dann aller böse Stoff hinaus.[1]

4. Die Cholera wird neben dem Prügeln und Hautaufschneiden auch mit Abschneiden der Zunge kuriert. Das Militär wird fast auf ähnliche Weise kuriert, wenn es krank wird; nur kommt auf die Prügelei gewöhnlich ein Pflaster, welches aus einer Art Pech besteht. Dieses Pflaster wird ziemlich heiß auf den Rücken und auf den Bauch gestrichen, und bleibt dann so lange droben, bis es von selbst herabfällt.

5. Die nobleren Klassen werden mit Rhabarber und Chinarinde kuriert; die Hofbeamten und der Kaiser allein haben das Recht, in ihrem Erkrankungsfalle die ganze Apotheke zu gebrauchen, welche aber nur im allerreichsten Falle aus zehn Medizinen besteht. Das bleibt immer gleich; wem es hilft, dem hilft es, wem aber das nicht hilft, der war zum Sterben bestimmt. –

6. Sie haben nebst dem Einen großen Gotte, den sie als das höchste Wesen verehren, noch eine Menge Hausgötter, welche ihnen in kleinen Dingen behilflich sein sollen; aber mit diesen Hausgöttern hat es zumeist ein sehr mißliches Bewandtnis, und es hat mit ihnen keinen Bestand; denn wenn ein Chinese seinen Hausgott um etwas angeht, und dieser kann es ihm ganz natürlich nicht gewähren, so wird ein solcher Gott bald seines Amtes für verlustig erklärt, darauf von seinem Standpunkte sehr unsaft herabgenommen, und drei Stunden lang geprügelt.

7. Darauf kommt so eine Gottheit in eine alte Rüstkammer, und wird auf diese Weise gewisserart pensioniert. Wenn dann schon eine Menge solcher Götter in der Pension steckt, so wird dann mit ihnen ein Autodafe gehalten, und ihre unnütze Asche wird in einen Fluß geworfen.

8. Also sind sie auch mit der Anlegung ihrer Wege sehr eigentümlich. Ein Weg darf bei ihnen nie über einen Grund gehen, sondern entweder in einen Graben, in dem nichts wächst, oder in dem irgend ein Bach fließt, was aber seltener der Fall ist; denn die Chinesen wissen auch die Gräben voll zu machen. Daher sieht man gewöhnlich Brücken, welche sich viele Meilen weit ziehen, und zwar auf dem trockenen Boden, damit unter der Brücke das Erdreich noch benutzt werden kann.

9. Diese Art ist zwar gut, wenn sie besser konstruiert wäre; aber manchmal sind diese Brücken so schlecht, daß der Wanderer kaum darüber zu kommen vermag, und bricht irgendwo die Brücke durch, so muß der Durchgefallene, wenn er noch am Leben geblieben ist, den Schaden ersetzen, was eben nicht selten geschieht, da solch eine Brücke eine bestimmte Anzahl von Jahren dauern muß. Wird sie vorher schlecht, so wird nichts daran gebessert, außer wenn irgendwo ein Wanderer durchgefallen ist, da muß er sie ausbessern.

10. Neben diesen Brückenwegen gibt es wohl auch einige Heerstraßen, welche lediglich für schweres Fuhrwerk und für‘s Militär bestimmt sind. Diese Heerstraßen sind nie trocken und nie ohne Kot, denn diese werden gewöhnlich nach dem Rinnsale eines Baches geführt, aus welchem Grunde die Chinesen auch meistenteils barfuß gehen; nur wenn sie die Straße verlassen, waschen sie sich die Füße, und ziehen dann erst ihre sehr gespitzten Sandalen an.

11. Die Grundstücke sind fast wie in Japan abgegrenzt, nur nicht mit jenen Strafen bei Übertretung der Grenze belegt. So ist auch noch gegenwärtig in vielen Punkten die Zahl der Kinder bestimmt, die ein Landmann oder Bürger haben darf; hat er mehr, so muß er das sogleich der Behörde anzeigen, welche ihm dann das Vertilgungsedikt erteilt.

12. Zum Vertilgen überzähliger Kinder werden gewöhnlich die Geburtshelferinnen gebraucht; allein diese wissen jetzt genau, daß Europäer ihnen solche Kinder abkaufen, daher bringen sie, wo nur immer tunlich, solche Kinder auf den Markt, wo es auch kinderlosen Chinesen gestattet ist, dergleichen Kinder anzukaufen.

13. Daß dieses Volk nebst gar vielen Dummheiten, die manchmal sogar bedeutend grausam aussehen, aber auch manches musterhaft Gute besitzt, und meistens sehr nüchtern ist, das könnt ihr ebenfalls versichert sein; darum aber hat es auch fast beständig Frieden, und hat, obschon die größte Volkszahl in der Welt, aber auch den größten irdischen Reichtum.

14. Daß aber mit diesem Volke also, wie es ist, in der geistigen Welt nichts zu machen ist, versteht sich von selbst. Äußerst behutsam muß da mit ihnen umgegangen sein, wenn sie für das wahre Reich der Himmel sollten gewonnen werden; denn sie sind zufolge ihres Linealismus und Terminismus durchgängig lauter Stoiker, nach der Lehre ihres Konfuzius.

15. Wie schwer aber Stoiker für ein besseres Licht zugänglich sind, ist schon einmal gezeigt worden, und zwar in der Darstellung der geistigen Sonne. Man wird nicht leichtlich auf der Erde außer den Japanesen ein Volk finden, das so streng wie dieses seine Gesetze und Lehren beobachtet; aber eben aus diesem Grunde gelangt es auch zu jener diogenischen Selbstzufriedenheit, welche es um keinen Preis will fahren lassen.

16. Wo aber diese Selbstzufriedenheit den höchsten Kulminationspunkt erreicht hat, da ist alles andere eine bare Null; alle Himmel und alle Herrlichkeit der Engel, ja Meine eigene allerhöchste Herrlichkeit können ihr gegenüber sich kein Übergewicht verschaffen. Warum? ist, wie gesagt, in der geistigen Sonne, und zwar in der Abendgegend des allgemeinen Geisterreiches zur Genüge gezeigt worden.

17. Daß aber diese Menschen durchgehend Stoiker sind, könnet ihr schon aus ihrer Staatseinrichtung ersehen; dieses Volk hält sich für das Volk in der Mitte, es hält sich für Bewohner des himmlischen Reiches, und seine Vortrefflichkeit in Allem überwiegt Alles auf der Erde. Ihr Kaiser ist ein reiner Sohn des Himmels, und stammt linea recta aus der Sonne. Aus diesem Grunde vermeidet dieses Volk auch, so viel als möglich, jede Gemeinwerdung mit den übrigen Völkern der Erde, und will sich von niemanden belehren lassen; denn es weiß selbst alles am allerbesten.

18. Wie es aber schon auf dieser Erde schwer ist, einen Chinesen für etwas Besseres eingenommen zu machen, und ihn zu einem anderen Glauben zu bringen, also ist es noch um‘s Vielfache schwerer, den Geist eines Abgeschiedenen zur besseren Überzeugung zu bringen.

19. Da wir aber nun dieses Volk in so weit kennen, als es für den vorgesteckten Zweck nötig, so wollen wir uns auch nicht länger mehr bei ihm aufhalten, sondern sogleich zu einem anderen übergehen.

T3.76. In Asiens Mitte, im hohen Tibet, lebt ein Volk,

das noch die uralte patriachalische Verfassung hat. Deren Religionsbasis die ungetrübte Sanskrit (heilige Schrift der Urzeit) mit der Zenda vesta (d.h. die heiligen Gesichte, die Kriege Jehova‘s und das Buch der Propheten enthaltend) ist. Daselbst auch Spuren der Entsprechungswissenschaft. Allgemeiner Mystizismus ersten Ranges. Sie glauben fest an Einen Gott, aber mit unsinniger Ehrfurcht. Sonderbare Bußübungen dorten. Rolle dieser Theokraten in der Geisterwelt. Von der Schwierigkeit des Christusglaubens für einen Deisten. Vorzüge und gute Eigenschaften dieses Volkes. Gastfreundschaft.Arme ein Heiligtum. Evangelium der Armut.

(Den 1.Mai 1847)

1. Ganz in der Mitte von Asien, im hohen Tibet, lebt noch ein Volk, welches die uralte patriarchalische Verfassung hat. Unter allen alten Religionen der sogenannten Parsen und Gebern ist die Religion dieses Volkes noch die am meisten ungetrübte.

2. Sie haben noch die eigentliche Sanskrit, in welcher von der Zenda vesta gehandelt wird; denn die Sanskrit ist die heilige Schrift der Urzeit, und die in dieser Schrift enthaltenen Geheimnisse Namens Zenda vesta, in eurer Sprache: „die heiligen Gesichte“, sind historische Überlieferungen von den mannigfaltigen göttlichen wunderbaren Führungen des Menschengeschlechtes in der Urzeit.

3. Es ist darum falsch, so hie und da manche die Sanskrit und die Zenda vesta als gewisserart zwei Bücher annehmen; das Ganze ist nur ein Buch, und dieses ist abgeteilt in das Buch der Kriege Jehova‘s, und in das Buch der Propheten.

4. Da aber eben die Propheten durch ihre heiligen Gesichte die Taten Gottes beschreiben, so sind diese scheinbaren zwei Bücher eigentlich nur ein Buch, welches sich bei den obbenannten Bewohnern des hohen Tibet noch ziemlich unverfälscht vorfindet, und ungefähr dasselbe enthält, was Ich euch im von euch sogenannten Hauptwerke (Die Haushaltung Gottes Band 1) aus der Urzeit mitgeteilt habe; nur ist dort alles noch in der Ursprache in lauter geheimnisvolle Bilder eingehüllt, die für die neue Zeit schwer oder gar nicht zu enträtseln sind[2].

5. Bei einigen Patriarchen dieses Volkes ist wohl noch etwas von der alten Weisheit vorhanden, durch welche diese alte Schrift mittelst Entsprechungen dem menschlichen Verstande näher gebracht wird, aber von einer völlig gründlichen Erläuterung kann da keine Rede sein; denn wo dergleichen Geheimnisse nicht aus Meinem Lichte können erläutert werden, da bleiben sie stets in einem gewissen Zwielichte, in welchem man leicht einen alten halbverfaulten Baumstock für einen Bären ansieht.

6. Man wird da voll Furcht, und eine Geheimnistiefe macht der andern Platz, wenn aber die Sonne aufgeht, da verschwinden alle die tiefen mit Furcht und Angst beladenen Geheimnisse, und der mysteriöse Bär wird zu einem ganz natürlichen halbverfaulten Baumstocke.[3]

7. So ist es auch mit diesen uralten mysteriösen Bilderschriften; da glaubt der Betrachter darinnen Tiefen über Tiefen, und Weisheit über Weisheit entdecken zu müssen. Ein jedes Häckchen scheint eine Sonnenenthüllung in sich zu fassen; allein kommt jemand in Mein Licht so werden all‘ diese Geheimnisse schwinden, und er wird in einer solchen Schrift nichts als eine getreue Erzählung jener freilich wunderbaren Tatsachen finden, welche Ich an den Menschen dieser Erde ihrer Vollendung wegen habe verüben müssen.

8. Aber eine solche Erklärung findet sich freilich bei unseren Hochtibetbewohnern nicht vor, aber dafür eine für euch kaum glaubliche Geheimniskrämerei; denn dieses Volk ist so voll Mystizismus, daß es in dieser Hinsicht wohl den ersten Rang auf der ganzen Erdoberfläche einnimmt.

9. Da gibt es viele, die mit Sternen förmlich reden, die Tiersprache verstehen, auch mit den Bäumen und mit dem Grase, wie auch mit den Felsen sich in‘s Einvernehmen zu setzen festen Glaubens sind.

10. Einige unter ihnen können sich sogar, ihrer Meinung nach, völlig unsterblich machen; wieder andere machen sich unsichtbar, und die meisten aber sind ganz vertraut mit den Geistern, und leben fortwährend in ihrer Gemeinschaft.

11. Bei alledem glauben sie aber dennoch fest an Einen Gott, vor Dem sie aber eine so unendliche Ehrfurcht besitzen, daß sie sich Seinen Namen nie auszusprechen getrauen.

12. Nur allein dem allerältesten Patriarchen ist es im Jahre einmal gestattet, den Namen Gottes auszusprechen, jedoch an einem solchen Orte, der für sonst Niemand zugänglich ist; und an dem Tage, an welchem dieser Name ausgesprochen wird, muß alles diese Lehre bekennende Volk vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange auf den Angesichtern liegen, und weder Speise noch Trank zu sich nehmen.

13. Ehrfurcht vor Gott dem Herrn ist freilich wohl recht, aber der Grundsatz: „Von was immer allzuviel ist schädlich,“ findet auch hier seine Anwendung. Denn Ehrfurcht, wenn sie eine solch horrende Übertreibung bekommt, zerstört die Liebe; diese allein aber ist und bleibt ewig die Grundbedingung alles Lebens.

14. Jede Furcht, wenn sie bis auf den höchsten Kulminationspunkt gesteigert wird, ist tödlich, und zerstört mit der Zeit alles Gute; nur die Liebe allein vermehrt das Leben stets in dem Grade, wie sie selbst vermehrt wird.

15. Zufolge dieser allertiefsten Ehrfurcht vor dem Namen Gottes sind bei diesem Volke aber auch eine Menge höchst alberner und lächerlicher Bußen gang und gebe, welche wohl auch bei den Braminen anzutreffen sind, weil die Braminen gewisserart Abkömmlinge dieses Volkes, wie jener Religion sind; aber in vollster Ausdehnung sind sie noch bei unseren Hochtibetanern zu Hause.

16. Nicht selten wird man hier zwanzig Jahre auf einem Flecke stehende Büßer antreffen, auch hängende Büßer, die sich irgend einen Haken durch die Haut ziehen, und sich dann mittelst eines Strickes auf einem Baume aufhängen lassen, wo sie so lange hängen bleiben, bis entweder der Strick abgefault ist, oder die Haut über dem Haken; denn sterben können nur wenige bei einer solchen Bußoperation, weil sie von ihren Angehörigen für‘s Erste an der Stelle der Verwundung allersorgfältigst mit kühlenden und heilenden Ölen begossen, und für‘s Zweite mit der besten Kost, die sie haben, täglich dreimal gespeist werden.

17. So gibt es auch einige Büßer, die sich mit schweren Ketten belegen, und sich sodann über Gräben, Hügel und Steingerölle zehn Jahre lang herumwälzen, und nicht selten einen Weg von 200 Meilen machen, freilich nicht in gerader Richtung.

Dergleichen Bußwerke haben sie eine große Menge, welche nichts als Folge ihrer zu übertriebenen Ehrfurcht vor dem Namen Gottes sind.

18. Diese jetzt noch fast ganz alleinigen Theokraten verrichten in der Geisterwelt eben auch keine denkwürdige Rolle; denn auch sie müssen früher Christum annehmen, was ein ziemlich schweres Stück Arbeit abgibt, woran eben ihre zu unendlich hohe Vorstellung von Gott schuld ist.

19. Diese macht ihnen vollkommen unbegreiflich, wie Gott Sich hat zu einem Menschen herabwürdigen können, und noch unbegreiflicher, wie Er Sich hat von den Menschen sogar kreuzigen lassen.

20. Geht aber Christus schon hier bei euch einem rechten Deisten nicht ein, wie viel weniger erst diesen Menschen, die unter allen Völkern der Erde von Gott die allerungeheuerste mysteriöse-erhabenste Vorstellung haben. Da könnte man auch sagen: Den Menschen wäre so etwas nicht möglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich.

21. Im übrigen aber hat dieses Volk besonders gegen Fremde und Arme überaus lobenswerte Eigenschaften. Da besteht noch die uralte vollkommene Gastfreundschaft; wer dahin kommt, wird so lange bestens verpflegt, als er dort zu bleiben willens ist. Jeder Dienst wird ihm bereitwilligst willfahret, wenn er nicht irgend zu sehr mit ihren Religionsgesetzen im Widerspruche steht.

22. Steht aber irgend ein Begehren nur in einem mäßigen Widerspruche mit ihren Religionsgesetzen, so wird es auch dennoch aus Achtung für den Fremden gewillfahret; aber der dadurch dem Fremden sich wider sein Gesetz Opfernde übt dann zur Reinigung seiner Person die vorgeschriebene Buße freiwillig.

23. Arme werden als eine Art Heiligtum betrachtet, und man könnte sagen: Wohl dem, der dort arm geboren ist; denn dem geht es besser, als allen noch so Wohlhabenden dieses Volkes. Aber so gut das ist, wenn man sich der Armen annimmt, so nachteilig auch wirkt eine zu übertriebene Barmherzigkeit gegen die Armen; denn da sucht dann bald jedermann, den das Arbeiten nicht freut, wo nur immer möglich arm zu werden, weil er als solcher wohl weiß, daß er dann von den andern auf den Händen getragen wird.

24. Es ist zwar bei diesem Volke ein Gesetz, nach welchem jemand als Armer zu betrachten ist; Arme sind bei diesem Volke nur Lahme, Krüppelhafte, Blinde, Taube, auch verstümmelte und arbeitsunfähige Büßer, und Greise von 70 Jahren und darüber. Diese Armen werden mit der größten Achtung und Zuvorkommenheit behandelt; aber eben diese ausgezeichnete Behandlung gibt nicht selten Anlaß, daß sich arbeitsscheue Menschen selbst verstümmeln, um dann in die Klasse der Armen aufgenommen zu werden.

25. Hier ist also von dem: „In medio beati“ nicht viel zu finden. Es ist, wie Ich schon gesagt habe, sehr recht, den Armen Gutes zu tun, es ist gut die Durstigen zu tränken, die Hungrigen sättigen, die Nackten bekleiden, und die Gefangenen erlösen; aber Arme förmlich auf einen Thron hinaufsetzen, das solle nicht sein, denn die Armut soll immer eine Prüfung des Geistes verbleiben, und der Arme soll vielmehr bei Mir, als bei den Menschen Hilfe suchen und finden.

Nachdem wir nun dieses Volk haben kennen gelernt, und bei ihm nicht viel mehr zu erlernen ist, so wollen wir uns das nächste Mal wieder zu einem andern wenden.

T3.77. Die jetzigen Japanesen stammen aus Mittelasien,

ihre Religion, eine Potpourri mit Menschenopfer. Diese hochgradigen Stoiker sind höchst schwer zugänglich jenseits. Der jenseitige Ort dieser Geister ist gefährlicher als die Hölle selbst, so, daß auch kein Geist von unten sich ihnen nahen kann. Japanesische Tugenden. Der Japanese der tugendhafteste Mensch. Selbstzufriedenheit, seine Glückseligkeit. Geistige Gefahren dabei, Gottentbehrlichkeit. Philosophie dieser Stoiker. Ganz besondere Eigentümlichkeit. Große Geistesgefahr des Deistischen Stoizismus.

(Den 8.Mai 1847)

1. Zunächst den Braminen, Chinesen und unseren Hochtibetsbewohnern kommen als Religionsverwandte die Japanesen, welche, wie sie jetzt sind, ebenfalls aus Mittelasien abstammen. Sie sind, was Religion betrifft, ein Gemisch; sie sind in dieser Hinsicht wie ein sogenanntes Potpourri, haben aus Allem etwas, und im Ganzen doch nichts.

2. Sie sind Braminen, Zoroasters, Parsen und Gebern, und somit Dalai-Lamaisten, aber zugleich auch wie die Braminen Ormuzisten; welch‘ letztere Weise, auch die böse Gottheit anzubeten, sie noch zu Menschenopfern nötigt.

3. Sie nehmen es mit diesen Menschenopfern wohl freilich nicht so genau, aber genug, daß solche Opfer noch gang und gebe sind; es müssen dennoch zu gewissen Zeiten die schönsten Knaben und Mägdlein geopfert werden.

4. Es werden zwar diese Knaben und Mägdlein nicht mehr geschlachtet, wie es einmal der Fall war; dafür aber muß dann eine doppelte Anzahl Staatsverbrecher in‘s Meer sich versenken lassen.

5. Ein Mehreres darüber habt ihr schon bei einer anderen Gelegenheit empfangen, was, so ihr wollet, dahier hinzugefügt werden kann.

6. Aus allem aber werdet ihr auch ersehen, daß mit diesen im höchsten Grade stoischen Japanesen in der geistigen Welt noch weniger zu machen ist, als mit den anderen bisher angeführten asiatischen Völkern? Denn bis jetzt existiert naturmäßig wie geistig kein Volk auf der Erdoberfläche, das wegen seines im höchsten Grade ausgebildeten Stoizismus unzugänglicher wäre.

7. Aber doch leichter noch ist es, sich diesem Volke naturmäßig zu nahen, als wie geistig im Geisterreiche, wo es sich derart verschanzt hält, daß es nicht leicht möglich ist, sich ihm ohne irgend einen Schaden zu nähern; denn sein Stoizismus entwickelt eine eigene Art geistiger Sintflut, dem nur Engelsgeister aus dem dritten Himmel opponieren können.

8. Geister unterer Art dürfen diesen Ort nicht betreten, denn er ist ärger wie die eigentliche Hölle selbst. Das Rarste bei der Sache aber ist, daß sich ihnen auch kein Geist aus der eigentlichen Hölle nahen darf. Wenn er so etwas wagen würde, so würde es ihm aber auch da alsogleich um tausend Mal schlechter gehen, als in der untersten Hölle selbst.

9. Er würde augenblicklich gefangen genommen, gefesselt, und auf die allerschrecklichste Weise gepeinigt werden; denn ihr wisset, daß die sogenannten Teufel die Demut am allerwenigsten leiden können, so wie auch die Wahrheit und die Aufrichtigkeit und die damit verbundene Genügsamkeit, die alles euch Denkbare übertrifft. -

10. Alle diese Tugenden: Demut, Aufrichtigkeit, strengste Wahrheitsliebe, Dienstfertigkeit, Selbstverleugnung bis in den tiefsten Kulminationspunkt, dann eine Ordnungsliebe, die kein zweites Beispiel auf der Erde aufzustellen hat, die größte Gastfreundschaft unter sich, die strengste Gerechtigkeit, und vollkommene Geringschätzung des Lebens, das alles findet man bei den Japanesen in einem solchen Grade ausgebildet, von dem ihr euch keinen Begriff machen könnet.

11. Von der Übertretung irgend eines Gesetzes ist da nie die Rede, und hat jemand zufälliger Weise ohne sein Wissen und Wollen einen Fehltritt getan, so sucht er selbst die strengste Züchtigung dafür nach.

12. Man kann da sagen: Der Japaner ist in seiner Art der tugendhafteste Mensch auf der ganzen Erdoberfläche; von einer Sünde ist bei ihm nie die Rede, aber eben in dieser Tugend, die er genau erfüllt, sucht er auch seinen größten Lohn, und die Selbstzufriedenheit ist seine höchste Glückseligkeit.

13. Das sehr Schlimme bei dieser Sache ist freilich, daß er dieser seiner stoischen Selbstzufriedenheit wegen keinen Gott braucht, wenn er schon an Ihn glaubt; und statt Gott zu lieben, und Ihm seine Herzensdankbarkeit zu bezeigen, macht er Ihm nur Vorwürfe darum, daß Gott ihn zu einem weisen Wesen gemacht hat, und überhaupt zu einem Wesen, das sich seiner selbst und der etwaigen Bedürfnisse bewußt ist.

14. Bei ihm ist alles Verschwendung und unnützer Prunk; denn der Japanese sagt: Es ist viel besser gar nicht, als unnütz sein, nun aber sieht er ein, daß er Gott in nichts nützen kann, und betrachtet sich daher als rein überflüssig, und wirft Gott die Unweisheit vor, und sie sagen noch dazu: „Zu einem Spielzeuge für Gott sind wir in Seinem Anbetracht zu nichtig und zu schlecht, in unserem Anbetracht aber zu gut und zu edel, indem wir Gott lieber zu etwas nützen würden, wenn es möglich wäre, Ihm, dem Allmächtigen, einen Dienst zu erweisen; so aber sind wir da, und keine Weisheit vermag es zu enträtseln wozu? Unsere Verehrung und unser Opfer reicht kaum bis zu den höchsten Bergspitzen; was soll sie Ihm sein, Den die Erde, Sonne, Mond und Sterne kaum vernehmlich preisen können? Wir pflügen wohl die Äcker, aber dennoch zeigt Er, daß die Wälder und die Wiesen durch Seinen Hauch besser bestellt sind, als unsere Äcker. Wir bauen auch Schiffe; was sind sie aber gegen die Schwimmfähigkeit der Fische, und gegen die Flugkraft der Vögel? Wir bauen große Paläste und Tempel; aber was sind sie gegen Seine Erde und gegen Berge, die auf derselben sind wunderbar gebaut von Seiner Hand?

15. „Hat Er uns etwa erschaffen, daß wir Ihn erkennen sollen, damit Er dann ein Freude hätte an unserer Erkenntnis über Ihn? Wann kann aber ein unendlich kleiner Wurm den unendlich großen Gott erkennen, wie Er ist? Wer in einer Art unvollkommen ist, ist das auch in einer andern; wann kann Gott von uns eine vollkommene Erkenntnis Seiner Selbst erwarten? Sicher ewig nie; denn das Unvollkommenste kann das Vollkommenste nie fassen, so wenig als jemand in einen kleinen Topf das ganze Meer hineinschöpfen kann. Kann aber das Meer eine Freude haben, wenn man aus ihm einen Topf voll nimmt? So wenig kann auch Gott eine Freude haben, wenn wir aus seiner ganzen Unendlichkeit kaum das kleinste Fünkchen schaffen; freut Ihn aber so etwas, so kann Er nicht weise sein, da uns schon so etwas unmöglich erfreuen kann, die wir nur höchst unnotwendiger Weise das kleinste Fünklein Seiner unendlichen Weisheit besitzen.“

16. Dergleichen stoische Philosopheme kursieren in übergroßer Fülle unter diesen Menschen, und sind, wie ihr leicht ersehen könnet, den eigentlichen satanischen Maximen allerblankst und schnurstracks entgegen; daher es, wie schon früher bemerkt wurde, einem Teufel, der über alles herrschen will, hier am allerärgsten geht, wenn er in diese Gegend kommt, wovor sich aber die bösen Geister auch ganz absonderlich hüten; denn die Prinzipien sind für sie das Allerwidrigste, durch welche nicht nur allein alle Herrschsucht, sondern alles nur kaum denkbare Gewicht zur Seite geschoben wird, durch welches irgend eine wenn noch so geringe Bewertung seines Wesens an den Tag gelegt werden könnte.

17. Es wird aber aus Dem auch ersichtlich, warum sich in eine solche Gegend nur die stärksten Himmelsgeister begeben können. Der Grund liegt in dem, weil schwächere Geister gar leicht von diesen seltenen Prinzipien könnten gefangen genommen werden, und das ist eben das vorbesagte eigentümliche geistige Gift, vor dem sich schwächere Geister auf das sorgfältigste hüten müssen.

18. Ihr selbst, wie ihr da seid, dürftet nicht mit einem so recht stoischweisen Japanesen zusammen kommen; wenn ihr seiner Sprache mächtig wäret, so könnet ihr ihm auf Tausend nicht Eines erwidern.

19. Aus dem Grunde aber lasse Ich es auch irdisch politischerseits (vorerst) nicht zu, daß die anderen Völker der Erde mit diesen Erzstoikern in irgend eine zu nahe Verbindung treten möchten, weil sie nur zu bald den Japanismus in der ganzen Welt ausstreuen könnten.

20. Denn ein Stoizismus für sich allein, wenn er sich atheistisch gestaltet, ist so gefährlich nicht, indem er bald verkümmert, weil er keine Wurzeln hat; aber ein Stoizismus in Verbindung mit dem strengsten Deismus ist das Gefährlichste für den Geist, weil dieser Stoizismus mit seinem strengen Gottglauben ganz natürlich eine unvertilgbare Wurzel hat. –

21. Euch in sein Wesen weiter einzuweisen, wäre sehr unnütz und sogar schädlich; daher wollen wir unsere Japanesen wieder verlassen, und zu einem anderen Volke übergehen.

T3.78. Die Urbewohner von Borneo und Guinea, chinesische Abkömmlinge.

Besonderheiten derselben. Regierung, Religion. Im Jenseits sind sie leichter zugänglich als Chinesen. (Allgemeine Reflexion über Irrsinnige und Behandlung derselben.) Nach ihrer Bekehrung Drüben sind sie die allerfestesten Geister.

(Den 4.Mai 1847)

1. Nach den Japanesen kommen die Bewohner von den bedeutenden Inseln Borneo und Guinea; es versteht sich von selbst, daß hier bloß von den Ureinwohnern die Rede ist, nicht aber von den hie und da angesiedelten Europäern, die an den Küsten wohnen.

2. Die Ureinwohner dieser beiden Inseln sind, was leicht zu begreifen ist, chinesische Abkömmlinge; daher auch die Religion China‘s hier zu allermeist gehandhabt wird, und auch gehandhabt werden muß, weil die jeweiligen Beherrscher dieser Inseln noch immer die Oberherrschaft China‘s anerkennen müssen, und müssen auch, wenn es der Kaiser von China verlangt, ihm einen Tribut bezahlen.

3. In verschiedenen Dingen aber weichen sie doch von der chinesischen Verfassung und Sitte ab; und somit hat es auch mit der Religion einige Abänderungen. Der König dieser Insel hat gewöhnlich den Beinamen: die goldfüßige Majestät, auch Sohn des Mondes; nur Sohn der Sonne nicht, weil dieser Ehrentitel bloß dem Kaiser gebührt.

4. Der König hat demnach für das Volk ein halbgöttliches Ansehen, und muß zu gewissen Zeiten angebetet werden, und müssen ihm auch Opfer, die er bestimmt, an dem bestimmten Tage reichlich dargebracht sein.

5. Sind die Opfer nicht reichlich vorhanden, so werden die opfernden Priester auf die Erde gelegt und tüchtig durchgeprügelt, und es wird ein zweiter Opfertag bestimmt; die Priester aber, wann sie geprügelt werden, müssen so laut, als nur immer möglich, heulen, und dieses Geheul muß von jedermann nachgeahmt werden, der es hört. Da geschieht es nicht selten, daß in einem Tage das ganze Land in das kläglichste Heulen versetzt wird.

6. Der König ist als ein Halbgott auch der weiseste unter seinem Volke, daher gehört zu seiner Verehrung auch die Nachahmung seiner Handlungen, vorausgesetzt, so er es wünscht und will; hustet demnach der König, so muß bald das ganze Land husten; räuspert er sich, so muß sich alles räuspern; setzt er sich nieder, so setzt sich alles nieder im Lande, natürlich bei der ankommenden gewisserart telegraphischen Nachricht, daß sich der König gesetzt hat.

7. Das geschieht freilich nicht permanent, sondern nur in den Tagen, wenn der König solches haben will.

8. So darf auch niemand, außer der König und der oberste Priester, das höchste Wesen anbeten, weil das gemeine Volk nicht würdig ist, Gott zu verehren und anzubeten; sondern jedermann, der von Gott eine Gnade haben will, muß zu einem Priester, dieser zum Oberpriester, und dieser erst zum Könige gehen, damit dieser als der allein Würdige, Gott das Anliegen seines Volkes vorzutragen, die verlangte Gnade für Den erbitte, dem es darum zu tun ist.

9. Würde es jemand wagen, allein sein Anliegen dem höchsten Wesen vorzutragen, und käme das auf, so wird er als ein Frevler und sakrilegischer Schänder der alleinigen königlichen Majestät gewöhnlich mit dem Tode bestraft; ist er aber von besserer Herkunft, so wird er entweder eine Stunde lang nach ihrer Zeitrechnung geprügelt. Wann er aber reich ist und viel Gold besitzt, so kann er sich von der Prügelei wohl auch loskaufen; aber er muß für eine Stunde Prügel drei Stunden Gold für den königlichen Schatz messen.

10. Daß bei diesem Messen auch viel feine Schliche und Kniffe gebraucht werden, versteht sich von selbst; da wird mit dem genauen Messen oft mehr als 4/5 der Zeit verbraucht, u.dgl. noch mehreres, aus welchem Grunde der König die Prügelablösung für eine Stunde auch in drei Stunden verwandelt hat. –

11. Damit aber das Volk sich nicht leichtlich gegen dieses allerstrengste Gebot verfehle, so ist es ihm, so wie den Chinesen gestattet, Hausgötter anzuschaffen, welche im Namen des Königs von den Priestern eingeweiht und dadurch kräftig und wirksam gemacht werden, welche Hausgötter in gewöhnlichen überaus plump angefertigten hölzernen, auch tönernen Pagoden bestehen, die von dem Volke desto tiefer verehrt werden, je älter und schlechter sie aussehen. –

12. In diesem Stücke unterscheidet sich dieses Volk auch von den Chinesen; denn die Chinesen durchprügeln am Ende ihre Gottheiten, wenn sie ihnen nichts genützt haben, aber dieses Volk hält nur auf die recht alten Gottheiten, und zwar aus dem Grunde, weil diese, da ihnen schon so viel geopfert wurde, leichter zu etwas zu bewegen wären, als die neuen, die durch die Opfer und Gebete noch nicht so sehr geheiligt sind, als die alten.

13. Daß mit so einem Volke in der Geisterwelt nicht viel zu machen ist, das wird leicht einzusehen sein; doch sind sie für das Christentum und für das reine Evangelium bei weitem zugänglicher, als die Chinesen, und besonders die Japanesen, nur gehört dazu überaus viel Geduld, und man muß mit ihnen wie mit Irrsinnigen umgehen, um sie auf den rechten Weg zu bringen.

14. Denn wie die Irrsinnigen, so haben auch diese eine Menge höchst falscher, aber fixer Begriffe, welche wie alte Krebse in ihre Seele eingewurzelt sind. Um sie zu heilen, muß man eine förmliche geistige Homöopathie anwenden, und sie fasten lassen über die Maßen, auf daß alles Schädliche sich in ihnen früher rein aufzehre, und sie dann erst fähig werden, eine neue Kost aufzunehmen und zu verdauen.

15. Wann aber einer einmal geheilt ist, dann ist er aber auch fester als zehn andere, und besitzt einen Mut, und eine Liebe, die mit nichts zu vergleichen ist, was ihr hier kennt.

16. Solch ein Geist würde, wenn es möglich wäre, eher tausend Mal unter den gräßlichsten Schmerzen den Tod erleiden, als nur um ein Haar breit von der ihm vorgeschriebenen Ordnung abweichen; aus welchem Grunde dann diese Geister auch zum Schutze jener Menschen gestellt werden, die eben in diesen Gegenden wohnen, und wann selbige das Irdische verlassen, so sind diese Geister auch fast ausschließlich dazu bestimmt, ihre Landsleute auf den rechten Weg zu bringen.

17. Wie hier gezeigt wurde, geht es auf den beiden Inseln mit wenigen kaum bemerkenswerten Differenzen zu; nur sind die Borneer etwas sanfter, als die Guineer. Somit wären wir mit diesen beiden Völkern fertig, und wollen nächstens wieder ein anderes zur Betrachtung vornehmen.

T3.79. Die anderen asiatischen Klein-Insulaner. Die Javaner,

ein eigener Volksstamm; das Innere (von Java) ungesund durch giftige Ausdünstungen. Deren sonderbarer (janusartiger) Gott. Sonstige örtlich bedingte Eigentümlichkeiten. Das Tal des Todes mit den Bohonupas.(Bäumen) Giftige Höhlen mit brennbarem Gase. Sie haben auch den Koran und die Bibel. Vorzüge dieser Menschen gegen die vorigen. Sie begründen sich in Nichts. (also auch nicht im Irrtümlichen). Bedeutsamer Wink über die Liebe. Belehrung im Jenseits. Vorzüglichkeit der bekehrten Geister dieses Volkes.

(Den 5.Mai 1847)

1. Mehr oder weniger ähnlicher Verfassung sind auch die Bewohner der meisten Inseln, von den Asien weit und breit umgeben ist, worunter freilich einige fast schon ganz die römisch-katholische oder die protestantische Religion besitzen; nur die Insel Java macht eine eigentliche Ausnahme.

2. Diese Insel bewohnt ein ganz eigener Volksstamm; es versteht sich von selbst, daß darunter nur die Ureinwohner zu verstehen sind. Die Insel selbst wird von China aus mittelst eines Vizekönigs beherrscht, aber dessenungeachtet gehören die Küsten zumeist den Europäern; Das Innere des Landes ist jedoch von den Europäern noch gar wenig besucht, weil diese es da nicht zu lange auszuhalten imstande sind, ob der mannigfaltigen giftigen Ausdünstungen, die auf dieser Insel in besonders hohem Grade zu Hause sind.

3. Die Ureinwohner dagegen sind da schon mehr gewisserart akklimatisiert, und ihr ganzer Körperbau ist zur unschädlichen Aufnahme dieser giftigen Ausdünstungen bei weitem mehr geeignet, als der Europäer.

4. Eben diesem sonderbaren Klima zufolge haben die Einwohner den sonderbarsten Begriff von der Gottheit; sie erkennen nur Einen Gott an, aber dieser Gott hat gewisserart zwei Leiber, welche am Rücken zusammengewachsen sind.

5. Auf diesen zwei Leibern sitzt aber ein Kopf, der zwei Gesichter hat; der eine Leib ist ganz strahlend weiß, der andere aber ganz dunkelgrau.

6. Am Tage wendet die Gottheit den weißen Teil ihres Leibes und Gesichtes den Menschen zu; bei der Nacht aber den dunkelgrauen.

7. Aus dem weißen Teile geht lauter Gutes, aus dem dunklen aber lauter Schreckliches und Böses hervor; daher getraut sich auch leichtlich niemand zur Nachtzeit in‘s Freie, weil ihm da nichts Gutes, sondern nur lauter Schreckliches und Böses widerfahren kann.

8. Der Grund liegt aber darin, weil auf dieser Insel, besonders in den inneren Tälern derselben, fortwährend sich eine giftige Luft entwickelt, welche Europäer töten, die Einheimischen doch wenigstens bedeutend krank machen, manchmal wohl auch töten kann, wenn sie eine zu lange Zeit eine solche Luft eingeatmet haben, aus welchem Grunde die Ureinwohner dieser Insel aber auch durchgehends auf Bergen wohnen, und nur am Tage, wenn die Sonne schon über und über aufgegangen ist und die böse Luft verscheucht hat, begehen sie sich in die Täler zu irgend einer bestimmten Arbeit.

9. Ein Tal dieses Landes aber ist ganz unbewohnt, und die Einwohner nennen es das Tal des Todes.

10. In diesem Tale befinden sich die schon bei manchen Gelegenheiten erwähnten Giftbäume, Bohonupas genannt, welche eine so giftige Ausdünstung durch dieses ganze mehrere Meilen lange Tal verbreiten, daß derselben gar kein lebendes Wesen leiblicher Weise Trotz bieten kann; nur manche von dem Könige dieses Landes ob eines Verbrechens zum Tode Verurteilte müssen in dieses Tal eine Wanderschaft machen, und das giftige Harz dieses Baumes holen, mittelst welches Giftes dann ehebrecherische Weiber getötet werden.

11. Dieses Gift besitzt dann nur der König in einer wohlverwahrten goldenen Büchse; und wenn es gebraucht wird, darf bloß nur eine kleine Nadelspitze in dasselbe getaucht werden, um damit durch den leisesten Ritz einem Menschen im Verlaufe von wenigen Minuten, und zwar unter den schauderhaftesten Schmerzen das Leben zu nehmen.

12. Wenn hundert in das Tal geschickt werden, kommen gewöhnlich höchstens zwei wieder zurück, denen aber dann das Leben geschenkt wird. - Wenn diese Unglücklichen dahin beschieden werden, so müssen sie genau ausforschen, wie da der Wind geht.

13. Geht der Wind zu dem kleinen Giftbaumwäldchen, da müssen sie dem Winde nachgehen, schlägt aber der Wind um, so müssen sie plötzlich wieder die Flucht ergreifen; denn wie sie die Luftschicht dieses giftigen Wäldchens erreicht hat, so sind sie ohne Rettung verloren.

14. Weht aber der Wind längere Zeit in gleicher Richtung fort, so mögen sie wohl zu einem oder dem andern nächsten Bäumchen gelangen, und daran behutsam ihr Geschäft verrichten, nach dessen Verrichtung sie dann eiligst gegen den Wind ihren Rückmarsch ohne Rast antreten, und wenigstens einen Weg von 10 Meilen machen müssen, bis sie vor den Folgen der giftigen Luft dieses Tales sicher sind; welches eigentlich nur ein bei 20 Meilen langer, und bei einer Meile breiter Kessel ist, in dem sich aber kein Tropfen Wassers befindet, auch kein anderes Gras und Gewächs, denn alles stirbt an der Ausdünstung dieses giftigen Baumes. –

15. Gleicherweise gibt es in diesem Lande auch Höhlen, aus denen ein beständiger giftiger Hauch aufsteigt, nur verbreitet er sich nicht so weit in seiner giftigen Intensität, als das giftige Miasma des obbeschriebenen Giftbaumes, und die Einwohner können sich manchmal solchen Höhlen ganz nahen, aber natürlich auch nur nach dem Winde.

16. Da schleudern sie dann brennende Bündel in eine solche Höhle, durch welche sich dieses ausströmende höchst brennbare Gas schnell entzündet, und dann manchmal jahrelang in einem fortbrennt; wenn es aber brennt, dann ist es auch ganz unschädlich.

17. Die sonderbare Beschaffenheit dieses Landes ist dann auch der Grund von der sonderbaren Geistesbildung dieser Menschen, wie schon oben bemerkt wurde; ihre Doppelgottheit rührt schon einmal daher. Aber was eben wieder für euch merkwürdig ist, ist das, daß die Einwohner auf diese ihre Gottheit nicht viel Gewicht legen; sie haben auch den Al-Koran, und gegenwärtig auch die Bibel.

18. Einige aus ihnen geben der Bibel den Vorzug, einige noch dem Koran; aber ihre Gottheit ist bei ihnen schon beinahe gänzlich außer Kurs gekommen.

19. Einige unter ihnen sind der Meinung, ein vollkommener Mensch solle alle Religionen kennen, und sich daraus das Beste nehmen (Eklektiker).

20. Andere sagen wieder, daß unter den vielen Religionen nur Eine die rechte sein kann; aber diese herauszufinden, wäre die schwierigste Aufgabe für den Allerweisesten unter ihnen, daher wäre es am besten, unterdessen für alle etwas zu tun, bis man die rechte ermittelt hat, denn in jeder Religion sei etwas Weises und etwas Dummes zu finden; man huldige also bloß dem Weisen in jeder Religion, und verwerfe das Dumme, wodurch man endlich doch so weise wird, um aus den vielen Religionen die rechte herauszufinden.

21. Diese Menschen sind im Grunde nicht so dumm, als jemand anfänglich glauben möchte, denn sie begründen sich im Nichts; daher aber sind sie im Geisterreiche auch am allerzugänglichsten.

22. Nur mit der Liebe geht es ein wenig schwer, weil sie auf der Welt die Liebe für die größte Dummheit halten; aber der Grund davon liegt darin, weil sie unter dem Begriffe Liebe lediglich jene einem Rausche ähnliche Leidenschaft verstehen, durch welche das beiderseitige Geschlecht sich wie in einer blinden Raserei ergreift, und miteinander die tierähnliche Unzucht treibt, welcher Akt die Weisheit des Menschen manchmal unter die niedrigsten Tiere stellt.

23. Allein, wie sehr leicht zu sehen, ist das nur ein ganz irriger Begriff von der Liebe, wo man einen falschen und irrig geleiteten Trieb der Liebe für die ganz Liebe nimmt.

24. Sind die Geister dieser Menschen über diesen Begriff im Klaren, dann sind sie die fähigsten Wesen im Geisterreiche, und zugleich die bereitwilligsten, und die pünktlichsten in der Erfüllung jedes ihnen anvertrauten Geschäftes. –

25. Das ist etwas ganz besonders Denkwürdiges von diesem Volke; darum es hier auch ziemlich umständlich gegeben wurde. Alles andere dieses Volk Betreffende gehört nicht zu unserer Sache; daher nächstens wieder ein anderes Volk.

T3.80. Die Völkerschaften von Sumatra und Celebes.

Sodann diejenigen von Ceylon (d.h. die Ureinwohner). Land der größten Naturwunder. Grund dieser Eigentümlichkeit. „Die wilde Jagd“. Fata Morgana‘s nächtliche Feuererscheinungen. Tanzende Feuersäulen. Die Wohnungen dort in den Löchern der Erde. Ihre religiöse Ansicht; ihr Hauptpriester ist Herrscher. Die uneigennützigste Priesterschaft auf Erden. Wirkung dieses Benehmens, ungeheures Ansehen und unbegrenzte Liebe. Wunderkraft. Hof dieses Hauptpriesters, dessen Unzulänglichkeit für Europäer. Sie sind Deisten, ihre Insel ist die Welt. Ihre weiteren religiösen, geistigen usw. Ansichten. Ihre Meinung von Christo, sonst gute Ansichten. Dieses Volk hat in seiner Einfachheit noch den psych. Krafttypus der Urzeit. Sie sind Zendavesta-Befolger und NB. „Versteher“, und lieben Jesum, daher sie jenseits leicht zur eigentlichen Wahrheit kommen.

(Den 6.Mai 1847)

1. In der Nachbarschaft unserer vorbeschriebenen Insel Java befinden sich noch zwei etwas größere Inseln, unter den Namen Sumatra und Celebes.

2. Die Völker dieser beiden Inseln stehen zumeist unter gleicher Verfassung, und es wäre somit überflüssig, mit ihnen eine Wiederholung des schon Gegebenen hier wieder zu geben; nur so viel kann gesagt werden, daß Sumatra der Insel Java in jeder Beziehung näher steht, als die Insel Celebes, auf der es viel mehr echt chinesisch und mitunter auch borneonisch zugeht, obschon es unter den Celebesern auch Javaner gibt.

3. Daß aber auf beiden Inseln, und namentlich an den Küsten, auch Europäer Zutritt und sogar Niederlassungen haben, braucht bei der gegenwärtigen Eroberungssucht der Engländer, mitunter wohl auch der Franzosen, Holländer und Spanier kaum näher erwähnt werden; daher wollen wir uns gleich nach einer anderen Insel wenden, nämlich auf Ceylon, welche zwar an ihren Küsten zumeist europäische Niederlassungen hat, aber im Innern noch die Ureinwohner in ihren vielen Schluchten, Höhlen und Grotten birgt.

4. Diese Insel wird von vielen Reisenden als ein Land der unbegreiflichen Wunder angepriesen, und wegen der seltsamen Erscheinungen von vielen Naturforschern besucht.

5. Es ist wahr, diese Insel, rein vulkanischen Ursprungs, hat die größten unterirdischen Verbindungen, welche durch große Kanäle sogar mit den lebendigen Eingeweiden der Erde in Verbindung stehen; daß dadurch manche seltsame Erscheinungen hervorgerufen werden, welche anderorts nicht vorkommen, wird euch leicht begreiflich sein, so ihr auf alles Das einen Rückblick tuet, was euch im natürlichen Teile des Erdkörpers, und zum Teil auch im geistigen Teile desselben mitgeteilt wurde.

6. Da kommen die Erscheinungen der euch nicht unbekannten sogenannten wilden Jagd nicht selten in solcher Intensität zum Vorschein, daß ihr Getöse oft zu einer solchen Heftigkeit heranwächst, daß sich die Bewohner vor demselben in die tiefsten Löcher verkriechen, um ihre Gehörswerkzeuge vor dem Zerspringen zu bewahren.

7. Nebst diesen lärmenden Erscheinungen aber gibt es eine noch größere Menge meteorischer Erscheinlichkeiten, die zu gewissen Zeiten nicht minder das Auge beschäftigen, als die lärmenden das Ohr.

8. Fata Morgana von der seltensten Art sind fast in der täglichen Ordnung der Dinge, welche aber jedoch immer sanfter Art sind, und die Sehenden eher entzücken, als sie mit irgend einer Furcht erfüllen; aber sehr Furcht und Schrecken verbreitend sind die nächtlichen feurigen Erscheinungen, welche wohl auch manchmal kleine örtliche Verheerungen anrichten.

9. Diese feurigen Erscheinungen bestehen manchmal in einer Unzahl von den sogenannten Sternschnuppen, welche sich ganz nieder, manchmal nur wenige Klaftern über den Erdboden, nach allen Richtungen durchkreuzen.

10. Diese feurige Erscheinung ist die am wenigsten gefürchtete; etwas mehr Schauder erregend sind die manchmal in Scharen von Tausenden ganz auf dem Erdboden, und manchmal nur wenige Schuh hoch über demselben daherziehenden Feuermänner, Feuerdrachen, Feuerschlangen u.dgl.m. –

11. Diese Erscheinungen sind zwar sehr überraschend und Furcht erregend anzusehen, besonders wegen ihres schönen hellen weißen Lichtes; aber sie sind niemanden gefährlich, weil ihr Licht ganz kalter Natur ist. Gefürchteter sind die freilich wohl etwas seltener vorkommenden Feuerräder und Feuerkränze.

12. Diese setzen gewisse ihnen materiell verwandte Gegenstände in Brand, und Menschen und Tiere, wenn sie von diesen Rädern und Kränzen gestreift werden, bekommen elektrische Schläge und manchmal wohl auch bedeutend schmerzliche Brandwunden; aber am allergefürchtetsten sind in diesem Lande die sogenannten tanzenden Feuersäulen, welche im Grunde nichts als Feuerhosen sind.

13. Diese machen wohl die größte Verheerung, wo und wann sie zum Vorschein kommen. Sie kommen aber nur selten vor, in einem Jahre kaum zwei bis drei Mal, und meistens nur an schon bestimmten Plätzen, und werden, wenn sie zum Vorschein kommen, schon einen ganzen Tag vorher durch ein gewisses stets lauter werdendes Knistern in der Luft angezeigt, bei welcher Erscheinung sich Menschen und Tiere beinahe gar keine Hütten, und noch weniger Häuser, und es wohnen Menschen und Tiere, wie schon vorher gezeigt ward, in den Löchern der Erde, welche die Menschen, die sie bewohnen, wohl mit allerlei plumpem Schnitzwerke und Geflechte ausschmücken. –

14. Die Bewohner dieser Insel haben keinen König, sondern nur eine Art Hauptpriester, der aber das Ansehen eines Zauberers hat, und bei dem Volke in dem Glauben steht, als wäre er der Meister aller dieser wunderbaren Erscheinungen dieses Landes.

15. Dieser Zauberpriester hat dann auch eine gehörige Menge Gehilfen die er unterrichtet, und dann in alle Teile dieses Landes hinausstellt, welche das Geschäft haben, das Volk in der bestimmten Religion zu unterweisen, und ihm auch die Benehmungsweise vorzuschreiben, wie es sich bei den verschiedenen Erscheinungen zu verhalten hat, um ohne Nachteil davon zu kommen.

16. Das Seltene bei dieser Sache aber ist das, daß dieser Hauptpriester samt seinen Gehilfen die alleruneigennützigste Priesterschaft auf der ganzen Erdoberfläche ist, denn er fordert von niemanden auch nur die geringste Gabe; nur die Gehilfen dürfen Speise und Trank annehmen, wenn sie auf Unterweisung unter das Volk gehen.

17. Aber das Volk, die Wohltat dieses Priesters einsehend, beeifert sich, ihm die schönsten und auserlesensten Tierherden zuzutreiben, von denen er aber nie mehr nimmt, als was er für seinen ganz einfachen Hausbedarf vonnöten hat. –

18. Aus dem Grunde genießt er aber bei dem Volke ein so ungeheures Ansehen, und eine so unbegrenzte Liebe, daß er im Falle der Not nur winken dürfte, und das ganze Volk groß und klein wäre bewaffnet auf den Beinen, um seinen größten Wohltäter wie es ihn nennt, zu schützen.

19. Merkwürdig für euch von Seite dieses sogenannten Zauberpriesters dürfte das sein, daß er, wie auch seine Gehilfen, wirklich eine ganz magische Kraft besitzt, mittelst welcher er den Tieren gebieten kann, und sie folgen ihm auf den Wink, und davon ist kein Tier vom größten bis zum kleinsten auf dieser Insel ausgenommen.

20. Das aber gibt ihm auch zugleich das größte Ansehen, wenn er manchmal durch ein ganzes Heer von reißenden Tieren ganz unbeschädigt wie durch eine Schafherde wandelt. Schlangen, Nattern, Krokodile sind die gewöhnliche Umlagerung seines Zauberhofes, und nicht eines dieser Tiere wagt ohne seinen Wink nur die leiseste Bewegung zu machen; nur wenn er ihnen gebietet, bewegen sie sich pfeilschnell von seinem Hofe hinweg, und suchen sich ihre Nahrung.

21. Der Hof dieses Hauptpriesters ist ungefähr in der Mitte dieser Insel, und ist für jeden Europäer rein unzugänglich, teils wegen sehr dichter Gestrippe, teils wegen steiler, nahe unübersteiglicher Felsgebirge, und teils auch wegen des vielen Geschmeißes von Tieren, die hier reichlicher als irgend wo anders zu Hause sind.

22. Ein bedeutendes Hindernis sind auch die vorher besprochenen Naturerscheinungen, denen selbst die beherztesten Europäer nicht so ganz trauen; und so bleibt diese Insel nur an den Küsten europäischen Niederlassungen zugänglich, das Innere aber kennen Europäer so wenig, als wie das Innere von Afrika und noch manches anderen Landes. –

23. Die Religion dieses Volkes ist eine eben so seltene, als ihr Land selbst; sie glauben an Einen Gott, welcher aber für keinen Sterblichen sichtbar und in seiner Art denkbar ist.

24. Dieser Gott aber weihe von Zeit zu Zeit einen Menschen, der in seinem Namen die irdischen Geschäfte besorgt, weil sie für Gott zu kleinlich, und Seiner zu unwürdig wären.

25. Ihre Insel halten sie für die ganze Welt, welche wie eine Seenuß auf den unendlichen Gewässern herumschwimmt.

26. Sonne, Mond und Sterne, die regiert Gott allein, aber die Direktion der Erde, die zu klein ist, um von Gott allein dirigiert zu werden, besorgt der von Gott geweihte Hauptpriester; denn das Volk hat von den Gestirnen den großartigsten Begriff, und hält den kleinsten Stern für unendlichmal größer als die Erde.

27. Gott aber befindet sich in der Sonne, daher die Sonne von ihnen auch angebetet wird; den Mond aber halten sie für eine himmlische Welt, in welcher ihr Oberpriester und auch sie selbst nach dem Tode des Leibes hinkommen, wenn sie auf der kleinen Erde rechtschaffen und genügsam gelebt haben.

28. Nur mit den Sternen geht es ihnen etwas schlechter; denn diese bevölkern sie bloß mit allerlei Tierseelen, die aber nach ihren Begriffen jenseits viel größer und vollkommener sind, als auf ihrer Erde.

29. Von Christo wissen sie wenig, und hie und da auch gar nichts, die von Ihm aber etwas wissen, sind der Meinung, daß Er auch einmal auf ihrer Insel ein Oberpriester war, habe sich aber nach der Hand entfernt, und sei auf irgend eine andere Erde gegangen, um dort Menschen glücklich zu machen, weil Ihm vielleicht ihre Vorfahren einmal ungehorsam geworden wären; denn obschon sie ihr Land für die einzige Erde halten, so meinen sie aber doch, daß es auf dem nach ihrer Meinung unendlich großen Meere noch andere herumschwimmende Weltkörper geben kann, auf denen ihnen ähnliche Menschen wohnen, nur seien sie nirgends so vollkommen, als wie da, zu welcher Meinung sie wohl der Umstand gebracht hat, weil sie denn doch nicht selten mit Europäern zusammen kommen, und bei ihnen entdecken, daß sie nicht so vollkommene Meister der Tiere sind, wie sie.

30. Auch haben sie wohl schon manchmal Linienschiffe gesehen, und die Kanonade gehört; allein das halten sie für eine pure Kinderspielerei, denn das Feuerwerk, was ihr Oberpriester zuwege bringt, ist gar nicht zu vergleichen gegen die Nichtigkeit eines Kanonenblitzes, auch das schwimmende Schiff selbst halten sie bloß für ein schwimmendes ausgehöhltes Ei, das irgend ein mächtiger Feuerdrache gelegt hat.

31. Luxusartikel, die ihnen die Europäer anbieten, verachten sie über die Maßen; denn sie sagen: Wir bringen Größeres mit unserem Willen, als ihr mit euren Händen zuwege, daher ist mit diesem Volke auch kein Handel anzuknüpfen.

32. Die Küstenbewohner allein handeln mit Elefantenzähnen, die sie gewöhnlich von den Ureinwohnern gratis bekommen. Für alles andere bietet die Insel beinahe gar keinen Handelsstoff. –

33. Bei all‘ dieser Darstellung könnet ihr leicht einsehen, daß dieses Volk noch sehr einfach ist, und nur äußerst wenig Bedürfnisse kennt; zufolge dieser Einfachheit aber hat es dann auch in der psychischen Sphäre noch denjenigen urkräftigen Typus, wie er bei den Urvölkern der Erde einheimisch war.

34. Es ist bei ihnen noch dieselbe geistige Urkraft ersichtlich, die einst die ersten Menschen der Erde besaßen; sie sind der eigentlichen Religion nach noch die reinsten Zendavestabefolger, auch zugleich Versteher, und haben wenig hinzugesetzt und noch weniger hinweggenommen.

35. Auch mit diesem Volke ist es in der Geisterwelt eine leichte Arbeit, sie in das Evangelium einzuführen, weil sie Christum sehr lieb haben, und anfänglich der Meinung sind, Ihm jenseits um so mehr Folge zu leisten, weil sie Ihm auf der Welt als ihrem von Gott geweihten Oberpriester in ihren Vorfahren zu wenig Gehorsam geleistet hätten, und daß dieser Ungehorsam nun an allen Nachkommen klebe wie eine Erbsünde, für die jeder jenseits dem beleidigten Manne Gottes genugtun muß.

36. Dieser Grund ist zwar dem Anscheine nach etwas lächerlich, allein es ist leicht zu ersehen, daß er trotz der Lächerlichkeit dennoch ein guter Anhaltspunkt ist, wodurch die Menschen dieses Landes jenseits zum Lichte des wahren Evangeliums gelangen können.

37. Weiter gibt es bei diesem Volke für unsere Sache nichts beachtenswertes, daher wollen wir uns für‘s nächste Mal wieder zu einen anderen Völklein wenden.

T3.81. Die eigentlichen Bewohner von Madagaskar stammen aus Asien,

und von hier aus wurde dann Südafrika bevölkert, sie sind die eigentlichen Kainiten, daher auch ihr Geistesbildung noch tief steht. Sie allein setzen das weibliche Geschlecht über das männliche. Weibliche Weise, deren Philosophie. Sonderbarer Gottesdienst, und Grund desselben, dabei die größte Züchtigkeit auf Erden. Die Weißen sind nur Halbmenschen. Ein Eldorado Luzifers. Schwere Zugänglichkeit der Küsten des Landes, sowie auch dieser Menschen im Jenseits. Schicksal dieser Seelen nach dem Tode - Reinkarnation.

(Den 8.Mai 1847)

1. Nach der Insel Ceylon kommt die zu Afrika gehörige größere Insel Madagaskar. Diese Insel wird von einem ganz eigentümlichen Volke bewohnt, welches sich hier in den Urzeiten von Asien aus angesiedelt hat.

2. Es ist aber nicht zu denken, daß dieses Volk etwa von Afrika herüber diese Insel bewohnt hat, wohl aber umgekehrt; das südliche Afrika wurde zu allermeist von dieser Insel aus bevölkert.

3. Die Bewohner sind zum größten Teile Mohren; während die Bewohner der früher genannten Insel entweder braune, mitunter wohl dunkelbraune Farbe haben, haben die Bewohner Madagaskars eine vollkommen schwarze Hautfarbe, darunter nur sehr wenige in‘s Dunkelkupferbraune spielen.

4. Diese Menschen sind, mit weniger Ausnahme, noch die ganz eigentlichen Kainiten, bei denen die Bildung des Geistes zu allermeist noch auf der untersten Stufe steht. Sie haben wohl einen Begriff von einem höchsten Wesen; aber dieser ist so dunkel, wie ihre Hautfarbe.

5. Dieses Volk ist das einzige, welches das weibliche Geschlecht über das männliche setzt; daher bei ihm fortwährend eine Königin, und nie ein König, vollkommen göttlichen Ansehens auf dem Throne sitzt, und ihr Volk nach gänzlich freier Laune und Willkür beherrscht. –

6. Der Grund aber davon, daß hier das weibliche Geschlecht vorherrscht, liegt in dem, daß ihre Weisen, die lauter Weiber sind, das Volk also lehren, das Weib sei in allem vollkommener als der Mann; bei dem Manne sieht man an seinen Muskelgruben, daß er noch nicht ausgefüllt ist, während bei dem Weibe das schon vollendet ist, was beim Mann den Anfang nimmt.

7. So hat auch der Mann keine Brüste, demzufolge er auch keine so tiefen und weisen Empfindungen haben kann, als das Weib. Auch ist der Mann viel behaarter als das Weib, somit dem Tiergeschlechte näher als das Weib; so trüge der Mann auch zwischen den Beinen eine tierische schweifartige Verlängerung gleich dem Affen, welche beim Weibe nicht mehr stattfindet.

8. Dann ist das Weib auch der Gestalt nach viel edler und schöner als der Mann, und nur von ihr kommt das menschliche Geschlecht her. Sie bedarf zwar wohl des Beischlafes; allein wie wenig Wert die Schöpfung auf das Werk des Mannes gelegt hat, und um wie viel das Weib höher steht als der Mann, konnte man am klarsten aus diesem Zeugungswerke ersehen.

9. Das Werk des Mannes dauere nur so viele Augenblicke, als er Finger an den Händen hat, dem Weibe aber kostet das eben so viele Monate; die Dauer der Zeit bestimmt hier klar den kaum berechenbaren Vorzug des weiblichen Geschlechtes vor dem männlichen. –

10. Aus dergleichen Philosophemen beweisen diese weiblichen Weisen ihres Geschlechtes unberechenbaren Vorzug, und beweisen daraus sogar, daß das höchste Wesen, so es irgendwo ist, selbst ein allervollkommenstes Weib sein müsse.

11. Sie haben auch Tempel, in denen sie überall das Weib als die Gottheit verehren und anbeten; und der Hauptgegenstand der Verehrung beim Weibe ist das Genitale, und dann die Brust.

12. Wenn sie ihren Hauptgottesdienst verrichten, was alle Vollmonde geschieht, so ist in diesem Dienste das der erhabenste Moment, wenn ein nacktes lebendiges Weib sich auf den Altar stellt, ihre Hand auf das Genitale legt, und bald darauf zu pissen anfängt.

13. In dem Momente des Pissens fällt alles männliche Geschlecht auf‘s Angesicht nieder, und wird darauf von dem weiblichen angepißt.

14. Eine ähnliche Gottesverehrung findet sich auch bei einigen Stämmen Afrika‘s vor, die selbe natürlich von ihrem Mutterlande mitgebracht haben.

15. Dieses weibliche Genitale wird, was leicht begreiflich, darum so hoch verehrt, weil daher das menschliche Geschlecht seinen Ursprung nimmt.

16. Merkwürdig dabei ist das, daß auf der Erdoberfläche hinsichtlich der Befriedigung der fleischlichen Lust nirgends ein keuscheres und züchtigeres Volk lebt als hier.

17. Außer dem Tempel darf bei augenblicklicher Todesstrafe nirgends eine Zeugung stattfinden, und diese darf zur bestimmten Zeit nur einmal im Jahre vorgenommen werden, nachdem zuvor nach ihren Begriffen eine Menge gottesdienlicher Handlungen verrichtet worden sind; und wenn die Zeugung vor sich geht, muß es im Tempel vollkommen finster sein.

18. Das Weib aber hat jedoch das Recht, sich von ihren Sklaven öfters befriedigen zu lassen, wenn sie darnach brennt; aber wenn ein Mann ein Weib verlangen würde, so würde das schon ein Crimen läsä sein. –

19. Die weißen Menschen werden nur als Halbmenschen betrachtet, auf die auch Jagd gemacht werden kann, indem sie ein gutes Fleisch hätten.

20. Wenn ein gefangener weißer Mann sehr gut gewachsen ist, und eine Madagaskaresin an ihm ein besonderes Wohlgefallen findet, so kann sie ihm auch das Leben schenken, und ihn als einen possierlichen Affen zu ihrer Unterhaltung behalten, wo er sich aber dann, versteht sich, so manches muß gefallen lassen, was unter euch, wie ihr zu sagen pfleget, für den Teufel zu schlecht wäre.

21. Den Männern, wenn sie gefangen werden, geht es noch immer etwas besser; aber die Weiber werden ohne Gnade und Pardon geschlachtet und gebraten, weil die Weiber der Weißen von diesen schwarzen Weibern für bloße Tiere gehalten werden. –

22. Wie weit diese Menschen noch von der geistigen Bildung zurück sind, wie noch sehr unzugänglich für‘s Evangelium, kann schon aus diesem Wenigen ersehen werden. Es sind wohl schon Versuche gemacht worden, hie und da an der Küste; allein bis jetzt war noch alles vergeblich, denn da, kann man sagen, führt der Luzifer noch ganz unbeirrt sein Regiment.

23. Das Land selbst aber ist auch so gestellt, daß es dem Zutritte jeder größeren Macht den größten Trotz bieten; denn diese Insel ist nur auf sehr wenigen Punkten zugänglich.

24. Das Meer ist ringsherum in großer Ausdehnung voll Klippen und Untiefen; mit größeren Fahrzeugen ist es beinahe nirgends landungsfähig, sondern auf einigen wenigen Plätzen nur in Kähnen, wenn das Meer ruhig ist, und da müssen die Landenden ja sehr behutsam sein, um nicht in die Hände der überall an solchen Plätzen lauernden Madagaskaresen zu gelangen.

25. Die Königin dieses Landes läßt ihre Küsten auch fortwährend streng überwachen, und die ganze Küste fortwährend mit undurchdringlichem Gestrippe bewachsen sein, welches auch von einer Menge bösen Geschmeißes von allerlei giftigen Würmern und Insekten bevölkert ist, gegen das sich nur die Eingeborenen mittels des Anstriches mit dem Safte einer gewissen Pflanze zu schützen wissen.

26. Zu gewissen Zeiten, besonders im halben Frühling, im Sommer und halben Herbste, zusammen also ein halbes Jahr, ist sich dieser Insel nicht zu nahen; denn da umschwärmen sie Trillionen von den großen fliegenden Ameisen, von einigen Naturforschern Muskatons genannt, welche viel ärger sind, als die Moskitos der amerikanischen Inseln.

27. Wenn zu solcher Zeit ein Europäer die Küste besteigt, und wird von einem Schwarzen dieser Muskatons überfallen, so ist er binnen wenigen Minuten ein ganz abgenagtes Totengerippe. Die Eingeborenen jedoch fallen sie nicht an, weil ihnen der Geruch des Krautes mit dessen Safte sich die Eingeborenen bestreichen, höchst unausstehlich ist.

28. Aus dieser kurz gegebenen Beschreibung werdet ihr leicht ersehen, wie es mit diesem mehr als heidnischen Volke in der geistigen Welt aussieht; denen ist überaus schwer beizukommen, ja man könnte sie beinahe eben so leicht natürlich weiß waschen, als ihren Geist für das Evangelium wecken.

29. Seelen solcher Menschen werden entweder zu sogenannten Naturgeistern, oder sie werden in einen anderen Planeten geführt, wo sie wieder eine leichtere materielle Umhüllung bekommen, und sonach noch ein materielles Leben durchmachen, in welchem sie mehr und mehr zur Aufnahme des Evangeliums geeignet werden, nur sehr wenige kommen nach dem Tode ihres Leibes unter großer Mühe zur rechten Erkenntnis.

30. Die Naturgeister aber werden mit der Zeit entweder noch einem in einem besseren Erdstriche durch die Zeugung in‘s Fleisch gesetzt, oder sie werden auch in einen anderen Planeten geführt.

31. Nun wisset ihr hinreichend von diesen überaus eingeschrumpften Volke der Erde; wir wollen uns daher nicht länger bei ihm aufhalten, sondern für‘s Nächste zu einem anderen übergehen.

T3.82. Die Völkerschaften Süd-Afrika‘s.

Fetischdiener, sie haben weder König noch Oberhaupt, sondern leben in Horden, essen rohes Fleisch und trinken Blut. Kannibalen. Keine aritkulierte Sprache. Ihr wenig Gutes, die Einfachheit und Wißbegierde. Großer Unterschied dieser Seelen von den vorigen in der Geisterwelt. Drüben stehen sie bei weitem höher als vorige. Die ehem. Sklaven-Greuel. Entschädigung der Sklavenseelen jenseits. Deren Herren - Weihrauch der Hölle. Schmerzliche Reflexion.

(Den 10.Mai 1847)

1. Diesem Volke zunächst an allerlei unterheidnischen Sitten und Gebräuchen stehen noch gewisse zumeist den südlichen Teil Afrika‘s bewohnende Völkerschaften, deren Religion nicht selten noch schlechter ist, als die der Madagaskaresen.

2. Da gibt es die eigentlichen Fetischdiener, die ganz naturmäßige Gegenstände verehren, ob sie ihnen nützen oder nicht, sondern bloß darum, weil sie ihnen an einem bestimmten Tage des Jahres zuerst in die Augen gefallen sind; solche Gegenstände können ein Baumstock, ein Wurm, ein Krokodil, ein Vogel, ein Affe, auch ein Stein sein, kurz alles, was nur Körper heißt, kann als anbetungswürdige Gottheit gebraucht werden.

3. Diese Völker haben keinen König, auch keine Königin, worin sie sich von den Madagaskaresen sehr unterscheiden. Sie leben bloß hordenweise gleich den Affen auf den Bäumen, und ernähren sich meistens von allerlei Raub und Jagd.

4. Das Fleisch verzehren sie ganz roh, und aus den Häuten machen sie gewöhnlich hängende Betten an den Baumästen. Früchte genießen sie nur wenige, tierische Milch ist ihnen beinahe unbekannt; dafür trinken sie das Blut der Tiere mit desto größerer Begierde.

5. Diese Horden führen auch öfter eine Art Krieg, besonders zu den Zeiten größerer Tierjagden, wo gewöhnlich die in der Jagd weniger glückliche Horde die glückliche überfällt und ihr den Raub abjagt, wenn es tunlich ist. Die beiderseits getöteten Jäger werden dann von der siegenden Partei ebenfalls als Jagdbeute mitgenommen, und zu allererst verzehrt.

6. Weiße Menschen aber sind für sie ein Leckerbissen; darum sie auch häufig die Meeresküsten beschleichen, um da einen weißen bekleideten Affen, wie sie der Meinung sind, zu erjagen, welche Affengattung für ihren Gaumen das wohlschmeckendste Fleisch hat.

7. Der Stärkste einer solchen Horde ist gewöhnlich der Anführer, hat aber jedoch nichts zu befehlen, sondern bloß nur anzuzeigen, was da zu geschehen hat; und die Anzeige geschieht gewöhnlich durch den ersten Angriff, nach welchem sich dann die ganze Horde richtet.

8. Diese Völkerschaften haben auch gewöhnlich keine artikulierte Sprache; sondern sie verständigen sich bloß entweder durch Zeichen mit den Händen, oder durch gewisse Schnalzer mit der Zunge. –

9. Man benennt die Völker europäischerseits mit den Namen: Kaffern, Hottentotten, Buschmänner und Klettern.

10. Viele von diesen Horden, deren es Tausende gibt, sind wohl schon, besonders längs den Küsten, so viel als möglich christlich kultiviert worden; aber viele mehr im Innern des Landes wohnende sind noch in der alten vollends tierischen Roheit.

11. Das einzige Gute, was diese Völker haben, besteht darin, daß sie für‘s erste die allergeringsten Bedürfnisse des Lebens haben, und daß sie sehr wißbegierig sind; und wenn zu ihnen Missionäre kommen, natürlich anfangs unter gehöriger Bedeckung, so haben sie mit diesen Völkern ein leichtes Spiel, vorausgesetzt, daß sie sich ihnen mitzuteilen verstehen, was aber eben auch nicht zu schwer ist, weil diese Völkerschaften wegen ihrer sehr wenigen Bedürfnisse auch überaus begriffsarm und wenige ganz natürliche Zeichen mit der Hand oft völlig hinreichend sind, mit diesen Völkern sich anfangs genugsam besprechen zu können.

12. So wild und nahe ganz tierisch diese Völker sind, so sind sie aber doch für die geistige Welt bei weitem höher stehend, als die Bewohner Madagaskar‘s, und überhaupt solche Völker, die aus ihren inneren landespolitischen Ursachen entweder nur sehr schwer oder auch gar nicht zugänglich sind; und (es) sind obige wilde Völker zu vergleichen den Dingen auf der Erde, zu denen man leicht gelangen kann. –

13. Jedes Ding, wenn noch so unscheinbar, kann zu etwas Nützlichem verwendet werden, wenn man sich desselben nur habhaft machen kann; aber die herrlichen Dinge auf solchen Stellen der Erde vorkommend, die von niemand erreicht und betreten werden können, sind für nichts zu verwenden, und so gut, als wären sie gar nicht vorhanden. –

14. Mehr im westlichen Teile an der Küste dieses Weltteils wohnen wohl wieder Stämme unter einem Könige, auch hie und da unter einer Königin; diese Stämme sind die allerschlechtesten, weil sie Menschenhandel treiben, und einige Könige haben so viel, als bei euch tierische, dort Menschengestüte angelegt, um desto mehr Sklaven für den Handel nach Amerika zu erzeugen.

15. Die stärksten und fruchtbarsten Frauenzimmer werden zu Tausenden in diese Gestüte zusammen gefangen, und von den stärksten Männern beschlafen. Wenn sie dann schwanger sind, müssen sie die gewöhnlichen Arbeiten verrichten; nur einige Tage vor der Entbindungszeit werden sie wieder an den bestimmten Sammelplatz getrieben, um da ihre Frucht auf die Welt zu setzen, welche Frucht sie dann ein Jahr lang mit ihrer Brust zu erhalten haben. Nach dieser Zeit werden ihnen die Kinder abgenommen, und der öffentlichen Ernährungsanstalt übergeben.

16. Nach 6 Wochen nach der Entbindung muß ein solches Frauenzimmer sich wieder beschlafen lassen, und so fort, bis manche nicht selten bei 26 Kinder zur Welt gebracht hat. Ist solch ein Frauenzimmer nach solcher Dienstleistung noch kräftig genug, so kann es noch mit als Sklavin verkauft werden; ist sie aber zu schwach, so wird sie hinausgetrieben, und muß sich selbst ihre weitere Nahrung suchen.

17. Nebst dieser Manipulation aber lassen diese schwarzen Herrscher auch noch, wo es nur tunlich, die Sklaven zusammenfangen, um sie dem Handel preis zu geben.

18. Es ist zwar in der gegenwärtigen Zeit diesem gar gräßlichen Unfuge an manchen Stellen schon so ziemlich gesteuert worden; aber in den mehr tief liegenden Gebieten gibt es noch eine Menge solcher Scheußlichkeiten.

19. Die verkauften Sklaven haben zwar auf dieser Welt leider bei den christlichen Völkern das schreckliche Los, dafür sie aber so viel möglich jenseits schadlos gehalten werden; aber jene Scheusale von Königen und Königinnen sind das ärgste Aas der Hölle; denn ihre Bosheit übersteigt alle Begriffe, und die Härte ihres Herzens zermalmt den Diamanten. Mit diesen ist in der Geisterwelt wohl nichts anderes zu machen, als sie für den Weihrauch der untersten Hölle zu gebrauchen.

20. So gibt es unter ihnen auch Königinnen, die sich als die eigentliche Gottheit anbeten lassen, und wenn eine solche Königin stirbt, was für die Gottheit freilich wohl etwas Schmähliches ist, so müssen, um diese Schmach zu führen, wenigstens einige Hundert mit der Göttin sterben, und einige sich sogar lebendig mit ihr begraben lassen, damit es der Königin im Grabe nicht zu langweilig wird.

21. Daß mit dergleichen Menschen jenseits sehr wenig zu machen ist, und selbst durch eine zweite Fleischwerdung keine außerordentlichen Erfolge zu erwarten sind, das läßt sich aus dem leicht ersehen, was für Früchte aus all‘ den zahllosen Besserungsversuchen des Satans bis jetzt noch hervorgegangen sind; doch daran liegt wirklich nicht viel.

22. Wenn einem Töpfer ein Topf durchaus nicht gelingen will, was wird es wohl sein, so er ihn zusammenschlägt und hinaus auf die Straße wirft, wo er doch vielleicht als Straßenpflaster zu gebrauchen sein wird, wenn er sich schon durchaus zu keinem nützlichen Topfe hat qualifizieren lassen wollen, oder was wohl wird es einem Tonkünstler sein um eine freie Phantasie, wenn er sie abgespielt hat, und nicht zu Papier gebracht? Hat er nicht die Fähigkeit, für die eine verlorene tausend andere vorzuspielen, und wenn er eine will, sie auch auf‘s Papier zu bringen? –

23. Daher lassen wir diese ungeratenen Töpfe von Völkerschaften, und begeben uns wieder zu einem anderen Volke.

T3.83. Die Urbewohner von Australien, als der größten Erdinsel.

Dort sind noch reine Naturmenschen, sie sind meist friedfertig, haben keine Todesfurcht, keine Schmerzensangst. Schlangenesser. Abscheu vor bekleideten Menschen. Sie sind Kainiten bester Art, mit dunklen Begriffe v.d. Urzeit u.v. Gott. Herrliche Vogelwelt daselbst. Die Philosophie dieser Menschen darüber. Ihre Speise-Behandlung der verschiedenen Fleischarten. Ihre Wohnungen nach Urart. Kluge Anlage dieser Wohnstätten u.s.w. Halbmonarchische Stämme daselbst, besonders im Norden. Scharfer Geruchssinn derselben. Die Religion bei diesen Nordischen mehr chinesisch. Diese sind jenseits schwerer zur Wahrheit zu führen, als die ersten eigentlichen Ureinwohner. Letztere sind Meister von Flechtwerk aus Gras. Diese gestalten sich jenseits besser, als mancher kultivierte Sektenchrist!

(Den 12.Mai 1847)

1. Nebst diesen afrikanischen wilden Völkerhorden gibt es auch gleiche Rassen, wie ihr zu sagen pfleget, im von euch gezählten fünften Weltteile namens Australien.

2. Dieser Weltteil, oder vielmehr diese größte Insel der Erde, hat besonders in ihrem Innern noch eine bedeutende Menge Völkerschaften, zu denen noch beinahe kein Strahl menschlicher Bildung gelangt ist; da sind noch, wie ihr zu sagen pfleget, reine Naturmenschen, die aber gerade nichts Bösartiges an sich haben.

3. Sie sind überaus friedfertig; von einem Kriege wissen sie nichts, obschon sie den Tod nicht im geringsten fürchten, im Gegenteile haben sie nicht selten eine große Sehnsucht darnach. Auch leibliche Schmerzen können sie mit einer für euch kaum begreiflichen Gleichgültigkeit ertragen; daher sie auch die größten Strapazen des Lebens mit dem größten Gleichmute ertragen können.

4. Kämpfe mit reißenden wilden Bestien sind ihnen ein unterhaltendes Spielwerk; auch im Fangen der Schlangen sind sie größte Meister, und gehen auch allezeit mit der größten Begierde auf diesen Fang darum aus, weil diese Tiere für sie die wohlschmeckendsten Leckerbissen sind.

5. Wenn sie fremde Ankömmlinge irgendwo erblicken, so ergreifen sie gewöhnlich die Flucht, weniger aus Furcht, als aus einer Art Abscheu; die sie vor den bekleideten Europäern, auch Asiaten bekommen; denn nichts ist ihnen widerlicher und ärgerlicher, als ein bekleideter Mensch.

6. Sie sind ebenfalls Kainiten, aber von der besten Art, und haben einen dunklen Begriff von der Urzeit und von einem höchsten Wesen. Das höchste Wesen aber verehren sie nicht selbst, sondern solches überlassen sie den Vögeln in der Luft, welche Tiergattung wohl nirgends so schön und so reichlich vorkommt, als in diesem Weltteile.

7. Die Menschen sagen da: Gott sehe nicht auf die Verehrung, sondern lediglich auf die Arbeit des Menschen, und habe über ihm herum fliegende himmlische Gestalten erschaffen, die ihn beobachten, was er tut; und wenn sie ihn beobachtet haben, so fliegen sie dann bald wieder aufwärts zu den Sternen, und erzählen es dem höchsten Wesen, wie sich die Menschen drunten auf der Erde aufführen.

8. Daher sind denn diese Menschen auch sehr fröhlich, wenn sie eine Menge Vögel um sich herfliegen sehen; denn sie schließen daraus, daß sich Gott für sie sehr interessiere, wenn er ihnen recht viele Beobachter über den Kopf hinstellt.

9. Aber Vögel, die nicht fliegen können, als da sind ihre sehr vielen Truthühner, und noch eine Menge anderes Geflügel dieses Gelichters, stehen bei ihnen in keinem großen Ansehen, daher werden sie von ihnen auch gegessen, aber allezeit roh; denn bei ihnen ist das Regel, daß man das Geflügel roh essen muß, das Fleisch der zahmen vierfüßigen Tiere bloß gesalzen, und in der Luft getrocknet, die Fische müssen gesotten werden, und die Erdwürmer, als da sind allerlei Schlangen, Eidechsen und Krokodile, beim Feuer gebraten. –

10. Früchte aber müsse man also genießen, wie sie wachsen, wann sie reif sind; die beste Frucht aus allen ist aber die Kokosnuß, die ihnen alles gibt, Getränk, Butter und eine Art Brot.

11. Nur selten haben diese Menschen Häuser oder Hütten; und wenn sie schon irgend etwas ähnliches haben, so haben sie es fast in der Art noch, wie es die Urmenschen gehabt haben.

12. Dichte Baumgruppen werden mit einer Art lebendigem Zaune umfaßt, und nur auf einer Seite wird ein Eingang gelassen. Eine solche lebendig umzäunte Baumgruppe ist gewöhnlich das Haus einer ganzen oft sehr zahlreichen Familie; inwendig ist alles ganz blank geputzt, auswendig aber sieht es einem undurchdringlichen Gestrippe gleich, so daß es auch nicht leicht möglich wäre, irgendwo anders in solch ein Haus zu gelangen, als durch die gewöhnliche Eingangstüre, besser: Eingangsgasse, welche nie in gerader Richtung, sondern in möglichsten Krümmungen in das eigentliche Wohnhaus führt.

13. Eine solche Türe, oder besser Gasse, ist nicht selten eine Stunde lang, und ist ein wahrer Irrgang, den ein Fremder nicht leichtlich durchwandert, ohne sich wenigstens hundert Mal zu verirren. Diesen Eingang legen sie aber darum so verführerisch an, damit eine fremde Völkerschaft, oder auch wilde reißende Tiere sie zur Nachtzeit nicht auffinden und überfallen können.

14. Längs dieses krummen Irrweges befinden sich ihrer größeren Sicherheit wegen nicht selten 2 Klaftern tiefe Gruben, gewöhnlich so breit als der Weg selbst, nämlich etwa 3-4 Schuh, und bei anderthalb Klafter lang. Am Tage sind diese Gruben zugedeckt, bei der Nacht aber wieder abgedeckt, und das ist ein recht gutes Schutzmittel für ihr Haus; denn durch das Gestrüpp, welches so dicht aneinander gewachsen ist, daß man nicht leichtlich einen Finger zwischen hindurch bringen kann, kommt nicht einmal eine Maus durch, geschweige erst irgend ein anderes Tier oder ein Mensch, besonders bei schon alten Wohnhäusern, wo das lebendige Zaungestrippe die dichte alte Baumgruppe in einer Entfernung von 3 bis 4oo Klaftern umgibt.

15. Das Schrecklichste für sie ist, wenn ein Baum ihres lebendigen Hauses anfängt, aus Altersschwäche abzudorren. Da wird alles mögliche angewendet, um womöglich solch‘ einen Baum noch wieder zu beleben; nützt aber alles nichts, so wird er von oben gewisserart wie ein Haus bei euch von Ast zu Ast behutsam abgetragen, und das bis zur Wurzel; ist der alte Baum ganz abgetragen, dann wird Feuer auf seinem Wurzstocke gemacht, und langsam der ganze Baum verbrannt.

16. Ist diese manchmal mehrere Tage andauernde Verbrennungsszene vorüber, und das Erdreich abgekühlt, so wird dann an dieselbe Stelle ein anderer Baum gesetzt und gepflegt, damit er ja so schnell wie möglich seinen Vorgänger ersetzen möchte.

17. Überaus unglücklich aber macht es diese Menschen, wenn, wie besonders in gegenwärtiger Zeit, nicht selten habgierige Europäer an ihre über alles geliebten Wohnungen kommen, und dieselben von außen her anzünden, was dann natürlich die armen Einwohner, wenn es noch möglich ist, ihre Wohnungen zu verlassen nötigt; meistens aber werden diese Armen von dem massiven Rauche erstickt; welche Handlungsweise der Europäer diese armen unschuldigen Menschen auch zu allermeist mit einer untilgbaren Abscheu gegen bekleidete Menschen erfüllt.

18. Es gibt dergleichen Urstämme nunmehr nur noch im mittelsüdlichen Australien; denn der Ost, Nord und West ist schon zum größten Teile unter englischer und holländischer Botmäßigkeit.

19. In einigen nördlichen Gebieten aber gibt es wohl auch einige geduldete Urstämme, welche aber sich von den eigentlichen darin unterscheiden, daß sie eine Art königlicher Oberhäupter haben, und mit denen eine Verfassung, die der borneonischen ziemlich ähnlich ist; diese Oberhäupter haben auch eine Art Militär, welches noch die gewöhnliche Bogenbewaffnung hat, und daneben auch einen überaus scharfen Geruchsinn, vermittelst dessen ein solcher australischer Krieger einen Feind auf eine Stunde weit riecht.

20. Der Geruchsinn ist zwar auch bei den eigentlichen Urbewohnern dieses Weltteils überaus scharf; aber sie machen weniger Gebrauch davon, als die beoberhaupteten Stämme des Nordens dieses Weltteiles.

21. Die Religion bei den Nordländern ist schon mehr chinesischer Art, obschon auch mitunter daneben uraustralisch; daher sie in der Geisterwelt auch nicht so leicht zum Christentume zu bewegen sind, als die Urbewohner dieses Weltteils.

22. Bei den Nordbewohnern aber ist daher auch schon ein größerer Grad von einer Kultur zu Hause, als bei den eigentlichen ganz einfachen südlichen Urbewohnern, die außer einer Art Hacke und einer Art Schnitzmesser gar kein anderes landwirtschaftliches Gerät kennen, wohl aber Meister sind in allerlei Flechtwerk aus Gras, Wurzeln und einer Art Baumwolle, welches Flechtwerk sie aber lediglich zur besonderen Ausschmückung ihrer Wohnhäuser gebrauchen, indem sie sonst ganz nackt einhergehen, und statt der Kleidung manchmal ihre Haut tätowieren, was aber auch nicht bei allen der Fall ist.

23. Daß diese einfachen unschuldigen, überaus gutmütigen Menschen in der Geisterwelt sehr leicht zum Christentume bewogen werden können, ist schon oben berührt worden, und mehr braucht es aber auch nicht; denn es ist mit so einem Menschen jenseits wahrlich viel besser, als mit einem dummen, eingebildeten Sektenschristen. –

24. Mehr brauchen wir aber auch von diesem Volke nicht zu wissen, weil alles andere nur für eine Statistik, nicht aber für unsere geistige Völkeransicht taugt; daher wollen wir für‘s nächste noch zu einem anderen Völkchen übergehen.

T3.84. Die Ureinwohner von Neuseeland

Diese kommen in der Geisterwelt leicht weiter. Deren gerechte Ehrfurcht vor dem höchsten Wesen. Sie nehmen die erlösende Lehre von der Menschwerdung des Herrn bald an, und sehnen sich sehr, Jesum persönlich kennen zu lernen. Sie werden vorzügliche gute und feste Geister. Welch‘ wichtige Arbeiten ihnen anvertraut werden. Winke über die Völker der vielen anderen Inseln. „Die Wilden“ in Amerika. Die Menschenseltenheit in Zentral-Afrika. Kakerlaken und Gazilla‘s (Weiße und Schecken) mit Albinos-Augen, sie besitzen das zweite Gesicht, sind sanfte Seelen und dadurch haben sie ein echtes inneres Evangelium.

(Den 14.Mai 1847)

1. Sehr stark im Süden der Erde liegt noch eine ziemlich bedeutende Insel: Neuseeland; diese besteht eigentlich aus drei Hauptinseln, und dann noch aus einer Menge kleiner Inseln und sehr vielen Korallenbänken.

2. Die Urbewohner dieser Insel sind euch schon, wie manches andere, bei einer anderen Gelegenheit gezeigt worden in ihrer Beschaffenheit, Religion und in ihrem mißlichen Verhältnisse gegen die Europäer; daher ihr das hier lesen könnt, um dieses Volk näher zu betrachten.

3. Dessen ungeachtet aber kann hier doch gesagt werden, wie dieses Volk in der geistigen Welt aufgenommen wird. In der geistigen Welt kommt es ziemlich leicht weiter; denn es hat eine außerordentliche Ehrfurcht vor dem höchsten Wesen, und vor allen sich wunderbar gestaltenden Dingen.

4. Wenn es dann in der Geisterwelt als in der eigentlichen Welt der Wunder zu Erscheinungen geleitet wird, welche es an die Menschwerdung des Herrn vorermahnen, so fragt es bald voll Neugierde um die nähere Entwicklung und um den eigentlichen Grund, was alles ihnen nach dem Verhältnisse ihrer Aufnahmsfähigkeit auch sogleich kund getan wird.

5. Wenn sie solche Wissenschaft erlangen, so haben sie eine überaus große Freude daran, und wünschen bald nichts sehnlicher, als den Herrn baldmöglichst gewisserart persönlich kennen zu lernen, was jedoch mit einer Vorsicht geschehen muß, weil sonst diese Menschengeister zu jählings von einer zu heftigen Liebe ergriffen würden, die ihren Geist ob der plötzlichen zu großen Stärke eher schwächen als stärken würde.

6. Wann sie aber weise nach und nach vorbereitet werden, so werden sie gerade dann mit jener weise gemäßigten Liebeglut in der Gegenwart des Herrn sich befinden, wenn dieser Zustand für sie am allerzuträglichsten sein wird. Sind sie aber einmal in des Herrn Gegenwart eingeführt, dann bleiben sie aber auch unverwandelt fest, und sind überaus tätig in allen Werken der Liebe. Ihnen wird hauptsächlich die Überwachung des Südpols der Erde, wie auch die Hauptdirektion des Mondes anvertraut, bei welchem Geschäfte sie so lange verbleiben, als es Mein Wille ist, der genau weiß, wie lange er die Geister bei gewissen Geschäften zu belassen hat.

7. Was nach solchem Geschäfte mit dergleichen Geistern geschieht, das entscheiden ihre in solchen anvertrauten Geschäften erworbenen inneren Fähigkeiten. So aber in des Vaters Hause viele Wohnungen sind, so wird es auch noch gar viele fernere Beschäftigungen geben.

8. Weiteres braucht ihr auch nicht mehr zu wissen; denn solches bleibe für jenen Zeitpunkt, in welchem ihr darin selbst werdet können in eurem Geiste die rechten Erfahrungen machen, vorbehalten. –

9. Nebst diesem Völklein aber gibt es noch eine Menge Bewohner kleinerer Inseln, deren geistiges Los mit einem oder dem andern vorbenannten Volke eine sichere Ähnlichkeit hat; daher es auch nicht nötig ist, jede der vielen tausend Inseln speziell darzustellen, was zwecklos wäre, und eine unnötige weit ausgedehnte Arbeit verursachen würde.

10. Gleicher Weise gibt es auch noch in Amerika einige wenige Wilde, welche sich in ihrem geistigen Zustande sehr wenig von den bisher beschriebenen wilden Völkerhorden unterscheiden.

11. Als menschliche Seltenheit existiert im hohen Afrika meistens an Flüssen noch eine eigene Art Menschen; die eine ist ganz weiß, und die andere weiß und schwarz gefleckt. Die erste Art heißen eure Naturforscher Kaninchenmenschen oder Kakerlaken; die zweite Art die Gazillas, auch Elstermenschen. –

12. Beide Menschenarten sind am Tage fortwährend in unterirdischen Höhlen; nur zur Nachtzeit gehen sie heraus, um sich für ihre Nahrung etwas zu erjagen. Die Ursache davon, daß sie nur nachts aus ihren Wohnhöhlen gehen, sind ihre überaus empfindlichen Augen.

13. Obschon sie aber den irdischen Tag fliehen, so sind sie aber doch nichts weniger Feinde des geistigen Tages, und beide Menschengattungen haben darum fortwährend das zweite Gesicht, und sind in ihrer Seele eben so zart und sanft, als wie sie es in ihrem irdischen Körperbau sind.

14. Sie haben freilich wohl hier auf Erden wenig äußere Kenntnis vom Evangelium, und mit Missionaren seltene Zusammenkünfte; aber nichts desto weniger haben sie ein inneres Evangelium, welches für ihr Wesen unverfälschter als jenes ist, welches nicht selten überaus ruhm- und habsüchtige Missionäre den wilden Volksstämmen zubringen und vorpredigen. –

15. Mit diesen seltenen Menschenarten sind wir aber auch mit der eigentlichen geistigen Darstellung der Erde zu Ende; wir werden darum, um das über Nicht-Christenvölker bisher Gesagte zum rechten Verständnis zu bringen, nur noch etwas Weniges hinzufügen, und damit für euch segnend dieses Werk beschließen.

T3.85. Schluß

(Samstag den 15.Mai 1847)

Nochmals vom "Heu und Stroh" für die Weltgelehrten. Der Hauptanstand - gibt ihnen Stoff zum Wiederkäuen. Diese Völkerschilderung ist nach der inneren Wahrheit gegeben, nicht nach dem Anschein, wie in anderen Schilderungen, Kritik solcher. Berechtigung unseres b.Autors zu diesen Kundgaben. Grund der Kundgabe dieses III.Teils: zur Belebung des Geistes. Erörterung des scheinbaren Widerspruches. Wer ist der eigentliche Autor? Konsequenzen. Schlagender Vergleich. Das Leben auf Erden im Leibe ist wie ein Sein in einem zweiten Mutterleibe, allwo wie im ersten der Körper, so hier der Geist auszureifen ist. Diese Gabe (die Enthüllung des Wesens der Erde) ist, ob auch anscheinlich natürlich, doch eine geistige. Grundgesetz im ersten Mutterleibe: "Muß", im zweiten "Soll". Himmlisch-väterliche Schlußwinke. Deo gratias!

1. Das über Völkerschaften anderer Religionen bisher Gesagte ist nicht so sehr euretwegen, als vielmehr der Welt wegen, der geistigen Darstellung der Erde angeknüpft worden, und zwar als das vorbesprochene Heu und Stroh für die weltgelehrte graufärbige Menschheit; als Heu und Stroh darum, weil es eigentlich zu der Abhandlung der geistigen Erde nicht gehört, da es zumeist nur lauter materielle Beschaffenheiten der nicht-christlichen Völkerschaften darstellt, wo nur am Ende allezeit das geistige Los solcher Völker berührt und gezeigt wird.

2. Die Gelehrten der Welt werden da einen Hauptanstand finden; allein eben darum ist es ja gegeben, damit sie etwas zu wiederkäuen haben.

3. Ferner ist diese Hinzugabe der nicht-christlichen Völkerschaften auch darum mehr oder weniger Heu und Stroh, weil die Gelehrten, die die Erde aus den Büchern kennen, hie und da manche Verhältnisse als anders gestellt wissen, als sie sie hier der inneren Wahrheit gemäß angezeigt sind.

4. Freilich bedenken die Gelehrten nicht, daß die anderen Bücher, aus denen sie die Erde kennen gelernt haben, eben auch nicht immer von Menschen geschrieben wurden, die die Erde auf allen Punkten selbst bereiset hätten; solche Bücher haben zumeist Menschen zusammengeschrieben, welche für's erste zum Schreiben Zeit genug, und nebst der Zeit auch Gelegenheit hatten, alle Konversationslexika und andere Reisebeschreibungen zu ihren Händen zu bekommen, um daraus ihre sogenannten vollständigen Geographien zu fabrizieren.

5. Die Hauptstatistiker, denen die ganze Erde gleichsam, wie ihr zu sagen pfleget, gemaust ist, kennen die gesamten Verhältnisse desjenigen Landes, das sie bewohnen, gar oft nur zum wenigsten Teile. Statt Bereisungen zu machen, um sich selbst von allem zu überzeugen, wühlen sie lieber in den dickbestaubten Archiven herum, und studieren dort die Verhältnisse des Landes und dessen Beschaffenheit; aber sie sollen nur ein Land von Dorf zu Dorf, von Gemeinde zu Gemeinde, von Tal zu Tal und von Berg überschreiten, und sie werden da eine solche Menge neuer Verhältnisse, Sitten und Gebräuche, und eine so große Menge neuer Namen finden, von denen sie bis jetzt noch keine Ahnung gehabt haben.

6. Wann ihnen aber schon das Land, in dem sie leben, noch so viel aufzuweisen hätte, das sie nicht kennen, wie viel mehr wird die ganze Erdoberfläche verschiedenartige Beschaffenheiten, Verhältnisse und noch eine Menge von allerlei Geheimnissen in sich fassen, von denen unsern mehr als allwissend sein wollenden Gelehrten noch nie etwas geträumt hatte; und sonach wird es Mir wohl etwa für die Welt erlaubt sein, hier auch von einigen fremden irdischen Beschaffenheiten und Verhältnissen gesprochen zu haben, indem Ich die Erde sicher schon vor gar sehr vielen Jahren besser gekannt habe, als sie die Gelehrten je kennen werden. -

7. Es ist zwar das in dieser Mitteilung über die fremden Völker Kundgegebene gegenüber den Weltgelehrten, wie schon gesagt, Heu und Stroh; aber gegenüber den im Geiste Geweckten ist es das mit nichten; denn diese werden sich leicht in sich selbst überzeugen, daß es mit den kundgegebenen Sachen also steht, und auch nicht anders stehen kann, weil solche Enthüllung eine wahre ist, von Innen nach Außen, nicht aber eine falsche, entnommen aus der Außenfinsternis geführt zur inneren Nacht des Herzens.

8. Was wohl kann es dem Menschen nützen, wenn er sein Gedächtnis mit lauter geographischen Büchern vollgestopft hat, kann aber dabei niemanden und am allerwengisten seinen eigenen Geist fragen, ob es sich mit den Sachen in der Wirklichkeit so verhalte, als wie sie gedruckt zu lesen sind?! Um wie viel besser ist da derjenige daran, der es vom Geiste lernt, und von Mir, dem Vater, Selbst gezogen wird; denn bei Dem ist alle Wissenschaft lebendig, während sie bei dem andern nur aus toten Bruchstücken besteht, für deren Echtheit ihm am Ende keine andere Bürgschaft überbleibt, als die Autorität einer Bibliothek und eines Archives.-

9. Ich habe euch aber diese fremden Verhältnisse gegeben, nicht zur Beschwerung des Gedächtnisses, sondern zur Belbung des Geistes. Da sie aber also gegeben sind, und dazu, daß euer Geist daran in seiner Weisheit eine Übung habe, so sind sie gegeben wie sie sind, und - wie sie nicht sind. Wie sie sind, das findet der Geist in seinem Lichte, und aus demselben wird ihm klar, daß diese materiell scheinenden Darstellungen im Grunde des Grundes doch nur geistige sind, weil alle diese Verhältnisse auf der geistigen Erde, die nichts Materielles hat, denn Ich bin, Der Ich bin, Der Ich dieses gebe, ein Geist, und zwar der allerhöchste Geist.

10. Vor Meinen Augen gibt es keine Materie, somit ist auch jede Gabe von Mir geistig und nicht materiell, wenn sie auch noch so materiell zu sein scheint.

11. Ich tue, ob Ich es schon sage oder nicht, Meinen Mund nur stets in Gleichnissen auf, damit sich die Welt an ihnen stoße, und mit offenen Ohren das Lautgesprochene nicht vernehme, und mit offenen Augen nichts sehe; und es mag sich die Weisheit der Welt schleifen und ihren Stachel schärfen, wie sie will, die Rinde um den eigentlichen Baum des lebendigen Erkenntnisses wird sie dennoch nimmer durchstechen.

12. Wohl kenne Ich die Erde in jedem einzelnen Atome, und um desto leichter die einzelnen oberflächlichen Verhältnisse und Beschaffenheiten; aber dennoch werde Ich keinen irdischen Statistiker machen, sondern Meine Statistik, wenn schon das Irdische richtig sehend, ist doch nur eine Statistik des Geistes.

13. Oder würdet ihr denjenigen nicht einen Toren schelten, der das Kind im Mutterleibe durch irgend magnetische Vorrichtungen unterrichten wollte, in welchen Verhältnissen es sich in der kleinen Mutterwelt befindet, und wie diese beschaffen ist; für diesen Zweck ist das Kind sicher nicht im Mutterleibe, sondern der Zweck ist die individuelle Ausgestaltung des Lebens. Wann das Kind erst ausgeboren wird, und nach einigen Jahren zur Begriffsfähigkeit gelangt, dann erst ist es nach und nach an der Zeit, ihm stets entwickeltere Begriffe beizubringen; in so weit das Kind im Mutterleibe sich zu ernähren hat, ist ihm die hinreichende Kraft gegeben, und einer höheren bedarf es im Mutterleibe nicht.

14. Also ist es aber auch mit dem Menschen in dieser Welt, die für ihn nichts ist als ein zweiter größerer Mutterleib, in welchem sein Geist ausgereift und ausgeboren werden muß.

15. Es kann ihm daher hier nur jene Kost, und so viel von ihr gegeben werden, als es zu seinem Reifwerden vonnöten ist; würde man ihm mehr tun, so würde man ihm nur schaden und nie nützen, denn die eigentliche Unterrichtsanstalt fängt erst dann und dort an, wo der Geist schon ausgeboren und vollkommen frei ist.

16. Jeder Geist aber wird dort die wahre Statistik der Erde und des ganzen Universums mit großer Leichtigkeit fassen; darum es überaus töricht wäre, so man ihm, dem Geiste, hier alberne Lasten aufbürden möchte, die zu tragen er hier noch durchgehends die Fähigkeiten nicht besitzt, was jeder leicht aus dem Umstande ersehen kann, daß es wohl sicher keinen Menschen auf der Erde gibt, der nur die Oberfläche der Erde allein durch's Erlernen aus den Büchern so vollständig genau inne hätte, wie ein Blatt Papier, welches vor seinen Augen aufgerollt liegt.

17. Wie groß wohl müßte das Buch sein, in dem jede Kleinigkeit auf der Oberfläche der Erde in die kleinsten Details beschrieben wäre, und welche Zeit würde der Mensch wohl brauchen, um wenigstens nur eine Trillion Namen und Zahlen durchzulesen, und sie dann erst auswendig zu lernen.

18. Wäre es demnach nicht die größte Torheit von Mir, wenn Ich für euren Geist einen Professor der Statistik machen und ihm hier in seinem zweiten Mutterleibe etwas materiell hineinmagnetisieren wollte, was er einst in seinem freien Zustande leicht in einer Minute in der Fülle lassen und überschauen können wird; daher ist alles, was Ich gebe, ein Geistiges, und kein irdisch Statistisches. -

19. Wenn aber irdisch-statistische Punkte in ihren richtigen Verhältnissen auch berührt sind, so sollet ihr sie aber jedoch also nur betrachten, als wie die Säulenfüße bei einem großen Gebäude, die das Gebäude selbst nicht ausmachen; aber dennoch ruht das ganze große, herrliche Gebäude auf ihnen.

20. Ich gebe nichts Irdisches des Irdischen wegen, sondern so Ich es gebe, so gebe Ich es zur Unterstützung des Geistigen. Wer alles Irdische also gebraucht, der genießt die dargebotene Nahrung für seinen Geist recht, wer es aber anders genießt, der genießt sein eigenes Gericht; denn er tötet in sich selbst, was er beleben sollte.

21] Es ist ein Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Mutterleibe; im ersten wird der Mensch durch Muß, und im zweiten Fall durch Soll ausgeboren. Im ersten ist der Mensch noch ein Tier, also im ersten Gerichte, im zweiten wird er erst nach und nach zum Menschen durch die Erkenntnis und durch die Freiheit seines Willens, der ein Richter ist in ihm; daher kann ein jeder seines eigenen Gerichtes leben wird, und wird ihm ewig nimmer ein anderes Gericht zukommen, als sein eigenes.

22] In diesem Sinne fasset demnach ihr auch dieses Werk und benutzet es als lebenstätige Übung für euren Geist, so werdet ihr die rechte Frucht ernten.

23] Diese ist - die wahre Liebe zu Mir, wie zu euren Brüdern; zu dieser rechten Liebe werdet ihr um desto leichter gelangen, wenn ihr durch die enthüllten Wunder Meiner Liebe Mich desto tiefer erkennen werdet, und einsehen, wie überaus vom ganzen Herzen demütig und herablassend Ich sein muß, um euch solches zu enthüllen zu eurem Allerbesten, welches ist die stets tiefere Erkenntnis Meines Reiches, in dem auch alles andere als Zugabe Meiner Liebe vorhanden ist.

24] Diese Worte beachtet wohl, und beachtet tief, wer Der ist, Der sie euch gibt! Werdet ihr diese tun in allem und jedem, so wird euch Mein Segen mit diesem wie mit jedem anderen in aller Fülle zuteile werden hier und jenseits ewig, Amen!

T4. Der Mond

T4.1. Wesen und Bestimmung des Mondes.

1. Mai 1841

1. Was den Mond betrifft, so ist dieser ein fester Weltkörper, mehr noch als eure Erde, und ist gewisserart ein Kind der Erde, d. h. er ist aus den Bestandteilen der Erde gebildet.

2. Er ist der Erde darum beigegeben, daß er die von der Erde ausströmende magnetische Kraft auffange und dieselbe dann nach Bedürfnis der Erde wieder zurückführe, aus welchem Grunde sein Lauf um die Erde auch eben so ausschweifend ist. Denn dieser richtet sich allezeit nach der größeren oder kleineren Quantität des anwesenden Magnetismus auf der Erde; im Gegenteile aber richtet sich auch der Lauf des Mondes, als Träger dieses Stoffes, nach dem allfälligen Bedürfnisse der Erde nach diesem natürlichen Lebensstoffe. – Das ist die Hauptverrichtung des Mondes.[4]

3. Wenn ein Planet kleiner ist als die Erde, so braucht er keinen Mond. Die Stelle des Mondes vertreten dann sehr hohe Gebirge, was z.B. bei der Venus, bei dem Merkur, bei dem Mars und noch einigen viel kleineren Planeten der Fall ist; aber was die größeren Planeten sind, so müssen diese mit einem oder auch mehreren Monden versehen sein, um ihren Planeten den schon bekanntgegebenen Dienst zu leisten.

4. Auch im Monde gibt es, wie auf der Erde, Menschen und zahllose andere Geschöpfe, nur mit dem Unterschiede, daß kein Mond auf der dem Planeten beständig zugekehrten einen und derselben Seite bewohnt ist, sondern allezeit auf der entgegengesetzten, weil er auf der dem Planeten zugekehrten weder mit Luft, noch Wasser, noch Feuer nebst allem für das organische Leben Notwendigen versehen ist.

5. Ihr werdet fragen: Warum also? – Die Antwort lautet: Weil kein Mond eine Bewegung um seine eigene Achse haben darf, – und das darum, weil die Anziehung der Erde oder überhaupt jedes Planeten in der Entfernung seines Mondes noch zu mächtig wirkend ist. Hätte nun der Mond eine Rotation um seine eigene Achse – und wäre diese noch so langsam –, so würde durch eine solche Rotation fürs erste die anziehende Kraft des Planeten in dem Verhältnisse verstärkt, in welchem Verhältnisse die Rotation des Mondes zur Rotation des Planeten stünde, d.h.: wenn der Mond in seiner Rotation der Rotation der Erde sich zeitgemäß annähern würde, daß er sich ungefähr in derselben Zeit um seine Achse drehte wie der Planet, so würde vermöge der dadurch wachsenden Anziehungskraft des Planeten sich bald ein Teil um den andern vom Monde ablösen und zur Erde stürzen. Es wäre dem Monde mit einer so langsamen Rotation, wie sie der Planet hat, in Hinsicht auf die verhältnismäßige Verteilung der Luft, des Wassers und somit auch des Feuers sehr wenig gedient, und es würde alles dieses noch so sein wie jetzt, nämlich auf der dem Planeten entgegengesetzten Seite. Denn das Wasser, die Luft und das Feuer müssen auf einem Weltkörper durch eine verhältnismäßige Geschwindigkeit durch die hervorragenden Berge herumgetrieben werden; ansonst würden diese fürs organische Leben so notwendigen Elemente auf der dem Zentralkörper entgegengesetzten Seite vermöge der Schwungkraft und ihrer eigenen flüssigen Schwere sich anhäufen.[5]

6. Wenn aber solches der Fall wäre, da fraget euch selbst: Wer könnte da auf einem solchen Weltkörper leben? Er würde nur solange leben, als er sich unter der Luft- und Wasserschicht befinden würde; wenn aber der Planet sich aus dieser hinausdrehen würde, so müßte er notwendig in dem luftleeren Raume ersticken, wenn er nicht schon früher unter der Wasserschicht ersoffen wäre.

7. Nun sehet, das wäre auch bei dem Monde der Fall, hätte er eine nur so langsame Rotation wie die Erde! Er müßte, um die Luft, das Wasser und das Feuer gehörig auf seiner Oberfläche zu verteilen, eine fünfmal schnellere Drehung um seine Achse haben, d.h.: er müßte sich in 24 Erdstunden fünfmal um seine eigene Achse drehen, was dann nichts anderes als die schon nach fünf Jahren gänzliche Vernichtung des Mondes zur Folge hätte, und die Erde wäre übersät mit lauter Mondpartikeln. Welche Wirkung aber die vom Monde auf die Erde aufstürzenden Massen hervorbringen würden, das brauche Ich euch gar nicht näher zu bestimmen, sondern sage nur so viel, daß da niemand am Leben bleiben würde.

8. Wenn ihr dieses ein wenig verständig beachtet, so werdet ihr wohl begreifen, warum der Mond keine Umdrehung hat und daher auch stets nur eine und dieselbe Seite der Erde zukehrt.

9. Damit ihr aber den Mond und seine Bewohnbarkeit vollends begreift, so müßt ihr wissen, daß der Mond eigentlich nur auf der dem Planeten zugekehrten Seite „Mond“ ist; auf der entgegengesetzten Seite aber ist er nicht „Mond“, sondern ein ganz fester Erdteil. Was also „Mond“ ist, das ist nicht fest, sondern sehr locker, beinahe so wie ein etwas gefesteter Schaum des Meeres, dessen festere Teile gleich Bergen hervorragen, dessen weichere Teile aber nischen- und trichterartig gegen das Zentrum des ganzen Weltkörpers eingesunken sind. In einigen von denen befindet sich noch nicht weichen könnende atmosphärische Luft, welche sich, durch starke Fernrohre betrachtet, fast so ausnimmt, als wäre sie ein Wasser. Alle Höhepunkte, wie auch die weniger tiefen Trichter, haben durchaus keine atmosphärische Luft, sondern nur Äther, wie er sich in den freien Räumen zwischen der Sonne und den Planeten vorfindet. Diese Seite des Mondes ist daher auch von keinem organischen Wesen bewohnt, sondern ihre Bewohner sind geistiger Art. Diese geistigen Bewohner waren bei Leibesleben lauter Weltsüchtige und werden nun zur Besserung dahin gebannt, damit sie sich auf diese Art an der Welt noch hinreichend vollgaffen können. Und wenn sie dann nach bedeutenden Zeitlängen gewahr werden, daß die Weltangafferei keine Früchte trägt und sie den dahin gesandten Lehrern Gehör leihen, so werden die Tatwilligen alsobald von da zu einer höheren, beseligenden Freiheitsstufe geführt; die weniger Folgsamen aber werden auf der Erde des Mondes wieder mit Leibern angetan und müssen sich da sehr armselig und kümmerlich durchbringen. Sie haben da fürs erste mit der großen Kälte und Finsternis zu kämpfen, fürs zweite aber dann auch mit einer unerträglichen Hitze; denn da dauert die Nacht beinahe 14 volle Erdtage und ebensolang auch wieder der Tag. Gegen das Ende einer jeden Nacht wird es dort so kalt wie auf der Erde am Nordpole, und um die Mitte und gegen das Ende des Tages wird es so heiß, daß da kein lebendes Wesen es auf der Oberfläche aushalten kann.

10. Die Bewohner, wie auch alle anderen organischen Wesen, hausen da in der Erde. In dieser unterirdischen Wohnung müssen sie sowohl die Hälfte des Tages über zubringen, als auch die Hälfte der Nacht; es gibt daher dort auch keine Häuser und Städte, so wie bei euch, sondern die Wohnungen sind in den Tiefen der Monderde, hie und da auch in Gebirgsklüften und Höhlen.

11. Es gibt da keine Bäume, die Früchte tragen, sondern nur Wurzelgewächse, wie z.B. bei euch die Erdäpfel, Rüben, Möhren und dergleichen. Diese Gewächse werden im Anfange des Tages angepflanzt und zu Ende des Tages vollends reif. Im Anfange der Nachtdämmerzeit kommen die Menschen aus ihren Höhlen hervor und ernten diese Früchte und bringen sie alsbald in ihre unterirdischen Wohnungen, wovon sie sich dann die Nachtzeit hindurch ernähren, wie auch den ganzen folgenden Tag hindurch.

12. Von den häuslichen Tieren ist bloß eine Art Erdschaf zu bemerken, welches diesen Bewohnern das ist, was den Nordländern das Rentier.

13. Es gibt sowohl in den Flüssen als auch in den Seen, die auf der Monderde ziemlich häufig vorkommen, noch eine Menge Wassertiere, wie auch einige kleine Arten von Vögeln – nicht unähnlich euren Sperlingen –, wie auch ganze Heere von Insekten und anderen ein-, zwei-, drei- und vierfüßigen Erdtierchen, deren Zweck und nähere Beschreibung ihr bei einer anderen Gelegenheit vernehmen werdet. Vorderhand genüge euch das Gesagte.

14. Vorzüglich aber hütet euch, Meine Lieben, davor, daß ihr nicht auch dereinst Bewohner dieses armseligen Weltkörpers werden möget! Denn dieses gelbschimmernde Schulhaus des Lebens ist ein gar mühseliges Schulhaus, und es wäre besser, auf der Erde in einem Tage vierzehnmal zu sterben, als dort nur einen Tag lang zu leben; denn die Bewohner sind dort viel schlechter daran als die hier in den Friedhöfen Begrabenen. Diese wissen nicht, daß sie begraben sind; aber die Bewohner des Mondes müssen in ihren Gräbern leben, werden dort auch oft in ihren unterirdischen Behausungen entweder durch Einstürze oder durch plötzliche Wasserüberflutungen begraben.

15. Was noch fernere bemerkenswerte Erscheinungen sowohl der Monderde als auch deren Bewohner anlangt, so werde Ich euch dieses bei einer nächsten Gelegenheit kundgeben. Für jetzt aber denket über das Gesagte nach und sehet vorzüglich darauf, daß ihr den Frühling eures Lebens wohl erkennet und benützet, – so werdet ihr selbst an dem Monde, wenn dieser vollends vor euch enthüllt wird, ein ganz bedeutendes Zeichen des Menschensohnes am Himmel erblicken! Amen. Das sage Ich zu euch, nun kommend auf den Wolken des Himmels. Amen, Amen, Amen.

T4.2. Die Menschen auf dem Monde.

8. Mai 1841

1. Was die Menschen auf dem Monde betrifft, so sind sie, wie auf der Erde, beiderlei Geschlechts, wurden aber erst um tausend Jahre später durch einen bevollmächtigten Engel erschaffen.

2. Was ihre natürliche Größe anbelangt, so sind sie nur etwas über zwei Schuhe groß und haben viel Ähnlichkeit mit den nordischen Zwergen. Sie haben einen sehr großen Bauch, der bei ihnen eine doppelte Verrichtung hat: die eine dient zur Verdauung der Speisen durch den gewöhnlichen Speisemagen, die andere vermöge eines zweiten Magens zur Ansammlung einer Art leichten Gases, welches ihnen einen dreifachen Vorteil gewährt.

3. Fürs erste macht dieses Gas sie leicht, so daß sie wegen des Mangels an Bauholz, vermöge dessen sie keine Brücke über die Flüsse erbauen können, sehr leicht über jeden Fluß hinwegspringen können. Und sind Flüsse von großer Breite oder auch hie und da Binnenmeere vorhanden, so können sie, einem Fische gleich, leicht über die Oberfläche hinwegschwimmen. – Das ist also der erste Vorteil dieses Magens.

4. Was den zweiten Vorteil betrifft, so besteht dieser darin, daß sie durch das Ausstoßen dieser Luft eine Art Knalltöne hervorbringen, vermöge welcher sie sich gegenseitig ihre Gegenwart in den unterirdischen Gemächern kundgeben. Auch benützen sie diese Luft zur stärkeren Außensprache, welche freilich nur im höchsten Grade mager ist; denn ihre Lungensprache ist äußerst schwach und still, und diese Sprache führt dann nur der in den Mondmenschen zur Besserung eingeschichtete Geist. Der eigentliche Mondmensch hat anfänglich einen Abscheu vor dieser Sprache; wenn aber der Geist nach und nach besser wird, so befreundet sich dann die Seele des Mondmenschen mit dem zu bessernden, innewohnenden Geiste eines Erdmenschen, bis endlich die Seele des Mondmenschen mit dem gebesserten Geiste vollkommen eins wird, welcher Zustand dann auch den meistens schmerzlosen Tod des Mondmenschenleibes herbeiführt.

5. Ein dritter Vorteil dieser Magenluft ist der, daß sie sich durch ein häufiges Ausströmenlassen in der kalten Nachtzeit ihre unterirdischen Höhlen erwärmen, welches auf folgende Art geschieht: Da ihre Wohnhöhlen fast so aussehen, oder vielmehr von innen also ausgehöhlt sind, daß sie beinahe einer stumpfen, großen Glocke gleichen, deren Eingang aber vom Boden aus durch eine Art Treppe bewerkstelligt ist, so sammelt sich dann diese ausgestoßene, leichte Luft unter dieser luftdichten Wohnglocke, macht ihre Wohnung erträglich warm und hindert das freie Einströmen der äußeren, überaus schwerkalten atmosphärischen Luft. Diese wird nur insoweit von diesem leichten Gase aufgenommen, als es zum physischen Leben unumgänglich nötig ist. – Denselben Zweck hat diese Magenluft auch in den unerträglich heißen Tagesperioden, in welchen sich diese Mondmenschen ebenfalls unter die Erde begeben müssen, nur mit dem Unterschiede, daß dieses Gas durch die Einwirkung des Speisemagens in ein kühlendes Sauerstoffgas verwandelt wird, wodurch es dann auch ihre Glockenwohnung bei mehrfältigem Ausstoßen vor dem Eindringen der heißen Luft schützt. – Das ist also der dritte Vorteil des Windmagens.

6. Eine andere Eigentümlichkeit dieser Menschen ist die, daß ihr Auge von doppelter Eigenschaft ist. Die erste Eigenschaft ist die des Schauens, wie bei euch. Die zweite Eigenschaft aber ist diese, daß ihr Auge in ihren finsteren Gemächern ihnen auch zur Leuchte dient, welche Eigenschaft selbst auf der Erde, sowohl bei gewissen Tieren, als auch in manchen Gegenden bei Menschen angetroffen wird, und zwar bei denjenigen, deren Augenpupille rot ist, wie bei den Kaninchen. Eine noch andere Eigentümlichkeit bei diesen Menschen ist das überaus scharfe Gehör, vermöge dessen sie das leiseste Geräusch von einer bedeutenden Ferne ganz leicht zu vernehmen imstande sind, weshalb denn auch ihre Ohrentrichter bedeutend größer und kompakter sind.

7. Das männliche Geschlecht ist viel stärker denn das weibliche; aber nicht in dem Erdverhältnisse, sondern in einem solchen, wie die Kraft eines zehnjährigen Kindes sich verhält zur vollen Manneskraft. Daher sind auch diese Mondmänner von der größten Zärtlichkeit gegen ihre Weiber und tragen dieselben im buchstäblichen Sinne nicht nur auf den Händen, sondern also auf den Achseln, daß die Füße an beiden Seiten des Halses auf der Brust herabhängen, aus welchem Grunde dort auch immer zwei Menschen übereinander gesehen werden.

8. Das Weib darf dort beinahe gar keine Arbeit verrichten und wird vom Manne gefüttert, und so zwar, daß der Mann sogar die Speise vorher recht durchkaut und dieselbe dann von seinem Munde in den des Weibes gibt. Von seinen Achseln kommt sie außerhalb der Wohnung nur bei Gelegenheit der Notdurft und in ihrer hohen Schwangerschaft, wenn sie der Entbindung nahe ist. Ein Weib gebiert alldort für ihr ganzes Leben nur zweimal, einmal am Tage und einmal in der Nacht, bringt aber allezeit vier lebendige Kinder auf die Welt, und zwar am Tage vier Männlein und in der Nacht vier Weiblein. Die Kinder können alsobald gehen, und es werden die Männlein alsobald angewöhnt, das Weiblein zu tragen. Daß dort die Kinder auch manchmal schon als Kinder sterben, ist eine ebenso natürliche Sache wie auf der Erde. Von fremden Geistern werden sie erst dann eingenommen, wenn sie hundert Tage und darüber alt sind.

9. Alle diese Mondmenschen haben ein zweites Gesicht und werden von innen aus von den dahin beschiedenen Engelsgeistern in der Erkenntnis Gottes unterrichet. Der Unterricht, den sie da erhalten von den Engelsgeistern, ist zugleich auch ein Unterricht für den innewohnenden Erdmenschengeist, und so ergänzt dann die Mondmenschenseele den Schaden, welchen ein Mensch auf der Erde durch seine übertörichte Weltsüchtigkeit an seiner Seele erlitten hat. So hat dann solch ein im Monde hart gebesserter Mensch eine geflickte Seele und wird sich eben dadurch ewig von den vollkommen reinen Geistern unterscheiden. Er wird nie in ihre freien Gesellschaften treten können, sondern sich zu ihnen geradeso verhalten wie der Mond zur Erde, der zwar die Erde beständig begleitet, sich aber ihr doch nie nähern kann wie ein Freund seinem Freunde.

10. Allein diejenigen Geister, bei denen es nicht nötig war, in einen Mondmenschen eingelegt zu werden, daß sie sich besserten, sondern die als Geister schon einen allerbarsten Abscheu vor der Erde bekamen, werden von da weg in höhere Regionen geführt und können in das Kinderreich, als die höchste Seligkeitsstufe für sie, aufgenommen werden. Jedoch höher zu gelangen, wäre für sie unmöglich; denn ihre beschränkte Eigenschaft wäre nicht fähig, einen höheren Zustand zu ertragen, sowenig als es ein Mensch auf der Erde, solange er noch im Leibe lebt, im feinsten Äther lebend aushalten könnte.

11. Sehet, das ist das Los der besten weltgesinnten Menschen! Denn wer der Welt aus Liebe zu Mir nicht freiwillig entsagt, sondern aus dem das Welttümliche durch solche außerordentliche Zwangsmittel ausgetrieben werden muß vermöge Meiner großen Erbarmung, der hat nicht frei gehandelt; wer aber nicht frei handelt, der handelt wie ein Sklave. Wer aber kann die gezwungene Handlung eines Sklaven als eine eigenverdienstliche ansehen? Wenn aber der Sklave seine ihn nötigende Bedingung erfüllt, so ist seine Handlung dessenungeachtet so viel wert, daß man ihm ein Brot zur Nahrung reicht, damit er auch lebe, insoweit er gewisserart notgedrungen willig gearbeitet hat.

12. Aus diesem werdet ihr nun vollends entnehmen können, warum solche Wesen keiner höheren Seligkeit fähig sind als wie die Kinder im Übertritte aus dem irdischen Leben in das geistige, wonach sie selbst noch nichts als Sklaven des blinden Gehorsams sind und auch sein müssen.

T4.3. Die Tiere auf dem Monde.

9. Mai 1841

1. Was die Tiere auf dem Monde betrifft, so gibt es derselben, wie schon im Anfange bemerkt wurde, so wie auf der Erde viele Arten und Klassen, sowohl in der Luft, als auch in der Monderde und im Wasser.

2. Unter allen diesen Tieren gibt es nur eine zahme Gattung unter dem Namen – nach eurer irdischen Sprache – „Mondschaf“; alle anderen Gattungen sind nicht zahm, d. h. sie befinden sich nicht dienstbar in der menschlichen Gesellschaft. Dieses Mondschaf ist – wie schon bemerkt – den Mondbewohnern das, was das Rentier den nordischen Völkern ist. Seine Gestalt ist folgende: Der Leib ist ganz vollkommen rund, wie ein gefüllter Mehlsack. Dieser Leib wird von vier Füßen getragen, welche nicht länger als eine Spanne und mit vier Klauen versehen sind. Der Kopf ist vollkommen dem eines Erdschafes ähnlich und sitzt auf einem eine Elle langen und eine Viertelelle von oben nach unten breiten Halse. Es hat zwei lange Ohren, ähnlich denen eines Esels. Auf dem Kopfe trägt es nur ein Horn, welches nach allen Richtungen mit fingerlangen, sehr spitzigen Auswüchsen versehen ist. Ferner hat es noch einen Schweif – ähnlich dem eines Löwen –, welcher am Ende mit einem reichen Haarbüschel versehen ist. Seine Farbe ist weiß, und der ganze Tierleib ist wie bei euren Schafen mit Wolle versehen.

3. Nun, was ist wohl seine Nützlichkeit? – Seine Nützlichkeit ist für den Mondbewohner von der größten Bedeutung. Fürs erste nährt es ihn mit seiner reichlichen, goldgefärbten Milch. Fürs zweite bereitet der Mondmensch aus dessen reichlicher Wolle alle seine Kleidung, welche in einer Art Hemd und Mantel besteht und beim männlichen und weiblichen Geschlechte gleich ist. Fürs dritte lockert es mit seinem Horne die Erde auf, und die Menschen werfen dann in das aufgelockerte Erdreich den Samen ihrer Wurzelfrüchte, welche Früchte dann – wie schon gesagt – in der kurzen Zeit von euren vierzehn Tagen zur vollen genußbaren Reife gelangen. Ein solches Tier wird nicht selten dreihundert Mondtage alt. Wenn es stirbt, so wird ihm das Fell abgezogen und wird zu Betten verwendet in den unterirdischen Gemächern; das Fleisch aber wird auf einen Insektenhaufen geschleppt, welche Insekten euren Ameisen nicht unähnlich sind. Diese Insekten verzehren in kurzer Zeit alles Fleisch von den Knochen. Wenn nun dieser Akt vor sich gegangen ist, alsdann kommen wieder die Menschen, nehmen die Knochen samt dem Horne mit sich und verfertigen ihre nötigen Werkzeuge daraus. – Das ist die gesamte Nützlichkeit dieses zahmen Tieres.

4. Es gibt noch eine Menge Tiere auf der Monderde, welche mehr oder weniger Ähnlichkeit mit den Tieren der Erde haben; nur sind sie alle viel kleiner als die Tiere auf der Erde und auch sämtlich kleiner als das schon bekannte Schaf, welches alldort auch gleichsam der König unter den Tieren ist. Unter allen den Monderdtieren sind neben dem Schafe besonders zwei bemerkenswert, und das ist fürs erste der dreifüßige Maulaffe und fürs zweite der einfüßige Ducker und Springer.

5. Der dreifüßige Maulaffe ist von der körperlichen Größe einer Katze. Sein Kopf gleicht dem eines Erdaffen, nur mit dem Unterschiede, daß sich sein Maul bis auf den halben Hals spaltet. Seine zwei vorderen Füße gleichen vollkommen den Affenpfoten; was aber seinen einzelnen Hinterfuß betrifft, so gleicht dieser einem Elefantenrüssel und kann bis auf eine Spanne zusammengezogen werden – allwann er auch zum ganzen Tiere ganz unverhältnismäßig dick wird –, kann aber im entgegengesetzten Falle zu einer Länge von drei Klaftern ausgedehnt werden.

6. Ihr werdet nun freilich fragen: „Wozu eine so sonderbare Gestalt einem Tiere?“ – Allein es soll nicht schwer werden, euch dieses Rätsel zu lösen. Seht, wie schon bekannt, ist die Temperatur des Mondes eine ganz andere als die Temperatur der Erde; denn im Verlaufe eines Zeitraumes von nahezu achtundzwanzig Erdtagen wird die Monderde von klaftertiefem Schnee überdeckt, darauf in den nächsten sieben Erdtagen oft nach allen Richtungen überschwemmt und bald darauf wieder von einer unausstehlichen Sonnenhitze heimgesucht.

7. Nun sehet, diese erwähnte Tier muß sich seiner Bestimmung wegen mit seinem Kopfe stets in der atmosphärischen Luft befinden, daher es eben dieses rüsselartigen Fußes bedarf; denn zur Zeit der Nacht oder des Winters steht es auf seinem verlängerten Fuße, über die Oberfläche des Schnees hinausreichend, lockt da eine Gattung Nachtvögel, welche den kleinen Erdfledermäusen nicht unähnlich sind, in seine Nähe, fängt sie da oder läßt sie vielmehr in sein weit aufgesperrtes, wohltätige Wärme hauchendes Maul fliegen und verzehrt sie da auch alsobald. – Sehet, das ist die eine Bestimmung dieses langen Fußes.

8. Wenn aber der Schnee zu schmelzen angefangen hat und das Wasser oft mehrere Schuh hoch die meilenweiten Ebenen, welche auch auf der bewohnbaren Seite des Mondes von hohen Gebirgsringen umfaßt sind, überdeckt, alsdann muß dieses Tier ja wieder vermöge dieses Hinterfußes mit seinem Leibe über die Oberfläche des Wassers reichen, damit es nicht ersäuft. Zur Zeit der Tageshitze aber begibt es sich in die Flüsse und steht da oft mehrere Tage lang also im Wasser, daß es sich mit dem Kopfe und den zwei Pfoten über der Oberfläche des Wassers befindet. Steigt das Wasser, so verlängert es seinen Fuß, und fällt dasselbe, so macht es den Fuß in dem Verhältnisse eben auch kürzer. Versiegt ein solcher Fluß oft ganz, alsdann bewegt es sich also weiter, daß es sich durch die möglichste Verlängerung des Hinterfußes vorwärtsschiebt. Dann hält es sich mit den Vorderfüßen so lange fest an irgendeinem Erdgegenstande, bis es den Rüsselfuß vollends an sich gezogen hat, worauf es dann wieder die vier langen Zehen am Ende des Hinterfußes in die Erde steckt und sodann wieder den ganzen Leib ziemlich behende vorwärtsschiebt. Diesen Gang setzt es so lange fort, bis es wieder ein Wasser erreicht hat, wo es sich dann schnell wieder mit dem Hinterfuße in dasselbe auf die früher erwähnte Art begibt. Seine Nahrung am Tage ist eine Art von fliegenden Krebsen, die euren sogenannten Hirschkäfern nicht unähnlich sind.

9. Was den sogenannten Springer und Ducker, der im Besitze nur eines Fußes ist, betrifft, so ist dieses Tier nichts anderes als eine Abart des schon bekannten Maulaffen; nur besitzt er bei weitem mehr Elastizität als der Fuß des Maulaffen, aus welchem Grunde seine Fortbewegung auch eine springende ist. „Ducker“ heißt er darum, weil er sich so zusammenzuziehen imstande ist, daß er in seinem Duckzustande das Aussehen hat, als läge ein mittelgroßer Laib Brot auf der Erde. Wenn er aber dann springen will, so dehnt er sich plötzlich zu einer Länge von fünf Ellen aus. Durch dieses plötzliche Ausdehnen wirft er sich dann zu einer Höhe von zwei bis drei Klaftern – und zwar allezeit in einer bogenartigen Richtung – vorwärts, so daß ein solcher Sprung nicht selten eine Weite von sechs bis sieben Klaftern erreicht. Dieses Springen setzt dieses Tier oft sehr schnell nacheinander fort und macht, besonders am Tage, eine so schnelle Bewegung, daß es jeden Vogel in der Luft einholt. Seine Nahrung ist gleich der des Maulaffen, und so auch seine Wohnung, so bewohnen solche Tiere nebst noch vielen anderen nur die Ebenen und kommen mit den Menschen in gar seltene Berührung, weil diese nur auf den Gebirgstriften wohnen.

10. Auf den Bergen aber finden sich außer dem bekannten Schafe und den ameisenartigen Insekten nur noch eine bedeutende Anzahl kleiner Vögel vor, deren größte kaum die Größe von euren Sperlingen erlangen; die kleinsten aber sind kaum etwas größer als die Fliegen bei euch.

11. Die Gewässer sind ebenfalls belebt von allerlei Gattungen von Fischen, Würmern und vorzugsweise sehr vielen Krebsen, davon schon früher eine fliegende Gattung erwähnt wurde. Auch gibt es Schaltiere wie in den Meeren der Erde. Unter den Schaltieren ist vorzugsweise die sogenannte „blaue Kugel“ merkwürdig, weil das ein Tier ist, das seinesgleichen auf Erden nicht findet. Diese blaue Kugel kann sich in zwei Halbkugeln teilen, welche mit kleinen Muskelbändern aneinander hängen. Es nährt sich auf die Art, daß es Würmer zwischen seinen beiden Halbkugeln zerquetscht, den Saft in sich saugt und die Larven dann wieder mit Wasser wegspült. Diese „blaue Kugel“, welche die Größe einer großen Melone hat, besitzt noch die Eigenschaft, daß sie zur Nachtzeit einen so starken Glanz auf ihrer Oberfläche bietet, daß dadurch die Flüsse und Seen einen viel helleren Schimmer bekommen als das Meer der Erde unter den Wendekreisen; denn ihr werdet wohl noch nicht wissen, daß das Meer unter den Wendekreisen der Erde so stark leuchtet wie in eurer Gegend der Schnee bei vollem Monde.

12. Alle übrigen Tiere des Mondes würden für euch weniger von irgendeinem Interesse sein, da sie fürs erste mehr oder weniger Ähnlichkeit mit den Tieren der Erde haben – nur daß sie im Verhältnisse viel kleiner sind – und fürs zweite, weil ihr deren geistige Bestimmung für jetzt noch unmöglich erfassen könntet; und könntet ihr sie auch erfassen, so würde sie euch ebensowenig nützen wie der Schnee, welcher tausend Jahre vor Adam auf die Erde gefallen ist.

T4.4. Die Oberfläche und die Geister des Mondes.

11. Mai 1841

1. Nachdem wir alle die Einwohner dieses Weltkörpers kennengelernt haben, wollen wir noch seine beiderseitige Oberfläche ein wenig näher beschauen.

2. Was die der Erde zugekehrte Seite betrifft, so könnt ihr dieselbe vermöge einer gut vergrößernden Augenwaffe schon ganz wohl erkennen und ersehen, daß dieser Weltkörper keine ebene Oberfläche, sondern eine sehr gebirgige zum Beschauen darbietet. Er ist von der Erde nur dadurch unterschieden, daß er fürs erste keine Wasseroberfläche zeigt und fürs zweite, daß seine Gebirge nicht so wie die der Erde strahlenmäßig und kettenförmig von den bedeutendsten Höhepunkten auslaufen, sondern als Ringe nur sich darstellen, indem sie dadurch größere oder kleinere Flächen einschließend umfangen. Es gibt zwar wohl auch einzelne Gebirgszüge, welche denen der Erde gleichen, sowohl in Hinsicht der Strahlen-, wie auch der Kettenform; allein sie sind viel seltener, und es sind die in Strahlenform auslaufenden eigentlich keine Gebirgsrücken, sondern eine ununterbrochene Reihe von kleinen Ringwällen, deren Durchmesser kaum mehr als dreißig Klafter ausmacht. Solch kleine Ringwälle laufen dann, zu vielen Tausenden aneinandergereiht, in einer geraden Linie fort, und zwar von irgendeinem großen Ringwalle bis wieder irgend hin zu einem größeren oder ebenso großen oder öfter auch kleineren Ringwalle und bilden auf diese Weise gewisserart Straßen zwischen all den Ringwällen. Wenn ihr durch irgendein mehr vergrößerndes Fernrohr diesen Weltkörper beobachten wollt, so werdet ihr diese Ausläufer als eine Art heller, schimmernder Strahlen entdecken und sehen, wie sie von einem noch helleren und auch höheren Punkte nach allen Richtungen sich ausbreiten. Ihre zellenartige Anreihung hat manche Astronomen auf die irrige Meinung gebracht, daß sie vorgaben, Vegetation alldort entdeckt zu haben, während sie doch auf der ganzen der Erde zugekehrten Seite nicht zu entdecken ist und auch unmöglich je zu entdecken sein wird, weil es alldort keine gibt. Ebendasselbe ist auch der Fall mit den noch seltener vorkommenden kettenartigen Gebirgszügen, da sie entweder selbst aus lauter solchen Ringwällen bestehen, welche gleich unförmlichen Zuckerhüten aneinandergereiht sind und auf ihren Spitzen kleine, ringförmige Vertiefungen haben, oder solche aneinandergereihte, klippenartige Aufdämmungen umfangen eine größere, oft über fünfzig Meilen weite Fläche, welche selbst aus lauter größeren und kleineren Ringwällen besteht, in welchen selbst oft noch einzelne Stumpfkegel mit kleinen, ringartigen Vertiefungen vorkommen; ja selbst die kleinen Wälle und Abdachungen der Kegel sind oft noch mit solchen kleinen Ringwällen versehen.

3. Nun möchtet ihr wohl wissen, wozu dies alles auf einer unbewohnten Weltkörperoberfläche!

4. Wie wär's denn, so Ich euch fragen möchte: Wozu all die Pünktchen, Härchen und allerverschiedenartigsten Einkerbungen bei all den Laubblättern der Bäume, Sträucher und Pflanzen, und dergleichen Varietäten bei all den übrigen Gegenständen der belebten und unbelebten Schöpfung? – Sehet, da gäbe es gar vieles zu erklären, besonders wenn ihr dazu noch bedenket, welch eine unberechenbar großartige Bedeutung ein einzelnes Härchen auch nur einer allerunbedeutendsten Moospflanze in sich birgt!

5. Sehet, also ist es wohl auch um so mehr mit einer halben Oberfläche eines ganzen Weltkörpers der Fall; daher kann Ich euch darüber nur etwas im Allgemeinen sagen. Alle diese Ringwälle auf der Mondoberfläche sind fürs erste zur Aufnahme des Erdmagnetismus so gestellt, daß die Ränder der Wälle gewisserart Sauger dieses imponderablen Fluidums sind; fürs zweite aber sind dann die verschiedenartigen Vertiefungen Aufnahmegefäße für eben dieses Fluidum. Warum nicht alle von gleicher Größe und Tiefe sind, dafür liegt darin der Grund, weil diese Kraft eben so verschieden ausgeteilt werden muß, damit dann aus dem Durchschnitte solcher höchst genauen Verteilung jene wohlabgewogene Proportion also bewerkstelligt wird, daß ihr zufolge die ordnungsmäßige Erhaltung und Bewegung zweier sich gegenüberstehender Weltkörper unabänderlich bedingt wird. – Sehet, das ist im Allgemeinen eine Bestimmung der euch etwas sonderbar vorkommenden Bildung der Mondoberfläche!

6. Eine zweite Bestimmung fast aller dieser Vertiefungen ist die, daß in denselben, zur notwendigen Erhaltung all dieser Gebilde, beständig atmosphärische Luft sich vorfindet und erhalten wird gleich dem Wasser in den Vertiefungen der Erde. – Ihr werdet fragen, woher diese Luft komme!? Und Ich sage euch: Daher die der Erde kommt, – nämlich aus der großen Vorratskammer des unendlichen, überall mit Licht und Äther erfüllten Raumes! Zur Nachtzeit – d.h.: wenn die der Erde zugekehrte Seite ohne Licht ist – füllen sich diese Vertiefungen voll an mit atmosphärischer Luft. Kommt dann das Sonnenlicht nach und nach darüber, so bildet sich in diesen zahllosen Kesseln ein äußerst reichlicher Tau als Niederschlag, der darinnen enthaltenen atmosphärischen Luft. Dieser Tau befestigt dann von neuem wieder alle Teile der Mondoberfläche und sickert auch als reines Wasser durch den ganzen Mondkörper hindurch, zur Unterstützung der jenseitigen Wasserquellen, und daraus zur Bildung der Dünste und permanenten Luftschichten. – Sehet, das ist also eine andere Hauptbestimmung dieser euch sonderbar vorkommenden Mondoberflächenformation!

7. Möchtet ihr wohl glauben, daß all dieses Kesselgebilde der Oberfläche des Mondes noch eine dritte Hauptbestimmung zuläßt?

8. O ja, sage Ich: Alle diese Kessel sind auch Wohnungen für jene zu bessernden Geister, welche aus dem ersten Grade der Hölle gerettet werden durch die dahin gesandten Lehrer aus der besseren und reineren Geisterwelt, mit öfterer Unterstützung aus dem ersten Himmel.

9. Wenn diese Geister dahin gebracht werden, so wird ihnen aus dieser in den Kesseln befindlichen Luft ein ihr ähnlicher Leib wieder gegeben, vermöge dessen sie sowohl Geistiges, wie auch – nach dem Bedürfnisse ihrer Besserung – Materielles zu schauen imstande sind.

10. Wenn sie dahin gelangen, so bewohnen sie zuerst jene Stellen dieses Weltkörpers, welche die tiefsten und für euer Auge zugleich die dunkelsten sind. Wenn sie sich bessern, so wird ihr grober Luftleib immer in einen feineren verwandelt, vermöge dessen sie dann auch in einen höherliegenden Kessel kommen; in die kleinen kommen nur einzelne und in die größeren Kessel Gesellschaften Gleichgesinnter.

11. Zwei Punkte von besonderer Helle werdet ihr auf der Oberfläche entdecken, und zwar den hellsten in der unteren südlichen Gegend und den kleineren, etwas weniger hellen, mehr in der nördlichen Hälfte. Diese zwei Punkte sind die Erlösungspunkte, und zwar der südliche, von dem die meisten lichten Strahlen sich ausbreiten, für diejenigen, welche nicht nötig hatten, in den Leibern der Mondmenschen ausgeflickt zu werden, – und der nördliche für jene, welche nicht auf einem anderen Wege von ihrer Erdliebe zu heilen waren denn durch eine höchst marterliche Einschichtung in den allerarmseligsten Leib eines Mondmenschen, von wo aus sie dann erst wieder als Geister zum zweiten Male in die luftigen Kessel der euch sichtbaren nördlicheren Oberfläche des Mondes gebracht werden und von da nach und nach zu dem schon erwähnten nördlichen Befreiungspunkte emporrücken.

12. Ihr müßt euch aber nicht denken, daß eine solche Reise durch diese Behälter so leicht und geschwind geht, als ihr sie vielleicht von Geistern erwartet. Fürs erste geht sie sehr schwer; denn sooft ein Geist höherrückt, muß er in seinem früheren Kessel also absterben, wie jeder von euch auf der Erde einmal leiblich sterben muß. Und dieses Sterben ist auch allezeit mehr oder weniger schmerzlich und stets begleitet von dem Gefühle der Möglichkeit einer ewigen Zunichtewerdung. Denket auch, daß ein solcher Geist oft mehrere Tausende von solchen Kesseln zu passieren hat, und daß er in einem solchen Kessel oft einen Monat, oft ein halbes Jahr, ja oft ein ganzes Jahr und darüber verweilen muß, so werdet ihr euch auch von der Geschwindigkeit einer solchen Wanderung einen Begriff machen!

13. Seht, es gibt noch Geister aus den Zeiten Abrahams auf diesem Weltkörper, die mit ihrer Reise noch nicht über drei Vierteile zu Ende sind! Was könnt ihr erst von jenen denken, die, während ihr da schreibt, dahin gelangen!?

14. Sehet, das ist nun alles, was für euch zu wissen nicht unnötig ist! Alles Übrige, vom Kleinsten bis zum Größten, werdet ihr, wenn ihr Mich liebt über alles aus allen den Kräften, die Ich euch verliehen habe, daß ihr Mich lieben möchtet, dann dadurch in einem vollkommeneren Geisteszustande von Punkt zu Punkt in Meiner Gnade hellstem Lichte erschauen. Und so ist es auch nicht nötig, euch mehr von der bewohnten Seite dieses Weltkörpers kundzugeben, zumal dieselbe in plastischer Hinsicht ohnehin der unbewohnten Seite völlig gleich ist, nur daß dort Materielles obwaltet, wie hier Geistiges.

15. Daß die Tier- und Pflanzenwelt zur stufenrechten Bildung der Mondmenschenseele vollkommen den auf dieser Seite abgelegten Luftleibern der Geister entspricht, welche – wie schon früher erwähnt wurde – mittels des Wassers durch den ganzen Mondkörper gewisserart mit hindurchgesickert werden, und daß dieselben dann auf der mageren Stufe der Vegetation und so fort die ganze Reihe der Tierwelt hindurch wieder zum Orte ihrer Bestimmung gelangen, das werdet ihr alles erst eben auch in dem vollkommeneren Geisteszustande auf dem Wege Meines Gnadenlichtes wohl unterscheidend erschauen und erkennen.

16. Schließlich sage Ich euch, daß Ich es bin, der euch alles dieses kundgibt. Auch euch verrate Ich Mich Selbst, wie Ich Mich dereinst in dem Garten Gethsemane den Juden, Hohenpriestern, Pharisäern und Schriftgelehrten verraten habe. Euch aber ist Mein Verrat aus Mir Selbst zum Leben, wie er jenen war zum Tode; denn wie sich denen verriet die ewige Liebe zum Gerichte und zum Falle, ebenso verrät sich euch dieselbe ewige Liebe zum Leben und zur ewigen Auferstehung! Das aber ist der Grund und die verborgene, unergründliche Weisheit der ewigen Liebe, daß der Fall und der Tod euch ward durch das große Ich zum Leben und zur Auferstehung. Amen. Das sagt der Ich vom Tode zum Leben. Amen.

T4.5. Vier Fragen in Bezug auf den Mond.

] 1. O liebevollster Herr und Heiland! Wie verehren Dich die Mondmenschen? Bilden sie unter irgendeinem sichtbaren Oberhaupte eine Kirche, einen Staat?

] 2. Wie erziehen sie ihre Kinder?

] 3. Wofür halten sie unsere Erde, und wissen sie, daß Du auf Erden Mensch geworden bist und durch Dein bitteres Leiden und Sterben hinwegnahmst die Sünden der Welt?

] 4. Wie bewirkt der Mond das Schlafwandeln oder den Somnambulismus?

3. Juni 1841

1. Ihr könnt alle diese Fragen auf der Erde selbst bis auf einen Buchstaben erfüllt sehen, und zwar aus dem Grunde, weil zwischen den Menschen der Erde und denen auf dem Monde in geistiger Hinsicht kein wesentlicher Unterschied ist; denn wie euch schon ohnehin bekannt ist, sind die Mondbewohner nichts als zu bessernde Menschen von der Erde und bringen wie jeder andere Geist ihre Werke mit sich. Daß aber die Werke dieser Mondübersiedler gerade nicht von der besten Art sind, besagt ja schon hinreichend ihre Versetzung dorthin.

1.

2. Wollt ihr nun Meine Verehrung von seiten der beiderseitigen Mondbewohner erfahren, so werft einen Blick auf das weltsüchtige Volk dieser Erde selbst, und ihr werdet einen getreuen Spiegel finden, der euch zeigen wird, wie zum größten Teile Meine Verehrung bei den Bewohnern des Mondes sich gestaltet.

3. Was tun hier die Weltsüchtigen? Welche Ehre erweisen sie Mir, und mit welchem Lobe entrichten sie Mir den gebührenden Zoll? Verwenden diese Weltlinge nicht alle ihre Sorgfalt auf ihren Dreckkasten? – Die einen sind immer emsig besorgt, mit welchen Fetzen sie den Schmeißhaufen des Geistes umhüllen sollen. Wieder andere sind besorgt, was all für wohlschmeckende Speisen sie sich bereiten sollen, um dieselben dann in den Magen, als der wahren Werkstätte des Todes, hineinzuschieben. Wieder andere sind besorgt um ein prächtiges Haus, um eine schöne, glänzende Einrichtung, weiche Stühle und Sofas, glänzende Tische und überaus weiche Betten, um auf denselben desto leichter und bequemer am Tage wie bei der Nacht zu faulenzen und ja sorgfältig achtzugeben, daß ihr innerer, allergeliebtester Freund Magen ja nicht etwa irgendeinen beleidigenden Druck oder etwa gar eine etwas schmerzhafte Quetschung erleiden möchte. Auch fürchten sich diese Magenfreunde ganz vorzüglich vor den Strahlen der Sonne, aus welchem Grunde sie dann wieder Sorge tragen, daß ja nicht zuviel Sonnenlicht durch die Fenster ins Zimmer fällt, welche darum auch mit allerlei Fetzen behangen sind. Merkt ihr nichts, daß solche Menschen schon hier eine leise Verwandtschaft haben mit den Höhlenhockern des Mondes, welche, weil sie sich keine solchen Prachthäuser mehr errichten können und ihre Fenster mit Fetzen zu behängen nicht mehr imstande sind, dafür vor den Sonnenstrahlen in ihre Höhlen fliehen und dort ebenfalls bis zum späten Nachmittage verweilen, gleich den sich Bequem- und Guttuern auf dieser Erde, welche da aus ihren Zimmern in wohlgepolsterte und schwingende Wagen steigen, um eine der Gesundheit des Leibes nach ihrer Meinung wohl förderliche Bewegung zu machen!? Und wieder andere gibt es auf dieser Erde, die kein anderes wichtigeres Geschäft kennen als den Geld- und Sachwucher. Und wieder andere gibt es, die keine anderen Gedanken haben, als sich auf jede mögliche Art zu putzen, welche Sorgfalt ganz besonders vom weiblichen Geschlechte gehandhabt wird und zwar in der redlichen Absicht, irgendeinen jungen, unerfahrenen Menschen dadurch hinters Licht zu führen und ihn nach der Klafter zu betrügen. Solches tut freilich keine rechtschaffene Jungfer. Denn wenn eine Jungfer ihren wahren inneren Wert erkennt und aus diesem heraus auch den Wert des Nebenmenschen, fragt euch selbst, wird sie sich wohl auch dann also putzen, um jemanden durch sich selbst zu betrügen und zu tun gleich den Juden, welche das schlechte Metall putzen, um es den Narren als Gold zu verkaufen? Ich sage: solches wird sie nicht tun, da sie wohl erkennt, daß sie kein falsches, sondern ein echtes Gold ist, wozu es auch keines Narren sondern eines Verständigen bedarf, der das Gold alsobald erkennen und nehmen wird um den gerechten Preis. – Und sehet, Ich könnte euch noch eine Menge solcher Weltlinge aufführen; allein es ist zur Erleuchtung der Sache nicht nötig.

4. Ihr wisset, wie Ich einstens gesagt habe, daß sich da niemand sorgen solle, was er essen und trinken werde, so auch nicht um das Kleid des Leibes, sondern suchen einzig und allein Mein Reich und dessen Gerechtigkeit, welche ist Meine große Liebe zu denen, die Mich ebenfalls, so wie Ich sie, über alles lieben. Wie ist dann Meine Verehrung beschaffen bei jenen Menschen auf dieser Erde, von denen die bessere Art im Durchschnitte des Tages dreiundzwanzig Stunden zur Pflege ihres Leibes verwendet, Mich aber kaum mit einer zerstreuten Stunde abgefertigt? Heißt das wohl „das Reich Gottes suchen“? Ich sage euch: Die Frösche in den Pfützen und die Maulwürfe in der Erde können euch gar wohl als lehrende Apostel dienen, denn wahrlich, der Frosch quakt die meiste Zeit des Tages in seiner Freude über das empfundene Leben in seiner Pfütze und lobt Mich dadurch unbewußt in seiner quakenden Freude für den Besitz des Lebens; und der Maulwurf erkennt und bahnt sich in der finsteren Erde seine Wege, und seine Arbeit und seine lautlose Ruhe ist ein stiller Lobgesang, durch welchen er unablässig Mich, seinen Schöpfer, preist.

5. Aber der Mensch, für den Ich alles erschaffen habe, für den Ich so Großes getan habe, noch jetzt tue und ewig tun werde, ja für den Ich unablässig sorge und alle Meine Weisheit und Liebe für ihn verwende, mehr denn ein liebeerfülltester Bräutigam für seine allergeliebteste teuerste Braut, – dieser Mensch findet im Tage nur kaum eine Stunde für Mich, und diese noch dazu nur so, wie eine liederliche Köchin oft ganz gedankenlos ein Salz in die Speise wirft, weil sie dergleichen zu tun schon gewöhnt ist, oder um doch wenigstens sagen zu können, sie habe die Suppe gesalzen, wenn diese öfters auch nicht besser schmeckt als ein pures, laues Wasser ohne Öl und Salz! – Wahrlich Ich sage euch, durch eine solche Verehrung wird euer Gott nicht fetter und dadurch euer Leben selbst auch nicht kräftiger werden; denn das Leben eurer hölzernen Haus- und Zimmerkruzifixe, welche euch körperlich die große Erbärmlichkeit anzeigen, wie sehr eure Verehrung und euer Gottesdienst dem der Juden gleicht, welche doch wenigstens den Lebendigen ans Kreuz geschlagen haben, während ihr zu dieser Arbeit lang zu faul und zu lau wäret und euch begnügt, daß euch jemand eine solche schon vollbrachte hölzerne Kreuzigung verkauft, welche dann auch vollkommen geeignet ist, an Meiner Statt die Atome eurer Verehrung anzunehmen. O ihr Toren! Das geformte Holz oder Stein oder Metall verehrt ihr also, wie der Hund verehrt einen Eckstein, den ein Vorgänger beschnüffelt hat, drückt eure Lippen an das Holz und meint, wenn ihr dabei noch ein sogenanntes Vaterunser und Ave-Maria geplappert habt, oder wenn ihr in einer Kirche, aus Steinen gemacht und voll Schnitzwerk, etwa eine Stunde lang gedankenlos und geputzt, mit einem vergoldeten Gebetbuche in der Hand, zugebracht habt, ihr hättet Mir gedient und Mich etwa verehrt über Hals und Kopf. O ihr Toren! Meint ihr denn, Ich sei im Holze, im Steine, im Metalle oder in anderem eitlen Schnitzwerke aus den Händen der Tischler, Bildhauer, Drechsler, Schlosser, Schmiede, Maurer und Maler? Wahrlich Ich sage euch: Alle solchen Verehrer, wenn sie sich hier auf dieser Erde nicht eines anderen bedenken werden, werden dereinst hübsch lange im Monde in die Schule gehen müssen und alldort unter großen Mühseligkeiten geistig und oft auch körperlich erfahren müssen, daß der lebendige Gott durchaus kein Wohlgefallen hat an einer solchen unsinnigen Verehrung, die viel schlechter ist als jene der blinden Heiden, welche ihrem Abgotte wenigstens aus Furcht, wennschon nicht aus Liebe, ein ernstes Opfer bringen, wogegen ihr Mich, den lebendigen Gott, verehrt, als wäre Ich entweder gar nicht, oder als wäre Ich im Ernste nur von Holz oder, wenn's etwas besser geht, entweder neu- oder altgebacken aus Mehl.

6. Wollt ihr nun wissen, worin die Verehrung Gottes bei den Mondmenschen besteht, sowohl auf der geistigen als auch auf der leiblichen Seite dieses Weltkörpers, so sage Ich euch, daß die alldortige Verehrung in nichts anderem besteht als darin, daß die Menschen alldort erst nach und nach erlernen, worin die wahre Gottesverehrung besteht, welcher Erlernung zufolge sie dann Gott im Geiste und in der Wahrheit, und zwar in sich selbst, zu verehren anfangen, aber nicht so, wie ihr des Tages einstündig nur, und selbst da noch dazu überaus lau im Holze und allerlei geistig gepriesenen Torheiten. Auch besteht die Verehrung Gottes alldort darin, daß diejenigen, die hier ihrem Leibe dreiundzwanzig Stunden lang im Tage wohlgetan haben, dort lange Zeit hindurch lernen müssen, solch extrafeine leibliche Wohltaten zu entbehren, sich bis in die innerste Faser des Lebens zu verleugnen und alles einzig und allein von Mir zu erwarten. Sie müssen ihren Glauben oft die vielfältigsten und schwersten Prüfungen hindurch immerwährend als lebendig bekennen, aber nicht wie ihr, die ihr entweder gar keinen Glauben habt, oder, so ihr schon einen habt, so umfaßt dieser Mich, den lebendigen Gott, mit eben der kleintraulichen Kraft, mit welcher er ein hölzernes, schlecht geformtes Kruzifixlein umfaßt.

2.

7. Und so dadurch die erste Frage beantwortet ist, so beantwortet sich die zweite von selbst; denn wo Ich entweder äußerlich durch dahin gesandte Engel oder innerlich Selbst als Lehrer auftrete, da bedarf es keines kirchlichen, wie auch anderartigen Oberhauptes, – woraus auch ihr ersehen könnt, daß derjenige, dem Ich zum Lehrer geworden bin, alle anderen oberhäuptlichen oder nichtoberhäuptlichen Lehrer gar leicht entbehren kann, besonders wenn das Oberhaupt viel mehr ein goldenes denn ein geistiges ist. Und so bildet der ganze Mond nichts anderes als einen geistigen Korrektionsstaat unter Meiner alleinigen Leitung.

8. Nach dieser inneren Lehre werden auch ihre Kinder erzogen. Ihr einziges Bedürfnis ist die Liebe, und aus dieser heraus der Glaube, nach der Lehre der Geister, daß Ich ein Mensch bin und habe solche Natur leiblich auf der Welt, von der sie ursprünglich abstammen, angenommen, um nicht nur allein alle Menschen auf der Erde und dem Monde zu beseligen, sondern auch alle, die in den endlosen Räumen auf zahllosen Weltkörpern Zerstreuten in ihrer Art zu versammeln und unter dem Kreuze der Liebe auch für sie eine bleibende Stätte zu errichten. – Sehet, das ist das Ganze der Religion und Gottesverehrung auf dem Monde!

9. Darum aber müssen dort die Männer ihre Weiber herumtragen, auf daß sie durch ihre stets drückende Last von ihrer sinnlichen Fleischeslust geheilt werden. Wahrlich sage Ich euch: es dürfte auf der Erde ein König in seinem Staate allen den Wollüstlingen solche unerläßliche Pflicht auferlegen, daß, so ein solcher Wollüstling mit einer Dirne gebuhlet hat, er dieselbe dann ein ganzes Jahr hindurch auf seinem Rücken herumschleppen und sie also Tag und Nacht, entweder liegend, sitzend, stehend oder gehend behalten müßte! Fürwahr, er wird diesen Zeitraum hindurch des süßen Fleisches gewiß also satt werden, wie ein Schleckbube nach dem Genusse des Honigs, durch welchen er seinen Magen so beschwerend verdorben hat, daß er nach der Wiederherstellung seines Magens sich vor dem Honig noch mehr fürchtet als vor der stechenden Biene!

10. Freilich ist dieses hier nur gesagt zum erschaulicheren Zeugnisse für den Mond und mag auf der Erde, wo der Mensch in seiner vollsten Freiheit ist, nicht wohl angewendet werden, weil die Strafe wohl das Fleisch auf eine Zeitlang bessert und zur Ordnung bringt, aber gar nicht die Seele und noch viel weniger den freien Geist, – daher in dem Monde solche Handlung nicht als Strafe, sondern nur als innigste, bessere Liebe stattfindet.

3.

11. Die Frage, was die Mondbewohner von der Erde halten, ist nach all dem ganz überflüssig. Denn diejenigen Bewohner, die vermöge ihrer diesseitigen Stellung auf dem Mondkörper die Erde sehen könnten, sind Geister und können das Materielle nur auf dem Wege geistiger Entsprechungen erschauen; die jenseitigen Bewohner des Mondes aber bekommen die Erde ja ohnedies nie zu Gesicht und kennen dieselbe nur geistig.

4.

12. Was die letzte Frage betrifft, so ist euer Begriff, als bewirke der Mond solches Schlafwandeln, ganz irrig. Letzteres wird nur bewirkt um die Zeit des Vollmondes durch das intensiver werdende magnetische Fluidum der Erde selbst. Wenn der Mond im Vollichte der Sonne ist, so treibt das Licht das magnetische Fluidum vom Monde gewisserart wieder zur Erde zurück, auf welche Weise dann die Erde vollgeladener wird, und Menschen, die in ihrem Blute durch verschiedene Einwirkungen, entweder des Wassers, der Luft oder der Eßwaren, mehr Metall haben, haben dann auch die natürliche Fähigkeit in sich, eben dieses zurückströmende Fluidum leitend aufzunehmen.

13. Wenn ihre Nerven dann dadurch angefüllt sind und die Seele lästig zu drücken anfangen, dann erwacht diese, oder sie macht sich vielmehr los von ihren leiblichen Banden und will dem drückenden Leibe entfliehen. Der Leib besitzt nun noch einen ganz eigentümlichen Nervengeist, welcher fürs erste höchst verwandt ist mit dem magnetischen Fluidum, fürs zweite aber ebenso innigst mit der Seele, welche eben durch diesen Nervengeist mit dem Leibe zusammenhängt und mit demselben korrespondiert. Wenn die Seele sich nun aus dem Staube machen möchte, so erweckt sie dann auch den ihr innigst verbundenen Nervengeist und dieser natürlicherweise den Leib, und so geht dann der sogenannte Schlafzug also vor sich, als wenn drei Menschen hintereinander hergingen, die aneinandergebunden wären; jedoch der Geist bleibt in der Seele, darum sie auch lebendig ist. Wenn dann ein solcher Schlafwandler sein Gesicht gegen den Mond wendet und oft auf Dächer und Kirchtürme steigt, so geschieht es darum, damit er sich aus der magnetüberfüllten Tiefe der Erde erhebe und dadurch seine drückende Überfülle an diesem Fluidum vermindere, damit dann der Leib wieder geeignet werden möchte, seine Seele mit dem Geiste durch den Nervengeist wieder aufzunehmen und zu beherbergen. Wenn der Leib nun wieder frei geworden ist, so trägt ihn die Seele durch den Nervengeist an die vorige Stelle zurück und vereinigt sich daselbst erst vollends wieder mit dem Leibe. Natürlicherweise weiß nun die Seele nichts von dem Zustande, weil sie kein Gedächtnis hat. Dieses wird von den Philosophen irrig als ein Seelenvermögen erklärt, während die Seele nur das weiß, was sie eben erschaut, und die Erinnerung der Seele im Leibe ist nichts als ein wiederholtes Wiederschauen der entsprechenden naturmäßigen Eindrücke des künstlichen Organismus des Leibes, zu welcher Anschauung sie freilich erst durch die entsprechenden zahllosen Formen, welche der Geist in sich trägt, von selbem erweckt wird.

14. Nun wisset ihr alles bis auf die eigentliche Wesenheit des magnetischen Fluidums selbst. Was dieses ist, und worin es besteht, darüber läßt sich jedoch, um es unserem Verständnisse näherzubringen, mit wenigen Worten nichts Genügendes sagen; denn mit wenig Worten auf dem Wege der Weisheit würdet ihr es schwerlich je erfassen, und für viele Worte seid ihr schon zu müde!

15. Daher erwartet für die nächste Gelegenheit diesen nicht unwichtigen Nachtrag, mit welchem diese Aufgabe erst als beendet anzusehen sein soll! Und somit für heute Amen! – Ich, euer Vater. Amen.

T4.6. Das magnetische Fluidum.

5. Juni 1841

1. Wenn ihr die Dinge vom Kleinsten bis zum Größten betrachtet, wie sie sind der Form und der Gediegenheit nach, einander mehr oder weniger ähnlich und auch mehr oder weniger von ein und derselben Beschaffenheit, so entdeckt ihr an ihnen das, was euch zuerst in die Augen fällt, – und dieses ist die Form. Nehmt ihr ein oder das andere Ding in die Hand, so wird euch das Gefühl alsbald bekanntgegeben, ob die betastete Sache mehr oder weniger gediegen ist. Nehmt ihr eine Sache um die andere in die Hand, wovon jede vom gleichen äußeren Umfange ist, so werdet ihr da noch einen dritten Unterschied erkennen, nämlich den des spezifischen Gewichtes. Wenn ihr aber nun die Festigkeit der Körper prüfet, so werdet ihr nicht selten finden, daß die weniger festen Körper spezifisch schwerer sind als die ganz festen. So z.B. ist ein gleiches Volumen flüssigen Silbers bei weitem schwerer als dasselbe Volumen des allerfestesten Eisenstahls, und dergleichen noch gar viele Beispiele.

2. Ja selbst Dinge von ein und derselben Art, wie z.B. das Wasser, sind sowohl unter sich, als auch unter ihren verschiedenen Temperaturzuständen bei gleichem Volumen gewichtuneins; so z.B. ist ein Tropfen Regenwasser leichter als ein Tropfen aus einem Brunnen oder aus irgendeiner anderen Quelle. So ist auch ein warmer Tropfen leichter als ein kalter, ein gefrorener Tropfen ebenfalls leichter als jeder andere Wassertropfen.

3. Dieselben Unterschiede könnt ihr in allen Dingen antreffen. Um zu erkennen, wie verschieden erst die Arten und Gattungen und ihre Abstufungen in jeder Hinsicht – sowohl der Form, der Gediegenheit, als auch der Festigkeit und Schwere nach – sind, da braucht ihr nur einen Blick auf all die Dinge zu richten, und sie werden euch ohne Verzug überlaut zurufen: „Sieh, Forscher, wie unendlich verschieden wir sind! Und doch beruht unser Sein auf ein und demselben Gesetze, und wir alle sind aus ein und demselben Stoffe! Und doch sind wir unter uns so, daß fast keines dem andern vollends gleicht, sowohl in der Form, Gediegenheit, Festigkeit und Schwere!“

4. Dieses jetzt Vorausgeschickte ist eine notwendige Einleitung, ohne welche ihr das Nachfolgende kaum begreifen würdet, weil ihr euch hier schon werdet gefallen lassen müssen – bevor wir noch zu der eigentlichen Erklärung des sogenannten „Magnetismus“ gelangen werden –, einige kleine Nüsse aus der Sphäre der Weisheit zu verschlingen, ohne welche für euer Verständnis die Sache unmöglich für alle Zeiten gründlich dargetan werden kann.

5. Um also von eurer Seite der Sache auf die Spur zu kommen, wie von Meiner Seite euch auf die rechte Spur zu leiten, ist es vor allem nötig, daß ihr einen Blick auf die endlose Vergangenheit werft.

6. Denkt euch jene Periode, in welcher im unendlichen Raume noch kein Wesen außer Mir weder geistig noch viel weniger materiell irgendein sich gegen ein anderes darstellendes Dasein hatte!

7. Woraus bestand da der endlose Raum, und wohin floß die Zeit, in welcher dieser endlose Raum ewig bestand?

8. Was war Mein Sein vor allem Sein, und wie ist alles Sein aus diesem einzigen Sein entstanden und hervorgegangen?

9. Was ist nun der Raum? Was im selben das Ursein Meiner Selbst? Und was das zeitgemäße Sein im endlosen Raume in Mir, aus Mir und neben Mir?

10. Seht, so äußerst schwierig diese Fragen, freilich nur aus der untersten Stufe Meiner Weisheit, in Hinsicht auf eine genügende Beantwortung zu sein scheinen, ebenso leicht aber auch sind sie im Anbetrachte der zu erklärenden Sache selbst.

11. Ein kleines Beispiel, von euch selbst abgenommen, soll euch diese Fragen erläuternd beantworten: Jemand von euch hätte irgendeinen Gedanken schon lange in sich herumgetragen; weil ihm dieser Gedanke gefällt, so gesellt er zu diesem Grundgedanken noch einen zweiten, nämlich den, ob sich der Grundgedanke nicht ins Werk setzen ließe. Dieser zweite Gedanke findet alsobald die Möglichkeit; aber zur Realisierung des Zweckes ist noch ein dritter Gedanke nötig, der zwar schon in den zwei ersten Gedanken enthalten ist, und dieser ist und besteht in nichts anderem als in dem einzigen Fragewörtchen „Wie?“. – Nun seht, diese drei Fragen sind gestellt, und eine beantwortet die andere; aber mit dieser gegenseitigen Beantwortung ist die Sache noch nicht fertig, ja auch nicht einmal angefangen. Daher treten diese drei Hauptgedanken in einem Rate zusammen und befragen sich um das wichtige „Warum?“. Und nach kurzer Beratung sagt der erste Grundgedanke: „Weil es etwas ist, das mir vollkommen ähnlich ist!“ Der zweite Gedanke sagt: Weil es eben aus dem Grunde ausführbar ist, weil der erste Gedanke dadurch mit sich selbst in keinem Widerspruche steht, so er sich, wie er ist, seiner selbst wegen manifestieren will!“ Und der dritte Gedanke sagt: „Weil in dem Grunde, der sich selbst manifestieren will, das Hauptmittel zur Realisierung liegt, und zwar aus dem Grunde, weil der Gedanke in seinem Fundamente sowohl mit sich selbst als auch mit allen seinen Teilen sich nirgends widerspricht!“

12. Nun seht, euer Gedanke wäre dieser, daß ihr möchtet auf irgendeinem Platze ein Haus erbauen. Werdet ihr euch nicht das Haus zuerst nach allen seinen Teilen in eurer Phantasie so vorstellen, wie ihr es gerade am liebsten haben möchtet? Wenn ihr nun das Haus in eurer Phantasie aufgebaut habt und habt recht viel Freude an diesem Phantasiegebäude, werdet ihr euch da nicht fragen, ob denn in allem Ernste euer Phantasiegebäude nicht in der Wirklichkeit auszuführen wäre? Und so ihr anders nicht ein Haus in der Luft erbauen wollet, wird euch der zweite Gedanke ja augenscheinlich die Möglichkeit der Realisierung eures Baugedankens zeigen; und somit wäret ihr in zwei Punkten aus dem Grunde einig, weil der erste Gedanke keinen Widerspruch in sich enthält und somit schon in sich selbst den zweiten bedingt.

13. Was jetzt folgt, ist das „Wie?“, d. h.: „durch welche Mittel?“. Das erste Hauptmittel ist die Möglichkeit selbst. Das zweite Mittel ist der mit der möglichen Realisierung des Ganzen verbundene Zweck; denn es kann niemand mit einer zu realisierenden Sache einen Zweck verbinden, bevor er nicht darüber im reinen ist, daß die Sache selbst möglich ausführbar ist. Das dritte Mittel ist nun das Material und die zur entsprechenden Gestaltung desselben genügende Kraft. Habt ihr nun dieses alles beisammen und seid ihr vollkommen Herr eures Platzes, was soll oder was könnte euch da wohl noch hindern, euren Hauptgedanken in die sichtbare Wirklichkeit übergehen zu lassen?

14. Nun sehet, in kurzer Zeit werdet ihr euren Gedanken vor euch bleibend erblicken, weil ihr alle Bedingungen zur Realisierung gefunden habt; denn ihr habt ja Material und habt bauende Kräfte und habt Vermögen.

15. Aber wenn ihr zurücksehet auf Mich, als den ewigen, großen Hauptgedankenträger und unübertrefflichen Großbaumeister, der den unendlichen Raum mit zahllosen, überaus großen und kunstvollen Gebäuden angefüllt hat, so werdet ihr euch doch im Vorübergehen ein wenig fragen müssen: „Woher hat denn der große Baumeister aller dieser zahllosen großen Dinge das Material genommen?“

16. Wenn ihr euch an die Weltgelehrten wendet, welche wirklich sehr pfiffig sind, die werden es euch mit der größten Leichtigkeit an den Fingern herzählen, und es werden einige sagen, die Materie sei ebenso alt als Ich Selbst und somit ewig. – Nun seht, da haben wir ja ein leichtes Stück Arbeit und können bauen nach Belieben! Der einzige unerklärliche Umstand wäre dabei nur dieser, wie Ich es da mit dieser ungeheuren, ewigen Vorratskammer der Materie angefangen habe, um bis auf die gegenwärtige Zeit zahllose Dinge herauszudrechseln, und wann Ich eigentlich angefangen habe, daß Ich bis auf die gegenwärtige Zeit mit der Unendlichkeit fertig geworden bin. Setzt nicht jedes Ding einen Anfang voraus?

17. Fragt euch aber so ein wenig nur, ob, so ihr ein Ding nach dem andern rechnet, die unendliche Zahl auch einen Anfang hat!? Das aber besagt ebensoviel, als daß Ich nie etwas zu erschaffen angefangen habe; wenn es aber also wäre, was und woher wären denn hernach die Sonnen, Welten und all die andern zahllosen Dinge, an deren Dasein ihr doch sicherlich nicht zweifeln werdet?!

18. Seht, diesem Pfiffikus von einem Wegweiser werden wir nicht folgen können, weil sein erster Grundgedanke voll Widerspruchs ist, und somit der zweite und dritte von selbst hinwegfällt.

19. Ein anderer aber sagt, Ich habe mit einem Worte das ewige Chaos zurechtgebracht und habe aus ihm geformt und geordnet alle Dinge. – Es muß euch auf den ersten Blick die vollkommene Ähnlichkeit zwischen der ersten und der zweiten Behauptung auffallen; denn was wäre das Chaos anderes als eine schon ewig vorhanden gewesene Materie, vermöge welcher Ich kein Schöpfer, sondern ein barer Handwerker hätte sein müssen! Und wie reimt sich auf der anderen Seite ein ewiges Chaos und Meine ewige Ordnung nebeneinander? – Aber vielleicht weiß noch irgendein dritter einen klugen Ausweg?

20. Gebt nur acht, wir haben schon wieder einen, der da behauptet, Ich und die Materie seien ein und dasselbe! – Diese Behauptung hätte gerade eben keinen Ungrund; nur eines dürfte dabei auch etwas schwer einleuchtend werden – und das zwar insofern, als ihr Mich nur als einen Geist voll Kraft, Macht und Leben erkennt, der in Sich durchaus in der allergrößten Freiheit ist und auch sein muß, da ihr als seine Geschöpfe schon frei seid und noch unendlich freier werden könnt! –, wie denn dieser allerhöchst freie Geist voll Kraft und Leben Sich in zahllosen leb- und kraftlosen Steinen und anderer toten Materie als Solcher Sich manifestierend befinden mag!? Wahrlich, wer solches einleuchtend erweisen könnte, der müßte noch eine viel unendlichere Weisheit besitzen als Ich Selbst! Allein von einer solchen Überflügelung werdet ihr wohl für die ganze Ewigkeit nichts zu befürchten haben, und zwar aus dem Grunde, weil die Weisheit aller zahllosen vollkommensten Engelsgeister gegen die Meinige sich gerade so verhält wie ein unendlich kleines Atom gegen den unendlich großen Raum, dessen Anfang und dessen Ende nirgends ist!

21. Ich brauche euch nicht noch mehrere superkluge Wegweiser anzuführen; denn da ist einer gegen den andern nicht um ein Haar klüger. Aber weil die Dinge doch da sind, wie ihr sie seht, Ich aber und die Dinge nicht eins sind, sondern da Ich bin, wie Ich bin als Gott von Ewigkeit, und die Dinge sind, wie Ich sie aus Mir, in Mir und dann neben Mir erschaffen habe, so wird es etwa doch der Mühe wert sein, zu erfahren, wie solche Dinge denn aus Mir, in Mir und neben Mir erschaffen worden sind.

22. Nun höret denn! Könnt ihr euch nicht verschiedenes wohlgeordnetes Gutes und daher Zweckdienliches denken? O ja, das könnt ihr allerdings; nur weil ihr selbst endlich und unmöglich gleich Mir unendlich sein könnt, so sind auch eure Gedanken, wie ihr selbst, der endlichen Zahl untertan. Meine Gedanken aber sind in ein und demselben Augenblicke in größter Klarheit, wie Ich Selbst Meinem Gottwesen nach. So Ich nun will, daß Meine Gedanken bleiben, so ist auch das Werk schon fertig; und demnach sind alle die euch sichtbaren Werke, wie ihr selbst, weder Materie, noch geformtes Chaos, noch Gott in der Materie, sondern sie sind festgehaltene Gedanken von Mir.

23. Nun, sind also diese Meine gehaltenen Gedanken nicht aus Mir, in Mir und neben Mir? Aus Mir, weil sogar ihr aus niemand anderem als aus euch selbst denken könnet; um wieviel weniger erst Ich, da es außer Mir keinen zweiten Gott gibt, aus dem Ich Gedanken holen könnte! Daß diese Gedanken daher auch in Mir sind und unmöglich in irgend jemand anderem sein können, bedarf keines Beweises. Daß aber diese Werkgedanken, obschon sie aus und in Mir sind, aber doch neben Mir bestehen, werdet ihr daraus hoffentlich überaus klar entnehmen können, daß ihr doch schon bei euren Gedanken sagen müßt, daß ihr und der Gedanke nicht ein und dasselbe seid, – aus welchem Grunde denn um so mehr Meine Gedanken nicht Ich, sondern nur Meine Gedanken sind!

24. Was aber nicht Ich ist, das ist aus dem Ich, und weil es nicht dasselbe, sondern nur von demselben Hervorgebrachtes ist, also ist es auch im selben neben demselben. Ihr müsset euch das „neben“ hier nicht so vorstellen wie ein Baum neben dem andern, welches sehr unrichtig ist, da ein Baum eigentlich nur außer dem andern ist. Also ist es nicht bei dem Denker und dessen Gedanken, da der Denker der Schöpfer des Gedankens ist, d.h. da er aus seinen ihm innewohnenden Fähigkeiten und den diesen entsprechenden Vollkommenheiten eine zweckmäßige, ordnungsmäßig geformte Idee schöpft und somit er, als der tätige Schöpfer, und die aus ihm geschöpfte Idee nicht ein und dasselbe sind, sondern sie sind wie der Hervorbringer und das Hervorgebrachte, und daher nebeneinander. – Wenn ihr darüber nur ein wenig nachdenkt, so werdet ihr dieses Wenige der Weisheit, insoweit es zu dem vorliegenden Zwecke nötig ist, ja wohl leicht fassen.

25. Da wir nun alles Nötige vorausgeschickt haben, so wollen wir denn nun auch mit einem Hieb den gordischen Knoten des Magnetismus auflösen! Was ist also der Magnetismus? – Höret, und dann auch ein wenig – staunet! Der Magnetismus oder vielmehr das magnetische Fluidum ist in allem Ernste nichts anderes als Mein eigener, Meine Gedanken fortwährend erhaltender und leitender Wille; denn er erhält und leitet die ganze Schöpfung und erhält jedem euch sichtbaren Wesen seine Form und seine ordnungsmäßige Regsamkeit. Ihr selbst seid eurem formellen Wesen nach ihm für alle ewigen Zeiten untertan, und wäret ihr es nicht, so wäret ihr auch nichts, gleich den Gedanken, die noch nie gedacht worden sind! Aber in euch ist mehr als bloß Mein unendlich allwirkender Wille; und dieses Mehr ist, daß ihr Meine Lieblingsgedanken seid. Daher geht auch Meine Liebe, welche Mein eigenes Grundleben ist, in euch über und bildet euch gleich Mir zu selbständigen Wesen, welche, insoweit sie meine Liebe – vermöge des ihnen voraus erteilten freien Willens – aufnehmen, auch dadurch zu dem vollkommensten, eigentümlichen Besitze der vollsten Freiheit durch ebendiese Meine Liebe in ihnen gelangen können.

26. Ihr wißt, daß zum sogenannten Magnetisieren ein fester Wille in der überzeugenden Kraft des Glaubens erforderlich ist, um jemandem auf diese Art zu helfen. Seht, da geschieht eigentlich nichts anderes, als daß der Magnetiseur entweder bewußt oder auch zum Teile unbewußt seine Willenskraft mit der Meinigen in Verbindung setzt und dann dieselbe durch die Tätigkeitsrepräsentanten seines eigenen Willens auf den Leidenden überströmen läßt, wodurch dann der Leidende gediegener, nach und nach fester und dadurch auch gesünder oder isoliert natürlich schwerer wird. – Seht, da habt ihr im Grunde schon alles!

27. Diese Meine Willenskraft ist dasjenige große Band, das alle Weltkörper aneinander bindet und sie alle um- und durcheinander trägt. Sie ist positiv, da sie tätig wirkt, negativ in der eigenen unwandelbaren Selbsterhaltung, welche aber ist die ewige Ordnung selbst, – gleich als wenn ihr sagt: „Bis hierher und nicht weiter!“ Das „Bis hierher” ist das Gesetz der ewig fortwährenden Wirkung, und „Nicht weiter“ ist der negative Pol oder das erhaltende Gesetz der ewigen Ordnung.

28. Und so ist eben dieser Mein also polarisierter Wille zugleich der Grundstoff aller Dinge, mögen sie wie immer beschaffen sein; ob sie groß, klein, gediegen, hart, weich, schwer oder leicht sind, so sind sie also nichts als Meine allerweisesten Gedanken und haben ihr körperliches, sichtbares Dasein durch die euch bekanntgegebene Polarisation Meines ewigen Willens.

29. Nun habt ihr alles! So ihr darüber nachdenken wollt, werden euch alle Erscheinungen sonnenklar werden! Aber alle weltlichen Erklärungen müßt ihr euch rein aus dem Sinne schlagen; denn wahrlich sage Ich euch: sie sind der Wahrheit ferner denn ein Schöpfungspol dem andern. Das sage Ich euch als der alleinige Urbesitzer des allerkräftigsten Magnetismus. Amen. Begreifet es wohl! Amen.